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Digitoxin: Wirkung und Nebenwirkungen

Digitoxin (Digimerck®, Digimed®) ist ein sogenanntes Herzglykosid. Sein Wirkstoff Digitalis wird aus dem Fingerhut gewonnen. Es kann die Schlagkraft des Herzens steigern und gleichzeitig die Herzfrequenz senken, so wird die Herzarbeit ökonomischer. Mediziner verschreiben Digitoxin bei Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) und Herzrhythmusstörungen. Vom Digitoxin zu unterscheiden ist das Digoxin (Lanicor®, Novodigal®), ein Schwestermedikament und separater Digitaliswirkstoff.

Im folgenden Text finden Sie Informationen zu Digitoxin, seiner Wirkungsweise und möglichen Nebenwirkungen.    

Auf welche Weise wirkt Digitoxin?

Digitoxin ist vom Prinzip her eigentlich ein Giftstoff, der aber in richtiger Dosierung den Herzmuskel anregt, sich stärker zusammenzuziehen. Außerdem bewirkt Digitoxin eine Senkung der Herzfrequenz. Es wird wegen dieser Wirkungen vor allem bei der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) angewendet. Neben Digitoxin gibt es wie gesagt auch Digoxin, ein Digitalis-Wirkstoff mit ähnlicher Wirkung.   

Problematisch an diesen Stoffen ist, dass sie eine sogenannte geringe therapeutische Breite haben, das heißt, sie werden oft zu hoch oder zu niedrig dosiert. Bei zu hoher Dosierung leiden Betroffene an Übelkeit und Erbrechen, zudem treten vermehrt Rhythmusstörungen auf. Die richtige Dosis zu finden, ist nicht einfach.

Aus welcher Pflanze stammt der Wirkstoff Digitoxin?

Digitoxin wird vor allem aus dem Wolligen Fingerhut oder Roten Fingerhut gewonnen. Vom Fingerhut stammt auch der Name des Grundwirkstoffes "Digitalis". Als Herzmittel ist es schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Der Stoff kommt aber auch in anderen Pflanzen wie Maiglöckchen, Oleander und Adonisröschen vor.

Wie wirken Herzglykoside wie Digitoxin am Herzen?

Die Wirksamkeit von Digitoxin am Herzen entsteht durch einen komplexen Mechanismus an den Zellen des Herzmuskels mit der Folge einer Verschiebung von Mineralstoffen (Salze, Elektrolyte) in den Zellen. Am Ende dieser Wirkungskaskade nimmt der Kalziumgehalt in den Zellen zu. 

Das steigert die Schlagkraft und mit jedem Herzschlag wird mehr Blutvolumen gefördert. Die Folge: Die Blutversorgung des Körpers bessert sich und die Beschwerden der zu geringen Pumpleistung (Schwäche, Atemnot etc.) nehmen ab.

Digitoxin bremst den Puls

Gleichzeitig verzögern Stoffe wie Digimerck die Weiterleitung der Herzerregung von den Vorhöfen zu den Kammern und senken so die Herzfrequenz, den Puls. Deshalb wird Digitoxin nicht nur bei Herzschwäche, sondern auch bei Herzrhythmusstörungen im Bereich der Herzvorhöfe eingesetzt. Zudem haben Digitalispräparate eine entwässernde Wirkung, weshalb sie früher einmal als Diuretikum (Entwässerungsmittel) verabreicht wurden. 

Wann wird Digitoxin eingesetzt?

Digitoxin und auch Digoxin werden eingesetzt, wenn Sie zum Beispiel an Vorhofflimmern mit Herzrasen und schnellem Puls leiden, die üblichen Mittel wie Betablocker das Herz aber nicht stark genug bremsen können. Bei einer Herzschwäche, bei der diese Mittel früher sehr viel verschrieben wurden, verabreichen Mediziner diesen Wirkstoff heutzutage, wenn auch auch hier zusätzlich ein Vorhofflimmern besteht. 

ACE-Hemmer, Betablocker & Co haben Vorrang bei Herzschwäche

Über viele Jahre wurde Digitoxin als Herzmedikament zur Behandlung einer Herzschwäche eingesetzt wurde, bei der der Herzmuskel eingeschränkt pumpt. Inzwischen gibt es neuere Wirkstoffe. die bei Menschen mit Herzschwäche nachweislich einen positiven Einfluss auf die Lebensdauer haben. So konnten Studien für ACE-Hemmer, Betablocker, Aldosteronantagonisten und ARNIs zeigen, dass Menschen mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) von diesen Stoffen profitieren. Ein solch klarer Nachweis fehlt für Digitalispräparate bisher jedoch, wobei hierzu aktuell eine Studie noch läuft (Stand 2019).

Digitoxin bei Herzschwäche

Die aktuellen Behandlungsleitlinien zur Herzschwäche enthalten eine Art Stufenschema, in dem Digitoxin eher eine untergeordnete Rolle spielt. Folgende Wirkstoffklassen werden zur Behandlung einer Herzinsuffizienz dabei vorwiegend eingesetzt:

  • ACE-Hemmer oder bei Unverträglichkeit Angiotensinrezeptorblocker (z.B. Ramipril, Candesartan)
  • Betablocker (z.B. Metoprolol)
  • Aldosteronantagonisten (z.B. Spironolacton)
  • Diuretika bei Wassereinlagerungen (z.B. Furosemid, Torasemid)
  • ARNI (Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren, z.B. Entresto®), wenn oben genannte Medikamente nicht ausreichen

Wann welches Medikament?

Bei einer Herzschwäche empfehlen Spezialisten als erstes den Einsatz von ACE-Hemmer wie Ramipril oder alternativ Angiotensinrezeptorblocker wie Candesartan. Betablocker wie Metoprolol, Carvedilol etc. stehen ebenfalls an vorderster Stelle.

Reichen diese Wirkstoffklassen nicht aus, um Beschwerden und Pumpkraft zu bessern, verschreiben Ärzte Aldosteronantagonisten wie Spironolacton oder Eplerenon. Wassertabletten (Diuretika) helfen, wenn sich Zeichen einer Überwässerung wie zum Beispiel Flüssigkeitsansammlungen in Beinen oder Lunge zeigen.

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Bei schwerer Herzschwäche, die sich auch unter den oben genannten Wirkstoffen nicht ausreichend bessert, wird ein Medikament mit dem Namen Entresto empfohlen. Es ist ein Kombinationspräparat und seit 2017 auf dem Markt. In sehr schweren Fällen erhalten Betroffene besondere Spezialschrittmacher, die das Herz unterstützen.

Digitoxin bei Vorhofflimmern

Digitoxin spielt vornehmlich bei Vorhofflimmern eine Rolle und bei Betroffenen mit Herzschwäche, wenn eben zusätzlich diese Rhythmusstörung vorliegt. Bei zu schnellem Puls, den auch Betablocker oder andere Medikamente nicht adäquat senken, kann Digitoxin helfen. Es bremst den Herzschlag und entlastet so das Herz. 

Eingesetzt werden Medikamente wie Digitoxin daher aktuell zur sogenannten Frequenzkontrolle bei zu schnellem Puls. Ein Betroffener mit Herzschwäche profitiert natürlich davon, wenn die Herzaktion gut eingestellt ist.

Wie wird Digitoxin eingenommen?

In der Regel nimmt man einmal am Tag eine Tablette mit dem Wirkstoff ein. Im  Gegensatz zum Digitoxin (Digimerck®) ist die Dosierung ist bei Digoxin (Lanicor®) von der Nierenfunktion anhängig, denn ein nicht unerheblicher Teil des Arzneimittels wird über die Nieren ausgeschieden.

Auch eine Verabreichung über die Venen ist möglich (Infusion, Spritze), doch können unerwünschte Wirkungen dabei häufiger auftreten, weshalb dies meist nur im Rahmen einer Krankenhausbehandlung möglich ist. Normalerweise ist eine Tabletteneinnahme der Einnahmemodus der Wahl.

Was ist bei der Einnahme von Digitoxin zu beachten?

Wichtig ist: Die vom Arzt verordnete Dosis muss genau eingehalten werden. Die Tabletten sollten regelmäßig zur gleichen Zeit eingenommen werden. Hat man die Einnahme einer Tablette vergessen, sollte beim nächsten Mal keinesfalls die doppelte Menge eingenommen werden.

Bei Auftreten neuartiger Beschwerden wie zum Beispiel Übelkeit kann eine Überdosierung der Grund sein und Sie sollten unbedingt Ihren Arzt informieren bzw. aufsuchen. Der Arzt muss dann von allen zusätzlich eingenommenen Medikamenten und bereits bekannten Erkrankungen wissen, damit er richtig reagieren kann.

Wie wird die richtige Dosierung von Digitoxin eingestellt?

Da Digitoxin nur in einem relativ kleinen Bereich der Dosierung wirksam ist (es ist schnell zu wenig und schnell zu viel) , muss man die Anfangsdosierung und folgende Dosisanpassung sehr umsichtig vornehmen.

Das bedeutet, der Arzt beginnt mit einer niedrigen Dosierung und steigert die Dosis langsam unter Überwachung der Wirkung, bis die individuelle Behandlungsdosis erreicht ist. Zu schnelle Aufdosierungen und zu hohe Dosierungen führen zu Nebenwirkungen oder sogar zu Vergiftungserscheinungen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Digitoxin und Digoxin?

Ja. Die beiden Arzneistoffe haben zwar am Herzen eine ähnliche Wirkung, unterscheiden sich aber sowohl in ihrer Aufnahme über den Darm als auch in der Art der Ausscheidung. Das führt zu einer unterschiedlichen Dauer der Wirksamkeit und auch bezüglich Toxizität zu einigen Unterschieden.

Digoxin: raus über die Nieren = kürzere Wirkdauer

Und nun etwas genauer: Digitoxin und Digoxin sind wie gesagt beides sogenannte Herzglykoside. Das sind ursprünglich aus Pflanzen (Digitalis im Fingerhut) gewonnene Wirkstoffe, die zum einen den Herzschlag beruhigen, zum anderen aber auch die Muskelkraft pro Herzschlag steigern. Sie werden vor allem bei Herzschwäche und Vorhofflimmern eingesetzt, oft in Kombination mit anderen Herzmedikamenten wie zum Beispiel ACE-Hemmer.

Digitoxin wird primär über die Leber abgebaut, Digoxin vor allem über die Nieren ausgeschieden. Das führt zu einer kürzeren Wirkdauer von Digoxin, aber auch zu einer geringeren Vergiftungsgefahr wegen der rascheren Ausscheidung. Auf der anderen Seite ist bei bestehender Nierenschwäche die Toxizität von Digoxin erhöht, so dass hier Digitoxin das Herzglykosid der Wahl wäre.

Bei einer Überdosierung von Digitalis-Präparaten drohen insbesondere Herzrhythmusstörungen.

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Welche Nebenwirkungen kann Digitoxin hervorrufen?

Digitalis-Präparate wie Digitoxin (Digimerck®) aber auch Digoxin (Lanicor®) können wie fast alle Medikamente Nebenwirkungen auslösen. Das heißt aber nicht, dass dies auch bei jedem Behandelten der Fall ist.

Am Herzen kann Digitoxin Herzrhythmusstörungen auslösen. Es können Appetitlosigkeit, Übelkeit und Durchfall auftreten, daneben Kopfschmerzen, Benommenheit und Müdigkeit. Selten kommen Wahrnehmungs- und Stimmungsbeeinträchtigungen vor. Auch allergische Reaktionen auf die Wirkstoffe wurden beschrieben. 

Übelkeit bei Einnahme von Digimerck kann Hinweis auf zu hohe Dosierung sein

Eine spezielle Ausnahme gibt es bei Digimerck®: Wenn Sie bei Ersteinnahme wiederholt Übelkeit verspüren, kontaktieren Sie bitte noch mal Ihren Arzt. Übelkeit ist zwar keine seltene Nebenwirkung, ist aber häufig ein Hinweis darauf, dass auch eine niedrigere Dosierung des Medikaments ausreichend wirksam sein könnte. 

Stimmt es, dass man sich mit Digitoxin vergiften kann?

Ja, zu hohe Dosierungen von Digitalis oder die gleichzeitige Einnahme verschiedener Medikamente können zu Vergiftungserscheinungen führen. Dies betrifft sowohl Digitoxin als auch Digoxin.

Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Herzrhythmusstörungen können bei einer Vergiftung auftreten. Auch Wahrnehmungsstörungen wie Halluzinationen oder Sehstörungen sind möglich. Dies erfordert das sofortige Absetzen des Medikaments und unter Umständen die Verabreichung eines Medikaments gegen die Vergiftung.

Wer darf kein Digitoxin einnehmen?

Bei einigen bestehenden Vorerkrankungen und Vorbedingungen dürfen generell keine Herzglykoside wie Digitoxin oder Digoxin eingenommen werden.

Dies sind Funktionsstörungen der Schilddrüse (Schilddrüsenunterfunktion), Erregungsleitungsstörungen des Herzens, Elektrolytstörungen (Störungen der Mineralstoffe wie Kalzium und Kalium), ein zu langsamer Herzschlag und bestimmte Schädigungen des Herzmuskels. Deshalb sollten Sie bei der Ersteinstellung auf Digitoxin Ihrem Arzt unbedingt alle anderen Erkrankungen nennen, auch wenn sie auf den ersten Blick nichts damit zu tun haben.

Quellen:

  • RoteListe Fachinfo-Service: Digimerck® pico 0,05 mg/ -minor 0,07 mg/-0,1 mg Tabletten
  • Kommentar zu den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) zur Diagnostik und Behandlung der akuten und chronischen Herzinsuffizienz. Kardiologe 2017,11:183–192

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