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Vitamin D: Nutzen und Risiken

Vitamin D ist ein wichtiger Bestandteil unseres Stoffwechsels. Wie wirkt das Vitamin? Wo entsteht es? Und wie viel davon braucht der Mensch überhaupt? In diesem Artikel beantworten Ärzte viele Fragen rund um dieses Thema, sowohl zum Nutzen als auch zum mitunter überschätzten Mangel.

Wirkung

Welche Aufgaben hat Vitamin D?

Vitamin D ist eine Schlüsselsubstanz für unseren Organismus. Am bekanntesten und bisher am besten erforscht ist seine Bedeutung für den Kalziumhaushalt und den Knochenstoffwechsel. Es sorgt im Zusammenspiel mit anderen Signalstoffen wie dem Parathormon dafür, dass Kalzium und Phosphat, aber auch Magnesium, ausreichend im Dünndarm aufgenommen werden und dem Körper zur Verfügung stehen. Aufbau, Dichte und Härte unserer Knochen hängen beispielsweise davon ab.

Wichtig für Mineralstoffhaushalt, Knochen, Immunsystem und zelluläre Prozesse

Vitamin D stärkt aber nicht nur unsere Knochen, sondern auch unser Immunsystem. Über die Regulation der Konzentration von Kalziumionen im Blut spielt es ferner für die Muskelkraft und das Kreislaufsystem eine wichtige Rolle. Ein fördernder Einfluss auf die Beweglichkeit der Spermien wurde ebenfalls beschrieben.

Im Rahmen des Kalziumstoffwechsels sind die Aufgaben von Vitamin D bisher vor allem an den Zielorganen Darm, Knochen, Nieren und Nebenschilddrüsen untersucht worden. Zunehmend deutlich wird, dass Vitamin D auch in anderen Geweben in das Signalgeschehen auf zellulärer Ebene eingreift. Man spricht dabei von einer autokrinen Funktion.

Auch Wirkung gegen Krebs und Diabetes beobachtet

Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen einen Einfluss von Vitamin D auf die Differenzierung von Zellen und die Hemmung ihrer Vermehrung. Je nach Situation kann Vitamin D offenbar zum Zelluntergang durch Apoptose wie auch zum Schutz davor beitragen. Daraus lassen sich u.a. positive Effekte gegen Krebs und Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose oder Diabetes mellitus Typ I erklären, die teilweise beobachtet wurden. Die Forschungsergebnisse und deren Überprüfung durch neue Studien sind teilweise aber noch widersprüchlich.

Dennoch zeichnet sich ab, dass Vitamin D eine fundamentale Bedeutung für unsere Gesundheit hat. Weit über die Knochengesundheit hinaus, deren sichtbare Beeinträchtigungen bei uns glücklicherweise selten geworden sind. Die Vitamin-D-Mangel-Krankheit Rachitis gibt es hierzulande kaum noch. Ob wir aber genügend Vitamin D auch zur Vorbeugung anderer Erkrankungen aufnehmen, ist umstritten.

Warum ist Vitamin D eigentlich ein Hormon?

Weil Vitamin D auch vom Körper hergestellt werden kann und dabei ähnlich agiert wie ein Hormon. Genau genommen ist die Bezeichnung Vitamin D also irreführend. Denn als Vitamine sind Substanzen definiert, die lebensnotwendig für den Körper sind, von diesem aber nicht selbst produziert werden können.

Das gilt prinzipiell nicht für Vitamin D. Rund 80-90% der benötigten Menge entsteht in einem komplexen Herstellungsprozess, an dem die UVB-Strahlung des Sonnenlichts, verschiedene Enzyme und unterschiedliche Organe beteiligt sind.

Ohne Sonnenlicht kein eigenes Vitamin D

Die Schlüsselrolle, die die Sonnenstrahlung dabei spielt, trägt unter unseren heutigen Lebensbedingungen allerdings wieder zu einem Vitamin-Charakter bei. Denn sowohl Kinder als auch Erwachsene halten sich vielfach nicht mehr so häufig und in geeigneter Weise im Freien auf, wie das früher der Fall war. Das kann dann, wie bei den anderen, „echten“ Vitaminen, eine zusätzliche Zufuhr von außen erforderlich machen – oder zumindest sinnvoll im Sinne der Vorbeugung und Gesundheitsförderung. Da der Gehalt an Vitamin D in der alltäglichen Nahrung recht begrenzt ist, kommen hierfür ergänzende Präparate in Frage.

Zurück zur Ausgangsfrage: Die biologisch aktive Form von Vitamin D, die schließlich dabei produziert wird, entspricht in ihrem weitreichenden Wirkungsspektrum einem Hormon. Und zwar einem mit großer Bedeutung für die Gesundheit.

Bedarf an Vitamin D

Wie viel Vitamin D brauchen wir?

Die Empfehlungen zur Vitamin-D-Versorgung sind weltweit unterschiedlich und in der Expertenszene umstritten. In Deutschland beruft man sich gerne auf die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), wenn es um offizielle Verlautbarungen geht. Aber auch diese Gesellschaft ist nicht vor Fehleinschätzungen gefeit.

Für die Zufuhr von Vitamin D lauten die Referenzwerte kurz gesagt:

  • Allen Menschen ab einem Alter von 1 Jahr wird eine tägliche Zufuhr von 20 µg (800 IE) Vitamin D empfohlen.
  • Säuglingen im ersten Lebensjahr 10 µg (400 IE) pro Tag.

Dabei handelt es sich um Schätzwerte, die unter der Annahme einer fehlenden körpereigenen Vitamin-D-Produktion aufgestellt wurden.

Die Referenz-Schätzwerte nochmal aufgefächert:

  • Säuglinge (0 bis unter 12 Monaten): 10 µg/Tag
  • Kinder (1 Jahr bis unter 15 Jahre): 20 µg/Tag
  • Jugendliche und Erwachsene (15 Jahre bis unter 65 Jahre): 20 µg/Tag
  • Erwachsene ab 65 Jahre: 20 µg/Tag
  • Schwangere: 20 µg/Tag
  • Stillende Mütter: 20 µg/Tag

1 µg = 40 IE (Internationale Einheiten) Vitamin D

Extra-Zufuhr bei uns vermutlich mehrheitlich erforderlich

Das Thema ist schwieriger als man zunächst denken sollte. Das liegt an den Besonderheiten von Vitamin D, seinen komplexen Entstehungs- und Stoffwechselprozessen und den vielen Einflussfaktoren. Hintergrund der DGE-Empfehlung ist die Erkenntnis, dass der Beitrag der körpereigenen Bildung von Vitamin D nicht quantifiziert werden kann. Deshalb hat die DGE im Jahr 2012 ihre früheren „Zufuhrempfehlungen“ in „Schätzwerte“ umgewandelt, die unter der Annahme einer fehlenden eigenen Synthese von Vitamin D angegeben werden.

Dabei wurden die Referenzwerte gegenüber früher um das Zwei- bis Vierfache angehoben. Der DGE zufolge nehmen von den empfohlenen 20 µ Vitamin D pro Tag Kinder 1-2 µg und Jugendliche und Erwachsene 2-4 µg über den üblichen Lebensmittelverzehr auf. Die Differenzmenge muss über die körpereigene Herstellung in der Haut oder über Vitamin-D-Präparate beigesteuert werden.

Wer sich ausreichend im Freien aufhält und seine Haut von der Sonne bescheinen lässt, kann sich also eine ergänzende Zufuhr sparen. Die Anderen nicht – in Deutschland vermutlich die Mehrheit. Gemeint sind Personen, die sich bei Sonnenschein kaum oder gar nicht bzw. nur in vollständiger Bekleidung im Freien aufhalten und in unseren Breitengraden auch Menschen mit dunkler Hautfarbe.

Warum steigt der Vitamin-D-Bedarf im Alter?

Da im Alter die Fähigkeit zur Bildung von Vitamin D in der Haut abnimmt, steigt die Notwendigkeit zur Extra-Portion. Hinzu kommt die eingeschränkte Beweglichkeit chronisch kranker oder pflegebedürftiger Senioren, die die Aufenthaltszeit im Freien reduziert.

Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie ab einem Alter von 60 Jahren die zusätzliche Einnahme entsprechender Präparate. Sie rät dazu, täglich 1000 mg Calcium sowie 1000 bis 2000 IE (internationale Einheiten) Vitamin D einzunehmen.

Rezeptpflicht für hochdosierte Vitamin-D-Präparate

Es gibt auch andere, deutlich höhere Empfehlungen für die Vitamin-D-Zufuhr. In den USA empfiehlt das regierungsnahe Food and Nutrition Board ähnliche Aufnahmemengen wie die DGE, eine Stoffwechsel-Fachgesellschaft (Endocrine Society) dagegen 1.500-2.000 IU pro Tag für Erwachsene und das Vitamin D Council sogar 5.000 IE pro Tag.

In Deutschland ist bereits für Produkte mit einem Gehalt von über 25 µg (1.000 IE) eine Rezeptpflicht vorgeschrieben. Für den Bezug solcher Präparate muss also erst ein Arzt konsultiert werden, der auch zur Verschreibung bereit ist. Mit einer giftigen Überdosis ist Studien zufolge ab einer täglichen Einnahme von 100.000 IE Vitamin D zu rechnen bzw. von 40.000 IE über mehrere Monate.

Wie viel Vitamin D braucht mein Kind?

Bevor wir zu den Details kommen: Vitamin D ist wichtig für den Knochenaufbau. Es muss einerseits über die Nahrung (oder Muttermilch) zugeführt werden. Es wird aber auch zu einem Teil vom Körper selbst produziert, vorausgesetzt, er bekommt genügend Sonnenlicht ab.

Das bedeutet nicht, dass Sie Ihr Baby täglich durch die pralle Sonne schieben müssen, damit es genügend Vitamin D abbekommt. Ein Spaziergang (im Kinderwagen oder Buggy) mit Tageslicht genügt vollauf.

Bei Säuglingen sind die Verhältnisse folgendermaßen geregelt: Er erhält ab der ersten Lebenswoche bis zum Ende des ersten Lebensjahres eine Vitamin-D-Tablette zur Vorbeugung von Rachitis. Unabhängig davon, ob gestillt oder Säuglingsmilchnahrung verabreicht wird.

Im Winter größerer Bedarf an (indirekten) Sonnenstrahlen

Und nun zu den Details: Der Tagesbedarf an Vitamin D für Säuglinge beträgt 100-400 Einheiten (E) pro Tag. Dabei werden 100 E durch die Muttermilch und bis zu 400 E durch 1 Liter Säuglingsmilch gedeckt. Der Restbedarf (z.B. in der Stillzeit) muss entweder künstlich zugeführt oder durch Lichteinwirkung vom Körper selbst produziert werden. Dazu sind im Sommer bei hellem Tageslicht 30-40 Minuten ausreichend. Dabei sollte die Sonne Ihrem Kind aber nicht direkt auf Gesicht und Hände scheinen (Empfehlungen zum Sonnenschutz beachten!). Im Winter verlängert sich die erforderliche Zeitspanne bei sonnigem (!) Wetter auf 3 Stunden.

Das muss jetzt nicht zwanghaft jeden Tag so sein. Aber Sie sollten zumindest dafür Sorge tragen, dass Ihr Kind regelmäßig an die frische Luft kommt.

Die offiziell empfohlene Gabe von 500 E Vitamin D pro Tag ab der 3. Lebenswoche bis zum Ende des 2. Lebensjahres gilt im Prinzip nur für Kinder, die weder Muttermilch noch fertige Säuglingsmilch erhalten und wenig ans Licht kommen. In allen anderen Fällen kann die eigens zugeführte Vitamin-D-Menge reduziert werden – und sollte es auch, da eine Überdosis dieses mittlerweile zu den Kortison-ähnlichen Hormonen gerechneten Vitamins zu erhöhten Kalzium- und Phosphatkonzentrationen im Blut und damit zu einer verfrühten oder erhöhten Kalkeinlagerung in Knochen, Zähnen und Gewebe führen kann.

Konkrete Empfehlungen

Eine kinderärztliche Empfehlung aus der Praxis lautet deshalb:

  • 250 E (z.B. ½ Tablette Vigantolette®) pro Tag, nur an dunklen und regnerischen (nicht an sonnigen) Tagen im ersten Lebensjahr
  • bei im Winter geborenen Kindern das gleiche Procedere auch noch im zweiten Winter
  • bei höherer Dosierung der Präparate entsprechend reduzierte Einnahme, z.B. Vigantol®-Tropfen: 2 Tropfen pro Woche

Lassen Sie sich auch individuell von Ihrem Kinderarzt beraten.

Wie lässt sich die Vitamin-D-Versorgung verbessern?

Vitamin D kann der Körper selber herstellen. Ein wichtiger Schritt findet dabei in der Haut statt, allerdings wird dafür Sonnenlicht bzw. UV-Licht gebraucht. Sonnenbäder können die Vitamin-D-Produktion also unterstützen.

Wichtig ist dabei aber ein guter Sonnenschutz mit einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Darauf sollten besonders diejenigen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa achten, die Azathioprin anwenden. Azathioprin macht die Haut sensitiver gegenüber Sonneneinstrahlung, so dass die Haut möglichst wenig Sonnenlicht ausgesetzt sein sollte.

Eine andere Möglichkeit, dem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen, ist eine ausreichende Zufuhr der Substanz über die Nahrung oder spezielle Nahrungsergänzungsmittel. Lebensmittel, die Vitamin D enthalten, sind zum Beispiel fette Fische, Leber oder Eigelb; es gibt auch Margarine, die mit Vitamin D angereichert ist.

Vitamin D über die Nahrung

Kann man seinen Bedarf an Vitamin D über die Nahrung decken?

Beim Vitamin D ist die Sache nicht ganz einfach. Der sonst übliche und sehr berechtigte Hinweis auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung reicht hier nicht aus. Denn unsere üblichen Nahrungsmittel enthalten insgesamt nicht die Mengen, die den Bedarf komplett decken könnten.

Das ist prinzipiell auch nicht nötig, da mit 80-90% der größte Anteil der Vitamin-D-Ressourcen von unserem Körper in Eigenleistung produziert wird. Allerdings ist dafür ein ausreichendes Kontingent an UVB-Strahlung aus dem Sonnen- bzw. Tageslicht notwendig. Dass das in unseren Breitengraden und Lebensverhältnissen nicht bei jedem immer gegeben ist, haben repräsentative Messungen des Vitamin-D-Spiegels in der deutschen Bevölkerung ergeben. Das gilt aber auch für andere Länder, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt.

Welche Nahrungsmittel enthalten viel Vitamin D?

Es ist schwierig, die genaue Menge der eigenen Produktion an Vitamin D auszumachen. Wer seine Ernährung auf einen hohen Vitamin-D-Gehalt ausrichten möchte, sollte vor allem zu tierischen Produkten greifen, zum Beispiel:

  • fettreicher Fisch
  • Eier
  • Innereien
  • Milcherzeugnisse

Zu den rar gesäten pflanzlichen Alternativen zählen:

  • Pilze
  • Avocados
  • Spinat
  • Kohlgemüse
  • Hefe

Außerdem werden manche Lebensmittel, z.B. Speiseöle und Margarine, mit Vitamin D3 angereichert. Wer zuverlässig für eine hohe Zufuhr sorgen muss oder möchte, dem stehen Ergänzungsmittel wie der althergebrachte Lebertran oder eine ganze Palette von Vitamin-D-Präparaten zur Verfügung.

Wie viel Vitamin D nehmen wir normalerweise pro Tag auf?

Unsere tägliche Vitamin-Dosis erhalten wir über die körpereigene Herstellung (unter Einfluss von Sonnen- bzw. Tageslicht) und über die Nahrung. Die individuelle Menge ist von vielen Faktoren abhängig. Etwa vom Breitengrad unseres Wohnorts, von unserem Hauttyp, von der Jahreszeit, von unserem Freiluftverhalten und von weiteren Variablen.

Das ist wohl auch ein wesentlicher Grund dafür, dass sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung recht umständlich zum Bedarf an Vitamin D äußert. Sie spricht nicht mehr wie früher von klaren Zufuhrempfehlungen. Sondern von "Schätzwerten für die zu empfehlende tägliche Aufnahmemenge, die auf der Annahme einer fehlenden körpereigenen Bildung von Vitamin D beruht". Alles klar?

Studienwert: 3.300 IE pro Tag

Das möchte man gerne etwas griffiger haben, um die empfohlene Zufuhr von 800 IE (20 µg) pro Tag größenordnungsmäßig besser einordnen zu können. In einer amerikanischen Untersuchung mit mehreren tausend Menschen wurde eine tägliche Aufnahme von durchschnittlich etwa 3.300 IE (82,5 µg) ausgemacht – ohne Ergänzungsmittel.

Als Obergrenze für die körpereigene Produktion werden in der Fachliteratur übrigens Werte bis zu 20.000 IE genannt. Dabei hat die Regulation des Vitamin-D-Spiegels im Blut offensichtlich eine hohe Pufferkapazität. Außerdem ist das im Blut zirkulierende 25-OH-Hydroxy-Vitamin-D3 (Calcidiol) nicht die biologisch aktive Form. Als diese fungiert vielmehr das 1α,25-OH-Vitamin-D3 (Calcitriol), das vor allem in der Niere, offenbar aber auch in anderen Geweben und Körperzellen gebildet wird – sogar in der Prostata.

Die Erkenntnisse auf dem weiten Feld der Vitamin-D-Forschung sprechen jedenfalls zunehmend für eine weitaus größere Gefahr der Unterversorgung unter heutigen Lebensbedingungen als der Überdosierung, wenn man zusätzlich Vitamin-Pillen einnimmt.

Ist Lebertran noch ein guter Vitamin-D-Lieferant?

Beim Stichwort Vitamin D fällt vielen älteren Erwachsenen als Nahrungsquelle noch der Lebertran ein. Früher galt: Kinder, die Lebertran essen, sind zuverlässig vor der Knochenkrankheit Rachitis geschützt. Bei der Rachitis kommt es durch einen Vitamin-D-Mangel zu Störungen der Knochenmineralisation.

Die Zeiten haben sich aber geändert, aufgrund der Schadstoffbelastung und geeigneter, zudem geschmacksneutraler Alternativen ist Lebertran heute, im Gegensatz zu den meisten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts, als Vitamin-D-Lieferant nicht mehr empfehlenswert. Die Kinder würde es freuen, wenn sie wüssten, was ihnen damit an geschmacklicher Missempfindung erspart bleibt …

Mehr Vitamin A als Vitamin D

Vielleicht liegt es an einer geänderten Nahrungskette, dass das Fischerzeugnis heute weniger Vitamin D und dafür umso mehr Vitamin A enthält. Das ist ungünstig, denn Vitamin A verdrängt Vitamin D von den Zellrezeptoren und kann sich in hohen Dosen gesundheitsschädlich auswirken. Dass es in der Apotheke von heute zudem auch geschmacklich attraktivere Alternativen gibt, wird besonders die Kinder freuen.

Lebertran-Produkte enthalten üblicherweise etwa 90 IE Vitamin D und 1.000 IE Vitamin A pro Gramm Öl. Oder 10-80 IE Vitamin D und 60-800 IE Vitamin A pro Kapsel. In einem ähnlichen Bereich mit höchstens 1,5 IE Vitamin D3 pro Gramm Öl bzw. 80 IE pro Kapsel liegen Fischölkapseln. Sie weisen zudem noch Reste von Vitamin A auf und sind zur Zufuhr von Vitamin D ebenfalls wenig geeignet.

Bildung durch Sonnenstrahlen

Kann die Haut auch im Winter Vitamin D bilden?

In unseren Breitengraden ist das schwierig. Entscheidend für den menschlichen Photosynthese-Prozess zur Bildung von Vitamin D ist nämlich gerade der sonst so gefürchtete UVB-Anteil der Sonnenstrahlung. Deshalb spielen der Sonnenstand bzw. die Lichtintensität eine wichtige Rolle – je höher, desto besser.

Im Winter steht allerdings hierzulande die Sonne ganztägig so flach, dass der UVA-Anteil des Sonnenlichts überwiegt. Freiluftaktivitäten sind zwar dann immer noch gesundheitsförderlich, für die Vitamin-D-Produktion aber nicht ausreichend.

Mit ausreichendem Sonnetanken im Sommer (unter Sonnenbrandvermeidung!) füllen Sie Ihre Speicher im Fettgewebe mit Vitamin D3 auf. Wenn Sie auch noch bei der Ernährung auf geeignete, Vitamin-D-haltige Lebensmittel achten, sollten Sie unbeschadet durch den Winter kommen. Sind Zweifel an einer optimalen Versorgung mit dem Sonnen-Vitamin angebracht (wie angeblich bei 60% der deutschen Bevölkerung), stehen Ihnen Nahrungsergänzungsmittel für die gezielte Vitaminzufuhr zur Verfügung.

Ist die Vitamin-D-Produktion vom Hauttyp abhängig?

Ja. Dunkelhäutige Menschen brauchen mehr Sonnenschein bzw. einen längeren Aufenthalt im Sonnenlicht als Hellhäutige, um Vitamin D zu produzieren. Der Grund ist der höhere Melanin-Gehalt ihrer Haut. Das sorgt für eine stärkere Absorption der UV-Strahlung. Und die UV-Strahlung der Sonne ist für die photochemische Synthese des Vitamin D3 in der Haut notwendig.

Das sollte Sie aber nicht dazu verleiten, es mit dem Sonnenbaden zu übertreiben. Denn so hilfreich und wichtig der tägliche Aufenthalt im Freien für die Vitamin-D-Versorgung auch ist: Bei einem ausgedehnten Bescheinen durch aggressive Sonnenstrahlen drohen der ungeschützten Haut Sonnenbrand, vorzeitige Alterung und Hautkrebs. Und diese Gefahr ist größer als die Gefahr eines Vitaminmangels. Zumal man Vitamin D auch anderweitig aufnehmen kann.

Vitamin D und Krebs

Schützt Vitamin D vor Krebs?

Zahlreiche wissenschaftliche Studien sprechen mittlerweile für einen Schutzeffekt von Vitamin D gegen Krebs. Zumindest wurden bei mehr als ein Dutzend verschiedener Krebsarten auffällig erniedrigte Vitamin-D-Spiegel ermittelt. Und außerdem in einigen Fällen positive Effekte geeigneter Vitamin-D-Gaben.

Zu den Tumoren, bei denen Vitamin-D-Mangel eine Rolle spielen könnte, zählen:

15% weniger Krebstodesfälle durch Vitamin D

Anders als bei anderen „Wundermitteln“ wird die Botschaft von hoch renommierten Wissenschaftlern und Institutionen übermittelt. In einer kürzlich im British Journal of Cancer publizierten Meta-Analyse zum Thema Vitamin D und Krebs wurden sieben randomisierte kontrollierte Studien ausgewertet. Dieses Studiendesign ist aus wissenschaftlicher Sicht die bisher beste und zuverlässigste Untersuchungsmethode, um Wirkzusammenhänge zu belegen.

Die Studien dauerten 2-7 Jahre und die verwendeten Vitamin-D-Dosen variierten zwischen 400 und 1.100 IE pro Tag. Die Autoren der Harvard School of Public Health kamen anhand dieser Studien zu folgendem Schluss: Die Krebssterblichkeit wird mithilfe einer zusätzlichen Vitamin-D-Zufuhr signifikant, nämlich um 15% gemindert. Die Forscher verdeutlichen das Ergebnis plakativ am Beispiel Großbritannien: Sie rechnen vor, dass dadurch allein auf der Insel vermutlich zehntausende Menschen vor dem Krebstod bewahrt werden könnten.

Vitamin D: Natürlicher Schutz gegen Brustkrebs?

Ein hoher Vitamin-D-Gehalt im Körper schützt möglicherweise vor Brustkrebs. Eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) hat zumindest nachgewiesen, dass ein sehr niedriger Vitamin-D-Spiegel nach den Wechseljahren mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einhergeht.

Vitamin D wird schon seit längerem als Einflussfaktor bei Brustkrebs diskutiert, wobei die genauen Zusammenhänge noch weitgehend unklar sind. Möglicherweise entfaltet Vitamin D einen Schutzeffekt, in dem es nach den Wechseljahren dem Einfluss des verbliebenen Östrogens hemmt - und Östrogen gilt bei bestimmten Brustkrebsformen als wachtumsfördernd.

Henne oder Ei?

Ganz eindeutig ist das auch nach der aktuellen Studie nicht. Denn wie die DKFZ-Forscher selbst betonen, ist nicht auszuschließen, dass Vitamin D bei einigen Frauen mit Brustkrebs nicht als Ursache, sondern als Folge erniedrigt ist. Zum Beispiel durch die Chemotherapie oder auch durch die Krankheitsphase und zu wenig Zeit an der frischen Luft (Vitamin D steigt durch Sonnenlicht an). Mit anderen Worten: Die Henne-oder-Ei-Frage ist noch offen.

Vitamin D wird neben der Eigenproduktion unter dem Einfluss von Tageslicht auch über die Nahrung aufgenommen, vor allem über Seefisch, Eier und Milchprodukte.

Bessere Prognose bei Hodgkin-Lymphom durch Vitamin-D?

Eine deutsche Studie hat gezeigt, dass bei Patienten mit einem Hodgkin-Lymphom oft begleitend ein Vitamin-D-Mangel vorliegt und dass es bei einem Mangel häufiger zu Rezidiven (Rückfällen) der Krebserkrankung nach der Behandlung kam. Außerdem gibt es einen Einfluss auf die Therapie selbst, in Kombination mit Vitamin D wirken die verabreichten Chemotherapeutika besser. Es kann also durchaus sinnvoll sein, den Vitamin-D-Spiegel im Rahmen der Behandlung zu bestimmen und gegebenenfalls auszugleichen. Dennoch darf man nicht automatisch davon ausgehen, dass sich die Behandlung und die Prognose der Erkrankung dadurch generell und bei jedem in gleichem Maße verbessert. Das Vitamin D ist in diesem Zusammenhang als unterstützende Maßnahme bei der Chemotherapie zu sehen.

Vitamin D und das Herz

Schützt Vitamin D vor Herzinfarkt?

Dafür sprechen umfangreiche wissenschaftliche Erhebungen. In einer großen Langzeitstudie wurden Männer im Alter zwischen 40 und 75 Jahren beobachtet. Diejenigen mit einem Mangel an Vitamin D ein fast zweieinhalbfaches Risiko dafür auf, in den nächsten 10 Jahren einen Herzinfarkt zu entwickeln.

Selbst bei Berücksichtigung typischer Risikofaktoren für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße (u.a. Vorkommen in der Familie, ungünstige Blutfettwerte und Übergewicht) war das Risiko immer noch doppelt so hoch.

Bestätigung aus Dänemark

Eine dänische Meta-Analyse aus dem Jahr 2012 kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie umfasste mehrere Studien mit insgesamt über 10.000 Menschen und einem Beobachtungszeitraum von fast 30 Jahren. Das Ergebnis: Ein hoher Vitamin-D-Spiegel verringert das Sterberisiko durch einen tödlichen Herzinfarkt um 81%. Das ist mehr als relevant.

Umso erstaunlicher ist es, dass wir in der Mehrzahl weder unseren Vitamin-D-Spiegel kennen noch die Bedeutung, die eine optimale Versorgung mit diesem „Sonnenvitamin“ für uns hat. Wussten Sie zum Beispiel, dass sich, vor allem gegen Ende des Winters, fast 60% der Deutschen labordiagnostisch im Vitamin-D-Mangelzustand befinden? Die Zahlen dazu finden sich ganz nüchtern und unaufgeregt auf den offiziellen Seiten des staatlichen Robert-Koch-Instituts. Und dabei ist es so einfach, etwas dagegen zu tun.

Kontroverse: Vitamin D und Osteoporose

Vitamin D: Der überschätzte Mangel

Vitamin-D-Pillen zu schlucken, um sich damit vor Osteoporose zu schützen, ist Unsinn. Zumindest in den meisten Fällen. Darauf haben jetzt Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hingewiesen.

Gefahr vor Vitaminmangel wird übertrieben

Immer wieder liest man, dass vor allem in den Wintermonaten der Vitamin-D-Spiegel bedenklich sinkt und damit das Risiko für Osteoporose zunimmt. Denn Vitamin D ist wichtig für den Knochenstoffwechsel. Und da der Körper zur Vitamin-D-Produktion Sonnenlicht benötigt, ist in den dunklen Monaten Gefahr im Verzug. Also lieber Vitamin-Pillen einnehmen, um die Knochen zu schützen.

Daran ist einiges richtig, vieles aber auch nicht. Einiges davon kommt auch aus Mündern, die mit dem Verkauf der Vitaminpillen Geld verdienen.

Das folgende stimmt immerhin: Allein mit der Nahrung kann man seinen Bedarf an Vitamin D tatsächlich kaum decken. Zwar enthalten Fisch, Eier und Milch viel Vitamin D, aber bei halbwegs normalem Verzehr genügt das nicht. Dafür braucht es auch Sonnenlicht. Denn die UV-B-Strahlen der Sonne sorgen dafür, dass der Körper aus einer Vitamin-Vorstufe das wirksame Vitamin D bilden kann.

Was aber nicht stimmt: Dass man im Winter deswegen in einen gravierenden Mangel läuft.

Lieber Spaziergänge als Pillen

Normalerweise reichen die Vitamin-Speicher im Körper völlig aus, um auch den Winter zu überstehen. Außerdem wird auch bei Winterlicht die Vitamin-D-Produktion angekurbelt. Wichtig ist nur, dass man in den kalten Monaten auch mal das Haus verlässt. Regelmäßige Spaziergänge sind der perfekte Schutz vor einem Vitamin-D-Mangel und damit auch vor Osteoporose.

Sie sind auch geeigneter als Solarien. Denn dort werden erstens meist UV-A-Strahlen eingesetzt, und die bringen in Bezug auf Vitamin D herzlich wenig. Und zweitens steigt bei übertriebener Anwendung das Hautkrebsrisiko.

Echte Mangelzustände an Vitamin D sind laut den DGE-Experten ohnehin relativ selten. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist sehr gering. Größer ist das Risiko, ein Gesundheitsproblem durch eine Überdosierung an Vitamin D zu bekommen, die sich zum Beispiel durch eine Kalziumerhöhung im Blut äußern kann.

Nur wenn bereits eine Osteoporose besteht oder ein erhebliches Risiko wegen anderer Umstände besteht, kann eine Vitamin-Einnahme erwogen werden. Darüber sollten Sie aber mit Ihrem Arzt sprechen.

Vitamin D: Und es nützt doch?

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für poröse Knochen (Osteoporose) und damit für Knochenbrüche, insbesondere der Hüftknochen. Wie das verhindern? Indem man die Knochen stärkt. Dazu benötigt man Vitamin D. Doch über den Nutzen von der Einnahme von Vitamin-D-Präparaten gibt es ganz unterschiedliche Erkenntnisse – von wirksam bis überflüssig. Eine neue Studie kommt jetzt zu dem Schluss, dass es dabei vor allem auf die Dosis ankommt.

Auf die Dosis kommt es an

Wissenschaftler der Universität Zürich haben die Daten von über 30.000 Patienten ausgewertet, die an Studien zur Vitamin-D-Ergänzung teilgenommen haben. Sie stellten dabei fest, dass die Betroffenen ganz unterschiedliche Dosen des Vitamins zu sich genommen hatten: Manche viel weniger als verordnet, andere, durch zusätzliche Vitamin-D-Quellen, mehr als vorgesehen.

Anhand der Daten kommen sie nun zu dem Schluss, dass Vitamin D, wenn es tatsächlich in ausreichender Menge eingenommen wird, tatsächlich eine schützende Wirkung entfaltet. Doch das gelingt nur, wenn man mindestens 800 internationale Einheiten (IE) Vitamin D pro Tag zu sich nimmt. Dann verringert sich das Hüftbruchrisiko um rund 30%.

Vitaminpillen oder Spaziergänge plus guter Ernährung?

Der Körper benötigt Vitamin D für den Knochenaufbau und die Knochenregeneration. Vitamin D wird durch die Nahrung zugeführt und – in weit umfangreicherem Maße – durch Sonnenlicht im Körper gebildet. Die Erfahrungen zeigen, dass je älter die Menschen werden, der Vitamin-D-Mangel steigt, weil ältere Menschen sich meist weniger an der frischen Luft bewegen.

Deshalb sehen manche Ärzte die Notwendigkeit, dieses Vitamin zusätzlich als Tablette einzunehmen. Wirklich berechtigt scheint das aber nur bei hohem Osteoporose-Risiko oder wenn weder mit der Ernährung noch mit Spaziergängen eine "Vitaminkur" möglich ist. Viel Vitamin D enthalten zum Beispiel Fisch, Eier und Milchprodukte.

Vitamin D und Sturzgefahr

Kann Vitamin D vor Stürzen schützen?

Ja. Denn Vitamin D beeinflusst neben der Knochenstabilität auch die Muskulatur und die Koordinationsfähigkeit der Muskeln. Ein Mangel an Vitamin D erhöht daher das Risiko zu stürzen. Außerdem können Menschen mit Vitamin-D-Mangel beim Fallen weniger gut reagieren, stützen sich oft nur unzureichend ab und verletzen sich demnach häufiger oder heftiger.

Vitamin-D-Tabletten genügen nicht

Allerdings kann man mit Vitamin-D-reicher Kost oder einer Einnahme von Vitamin-D-Tabletten kaum einen Effekt auf die Sturzgefahr erreichen. Zumindest gibt es keine Studien, die das nachweisen. Denn Vitamin D muss im Körper erst in aktive Metaboliten verstoffwechselt werden, um von denen kommt bei aufgenommenem Vitamin D zu wenig am Muskel an, um das Sturzrisiko zu reduzieren. Möglich ist das aber durch die Einnahme der aktiven Formen von Vitamin D, das sind Calcitriol oder auch Alfacalcidol.

Vitamin D kommt aber in jedem Fall eine entscheidende Rolle im Knochenstoffwechsel zu. Das heißt: Wer anhaltend über ausreichend Vitamin D verfügt, hat tendenziell auch stabilere Knochen.

Dosierung und Überdosierung

Ist eine Überdosierung mit Vitamin D möglich?

Eine Überdosierung von Vitamin D ist prinzipiell möglich, heutzutage aber eher unwahrscheinlich. Beim Erwachsenen ist mit einer akuten Vergiftung erst bei einer Einzeldosis ab 50 mg (2 Millionen IE) zu rechnen. Und eine solche Dosis kann man ausversehen kaum zu sich nehmen.

Auch eine chronische Überdosierung, eine sogenannte Hypervitaminose (Erkrankung durch zu viel Vitamin), ist vermutlich erst bei einer täglichen Einnahme von über 1 mg bzw. 40.000 IE über viele Monate zu erwarten.

Körpereigene Regulation mit großem Toleranzbereich

Die offiziellen Angaben zur Höchstmenge an Vitamin D liegen deutlich darunter. Sie haben also reichlich Puffer eingebaut. Das ist grundsätzlich nicht ganz verkehrt. Denn die maximale Dosis, die täglich ohne jegliches Nebenwirkungsrisiko aufgenommen werden kann, ist bisher nicht zweifelsfrei ermittelt. In jedem Fall verfügt unser Körper über sehr komplexe Regulationsmechanismen, die einen großen Dosisbereich an Vitamin D tolerieren können.

Der Blutspiegel von 25-OH-Vitamin-D3, einer wichtigen Transportform im Blut, wird über weite Strecken konstant gehalten. Er steigt erst dann in ungesunde Konzentrationsbereiche an, wenn die tägliche Zufuhr die maximale Eigenproduktion der Haut übersteigt. Denn auch dort kann ja Vitamin D unter Sonneneinfluss hergestellt werden.

Das üblicherweise aufgenommene Vitamin D ist zudem eine Vorstufe, die erst noch in die biologisch aktive Form, das Calciitriol, umgewandelt werden muss. Ein weiterer Sicherheitspuffer. Bei direkter Gabe von Calcitriol ist das Überdosierungsrisiko deutlich höher, dafür liegt seine Halbwertszeit im Blut dann nur bei 3-6 Stunden.

Medizinfehler in der Vergangenheit

Mit der Überdosierung von Vitamin D wurden im letzten Jahrhundert negative Erfahrungen gemacht. Dafür kann allerdings das Vitamin D nichts. Schuld war eher das falsche Vorgehen der Ärzte und Institutionen bei der Vorbeugung der Rachitis. Das ist eine Knochenerkrankung, die durch zu wenig Vitamin D entstehen kann. Man traute den Eltern eine verlässliche Gabe von Vitamin D an ihre Sprösslinge offenbar nicht zu und verordnete hohe Einzeldosen im Sinne einer Stoßtherapie, also nach dem Motto „Viel hilft viel“. Die Dosen waren aber mit 3-15 mg bzw. 120.000-600.000 IE deutlich zu hoch und führten desöfteren zur Überdosierung.

Heute ist man etwas schlauer und empfiehlt den Eltern, ihrem Säugling ab der zweiten Lebenswoche täglich eine Vitamin-D-Tablette mit 500 IE zu verabreichen. Überdosierungserscheinungen sind nur vereinzelt und erst ab 2.000 IE beschrieben worden. Der Sicherheitsspielraum ist also recht groß, der Schutzeffekt auch. Die früher häufigeren Knochen- und Entwicklungsschäden sind bei uns heute weitgehend verschwunden.

Vitamin D: Zu wenig ist genauso schädlich wie zu viel

60% der Deutschen sind unzureichend mit Vitamin D versorgt. Das meldet zumindest die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Das kann die Gesundheit bedrohen, wie jetzt auch eine dänische Studie zeigt. Allerdings zeigt die gleiche Studie, dass auch ein Zuviel an Vitamin D schädlich sein kann.

Die Wissenschaftler aus Kopenhagen haben die Blutwerte von rund 250.000 Dänen untersucht und dabei Grenzwerte ausgemacht, ab denen es gefährlich wird. Das Ergebnis: Am besten ist die Mitte. So erhöhte sich das Sterblichkeitsrisiko bei einer sehr niedrigen Konzentration (unter 10 nmol/l) um das 2,3fache und stieg ab 140 nmol/l um den Faktor 1,4. Der demnach optimale Wert liegt bei 50 nmol/l.

Vitamin D: viel aus dem Sonnenlicht, etwas aus der Nahrung

Zum Hintergrund: Vitamin D ist ein besonderes Vitamin. Denn der Mensch kann es nicht nur über die Nahrung zu sich nehmen, sondern es auch selbst bilden: Vitamin D wird zu 90% durch den Einfluss von Sonnenlicht produziert. Über die Nahrung ist es schwieriger. Nur wenige Lebensmittel enthalten Vitamin D in bedeutenden Mengen. Dazu gehören insbesondere fettreiche Seefische wie Hering und Makrele. In Leber, Eigelb und einigen Speisepilzen findet sich das Vitamin in geringerem Maße.

Unser Körper benötigt Vitamin D vor allem für kräftige Knochen. Es soll aber auch gegen Diabetes, Krebs und Depressionen helfen, wobei der Nutzen gegen die ersten beiden Krankheiten wissenschaftlich nicht erwiesen ist.

Hintergrundwissen

Welchen Einfluss hat Vitamin D auf die Gene?

Vitamin D entfaltet seine Wirkung, in dem es die DNA im Zellkern beeinflusst. Damit verändert es zwar nicht die Gene im eigentlichen Sinn, sorgt aber über den DNA-Kontakt dafür, dass die gewünschten Eiweiße produziert werden. Nämlich solche, die den Knochen stabilisieren und das Immunsystem stärken – um nur die wichtigsten Aufgaben von Vitamin D zu nennen.

Verwirrende Metamorphose

Das war die einfache Version der Geschichte. Schaut man sich den Wirkmechanismus genauer an, wird es richtig kompliziert und auch ziemlich verwirrend. Denn sowohl das über die Nahrung zugeführte Vitamin D als auch das vom Körper selbstproduzierte (soweit er genügend Tageslicht abbekommt) durchlaufen mehrere chemische Entwicklungsstufen, bis sie ihre eigentliche Wirkung entfalten. Das Ergebnis dieser Metamorphose ist das biologisch aktive Molekül Calcitriol. Dieses entsteht im letzten Schritt des komplexen Vitamin-D-Werdegangs vor allem in der Niere und wirkt wie ein Hormon. Denn es übt seine Effekte auch fern der Bildungsstätte aus und beeinflusst Prozesse im ganzen Körper.

Hormonartiger Wirkmechanismus

Wie Calcitriol das macht, ähnelt dem Vorgehen der Steroidhormone, also Kortison & Co. Calcitriol bindet an ein spezifisches Rezeptorprotein in der Zelle und tritt mit der DNA im Zellkern in Kontakt. Dadurch beeinflusst es die Umsetzung der Erbsubstanz in Proteine.

Dieser komplexe Wirkmechanismus führt zu vielfältigen Effekten im Körper, die von der Wissenschaft erst in groben Zügen aufgedeckt und verstanden sind. Trotz einer intensiven Vitamin-D-Forschung sind die praktischen Konsequenzen für den Umgang mit Vitamin D und seine vorbeugende Zufuhr unter heutigen Lebensbedingungen noch umstritten.

Was ist 25-Hydroxy-Vitamin-D3?

Eine Vorstufe von Vitamin D. Der Begriff Vitamin D steht nämlich nicht für eine einzige Substanz, sondern für mehrere. Eine Vorstufe des biologisch aktiven Vitamin D3 ist das Calcidiol, das häufig auch als 25-Hydroxy-Vitamin-D3 bezeichnet wird.

Chemiestunde

Chemiebegeisterte wissen, dass damit eine Hydroxylierung des Vitamin D3 (Cholecalciferol oder Calciol) gemeint ist. Für alle anderen ist vor allem von Interesse, dass es sich um eine noch inaktive Form des Vitamin D3 handelt. Sie wird in der Leber gebildet und dann über das Blut zum letzten Syntheseschritt in die Nieren transportiert. Dort entsteht dann Calcitriol (1,25-Dihydroxy-Vitamin-D3), die biologisch aktive Wirkform des Vitamin D3.

Das 25-Hydroxy-Vitamin-D3 im Blutserum ist für uns als Laborwert von besonderer Bedeutung. Es zeigt die längerfristige Versorgungssituation des Körpers mit Vitamin D an.

Wichtiger Messwert für die Vitamin-D-Versorgung

Der Blutwert von 25-Hydroxy-Vitamin-D3 bildet heute die Grundlage für die Empfehlungen zur Vitamin-D-Zufuhr. Fachorganisationen wie etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung oder das US-amerikanische Institute of Medicine operieren mit dieser Maßeinheit. Beide Institutionen sehen eine Serumkonzentration in Höhe von 50 nmol/l (20 ng/ml) als Minimalwert an, der eine wünschenswerte Versorgung widerspiegelt. Andere Quellen betrachten diesen Konzentrationsbereich noch als Mangelzustand und gehen von 75 nmol/l bzw. 30 ng/ml oder 30 µg/l als Untergrenze aus.

All die komplizierten und vor allem verschiedenen Wirkstoffbegriffe und Maßeinheiten sind nervig. Aber es gibt sie nun mal und sie werden alle fleißig in der Fachliteratur, auf Beipackzetteln und im Internet verwendet. Wohl dem, der dabei den Überblick behält.

Wenn Sie wissen möchten, wie es um Ihren Vitamin-D-Spiegel bestellt ist, dann lassen Sie ihn von Ihrem Arzt bestimmen. Am besten im Rahmen einer ohnehin fälligen Blutuntersuchung. Bei etwa 60% der Deutschen sollen die Werte, vor allem gegen Ende des Winters, zu niedrig liegen.

Quellen:

  • Universität des Saarlandes, Dtsch Arztebl Int 2010; 107(37): 638-43
  • Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism
  • Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie
  • New England Journal of Medicine 367: 40-49
  • Carcinogenesis 2008, Band 29 Nr. 1, Seite 93. Breast Cancer Research, 17. April 2008, DOI:10.1186/bcr1994.

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