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Phenprocoumon (Marcumar): Wirkung und Nebenwirkungen

Wie wirkt Phenprocoumon (Marcumar®) auf die Blutgerinnung? Welche Nebenwirkungen können auftreten, worauf muss man wegen der Blutverdünnung achten? Alle Fragen dazu beantworten wir im folgenden Beitrag.

Wirkung

Was ist Marcumar®?

Marcumar® und Falithrom® sind Handelsnamen für Phenprocoumon, einem Wirkstoff zur Hemmung der Blutgerinnung. Meist verschrieben in Deutschland ist Marcumar®. Die Tablette enthält 3 mg des Wirkstoffs.

Der Wirkstoff Phenprocoumon ist ein sogenanntes Cumarin-Derivat, das als Vitamin-K-Gegenspieler die Bildung verschiedener Gerinnungsfaktoren blockiert. Die volle Wirksamkeit wird erst nach 6-9 Tagen erreicht. Nach Absetzen des Medikaments dauert es ein bis zwei Wochen, bis sich die Blutgerinnung normalisiert.

Cumarin-Derivate sind zur Langzeitgerinnungshemmung in Tablettenform geeignet. Einsatzgebiete des Medikaments sind eine erhöhte Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln verschiedenster Ursachen, aber auch z.B. ein Herzklappenersatz oder Vorhofflimmern.

Was sind Cumarine?

Cumarine sind Medikamente, die die Wirkung des Vitamin K und damit die Blutgerinnung hemmen. Hintergrund: Die Bildung einiger Blutgerinnungsfaktoren ist Vitamin-K-abhängig.

Cumarine können in Tablettenform (oral) eingenommen werden. Vertreter dieser Gruppe sind Phenprocoumon (Marcumar®), Warfarin und Acenocoumarol.

Synonyme: Vitamin-K-Antagonisten, orale Gerinnungshemmer

Wie wirken Cumarin-Derivate?

Cumarin-Derivate bzw. Cumarin-Abkömmlinge stammen aus sekundären Pflanzenstoffen, den Cumarinen. Heutzutage angewendete synthetisch hergestellte Wirkstoffe sind Phenprocoumon, Warfarin und Acenocoumarol. Dabei handelt es sich um hochwirksame Gerinnungshemmer, die in Tablettenform eingenommen werden können.

Die Wirkstoffe hemmen in der Leber die Vitamin-K-abhängige Bildung von Gerinnungsfaktoren. Die Blutgerinnungshemmung benötigt allerdings etwas Zeit, so dass meist einige Tage vergehen, bis die erwünschte volle Wirksamkeit eintritt.

Cumarin-Derivate sind zur vorübergehenden Gerinnungshemmung geeignet, aber auch für die Langzeittherapie. Sie kommen auch zum Einsatz bei Ersatz von Herzklappen, Vorhofflimmern und generell bei erhöhter Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln.

Bei einer Einnahme von Cumarin-Derivaten ist die regelmäßige Kontrolle der Blutgerinnung wichtig, um die resultierende erhöhte Blutungsneigung zu überprüfen. Der optimale therapeutische Bereich muss bei den verschiedenen Erkrankungen individuell festgelegt werden. Dafür sind meist wöchentliche Blutabnahmen notwendig. Die Daten der Blutgerinnung und die Tabletteneinnahme werden zudem in einem Ausweis festgehalten, den Sie zur Sicherheit immer bei sich tragen müssen (z.B. für den Fall eines Unfalls oder einer Verletzung).

Nicht angewendet werden dürfen Cumarin-Derivate bei einer bereits erhöhten Blutungsneigung, bei Magen-Darm-Geschwüren, bei unbehandeltem oder schlecht eingestelltem Bluthochdruck sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit.

Führen Cumarin-Derivate zu einer sofortigen Gerinnungshemmung?

Nein. In der Regel vergeht rund eine Woche, bis die volle Wirkung eintritt. Das hängt damit zusammen, dass Cumarin-Derivate die Neubildung von Gerinnungsfaktoren hemmen, davon aber natürlich noch "Vorratsspeicher" vorhanden sind.

Ebenso dauert es übrigens auch nach dem Absetzen der Medikamente ein bis zwei Wochen, bis wieder eine normale Gerinnung möglich ist. Denn dann sind die Vorratskammern leer und es müssen erst wieder neue Gerinnungsfakoren gebildet werden.

Einnahme und Dosierung

Was bedeutet bei der Blutgerinnungshemmung mit Cumarin-Derivaten "individueller therapeutischer Bereich"?

Ziel einer Behandlung mit Cumarin-Derivaten ist es, die Fließfähigkeit des Blutes zu verbessern, damit es zu keinen Blutgerinnseln kommt. Dabei muss aber zugleich auch die Blutungsgefahr gering gehalten werden. Dieser wünschenswerte optimale Bereich der Dosierung heißt therapeutischer Zielbereich.

Der individuelle therapeutische Bereich hängt von der Erkrankung und den ursprünglichen Blutgerinnungswerten des Betroffenen ab. Er wird nach Beginn der Behandlung in der Regel durch wöchentliche Blutabnahmen mit Bestimmung der Blutgerinnung ermittelt, um dann die Medikamentendosis entsprechend den Ergebnissen anzupassen.

Es gibt also bei einer Behandlung mit Cumarin-Derivaten wie Marcumar® kein Vorgehen nach Schema F.

Warum ist meine Wochendosis an Marcumar® so hoch, um den erwünschten INR-Wert einzuhalten?

Wie viel Marcumar® oder andere Blutverdünner man benötigt, um die gewünschten Gerinnungswerte zu erreichen, ist von Person zu Person unterschiedlich.

Während Person A also vielleicht zehn Tabletten des Wirkstoffs pro Woche einnehmen muss, um den INR-Wert auf dem gewünschten Niveau zu halten, muss Person B nur halb so viele Tabletten schlucken, um den gleichen Wert zu erreichen.

Die individuell benötigte Menge des Wirkstoffs hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Alter: Ältere Menschen benötigen in der Regel geringere Dosen. Dies hängt v.a. mit der Leistung der Stoffwechselorgane Leber und Niere zusammen.
  • Geschlecht, Körpergewicht: Männer benötigen in der Regel höhere Dosen als Frauen, schwerere Menschen brauchen höhere Dosen als leichtgewichtige Personen.
  • Leber- und Nierenfunktion: Bei gutem Stoffwechsel wird mehr Wirkstoff benötigt. Bei Funktionsstörungen dieser Organe sind geringere Dosen nötig.
  • Aktivität der Blutgerinnung: Bestimmte Erkrankungen oder Medikamente können zur Aktivierung von Gerinnungsfaktoren führen, so dass mehr Wirkstoff benötigt wird.

Können sich die Gerinnungswerte und die benötigte Dosis an Blutverdünnern mit dem Alter ändern?

Ja. Der Stoffwechsel des Körpers verändert sich mit dem Älterwerden, so dass sich auch bei immer gleich bleibenden Dosierungen der Blutverdünner die Gerinnungswerte (INR-Wert) dennoch verändern können. Auch deshalb ist die regelmäßige Kontrolle des INR-Wertes so wichtig.

Allerdings gibt es auch noch andere Einflussfaktoren, die den INR-Wert verändern können. Die beste Kontrolle und damit die beste Möglichkeit, die optimale Dosierung der Gerinnungshemmer-Tabletten einzuhalten, ist die regelmäßige Selbstmessung der INR-Werte.

Kann die Monatsblutung (Regelblutung) die Behandlung mit Gerinnungshemmern wie Marcumar@ beeinflussen?

Ja, wobei die Unterschiede in den gemessenen INR-Werten in der Regel gering ausfallen. Bei sehr starken Monatsblutungen (Hypermenorrhoe) kann die Wirksamkeit der Gerinnungshemmer allerdings vermindert sein, so dass eine Dosisanpassung erforderlich ist.

Mit einer Selbstmessung der INR-Werte lässt sich das rasch feststellen.

Dürfen Kinder Cumarine wie Marcumar einnehmen?

Ja, auch Kinder aller Altersgruppen erhalten manchmal vorübergehend oder auch langfristig eine gerinnungshemmende Behandlung mit Cumarinen wie Marcumar®. In Frage kommt das z.B. bei Kindern mit einer Thrombose.

Kinder werden allerdings nach angepassten Dosierungsschemata behandelt. Gesondert zugelassene Medikamente für Kinder gibt es (leider) nicht.

Kontrolltermine

Kann ich meinen Kontrolltermin zur Überprüfung der Blutgerinnung bei einer Behandlung mit Marcumar® verschieben?

Sind die Blutgerinnungswerte gut eingestellt, ist die Verschiebung eines Arzttermins um wenige Tage in der Regel kein größeres Problem. Grundsätzlich jedoch sollten Kontrolltermine genauso wie die pünktliche Einnahme der Tabletten zuverlässig eingehalten werden, um eine lückenlose Überprüfung der Gerinnungswerte zu gewährleisten und kein unnötiges Gesundheitsrisiko einzugehen.

Das Management einer Behandlung mit Blutverdünnungs-Tabletten erfordert generell ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Eigenverantwortlichkeit.

Leben mit Marcumar

Was ist bei Reisen zu beachten, wenn man Blutverdünner wie Marcumar einnimmt?

Die veränderten Lebensumstände auf Reisen (durch Aufregung, andere Ernährung, ungewohnte Aktivitäten) können die Blutgerinnung verändern. Deshalb ist die regelmäßige Kontrolle der Gerinnungswerte und gegebenenfalls eine Dosisanpassung wichtig.

Das bedeutet, dass alle Utensilien zur Messung des INR-Wertes mitgeführt werden müssen. Auch eine ausreichende Menge an Medikamenten für die Urlaubszeit sollte man dabei haben.

Bei Flugreisen sollten Sie Messgerät, Teststreifen, Lanzetten und Medikamente ins Handgepäck packen, falls der Koffer verloren geht. Aufgrund der geltenden Sicherheitsvorschriften ist für das Mitführen dieses medizinischen Bedarfs allerdings ein ärztliches Attest notwendig.

Auf Reisen und kein Marcumar® mehr: Was ist bei Umstellung auf ein anderes Cumarin zu beachten?

Wenn Ihnen auf einer Auslandsreise Ihr Marcumar® ausgeht, kann es sein, dass das Medikament in den dortigen Apotheken nicht verfügbar ist. Dann müssen Sie möglicherweise auf ein anderes Präparat oder sogar einen anderen Wirkstoff umsteigen.

Dabei ist wichtig, die bisherige Dosis des Blutverdünners nach Möglichkeit nicht zu verändern. Um mögliche Schwankungen der Blutgerinnung zu erkennen und eine Dosisanpassung vornehmen zu können, muss der INR-Wert (Maß der Gerinnung) häufiger als sonst gemessen werden, mindestens alle drei bis vier Tage.

Ein im Ausland häufiges Alternativpräparat, Acenocoumarol (Sintrom®), ist in zwei verschiedenen Stärken erhältlich (1 mg und 4 mg pro Tablette). Vergleichbar mit der Marcumar-Wirkstärke ist die 4-mg-Tablette von Sintrom®. Eine halbe Tablette Marcumar® entspricht etwa einer halben Tablette Sintrom® 4 mg.

Muss ich meinen Zahnarzt informieren, dass ich Blutgerinnungshemmer einnehme?

Ja, der Zahnarzt muss ebenso wie andere behandelnde Ärzte über eine blutgerinungshemmende Behandlung informiert werden.

Ein zahnmedizinischer Eingriff oder eine Operation sollten rechtzeitig geplant sein, um den INR-Wert (Maß der Blutgerinnung) zuvor gut zu kontrollieren. Bei geplanten Operationen oder Zahnentfernungen kann der INR-Wert oft angepasst werden, so dass die Blutungsneigung nachlässt. Eine Dosisverminderung der Gerinnungshemmer darf jedoch nur unter Anleitung eines Arztes vorgenommen werden.

Nur in Ausnahmefällen muss vorübergehend auf ein Ersatzmedikament ausgewichen werden. Im Notfall kann der Zahnarzt in der Regel auch trotz der Behandlung mit Gerinnungshemmern wie Marcumar® operieren.

Kann es sein, dass Gerinnungshemmer wie Marcumar eine Migräne verbessern?

Immer wieder wird berichtet, dass sich Migräne unter einer länger andauernden Behandlung mit Tabletten zur Blutverdünnung wie Marcumar® bessert bzw. sich die Häufigkeit von Migräneattacken verringert. Bewiesen ist das nicht, aber denkbar durchaus.

Wirkung über besseren Blutfluss?

Die Ursache von Migräne liegt in einer Engstellung von Gefäßen bzw. Gefäßspasmen, was zu einer verringerten Durchblutung von Hirnarealen führen kann. Eine mögliche Erklärung für eine gewisse Wirksamkeit von Gerinnungshemmern ist, dass diese ja die Fließfähigkeit des Blutes verbessern und so zu einer besseren Durchblutung führen. Kommt es seltener zu Engstellungen der Gefäße bzw. ist die Durchblutung auch enggestellter Gefäße verbessert, könnte dies die Häufigkeit und Heftigkeit von Migräneattacken durchaus positiv beeinflussen.

Allerdings sind deshalb weder Marcumar® noch andere Gerinnungshemmer zur Behandlung einer Migräne geeignet. Insofern ist diese Frage nur für diejenigen relevant, die wegen anderer Erkrankungen ohnehin Blutverdünner einnehmen müssen.

Ernährung mit Marcumar

Bei Einnahme von Marcumar bitte Vitamin-K-haltige Nahrungsmittel meiden

Wenn Sie Marcumar® oder einen anderen Gerinnungshemmer aus der Gruppe der sogenannten Phenprocoumone (z.B. Falithrom® oder Phenprogamma®) einnehmen, sollten Sie folgendes beachten: Diese Mittel sind Vitamin-K-Hemmer, das heißt, sie wirken gerade dadurch, dass sie die durch Vitamin K unterstützte Blutgerinnung runterfahren. Dadurch wird die Bildung von gefährlichen Blutgerinnseln verhindert.

Sie unterstützen die optimale Wirkung des Medikaments, wenn Sie auch bei Ihrer Ernährung darauf achten, nicht noch mehr Vitamin K als nötig zu sich zu nehmen. Besonders Vitamin-K-haltige Lebensmittel sind hier beispielsweise Broccoli, Grünkohl, Rosenkohl, Spinat, Weizenkeime und Zwiebeln. Diese Nahrungsmittel während der Behandlung also bitte nur in Maßen genießen.

Und falls Sie Vitamin-Präparate einnehmen, achten Sie darauf, dass dort möglichst gar kein zusätzliches Vitamin K enthalten ist.

Kann man unter einer Behandlung mit Marcumar® oder einem ähnlichen Blutverdünner seine Ernährung problemlos umstellen, z.B. auf eine fettarme Kost?

Ganz plötzlich sollte man seine Ernährung grundsätzlich nicht umstellen, v.a. dann nicht, wenn die Gerinnungswerte (INR-Wert) nicht regelmäßig überprüft werden.

Gegen eine allmähliche Ernährungsumstellung in Richtung gesündere und fettärmere Kost spricht dagegen nichts, wenn die Gerinnungswerte regelmäßig geprüft werden. Generell ist es sinnvoll, eine geplante Ernährungsumstellung mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.

Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen können unter einer Behandlung mit Phenprocoumon (Marcumar) auftreten?

Bei einer guten Dosis-Einstellung kommt es unter Phenprocoumon (u.a.: Marcumar®) selten zu Nebenwirkungen. Dennoch können in Einzelfällen auftreten:

  • vorübergehender Haarausfall
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Blutergüsse bei Injektionen in den Muskel
  • allergische Reaktionen an der Haut
  • Absterben von Haut (Hautnekrosen)

Auch bei Gerinnungswerten im optimalen therapeutischen Bereich kann es zu häufigerem Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder einer erhöhten Neigung zur Bildung von Blutergüssen (Hämatomen) kommen. Gefährliche Blutungen etwa im Magen-Darm-Trakt kommen sehr selten vor.

Sind hoher Blutdruck und Bluthochdruckkrisen gefährlich, wenn man Gerinnungshemmer einnimmt?

Ja. Ein hoher Blutdruck und hypertone Krisen mit Blutdruckspitzenwerten können bereits gefährlich sein, wenn man keine Gerinnungshemmer einnimmt.

Ist es durch den Bluthochdruck bereits zu Einrissen an arteriellen Gefäßen gekommen – und die Gefäße von Menschen mit länger bestehendem Bluthochdruck weisen häufiger solche Veränderungen auf –, kann es bei hohen Druckverhältnissen leicht zu weiteren Verletzungen der Gefäßwand kommen. Eine mögliche Folge ist das Platzen einer Arterie, so dass Blut ins Gewebe austritt. Das kann lebensgefährlich sein. Am ehesten passiert so etwas in den Gefäßen des Gehirns, es kann aber auch in vielen anderen Arterien des Körpers vorkommen.

Das Problem bei Behandlung mit Blutverdünnern: Es kann zu viel stärkeren, langandauernden Blutungen kommen. Zudem ist eine gerinnungshemmende Therapie bei schlecht oder nicht behandeltem Bluthochdruck weniger wirksam.

Stimmt es, dass man unter der Behandlung mit Marcumar® Kopfschmerzen bekommen kann?

Kopfschmerzen werden von Menschen, die Marcumar® einnehmen, tatsächlich immer wieder beschrieben. Auch chronische Kopfschmerzen kommen manchmal vor.

Im Beipackzettel von Marcumar® sind Kopfschmerzen als Nebenwirkung nicht aufgeführt. Eine mögliche Ursache, dass sie dennoch mitunter auftreten, könnte ein niedriger Blutdruck sein, den Cumarin-Derivate verursachen können.

Bei starken Kopfschmerzen muss aber immer auch an eine Hirnblutung gedacht werden, die ein absoluter Notfall ist.

Kann es unter Behandlung mit Marcumar® (Phenprocoumon) zu Haarausfall kommen?

Ja, gelegentlich kann es unter Behandlung mit dem Gerinnungshemmer Phenprocoumon (Marcumar®) zu Haarausfall kommen. Für die Betroffenen ist das oft sehr belastend.

Meist tritt der Haarausfall erst mehrere Wochen nach Beginn der Behandlung auf (wenn er denn auftritt). Manchmal verschwindet die lästige Nebenwirkung dann noch während der Therapie, in anderen Fällen jedoch erst nach Absetzen der Behandlung.

Bessert sich der Haarausfall unter der Behandlung nicht von selbst, kann man auf einen anderen Wirkstoff der Cumarin-Gruppe wechseln.

Warum bekomme ich beim Messen des Blutdrucks blaue Flecken? Hängt das mit den Blutverdünnern zusammen?

Bei einer Behandlung mit Blutverdünnern aus der Familie der Cumarine (z.B. Marcumar®) kann es tatsächlich vorkommen, dass bei einer Blutdruckmessung im Bereich der Blutdruckmanschette Blutergüsse (Hämatome) auftreten.

Wenn das passiert, muss zunächst überprüft werden, ob die Gerinnungswerte (INR-Wert) im gewünschten Bereich liegen. Zu hohe Werte (zu geringe Blutgerinnung) begünstigen eine Blutung in das Gewebe bei Druckausübung.

Möglicherweise wird die Blutdruckmanschette aber auch mit einem zu hohen Druck aufgepumpt, so dass der Druck auf das Gewebe zu hoch ist. Es reicht aus, die Blutdruckmanschette auf Werte von etwa 20 mmHg oberhalb des zu erwartenden oberen Blutdruckwertes aufzublasen. Hält man sich an diese Faustregel, sollten keine Druckhämatome mehr entstehen.

Marcumar kann Ursache von Zahnfleischbluten sein

Wenn Sie Marcumar® einnehmen und zugleich Zahnfleischbluten entwickeln, kann das durchaus am Medikament liegen. Bevor Sie also an Paradontose oder sonstige zahnärztlich zu behandelnde Erkrankungen denken, versuchen Sie in leichten Fällen ruhig erstmal den Wechsel zu einer Bürste mit weicheren Borsten sowie einer sanfteren Putztechnik.

Zum Hintergrund: Marcumar® enthält den Gerinnungshemmer Phenprocoumon. Das Medikament wird unter anderem verschrieben zur Vorbeugung einer Blutpfropfbildung und zur Langzeitbehandlung nach Herzinfarkt. Dadurch, dass das Blut bewusst an einer Verklumpung gehindert wird, kann es andererseits bei Verletzungen zu einer stärkeren Blutung kommen. Auch beim Zähneputzen kann es durch kleinste Risse schneller mal zum Bluten kommen.

Bei stärkeren oder häufigen Blutungen am Zahnfleisch reden Sie bitte noch mal mit Ihrem behandelndem Arzt.

Kann eine Behandlung mit Marcumar® oder ähnlichen Präparaten die Ursache von Blut im Urin sein?

Ja, Blut im Urin kann unter einer Behandlung mit Marcumar® vorkommen. Grundsätzlich gilt: Treten sichtbare Verfärbungen des Urins auf, kann es sich um Blutungen im Urogenitaltrakt handeln. Deshalb sollte man bei einer solchen Beobachtung grundsätzlich umgehend den Arzt konsultieren.

Gegebenenfalls müssen die Blutgerinnungswerte kontrolliert und die Dosis des Blutgerinnungshemmers reduziert werden. Auszuschließen sind auch Nierenfunktionsstörungen und Nierenerkrankungen, bei denen eine Behandlung mit Gerinnungshemmern nicht durchgeführt werden darf.

Auch im Magen-Darm-Trakt kann es bei entsprechenden Vorschäden unter Behandlung mit Gerinnungshemmern bluten. Mögliche Hinweise sind verfärbter Stuhl (rot oder schwarz) oder Erbrechen von Blut.

Verstärkte Monatsblutung unter Behandlung mit Marcumar: Blutverdünner-Effekt oder Beginn der Wechseljahre?

Für Frauen, die Marcumar® oder andere Tabletten zur Gerinnungshemmung einnehmen und zudem im Alter für die Wechseljahre sind, stellt sich diese Frage recht häufig. Denn in den Wechseljahren kommt es häufiger zu verstärkten Monatsblutungen, doch auch unter einer Behandlung mit Gerinnungshemmern, so dass die Ursache nicht so einfach auseinanderzuhalten ist.

Letztlich ist es aber ohne Belang für das weitere Vorgehen: Sind andere körperliche Ursachen für die verstärkte Monatsblutung ausgeschlossen, ist eine mögliche Gegenmaßnahme eine  sogenannte Hormonersatztherapie. Aufgrund des erhöhten Risikos für Herzinfarkt, Thrombosen, Schlaganfälle, Brust- und Gebärmutterkrebs wird dabei von Kombinationspräparaten aus Östrogenen und Gelbkörperhormon heute eher abgeraten.

Östrogene können aber auch über die Haut (transdermal) verabreicht werden. Damit sind die Gesundheitsrisiken geringer und auch die Blutgerinnung wird weniger beeinflusst. Zusätzlich kann ein Gelbkörperhormon-Präparat über die Haut oder als Tablette eingenommen werden.

Verstärkte Monatsblutung durch Marcumar® oder ähnliche Blutverdünner: Wie erkenne ich einen Eisenmangel?

Ein Eisenmangel kann sich durch Symptome wie Müdigkeit, herabgesetzte Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen, Blässe, eingerissene Mundwinkel (Rhagaden), Anfälligkeit für Infektionen, Haarausfall und brüchige Nägel bemerkbar machen.

Der Verdacht auf Eisenmangel lässt sich am besten bestätigen, in dem der Eisenspeicherwert, das Ferritin, gemessen wird. Der Eisenwert im Blutserum ist hingegen weniger aussagekräftig.

Besteht infolge der verstärkten Monatsblutung tatsächlich ein Eisenmangel, ist dies behandlungsbedürftig, und zwar unabhängig davon, ob die Behandlung mit den Gerinnungshemmern die Ursache der verstärkten Blutung ist. Bei einem bestätigten Eisenmangel kann Eisen in Tablettenform oder als Infusion zugeführt werden. Liegt zusätzlich ein Mangel an Vitamin B12 vor, sollte auch dieses Vitamin zusätzlich in Tablettenform eingenommen werden.

Kann man gegen Cumarine wie Marcumar® auch resistent oder überempfindlich sein?

Ja, es gibt Menschen, die auf eine Behandlung mit Cumarinen wie Phenprocoumon (Marcumar®) oder Warfarin schlecht oder gar nicht ansprechen sowie auch Menschen, die auf die Tabletten überempfindlich reagieren.

Bis vor wenigen Jahren war noch nicht bekannt, wie es zu einer Resistenz gegenüber den Gerinnungshemmern kommt. Die genaue Ursache identifizierten erst vor wenigen Jahren deutsche und amerikanische Wissenschaftler zeitgleich. Demnach ist eine Resistenz vererbt. Dies ergaben Untersuchungen an Betroffenen und deren Eltern und Geschwistern. Es ließen sich Genmutationen identifizieren, die eine entscheidende Rolle spielen.

Auch eine Überempfindlichkeit dürfte genetische Ursachen haben.

Haben alle Gerinnungshemmer der Cumarin-Gruppe (Marcumar® u.a.) die gleichen Nebenwirkungen?

Ja, die verschiedenen Wirkstoffe (Marcumar®, Falithrom®, Sinthrom®, Coumadin®) haben die gleichen möglichen Nebenwirkungen.

Ist die Dosierung zu hoch und rutscht der INR-Wert (Maß der Gerinnungsfähigkeit des Blutes) über 4,5, ist das Blutungsrisiko erhöht. Bei einem INR-Wert unter 2 ist das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln häufig erhöht, die gerinnungshemmende Wirkung also zu gering.

Ansonsten sind Nebenwirkungen selten. In den ersten Tagen der Behandlung können blauschwarze, schmerzende Hautveränderungen auftreten. Dies kann vor allem bei einer zu hohen Dosierung zu Beginn der Behandlung vorkommen. In seltenen Fällen kommt es zum Anstieg der Leberwerte (Transaminasen). Einige Wochen nach Behandlungsbeginn kann es zeitweise zu Haarausfall kommen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Gibt es Medikamente, die die Wirkung von Cumarin-Derivaten schwächen?

Ja, einige Medikamente können die Wirksamkeit von Cumarinen beeinträchtigen. Dazu zählen:

  • Rifampicin (Antibiotikum)
  • Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken: Glukokortikoide (Kortison), Azathioprin
  • Carbamazepin zur Behandlung der Epilepsie
  • Barbiturate (Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Therapie der Epilepsie)
  • Colestyramin (Therapie des zu hohen Cholesterinspiegels)
  • Johanniskraut (gegen Depressionen)

Gibt es Medikamente, die die Wirkung von Cumarin-Derivaten verstärken?

Ja, einige Medikamente können die Wirksamkeit von Cumarin-Derivaten erhöhen. Eine verstärkte Wirkung kann unter einer zusätzlichen Behandlung mit folgenden Medikamenten auftreten:

  • Schmerzmittel, sogenannte nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin®), Ibuprofen oder Diclofenac.
  • einige Antibiotika (Tetrazykline, Erythromycin, Sulfonamide, Chloramphenicol)
  • Valproat (Medikament zur Behandlung der Epilepsie, psychiatrische Erkrankungen)
  • Allopurinol (Medikament zur Behandlung der Gicht)
  • Anabolika
  • L-Thyroxin (Schilddrüsenhormon)

Darf man bei Behandlung mit Gerinnungshemmern wie Marcumar® die Anti-Baby-Pille einnehmen?

Ja, die zusätzliche Einnahme der Anti-Baby-Pille ist erlaubt, da Cumarine wie Marcumar® zuverlässig vor einer Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) schützen.

Zu beachten ist jedoch, dass "die Pille" nicht eingenommen werden darf, wenn eine Gerinnungsstörung vorliegt und gleichzeitig kein Gerinnungshemmer eingenommen wird. Bei einem geplanten Absetzen der gerinnungshemmenden Behandlung sollte zwei Monate zuvor die Einnahme der Anti-Baby-Pille beendet werden, um ein erhöhtes Thromboserisiko zu vermeiden.

Sind pflanzliche Mittel gegen Hitzewallungen auch dann noch erlaubt, wenn ich Marcumar oder ähnliche Blutverdünner einnehmen muss?

Gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren sind diverse pflanzliche Medikamente auf dem Markt. Dazu zählen z.B. die Wirkstoffe Traubensilberkerze, Rotklee, Mönchspfeffer und Sojapräparate.

Insbesondere Produkte mit Traubensilberkerze (Camicifuga) können dabei offenbar den Blutgerinnungswert (INR-Wert) im Rahmen einer gerinnungshemmenden Behandlung beeinflussen. Frauen, die dennoch ein Präparat mit diesem Wirkstoff einnehmen möchten, sollten den INR-Wert zur Sicherheit mindestens einmal wöchentlich kontrollieren, um die Dosis des Gerinnungshemmers gegebenenfalls anzupassen.

Verändern Kortison-Sprays die Gerinnungswerte unter Behandlung mit Blutverdünnern?

Bei einer örtlichen Anwendung von Kortison (Sprays, Salben) ist mit keinen Veränderungen der Gerinnungswerte (INR-Werte) zu rechnen. Anders sieht es bei der Einnahme von Kortison-Tabletten aus. Diese können zu Schwankungen der INR-Werte und zu einer reduzierten Wirksamkeit der Gerinnungshemmer führen.

Deshalb muss bei einer Behandlung mit Kortison-Tabletten regelmäßig der INR-Wert kontrolliert werden. Zeigen sich dann Veränderungen der Gerinnungswerte, muss ggf. die Medikamentendosis angepasst werden.

Darf ich Johanniskraut gegen Stimmungstiefs zusammen mit Blutverdünnern einnehmen?

Ja, aber nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen. Von Johanniskraut ist bekannt, dass es die Wirkung von Blutverdünnern aus der Familie der Cumarine (z.B. Marcumar®) abschwächen kann. Das bedeutet, trotz der gerinnungshemmenden Therapie kann es dann passieren, dass das Blut wieder zu dick wird.

Das muss nicht so kommen, aber es kann. Dabei kommt es auch auf die Dosis an: Umso mehr Johanniskraut Sie einnehmen oder umso höher die Dosis der einzelnen Tabletten ist, umso größer der abschwächende Effekt auf Marcumar Co.

Wenn Johanniskraut, dann zweimal pro Woche Gerinnung messen

Nun kann es natürlich sein, dass Sie nicht auf die Behandlung mit Johanniskraut verzichten wollen. Gerade bei leichteren Depressionen ist dieses pflanzliche Arzneimittel gut wirksam und hat zudem kaum Nebenwirkungen.

Dann sollten Sie aber insbesondere zu Beginn der gleichzeitigen Anwendung mit Blutverdünnern engmaschige Kontrollen des INR-Wertes (Maß der Blutgerinnung) durchführen lassen. Zu empfehlen sind zwei Messungen pro Woche. Das geht beim Arzt, es geht aber auch zuhause, wenn Sie ein entsprechendes Messgerät erhalten haben. Erst wenn sich dann herausstellt, dass die Blutgerinnung im Zielbereich liegt, können die Kontrollen langsam reduziert werden. Zeigen sich hingegen starke Schwankungen des INR-Wertes, sollten Sie ernsthaft erwägen, auf Johanniskraut zu verzichten und auf ein anderes Antidepressivum zu wechseln.

Auch beim Absetzen von Johanniskraut muss der INR-Wert übrigens genau überwacht werden.

Darf man unter einer Behandlung mit Blutverdünnern wie Marcumar® Testosteron-Präparate einnehmen?

Manchmal ist eine Behandlung mit dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron medizinisch sinnvoll und notwendig. Da Testosteron die Wirkung von Gerinnungshemmern wie Marcumar® verstärken kann, ist es besonders zu Beginn der Einnahme wichtig, die INR-Werte regelmäßig zu kontrollieren und die Dosis des oralen Gerinnungshemmers ggf. anzupassen.

Marcumar absetzen

Blutgerinnung normalisiert sich erst 10 Tage nach Absetzen von Marcumar

Wenn Sie Marcumar®-Tabletten einnehmen und das Ende der Therapie in Sicht ist, beachten Sie bitte, dass Sie in den ersten 7-10 Tagen möglichst keine optionalen Operationstermine, Zahnarztbehandlungen oder Termine zum Gefäßröntgen (Angiografie) legen sollten. Auch Spritzen in den Muskel, Rückenmarksdiagnostik wie Lumbalpunktion oder rückenmarksnahe Betäubungen sind tabu. Ebenso sollte das Verletzungsrisiko z.B. im Haushalt oder beim Sport in diesem Zeitraum nach Möglichkeit noch minimiert werden.

Der Grund: Bei der Thrombosevorbeugung mit Marcumar® wird das Blutgerinnungssystem für eine gewisse Zeit so verändert, dass sich keine Verklumpungen bilden können. Was auch bedeutet, dass es selbst bei kleinen Verletzungen stärker bluten kann. Erst nach einer guten Woche pendelt sich das System wieder in die Ausgangsposition ein.

Hintergrund-Info

Marcumar® enthält den Wirkstoff Phenprocoumon und ist ein sogenanntes Antikoagulantium, also ein Arzneistoff der die Blutgerinnung hemmt. Es wird primär verschrieben zur Behandlung und Vorbeugung der Blutpfropfbildung bzw. des Gefäßverschlusses durch einen Blutpfropf, also zur Thrombose- bzw. Embolieprophylaxe.

Ursachen der Entstehung eines venösen Thrombus können beispielsweise sein:

  • durch Bettlägerigkeit verursachte Bewegungsunfähigkeit (z.B. durch OPs oder nach Gipsverband)
  • Schwangerschaft
  • Flüssigkeitsmangel
  • Verletzungen
  • u.v.m.

Embolien entstehen oft auf Basis von sogenannten Thrombembolien der tiefen Beinvenen. Wenn diese sich lösen und andere Arterien verstopfen, kann es zu einer Lungenembolie oder einem Schlaganfall kommen. Aus diesen Gründen kann die Therapie mit Marcumar® lebensrettend sein.

Wann nicht einnehmen?

Wann darf man Blutgerinnungshemmer wie Cumarin-Derivate nicht einnehmen?

Unter verschiedenen Bedingungen ist es nicht erlaubt, Cumarin-Derivate einzunehmen. Dies sind v.a. Erkrankungen, bei denen eine erhöhte Blutungsgefahr besteht oder droht, darunter:

  • erhöhte Blutungsbereitschaft (z.B. bei Lebererkrankungen, Gerinnungsstörungen, Nierenerkrankungen)
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre
  • unbehandelter oder schlecht behandelter Bluthochdruck
  • Schlaganfall
  • Schädel-/Hirnverletzungen
  • Aneurysma der Hirnarterien, Hirnblutung
  • Netzhautablösung, bei denen eine Blutungsgefahr besteht
  • Sturzneigung
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Darf man während der Schwangerschaft Cumarin-Derivate (Gerinnungshemmer, z.B. Marcumar®) einnehmen?

Klares Nein. Das weiß aber auch jeder Arzt. Das Verbot für Marcumar® und Verwandte gilt übrigens auch für die Stillzeit.

Blutverdünner aus der Gruppe der Cumarin-Präparate (z.B. auch Falithrom®, Coumadin®) werden zur Blutgerinnungshemmung verschrieben. Das kann zur Verhütung einer Thrombose oder bei Herzrhythmusstörungen sinnvoll sein. Sie kommen insbesondere auch bei einer Langzeittherapie (länger als 6 Wochen) zum Einsatz, da sie einfach zu handhaben, länger wirksam und kostengünstiger als z.B. Heparin sind.

Risiko einer Fehlbildung bei bis zu 6%

Allerdings können Cumarine Fehlbildungen beim Embryo auslösen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • eine unterentwickelte Nase
  • die vorzeitige Verkalkung der Knochenwachstumsfugen
  • Störungen der Augenentwicklung
  • Störungen der Ohrenentwicklung
  • gestörtes embryonales Wachstum
  • geistige Behinderung

Die in Studien ermittelte Häufigkeit solcher Medikamenten-Fruchtschädigungen reicht bis 6% und liegt damit annähernd doppelt so hoch wie die natürliche Fehlbildungshäufigkeit (3%). Auch Fehlgeburten nehmen zu. Das Auftreten solcher embryonaler Schäden wurde zwar bisher nur beobachtet, wenn die Cumarin-Behandlung länger als bis zur 8. Schwangerschaftswoche erfolgte. Dennoch ist es ratsam, möglichst schon ab Planung einer Schwangerschaft auf einen besser für das Kind verträglichen Gerinnungshemmer (z.B. Heparin) umzustellen, sofern dies keine Risikoerhöhung für die Mutter bedeutet.

Warum darf man Cumarine wie Marcumar® nicht in der Schwangerschaft einnehmen?

Cumarine sind in der Schwangerschaft nicht erlaubt, es sei denn, es steht keine alternative Behandlung zu Verfügung. Denn Cumarine können insbesondere in der dritten bis neunten Schwangerschaftswoche die Frucht schädigen.

Die sogenannte Cumarin-Embryopathie (auch fetales Warfarin-Syndrom) äußert sich in einer Entwicklungsstörung der Nase, einer Höckerstirn, Skelettdeformationen und Anomalien des zentralen Nervensystems.

Was tun, wenn man unter der Behandlung mit Cumarinen schwanger wird?

Natürlich kann es passieren, dass Frauen auch während einer Behandlung mit Gerinnungshemmern wie Marcumar® schwanger werden. Wie damit umzugehen ist, ist Gegenstand kontroverser Diskussionen, da Cumarine v.a. im ersten Drittel der Schwangerschaft fruchtschädigend wirken können.

Deshalb ist es wichtig, sich bei Eintritt einer Schwangerschaft sofort mit einem Frauenarzt oder auch einer gynäkologischen Ambulanz einer Klinik in Verbindung zu setzen, um die möglichen Risiken und das weitere Vorgehen, z.B. eine vorübergehende Umstellung auf Heparin, zu besprechen.

Bei einer Feststellung der Schwangerschaft vor der sechsten Schwangerschaftswoche wird das Cumarin sofort abgesetzt und zusätzlich Vitamin K verabreicht. Die weitere blutgerinnungshemmende Therapie erfolgt mit Heparin. Wird die Schwangerschaft erst später festgestellt, sollte das weitere Vorgehen mit Spezialisten auf diesem Gebiet (perinatales Zentrum) abgestimmt werden.

Kann man unter einer Behandlung mit Cumarinen eine Schwangerschaft planen?

Ja, allerdings müssen dann die Medikamente zwei bis drei Monate vor einer geplanten Empfängnis durch Heparin ersetzt werden. Denn Cumarine selbst sind potentiell fruchtschädigend.

Heparin wird dann auch während der gesamten Schwangerschaft gegeben. Die Dosis richtet sich danach, warum die gerinnungshemmende Behandlung durchgeführt wird.

Sind Gerinnungshemmer wie Marcumar® während der Stillzeit verboten?

Zwar gilt während der Stillzeit im Prinzip ein Verbot für eine Gerinnungshemmung mit Cumarinen wie Marcumar®. Doch gibt es Erkrankungen, bei denen Ausnahmen gelten und man auch während der Stillperiode nicht auf diese Medikamente verzichtet.

Beispiele sind Thrombosen oder Embolien im Wochenbett, angeborene Gerinnungsstörungen oder ein Herzklappenersatz.

Die meisten Erkenntnisse liegen zu einer Behandlung mit Warfarin (Coumadin®) in der Stillzeit vor. Demnach ist die Einnahme kaum mit Risiken behaftet, denn es treten keine bedeutenden Mengen des Wirkstoffes in die Muttermilch über.

Da sich Warfarin und Phenprocoumon (Marcumar®, Falithrom®) in ihrer chemischen Struktur unterscheiden, besteht bzgl. Phenprocoumon noch Unklarheit. Analysen der Muttermilch ergaben jedoch, dass auch Phenprocoumon nur in einer geringen Dosis in die Muttermilch übergeht, dass also die Gerinnung des Säuglings wahrscheinlich nicht beeinflusst wird.

Generell zu empfehlen ist in einem solchen Fall eine Dosis des Gerinnungshemmers im unteren therapeutischen Bereich. Bei höheren Tagesdosen kann der Säugling vorbeugend Vitamin K (Konakion®) erhalten.

Ist während der Stillzeit Warfarin oder Phenprocoumon günstiger?

Wenn schon vor der Stillzeit eine gerinnungshemmende Behandlung notwendig war, muss diese unbedingt fortgesetzt werden, da die Gefahr einer Thrombose im Wochenbett noch höher ist als in der Schwangerschaft. Möglich ist das mit Heparin, aber auch mit Blutverdünner-Tabletten aus der Familie der Cumarine (Phenprocoumon = Marcumar®, Warfarin).

Dabei empfiehlt sich vor allem Warfarin (Coumadin®), dessen Unbedenklichkeit bereits nachgewiesen wurde. Zwar sind auch unter Phenprocoumon (Marcumar®) keine größeren Mengen des Wirkstoffes in der Muttermilch nachweisbar, doch erscheint Warfarin derzeit als die sichererste Wahl.

Wissenswertes

Stimmt es, dass Cumarine auch als Rattengift verwendet werden?

Ja, das ist richtig. Ratten sind sehr intelligent und reagieren sehr sensibel auf über die Nahrung verabreichte Giftstoffe, wenn diese sehr schnell wirken. Sie erkennen den Zusammenhang zwischen der Nahrungsaufnahme und dem Tod anderer Ratten, so dass sie diese Nahrung dann nicht mehr fressen.

Da Cumarine verzögert wirken, vergeht zwischen Nahrungsaufnahme und Tod der Ratten so viel Zeit, dass die Tiere die Gefahr nicht erkennen und die vergiftete Nahrung fressen.

(Wir beschreiben dies hier nur, um die Frage zu beantworten, nicht, weil wir es toll finden)

Kommentare: Archiv

Diclofenac hemmt Blutgerinnung
Samstag, den 21. März 2020 um 17:11 Uhr, Redaktionsteam
Hallo lieber Leser, Diclofenac wirkt neben seiner schmerzstillenden und entzündungshemmenden Wirkung auch leicht hemmend auf die Blutgerinnung. Deshalb sollten Sie das mit Ihrem Arzt noch mal besprechen. Das heißt nicht, dass Sie dann Diclofenac nicht mehr nehmen dürfen, aber was die Blutungsneigung angeht, muss das zumindest einmal besprochen werden.
 
Diclofenac und Marcumar
Samstag, den 21. März 2020 um 17:08 Uhr, JS
Sehr geehrte Damen und Herren, hier schreiben sie, dass auch "Ibuprofen oder Diclofenac" die Wirkung von Marcumar beeinflussen !!??!! Da ich das noch nie von unserem Arzt gehört habe, ich bekomme von ihm Diclofenac verschrieben, muss ich das hier hinterfragen. Auch wurde schon hundertmal darüber gesprochen, was ich nicht einnehmen darf !!! Ich bitte mich aufzuklären und nötigenfalls auch um eine Korrektur der Webseite. MfG JS
 
Haarausfall, Lustlosigkeit, Depressionen, Vergesslichkeit
Samstag, den 27. April 2019 um 13:46 Uhr, Don
Hallo, ich bin 46 Jahre alt. Seit 2008 (11 Jahren) muss ich lebenslang Marcumar nehmen, da ich eine zweite Aortenklappe bekam. Die erste war eine biologische und wurde 2003 implantiert, hielt aber leider nicht lange. 2008 noch eine OP, und ich bekam eine künstliche Aortenklappe. Bei beiden OPs, die in der Uni-Klinik Tübingen gemacht wurden, wurde ein "Loch" (1,8 cm!)zwischen den Vorhofkammern übersehen. Aufgrund dessen bekam ich 2016 einen Schlaganfall! Erst danach wurde das "Loch" gefunden und mit PFO-Verschluss durch Katheter verschlossen. Seit 2 Jahren geht es mir viel besser. Auf die Frage, wie es sein kann, dass die Ärzte das "Loch" bei beiden OPs nicht gesehen haben, bekam ich keine Antwort. Hätten sie das "Loch" damals verschlossenen (damals war ich 29 Jahre alt), wäre mir der Schlaganfall erspart geblieben. Ja, leider Pech gehabt. Auch Ärzte machen Fehler. Sie geben es nur schwer zu! Ok, zu meinem Problem: Marcumar muss ich ein Leben lang nehmen. In letzter Zeit stelle ich allerdings fest, dass ich nervöser bin. Lustlosigkeit hat mich gepackt. Auch die Familie leidet darunter. Meine Frau hat mir oft - aus Spaß!? - "gedroht" oder eher sich so ausgedrückt, das sie schon mit einem Rentner, also mit mir, leben muss und häufig darüber nachdenkt zu gehen. Aber die 3 Kinder seien da, und deswegen bliebe sie. Hatte früher schöne und volle Haare. Jetzt sind die dünn geworden und fallen beim Haarewaschen aus. Der Grund, dass es von Marcumar kommt, ist, dass wir alle in der Familie starke und volle Haare haben. Auch mein Vater, der über 70 ist, hat volle Haare. Nur halt grau. Ich bin vor 3 Jahren von Marcumar auf Falithrom umgestiegen, weiß aber nicht, ob es davon kommt oder nicht. Bitte, falls jemand das gleiche Problem hat, wäre ich sehr dankbar mir zu antworten.
 
Marcumar Nebenwirkungen
Donnerstag, den 22. November 2018 um 18:33 Uhr, Sonata
Seit 2003 bin ich - sozusagen lebenslang - auf dieses Medikament angewiesen, weil ich schon 3 Thrombosen und eine Lungenembolie hatte. Bin 44 Jahre alt. Aber oft fühle ich mich müde, habe sehr häufig starke Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und seit zwei, drei Jahren Hautausschlag im Gesicht. Herpes überall und oft ein wundes Gefühl am Kopf, Körper und Mund. Manchmal fühle ich mich alt und nicht verstanden. Sogar der Hausarzt nimmt das alles nicht ernst.
 
Marcumar
Mittwoch, den 25. Juli 2018 um 10:18 Uhr, Spiller
Neueste Erkenntnisse sagen aber, dass langfristige Einnahme von Marcumar zur Unterdrückung von Vitamin K zu Arteriosklerose sowie Osteoporose führt - und somit wieder zu Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine stetige Einnahme von Vitamin K, in Abstimmung mit dem INR Wert, soll die bessere Therapie sein!
 
Trigeminus-Kopfschmerzen
Montag, den 23. April 2018 um 19:32 Uhr, Hartmut Kuhn
 Seit meinem Wechsel zurück zu Marcumar habe ich seit September 2017 keine Kopfschmerzen mehr.
 
Zwiebeln
Freitag, den 10. November 2017 um 21:53 Uhr, Peter Nimrich
Zwiebeln haben je 100g nur 0,7µg Vitamin K. Warum muss ich da aufpassen? 100 kg Zwiebeln haben soviel Vitamin K wie 100 g Grünkohl. (Quelle deutsche Herzstifung Vitamin K Tabelle)
 
Trigeminus-Kopfschmerz-Attacken
Mittwoch, den 13. September 2017 um 07:32 Uhr, Hartmut Kuhn
Hatte nach der langjährigen Einnahme von Marcumar keine Trigeminus Kopfschmerzen mehr. Nach der Umstellung auf Xarelto erneut mehrere Attacken. Werde wieder zurück auf Marcumar wechseln.
 
Eiskalte Füße evtl. von Marcumar?
Mittwoch, den 27. Januar 2016 um 19:19 Uhr, Alerssa Elekna
 Hallo,
ich nehme auch Marcumar und habe auch immer eiskalte Füße; es ist wirklich unerträglich, genauso wie Sie das beschreiben.
Da ich einige Jahre lang Marcumar abgesetzt habe, aber die Eisfüße geblieben sind, bringe ich das nicht unbedingt mit Marcumar in Verbindung; es könnte natürlich auch sein, dass es doch vom Marcumar kommt, aber dabei etwas dauerhaft geschädigt wurde und deshalb nicht weggeht. Bei mir wurde Polyneuropathie diagnostiziert, aber die Ursache ist nicht bekannt (ich habe keinen Diabetes und trinke so gut wie nie Alkohol). Könnte also von Medikamenten kommen (ich muss aber außer Marcumar noch einige weitere nehmen, da ist es schwer, rauszufinden, woher es wirklich kommt).
 
Messung der Blutgerinnung
Samstag, den 23. Juli 2016 um 13:17 Uhr, Egon Stein
Die Blutgerinnung zu wissen, ist wohl effektiver: Systole und Diastole zu ermitteln. Bei 118 zu 65 weiß ich, dass es innert 24 Std. 3 Gramm Zimt braucht. Beste Grüße >egonstein2@gmail.com
 
Marcumar
Dienstag, den 28. Juni 2016 um 22:25 Uhr, Sieglinde
Ich muss durch Thrombosen, Bypass und Herzrhythmusstörung seit 2013 Marcumar nehmen. Ich bin aber bis heute nicht eingestellt. Trotz Arzt-Wechsel und enger Quick-Kontrollen habe ich immer wieder viel zu dünnes Blut, bis hin zu innerlichen Blutungen. Ich muss zweimal die Woche zur Kontrolle und nehme einen Tag zwei und den nächsten Tag drei ganze Marcumar... und habe seit gestern wieder viele blaue Flecken und starken Schwindel. ...irgendwie geht es mir heute noch schlechter...warum bekommen die Ärzte es nicht hin, dass ich eingestellt werde?
 
INR Wert
Dienstag, den 29. Dezember 2015 um 19:12 Uhr, Günter Antoni
Jedesmal nach längeren Dauerläufen ist mein INR wert zu hoch
 
Überdosierung Marcumar
Mittwoch, den 01. April 2015 um 09:25 Uhr, Rolf Schneider
Ich habe mich auf die entsprechende Berechnung des Labors verlassen. Das Ende vom Lied war massenweise Blut husten aufgrund einer, in Klinik festgestellter, ÜBERDOSIERUNG von Marcumar. 3 fache Menge als bei vergleichbaren Werten. War nicht lustig.
 
Marcumar Nebenwirkungen
Samstag, den 17. Januar 2015 um 23:05 Uhr, Anke Alesig
 
Nachtrag: Ich muss Antikoagulanzien nehmen wegen Vorhofflimmern.
 
Nebenwirkung Marcumar
Samstag, den 17. Januar 2015 um 22:57 Uhr, Anke Alesig
 
Ich musste vor Jahren schon einmal für längere Zeit Marcumar nehmen und hatte damals eiskalte Füße und fror am ganzen Körper. Irgendwann wurde das wieder besser; ich brachte dies damals noch nicht mit dem Marcumar in Verbindung, das damals auch abgesetzt worden war. Seit einiger Zeit muss ich aber wieder Marcumar nehmen, und seither spüre ich wieder diese schreckliche Eiseskälte, vor allem an den Füßen (ich kann deshalb oft stundenlang nicht einschlafen) und oft auch am ganzen Körper.
Es ist wirklich sehr schlimm; ich kann diese Eiseskälte kaum mehr ertragen. Was kann ich machen? Und: hat diese Nebenwirkung schon mal jemand erlebt (davon liest man leider nirgends etwas)?
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