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Kortison: Wirkung und Nebenwirkungen

Das Medikament Kortison wird bei zahlreichen Erkrankungen eingesetzt, vor allem dann, wenn es um die Unterdrückung entzündlicher Prozesse im Körper geht. Im folgenden Beitrag beantworten wir die häufigsten Fragen zur Wirkung und zu den Nebenwirkungen von Kortison.

Was ist Kortison?

Kortison ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe sehr ähnlicher Substanzen, den sogenannten Glukokortikoiden oder auch Steroiden. Diese lebenswichtigen körpereigenen Hormone werden in der Nebennierenrinde gebildet – und manchmal auch als Medikament verschrieben.

Antientzündlich und immunsuppressiv

Kortison beeinflusst unter anderem unseren Zuckerstoffwechsel sowie den Wasser- und Elektrolythaushalt. Auch bei Stress hat das Hormon seine Finger im Spiel. Vor allem aber wirkt Kortison antientzündlich und bremst überschießende Immunreaktionen. Entsprechend vielfältig sind die Anwendungsgebiete von Kortison. Dazu gehören zahlreiche chronisch-entzündliche Erkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Asthma, COPD), Autoimmunkrankheiten (z.B. Multiple Sklerose) sowie allergische Reaktionen.

Als Tablette, Creme oder Spray

Kortison kann entweder als Tablette oder Infusion verabreicht werden (systemische Gabe) oder aber lokal. Bei Hauterkrankungen etwa wird es als Creme bzw. Salbe aufgetragen, am Auge in Form von Tröpfchen. Außerdem kann Kortison als Spray inhaliert werden. In dieser Form kommt es vor allem bei Asthma und COPD zum Einsatz.

Die komplexen Wirkmechanismen erklären auch das Nebenwirkungspotential von Kortison. Es ist vor allem bei systemischer Anwendung relevant. Lokal (topisch) sind unerwünschte Wirkungen zum Glück selten und weniger gravierend.

Wie stark sind verschiedene Kortison-Präparate im Vergleich?

Kortison ist nicht gleich Kortison. Auch Hydrokortison, Prednison/Prednisolon, Methylprednisolon und Dexamethason sind Kortison-Präparate, die alle in der Schubbehandlung von MS eingesetzt werden.

Der Vergleich der Wirksamkeit ergibt (wirkungsgleiche Dosis: 25 mg Kortison z.B. gleich wirksam mit 5 mg Prednison):

Präparat

wirkungsgleiche Dosis


Kortison

25 mg

Hydrokortison (Cortisol)

20 mg

Prednison

5 mg

Prednisolon

5 mg

Methylprednison

4 mg

Dexamethason


0,75 mg

Welche Nebenwirkungen haben Kortisontabletten?

Kortison ist ein körpereigenes Hormon. Es wirkt auf vielen Ebenen antientzündlich und wird auch bei verschiedenen medizinischen Problemen eingesetzt. Hierzu gehören neben der COPD zum Beispiel auch rheumatische Probleme oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.

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Kaum Nebenwirkungen bei Kurzzeitgabe

Gleichzeitig greift Kortison in den Kreislauf verschiedener Stoffwechselschritte ein und kann so Nebenwirkungen auslösen. Ob es unter der Einnahme von Kortison-Präparaten tatsächlich zu Nebenwirkungen kommt, hängt neben individuellen Faktoren (manche haben mehr darunter zu leiden, manche weniger und manche gar nicht) vor allem auch von der Dosis und der Dauer der Einnahme ab. Bei nur kurzzeitigem Einsatz (z.B. beim akuten Gichtanfall) sind Nebenwirkungen eher die Ausnahme. Am ehesten kommt es dann zu:

  • Aufgekratztheit, Nervosität
  • Kopfschmerzen
  • Schwindelz

Muskelschwäche, hoher Blutzucker und brüchige Knochen

Bei länger andauernder Einnahme von Kortison-Tabletten sind folgende Nebenwirkungen relativ häufig:

  • Infektanfälligkeit (Abwehrzellen des Körpers werden durch Kortison ausgebremst)
  • verminderte Muskelkraft, raschere Ermüdbarkeit bei körperlicher Anstrengung
  • brüchige, rissige, dünne Haut
  • hohe Blutzuckerwerte (Diabetes)
  • Blutdruckanstieg
  • Wassereinlagerung in den Beinen (Kortison hält in den Nieren Wasser und Salz zurück)
  • Knochendichte nimmt ab (Osteoporose-Gefahr)
  • erhöhter Augeninnendruck (Glaukom, grüner Star)
  • Linsentrübung im Auge (Katarakt, grauer Star)

"Vollmondgesicht" und "Stiernacken" bei Langzeittherapie

Mögliche äußere Veränderungen unter langfristiger Kortison-Therapie:

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  • rundes Gesicht (Fett- und Wassereinlagerungen in den Wangen, das sogenannte Vollmondgesicht)
  • Fett- und Wassereinlagerungen im Nackenbereich (der sogenannte Stiernacken)
  • Gewichtszunahme, vor allem am Oberkörper

Zu all dem muss es nicht kommen, aber es kann. Die dauerhafte Anwendung von Kortison in Tablettenform ist mit Sicherheit nicht unproblematisch. Viele der Nebenwirkungen lassen sich jedoch durch eine Dosisreduktion oder auch einen kompletten Therapiewechsel lindern. Prinzipiell müssen immer Nutzen und Schaden einer Therapie gegeneinander abgewogen werden.

Stimmt es, dass eine Kortison-Behandlung zu Knochenschwund und Osteoporose führen kann?

Ja und nein. Wenn man über einen langen Zeitraum Kortison-Tabletten einnehmen muss, steigt tatsächlich das Risiko für eine Osteoporose. Das gilt aber nicht, wenn die Behandlung nur ein paar Tage oder auch wenige Wochen dauert.

Kortison versus Östrogen und Testosteron

Aber warum greifen das ja auch natürlicherweise im Körper vorkommende Kortison und seine Verwandten (die meisten Kortison-Präparate enthalten chemische Varianten des Kortisons) überhaupt den Knochen an? Das liegt daran, dass Kortison im Körper eine Art Gegenspieler der Geschlechtshormone ist.

Vereinfacht gesprochen kann man sagen, dass die Geschlechtshormone (Östrogen bei Frauen und Testosteron bei Männern) eher den Knochenaufbau fördern und Kortison diesen Aufbau eher hemmt. Das ist keineswegs eine Fehlkonstruktion, sondern durchaus sinnvoll. Denn Kortison wird vom Körper immer dann stärker ausgeschüttet, wenn es im weitesten Sinne um Stress, Anstrengung und Gefahr durch Entzündungen geht. Dann ist ein Knochenaufbau natürlich Unsinn, es geht ja eher darum, Energiereserven auszuschöpfen.

Mögliche Schutzmaßnahmen

Bei einer lang andauernden Kortison-Therapie wird dieses natürliche Gleichgewicht aber zerstört. Die Geschlechtshormone kommen gegen diesen Kortison-Überschuss einfach nicht mehr an. Und so überwiegt der Knochenabbau den Knochenaufbau, es kann auf längere Sicht also Osteoporose entstehen.

Da manchmal das Kortison schlicht notwendig und unverzichtbar ist, geht es dann darum, sich bestmöglich vor dem Knochenschwund zu schützen. Mit viel Bewegung, gesunder Ernährung, reichlich Kalzium und Vitamin D. Und natürlich mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Arzt, damit nicht der vorbeugende Sport schlimmstenfalls zu einem Knochenbruch führt.

Wie kann einem Knochenabbau unter einer Behandlung mit Kortisonpräparaten vorgebeugt werden?

Wenn Kortison-Präparate als Tabletten eingenommen werden, also nicht in Form von Salbe oder Spray, werden sie auch als systemische Kortikoide bezeichnet. Damit ist gemeint, dass sie im ganzen Körper wirken. Manchmal spricht man auch von systemischen Glukokortikoiden oder Steroiden.

Vor allem bei einer länger andauernden Behandlung von Kortison-Tabletten besteht die Gefahr, dass es zu einem Knochenschwund (Osteoporose) kommt. Um dem vorzubeugen, können Kalzium- und Vitamin-D-Präparate (z.B. Calcium Vitamin D3 Zentiva) eingenommen werden.

Alternativen prüfen

Systemisch wirkende Kortison-Präparate können übrigens nicht bei jedem eingesetzt werden. So spricht zum Beispiel eine stark ausgeprägte Osteoporose gegen den Einsatz dieser Medikamente. Es gibt ähnlich antientzündliche Wirkstoffe, die weniger stark auf den Knochen wirken (ohne Nebenwirkungen sind die aber natürlich auch nicht).

Verändert Kortison die Gerinnungswerte unter Behandlung mit Blutverdünnern?

Auf die Art der Anwendung kommt es an

Bei einer örtlichen Anwendung von Kortison (Sprays, Salben) ist mit keinen Veränderungen der Gerinnungswerte (INR-Werte) zu rechnen. Anders sieht es bei der Einnahme von Kortison-Tabletten aus. Diese können zu Schwankungen der INR-Werte und zu einer reduzierten Wirksamkeit der Gerinnungshemmer führen.

Deshalb muss bei einer Behandlung mit Kortison-Tabletten und gleichzeitiger Anwendung blutverdünnender Medikamente regelmäßig der INR-Wert kontrolliert werden. Zeigen sich dann Veränderungen der Gerinnungswerte, muss ggf. die Medikamentendosis angepasst werden.

Stimmt es, dass Kortison die Erektionsfähigkeit vermindern kann?

Ja. In seltenen Fällen kann es bei Behandlung mit Kortison-Präparaten zu Erektionsstörungen kommen. Ob das passiert, hängt unter anderem von der Dosis und der Einnahmeform ab (Tabletten, Inhalationen). Wenn überhaupt, kann es am ehesten bei hoch dosierten Tabletten zu Erektionsstörungen kommen. Bei Asthma-Sprays ist nichts zu befürchten.

Seltene Nebenwirkung

Aber hüten Sie sich davor, deshalb die Kortison-Behandlung abzubrechen oder die Dosis zu reduzieren. Erstens ist der therapeutische Zweck der Kortison-Präparate sehr viel wichtiger, zweitens sind Schwierigkeiten mit der Erektion als Nebenwirkung selten. Sollte ein solches Problem auftauchen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt ganz offen darüber. Das ist etwas ganz Normales und muss Ihnen nicht peinlich sein.

Warum muss man sich bei einer Kortison-Behandlung vor Infektionen schützen?

Kortison unterdrückt die körpereigene Immunabwehr, so dass es leichter zu Infekten kommen kann. Gleichzeitig kann eine Infektionskrankheit viel gravierender verlaufen, wenn man gleichzeitig Kortison einnimmt.

Deshalb ist es sinnvoll, während der Behandlungszeit größere Menschenansammlungen zu meiden und eine gute Hygiene mit häufigerem Händewaschen einzuhalten. Auch auf eine gute Mundhygiene sollten Sie achten, denn auch im Bereich der Schleimhäute kommt es leichter zu Infektionen etwa mit Pilzen. Von anderen Menschen mit Infektionen sollte man in dieser Phase möglichst Abstand halten, um sich selbst zu schützen.

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Auch der Umkehrschluss gilt: Besteht eine Infektion, sollte keine Kortison-Therapie begonnen oder fortgeführt werden. Die Viren oder Bakterien müssen erst beseitigt werden, das hat höhere Priorität. Infektionen wie etwa Blasenentzündungen können sich sonst sehr viel leichter ausbreiten und zu schweren Krankheitsverläufen führen.

Sollte man wegen der Nebenwirkungen von Kortison nicht lieber mit einer geringen Dosis starten?

Das klingt vernünftig, aber es ist falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Man sollte eine Kortison-Therapie lieber mit hoher Dosis beginnen und dann schrittweise reduzieren. Es gilt also die Regel: wennschon, dennschon.

Man muss sich hier das Kortison so ähnlich vorstellen wie einen Feuerlöscher. Um den Brand unter Kontrolle zu bekommen, muss man ihn zunächst mit voller Kraft einsetzen, sonst verpufft der Effekt. So ist es auch mit den Kortison-Tabletten, nur das hier der Brand die Entzündungsreaktion im Körper ist.

Die Sorge wegen den Nebenwirkungen ist zwar prinzipiell berechtigt. Allerdings ist damit in der Regel erst nach längerer Einnahme von Kortison zu rechnen.

Behutsame Dosis-Reduktion wichtig

Wenn man sich z.B. bei Rheuma (aber auch bei anderen chronischen Immunerkrankungen wie Morbus Crohn oder Multiple Sklerose) für eine Kortison-Behandlung entscheidet, dann geht es ja fast immer um die Bekämpfung eines akuten Schubs. Und dann gilt: Zunächst sollen die akuten Beschwerden rasch gelindert werden, danach wird die Dosis heruntergefahren.

Übrigens darf das auch nicht zu schnell gehen. Wird bei einer solchen "Kortison-Stoßtherapie" die Dosierung zu rasch reduziert, dann droht prinzipiell immer ein Wiederaufflammen der Entzündung. Also "Herunterfahren" ja, aber mit Bedacht und eher ausschleichend.

Gehen die Nebenwirkungen von Kortison wieder weg?

Meistens ja. Viele Nebenwirkungen bilden sich zurück, wenn das Medikament abgesetzt wird. Beim Kortison spielt allerdings eine erhebliche Rolle, in welcher Form (z.B. als Creme, Spray oder Tablette), wie hoch dosiert und wie lange es eingenommen wird. Die Haut erholt sich nach einer kurzzeitigen äußerlichen Behandlung in der Regel wieder. Auch beim Asthmaspray treten entweder gar keine Nebenwirkungen auf, oder sie verschwinden nach kurzer Zeit wieder.

Anders kann es bei chronischen Erkrankungen aussehen, die länger mit Kortisontabletten behandelt werden müssen. Bei so einer innerlichen Behandlung kann der ganze Körper in Mitleidenschaft gezogen werden und der Stoffwechsel gehörig durcheinandergeraten. Zwar können sich Nebenwirkungen auch hier nach Absetzen der Tabletten zurückbilden; manchmal bleiben sie aber auch bestehen.

Eine Kortisonbehandlung ist immer eine Frage der Abwägung. Ihr Arzt wird sich aber gut überlegt haben, ob, in welcher Form und für wie lange er Ihnen Kortison verschreibt. Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie ihn am besten direkt darauf an und teilen Sie ihm Ihre Befürchtungen mit.

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Wie sollte man Kortison-Tabletten einnehmen, damit sie möglichst gut verträglich sind?

Wie gut Kortison vertragen wird, hängt auch von der Art der Einnahme ab. Wenn Sie Decortin® (Prednisolon) oder andere Kortison-Präparate täglich als Tablette einnehmen müssen, sollten Sie folgendes berücksichtigen:

  • Nehmen Sie die Tablette nicht auf nüchternen Magen ein.
  • Schlucken Sie die Tablette unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit während oder unmittelbar nach einer Mahlzeit.

Dadurch wirkt das Arzneimittel nicht direkt auf die Magenschleimhaut. Beschwerden in diesem Bereich (Magenschmerzen oder Magengeschwüre) können so oft verhindert werden.

Hintergrundinfo zur Kortison-Therapie:

Zur Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, aber auch bei zahlreichen anderen Erkrankungen spielen Glukokortikoide, also Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Kortison, auch heute noch eine zentrale Rolle. Vor allem als Entzündungshemmer wirken sie schnell und effektiv. Die Verträglichkeit hängt dabei auch wesentlich von der Dosierung und der Dauer der Einnahme ab. Nebenwirkungen sind leider nie ganz auszuschließen. Um so wichtiger, die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, so gut wie möglich zu minimieren.

Was passiert, wenn man die Kortison-Behandlung von heute auf morgen abbricht?

Bei einem zu plötzlichen Abbruch der Kortison-Einnahme kann es zu erheblichen Problemen kommen. Starke Abgeschlagenheit, Übelkeit und Benommenheit sind typische Beschwerden. Auch können die ursprünglich mit dem Kortison bekämpften Symptome schlagartig und heftig wieder zurückkehren. Die Grundregel lautet daher: langsames Reduzieren der Dosis, und dies in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt. 

Kortison-Behandlung: Worauf sollte man dann bei seiner Ernährung achten?

Die anregende Wirkung von Kortison macht sich auch im Stoffwechsel bemerkbar. Der Zuckerspiegel und die Fette im Blut steigen an, denn Kortison sorgt für eine Aktivierung der Energiereserven des Körpers. Es handelt sich halt im weitesten Sinne um ein Stress-Hormon, dass der Körper normalerweise nur dann vermehrt ausschüttet, wenn "Not am Mann ist".

Was bedeutet das für die Ernährung während der Kortison-Behandlung? Zucker- und fettreiche Nahrungsmittel sollten reduziert werden. Auch die Salzausscheidung ist bei größeren Kortison-Mengen reduziert, so dass es leichter zu Wassereinlagerungen kommt. Man sollte also tendentiell eher salzarm essen.

Einem gesteigerten Appetit begegnet man am besten mit einer gesunden Ernährung. Da auch der Kalium-Bedarf durch die Kortison-Behandlung erhöht ist, eignen sich vitamin- und kaliumreiche Nahrungsmittel wie Bananen, Kartoffeln und Tomaten besonders gut.

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Muss man bei Morbus Crohn dauerhaft Kortison einnehmen?

Nein. In der akuten Phase eines Morbus Crohn werden zwar oft Kortison-Präparate verschrieben, um den Schub einzudämmen. Als Dauertherapie ist Kortison aber nicht das Mittel der Wahl. Im Gegenteil, in der Schubvorbeugung wird ausdrücklich von der Dauertherapie mit den sogenannten Steroiden abgeraten. Zum einen, weil nicht belegt ist, dass Kortison-Präparate das Rückfallrisiko senken. Zum anderen wegen der auf Dauer zunehmenden Gefahr relevanter Nebenwirkungen.

Das ändert aber nichts daran, dass Kortison während eines akuten Schubes oft die wirksamste Maßnahme ist. Durch seine ausgeprägten entzündungshemmenden Eigenschaften kann es die Beschwerden oft zügig lindern und ist in einer solchen, zeitlich abgesteckten Phase anderen Entzündungshemmern in der Gesamtbewertung (Wirkung und Nebenwirkungen) überlegen.

Was ist der große Vorteil von Kortison im Vergleich zu anderen Asthma-Medikamenten?

Kortison hat bei Asthma eine Art Doppeleffekt: Es wirkt entzündungshemmend in den gereizten Bronchien. Und es verbessert langfristig auch die Lungenfunktion. Viele andere Asthma-Wirkstoffe haben jeweils nur einen dieser beiden therapeutischen Effekte.

Weniger Beschwerden, bessere Lebensqualität

Damit lindert Kortison nicht nur akute Beschwerden, sondern greift auch direkt in das Erkrankungsgeschehen ein und wirkt langfristig antiasthmatisch. Die Entzündung geht zurück, und die Atemwege reagieren weniger empfindlich auf äußere Reize.

Die sogenannte bronchiale Hyperreagibilität (Überempfindlichkeit der kleinen Atemwege) ist ein typischer Mechanismus im Krankheitsprozess von Asthma und führt zu den gefürchteten Atemnot- und Hustenattacken. Indem Kortison hier eingreift, verbessern sich nicht nur die Werte in der Lungenfunktionsmessung längerfristig. Sie werden es auch an den Beschwerden merken, die unter Kortison weniger häufig und ausgeprägt sein werden.

Das Mittel senkt außerdem nachweislich das Risiko, dass Betroffene aufgrund des Asthmas stationär aufgenommen werden müssen. Studien bestätigen darüber hinaus eine geringere Mortalität (Sterblichkeit) und eine höhere Lebensqualität unter Kortison.

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Als Spray weitgehend unbedenklich

Sie sehen also, seinen schlechten Ruf hat Kortison mitunter zu unrecht. Gerade in Form eines Asthmasprays ist die immer wieder damit assoziierte Nebenwirkungsgefahr sehr gering.

Kortison-Sprays werden daher in der Behandlung von Asthma schon relativ bald eingesetzt. In Stufe 1 der Therapie reicht zwar oft allein ein Bedarfsspray mit einem schnellwirksamen Medikament, das die Atemwege weitet. Bei häufigen Beschwerden, schlechten Ausgangswerten in der Lungenfunktion oder einer akuten Verschlechterung (Exazerbation) im vergangenen Jahr kann es aber auch schon hier zur Anwendung kommen. Spätestens jedoch ab Stufe 3 ist Kortison zum Inhalieren fester Bestandteil der Behandlung.

Die Schattenseiten

Allerdings gibt es doch auch ein paar Einschränkungen. In höheren Dosen, wie sie ab Stufe 3 verabreicht werden, steigt auch bei den Sprays das Risiko für Nebenwirkungen an. Dabei wirkt Kortison nicht unbedingt besser antiasthmatisch, schützt allerdings effektiv vor Exazerbationen. Hier sind also im Einzelfall Nutzen und Risiken gegeneinander abzuwägen.

Nochmal anders sieht es mit Kortisontabletten aus. Sie werden erst in Stufe 5 verordnet und sind auch hier nur die zweite Wahl, wenn sich die Beschwerden ansonsten nicht unter Kontrolle bringen lassen. Bei einer Dauerbehandlung mit Kortison zum Schlucken ist allerdings Vorsicht geboten. Hier drohen tatsächlich gravierende Nebenwirkungen. So muss man bei einer längeren Einnahme beispielsweise gut auf die Knochen aufpassen und ggf. eine prophylaktische Therapie gegen Osteoporose (Knochenbrüchigkeit) einleiten.

In der Regel wird Kortison bei Asthma aber als Spray verabreicht und leistet in dieser Form jedem Betroffenen wertvolle Dienste.

Helfen Kortisontabletten bei COPD?

Kortisontabletten helfen bei akuten Verschlechterungen (Exazerbationen) einer COPD. Als Langzeittherapie werden sie kritisch gesehen und sollten nicht länger als 14 Tage gegeben werden.

Maximal zwei Wochen

Da in Studien kein Vorteil einer Kortisontherapie bei der Behandlung einer chronischen COPD nachgewiesen werden konnte, wird sie als Dauertherapie nicht empfohlen. Im Vordergrund stehen hier Atemsprays, Raucherentwöhnung und Lungensport.

Bei akuten Verschlechterungen einer COPD hingegen kann eine kurzzeitige Gabe von Kortison hilfreich sein. Sie verringert nachweislich die Luftnot, verbessert die Werte der Lungenfunktion und vermindert die Rückfallquote nach einer Exazerbation. Sie sollte maximal 10 bis 14 Tage erfolgen, wobei auch 5 Tage oft auszureichen scheinen.

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Ausnahmefälle

In Einzelfällen kann es schwierig sein, nach einer Exazerbation das Kortison abzusetzen. Gelegentlich tritt erneut eine Verschlechterung auf. Die Medikation muss dann in Ausnahmefällen doch fortgeführt werden.

Ist es nicht möglich, das Kortison abzusetzen, sollte die Dosis so niedrig wie möglich gewählt werden. Zudem muss darauf geachtet werden, dass keine Nebenwirkungen auftreten. Ob die Behandlung fortgeführt wird oder nicht, sollten Sie jedoch nie selbst entscheiden, sondern zusammen mit Ihrem Arzt.

Hilft Kortison bei Tinnitus?

Mehr dazu erfahren Sie hier.

Welche Rolle spielt Kortison beim Hörsturz?

Hier finden Sie die Antwort.

Autoren: 

Kommentare: Archiv

Cortison und Infektion
Dienstag, den 08. September 2015 um 12:00 Uhr
Ich nehme seit 1 1/4 Jahren Cortison wegen einer Polymyalgia rheumatica, im Moment so zwischen 5 und 6 mg. Bisher hatte ich Glück mit Infekten, ein Mal im Frühjahr eine schwere Grippe, mehr nicht. Aber jetzt hat mich die Krätze ereilt, wo ich mir die eingefangen habe, weiß ich nicht. Es heißt ja, sie käme bei Menschen mit häufig wechselnden Intimpartnern vor - es gibt nicht mal einen einzigen. So was hatte ich noch gar nie!
Unter dem Cortison hält sich der Juckreiz in Grenzen, die Frage ist, ob die übliche Behandlung ausreicht und wie man sich zusätzlich schützen kann. Häufiges Duschen und Wäschewechseln ist klar, aber da kann man ja noch einen Waschzwang entwickeln! Hat jemand Erfahrungen?
 
Kortison Reduktion
Dienstag, den 07. Juli 2015 um 17:32 Uhr, Rolf Ottiger
Die Behandlung höher beginnen und langsam reduzieren stimmt vollkommen.
 
Kortison Spritzen und Medikamente
Freitag, den 06. März 2015 um 22:41 Uhr, Ruth Barth
Naproxen lange Zeit Einnahme, Stiernacken plötzlich sichtbar, 4 Kortison Spritzen (Lendenwirbelsäule), starke Wassereinlagerung in Oberbauch, Beine und Gesicht. Was kann ich dagegen tun?
 
Erektionsstörung durch Kortison oder Schmerzmittel
Sonntag, den 11. November 2014 um 10:22 Uhr, Marcel
Hallo Stefan, hast du das Problem nach der Spritze in den Griff bekommen?
 
Erektionsstörung durch Kortison oder Schmerzmittel
Dienstag, den 04. November 2014 um 07:48 Uhr, Stefan
Vor Kurzem (zwei Tage) hatte ich sehr starke Rückenschmerzen. Es wurde so schlimm, dass ich vergangenen Abend den ärztlichen Notdienst verständigte. Ich bekam zwei Spritzen. Eine Kortison und ein Schmerzmittel. Wie gesagt war das gestern. Seitdem sind meine Rückenschmerzen verschwunden, aber ich kann keine Erektion aufbauen. Ist das normal? Geht das wieder weg? Oder sollte ich umgehend einen Arzt aufsuchen?
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