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Morbus Bechterew: Symptome, Behandlung & Prognose

Was genau ist ein Morbus Bechterew? Welche Symptome sind typisch? Und wie wird die Erkrankung behandelt? Im folgenden Beitrag beantworten wir alle wichtigen Fragen rund um das Thema Morbus Bechterew.

Definition

Was ist ein Morbus Bechterew?

Nicht nur die Wirbelsäule ist betroffen

Die Erkrankung gehört zur Gruppe der Spondyloarthritiden. Das ist eine spezielle Rheuma-Form, bei der häufig als erstes die Wirbelsäule (griech. spondylos = Wirbel) und die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke (Iliosakralgelenke) betroffen sind. Aber auch an anderen Gelenken (meist Hüfte oder Knie) können schmerzhafte Entzündungen auftreten.

Neben den typischen knöchernen Beschwerden gibt es auch Krankheitsverläufe, bei denen die Betroffenen Entzündungen in anderen Geweben entwickeln: Jeder Dritte mit Morbus Bechterew erleidet laut Studien eine Augenentzündung.

Der Morbus Bechterew gehört zu den sogenannten seronegativen rheumatischen Erkrankungen. Das bedeutet, es finden sich keine Rheumafaktoren im Blut.

Unterschiedliche Verläufe

Typisch ist der Krankheitsbeginn im jungen Erwachsenenalter zwischen 20 und 35 Jahren. Gut behandelt kann die Erkrankung in jedem Stadium zum Stillstand kommen. Verläuft die Entzündung der Wirbelsäule chronisch, kann aber auch eine Versteifung der Wirbelsäule die Folge sein, die die Betroffenen sehr behindert. Deshalb ist es wichtig, bei hartnäckigen Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich den Arzt aufzusuchen, auch wenn andere Ursachen deutlich häufiger sind.

Gibt es einen Unterschied zwischen Morbus Bechterew und Spondylitis ankylosans?

Der Begriff „Morbus Bechterew“ ist heutzutage fast nur noch im deutschen Sprachraum anzutreffen und geht auf den russischen Neurologen Wladimir Bechterew zurück. Vor allem im Englischen gilt dieser Begriff jedoch als veraltet. Stattdessen wird die Erkrankung im medizinischen Sprachgebrauch meistens als „Spondylitis ankylosans“ bezeichnet.

Rolle der Gene und des Immunsystems

Die Rolle von HLA-B27

Der Morbus Bechterew eine Generkrankung, die von Generation zu Generation an die Nachkommen weitergegeben wird. Da die Krankheit jedoch in einzelnen Familien gehäuft vorkommt, scheint es bestimmte Faktoren zu geben, die vererbt werden und bei den Nachkommen das Risiko für die Entstehung erhöhen.

Ein solcher Risikofaktor ist ein bestimmtes Gen mit dem Namen HLA-B27, das für die Bildung eines Oberflächenproteins auf der Zelloberfläche verantwortlich ist. Es findet sich bei 96% aller Betroffenen mit Morbus Bechterew.

Auf die Gesamtbevölkerung bezogen haben nur rund 8% der Menschen diese Genvariante. Das bedeutet, dass ein Mensch mit dem HLA-B27-Merkmal im Vergleich zur Normalbevölkerung ein höheres Risiko besitzt, im Laufe seines Lebens bestimmte rheumatologische Erkrankungen zu entwickeln. Es bedeutet umgekehrt jedoch nicht, dass Menschen ohne dieses Merkmal nicht auch erkranken können.

Sind Männer häufiger als Frauen betroffen?

Über lange Zeit gingen Experten davon aus, dass Männer deutlich häufiger Morbus Bechterew bekommen als Frauen. Neuere Studien haben jedoch gezeigt, dass Frauen weitaus häufiger betroffen sind als zunächst angenommen.

Erklärt wird dies damit, dass Frauen teilweise einen milderen Krankheitsverlauf aufweisen und die Erkrankung bei ihnen deshalb seltener diagnostiziert wird. Umso wichtiger ist es bei Frauen deshalb, Rückenschmerzen ernst zu nehmen und gründlich ärztlich abklären zu lassen.

Welche Rolle spielt das Immunsystem bei der Erkrankung?

Fehlgeleitete Abwehr: Neben der Genetik spielt beim Morbus Bechterew das Immunsystem eine entscheidende Rolle. Es wird angenommen, dass es zu einer Fehlreaktion des Immunsystems kommt.

Anstatt Krankheitserreger abzuwehren, fangen die Immunzellen bei Betroffenen an, auch körpereigenes Gewebe zu attackieren. Es kommt deshalb zu Entzündungen im gesamten Körper und zur Freisetzung verschiedener entzündlicher Botenstoffe.

Warum dies geschieht, ist weitgehend unklar. Vermutet wird allerdings, dass möglicherweise bestimmte Krankheitserreger diese Fehlreaktion auslösen. Auch wird aktuell diskutiert, ob möglicherweise die Darmflora bei der übermäßig starken Aktivierung des Immunsystems eine Rolle spielt.


Können auch Kinder erkranken?

Normalerweise liegt der Altersgipfel zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Allerdings beginnen bei einem Teil der Betroffenen die Symptome bereits im Kindesalter. Sie ähneln in vielen Aspekten den Beschwerden bei Erwachsenen. Die Erkrankung wird dann als Juvenile Spondyloarthritis bezeichnet.

Symptome

Was ist das häufigste Symptom bei Morbus Bechterew?

Das mit Abstand häufigste Symptom ist ein tiefsitzender Rückenschmerz, der mehr als drei Monate lang besteht. Meistens ist der Beginn einseitig und tritt abwechselnd mal auf der einen, mal auf der anderen Seite auf. Er wird meist als dumpfer Gesäßschmerz wahrgenommen.

Da Rückenschmerzen jedoch in unserer heutigen Gesellschaft überaus häufig sind, kann die Abgrenzung des Morbus Bechterew von anderen Ursachen eine große Herausforderung sein. Dies ist vor allem zu Beginn der Erkrankung sehr schwierig, wenn keine weiteren Symptome vorhanden sind und andere Untersuchungen (z.B. Röntgenbild und MRT-Aufnahme) unauffällig sind.

Welche Art von Rückenschmerzen spricht für den Bechterew?

Besserung bei Bewegung

Charakteristisch sind verstärkte Schmerzen und Steifigkeit in den frühen Morgenstunden. Diese bessern sich beim Aufstehen und Umhergehen. Dagegen nehmen Rückenschmerzen, die durch einen mechanischen Verschleiß oder gar einen Bandscheibenvorfall entstehen, bei Bewegung zu.

Einen Hinweis kann auch das Alter geben. Schmerzen in jungen Jahren (zweites bis viertes Lebensjahrzehnt) sprechen für einen entzündlichen Rückenschmerz. Das ist deshalb eher typisch für einen Morbus Bechterew, weil Schmerzen durch Verschleiß und Überbeanspruchung erst in einem höheren Lebensalter auftreten.

Welche Schmerzen sind noch typisch?

Vor allem im Sport kennt man sie: Schmerzen an Sehnen und Gelenken, die durch Überanspruchung entstehen. Hinter dieser Art von Beschwerden kann sich allerdings auch ein Morbus Bechterew verstecken. Typisch sind hier Entzündungen im Bereich der Sehnenansatzpunkte der Beine. Es können dadurch starke Schmerzen vor allem im Bereich der Achillessehne oder der Ferse entstehen.

Schmerzen in der Brust, an Schultern und Hüfte

Doch auch im Bereich der bindegewebigen Übergänge zwischen Rippen und Brustbein kann es zu Entzündungen kommen. Sie werden typischerweise dadurch auffällig, dass Husten, Niesen oder auch schon leichte Erschütterungen Schmerzen im Bereich der Brust auslösen.

Weitaus seltener sind Gelenke an Schultern und Hüfte betroffen. Etwa 15% aller Betroffenen mit neu diagnostiziertem Morbus Bechterew geben Beschwerden in diesen Gelenken zu Beginn der Erkrankung an. In seltenen Fällen können Kniegelenke, das Kiefergelenk oder auch Gelenke an Händen und Füßen entzündet sein.

Diagnose Bechterew: Wird sich meine Wirbelsäule jetzt versteifen?

Die Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule, der Gelenke und der Sehnen führen nicht nur zu Schmerzen, sondern haben auch einen Umbau von Gewebe und einen Anbau von Knochen zur Folge. Werden diese Entzündungen nicht behandelt, kann es im Verlauf von mehreren Jahrzehnten der Erkrankung tatsächlich zu gravierenden Bewegungseinschränkungen kommen.

Bei adäquater Behandlung selten

Wird ein Morbus Bechterew heutzutage allerdings frühzeitig diagnostiziert und behandelt, ist eine Versteifung der Wirbelsäule sehr viel seltener. Mit den aktuell verfügbaren Medikamenten, vor allem den sogenannten Biologika, lässt sich die Erkrankung sehr gut kontrollieren und eine weitaus bessere Lebensqualität erreichen als noch vor gut 50 Jahren.

Betrifft ein Bechterew nur Knochen und Gelenke?

Bei Morbus Bechterew können nicht nur die Wirbelsäule, Gelenke und Sehnen betroffen sein. Möglich sind auch Symptome wie Müdigkeit, Gewichtsverlust, Entzündungen der Augen, des Herzens, der Lunge sowie des Darms. Da sie nichts mit den Knochen und Sehnen zu tun haben, werden sie in der Medizin auch als „extraskelettale Manifestationen“ (lat. für „über das Skelettsystem hinaus“) bezeichnet.

Werden diese Entzündungen des Weichteilgewebes nicht behandelt, kann es nach vielen Jahren schleichend zu schwerwiegenden Komplikationen wie z.B. Luftnot, Klappenschäden und Herzversagen kommen. Das bedeutet, auch die Begleiterkrankungen können einen erheblichen Einfluss auf die Prognose des Bechterew haben.

Augenentzündung: die häufigste Begleiterkrankung

Eine spezielle Augenentzündung tritt besonders oft bei Bechterew-Betroffenen auf, jeder dritte ist im Laufe der Erkrankung davon betroffen. Dabei handelt es sich um eine Uveitis anterior. Das ist eine Entzündung der vorderen Augenabschnitte einschließlich der Regenbogenhaut. Typischerweise klagen Betroffene über gerötete Augen, zunehmende Lichtempfindlichkeit, ein Fremdkörpergefühl und Schmerzen.

Der rechtzeitige Besuch bei einem Augenarzt ist hier dringend empfohlen, um bleibende Augenschäden zu vermeiden.

Was hat ein Bechterew mit Darmentzündungen und Schuppenflechte zu tun?

Die Erkrankung gehört zur großen Rheuma-Form der Spondyloarthritiden. Dazu gehören unter anderem auch die Schuppenflechte oder die entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Diese Krankheiten können im Laufe der Zeit zusätzlich auftreten (je nach Studie in 1-10 % der Fälle). Umgekehrt kann jemand mit einer bereits bekannten entzündlichen Darmerkrankung oder einer Schuppenflechte zusätzlich an einem Morbus Bechterew erkranken.

Diagnostik

Wie lange dauert es im Schnitt, bis ein Morbus Bechterew entdeckt wird?

Oft lange unentdeckt

Studien haben ergeben, dass es im Durchschnitt fünf bis sieben Jahre dauert, bis die endgültige Diagnose gestellt wird. Der Grund für diese extrem lange Phase der "Erkrankung ohne Entdeckung" liegt im schleichenden Beginn und in den oft unspezifischen Beschwerden.

Menschen mit einem Morbus Bechterew interpretieren die Symptome meist jahrelang als normale Rücken- und Gliederschmerzen. Und solange sie das Thema nicht konkret beim Arzt ansprechen, wird eine intensivere Diagnostik, die die Erkrankung als Ursache aufdecken könnte, meist nicht in Gang gesetzt.

Auch für den Arzt nicht immer eindeutig

Die Diagnosestellung kann selbst für erfahrene Rheumatologen sehr anspruchsvoll sein, eben weil Rückenschmerzen sehr viele verschiedene Ursachen haben können. Die Herausforderung liegt hier also darin, die „Nadel im Heuhaufen“ nicht zu übersehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Erkrankung nicht immer mit den charakteristischen entzündlichen Rückenschmerzen beginnt, sondern z.B. mit Augen- oder Sehnenentzündungen. Auch im Röntgen oder in der Magnetresonanztomographie (MRT) sind nicht immer entzündliche und degenerative Veränderungen zu sehen.

Was erwartet mich beim Erstgespräch mit meinem Arzt?

Bei dem Verdacht auf einen Morbus Bechterew wird der Arzt zunächst nach der Krankengeschichte, den genauen Beschwerden und nach Krankheitsfällen in der Verwandtschaft fragen, da die Erkrankung gehäuft in Familien auftreten kann. Auch sind Begleiterkrankungen wie z.B. entzündliche Darmerkrankungen oder Augenentzündungen nicht selten und werden vom Arzt im Detail erfragt.

Untersuchungsmethoden für Wirbelsäule & Co.

Mithilfe mehrerer Tests kann die Beweglichkeit der Wirbelsäule überprüft werden. Hierzu muss man sich nach vorne, hinten und zur Seite bücken. Auch der Brustumfang bei Aus- und Einatmen wird ermittelt, um zu sehen, wie flexibel die knöchernen und bindegewebigen Verbindungen des Brustkorbs sind. Mithilfe des sogenannten Mennell-Handgriffs wird überprüft, ob eine Entzündung der Iliosakralgelenke (Gelenk zwischen Beckenknochen und Kreuzbein) vorliegen könnte.

Zu jeder körperlichen Untersuchung bei Verdacht auf einen Morbus Bechterew gehört auch die Überprüfung geschwollener Gelenke und schmerzhafter Sehnenansätze.

Warum ist zur Diagnose auch ein Bluttest notwendig?

Entzündungswerte im Blut

Für die Diagnosestellung einer Spondylitis ankylosans wird auch eine Blutuntersuchung durchgeführt, um zu sehen, ob die Entzündungswerte im Körper verändert sind. Hierzu gehören die Bestimmung der sogenannten Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) sowie der Nachweis des C-reaktiven Proteins (CRP). Diese Werte zeigen an, ob generell eine Entzündung im Körper vorliegt.

Da etwa 96% der Bechterew-Betroffenen die Genvariante HLA-B27 aufweisen, kann dieses Merkmal zusätzlich im Blut bestimmt werden, vor allem in der Frühphase der Erkrankung und wenn die Bildgebung nicht eindeutig ist.

Röntgen, MRT oder CT: Was ist am besten geeignet?

Röntgen an erster Stelle

Besteht der Verdacht auf einen Morbus Bechterew, gibt es verschiedene Untersuchungstechniken, um die Diagnose zu sichern. Ein Röntgenbild der Lendenwirbelsäule mit Darstellung der Iliosakralgelenke gehört dabei in der Regel zu den ersten Untersuchungen, die durchgeführt werden.

Vor allem bei bereits fortgeschrittenem Verlauf sind typischerweise knöcherne Verwachsungen an der Wirbelsäule zu erkennen. Dabei kommt es nicht nur zu Verknöcherungen von Bändern und Sehnen, sondern auch zu Knochenanbauten in Form von Knochenbrücken bzw. Knochenspangen zwischen den Wirbelkörpern. Diese Veränderungen führen zu einem "stabartigen" Aussehen der Wirbelsäule im Röntgenbild, ähnlich einem Bambusstab, weshalb man auch von einer sog. „Bambusstab-Wirbelsäule“ spricht.

Röntgen, CT und MRT zur genaueren Diagnostik

Röntgen an erster Stelle

Besteht der Verdacht auf einen Morbus Bechterew, gibt es verschiedene Untersuchungstechniken, um die Diagnose zu sichern. Ein Röntgenbild der Lendenwirbelsäule mit Darstellung der Iliosakralgelenke gehört dabei in der Regel zu den ersten Untersuchungen, die durchgeführt werden.

Vor allem bei bereits fortgeschrittenem Verlauf sind typischerweise knöcherne Verwachsungen an der Wirbelsäule zu erkennen. Dabei kommt es nicht nur zu Verknöcherungen von Bändern und Sehnen, sondern auch zu Knochenanbauten in Form von Knochenbrücken bzw. Knochenspangen zwischen den Wirbelkörpern.

Diese Veränderungen führen zu einem "stabartigen" Aussehen der Wirbelsäule im Röntgenbild, ähnlich einem Bambusstab, weshalb man auch von einer sog. „Bambusstab-Wirbelsäule“ spricht.

CT und MRT zur genaueren Diagnostik

In der Frühphase kann es allerdings sein, dass die Schäden an Gelenken und Knochen noch nicht so weit fortgeschritten sind, dass sie eindeutig in der Röntgenaufnahme erkannt werden können.

In diesem Fall ist die Magnetresonanztomografie die Methode der Wahl, um die Entzündungsaktivität möglichst früh zu erfassen.

Die Computertomographie (CT) kommt seltener zum Einsatz. Sie ist vor allem dann hilfreich, wenn es darum geht, sehr kleine knöcherne Veränderungen im Bereich von Gelenken im Detail darzustellen.

Ultraschalluntersuchungen werden zur Darstellung entzündlicher Veränderungen im Weichteilgewebe, vor allem im Bereich von Sehnenansätzen, eingesetzt.

Morbus Bechterew: denkbar, auch wenn im Röntgenbild nichts zu sehen ist?

Es gibt eine bestimmte Form, die nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis, bei der ähnliche Symptome wie bei einem Morbus Bechterew auftreten.

Hierbei handelt es sich um eine Krankheit, die dem Morbus Bechterew zwar ähnelt, bei der aber (noch) keine deutlichen Veränderungen der Iliosakralgelenke im Röntgenbild zu sehen sind. Sie wird manchmal auch als Vorstufe des Bechterew bezeichnet. Entzündliche Prozesse können dann allerdings im MRT dargestellt werden.


Wie wird die Krankheitsaktivität erfasst?

Die Krankheitsaktivität wird zum einen anhand der Entzündungsschwere und zum anderen anhand der aktuell vorliegenden Beschwerden beurteilt. Dazu werden sowohl die Entzündungswerte im Blut hinzugezogen als auch die entzündlichen Veränderungen auf dem Röntgenbild oder der MRT-Aufnahme beurteilt.

Spezielle Fragebögen

Um die Beschwerden und Einschränkungen im Alltag zu erfassen, wurden außerdem bestimmte Fragebögen entworfen.

  • Der wohl bekannteste ist hier der sogenannte BASDAI (engl. Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index). Er besteht aus sechs standardisierten Fragen zu Müdigkeit, Schmerzempfindung und Morgensteifigkeit.
  • Mithilfe des sogenannten BASFI (engl. Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index) wird die Funktionseinschränkung beurteilt.

Behandlung

Welche Medikamente werden zur Behandlung eingesetzt?

Bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen werden generell drei Klassen von Medikamenten eingesetzt:

  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR, z.B. Ibuprofen oder Diclofenac)
  • Kortison-Präparate
  • krankheitskontrollierende Medikamente, sogenannte Disease-modifying drugs (DMARD)

Die Einsteiger-Medikamente zur Behandlung eines Bechterew sind NSAR, also beispielsweise Ibuprofen oder ASS. Sie führen sowohl kurzfristig als auch bei längerer Behandlungsdauer nachgewiesen zu einer Linderung der Schmerzen und Steifigkeit an der Wirbelsäule.

Wenn sich die Beschwerden unter dieser Behandlung nicht verbessern, können außerdem Biologika eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um moderne Medikamente in Form von Proteinen, die mittlerweile bei vielen unterschiedlichen Erkrankungen zum Einsatz kommen. Neben den biologischen DMARDs gibt es auch synthetische Formen, die bei der Behandlung verwendet werden können.

Kortison wird bei Morbus Bechterew in der Regel nur als lokale Injektion im Bereich schmerzhafter Gelenke eingesetzt.

Ibuprofen, Diclofenac & Co.

NSAR werden zur Linderung der Schmerzen und zur Verbesserung der Beweglichkeit bei einem akuten Krankheitsschub eingesetzt. Neue Studien zeigen außerdem, dass NSAR zusätzlich den Knochenumbau bremsen und degenerative Veränderungen bei Morbus Bechterew verlangsamen können. Sie gelten daher als Medikament der ersten Wahl. 

Welches Präparat im Einzelfall ausgewählt wird, hängt von den individuellen Risikofaktoren ab. Aufgrund ihrer Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt werden diese Medikamente bei Menschen in höherem Alter eher zurückhaltend und generell in möglichst geringer Dosierung verschrieben.

Empfehlenswert ist die gleichzeitige Einnahme von Magenschutz-Tabletten, wie z.B. Pantoprazol, um Schleimhautschäden im Bereich des Magens während der Behandlung zu verhindern. Auch bei Nierenerkrankungen sollten NSAR nur mit Vorsicht eingenommen werden.

Kortison-Präparate

Von außen zugeführtes Kortison wie z.B. Dexamethason ist bei vielen rheumatischen Erkrankungen eine wichtige Option, um das Immunsystem zu dämpfen und Entzündungen zu hemmen. Bei Morbus Bechterew wird Kortison dagegen eher selten empfohlen. Eine Ausnahme sind Injektionen in besonders stark entzündete Gelenke, um die Schmerzen zu lindern. Außerdem wird Kortison bei begleitend auftretenden Augenentzündungen in Form von Tropfen verordnet.

Welche neueren Medikamente gibt es gegen Morbus Bechterew?

Zur Behandlung eines Morbus Bechterew kommen inzwischen auch moderne Wirkstoffe zum Einsatz, die DMARD. Dabei handelt es sich um spezielle Medikamente, die Entzündungen eindämmen und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Man unterscheidet synthetische und biologische Wirkstoffe. Vor kurzem ist auch eine weitere Gruppe hinzugekommen: die sog. JAK-Inhibitoren.

Neue Wirkstoffklasse: JAK-Inhibitoren

Beginnen wir mit den JAK-Inhibitoren. Hierbei handelt es sich um Medikamente, die spezielle Enzyme hemmen, die Januskinasen, daher stammt der Name. Dazu zählen beispielsweise die Wirkstoffe Tofacitinib und Filgotinib. Diese Medikamente verhindern die Signalweiterleitung in bestimmten Zellen und hemmen so Entzündungsprozesse im Körper. JAK-Inhibitoren sind aber derzeit (Stand 2020) noch nicht etabliert und somit noch nicht erste Wahl.

Synthetische Formen spielen eher eine untergeordnete Rolle

Von den synthetischen DMARD ist derzeit nur Sulfasalazin ein Kandidat. Sulfasalazin wird aber aktuell nur für eine bestimmte Gruppe von Personen mit Morbus Bechterew empfohlen: nämlich, wenn vorrangig Gelenkentzündungen der Gliedmaßen auftreten und die Betroffenen schlecht auf die etablierten Medikamente ansprechen.

Biologika: Großer Fortschritt für die Therapie

Biologische DMARD werden auch Biologika genannt. Für die Behandlung rheumatischer Erkrankungen sind sie eine wichtige Entdeckung des 20. Jahrhunderts gewesen. Auch bei Morbus Bechterew sind sie sehr wirksam und werden bei hoher Krankheitsaktivität eingesetzt.

Was sind Biologika?

Bei den Biologika (im Englischen auch „biologicals“) handelt es sich um gentechnisch hergestellte Eiweiße. Sie wirken wie körpereigene Substanzen und hemmen entzündliche Botenstoffe im Körper. Bei vielen rheumatischen Erkrankungen einschließlich Morbus Bechterew wird auf diese Weise das überreagierende Immunsystem unterdrückt und das Entzündungsgeschehen im Körper gestoppt.

Je nach Botenstoff, der gehemmt werden soll, kommen verschiedene Biologika zum Einsatz. Bei Morbus Bechterew sind dies sogenannte TNF-alpha-Blocker wie z.B. Adalimumab oder Infliximab.

Sehr gute Erfolge bei bis zu 50% der Betroffenen

Die Wirkung dieser Biologika setzt nach zwei bis vier Wochen ein. Es kommt oft zu einer erheblichen Verbesserung der Beweglichkeit der Wirbelsäule, bestehender Sehnenentzündungen und damit der Lebensqualität insgesamt. Dies trifft vor allem auf Patienten mit einer hohen Krankheitsaktivität, einer kurzen Krankheitsdauer und einem Lebensalter von unter 40 Jahren zu.

Der gute Effekt der Biologika lässt sich am Rückgang der Entzündungswerte im Blut und der entzündlicher Veränderungen in den MRT-Aufnahmen nachweisen. Einen Einfluss auf den auf Röntgenaufnahmen sichtbaren Knochenumbau scheinen Biologika dagegen – im Gegensatz zu den NSAR – nicht zu haben. Dennoch kommt es in bis zu 50% der Fälle in den ersten drei bis fünf Jahren der Behandlung zur Beschwerdefreiheit.

Die Wirkung von Biologika hält nur so lange an, wie die Medikamente eingenommen werden. Werden sie also abgesetzt, kommt es bei nahezu allen Patienten innerhalb von vier Monaten zu einem Rückfall. Bei gutem Ansprechen kann die Dosis jedoch individuell reduziert werden

Biologika für jeden?

Auch wenn Biologika beim Bechterew gut wirksam sind, können sie nicht immer verschrieben werden. Dies liegt zum einen daran, dass Biologika das Immunsystem stark hemmen und deshalb bei bestimmten Vorerkrankungen nicht eingesetzt werden dürfen.

So können sie z.B. bei einer Tuberkulose, bei Multipler Sklerose, bei einer fortgeschrittenen Herzschwäche oder bei Krebs nicht verordnet werden. Zum anderen haben Biologika wie alle anderen Medikamente auch einige Nebenwirkungen, darunter:

  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • lokale Reaktionen an der Einstichstelle (Biologika werden als Injektion verabreicht)
  • Tumore oder Nervenerkrankungen (selten)

Nicht zuletzt ist eine Biologika-Therapie eine sehr kostspielige Angelegenheit. Zur Zeit beschränkt sich die Behandlung mit Biologika nur auf Betroffene, bei denen eine hohe Krankheitsaktivität vorliegt und die üblichen Medikamente nicht ausreichend wirken.


Kann Physiotherapie helfen?

Studien haben zeigen können, dass vor allem Physiotherapie in Gruppen empfehlenswert ist. Diese Variante ist anderen Formen der Krankengymnastik (z.B. Physiotherapie in Einzelsitzungen oder Trainingsprogramme für Zuhause) überlegen.

Hier gilt jedoch: Bewegung in jeglicher Form ist besser als überhaupt keine körperliche Betätigung. Sowohl Intensivkurse über einige Wochen als auch regelmäßiger Sport, z.B. zweimal in der Woche von jeweils 3 Stunden Dauer, führen zu einer besseren Haltung und reduzieren die Steifigkeit in den Gelenken.

Tipps für den Alltag

Auch eine wissenschaftliche Erkenntnis: Flaches Liegen auf dem Rücken in der Nacht, oder zumindest einige Male am Tag für mindestens 15 Minuten, wirkt der Bildung eines Rundrückens entgegen. Ein bereits ausgebildeter Rundrücken kann sich auf diese Weise sogar zurückbilden. Wem es nachts nicht möglich ist, in dieser Position zu schlafen, der kann zumindest eine eher festere Matratze ausprobieren. Dadurch kann ein Durchhängen des Körpers und in weiterer Folge die Bildung eines Rundrückens verhindert werden.

Außerdem sollten Betroffene im Alltag versuchen, möglichst keine schweren Lasten zu heben oder zu lange in einer sitzenden und vornübergebeugten Position zu verharren. Der Rücken wird durch solche Tätigkeiten zu stark belastet. Förderlich sind daher auch Sportarten, die den Rücken nicht zu sehr beanspruchen, wie z.B. Rückenschwimmen oder Wandern.

Wärme, Kälte, Massagen: Wie hilft eine physikalische Therapie?

Ergänzend zu einer medikamentösen Behandlung und Physiotherapie werden oft auch physikalische Maßnahmen empfohlen: zur Förderung der Durchblutung, zur Beseitigung von Muskelverspannungen und zur Schmerzlinderung.

Gängige Methoden sind hier:

  • Wärme- und Kältebehandlungen in Form von Fangobädern oder Moorpackungen
  • Massagen
  • Reizstromtherapie

Immer nur ergänzend

Bei aktivem Krankheitsverlauf kann auch eine physikalische Therapie im Rahmen eines stationären Aufenthalts sinnvoll sein. Wichtig ist es jedoch zu verstehen, dass es sich hierbei um unterstützende Behandlungsmaßnahmen handelt, die eine aktive Bewegung und Physiotherapie auf keinen Fall ersetzen können.

Bechterew: Gibt es auch eine natürliche Therapie ganz ohne Medikamente?

Obwohl die Physiotherapie und die Physikalische Therapie mit Anwendungen wie z.B. Bädern oder Reizstrom eine wichtige Säule der Behandlung sind, lässt sich die Entzündung im Körper nicht ohne Medikamente unterdrücken. Sie sind äußerst wichtig, um das überreaktive Immunsystem zu dämpfen und sind daher bei der Behandlung unerlässlich.

Kann auch eine Operation notwendig werden?

Bei sehr aggressivem Verlauf des Bechterew und fortgeschrittenem Krankheitsstadium kann es in seltenen Fällen vorkommen, dass es zu so starken Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen kommt, dass eine Operation unumgänglich ist. Meistens handelt es sich dabei um Operationsmethoden zur Aufrichtung einer verkrümmten und versteiften Wirbelsäule. Auch bei Beteiligung der Hüftgelenke kann eine Operation zum Einsetzen einer Hüftprothese sinnvoll sein, um eine Besserung der Lebensqualität zu erreichen.

Verlauf und Prognose

Ist eine vollständige Ausheilung bei Morbus Bechterew möglich?

Grundsätzlich gilt Morbus Bechterew nach wie vor als eine chronische und nicht heilbare Erkrankung. Der Verlauf kann aber stark variieren.

Bei den meisten Betroffen verläuft die Erkrankung milde und ist mit den aktuell vorhandenen Medikamenten gut zu kontrollieren. Sowohl ein kontinuierlicher als auch ein schubartiger Verlauf sind dabei möglich. Ein schubartiger Prozess ist gekennzeichnet durch Phasen aktiver Entzündung und Phasen, in denen es spontan auch zu einem Krankheitsstillstand kommen kann.

Vor allem unter der Behandlung mit Biologika können die Beschwerden vorübergehend oder sogar für längere Zeit komplett verschwinden. Eine „Ausheilung“ ist aber nicht möglich.

Sinkt durch den Bechterew die Lebenserwartung?  

Nein. Im Mittel unterscheidet sich die Lebenserwartung praktisch nicht von der der Normalbevölkerung. 

Wovon ist die Prognose abhängig?

Studien konnten zeigen, dass insbesondere die ersten 10 Jahre für den weiteren Verlauf der Erkrankung entscheidend sind, da in diesem Zeitraum die meisten Funktionseinschränkungen auftreten. Dabei sprechen folgende Faktoren für einen eher schweren Krankheitsverlauf:

  • Beginn in frühem Lebensalter
  • stark erhöhte Entzündungswerte im Blut
  • frühzeitig erkennbare Veränderungen im Röntgenbild
  • Beteiligung der Hüftgelenke

Habe ich bei einer Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für Komplikationen?

Keine erhöhte Rate an Fehlgeburten

Im Gegensatz zu anderen rheumatischen Erkrankungen wie z.B. dem systemischen Lupus erythematodes scheint ein Morbus Bechterew kein erhöhtes Risiko für Komplikationen während einer Schwangerschaft mit sich zu bringen. Sowohl die Rate für Fehlgeburten als auch das Risiko für bestimmte Erkrankungen, die durch eine Schwangerschaft entstehen, sind bei Frauen mit Morbus Bechterew nicht erhöht.

Beachtet werden sollte jedoch ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Knochenbrüche, wenn bei den betroffenen Frauen eine Osteoporose vorliegt. Diese kann sowohl im Verlauf eines Morbus Bechterew als auch während einer Schwangerschaft entstehen. Wenn also bei Ihnen eine stark ausgeprägte Osteoporose besteht, ist es sinnvoll, vorab die Möglichkeit einer Geburt mittels Kaiserschnitt in Betracht zu ziehen. Besprechen Sie das am besten in Ruhe mit Ihrem Arzt.

Autoren: (Ärztin), Dr. Julia Spengler &

Quellen:

  • G. Herold, Innere Medizin, Selbstverlag, 2016.
  • Sjef M. van der Linden, Dominique Baeten und Walter P. Maksymowych: Ankylosing Spondylitis. In: Firestein GS, Budd RC, Herris ED Jr, et al. eds. Kelley's Textbook of Rheumatology. 9th ed. Philadelphia, PA: Elsevier Saunders; 2012: chap 75.
  • Wei Zhu et al., Ankylosing spondylitis: etiology, pathogenesis, and treatments, Bone Research (2019)7:22
  • Van der Linden S., Falkenbach A. (2005) Prognose. In: Felkenbach A. (eds) Morbus Bechterew. Springer, Vienna
  • Kainberger F., Peloschek P., Weidekamm C., Wick M. (2005) Bildgebende Diagnostik. In: Felkenbach A. (eds) Morbus Bechterew. Springer, Vienna

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