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Brustkrebs: Bestrahlung

Brauche ich nach der Brustkrebs-OP noch eine Bestrahlung? Wie laufen die Bestrahlungen ab? Welche Nebenwirkungen können auftreten? Antworten auf diese und weitere Fragen zur Strahlentherapie bei Brustkrebs finden Sie im folgenden Beitrag.

Gründe für eine Bestrahlung

Wann bekommt man bei Brustkrebs Bestrahlungen?

Die Strahlentherapie ist eine der häufigsten Behandlungsmethoden bei Brustkrebs. Bei brusterhaltender Operation zählt sie zur Standard-Nachbehandlung, weil die Bestrahlungen die Rückfallrate deutlich senken (etwa von 30% auf 5%).

Die Idee dahinter: Auch wenn der Tumor (scheinbar) komplett entfernt wurde, kann es sein, dass winzige, vom Operateur nicht erkennbare Krebszellen in den Randgebieten überleben. Um diese eventuellen Tumorzellnester im Operationsgebiet abzutöten, wird mit ionisierender Strahlung nachbehandelt. Die Bestrahlungen dienen hier also dem Ziel, die Heilung noch mehr abzusichern.

Nicht nur nach brusterhaltener Operation

Auch nach einer Brustamputation (Mastektomie), also einer vollständigen Entfernung der Brust, wird die nachfolgende Bestrahlung in bestimmten Situationen empfohlen. Dazu zählen:

  • Tumor war größer als 5 cm
  • Tumorstadium T3 oder T4
  • mehrere Krebsherde in der Brust
  • Krebsknoten hat Brustdrüse überschritten und umgebende Haut oder Muskulatur befallen
  • Lymphknoten der Umgebung sind befallen (v.a. bei mehr als 3 Lk)

Und auch wenn der Brustkrebs gar nicht operiert wurde und nur mit Chemotherapie oder Antikörpertherapie behandelt wird, wird in bestimmten Situationen eine zusätzliche Strahlentherapie vorgenommen, um die Abtötung der Krebszellen noch mehr abzusichern.

Ablauf der Strahlentherapie

Was kommt auf mich zu?

Ist die Entscheidung zur Strahlentherapie gefallen, beschäftigen einen die Details rund um die Behandlung. Wie lange dauert sie, was genau wird bestrahlt und darf man seine eigenen Medikamente während der Therapie weiter einnehmen? Wir haben die Antworten für Sie recherchiert:

Der Ablauf der Strahlentherapie im Detail

Wann geht es mit der Bestrahlung los?

Bei einer Strahlentherapie nach Operation werden die Bestrahlungen meist 4 bis 6 Wochen nach der Tumorentfernung begonnen. Nach einer kompletten Brustentfernung beginnt man damit allerdings erst, wenn das Operationsgebiet abgeheilt ist, damit die Haut die Bestrahlung gut verkraftet (in der Regel ab drei Wochen nach dem Eingriff).

Kombination mit anderen Verfahren möglich

Bekommen Sie zusätzlich eine Chemotherapie, wird die Bestrahlung erst danach bzw. zwischen den einzelnen Zyklen der Infusionen begonnen. Antikörper oder eine Hormontherapie können dagegen parallel zur Strahlentherapie verabreicht werden.

Wie lange dauert die Bestrahlung?

Die Behandlung besteht aus zahlreichen Einzelterminen, die sich, jeweils von Montag bis Freitag, in der Regel über 6 bis 8 Wochen hinziehen. Die einzelnen Bestrahlungen dauern nur Sekunden bis Minuten, man hat also zwar einen großen zeitlichen Aufwand mit den täglichen Terminen, zumindest gehen die dann aber schnell.

Wie viele Bestrahlungen bekomme ich?

Das ist immer eine individuelle Entscheidung. In der Regel gehen Sie mehrmals in der Woche (z.B. alle zwei Tage, vielleicht aber auch täglich) in die Klinik oder zu einem niedergelassenen Strahlentherapeuten. So können über einige Wochen 15 bis 25 Termine zusammenkommen.

Warum zieht sich die Strahlentherapie so lange hin?

Die vielen Sitzungen sind deshalb notwendig, weil man nicht auf einmal die gesamte Strahlendosis auf Sie richten kann und das auch nicht so viel bringen würde. Mehrere kleine Dosen wirken effektiv gegen die Krebszellen und schonen dabei Haut und andere Organe.

Manchmal brauchen Sie noch mehr Geduld

Manchmal erfolgt noch eine sogenannte Boost-Bestrahlung, bei der allein das Tumorbett mit einer höheren Dosis bestrahlt wird. Sie schließt sich an die "normale" Bestrahlung an. Daher müssen Sie etwa zwei weitere Wochen einplanen.

Das kann alles sehr aufwendig und mühsam sein. Aber zu Ihrer Beruhigung: Man geht immer mehr dazu über, die Therapiezeit eher gering zu halten. Die Aussichten sind also gut, dass Sie es nach einem Monat schon überstanden haben. Außerdem gehen die einzelnen Bestrahlungen ganz schnell und sind auch nicht weiter unangenehm.

Bestrahlung ist nicht gleich Bestrahlung

Das alles gilt übrigens für Nachbestrahlungen der gesamten Brust beim lokal begrenzten Brustkrebs, die sich an die Operation anschließen. In anderen Situationen kann die Bestrahlung unter Umständen ganz anders ablaufen:

Teilbestrahlung der Brust

In seltenen Fällen reicht es aus, nur einen kleinen Teil der betroffenen Brust zu bestrahlen (Teilbrustbestrahlung). Das ist oft keine große Sache und erfolgt entweder direkt bei der Operation oder einige Tage danach.

Wieder anders sieht es aus, wenn nicht operiert werden kann und die Strahlentherapie als erstes oder alleiniges Verfahren zum Tragen kommt. Und schließlich kann mit einer Bestrahlung nicht nur der Tumor an sich, sondern auch Metastasen in anderen Körperregionen bekämpft und Symptome gelindert werden. So können zum Beispiel Knochen- oder Hirnmetastasen ebenfalls bestrahlt werden.

Kein Schema F

Wie viele einzelne Sitzungen Sie dann bekommen, lässt sich nicht pauschal sagen, sondern wird von vielen verschiedenen Spezialisten für Ihren individuellen Fall festgelegt.

Muss ich für die Strahlentherapie meine Medikamente absetzen?

Die meisten Medikamente können Sie ohne Probleme weiter einnehmen. Gerade wenn Sie unter einer anderen chronischen Erkrankung leiden, sollten Sie die Behandlung mit Tabletten nicht unterbrechen.

Etwa Medikamente gegen Bluthochdruck oder Herzerkrankungen können und sollen Sie ohne Bedenken fortführen.

Informieren Sie Ihren Arzt

Natürlich ist es wichtig, dass Ihr behandelnder Arzt über alles, was Sie einnehmen, Bescheid weiß. Auch den Strahlentherapeuten sollten Sie vorab darüber informieren. Das gilt im übrigens auch für pflanzliche Präparate und andere Heilmittel. Denn:

Auch Nahrungsergänzungsmittel und zusätzlich zugeführte Vitamine haben ihre Wirkung und können die Strahlentherapie vielleicht sogar mehr als manche Medikamente beeinflussen.

Ein Beispiel:

Hautprobleme bei Johanniskraut

Eine gewisse Vorsicht ist bei Johanniskraut geboten, das recht gerne zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird.

Es kann die Haut empfindlicher machen und Hautirritationen durch die Bestrahlung dadurch verstärken. Allerdings kommt das nicht oft vor und ist daher nicht zu erwarten. Dennoch werden die Ärzte das Medikament vermutlich für die Zeit der Bestrahlung absetzen.

Psyche nicht vernachlässigen!

Wichtig ist dann aber, dass die Depression anderweitig behandelt wird. Auch sie legt keine Pause ein und kann im Gegenteil in dieser für Sie schwierigen und belastenden Zeit stärker denn je zuschlagen. Ihre Ärzte sollten sich daher ggf. gut miteinander absprechen.


Bestrahlungsarten

Strahlentherapie: Wann, wie lange und wozu?

Für jede Frau maßgeschneidert

Es gibt viele verschiedene Arten und Möglichkeiten der Bestrahlung. Bei jeder Frau wird je nach Tumor, Stadium der Erkrankung und individuellem Befinden festgelegt, wie hoch die Strahlendosis insgesamt sein soll und auf wieviele Therapiesitzungen sie verteilt wird. Außerdem besteht neben der üblichen postoperativen Bestrahlung (nach der OP) in manchen Fällen die Möglichkeit, den Tumor während der Operation direkt zu bestrahlen (intraoperative Bestrahlung).

Wenn bei Ihnen eine Bestrahlung geplant ist, kann es sein, dass Sie mit allerlei unverständlichen Fachbegriffen konfrontiert werden. Ihre Ärzte werden Sie genau aufklären und erläutern, was auf Sie zukommt. Zum Nachlesen haben wir Ihnen hier die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Was ist was? Dosis, Fraktionierung, Boost

Was bedeutet Fraktionierung?

Bei der Bestrahlung von Brustkrebs wird die gesamte Strahlendosis nicht mit einem Mal auf den Tumor gefeuert, sondern auf mehrere Einzeldosen verteilt. Dieses Prinzip nennt man Fraktionierung. Es ist effektiver und zugleich schonender. Denn:

1. Steter Tropfen höhlt den Stein

Man hat herausgefunden, dass es die Krebszellen am meisten trifft, wenn sie immer wieder mit kleinen Mengen angegriffen werden. Da sie sich weniger gut erholen als normale Körperzellen, macht ihnen der Dauerbeschuss zu schaffen.

2. Der Rest bleibt verschont

Andere Gewebe wie die Haut und umliegende Organe (z.B. die Lunge) werden durch die jeweils recht geringen Einzeldosen weniger in Mitleidenschaft gezogen.

Welche Möglichkeiten der Fraktionierung gibt es?

Bei der Strahlentherapie unterscheidet man zwischen:

  • konventioneller Fraktionierung und
  • Hypofraktionierung

15 bis 25 einzelne Dosen

Bei der konventionellen Fraktionierung werden sehr viele kleine Einzeldosen (25 bis 28) auf einen Zeitraum von 5 bis 6 Wochen verteilt. Man kann sich also ausrechnen, wie oft man dabei in der Klinik oder Praxis antreten muss.

Geht auch weniger?

Ja. Angenehmer für Betroffene ist die Hypofraktionierung, bei der nur 15 bis 16 Fraktionen innerhalb von 3 bis 5 Wochen erfolgen. Die einzelnen Dosen sind dabei etwas höher, die Gesamtdosis ist aber leicht reduziert.

Um es noch ein bisschen komplizierter zu machen, gibt es die Hypofraktionierung wiederum in zwei Varianten: als reine oder akzelerierte Hypofraktionierung. Bei der reinen Hypofraktionierung wird jeden zweiten Tag bestrahlt, bei der akzelerierten täglich, wodurch sich die Behandlungszeit insgesamt verkürzt. Dann könnten Sie das Ganze vielleicht schon nach 3 Wochen hinter sich haben.

Tendenz zur Hypofraktionierung

Während man lange davon ausgegangen ist, dass die reine Fraktionierung den Königsweg darstellt, geht man inzwischen immer mehr zur Hypofraktionierung über. In großen Studien mit insgesamt über 7000 Teilnehmerinnen hat sich gezeigt, dass damit gleich gute Ergebnisse erzielt werden, und das bei gleichzeitig besserer Hautverträglichkeit.

Einzige Ausnahme:

Wenn auch die Lymphknoten und Lymphabflusswege bestrahlt werden. Dann erfolgt weiterhin die konventionelle Fraktionierung. Das Risiko für mögliche Spätfolgen ist damit vermutlich geringer.

Was ist eine Boost-Bestrahlung bei Brustkrebs?

Bei manchen Frauen wird die übliche Bestrahlung um eine zusätzliche höhere Dosis, den sogenannten Boost, ergänzt. Die Absicht dahinter ist die, es dem Tumor noch schwerer zu machen, erneut auszubrechen.

Wozu eine Boost-Bestrahlung?

Eine Strahlentherapie senkt das Risiko eines Rezidivs (Wiederauftreten des Krebses) meist deutlich. Mit der Boost-Bestrahlung werden die Aussichten noch besser, zumindest für manche Frauen...

Für wen kommt eine Boost-Bestrahlung in Frage?

Empfohlen wird die Extraportion vor allem bei jüngeren Betroffenen (≤ 50 Jahre), die noch vor der Menopause stehen. Bei älteren Damen erfolgt eine Boost-Bestrahlung nur, wenn das Rückfallrisiko sehr hoch ist. Das kann etwa bei besonders aggressiven oder großen Tumoren der Fall sein.

Wie hoch ist die zusätzliche Strahlenbelastung durch den Boost?

Bei der üblichen Strahlentherapie werden über alle Sitzungen verteilt insgesamt 40-50 Gy (Gray, die Maßeinheit für die Strahlendosis) verabreicht. Der Boost umfasst weitere 10-16 Gray, also nochmal etwa ein Viertel der ursprünglichen Dosis.

Wie läuft eine Boost-Bestrahlung ab?

Es verschiedene Möglichkeiten, wie man vorgeht. Oft schließt sich die Behandlung an die gewöhnliche Strahlentherapie an. Dann spricht man auch von einem sogenannten sequentiellen Boost. Üblich sind dafür etwa 5 bis 8 weitere Sitzungen – nicht gerade angenehm, weil sich die Dauer der Behandlung dadurch nochmal um ca. 2 Wochen verlängert. Alternativ…

… kann die zusätzliche Dosis auch einmalig bereits während der Operation verabreicht werden. Das hat neben dem geringeren zeitlichen Aufwand den Vorteil, dass der betroffene Bereich ganz gezielt und direkt erreicht wird, ohne die Haut dabei zu tangieren. Die Bestrahlung von außen schließt sich danach wie üblich nach erfolgter Wundheilung an die Operation an.

Und was ist besser?

Das kann man so nicht sagen und ist ein Stück weit Geschmackssache. Der Erfolg scheint nach bisherigen Erfahrungen bei beiden Verfahren gleich zu sein.

Elegante Kombination

Neuerdings besteht noch eine dritte Variante, der "simultan-integrierte Boost" (SIB). Er wird einfach direkt an die einzelnen Sitzungen der primären Bestrahlung angeschlossen. Zusätzliche Termine erübrigen sich dadurch für Sie.

SIB noch nicht fest etabliert

Für eine SIB sind allerdings spezielle Geräte mit modernen Planungsprogrammen nötig, über die nicht jede Klinik bzw. Praxis verfügt. Rund um das Verfahren wird außerdem weiterhin viel geforscht, so dass eine abschließende Bewertung noch aussteht.


Was ist eine intraoperative Bestrahlung (IORT)?

Bei einer IORT wird während der Operation gleichzeitig eine Bestrahlung durchgeführt. Der Vorteil der Therapie ist laut Brustkrebs-Experten, dass sich das Risiko für das erneute Auftreten eines Tumors vermindert.

Bestrahlung direkt im Operationsgebiet

Die intraoperative Strahlentherapie dauert nur eine halbe Stunde, heben die Ärzte hervor. Dabei werden insbesondere die Krebszellen zerstört, die eventuell nach der Tumorentfernung im Umfeld des Tumorherdes noch zurückgeblieben sind. Das habe auch den Vorteil, dass sich die nachfolgende Strahlentherapie verkürze. Voraussetzung ist allerdings, dass der Tumor maximal zwei Zentimeter groß, noch keine Metastasen gebildet hat und die betroffene Frau nicht viel älter als 60 Jahre ist.

In Studien hat sich gezeigt, dass die normale Rückfallrate bei solchen Tumoren im Frühstadium nach einer Operation zwischen 3% und 5% liegt. Nach einer IORT wurde nur bei 1,5% der Patientinnen erneut ein Tumor entdeckt. Ein weiterer Vorteil soll in der kurzen Reichweite der Geräte liegen, durch die die Bestrahlung erfolgt. Dadurch würde umliegendes Gewebe geschont.

Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen kann die Bestrahlung haben?

Leider hat auch die Strahlentherapie ihre Schattenseiten. Die Strahlung schadet nicht nur den Krebszellen, sondern kann auch andere, gesunde Organe und Gewebe in Mitleidenschaft ziehen. Durch immer präzisere Verfahren und Optimierung der erforderlichen Dosis versucht man zwar, Nebenwirkungen zu minimieren; ganz ausgeschlossen sind sie aber nicht.

Hautschäden und Lymphödem

Betroffen ist bei einer Bestrahlung von außen vor allem die Haut. Wenn der Tumor nicht direkt während der Operation bestrahlt wird, müssen die Strahlen zunächst die Haut durchdringen. Unmittelbare Hautreaktionen sind daher häufig. Manchmal können auch bleibende Hautschäden entstehen.

Wenn nicht nur die Brust selbst, sondern auch die Lymphknoten bestrahlt werden, kann es außerdem zu einem Lymphödem in der Brust oder im Arm kommen.

Mögliche Spätfolgen an Herz und Lunge

Durch die unmittelbare Nähe besteht außerdem grundsätzlich die Gefahr, dass auch Herz und Lunge Schaden nehmen. Während Hautreizungen und Rötungen oft unmittelbar nach einer Bestrahlung auftreten, sind die Folgen an inneren Organen in der Regel erst später zu beobachten.

Die Lunge etwa kann anfälliger für Entzündungen werden, auch ohne dass bestimmte Keime ihre Hand im Spiel haben. Wenn Anteile der Lunge vernarben, kann es sein, dass die Lungenfunktion eingeschränkt wird, dass Sie also nicht mehr voll durchatmen können und schneller aus der Puste geraten.

Am Herzen kann sich der umgebende Herzbeutel entzünden. Aber auch der Herzmuskel selbst, die Klappen, die versorgenden Gefäße und die elektrische Reizweiterleitung können beeinträchtigt werden.

Risiko für einen weiteren Tumor

Nicht zuletzt sind Zweittumoren zu nennen, die sich infolge der Bestrahlung bilden können. Denn die Strahlen haben ja genau die Aufgabe, Zellen gezielt zu schädigen. Auch wenn man die einzelnen Mechanismen bei der Bildung von Krebs noch nicht genau kennt, geht man davon aus, dass genau eine solche Schädigung und fehlerhafte Neuprogrammierung von Zellen ein wesentlicher Faktor ist.

Mehr zum Lymphödem und möglichen Hautschäden erfahren Sie im folgenden Schnellkurs. Außerdem haben wir Tipps für Sie, wie Sie Ihre Haut am besten schützen können.

Folgen der Bestrahlung: Hautschäden und Lymphödem

Welche Hautschäden können infolge der Bestrahlung auftreten?

Trotz modernster Geräte und Technik lässt sich die Haut nie ganz schonen. Daher ist sie auch am häufigsten von Nebenwirkungen betroffen. Dabei unterscheidet man kurz- und langfristige Strahlenfolgen.

Was sind kurzfristige Strahlenfolgen?

Akut kommt es häufig zu Rötungen und leichten Reizungen. Die Haut kann auch jucken, schmerzen und in schwerwiegenden Fällen sogar Blasen bilden. Sagen Sie Ihrem Arzt Bescheid, wenn Ihre Haut derart heftig reagiert.

Stetige Erneuerung der Haut

Nach der Bestrahlung, wenn die Haut nicht mehr dem ständigen Reiz ausgesetzt ist, erholt sie sich meist wieder. Die Regenerationsfähigkeit des größten menschlichen Organs ist enorm.

Ständig bilden sich vom Grund her neue Zellen, die entlang der einzelnen Hautschichten nach oben wandern und dabei stetig heranreifen, bis sie sich nach vollbrachter Arbeit lösen und als kleine Schuppen abfallen.

Kann die Bestrahlung auch zu dauerhaften Hautschäden führen?

Ja. Und zwar, wenn die Zellen zu stark geschädigt sind oder tiefe Hautschichten betroffen sind, in denen der Nachschub gebildet wird, kann es sein, dass das fleißige Organ mit der Reparatur nicht mehr nachkommt. Dann entstehen auch bleibende Schäden.

Was sind mögliche langfristige Folgen für die Haut?

Wenn sich die Haut umformt, kann sie derber und trockener werden. Nach außen hin können sichtbare Verfärbungen zurückbleiben, die sich entweder dunkler oder heller von der Umgebung abheben. Weiterhin...

... können feine Blutgefäße durch die ausgedünnte Hautoberfläche hindurch scheinen. In schweren Fällen können auch Narben zurückbleiben. Dann verliert die Haut ihre wichtige Schutzfunktion und wird anfälliger für äußere Reize und Infektionen.

Schützen Sie Ihre Haut!

Das bedeutet für Sie, dass Sie gut auf Ihre empfindliche Haut aufpassen müssen. Vor allem gegen die schädlichen UV-Strahlen kann sie sich nun nicht mehr wehren. Auf einen ausreichenden Sonnenschutz müssen Sie daher lebenslang achten.

Wie kann ich meine Haut pflegen?

Eine Basispflege ist grundsätzlich ratsam, auch vorbeugend, wenn Ihre Haut noch intakt ist. Verwenden Sie beim Waschen und Duschen ph-neutrale Seife oder Duschgel ohne Duftstoffe und halten Sie die Haut danach mit einer Pflegecreme (z.B. harnstoffhaltig) feucht und geschmeidig.

Noch ein paar Tipps

Vermeiden Sie heißes Wasser und lange Bäder, und verzichten Sie in der Zeit der Behandlung auf den Besuch von Schwimmbad und Sauna. Ihre Kleidung sollte leicht und locker sitzen und die Haut nicht zusätzlich reizen.

Beachten Sie außerdem:

Auch wenn Sie schon zwanzig Bestrahlungen ohne relevante Hautprobleme bekommen haben, kann sich die empfindliche Haut immer noch röten oder entzünden.

Was ist mit den Markierungen auf meiner Haut?

Auch bei intensiver Hautpflege: Entfernen Sie die Markierungen auf dem Bestrahlungsgebiet nicht. Sie sind wichtig für die genaue Planung und Steuerung der Behandlung.

Wenn Sie diese Ratschläge beherzigen, unterstützen Sie Ihre Haut bei der Bewältigung der Stresssituation durch die Bestrahlung erheblich und können schweren und längerfristigen Folgen vorbeugen.

Und wenn schon Hautschäden da sind?

Trotz aller Vorsicht kann die Haut durch die Bestrahlung geschädigt werden. Behandeln Sie sich nicht selber, sondern melden Sie das den Mitarbeitern im Bestrahlungszentrum, damit Sie mit speziellen Pflastern versorgt werden. Das schützt vor weiteren Schäden.

Was tun bei kleinen juckenden, schmerzenden Bläschen?

Sie entstehend oft während der Bestrahlungen und deuten auf hoch ansteckende Herpes-Viren hin, die Sie sofort melden müssen. Wird zu spät etwas unternommen, dauert die Behandlung bis zu sechs Wochen. Bei sofortiger Behandlung nur wenige Tage.

Wie kommt es durch die Strahlentherapie zum Lymphödem?

Die Bestrahlung erfolgt manchmal bis hin zur Achselhöhle erweitert werden. Hier hinein mündet der Lymphabfluss der Brust. Wenn er unterbrochen wird, kann das Gewebswasser nicht mehr ungehindert abfließen und staut sich. Die Folge:

Der betroffene Arm schwillt an, wird prall, schwer und schmerzt, was für die betroffenen Frauen sehr beeinträchtigend sein kann.

Wann entwickelt sich ein Lymphödem?

Im Gegensatz zu Hautreizungen, die unmittelbar nach der Bestrahlung auftreten können, zählt das Lymphödem zu den Spätfolgen der Behandlung, kann sich also auch erst eine ganze Weile nach der Operation bzw. Bestrahlung entwickeln.

Risiko geringer als nach der Operation

Ob es aber überhaupt dazu kommt, hängt neben individuellen Faktoren auch vom Ausmaß der Bestrahlung und der jeweiligen Strahlendosis ab. Je nach dem, wie weit sie ausgedehnt und intensiviert werden muss, steigt das Risiko an. Grundsätzlich ist es aber bei der Strahlentherapie weitaus geringer als bei der Operation.

Lymphödem: Was kann ich selbst tun?

Damit es nicht zu langfristigen Folgen und Schäden kommt, ist es wichtig, ein Lymphödem frühzeitig und umfassend zu behandeln. Daran können und sollten Sie auch selbst mitwirken. Und zwar so:

Freie Bahn für die Lymphe

Bei einem Lymphstau muss man dafür sorgen, dass die Lymphe wieder fließen kann. Das gelingt mit einer sogenannten Entstauungstherapie. Dabei wird von außen nachgeholfen, dass die zähe Flüssigkeit wieder aus dem Gewebe tritt und abfließt.

Und wie genau funktioniert das?

Mithilfe von Lymphdrainagen und Kompressionsbandagen. Auch Bewegungsübungen, die Ihnen der Physiotherapeut zeigen wird, helfen, der Gewebsflüssigkeit ihren Weg zu weisen.


Strahlentherapie ist besser als ihr Ruf

Gesunde Körperzellen können sich von der Bestrahlung zum Glück besser erholen als die anvisierten Krebszellen. Ganz entgehen können sie der Belastung aber nicht. Lunge und Herz z.B. sind allerdings recht stabile Kandidaten. Im Gegensatz zu anderen Geweben sind sie nicht sehr strahlenempfindlich, weil sich ihre Zellen recht langsam teilen.

Hinzu kommen moderne Geräte, eine ausgefeilte Technik und eine ganze Mannschaft aus Ärzten, Physikern und diversen Assistenten, die genau berechnen, welche Dosis in welchem Winkel auf welches Areal gezielt wird. So wird inzwischen sehr präzise fast nur der beabsichtigte Bereich erwischt.

Vergleichsweise schonende Therapie

Das alles macht die Strahlentherapie unter den Verfahren, die nach der Operation in Frage kommen, zum schonendsten und verträglichsten. Das Risiko für eine Entzündung der Lunge beispielsweise liegt unter 1%. Im Gegensatz zu älteren Studien zeigten neuere Erhebungen, die seit Einführung der modernen Geräte und Techniken erfolgten, außerdem kein erhöhtes Risiko mehr, an einer strahlenbedingten Schädigung des Herzens früher zu sterben. Zweittumore entwickeln sich innerhalb von 20 Jahren zwar durchschnittlich in etwa 1%; dabei geht jedoch wahrscheinlich nur ein Bruchteil auf das Konto der Strahlentherapie.

Raucher im Nachteil

Eine bestimmte Gruppe betroffener Frauen hat allerdings tatsächlich ein erhöhtes Risiko für einen weiteren Krebs, und zwar an der Lunge: Raucherinnen. Bei ihnen setzt die Strahlentherapie der Lunge zusätzlich zu. Die gute Nachricht: Wer vor der Behandlung damit aufhört, kann das Risiko wiederum deutlich reduzieren.

Autoren: 

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand August 2019. Online unter www.leitlinienprogramm-onkologie.de (Zugriff am 04.11.2019).
  • Deutsche Krebsgesellschaft, Onko Internetportal, Brustkrebs: Basis-Infos für Patientinnen und Angehörige. Online unter www.krebsgesellschaft.de (Zugriff am 04.11.2019).

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