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Infliximab (Remicade): Wirkung und Nebenwirkungen

Was ist Infliximab (z.B. Remicade®)? Bei welchen Krankheiten wird es eingesetzt? Und was ist bei der Einnahme zu beachten? Alle wichtigen Fragen zu dem Wirkstoff beantworten wir im folgenden Beitrag.

Überblick

Was ist Infliximab?

Infliximab ist im weitesten Sinne ein Immunsuppressivum. Im weitesten Sinne deshalb, weil es sich hier um einen sehr modernen Vertreter dieser Wirkstoffklasse handelt.

Immunsuppressiva sind Medikamente, die das körpereigene Abwehrsystem unterdrücken. Sie werden vor allem dann eingesetzt, wenn sich das Immunsystem im Rahmen von Autoimmunerkrankungen gegen den eigenen Körper wendet oder wenn das Immunsystem bewusst, beispielsweise nach Organtransplantationen, ausgeschaltet werden soll. Zu den klassischen Immunsuppressiva gehören vor allem Kortison-Präparate.

Wie wurde Infliximab entdeckt?

Seit der Entdeckung von TNF-α und der Rolle des Zytokins an Entzündungsprozessen bei Autoimmunerkrankungen wurde an einer Methode geforscht, um eine TNF-α-Blockade zu ermöglichen.

1989 gelang es Junming Le und Jan Vilcek in New York, einen monoklonalen Antikörper gegen TNF-α zu entwickeln und dessen Erfolg zu belegen. Knapp 10 Jahre später, im Jahr 1998, wurde Infliximab (Remicade®) von der FDA in den USA zugelassen. Ein Jahr später erfolgte dann auch die Zulassung in der Europäischen Union.

Infliximab nicht ohne Risiko

Als es in den Jahren 2001 und 2002 zu rund 200 Todesfällen kam, die im direkten Zusammenhang mit der Verabreichung von Infliximab standen, wurden die Vorsichtsmaßnahmen zur Anwendung des Medikamentes deutlich erhöht.

So muss heute beispielsweise ein Tuberkulose-Screening vor Therapiebeginn durchgeführt werden. Kann sie ausgeschlossen werden, steht der sicheren Verordnung des Medikaments jedoch nichts mehr im Weg.

Wirkung

Wie wirkt Infliximab?

Infliximab ist ein monoklonalen Antikörper. Also eine künstlich hergestellte Substanz, die sich wie körpereigene Antikörper ganz spezifisch gegen ein bestimmtes Ziel richtet. Im Falle von Infliximab ist das der Botenstoff TNF-α (Tumornekrosefaktor-α). Infliximab ist ein sogenannter TNF-α-Blocker.

Doch was genau sind Antikörper und TNF-α? Und wie wirkt Infliximab? Hier finden Sie die Antworten auf die Fragen:

Alles rund um Antikörper, TNF-α und Wirkung von Infliximab

Was ist Biotechnologie?

Monoklonale Antikörper wie Infliximab können mithilfe der Biotechnologie künstlich hergestellt werden. Die Biotechnologie ermöglicht es, körpereigene Stoffe wie z.B. Antikörper nachzubauen bzw. zu variieren und damit gezielt zu therapeutischen Zwecken einzusetzen.

Was sind Antikörper?

Antikörper sind ypsilonförmige Gebilde, die aus je zwei leichten Ketten und zwei schweren Ketten bestehen. Ihre Funktion ist es, spezielle Antigene (also Feinde) zu binden und so zu eliminieren. Dafür besitzen sie Bindungsstellen, die sich jeweils am Ende der kurzen Ypsilon-Arme befinden und als Fab-Fragment oder variable Domäne bezeichnet werden.

Warum sind die Antikörper variabel?

Variabel deshalb, da sich die Form des Antikörperfragmentes verändert, sobald es in Kontakt mit einem Antigen kommt. Diese Veränderungen werden dann von weiteren Zellen (Makrophagen, NK-Zellen) registriert und dienen ihnen als Signal, dass der Antikörper-Antigen-Komplex abgebaut werden muss.

Die konstante Domäne hingegen, die hauptsächlich den Stamm der Ypsilon-Struktur bildet, bleibt auch dann in ihrer Form unverändert, wenn es zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion kommt.

Infliximab besitzt eine weitere Besonderheit:

Infliximab ist ein chimärer Antikörper (erkennbar an der Endung –ximab), was bedeutet, dass die variablen Regionen von einer Maus stammen, während die konstante Domäne vom Menschen kommt. Ziel solcher rekombinanter Antikörper ist eine bessere Verträglichkeit im therapeutischen Einsatz.

Damit erklärt sich auch gleichzeitig die Herkunft der Bezeichnungen Biologika, Biopharmaka oder "biologische Medikamente": Die gentechnisch hergestellten Eiweiße werden aus lebenden Zellkulturen gewonnen und sind identisch mit unseren körpereigenen Proteinen.

Was ist TNF-α?

TNF-α ist ein körpereigener Botenstoff, dem eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Viren und Bakterien zukommt: Dringen Infektionserreger in den Körper ein, werden mithilfe von TNF-α verschiedene Immunzellen rekrutiert, die die Infektion eindämmen und die Erreger letztendlich eliminieren.

TNF-α schützt den Körper

Hohe Spiegel an TNF-α korrelieren mit einer stärkeren Immunantwort, die typischerweise mit Rötung, Schwellung, Überwärmung und Schmerzen im betroffenen Gebiet einhergeht.

Warum kann TNF-α auch krank machen?

Bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises sowie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen hingegen kommt es zu einer dauerhaft erhöhten Ausschüttung des Botenstoffes.

Die Ursache:

Körpereigenes Gewebe wird als feindlich eingestuft. Das führt zur Entstehung und Unterhaltung einer unnatürlichen Entzündung im gesamten Körper.

Infliximab setzt genau dort an:

Einmal im Körper, verteilt sich das Medikament im Gefäßsystem und blockiert TNF-α am Ort des Entzündungsprozesses.

Wirkung nach etwa 2 Wochen spürbar

Dadurch wird das Entzündungsgeschehen gehemmt, was in vielen Fällen bereits nach 10 bis 14 Tagen zu einer deutlichen Reduktion der Entzündung und damit letztendlich der Beschwerden führt.


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Einsatzbereich

Gegen welche Erkrankungen hilft Infliximab?

Infliximab spielt vor allem bei rheumatischen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Dazu zählen:

Aber auch bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wird Infliximab mittlerweile immer häufiger eingesetzt:

Infliximab bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Wann kommt Infliximab bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zum Einsatz?

In der Gruppe der insgesamt noch recht jungen TNF-α-Blocker ist Infliximab das älteste Mittel in der Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen. Dadurch bestehen mit Infliximab auch die längsten Erfahrungen. 

Zugelassen für mäßige bis schwere Schübe

Antikörper-Medikamente wie Infliximab sind derzeit (Stand Februar 2018) bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nur zugelassen, wenn eine herkömmliche Therapie mit bewährten Medikamenten Immunsuppressiva wie Kortison-Präparaten oder den Wirkstoffen 6-Mercaptopurin und Azathioprin keine Besserung gebracht hat. Oder wenn diese Standardbehandlung nicht vertragen wird.

Der Einsatz von Remicade® & Co wird unter dieser Vorbedingung empfohlen bei schweren, aktiven Formen von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit mehreren Stuhlentleerungen pro Tag, Fieber und Bauchkrämpfen. Auch wenn sich Fisteln gebildet haben, ist die Antikörpertherapie eine Option.

Mangel an Studien

Dass Infliximab nicht als erste Wahl gilt, liegt daran, dass die Studienlage im Vergleich zu altbewährten Medikamenten vergleichsweise dünn ist.

Die wichtigsten Studien zu Infliximab stellen wir im Folgenden vor:

Studien: Wirkung von Infliximab bei Morbus Crohn

SONIC-Studie: Überlegenheit von Azathioprin plus Infliximab

Teilnehmer

  • 508 Patienten mit Morbus Crohn
  • alle mit mittlerer bis hoher Krankheitsaktivität
  • alle noch ohne vorherige immunsuppressive Therapie

Methodik

randomisiert, doppelblind, plazebokontrolliert

Studiengruppen

In der Untersuchung wurden die Patienten in drei Gruppen eingeteilt:

  • eine Gruppe erhielt nur Azathioprin;
  • eine zweite Gruppe ausschließlich Infliximab (Remicade®);
  • und die dritte Gruppe eine Kombination aus beiden Medikamenten.

Ergebnisse

  • Schon nach 26 Wochen konnte ein deutlicher Rückgang der Krankheitsaktivität in allen Gruppen verzeichnet werden.
  • Bis zu 55% der Patienten erreichten das wichtigste Ziel in der Studie: eine Remission, also Ruhephase der Erkrankung, ohne dass noch eine absichernde Kortison-Behandlung notwendig war.
  • Bei bis zu 40% der Studienteilnehmer war eine komplette Ausheilung der Darmschleimhaut zu verzeichnen.
  • Der Entzündungsmarker CRP? sank deutlich ab.
  • Schwere Komplikationen, wie Fistelbildungen, heilten aus.
  • Die besten Ergebnisse wurden dabei jeweils in der Gruppe mit der Kombinationstherapie aus Azathioprin und Infliximab erzielt.
  • Etwa 5-10% schlechter schnitt die alleinige Infliximab-Behandlung ab.
  • Die geringsten Therapieerfolge wurden unter der Azathiprin-Monotherapie verzeichnet.

Fazit der Autoren

Die Kombinationstherapie von Azathioprin und Infliximab scheint der Monotherapie mit Infliximab überlegen zu sein.

Louis-Studie: Absetzen von Infliximab in Ruhephase führt zu Rückfallrate von 50%

Teilnehmer

  • 115 Patienten mit Morbus Crohn
  • alle vorbehandelt mit Azathioprin o.ä. plus Infliximab
  • alle krankheitsfrei seit mindestens einem halben Jahr, ohne Kortison-Behandlung

Methodik

Beobachtungsstudie

Studiengruppen

In der Untersuchung wurden die Patienten nach Absetzen der Infliximab-Behandlung lediglich engmaschig beobachtet.

Ergebnisse

  • Rückfallrate von 45% innerhalb der nächsten 28 Monate
  • auftretende Rückfälle vor allem innerhalb der ersten 12 Monate
  • ein erhöhtes Rückfallrisiko bestand bei männlichen Probanden
  • ein erhöhtes Rückfallrisiko bestand bei Verzicht auf frühere OPs (Teilentfernungen im Darm)
  • ein erhöhtes Rückfallrisiko zeigte sich auch bei bestimmten Laborparametern (Entzündungswerte im Blut)
  • die erneute Gabe von Infliximab nach einem Rezidiv erwies sich bei 88% der Probanden als effektiv und sicher

Fazit der Autoren

  • Das Absetzen von Infliximab nach erreichter Remission muss gründlich überlegt werden.
  • Patienten mit besonders niedriger Rückfallgefahr sind anhand der genannten Risikoparameter vorher identifizierbar.

Kennedy-Studie: Absetzen von Infliximab führt zu Rückfallrate von 56% nach zwei Jahren

Teilnehmer

  • 746 Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen, 80% davon mit Morbus Crohn
  • alle vorbehandelt mit Azathioprin o.ä. plus Infliximab oder Adalimumab

Methodik

retrospektive Analyse plus Meta-Analyse

Studiengruppen

In der Untersuchung wurden die Patientenakten mehrerer Studien mit einer Infliximab-Behandlung rückwirkend analysiert.

Ergebnisse

  • Rückfallrate von 36% innerhalb der nächsten 12 Monate
  • Rückfallrate von 56% innerhalb der nächsten 24 Monate
  • auftretende Rückfälle vor allem innerhalb der ersten 12 Monate
  • ein erhöhtes Rückfallrisiko bestand bei Patienten mit Crohn-Beginn in jugendlichem Alter
  • ein erhöhtes Rückfallrisiko zeigte sich auch bei bestimmten Laborparametern (Entzündungswerte im Blut)
  • die erneute Gabe von Infliximab nach einem Rezidiv erwies sich bei 88% der Probanden als effektiv und sicher

Fazit der Autoren

Etwa ein Drittel der Patienten bekommen nach Absetzen der Antikörpertherapie binnen einem Jahr einen Krankheitsrückfall.


Infliximab bei Psoriasis

Wie wirkt Infliximab bei der Schuppenflechte?

In der Behandlung der Psoriasis (Schuppenflechte) eingesetzte Biologika wie Infliximab (Remicade®) wirken gezielt auf bestimmte Eiweiße in unserem Körper, auf die sogenannten Zytokine (Entzündungsbotenstoffe). Zur Gruppe der Zytokine gehören Interleukine (IL), Interferone (IFN), Tumornekrosefaktoren (TNF) und kolonienstimulierende Faktoren. Sie alle dienen der Zellkommunikation, dem Zellwachstum und der Zellentwicklung. Insbesondere auf TNF-α hat es Infliximab abgesehen.

Warum Infliximab bei Schuppenflechte hilft, erläutern wir im Anschluss:

Wirkung von Infliximab bei Psoriasis

Remicade im Kampf gegen TNF-α

Der Entzündungsbotenstoff TNF-α ist ein wichtiger Bestandteil unseres körpereigenen Abwehrsystems. Er ist nicht nur für die Zellkommunikation, sondern auch für Zellwachstum und Zellentwicklung zuständig.

TNF-α unterstützt Immunsystem

Im Falle einer bakteriellen Infektion sorgt der Tumornekrosefaktor u.a. dafür, dass unsere Zellen und Eiweißstoffe bei der Bekämpfung der Eindringlinge optimal funktionieren.

Was hat nun TNF-α mit Psoriasis zu tun?

Nur manchmal läuft es anders als es soll, bei den Autoimmunerkrankungen zum Beispiel. Obwohl es keine "echten" Feinde von außen zu bekämpfen gibt, lässt sich TNF-α dennoch in hohen Konzentrationen bei Psoriatikern nachweisen.

TNF-α verwechselt den eignen Körper mit Bakterien

Der außer Kontrolle geratene Tumornekrosefaktor richtet sich gegen körpereigene Strukturen und provoziert eine überschießende, fehlgesteuerte Immunreaktion.

Rötung, Überwärmung und Schmerz sind die Folge.

Ein Antikörper in Aktion

Und hier kommt nun der Antikörper Infliximab ins Spiel. Er bindet gezielt an den Botenstoff TNF-α. Die dadurch entstandene, sehr stabile Verbindung (ein sogenannter Immunkomplex) sorgt dafür, dass das Zytokin TNF-α ausgeschaltet wird.

Welche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt es?

Durch das Biologikum Remicade® kann der nun gebundene Tumornekrosefaktor-α also nicht mehr an seinen natürlichen Rezeptor an der Oberfläche von Abwehrzellen (Schlüssel-Schloss-Prinzip) andocken und folglich auch keine Entzündungsprozesse mehr auslösen.


Anwendung

Wie und wann wird Remicade verabreicht?

Das Biologikum Infliximab wird als Infusion in die Vene verabreicht. Leider kann es nicht einfach und unkompliziert als Tablette geschluckt werden. Warum das der Fall ist, und weshalb man auch noch mit mehreren Stunden Aufenthalt in der Arztpraxis rechnen muss, erklären wir Ihnen hier:

Infliximab: Wie läuft die Behandlung ab?

Warum muss Infliximab gespritzt werden?

Der Wirkstoff Infliximab besteht aus hunderten von Eiweißbausteinen. Aufgrund dieser großen Eiweißstruktur kann das Medikament nicht über den Magen-Darm-Trakt in den Körper aufgenommen werden.

Es würde im Verdauungstrakt zerstört und wirkungslos werden. Wie alle anderen TNF-α-Antagonisten auch kann Infliximab daher nur parenteral (unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes) verabreicht werden.

Kann ich mir Infliximab selber spritzen?

Nein, leider nicht. Im Gegensatz zu anderen TNF-α-Blockern wie Humira® (Adalimumab) oder Enbrel® (Etanercep) gibt es bei Remicade® (Infliximab) allerdings nicht die Möglichkeit, sich das Medikament selbst unter die Haut zu spritzen.

Der Wirkstoff ist lediglich als Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung verfügbar. Als gebrauchsfertige Lösung darf er nur von einem Arzt in die Vene injiziert werden.

Wie viel Infliximab ist nötig?

Zur Behandlung mit Remicade® gibt es ein festes Therapieschema. Die empfohlene Dosierung des Wirkstoffes Infliximab beträgt 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht.

Und wann wird es mir gespritzt?

Die individuell errechnete Dosis wird Ihnen am Tag null als intravenöse Infusion verabreicht, gefolgt von weiteren Infusionen zwei und sechs Wochen nach der ersten. Anschließend erhalten Sie Infliximab nur noch alle acht Wochen.

Planen Sie ausreichend Zeit ein

Allerdings erfordert die Behandlung mit Remicade® von Ihnen ein gutes Zeitmanagement. Sie müssen davon ausgehen, dass Sie insbesondere während der ersten vier Infusionen etwa drei bis vier Stunden in der Arztpraxis verbringen werden. Bei guter Verträglichkeit ist es ggf. möglich, diese Zeiten in Rücksprache mit Ihrem Arzt etwas zu verkürzen.

Vorsichtsmaßnahme zu Ihrer eigenen Sicherheit

Sie fragen sich, wie das zustande kommt? Remicade® wird Ihnen intravenös über einen Zeitraum von zwei Stunden verabreicht. Nach erfolgter Infusion müssen Sie nochmal mindestens für ein bis zwei Stunden vor Ort überwacht werden.

Gerade zu Beginn der Therapie besteht die Gefahr, akute infusionsbedingte Reaktionen zu entwickeln, die dann notfallmäßig behandelt werden müssen.

Was Sie noch wissen sollten:

  • Durch eine Vorbehandlung mit einem Antihistaminikum (Antiallergikum), mit Kortison und Paracetamol kann das Risiko für infusionsbedingte Reaktionen reduziert werden.
  • Wenn Sie die Therapie im Verlauf gut vertragen, kann man sogar erwägen, die Infusionszeit von zwei Stunden auf eine Stunde zu verkürzen. Die damit einhergehende Erhöhung der Infusionsgeschwindigkeit muss man aber sorgfältig überdenken, da dadurch wieder das Risiko für infusionsbedingte Reaktionen steigen kann.
  • Der Behandlungszyklus von Remicade® alle acht Wochen sollte möglichst nicht überschritten werden. Es ist bekannt, dass sich bei einer Verlängerung dieser Zeitspanne vermehrt Antikörper gegen den Wirkstoff Infliximab bilden. Das wiederum erhöht erneut das Risiko für infusionsbedingte Reaktionen.
  • Falls Sie übrigens nach vier Infusionen (nach 14 Wochen) keine ausreichende Besserung Ihrer Schuppenflechte bemerken, wird Ihr behandelnder Arzt die Behandlung mit Remicade® abbrechen müssen. Über diesen Zeitraum hinaus ist ein Ansprechen der Therapie nicht mehr zu erwarten.

Alltag mit Remicade

Gibt es Einschränkungen im täglichen Leben?

Ausgenommen der Nebenwirkungen, die sich in einigen Fällen auch auf Antrieb, Kraft und Stimmung auswirken können, gibt es wenige Situationen, in denen Sie durch Infliximab im Alltag eingeschränkt sind. Dennoch erfordert der Einsatz des Medikamentes in bestimmten Lebenssituationen eine besondere Berücksichtigung:

Infektionen, Kinderplanung und Sport unter Remicade

Wieso sind Infektionen unter der Behandlung mit Remicade gefährlich?

Durch die eingeschränkte Funktion des Immunsystems unter der Therapie kann auch eine einfache Erkältung unverhältnismäßig schwer ausfallen, was in einzelnen Fällen das Absetzen des Präparates nötig machen kann. Das Problem ist:

Die immununterdrückende Wirkung von Infliximab wirkt sich natürlich auch auf die gesunde körpereigene Abwehr gegen allgemeine Infektionen aus. Das Immunsystem ist unter Remicade® folglich deutlich geschwächt.

Leichtes Spiel für Bakterien, Viren und Pilze

Es ist bekannt, dass unter der Einnahme von Immunsuppressiva (nicht nur Remicade®, auch Kortison & Co) vermehrt bakterielle, virale oder pilzbedingte Infektionen auftreten können. Diese zeigen nicht selten einen schwereren und atypischen Verlauf.

Bitte frühzeitig zum Arzt

Das heißt für Sie: Tritt während der Behandlung mit Infliximab eine Infektion auf, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Auch beim kleinsten Husten schon zum Arzt?

Ja. Sollten Sie unter der Behandlung Husten entwickeln, Luftnot haben, sich schlapp fühlen oder irgendwelche anderen ungewöhnlichen körperlichen oder psychischen Veränderungen an sich bemerken, gehen Sie zum Arzt.

Was muss ich noch beachten?

Auch vermeintlich kleine Hautinfektionen oder Verletzungen können unter Remicade® zum Problem werden. Daher auch hier: Lieber einmal mehr vorstellig werden als einmal zu wenig!

Tipps für die Erkältungszeit

Aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr unter der Medikation mit Infliximab sollten Sie gerade zur Erkältungszeit Menschenmengen meiden. Vermeiden Sie auch den direkten Kontakt zu Personen, die gerade beispielsweise unter einer Gürtelrose, einem Magen-Darm-Infekt oder einer anderen akuten Infektion leiden.

Vor der Behandlung Impfstatus prüfen

Weiterhin dürfen während der Therapie mit Infliximab keine Lebendimpfstoffe verabreicht werden. Wenn möglich, sollten auch Auffrischimpfungen vor der ersten Infliximab-Gabe durchgeführt werden.

Hinweis für Reisende

Falls Sie sich also beispielsweise gegen Grippe impfen lassen möchten oder eine Reise nach Afrika, Asien oder Lateinamerika planen, sollten Sie diese Einschränkung berücksichtigen.

Kann Remicade in der Schwangerschaft gegeben werden?

Nein. Infliximab kann während einer Schwangerschaft über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden. Studien konnten nachweisen, dass der Wirkstoff sogar noch sechs Monate nach der Geburt im Blut des Säuglings vorzufinden war. Das Problem an dem langen Verbleib von Infliximab im Körper des Kindes:

Man kann davon ausgehen, dass während dieser Zeit auch ein abgeschwächtes Immunsystem vorliegt. Der Säugling hat dadurch ein erhöhtes, nicht ungefährliches Infektionsrisiko. Und das ist auch der Grund, warum man in der Schwangerschaft möglichst kein Infliximab einsetzen sollte.

Was, wenn ich unter Remicade schwanger werde?

Falls Sie dennoch schwanger werden sollten, wird dringend davon abgeraten, den betroffenen Säugling bis zur Vollendung des sechsten Lebensmonats mit Lebendimpfstoffen zu impfen.

Darf man unter einer Infliximab-Behandlung noch Sport machen?

Leichte bis moderate sportliche Tätigkeiten sind während der Therapie mit Infliximab in der Regel kein Problem. Es sei denn, man hat gerade mit einem therapiebedingten Infekt zu kämpfen. Dann ist Vorsicht geboten.

Mit einer groben Regel können Sie sich ausrechnen, wann Sie wieder mit leichten Sportarten beginnen können: Nach Abklingen aller Symptome sollte für jeden fieberhaften Tag eine Woche Sportpause eingelegt werden!

Hinweis für Sportskanonen

Hochleistungs- und Extremsport sollte nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Besonders Hochleistungssport kann das Immunsystem schwächen und die Infektanfälligkeit erhöhen.


Nebenwirkungen

Welche Begleiterscheinungen können unter Infliximab auftreten?

Wie bei jedem Medikament sind Anzahl und Schwere der Nebenwirkungen auch bei Infliximab sehr individuell ausgeprägt. Der folgende Abschnitt soll einen Überblick über die wichtigsten Nebenwirkungen geben, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Eine Beschreibung aller Nebenwirkungen, vor allem derjenigen, die seltener als in 1% aller Fälle auftreten, ist dem Beipackzettel des jeweiligen Präparates zu entnehmen.

Sehr häufige Nebenwirkungen:

Sehr häufige Nebenwirkungen sind so definiert: wenn mehr als 1 von 10 Behandelten betroffen ist (>10%). Sehr häufige Nebenwirkungen von Infliximab sind zumeist auf eine direkte Immunreaktion des Körpers auf die Infusion zurückzuführen. Sie äußern sich vor allem durch:

  • Fieber, Schüttelforst, Atembeschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Virusinfektionen (Influenza, Herpes Zoster)

Häufige Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen sind so definiert: wenn 1- 10 von 100 Behandelten betroffen sind (1-10%). Häufige allgemeine Nebenwirkungen von Infliximab sind:

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Schmerzen im Brustkorb
  • entzündliche Reaktionen an der Injektionsstelle
  • Wassereinlagerungen im Körper (Ödeme)

Typische Entzündungsreaktionen

An den Atmungsorganen sind als häufige Nebenwirkungen vor allem Infektionen typisch. Also zum Beispiel:

Auch lokale oder systemische Infektionen durch Bakterien wie beispielsweise Abszesse können auftreten, ebenso allergie-artige Beschwerden.

Auch Herz und Psyche können reagieren

Am Herzen kann sich die Gabe von Infliximab durch einen beschleunigten Herzschlag (Tachykardie), Herzklopfen sowie durch Blutdruckschwankungen bemerkbar machen.

Auch bei neu aufgetretenen neurologischen und psychiatrischen Symptomen unter Infliximab sollte an eine mögliche Medikamentennebenwirkung gedacht werden. Bei 1-10% der Anwender kommt es zu:

  • Schwindel und Benommenheit
  • Missempfindungen an Armen und Beinen
  • Schlaflosigkeit
  • Nervosität
  • depressive Verstimmung
Mehr zu Nebenwirkungen von Infliximab

Gut zu wissen:

Obwohl die Liste der Nebenwirkungen lang erscheint, wird das Medikament im Allgemeinen gut vertragen. Vielfach sind vor allem die erste und die zweite Infusion mit dem Auftreten an Begleitbeschwerden verbunden, während spätere Gaben besser vertragen werden oder vollkommen ohne Nebenwirkungen verlaufen.

Was man sich vor Augen halten muss:

Infliximab greift – wie andere Immunsuppressiva auch – erheblich in das Immunsystem ein. Die meisten Beschwerden infolge der Infusionen sind daher immunologischer Art (Allergie-artige Symptome, Entzündungsreaktionen, Krankheitsgefühl).:

Problem: tierische Proteine

Im Gegensatz zu anderen monoklonalen Aniköpern und TNF-Hemmern wie Adalimumab und Golimumab ist Infliximab eine Substanz, die neben menschlichen auch tierische Eiweißstrukturen enthält. Vor allem gegen diese tierischen Anteile können sich Antikörper bilden, die eventuell allergische Reaktionen hervorrufen.

Trotz der relativ guten Verträglichkeit weist Infliximab (aufgrund dieses chimären Ursprungs) von allen TNF-α-Antagonisten die höchste Rate an anaphylaktischen Reaktionen auf.

Was ist eine Anaphylaxie?

Als Anaphylaxie bezeichnet man eine akute allergische Reaktion unseres Immunsystems auf die wiederholte Zufuhr körperfremder Eiweißstoffe. Diese allergische Reaktion betrifft unseren gesamten Organismus.

Was sind die Folgen?

Sie kann einhergehen mit minimalen Hautreaktionen, mit Organbeteiligungen bis hin zum Kreislaufschock oder sogar tödlichem Kreislaufversagen. Die Infusion mit Remicade® ist in solchen Fällen sofort zu unterbrechen.

Infusionsbedingte Reaktion

Neben den genannten akuten allergischen Reaktionen können unter Remicade® auch weitere infusionsbedingte Reaktionen auftreten. Sie sind häufig und zeigen in der Regel einen milden Verlauf mit Frösteln, Kopfschmerzen, Übelkeit, Flush (plötzlich auftretende Rötung mit Wärmegefühl), Juckreiz oder Atemnot.

Vorbeugung durch Kortison und Co.

Diese möglichen Infusionsreaktionen kann man durch eine vorangehende Gabe von Kortison, Antiallergika oder anderen entzündungshemmenden Medikamenten wirksam abschwächen oder sogar verhindern.

Serumkrankheit

Manche Betroffene können auch eine sogenannte Serumkrankheit entwickeln. Man spricht hierbei auch von einer verzögerten Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf in das Gefäßsystem eingebrachte körperfremde Eiweiße und Mehrfachzucker.

Wann kommt es zur Serumkrankheit?

Diese kann drei bis zwölf Tage nach einer Infusion auftreten. Informieren Sie in solchen Fällen immer Ihren behandelnden Arzt.


Wechselwirkungen

Mit welchen anderen Medikamenten muss man aufpassen?

Die gleichzeitige Gabe anderer Substanzen, die gegen TNF-α gerichtet sind (wie beispielsweise Etanercept oder Anakinra), ist aufgrund des deutlich erhöhten Risikos für die Entwicklung schwerer Infektionen nicht sinnvoll.

Vorsicht bei Methotrexat

Weiterhin gibt es einzelne Hinweise dafür, dass Methotrexat, was teilweise regelhaft mit Infliximab kombiniert wird, die Konzentration von Infliximab im Blut erhöht. Bei gleichzeitiger Gabe beider Medikamente kann das Nebenwirkungsrisiko folglich größer sein. Dies erfordert eine sorgfältige Überwachung durch den Arzt.

Gefahr durch Impfungen

Während einer Therapie mit Infliximab sollten außerdem keine Lebendimpfungen durchgeführt werden. Durch die unterdrückte Immunantwort können diese Impfungen schwere Krankheitssymptome hervorrufen. Wenn Zeit bleibt, sollte am besten vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie mit Infliximab geimpft werden.

Kontraindikationen

Wann darf man Infliximab nicht einsetzen?

Unter Kontraindikationen versteht man Situationen, bei denen ein Medikament nicht angewendet werden darf. Es könnte ansonsten zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen kommen. Hier finden Sie die wenigen Fälle, in denen Infliximab nicht zum Einsatz kommen darf:

Wann ist Infliximab keine Option?

Kinder unter dem 6. Lebensjahr

Infliximab darf bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden. Allerdings nur bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulerosa und aufgrund fehlender Daten auch erst ab dem 6. Lebensjahr. Kinder sollten möglichst vor Beginn einer Therapie mit Infliximab alle Impfungen nach Vorgaben der STIKO erhalten haben.

Allergie und Schock

Nach einer starken allergischen Reaktion bzw. einem anaphylaktischen Schock durch Infliximab darf das Medikament nicht nochmals angewendet werden. Diese Fälle sind glücklicherweise jedoch sehr selten.

Tuberkulose

Liegt eine Tuberkulose vor, darf Infliximab ebenfalls nicht eingesetzt werden. Der Grund dafür ist, dass TNFα bei einer Infektion mit dem Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis dafür sorgt, dass der Erreger in kleinen knotenartigen Gewebeneubildungen (sogenanntes Granulom) eingeschlossen wird und sich somit nicht weiter im Körper ausbreiten kann.

TNFα spielt also in der Kontrolle der Infektion eine wichtige Rolle. Unter TNFα-Blockade beispielsweise durch Infliximab-Gabe können die Granulome jedoch zerstört werden, was eine rasche Ausbreitung des Mycobakteriums im Körper und ein Wiederaufflammen der Infektion zur Folge haben kann.

Entzündungen und weitere Krankheiten

Aus ähnlichem Grund darf Infliximab auch nicht bei schweren Infektionen, eitrigen Erkrankungen sowie bei schweren Organerkrankungen angewandt werden. Bei diesen Erkrankungen ist der Körper auf ein voll funktionsfähiges Immunsystem angewiesen, um Komplikationen wie beispielsweise eine Blutvergiftung (Sepsis) zu verhindern.

Herzinsuffizienz

Die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist eine weitere sogenannte Kontraindikation von Infliximab. Aus noch nicht vollständig geklärten Gründen führt der Antikörper zu einer Verschlechterung der Leistung des vorgeschädigten Herzens und darüber zu einer höheren Rate an Krankenhauseinweisungen und einer erhöhten Sterblichkeit.


Quellen:

  • Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Martin Wehling: Pharmakologie und Toxikologie, Thieme Verlag, 2015
  • Gerd Herold et al.: Innere Medizin 2015, Gerd Herold, 2015
  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie: Infliximab, http://dgrh.de/1034.html , zuletzt aufgerufen am 30.01.2017
  • Gebrauchsinformation: Information für Patienten: „Remicade® Infliximab, http://www.msd.de, zuletzt aufgerufen am 30.01.2017
  • Colombel et al: Infliximab, azathioprine, or combination therapy for Crohn's disease. N Engl J Med. 2010 Apr 15;362(15):1383-95. doi: 10.1056/NEJMoa0904492. SONIC = Study of Biologic and Immunmodulator Naive patients in Crohn’s Disease
  • Louis et al: Gastroenterology. 2012 Jan;142(1):63-70.e5; quiz e31. doi: 10.1053/j.gastro.2011.09.034. Epub 2011 Sep 22. Maintenance of Remission Among Patients With Crohn’s Disease on Antimetabolite Therapy After Infliximab Therapy Is Stopped
  • Kennedy et al: Relapse after withdrawal from anti-TNF therapy for inflammatory bowel disease: an observational study, plus systematic review and meta-analysis. Aliment Pharmacol Ther. 2016 Feb 19. doi: 10.1111/apt.13547.
  • Hanauer et al: Maintenance infliximab for Crohn's disease: the ACCENT I randomised trial. Lancet. 2002 May 4;359(9317):1541-9.
  • Christiane Berg: Infliximab frühzeitig einsetzen, http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=31293 ,zuletzt aufgerufen am 30.01.2017
  • Julia Seiderer et al.: Infliximab zur Therapie chronisch entzündlicher Darmerkrankungen, http://www.aerzteblatt.de/archiv/46047 , zuletzt aufgerufen am 30.01.2017

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