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Adalimumab (Humira): Wirkung und Nebenwirkungen

Der Antikörper Adalimumab gehört zur Gruppe der TNF-α-Antagonisten. Dies sind Biopharmaka, die den Entzündungsbotenstoff Tumornekrosefaktor alpha (TNF-α) im Körper hemmen. Die biotechnologisch hergestellten Arzneimittel werden in der Behandlung von entzündlichen und Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Mehr zu Adalimumab erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Wie wirkt Adalimumab (Humira) bei Psoriasis?

Als biotechnologisch hergestellte Substanz führt Adalimumab bei der Schuppenflechte zu einem Rückgang der Entzündungsreaktion. Biologika (oder auch Biopharmaka) sind gentechnisch hergestellte Eiweiße, die aus lebenden Zellkulturen gewonnen werden und unseren körpereigenen Stoffen sehr ähneln. Die in der Psoriasis-Behandlung eingesetzten Biologika wirken gezielt auf bestimmte Eiweiße in unserem Körper, die sogenannten Zytokine (Entzündungsbotenstoffe).

Zytokine dienen der Kommunikation zwischen verschiedenen Zellen, sie steuern das Zellwachstum und die Zellentwicklung. Es gibt verschiedene Gruppen von Zytokinen: Tumornekrosefaktoren (TNF), Interleukine (IL), Interferone (IFN) und kolonienstimulierende Faktoren.

Die Aufgaben des Botenstoffes TNF-α

Der Entzündungsbotenstoff Tumornekrosefaktor α (TNF-α) hat vielfältige Aufgaben im Bereich der Zellaktivität unserer Körperabwehr. So kann TNF-α die Ausschüttung anderer Körpersignalstoffe anregen, aber auch für Zellwachstum, -entwicklung und Zelltod sorgen. Er wirkt u.a. auf die Blutgerinnung, die Verwertung von Insulin und den Fettstoffwechsel, löst Fieber aus und ist mitbeteiligt an der Kachexie bei bestimmten Krankheiten (krankhafter Gewichtsverlust beispielsweise im Rahmen einer Tumorerkrankung).

Eine lokal erhöhte Konzentration des Tumornekrosefaktors α führt zu den klassischen Entzündungssymptomen wie Überwärmung, Schwellung, Rötung und Schmerz. Bei hohen Gesamtmengen von TNF-α im Körper kann es sogar zu einer Schocksymptomatik kommen, die sich u.a. in einer beschleunigten Atmung, Kaltschweißigkeit und einem niedrigen Blutdruck, verbunden mit einem rasenden Puls ausdrückt. Dieser Zustand kann lebensbedrohlich werden.

Die Familie der TNF-α-Blocker

TNF-α-hemmende Medikamente finden vor allem in der Rheumatherapie Verwendung. Aber auch bei der Behandlung der Psoriasis-Arthritis und der Psoriasis vulgaris werden sie immer häufiger verordnet.

Folgende TNF-α-Antagonisten werden derzeitig in Deutschland (Stand 03/2018) zur Therapie der mittelschweren bis schweren Psoriasis vulgaris eingesetzt:

  • Etanercept (Enbrel®)
  • Infliximab (Remicade®)
  • Adalimumab (Humira®)

Während Etanercept ein sogenanntes Fusionsprotein ist, handelt es sich bei den anderen beiden Wirkstoffen um Antikörper. Das sind eigentlich Abwehrstoffe, die unser Körper bildet, wenn Gefahr in Verzug ist. Wird er z.B. von Infektionserregern wie Bakterien oder Viren angegriffen, bringt er die Antikörper in Stellung, um gegen die Eindringlinge vorzugehen.

Bei Autoimmunerkrankungen ist diese Reaktion aus dem Ruder gelaufen und richtet sich irrtümlicherweise gegen den eigenen Organismus. Das führt im Falle der Schuppenflechte zu der überschießenden Entzündungsreaktion mit den entsprechenden Folgen.

TNF-α-Blocker im Einsatz gegen die Entzündung

Biologika imitieren oder hemmen die Funktion natürlich vorkommender Proteine. Im Falle der TNF-α-Blocker hemmen diese, wie der Name schon sagt, den Entzündungsbotenstoff Tumornekrosefaktor α. Dadurch verhindern sie seine Wirkung im Bereich der Körperabwehr und führen so zu einem Rückgang der Entzündungsreaktion.

Etanercept (Enbrel®) bindet als Eiweißmolekül an TNF-α. Dadurch kann der gebundene Tumornekrosefaktor nicht mehr an seinen natürlichen, an der Zelloberfläche befindlichen Rezeptor (Schlüssel-Schloss-Prinzip) andocken und somit auch keine Entzündungsprozesse auslösen.

Adalimumab (Humira®) und Infliximab (Remicade®) binden als Antikörper ebenfalls an TNF-α. Dadurch entsteht eine sehr stabile Verbindung (ein sogenannter Immunkomplex), die dafür sorgt, dass das Zytokin Tumornekrosefaktor α ausgeschaltet wird.

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Während es sich bei Humira® um einen humanen (menschlichen) monoklonalen Antikörper handelt, spricht man bei dem Medikament Remicade® von einem chimären Antikörper. Das bedeutet, dass der Antikörper Bestandteile von Mensch und Maus enthält.

Wie wende ich Humira (Adalimumab) bei Psoriasis an?

Der TNF-α-Antagonist Adalimumab gehört zu den Biologika. Diese gentechnisch hergestellten Wirkstoffe ähneln sehr unseren körpereigenen Eiweißen. Durch ihr gezieltes Eingreifen in die überschießenden Abläufe des Immunsystems hemmen sie auch die Entzündungsreaktionen bei der Psoriasis. Im Falle von Humira® wird der Wirkstoff unter die Haut gespritzt.

Tabletten schlucken leider nicht möglich

Die als "biologische Medikamente" bezeichneten Arzneien werden aus lebenden Zellkulturen biotechnologisch hergestellt. Es handelt sich hierbei um Eiweiße, die identisch sind mit unseren körpereigenen Stoffen und zielgerichtet direkt in das biologische Geschehen eingreifen können. Allerdings können Biologika aufgrund ihrer relativ großen Eiweißstruktur nur unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes in den Körper aufgenommen werden.

Der eine oder andere von Ihnen wird sich sicherlich fragen, ob man Biologika wie Adalimumab (Humira®) nicht auch als Tablette einnehmen könnte. Das ist leider nicht möglich. Die Eiweißstrukturen würden im Magen-Darm-Trakt zerstört werden und wären somit wirkungslos. Aus diesem Grund gibt es Biologika weder als Tabletten noch als Kapseln, Sirup oder in jeglicher anderen, über den Mund aufzunehmenden Darreichungsform.

Spritzen – in den Bauch oder in die Vene?

Manche Biologika werden als Infusion direkt in die Vene gegeben. Damit findet der Wirkstoff unmittebar den Weg in den Blutkreislauf und kann sofort seine Zielstrukturen angreifen.

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Diese Darreichungsform kann allerdings nur unter ärztlicher Aufsicht in der Klinik oder Arztpraxis erfolgen. Man sollte in diesem Zusammenhang aber wissen, dass nicht jeder niedergelassene Dermatologe diese aufwendige Therapie (z.B. mit dem Biologikum Remicade®) anbietet. Häufig sind es lediglich wenige Schwerpunktpraxen oder die Hautkliniken, die diese Behandlungsform durchführen.

Eine häufigere Variante bei den Biologika ist die Verabreichung des Wirkstoffes unter die Haut. Auch Humira® wird als sogenannte subkutane Injektion ins Unterhautfettgewebe gespritzt. Der Vorteil ist, dass Sie sich die Injektionen, natürlich nach einer ersten Anleitung in Ihrer Hautarztpraxis, im Verlauf problemlos selber spritzen können.

Bei dem Wirkstoff Adalimumab (Humira®) haben Sie sogar die Möglichkeit, zwischen Fertigspritzen (ähnlich den Thrombosespritzen) oder dem Fertigpen (Automatikspritze wie bei den Diabetikern) zu wählen. Letztendlich müssen Sie das zusammen mit Ihrem Arzt entscheiden. Gespritzt wird entweder ins Bauchfett oder in das Unterhautfettgewebe der Vorderseite Ihrer Oberschenkel.

Behandelt wird alle zwei Wochen

Für die Behandlung mit Humira® bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis vulgaris gibt es ein empfohlenes Dosierungsschema. In der Regel werden Sie Ihre Therapie mit einer einmaligen Dosis von 80 mg Adalimumab beginnen. Dieser Einstiegsdosierung folgt bereits eine Woche später eine erneute Injektion mit 40 mg. Erst ab diesem Zeitpunkt beginnt die als Erhaltungstherapie bezeichnete dauerhafte Behandlung mit Humira® 40 mg alle zwei Wochen.

Sollte Ihr Dermatologe feststellen, dass die Psoriasis bei Ihnen trotz viermonatiger Therapie noch nicht ausreichend auf den Wirkstoff Adalimumab angesprochen hat, wird er Ihnen empfehlen, die Dosierung zu erhöhen. Bei einer guten Verträglichkeit des Medikaments würden Sie dann zukünftig bereits wöchentlich 40 mg Adalimumab spritzen müssen.

Allerdings sollte die Therapie beendet werden, falls zwei Monate nach Erhöhung der Dosierung immernoch keine Besserung eingetreten ist. Wird jedoch ein ausreichendes Ansprechen erreicht, so erfolgt im Verlauf wieder eine Dosisreduktion auf 40 mg jede zweite Woche.

Wann darf ich Humira bei Psoriasis nicht nehmen?

Nicht jeder Psoriatiker kann eine Therapie mit dem Biologikum Humira® (Adalimumab) in Anspruch nehmen. Insbesondere die immununterdrückende Wirkung des Arzneimittels, die entscheidend für den Behandlungserfolg bei den Autoimmunerkrankungen ist, ist gleichzeitig auch der begrenzende Faktor bei einer möglichen Verordnung.

Die Idee hinter den Biologika

Die auch als Biopharmaka bezeichneten "biologischen Medikamente" haben die Therapie der Autoimmunerkrankungen revolutioniert. Durch den nahezu identischen Aufbau dieser gentechnologisch hergestellten Eiweiße mit unseren körpereigenen Stoffen haben sich auch in der Behandlung der Psoriasis ganz neue Möglichkeiten eröffnet.

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Im Falle der Schuppenflechte wirken die (aus lebenden Zellkulturen gewonnenen) Biologika gezielt auf bestimmte Entzündungsbotenstoffe der Körperabwehr. Diese als Zytokine bezeichneten Eiweiße sind in unserem Immunsystem sowohl für die Kommunikation der Zellen untereinander als auch für Zellwachstum und -entwicklung zuständig.

Es gibt verschiedene Gruppen von Zytokinen: Tumornekrosefaktoren (TNF), Interleukine (IL), Interferone (IFN) und kolonienstimulierende Faktoren.

Das passiert, wenn man TNF-α hemmt

Biologika wie Adalimumab (Humira®) gehören zu den TNF-α-Antagonisten. Sie hemmen gezielt den Entzündungsbotenstoff Tumornekrosefaktor α und sorgen damit für einen Rückgang der Entzündungsreaktion bei der Schuppenflechte.

Allerdings hat die zielgerichtete Unterdrückung des überschießenden Immunsystems auch Auswirkungen auf die Körperabwehr im Kampf gegen Infektionen. Diese haben unter einer Behandlung mit Humira® nun ein viel leichteres Spiel.

Aus sonst harmlosen bakteriellen oder viralen Infektionen können plötzlich ernsthafte Erkrankungen werden. Insbesondere bereits bestehende, schlummernde Infektionen (Hepatitis, Tuberkulose) können unter Humira® reaktiviert werden und Probleme bereiten.

Ganz oder halb tabu

Aus oben genannten Gründen erklärt sich dann auch, warum Psoriatiker mit einer aktiven Tuberkulose oder einer anderen schweren Infektion nicht mit Adalimumab behandelt werden dürfen. Eine weitere, absolute Gegenanzeige bei der Behandlung mit Humira® ist eine mäßige bis schwere Herzinsuffizienz (Herzschwäche).

Es gibt aber auch bestimmte schwere Vorerkrankungen, bei denen eine Behandlung mit Adalimumab dennoch möglich ist. Allerdings müssen hierbei die Vor- und Nachteile einer Biologika-Therapie genauestens gegeneinander abgewogen und die Betroffenen engmaschig beobachtet werden.

Zu den relativen Gegenanzeigen gehören: schwere Lebererkrankungen, demyelinisierende Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose), bösartige Tumoren und lymphoproliferative Erkrankungen (gutartige oder bösartige Vermehrung der zu den weißen Blutkörperchen gehörenden Lymphozyten).

Vorsicht bei Impfungen und Schwangerschaft

Wenn Sie mit dem Biologikum Adalimumab behandelt werden, dürfen Sie gleichzeitig zwar auch Impfungen erhalten, es dürfen aber KEINE Lebendimpfstoffe sein! Zu den Lebendimpfstoffen, bei denen echte (wenn auch abgeschwächte) Krankheitserreger verabreicht werden, gehören beispielsweise die Masern-, Mumps-, Röteln- und Grippe-Impfungen. Es gibt aber noch viele andere, die dazu gehören.

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass Sie Ihre behandelnden Ärzte immer über Ihre Therapie mit Humira® informieren und jegliche neue Medikation oder Impfung in diesem Zusammenhang kritisch hinterfragen.

Als Frau im gebärfähigen Alter sollten Sie zur Vermeidung einer Schwangerschaft geeignete Empfängnisverhütungsmethoden anwenden, da das Medikament dem Ungeborenen Schaden zufügen kann. Diese sollten Sie sogar für mindestens fünf Monate nach der letzten Gabe von Humira® fortführen, da die Ausscheidung des Biologikums bis zu vier Monate dauern kann. Es wird ebenfalls davon abgeraten, unter einer Therapie mit Adalimumab bzw. bis zu fünf Monate danach zu stillen.

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Wie wirkt Adalimumab gegen Rheuma?

Adalimumab ist ein sogenannter TNF-Blocker. Das Medikament blockiert den Tumor-Nekrose-Faktor, einen Signalstoff des Immunsystems, der bei entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma oft stark erhöht ist. Im Handel ist Adalimumab unter dem Markennamen Humira®.

Antikörper gegen den Entzündungsreiz

Chemisch handelt es sich bei Adalimumab um einen künstlich hergestellten menschlichen Antikörper. Er bindet hochspezifisch an den Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) und kann diesen Entzündungsstoff im Körper neutralisieren. TNF wiederum wird vom Körper immer dann vermehrt gebildet, wenn Immunprozesse aktiv sind. Wenn also etwas abgewehrt werden soll. Auch bei Rheuma ist TNF aktiv, in diesem Fall fälschlicherweise, weil körpereigene Gewebestrukturen als feindlich gedeutet und angegriffen werden.

Wird bei einer rheumatischen Erkrankung also der Tumor-Nekrose-Faktor mit dem Antikörper gehemmt, geht auch die Entzündung zurück. Adalimumab kann bei schwerem Rheuma nachweislich die Beschwerden lindern, außerdem wird das Fortschreiten der Erkrankung gebremst.

Allerdings ist die Unterdrückung des Entzündungsreizes so stark, dass das gesamte Immunsystem in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Abwehrkraft nimmt ab, die Infektionsgefahr nimmt zu. Deshalb unter anderem sind TNF-Blocker wie Adalimumab nur dann eine Option, wenn die rheumatischen Beschwerden sehr ausgeprägt sind und andere Medikamente keinen befriedigenden Erfolg erzielen. Adalimumab wird dann in der Regel in Kombination mit dem ebenfalls entzündungshemmenden Wirkstoff Methotrexat angewendet.

Mögliche Einsatzgebiete von Humira® sind u.a.:

Humira® muss unter die Haut gespritzt werden, in der Regel einmal alle zwei Wochen.

Wie wirkt Adalimumab (Humira) bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Adalimumab (Handelsname Humira®) ist ein gentechnisch hergestellter monoklonaler Antikörper, der sich speziell gegen Entzündungsstoffe im Körper wendet. Damit kann er bei Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, aber auch bei Rheuma die chronische Entzündungsreaktion abschwächen und die Beschwerden lindern.

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Das war die kurze Erklärung, jetzt folgt die ausführlichere:

Adalimumab bremst den Entzündungsprozess

Adalimumab gehört zu der Gruppe der TNF-Blocker. TNF ist die Abkürzung für Tumor-Nekrose-Faktor. Dabei handelt es sich um einen Botenstoff, der an Entzündungsprozessen beteiligt ist. Normalerweise hilft er dabei, Viren und Bakterien in einem gesunden Maß abzuwehren. Bei Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa passiert das allerdings viel zu heftig, deshalb spielt der Darm verrückt.

Adalimumab fängt diesen Botenstoff sozusagen ab, in dem der Antikörper an TNF bindet und es neutralisiert. So sorgt Adalimumab dafür, dass bestimmte Anteile des körpereigenen Abwehrsystems nicht oder nicht so stark reagieren. Dadurch hat der Darm die Chance, sich zu beruhigen.

Adalimumab wurde hauptsächlich zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen entwickelt, erst später kamen die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen dazu.

Was man erwarten kann

In Studien führte Adalimumab bei knapp der Hälfte aller Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zu einer Remission, also zu einem Krankheitsstillstand. Angesichts der Ausgangssituation (alle erfolglos vorbehandelt mit Standard-Immunblockern) ist das ein beachtlicher Wert. Allerdings tritt die Wirkung erst nach Wochen bis Monaten ein und hält – wie auch bei den üblichen Rheuma-Medikamenten – nicht ewig an.

Option, wenn andere Medikamente nicht ausreichend wirken

Bei der Behandlung von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn wird Adalimumab nur in besonderen Fällen eingesetzt, nämlich dann, wenn die Standardmedikamente wie Kortison & Co nicht ausreichend wirken. Der Antikörper ist also ein sogenanntes Reservemittel. Der Grund: Das Medikament Humira® ist noch recht neu auf dem Markt und nicht besonders lang erprobt – somit ist vor allem die Gefahr schwerer Nebenwirkungen noch nicht ausreichend einschätzbar. Außerdem ist der Antikörper sehr teuer. Wie meistens bei solchen neuen Wirkstoffen, wird die Zulassung dann zunächst auf therapeutisch schwierige Fälle beschränkt.

Zwei Voraussetzungen müssen gegeben sein, um derzeit (2017) Adalimumab verordnet zu bekommen.

  • Sie leiden unter einer mittelschweren bis schweren, akuten Form des Morbus Crohn oder der Colitis ulcerosa. Das bedeutet, dass der akute Schub mit mehreren Stuhlgängen pro Tag, Fieber, Bauchkrämpfen und ggf. weiteren Symptomen einhergeht.
  • Eine „konventionelle“ Therapie hat nicht angeschlagen oder wurde von Ihnen nicht vertragen. Gemeint sind damit unter anderem Kortisonpräparate sowie die Wirkstoffe 6-Mercaptopurin und Azathioprin.

Wie wird Adalimumab bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verabreicht?

Adalimumab (Humira®) wird unter die Haut bzw. in das Unterhautfettgewebe gespritzt (subkutan). Meistens liegt das Medikament in Form von Einzel-Fertigspritzen vor. Normalerweise werden zu Beginn 80 mg verabreicht, ab dann alle zwei Wochen 40 mg. In Einzelfällen kann am Anfang auch die doppelte Dosis gegeben werden, allerdings steigt damit das Risiko, dass Nebenwirkungen auftreten.

Höhere Anfangsdosis bei Colitis ulcerosa

Bei Colitis ulcerosa liegt die übliche Erstdosis etwas höher. Hier werden zunächst 160 mg gegeben, zwei Wochen später dann 80 mg und ab dann alle zwei Wochen 40 mg. Bei Kindern und Jugendlichen müssen die Dosen ggf. entsprechend angepasst werden.

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Auch selbst spritzen ist möglich

Vor allem anfangs sollte das Mittel von einem Facharzt gespritzt werden, der sich mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sehr gut auskennt. Wenn die ersten Dosen gegeben wurden und Ihr Arzt damit einverstanden ist, spricht nichts dagegen, dass Sie sich das Medikament auch selbst spritzen.

Wichtig ist, dass Sie das Mittel im Kühlschrank aufbewahren. Am besten lassen Sie die Spritzen im Karton, so sind sie vor Licht geschützt.

Wirkung in der Regel nach einigen Wochen

Normalerweise sollte Adalimumab nach einigen Wochen eine Wirkung zeigen. Macht sich nach zwei bis drei Behandlungsmonaten noch keine Besserung bemerkbar, sollte Ihnen das Mittel nicht mehr verabreicht werden.

Vor Beginn der Behandlung Tests auf Infektionen

Sollten Sie an einer aktiven Tuberkulose oder einer anderen schweren Infektion leiden, ist das Mittel für Sie absolut verboten (das gilt übrigens auch bei Herzschwäche). Es ist also sehr wichtig, dass der Arzt Sie vor der Gabe von Adalimumab auf mögliche Infektionen testet. Das gilt vor allem für Tuberkulose oder Hepatitis B. Denn wenn Sie die Erreger dieser Krankheiten in sich tragen, kann es sein, dass sie unter der Adalimumab-Therapie wieder aktiv werden.

Generell ist Adalimumab für Menschen ab einem Alter von 6 Jahren zugelassen, auch Kinder und Jugendliche dürfen es also unter bestimmten Umständen erhalten.

Seit 2017 gibt es mit Amgevita® und Solymbic® auch zwei sogenannte Adalimumab-Biosimilars, also nahezu identische Nachahmerprodukte.

Welche Nebenwirkungen können unter Adalimumab (Humira) auftreten?

Das Biologikum Adalimumab (Humira®) gehört zu den TNF-α-Blockern, einer Gruppe von "biologischen Medikamenten", die den Entzündungsbotenstoff TNF-α hemmen. Humira® greift somit gezielt in die überschießenden Abläufe des Immunsystems ein und wirkt entzündungshemmend. Allerdings birgt die immununterdrückende Wirkung des Medikaments auch Risiken.

Die Angriffsstrategie der Biologika

Die Biopharmaka (Biologika) gehören inzwischen mit zu den vielversprechendsten Wachstumsmärkten der Pharmaindustrie. Der Name "biologische Medikamente" leitet sich aus der Herstellungsweise und den Zielstrukturen dieser Arzneimittel ab. Es handelt sich bei den Biologika nämlich um biotechnologisch hergestellte Eiweiße, die aus lebenden Zellkulturen gewonnen werden. Diese Proteine sind identisch mit unseren körpereigenen Stoffen und können in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen zielgerichtet direkt in das überreagierende Immunsystem eingreifen.

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Humira® legt Entzündungsbotenstoff lahm

Im Falle des TNF-α-Antagonisten Adalimumab ist die Zielstruktur das Zytokin Tumornekrosefaktor α. Eine Blockade bzw. Ausschaltung des Entzündungsbotenstoffes TNF-α durch Humira® bedeutet, dass die irrtümlich überschießende Entzündungsreaktion gehemmt wird.

"Dann ist doch alles gut, oder?" Nicht ganz. Der positive Effekt des Wirkstoffes auf der einen Seite führt uns gleichzeitig zu den möglichen Nebenwirkungen einer Biologika-Therapie auf der anderen Seite. Denn aufgrund der immununterdrückenden Wirkung von Adalimumab ist natürlich auch die körpereigene Abwehr gegen allgemeine Infektionen geschwächt.

Höhere Infektanfälligkeit

Ein Großteil der bekannten Nebenwirkungen geht genau darauf zurück, dass Adalimumab die Abwehrkraft des Körpers reduziert. Dazu zählen:

  • vermehrte Atemwegsinfekte, von Erkältungen über Bronchitis bis hin zur Lungenentzündung
  • vermehrte Virusinfektionen (Herpes & Co)
  • vermehrte Blasenentzündungen
  • vermehrte Pilzinfektionen

Häufiges ist häufig und Seltenes ist selten

Wenn Sie eine Behandlung mit Humira® erhalten, sollten Sie daher wissen, dass diese Infektionen unter der Therapie mit dem Biologikum Adalimumab vermehrt auftreten können. Sie zeigen dann häufiger einen schwereren und atypischen Verlauf. Beispielsweise können latente (schlummernde, aktuell nicht aktive) Infektionen wie Tuberkulose oder Hepatitis B unter Adalimumab plötzlich reaktiviert werden.

Auch sogenannte opportunistische Infektionen können unter einer Biologika-Therapie vermehrt auftreten. Hierbei nutzen bestimmte Erreger (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten) die geschwächte Immunabwehr des Menschen aus, um sich zu vermehren und teilweise schwerwiegende Infektionen bis hin zur Sepsis ("Blutvergiftung") zu verursachen.

Aus diesem Grund sollten Sie sich sicherheitshalber bereits bei den kleinsten Anzeichen einer Infektion bei Ihrem behandelnden Arzt melden!

Was Sie noch erwarten kann

Weitere häufige Nebenwirkungen sind u.a.:

  • Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle der Spritze (Adalimumab muss in der Regel alle zwei Wochen gespritzt werden)
  • Schwindel und Benommenheit
  • Kopfschmerzen
  • Missempfindungen der Nerven oder an der Haut
  • Magen-Darm-Beschwerden (Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall)
  • Hautausschlag
  • Gliederschmerzen
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit

Häufig auftretende, harmlosere Nebenwirkungen sind lokale Reaktionen (Rötung, Schwellung, Schmerzen, Juckreiz) im Bereich der Injektionsstellen an Bauch und Oberschenkel. Manche Betroffenen berichten während der Therapie mit Humira® auch von Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Veränderungen der Blutwerte. Nehmen Sie daher auch unbedingt die regelmäßigen Arzt- und Laborkontrollen wahr.

Unter einer Therapie mit Adalimumab zählen zu den seltenen bis sehr seltenen unerwünschten Arzneimittelwirkungen: schwere allergische Reaktionen auf den Wirkstoff sowie die Entwicklung von Malignomen (bösartigen Tumoren).

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Eine vollständige Liste aller jemals dokumentierten Nebenwirkungen finden Sie im Beipackzettel. Aufgrund der zahlreichen und teilweise schweren möglichen Nebenwirkungen und aufgrund der noch begrenzten Langzeiterfahrung mit dem Medikament wird Adalimumab derzeit nur eingesetzt, wenn mit anderen Medikamenten keine ausreichende Beschwerdelinderung erreicht wird.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Während der Behandlung mit Adalimumab (Humira®) sollten Sie in der Regel keine weiteren TNF-Blocker bekommen. Da das Mittel nach Gabe der letzten Dosis noch bis zu vier Monate in Ihrem Körper wirken kann, sollten Sie auch vorsichtig sein, wenn Sie im Anschluss auf andere Medikamente wechseln.

Keine Lebendimpfungen während der Therapie

Und noch etwas: Zwar handelt es sich bei Impfungen nicht um klassische Medikamente. Sie sollten aber beachten, dass Sie während der Behandlung mit Adalimumab keine Lebendimpfstoffe verabreicht bekommen dürfen. Dazu gehören beispielsweise Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln, Varizellen („Windpocken“), Gelbfieber, Tuberkulose und Rotaviren. Diese Impfstoffe enthalten sehr geringe Mengen an Erregern, die noch funktionstüchtig sind. Sie sind zwar extrem abgeschwächt, können aber bei einem angegriffenen Immunsystem Schaden anrichten.

Es ist also wichtig, dass der Arzt vor der Behandlung prüft, wie es bei Ihnen mit Impfungen aussieht. Am besten nehmen Sie also direkt Ihren Impfpass mit.

Humira & Co nicht bei früherer Tuberkulose einnehmen

Wenn Sie unter rheumatoider Arthitis leiden, kann es sein, dass Ihr Arzt eventuell eine Therapie mit sogenannten Biologika, den TNF-Hemmern, in Erwägung zieht. Dabei handelt es sich um Antikörper gegen einen körpereigenen Botenstoff.

Da die meisten dieser Präparate (z.B. Humira®, Remicade®) bei Tuberkulose keinesfalls genommen werden dürfen, wird Ihr Arzt Sie danach fragen. Hierbei ist allerdings nicht nur relevant, ob Sie aktuell erkrankt sind. Bitte teilen Sie Ihrem Arzt auch mit, wenn Sie z.B. in der Kindheit mal Tuberkulose hatten oder im Laufe der Jahre auf Röntgenbildern der Lunge noch alte, abgekapselte Tuberkuloseherde gefunden wurden.

In Zweifelsfällen wird Ihr Arzt noch mal einen Test oder eine Röntgenaufnahme machen. Es kann unter der Behandlung mit Biologika nämlich leicht zum Aufbrechen solcher alten Herde kommen und das kann – da das Immunsystem in dem Moment ja bewusst ausgebremst ist – sehr gefährlich werden. Unterstützen Sie Ihren Arzt also bitte gewissenhaft bei dieser Abklärung.

Kurz-Info zu den Medikamenten:

Zu den oben genannten Tumornekrosefaktor-(TNF)-Hemmern zählen beispielsweise die Wirkstoffe Adalimumab (Präparat Humira®), Infliximab (Remicade®) und Golimumab (Simponi®). Sie werden bei mäßiger bis schwerem Rheuma und anderen Autoimmunerkrankungen eingesetzt, wenn andere Medikamente nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen werden sie nur nach genauer Abwägung verschrieben. Vorteilhaft ist jedoch, dass sie in vielen Fällen die Krankheitsaktivität sowie das Fortschreiten der Erkrankung vollständig hemmen können.

Autoren: , Dr. med. Sonia Trowe & Dr. med. Jörg Zorn

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Quellen:

  • Rote Liste Service GmbH, PatientenInfo-Service Humira®.

Kommentare: Archiv

Humira
Dienstag, den 18. Dezember 2018 um 14:27 Uhr, Gloria
Ich habe im August 2018 das erste Mal Humira 40 mg gespritzt, und kurze Zeit später waren die Schmerzen deutlich geringer. Bis zum 2.11. spritzte ich alle 14 Tage. Am 13.12. hat mir der Arzt wieder Humira verordnet. Nun habe ich seit der 1. Spritze (14.12.) heftige Gelenk- und Kopfschmerzen. Der Apotheker sagt, ich vertrage die Spritzen nicht. Ich weiß, dass die ersten 6 Spritzen von "Abakus" waren, die 2. Staffel dagegen von einer anderen Firma. Ich habe Lungensarkoidose und COPD. Bei den ersten 6 Spritzen alles bestens – und plötzlich dies? Weiß jemand Rat? Seit Oktober 2018 besteht für Humira kein Patentschutz mehr. Sollte der andere Anbieter eine andere Zusammensetzung nehmen? Ich bin Laie und habe von Medizin herzlich wenig Ahnung. Vielleicht hat jemand einen Tipp für mich. Danke schon mal und eine schöne Adventszeit.
 
Humira
Samstag, den 14. November 2015 um 20:08 Uhr, Silvia Meyer
Ich habe vor 10 Jahren die Studie mit diesem Medikament in Würzburg mitgemacht und bin seither fast schmerzfrei. Es ist nur schade, dass dieses Medikament nicht vom Hausarzt verschrieben werden darf, weil die Kosten zu hoch sind. Vor 10 Jahren hat die Monatsration schon 1700 € gekostet. Das ist für einen Kassenpatient natürlich nicht tragbar. Schlimm, aber so ist es. Bis zu einen Spezialist muß ich über 100 km fahren:-(
 
Erfahrungsbericht Angehörige Humira Depotspritze
Mittwoch, den 06. Mai 2015 um 16:46 Uhr, Zametter marika
Autoimmunerkrankung, schlimmes Rheuma, Behandlungsform Arava und Cortisontabletten.
Umstellung versuchsweise auf Humira Depotspritze s.c.: schlimme Nebenwirkungen, unter anderen starker Rheumaschub – Ohnmacht – Übelkeit, musste zusätzlich wieder Arava einnehmen, Depotspritze selbst abgesetzt, mit Cortisonerhöhung kurzzeitig u. Med. Arava weiter wie bisher.
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