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Ibuprofen: Wirkung und Nebenwirkungen

Ibuprofen gehört zur Gruppe der sogenannten NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika). Es wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und in höheren Dosen entzündungshemmend. Im folgenden Beitrag beantworten wir die wichtigsten Fragen zur Wirkung und zu den Nebenwirkungen.

Auf welche Weise wirkt Ibuprofen schmerzlindernd?

Der Wirkmechanismus von Ibuprofen: Das Arzneimittel hemmt die Cyclooxygenase I und II. Diese beiden Enzyme werden vom Körper benötigt, um Prostaglandine, und damit die entscheidenden Schmerz- und Entzündungsbotenstoffe zu produzieren. Die Wirkformel von Ibuprofen lautet also: weniger Prostaglandine = weniger Schmerz und weniger Entzündung.

In welchen Dosierungen wirkt Ibuprofen schmerzlindernd und fiebersenkend?

Es gibt Ibuprofen-Tabletten mit unterschiedlichem Wirkstoffgehalt. Am gebräuchlichsten sind Tabletten mit 200 mg, 400 mg, 600 mg und 800 mg Ibuprofen. Dabei wird mit einer Dosierung von 200-400 mg bei Erwachsenen normalerweise bereits eine Schmerzlinderung und Fiebersenkung erreicht. Eine entzündungshemmende Wirkung ist dagegen erst bei Dosierungen ab 800 mg zu erwarten.

Wie wirkt Ibuprofen gegen Kopfschmerzen?

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt u.a. den Einzel-Wirkstoff Ibuprofen zur Eigenbehandlung des episodischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp als Mittel der ersten Wahl.

Ibuprofen steht Ihnen in verschiedenen Wirkstärken zur Verfügung. Die frei verkäuflichen, niedriger dosierten Präparate (bis 400 mg) werden vorzugsweise bei leichten bis mäßig starken Schmerzen und Fieber eingesetzt. So auch bei Kopfschmerzen. Tabletten bis 400 mg bekommt man ohne Rezept in der Apotheke.

Nicht mehr als 3 Tage in Folge

In der Selbstmedikation der akuten Kopfschmerzbehandlung liegt die maximale Tagesdosis für Erwachsene bei 1200 mg Ibuprofen. Das entspricht dreimal täglich 400 mg Ibuprofen etwa alle 6 bis 8 Stunden. In der Eigenbehandlung des Spannungskopfschmerzes sollten Sie das Arzneimittel außerdem maximal an drei aufeinanderfolgenden Tagen und nicht häufiger als zehnmal im Monat einnehmen.

Das gilt übrigens auch für das seit Ende 2018 in Deutschland verfügbare Kombinationspräparat Thomapyrin® Tension Duo. Das ab dem 18. Lebensjahr zugelassene, rezeptfreie Medikament enthält 400 mg Ibuprofen plus 100 mg Coffein und soll laut Hersteller vor allem bei Kopfschmerzen mit Schulter- und Nackenverspannungen wirksam sein. 

Hilft Ibuprofen bei Rückenschmerzen?

ASS, Ibuprofen und Diclofenac können bei Rückenschmerzen unterstützend wirksam sein. Sie sollten jedoch nicht leichtfertig und möglichst nur für kurze Zeit eingenommen werden.

Obwohl sie (zumindest bis zu einer bestimmten Dosierung) in der Apotheke frei verkäuflich sind, sind diese Medikamente keine harmlosen Brausetabletten. Sie greifen maßgeblich in bestimmte Körperprozesse ein und können dabei auch erheblichen Schaden anrichten, vor allem bei einer langfristigen Einnahme.

Bei nicht-spezifischen Rückenschmerzen, die also keine bestimmte Ursache wie etwa einen Bandscheibenvorfall oder eine Fraktur haben, kann Ibuprofen manchmal hilfreich sein. Die Behandlung ist in folgenden Fällen sinnvoll:

  • um aktivierende, nicht-medikamentöse Maßnahmen zu ermöglichen bzw. zu unterstützen
  • wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen alleine nicht ausreichen, die Schmerzen zu beheben

Über eines sollten Sie sich im Klaren sein: Ibuprofen wirkt rein symptomatisch, d.h. es blockiert zwar den Schmerz, behebt jedoch nicht die Ursache. Bei der Ursachenbekämpfung sind in der Regel primär Sie gefragt. Greifen Sie daher bei Rückenproblemen nicht leichtfertig zu Schmerzmitteln, sondern wenden Sie sich an Ihren Arzt. Er kann Ihnen Ratschläge erteilen und ggf. gezielt Medikamente verordnen.

Rückenschmerzen: Wie lange darf ich Ibuprofen einnehmen?

So lange wie nötig, so kurz wie möglich! Ibuprofen wirkt bei Rückenschmerzen rein symptomatisch. Es bekämpft die Beschwerden, behebt aber nicht die Ursachen dahinter.

Für den Einsatz von solchen Schmerzmedikamenten bei nicht-spezifischen Rückenschmerzen gelten folgende Grundsätze:

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  • Es sollte die niedrigste wirksame Dosis gewählt werden.
  • Die Behandlung sollte so kurz wie möglich erfolgen.

Behandlung immer wieder hinterfragen

Wenn Sie in Absprache mit Ihrem Arzt Schmerzmittel einnehmen, werden der Erfolg der Behandlung sowie mögliche Nebenwirkungen nach 2-4 Wochen überprüft. Nur bei guter Wirksamkeit und Verträglichkeit sollte die medikamentöse Therapie überhaupt fortgeführt werden – wenn überhaupt noch Bedarf besteht. Wenn es Ihnen bereits besser geht und Sie wieder aktiver sind, kann die Therapie schrittweise "deeskaliert" werden, wie die Mediziner so schön sagen. Andernfalls wird die Behandlung fortgesetzt und die Diagnostik ggf. erweitert.

Um das zu beurteilen, sollten Sie immer Ihren Arzt zu Rate ziehen und nicht eigenmächtig in die Apotheke gehen. Nur weil sie frei verkäuflich sind, sind Ibuprofen & Co  nicht harmlos und ungefährlich. Sie können im Gegenteil erhebliche Nebenwirkungen haben, vor allem längerfristig.

Auf welche Weise wirkt Ibuprofen gegen Rheuma?

Ibuprofen gehört zur Gruppe der sogenannten NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika). Es wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und in höheren Dosen entzündungshemmend. Damit ist Ibuprofen gerade in höheren Dosen ein häufig verschriebenes Medikament bei Rheuma

Können Rheuma-Medikamente wie ASS, Diclofenac oder Ibuprofen die Erkrankung heilen?

Nein, das können sie nicht. Das kann aber auch kein anderes Rheuma-Medikament. Da es sich bei Rheuma in den meisten Fällen ursächlich um eine entzündliche Veränderung an den Gelenken handelt, die ohne äußere Erreger (Bakterien, Viren) entsteht, sind die Medikamente aus der Gruppe der NSAR wie Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen aber immerhin recht zielgenaue Arzneimittel. Denn sie wirken über eine Hemmung der sogenannten Prostaglandine eben nicht nur schmerzlindernd, sondern auch entzündungshemmend.

Die rheumatische Erkrankung an der Wurzel packen können sie leider nicht. Dafür müsste die Wurzel auch erst einmal bekannt sein. Aber noch weiß keiner so genau, warum Rheuma überhaupt entsteht. Wir müssen uns also bis auf weiteres mit Medikamenten begnügen, die zumindest die Beschwerden effektiv lindern.

Stimmt es, dass man Ibuprofen in anderen Ländern im Supermarkt bekommt?

Ja. In einigen Ländern wird die Medikamentenabgabe generell freizügiger gehandhabt als in Deutschland. So bekommt man z.B. in den USA, Polen, den Niederlanden, Großbritannien und Norwegen Ibuprofen auch im Supermarkt – teilweise mit Mengenbeschränkung.

Welche Nebenwirkungen können bei der Einnahme von Ibuprofen auftreten?

Bei kurzzeitiger und nicht zu hoch dosierter Einnahme, wie beispielsweise im Rahmen der akuten Kopfschmerztherapie, sind Nebenwirkungen von Ibuprofen selten. Dennoch kann es auch unter einer Kurzzeit-Behandlung mit Ibuprofen zu leichten Magen-Darm-Beschwerden kommen wie:

  • Sodbrennen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Bauchschmerzen, Blähungen
  • Durchfall, Verstopfung

Bei längerer und/oder höher dosierter Einnahme von Ibuprofen kann es auch zu Magen-Darm-Blutungen und zu Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastritis) kommen. Der ungünstige Effekt auf den Magen hängt damit zusammen, dass Ibuprofen seine schmerzlindernde Wirkung über eine Hemmung der Cyclooxygenase I und II ausübt. Diese Enzyme sind aber nicht nur an der Schmerzentstehung beteiligt, sondern schützen auch die Magenschleimhaut. Werden sie gehemmt, nimmt also nicht nur der Schmerz, sondern auch der Schutz der Magenschleimhaut ab.

Alle Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika = ASS, Diclofenac, Ibuprofen u.a.) können diese Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt verursachen. Zum Glück kommt es dazu bei normaler und kurzzeitiger Anwendung aber nur selten.

Weitere potenzielle Begleiterscheinungen

Häufig (bei bis zu 10% der Behandelten) kann eine Behandlung mit Ibuprofen auch mit zentralnervösen Störungen einhergehen, die sich dann durch Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit, erhöhte Reizbarkeit oder auch Müdigkeit bemerkbar machen können. Auch Unverträglichkeitsreaktionen in Form von Hautausschlägen kommen vor.

Fall Sie unter einem Morbus Crohn oder einer Colitis ulcerosa leiden, sollten Sie ebenfalls vorsichtig sein. Ibuprofen kann, und das auch schon im Rahmen der kurzzeitigen Kopfschmerz-Therapie, Krankheitsschübe dieser chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen provozieren.

Bei Nurofen & Co maximale Tagesdosis beachten

Bei Schmerzen und Fieber gehören Tabletten mit dem Wirkstoff Ibuprofen (z.B. Nurofen®) zu den am häufigsten verwendeten Schmerzmitteln. Obwohl in der Regel auch sehr gut verträglich, muss man in jedem Fall die maximale Dosierung beachten, da sonst unangenehme oder sogar gefährliche Nebenwirkungen auftreten können.

Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren sollten bei den Ibuprofen-Tabletten (z.B. den Nurofen®-Filmtabletten), welche in Dosierungen von 200 bis 400 mg angeboten werden, die Tageshöchstdosis von 1.200 mg Ibuprofen auf keinen Fall überschreiten. Im letzteren Fall also höchstens 3 Tabletten – wobei nach der Gabe der maximalen Einzel-Dosis von 400 mg bis zur nächsten Einnahme auch eine Zeitspanne von mindestens 6 Stunden abgewartet werden sollte.

Und bitte beachten Sie dabei: Wir sprechen hier über die Höchstdosis, 1.200 mg Ibuprofen am Tag sind keineswegs die anzustrebende Normalmenge.

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Sollten die Beschwerden auch bei der maximalen Dosierung nicht ausreichend gelindert sein, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt, ob ggf. ein anderes Medikament sinnvoll wäre.

Aktren kann in höheren Dosen Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen 

Aktren Forte enthält den Wirkstoff Ibuprofen und ist ein häufig gekauftes Arzneimittel zur Schmerzlinderung, zur Entzündungshemmung oder zur Fiebersenkung. Wer das Mittel häufiger verwendet, sollte wissen, dass gerade bei höherer Dosis das Reaktionsvermögen verändert und die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr beeinträchtigt werden kann. Auf unerwartete Ereignisse kann man dann oft nicht mehr gewohnt zügig reagieren.

Auch Alkohol kann mögliche Begleiterscheinungen wie Schwindel noch deutlich verstärken und sollte bei Einnahme von Ibuprofen nicht oder nur mit entsprechender Vorsicht genossen werden. Dasselbe gilt natürlich für alle Präparate, welche Ibuprofen enthalten wie z.B. auch Dolormin, Ibuprofen AL, Ibu-ratiopharm etc.

Wodurch lassen sich Magen-Darm-Beschwerden unter Ibuprofen lindern?

Wenn Sie einen empfindlichen Magen haben oder unter Ibuprofen bzw. verwandten Schmerzmitteln (ASS, Diclofenac) schon häufiger Magen-Darm-Beschwerden (Sodbrennen, Übelkeit) bekommen haben, sollten Sie Ibuprofen zu den Mahlzeiten einnehmen.

Ist Ibuprofen magenfreundlicher, wenn man es als Zäpfchen nimmt?

Nein. Die Möglichkeit der Magenunverträglichkeit besteht unabhängig vom Einnahmemodus. Den potentiell schädlichen Effekt auf die Magenschleimhaut entfaltet dieses Mittel nämlich nicht vor Ort, also nicht direkt nach dem Schlucken. Das passiert erst, wenn Ibuprofen vom Darm aufgenommen und in die Blutbahn geschickt wurde. Dann erst hemmt es die Enzyme Cyclooxygenase I und II, was einerseits zur Schmerzlinderung führt, andererseits aber auch den natürlichen Schutz der Magenschleimhaut herabsetzt.

Fazit: Ob nun in Tablettenform oder als Zäpfchen zugeführt – was die Nebenwirkungen angeht, ist der Effekt der gleiche.

Wann sollte man Ibuprofen nicht einnehmen?

Unter bestimmten Voraussetzungen ist Ibuprofen auch in der kurzzeitigen, niedrig dosierten Anwendung nicht erlaubt. Zu den Kontraindikationen, die eine Therapie mit Ibuprofen ausschließen, gehören u.a.:

  • bekannte Magen- und/oder Darmgeschwüre
  • eine erhöhte Blutungsneigung sowie aktive Blutungen
  • schwere Leber- und/oder Nierenfunktionsstörungen
  • eine schwere Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • eine Überempfindlichkeit gegenüber Ibuprofen bzw. weiteren Bestandteilen der entsprechenden Darreichungsform
  • eine bekannte Analgetika-Intoleranz – betroffene Menschen reagieren auf NSAR u. a. mit einer Verkrampfung der Atemmuskulatur oder anderen starken allergischen Reaktionen
  • das letzte Schwangerschaftsdrittel

Weitere Vorsichtsmaßnahmen beachten

Ibuprofen sollte ebenfalls nur unter genauer Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses eingenommen werden, wenn:

  • Sie unter einer mäßigen Leber- und/oder Nierenfunktionsstörung leiden.
  • bei Ihnen ein schlecht eingestellter Bluthochdruck oder eine leichte bis mittelschwere Herzinsuffizienz vorliegt.
  • Sie vor kurzem noch einen größeren chirurgischen Eingriff hatten.
  • Sie generell zu Störungen bzw. Erkrankungen des Verdauungstraktes neigen.
  • bei Ihnen eine angeborene Störung des Porphyrin-Stoffwechsels (Störung der Produktion des roten Blutfarbstoffes) vorliegt.
  • Sie unter einer Autoimmunerkrankung (z. B. systemischer Lupus erythematodes (SLE), Mischkollagenose) leiden.
  • Sie generell zu Überempfindlichkeits- bzw. allergischen Reaktionen (u. a. auch Asthma bronchiale) neigen.

ASS gegen Herzinfarkt: Warum sollte dann Ibuprofen nicht eingenommen werden?

Acetylsalicylsäure (ASS) ist nicht nur ein potentes Schmerzmittel, es wird auch als Gerinnungshemmer zum Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt. Ist das der Fall, sollte auf die Schmerzbehandlung mit Ibuprofen lieber verzichtet und auf ein anderes Analgetikum zurückgegriffen werden.

Der Grund: Ibuprofen entfaltet seine schmerzlindernde Wirkung über den gleichen biochemischen Kanal wie ASS seine gerinnungshemmenden Effekte. Es verdrängt dabei die Acetylsalicylsäure, so dass die Gerinnungshemmung teilweise oder komplett ausbleibt.

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Wer es biochemisch mag:

Und nun für die, die wollen, etwas genauer: Sowohl Ibuprofen als auch ASS hemmen das Enzym Cyclooxygenase-1 (COX-1). Die Hemmung von COX-1 führt an verschiedenen Orten zu verschiedenen Effekten.

Einerseits zur Schmerzlinderung (weil COX-1 für die Produktion des Schmerzbotenstoffes Prostaglandin benötigt wird), andererseits zur Gerinnungshemmung (über die COX-1-Hemmung in den Blutplättchen, den Thrombozyten).

Das erklärt auch, warum ASS beides kann: sowohl den Schmerz senken als auch das Blut verdünnen. Ibuprofen kann im Prinzip auch beides, allerdings ist hier der gerinnungshemmende Effekt geringer ausgeprägt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Bei Menschen, die ASS als Blutverdünner einnehmen, wirkt Ibuprofen wie ein Konkurrent – und zwar wie der stärkere. ASS kommt nicht mehr an seine COX-1-Rezeptoren heran, und eine Gerinnungshemmung findet nicht mehr (ausreichend) statt.

Vorsicht bei Digoxin & Phenytoin

Ähnliches gilt übrigens auch für die gleichzeitige Anwendung von Ibuprofen mit Digoxin- oder Phenytoin-Präparaten. Ibuprofen kann den Blutspiegel dieser Arzneimittel ebenfalls erhöhen.

Digoxin wird sowohl zur Behandlung der chronischen Herzmuskelschwäche als auch bei Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Phenytoin wird in der Therapie der Epilepsie und bei Herzrhythmusstörungen verordnet. 

Bei diesen Medikamenten sollten Sie ebenfalls aufpassen

Besondere Vorsicht ist außerdem geboten u. a. bei der Kombination von Ibuprofen mit folgenden Medikamenten:

  • Diuretika (Entwässerungsmittel)
  • ACE-Hemmer, Betablocker, Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten (werden beispielsweise bei Bluthochdruck und Herzschwäche eingesetzt)
  • Glukokortikoide (Kortisonpräparate)
  • andere blutgerinnungshemmende Medikamente
  • Antidepressiva (SSRI, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer)
  • Methotrexat, Ciclosporin, Tacrolimus (Immuntherapeutika)
  • Zidovudin (HIV-Medikament)
  • Urikosurika (Medikamente, die in den Harnsäurestoffwechsel eingreifen, z. B. Sulfinpyrazon, Probenecid)

Warum sollte Ibuprofen nach Möglichkeit nicht zusammen mit dem Depressions-Mittel Lithium eingenommen werden?

Weil Ibuprofen die Ausscheidung von Lithium über die Nieren verringert. Das ist normalerweise kein Problem, doch wenn parallel größere Mengen Lithium (Arzneimittel gegen Depressionen) eingenommen werden, kann es theoretisch zu einer Lithium-Vergiftung kommen.

Warum lieber kein Ibuprofen bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa?

Das Schmerzmittel Ibuprofen kann bei Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa schubauslösend wirken. Das ist zwar nur selten der Fall, trotzdem sollten Sie bei Anwendung dieses Medikaments Vorsicht walten lassen bzw. im Zweifel von vornherein auf ein Alternativpräparat zurückgreifen.

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Was für Schmerzmittel sind IbuHEXAL®, IBU-ratiopharm® und weitere Ibu's?

Sämtliche Präparate mit dem Vornamen "Ibu" enthalten den Wirkstoff Ibuprofen (200, 400, 600 oder 800 mg). Ibuprofen wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und in höherer Dosierung entzündungshemmend.

In den Dosierungen von 200-400 mg wird es bei leichten bis mäßig starken Schmerzen (z.B. Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Regelschmerzen) und Fieber eingesetzt. In den höheren Dosierungen (600-800 mg) wird es bei stärkeren entzündlich-rheumatischen Schmerzen verschrieben.

Der Wirkmechanismus wird weiter oben erläutert.

Weitere Präparate mit Ibuprofen sind (Infos zu Ibuprofen s.o.):

  • Aktren
  • Alges-X (Schweiz)
  • Algifor-L forte (Schweiz)
  • Anco
  • Brufen
  • Dismenol
  • Dolgit
  • Dolocyl (Schweiz)
  • Dolormin
  • Esprenit
  • Eudorlin
  • Grefen (Schweiz)
  • Gyno-Neuralgin
  • Ibubeta
  • Ibuflam
  • IbuHEXAL
  • Ibumetin (Österreich)
  • Ibutop
  • Imbun
  • Irfen (Schweiz)
  • Kontragripp
  • Migränin Ibuprofen
  • Movone (Österreich)
  • Neuralgin extra
  • Nurofen
  • Opturen
  • Pedea
  • RatioDolor akut (Österreich)
  • Saridon (Schweiz)
  • Spalt Flüssigkapseln
  • Spedifen (Österreich, Schweiz)
  • Spidifen
  • Tispol
  • Urem

Was ist das Besondere am Ibuprofen-Präparat Dolormin?

Dolormin®, aber auch andere Ibuprofen-Präparate wie z.B. IBU-ratiopharm® Lysinat enthalten das Schmerzmittel als Lysinat. Das ist ein Salz aus Ibuprofen und der Aminosäure Lysin.

Die Zubereitung als Lysinat soll zu einer besseren Löslichkeit im Magen und damit einer rascheren Wirkung führen. Die o.g. Lysinat-Präparate werden also mitunter dann verschrieben oder empfohlen, wenn eine sehr schnelle Schmerzbekämpfung erreicht werden soll.

Arg lange dauert es aber auch bei den Alltags-Präparaten nicht bis zum Wirkungs-Eintritt.

Alzheimer-Schutz mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen?

Schmerzmittel wie Ibuprofen scheinen das Risiko zu senken, eine Alzheimer-Demenz zu bekommen. Das ist das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie an der Universität Boston.

Die Wissenschaftler verglichen die Krankenakten von 50.000 ehemaligen Soldaten, die an Alzheimer erkrankt waren, mit denen von knapp 200.000 Veteranen ohne Demenz. Dabei ergab sich für mehrere Schmerzmittel aus der Familie der NSAR ein Schutzeffekt auf die Alzheimer-Demenz. Am ausgeprägtesten war das bei Ibuprofen: Veteranen, die über Jahre regelmäßig Ibuprofen eingenommen hatten (z.B. gegen rheumatische Beschwerden), erkrankten um 40% seltener an der Alzheimer-Demenz.

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Diese Ergebnisse decken sich mit denen früherer Studien, in denen bei Rheuma-Patienten ein niedrigeres Alzheimer-Risiko nachgewiesen wurde. Aber Schmerzmittel gegen Demenz? Was zunächst etwas befremdlich klingt, wird klarer, wenn man sich vor Augen führt, dass Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Diclofenac nicht nur schmerzlindernd, sondern auch antientzündlich wirken. Ibuprofen wird ja z.B. auch häufig zur Fiebersenkung verschrieben. Und auch bei der Alzheimer-Demenz finden im Gehirn entzündliche Prozesse statt. Der Zusammenhang ist also durchaus plausibel.

Für Standardvorbeugung zu nebenwirkungsreich?

Das Haar in der Suppe: Solche Schmerzmittel regelmäßig einzunehmen, um sich vor einer Demenz zu schützen, ist sehr problematisch wegen der erheblichen Nebenwirkungen, die Arzneimittel wie Ibuprofen auf Dauer verursachen können. Vor allem im Magen. Auf der anderen Seite haben dieses Problem auch Rheuma-Patienten und behelfen sich mit zusätzlich eingenommenen Säureblockern. Spannend und zukunftsträchtig ist diese Entdeckung also allemal.

Hinweis: Die Studie ist aus dem Jahre 2008.

Autoren: , Dr. med. Monika Steiner, Dr. med. Sonia Trowe & Dr. med. Jörg Zorn

Quellen:

  • Rote Liste Service GmbH, Fachinformation Ibuprofen
  • Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V.
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2008): Therapie des episodischen und chronische Spannungskopfschmerzes und anderer chronischer täglicher Kopfschmerzen
  • www.schmerzklink.de

Kommentare: Archiv

Ibuprofen und Urtikaria
Freitag, den 16. Oktober 2015 um 09:01 Uhr, Redaktion
Hallo Herr Grothues, ja, das ist denkbar. Eine Nesselsucht (Urtikaria) zählt zu den möglichen Nebenwirkungen von Ibuprofen. Wirklich beurteilen kann das aber nur ein Arzt vor Ort.Alles Gute und viele Grüße Dr. J. Zorn

Langzeitwirkung Ibuprofen
Freitag, den 16. Oktober 2015 um 09:01 Uhr, Michael Grothues
Vor zwei Wochen hatte ich eine Knieoperation, habe Ibuprofen bekommen auch noch für Zuhause 3 mal täglich. Drei Tage nach dem Absetzen bekam ich eine starke Nesselsucht. Meine Frage könnte da noch ein Zusammenhang bestehen?

Ibuprofen
Donnerstag, den 15. Oktober 2015 um 08:31 Uhr, Irmgard Hoffmann
Bei schmerzhaftem Schulterproblem habe ich Ibuprofen bekommen vom Arzt. Hatte aber Magengeschwüre vor zwei Jahren, die aufgegangen sind (Teerstuhl), außerdem Bauchspeicheldrüsenentzündung vor drei Jahren. 
Gestern habe ich die erste Ibu genommen, daraufhin Magenschmerzen und Durchfall, gestern den ganzen Tag und heute auch. Was kann ich einnehmen, dass meine Schulterentzündung in den Griff zu bekommen ist? 
Danke und freundliche Grüße

Nebenwirkungen von Ibuprofen
Montag, den 15. September 2014 um 18:09 Uhr, Anonym
Auf der Packungsbeilage steht vielleicht, dass es nur zu 1% vorkommt, dass Menschen solche Nebenwirkungen haben, aber wie will man das erkennen, wenn es zum Beispiel um Gefühlsausbrüche geht. Oder wenn die Leute eine Psychose bekommen und gar nicht mehr einschätzen können, dass mit ihnen etwas passiert. Mein Verdacht ist, dass viel mehr Menschen solche Nebenwirkungen haben. Ich habe das nur mit Hilfe eines Psychiaters geschafft, bei dem ich wegen Depressionen u.a. Symptome Hilfe gesucht habe. Und dass die Hämorrhoiden vom Ibuprofen kamen, weiß ich daher, dass ich sie nur in der Zeit hatte, wo ich es genommen habe, später sind sie mehr und mehr verschwunden. Außerdem weiß ich wie man sich ernährt, ich bin Ökotrophologin.Genauso bei den Warzen. Ich konnte spüren, wie sie wachsen bei der Ibuprofen-Einnahme und nach dem Absetzen sind keine mehr dazu gekommen.

Das ist die Ausnahme
Montag, den 15. September 2014 um 13:16 Uhr, Redaktion
Hallo lieber Leser,wie nahezu alle Schmerzmedikamente kann auch Ibuprofen in seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen verursachen. Das ist aber die Ausnahme, in den allermeisten Fällen überwiegt der Nutzen. Von daher wäre ein Verbot nach unserer Einschätzung nicht gerechtfertigt. Zumindest nicht nach der derzeitigen Datenlage. Aber wenn das Medikament bei Ihnen so schwere Nebenwirkungen ausgelöst hat, verstehen wir auch Ihre sehr kritische Haltung dazu. Wobei mitunter auch schwierig einzuschätzen ist, ob es sich wirklich um eine Nebenwirkung handelt. Hämorrhoiden entstehen ja z.B. eher unabhängig von einer Tabletten-Einnahme.Viele Grüße Ihre Redaktion

Ibuprofen-Nebenwirkungen
Montag, den 15. September 2014 um 13:10 Uhr, Anonym
Ibuprofen kann sich auch sehr stark auf den Gefühlshaushalt auswirken: Aggression, Psychose, Depression, dazu Hämorrhoiden, Warzen und starke Kopfschmerzen. Das habe ich alles gehabt. Bevor einer gemerkt hat, dass es Nebenwirkungen sind, ist viel Zeit vergangen. Ibuprofen hilft bei mir jetzt nicht mehr gegen die Schmerzen. Immer wieder ist es mir danach noch verschrieben worden. Kann es sein, dass Ärzte das mit den Nebenwirkungen gar nicht richtig ernst nehmen und es ihnen auch egal ist? Meiner Meinung nach sollte Ibuprofen verboten werden.

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