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Tacrolimus (Protopic): Wirkung und Nebenwirkungen

Wie hilft Tacrolimus (z. B. Protopic®) bei Neurodermitis? Welche Vorteile hat das Medikament gegenüber Kortison? Und darf man beide Wirkstoffe kombinieren? Mehr dazu in diesem Beitrag.

Wirkung

Auf welche Weise wirkt Tacrolimus (Protopic®) gegen Neurodermitis?

Tacrolimus (z.B. Protopic®) ist ein sogenanntes Immunsuppressivum, also ein Mittel, das sich gegen das überschießende Abwehrsystem des Körpers richtet. Bei Neurodermitis ist der Wirkstoff als Salbe erhältlich und kann bei äußerer Auftragung die Entzündungsreaktion unterdrücken.

Im Prinzip ist Tacrolimus also ein enger Verwandter von Kortison. Zumindest, was die Wirkung angeht. Der Wirkmechanismus ist hingegen sehr unterschiedlich, Tacrolimus geht wesentlich spezifischer gegen die Hautreaktion der Neurodermitis vor als Kortison. Tacrolimus hemmt den körpereigenen Botenstoff Calcineurin. Der ist an der Aktivierung der T-Zellen (das sind spezielle Abwehrzellen) beteiligt und damit an der (versehentlichen) Überreaktion der Haut bei Neurodermitis.

Bisher wird Tacrolimus meist nur dann verschrieben, wenn andere Mittel (wie Kortison) nicht zu einer ausreichenden Linderung der Beschwerden führen. Oder aber, wenn es mindestens viermal im Jahr zu schweren Schüben kommt.

Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen können unter Tacrolimus (Protopic®) auftreten?

Tacrolimus (Protopic®) ist ursprünglich ein Naturstoff mit immunhemmender Wirkung. Eine sehr häufige Nebenwirkung ist eine anfängliche Entzündungsreaktion der Haut. So können die behandelten Hautpartien während der ersten Behandlungstage brennen, gerötet sein oder auch jucken. So als würde die Neurodermitis statt besser wieder schlimmer werden. Aber diese Anfangsreaktion verflüchtigt sich in aller Regel nach einigen Tagen.

Achtung bei Alkoholkonsum

Mit Alkokol sollte man während der Behandlung eher zurückhaltend sein. Denn unter Alkoholeinfluss flammt diese Hautreaktion manchmal noch mal auf. Mitunter bekommt man nach Alkoholgenuss auch rote, entzündete Flecken im Gesicht.

Die typischen Langzeit-Nebenwirkungen von Kortison (spröde und dünner werdende Haut) werden unter Tacrolimus nicht beobachtet. Ein erhöhtes Infektionsrisiko im Bereich der behandelten Haut (Herpes-Viren z. B.) gibt es aber auch hier. Das liegt daran, dass die örtliche Abwehrbereitschaft blockiert wird.

Erhöhtes Krebsrisiko nicht bestätigt

Diskutiert wird immer wieder ein leicht erhöhtes Krebsrisiko, weil bei innerer Anwendung dieser Wirkstoffe bei anderen Erkrankungen eine leicht erhöhte Krebsrate festgestellt wurde (v. a. Hautkrebs und Lymphome). Allerdings konnte ein solcher Effekt bei reiner Salben-Anwendung bisher nicht festgestellt werden.

Im Prinzip gilt für Tacrolimus das gleiche wie für fast alle Immunsuppressiva: Wenn Medikamente die körpereigene Abwehr ein Stück weit lahm legen, ist trotz aller positiven Effekte immer auch ein bisschen Gefahr im Verzug. Zumindest langfristig.

Anwendung bei Kindern

Darf der Wirkstoff Tacrolimus (Protopic®) auch schon bei Kindern angewandt werden?

Der antientzündliche Wirkstoff Tacrolimus (Protopic®) ist als Creme bei Neurodermitis relativ gut wirksam. Das gilt auch bei Kindern, allerdings fehlt es hier noch an Langzeitbeobachtungen, insbesondere hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen.

Deshalb gilt zur Zeit die Empfehlung, Tacrolimus bei Kindern erst ab dem 3. Lebensjahr einzusetzen. Die hochdosierte 0,1%ige Tacrolimus-Zubereitung soll sogar erst ab dem 17. Lebensjahr angewandt werden.

Wissenswertes

Darf man Tacrolimus-Salbe (Protopic®) auch gemeinsam mit Kortison anwenden?

Nein, auf keinen Fall. Das würde das örtliche Abwehrsystem der Haut zu stark unterdrücken, mit schwer kalkulierbaren Effekten. Aus dem gleichen Grund ist eine Anwendung auch gefährlich, wenn zu gleicher Zeit Hautinfektionen vorliegen, z. B. mit Pilzen oder Bakterien.

Auch eine Impfung sollte nicht während der Tacrolimus-Behandlung erfolgen, sondern am besten mit einem mindestens 14tägigen Abstand zum Therapiebeginn oder Therapieende. Der Grund: Die immunblockierenden Effekte von Tacrolimus können eine Impfung unwirksam machen, d.h. es werden auf den Impfstoff keine Antikörper in ausreichender Menge produziert.

Generell raten Experten dazu, die Kombination mit anderen Medikamenten in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.

Welche Rolle spielt Tacrolimus bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn?

Tacrolimus in Tablettenform (Prograf® und Advagraf®) gilt als Option bei einigen Autoimmunerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, wenn diese auf andere Mittel nicht mehr gut ansprechen. Eingesetzt wird es zum Beispiel, wenn Kortison-Präparate nicht anschlagen.

Drosselung der körpereigenen Abwehr

Oral eingenommenes Tacrolimus ähnelt in seinen Eigenschaften und Wirkungen einem anderen Immunsuppressivum, dem Ciclosporin. Es hemmt über einen Botenstoff die Funktion bestimmter weißer Blutkörperchen, und zwar der T-Lymphozyten.

Eigentlich wird es vor allem im Rahmen von Transplantationen verabreicht, um zu verhindern, dass der Körper das neue Organ wieder abstößt. Für die Behandlung einer Colitis ulcerosa ist Tacrolimus nicht explizit zugelassen, hat aber in vielen Fällen eine gute Wirkung gezeigt und wird deshalb auch in den offiziellen Experten-Leitlinien empfohlen. Meist ist es jedoch mit einem der letzten Versuche verbunden, den Darm zu erhalten und eine Operation zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern.

Wirkung setzt recht zügig ein

Tacrolimus wirkt recht schnell (meistens nach einigen Tagen), jedenfalls im Vergleich zu den Immunsuppressiva Azathioprin bzw. 6-Mercaptopurin. Oft wird es für einige Monate eingesetzt (evtl. auch länger). Es ist auch möglich, Tacrolimus parallel zu Azathioprin zu geben, um so die Zeit zu überbrücken, bis Azathioprin einen Effekt zeigt.

Es gibt den Wirkstoff als Kapsel zum Schlucken, in anderer Form wird es als Infusionslösung direkt in eine Vene gespritzt.

Gründliche Untersuchung vor der Behandlung

Vor einer Therapie mit Tacrolimus ist es wichtig, dass der Arzt Sie untersucht, bestimmte Blut- und Urinwerte sowie den Blutdruck prüft und Sie dazu befragt, ob Sie beispielsweise an Bluthochdruck leiden und ob Ihre Nieren intakt sind.

Wichtig ist auch, dass sich Ihr Behandler den Impfpass ansieht, um sicherzugehen, dass Sie möglichst gut geschützt sind. Impfungen mit Lebendimpfstoffen (z.B. Masern, Mumps, Röteln, Gelbfieber, Windpocken) dürfen allerdings kurz vor und während der Therapie nicht durchgeführt werden, weil sie bei dem unterdrückten Immunsystem schlimmstenfalls eine Infektion auslösen können.

Kontrollen während der Therapie

Auch während Sie Tacrolimus nehmen, müssen Sie regelmäßig zu Kontrollen (falls Sie bei dieser Therapie nicht ohnehin im Krankenhaus sind und dort überwacht werden). Dabei geht es unter anderem darum zu beobachten, ob Ihre Blutwerte von der Norm abweichen, ob es Auffälligkeiten beim Blutdruck oder im EKG gibt, ob Fieber auftritt und ob sich Ihr Körpergewicht verändert hat.

Nebenwirkungen meist dosisabhängig

Als sehr häufige Nebenwirkungen (betrifft mehr als 10% der Anwender) treten Zittern, Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Schlafstörungen ein. Auch Nierenbeschwerden, ein Anstieg des Blutdrucks und erhöhte Blutzuckerwerte fallen in diese Kategorie.

Insgesamt treten gehäuft Infekte auf (klar, das Immunsystem arbeitet ja nur auf Sparflamme). Außerdem kann das Medikament die Psyche belasten, das zeigt sich in Form von Depressionen oder Psychosen. Viele Nebenwirkungen sind von der Dosis abhängig und verschwinden nach Ende der Therapie wieder.

Vorsicht mit Sonne und anderen Medikamenten

Sie sollten darauf achten, während der Behandlung mit Tacrolimus starke Sonnenschutzmittel zu verwenden und sich eher im Schatten aufzuhalten. Denn der Wirkstoff macht Sie empfindlicher für die Sonneneinstrahlung und erhöht evtl. das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.

Bitte teilen Sie Ihrem Arzt auch mit, welche anderen Medikamente und Mittel Sie nehmen – auch alle pflanzlichen Heilmittel. Das gilt besonders für Präparate, die Johanniskraut enthalten. Denn es gibt eine Reihe von Stoffen, die die Wirkung von Tacrolimus beeinflussen oder umgekehrt.

Noch ein Extra-Tipp:
Mit den richtigen Mikronährstoffen können Sie viel für Ihre Gesundheit tun.
Unsere Empfehlungen dazu finden Sie hier.

Quellen:

  • Gebrauchsinformation: Tacrolimus Dermapharm 1 mg/g Salbe. Herausgeber: Dermapharm AG. www.dermapharm.de

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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