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Theophyllin: Wirkung und Nebenwirkungen

Theophyllin führt primär zu einer Erweiterung der Atemwege, aber auch zu einem besseren Abtransport von Schleim und Partikeln aus den Bronchien. Es handelt sich um ein Medikament mit langer Geschichte, das aber heute nur noch in Ausnahmefällen als Begleitmedikation bei Asthma oder COPD verschrieben wird. Mehr über den Wirkstoff Theophyllin erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Auf welche Weise wirkt Theophyllin gegen Asthma?

Theophyllin ist ein schon seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannter pflanzlicher Wirkstoff, der unter anderem zur Behandlung von Asthma in Betracht kommt. Die wichtigste Wirkung von Theophyllin ist eine Entspannung der glatten Muskulatur – und damit auch der Atemwegswände. Unter Behandlung mit dem Arzneimittel kommt es also zu einer Erweiterung der Bronchien.

Mehrfache Wirkung auf die Atemwege

Der Wirkmechanismus von Theophyllin ist dabei durchaus kompliziert, weil die Entspannung der Atemwege gleich auf mehreren verschiedenen biochemischen Wegen erreicht wird. Über einen dieser Wege werden zudem die Schleimhauthärchen im Inneren der Bronchien zum kräftigeren Schlagen angeregt. Damit wird also zusätzlich zur Erweiterung der Atemwege auch noch der Abtransport des Schleims befördert.

Bevor es jetzt zu verwirrend wird, noch mal alle Wirkungen von Theophyllin auf einen Blick:

  • Erweiterung der Bronchien
  • besserer Abtransport von Schleim und Fremdstoffen aus den Atemwegen
  • gesteigerter Atemantrieb
  • antientzündliche Effekte

Theophyllin ist in Zeiten gut verträglicher Asthma-Sprays nicht erste Wahl und wird nur in Ausnahmefällen als Begleitmedikament in der Dauertherapie eingesetzt. In der LeitIinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. und der Deutschen Atemwegsliga  e.V. wird es ab Stufe 3 der Behandlung in begründeten Fällen angeführt. In der Nationalen Versorgungsleitlinie ist es im Stufenschema hingegen nicht mehr aufgenommen.

Präparate mit Theophyllin sind (außerdem noch viele unter dem Eigennamen):

  • Aerobin®
  • Afonilum®
  • Bronchoretard®
  • Euphylong
  • Solosin®
  • Theolair®
  • Tromphyllin®
  • Uniphyllin®

Am besten spätabends einnehmen

Die Einnahme-Häufigkeit sollte mit dem Arzt genau abgesprochen werden. Oft ist dabei eine zweimal tägliche Gabe empfehlenswert.

Da Asthma-Anfälle besonders nachts und frühmorgens auftreten, sollten Sie eine Tablette des verschriebenen Theophyllin-Präparats aber auf jeden Fall spätabends vor dem Zubettgehen einnehmen.

Wie wirkt Theophyllin (Euphylong, Bronchoretard) bei COPD?

Der Wirkstoff Theophyllin, der im Handel u.a. als Euphylong® oder Bronchoretard® erhältlich ist, führt zu einer Entspannung der kleinen Atemwege, die bei COPD verkrampfen können und dadurch zu Luftnot führen. Es sollte immer in Kombination mit Atemsprays eingesetzt werden.

Nicht ganz unproblematisch

Viele Menschen mit einer COPD nehmen über Jahre Theophyllin ein und sind damit stabil eingestellt. Verschrieben wird es meist in Tablettenform. Gelegentlich verabreichen Ärzte dieses Medikament in Akutsituationen auch als Spritze.

Ganz unproblematisch ist die Gabe von Theophyllin jedoch nicht. Die Leitlinien empfehlen es nur für begründete Ausnahmefälle. Dies liegt unter anderem daran, dass seine sogenannte therapeutische Breite – die Dosis, die hilft und noch keine Nebenwirkungen auslöst – gering ist. Zudem werden Wirkung und Wirkdauer durch viele Faktoren wie Alter, Rauchen und diverse Medikamente beeinflusst.

Bei einer Therapie mit Euphylong® bzw. Bronchoretard® ist daher die Bestimmung des Wirkstoffspiegels im Blut unerlässlich. Bei zu hohen Werten können Intoxikationserscheinungen (Vergiftungen) auftreten.

Nur in Kombination mit Lungensprays

Bei einer COPD hilft Theophyllin, solange es in Kombination mit Lungensprays gegeben wird. Lungenfunktion und Gesundheitsstatus bessern sich dadurch. Dabei sollten sogenannte Retardpräparate mit verzögerter Wirkstofffreisetzung genutzt werden. Als alleiniges Mittel (Monotherapie) sollte Theophyllin bei einer COPD nicht eingenommen werden.

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Welche Nebenwirkungen können unter Theophyllin auftreten?

Theophyllin wirkt vor allem über eine Entspannung der sogenannten glatten Muskulatur. Damit erweitert das Medikament nicht nur die Atemwege, sondern z.B. auch die Blutgefäße. Insgesamt werden Theophyllin im weitesten Sinne Kaffee-ähnliche Effekte zugeschrieben. Damit erklären sich auch einige der Nebenwirkungen.

Ein Teil der Nebenwirkungen tritt dabei dosisabhängig, ein anderer Teil dosisunabhängig auf. Zu den leichteren Problemen gehören Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Störungen von Schlaf und Elektrolythaushalt (Salzhaushalt). Schwerwiegende Folgen hingegen können Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle sein.

Unruhe, Schlafprobleme und Kopfschmerzen sind häufig

Falls Sie wissen möchten, wie oft die einzelnen Nebenwirkungen vorkommen bzw. welche am häufigsten sind:

Häufig, das heißt bei mehr als 1% der Behandelten kommt es zu:

  • schnellerer Herzschlag, Herzklopfen
  • gefühlte Unruhe
  • Schlafprobleme
  • leichtes Erregungs-Zittern, z.B. der Hände
  • Blutdruckabfall
  • Kopfschmerzen

Weitere seltenere Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte dem Beipackzettel.

Ist Theophyllin gefährlich?

Ganz unproblematisch ist die Gabe von Theophyllin (Euphylong®, Bronchoretard®) tatsächlich nicht. Bei Überdosierungen können unterschiedlichste Probleme auftreten.

Typische Nebenwirkungen

Da viele Faktoren den Spiegel des Wirkstoffes im Blut beeinflussen, braucht jeder Mensch eine individuelle Dosis an Theophyllin. Sind Dosis und Blutspiegel zu hoch, können Nebenwirkungen bis hin zu Vergiftungserscheinungen auftreten. Umgekehrt entfaltet das Medikament keine Wirkung, wenn ein bestimmtes Level nicht erreicht wird.

Zu den typischen Nebenwirkungen von Theophyllin gehören zum Beispiel Unruhe (ähnlich wie bei einem exzessiven Kaffeegenuss), ein schneller Herzschlag und Schlaflosigkeit. Auch Beschwerden im Magen-Darm-Trakt mit Übelkeit und Erbrechen können auftreten. Hinzu kommen Herzrhythmusstörungen und sogar Krampfanfälle.

Nur in Kombination

Um medizinische Probleme unter einer laufenden Behandlung mit Theophyllin zu vermeiden, muss daher die Konzentration des Wirkstoffes im Blut bestimmt und die Dosis entsprechend angepasst werden.

Theophyllin wird immer in Kombination mit den Atemsprays verwendet, die die Basis der Behandlung bilden. Nur als Zusatzmedikament hat es einen extra Nutzen und Effekt. Sein Einsatz sollte gut überlegt sein und die Therapie überwacht werden.

Wieso wird der Theophyllin-Spiegel im Blut kontrolliert?

Theophyllin kann bei der COPD oder Asthma zusätzlich zu den Atemsprays eingesetzt werden. Es muss sehr genau dosiert werden. Bei zu niedrigen Blutkonzentrationen hilft es nicht, bei zu hohen kann es zu Vergiftungssymptomen kommen.

Ein schmaler Grat

Wie schnell der Arzneistoff abgebaut wird, hängt unter anderem von Ihrer Leber- und Herzfunktion ab. Auch Ihr Alter und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten spielen eine Rolle. Zudem verarbeitet der Körper Theophyllin bei Rauchern anders als bei Nichtrauchern. Der Blutspiegel wird somit bei jedem Menschen individuell beeinflusst.

Daneben ist die sogenannte therapeutische Breite schmal. Das ist der Bereich, in dem das Medikament wirkt, ohne jedoch Nebenwirkungen und Vergiftungserscheinungen hervorzurufen. Daher ist es wichtig, das Theophyllinlevel im Blut regelmäßig zu kontrollieren.

Dabei wird in der Regel 12 Stunden nach der letzten Medikamenteneinnahme Blut entnommen und die Höhe des Theophyllinspiegels bestimmt. Wenn die Behandlung neu begonnen wird, werden auch minimale und maximale Werte separat bestimmt, also der Spiegel kurz (1-4 Stunden) nach bzw. direkt vor der nächsten Tablettengabe.

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Gefahr der Über- oder Unterdosierung

Der angestrebte Wirkungsbereich liegt in etwa zwischen 5 und 20 mg/Liter. Ist der Wert zu hoch, können Nebenwirkungen auftreten. Hierzu gehören unter anderem Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, Schlafstörungen, Zittern und Kopfschmerzen. Auch Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle können auftreten.

Überdosierungen mit einem Theophyllinspiegel über 20 mg//Liter kommen öfter bei Menschen mit Leberstörungen (Leberzirrhose), Herzschwäche und auch Adipositas vor, Unterdosierungen hingegen leichter bei Rauchern.

Sollten Sie an einer COPD oder Asthma leiden und Theopyhllin einnehmen, achten Sie also darauf, dass Sie Ihre Medikation und Blutwerte regelmäßig überprüfen lassen.

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma. Stand 12.09.2017. Online unter www.awmf.org (Zugriff am 18.07.2019).
  • Nationale Versorgungsleitlinie Asthma, 3. Auflage, 2018. Online unter www.awmf.org (Zugriff am 18.07.2019).

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