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Infliximab (Remicade): Wirkung und Nebenwirkungen

Infliximab (z.B. Remicade®) ist ein monoklonaler Antikörper. Mit seinen antientzündlichen und immunsuppressiven Eigenschaften wird das Medikament vor allem bei Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa eingesetzt. Alle wichtigen Fragen zu dem Wirkstoff beantworten wir im folgenden Beitrag.

Auf welche Weise wirkt Infliximab?

Infliximab ist im weitesten Sinne ein Immunsuppressivum. Im weitesten Sinne deshalb, weil es sich hier um einen sehr modernen Vertreter dieser Wirkstoffklasse handelt. Immunsuppressiva sind Medikamente, die das körpereigene Abwehrsystem unterdrücken. Sie werden vor allem dann eingesetzt, wenn sich das Immunsystem im Rahmen von Autoimmunerkrankungen gegen den eigenen Körper wendet oder wenn das Immunsystem bewusst, beispielsweise nach Organtransplantationen, ausgeschaltet werden soll. Zu den klassischen Immunsuppressiva gehören vor allem Kortison-Präparate.

Antikörper gegen den Tumornekrosefaktor

Infliximab ist wie oben gesagt ein monoklonalen Antikörper. Also eine künstlich hergestellte Substanz, die sich wie körpereigene Antikörper ganz spezifisch gegen ein bestimmtes Ziel richtet. Im Falle von Infliximab ist das der Botenstoff TNFα (Tumor-Nekrose-Faktor). Infliximab ist ein sogenannter TNF-Blocker.

TNFα ist ein körpereigener Botenstoff (Zytokin), dem beim gesunden Menschen eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Viren und Bakterien zukommt: Dringen Infektionserreger in den Körper ein, werden mithilfe von TNFα verschiedene Immunzellen rekrutiert, die die Infektion eindämmen und die Erreger letztendlich eliminieren. Hohe Spiegel an TNFα korrelieren mit einer stärkeren Immunantwort, die typischerweise mit Rötung, Schwellung, Überwärmung und Schmerzen im betroffenen Gebiet einhergeht.

Bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises sowie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen hingegen kommt es zu einer dauerhaft erhöhten Ausschüttung des Botenstoffes. Die Ursache: Körpereigenes Gewebe wird als feindlich eingestuft. Das führt zur Entstehung und Unterhaltung einer unnatürlichen Entzündung im gesamten Körper.

Wirkung oft nach 10-14 Tagen spürbar

Infliximab setzt genau dort an: Einmal im Körper, verteilt sich das Medikament im Gefäßsystem und blockiert TNFα am Ort des Entzündungsprozesses. Dadurch wird das Entzündungsgeschehen gehemmt, was in vielen Fällen bereits nach 10 bis 14 Tagen zu einer deutlichen Reduktion der Entzündung und damit letztendlich der Beschwerden führt.

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Gegen welche Erkrankungen kann Infliximab eingesetzt werden?

Infliximab spielt vor allem bei rheumatischen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Dazu zählen:

Aber auch bei den chronisch- entzündlichen Darmerkrankungen wird Infliximab mittlerweile immer häufiger eingesetzt:

Wann kommt Infliximab bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zum Einsatz?

In der Gruppe der insgesamt noch recht jungen TNF-Blocker ist Infliximab das älteste Mittel in der Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen. Dadurch bestehen mit Infliximab auch die längsten Erfahrungen. 

Zugelassen für mäßige bis schwere Schübe

Antikörper-Medikamente wie Infliximab sind derzeit (Stand Februar 2018) bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nur zugelassen, wenn eine herkömmliche Therapie mit bewährten Medikamenten wie Kortison-Präparaten oder den Wirkstoffen 6-Mercaptopurin und Azathioprin keine Besserung gebracht hat. Oder wenn diese Standardbehandlung nicht vertragen wird.

Der Einsatz von Remicade & Co wird unter dieser Vorbedingung empfohlen bei schweren, aktiven Formen von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit mehreren Stuhlentleerungen pro Tag, Fieber und Bauchkrämpfen. Auch wenn sich Fisteln gebildet haben, ist die Antikörpertherapie eine Option.

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Dass Infliximab nicht als erste Wahl gilt, liegt daran, dass die Studienlage im Vergleich zu altbewährten Medikamenten vergleichsweise dünn ist.

Infliximab-Therapie bei Morbus Crohn: die wichtigsten Studien 

Bei einem Morbus Crohn mit hoher Krankheitsaktivität gibt es zwei Behandlungsziele:

  • einen akuten Schub zurückzudrängen
  • und in der Ruhephase einen erneuten Schub möglichst lange zu verhindern.

Für beide Behandlungsziele werden in aller Regel sogenannte Immunsuppressiva eingesetzt. Also Medikamente, die das überschießende Immunsystem eingrenzen.

Typische Vertreter sind Kortison-Präparate oder Azathioprin. Und für beide Behandlungsziele gibt es mit dem monoklonalen Antikörper Infliximab eine neue Therapieoption, die in Studien sehr vielversprechende Ergebnisse geliefert hat.

Die wichtigsten Studien zu Infliximab stellen wir im folgenden vor.

SONIC-Studie: Überlegenheit von Azathioprin plus Infliximab

Teilnehmer

  • 508 Patienten mit Morbus Crohn
  • alle mit mittlerer bis hoher Krankheitsaktivität
  • alle noch ohne vorherige immunsuppressive Therapie

Methodik

randomisiert, doppelblind, plazebokontrolliert

Studiengruppen

In der Untersuchung wurden die Patienten in drei Gruppen eingeteilt:

  • eine Gruppe erhielt nur Azathioprin;
  • eine zweite Gruppe ausschließlich Infliximab (Remicade®);
  • und die dritte Gruppe eine Kombination aus beiden Medikamenten.

Ergebnisse

  • Schon nach 26 Wochen konnte ein deutlicher Rückgang der Krankheitsaktivität in allen Gruppen verzeichnet werden.
  • Bis zu 55% der Patienten erreichten das wichtigste Ziel in der Studie: eine Remission, also Ruhephase der Erkrankung, ohne dass noch eine absichernde Kortison-Behandlung notwendig ist.
  • Bei bis zu 40% der Studienteilnehmer war eine komplette Ausheilung der Darmschleimhaut zu verzeichnen.
  • Der Entzündungsmarker CRP sank deutlich ab.
  • Schwere Komplikationen, wie Fistelbildungen, heilten aus.
  • Die besten Ergebnisse wurden dabei jeweils in der Gruppe mit der Kombinationstherapie aus Azathioprin und Infliximab erzielt.
  • Etwa 5-10% schlechter schnitt die alleinige Infliximab-Behandlung ab.
  • Die geringsten Therapieerfolge wurden unter der Azathiprin-Monotherapie verzeichnet.

Fazit der Autoren

Die Kombinationstherapie von Azathioprin und Infliximab scheint der Monotherapie mit Infliximab überlegen zu sein.

ACCENT-I-Studie: Wirksamkeit von Infliximab auch bei ausgeprägtem Crohn nachgewiesen

Teilnehmer

  • 573 Patienten mit schwerem, sehr aktivem Morbus Crohn

Methodik

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randomisiert, plazebokontrolliert

Studiengruppen

Nach einer ersten Infliximab-Infusion für alle Teilnehmer Einteilung der Responder (angesprochen auf Therapie) in drei Gruppen, mit weiteren Infusionen in Woche 2, 6 und dann alle 8 Wochen (gesamt über ein Jahr). Die drei Gruppen erhielten:

  • Plazebo-Infusionen
  • Infliximab 5 mg/kg KG (Remicade®)
  • Infliximab 10 mg/kg KG

Ergebnisse

  • 58% der Teilnehmer reagierten mit Krankheitsrückgang auf Infusion 1
  • signifikant geringere Rückfallrate in Woche 30 und 54 in den beiden Infliximab-Gruppen

Fazit der Autoren

Infliximab kann die Remissionsdauer und den Verzicht auf Kortison signifikant verlängern.

Louis-Studie: Absetzen von Infliximab in Ruhephase führt zu Rückfallrate von 50%

Teilnehmer

  • 115 Patienten mit Morbus Crohn
  • alle vorbehandelt mit Azathioprin o.ä. plus Infliximab
  • alle krankheitsfrei seit mindestens einem halben Jahr, ohne Kortison-Behandlung

Methodik

Beobachtungsstudie

Studiengruppen

In der Untersuchung wurden die Patienten nach Absetzen der Infliximab-Behandlung lediglich engmaschig beobachtet.

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Ergebnisse

  • Rückfallrate von 45% innerhalb der nächsten 28 Monate
  • auftretende Rückfälle vor allem innerhalb der ersten 12 Monate
  • ein erhöhtes Rückfallrisiko bestand bei männlichen Probanden
  • ein erhöhtes Rückfallrisiko bestand bei Verzicht auf frühere OPs (Teilentfernungen im Darm)
  • ein erhöhtes Rückfallrisiko zeigte sich auch bei bestimmten Laborparametern (Entzündungswerte im Blut)
  • die erneute Gabe von Infliximab nach einem Rezidiv erwies sich bei 88% der Probanden als effektiv und sicher

Fazit der Autoren

  • Das Absetzen von Infliximab nach erreichter Remission muss gründlich überlegt werden.
  • Patienten mit besonders niedriger Rückfallgefahr sind anhand der genannten Risikoparameter vorher identifizierbar.

Kennedy-Studie: Absetzen von Infliximab in Ruhephase führt zu Rückfallrate von 36% nach einem Jahr und 56% nach zwei Jahren

Teilnehmer

  • 746 Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen, 80% davon mit Morbus Crohn
  • alle vorbehandelt mit Azathioprin o.ä. plus Infliximab oder Adalimumab

Methodik

retrospektive Analyse plus Meta-Analyse

Studiengruppen

In der Untersuchung wurden die Patientenakten mehrerer Studien mit einer Infliximab-Behandlung rückwirkend analysiert.

Ergebnisse

  • Rückfallrate von 36% innerhalb der nächsten 12 Monate
  • Rückfallrate von 56% innerhalb der nächsten 24 Monate
  • auftretende Rückfälle vor allem innerhalb der ersten 12 Monate
  • ein erhöhtes Rückfallrisiko bestand bei Patienten mit Crohn-Beginn in jugendlichem Alter
  • ein erhöhtes Rückfallrisiko zeigte sich auch bei bestimmten Laborparametern (Entzündungswerte im Blut)
  • die erneute Gabe von Infliximab nach einem Rezidiv erwies sich bei 88% der Probanden als effektiv und sicher

Fazit der Autoren

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Etwa ein Drittel der Patienten bekommen nach Absetzen der Antikörpertherapie binnen einem Jahr einen Krankheitsrückfall.

Wie wirkt Remicade (Infliximab) bei der Psoriasis (Schuppenflechte)?

In der Behandlung der Psoriasis eingesetzte Biologika wie Remicade (Infliximab) wirken gezielt auf bestimmte Eiweiße in unserem Körper, auf die sogenannten Zytokine (Entzündungsbotenstoffe). Zur Gruppe der Zytokine gehören Interleukine (IL), Interferone (IFN), Tumornekrosefaktoren (TNF) und kolonienstimulierende Faktoren. Sie alle dienen der Zellkommunikation, dem Zellwachstum und der Zellentwicklung.

Remicade im Kampf gegen TNF-α

Der Entzündungsbotenstoff TNF-α ist ein wichtiger Bestandteil unseres körpereigenen Abwehrsystems. Er ist nicht nur für die Zellkommunikation, sondern auch für Zellwachstum und Zellentwicklung zuständig. Im Falle einer bakteriellen Infektion sorgt der Tumornekrosefaktor u.a. dafür, dass unsere Zellen und Eiweißstoffe bei der Bekämpfung der Eindringlinge optimal funktionieren.

Nur manchmal läuft es anders als es soll, bei den Autoimmunerkrankungen zum Beispiel. Obwohl es keine "echten" Feinde von außen zu bekämpfen gibt, lässt sich TNF-α dennoch in hohen Konzentrationen bei Psoriatikern nachweisen. Der außer Kontrolle geratene Tumornekrosefaktor richtet sich gegen körpereigene Strukturen und provoziert eine überschießende, fehlgesteuerte Immunreaktion.

Obwohl keine bakterielle Infektion vorliegt, kann man den Entzündungsbotenstoff TNF-α bei der Schuppenflechte in hohen Konzentrationen im Körper nachweisen. Man spricht auch von einem "außer Kontrolle geratenen" Tumornekrosefaktor α. Die mit Rötung, Überwärmung und Schmerz einhergehende überschießende, fehlgesteuerte Immunreaktion richtet sich bei der Autoimmunerkrankung gegen körpereigene Strukturen.

Ein Antikörper in Aktion

Und hier kommt nun der Antikörper Infliximab ins Spiel. Er bindet gezielt an den Botenstoff TNF-α. Die dadurch entstandene, sehr stabile Verbindung (ein sogenannter Immunkomplex) sorgt dafür, dass das Zytokin TNF-α ausgeschaltet wird. Durch das Biologikum Remicade kann der nun gebundene Tumornekrosefaktor α also nicht mehr an seinen natürlichen Rezeptor an der Oberfläche von Abwehrzellen (Schlüssel-Schloss-Prinzip) andocken und folglich auch keine Entzündungsprozesse mehr auslösen.

Wie und wann wird Remicade bei Psoriasis gespritzt?

Das zur Behandlung der Psoriasis und anderer Autoimmunerkrankungen eingesetzte Biologikum wird als Infusion in die Vene verabreicht.

Der Wirkstoff Infliximab besteht aus hunderten von Eiweißbausteinen. Aufgrund dieser großen Eiweißstruktur kann das Medikament nicht über den Magen-Darm-Trakt in den Körper aufgenommen werden. Es würde im Verdauungstrakt zerstört und wirkungslos werden. Wie die anderen TNF-α-Antagonisten auch kann Infliximab daher nur parenteral (unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes) verabreicht werden.

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Im Gegensatz zu Humira (Adalimumab) oder zu Enbrel (Etanercept) gibt es bei Remicade (Infliximab) allerdings nicht die Möglichkeit, sich das Medikament selbst unter die Haut zu spritzen. Der Wirkstoff ist lediglich als Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung verfügbar. Als gebrauchsfertige Lösung darf er nur von einem Arzt in die Vene injiziert werden.

Planen Sie ausreichend Zeit ein

Zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Psoriasis vulgaris mit Remicade gibt es ein festes Therapieschema. Die empfohlene Dosierung des Wirkstoffes Infliximab beträgt 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Die individuell errechnete Dosis wird Ihnen am Tag null als intravenöse Infusion verabreicht, gefolgt von weiteren Infusionen zwei und sechs Wochen nach der ersten. Anschließend erhalten Sie Infliximab nur noch alle acht Wochen.

Allerdings erfordert die Behandlung mit Remicade von Ihnen ein gutes Zeitmanagement. Sie müssen nämlich an jedem Behandlungstag mindestens drei bis vier Stunden in der Hautarztpraxis einplanen. Sie fragen sich, wie das zustande kommt? Remicade wird Ihnen intravenös über einen Zeitraum von zwei Stunden verabreicht. Nach erfolgter Infusion müssen Sie nochmal mindestens für ein bis zwei Stunden vor Ort überwacht werden.

Gerade zu Beginn einer Therapie mit dem Biologikum Infliximab besteht die Gefahr, akute infusionsbedingte Reaktionen zu entwickeln, die dann notfallmäßig behandelt werden müssen.

Was Sie noch wissen sollten

  • Durch eine Vorbehandlung mit einem Antihistaminikum (Antiallergikum), mit Kortison und Paracetamol kann das Risiko für infusionsbedingte Reaktionen reduziert werden.
  • Wenn Sie die Therapie im Verlauf gut vertragen, kann man sogar erwägen, die Infusionszeit von zwei Stunden auf eine Stunde zu verkürzen. Die damit einhergehende Erhöhung der Infusionsgeschwindigkeit muss man aber sorgfältig überdenken, da dadurch wieder das Risiko für infusionsbedingte Reaktionen steigen kann.
  • Der Behandlungszyklus von Remicade alle acht Wochen sollte möglichst nicht überschritten werden. Es ist bekannt, dass sich bei einer Verlängerung dieser Zeitspanne vermehrt Antikörper gegen den Wirkstoff Infliximab bilden. Das wiederum erhöht erneut das Risiko für infusionsbedingte Reaktionen.
  • Falls Sie übrigens nach vier Infusionen (nach 14 Wochen) keine ausreichende Besserung Ihrer Schuppenflechte bemerken, wird Ihr behandelnder Dermatologe die Behandlung mit Remicade abbrechen müssen. Über diesen Zeitraum hinaus ist ein Ansprechen der Therapie nicht mehr zu erwarten.

Infliximab/Remicade: Worauf muss man vor und nach der Infusion achten?

Infliximab liegt als Pulver vor, daraus wird eine Infusionslösung hergestellt. Die Infusion wird dann über einen Tropf in die Vene eingeführt. Bis die Infusion durchgelaufen ist, dauert es normalerweise etwa zwei Stunden. Anschließend müssen Sie meist noch ein bis zwei Stunden zur Beobachtung beim Arzt bleiben, um sicher zu gehen, dass Sie die Infusion gut vertragen.

In Ausnahmefällen kann die Infusionszeit etwas verkürzt werden. Mit einer Stunde müssen Sie aber mindestens rechnen.

Gutes Zeitmanagement – weniger Stress

Sie müssen sicherheitshalber davon ausgehen, dass Sie insbesondere während der ersten vier Infusionen etwa drei bis vier Stunden in der Arztpraxis verbringen werden. Bei guter Verträglichkeit ist es ggf. möglich, diese Zeiten in Rücksprache mit Ihrem Arzt etwas zu verkürzen.

Bedenken Sie auch, dass jeder Mensch sehr individuell auf eine medikamentöse Behandlung reagieren kann. Nicht jeder verträgt Wirkstoffe gleich gut. Der eine kann nach der Behandlung gleich wieder durchstarten, ein anderer fühlt sich matt, erschöpft und schwindelig.

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Gerade zu Beginn der Therapie mit Remicade sollten Sie sich also rund um die Behandlungstage ausreichend große Zeitfenster einrichten. Sowohl die lange Infusionsdauer inklusive Nachbeobachtungszeit als auch mögliche logistische Anforderungen (Organisation eines Fahrdienstes, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, evtl. einen Tag Urlaub einreichen) sollten bei der Planung berücksichtigt werden.

Also, ein gutes Zeitmanagement vermeidet Stress und schafft eine vernünftige Basis, um die Therapie mit dem Biologikum so effektiv wie möglich zu gestalten.

Nach den ersten drei Infusionen alle zwei Monate eine weitere

In der Regel wird zwei und sechs Wochen nach der ersten Infusion je eine weitere Dosis gegeben. Ab dann erfolgt alle acht Wochen eine Infusion. Die Menge richtet sich nach dem Körpergewicht, normalerweise werden 5mg/kg Körpergewicht gegeben. Eine Ausnahme gibt es aber: Macht sich nach zwei oder drei Infusionen keine Wirkung bemerkbar, sollte die Therapie abgebrochen werden.

Remicade: Gibt es Einschränkungen im Alltag?

Ausgenommen der Nebenwirkungen, die sich in einigen Fällen auch auf Antrieb, Kraft und Stimmung auswirken können, gibt es wenige Situationen, in denen Sie durch Infliximab im Alltag eingeschränkt sind. Dennoch erfordert der Einsatz des Medikamentes in bestimmten Lebenssituationen eine besondere Berücksichtigung:

Tritt während der Behandlung mit Infliximab eine Infektion auf, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Durch die eingeschränkte Funktion des Immunsystems unter der Therapie kann auch eine einfache Erkältung unverhältnismäßig schwer ausfallen, was in einzelnen Fällen das Absetzen des Präparates nötig machen kann. Das Problem ist, dass sich die immununterdrückende Wirkung von Infliximab natürlich auch auf die gesunde körpereigene Abwehr gegen allgemeine Infektionen auswirkt. Das Immunsystem ist unter Remicade folglich deutlich geschwächt. 

Es ist bekannt, dass unter der Einnahme von Immunsuppressiva (nicht nur Remicade, auch Kortison & Co) vermehrt bakterielle, virale oder pilzbedingte Infektionen auftreten können. Diese zeigen nicht selten einen schwereren und atypischen Verlauf. 

Beim kleinsten Husten schon zum Arzt?

Sollten Sie unter der Behandlung mit Remicade einen Husten entwickeln, Luftnot haben, sich schlapp fühlen oder irgendwelche anderen ungewöhnlichen körperlichen oder psychischen Veränderungen an sich bemerken, gehen Sie zum Arzt. Auch vermeintlich kleine Hautinfektionen oder Verletzungen können unter Remicade zum Problem werden. Daher: Lieber einmal mehr vorstellig werden als einmal zu wenig!

Aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr unter der Medikation mit Infliximab sollten Sie gerade zur Erkältungszeit Menschenmengen meiden. Vermeiden Sie auch den direkten Kontakt zu Personen, die gerade beispielsweise unter einer Gürtelrose, einem Magen-Darm-Infekt oder einer anderen akuten Infektion leiden.

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Vor der Behandlung Impfstatus prüfen

Weiterhin dürfen während der Therapie mit Infliximab keine Lebendimpfstoffe verabreicht werden. Wenn möglich, sollten auch Auffrischimpfungen vor der ersten Infliximab-Gabe durchgeführt werden. 

Falls Sie sich also beispielsweise gegen Grippe impfen lassen möchten oder eine Reise nach Afrika, Asien oder Lateinamerika planen, sollten Sie diese Einschränkung berücksichtigen. Zu den Lebendimpfstoffen, bei denen echte (wenn auch abgeschwächte) Krankheitserreger verabreicht werden, gehören auch Masern-, Mumps-, Röteln-Impfungen, außerdem auch Gelbfieber- und Typhus-Impfungen.

Bei Frauen sollte die Kinderplanung warten

Infliximab kann während einer Schwangerschaft über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden. Studien konnten nachweisen, dass der Wirkstoff sogar noch sechs Monate nach der Geburt im Blut des Säuglings vorzufinden war.

Das Problem an dem langen Verbleib von Infliximab im Körper des Kindes: Man kann davon ausgehen, dass während dieser Zeit auch ein abgeschwächtes Immunsystem vorliegt. Der Säugling hat dadurch ein erhöhtes, nicht ungefährliches Infektionsrisiko. Und das ist auch der Grund, warum man in der Schwangerschaft möglichst kein Infliximab einsetzen sollte.

Falls Sie dennoch schwanger werden sollten, wird dringend davon abgeraten, den betroffenen Säugling bis zur Vollendung des sechsten Lebensmonats mit Lebendimpfstoffen zu impfen. 

Darf man unter einer Infliximab-Behandlung noch Sport machen?

Leichte bis moderate sportliche Tätigkeiten sind während der Therapie mit Infliximab in der Regel kein Problem. Es sei denn, man hat gerade mit einem therapiebedingten Infekt zu kämpfen. Dann ist Vorsicht geboten.

Mit einer groben Regel können Sie sich ausrechnen, wann Sie wieder mit leichten Sportarten beginnen können: Nach Abklingen aller Symptome sollte für jeden fieberhaften Tag eine Woche Sportpause eingelegt werden!

Weiterhin sollten Hochleistungs- und Extremsport nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Besonders Hochleistungssport kann das Immunsystem schwächen und die Infektanfälligkeit erhöhen.

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Welche Nebenwirkungen können unter Infliximab auftreten?

Wie bei jedem Medikament sind Anzahl und Schwere der Nebenwirkungen auch bei Infliximab sehr individuell ausgeprägt. Der folgende Abschnitt soll einen Überblick über die wichtigsten Nebenwirkungen geben, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Eine Beschreibung aller Nebenwirkungen, vor allem derjenigen, die seltener als in 1% aller Fälle auftreten, ist dem Beipackzettel des jeweiligen Präparates zu entnehmen.

Was man sich vor Augen halten muss: Infliximab greift – wie andere Immunsuppressiva auch – erheblich in das Immunsystem ein. Die meisten Beschwerden infolge der Infusionen sind daher immunologischer Art (Allergie-artige Symptome, Entzündungsreaktionen, Krankheitsgefühl).

Im Gegensatz zu anderen monoklonalen Aniköpern und TNF-Hemmern wie Adalimumab und Golimumab ist Infliximab eine Substanz, die neben menschlichen auch tierische Eiweißstrukturen enthält. Vor allem gegen diese tierischen Anteile können sich Antikörper bilden, die eventuell allergische Reaktionen hervorrufen.

Die gute Nachricht lautet, dass diese Nebenwirkungen vor allem zu Beginn der Behandlung auftreten und später immer seltener werden.

Sehr häufige Nebenwirkungen:

Sehr häufige Nebenwirkungen sind so definiert: wenn mehr 1 von 10 Behandelten betroffen sind (>10%). Sehr häufige Nebenwirkungen von Infliximab gehen zumeist eine direkte Immunreaktion des Körpers auf die Infusion zurück und äußern sich vor allem mit:

  • Fieber, Schüttelforst, Atembeschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Virusinfektionen (Influenza, Herpes Zoster)

Häufige Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen sind so definiert: wenn 1- 10 von 100 Behandelten betroffen sind (1-10%). Häufige allgemeine Nebenwirkungen von Infliximab sind:

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Schmerzen im Brustkorb
  • entzündliche Reaktionen an der Injektionsstelle
  • Wassereinlagerungen im Körper (Ödeme)

Typische Entzündungsreaktionen

An den Atmungsorganen sind als häufige Nebenwirkungen vor allem Infektionen typisch. Also zum Beispiel:

Auch lokale oder systemische Infektionen durch Bakterien wie beispielsweise Abszesse können auftreten, ebenso allergie-artige Beschwerden.

Auch Herz und Psyche können reagieren

Am Herzen kann sich die Gabe von Infliximab durch einen beschleunigten Herzschlag (Tachykardie), Herzklopfen sowie durch Blutdruckschwankungen bemerkbar machen.

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Auch bei neu aufgetretenen neurologischen und psychriatrischen Symptomen unter Infliximab sollte an eine mögliche Medikamentennebenwirkung gedacht werden. Bei 1-10% der Anwender kommt es zu:

  • Schwindel und Benommenheit
  • Missempfindungen an Armen und Beinen
  • Schlaflosigkeit
  • Nervosität
  • depressive Verstimmung

Spätere Infusionen oft deutlich besser verträglich

Obwohl die Liste der Nebenwirkungen lang erscheint, wird das Medikament im Allgemeinen gut vertragen. Vielfach sind vor allem die erste und die zweite Infusion mit dem Auftreten an Begleitbeschwerden verbunden, während spätere Gaben besser vertragen werden oder vollkommen ohne Nebenwirkungen verlaufen. 

Das Kreuz mit der "Anaphylaxie"

Trotz der relativ guten Verträglichkeit weist Infliximab (aufgrund des chimären Ursprungs) von allen TNF-α-Antagonisten die höchste Rate an anaphylaktischen Reaktionen auf. Als Anaphylaxie bezeichnet man eine akute allergische Reaktion unseres Immunsystems auf die wiederholte Zufuhr körperfremder Eiweißstoffe. Diese allergische Reaktion betrifft unseren gesamten Organismus. Sie kann einhergehen mit minimalen Hautreaktionen, mit Organbeteiligungen bis hin zum Kreislaufschock oder sogar tödlichem Kreislaufversagen. Die Infusion mit Remicade ist in solchen Fällen sofort zu unterbrechen.

Infusionsbedingte Reaktion – und nun?

Neben den genannten akuten allergischen Reaktionen können unter Remicade auch weitere infusionsbedingte Reaktionen auftreten. Sie sind häufig und zeigen in der Regel einen milden Verlauf mit Frösteln, Kopfschmerzen, Übelkeit, Flush (plötzlich auftretende Rötung mit Wärmegefühl), Juckreiz oder Atemnot. Diese möglichen Infusionsreaktionen kann man durch eine vorangehende Gabe von Kortison, Antiallergika oder anderen entzündungshemmenden Medikamenten wirksam abschwächen oder sogar verhindern.

Manche Betroffene können auch eine sogenannte Serumkrankheit entwickeln. Man spricht hierbei auch von einer verzögerten Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf in das Gefäßsystem eingebrachte körperfremde Eiweiße und Mehrfachzucker. Diese kann drei bis zwölf Tage nach einer Infusion auftreten. Informieren Sie in solchen Fällen immer Ihren behandelnden Arzt.

Gut zu wissen: Häufig sind vor allem die erste und die zweite Infusion mit dem Auftreten von Begleitbeschwerden verbunden. Spätere Infusionsgaben werden meistens besser vertragen oder verlaufen sogar vollkommen ohne Nebenwirkungen.

Wann darf man Infliximab nicht einsetzen?

Es gibt einige wenige Fälle, in denen Infliximab nicht zum Einsatz kommen darf:

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  • Nach einer starken allergischen Reaktion bzw. einem anaphylaktischen Schock durch Infliximab darf das Medikament nicht nochmals angewendet werden. Diese Fälle sind glücklicherweise jedoch sehr selten.
  • Liegt eine Tuberkulose vor, darf Infliximab ebenfalls nicht eingesetzt werden. Der Grund dafür ist, dass TNFα bei einer Infektion mit dem Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis dafür sorgt, dass der Erreger in kleinen knotenartigen Gewebeneubildungen (sogenanntes Granulom) eingeschlossen wird und sich somit nicht weiter im Körper ausbreiten kann. TNFα spielt also in der Kontrolle der Infektion eine wichtige Rolle. Unter TNFα-Blockade beispielsweise durch Infliximab-Gabe können die Granulome jedoch zerstört werden, was eine rasche Ausbreitung des Mycobakteriums im Körper und ein Wiederaufflammen der Infektion zur Folge haben kann.
  • Aus ähnlichem Grund darf Infliximab auch nicht bei schweren Infektionen, eitrigen Erkrankungen sowie bei schweren Organerkrankungen angewandt werden. Bei diesen Erkrankungen ist der Körper auf ein voll funktionsfähiges Immunsystem angewiesen, um Komplikationen wie beispielsweise eine Blutvergiftung (Sepsis) zu verhindern.
  • Die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist eine weitere sogenannte Kontraindikation von Infliximab. Aus noch nicht vollständig geklärten Gründen führt der Antikörper zu einer Verschlechterung der Leistung des vorgeschädigten Herzens und darüber zu einer höheren Rate an Krankenhauseinweisungen und einer erhöhten Sterblichkeit.

Kann Infliximab bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden?

Infliximab darf bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden. Allerdings nur bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulerosa und aufgrund fehlender Daten auch erst ab dem 6. Lebensjahr.

Kinder sollten möglichst vor Beginn einer Therapie mit Infliximab alle Impfungen nach Vorgaben der STIKO erhalten haben. 

Darf Infliximab in der Schwangerschaft und Stillzeit einsetzt werden?

Infliximab kann während der Schwangerschaft über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden und war in Studien im Blut des Säuglings noch bis sechs Monate nach der Entbindung nachweisbar. Eine Schwächung des kindlichen Immunsystems auch nach der Geburt ist aus diesem Grund als sehr wahrscheinlich anzusehen, was zu einem erhöhten Infektionsrisiko führt. Daher sollte in der Schwangerschaft möglichst kein Infliximab eingesetzt werden. Wenn sich dies jedoch nicht vermeiden lässt, sollten die betroffenen Kinder bis zur Vollendung des sechsten Lebensmonats nicht geimpft werden.

Es ist bisher nicht bekannt, ob Infliximab über die Muttermilch in ausreichenden Konzentrationen vom Kind aufgenommen werden kann. Aus Vorsicht sollte aber auf das Stillen verzichtet werden.

Infliximab: Mit welchen anderen Medikamenten muss man aufpassen?

Die gleichzeitige Gabe anderer Substanzen, die gegen TNFα gerichtet sind (wie beispielsweise Etanercept oder Anakinra), ist aufgrund des deutlich erhöhten Risikos für die Entwicklung schwerer Infektionen nicht sinnvoll.

Weiterhin gibt es einzelne Hinweise dafür, dass Methotrexat, was teilweise regelhaft mit Infliximab kombiniert wird, die Konzentration von Infliximab im Blut erhöht. Bei gleichzeitiger Gabe beider Medikamente kann das Nebenwirkungsrisiko folglich größer sein. Dies erfordert eine sorgfältige Überwachung durch den Arzt.

Während einer Therapie mit Infliximab sollten außerdem keine Lebendimpfungen durchgeführt werden. Durch die unterdrückte Immunantwort können diese Impfungen schwere Krankheitssymptome hervorrufen. Wenn Zeit bleibt, sollte am besten vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie mit Infliximab geimpft werden.

Was sind Antikörper?

Monoklonale Antikörper wie Infliximab können wie erläutert mithilfe der Biotechnologie künstlich hergestellt werden. Die Biotechnologie ermöglicht es, körpereigene Stoffe wie beispielsweise Antikörper biopharmazeutisch nachzubauen bzw. zu variieren und damit gezielt zu therapeutischen Zwecken einzusetzen.

Antikörper sind ypsilonförmige Gebilde, die aus je zwei leichten Ketten und zwei schweren Ketten bestehen. Ihre Funktion ist es, spezielle Antigene (also Feinde) zu binden und so zu eliminieren. Dafür besitzen sie Bindungsstellen, die sich jeweils am Ende der kurzen Ypsilon-Arme befinden und als Fab-Fragment oder variable Domäne bezeichnet werden. Variabel deshalb, da sich die Form des Antikörperfragmentes verändert, sobald es in Kontakt mit einem Antigen kommt. Diese Veränderungen werden dann von weiteren Zellen (Makrophagen, NK-Zellen) registriert und dienen ihnen als Signal, dass der Antikörper-Antigen-Komplex abgebaut werden muss. Die konstante Domäne hingegen, die hauptsächlich den Stamm der Ypsilon-Struktur bildet, bleibt auch dann in ihrer Form unverändert, wenn es zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion kommt.

Infliximab besitzt eine weitere Besonderheit: Es ist ein chimärer Antikörper (erkennbar an der Endung –ximab), was bedeutet, dass die variablen Regionen von einer Maus stammen, während die konstante Domäne vom Menschen kommt. Ziel solcher rekombinanter Antikörper ist eine bessere Verträglichkeit im therapeutischen Einsatz.

Komplizierter Name, einfache Erklärung

Die Endung "-ximab" bzw. chimärer, human-muriner monoklonaler Antikörper bedeutet folgendes:

Antikörper setzen sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen und haben sowohl konstante Abschnitte, die immer gleich sind, als auch variable Bereiche, entsprechend ihrer speziellen Aufgabe. Bei den Wirkstoffen, die auf "-ximab" enden, bindet die variable Region den Eindringling (das sogenannte Antigen) und besteht aus Mausprotein (murin); der konstante Antikörperbereich ist menschlichen Ursprungs (human).

Damit erklärt sich auch gleichzeitig die Herkunft der Bezeichnungen Biologika, Biopharmaka oder "biologische Medikamente": Die gentechnisch hergestellten Eiweiße werden aus lebenden Zellkulturen gewonnen und sind identisch mit unseren körpereigenen Proteinen.

Wie wurde Infliximab entdeckt und entwickelt?

Seit der Entdeckung von TNFα und der Rolle des Zytokins an Entzündungsprozessen bei Autoimmunerkrankungen wurde an einer Methode geforscht, um eine TNFα-Blockade zu ermöglichen. 1989 gelang es Junming Le und Jan Vilcek in New York, einen monoklonalen Antikörper gegen TNFα zu entwickeln und dessen Erfolg zu belegen. Knapp 10 Jahre später, im Jahr 1998, wurde Infliximab (Remicade) von der FDA in den USA zugelassen. Ein Jahr später erfolgte dann auch die Zulassung in der Europäischen Union.

Als es in den Jahren 2001 und 2002 zu rund 200 Todesfällen kam, die im direkten Zusammenhang mit der Verabreichung von Infliximab standen, wurden die Vorsichtsmaßnahmen zur Anwendung des Medikamentes deutlich erhöht. So muss heute beispielsweise ein Tuberkulose-Screening vor Therapiebeginn durchgeführt werden. Kann sie ausgeschlossen werden, steht der sicheren Verordnung des Medikaments jedoch nichts mehr im Weg.

Quellen:

  • Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Martin Wehling: Pharmakologie und Toxikologie, Thieme Verlag, 2015
  • Gerd Herold et al.: Innere Medizin 2015, Gerd Herold, 2015
  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie: Infliximab, http://dgrh.de/1034.html , zuletzt aufgerufen am 30.01.2017
  • Gebrauchsinformation: Information für Patienten: „Remicade® Infliximab, http://www.msd.de, zuletzt aufgerufen am 30.01.2017
  • Colombel et al: Infliximab, azathioprine, or combination therapy for Crohn's disease. N Engl J Med. 2010 Apr 15;362(15):1383-95. doi: 10.1056/NEJMoa0904492. SONIC = Study of Biologic and Immunmodulator Naive patients in Crohn’s Disease
  • Louis et al: Gastroenterology. 2012 Jan;142(1):63-70.e5; quiz e31. doi: 10.1053/j.gastro.2011.09.034. Epub 2011 Sep 22. Maintenance of Remission Among Patients With Crohn’s Disease on Antimetabolite Therapy After Infliximab Therapy Is Stopped
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  • Christiane Berg: Infliximab frühzeitig einsetzen, http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=31293 ,zuletzt aufgerufen am 30.01.2017
  • Julia Seiderer et al.: Infliximab zur Therapie chronisch entzündlicher Darmerkrankungen, http://www.aerzteblatt.de/archiv/46047 , zuletzt aufgerufen am 30.01.2017

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