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Grippe-Impfung

Die Grippe-Impfung bei älteren, gesundheitlich angegriffenen Menschen ist sicher sinnvoll. Aber bei jungen, gesunden Erwachsenen? Bei Kindern? Im folgenden Beitrag beantworten wir die wichtigsten Fragen dazu.

Soll ich mein Kind gegen Grippe oder Schweinegrippe impfen lassen?

Da die heutigen Grippe-Impfstoffe auch gegen die Schweinegrippeviren (Influenza A H1N1) schützen, stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Grippeschutzimpfung.

Diese wird vom Robert-Koch-Institut in Berlin generell für ältere Menschen (über 60 Jahre), chronisch Kranke, Schwangere, medizinisches Personal sowie für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen empfohlen. Aber auch, wenn Sie bzw. Ihr Kind keine besondere Gefährdung aufweisen, kommt eine Grippe-Impfung als Schutzmaßnahme in Frage. Sie kann auch dann noch sinnvoll sein, wenn die Grippewelle bereits begonnen hat.

Ein Heer der Ja-Sager

Ein Gegenargument wollen wir aber auch nicht unerwähnt lassen: Mit der Grippe-Impfung wird auch viel Geld verdient. Das taugt nicht als Gegenargument? Doch, weil wir mehrmals hautnah miterlebt haben, dass in den einhelligen Empfehlungen zur Grippeschutzimpfung auch finanzielle Interessen mitschwingen. Und sobald solche Interessen mitschwingen, werden potentielle Gegenargumente gern mal unerwähnt gelassen. Da aber in der medizinischen Presse viele Journalisten unterwegs sind, die mehr oder minder kritiklos genau das schreiben, was man ihnen auf Pressekonferenzen sagt und kaum danach fragen, wer diese Pressekonferenz finanziell ermöglicht hat, entsteht schnell ein Bild von 100%iger Einhelligkeit. Das so aber nicht zutrifft.

Ein paar Gegenargumente

Zu den Nachteilen der Impfung: Wer sich gegen Grippe impfen lassen möchte, muss das eigentlich jedes Jahr aufs Neue tun. Denn Grippe-Viren verändern alljährlich ihre Gestalt. Oder werden vielmehr ersetzt durch einen neuen Viren-Stamm. Und gegen den ist der Impfstoff aus dem Vorjahr in aller Regel wirkungslos. Da die Hersteller der Grippe-Impfstoffe immer etwa ein halbes Jahr brauchen, um ein Impfserum gegen den neuesten Viren-Stamm zu produzieren, wird im Normalfall gegen ein Auslaufmodell geimpft. Dem versucht die Weltgesundheitsorganisation WHO zwar durch frühzeitiges Aufspüren neuer Viren-Stämme irgendwo in Ostasien zu begegnen. Aber ganz ausschließen kann man nicht, dass wir mitunter gegen "überholte Viren" geimpft werden.

Im übrigen werden die Gefahren einer Grippe auch oft mit einer etwas überdrehten Hysterie beschrieben. Tatsache ist: Halbwegs gesunden Menschen (und Kindern) kann auch eine Grippe in aller Regel nichts Schlimmes anhaben. Und so häufig, wie manche Publikation das glauben machen will, ist die Grippe dann auch nicht.

Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt, wenn Sie eine Impfung erwägen. Er wird Ihnen bei der persönlichen Entscheidungsfindung behilflich sein.

Wieso muss man sich jedes Jahr erneut gegen Grippe impfen lassen?

Bevor man diese Frage beantwortet, muss man zunächst mal die Frage klären, ob man sich überhaupt gegen Grippe impfen lassen muss. Denn auch wenn manche ärztliche Kollegen schnell mit der Empfehlung bei der Hand sind (vielleicht schaut ja regelmäßig ein Vertreter des Herstellers vorbei), ist eine Grippe-Impfung nach derzeitigem Stand des Wissens nur sinnvoll, wenn die Gesundheit aufgrund anderer Erkrankungen stark beeinträchtigt ist und eine mögliche Grippe eine zu große Gefahr heraufbeschwören würde.

Wenn schon, denn schon

Wenn man sich aber für eine Impfung entscheidet, dann muss man es jährlich wiederholen. Denn die Grippe-Viren (Influenza-Viren) verändern ständig ihre Struktur. Wissenschaftler nennen das eine "hohe genetische Variabilität". Sie ermöglicht es den Erregern, immer neue Varianten und Subtypen zu bilden und damit die Immunsysteme von uns Menschen jedesmal aufs Neue zu überraschen.

Dies macht bei gefährdeten Personen eine jährliche Schutzmaßnahme erforderlich. Praktisch läuft das so ab, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO jedes Jahr die zirkulierenden Virus-Varianten feststellt und auf dieser Grundlage die jeweils aktuellen Influenza-Impfstoffe produziert und verimpft werden. Für die Hersteller ist das ein recht gutes Geschäft.

Welche Nebenwirkungen können bei der Grippe-Impfung auftreten?

ine Impfung ist in gewisser Weise ja meist die Vortäuschung einer wirklichen Infektion, mit dem Ziel, dass sich daraufhin das Immunsystem gegen den wahren Feind rüstet. Und so erklären sich auch die möglichen Nebenwirkungen von Impfungen im allgemeinen und der Grippe-Impfung im speziellen.

Nach der Impfung gegen Influenza-Viren treten nach derzeitiger Datenlage bei rund 13% der Impflinge Nebenwirkungen auf. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei aber um leichte und rein örtliche Beschwerden, zum Beispiel eine Schwellung oder Rötung an der Einstichstelle.

Weitere dokumentierte Nebenwirkungen sind:

  • Kopfschmerzen (oft schwer einschätzbar, ob die impfung die Ursache ist)
  • erhöhte Temperatur
  • ein allgemeines Krankheitsgefühl
  • allergische Reaktionen (selten)

Kann man trotz Impfung an Grippe erkranken?

Ja. Und zwar gleich in mehrfacher Weise. Zum einen schützt eine Grippe-Impfung in der Regel nur vor den gerade aktuellen Grippe-Erregern (Influenza-Viren). Die kommen aber ähnlich wie die Mode jedes Jahr in neuem Gewand daher. Wer also zum Beispiel vor zwei Jahren gegen Grippe geimpft wurde, ist gegen neue Grippewellen nicht mehr sicher geschützt.

Außerdem schützt die Grippe-Impfung nicht gegen die Vielzahl von anderen viralen und bakteriellen Erregern, die ebenfalls fieberhafte Erkrankungen mit grippeähnlichen Beschwerden hervorrufen. Und die bezeichnen wir ja im Volksmund auch oft als "Grippe". Diesen lästigen, aber weniger gefährlichen grippalen Infekt muss man also ggf. trotzdem ertragen.

In seltenen Fällen kommt es zudem trotz Grippe-Impfung zu einer Infektion mit Influenza-Viren, den Auslösern der „echten“ Grippe. In der Regel verläuft die "Trotzdem-Grippe" dann aber zumindest milder.

Manche Gefahren werden auch absichtlich hochgejazzt

Insgesamt muss man zur Grippe-Impfung sagen, dass sie sowohl bei gesunden Kindern als auch bei gesunden Erwachsenen von fraglichem Nutzen ist. Wirklich sinnvoll ist ein Grippe-Schutz am ehesten, wenn ernstere gesundheitliche Probleme (Herzkrankheiten, Diabetes u.ä.) vorliegen, die eine mögliche Grippe zur Gefahr werden lassen. Dass die Grippe-Impfung seit Jahren ein so großes Thema ist, liegt auch daran, dass die Impfstoff-Hersteller viel dafür tun und genügend Medienvertreter unkritisch alles nachquasseln, was sie aus solchen Quellen erfahren.

Schützt die Grippeimpfung vor einer Erkältung?

Nein. Die Grippeschutzimpfung schützt nur vor der echten Grippe. Die hat aber mit einer Erkältung nichts gemein und auch die Erreger sind andere. Insofern ist der häufig verwandte Begriff "grippaler Infekt" für eine Erkältung eher irreführend.

Zum Hintergrund: Die Grippe wird durch Influenza-Viren verursacht. Vor diesen Viren schützt also die Grippe-Impfung, und das mit ausreichender Sicherheit nur gegen die aktuellen Grippe-Erreger der Saison. Grippe-Viren sind nämlich ausgesprochen wandlungsfähig. Die Fähigkeit dieser Viren zur ständigen Veränderung führt dazu, dass jedes Jahr ein neuer, entsprechend angepasster Impfstoff hergestellt werden muss.

Das Prinzip der Veränderungsfähigkeit findet sich zwar auch unter den Erkältungs-Viren. Bei ihnen führt aber schon die schiere Zahl unterschiedlicher Arten und Typen dazu, dass es im Leben eines Menschen immer wieder zu Erkältungen kommt – wenn auch mit der Zeit und einem gereiften Immunsystem normalerweise immer seltener. Die Entwicklung eines Impfstoffs erscheint daher wenig sinnvoll, ganz abgesehen vom – im Gegensatz zur Grippe – eher harmlosen Charakter der Erkältungskrankheiten.

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