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COPD: Symptome und Behandlung

Was ist eine COPD? Welche Symptome verursacht die Erkrankung? Wie wird sie behandelt und wie stehen die Chancen auf einen guten Verlauf? Alle Fragen dazu beantworten wir im folgenden Beitrag.

Krankheitsbeschreibung

Was ist eine COPD?

Eine COPD ist eine chronische Lungenkrankheit, bei der die kleinen Atemwege (Bronchien), die zu den Lungenbläschen führen, geschädigt sind.
COPD steht hierbei für Chronic Obstructive Lung Disease oder auch Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung. Folgende Ursachen können zu einer COPD führen:

  • Rauchen
  • Umweltverschmutzung
  • berufliche Belastung
  • Infektionen
  • erbliche Erkrankungen

Häufigster Auslöser eine COPD ist dabei das Nikotin. 90% aller Menschen mit einer COPD sind Raucher oder Ex-Raucher.

Kollaps der Lungenwege

Bei einer intakten und gesunden Ein- und Ausatmung gelangt Sauerstoff über ein verzweigtes Geflecht an kleinen und kleinsten Luftröhrchen, den Bronchien, in die Lungenbläschen. Hier wird verbrauchte, kohlendioxidreiche Luft gegen frische Luft ausgetauscht.

Bei einer COPD irritieren und verletzen Schadstoffe diese kleinen Luftwege. Sie sondern daraufhin vermehrt Schleim ab. Zudem verändern sich die Zellen der Innenschicht, und durch Umbauprozesse verlieren die Bronchien ihre Elastizität.

Im Normalfall sind unsere Bronchien so flexibel, dass sie beim Ein- und Ausatmen die Luftwege fortwährend offen halten. Nun kollabieren sie bei der Ausatmung und verengen die Atemwege. Mediziner sprechen dabei von einer Obstruktion. Der Luftaustausch wird eingeschränkt, und Betroffene leiden unter Luftnot. In schweren Fällen gelangt zu wenig Sauerstoff in den Körper, gleichzeitig sammelt sich Kohlendioxid an.

Wissenswertes zur Abgrenzung und Stadieneinteilung

Wie unterscheiden sich chronische Bronchitis, COPD und Emphysem?

Chronische Bronchitis, COPD und Emphysem sind nicht dasselbe. Eine COPD beginnt in der Regel mit einer chronischen Bronchitis ohne Kollaps der Lungenwege. Sie ist behandelbar und reversibel, wenn der Auslöser – meist das Nikotin – beseitigt werden kann. Eine COPD selbst ist nicht mehr heilbar. Dennoch kann auch hier durch Ausschalten der Noxe und mit Beginn einer entsprechenden Therapie ihr Fortschreiten aufgehalten werden.

Schreitet eine COPD voran, kann sich im weiteren Verlauf ein sogenanntes Lungenemphysem (Überblähung) entwickeln. Hierbei wird die Struktur der zarten Lungenwege und -bläschen zerstört. Wo vorher Millionen kleinster Bläschen den Gasaustausch regulierten, liegen dann größere funktionslose Luftblasen. Der Austausch von verbrauchter gegen frische Luft ist dann stark eingeschränkt.

Sollten Sie an einer COPD leiden, ist es wichtig, dass Sie sich von Ihrem Haus- oder Lungenfacharzt beraten und behandeln lassen. Das Weglassen des Auslösers und eine stadienentsprechende Therapie können das Fortschreiten oder gar die Entwicklung zum Emphysem aufhalten.

COPD: Was sind GOLD-Stadien?

Mit der GOLD-Klassifikation wird die COPD in vier Krankheitsstadien eingeteilt. Die Kriterien für diese Einteilung werden von der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) vorgeschlagen.

COPD-Einteilung im Wandel

Bis 2011 erfolgte die Zuteilung des Schweregrades allein anhand der Werte des Lungenfunktionstests. Man unterschied COPD I bis IV bzw. COPD 1-4. In den letzten Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass der Schweregrad nicht nur durch ein paar Werte eingeteilt werden kann, sondern dass auch die Beschwerden der Betroffenen bei der Gradeinteilung eine große Rolle spielen. Daher zählen nun neu auch die Anzahl der Exazerbationen (akute Verschlechterungen) und das Ausmaß der Beschwerden hinzu, das mit verschiedenen Scores gemessen werden kann.

Auch Beschwerden zählen – die Gruppen A bis D

Neben der Gradeinteilung in COPD 1-4 (bzw. I-IV) anhand der Lufu-Werte erfolgt zudem eine Einteilung in klinische Stadien A-D. Hierbei zählt, wie häufig Betroffenen akute Verschlechterungen der COPD (Exazerbationen) haben und wie oft sie deswegen in ein Krankenhaus aufgenommen werden müssen.

Je nach Häufigkeit erfolgt eine Einteilung in die Gruppen A bis D, wobei Gruppe A die wenigsten und Gruppe D die meisten Beschwerden hat. Je nach dem, in welches GOLD-Stadium bzw. in welche Beschwerdegruppe Sie eingestuft werden, richtet sich das empfohlene Therapieschema. Hier gibt es einen Stufenplan, der verschiedene Lungensprays und Medikamente beinhaltet.

Symptome

Welche Symptome sind typisch für eine COPD?

Bei einer COPD sind wie oben beschrieben die Atemwege verengt, insbesondere bei der Ausatmung. Entsprechend gehen fast alle Symptome auf die beeinträchtigte Atmung zurück. Typisch sind:

  • Atemnot, vor allem bei körperlicher Belastung
  • hartnäckiger Husten, vor allem morgens
  • schleimiger Auswurf beim Husten
  • mitunter pfeifende Atemgeräusche bei der Ausatmung (Giemen)

Schleichender Beginn, akute Verschlechterungen

Die Beschwerden beginnen in der Regel schleichend und werden langsam stärker. Dies führt dazu, dass viele Betroffene recht lange mit dem Arztbesuch warten, weil sie sich an die Symptome gewöhnen und diese als "Raucherhusten" oder ähnliches einordnen.

Sehr typisch für eine COPD ist die phasenweise akute Verschlimmerung der Beschwerden. Das nennt man Exazerbation. Auslöser ist häufig ein Atemwegsinfekt, nicht selten eine banale Erkältung. Zwar klingt eine solche Exazerbation wieder ab, leider bleiben aber oft Schäden zurück und die Lungenfunktion ist danach schlechter als zuvor. 

Aufschluss über die Diagnose COPD kann nur eine Lungenfunktionsuntersuchung geben. 

Typisch: akute Verschlechterungen (Exazerbationen)

COPD: Was ist eine Exazerbation?

Eine Exazerbation ist eine akute Verschlechterung einer COPD, die mindestens zwei Tage anhält. Oft reicht eine Ausweitung der medikamentösen Therapie aus, manchmal ist aber auch ein Klinikaufenthalt nötig.

Noch mehr Schleim, noch weniger Luft

Entzündliche Veränderungen in der Lunge führen zu der akuten Verschlechterung einer COPD. Dabei wird vermehrt Schleim produziert, und die Bronchokonstriktion – der Kollaps und die Blockade der kleinen Atemwege bei der Ausatmung – wird weiter verstärkt. Betroffene leiden dann unter vermehrter Luftnot, Husten und Auswurf.

Bei einer massiven Verschlechterung kann neben der Atmung auch der Gasaustausch beeinträchtigt werden. Hierbei kommt es im Körper zu einem Mangel an Sauerstoff und einem Anstieg von Kohlendioxid. Neben schwerster Luftnot kann dies das Bewusstsein beeinträchtigen, Betroffene werden dann schläfrig.

Therapie nach Schweregrad

Die Exazerbation einer COPD wird in vier Schweregrade eingeteilt, die sich danach bemessen, welche Maßnahmen erforderlich sind. Je nach Ausmaß der Verschlechterung muss die Therapie ausgeweitet und intensiviert werden.

  • Bei einer leichten Beeinträchtigung reicht es aus, wenn eine Zeit lang ein kurzwirksames Atemspray zusätzlich verwendet wird. Eine Diagnostik mit Blutentnahme oder Röntgenbild ist hier in der Regel nicht notwendig.
  • Bei mittelschweren Exazerbationen müssen hingegen Kortison oder Antibiotika eingenommen werden.
  • Bei ausgeprägten Beschwerden und starker Luftnot ist eine Klinikaufnahme mit erweiterter Diagnostik und Therapie unumgänglich.
  • Sehr schwere Exazerbationen müssen sogar auf einer Intensivstation behandelt werden. In einigen Fällen kann eine Beatmung notwendig werden. Diese erfolgt häufig mit einer Maske und Überdruck, in schwersten Fällen jedoch auch über Schläuche direkt in die Luftröhre.

Geeignete Medikamente und richtiges Inhalieren

Nach einer akuten Verschlechterung muss überprüft werden, ob die aktuelle Therapie noch dem Schweregrad der Erkrankung entspricht und ausreicht. Dies gilt vor allem für Betroffene nach schwerer und sehr schwerer Exazerbation. Manchmal müssen die Sprays ausgeweitet werden, in einzelnen Fällen kann auch Langzeitsauerstoff notwendig werden.

Insbesondere die Zeit nach einer Krankenhausentlassung ist kritisch. Mehr als 30% der Menschen mit einer Exazerbation und stationärem Aufenthalt müssen innerhalb der ersten 90 Tage nach Entlassung erneut aufgenommen werden.

Wenn Sie an einer COPD leiden, achten Sie darauf, dass Sie Ihre Medikamente wie vom Arzt verschrieben einnehmen und eine gute Technik beim Inhalieren der Atemsprays beherrschen. So lassen sich die Beschwerden oftmals gut in den Griff bekommen und schwere Verläufe hoffentlich vermeiden.

COPD: Wie vermeide ich Exazerbationen?

Akute Verschlechterungen einer COPD treten häufig im Herbst und Winter auf und werden durch Viren oder Bakterien ausgelöst. Neben dem Händewaschen schützen unter anderem eine korrekte Einnahme der Medikamente, Raucherentwöhnung und Lungensport.

Weniger Luft bei Exazerbationen

Menschen mit COPD leiden unter chronischer Luftnot. Kommt es infektbedingt zu einer Exazerbation, einer akuten Verschlechterung, wird noch mehr Schleim produziert, der Husten wird stärker, die Atemnot nimmt zu.

Ihr Arzt reagiert in der Regel, indem er Ihnen zusätzliche Atemsprays verschreibt, gegebenenfalls fügt er Antibiotika oder Kortison hinzu. Bei schweren Exazerbationen kann ein Aufenthalt in der Klinik oder gar der Intensivstation notwendig werden.

Nach einer akuten Verschlechterung sollte alles daran gesetzt werden, weitere Ausbrüche zu vermeiden. Eine regelmäßige Medikamenteneinnahme und korrekte Inhalationstechnik der Sprays sind Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie und Prävention. Denn nur mit der richtigen Handhabung der Sprays erreicht der Wirkstoff Lunge und Atemwege. Es ist unerlässlich, dass Sie alle Ihre Medikamente und Sprays wie vom Arzt verschrieben nutzen.

Weitere Verhüter akuter Verschlechterungen: Impfungen, Nikotinstopp & Co

Neben der medikamentösen Therapie sind Raucherentwöhnung, Rehabilitation und Lungensport weitere wichtige Maßnahmen. Auch Impfungen gegen Grippe und Lungenentzündung schützen nachweislich vor Exazerbationen. In ausgewählten Einzelfällen werden zudem besondere Medikamente verordnet, wie Roflumilast (Daxas®) oder eine dauerhafte Gabe von Makroliden (Antibiotikagruppe). Arzneistoffe, die schleimlösend wirken, wie zum Beispiel Acetylcystein (ACC® Brause) oder Carbocystein, können ebenfalls gelegentlich helfen.

Alle oben beschriebenen Punkte dienen dazu, Ihre Lunge so stark und widerstandsfähig wie möglich zu machen. Dass Sie sich im Alltag erst gar keinen Keim einfangen, erreichen Sie durch entsprechende Hygiene und Waschen der Hände.

Sollten Sie wiederholt an Exazerbationen leiden, sprechen Sie Ihren Arzt darauf an. Kontrollieren Sie gemeinsam, ob Ihre aktuelle Medikation ausreicht, Sie Ihre Sprays korrekt einnehmen und alle notwendigen Impfungen haben.

Untersuchungen

Welche Lungenfunktionstests gibt es?

Das Wort Lungenfunktion ist ein Oberbegriff für verschiedene Untersuchungsmethoden, die Atmung und Gasaustausch der Lunge messen. Zu den einzelnen Untersuchungsmethoden gehören beispielsweise:

  • die Spirometrie (kurz auch Lufu)
  • die Bodyplethysmographie
  • die Spiroergometrie

Sie messen auf unterschiedliche Weise, ob und in welcher Form Atmung und Gasaustausch beeinträchtigt sind. Bei einer COPD kann man zum Beispiel den Kollaps der kleinen Atemwege in der Lufu messen. 

Wissenswertes zu den wichtigsten Untersuchungen

Was ist eine Spirometrie?

Die sogenannte Lufu ist die einfachste Form eines Lungenfunktionstests und wird in Hausarzt- und Facharztpraxen durchgeführt. Bei dieser Untersuchung atmen Sie durch ein Mundstück, das mit dem Spirometer verbunden ist.

Ein Sensor misst dabei den Luftfluss und errechnet, wie viel Liter Luft Sie ein- und ausatmen. Ein typischer Wert, der dabei gemessen wird, ist zum Beispiel die Einsekundenkapazität FEV1. Sie beschreibt, wie viel Luft Sie in einer Sekunde ausatmen können.

Was ist eine Ganzkörperplethysmographie?

Hier handelt es sich um eine etwas aufwändigere Untersuchung. Sie erfolgt in einer abgeschlossenen kleinen Druckkabine, die in etwa so groß wie eine Telefonzelle ist. Im Sitzen atmen Sie auch hier über ein Mundstück ein und aus.

Beim Atmen verändern sich die Druckverhältnisse in der Lunge. Da es sich um einen geschlossenen Raum handelt, übertragen sie sich auf die Kabinenluft. So können über die Veränderung des Drucks in der Kabine Rückschlüsse auf die Druckverhältnisse in den Lungenbläschen gezogen werden.

Erklärt wird dies damit, dass Frauen teilweise einen milderen Krankheitsverlauf aufweisen und die Erkrankung bei ihnen deshalb seltener diagnostiziert wird. Umso wichtiger ist es bei Frauen deshalb, Rückenschmerzen ernst zu nehmen und gründlich ärztlich abklären zu lassen.

Auch die Lungenvolumina aus der Spirometrie werden hier bestimmt. Zudem können zusätzlich Werte gemessen werden, die in der einfachen Lufu nicht messbar sind. Hierzu gehört zum Beispiel die Restluft, die nach einer vollständigen Ausatmung in der Lunge verbleibt (Residualvolumen).

Während die Ergebnisse der Spirometrie stark von der Mitarbeit der jeweiligen Person abhängig sind, ist die Bodyplethymographie weitgehend mitarbeiterunabhängig. Sie eignet sich daher bei Kindern oder auch für gutachterliche Stellungnahmen.

Was ist eine Spiroergometrie?

Bei der Spiroergometrie werden Sie körperlich belastet. Dies geschieht entweder auf einem Fahrrad oder einem Laufband. Während der körperlichen Anstrengung atmen Sie über eine Maske. Hierbei werden wie bei der Spirometrie die Lungenvolumina gemessen.

Manchmal wird unter Belastung zusätzlich auch eine Blutgasanalyse erhoben. Das heißt, im arteriellen Blut werden Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt bestimmt, die Rückschlüsse auf die körperliche Belastbarkeit geben.

Was ist ein Peak-Flow-Meter für zu Hause?

Auch zu Hause kann die Lungenfunktion gemessen werden. Das sogenannte Peak-Flow-Meter ist ein kleines handliches Gerät, das die maximale Flussströmung der Ausatmung misst.

Beim Messen stellen Sie sich dabei aufrecht hin und atmen einmal vollständig und tief ein. Während Sie kurz die Luft anhalten, setzen Sie das Mundstück an und umschließen es mit Ihren Lippen. Dann atmen Sie kräftig und so stark Sie können wieder aus.

Diesen Test wiederholen Sie dreimal. Er dient als Verlaufskontrolle bei Menschen mit Asthma oder COPD.

Messwerte

Wie ausgeprägt die COPD zur Zeit ist, wird mit Hilfe der Lungenfunktions-Untersuchung (Lufu) bestimmt. Die dabei bestimmten Messwerte zeigen, wie stark die COPD Ihre Atmung beeinträchtigt. Anhand der Ergebnisse teilen Ärzte dann eine COPD in Schweregrad ein.

Im Folgenden beschreiben wir, was die einzelnen Messwerte im Detail bedeuten.

Wissenswertes zu den wichtigsten Messwerten

Was bedeutet FVC?

Einer der Grundparameter, der in der Lufu bestimmt wird, ist die forcierte Vitalkapazität FVC. Hier messen Mediziner, wie viel Liter Luft Sie bei tiefer Ein- und Ausatmung in Ihrer Lunge bewegen können. Sie ist wichtig, da die sogenannte Einsekundenkapazität FEV1 (s. unten) später zu ihr in Relation gesetzt wird. Ihr Verhältnis bestimmt, ob eine Obstruktion und somit eine COPD überhaupt vorliegt.

Was bedeutet FEV1 (Einsekundenkapazität)?

Um diesen Wert zu bestimmen, atmen Sie tief ein und so schnell und kräftig wie möglich wieder aus. Das Luftvolumen, das Sie dabei in der ersten Sekunde ausatmen, ist die FEV1. Sie hängt von Alter, Geschlecht und Größe ab und liegt bei ungefähr 5 Litern.

Was bedeutet FEV1/FVC (Tiffenau-Index)?

Ein gesunder Mensch schafft es, circa 75-85% der forcierten Vitalkapazität FVC in der ersten Sekunde auszuatmen. Bei einer COPD ist die Ausatmung wie gesagt verlangsamt und eingeschränkt, d.h. von den beispielhaften 5 Litern werden weniger als 75-85% in der ersten Sekunde ausgeatmet. Ein Verhältnis von FEV1/FCV < 70% bestätigt eine Obstruktion. Dies ist der erste Wert, der im Diagnostikablauf der COPD bestimmt wird.

Was bedeutet FEV1 % v. Soll?

Liegt der Tiffenau-Index (FEV1/FVC) < 70%, erfolgt die weitere Gradeinteilung der COPD dann anhand des FEV1-Wertes. Da er von Größe, Gewicht und Alter abhängt, gibt es Normwerte, zu denen er in Relation gesetzt wird. Auf der Ergebnisseite eines Lungenfunktionstestes wird er daher als FEV1 % vom Sollwert angegeben.

  • Bei Werten > 80% sprechen Mediziner von einer leichtgradigen Obstruktion.
  • Werte zwischen 50% und 79% entsprechen einer mittelgradigen COPD.
  • Werte zwischen 30% und 49% entsprechen einer schwergradigen COPD.
  • Ab Werten < 30% liegt eine sehr schwere Obstruktion vor.

Was sagen die Messwerte über das Krankheitsstadium aus?

Je kleiner das Atemvolumen und je langsamer die Flussgeschwindigkeit sind, desto schwerwiegender ist die COPD. Ein Betroffener mit COPD I befindet sich im Anfangsstadium einer COPD. Die Atemwerte weichen nur 0-20% vom Sollwert ab. Beim Stadium COPD IV hingegen weicht die Lungenfunktion um mehr als 70% vom Sollwert ab, und die Betroffenen haben auch in Ruhe schon deutliche Luftnot.

FEV1-Wert für Diagnostik und Prognose

Die Einsekundenkapazität FEV1 ist nach den aktuellen Leitlinien (siehe Quellen) der beste einzelne Prognosefaktor für die COPD. So haben Studien Zusammenhänge zwischen dem FEV1-Wert und der Lebensqualität bzw. dem Auftreten von klinischen Beschwerden gezeigt.

Behandlung

Wie wird eine COPD behandelt?

Die Behandlung einer COPD fußt auf mehreren Säulen. Dazu zählen im Besonderen eine Vielzahl an Lungensprays und teils auch kortisonhaltige Medikamente. In fortgeschrittenen Stadien kann unter Umständen eine Sauerstofftherapie notwendig werden. Unerlässlich ist bei Rauchern zudem der Nikotinverzicht.

Die Therapie einer COPD richtet sich danach, wie schwer Ihre Lunge erkrankt ist. Es gibt vier Krankheitsstadien und je nach Stadium verschiedene Sprays oder auch Tabletten, die Ihnen helfen können.

Mit welchem Spray Ihr Arzt beginnt und ob im Verlauf weitere Medikamente hinzugefügt werden, richtet sich nach Ihrem Krankheitsstadium, also danach, wie häufig Sie eine Exazerbation im Jahr haben, ob Sie deshalb in einer Klinik stationär aufgenommen werden mussten und wie viele Beschwerden Sie im Alltag haben.

Ohne Rauchverzicht geht es nicht

Auch die nichtmedikamentösen Maßnahmen sind ausschlaggebend bei der Therapie der COPD. Hierzu gehören zum Beispiel Impfungen gegen Grippe und Lungenentzündung sowie Rehaprogramme. Da 90% der COPD-Erkrankungen durch Zigaretten ausgelöst werden, ist es zudem sehr wichtig, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Krankheit kann zwar nicht geheilt, ihr Fortschreiten dadurch aber vermindert werden.

Welche Arten von Lungensprays gibt es?

Um die Atmung zu erleichtern, sind diverse Sprays mit unterschiedlichen Arzneistoffen und Wirkungsweisen dem Markt. Sie werden in kurzwirksame und langwirksame Bronchodilatatoren eingeteilt. Bronchodilatorisch bedeutet dabei, dass das Lungengerüst entspannt und die Atmung erleichtert wird.

Ärzte sprechen bei den schnell wirkenden Medikamenten von:

  • SABAs (short acting beta agonist)
  • SAMAs (short acting muscarinic antagonist)
  • Zu den schnell wirkenden SABAs und SAMAs, die akut bei Luftnot helfen, gehören zum Beispiel Salbutamol und Atrovent®.

und bei den langwirkenden von:

  • LABAs (long acting beta agonist)
  • SAMAs (long acting muscarinic antagonist)
  • Zu den langsamer wirkenden LABAs und LAMAs, die als Dauertherapie eingesetzt werden, zählen Formoterol, Serevent® und Spiriva®.

Das M bzw. B in der Abkürzung beschreibt bei den beiden Gruppen jeweils den Wirkungsmechanismus der Medikamente. Kombinationen der Medikamente sind ebenfalls erhältlich.

Kortison-Sprays

Neben den oben beschriebenen bronchienerweiternden Sprays gibt es zudem kortisonhaltige Sprays und auch hier wiederum Kombinationspräparate mit Kortison. Beispiele sind Pulmicort® oder Viani®.

Wann werden Tabletten eingesetzt?

Wenn Sprays nicht mehr helfen, werden zur Behandlung der COPD auch Tabletten eingesetzt. Meist handelt es sich um Kortisontabletten, besonders bei der Therapie von akuten Verschlechterungen.

Als Dauertherapie wird zudem auch Theophyllin verschrieben und in schweren Fällen Daxas®. Sind Betroffene schwerst erkrankt und haben nachweislich zu wenig Sauerstoff im Blut, so kann eine Therapie mit Langzeitsauerstoff notwendig werden.

Wie sieht die Stufentherapie der COPD aus?

Die COPD wird in vier Krankheitsstadien bzw. Schweregrade eingeteilt, nach denen sich das empfohlene Therapieschema richtet. Die Einteilung erfolgt dabei anhand der Werte der Lungenfunktions-Untersuchung und der Beschwerden.

  • Nach dem Stufenschema bei der Behandlung der COPD werden kurzwirksame Sprays (SABAs, SAMAs) bei leichten Beschwerden verwendet.
  • Die langwirksamen Sprays (LABAs, LAMAs) bilden die Basis der Dauertherapie bei stärkeren Luftnotbeschwerden.
  • Reicht ein langwirkendes Spray alleine nicht aus aus, wird die Medikation um ein zweites langwirkendes Spray mit anderem Wirkmechanismus erweitert.

Das Stufenschema gibt Freiraum und Variationsmöglichkeiten für Therapieempfehlungen. Verschiedene Faktoren spielen hier eine Rolle. Sprechen Sie daher mit Ihrem Lungenfacharzt, welches das richtige Medikament für Sie sein könnte.

Behandlung je nach Beschwerden

Lange Zeit stützten sich die Therapieempfehlungen der Global Initiative for Chronic Lung Disease (GOLD) allein auf den Schweregrad der COPD aus den Werten der Lungenfunktion. In den letzten Jahren haben Mediziner jedoch festgestellt, dass auch das Ausmaß der Symptome in der Therapieentscheidung berücksichtigt werden muss. Hierzu zählt, wie häufig im letzten Jahr eine Exazerbation (akute Verschlechterung) aufgetreten ist, ob eine Antibiotikagabe oder gar ein Klinikaufenthalt notwendig war und wie schnell Luftnot im Alltag auftritt.

Anhand dieser Kriterien teilen Ärzte Betroffene heute in die vier Krankheitsstadien A bis D ein. Gruppe A und B haben weniger als eine Exazerbation pro Jahr, Gruppe C und D mindestens zwei (oder eine sehr schwere). Der Schweregrad der Luftnot im Alltag kann mit verschiedenen Scores bestimmt werden.

Zu welcher Gruppe gehöre ich? 

Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick darüber, wer wann und wie behandelt wird:

  • Gruppe A:
    • Betroffene mit wenig Beschwerden, maximal einer Exazerbation im vergangenen Jahr, die nicht in einer Klinik behandelt werden musste, gehören zur Gruppe A. Bei ihnen kann unter bestimmten Umständen ohne Medikamente abgewartet werden. Oft wird mit kurzwirksamen Sprays begonnen oder gleich regelmäßig mit langwirksamen Sprays behandelt.
  • Gruppe B:
    • Betroffene der Gruppe B haben deutliche Beschwerden, hatten aber wie die Gruppe A maximal eine Exazerbation im vergangenen Jahr und mussten deswegen nicht in eine Klinik. Sie werden in der Regel mit langwirksamen Sprays behandelt, die entweder als Einzel- oder Kombinationstherapie gegeben werden können. 
  • Gruppe C und D:
    • Betroffene der Gruppen C und D hatten mehr als eine Exazerbation im vergangenen Jahr oder mussten deswegen in einer Klinik behandelt werden. Hier unterscheiden Experten zudem, ob eine COPD-Krise unter laufender Therapie oder "ganz neu" aufgetreten ist. In der Regel werden ein bis zwei lang wirkende Sprays empfohlen, bzw. es wird in einem weiteren Schritt ein Kortisonspray den bronchenerweiternden Sprays hinzugefügt. Eine Kortisonspray wird nie alleine verschrieben.

Wissenswertes zur Behandlung

COPD: Was ist eine Tripeltherapie?

Die Tripeltherapie bei COPD bezieht sich auf die Kombination von drei unterschiedlich wirkenden Lungensprays, die bei fortgeschrittener Erkrankung verschrieben werden. Wer LABA + LAMA + Kortison einnimmt, erhält mit diesen drei Wirkstoffgruppen eine sogenannte Tripeltherapie. Das Kortisonspray kann dabei separat eingenommen werden oder in Form eines Kombipräparates, das alle drei Wirkstoffe enthält (z.B. Trimbow®).

COPD: Ist Kortison gefährlich?

Menschen mit COPD fragen sich häufig, ob Sie ein kortisonhaltiges Spray oder gar Tabletten einnehmen müssen und wie hoch das Risiko von Nebenwirkungen ist. Generell greifen Mediziner wie gesagt zu kortisonhaltigen Lungensprays erst relativ spät, das heißt, wenn die anderen Mittel nicht ausreichen. 

Den Einsatz von Kortisontabletten sehen sie noch kritischer. So helfen Kortisontabletten zwar bei Exazerbationen (akuten Verschlechterungen), sie sollten aber generell nicht dauerhaft als Langzeittherapie gegeben werden. Die Grenze liegt in der Regel bei 14 Tagen. In bestimmten Situationen ist ihre Gabe aber unumgänglich.

Tatsächlich können kortisonhaltige Tabletten (weniger die Sprays) zu Nebenwirkungen und Problemen führen. So können Steroide unter anderem eine Schwächung der Muskulatur auslösen. Dies bedeutet für Menschen mit einer COPD, dass die Atmung wegen fehlender Muskulatur und mangelnder Kraft noch anstrengender wird. Schon niedrige Dosen von weniger als 10 mg Prednisolon können bei langfristiger Anwendung dieses Problem verursachen.

Weitere Informationen zu Kortison, seiner Wirkung und möglichen Nebenwirkungen lesen Sie hier

Wie werden Lungen-Sprays richtig inhaliert?

Lungensprays bilden die Basis der COPD-Behandlung. Richtiges Inhalieren ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Eine Vielzahl an Geräten ist auf dem Markt. Sie enthalten verschiedene Arzneimittel, und jedes Inhalationsgerät funktioniert ein wenig anders.

Wichtig ist bei allen, dass Aerosol (Medikamenten-Luft-Gemisch) bzw. Medikamenten-Pulver mit der Einatmung in der Lunge ankommen.

Mit der richtigen Technik direkt in die Lunge

Um eine maximale Medikamentenaufnahme sicherzustellen, sollten Sie sich vorher informieren, wie Ihr Gerät funktioniert. Besonders wichtig ist zudem, dass Sie eine korrekte Atemtechnik befolgen, so dass sich Pulver oder Aerosol gut in den Atemwegen verteilen können.

Hierzu setzen Sie sich aufrecht hin, atmen langsam und vollständig aus und nehmen dann das Inhalationsgerät an den Mund. Sie müssen es komplett mit Ihren Lippen umschließen, damit keine Luft bzw. kein Wirkstoff an den Seiten entweichen kann.

Im nächsten Schritt können Sie das Gerät aktivieren und die Medikamentenfreigabe auslösen. Gleichzeitig atmen Sie so tief wie möglich ein, damit möglichst die gesamte Menge des Arzneistoffes Ihre Lunge erreicht.

Nach dem Einatmen müssen Sie für 5 bis 10 Sekunden die Luft anhalten, da sich in dieser Zeit das Medikament in alle Bereiche Ihrer Lunge verteilt. Danach können Sie das Gerät wieder absetzen und ruhig aus- und weiteratmen.

Besonderheiten einzelner Geräte

Die meisten Geräte funktionieren ähnlich. Für die zwei gängigsten Inhalationsarten, die Dosieraerosole und die Pulverinhalation, zählen wir ein paar Punkte auf, die Sie beachten sollten.

Dosieraerosole arbeiten mit Treibgas und Druckbehälter. Sie mischen den Wirkstoff mit Luft. Vor dem Gebrauch müssen Sie sie gut schütteln. Sind sie neu oder wurden länger als fünf Tage nicht benutzt, sollten Sie zwei Probestöße in die Luft abgeben, um sicherzustellen, dass sie funktionieren.

Außerdem können sie mit Inhalationshilfen gekoppelt werden, die vor das Dosieraerosol geschraubt werden. Insbesondere bei kortisonhaltigen Sprays kann dies hilfreich sein, da mit ihnen weniger Kortison im Mund- und Rachenraum verbleibt. Pilzinfektionen (Soor) treten dann seltener auf, und eine größere Menge des Arzneistoffes kann die Lunge erreichen.

Sprays mit Medikamentenkapseln

Bei der Pulverinhalation befindet sich das Medikament in einer Kapsel. Sie muss vor Gebrauch aus der Verblisterung herausgenommen, in das Gerät eingelegt und vom Gerät "angestochen" werden. Nach der Inhalation müssen Sie die Kapsel wieder aus dem Gerät entfernen. Ist sie leer, haben Sie das Medikament erfolgreich vollständig eingeatmet.

Videos zur Veranschaulichung

Zu fast allen Inhaliergeräten finden Sie im Internet Anleitungen und Filme. So auch auf der Webseite der deutschen Atemwegsliga und bei YouTube. Hier können Sie sich bequem und gut verständlich informieren, bevor Sie Ihr neues Gerät in Gebrauch nehmen, und sichern sich so einen guten Therapieerfolg.

COPD: Wie atme ich richtig?

Eine korrekte Atemtechnik und kontinuierliches Training hilft bei einer COPD. Körperliche Belastbarkeit und Atemnot verbessern sich dadurch.

Atmen kostet Kraft

Unsere Atmung erfolgt unterbewusst. Sie wird vom zentralen Nervensystem gesteuert. Hauptmuskel ist das Zwerchfell, das zwischen Bauch- und Brustraum liegt. Beim Einatmen senkt es sich Richtung Bauch, und Luft strömt in den Brustraum. Beim Ausatmen entspannt es und bewegt sich wieder Richtung Herz und Brustkorb. Dabei fließt Luft aus der Lunge durch den Mund- und Nasenraum hinaus.

Während der Atmung gelangt Sauerstoff aus der Luft in den Körper, Kohlendioxid wird abgegeben. Dieser Mechanismus ist bei Menschen mit COPD eingeschränkt, da die kleinen Lungenwege beim Ausatmen kollabieren. Dadurch wird die Atmung schwerer und kostet mehr Kraft.

Wenn Zwerchfell und Atemmuskeln müde werden

Das Zwerchfell wird von der sogenannten Atemhilfsmuskulatur unterstützt. Hierzu zählen zum Beispiel die kleinen Muskeln in den Zwischenrippenräumen.

Ist die Atmung erschwert, weil der Luftaustausch in der Lunge nicht mehr richtig funktioniert, wirkt sich das auch auf die Atemhilfsmuskulatur aus. Sie verkürzt sich durch die ständige Überlastung. Der Brustkorb wird weniger beweglich, und auch die Körperhaltung verändert sich. Dadurch wird die Atmung flacher und noch schwerer: Ein Teufelskreislauf setzt ein.

Lippenbremse und die richtige Körperhaltung

Eine richtige Atmung und kontinuierliches Atemtraining können diesen Kreislauf durchbrechen und aufhalten. Zu einer korrekten Atmung gehört zum Beispiel das Erlernen der sogenannten Lippenbremse und der Körperhaltungen, die das Atmen erleichtern.

Die Lippenbremse hilft bei körperlicher Anstrengung und Luftnot. Hierbei atmen Sie durch die Nase ein, legen die Lippen zunächst locker aufeinander, drücken sie dann leicht zusammen und atmen durch die verengte Atemöffnung wieder aus. Die Wangen sollten dabei nicht zu stark aufgebläht und beim Ausatmen darf nicht zu stark gepresst werden.

Auch atmungserleichternde Stellungen helfen bei Luftbeschwerden. Hierzu gehören zum Beispiel der sogenannte Kutschersitz, die Stuhlstütze oder die Torwartstellung. Bei diesen Haltungen stützen Sie sich im Stehen oder Sitzen mit den Armen auf den Knien ab und erleichtern dadurch die Atmung.

Verschiedene Videofilme und Anleitungen zu atmungserleichternden Haltungen und zur Lippenbremse finden Sie im Internet.

Das A&O: Lungentraining im Alltag

Für das Lungentraining zu Hause werden auch sogenannte PEP-Systeme genutzt. Dies sind kleine Atemhilfsgeräte, die ähnlich wie ein Lungenspray aussehen. Über ein Mundstück atmen Sie in das Gerät. Bei der Ausatmung baut es einen Druck auf (PEP – positive exspiratory pressure), der sich auf die Lunge überträgt. Schleim kann sich so leichter lösen, das Abhusten wird unterstützt.

Auch Treppensteigen, Gehtraining und Teilnahme am Lungensport sind wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Therapie. Alle Trainingsmöglichkeiten sollten im Alltag – auch nach einer stationären Rehamaßnahme – regelmäßig fortgeführt werden. Studien haben gezeigt, dass sich die körperliche Belastbarkeit dadurch verbessert und Atemnot sowie Ermüdbarkeit abnehmen. Dies gilt für alle COPD-Stadien.

Wann ist eine Sauerstofftherapie sinnvoll?

Bei der COPD kann der Gasaustausch der Lunge beeinträchtigt sein. Je nach Sauerstoffgehalt im Blut profitieren einige Menschen nachweislich von einer Langzeitsauerstofftherapie.

Sauerstoffdruck im Blut

Ausschlaggebend für die Gabe von Sauerstoff (O2) ist die sogenannte Blutgasanalyse. Hier werden Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt im arteriellen Blut gemessen. Das Blut wird dabei aus dem Ohrläppchen bzw. dem Puls am Handgelenk entnommen.

Der Gehalt selbst wird als Partialdruck in Millimeter-Quecksilbersäule (mmHg) oder Kilopascal (kPa) angegeben. Bei Gesunden liegen die Werte zwischen 70 und 90 mmHg (bzw. 8-12 kPa), im Alter können sie auf Werte um 60 mmHg absinken.

Klare Regelungen

Liegen die gemessenen Drücke für O2 unter 55 mmHG in Ruhe, ist eine Langzeitsauerstofftherapie angezeigt. In einzelnen Fällen kann auch bei einem O2-Wert unter 60 mmHG eine Therapie bereits gerechtfertigt sein. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn zusätzlich ein erhöhter Lungendruck oder Zeichen einer Herzbelastung vorliegen.

Vorsicht ist jedoch geboten, wenn gleichzeitig die Werte für Kohlendioxid (CO2) steigen. Ein erhöhter Druck an CO2 im Blut kann schläfrig machen. Manchmal ist in einer solchen Konstellation eine Sauerstoffgabe nicht möglich.

Langzeitsauerstoff verlängert Leben

Langzeitsauerstoff sollte in der Regel mindestens über 16 Stunden am Tag gegeben werden. Studien haben gezeigt, dass sich die Denkfähigkeit der Betroffenen verbessert und dass sie wieder körperlich aktiver werden. Zudem verlängert die langfristige O2-Gabe bei Menschen mit COPD nachweislich das Leben. Sie gewinnen im Durchschnitt 2 bis 3 Jahre.

Übrigens: Angst vor einer Abhängigkeit müssen Sie dabei nicht haben.

Weitere Fragen zum Umgang mit der Erkrankung

Worauf muss man mit COPD beim Fliegen achten?

Beim Fliegen in Höhen über 8000 Meter sinkt der Sauerstoffdruck in der Luft. Gesunden macht dies nichts aus. Menschen mit COPD hingegen können Luftnot und weitere Beschwerden entwickeln.

Luft ist ein Gasgemisch, das normalerweise 21% Sauerstoff (O2) enthält. Im Flugzeug wird dieser Wert künstlich aufrechterhalten. Dies gelingt sehr gut bis zu einer Höhe von circa 8000 Metern, danach sinkt der O2-Gehalt in der Maschine auf Werte um 15%.

Unzureichender Gasaustausch bei COPD

Gesunde Menschen können dies durch eine etwas tiefere und schnellere Atmung ausgleichen. Die dadurch erreichten Sauerstoffwerte im Blut sind zwar etwas niedriger als normal, aber ausreichend.

Bei Menschen mit COPD kann der niedrige Sauerstoffgehalt jedoch zu Beschwerden führen. Sie benötigen vielleicht noch nicht regelmäßig Sauerstoff, aber eventuell für Flugreisen. Auf langen Strecken in großer Höhe können sie sonst unter den reduzierten Sauerstoffbedingungen Beschwerden und Luftnot bekommen.

Ab 50 mmHg wird die Luft dünn

Ob Sie zusätzlichen, tragbaren Sauerstoff für eine Flugreise benötigen, richtet sich nach den Werten Ihrer Blutuntersuchung. Bestimmt wird im arteriellen Blut der sogenannte Sauerstoffpartialdruck (PaO2).

Alternativ kann ein ähnlicher Wert per Finger-Clip den O2-Gehalt wiedergeben. Hier sprechen Mediziner von der Sauerstoffsättigung (SaO2). Angegeben werden die Werte in Millimeter-Quecksilbersäule (mmHg) bzw. in Prozent (%).

Bei gesunden Menschen liegt der Sauerstoffpartialdruck im arteriellen Blut > 70 mmHG. Bei einer Flugreise sinkt er etwas, erreicht in der Regel aber weiterhin Werte > 60 mmHg. Dies toleriert der Körper ohne Probleme.

Wenn Menschen mit einer COPD jedoch bereits vor der Flugreise einen PaO2 Wert < 60 mmHg aufweisen und die Werte mit der Flughöhe sinken, können Drücke < 50 mmHg erreicht werden. Das kann zu Problemen führen. Diese Menschen benötigen für ihre Flugreise extra Sauerstoff.

Ist also absehbar, dass Sie im Flugzeug einen Partialdruck < 50 mmHG erreichen könnten, sollten Sie tragbaren Sauerstoff für die Reise erhalten. Wichtig bei der Entscheidung, ob Sauerstoff benötigt wird, ist zudem, wie häufig akute Verschlechterungen (Exazerbationen) und Klinikaufenthalte auftreten. Auch Fluglänge und -höhe sowie -typ fließen in die Empfehlung ein.

Vorbereitung auf den Flug

Bereits Ihre körperliche Belastbarkeit im Alltag gibt einen Hinweis darauf, ob Sie Sauerstoff im Flugzeug benötigen. Eine Faustregel besagt, dass Menschen mit COPD, die 50-80 Meter auf flacher Strecke problemlos gehen können, auch einen Flug gut schaffen.

Schlussendlich entscheidet Ihr Arzt, ob Sie zusätzlichen Sauerstoff auf einer Flugreise mitnehmen müssen. Falls Sie ihn benötigen, müssen einige Punkte vor der Reise geklärt werden.

Sie müssen Ihre Versicherung und auch die Fluggesellschaft kontaktieren, um zu fragen, ob z.B. ein portables Sauerstoffgerät mitgenommen werden kann oder ggf. bereitgestellt wird. Zudem muss geklärt werden, wer die Kosten trägt.

Informationen hierzu finden unter anderem auf den Webseiten der Atemwegsliga oder der European Lung Foundation. Darüber hinaus gibt es verschiedene Patientenforen, auf denen Sie sich informieren können.

Hilft Yoga bei COPD?

Ja, Yoga kann helfen. Es setzt über Atemübungen, Meditation und Kraftaufbau an verschiedenen Problempunkten einer COPD-Erkrankung an. Ein Training sollte aber zuvor mit Ihrem Arzt besprochen und auf Sie abgestimmt werden.

Ihren positiven Effekt erzielen Yoga-Übungen unter anderem durch den Anteil des Atemtrainings, einer der drei Säulen der Yogatherapie. Dies wurde in mehreren Studien untersucht. Yoga verbessert dabei nachweislich die physische und mentale Gesundheit. Sowohl Lebensqualität als auch Werte der Lungenfunktionstests werden bei Menschen mit einer COPD positiv beeinflusst.

Wichtig ist, dass die Atemübungen Ihrer Erkrankung angepasst werden. Der Fokus liegt im Besonderen darauf, die Ausatmung zu trainieren. Übungen, bei denen die Luft angehalten wird, sollten in der Regel vermieden werden.

Mehr Fitness, weniger Angst

Eine Yogatherapie hilft nicht nur durch das Atemtraining, auch Begleitprobleme wie Ängste und Depressionen bessern sich. Meditation, Achtsamkeitstraining und Entspannungsübungen entlasten dabei Geist und Seele, die Psyche wird gestärkt. Zudem bauen Kraft- und Halteübungen die Muskulatur auf, erhöhen die Flexibilität und stabilisieren den Körper.

Jede einzelne der drei Komponenten des Yogas – Atemtraining, Halteübung und Meditation – kann bei einer COPD helfen und als zusätzlicher Therapieansatz dienen. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.

COPD: Gibt es Tipps gegen Luftnot im Alltag?

Je nach Ausmaß der COPD kann die Luft im Alltag knapp werden. Aufstehen, Ankleiden und Haare Kämmen wird für manche Menschen dann unmöglich. Ein paar Verhaltenstricks wie zum Beispiel das Duschen mit Hocker können helfen.

Die Einnahme Ihrer Medikamente und Atemsprays, die Teilnahme am Lungensport und der Nikotinverzicht bleiben immer unerlässliche Pfeiler der COPD-Therapie. Verschlechtert sich die Luft im Alltag, helfen neben der Einnahme der Notfallsprays auch Entspannungs- und Atemtechniken. Zusätzlich gibt es ein paar Tipps und Tricks, die die Luftnot im Alltag etwas lindern können.

Lassen Sie sich Zeit

Wichtig ist, dass Sie immer auf Ihren Körper hören und sich ausreichend Zeit für alles nehmen. Unter Druck steigen die Stresshormone, die Atmung fällt dann noch schwerer. Sie brauchen daher ein gutes Zeitmanagement und müssen Ihre Aufgaben planen.

Auch beim Aufstehen am Morgen sollten Sie sich nicht hetzen. Investieren Sie mehrere Minuten für Dehnungsübungen, und lassen Sie Ihren Körper langsam erwachen. Erledigen Sie alles in Ruhe.

Bei allen dann folgenden Aufgaben wie dem An- und Ausziehen, dem Haare Kämmen und Duschen können Sie Kraft und Energie sparen, indem Sie sie im Sitzen erledigen. Duschhocker und Badewannenstühle zum Beispiel sind auch im Hilfsmittelverzeichnis gelistet und sollten von Ihrer Krankenkasse gezahlt werden. Fragen Sie dort einmal nach. Die Produkte selbst finden Sie im Internet und Fachhandel.

Lockere Kleidung und ein wenig Bewegung

Achten Sie bei der Kleidung darauf, dass sie möglichst locker sitzt. Ein zu enger BH, enge T-Shirts und Hosen schnüren Rumpf und Brustkorb ein und verstärken die Luftnot. Auf Duftstoffe und Parfüms sollten Sie verzichten, sie reizen die Lunge.

Auch wenn die körperliche Belastung schwerfällt, ist sie gleichzeitig einer der Grundpfeiler der COPD-Behandlung. Wenn es irgendwie machbar und möglich ist, belasten Sie sich daher, so gut es geht. Wer zum Beispiel im 4. Stock lebt, kann ein Stockwerk zu Fuß gehen und erst dann den Fahrstuhl nutzen.

Akute Verschlechterung – brauche ich Antibiotika?

Ob Sie eine antibiotische Therapie benötigen, richtet sich unter anderem nach dem Schweregrad der Exazerbation (akute Verschlechterung) und danach, ob es Hinweise auf eine Infektion durch Bakterien gibt. Eine antibiotische Therapie sollte nur dann erfolgen, wenn sie wirklich angebracht ist und nachweislich Krankheitsdauer und Krankheitslast senken kann.

Wenn Antibiotika zu häufig und nicht korrekt eingenommen werden, können Bakterien gegen das verwendete Medikament resistent werden, es wirkt dann nicht mehr.

Antibiotika bei gelb-grünem Husten

Ein leichte COPD-Exazerbation heilt in der Regel ohne Antibiotika aus. Mittelgradige und schwere Verschlechterungen müssen öfter antibiotisch behandelt werden, besonders immer dann, wenn es zu eitrigem Hustenauswurf kommt. Dies spricht für eine bakterielle Infektion.

Die Farbe des Auswurfs hilft dabei zu entscheiden, ob eine eitrige Entzündung wahrscheinlich ist. Gelb-grünliche Veränderungen sprechen in der Regel für eine bakterielle Ursache und sollten antibiotisch behandelt werden.

Gelegentlich kann auch ein Laborwert, das Procalcitonin (PCT), weiterhelfen. Bei bakteriellen Infektionen ist es erhöht. Menschen mit einer sehr schweren COPD-Exazerbation sollten grundsätzlich Antibiotika erhalten. Sie sind oft schwer erkrankt, werden auf der Intensivstation behandelt und eventuell sogar beatmet. Sie profitieren nachweislich von einer antibiotischen Therapie.

Wichtig: Bakterienanzucht vor der Therapie

Vor Beginn einer antibiotischen Behandlung sollte eine Probe des Auswurfs eingeschickt und eine Kultur (Anzucht) angelegt werden. Labormediziner bestimmen hieran, welches Bakterium den Infekt auslöst und welche Substanzen am besten dagegen wirken.

Je nach Werten des sogenannten Antibiogramms kann dann die Therapie konkret auf den Keim abgestimmt werden. Nicht immer kann klar vorhergesagt werden, ob und wann eine Antibiose wirklich angemessen ist.

Auch Studienergebnisse hierzu sind nicht immer ganz einheitlich. Schweregrad der Exazerbation und Hinweis auf Bakterien durch verfärbten Auswurf scheinen aktuell die zuverlässigsten Faktoren zu sein.

Schlussendlich macht sich Ihr Arzt ein Bild der Gesamtsituation und entscheidet, ob eine antibiotische Therapie bei Ihnen notwendig ist.

Verlauf und Prognose

Ist die COPD heilbar?

Die COPD ist eine chronische Krankheit. Sie kann nicht geheilt, ihr Fortschreiten aber aufgehalten werden. Voraussetzung: Auslösende Faktoren – meist das Rauchen – müssen gestoppt und eine medikamentöse Behandlung begonnen werden. Studien haben gezeigt, dass der Verzicht auf Nikotin nachweislich die Lebensdauer bei Menschen mit COPD verlängert. 

Leistungsfähigkeit und Lebensqualität steigern

Eine konsequente Behandlung im Alltag hilft Ihnen nachweislich weiter, auch wenn die Krankheit bleibt. Durch den Nikotinverzicht und eine gute Therapie steigen Ihre Leistungsfähigkeit und Lebensqualität wieder an. Atembeschwerden und Krankenhausaufenthalte nehmen ab, und Sie erholen sich schneller von bronchialen Infekten. Auch nimmt die Kraft in Armen und Beinen zu. Zudem treten Begleitängste wie auch Depressionen seltener auf.

Insgesamt verbessert sich durch eine gute Therapie Ihre Prognose. Es lohnt sich also immer, etwas zu tun. Sprechen Sie daher Ihren Arzt an, was er in Ihrem Fall empfiehlt. Da die COPD eine häufige Erkrankung ist, gibt es verschiedene Informationsportale und Selbsthilfegruppen. Kontakt und Erfahrungsaustausch können hier hilfreich sein.

Fragen zu weiteren Folgeerkrankungen bei COPD

Bekomme ich mit COPD auch Lungenkrebs?

Die Frage nach Krebserkrankungen ist oft mit Angst und Sorge besetzt. Wir versuchen, sie hier für Sie zu beantworten, wobei der Verlauf im Einzelfall nicht vorhersehbar ist.

Menschen mit einer COPD sorgen sich gelegentlich, ob Komplikationen wie ein Emphysem, Herzinfarkt oder Lungenkrebs hinzukommen und wie lange sie noch leben werden. Tatsächlich ist der Lungenkrebs bei Betroffenen leider eine häufige Todesursache.

Circa 90% der Personen mit COPD rauchen oder haben geraucht. Allein durch den Nikotingebrauch haben sie ein erhöhtes Risiko, einen Lungenkrebs zu bekommen. Zusätzlich ist die COPD aber auch unabhängig vom Rauchen ein eigener Risikofaktor. Unter Rauchern erhöht sie das Risiko für einen Lungenkrebs um das zwei- bis sechsfache.

Einteilung in Risikogruppen

Ein Punkte-Score hilft dabei einzuschätzen, wer besonders von einem Lungenkrebs gefährdet ist. Das Risiko dafür steigt in folgenden Situationen an:

  • bei einem Alter über 60 Jahren
  • bei intensivem Rauchen mit mehr als 60 Packungsjahren
  • bei einem Body-Mass-Index unter 25 kg/m²
  • bei einem nachgewiesenen Lungenemphysem im Röntgenbild

Packungsjahre (py, pack years) beschreiben, wie viele Schachteln Zigaretten ein Betroffener pro Tag über wie viele Jahre geraucht hat. 60 Packungsjahre können dabei bedeuten, dass über 60 Jahre lang eine Schachtel pro Tag oder über 30 Jahre lang 2 Schachteln pro Tag geraucht wurden. Der Body-Mass-Index gibt das Verhältnis von Körpergewicht und Größe wieder.

Aus den Antworten auf diese vier Fragen werden Punkte verteilt und Betroffene in eine Niedrig- bzw. eine Hochrisikogruppe eingeteilt.

Nutzen von Vorsorgeuntersuchung noch offen

Der Wunsch nach einem Screening – einer Untersuchungsmethode, die einen Lungenkrebs frühzeitig entdecken kann – ist verständlich und nachvollziehbar. Dabei sollen Vorsorgeuntersuchungen generell mehr Nutzen als Schaden bringen.

Ob die Gruppe der Menschen mit einer COPD von einem flächendeckenden Screening mit einem Computertomogramm (CT) der Lunge profitiert, konnte bisher noch nicht abschließend in Studien geklärt werden. Nicht immer ist die Befundlage eindeutig. Gelegentlich findet sich ein Lungenkrebs, manchmal jedoch "nur" ein Knötchen, das an sich harmlos ist.

Eine dann folgende größere Diagnostik oder gar Operation kann wiederum Komplikationen mit sich bringen. Auch ist die Röntgenbelastung nicht ganz unbedeutend. Und schließlich sind die Ängste und Sorgen der Betroffenen nicht zu vergessen, die mit einer vermeintlichen Krebsdiagnose verbunden sind.

Im Moment wird daher in Deutschland noch kein flächendeckendes Screening durchgeführt. Inwiefern in Zukunft Vorsorgeuntersuchungen in der sogenannten Hochrisikogruppe empfohlen werden, bleibt abzuwarten.

Bekomme ich mit COPD schneller einen Herzinfarkt?

Menschen mit einer COPD bekommen in der Tat leichter einen Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Probleme. Nikotin erhöht sowohl das Risiko für eine COPD als auch für einen Herzinfarkt (Myokardinfarkt). Da 90% der Personen mit einer COPD rauchen oder geraucht haben, ist es gar nicht so leicht zu sagen, ob der Infarkt durch das Rauchen oder durch die Lungenveränderung verursacht wurde.

Mehr Infarkte bei COPD

Studien konnten zeigen, dass die COPD auch unabhängig vom Nikotin vermehrt zu Herz- und Gefäß-Problemen führen kann. Betroffene haben ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für eine koronare Herzerkrankung (KHK), einen Infarkt, Rhythmusstörungen, Herzschwäche oder eine Verkalkung der Beingefäße (peripher arteriell vaskuläre Krankheit, pAVK).

Der Grund hierfür scheint die Lungenkrankheit selbst zu sein. So zeigten Studien, dass die Lungenüberblähung in Zusammenhang mit der Herzschwäche steht. Sie führt zu einer reduzierten Herzfüllung und einem verminderten Schlagvolumen.

Auch die Zeit während und nach einer akuten Verschlechterung einer COPD (Exazerbation) geht vermehrt mit Problemen einher. Für den Körper ist das eine sehr vulnerable Phase, in der er anfällig für weitere Folgen und Komplikationen ist. Entzündliche und prothrombotische (gerinnungsfördernde) Prozesse belasten dabei Herz und Gefäße.

COPD: Was sind pulmonale Hypertonie und Cor pulmonale?

Sowohl der Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) als auch das Lungenherz (Cor pulmonale) sind Begleitkrankheiten bei einer COPD.

Bei einer COPD kollabieren wie gesagt teils während der Ausatmung die kleinen Lungenwege und Atmung und Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid werden dementsprechend beeinträchtigt. Zudem kommt es zu strukturellen Umbauprozessen des Lungengerüsts, die Lunge wird weniger elastisch. Dies wiederum überträgt sich auf die kleinen Gefäße, die durch die Lunge ziehen. Auch hier werden Umbauprozesse ausgelöst, und der Druck in den sogenannten Lungenarterien steigt. Mediziner sprechen dann von einem Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie).

In schweren Fällen kann sich dieser Druck auf die rechte Herzhälfte übertragen. Verbrauchtes Blut fließt nämlich aus dem Körper zunächst durch die rechten Herzkammern, bevor es die Lunge passiert, dort Sauerstoff aufnimmt und dann über die linke Herzhälfte zurück in den Körperkreislauf gepumpt wird.

Das rechte Herz wird schwach

Staut sich der Druck von der Lunge ins rechte Herz, muss es kräftiger pumpen. Zunächst verdicken sich die Wände. Im Verlauf kann es zu einer Erschöpfung des Herzmuskels kommen. Die rechte Herzhöhle wird dann weiter, ihre Pumpkraft nimmt ab. In einem solchen Fall spricht man von einem Lungenherz, einem Cor pulmonale.

Neben chronischer Luftnot und unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit kann sich bei einem Cor pulmonale zusätzlich Wasser in den Beinen und inneren Organen wie der Leber stauen.

Therapie wie bei COPD

Eine pulmonale Hypertonie bei COPD kann nicht direkt behandelt werden. Therapiemöglichkeiten wie bei einer "reinen" pulmonal-arterieller Hypertonie, also bei einem Lungenhochdruck ohne COPD, wirken hier leider bisher nicht. Grundpfeiler der Therapie bleibt daher die Behandlung der COPD nach dem sogenannten Stufenschema. Auch der Lungensport ist wichtiger Bestandteil der Behandlung. Und für alle Raucher gilt: Die Zigaretten sollten Sie dringend zur Seite legen.

COPD im Endstadium: Wie lange lebe ich noch?

Die Lebenserwartung bei COPD hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab und davon, ob Sie aktuell noch rauchen. Dabei ist es gar nicht so einfach, konkrete Zahlen zu nennen. Viele Krankheiten und die direkten Einflüsse und Folgen von Nikotin vermischen das Bild. Angegeben werden oft 3 bis 10 Jahre Überlebenszeit bei Menschen mit COPD – abhängig von den Werten der Lungenfunktion – bzw. ein durchschnittlicher Verlust von 5 bis 7 Jahren durch die Erkrankung.

Höhergradige COPD und fortwährendes Rauchen ungünstig 

Es gibt eine etwas ältere Studie namens "NHANES III", die konkrete Zahlen nennt. Zwischen 1988 und 1994 wurden damals circa 34.000 Probanden zu verschiedensten Punkten befragt und untersucht. Die ungünstigste Prognose haben demnach Menschen mit einem höheren COPD-Stadium (3 und 4). Dies gilt besonders dann, wenn sie zudem weiter rauchen. 

Ein Beispiel: Ein 65-jähriger Mann, Raucher, ohne Zeichen einer COPD, hat laut der Studie eine errechnete Lebenserwartung von 14,3 Jahren. Auch Raucher mit einer COPD Grad 1 leben voraussichtlich noch etwa 14 Jahre. Ab dem Stadium 3 und 4 hingegen sinkt die zu erwartende Lebenszeit doch deutlich auf nur noch 8,5 Jahre. Raucher mit höherem COPD-Stadium verlieren nach NHANES III somit 5,8 Jahre Lebenszeit.

Aber Vorsicht: Das sind statistische Daten. Auch ein Raucher mit schwerer COPD kann im Einzelfall 20 Jahre und mehr weiterleben.

Problem der Folgeerkrankungen

Neben den Veränderungen an der Lunge selbst erhöht eine COPD zudem das Risiko, einen Herzinfarkt oder Lungenhochdruck zu bekommen. Osteoporose, Muskelabbau und Mangelernährung können ebenfalls Folge einer COPD sein, und auch Ängste und Depressionen können bei Betroffenen regelmäßig auftreten.

Fragen zur Osteoporose bei COPD

Wie entsteht Osteoporose bei COPD?

Osteoporose ist eine Krankheit des Knochens. Seine Struktur wird dabei poröser, er bricht leichter. Bei Menschen mit COPD tritt der Knochenschwund gehäuft auf. Unterschiedliche krankheitsbedingte Mechanismen führen dabei zu einem verstärktem Knochenabbau.

Menschen mit einer COPD können sich häufig nur schwer körperlich bewegen. Die Luft ist knapp, der Appetit gering, Kraft und Muskulatur sind kaum vorhanden. Auch das Körpergewicht ist häufig zu niedrig. Wenn Zug und Triggerreiz der Muskeln fehlen, überwiegen am Knochen Abbauprozesse. Zusätzlich hemmen chronische Entzündungsprozesse, wie sie bei einer COPD vorliegen, aber auch das Rauchen den Knochenaufbau.

Wenn jemand zudem kortisonhaltige Tabletten einnimmt, verstärkt dies weiter die Bildung einer Osteoporose. Für kortisonhaltige Atemsprays wurde dieser Effekt jedoch nicht nachgewiesen. Sie wirken überwiegend vor Ort in der Lunge und gelangen nur zu einem ganz geringen Teil in den Körper.

Wie lässt sich der Osteoporose bei COPD vorbeugen?

Grundpfeiler der Therapie ist ein körperliches Funktionstraining, damit Aufbauprozesse im Knochen aktiviert werden. Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig und ein normales Körpergewicht anzustreben, da es den Knochenaufbau fördert.

Menschen mit einer COPD müssen zudem auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D3 und Kalzium achten. Sie können mit der Nahrung oder auch in Tablettenform eingenommen werden. Täglich sollten 1.000-1.500 mg Kalzium und 800-1.000 Einheiten (I.E.) Vitamin D3 zugeführt werden. Kalzium wird in die Knochenstruktur eingebaut; Vitamin D3 fördert die Kalziumaufnahme aus dem Darm und wiederum seinen Einbau ins Skelett.

Für Raucher gilt: Ein Nikotinstopp ist unumgänglich! Zigaretten verschlechtern nicht nur die COPD, sondern auch die begleitende Osteoporose.

COPD: Was tun bei fehlender Kraft und Unterernährung (Kachexie)?

Eine frühzeitige Ernährungsumstellung kann helfen, so wenig Gewicht und Muskelmasse wie möglich zu verlieren. Wichtig ist die Aufnahme von ausreichend Proteinen und Vitaminen.

Circa 20% aller Menschen mit COPD leiden an einer Mangelernährung mit Verlust an Gewicht, Muskelmasse und -kraft. Mediziner sprechen von einer Kachexie. Bei Betroffenen mit schwerer COPD liegt der prozentuale Anteil noch höher. Obwohl sie mehr Energie und Kalorien als Gesunde brauchen, schaffen Personen mit COPD es oft nicht, ausreichend Nahrung und Kalorien aufzunehmen. Die Atmung selbst ist kräftezehrend, der Appetit generell oft gering, die Luftnot beeinträchtigt das Essen zusätzlich. Zudem fällt es schwer, Nahrungsmittel zu kaufen und zuzubereiten.

Muskelschwund und Infekte

Der Körper braucht Eiweiß (Proteine) und Energie, um Muskulatur und ein funktionsfähiges Immunsystem aufzubauen. Reicht die Nahrung dafür nicht aus, beginnt er, Proteine aus den eigenen Muskeln zu nutzen und abzubauen. Daraufhin verliert er Muskelmasse, und die Kraft lässt weiter nach – ein Teufelskreislauf setzt ein. Wenn zudem dem Immunsystem Funktionseiweiße fehlen, kann es Infekte schlechter bekämpfen. Es kommt zu erhöhter Infektanfälligkeit. Für Menschen mit COPD und Kachexie steigt damit das Risiko, eine Exazerbation (akute Verschlechterung mit starken Beschwerden) zu erleiden.

Proteinreich: Fleisch, Linsen, Nüsse

Eine ausgewogene und eiweißreiche Ernährung hilft bei Kachexie und COPD, diesem Kreislauf zu entkommen. Tierische Produkte wie Fleisch – hier wird oft fettarmes Puten- oder Hühnerfleisch bevorzugt – und Milchprodukte haben einen hohen Gehalt an Eiweiß. Auch Hülsenfrüchte wie Linsen und Erbsen sowie Nüsse sind proteinreich. Neben den Proteinen dürfen auch andere Kalorien, Vitamine und Spurenelemente nicht zu kurz kommen.

Muskelschwund, Gewichtsabnahme und Kraftlosigkeit können den Alltag stark beeinträchtigen und auch die Lebensqualität senken. Sollten Sie an einer Kachexie leiden, sprechen Sie Ihren Arzt an, ob eine Ernährungsberatung helfen könnte. Ein körperliches Training sollte hier zusätzlich immer parallel erfolgen.

Wieso bauen sich bei COPD die Muskeln ab?

Eine Muskeldysfunktion (mangelhafte Funktion der Muskulatur) ist in der Regel eine Begleiterscheinung, die durch verschiedenste medizinische Probleme ausgelöst werden kann und das gesamte Körpersystem betrifft.

Da Menschen mit COPD schlecht Luft bekommen, fällt jede Form der Bewegung schwer. Inaktivität führt dann zu Muskelabbau. Hinzu kommt, dass selbst das Essen Kraft kostet. Mangelernährung, niedriges Körpergewicht und Muskelschwund sind die Folgen.

Der menschliche Körper braucht zum einen Luft und Sauerstoff und zum anderen Kalorien und Proteine, um Muskulatur aufbauen und sich bewegen zu können. Nehmen wir nicht ausreichend Nahrung und Eiweiß auf, nutzt er Proteine, die er zum Beispiel für bestimme Aufgaben des Immunsystems benötigt, aus der eigenen Muskulatur und baut sie dafür ab. Es kommt zu einem Verlust an Muskelmasse und Muskelschwund. Dadurch fehlt diesen Menschen dann noch mehr Kraft. Ein Teufelskreislauf setzt ein.

Keine Kraft ohne Training

Um dieser Spirale zu entkommen, empfehlen Mediziner bei COPD Muskeltraining und körperliche Aktivität. Neben der allgemeinen Therapie der COPD nach dem sogenannten Stufenschema mit Sprays und Medikamenten, dem Nikotinverzicht und einer ausgewogenen proteinreichen Ernährung nehmen Muskelaufbau und Lungensport eine Schlüsselrolle in der Therapie ein.

Alltag mit COPD

COPD: Worauf muss ich beim Sport achten?

Oft bewegen sich Menschen mit COPD wegen Luftnot und Angst eher zu wenig. Gleichzeitig dürfen sich die Ehrgeizigen unter Ihnen nicht überfordern. Es gilt, das richtige Maß an körperlicher Anstrengung zu finden.

Menschen mit einer COPD fallen oft alltägliche Aufgaben schwer, schon das Treppensteigen oder gar Essen können zur Qual werden. Aber auch und gerade dann ist ein körperliches Training wichtig, es muss natürlich auf Ihre Möglichkeiten angepasst werden. Inaktivität macht dagegen alles noch schlimmer. Wie stark Sie sich belasten dürfen, richtet sich unter anderem nach dem Schweregrad der COPD. In leichten Stadien soll vor allem Ausdauertraining regelmäßig, in der Regel mindestens zweimal pro Woche, durchgeführt werden. Passende Sportarten sind zum Beispiel Wandern, Schwimmen, Nordic Walking und Radfahren.

Bei höhergradigen Stadien wird oft zunächst der Muskelaufbau empfohlen, bevor mit dem Ausdauertraining begonnen wird. Menschen mit sehr schwerer COPD, die Sauerstoff benötigen, sollten an Reha-Maßnahmen teilnehmen, die unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Es gibt ein großes Angebot an Lungensport, der generell zu empfehlen ist.

Tipps zum Sport

Damit Ihnen der Einstieg nicht allzu schwer fällt und Sie sich nicht gleich zu Beginn stark überfordern, gibt es ein paar Punkte, die Sie beachten sollten. Beginnen Sie den Sport langsam, wärmen Sie sich ausreichend auf und überanstrengen Sie sich nicht, sondern steigern Sie das Programm schrittweise und langsam. Nehmen Sie regelmäßig Ihre Medikamente ein und halten Sie Ihr Notfallspray parat. Atemübungen gehören bei der COPD wie Kraft- und Ausdauertraining zum Programm.

Auch wenn es schwer fällt, versuchen Sie es. Sport hilft nämlich nachweislich bei Menschen mit einer COPD. Er verbessert die Werte der Lungenfunktion und die Lebensqualität, baut die Muskulatur auf, reduziert die Zahl an Krankenhausaufenthalten und verringert die Gesamtmortalität (Sterblichkeit). Auch Ängste und Depressionen bessern sich.

Übertreiben Sie es nicht

Ein wenig Vorsicht ist bei Sportarten mit schneller Beschleunigung geboten. Hierzu gehören zum Beispiel Fußball, Tennis oder Badminton. Die teils schnell erforderliche, starke Anstrengung kann für Menschen mit einer Lungenerkrankung zu viel sein und sie tatsächlich schnell überfordern.

Wichtig ist, dass Sie Ihre Sportart finden. Ohne ein wenig Freude fällt es schwer, sich trotz Luftnot zu bewegen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie ein Training für Sie am sinnvollsten gestaltet werden kann und wie stark Sie sich belasten dürfen.

Weitere Fragen zum Leben mit COPD

Ist Sport bei COPD gefährlich?

Im Gegenteil, Sport hilft bei COPD. Natürlich muss die körperliche Belastung Ihrem Körper und dem Schweregrad der Erkrankung angepasst werden. Sportliche Betätigung hilft an sich immer, nur in wenigen Krankheitsfällen schadet sie tatsächlich.

Studien zeigen, dass Kraft- und Ausdauertraining bei allen Schweregraden der COPD hilft. In Kopenhagen wurden zum Beispiel knapp 2.400 Menschen mit einer COPD über ein bis zwei Jahrzehnte beobachtet, die mehr oder weniger viel Sport ausübten. Die Studie zeigte, dass diejenigen, die regelmäßig niedrige, moderate oder hohe körperliche Aktivitäten ausübten, im Vergleich zu denen, die keinen oder nur wenig Sport trieben, seltener in eine Klinik mussten und insgesamt länger lebten. Es lohnt sich also.

Sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining haben dabei jeweils einen eigenen Stellenwert. Meist macht es die Mischung aus.

Training abhängig vom Grad der COPD

Menschen mit leichter bis mittelschwerer COPD sollten besonders Ausdauertraining mit kontinuierlicher Belastung durchführen. Sportarten wie Radfahren oder Nordic Walking gehören dazu, sie belasten den Körper gleichmäßig.

Wenn die COPD fortschreitet und mittelschwere bis schwere Ausmaße erreicht, kommt es krankheitsbedingt oft auch zu einem Abbau der Muskelmasse. Hier sollten Sie zunächst mit einem Krafttraining beginnen, um die Muskulatur wieder aufzubauen. Im nächsten Schritt können Sie dann das Ausdauertraining hinzufügen. Ihr Lungenfacharzt sollte ins Training einbezogen werden und entscheiden, wie stark Sie sich dabei belasten dürfen.

Betroffene mit einer sehr schweren COPD, die zum Beispiel Sauerstoff benötigen, sollten nur unter ärztlicher Aufsicht an Reha-Maßnahmen teilnehmen. Prinzipiell müssen immer die eigenen Grenzen richtig eingeschätzt werden.

Das A&O: Motivation

Welche Sportart für Sie die richtige ist, hängt auch von Ihren persönlichen Vorlieben ab. Es gilt unter anderem, den inneren Schweinehund zu überwinden und Sorgen und Ängste zu bewältigen. Wenn die Luft schon knapp ist, fällt die körperliche Anstrengung noch schwerer. Bei der Wahl der Sportart sollten Sie sich unter anderem fragen, was Ihnen vielleicht Freude und Spaß bereiten könnte. Eine gute Motivation macht es deutlich leichter, sich regelmäßig zu bewegen, auch wenn es schwer fällt. Menschen mit aktiven Partnern sind zum Beispiel oft ebenfalls aktiv. Freunde, eine Trainingsgruppe, frische Luft oder Musik können ebenfalls helfen.

Wenn eine COPD neu festgestellt wird, hören Betroffene oft auf, sich körperlich zu belasten. Das wiederum verschlechtert jedoch gerade die Entwicklung der COPD. Also nichts wie rein in die Laufschuhe!

COPD: Was kann ich tun, wenn der Sex nicht mehr klappt?

Viele Menschen mit COPD haben Probleme beim Sex. Manchmal fehlt die Lust, manchmal klappt es einfach nicht, oder die Luft reicht nicht aus. Die Zeit kann man nicht zurückdrehen, aber vielleicht helfen ein paar veränderte Verhaltens- und Denkweisen. Schwierigkeiten im Sexleben sind auch sonst gar nicht so selten. Mediziner sprechen von erektiler Dysfunktion, sozusagen "eingeschränkter Erektion", wobei Gründe und Ursachen hier sehr vielfältig sind.

Eine kleine Studie, die 2013 veröffentlicht wurde, verglich die Sexualfunktion von 70 Menschen mit und 68 ohne COPD. Dabei hatten 79% der Befragten mit COPD Beschwerden einer erektilen Dysfunktion. Aber auch bei Personen ohne COPD waren es immerhin 55%. Diese Zahlen zeigen, dass Sie mit dem Problem keineswegs alleine dastehen. Menschen mit COPD und erektiler Dysfunktion hatten dabei vergleichsweise häufiger eine Depression, schlechtere Ergebnisse in der Lungenfunktion und niedrigere Sauerstoffwerte.

Was dahinter steckt

Die Ursachen, die dabei zu einer erektilen Dysfunktion und Problemen beim Sex führen, sind vielfältig. Bis zu 90% der Betroffenen rauchen oder haben geraucht. Das Rauchen selbst kann zu erektiler Dysfunktion führen. Aber auch Begleiterkrankungen, die das Gefäß- und Herzsystem betreffen, können Ursache des Problems sein. Nicht zuletzt löst die COPD selbst unabhängig von diesen Faktoren Beschwerden beim Sex aus.

Neben der körperlich-medizinischen Erklärung spielt auch die Seele jedes Menschen eine nicht unbedeutende Rolle. Personen mit COPD haben ein erhöhtes Risiko, Depressionen oder Ängste zu entwickeln. Dies wiederum kann die Libido vermindern und hat großen Einfluss auf Ihr Sexualleben.

Ein paar Tipps

Wer Treppen steigen kann und von Arztseite her am Lungensport teilnehmen darf, kann in der Regel problemlos Sex haben. Es gibt ein paar Regeln, die dabei beachtet werden sollten. So sollten Sie einige Stunden vor der sexuellen Aktivität nicht mehr essen und auf Alkohol verzichten. Auch hilft es, alle Lungenmedikamente circa eine Stunde vorher einzunehmen. Ein bequemes Umfeld, vielleicht auch ein Ventilator im Raum, runden die Vorbereitung ab. Wenn die Luft knapp wird, legen Sie einfach eine Pause ein. Zudem gibt es auf dem Markt potenzfördernde Medikamente, die Ihnen gegebenenfalls helfen können. Sprechen Sie Ihren Arzt hierauf an.

Da neben Luftknappheit und Problemen bei der Erektion besonders Ängste und depressive Gedanken sowie Leistungsdruck eine große Rolle spielen, ist es wichtig, auch hier anzusetzen und etwas zu verändern. Nehmen Sie so gut es geht gedanklich den Druck heraus. Auch Schmusen, Küssen, Zärtlichkeit und Achtsamkeit führen zu innerer Ruhe, Vertrautheit und Bindung. Sprechen Sie eventuell ganz offen mit Ihrem Partner, wer von Ihnen beiden welche Bedürfnisse hat, und finden Sie gemeinsam die beste Lösung.

Sind Angst und Depression bei COPD normal?

Ja, psychische Belastungen sind keineswegs ungewöhnlich. Menschen mit einer COPD leiden häufig an Ängsten und Depressionen. Die Lebensqualität kann dadurch stark beeinträchtigt sein. Prozentuale Angaben über die Häufigkeit von psychischen Beschwerden schwanken dabei. Depressive Gedanken sollen bei bis zu 80% bei Betroffenen auftreten.

Rückzug und soziale Isolation

Eine COPD führt zu Luftnot, je nach Schweregrad anfangs bei Anstrengung, später auch in Ruhe. Die körperliche Belastbarkeit kann dabei so stark eingeschränkt sein, dass Aufgaben des Alltags nur noch mit Mühe bewältigt werden können. Betroffene gehen seltener aus dem Haus, eine soziale Isolation folgt womöglich.

Luftnot, Schwäche und Einsamkeit können zu depressiven Gedanken führen. Hinzu kommen Panikattacken bei Atemnot und die Sorge vor einem Fortschreiten der COPD bis hin zu sogenannten "End-of-life"-Ängsten, der Angst vor dem Lebensende. Angst und Depression führen wiederum nachweislich zu einer reduzierten Lebensqualität, vermehrten Arztbesuchen, häufigeren Exazerbationen (akuten Verschlechterungen) und Klinikaufenthalten.

Lassen Sie sich helfen

Auch wenn psychische Beschwerden bei COPD häufig auftreten, gibt es hier keine gesonderten Behandlungsempfehlungen. Generell werden die Beschwerden wie bei Menschen ohne COPD behandelt. Verhaltenstherapie und auch Antidepressiva können helfen. Bei starker Luftnot wird zudem unter bestimmten Umständen niedrig dosiertes Morphin empfohlen, natürlich immer in Absprache mit dem Arzt. Es lindert sowohl Luftnot als auch Angst.

Grundsätzlich empfehlen Mediziner einen multimodalen Therapieansatz, wie er auch bei einer mehrwöchigen stationären Reha üblich ist. Neben der medikamentösen Behandlung der COPD stehen dabei körperliches Training, Raucherentwöhnung, Atemtherapie, Ernährungsberatung im Mittelpunkt. Außerdem erlernen Betroffene, mit ihren Ängsten und Depressionen besser umzugehen.

Scheuen Sie sich nicht, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie gehört ebenso zu einer umfassenden Behandlung wie die Sprays und der Lungensport, den Sie hoffentlich regelmäßig besuchen. Damit schlagen Sie nämlich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sport tut der Lunge gut und vertreibt depressive Gedanken.

Kann ich bei COPD eine Erwerbsminderungsrente beantragen?

Eine Erwerbsminderungsrente kann bei allen Krankheiten, auch der COPD, beantragt werden. Sie puffert den Geldverlust, der entsteht, wenn Sie krankheitsbedingt nur noch stundenweise oder gar nicht mehr arbeiten können. Ganz einfach ist ein Antrag nicht.

Wenn die Arbeit zu viel wird

Die Arbeit verleiht unserem täglichen Leben Struktur, sichert unsere sozialen Kontakte und sorgt für Normalität. Zudem lenkt sie uns ab, wenn wir über Probleme und Krankheiten grübeln. Generell tut sie uns gut. Ab einem gewissen Krankheitsstadium wird es aber schwer, die tägliche Arbeitsaufgabe zu meistern. Bei der COPD kann die Luftnot so stark werden, dass jeder Schritt und jede noch so kleine körperliche Anstrengung zur Qual werden. Es wird unmöglich, eine Tätigkeit ganz oder auch nur teilweise zu erfüllen.

Unter bestimmten Umständen hilft dann ein Gespräch mit dem Arbeitgeber. Eventuell können Sie von Voll- auf Teilzeit wechseln und bestimmte Aufgaben unter den Kollegen umverteilt werden. Wird die COPD so schwer, dass Sie Ihrer Beschäftigung nicht mehr als sechs Stunden täglich nachgehen können, kommt gegebenenfalls ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente für Sie in Frage. Durch die Rente soll der geldliche Verlust ausgeglichen werden, der Ihnen durch eine reduzierte oder fehlende Arbeit entsteht.

Reha vor Rente

Bei jedem Antrag auf Erwerbsminderungsrente prüft die Deutsche Rentenversicherung (DRV) zuerst, ob vorab eine medizinische oder berufliche Rehabilitation durchgeführt werden könnte, damit Sie wieder voll oder teilweise arbeiten können. Es gilt dabei das Prinzip "Reha vor Rente". Das heißt, primäres Ziel ist immer, Sie wieder ins Berufsleben einzugliedern. Nur wenn das nicht gelingt, ist eine Erwerbsminderungsrente vorgesehen.

Dabei wird abgeschätzt, wie viele Stunden Sie eventuell noch arbeiten können. Die Deutsche Rentenversicherung entscheidet das anhand ärztlicher Unterlagen, manchmal wird auch ein Gutachten über Ihr Leistungsvermögen beantragt.

Anspruch auf  Erwerbsminderungsrente

Anspruch auf eine Rente bei voller Erwerbsminderung hat, wer wegen Krankheit (oder auch Behinderung) in seinem bisherigen oder jedem anderen Beruf weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann. Wenn Sie zwar mehr als drei, aber weniger als sechs Stunden täglich schaffen, haben Sie gegebenenfalls Anspruch auf eine Rente bei teilweiser Erwerbsminderung. Dabei bezieht sich die Zeiteinschränkung nicht nur auf Ihren erlernten, sondern auch auf jeden anderen Beruf, den Sie eventuell ausüben könnten.

Wichtig: Neben den medizinischen müssen auch versicherungsrechtliche Voraussetzungen erfüllt sein, bevor ein Anspruch genehmigt werden kann. Hierzu gehört unter anderem, wie lange Sie für eine versicherte Beschäftigung Pflichtbeiträge eingezahlt haben. Lesen Sie daher bei einem Antrag immer auch das Kleingedruckte.

COPD: Wie bekomme ich einen Schwerbehindertenausweis?

Ein Schwerbehindertenausweis steht Ihnen bei einer COPD zu, wenn der Grad der Behinderung (GdB) mehr als 50% beträgt. Der Antrag für einen Schwerbehindertenausweis wird beim zuständigen Versorgungsamt, dem Amt für Soziales, gestellt.

Es ist wichtig, dass Sie alle Unterlagen, die die COPD und auch andere Krankheiten betreffen, vollständig einreichen. Hierzu zählen unter anderem ärztliche Atteste, die Lungenfunktions-Untersuchung und Blutwerte sowie der Name des behandelnden Arztes. Vor Abgabe des Antrages sollten zudem mit ihm Rücksprache halten, ob Sie alles zusammen haben, was Sie brauchen.

Der Grad der Behinderung (GdB)

Der Grad der Behinderung (GdB) wird in Prozentwerten zwischen 20 und 100 angegeben. Die Abstufung erfolgt in 10er Schritten. Ein Schwerbehindertenausweis kann ab einer Einschränkung von über 50% ausgestellt werden. Dies gilt allgemein für alle Krankheitsbilder.

Wie schwer der Grad der Behinderung bei einer jeweiligen Erkrankung ist, wird in den sogenannten versorgungsmedizinischen Grundsätzen festgelegt. Details zu allen einzelnen Krankheitsbildern einschließlich der COPD finden Sie auf der Internetseite des Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Ein Blick hinein lohnt sich. Ein leichter Bluthochdruck wird zum Beispiel mit einer Behinderung  von 0-10% eingestuft, ein Hirnschaden mit mittlerer Leistungsbeeinträchtigung liegt bei 50-60%.

GdB bei COPD

Die Beeinträchtigung durch eine "Krankheit der Atmungsorgane mit dauernder Einschränkung der Lungenfunktion", wie sie bei einer COPD vorliegt, wird anhand von Atemnot, Lungenfunktionstest und Blutgaswerten bewertet. Treten Beschwerden bereits bei leichter Belastung wie dem Spazierengehen auf und sind Lungenfunktionsprüfung sowie Blutgasanalyse (Gehalt von Sauerstoff und Kohlendioxid in den Arterien) deutlich verändert, werden Werte einer Beeinträchtigung von über 50% erreicht. Bei jedem Menschen wird somit anhand der Beschwerden und Messwerte individuell der Grad der Behinderung eingestuft.

Binden Sie Ihren Arzt ein

Sprechen Sie vor einem Antrag mit Ihrem behandelnden Arzt und stellen Sie sicher, dass Sie alle notwendigen Unterlagen für den Antrag einreichen.

Gut zu wissen: Ein Schwerbehindertenausweis geht mit verschiedenen Vorteilen einher. Die Kfz-Steuer wird günstiger, der Kündigungsschutz bei der Arbeit verändert sich, und es kommen ein paar Tage zusätzlicher Urlaubsanspruch hinzu. Ein Behindertenparkausweis hingegen wird sehr selten genehmigt. Hierzu muss eine außergewöhnliche Gehbehinderung vorliegen, wie zum Beispiel bei beidseits amputierten Menschen.

Quelle:

  • Vogelmeier C et al. Pneumologie 2018; 72: 253–308; Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD), herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. und der Deutschen Atemwegsliga e. V., unter Beteiligung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie
  • Wu LL, Lin ZK, Weng HD, Qi QF, Lu J, Liu KX. Effectiveness of meditative movement on COPD: a systematic review and meta-analysis. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis. 2018;13:1239-1250. Published 2018 Apr 17. doi:10.2147/COPD.S159042
  • https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/benoetige-ich-auf-flugreisen-zusaetzlichen-sauerstoff/

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