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Brustkrebs: Bestrahlung

Brauche ich nach der Brustkrebs-OP noch eine Bestrahlung? Wie laufen die Bestrahlungen ab? Welche Nebenwirkungen können auftreten? Antworten auf diese und weitere Fragen zur Strahlentherapie bei Brustkrebs finden Sie im folgenden Beitrag.

Wann bekommt man bei Brustkrebs Bestrahlungen?

Die Strahlentherapie ist eine der häufigsten Behandlungsmethoden bei Brustkrebs. Bei brusterhaltender Operation zählt sie zur Standard-Nachbehandlung, weil die Bestrahlungen die Rückfallrate deutlich senken (etwa von 30% auf 5%).

Die Idee dahinter: Auch wenn der Tumor (scheinbar) komplett entfernt wurde, kann es sein, dass winzige, vom Operateur nicht erkennbare Krebszellen in den Randgebieten überleben. Um diese eventuellen Tumorzellnester im Operationsgebiet abzutöten, wird mit ionisierender Strahlung nachbehandelt. Die Bestrahlungen dienen hier also dem Ziel, die Heilung noch mehr abzusichern.

Nicht nur nach brusterhaltener Operation

Auch nach einer Brustamputation (Mastektomie), also einer vollständigen Entfernung der Brust, wird die nachfolgende Bestrahlung in bestimmten Situationen empfohlen. Dazu zählen:

  • Tumor war größer als 5 cm
  • Tumorstadium T3 oder T4
  • mehrere Krebsherde in der Brust
  • Krebsknoten hat Brustdrüse überschritten und umgebende Haut oder Muskulatur befallen
  • Lymphknoten der Umgebung sind befallen (v.a. bei mehr als 3 Lk)

Und auch wenn der Brustkrebs gar nicht operiert wurde und nur mit Chemotherapie oder Antikörpertherapie behandelt wird, wird in bestimmten Situationen eine zusätzliche Strahlentherapie vorgenommen, um die Abtötung der Krebszellen noch mehr abzusichern.

Wie laufen die Bestrahlungen ab?

Bei einer Strahlentherapie nach Operation werden die Bestrahlungen meist 4 bis 6 Wochen nach der Tumorentfernung begonnen. Nach einer kompletten Brustentfernung beginnt man damit allerdings erst, wenn das Operationsgebiet abgeheilt ist.

Die Behandlung besteht aus zahlreichen Einzelterminen, die sich, jeweils von Montag bis Freitag, in der Regel über 6 bis 8 Wochen hinziehen. Die einzelnen Bestrahlungen dauern nur Sekunden bis Minuten, man hat also zwar einen großen zeitlichen Aufwand mit den täglichen Terminen, zumindest gehen die dann aber schnell.

Eine längere Strahleneinwirkung würde die Haut zu sehr belasten. Eine gerötete, entzündete oder wunde Haut im Bestrahlungsgebiet ist dann auch die häufigste Nebenwirkung.

Wie viele Bestrahlungen bekomme ich?

Die Bestrahlung ist neben der Operation und diversen medikamentösen Therapieverfahren eine der großen Säulen in der Behandlung von Brustkrebs. Wer wie viele davon bekommt, ist immer eine individuelle Entscheidung.

Damit der Tumor nie wieder kommt

Bei Tumoren, die lokal begrenzt sind, sich also noch auf die Brust beschränken und keine Absiedelungen in anderen Bereichen des Körpers gebildet haben, ist die Operation mit nachfolgender Bestrahlung grundsätzlich die Standardbehandlung. Ziel ist es vor allem zu verhindern, dass der Tumor nach der Operation noch einmal ausbricht (sogenanntes Rezidiv). Bei Brustkrebs im Frühstadium kann dieses Risiko um bis zu 50% minimiert werden.

Außerdem verringert sich dadurch längerfristig auch die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu sterben. Vor allem jüngere Frauen profitieren von der besseren Lebenserwartung. Es lohnt sich also, die zusätzlichen Strapazen und Unannehmlichkeiten einer Strahlentherapie in Kauf zu nehmen.

Viele kleine Einzeldosen

Lästig ist die Behandlung vor allem deshalb für viele Frauen, weil sie mit einem recht großen logistischen Aufwand verbunden ist. Im Gegensatz zur Operation ist es nämlich nicht mit einem Mal getan, sondern Sie müssen mehrere Sitzungen einplanen. Das liegt ganz einfach daran, dass man nicht auf einmal die gesamte Strahlendosis auf Sie richten kann und das auch nicht so viel bringen würde. Mehrere kleine Dosen wirken effektiv gegen die Krebszellen und schonen dabei Haut und andere Organe.

Mit den Bestrahlungen sollte innerhalb von acht Wochen nach der Operation begonnen werden, wenn keine weitere Behandlung mit Medikamenten vorgesehen ist. Bekommen Sie zusätzlich eine Chemotherapie, wird die Bestrahlung erst danach bzw. zwischen den einzelnen Zyklen der Infusionen begonnen. Antikörper oder eine Hormontherapie können dagegen parallel zur Strahlentherapie verabreicht werden. Dann muss man lediglich so lange warten, bis die Operationswunde ausreichend verheilt ist, damit die Haut die Bestrahlung gut verkraftet (in der Regel ab drei Wochen nach dem Eingriff).

15 bis 25 Termine über 3 bis 6 Wochen

Ebenso wie die grundsätzliche Entscheidung für eine Bestrahlung werden auch Dauer und Dosis bei jeder Frau individuell festgelegt. Insgesamt können Sie mit einem Zeitraum von 3 bis 6 Wochen rechnen, in denen Sie mehrmals in der Woche (z.B. alle zwei Tage, vielleicht aber auch täglich) in die Klinik oder zu einem niedergelassenen Strahlentherapeuten gehen müssen.

Manchmal erfolgt noch eine sogenannte Boost-Bestrahlung, bei der allein das Tumorbett mit einer höheren Dosis bestrahlt wird. Sie schließt sich an die "normale" Bestrahlung an. Daher müssen Sie etwa zwei weitere Wochen einplanen.

Es gibt verschiedene Therapieverfahren, bei denen jeweils unterschiedliche Strahlenmengen in mehr oder weniger Sitzungen verabreicht werden. Entweder haben Sie insgesamt etwa 15 Termine, die sich auf 3 bis 5 Wochen verteilen. Oder Sie müssen sich rund 25 mal über einen Zeitraum von 5 bis 6 Wochen in die Klinik oder Praxis aufmachen.

Das kann sehr aufwendig und mühsam sein. Aber zu Ihrer Beruhigung: Man geht immer mehr dazu über, die Therapiezeit eher gering zu halten. Die Aussichten sind also gut, dass Sie es nach einem Monat schon überstanden haben. Außerdem gehen die einzelnen Bestrahlungen ganz schnell und sind auch nicht weiter unangenehm.

Bestrahlung ist nicht gleich Bestrahlung

Das alles gilt übrigens für Nachbestrahlungen der gesamten Brust beim lokal begrenzten Brustkrebs, die sich an die Operation anschließen. In anderen Situationen kann die Bestrahlung unter Umständen ganz anders ablaufen.

In seltenen Fällen reicht es aus, nur einen kleinen Teil der betroffenen Brust zu bestrahlen (Teilbrustbestrahlung). Das ist oft keine große Sache und erfolgt entweder direkt bei der Operation oder einige Tage danach. Wieder anders sieht es aus, wenn nicht operiert werden kann und die Strahlentherapie als erstes oder alleiniges Verfahren zum Tragen kommt. Und schließlich kann mit einer Bestrahlung nicht nur der Tumor an sich, sondern auch Metastasen in anderen Körperregionen bekämpft und Symptome gelindert werden. So können zum Beispiel Knochen- oder Hirnmetastasen ebenfalls bestrahlt werden.

Wie viele einzelne Sitzungen Sie dann bekommen, lässt sich nicht pauschal sagen, sondern wird von vielen verschiedenen Spezialisten für Ihren individuellen Fall festgelegt.

Muss ich für die Strahlentherapie meine Medikamente absetzen?

Eine Strahlentherapie bei Brustkrebs zieht sich über einen längeren Zeitraum von einigen Wochen hin. Die meisten Medikamente können Sie in dieser Zeit in der Regel ohne Probleme weiter einnehmen.

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Auch andere Erkrankungen ruhen nicht

Gerade wenn Sie unter einer anderen chronischen Erkrankung leiden, sollten Sie die Behandlung mit Tabletten nicht für längere Zeit unterbrechen, schließlich ruhen auch sie nicht. Medikamente etwa gegen Bluthochdruck oder Herzerkrankungen können und sollen Sie ohne Bedenken fortführen.

Das Herz z.B. kann durch die Bestrahlungen zusätzlich belastet werden, auch wenn es bei den präzisen Verfahren heutzutage weitgehend verschont wird und nur noch selten Folgeschäden auftreten. Auch einen hohen Blutdruck und all die schädlichen Folgen, die er hervorrufen kann, brauchen Sie jetzt nicht noch zusätzlich zum Brustkrebs. Wenn Sie gut eingestellt sind, machen Sie einfach weiter mit den Medikamenten.

Informieren Sie Ihren Arzt

Natürlich ist es wichtig, dass Ihr behandelnder Arzt über alles, was Sie einnehmen, Bescheid weiß. Auch den Strahlentherapeuten sollten Sie vorab darüber informieren. Das gilt im übrigens auch für pflanzliche Präparate und andere Heilmittel. Auch Nahrungsergänzungsmittel und zusätzlich zugeführte Vitamine haben ihre Wirkung und können die Strahlentherapie vielleicht sogar mehr als manche Medikamente beeinflussen.

Eine gewisse Vorsicht ist bei Johanniskraut geboten, das recht gerne zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird. Es kann die Haut empfindlicher machen und Hautirritationen durch die Bestrahlung dadurch verstärken. Allerdings kommt das nicht oft vor und ist daher nicht zu erwarten. Dennoch werden die Ärzte das Medikament vermutlich für die Zeit der Bestrahlung absetzen.

Wichtig ist dann aber, dass die Depression anderweitig behandelt wird. Auch sie legt keine Pause ein und kann im Gegenteil in dieser für Sie schwierigen und belastenden Zeit stärker denn je zuschlagen. Ihre Ärzte sollten sich daher ggf. gut miteinander absprechen.

Kombinationsbehandlung

Etwas anderes sind die Medikamente, die Sie vielleicht zusätzlich zur Strahlentherapie gegen den Brustkrebs bekommen. Wenn Sie auch eine Chemotherapie erhalten, erfolgt die Bestrahlung in der Regel nicht gleichzeitig, sondern eine Weile danach oder auch zwischen zwei Zyklen. Eine Hormontherapie oder die Behandlung mit Antikörpern kann dagegen parallel zur Strahlentherapie fortgesetzt werden.

Unterschiedliche Therapieverfahren können auch ganz bewusst miteinander kombiniert werden, um die Wirkung zu verstärken und den Tumor von mehreren Seiten aus anzugreifen. Das muss allerdings wohlüberlegt und genau aufeinander abgestimmt sein, da sich neben den gewünschten Effekten dann auch die Nebenwirkungen verstärken können.

Seien Sie aber sicher, dass die Ärzte sich gut überlegen, welche Behandlung für Sie die richtige ist und was in Ihrem individuellen Fall eine geeignete Kombination sein könnte.

Strahlentherapie bei Brustkrebs: Was bedeutet Fraktionierung?

Bei der Bestrahlung von Brustkrebs wird die gesamte Strahlendosis nicht mit einem Mal auf den Tumor gefeuert, sondern auf mehrere Einzeldosen verteilt. Dieses Prinzip nennt man Fraktionierung. Es ist effektiver und zugleich schonender.

Wenn Brustkrebs erfolgreich operiert wurde, heißt das leider noch nicht, dass er ein für alle Mal ausgemerzt ist. Tumorzellen sind findig, können sich eine Zeit lang im Körper verstecken und irgendwann erneut ihr Unwesen treiben. Um das möglichst zu verhindern, greifen Mediziner nach der Operation zur Sicherheit meist gleich zur nächsten Waffe: der Bestrahlung.

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Steter Tropfen höhlt den Stein

Dabei hat man herausgefunden, dass es die Krebszellen am meisten trifft, wenn sie immer wieder mit kleinen Mengen angegriffen werden. Da sie sich weniger gut erholen als normale Körperzellen, macht ihnen der Dauerbeschuss zu schaffen. Andere Gewebe wie die Haut und umliegende Organe (z.B. die Lunge) werden durch die jeweils recht geringen Einzeldosen weniger in Mitleidenschaft gezogen.

Wie die Behandlung bei Brustkrebs insgesamt wird auch eine Strahlentherapie für jede einzelne Frau individuell geplant und festgelegt. Es gibt aber gewisse Regime, nach denen sich die Behandlung richtet.

Bei der Strahlentherapie unterscheidet man zwischen:

  • konventioneller Fraktionierung

und

  • Hypofraktionierung

15 bis 25 einzelne Dosen

Fraktionierung bedeutet einfach, dass die Bestrahlung auf mehrere Sitzungen verteilt wird, in denen jeweils ein kleine Menge der Gesamtdosis auf die Brust gerichtet wird.

Bei der konventionellen Fraktionierung werden sehr viele kleine Einzeldosen (25 bis 28) auf einen Zeitraum von 5 bis 6 Wochen verteilt. Man kann sich also ausrechnen, wie oft man dabei in der Klinik oder Praxis antreten muss. Angenehmer für Betroffene ist dagegen die Hypofraktionierung, bei der nur 15 bis 16 Fraktionen innerhalb von 3 bis 5 Wochen erfolgen. Die einzelnen Dosen sind dabei etwas höher, die Gesamtdosis ist aber leicht reduziert.

Um es noch ein bisschen komplizierter zu machen, gibt es die Hypofraktionierung wiederum in zwei Varianten: als reine oder akzelerierte Hypofraktionierung. Bei der reinen Hypofraktionierung wird jeden zweiten Tag bestrahlt, bei der akzelerierten täglich, wodurch sich die Behandlungszeit insgesamt verkürzt. Dann könnten Sie das Ganze vielleicht schon nach 3 Wochen hinter sich haben.

Tendenz zur Hypofraktionierung

Vielleicht fragen Sie sich, wie es zu diesen komplizierten Varianten kommt und wer sich so etwas ausdenkt. Zum einen sammeln Mediziner und Wissenschaftler ihre Erkenntnisse schlicht aus den Erfahrungen, die sie machen. In Studien werden verschiedene Verfahren miteinander verglichen und genau untersucht, wer von welcher Behandlung und Strategie wie gut profitiert. Außerdem gibt es für die Theoretiker unter den Forschern bestimmte strahlenbiologische Modellrechnungen, mit denen sie die Effekte ziemlich genau vorhersagen können.

Während man lange davon ausgegangen ist, dass die reine Fraktionierung den Königsweg darstellt, geht man inzwischen immer mehr zur Hypofraktionierung über. In großen Studien mit insgesamt über 7000 Teilnehmerinnen hat sich gezeigt, dass damit gleich gute Ergebnisse erzielt werden, und das bei gleichzeitig besserer Hautverträglichkeit. Und für die Betroffenen ist es ohnehin die komfortablere Variante.

Was ist eine Boost-Bestrahlung bei Brustkrebs?

Nach einer brusterhaltenden Operation wird das Tumorbett in der Regel in mehreren Sitzungen bestrahlt. Bei manchen Frauen wird die übliche Bestrahlung um eine zusätzliche höhere Dosis, den sogenannten Boost, ergänzt.

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Vor allem für jüngere Frauen

Die Absicht dahinter ist die, es dem Tumor noch schwerer zu machen, erneut auszubrechen. Eine Strahlentherapie senkt das Risiko eines Rezidivs (Wiederauftreten des Krebses) meist deutlich. Mit der Boost-Bestrahlung werden die Aussichten noch besser, zumindest für manche Frauen.

Empfohlen wird die Extraportion vor allem bei jüngeren Betroffenen (≤ 50 Jahre), die noch vor der Menopause stehen. Bei älteren Damen erfolgt eine Boost-Bestrahlung nur, wenn das Rückfallrisiko sehr hoch ist. Das kann etwa bei besonders aggressiven oder großen Tumoren der Fall sein.

Jüngere Frauen profitieren nicht nur stärker von der Behandlung, sie vertragen sie auch besser. Mögliche Spätfolgen wie eine Fibrose (Verhärtung des Gewebes) treten bei ihnen seltener auf.

Unterschiedliche Strategien

Bei der Boost-Bestrahlung gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man vorgeht. Oft schließt sich die Behandlung an die gewöhnliche Strahlentherapie an. Dann spricht man auch von einem sogenannten sequentiellen Boost. Üblich sind dafür etwa 5 bis 8 weitere Sitzungen.

Für viele Frauen ist das nicht gerade angenehm, weil sich die Dauer der Behandlung dadurch nochmal um ca. zwei Wochen verlängert. Alternativ kann die zusätzliche Dosis auch einmalig bereits während der Operation verabreicht werden. Das hat neben dem geringeren zeitlichen Aufwand den Vorteil, dass der betroffene Bereich ganz gezielt und direkt erreicht wird, ohne die Haut dabei zu tangieren. Die Bestrahlung von außen schließt sich danach wie üblich nach erfolgter Wundheilung an die Operation an.

Der Erfolg scheint nach bisherigen Erfahrungen bei beiden Verfahren gleich zu sein.

Elegante Kombination

Neuerdings besteht noch eine dritte Variante, der "simultan-integrierte Boost" (SIB). Er wird einfach direkt an die einzelnen Sitzungen der primären Bestrahlung angeschlossen. Zusätzliche Termine erübrigen sich dadurch für Sie. Für eine SIB sind allerdings spezielle Geräte mit modernen Planungsprogrammen nötig, über die nicht jede Klinik bzw. Praxis verfügt. Rund um das Verfahren wird außerdem weiterhin viel geforscht, so dass eine abschließende Bewertung noch aussteht.

Damit Sie eine Vorstellung davon haben, wie stark die zusätzliche Dosisaufsättigung durch den Boost ist, hier noch folgendes für Zahlenfreunde: Bei der üblichen Strahlentherapie werden über alle Sitzungen verteilt insgesamt 40-50 Gy (Gray, die Maßeinheit für die Strahlendosis) verabreicht. Der Boost umfasst weitere 10-16 Gray, also nochmal etwa ein Viertel der ursprünglichen Dosis.

Was ist eine intraoperative Bestrahlung (IORT)?

Bei einer IORT wird während der Operation gleichzeitig eine Bestrahlung durchgeführt. Der Vorteil der Therapie ist laut Brustkrebs-Experten, dass sich das Risiko für das erneute Auftreten eines Tumors vermindert.

Bestrahlung direkt im Operationsgebiet

Die intraoperative Strahlentherapie dauert nur eine halbe Stunde, heben die Ärzte hervor. Dabei werden insbesondere die Krebszellen zerstört, die eventuell nach der Tumorentfernung im Umfeld des Tumorherdes noch zurückgeblieben sind. Das habe auch den Vorteil, dass sich die nachfolgende Strahlentherapie verkürze. Voraussetzung ist allerdings, dass der Tumor maximal zwei Zentimeter groß, noch keine Metastasen gebildet hat und die betroffene Frau nicht viel älter als 60 Jahre ist.

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In Studien hat sich gezeigt, dass die normale Rückfallrate bei solchen Tumoren im Frühstadium nach einer Operation zwischen 3% und 5% liegt. Nach einer IORT wurde nur bei 1,5% der Patientinnen erneut ein Tumor entdeckt. Ein weiterer Vorteil soll in der kurzen Reichweite der Geräte liegen, durch die die Bestrahlung erfolgt. Dadurch würde umliegendes Gewebe geschont.

Führt die Bestrahlung zu dauerhaften Hautschäden?

Möglich ist das. Häufiger sind jedoch kurzfristige Reaktionen der Haut, die sich nach der Behandlung wieder zurückbilden. Wichtig ist, dass Sie Ihre Haut gut pflegen und schützen.

Unter Beschuss

Bei der Strahlentherapie liegt die Haut im Brustbereich im unmittelbaren Strahlenfeld. Es gibt zwar auch sogenannte intraoperative Verfahren, bei denen das Tumorareal direkt im Anschluss an die Operation noch vor der Naht bestrahlt und die Haut damit nicht tangiert wird. Sie ersetzen aber nicht die nachträgliche Bestrahlung von außen, sondern ergänzen sie lediglich.

Trotz modernster Geräte und Technik lässt sich die Haut also nie ganz schonen. Daher ist sie auch am häufigsten von Nebenwirkungen betroffen. Dabei unterscheidet man kurz- und langfristige Strahlenfolgen. Akut kommt es häufig zu Rötungen und leichten Reizungen. Die Haut kann auch jucken, schmerzen und in schwerwiegenden Fällen sogar Blasen bilden. Sagen Sie Ihrem Arzt Bescheid, wenn Ihre Haut derart heftig reagiert.

Stetige Erneuerung

Nach der Bestrahlung, wenn die Haut nicht mehr dem ständigen Reiz ausgesetzt ist, erholt sie sich meist wieder. Die Regenerationsfähigkeit des größten menschlichen Organs ist enorm. Ständig bilden sich vom Grund her neue Zellen, die entlang der einzelnen Hautschichten nach oben wandern und dabei stetig heranreifen, bis sie sich nach vollbrachter Arbeit lösen und als kleine Schuppen abfallen.

Für diese Wanderung brauchen sie etwa zwei Wochen. Man kann sich also ausrechnen, wie oft sich unsere Haut im Lauf der Zeit rundum erneuert.

Verdickung und Verhärtung bis hin zu Narben

Wenn die Zellen jedoch zu stark geschädigt sind oder tiefe Hautschichten betroffen sind, in denen der Nachschub gebildet wird, kann es sein, dass das fleißige Organ mit der Reparatur nicht mehr nachkommt. Dann entstehen auch bleibende Schäden.

Wenn sich die Haut umformt, kann sie derber und trockener werden. Nach außen hin können sichtbare Verfärbungen zurückbleiben, die sich entweder dunkler oder heller von der Umgebung abheben. Weiterhin können feine Blutgefäße durch die ausgedünnte Hautoberfläche hindurch scheinen. In schweren Fällen können auch Narben zurückbleiben. Dann verliert die Haut ihre wichtige Schutzfunktion und wird anfälliger für äußere Reize und Infektionen.

Das bedeutet für Sie: Schützen Sie Ihre empfindliche Haut gut! Vor allem gegen die schädlichen UV-Strahlen kann sie sich nun nicht mehr wehren. Auf einen ausreichenden Sonnenschutz müssen Sie daher lebenslang achten.

Unterstützen Sie Ihre Haut!

Das sollten Sie allerdings ohnehin tun. Ebenso ist eine Basispflege grundsätzlich ratsam, auch vorbeugend, wenn Ihre Haut noch intakt ist. Verwenden Sie beim Waschen und Duschen ph-neutrale Seife oder Duschgel ohne Duftstoffe und halten Sie die Haut danach mit einer Pflegecreme (z.B. harnstoffhaltig) feucht und geschmeidig. Vermeiden Sie heißes Wasser und lange Bäder, und verzichten Sie in der Zeit der Behandlung auf den Besuch von Schwimmbad und Sauna. Ihre Kleidung sollte leicht und locker sitzen und die Haut nicht zusätzlich reizen. Ein guter Sonnenschutz versteht sich von selbst.

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Wenn Sie diese Ratschläge beherzigen, unterstützen Sie Ihre Haut bei der Bewältigung der Stresssituation durch die Bestrahlung erheblich und können schweren und längerfristigen Folgen vorbeugen. Sollten Sie dennoch, auch noch längere Zeit nach der Behandlung, Veränderungen beobachten, zeigen Sie sie Ihrem Arzt, und greifen Sie nicht auf eigene Faust zu Mittelchen, die Ihrer Haut womöglich noch mehr zusetzen.

Bestrahlung nach Brustkrebs: Wie schütze ich meine Haut?

Die häufigste Nebenwirkung einer Strahlentherapie wegen Brustkrebs sind Hautschäden im bestrahlten Brustbereich. Das kann von leichten Rötungen bis hin zu wunden und schmerzhaften Hautflächen reichen. Sie können das, je nach Ausmaß, mit einem leichten bis sehr schweren Sonnenbrand vergleichen.

Ob Sie überhaupt Hautprobleme bekommen und in welchem Ausmaß, hängt nicht nur vom Hauttyp, sondern auch von der Anzahl der Bestrahlungen und Dosierung ab.

Haut möglichst geschmeidig halten

Auch wenn Sie Angst vor diesen Nebenwirkungen haben, sollten Sie auf die sinnvolle Strahlentherapie nicht verzichten. Setzen Sie stattdessen auf einen möglichst guten Hautschutz, um die Beschwerden von vornherein gering zu halten.

Um Ihre Haut zu schützen, müssen Sie schon vor den Bestrahlungen auf einiges achten. Es gibt etwas vereinfacht gesagt zwei Gefahren: Zum einen, dass die Haut wund und schmerzhaft wird. Zum anderen, dass über die (nach der Bestrahlung) sehr raue Haut Krankheitserreger eindringen und einen Infekt verursachen. Diese Gefahr wird dadurch noch verschärft, dass das Immunsystem durch die Bestrahlungen beeinträchtigt wird.

Für beides ist die Hautpflege enorm wichtig. In jedem Fall sinnvoll ist es, die Haut mit einer Lotion glatt und geschmeidig zu halten. Und zwar vor den Bestrahlungen als auch danach. Aber Vorsicht: Nicht jede Lotion ist geeignet. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten.

Das sollten Sie beachten:

  • Versuchen Sie, Ihre Haut elastisch zu halten.
  • Benutzen Sie keine parfümhaltigen Produkte.
  • Duschen Sie nur kurz, damit die Haut nicht aufquellen kann.
  • Tragen Sie lockere Kleidung, um die Haut nicht zu reizen.
  • Benutzen Sie keine alkalischen Seifen.
  • Verzichten Sie auf Deos.
  • Waschen Sie sich nur kurz mit lauwarmem Wasser.
  • Rubbeln Sie Ihre Haut nicht, nur vorsichtig trocken tupfen.
  • Auch wenn Sie schon zwanzig Bestrahlungen ohne relevante Hautprobleme bekommen haben, kann sich die empfindliche Haut immer noch röten oder entzünden.
  • Auch bei intensiver Hautpflege: Entfernen Sie nicht die Markierungen auf dem Bestrahlungsgebiet.

Was tun, wenn Hautschäden da sind?

Trotz aller Vorsicht kann die Haut durch die Bestrahlung geschädigt werden. Behandeln Sie sich nicht selber, sondern melden Sie das den Mitarbeitern im Bestrahlungszentrum, damit Sie mit speziellen Pflastern versorgt werden. Das schützt vor weiteren Schäden.

Oft entstehen während der Bestrahlungen kleine juckende, schmerzende Bläschen am Körper. Das deutet auf hoch ansteckende Herpes Viren hin, die Sie sofort melden müssen. Wird zu spät etwas unternommen, dauert die Behandlung bis zu sechs Wochen. Bei sofortiger Behandlung nur wenige Tage.

Mein Rat: Bemerken Sie Veränderungen der Haut oder ungewohnte Symptome während der Bestrahlung, bitte sofort melden.

Kann durch die Strahlentherapie ein Lymphödem entstehen?

Das ist durchaus möglich. Wenn nicht nur die Brust selbst, sondern auch die Lymphknoten bestrahlt werden, kann es zu einem Lymphödem in der Brust oder im Arm kommen.

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Verstopfter Abfluss

Wenn der Krebs auch die Lymphknoten befallen hat, müssen sie mitbehandelt werden. Die Operation kann dann entsprechend ausgedehnt und/oder die anschließende Bestrahlung bis hin zur Achselhöhle erweitert werden. Hier hinein mündet der Lymphabfluss der Brust. Wenn er unterbrochen wird, kann das Gewebswasser nicht mehr ungehindert abfließen und staut sich – der betroffene Arm schwillt an, wird prall, schwer und schmerzt, was für die betroffenen Frauen sehr beeinträchtigend sein kann.

Im Gegensatz zu Hautreizungen, die unmittelbar nach der Bestrahlung auftreten können, zählt das Lymphödem zu den Spätfolgen der Behandlung, kann sich also auch erst eine ganze Weile nach der Operation bzw. Bestrahlung entwickeln.

Risiko geringer als nach der Operation

Ob es aber überhaupt dazu kommt, hängt neben individuellen Faktoren auch vom Ausmaß der Bestrahlung und der jeweiligen Strahlendosis ab. Je nach dem, wie weit sie ausgedehnt und intensiviert werden muss, steigt das Risiko an. Grundsätzlich ist es aber bei der Strahlentherapie weitaus geringer als bei der Operation. Daher wird der Bestrahlung heute auch in manchen Fällen der Vorzug gegenüber einer Operation gegeben. Während man früher schnell die gesamte Achselhöhle ausgeräumt hat, geht man heute behutsamer vor.

Der Mechanismus dahinter ist im Grunde derselbe. Während bei der Operation die Lymphknoten entnommen werden und der Abfluss damit direkt unterbrochen wird, sorgt bei der Bestrahlung eine Art Verödung für den Lymphstau. Das Ergebnis ist gleich. Daher unterscheidet sich die Behandlung auch nicht abhängig von der Ursache des Lymphödems.

So wird der Arm wieder schlank

Damit es nicht zu langfristigen Folgen und Schäden kommt, ist es wichtig, ein Lymphödem frühzeitig und umfassend zu behandeln. Daran können und sollten Sie auch selbst mitwirken.

Bei einem Lymphstau muss man dafür sorgen, dass die Lymphe wieder freie Bahn bekommt. Das gelingt mit einer sogenannten Entstauungstherapie. Dabei wird von außen nachgeholfen, dass die zähe Flüssigkeit wieder aus dem Gewebe tritt und abfließt. Das erreicht man mithilfe von Lymphdrainagen und Kompressionsbandagen. Auch Bewegungsübungen, die Ihnen der Physiotherapeut zeigen wird, helfen, der Gewebsflüssigkeit ihren Weg zu weisen.

Schädigt die Strahlentherapie Herz und Lunge?

Bei der Bestrahlung von Brustkrebs liegen Herz und Lunge in unmittelbarer Nachbarschaft des Strahlenfeldes. So stellt sich natürlich die Frage, ob die beiden Organe dadurch nicht Schaden nehmen können.

Grundsätzlich ja. Die Strahlentherapie zielt darauf ab, verbliebene Tumorzellen endgültig auszumerzen. Dass davon auch gesunde Körperzellen betroffen sein können, lässt sich auch bei aller Vorsicht und den technischen Möglichkeiten, die es heute gibt, nicht ganz vermeiden.

Mögliche Spätfolgen

Während Schäden an der Haut wie Reizungen und Rötungen oft unmittelbar nach einer Bestrahlung auftreten, sind die Folgen an inneren Organen in der Regel erst später zu beobachten.

Die Lunge etwa kann anfälliger für Entzündungen werden, auch ohne dass bestimmte Keime ihre Hand im Spiel haben. Wenn Anteile der Lunge vernarben, kann es sein, dass die Lungenfunktion eingeschränkt wird, dass Sie also nicht mehr voll durchatmen können und schneller aus der Puste geraten.

Am Herzen kann sich der umgebende Herzbeutel entzünden. Aber auch der Herzmuskel selbst, die Klappen, die versorgenden Gefäße und die elektrische Reizweiterleitung können beeinträchtigt werden.

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Risiko für einen weiteren Tumor

Nicht zuletzt sind Zweittumoren zu nennen, die sich infolge der Bestrahlung bilden können. Denn die Strahlen haben ja genau die Aufgabe, Zellen gezielt zu schädigen. Auch wenn man die einzelnen Mechanismen bei der Bildung von Krebs noch nicht genau kennt, geht man davon aus, dass genau eine solche Schädigung und fehlerhafte Neuprogrammierung von Zellen ein wesentlicher Faktor ist.

Gesunde Körperzellen können sich von der Bestrahlung zum Glück besser erholen als die anvisierten Krebszellen. Ganz entgehen können sie der Belastung aber nicht. Die Lunge und vor allem das Herz sind allerdings recht stabile Kandidaten. Im Gegensatz zu anderen Geweben sind sie nicht sehr strahlenempfindlich, weil sich ihre Zellen recht langsam teilen.

Hinzu kommen moderne Geräte, eine ausgefeilte Technik und eine ganze Mannschaft aus Ärzten, Physikern und diversen Assistenten, die genau berechnen, welche Dosis in welchem Winkel auf welches Areal gezielt wird. So wird inzwischen sehr präzise fast nur der beabsichtigte Bereich erwischt.

Strahlentherapie ist besser als ihr Ruf

Das alles macht die Strahlentherapie unter den Verfahren, die nach der Operation in Frage kommen, zum schonendsten und verträglichsten. Das Risiko für eine Entzündung der Lunge beispielsweise liegt unter 1%. Im Gegensatz zu älteren Studien zeigten neuere Erhebungen, die seit Einführung der modernen Geräte und Techniken erfolgten, außerdem kein erhöhtes Risiko mehr, an einer strahlenbedingten Schädigung des Herzens früher zu sterben. Zweittumore entwickeln sich innerhalb von 20 Jahren zwar durchschnittlich in etwa 1%; dabei geht jedoch wahrscheinlich nur ein Bruchteil auf das Konto der Strahlentherapie.

Eine bestimmte Gruppe betroffener Frauen hat allerdings tatsächlich ein erhöhtes Risiko für einen weiteren Krebs, und zwar an der Lunge: Raucherinnen. Bei ihnen setzt die Strahlentherapie der Lunge zusätzlich zu. Die gute Nachricht: Wer vor der Behandlung damit aufhört, kann das Risiko wiederum deutlich reduzieren.

Autoren: 

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand August 2019. Online unter www.leitlinienprogramm-onkologie.de (Zugriff am 04.11.2019).
  • Deutsche Krebsgesellschaft, Onko Internetportal, Brustkrebs: Basis-Infos für Patientinnen und Angehörige. Online unter www.krebsgesellschaft.de (Zugriff am 04.11.2019).

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