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Brustkrebs: Operation

Was wird bei der Brustkrebs-Operation alles entfernt? Was passiert, wenn der Tumor nicht komplett erwischt wird? In welcher Klinik sollte ich mich operieren lassen? Antworten auf diese und weitere Fragen zur Operation bei Brustkrebs finden Sie im folgenden Beitrag.

Wovon hängt das Ausmaß der Operation bei Brustkrebs ab?

Heutzutage gibt es sehr schonende Operationsverfahren, bei denen die Brust erhalten werden kann. Bei den meisten Frauen wird nur der Tumor selbst entfernt und anschließend eine Bestrahlung durchgeführt. Manchmal führt jedoch an einem radikalen Eingriff kein Weg vorbei.

Welche Behandlung für Sie die richtige ist, darüber zerbrechen sich viele Ärzte und Spezialisten den Kopf. In gemeinsamen Tumorkonferenzen kommen sie zusammen, um jeden individuellen Fall genau zu besprechen und eine adäquate Therapie zu planen.

Operation, eine Säule der Therapie

Eine Operation ist dabei in den allermeisten Fällen unentbehrlich und eigentlich ein gutes Zeichen für Sie. Denn nur, wenn der Tumor bereits sehr weit fortgeschritten ist und bereits Absiedelungen in anderen Organen ausgebildet hat – sprich, wenn die Diagnose nicht gut ist – kann im Einzelfall davon abgesehen werden.

Am wichtigsten ist es, dass der Tumor komplett entfernt wird und keine Überbleibsel zurückbleiben. Das Ausmaß der Operation hängt dann von zahlreichen Faktoren ab, die die Experten in Ihrem Fall genau abwägen werden.

Dabei ist zunächst wichtig, womit man es überhaupt zu tun hat. Es gibt zahlreiche Arten von Tumoren. Sie können sich aus verschiedenen Geweben entwickeln und außerdem viele unterschiedliche Merkmale aufweisen. Das macht auch ihre jeweilige Aggressivität und Wachstumsgeschwindigkeit aus.

Je nach Tumor unterschiedliche Strategien

Daneben sind natürlich die Größe und das Stadium des Tumors relevant. Hat er sich schon weit oder an mehreren Stellen ausgedehnt, kann die befallene Brust oft nicht erhalten werden. Auch, wenn Sie bereits operiert worden sind und der Krebs nicht komplett entfernt werden konnte, kann es sein, dass die Brust beim zweiten Mal nicht mehr geschont werden kann.

Aber nicht nur der Tumor entscheidet über die Radikalität des Eingriffs. Wichtig ist auch, ob Lymphknoten oder andere Organe befallen sind. In diesem Fall muss zum Beispiel unter Umständen auch die Achselhöhle mit operiert werden, in der viele benachbarte Lymphknoten sitzen.

Auch auf Sie kommt es an

Und schließlich hängt es auch von Ihnen ab, wie ausgedehnt die Operation ausfallen wird. Es ist etwas anderes, einen Eingriff bei einer jüngeren, körperlich fitten Frau zu planen als bei einer älteren, gebrechlichen Dame, die womöglich noch andere Erkrankungen hat, die berücksichtigt werden müssen. Zudem hat jeder Mensch ein anderes Risiko und eine individuelle erbliche Veranlagung, die über das weitere Vorgehen entscheiden.

Aber Sie haben auch ganz direkt ein Wörtchen mitzureden. Denn es ist Ihre Therapie, die die Ärzte eng mit Ihnen und Ihren eigenen Bedürfnissen abstimmen werden. Vielleicht fühlen Sie sich einfach wohler, wenn die gesamte befallene Brust entfernt wird, damit die bösartige Geschwulst nicht weiter ihr Unwesen treibt. Dann ist die radikale Operation durchaus zu überlegen, auch wenn eine schonendere Variante möglich wäre.

Maßgeschneiderte Behandlung

Sie sehen also, das Ausmaß der Operation hängt von den unterschiedlichsten Parametern ab und ist im Vorfeld schwer zu bestimmen. Sie können sich aber darauf verlassen, dass die ratternden Expertenköpfe die richtige Strategie für Sie finden werden.

Ist die Abnahme der Brust nicht sicherer als eine brusterhaltende Operation?

Nein, beide Verfahren sind gleich sicher, was die Prognose nach dem Eingriff angeht. Der Gedanke, dass eine komplette Abnahme der Brust im direkten Vergleich die "Nummer-sicher-Variante" ist, weil doch mehr entfernt wird, ist unberechtigt. Mit anderen Worten: Wenn Frauenarzt oder Chirurg empfehlen, eine brusterhaltende Operation zu versuchen, beinhaltet diese Empfehlung keine verschwiegene höhere Gefahr eines Rückfalls.

Der Halbsatz "Wenn Frauenarzt oder Chirurg das empfehlen" ist allerdings wichtig. Denn nur für diesen Fall kann man überhaupt Vergleiche heranziehen. Wenn man also in diesem Fall die Brust trotzdem komplett entfernen würde, hätte das auf die Prognose keinen Einfluss. Kann hingegen nach Ansicht der Ärzte eine brusterhaltende Operation von vornherein nicht empfohlen werden, weil dies die anatomischen Verhältnisse oder die Lage des Tumors nicht zulassen, dann ist die Abnahme der ganzen Brust (Mastektomie) tatsächlich auch sicherer.

Wann kann die Brust gerettet werden?

Das hängt vor allem von der Größe und von der exakten Lage des Tumors ab. Eine pauschale Antwort auf diese Frage ist also leider nicht möglich. Tatsache aber ist, dass heute eine brusterhaltende Operation viel häufiger gelingt als früher. Im folgenden wollen wir das näher erläutern.

Sicherheitsabstand entscheidet mit

In jedem Fall muss bei einer Brustkrebs-Operation immer der komplette Krebsknoten entnommen werden, es sollen ja auf keinen Fall bösartige Zellreste in der Brust verbleiben. Deshalb entnimmt man auch nicht nur den Tumor, sondern immer auch ein wenig Gewebe drumherum. Sicherheitsabstand nennen das die Chirurgen.

Die Frage, die sich also vor jeder Brustkrebs-OP stellt, lautet: Wie viel Gewebe wird man für diese Komplettentfernung des Tumors entnehmen müssen und wie viel gesunde Brust bleibt erhalten? Denn davon hängt ab, mit welchem kosmetischen Ergebnis sich brusterhaltend operieren lässt. Die Möglichkeiten der plastischen Chirurgie bei kompletter Entfernung der Brust sind heute so ausgereift, dass man im Umkehrschluss auch bei brusterhaltender Operation natürlich ein mindestens genauso befriedigendes "äußeres" Ergebnis anstrebt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Vor einer Brustkrebs-Operation wird der Chirurg oder Frauenarzt die Möglichkeiten der Brusterhaltung in Ihrem individuellen Fall ausführlich mit Ihnen besprechen, so dass Sie gemeinsam zu einer guten Entscheidung kommen. Passiert das nicht oder nicht in ausreichendem Umfang, fordern Sie es ein. Notfalls sollte das auch ein Grund sein, den Arzt bzw. die Klinik zu wechseln. Denn es geht ja schließlich um eine Menge.

Faktoren, die die Entscheidung beeinflussen

Man könnte meinen, dass neben der Größe und Lokalisation vor allem die Bösartigkeit des Tumors darüber entscheidet, ob die Brust gerettet werden kann. Aber das stimmt nicht. So ist bei der am wenigsten gefährlichen Brustkrebs-Variante, dem duktalen In-Situ-Karzinom, ein größerer Sicherheitsabstand notwendig als bei den meisten aggressiveren Tumoren. Der Grund: Diese an sich eher harmlose Krebsvariante wächst entlang der Milchgänge und kann schneller unsichtbare, mit Krebszellen bestückte Ausläufer bilden.

Eher gegen eine brusterhaltende Operation sprechen folgende Ausgangssituationen:

  • Tumor sehr groß
  • Tumor sehr ungünstig gelegen, so dass allein deshalb zu viel Brust entfernt werden müsste
  • mehrere Krebsknoten in der gleichen Brust
  • Sonderform: inflammatorisches Mammakarzinom (Brustkrebs mit stark entzündlicher Komponente)
  • Bestrahlung nach der OP nicht möglich oder nicht erwünscht
  • Tumor konnte entgegen der Planung nicht vollständig entfernt werden

Chemotherapie vor der OP

Mitunter kann auch eine sogenannte neoadjuvante Chemotherapie die Brust retten. Damit ist eine Chemotherapie vor der Operation gemeint. Bei sehr großen Tumoren kann man mit dieser Methode mitunter eine so starke Verkleinerung des Krebsherdes erreichen, dass der Tumor nicht nur operabel wird, sondern auch die Brust weitgehend erhalten werden kann. Auch das ist aber so stark von den individuellen Begebenheiten bei Ihnen abhängig, dass dies nur der behandelnde Arzt zusammen mit Ihnen entscheiden kann.

Brusterhaltend oder amputierend: Wird das während der OP entschieden?

Die Frage, ob ein Brustkrebs brusterhaltend operiert wird oder ob doch die gesamte Brust entfernt werden muss (Mastektomie), wird in der Regel im Vorfeld entschieden. Manchmal läuft es aber anders als geplant.

Wenn bei Ihnen Brustkrebs festgestellt wurde, kommen Sie in der Regel um eine Operation nicht herum. Sie ist eine wichtige Säule in der Behandlung von bösartigen Tumoren. Und wahrscheinlich ist es auch in Ihrem Sinn, das wuchernde Gebilde in Ihrer Brust loszuwerden.

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In aller Regel brusterhaltend

Bald werden Sie jedoch vor der Frage stehen: schonend oder radikal? Ihr Arzt wird mit Ihnen beide Varianten besprechen und die Operation entsprechend planen. Anhand der vielen diagnostischen Möglichkeiten, die es heute gibt, kann man meist ziemlich genau sagen, ob die Brust geschont werden kann oder ob doch ein radikalerer Eingriff nötig ist.

Heutzutage gelingt es in vielen Fällen, die Brust zu erhalten und nur den Tumor zu entfernen. Mit einer nachfolgenden Bestrahlung sind die Aussichten genauso gut wie mit einer kompletten Brustamputation. Die meisten Frauen bevorzugen diese Variante.

Manchen ist es aber vielleicht doch lieber, gleich die gesamte befallene Brust "loszuwerden". Auf Ihren Wunsch hin ist auch das möglich. Und dann gibt es noch einige Situationen, in denen sich die vollständige Entfernung der Brust nicht vermeiden lässt, zum Beispiel, wenn der Tumor an mehreren Stellen wächst oder eine Nachbestrahlung nicht möglich ist.

Böse Überraschung

All das weiß man oft bereits bei der Planung der Operation. Doch obwohl die modernen bildgebenden Verfahren sehr präzise sind, ist es nach wie vor etwas anderes, den Tumor in der Brust "live" zu sehen.

So kann es sein, der Chirurg stellt fest, dass der Krebs Ausläufer gebildet hat, die bei den Voruntersuchungen nicht sichtbar waren. Oder es stellt sich bei der Analyse des Tumors während der Operation heraus, dass das Tumorgewebe ein anderes ist als zuvor angenommen. Manchmal gelingt die vorherige Artbestimmung des Gewebes durch eine Probenentnahme auch nicht, so dass der Arzt auf die Befunde während der Operation angewiesen ist und dann erst entscheiden kann, wie er weiteroperieren wird.

Machen Sie sich darauf gefasst

Daher kann es durchaus sein, dass Sie vor der Operation noch nicht genau wissen, was Sie erwartet. Beim Aufklärungsgespräch wird Sie Ihr Arzt neben den möglichen Komplikationen und unvorhersehbaren Zwischenfällen auch darüber informieren, dass der Eingriff unter Umständen erweitert und Ihre Brust entfernt werden muss, obwohl es im Vorfeld anders geplant war.

Stellen Sie sich daher auch auf diese Situation ein und überlegen Sie, wie Sie damit zurechtkommen und wo Sie Hilfe finden können. Am wichtigsten ist, dass der Krebs in Ihrer Brust so bekämpft wird, dass er möglichst ein für alle Mal besiegt ist. Danach gibt es viele Möglichkeiten, die Brust wieder so aufzubauen, dass man von außen fast nichts mehr sieht.

Werden während der Brustkrebs-OP Labortests durchgeführt?

Das kann durchaus sein. Grundsätzlich wird das entnommene Gewebe immer gründlich untersucht, um den Tumor genau zu bestimmen und zu beurteilen, ob wirklich der ganze Krebs entfernt wurde. In der Regel dauert das einige Tage. Manchmal muss es aber schneller gehen.

Untersuchung im Eilverfahren

Dann besteht die Möglichkeit eines "Schnellschnitts". Das Operationsmaterial wird dabei quasi im Express per Bote oder Taxi ins Labor geschickt und vom Pathologen, dem Facharzt für feingewebliche Untersuchungen, sofort begutachtet. Das Ergebnis liegt meist innerhalb einer halben Stunde vor. Der Pathologe gibt es sofort in den Operationssaal durch.

Diese direkte Untersuchung ist immer dann sinnvoll, wenn sich daraus konkrete Folgen für das weitere operative Vorgehen ergeben. Wenn zum Beispiel nicht der gesamte Tumor erwischt wurde, kann der Chirurg das unmittelbar nachholen, ohne dass der Betroffene der Belastung einer zweiten Operation ausgesetzt werden muss.

Beurteilung des Tumors und der Lymphknoten

Eine Schnellschnittuntersuchung kann auch dann notwendig sein, wenn vor der Operation zwar ein Tumor festgestellt wurde, seine genauen Eigenschaften aber noch unklar sind. So gelingt es beispielsweise trotz der vielen präzisen diagnostischen Möglichkeiten, die es heutzutage gibt, nicht immer, im Vorfeld schon zu sagen, ob ein Geschwulst gut- oder bösartig ist. Im Zweifelsfall wird lieber operiert, um währenddessen Klarheit zu bekommen.

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Manchmal werden auch sogenannte Wächter-Lymphknoten auf dem Eilweg untersucht. Das sind die ersten Stationen der Lymphabflussbahnen, die bei einem Krebsbefall der Lymphe als erstes betroffen sind. Sind sie frei von Tumorzellen, kann man davon ausgehen, dass auch die übrigen Lymphknoten noch nicht befallen sind. Andernfalls werden der Wächter- und weitere Lymphknoten der Achselhöhle entnommen.

Es bietet sich daher an, bereits während der Operation entsprechende Untersuchungen vorzunehmen, um dem Betroffenen wiederum einen möglichen Zweiteingriff zu ersparen.

Der Haken an der Sache

So elegant das Schnellschnittverfahren auch ist, hat es doch auch seine Nachteile. Es leuchtet wohl ein, dass eine Untersuchung innerhalb von 30 Minuten nicht dasselbe präzise Ergebnis liefern kann wie eine mehrtägige intensive Aufarbeitung. Die diagnostischen Möglichkeiten des Pathologen sind zeitbedingt eingeschränkt, was die Aussagekraft der Befunde einschränkt.

Dennoch ist die Trefferquote eines erfahrenden Arztes in der Regel sehr hoch. Und Sie kommen womöglich um eine weitere Operation herum.

Was ist eine Mastektomie?

Unter Mastektomie verstehen Mediziner die komplette Entfernung der weiblichen Brust. Während das früher noch die übliche Standardtherapie bei Brustkrebs war, ist es heute in den meisten Fällen möglich, auf diese eingreifende Operation zu verzichten.

Zwar wird ein Brustkrebsknoten auch heute noch fast immer operativ entfernt. Dank moderner, schonenderer chirurgischer Verfahren gelingt es aber häufig, dabei die Brust zu erhalten, also praktisch nur den Knoten mit dem unmittelbar umgebenden Nachbargewebe zu entnehmen. Und auch, wenn doch eine komplette Mastektomie notwendig ist, stehen mittlerweile Verfahren der plastischen Chirurgie (Schönheitschirurgie) zur Verfügung, mit denen ein sehr zufriedenstellender Wiederaufbau der Brust gelingt.

Wird bei einer Mastektomie wirklich immer die ganze Brust entfernt?

Meistens ja. Wobei es auch ein wenig Definitionssache ist, was man als ganze Brust bezeichnet. Denn die sogenannte Brustfaszie (der flächige Muskel, auf dem die Brust aufliegt und der sie bewegt) bleibt im Gegensatz zum Vorgehen in den 60er und 70er Jahren heute meist erhalten.

In Ausnahmefällen gelingt es sogar, die Brustwarze und den Warzenhof und mitunter sogar größere Hautabschnitte zu erhalten. Bei einer nachfolgenden Brust-Rekonstruktion mit Hilfe der kosmetischen Chirurgie hat man dann also noch mehr das Gefühl der "eigenen Brust". Allerdings ist das nur in den seltenen Situationen möglich, in denen dieser Bereich mit fast 100%iger Sicherheit tumorfrei ist.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Wir sprechen hier über die Mastektomie, also den Fall, dass im Prinzip die Entfernung der ganzen Brust notwendig ist. Bei den heute häufig möglichen brusterhaltenden Operationen bleiben meist nicht nur Brustwarze und Warzenhof, sondern auch große Teile der übrigen Brust erhalten.

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Wann erfährt man nach der Brustkrebs-OP, ob der Tumor komplett entfernt werden konnte?

Das dauert nur wenige Tage. Direkt nach dem Eingriff wird das entnommene Gewebe in ein Labor geschickt und dort untersucht. Vor allem wird dann geprüft, ob die Operationsränder frei von Krebszellen sind. Ist das so, spricht vieles dafür, dass man "alles erwischt" hat.

Der Krebsknoten selbst wird immer mit einem gewissen Sicherheitsabstand drumherum entfernt. Damit soll sichergestellt werden, dass man auch mit bloßem Auge nicht erkennbare Krebszellen, die möglicherweise schon in die unmittelbare Umgebung ausgewandert sind, mit entfernt werden. Der Laborbefund dient dann praktisch zur Bestätigung, dass das tatsächlich gelungen ist.

Sonderfall "neoadjuvante Chemotherapie"

Wurde vor der Operation bereits eine Chemotherapie durchgeführt, um den Tumor zu verkleinern und damit besser operabel zu machen (neoadjuvante Chemotherapie), muss man übrigens auf einen Trick zurückgreifen, um später wirklich "alles zu erwischen". Daher wird als Routinemaßnahme der Geweberand des ursprünglichen Tumors (vor Beginn der Chemotherapie) markiert. Dafür wird oft ein kleiner Metalldraht eingelegt, den man gut auf einem Röntgenbild erkennen kann. Auf diese Weise kann später bei der Operation auch das Gewebe entnommen werden, in dem der Krebsknoten ursprünglich saß. Es wird dann so viel Gewebe entfernt, wie es der Metalldraht (Operation unter Röntgenkontrolle) vorgibt.

Was passiert, wenn der Tumor bei der OP nicht komplett erwischt wurde?

Wie erfolgreich eine Operation bei Brustkrebs war und ob wirklich der gesamte Tumor entfernt wurde, klärt sich erst einige Tage nach dem Eingriff. Das entnommene Gewebe muss nämlich zunächst im Labor untersucht werden.

Vollständig Rausschneiden ist das Ziel

Hier wird überprüft, ob die Schnittränder tumorfrei sind, ob sie also noch Krebszellen enthalten oder nur gesundes Gewebe. Ziel ist immer, den Tumor komplett zu entnehmen, mit freien Schnitträndern inklusive eines ausreichenden Sicherheitsabstands. Mediziner sprechen dann auch von einer sogenannten R0-Resektion.

Sie ist nicht nur deshalb wichtig, weil dadurch das Risiko einer Tumorneubildung erheblich sinkt, sondern auch, damit nachfolgende medikamentöse Therapien oder eine Bestrahlung optimal wirken können.

Beim zweiten Mal muss die Brust oft weg

Wenn sich dagegen am Rand des entnommenen Gewebes noch bösartige Zellen tummeln, sind einige von ihnen vermutlich auch in Ihrer Brust zurückgeblieben. In diesem Fall muss der Chirurg in der Regel nochmal ran. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich der Tumor an Ort und Stelle rasch wieder ausbreitet.

Ein solcher Zweiteingriff wird auch "Nachresektion" genannt. Manchmal reicht es aus, den Schnittrand lediglich etwas zu vergrößern. Wenn allerdings auch dadurch der Tumor nicht vollständig erwischt wird, muss das ursprünglich gewählte brusterhaltende Verfahren eventuell erweitert und die gesamte Brust entfernt werden.

Stellenwert der Bestrahlung

Alternativ kann in manchen Fällen unter Umständen auf eine erneute Operation verzichtet und stattdessen das Tumorbett gezielt mit hoher Dosis bestrahlt werden. Diese sogenannte Boostbestrahlung kann gerade bei älteren Frauen mit einem erhöhten Risiko für eine lokale Neubildung des Tumors eine effektive Alternative sein.

Wenn auch nach einer kompletten Entfernung der Brust (Mastektomie) noch Tumorreste zurückgeblieben sind und keine Möglichkeit mehr besteht, den Krebs operativ vollständig zu entfernen, erfolgt eine Nachbestrahlung der gesamten Brustwand. In diesem Fall verspricht die Radiotherapie durchaus Erfolge und kann die Prognose verbessern.

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Was in Ihrem Fall das beste Verfahren ist, wird Ihr behandelnder Arzt ausführlich mit Ihnen besprechen. Er wird die Entscheidung auch nicht alleine treffen, sondern sich intensiv mit Kollegen aus den verschiedensten Fachrichtungen austauschen. In solchen Tumorkonferenzen wird versucht, für jede einzelne Betroffene die für sie beste Behandlung zu finden.

Wird nach der Brustkrebs-OP immer ein Spezial-BH eingesetzt?

Nach der Operation ist es wichtig, die Brust ausreichend zu stabilisieren, um eine optimale Wundheilung zu gewährleisten. Dazu dienen in der Regel spezielle Büstenhalter. In sie können auch Prothesen eingelegt werden, die einen optischen Ausgleich bieten.

Vermutlich werden Sie nach dem Eingriff bereits mit einem solchen Exemplar aus der Narkose erwachen. Es dient als Wund- und Kompressionsverband und soll etwa sechs Wochen lang getragen werden.

Praktisch und optisch schön zugleich

Neben dieser pragmatischen Stützfunktion dient der spezielle BH auch ästhetischen Zwecken. Für viele Frauen ist die Vorstellung einer Amputation der Brust und damit auch eines Teils ihrer Weiblichkeit nicht leicht zu ertragen. Auch wenn jede Betroffene daheim im Kreis ihrer Angehörigen damit zurechtkommen muss, so ist es doch für viele eine deutliche Erleichterung zu wissen, dass zumindest nach außen hin niemand etwas von der Operation mitbekommen wird. Denn die Spezial-BHs haben extra Halterungen für Prothesen, die darin eingelegt werden können und das entnommene Gewebe optisch ausgleichen.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit eines operativen Wiederaufbaus der Brust. Wenn nach der Operation keine Bestrahlung folgt, geht das sogar in einem Atemzug mit der Entfernung des Tumors. Wenn sich allerdings noch eine Strahlentherapie anschließt, erfolgt die Rekonstruktion der Brust in einer zweiten Operation.

Außerdem brauchen manche Frauen etwas Zeit, um sich für oder gegen eine solche Wiederherstellung zu entscheiden. In all diesen Fällen ist ein spezieller Prothesen-BH eine gute Übergangs- oder sogar Dauerlösung.

Breites Sortiment

Meist wird er Ihnen im Krankenhaus bereits vor der Operation von einem Sanitätshaus angepasst. Direkt nach dem Eingriff bekommen Sie in der Regel eine Art Bustier, das den gesamten Brustbereich bis zur Taille umschließt. Später reichen bequeme stützende BHs. Das können auch einfach Sport-BHs sein, in denen Sie sich wohlfühlen.

Die speziellen Büstenhalter vom Sanitätshaus haben wie schon erwähnt den Vorteil, dass sie an entsprechender Stelle Taschen haben, in die Prothesen eingelegt werden können. Es gibt übrigens auch Badeanzüge und Bikinis mit diesen Finessen.

Spezial-BHs und Brustprothesen müssen Ihnen vom Arzt als Hilfsmittel verordnet werden. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten dann zumindest anteilig. Fragen Sie am besten direkt bei Ihrer Kasse nach, ob bzw. in welchem Umfang sie sich an den Kosten beteiligt. Meist erhalten Sie auch im Krankenhaus Unterstützung in solchen Fragen.

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In welche Klinik soll ich für die Brustkrebs-OP gehen?

Wenn Sie sich wegen einer Brustkrebs-Erkrankung operieren lassen müssen, ist die Entscheidung, wo das passieren soll, gar nicht so unbedeutend.

Meistens wird Ihnen Ihr Frauenarzt oder der Hausarzt ja etwas empfehlen. Aber es macht durchaus Sinn, sich auch selbst zu informieren. Vorausgesetzt natürlich, Ihre Stimmungslage lässt das überhaupt zu. Einige Frauen haben in dieser Phase mit all ihrer Ungewissheit gar nicht die Kraft, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Aber vielleicht kann das ja auch jemand von Ihren Vertrauten für Sie tun.

Auf Zertifikate achten

Wir empfehlen Ihnen auf jeden Fall, sich in einer Klinik operieren zu lassen, die viel Erfahrung damit hat. Das empfehlen auch "offizielle" Experten wie die Deutsche Krebsgesellschaft. Die hat zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Senologie (Senologie = spezialisiert auf Erkrankungen der weiblichen Brust) vor einigen Jahren ein Zertifizierungssystem eingeführt. Qualitativ besonders hochwertige Einrichtungen erhalten dabei also ein Zertifikat, eine Art Gütesiegel der beiden Gesellschaften. Darauf zum Beispiel können Sie achten oder danach fragen.

Nach Ansicht der Experten ist das wichtig, weil die Behandlungsqualität längst nicht in allen Krankenhäusern auf dem besten Stand ist.

Wer sollte bei Brustkrebs operieren: Chirurg oder Frauenarzt?

Das kommt drauf an, wen Sie fragen: Gynäkologen werden Ihnen mehrheitlich antworten, dass Brustkrebs selbstverständlich auch von einem Frauenarzt operiert werden sollte. Chirurgen werden den eigenen Berufsstand empfehlen.

Tatsache ist, dass beide es potentiell können. Und auch beide dafür zugelassen sind. Tatsache ist aber auch, dass das Operationshandwerk nicht von allen Ärzten gleich gut beherrscht wird (wie bei jedem anderen Handwerk auch), wobei es sowohl unter den Gynäkologen als auch unter den Chirurgen gute und schlechtere gibt. Da Ärzte höchst selten auf die eigenen Limitierungen verweisen und Sie an einen begabteren Kollegen weiterleiten, muss man selbst versuchen, sich ein Bild zu machen.

Unsere Empfehlung: Lassen Sie sich in jedem Fall in einer Klinik operieren, die viel Erfahrung mit Brustkrebs hat. Und seien Sie hier nicht zu ehrfurchtsvoll, fragen Sie ruhig konkret nach. Im Zweifel holen Sie sich lieber eine Zweitmeinung ein. Aber auch das "Bauchgefühl" ist meist ein guter Ratgeber.

Auch das Know How der Klinik spielt eine Rolle

In größeren "Brustkrebszentren" (das sind zum Beispiel Spezialabteilungen in Universitätskliniken) werden Sie in aller Regel von einem bunt gemischten und fachübergreifenden Team betreut, und ob der Operateur dann schlussendlich ein Frauenarzt oder ein Chirurg ist, ist nebensächlich, weil in diesen spezialisierten Zentren grundsätzlich ein sehr großes Know How vorausgesetzt werden kann.

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand August 2019. Online unter www.leitlinienprogramm-onkologie.de (Zugriff am 04.11.2019).
  • Deutsche Krebsgesellschaft, Onko Internetportal, Brustkrebs: Basis-Infos für Patientinnen und Angehörige. Online unter www.krebsgesellschaft.de (Zugriff am 04.11.2019).

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