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Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Was versteht man unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen? Was sind die Ursachen? Was ist der Unterschied zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa? Im folgenden Beitrag finden Sie Fragen und Antworten zu CED.

Was sind CED?

Welche Erkrankungen werden unter dem Begriff chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) zusammengefasst?

Zu den CED gehören der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa. Bei etwa 10% der Betroffenen ist nicht sicher, ob sie einen Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa haben. In diesen Fällen spricht man von einer Colitis interdeterminata.

Rein mikroskopische Veränderungen

Daneben gibt es die sehr seltenen sogenannten mikroskopischen Colitiden oder Kolitiden (Dickdarmentzündungen), die mit wässrigen Durchfällen einhergehen. Dabei werden die kollagene und die lymphozytäre Kolitis unterschieden. Bei mikroskopischen Kolitiden kann der Untersucher während der Darmspiegelung zwar keine entzündlichen Veränderungen der Schleimhaut erkennen. Werden die Gewebeproben jedoch unter dem Mikroskop betrachtet, lassen sich charakteristische Veränderungen feststellen.

Kann ich anhand der Symptome erkennen, ob ich einen Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa habe?

Die beiden chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind nicht immer leicht zu unterscheiden, da sich die Beschwerden ähneln können.

Auf den ersten Blick mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede

Beide Erkrankungen können in Schüben verlaufen und mit Schmerzen, Durchfällen, Fieber etc. einhergehen oder auch andere Organe als den Darm wie Haut, Augen, Leber betreffen. Blutige und/oder schleimige Durchfälle sind jedoch eher bei einer Colitis ulcerosa zu finden.

Anhand der Symptome sind die beiden Erkrankungen demnach eher schwer zu unterscheiden, nur umfassende medizinische Untersuchungen können hier weiterhelfen. Und es gibt auch dauerhafte Mischformen. Bei einigen Menschen gelingt es zwar festzustellen, dass sie eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) haben, jedoch nicht, ob ein Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa vorliegt. Das trifft auf etwa 10 bis 20% der Menschen mit CED zu. Mediziner sprechen dann von einer Colitis indeterminata.

Wie kann man Morbus Crohn und Colitis ulcerosa unterscheiden?

Auch wenn es anhand der Symptome schwerfällt, die beiden Erkrankungen zu differenzieren, können verschiedene Maßnahmen wie Darmspiegelung oder mikroskopische Untersuchungen doch klare Unterschiede aufzeigen.

Kleine, feine Unterschiede

Die Colitis ulcerosa beschränkt sich in der Regel auf Dick- und Mastdarm, nur selten ist das letzte Ende des Dünndarms betroffen. Der Morbus Crohn kann dagegen im gesamten Magen-Darm-Trakt – vom Mund bis zum After – auftreten. Außerdem beginnt die Colitis ulcerosa im Allgemeinen im Mastdarm (Rektum) und breitet sich von dort kontinuierlich über den Dickdarm aus. Der Morbus Crohn kann dagegen überall im Magen-Darm-Trakt beginnen und an verschiedenen Orten auftreten (diskontinuierliche Ausbreitung). Das heißt, betroffene und nicht betroffene Darmabschnitte liegen nebeneinander bzw. wechseln sich ab.

Ein weiterer wichtiger Unterschied lässt sich unter dem Mikroskop feststellen. Bei der Colitis ulcerosa sind nur die oberen Schichten der Schleimhaut im Darm entzündet, der Morbus Crohn kann dagegen alle Schichten der Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt betreffen.

Haben Frauen häufiger eine chronisch entzündliche Darmerkrankung als Männer?

Nach derzeitiger Datenlage erkranken Frauen insgesamt etwas häufiger an einem Morbus Crohn als Männer. Bei der Colitis ulcerosa scheinen beide Geschlechter ungefähr gleich häufig betroffen zu sein.

Die Häufigkeit beider Darmerkrankungen hat in den letzten 50 Jahren deutlich zugenommen. Insgesamt kommen beide Erkrankungen in Nordeuropa häufiger vor als in Südeuropa. Allein hierzulande sind ungefähr 300.000 Menschen von einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung betroffen.

Ursachen

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Sind doch Bakterien im Spiel?

Aktuelle Studien bestärken eine schon seit längerem diskutierte These zu den Ursachen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Demnach richtet sich die Entzündungsreaktion bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nicht gegen den gesamten Körper, sondern nur gegen “normale” Darmbakterien.

Die Frage nach Henne und Ei

Damit wären Morbus Crohn und Colitis ulcerosa aber keine klassischen Autoimmunerkarnkungen mehr, wie bisher angenommen. Nach Informationen des Kompetenznetzes Darmerkrankungen zeigen die erwähnten Untersuchungen, dass, sobald sich bestimmte Bakterien nicht mehr im Darm befinden, das Entzündungsgeschehen vor Ort abnimmt. Die Entzündung des Darms wäre somit eher eine Folge und nicht, wie bisher angenommen, die Ursache der Erkrankung. Ursache wäre demnach eine ungenügende Abwehr bestimmter Bakterien, wie Dr. Jan Wehkamp vom Kompetenznetz erläuterte.

Diese Erkenntnis könnte zu neuen Behandlungsstrategien führen. Dazu müssen aber neue Substanzen entwickelt werden, die das Immunsystem und die Darmbarriere stärken und unterstützen.

Hintergrundwissen

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gelten bisher als Autoimmunerkrankungen. Das bedeutet, dass ein falsch geleitetes Immunsystem den Darm angreift und ihm erhebliche Schäden zufügt. Eine Linderung der Beschwerden wird heute meist durch die Gabe von sogenannten Immunsuppressiva erreicht. Diese sollen die Überaktivität des Immunsystems unterdrücken, haben aber oft erhebliche Nebenwirkungen.

Folgeerkrankungen

Häufiger Hautkrebs durch die Darm-Medikamente?

Entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können das Risiko erhöhen, an weißem Hautkrebs zu erkranken. Einen wesentlichen Faktor spielen dabei Medikamente, die gegen die Darmerkrankungen eigenommen werden.

Wissenschaftler der Universität Manitoba, Kanada, untersuchten rund 100.000 Menschen, von denen 9.618 einen Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa hatten. Bei 2.037 Personen wurden im Laufe der Studie Formen von weißem Hautkrebs (Basalzellenkrebs bzw. Basaliom, Plattenepithelkarzinom bzw. Spinaliom) entdeckt. Es stellte sich heraus, dass die Patienten mit einer entzündlichen Darmerkrankung öfter von einer Hautkrebserkankung betroffen waren. Das Risiko steigerte sich auch mit dem Alter der Untersuchten.

Unter Verdacht: Azathioprin und Verwandte

Die Studie zeigte zudem, dass die Einnahme von bestimmten Medikamenten die Wahrscheinlichkeit für einen Hautkrebs drastisch erhöhte. Dabei handelt es sich um Thiopurine, die vor allem zur Behandlung von Morbus Crohn verschrieben werden (z.B. Azathioprin oder Mercaptopurin). In der kanadischen Studie erhöhte sich das Risiko für Hautkrebs bei den mit diesem Wirkstoff behandelten Patienten um das Zwanzigfache. Eine andere Studie zeigte unter einer Thiopurin-Therapie ein sechsfach gesteigertes Risiko. Auch Patienten, die die Einnahme bereits beendet hatten, waren noch überdurchschnittlich gefährdet.

Die Wissenschaftler sehen diese Ergebnisse aber nicht als Grund, die Behandlung der entzündlichen Darmerkrankung zu verändern. Sie raten allerdings betroffenen Patienten dazu, die Haut regelmäßig von einem Dermatologen kontrollieren zu lassen.

Autorin: 

Quellen:

  • Kompetenznetz Darmerkrankungen, Deutsche Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV)
  • Gastroenterology (doi:10.1053/j.gastro.2011.07.039)

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Kommentare: Archiv

Einnahme von Azathioprin führte zum Krebs
Samstag, den 13. Februar 2016 um 11:45 Uhr, Zeppy
Ich bin 39 Jahre alt. 2005 erkrankte ich an CU. Von 2007 bis 2011 nahm ich täglich 100 mg Azathioprin und war komplett beschwerdefrei. Nach Absprache mit meinem behandelnden Arzt setzte ich Ende 2011 Azathioprin ab. September 2013 erhielt ich die Diagnose "Anal Karzinom", sprich das Plattenephitelkarzinom. Eine Radiochemotherapie habe ich über mich ergehen lassen, schlussendlich wurde ich doch operiert. Heute habe ich ein Stoma und mir geht es endlich wieder gut. Ich bin mir sicher, wenn ich das Azathioprin nicht genommen hätte, wäre mir das alles erspart geblieben.

Blut im stuhl
Donnerstag, den 09. Oktober 2014 um 11:20 Uhr, ria
Es könnte auch durch Schmerzmittel kommen, z.B. Voltaren
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