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Schrittmacher (Herzschrittmacher): Typen und Funktion

Schrittmacher helfen, wenn Herzen zu langsam oder zwischenzeitlich gar nicht schlagen. Manchmal liegt die Ursache darin, dass der körpereigene Taktgeber nicht regelmäßig sondern nur vereinzelt Impulse sendet, manchmal werden diese zu langsam zu den Herzmuskelzellen weitergeleitet. Betroffene verspüren zum Beispiel Luftnot und Schwindel, in Extremfällen leiden sie an Synkopen, Ohnmachtsattacken. 

Verschiedene Schrittmachertypten können sowohl Taktgebung als auch Weiterleitung übernehmen. Im folgenden Text finden Sie Information zu den unterschiedlichen Gerätearten, Ihrer Lebensdauer und wie sie eingebaut werden.  

Aufgabe eines Schrittmachers

Im "gesunden Normalfall" übernimmt der sogenannte Sinusknoten die Funktion des Taktgebers im Herzen. Er besteht aus einer wenige Millimeter großen Ansammlung von Spezialzellen im rechten Vorhof. Hier wird ein kleiner Strom erzeugt, der über Leitungsbahnen zu den Herzmuskelzellen fließt. Die elektrische Stimulation löst dann den Herzschlag, eine Kontraktion, aus.

An verschiedenen Stellen der Verbindungen können nun Störungen auftreten. Entweder fällt die Erregung komplett aus oder die Weiterleitung erfolgt verzögert. In beiden Fällen kann ein Schrittmacher helfend eingreifen, indem er die zwei Aufgaben einzeln oder kombiniert übernimmt. Je nach zugrundeliegendem elektrischem Problem enthält ein Schrittmacher ein oder zwei Sonden. Sie ziehen in der Regel zu den Zellen von Vorhof und/oder Hauptkammer der rechten Herzhälfte. 

Welche Typen von Herzschrittmachern gibt es?

Schrittmacher übernehmen wie gesagt die elektrische Stimulation, wenn herzeigener Taktgeber und Leitungen nicht mehr korrekt arbeiten. Die einzelnen Typen unterscheiden sich dadurch, wie viele Kabel in welche Herzhöhle ziehen.

Schrittmacher mit bis zu drei Sonden

Prinzipiell können alle Sonden Impulse empfangen und senden. Eine Funktion kann zudem separat  "ausgeschaltet" werden. Ihr Arzt programmiert die für Sie immer individuell alle notwendigen Funktionen.

Im folgenden stellen wir Ihnen die drei wichtigsten Schrittmacher-Typen vor:

  • Eine der "einfacheren" Formen ist der Einkammerschrittmacher im VVI-Modus (Kammerbedarfsstimulation). Hier zieht eine Sonde in die rechte Hauptkammer des Herzens. Wenn eine herzeigene Erregung den Muskel nicht erreicht, gibt die Sonde einen Impuls ab, so dass Herzaktion und Herzschlag ausgelöst werden.
  • Beim Zweikammerschrittmacher liegt sowohl in der rechten Kammer als auch im rechten Vorhof je ein Kabel. Es übernimmt bei Bedarf die Impulsabgabe für den Sinusknoten und koppelt, wenn nötig, auch die Kammeraktion daran.
  • Eine Sonderform bildet der Dreikammerschrittmacher. Er wird auch biventrikulärer oder CRT-Schrittmacher genannt. Neben den beiden Sonden, die auch hier im rechten Vorhof und der rechten Kammer liegen, zieht zusätzlich ein Kabel auf die linke Herzseite zur Hauptkammer.

Für wen eignet sich welches Gerät?

Ein- und Zweikammerschrittmacher werden eingesetzt, wenn das Herz zu langsam oder gelegentlich gar nicht schlägt. Ein Einkammerschrittmacher im VVI-Modus wird zum Beispiel bei Menschen mit Vorhofflimmern eingesetzt, die teils zwar einen zu schnellen, gleichzeitig aber auch einen zu langsamen Puls haben.

Der Zweikammerschrittmacher wird dagegen zum Beispiel gewählt, wenn die herzeigene Überleitung zwischen Vorhof und Hauptkammer zu langsam ist (AV-Block). Ausschlaggebend für die Wahl des jeweiligen Typen ist, wo in der herzeigenen elektrischen Impulsabgabe oder Weiterleitung das Problem liegt.

Der Dreikammerschrittmacher wird bei auserwählten Menschen mit einer schweren Herzschwäche gewählt. Bei ihnen pumpen die beiden Hauptkammern nicht mehr synchron, da die Erregungsleitung zwischen rechter und linker Hauptkammer stark verlangsamt ist. Sie schlagen etwas zeitversetzt, was die schon reduzierte Pumpkraft weiter verschlechtert. Der Dreikammerschrittmacher koppelt hier die Kammererregung so, dass linkes und rechtes Herz synchron schlagen.

Ihr EKG entscheidet

Manchmal verändern sich Herzrhythmusstörungen im Laufe der Zeit. Schrittmacherfunktionen und Modi können dann umgestellt oder "nachgerüstet" werden. Auch eine Defibrillatorfunktion kann hinzugefügt werden.

Welcher Schrittmacher-Typ und Modus für Sie der richtige ist, entscheidet Ihr Arzt anhand Ihrer Beschwerden, des Ruhe- und 24-Stunden-Langzeit-EKGs sowie des Herzultraschalls.

Wie lange hält die Batterie eines Herzschrittmachers?

Wann eine Batterie erschöpft ist, hängt davon ab, wie viel der Schrittmacher für Sie arbeiten muss. In der Regel hält sie 6 bis 10 Jahre, eine festgelegte Lebensdauer gibt es jedoch nicht.

Schrittmacher brauchen Energie

Ein Herzschrittmacher hat verschiedene Funktionen. Er misst herzeigene Aktionen, wertet sie aus und sendet elektrische Impulse an den Herzmuskel, wenn das Herz zu langsam oder zu selten schlägt. All diese Aufgaben verbrauchen Energie.

Bei einigen Menschen muss er selten eingreifen und hat überwiegend eine Back-up-Funktion. In diesem Fall wird seine Batterie kaum belastet. Muss er hingegen fast die gesamte Zeit die elektrische Funktion des Herzens übernehmen, so ist der Energieverbrauch deutlich größer.

Alle sechs Monate zur Kontrolle

Ein Herzschrittmacher muss halbjährlich überprüft werden. Hier messen die Mediziner, ob Empfang der Signale und Abgabe von Stromimpulsen korrekt funktionieren. Das Gerät errechnet zudem aus verschiedenen Messwerten, ob der Batteriestatus generell noch ausreichend ist, oder ob die Batterie bald erschöpft sein wird. Die Abkürzung ERI steht dabei zum Beispiel für "elective replacement indication" und bedeutet, dass ein Termin zum Batteriewechsel geplant werden sollte.

Wenngleich es also keine festgelegte Lebensdauer für die Batterie Ihres Schrittmachers gibt, so geben die durchgeführten Kontrollen Angaben darüber, ob die Batterie zum Zeitpunkt des Tests noch ausreicht.

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Damit Ihr Schrittmacher Ihnen durchgehend Schutz bieten kann, ist es wichtig, dass Sie Ihre Kontrolltermine beim Kardiologen wahrnehmen und, wenn nötig, die Batterie austauschen lassen.

Wie wird ein Herzschrittmacher eingebaut?

Ein Schrittmacher kann in der Regel mit einer kleinen Operation eingesetzt werden. Eine Vollnarkose ist hier eher selten nötig, oft reichen Schlafspritzen und eine lokale Betäubung. Je nach Erkrankung können Sie nach einer Nacht in der Klinik am Folgetag wieder nach Hause gehen.

Ein kleiner Computer

Der häufigste Grund für den Einbau eines Schrittmachers sind Herzrhythmusstörungen. Meist schlägt das Herz ein wenig zu langsam oder setzt zwischenzeitlich aus. Gelegentlich kann das Gerät auch bei schnellen Rhythmusstörungen oder bei Herzschwäche notwendig sein.

Ein Herzschrittmacher besteht aus einem Computer, der in etwa so groß wie eine flache Streichholzschachtel ist, und ein bis zwei Kabeln. Der Rechner selbst wird unter der Haut, meist unterhalb Ihres linken Schlüsselbeines platziert. Durch Gefäße laufen die Kabel vom Rechner zum Herzen. Über die Kabel können Rhythmus und Herzschlag direkt gemessen und bei Aussetzern kleine elektrische Impulse an das Herz abgeben werden.

Drähte ziehen zum Herzen

Vor dem Eingriff müssen Sie mehrere Stunden nüchtern sein. Er wird im Operationssaal oder auch einem Herzkatheterlabor durchgeführt. Die Ärzte tragen meist die typische grüne OP-Kleidung und darüber einen sterilen Umhang, sterile Handschuhe und einen Mundschutz. Das Operationsgebiet wird desinfiziert, steril gewaschen und mit Tüchern abgedeckt. Mit der Schlafspritze und der lokalen Betäubung beginnt dann der Eingriff.

Herzschrittmacher

Als erstes muss der Arzt die Schrittmacherkabel zum Herzen vorschieben. Der Weg führt in der Regel durch die Venen (Gefäße) in der Nähe des Schlüsselbeins. Hier legt er kleine Schleusen, über die er dann die Drähte an die richtige Stelle im Herzen vorschieben kann. Mit Ankern oder kleinen Minischrauben können die Kabelspitzen hier festgemacht werden. Zur Kontrolle werden Röntgenbilder gemacht, auf denen man die Drähte sehen kann.

Für den Herzschrittmacher selbst wird eine kleine Lücke im Unterhautgewebe – wie gesagt meist am linken oberen Brustkorbbereich unterhalb des Schlüsselbeines – freigemacht. Die Haut über dem Gehäuse wird zugenäht. Sie können ihn im Alltag ein wenig spüren, wenn Sie Ihre Hand an diese Stelle legen. Ärzte sprechen auch von einer Schrittmachertasche, wobei natürlich keine Tasche eingebaut wird. Sichtbar ist sie für Außenstehende nicht.

Nach der Operation

Am Tag nach dem Einbau wird ein Röntgenbild gemacht, um sicher zu sein, dass die Kabel an der richtigen Stelle liegen und dass die Lunge während der Operation nicht verletzt wurde. Auch die Schrittmacherfunktion muss noch kontrolliert werden, falls die Ärzte dies nicht schon während der OP gemacht haben. Hier testen sie, ob Signale aus dem Herzen gut empfangen werden und ob die Impulsabgabe korrekt funktioniert.

In den folgenden Tagen nach der Operation müssen Sie Ihren Schulter-Arm-Bereich etwas schonen, damit es nicht zu einer Einblutung kommt. Daher dürfen Sie eine Zeit lang nicht schwer tragen, heben oder Radfahren. Wenn alles gut verheilt ist, können je nach Nahtmaterial nach 7 bis 10 Tagen die Fäden gezogen werden. Gelegentlich wird auch ein selbstauflösender Faden benutzt.

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Sechs Wochen nach der Operation müssen Sie sich noch einmal bei den Ärzten zu einer Schrittmacherkontrolle vorstellen. Dann sind die Spitzen der Kabel im Herzen und Herzmuskel gut eingewachsen, und die endgültige elektrische Einstellung kann erfolgen. Langfristig müssen Sie dann alle 6 Monate zur Kontrolle, meist bei einem niedergelassenen Kardiologen.

Freie Fahrt mit Herzschrittmacher im Elektroauto

In Zeiten der zunehmenden Elektromobilität stellt sich für Menschen mit elektrischen Herzimplantaten (Herzschrittmacher, Defibrillator) die Frage, ob ihre Geräte auf die elektromagnetischen Felder reagieren und davon beeinflusst werden könnten. Aus dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V. (DZHK) kam 2018 Entwarnung.

Zuverlässigkeit ist das A und O

Wer einen Herzschrittmacher oder einen Defibrillator (ICD) trägt, ist darauf angewiesen, dass das Gerät korrekt funktioniert, den Herzrhythmus zuverlässig aufrechterhält bzw. dem Herzen bei Bedarf – und zwar nur dann – auf die Sprünge hilft. In der heutigen vernetzten Digitalwelt sind wir allerdings von unzähligen unsichtbaren Wellen und Energien umgeben, die möglicherweise Störfaktoren für die feinen Präzisionsgeräte darstellen.

Tatsächlich können starke Elektromotoren in Bohrmaschinen oder Schweißgeräten einen Schrittmacher irritieren. Auch MRT-Untersuchungen sind für Menschen mit Elektroimplantaten ungeeignet. Elektrische Haushaltgeräte gelten hingegen weitgehend als unproblematisch. Sie müssen also in Zukunft weder das Arbeiten am Computer einstellen noch aufs Kochen am Induktionsherd verzichten, wobei hier von den Herstellern zum Teil Sicherheitsabstände angegeben werden.

Unterwegs im Elektroauto

Aber wie sieht es mit dem Autofahren aus? Sie haben von Ihrem Arzt grundsätzlich die Erlaubnis zum Führen eines PKW bekommen und liebäugeln schon lange mit einem Elektroauto? Dann steht dem nichts entgegen. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam des DZHK am Deutschen Herzzentrum München.

Die Wissenschaftler untersuchten 108 Träger von Herzschrittmachern oder Defibrillatoren, wobei auf unterschiedliche Geräte und Hersteller geachtet wurde. Außerdem standen verschiedene Testautos zur Verfügung. Hybridbetriebene Fahrzeuge zählten nicht dazu. Während der Fahrt wurde die Stärke des elektromagnetischen Felds gemessen. Parallel dazu wurden die Schrittmacherfunktion und das EKG der Probanden überwacht.

Sämtliche Implantate hielten dem Test stand und ließen sich in ihrer Funktion nicht irritieren. Sie setzten weder aus noch gaben sie inadäquate Impulse ab. Der Weg zur umweltfreundlichen Elektromobilität steht Ihnen also auch mit Herzschrittmacher offen.

Auch interessant

Vom Schrittmacher generell zu unterscheiden sind die Defibrillatoren (Defis), wobei auch diese oft eine Schrittmacherfunktion besitzen. Genauere Informationen zu Defis und dem Unterschied zu Schrittmachern finden Sie hier.

Autorin: 

Quellen:

  • Schrittmacher- und kardiale Resynchronisationstherapie. ESC Pocket Guidelines. 2013 ESC Guidelines on cardiac pacing and cardiac resynchronization therapy The Task Force on cardiac pacing and resynchronization therapy of the European Society of Cardiology (ESC). Developed in collaboration with the European Heart Rhythm Association (EHRA)
  • Herzschrittmachertherapie, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Pocket-Leitlinien. Kurzfassung der Leitlinien "Leitlinien zur Herzschrittmachertherapie" Zeitschrift für Kardiologie, Band 94, Heft 10. Z Kardiol: 94:704-720 (2005)
  • Studie: Lennerz C et al. Electric Cars and Elektromagnetic Inteference With Cardiac Implantable Elecronic Devices: A Cross-sectional Evaluation. Ann Intern Med. 2018 Apr 24. DOI: 10.7326/M17-2930.

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