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COPD: Behandlung

Die Behandlung einer COPD fußt auf mehreren Säulen. Dazu zählen im Besonderen eine Vielzahl an Lungensprays und teils auch kortisonhaltige Medikamente. In fortgeschrittenen Stadien kann unter Umständen eine Sauerstofftherapie notwendig werden. Unerlässlich ist bei Rauchern zudem der Nikotinverzicht.

Im Folgenden Text finden Sie Informationen zur Behandlung einer COPD einschließlich vieler Tipps für das Leben und den Alltag mit COPD.

Wie wird eine COPD behandelt?

Bei der COPD kommt es durch chronisch-entzündliche Prozesse zu Veränderungen in der Lunge. Sie wird dadurch weniger elastisch, und das Ausatmen wird erschwert. Betroffene leiden an leichter bis schwerer Luftnot. Die Therapie einer COPD richtet sich danach, wie schwer Ihre Lunge erkrankt ist. Es gibt vier Krankheitsstadien und verschiedene Sprays oder auch Tabletten, die Ihnen helfen können.

Ein bunter Strauß an Sprays

Um die Atmung zu erleichtern, sind diverse Sprays mit unterschiedlichen Arzneistoffen und Wirkungsweisen dem Markt. Sie werden in kurzwirksame und langwirksame Bronchodilatatoren eingeteilt. Bronchodilatorisch bedeutet dabei, dass das Lungengerüst entspannt und die Atmung erleichtert wird.

Ärzte sprechen bei den schnell wirkenden Medikamenten von sogenannten SABAs (short acting beta agonist) und SAMAs (long acting muscarinic antagonist) und bei den langwirkenden von LABAs (long acting beta agonist) und SAMAs (long acting muscarinic antagonist). Das M bzw. B in der Abkürzung beschreibt bei den beiden Gruppen jeweils den Wirkungsmechanismus der Medikamente.

Zu den schnell wirkenden SABAs und SAMAs, die akut bei Luftnot helfen, gehören zum Beispiel Salbutamol und Atrovent®. Zu den langsamer wirkenden LABAs und LAMAs, die als Dauertherapie eingesetzt werden, zählen Formoterol, Serevent® und Spiriva®. Kombinationen der Medikamente sind ebenfalls erhältlich.

Kortison und andere Tabletten

Neben den oben beschriebenen sogenannten bronchodilatatorischen Sprays gibt es zudem kortisonhaltige Sprays und auch hier wiederum Kombinationspräparate mit Kortison. Beispiele sind Pulmicort® oder Viani®.

Wenn Sprays nicht mehr helfen, werden zur Behandlung der COPD auch Tabletten eingesetzt. Meist handelt es sich um Kortisontabletten, besonders bei der Therapie von akuten Verschlechterungen.

Als Dauertherapie wird zudem auch Theophyllin verschrieben und in schweren Fällen Daxas®. Sind Betroffene schwerst erkrankt und haben nachweislich zu wenig Sauerstoff im Blut, so kann hier eine Therapie mit Langzeitsauerstoff notwendig werden.

Ohne Rauchverzicht geht es nicht

Mit welchem Spray Ihr Arzt beginnt und ob im Verlauf weitere Medikamente hinzugefügt werden, richtet sich nach Ihrem Krankheitsstadium, also danach, wie häufig Sie eine Exazerbation im Jahr haben, ob Sie deshalb in einer Klinik stationär aufgenommen werden mussten und wie viele Beschwerden Sie im Alltag haben.

Neben den Medikamenten sind die nichtmedikamentösen Maßnahmen ausschlaggebend bei der Therapie der COPD. Hierzu gehören zum Beispiel auch Impfungen gegen Grippe und Lungenentzündung sowie Rehaprogramme. Da 90% der COPD-Erkrankungen durch Zigaretten ausgelöst werden, ist es zudem sehr wichtig, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Krankheit kann zwar nicht geheilt, ihr Fortschreiten dadurch aber vermindert werden.

Wie sieht die Stufentherapie der COPD aus?

Die COPD wird in vier Krankheitsstadien bzw. Schweregrade eingeteilt, nach denen sich das empfohlene Therapieschema richtet. Die Einteilung erfolgt dabei anhand der Werte der Lungenfunktions-Untersuchung und der Beschwerden.

Behandlung je nach Beschwerden

Lange Zeit stützten sich die Therapieempfehlungen der Global Initiative for Chronic Lung Disease (GOLD) allein auf den Schweregrad der COPD aus den Werten der Lungenfunktion. In den letzten Jahren haben Mediziner jedoch festgestellt, dass auch das klinische Ausmaß der Erkrankung in der Therapieentscheidung berücksichtigt werden muss. Hierzu zählt, wie häufig im letzten Jahr eine Exazerbation (akute Verschlechterung) aufgetreten ist, ob eine Antibiotikagabe oder gar ein Klinikaufenthalt notwendig war und wie schnell Luftnot im Alltag auftritt.

Anhand dieser Kriterien teilen Ärzte Betroffene heute in die vier Krankheitsstadien A bis D ein. Gruppe A und B haben weniger als eine Exazerbation pro Jahr, Gruppe C und D mindestens zwei (oder eine sehr schwere). Der Schweregrad der Luftnot im Alltag kann mit verschiedenen Scores bestimmt werden.

Therapie im Detail

Je nach Gruppe richtet sich die im sogenannten Stufenschema empfohlene Therapie. Sie beinhaltet Lungensprays mit verschiedenen Arzneistoffen und unterschiedlicher Wirkungsdauer.

Zu ihnen gehören schnelle, kurzwirksame Sprays, die im Anfangsstadium gegeben werden können und Beschwerden kurzfristig auffangen. Daneben gibt es langsame, lang wirkende und auch kortisonhaltige Sprays, die bei fortgeschrittener Erkrankung zur Dauertherapie gehören. Zudem kommen bei schwer erkrankten Menschen mit COPD auch Medikamente in Tablettenform im Stufenschema vor.

Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick darüber, wer wann und wie behandelt wird:

  • Gruppe A: Betroffene mit wenig Beschwerden, maximal einer Exazerbation im vergangenen Jahr, die nicht in einer Klinik behandelt werden musste, gehören zur Gruppe A. Bei ihnen kann unter bestimmten Umständen ohne Medikamente abgewartet werden. Oft wird mit kurzwirksamen Sprays begonnen oder gleich regelmäßig mit langwirksamen Sprays behandelt.
  • Gruppe B: Betroffene der Gruppe B haben deutliche Beschwerden, hatten aber wie die Gruppe A maximal eine Exazerbation im vergangenen Jahr und mussten deswegen nicht in eine Klinik. Sie werden in der Regel mit langwirksamen Sprays behandelt, die entweder als Einzel- oder Kombinationstherapie gegeben werden können.
  • Gruppe C und D: Betroffene der Gruppen C und D hatten mehr als eine Exazerbation im vergangenen Jahr oder mussten deswegen in einer Klinik behandelt werden. Hier unterscheiden Experten zudem, ob eine COPD-Krise unter laufender Therapie oder "ganz neu" aufgetreten ist. In der Regel werden ein bis zwei lang wirkende Sprays empfohlen, bzw. es wird in einem weiteren Schritt ein Kortisonspray den bronchodilatatorischen Sprays hinzugefügt. Eine Kortisonspray wird nie alleine verschrieben.

Das Stufenschema gibt Freiraum und Variationsmöglichkeiten für Therapieempfehlungen. Verschiedene Faktoren spielen hier eine Rolle. Sprechen Sie daher mit Ihrem Lungenfacharzt, welches das richtige Medikament für Sie sein könnte.

COPD: Was ist eine Tripeltherapie?

Die Tripeltherapie bei COPD bezieht sich auf die Kombination von drei unterschiedlich wirkenden Lungensprays, die bei fortgeschrittener Erkrankung verschrieben werden.

Kurz- und langwirksame Sprays

Die Behandlung der COPD erfolgt wie oben beschrieben nach einem Stufenschema und beginnt mit sogenannten inhalativen Bronchodilatatoren (z.B. Betamimetika wie Salbutamol oder Formoterol). Dies sind Medikamente, die als Lungenspray eingeatmet werden und so direkt an den Ort des Geschehens gelangen. Sie entspannen die Lunge.

Grundsätzlich teilt man sie nach ihren Wirkmechanismen in vier Gruppen ein, die jeweils an verschiedenen Stellen in den Zellen und unterschiedlich lang wirken. In der Medizinerwelt haben sie die folgenden Abkürzungen erhalten:

  • SABAs: short acting beta agonists
  • SAMAs: short acting muscarinic antagonists
  • LABAs: long acting beta agonists
  • LAMAs: long acting muscarinic antagonists

Erst eins, dann zwei, dann drei

Nach dem Stufenschema bei der Behandlung der COPD werden kurzwirksame Sprays (SABAs, SAMAs) bei leichten Beschwerden verwendet. Die langwirksamen Sprays (LABAs, LAMAs) bilden die Basis der Dauertherapie bei stärkeren Luftnotbeschwerden. Reicht ein langwirkendes Spray alleine nicht aus aus, wird die Medikation um ein zweites langwirkendes Spray mit anderem Wirkmechanismus erweitert.

Ein Kortison-Spray (ICS, inhalaltives Cortisonspray) kommt hinzu, wenn Betroffene regelmäßig zwei verschiedene langwirkende Sprays einnehmen, also sowohl einen LABA als auch einen LAMA, aber weiterhin Beschwerden, akute Luftnotanfälle und Exazerbationen (Verschlechterungen) erleiden.

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Wer LABA + LAMA + Kortison (ICS) einnimmt, erhält mit diesen drei Wirkstoffgruppen eine sogenannte Tripeltherapie. Das Kortisonspray kann dabei separat eingenommen werden oder in Form eines Kombipräparates, das alle drei Wirkstoffe enthält (z.B. Trimbow®).

Kortisonhaltige Sprays und Tabletten

Menschen mit COPD fragen sich häufig, ob Sie ein kortisonhaltiges Spray oder gar Tabletten einnehmen müssen und wie hoch das Risiko von Nebenwirkungen ist. Generell greifen Mediziner wie gesagt zu kortisonhaltigen Lungensprays erst relativ spät, das heißt, wenn die anderen Mittel nicht ausreichen.

Den Einsatz von Kortisontabletten sehen sie noch kritischer. So helfen Kortisontabletten zwar bei Exazerbationen (akuten Verschlechterungen), sie sollten aber generell nicht dauerhaft als Langzeittherapie gegeben werden. Die Grenze liegt in der Regel bei 14 Tagen.

Weitere Informationen zu Kortison, seiner Wirkung und möglichen Nebenwirkungen lesen Sie hier

COPD: Ist Kortison gefährlich?

Tatsächlich können kortisonhaltige Tabletten (weniger die Sprays) zu Nebenwirkungen und Problemen führen. In bestimmten Situationen ist ihre Gabe aber unumgänglich.

So können Steroide unter anderem eine Schwächung der Muskulatur (Steroidmyopathie) auslösen. Dies bedeutet für Menschen mit einer COPD, dass die Atmung wegen fehlender Muskulatur und mangelnder Kraft noch anstrengender wird. Schon niedrige Dosen von weniger als 10 mg Prednisolon können bei langfristiger Anwendung dieses Problem verursachen.

COPD-Sprays: Wie inhaliere ich richtig?

Lungensprays bilden die Basis der COPD-Behandlung. Richtiges Inhalieren ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie.

Eine Vielzahl an Geräten ist auf dem Markt. Sie enthalten verschiedene Arzneimittel, und jedes Inhalationsgerät funktioniert ein wenig anders. Wichtig ist bei allen, dass Aerosol (Medikamenten-Luft-Gemisch) bzw. Medikamenten-Pulver mit der Einatmung in der Lunge ankommen.

Mit der richtigen Technik direkt in die Lunge

Um eine maximale Medikamentenaufnahme sicherzustellen, sollten Sie sich vorher informieren, wie Ihr Gerät funktioniert. Besonders wichtig ist zudem, dass Sie eine korrekte Atemtechnik befolgen, so dass sich Pulver oder Aerosol gut in den Atemwegen verteilen können.

Hierzu setzen Sie sich aufrecht hin, atmen langsam und vollständig aus und nehmen dann das Inhalationsgerät an den Mund. Sie müssen es komplett mit Ihren Lippen umschließen, damit keine Luft bzw. kein Wirkstoff an den Seiten entweichen kann.

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Im nächsten Schritt können Sie das Gerät aktivieren und die Medikamentenfreigabe auslösen. Gleichzeitig atmen Sie so tief wie möglich ein, damit möglichst die gesamte Menge des Arzneistoffes Ihre Lunge erreicht. Nach dem Einatmen müssen Sie für 5 bis 10 Sekunden die Luft anhalten, da sich in dieser Zeit das Medikament in alle Bereiche Ihrer Lunge verteilt. Danach können Sie das Gerät wieder absetzen und ruhig aus- und weiteratmen.

Besonderheiten einzelner Geräte

Die meisten Geräte funktionieren ähnlich. Für die zwei gängigsten Inhalationsarten, die Dosieraerosole und die Pulverinhalation, zählen wir ein paar Punkte auf, die Sie beachten sollten.

Dosieraerosole arbeiten mit Treibgas und Druckbehälter. Sie mischen den Wirkstoff mit Luft. Vor dem Gebrauch müssen Sie sie gut schütteln. Sind sie neu oder wurden länger als fünf Tage nicht benutzt, sollten Sie zwei Probestöße in die Luft abgeben, um sicherzustellen, dass sie funktionieren.

Außerdem können sie mit Inhalationshilfen gekoppelt werden, die vor das Dosieraerosol geschraubt werden. Insbesondere bei kortisonhaltigen Sprays kann dies hilfreich sein, da mit ihnen weniger Kortison im Mund- und Rachenraum verbleibt. Pilzinfektionen (Soor) treten dann seltener auf, und eine größere Menge des Arzneistoffes kann die Lunge erreichen.

Sprays mit Medikamentenkapseln

Bei der Pulverinhalation befindet sich das Medikament in einer Kapsel. Sie muss vor Gebrauch aus der Verblisterung herausgenommen, in das Gerät eingelegt und vom Gerät "angestochen" werden. Nach der Inhalation müssen Sie die Kapsel wieder aus dem Gerät entfernen. Ist sie leer, haben Sie das Medikament erfolgreich vollständig eingeatmet.

Videos zur Veranschaulichung

Zu fast allen Inhaliergeräten finden Sie im Internet Anleitungen und Filme. So auch auf der Webseite der deutschen Atemwegsliga und bei YouTube. Hier können Sie sich bequem und gut verständlich informieren, bevor Sie Ihr neues Gerät in Gebrauch nehmen, und sichern sich so einen guten Therapieerfolg.

COPD: Wie atme ich richtig?

Eine korrekte Atemtechnik und kontinuierliches Training helfen Menschen mit COPD. Körperliche Belastbarkeit und Atemnot verbessern sich dadurch.

Atmen kostet Kraft

Unsere Atmung erfolgt unterbewusst. Sie wird vom zentralen Nervensystem gesteuert. Hauptmuskel ist das Zwerchfell, das zwischen Bauch- und Brustraum liegt. Beim Einatmen senkt es sich Richtung Bauch, und Luft strömt in den Brustraum. Beim Ausatmen entspannt es und bewegt sich wieder Richtung Herz und Brustkorb. Dabei fließt Luft aus der Lunge durch den Mund- und Nasenraum hinaus.

Während der Atmung gelangt Sauerstoff (O2) aus der Luft in den Körper, Kohlendioxid (CO2) wird abgegeben. Dieser Mechanismus ist bei Menschen mit COPD eingeschränkt, da die kleinen Lungenwege beim Ausatmen kollabieren. Dadurch wird die Atmung schwerer und kostet mehr Kraft.

Wenn Zwerchfell und Atemmuskeln müde werden

Das Zwerchfell wird von der sogenannten Atemhilfsmuskulatur unterstützt. Hierzu zählen zum Beispiel die kleinen Muskeln in den Zwischenrippenräumen.

Ist die Atmung erschwert, weil der Luftaustausch in der Lunge nicht mehr richtig funktioniert, wirkt sich das auch auf die Atemhilfsmuskulatur aus. Sie verkürzt sich durch die ständige Überlastung. Der Brustkorb wird weniger beweglich, und auch die Körperhaltung verändert sich. Dadurch wird die Atmung flacher und noch schwerer: Ein Teufelskreislauf setzt ein.

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Lippenbremse und die richtige Körperhaltung

Eine richtige Atmung und kontinuierliches Atemtraining können diesen Kreislauf durchbrechen und aufhalten. Zu einer korrekten Atmung gehört zum Beispiel das Erlernen der sogenannten Lippenbremse und der Körperhaltungen, die das Atmen erleichtern.

Die Lippenbremse hilft bei körperlicher Anstrengung und Luftnot. Hierbei atmen Sie durch die Nase ein, legen die Lippen zunächst locker aufeinander, drücken sie dann leicht zusammen und atmen durch die verengte Atemöffnung wieder aus. Die Wangen sollten dabei nicht zu stark aufgebläht und beim Ausatmen darf nicht zu stark gepresst werden.

Auch atmungserleichternde Stellungen helfen bei Luftbeschwerden. Hierzu gehören zum Beispiel der sogenannte Kutschersitz, die Stuhlstütze oder die Torwartstellung. Bei diesen Haltungen stützen Sie sich im Stehen oder Sitzen mit den Armen auf den Knien ab und erleichtern dadurch die Atmung.

Verschiedene Videofilme und Anleitungen zu atmungserleichternden Haltungen und zur Lippenbremse finden Sie im Internet.

Das A&O: Lungentraining im Alltag

Für das Lungentraining zu Hause werden auch sogenannte PEP-Systeme genutzt. Dies sind kleine Atemhilfsgeräte, die ähnlich wie ein Lungenspray aussehen. Über ein Mundstück atmen Sie in das Gerät. Bei der Ausatmung baut es einen Druck auf (PEP – positive exspiratory pressure), der sich auf die Lunge überträgt. Schleim kann sich so leichter lösen, das Abhusten wird unterstützt.

Auch Treppensteigen, Gehtraining und Teilnahme am Lungensport sind wichtiger Bestantdeil einer erfolgreichen Therapie. Alle Trainingsmöglichkeiten sollten im Alltag – auch nach einer stationären Rehamaßnahme – regelmäßig fortgeführt werden. Studien haben gezeigt, dass sich die körperliche Belastbarkeit dadurch verbessert und Atemnot sowie Ermüdbarkeit abnehmen. Dies gilt für alle COPD-Stadien.

COPD: Was ist eine Exazerbation?

Eine Exazerbation ist eine akute Verschlechterung einer COPD, die mindestens zwei Tage anhält. Oft reicht eine Ausweitung der medikamentösen Therapie aus, manchmal ist aber auch ein Klinikaufenthalt nötig.

Noch mehr Schleim, noch weniger Luft

Entzündliche Veränderungen in der Lunge führen zu der akuten Verschlechterung einer COPD. Dabei wird vermehrt Schleim produziert, und die Bronchokonstriktion – der Kollaps und die Blockade der kleinen Atemwege bei der Ausatmung – wird weiter verstärkt. Betroffene leiden dann unter vermehrter Luftnot, Husten und Auswurf.

Bei einer massiven Verschlechterung kann neben der Atmung auch der Gasaustausch beeinträchtigt werden. Hierbei kommt es im Körper zu einem Mangel an Sauerstoff und einem Anstieg von Kohlendioxid. Neben schwerster Luftnot kann dies das Bewusstsein beeinträchtigen, Betroffene werden dann schläfrig.

Therapie nach Schweregrad

Die Exazerbation einer COPD wird in vier Schweregrade eingeteilt, die sich danach bemessen, welche Maßnahmen erforderlich sind. Je nach Ausmaß der Verschlechterung muss die Therapie ausgeweitet und intensiviert werden.

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Bei einer leichten Beeinträchtigung reicht es aus, wenn eine Zeit lang ein kurzwirksames Atemspray zusätzlich verwendet wird. Eine Diagnostik mit Blutentnahme oder Röntgenbild ist hier in der Regel nicht notwendig. Bei mittelschweren Exazerbationen müssen hingegen Kortison oder Antibiotika eingenommen werden.

Bei ausgeprägten Beschwerden und starker Luftnot ist eine Klinikaufnahme mit erweiterter Diagnostik und Therapie unumgänglich. Sehr schwere Exazerbationen müssen sogar auf einer Internsivstation behandelt werden. In einigen Fällen kann eine Beatmung notwendig werden. Diese erfolgt häufig mit einer Maske und Überdruck, in schwersten Fällen jedoch auch über Schläuche direkt in die Luftröhre.

Geeignete Medikamente und richtiges Inhalieren

Nach einer akuten Verschlechterung muss überprüft werden, ob die aktuelle Therapie noch dem Schweregrad der Erkrankung entspricht und ausreicht. Dies gilt vor allem für Betroffene nach schwerer und sehr schwerer Exazerbation. Manchmal müssen die Sprays ausgeweitet werden, in einzelnen Fällen kann auch Langzeitsauerstoff notwendig werden.

Insbesondere die Zeit nach einer Krankenhausentlassung ist kritisch. Mehr als 30% der Menschen mit einer Exazerbation und stationärem Aufenthalt müssen innerhalb der ersten 90 Tage nach Entlassung erneut aufgenommen werden.

Wenn Sie an einer COPD leiden, achten Sie darauf, dass Sie Ihre Medikamente wie vom Arzt verschrieben einnehmen und eine gute Technik beim Inhalieren der Atemsprays beherrschen. So lassen sich die Beschwerden oftmals gut in den Griff bekommen und schwere Verläufe hoffentlich vermeiden.

COPD-Exazerbation: Brauche ich Antibiotika?

Ob Sie eine antibiotische Therapie benötigen, richtet sich unter anderem nach dem Schweregrad der Exazerbation (akute Verschlechterung) und danach, ob es Hinweise auf eine Infektion durch Bakterien gibt.

Eine antibiotische Therapie sollte nur dann erfolgen, wenn sie wirklich indiziert (angebracht) ist und nachweislich Krankheitsdauer und Krankheitslast senken kann. Wenn Antibiotika zu häufig und nicht korrekt eingenommen werden, können Bakterien gegen das verwendete Medikament resistent werden, es wirkt dann nicht mehr.

Antibiotika bei gelb-grünem Husten

Ein leichte COPD-Exazerbation heilt in der Regel ohne Antibiotika aus. Mittelgradige und schwere Verschlechterungen müssen öfter antibiotisch behandelt werden, besonders immer dann, wenn Betroffene von eitrigem Hustenauswurf berichten. Dies spricht für eine bakterielle Infektion.

Die Farbe des Auswurfs hilft dabei zu entscheiden, ob eine eitrige Entzündung wahrscheinlich ist. Gelb-grünliche Veränderungen sprechen in der Regel für eine bakterielle Ursache und sollten antibiotisch behandelt werden. Gelegentlich kann auch ein Laborwert, das Procalcitonin (PCT), weiterhelfen. Bei bakteriellen Infektionen ist es erhöht.

Menschen mit einer sehr schweren COPD-Exazerbation sollten grundsätzlich Antibiotika erhalten. Sie sind oft schwer erkrankt, werden auf der Intensivstation behandelt und eventuell sogar beatmet. Sie profitieren nachweislich von einer antibiotischen Therapie.

Wichtig: Bakterienanzucht vor der Therapie

Vor Beginn einer antibiotischen Behandlung sollte eine Probe des Auswurfs eingeschickt und eine Kultur (Anzucht) angelegt werden. Labormediziner bestimmen hieran, welches Bakterium den Infekt auslöst und welche Substanzen am besten dagegen wirken. Je nach Werten des sogenannten Antibiogramms kann dann die Therapie konkret auf den Keim abgestimmt werden.

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Nicht immer kann klar vorhergesagt werden, ob und wann eine Antibiose wirklich angemessen ist. Auch Studienergebnisse hierzu sind nicht immer ganz einheitlich. Schweregrad der Exazerbation und Hinweis auf Bakterien durch verfärbten Auswurf scheinen aktuell die zuverlässigsten Faktoren zu sein.

Schlussendlich macht sich Ihr Arzt ein Bild der Gesamtsituation und entscheidet, ob eine antibiotische Therapie bei Ihnen notwendig ist.

Ab wann brauche ich bei COPD Sauerstoff?

Bei der COPD kann der Gasaustausch der Lunge beeinträchtigt sein. Je nach Sauerstoffgehalt (O2) im Blut profitieren einige Menschen nachweislich von einer Langzeitsauerstofftherapie.

Sauerstoffdruck im Blut

Ausschlaggebend für die Gabe von Sauerstoff ist die sogenannte Blutgasanalyse. Hier werden Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt im arteriellen Blut gemessen. Das Blut wird dabei aus dem Ohrläppchen bzw. dem Puls am Handgelenk entnommen.

Der Gehalt selbst wird als Partialdruck in Millimeter-Quecksilbersäule (mmHg) oder Kilopascal (kPa) angegeben. Bei Gesunden liegen die Werte zwischen 70 und 90 mmHg (bzw. 8-12 kPa), im Alter können sie auf Werte um 60 mmHg absinken.

Klare Regelungen

Bei einer COPD kommt es zu Umbauprozessen im Lungengewebe. Die Sauerstoffaufnahme wird dabei eingeschränkt. Liegen die gemessenen Drücke für O2 unter 55 mmHG in Ruhe, ist eine Langzeitsauerstofftherapie angezeigt.

In einzelnen Fällen kann auch bei einem O2-Wert unter 60 mmHG eine Therapie bereits gerechtfertigt sein. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Betroffene Komplikationen wie einen erhöhten Lungendruck oder Zeichen einer Herzbelastung haben.

Vorsicht ist jedoch geboten, wenn gleichzeitig die Werte für Kohlendioxid (CO2) steigen. Ein erhöhter Druck an CO2 im Blut kann schläfrig machen. Manchmal ist in einer solchen Konstellation eine Sauerstoffgabe nicht möglich.

Langzeitsauerstoff verlängert Leben

Langzeitsauerstoff sollte in der Regel mindestens über 16 Stunden am Tag gegeben werden. Studien haben gezeigt, dass sich die Denkfähigkeit der Betroffenen verbessert und dass sie wieder körperlich aktiver werden. Zudem verlängert die langfristige O2-Gabe bei Menschen mit COPD nachweislich das Leben. Sie gewinnen im Durchschnitt 2 bis 3 Jahre.

Übrigens: Angst vor einer Abhängigkeit müssen Sie dabei nicht haben.

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COPD: Brauche ich beim Fliegen Sauerstoff?

Beim Fliegen in Höhen über 8000 Meter sinkt der Sauerstoffdruck in der Luft. Gesunden macht dies nichts aus. Menschen mit COPD hingegen können Luftnot und weitere Beschwerden entwickeln.

Luft ist ein Gasgemisch, das normalerweise 21% Sauerstoff (O2) enthält. Im Flugzeug wird dieser Wert künstlich aufrechterhalten. Dies gelingt sehr gut bis zu einer Höhe von circa 8000 Metern, danach sinkt der O2-Gehalt in der Maschine auf Werte um 15%.

Unzureichender Gasaustausch bei COPD

Gesunde Menschen können dies durch eine etwas tiefere und schnellere Atmung ausgleichen. Die dadurch erreichten Sauerstoffwerte im Blut sind zwar etwas niedriger als normal, aber ausreichend. Bei Menschen mit COPD kann der niedrige Sauerstoffgehalt jedoch zu Beschwerden führen.

In der Lunge erfolgt ein Gasaustausch: Sauerstoff wird aus der Luft in den Körper aufgenommen, Kohlendioxid ausgeatmet. Dieser Prozess kann bei einer COPD eingeschränkt sein. Betroffene nehmen dann weniger Sauerstoff auf. Manche haben zudem Probleme, Kohlendioxid abzugeben.

Im Blut kann man diese Werte messen. Ist der O2-Wert deutlich erniedrigt, brauchen Betroffene Sauerstoff im Alltag und für zu Hause. Ist er nur leicht erniedrigt, benötigen Menschen mit COPD zwar noch nicht regelmäßig Sauerstoff, aber eventuell für Flugreisen. Auf langen Strecken in großer Höhe können sie sonst unter den reduzierten Sauerstoffbedingungen Beschwerden und Luftnot bekommen.

Ab 50 mmHg wird die Luft dünn

Ob Sie zusätzlichen, tragbaren Sauerstoff für eine Flugreise benötigen, richtet sich nach den Werten Ihrer Blutuntersuchung. Bestimmt wird im arteriellen Blut der sogenannte Sauerstoffpartialdruck (PaO2). Alternativ kann ein ähnlicher Wert per Finger-Clip den O2-Gehalt wiedergeben. Hier sprechen Mediziner von der Sauerstoffsättigung (SaO2). Angegeben werden die Werte in Millimeter-Quecksilbersäule (mmHg) bzw. in Prozent (%).

Bei gesunden Menschen liegt der Sauerstoffpartialdruck im arteriellen Blut > 70 mmHG. Bei einer Flugreise sinkt er etwas, erreicht in der Regel aber weiterhin Werte > 60 mmHg. Dies toleriert der Körper ohne Probleme.

Wenn Menschen mit einer COPD jedoch bereits vor der Flugreise einen PaO2 Wert < 60 mmHg aufweisen und die Werte mit der Flughöhe sinken, können Drücke < 50 mmHg erreicht werden. Das kann zu Problemen führen. Diese Menschen benötigen für ihre Flugreise extra Sauerstoff.

Ist also absehbar, dass jemand mit COPD im Flugzeug einen Partialdruck < 50 mmHG erreichen wird, sollte er portablen Sauerstoff für die Reise erhalten. Wichtig bei der Entscheidung, ob Sauerstoff benötigt wird, ist zudem, wie häufig akute Verschlechterungen (Exazerbationen) und Klinikaufenthalte auftreten. Auch Fluglänge und -höhe sowie -typ fließen in die Empfehlung ein.

Vorbereitung auf den Flug

Bereits Ihre körperliche Belastbarkeit im Alltag gibt einen Hinweis darauf, ob Sie Sauerstoff im Flugzeug benötigen. Eine Faustregel besagt, dass Menschen mit COPD, die 50-80 Meter auf flacher Strecke problemlos gehen können, auch einen Flug gut schaffen.

Schlussendlich entscheidet Ihr Arzt, ob Sie zusätzlichen Sauerstoff auf einer Flugreise mitnehmen müssen. Falls Sie ihn benötigen, müssen einige Punkte vor der Reise geklärt werden. Sie müssen Ihre Versicherung und auch die Fluggesellschaft kontaktieren, um zu fragen, ob z.B. ein portables Sauerstoffgerät mitgenommen werden kann oder ggf. bereitgestellt wird. Zudem muss geklärt werden, wer die Kosten trägt.

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Informationen hierzu finden unter anderem auf den Webseiten der Atemwegsliga oder der European Lung Foundation. Darüber hinaus gibt es verschiedene Patientenforen, auf denen Sie sich informieren können.

Hilft Yoga bei COPD?

Ja, Yoga kann helfen. Es setzt über Atemübungen, Meditation und Kraftaufbau an verschiedenen Problempunkten einer COPD-Erkrankung an. Ein Training sollte aber zuvor mit Ihrem Arzt besprochen und auf Sie abgestimmt werden.

Yoga als Atemtraining

Bei einer COPD (chronic obstructive pulmonary disease) handelt es sich um ein komplexes Krankheitsbild. Im Vordergrund steht meist eine schwere Luftnot, aber auch allgemeine körperliche Schwäche, Muskelabbau sowie Depressionen und Ängste spielen eine Rolle.

Neben der medikamentösen Behandlung, Nikotinverzicht, Lungensport und Rehabilitation können Yogaübungen zusätzlich helfen. Ihren positiven Effekt erzielen sie unter anderem durch den Anteil des Atemtrainings, einer der drei Säulen der Yogatherapie. Dies wurde in mehreren Studien untersucht. Yoga verbessert dabei nachweislich die physische und mentale Gesundheit. Sowohl Lebensqualität als auch Werte der Lungenfunktionstests werden bei Menschen mit einer COPD positiv beeinflusst.

Wichtig ist, dass die Atemübungen Ihrer Erkrankung angepasst werden. Der Fokus liegt im Besonderen darauf, die Ausatmung zu trainieren. Übungen, bei denen die Luft angehalten wird, sollten in der Regel vermieden werden.

Mehr Fitness, weniger Angst

Eine Yogatherapie hilft nicht nur durch das Atemtraining, auch Begleitprobleme wie Ängste und Depressionen bessern sich. Meditation, Achtsamkeitstraining und Entspannungsübungen entlasten dabei Geist und Seele, die Psyche wird gestärkt. Zudem bauen Kraft- und Halteübungen die Muskulatur auf, erhöhen die Flexibilität und stabilisieren den Körper.

Jede einzelne der drei Komponenten des Yogas – Atemtraining, Halteübung und Meditation – kann bei einer COPD helfen und als zusätzlicher Therapieansatz dienen. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.

COPD: Gibt es Tipps gegen Luftnot im Alltag?

Je nach Ausmaß der COPD kann die Luft im Alltag knapp werden. Aufstehen, Ankleiden und Haare Kämmen wird für manche Menschen dann unmöglich. Ein paar Verhaltenstricks wie zum Beispiel das Duschen mit Hocker können helfen.

Die Einnahme Ihrer Medikamente und Atemsprays, die Teilnahme am Lungensport und der Nikotinverzicht bleiben immer unerlässliche Pfeiler der COPD-Therapie. Verschlechtert sich die Luft im Alltag, helfen neben der Einnahme der Notfallsprays auch Entspannungs- und Atemtechniken. Zusätzlich gibt es ein paar Tipps und Tricks, die die Luftnot im Alltag etwas lindern können.

Lassen Sie sich Zeit

Wichtig ist, dass Sie immer auf Ihren Körper hören und sich ausreichend Zeit für alles nehmen. Unter Druck steigen die Stresshormone, die Atmung fällt dann noch schwerer. Sie brauchen daher ein gutes Zeitmanagement und müssen Ihre Aufgaben planen.

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Auch beim Aufstehen am Morgen sollten Sie sich nicht hetzen. Investieren Sie mehrere Minuten für Dehnungsübungen, und lassen Sie Ihren Körper langsam erwachen. Erledigen Sie alles in Ruhe.

Bei allen dann folgenden Aufgaben wie dem An- und Ausziehen, dem Haare Kämmen und Duschen können Sie Kraft und Energie sparen, indem Sie sie im Sitzen erledigen. Duschhocker und Badewannenstühle zum Beispiel sind auch im Hilfsmittelverzeichnis gelistet und sollten von Ihrer Krankenkasse gezahlt werden. Fragen Sie dort einmal nach. Die Produkte selbst finden Sie im Internet und Fachhandel.

Lockere Kleidung und ein wenig Bewegung

Achten Sie bei der Kleidung darauf, dass sie möglichst locker sitzt. Ein zu enger BH, enge T-Shirts und Hosen schnüren Rumpf und Brustkorb ein und verstärken die Luftnot. Auf Duftstoffe und Parfüms sollten Sie verzichten, sie reizen die Lunge.

Auch wenn die körperliche Belastung schwerfällt, ist sie gleichzeitig einer der Grundpfeiler der COPD-Behandlung. Wenn es irgendwie machbar und möglich ist, belasten Sie sich daher, so gut es geht. Wer zum Beispiel im 4. Stock lebt, kann ein Stockwerk zu Fuß gehen und erst dann den Fahrstuhl nutzen.

Quelle:

  • Vogelmeier C et al. Pneumologie 2018; 72: 253–308; Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD), herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. und der Deutschen Atemwegsliga e. V., unter Beteiligung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie

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