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AV-Block (Atrioventrikulärer Block): Ursachen, Symptome und Therapie

Was ist ein atrioventrikulärer Block (kurz AV-Block)? Ist das gefährlich? Wie wird er behandelt und wer braucht einen Herzschrittmacher? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie im folgenden Beitrag.

Was ist ein atrioventrikulärer Block (AV-Block)?

Für den regelmäßigen Herzschlag sind Erregungs- und Leitungszentren des Herzens verantwortlich. Der AV-Knoten (Atrioventrikularknoten) ist eines dieser Zentren. Normalerweise wird die Erregung automatisch und regelmäßig im sogenannten Sinusknoten im rechten Vorhof generiert und von dort über den AV-Knoten zur Herzkammer weitergeleitet. Leiten die Zellen des AV-Knotens die Erregung nicht oder nur teilweise weiter, ist der Herzrhythmus der Herzkammern vermindert.

Viele verschiedene Ursachen möglich

Ein AV-Block kann vielfältige Ursachen haben. Bei älteren Menschen liegen häufiger degenerative Veränderungen zugrunde. Auch ein Herzinfarkt oder Herzmuskelentzündungen können die Zellen der Erregungszentren geschädigt haben. Darüber hinaus spielen manchmal auch Medikamente eine Rolle, die den Herzschlag verlangsamen. Dazu gehören Betablocker gegen Bluthochdruck oder Digitalis gegen Herzschwäche. Auch herzchirurgische Eingriffe können zu einer Gewebeschädigung geführt haben.

Die Folge eines AV-Blocks: Bei einem zu geringen Schlag der Herzkammern wird zu wenig Blut in den Körper ausgeworfen. 

Welche Schweregrade des AV-Blocks lassen sich unterscheiden?

Je nach Ausprägung der Blockierung der Reizweiterleitung im atrioventrikulären Knoten (AV-Knoten) lassen sich drei Grade des AV-Blocks unterscheiden.

  • AV-Block 1.Grades: Die Impulse des primären Erregungszentrums, des Sinusknotens, werden verzögert zum AV-Knoten weitergeleitet. Es handelt sich im eigentlichen Sinne nicht um eine blockierte Weiterleitung. Deshalb entstehen bei einem AV-Block ersten Grades keine Beschwerden. Veränderungen lassen sich lediglich in der Elektrokardiographie (EKG) nachweisen.
  • AV-Block 2. Grades: Die Signale des Sinusknoten werden nicht alle vom AV-Knoten weitergeleitet. Man unterscheidet zwei Typen des Blocks: Beim Wenckebach-Block (Typ 2a) kommt es zunächst zu immer länger verzögerten Weiterleitungen, bis eine Erregung komplett ausfällt. Beim Mobitz-Block (Typ 2b) fällt plötzlich eine Weiterleitung im AV-Knoten aus, ohne dass es vorher zu einer verzögerten Weiterleitung gekommen ist.
  • AV-Block 3. Grades: Die Erregungsweiterleitung über den AV-Block ist komplett unterbrochen.

Wie macht sich ein AV-Block bemerkbar?

Ein AV-Block ersten Grades verursacht keine Beschwerden, da alle Erregungen des Sinusknotens im Vorhof auf den AV-Knoten übergeleitet werden.

Beim AV-Block 2. Grades ist die Symptomatik je nach Typ unterschiedlich. Beim Wenckebach-Block (Typ 2a) ist der Herzschlag unregelmäßig, da Erregungen vom Vorhof zunächst verzögert weitergeleitet werden, bis ein Schlag komplett ausfällt. Beim Mobitz-Block (Typ 2b) dagegen ist der Herzschlag regelmäßig, jedoch möglicherweise verlangsamt. Beschwerden müssen jedoch nicht auftreten.

Beim AV-Block 3. Grades, dem totalen Block, schlägt das Herz deutlich langsamer als normalerweise. Die Herzfrequenz kann unter 40 Schläge pro Minute betragen, so dass die Pumpleistung des Herzens zu gering ist. Daraus entwickeln sich letztlich auch die Symptome. Es kann zu Schwindel und Ohnmachtsanfällen (Adams-Stokes-Anfälle) kommen, da das Gehirn zu wenig Sauerstoff erhält. Es entsteht eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz), da das Herz den Körper nicht mit genügend Blut und Sauerstoff versorgen kann.

Wie wird ein AV-Block diagnostiziert?

Für die Diagnose eines AV-Blocks ist die Ableitung eines Elektrokardiogramms (EKG) nötig. Auch ein Langzeit-EKG wird in der Regel angefertigt.

Zusätzlich erhalten manche Betroffene einen sogenannten Event-Rekorder, der das EKG längerfristig auch im Alltag aufzeichnet. Mittels Belastungs-EKG (auf dem Fahrrad sitzend) lassen sich belastungsabhängige Beschwerden und EKG-Veränderungen identifizieren.

Da der AV-Block 1. und 2. Grades häufig keine Beschwerden verursacht, ist das EKG die Methode der Wahl, um diese Störungen aufzudecken.

Wann muss ein AV-Block behandelt werden?

Ist die Ursache des AV-Blocks eine Erkrankung oder Medikamente, sollte man hier ansetzen. Medikamente kann man absetzen oder durch andere ersetzen. Zugrundeliegende Erkrankungen wie eine koronare Herzkrankheit müssen behandelt werden. Die Herzrhythmus- und Frequenzveränderungen können sich dann auch wieder zurückbilden.

Darüber hinaus bestehen beim AV-Block 1. Grades und beim AV-Block 2. Grades vom Wenkebach-Typ meist keine Beschwerden, und eine Behandlung ist hier in der Regel nicht nötig. Beim AV-Block zweiten Grades vom Mobitz-Typ und beim AV-Block 3. Grades kann hingegen die Implantation eines Herzschrittmachers notwendig werden.

Worin besteht die Gefahr bei einem AV-Block 3. Grades?

Bei einem AV-Bock 3. Grades ist die Erregungsweiterleitung im AV-Knoten komplett unterbrochen, weshalb die Herzfrequenz zu langsam ist. Die Herzkammern werfen zu wenig sauerstoffreiches Blut in den Körper aus, so dass Symptome der Herzschwäche entstehen können. 

Darüber hinaus kann es zu Durchblutungsstörungen des Gehirns kommen, was sich in Form von Schwindel und Bewusstlosigkeit äußern kann. Es kann auch zu Anfällen kommen, die jedoch keine epileptischen Anfälle sind (Adams-Stokes-Anfälle). Bestehen diese Anfälle zu lange, besteht die Gefahr des Atemstillstands. Deshalb ist der AV-Block 3. Grades gefährlich und muss behandelt werden.

Warum ist ein AV-Block 3. Grades potenziell lebensgefährlich?

Neben kurzzeitigen Bewusstseinsverlusten, die allein schon aufgrund von möglichen Stürzen und Verletzungen gefährlich sind, kann es durch einen Ausfall des AV-Knotens zu einem längeren Sauerstoffmangel des Gehirns mit einem Atemstillstand kommen. 

Besonders gefährlich ist die Zeitspanne, in der die Herzkammern nicht schlagen, bis ein Ersatzrhythmus im Bereich des AV-Knoten oder darunter anspringt. Diese Zeitspanne nennt man auch präautomatische Phase.

Grundsätzlich sind der AV-Knoten und auch unterhalb des Knotens liegende Erregungszentren in der Lage, einen Herzrhythmus zu produzieren – allerdings ist dieser wesentlich langsamer als der vom primären Erregungszentrum, dem Sinusknoten, erzeugten Herzrhythmus.

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Autorin: 

Quellen:

  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019; ISBN 978-3-9814660-8-9

Kommentare: Archiv

AV-Block 3. Grades (Reanimation/3 Minuten)
Freitag, den 24. Mai 2019 um 18:59 Uhr, Dieter
Vor 2 Wochen habe ich diese Erfahrung gemacht und wollte wissen, ob man daraufhin auch eine Erwerbsminderungsrente bekommt? Hatte schon einen Vorderwandinfarkt sowie Parkinson und Diabetes.

 

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