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Brustkrebs: Wie kann ich die Heilung unterstützen?

Was kann ich tun, um die Rückfall-Gefahr zu verringern? Darf ich mit Brustkrebs Sport treiben? Wie soll ich mich am besten ernähren? Im folgenden Beitrag erfahren Sie, wie Sie mit der Krebserkrankung im Alltag zurechtkommen und die Heilung unterstützen können.

Sport und Bewegung

Was bringt Sport bei Brustkrebs?

Eine ganze Menge. Gerade beim Brustkrebs weisen zahlreiche Studien die positiven Aspekte von Sport dezidiert nach. Das Allgemeinbefinden bessert sich, Nebenwirkungen lassen nach, und sogar der Tumor selbst könnte mit körperlicher Aktivität kleingehalten werden.

Wer einmal angefangen hat, kennt es: Regelmäßige Bewegung macht fitter, ausgeglichener und gut gelaunt. Aber auch schon leichtere Belastungen im Alltag und in der Freizeit wirken sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden aus.

Schonung bringt nichts

Aber gilt das alles auch, wenn man krank ist und die Diagnose Brustkrebs erhalten hat? Natürlich kann eine Erkrankung den Körper schwächen und die Leistungsfähigkeit einschränken. Allerdings gerade dann ist körperliche Aktivität geboten, um dem entgegenzuwirken und den Teufelskreis zu durchbrechen.

Warum das so ist, wollen wir Ihnen im Folgenden erläutern. Zumindest, was man bis heute weiß und vermutet. Denn noch sind die genauen Effekte von Sport auf diverse Krebserkrankungen nicht abschließend erforscht.

Schnellkurs: Sport stärkt Körper und Geist

Welche Wirkungen von Sport sind nachgewiesen?

  • Senkung der Rezidivrate und der Mortalität
  • verbesserte Wirksamkeit/Ansprechen der Therapie
  • Linderung bzw. Vermeidung von Nebenwirkungen

Zur Erläuterung:

Der erste Punkt meint, dass körperliche Aktivität und Fitness dazu beitragen können, den Tumor unter Kontrolle zu halten, damit er nach der Behandlung möglichst nicht wiederkehrt. Folglich sinkt längerfristig auch die Mortalität, d.h. die Wahrscheinlichkeit, am Brustkrebs frühzeitig zu versterben.

Sport gegen Krebszellen

Das geht wohl auf die zahlreichen indirekten positiven Wirkungen von Sport zurück. Forscher diskutieren inzwischen aber, ob die Krebszellen dadurch sogar direkt bekämpft werden. Damit ersetzt verstärkte Bewegung zwar nicht die Behandlung, könnte aber ein wichtiger therapeutischer Baustein sein.

Antientzündliche Wirkung

Wie genau es dazu kommt, darüber rätseln Wissenschaftler noch. Vermutlich wirken die Reduktion des Körperfettgehalts sowie die gezielte Stimulierung von Abwehrzellen antientzündlich. Und entzündliche Reaktionen gelten als mitverantwortlich bei der Entstehung und dem weiteren Verlauf von Krebs.

Bei Tumorerkrankungen wie Brustkrebs, die zum Teil hormonabhängig wachsen, könnte außerdem die Beeinflussung mancher Stoffwechselwege eine Rolle spielen.

Therapie effektiver und besser verträglich

Durch Sport wird auch die Behandlung insgesamt besser vertragen, und der Körper spricht sensibler darauf an. Denn zahlreiche Prozesse werden im Körper in Gang gesetzt, Botenstoffe ausgesendet und die Immunabwehr gestärkt.

Und das wiederum könnte sich positiv auf die Erkrankung selbst auswirken und den Körper dabei unterstützen, sich gegen den Krebs zur Wehr zu setzen und Nebenwirkungen der Krebstherapie besser zu vertragen.

Gegen welche Nebenwirkungen hilft Sport?

Zu einigen Therapienebenwirkungen gibt es bei Brustkrebs bereits aussagekräftige Studien, die den Effekt von körperlichem Training nahelegen und zum Teil sogar nachweisen. Folgende Beschwerden zählen dazu:

Sport hilft auch bei:

  • Kachexie (starker Gewichts- und Kraftverlust)
  • Osteoporose (Knochenbrüchigkeit)
  • Schlafstörungen

Mehr Lebensqualität

Darüber hinaus gibt es diverse Untersuchungen zur Verbesserung der Lebensqualität und der allgemeinen Befindlichkeit. Soweit man Wohlbefinden in Zahlen messen kann, steigt es bei körperlich Aktiven um knapp 50% an verglichen mit Betroffenen, die während und nach der Krebsbehandlung keinen Sport treiben.

Dazu tragen nicht nur die Glückshormone ihren Teil bei, sondern auch ganz basale Effekte wie eine gewisse Strukturierung des Alltags, ein verbessertes Körperempfinden und das Gefühl, dem Krebs auf eigene Faust die Stirn zu bieten.

Gesellschaft und neue Freunde

Auch der soziale Aspekt vieler Sportarten ist nicht zu vernachlässigen. Sport kann sehr gesellig sein und neue Kontakte ermöglichen. Weiterhin aktiv am Leben teilzunehmen und sich auszutauschen ist wichtig, statt sich im einsamen Kämmerlein mit der Erkrankung zurückzuziehen.

Wann, wie viel und welcher Sport ist der richtige?

Wann soll ich aktiv werden?

Beginnen können Sie jederzeit. Wenn Sie sich schon vor der Diagnose gerne sportlich bewegt haben, machen Sie unbeirrt weiter. Natürlich abhängig von Ihrer Leistungsfähigkeit, der momentanen Behandlung und immer in Absprache mit Ihrem Arzt.

Wenn Sie bisher eher keine Sportskanone waren, ist die Erkrankung vielleicht ein Anlass, es einfach mal mit etwas mehr Bewegung zu probieren.

Es muss kein Marathon sein

Dabei ist mit Sport nicht unbedingt Leistungstriathlon gemeint. Schon die Bewegung im Alltag, der Gang zur Arbeit, das tägliche Treppensteigen und die Hausarbeit zählen als körperliche Aktivität und wirken sich positiv aus.

Der Krebs in Ihrer Brust ist also kein Grund, von jetzt an den Aufzug zu nehmen und mit dem Auto von Haustür zu Haustür zu fahren – ganz im Gegenteil.

Wieviel Sport soll ich machen?

Als Richtwert sollten Sie sich in der Woche mindestens zweieinhalb Stunden leicht belasten oder 75 Minuten richtig ins Schwitzen kommen. Das entspricht im Übrigen genau den Empfehlungen für gesunde Menschen.

Welcher Sport ist der richtige für mich?

Wie Sie sich körperlich belasten, ob mit Ausdauer oder eher mit Krafttraining, ist abhängig von Ihrer Vorliebe und Ihrer individuellen Situation. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich fit zu halten. Auch Sie finden das Passende für sich.

Wenn Sie z.B. ganz gezielt bestimmte Nebenwirkungen bekämpfen möchten, können jeweils unterschiedliche Programme sinnvoll sein. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten beraten.

Wann soll ich keinen Sport machen?

Es gibt nur wenige Situationen, in denen Sie sich tatsächlich zumindest eine Zeit lang zurückhalten sollten. Das können akute Infekte mit Fieber oder auch Therapiefolgen wie Veränderungen des Blutbildes sein. Auch direkt am Tag der Behandlung, wenn Sie z.B. eine Chemotherapie erhalten, sollten Sie pausieren.

Ansonsten gibt es für Krebserkrankte im Grunde keine Einschränkungen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie ein passendes Trainingsprogramm für Sie aussehen könnte.

Training für die Knochen

Bestehende Knochenmetastasen, die die Stabilität des Skeletts gefährden, schränken das Sportprogramm zumindest ein. Besteht allerdings keine akute Frakturgefahr, ist Bewegung wiederum sogar nützlich.

Je mehr Sie Ihren Bewegungsapparat beanspruchen, umso mehr stärken und wappnen Sie ihn vor den eindringenden Krebszellen.

Auch eine drohende Osteoporose (Knochenbrüchigkeit) als Nebenwirkung von Medikamenten lässt sich mit körperlicher Aktivität abfangen.

Fazit:

Brustkrebs ist beileibe kein Grund, die Füße hochzulegen. Es zählt, was Ihnen entgegenkommt und Ihren Vorlieben entspricht. Denn bei allen förderlichen Aspekten von Sport sollte auch eines nicht fehlen: die Freude an dem Ganzen.


Ernährung

Brustkrebs: Was gibt es bei der Ernährung zu beachten?

Die Ernährung hat vermutlich nicht nur großen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko, sondern auch darauf, wie der Krebs verläuft. Auch wenn sich nicht jedem Nahrungsmittel im Einzelnen eine bestimmte Wirkung zuschreiben lässt, kann man doch einige Empfehlungen aussprechen.

Während bestimmte Lebensmittel (wie Zucker, Fleisch und Alkohol) im Verdacht stehen, den Verlauf der Erkrankung negativ zu beeinflussen, gibt es einige, die genau das Gegenteil bewirken sollen.

Langen Sie zu bei Gemüse und Obst!

Was die Ernährungsempfehlungen bei Brustkrebs angeht, sind sich Wissenschaftler und Mediziner einig: Eine ausgewogene Vollwertkost, mit vielen pflanzliche Lebensmitteln, ist während der Krebstherapie und darüber hinaus am besten geeignet. Denn sie ist nicht nur reich an Ballaststoffen, sondern auch an sehr gesunden sekundären Pflanzenstoffe. Zudem spielen die Energiebilanz und das Körpergewicht eine wichtige Rolle.

Brustkrebs: Wie ernähre ich mich richtig?

Täglich Obst und Gemüse

Ernähren Sie sich abwechslungsreich und ausgewogen, um Ihren Energie- und Nährstoffbedarf zu decken. Vollkornprodukte, Gemüse, Salat und Obst sollten täglich auf Ihrem Speiseplan stehen.

Am besten orientieren Sie sich an dem Grundsatz "5 am Tag" (= 5 Portionen Gemüse und 3 Portionen Obst täglich), der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen wird.

Außerdem: Bevorzugen Sie saisonales Gemüse und Obst. So bringen Sie automatisch viel Abwechslung in Ihren Speiseplan und stellen sicher, dass Sie die ganze Bandbreite an sekundären Pflanzenstoffen zu sich nehmen.

Lebensmittel, die besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, sind:

  • Leinsamen
  • Kartoffeln
  • Hülsenfrüchte
  • Vollkornprodukte
  • fermentierte Lebensmittel (z.B. Sauerkraut)
  • Sojaprodukte wie Sojamilch, Tofu, Sojasprossen oder Sojasoße

Essen Sie mehr Protein!

Bei einer Tumorerkrankung ist der Eiweißbedarf (Protein) erhöht. Daher sollten Sie mehr eiweißreiche Lebensmittel wie Milchprodukte, Käse, Fisch – auch zwischendurch – zu sich nehmen.

Meiden Sie Zucker und Fleisch

Schränken Sie Ihren Zucker- und Fleischkonsum dagegen ein. Einige Studien haben gezeigt, dass ein hoher Verzehr von Zucker und Fleisch mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht werden kann.

Fleisch sollte daher nicht öfter als dreimal pro Woche auf dem Speiseplan stehen und Süßes nur in Maßen (täglich nicht mehr als eine Handvoll) gegessen werden.

Studien legen außerdem nahe, dass Omega-3-Fettsäuren das Wachstum von Brustkrebszellen hemmen und ihre Zerstörung fördern können.

Viele Omega-3-Fettsäuren befinden sich in:

  • fettreichem Seefisch (z.B. Lachs, Sardellen, Hering, Makrele und Thunfisch)
  • Leinsamen
  • Lein- und Rapsöl

Über- und Untergewicht ausgleichen

Während der Krebstherapie leiden viele Frauen unter Gewichtsverlust. Bei starker Gewichtsabnahme sollten Sie sich fett- und eiweißreich ernähren. Das heißt, bevorzugen Sie Milchprodukte und Käse mit hohem Fettgehalt, z.B. Butter, Sahne und Creme fraîche.

Einige Frauen mit Brustkrebs hingegen nehmen während der Therapie an Gewicht zu. Bei starker Gewichtszunahme oder Übergewicht ist es wichtig, das Körpergewicht mit einer entsprechenden Diät, die individuell abgestimmt ist, und ausreichend Bewegung zu reduzieren.

Vitaminpräparate unnötig

Eine Brustkrebserkrankung verändert zwar den gesamten Stoffwechsel im Körper und auch den Vitaminbedarf. Durch eine gesunde Ernährung, die reichlich pflanzliche Lebensmittel beinhaltet, ist es allerdings problemlos möglich, dass Sie Ihren Bedarf an Vitaminen decken.

Chemotherapie: Vorsicht mit Vitaminen!

In hohen Dosierungen können Vitaminpräparate sogar giftig wirken. Zudem können Antioxidantien wie Vitamin C, E oder Betakarotin die Wirkung einer Chemotherapie herabsetzen.

Trinken nicht vergessen!

Nehmen Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich, vor allem, wenn Sie aufgrund von Erbrechen oder Durchfall viel Wasser und Salze verlieren.

Fazit:

Eine allgemeingültige Ernährungsempfehlung gibt es nicht. Die Ernährungstherapie bei Brustkrebs muss immer an die individuellen Bedürfnisse und die jeweilige Situation (Stadium der Brustkrebserkrankung, Art der Behandlung, Auftreten von Nebenwirkungen usw.) angepasst werden.


Gewicht, Rauchen und Alkohol

Vermeidbare Risiken

Nach einer überstandenen Brustkrebserkrankung sollten Sie möglichst nicht rauchen, wenig Alkohol trinken und Übergewicht vermeiden. Denn alle drei Faktoren erhöhen das Risiko eines Rückfalls. Das haben amerikanische und dänische Studien ergeben.

Risikofaktoren: Neues aus der Wissenschaft

Schlank sein zahlt sich aus

Übergewicht erhöhte die Gefahr um 50%, einen Rückfall zu erleiden oder ein zweites Karzinom zu entwickeln. Das ist das Ergebnis einer amerikanischen Studie an 1000 Frauen mit Brustkrebs in der Vorgeschichte. Eine Gewichtsabnahme lohnt sich im Zweifel also nicht nur wegen der Figur.

Alkohol nur in Maßen

Und auch ein Verzicht auf zu viel Alkohol ist sinnvoll. Bei Frauen, die pro Tag mindestens ein alkoholisches Getränk zu sich nehmen, nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Zweittumors um 90% zu!

Übergewicht und Alkohol steigern Östrogen

Und warum? Sowohl die überschüssigen Pfunde als auch der Alkohol steigern bis zum Abschluss der Wechseljahre die Östrogenwerte im Blut. Und Östrogen kann förderlich auf das Wachstum von Brustkrebszellen wirken.

Rauchen der größte Risikofaktor

Rauchen ist sogar noch gefährlicher. Die Gefahr eines Rückfalls ist bei Raucherinnen um 120% höher. Verantwortlich sind hier die direkten krebsfördernden Inhaltsstoffe.

Wissenschaftler aus Boston bestätigen das:

Sie überprüften die Daten von knapp 2.000 Frauen mit Brustkrebs und stellten fest, dass Übergewicht zum Zeitpunkt der erstmaligen Brustkrebs-Diagnose das Risiko für eine Wiederkehr des Tumors erhöhte. Auch die rückfallfreie Zeit und das Überleben waren bei den schlankeren Frauen länger.

Eine dänische Studie kommt zu ähnlichen Ergebnissen:

Bei stark übergewichtigen Studienteilnehmerinnen (Body Mass Index über 30) war das Risiko, dass der Krebs zurückkehrt, dass sich also Metastasen bilden, um fast 50% höher als bei den schlanken Frauen.

Erhöhte Sterberate

Die Wahrscheinlichkeit, an der Erkrankung zu sterben, war um 38% erhöht. Dieser Zusammenhang bestand unabhängig davon, ob eine Chemotherapie oder Hormontherapie angewendet worden war.


Besonderheiten in den Wechseljahren

Welche Herausforderungen kommen auf mich zu?

Viele Frauen mit Brustkrebs haben nicht nur unter der Diagnose und der Behandlung zu leiden, sondern kommen auch früher in den Wechseljahre, bzw. sind gerade mittendrin. Eine zusätzliche körperliche, aber auch seelische Belastung.

Vor allem Hitzewallungen und Beschwerden im Urogenitalbereich machen vielen Betroffenen zu schaffen. Scheidentrockenheit zum Beispiel kann zu Schmerzen beim Geschlechtsakt führen und das Sexualleben erheblich beeinträchtigen. Manche Chemotherapien führen zusätzlich zu Schlafstörungen und depressiver Stimmung.

Doppelte Belastung

Auch wenn sich die Wechseljahresbeschwerden nach Brustkrebs im Grunde nicht von denen gesunder Frauen unterscheiden, leiden die Betroffenen doch oft stärker darunter. Sie haben bereits eine schwere Zeit mit Angst, Unsicherheit und möglicherweise stark belastenden Therapien hinter sich. Setzen anschließend auch die Wechseljahre noch früher ein als erwartet, ist das für viele ein zusätzlicher Schlag, der als weitere Verletzung der Weiblichkeit empfunden wird.

Hormonersatz besser meiden

Eine klassische Hormonersatztherapie ist für Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, weniger geeignet und birgt Risiken. Es gibt aber durchaus Alternativen. Sei es in Form anderer Medikamente oder von pflanzlichen Hormonen (Phytoöstrogene). Letztere sollen sogar vor einem Wiederauftreten der Brustkrebserkrankung schützen.

Brustkrebs: Ohne Hormonersatztherapie durch die Wechseljahre

Was ist die Gefahr einer Hormonersatztherapie nach Brustkrebs?

Die Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden können das Wachstum bestimmter Brustkrebsarten fördern. Es besteht die Gefahr, dass eine möglicherweise vorhandene, bislang nicht entdeckte Tochtergeschwulst (Metastase) zum Wachstum angeregt wird.

Vorsicht mit Östrogensalben

Auch mit Östrogensalben, die direkt auf die Vaginalschleimhaut aufgetragen werden, ist Zurückhaltung geboten, da sie auch in den Blutkreislauf und damit vom gesamten Körper aufgenommen werden könnten.

Was soll ich bei sehr starken Wechseljahresbeschwerden tun?

Ist die Lebensqualität enorm beeinträchtigt, wenn also zum Beispiel Schweißausbrüche und Hitzewallungen nahezu unerträglich sind, kann man eine Hormontherapie über einige Monate aber durchaus erwägen.

Generell gilt: wenn irgend möglich, lieber darauf verzichten. Sprechen Sie in jedem Fall auch mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt darüber.

Es geht auch ohne Hormone

Eine mögliche Alternative zur Hormonersatztherapie bieten Medikamente, die ursprünglich aus der Psychiatrie stammen und daher bei vielen Frauen zunächst auf Skepsis und Ablehnung stoßen:

Antidepressiva

Sie verbessern nicht nur die Stimmung, sondern können auch Hitzewallungen mitunter effektiv entgegenwirken. Der antidepressive Aspekt steht hier also gar nicht im Vordergrund, kann aber gleichwohl ebenfalls sinnvoll sein und den Betroffenen helfen, die Beschwerden leichter zu ertragen.

Was hilft bei Scheidentrockenheit?

Eine Lasertherapie kann sinnvoll sein. Die Schleimhaut wird angeregt und die Durchblutung gebessert. Die Behandlung hat keine Nebenwirkungen, ist aber recht kostspielig. Außerdem stehen noch weitere Studien aus, wenngleich das Verfahren bereits erfolgreich angewendet wird. Besprechen Sie diese Option am besten mit Ihrem Arzt.

Sport, Yoga und Co.

Was sowohl gesunden als auch an Brustkrebs erkrankten Frauen hilft, sind einfache allgemeine Maßnahmen. Dazu gehören Bewegung, frische Luft und gesunde Ernährung, Stressreduktion und Entspannung.

Manch einer Betroffenen hilft Yoga, andere haben mit Hypnose gute Erfahrungen gemacht. Außerdem empfiehlt es sich bei Hitzewallungen, sich leicht und locker zu bekleiden und die Raumtemperatur entsprechend anzupassen.

Phytoöstrogene im Kampf gegen Brustkrebs

Die Inhaltsstoffe von Pflanzen können krebshemmende Eigenschaften entfalten. Das haben jedenfalls Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) nachgewiesen. Die Phytoöstrogene sollen bei Brustkrebs das Sterberisiko sowie das Risiko für Metastasen oder einen Folgetumor um bis zu 40% verringern.

Was sind Phytoöstrogene?

Phytoöstrogene sind pflanzliche Stoffe, die Ähnlichkeiten mit den menschlichen Hormonen aufweisen. Deshalb können sie in unserem Körper verarbeitet und zu Enterolakton umgewandelt werden. Und Enterolakton ist anscheinend in der Lage, das Wachstum von Brustkrebszellen zu hemmen.

Laut der Studie hatten Frauen mit einem hohen Enterolakton-Spiegel ein wesentlich geringeres Sterberisiko als die Frauen mit dem niedrigsten Enterolakton-Spiegel. Das galt genauso für das Auftreten von Metastasen und Zweittumoren.

Die Skandinavier leben es uns vor

Dass Ballaststoffe und Phytoöstrogene eine krebshemmende Wirkungen entfalten, ist schon seit spätestens 1997 bekannt. Im sogenannten NordFood-Programm hatten Wissenschaftler den Grund dafür gesucht, dass die Bewohnerinnen der skandinavischen Länder seltener an Brust- und Darmkrebs erkranken.

Viel Vollkorn und Gemüse

Dabei wurde als eine der Ursachen ermittelt, dass Skandinavier viel mehr Getreideballaststoffe zu sich nehmen. Aber gerade in der Schale des Vollkornroggens befinden sich hohe Anteile von Lignanen, die zu den Phytoöstrogenen gehören.

Eine Kost reich an Vollkornprodukten, Salaten und Gemüse ist genau das Richtige, um sich mit den wertvollen Pflanzenstoffen zu versorgen. Zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel sind keinesfalls nötig.


Leben mit der Erkrankung

Brustkrebs: Wie gehe ich mit sexuellen Problemen um?

Viele Frauen haben nach einer Brustkrebserkrankung ein verändertes Körperempfinden und tun sich schwer mit ihrer Sexualität. Das kann auch die Partnerschaft auf eine harte Probe stellen.

Eine Herausforderung für Selbstbewusstsein und Beziehung

Erschütterung der Weiblichkeit

Die Diagnose Krebs ist für jeden Betroffenen ein einschneidendes Ereignis. Plötzlich verändert sich das gesamte Leben. Angst, Wut und Verzweiflung kommen auf, aber auch Fragen nach der Zukunft. Bis die ganze Tragweite der Erkrankung erfasst wird, dauert es meist eine Weile.

Bei Brustkrebs kommt hinzu, dass er einen sehr sensiblen Bereich betrifft und eine Frau unmittelbar in ihrer weiblichen Identität anrührt. Die Brust ist nicht nur ein nach außen hin sichtbares Geschlechtsmerkmal und Ausdruck der Weiblichkeit. Sie gehört auch zur engsten Intimsphäre einer Frau, die in der Regel nur mit dem Partner geteilt wird.

Bleibende Spuren der Behandlung

Zur Behandlung von Brustkrebs gehört in den allermeisten Fällen eine Operation, die Spuren hinterlässt. Narben bleiben zurück, Haut und Gewebe verändern sich, und ein Implantat kann als Fremdkörper wahrgenommen werden. Auch die Empfindsamkeit kann gestört sein, Berührungen werden anders wahrgenommen.

Hinzu kommen Folgen der innerlichen Behandlung mit Medikamenten. Eine Chemotherapie verändert oft das äußere Erscheinungsbild. Die Haare fallen aus, die Haut wird blass. Sie schlaucht den Körper außerdem, macht müde und antriebslos.

Auch sexuelle Lust und Erregung können dementsprechend eingeschränkt sein. Nicht zuletzt kann die Behandlung die Keimdrüsen schädigen und die Fertilität beeinträchtigen.

Das Selbstbewusstsein ist angegriffen

All das rüttelt am eigenen Körperbild und Selbstwertgefühl. Manche Frauen empfinden sich nicht mehr als attraktiv, fühlen sich in ihrer Weiblichkeit beschnitten, spüren vielleicht sogar Scham anderen gegenüber.

Schwierig für die Beziehung

Eine Partnerschaft kann in dieser Zeit eine große Stütze sein, aber auch zusätzliche Fragen und Sorgen aufwerfen: Was, wenn mein Freund bzw. Mann mich nicht mehr anziehend findet? Wie sieht es mit der weiteren Familienplanung aus? Können und sollten wir überhaupt noch Kinder bekommen?

Versuchen Sie es mit Offenheit

Es ist wichtig, dass Sie sich diesen Fragen stellen und sie offen mit Ihrem Partner besprechen. Das gelingt oft nur mit Unterstützung von außen. Grundsätzlich gehört das Thema Sexualität zu einer umfassenden Betreuung von Frauen mit Brustkrebs – und deren Partnern – selbstverständlich dazu.

Aber wie es mit intimen und tabuisierten Bereichen so ist, fällt es auch manchen Ärzten und Therapeuten nicht leicht, die entsprechenden Fragen direkt zu stellen. Dabei fühlen sich die meisten Betroffenen deutlich entlastet, wenn sie auf Probleme ihrer Sexualität angesprochen werden.

Sexualität und Zärtlichkeit trotz Brustkrebs

Der Dammbruch hilft vielen dabei, sich manche Probleme überhaupt erst einzugestehen und gemeinsam mit dem Partner an der Bewältigung zu arbeiten. Denn es gibt Möglichkeiten, sein Selbst- und Körperbild zu revidieren und als Paar neu zueinanderzufinden.

Sexuelles Empfinden und Erotik können verändert sein, lassen sich aber auf anderen Wegen erleben. Vielleicht werden Zärtlichkeiten und kleine Aufmerksamkeiten wichtiger. Das kann auch die gegenseitige Sensibilität und Achtsamkeit stärken.

Den Partner nicht ausschließen

Wer dagegen in einer veränderten Wahrnehmung und Bewertung des eigenen Körpers verhaftet bleibt, tendiert dazu, sich zurückzuziehen, Nähe und Austausch zu vermeiden. Das macht es auch für den Partner nicht leicht, mit der Situation umzugehen.

Er fühlt sich hilflos, möchte nichts Falsches sagen oder tun, um Sie nicht noch mehr zu belasten. Das kann in ein gegenseitiges Rückzugs- und Vermeidungsverhalten münden, das Sie zunehmend einander entfremdet.

Holen Sie sich Unterstützung!

Wenn Sie zu Ihrem Arzt Vertrauen gefasst haben, scheuen Sie sich nicht, Ihre Probleme anzusprechen, sofern er nicht von sich aus die Initiative ergreift. Er kann Ihnen entsprechende Hilfen anbieten. Wenn Sie psychoonkologisch betreut werden, kann auch der Therapeut ein wichtiger Ansprechpartner sein.


Quellen:

  • Journal of Clinical Oncology, Fred Hutchinson Cancer Research Center
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand August 2019. Online unter www.leitlinienprogramm-onkologie.de (Zugriff am 04.11.2019).
  • Deutsche Krebsgesellschaft, Onko Internetportal, Brustkrebs: Basis-Infos für Patientinnen und Angehörige. Online unter www.krebsgesellschaft.de (Zugriff am 04.11.2019).
  • Journal of Clinical Oncology, Fred Hutchinson Cancer Research Center.
  • Journal of Clinical Oncology, January 1, 2011, Vol. 29 no.1 25-31, DGIM


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