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Brustkrebs: Prognose und Heilungschancen

Wie ist meine Prognose? Wie stehen die Chancen bei Brustkrebs im Stadium I, II oder III? Was, wenn der Tumor schon gestreut hat? Im folgenden Beitrag finden Sie Fragen und Antworten zu Prognose und Heilungschancen bei Brustkrebs.

Brustkrebs: Was beeinflusst meine Prognose?

"Bei mir ist ein Brustkrebs festgestellt worden, und ich höre überall, dass man Brustkrebs heilen kann, aber nicht immer. Wovon hängt es ab, wie die Erkrankung verläuft?"

Wie sich ein Brustkrebs entwickelt, ob er fortschreitet oder ob er geheilt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Einer der wichtigsten Faktoren ist, wie früh der Tumor erkannt und behandelt wurde.

Prognosefaktor Tumoreigenschaften

Aber auch andere Faktoren haben eine Bedeutung für die Prognose. Kurz zusammengefasst sind das:

  • die Größe des Tumors in der Brust: je kleiner der Tumor, desto besser die Prognose
  • die Lymphknotensituation in der Achselhöhle und in der Umgebung der betroffenen Brust: je weniger befallene Lymphknoten, desto besser die Prognose
  • die Metastasen: keine Metastasen bedeutet gute Prognose
  • die Operation des Tumors und da die Feststellungen, ob die Ränder des herausoperierten Gewebes tumorfrei sind und wie groß dabei der Sicherheitsabstand von gesundem zu erkranktem Gewebe ist
  • der Hormon-Rezeptorstatus (d. h. der Progesteron- und Östrogen-Rezeptor): wenn der Rezeptorstatus positiv ist, dann ist die Prognose besser
  • der HER2-Rezeptorstatus: Wenn der Rezeptorstatus positiv ist, gilt der Krebs auf der einen Seite eigentlich als besonders aggressiv; auf der anderen Seite kann er aber mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden, was die Prognose wiederum verbessert.
  • generell der Gewebetyp, besonders aber die Differenzierung des Gewebes: je differenzierter das Gewebe (d. h. je ähnlicher es dem Ausgangsgewebe ist), desto besser ist die Prognose
  • die Wachstumsgeschwindigkeit (ablesbar am sogenannten Proliferations-Index Ki67): je langsamer die Wachstumsgeschwindigkeit, desto besser ist die Prognose
  • die Konzentration von uPA (Urokinase-Typ Plasminogen Aktivator) und PAI-1 (Plasminogen Aktivator Inhibitor-1) im Tumorgewebe (Femtelle® Test): niedrige Konzentration bedeutet niedrigeres Rückfallrisiko nach Erstbehandlung und gute Prognose
  • und last but not least: das Alter

Prognosefaktoren Diagnostik, Therapie, Lebensstil

Aber auch die Therapien haben eine entscheidende Bedeutung dafür, ob geheilt oder nur gebessert werden kann. Gerade die neuen Therapien haben die Prognose entscheidend verbessert.

Während in Deutschland bis in die 1980er Jahre eine deutliche Zunahme der Erkrankungshäufigkeit für Brustkrebs zu verzeichnen war, sinkt seitdem nicht nur die Erkrankungshäufigkeit, sondern auch die Sterblichkeit an Brustkrebs. Zurückgeführt wird das auf die konsequente Früherkennung und die zunehmend erfolgreichen neuen Therapiemöglichkeiten.

Einen positiven Einfluss auf die Prognose haben sicher auch die immer besser werdenden diagnostischen Methoden. Aber auch der ganz persönliche Lebensstil wie Bewegung und Sport, Ernährung, Gewicht, Psyche usw. haben Einfluss auf die Prognose.

Genaue Prognose im Einzelfall: schwierig

An der Vielzahl der Faktoren, die für die Prognose wichtig sind, kann man schon erkennen, dass eine Sache extrem schwierig ist: die exakte Voraussage einer Prognose im Einzelfall. Was aber gesagt werden kann, ist, in welche Richtung die Reise gehen wird.

Wie hoch ist bei Brustkrebs die Fünf-Jahres-Überlebensrate?

Betrachtet man alle Frauen, die an Brustkrebs erkranken, unabhängig vom Alter und Erkrankungsstadium zusammen, leben fünf Jahre nach der Diagnosestellung noch rund 85% aller betroffenen Frauen. Diesen Wert nennt man die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate.

 

Wir wissen, dass Sie diese Frage haben, deswegen geben wir hier die Antwort. Allerdings ist die mit Vorsicht zu genießen. Denn natürlich hängt die Prognose ganz entscheidend davon ab, in welchem Stadium sich der Tumor befindet. Immerhin zeigt der Wert aber, dass Brustkrebs nicht automatisch bedeutet, dass man nun auf jeden Fall bald stirbt. Im Gegenteil: Viele Frauen sterben überhaupt nicht an ihrem Brustkrebs.

Was beeinflusst die Prognose?

Wichtige Faktoren, die die Heilungsraten und Überlebenschancen beeinflussen, sind u.a.:

  • Größe des Tumors
  • Ausbreitung des Tumors (z.B. auf Brustdrüse beschränkt oder in Haut und Muskelgewebe übergehend)
  • Zelltyp
    • es gibt zum Beispiel hormonsensitive Tumorzellen und welche, die nicht auf Hormone ansprechen
    • außerdem gibt es Tumorzellen mit bestimmten Biomarkern, die auf mehr oder weniger Aggressivität hinweisen (und zugleich bestimmte Therapieformen wie mit Antikörpern nahelegen)
  • Befall der benachbarten Lymphknoten (wenn ja, wie viele?)
  • Fernmetastasen

Die gute Nachricht: Insgesamt haben sich die Überlebensraten in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert.

Was bedeutet die Fünf-Jahres-Überlebensrate für mich?

"Immer wieder hört man von der Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Krebs-Erkrankungen, und genauso oft hört man davon, dass diese Rate für den Betroffenen keine Bedeutung hat. Was stimmt denn nun?"

Es ist tatsächlich so, dass die Fünf-Jahres-Überlebensrate für Sie persönlich kaum eine Bedeutung hat. Sie ist eher etwas für Statistiker und Gesundheitspolitiker. Wobei es neben der bekannten (einfachen) Fünf-Jahres-Überlebensrate auch noch etwas unterschiedliche Formen gibt.

Die einfache (absolute) Fünf-Jahres-Überlebensrate

Die einfache (oder auch absolute) Fünf-Jahres-Überlebensrate wird in Prozent angegeben. Hier wird statistisch erfasst, wie viele Patienten fünf Jahre ab Zeitpunkt der Diagnosestellung noch leben. Liegt die Rate bei 0%, bedeutet das nichts anderes, als dass kein Patient die fünf Jahre überlebt hat. Liegt sie bei 100%, heißt das, dass nach fünf Jahren noch alle leben.

Wie unterschiedlich die Fünf-Jahres-Überlebensraten für einzelne Krebserkrankungen sein können, belegen zwei Beispiele: Die Fünf-Jahres-Überlebensrate für den Bauchspeicheldrüsen-Krebs liegt bei unter 10%, die für den Prostata-Krebs bei über 90%.

Die Fünf-Jahres-Überlebensrate sagt aber nichts über den individuellen Verlauf. Herr Müller kann mit seinem Prostata-Krebs trotz einer extrem guten Fünf-Jahres-Überlebensrate nach zwei Jahren tot sein und Frau Meier mit ihrem Bauchspeicheldrüsen-Krebs trotz extrem schlechter Fünf-Jahres-Überlebensrate nach 20 Jahren noch leben.

Für einige Krebsarten, bei denen die Fünf-Jahres-Überlebensrate sehr hoch ist (wie z.B. beim Brustkrebs), gibt es daneben auch noch die Zehn-Jahres-Überlebensrate. Hier wird nach zehn Jahren gemessen, wie viele Betroffene noch leben.

Weitere Überlebenszahlen

Neben der einfachen, absoluten Fünf-Jahres-Überlebensrate als bekanntester Maßzahl gibt es auch noch einige etwas abweichende Zahlen: die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate und die Mittlere Überlebenszeit.

Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate setzt im Gegensatz zur absoluten die Zahl der Überlebenden in Beziehung zu Personen gleichen Alters und gleichen Geschlechts aus der Allgemeinbevölkerung, die nicht an der betreffenden Krebsart erkrankt sind.

Ein Beispiel: In der Gruppe der 60jährigen Männer ohne Krebserkrankung sterben und überleben jeweils eine bestimmte Anzahl von Personen in den nächsten fünf Jahren. Überleben in der Gruppe der 60jährigen mit der betreffenden Krebserkrankung die gleiche Anzahl wie in der Gruppe der 60jährigen ohne diese Krebserkrankung, so ist die Überlebensrate wegen dieser Übereinstimmung 100%, obwohl natürlich Personen verstorben sind. Beträgt die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate nur 80%, so heißt das, dass in der Gruppe der 60jährigen männlichen Krebspatienten nur 80%, also weniger überlebt haben im Vergleich zur Gruppe der 60jährigen ohne diese Krebserkrankung.

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Bei der mittleren Überlebenszeit wird die Zeit gemessen, bei der die Hälfte der betroffenen Patienten noch am Leben sind.

Zahlen – wertvoll für Statistiker

Obwohl alle diese Zahlen kaum etwas über den Einzelfall aussagen, haben sie für Statistiker und Gesundheitspolitiker durchaus einen Wert. Sie können gut sehen, welcher Krebs gefährlicher ist und zu mehr Todesfällen führt.

Für die Statistiker und Gesundheitspolitiker haben diese Zahlen noch eine weitere Bedeutung. Wenn sie die Werte verschiedener Jahre vergleichen, können sie daran erkennen, ob sich Therapien (und damit Prognosen) verbessert haben. Wenn die Fünf-Jahres-Überlebensrate im Jahr 2004 bei einer bestimmten Erkrankung bei 30% lag und im Jahr 2014, also zehn Jahre später, 80% überlebten, dann hat sich offensichtlich Entscheidendes verbessert.

Im weitesten Sinn ist dieses Wissen natürlich auch für den einzelnen Menschen interessant. Wenn man es sich aussuchen könnte, hätte man natürlich lieber einen Prostata-Krebs mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von fast 100% als einen Bauchspeicheldrüsen-Krebs mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von weniger als 10%. Obwohl man sich "seinen" Krebs nicht aussuchen kann – sicher ist das Gefühl besser und die Zuversicht größer, je höher die Fünf-Jahres-Überlebensrate ist.

Brustkrebs, Stadium I: Wie ist meine Prognose?

"Ich hatte Brustkrebs im Stadium I und wurde operiert. Danach bin ich mehrmals zur Strahlentherapie gegangen. Die Ärzte sagen, die Behandlung ist jetzt abgeschlossen. Heißt das, ich bin geheilt?"

Je früher erkannt, umso besser

Bei Brustkrebs im Stadium I wurde der Tumor bei Ihnen erfreulicherweise schnell entdeckt, bevor er sich weiter ausgebreitet hat. Er war maximal 2 cm groß, hat keine oder allenfalls mikroskopisch kleine Absiedelungen in den Lymphknoten gebildet und den restlichen Körper noch nicht befallen. Das sind gute Nachrichten für Sie.

Wenn Sie operiert und anschließend bestrahlt wurden, konnte Ihre Brust außerdem erhalten werden. Das versucht man heutzutage grundsätzlich, um das Ausmaß der Operation und die Belastung für die betroffenen Frauen so gering wie möglich zu halten. Um das Risiko für ein erneutes Ausbrechen des Tumors an Ort und Stelle im Vergleich zu einer kompletten Entfernung der Brust jedoch nicht zu erhöhen, folgt auf die brusterhaltende Operation eine Bestrahlung. Das Rückfallrisiko wird dadurch in etwa halbiert. Damit ist diese Variante genauso sicher wie eine Brustamputation.

Nach der Operation

Auch schon in frühen Stadien schließen sich manchmal noch weitere sogenannte adjuvante (unterstützende, ergänzende) Therapien an. Sinn und Zweck ist es immer, Redizive (Neubildungen des Tumors) zu verhindern. Vor allem die Hormontherapie kommt auch schon bei kleinen, noch nicht weit fortgeschrittenen Tumoren oftmals in Frage.

Wenn sie bei Ihnen nicht vorgesehen ist, war der Brustkrebs einer antihormonellen Behandlung vermutlich nicht zugänglich. Denn nicht alle Tumoren sprechen auf eine solche Behandlung an. Nur diejenigen, die hormonabhängig wachsen, lassen sich auch von einem Entzug der Botenstoffe beeindrucken.

Um das herauszufinden, wird das Tumorgewebe untersucht und ermittelt, ob die Krebszellen an ihrer Oberfläche bestimmte Andockstellen (Rezeptoren) für Hormone ausbilden. Ist das nicht der Fall, kommt auch eine Hormontherapie nicht in Betracht.

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Krebs ist nicht gleich Krebs

Aber noch viele andere Faktoren entscheiden über eine adjuvante Behandlung. Jeder Tumor hat andere Eigenschaften, die ebenfalls genau analysiert werden. So lassen sich verschiedene Aggressivitätsgrade unterscheiden, die jeweils mit einem mehr oder weniger großen Risiko einhergehen.

Vielleicht war der Tumor bei Ihnen nur wenig angriffslustig, so dass eine alleine Operation mit Bestrahlung gerechtfertigt ist. Oder Sie haben noch andere Begleiterkrankungen, die die Wahl der Therapie bei Ihnen beeinflusst haben.

So oder so können Sie sicher sein, dass die Ärzte sich genau überlegt haben, welche Behandlung für Sie die richtige ist. Das ist bei jeder Frau eine Einzelentscheidung und nie schematisch vorgegeben. Der einzige ziemlich stabile Fixpunkt ist in der Regel die Operation.

Entscheidend ist die Nachsorge

Was bedeutet das nun für Sie? Wir können und dürfen hier natürlich keinerlei individuelle Prognosen abgeben. Daher nur ein paar allgemeine Hinweise:

Grundsätzlich sind die Heilungschancen bei Brustkrebs im Stadium I gut. Wie Sie aber vielleicht beim Lesen gemerkt haben, war immer wieder vom Rückfallrisiko die Rede. Wer einmal Brustkrebs hatte, hat gegenüber der Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Risiko, erneut zu erkranken. Krebs ist tückisch und geduldig. Er kann viele Jahre lang im Körper schlummern, um irgendwann erneut zuzuschlagen.

Sie haben aber als Betroffene einen großen Vorteil: Sie sind vorgewarnt. Ihre große Chance sind die Nachsorgeuntersuchungen, die sich an jede Brustkrebsbehandlung anschließen. Dabei gibt es genau festgelegte Untersuchungen und Zeitpunkte. Direkt nach der Behandlung werden Sie recht engmaschig nachkontrolliert, später verlängern sich die Abstände zwischen den einzelnen Untersuchungen. Je länger sie unauffällig bleiben, umso wahrscheinlicher wird es, dauerhaft geheilt zu sein.

Was bedeutet T1 N0 M0 für meinen Krankheitsverlauf?

"Ich hatte einen Knoten in der Brust, der operiert wurde. In meinem Arztbrief steht die Bezeichnung T1 N0 M0. Mein Arzt hat mir erklärt, dass damit für mich alles erst einmal erledigt sei. Aber ich war bei dem Gespräch so aufgeregt, dass ich nicht alles richtig verstanden habe. Was bedeutet T1 N0 M0 genau für mich?"

Mit dem TNM-System kann ein Tumor klassifiziert werden. T1 heißt, dass der Tumor kleiner als zwei Zentimeter ist. N0 bedeutet, dass die Lymphknoten tumorfrei waren, und M0, dass keine Fernmetastasen, also Absiedelungen des Tumors in anderen Körperregionen nachweisbar sind.

Hauptsache, die Geweberänder sind tumorfrei

Immer stellt sich ja die Frage, ob die gesamte Brust entfernt werden muss oder ob brusterhaltend operiert werden sollte. Bei einem relativ kleinen Tumor wie bei Ihnen geht der Trend sicher zur brusterhaltenden Operation. Während der Operation wird das betroffene Gewebe entfernt.

Wichtig ist bei dieser Operation vor allen Dingen, dass die Ränder dieses Gewebestückes völlig frei von Tumorzellen sind. Der Operateur markiert dieses entnommene Gewebestück, und ein spezieller Arzt (der Facharzt für Pathologie) untersucht das Gewebe unter dem Mikroskop. Die komplette Entfernung des Tumors mit tumorfreien Geweberändern ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass der Tumor an dieser Stelle und in dieser Region nicht wieder auftritt. Der Arzt spricht davon, dass kein "loco-regionäres Rezidiv" entsteht.

Allerdings sollte die Brust nachbestrahlt werden. Bei der Operation eines Tumors T1 mit freien Geweberändern und einer nachfolgenden Bestrahlung sind die Ergebnisse und die Prognose genauso gut wie bei einer kompletten Entfernung der Brust. Darüber hinaus ist die Entscheidung, ob brusterhaltend oder nur mit Entfernung der Brust behandelt werden kann, von so vielen Faktoren abhängig, dass Sie das unbedingt in einem entsprechenden Brustzentrum mit den dort beteiligten Ärzten besprechen sollten.

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Nur noch Wächter-Lymphknoten werden entfernt

Sicher wurden in Ihrem Fall auch die Lymphknoten in der betreffenden Achselhöhle vor und während der Operation untersucht. Besondere Bedeutung kommt dabei dem oder den Wächter-Lymphknoten zu. Vielleicht hat Ihr Arzt auch von "Sentinel"-Lymphknoten gesprochen. Sentinel kommt aus dem Englischen und bedeutet nichts anderes als Wächter, Wachtposten, Posten. Diese Wächter-Lymphknoten sind die Lymphknoten, die als erste Station im Abflussgebiet des Tumorgewebes liegen. Sie können vor der Operation mit entsprechenden Verfahren markiert werden, so dass nur die Wächter-Lymphknoten entnommen werden müssen.

Früher hat man mindestens 10 Lymphknoten aus der betreffenden Achselhöhle entnommen. Das führte bei fast allen Frauen zu Problemen. Es entstanden häufig massive Lymphödeme (d.h. Ansammlungen von Lymphflüssigkeit in dem Arm der operierten Seite mit der Folge, dass der Arm stark anschwoll), Bewegungseinschränkungen des betreffenden Armes, Schmerzen und andere unangenehme Dinge.

Nachdem dann in wissenschaftlichen Studien festgestellt wurde, dass vor allem Nebenwirkungen erzeugt wurden, aber bessere Überlebensraten und andere positive Effekte nicht eintraten, hat man diese Strategie verlassen. Jetzt werden nur noch die Wächter-Lymphknoten und auffällige Lymphknoten entfernt.

Keine Metastasen nachweisbar

Nach den vielen guten Nachrichten (kleiner Tumor, keine Lymphknoten befallen) nun die letzte gute Nachricht für Sie. Der Krebs hat noch nicht gestreut, es sind keine Metastasen nachweisbar. Damit ist die Behandlung abgeschlossen. Sie gelten als geheilt.

Das einzige, was Sie jetzt noch wahrnehmen müssen, ist eine konsequente Nachsorge und Früherkennung. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer Brustkrebs-Erkrankung irgendwann auch eine weitere, erneute Brustkrebserkrankung auftritt, ist leider statistisch etwas erhöht. Aber wie Sie gesehen haben: Früh erkannt ist Heilung möglich.

T1 N1 M0: Kommt der Brustkrebs nach der Behandlung vielleicht wieder?

"Ganz zufällig ist bei mir ein Knoten in der Brust entdeckt worden. Als klar war, dass es Krebs ist, bin ich operiert und bestrahlt worden. Die Bestrahlung läuft aktuell auch noch. Jetzt habe ich Angst bekommen, dass der Tumor danach irgendwann wieder kommt. Ist das möglich?"

Grundsätzlich haben Sie, wenn Sie einmal an Krebs erkrankt sind, statistisch gesehen ein etwas höheres Risiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung, dass die Krankheit erneut ausbricht. Aber schauen wir uns Ihren Fall einmal genauer an.

Einteilung je nach Ausmaß

Mit der TNM-Klassifikation werden bösartige Tumore anhand bestimmter Merkmale eingeteilt. Bei Ihnen bedeuten die Buchstaben folgendes:

  • T1: Der Tumor ist kleiner als 2 cm.
  • N1: Es sind 1-3 Lymphknoten von Tumorzellen befallen.
  • M0: Es haben sich keine Absiedelungen in anderen Organen gebildet.

Damit wird Ihre Erkrankung dem Stadium II, genauer gesagt IIA zugeordnet. Das ist keine rein akademische Spielerei, sondern sehr wichtig für die Therapie und den weiteren Verlauf. Denn je nach Stadium kommen verschiedene therapeutische Verfahren zum Einsatz, die jeweils mit einer unterschiedlichen Prognose einhergehen.

Raus damit: Entfernung des kompletten Tumors

Bei Ihnen handelt es sich um ein lokal begrenztes Stadium. Hier steht die operative Entfernung des Tumors im Vordergrund, von der Sie ja bereits berichtet haben. Wichtig dabei ist es, den ganzen Tumor zu erwischen. Dazu wird das entnommene Gewebe zu einem speziellen Facharzt, dem Pathologen, geschickt, der es sich unter dem Mikroskop genau untersucht und beurteilt.

Damit ist die Aufgabe des Chirurgen aber noch nicht beendet. Jetzt muss er in der Achselhöhle Ausschau nach weiteren Tumorherden halten. Denn hier sitzen die Lymphknoten, die den Lymphabfluss der Brust aufnehmen und dadurch ebenfalls mit Tumorzellen befallen sein können. Auch sie werden vom Pathologen genau inspiziert. Gibt er grünes Licht, ist die Operation abgeschlossen. Sind jedoch, wie bei Ihnen, auch Lymphknoten befallen, müssen sie mit entfernt werden.

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Sie schildern, dass bei Ihnen auch eine Bestrahlung erfolgt ist. Dann wurde vermutlich nicht die gesamte Brust entfernt, sondern "brusterhaltend" operiert. Das ist bei kleineren Tumoren oft problemlos möglich, erfordert jedoch eine anschließende Bestrahlung, damit die Aussichten genauso gut sind, wie wenn die komplette Brust entfernt worden wäre.

Dem Tumor vollends den Garaus machen

Und dann gibt es schließlich noch eine dritte Säule der Krebstherapie: die sogenannte systemische, also innerliche Behandlung. Da bei Ihnen auch Lymphknoten betroffen waren, werden Sie um diese Behandlung höchst wahrscheinlich nicht herum kommen. Vielleicht hat Ihnen Ihr Arzt auch schon angekündigt, wie es nach der Bestrahlung für Sie weitergeht. Denn je nach dem, welche Eigenschaften der Krebs hat, der bei Ihnen entdeckt wurde, kommen verschiedene Verfahren in Frage.

Wenn der Tumor bestimmte Rezeptoren aufweist, kann eine Hormontherapie oder auch eine ganz gezielte Behandlung mit einem Antikörper erfolgen. Antikörper sind Abwehrstoffe, die unser Organismus gegen Eindringlinge ausbildet. Sie können aber auch künstlich im Labor hergestellt werden. Durch die Hormon- bzw. Antikörpertherapie wird der Krebs gewissermaßen ausgehungert, weil ihn wichtige Stoffe, die er zum Wachstum benötigt, nicht mehr erreichen.

Wenn der Tumor keinen dieser Rezeptoren zeigt, wird sich bei Ihnen wohl eine Chemotherapie anschließen. Hier gibt es eine Vielzahl an Substanzen, die die bösartigen Zellen angreifen. Leider richten sie sich aber zum Teil auch gegen gesunde Zellen und verursachen dadurch oft Nebenwirkungen. Daher ist die Behandlung genau abzuwägen.

Welche Medikamente dabei in Frage kommen, wird von mehrere Experten ganz individuell von Fall zu Fall entschieden. Nach einer systemischen Behandlung treten insgesamt deutlich weniger Rezidive (Neubildungen des Tumors) auf. Zudem sinkt das Risiko, am Brustkrebs zu sterben.

Gute Aussichten

Also zurück zu Ihrer Befürchtung: Wenn Sie das alles hinter sich gebracht haben, haben Sie viel geschafft und allen Grund zum Aufatmen. Denn eine Therapie bei lokal begrenzten Stadien wie bei Ihnen zielt grundsätzlich auf eine vollständige Heilung. Weder die Lebenserwartung noch die Lebensqualität soll in der Folge beeinträchtigt sein.

Natürlich ist der einzelne Verlauf nicht vorhersehbar. Aber auch gesunde Menschen können irgendwann krank werden. Dennoch beschäftigt man sich in der Regel nicht ständig mit möglichen Erkrankungen, die auf einen zukommen könnten. Nach einer Krebsdiagnose fällt das sicherlich schwerer. Aber auch Sie sollten versuchen, sich vom Krebs nicht Ihr gesamtes weiteres Leben diktieren zu lassen.

Brustkrebs, Stadium II: Reicht die Operation nicht schon aus?

"Bei mir wurde nach der Diagnose Brustkrebs die rechte Brust komplett entfernt. Das hat mich ganz schön geschlaucht. Jetzt soll ich auch noch bestrahlt werden. Muss das wirklich sein bei einem Tumor im Stadium T3 N0 M0?"

Die Buchstaben T (Tumor), N (Nodus/Lymphknoten) und M (Metastasen) besagen, wie groß ein Tumor ist und wie weit er sich bereits ausgedehnt hat. Ein Tumor mit dem Status T3 hat eine Größe von > 5 cm. N0 und M0 bedeutet, dass weder Lymphknoten noch andere Körperregionen von den Krebszellen befallen sind. Soweit zur nüchternen Einordnung des Brustkrebses bei Ihnen. Was heißt das aber nun für Sie konkret?

Maßgeschneiderte Behandlung

Die TNM-Klassifikation ist keine bloße Zahlenspielerei, sondern ein wichtiges Instrument, um den Krebs genau zu erfassen und eine entsprechende Therapie einzuleiten. Denn je nach Ausdehnung kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz.

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Hinzu kommen bestimmte Merkmale des Tumors. So gibt es sehr aggressive Krebsarten, die rasant wachsen, und andere, die sich eher Zeit lassen. Manche reagieren auf Hormone, andere lassen diese Botenstoffe kalt.

Und schließlich gibt es Sie als individuelle Person mit Ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen. Sie haben ein bestimmtes Alter und sind mehr oder weniger fit. All diese Faktoren spielen eine Rolle bei der Entscheidung für die jeweils richtige Behandlung.

Bessere Prognose durch zusätzliche Bestrahlung

Was sich an dieser Stelle sagen lässt, ist daher eher allgemein. Was genau sich Ihre behandelnden Ärzte gedacht haben, können und wollen wir natürlich nicht beurteilen. Wahrscheinlich war es aber in etwa folgendes:

Mit mehr als 5 cm war der Tumor in Ihrer Brust recht groß. Bei einem solchen Ausmaß kann die Brust in der Regel nicht geschont werden, sondern muss, wie auch in Ihrem Fall, komplett entfernt werden. Wenn der Krebs kleiner ist und brusterhaltend operiert werden kann, schließt sich regelhaft eine Bestrahlung an.

Bei einer sogenannten Mastektomie (Entfernung der gesamten Brust) ist eine zusätzliche Strahlentherapie dagegen nur in bestimmten Fällen angemessen. Vermutlich sind Sie einer davon. Demnach könnte es sein, dass weitere Risikofaktoren bei Ihnen bestehen oder der Tumor zu den aggressiveren Kandidaten gehört. Auch das Alter spielt eine Rolle. Eine zusätzliche Bestrahlung wird in der Regel eher jüngeren Frauen unter 50 Jahren zugemutet.

In jedem Fall erhoffen sich Ihre Ärzte davon einen besseren Verlauf für Sie. Bei lokal fortgeschrittenem Brustkrebs, wie es bei Ihnen mit T3 der Fall ist, senkt eine Strahlentherapie nach der Operation das Risiko, dass der Tumor sich irgendwann erneut bildet. Zudem verbessert sich das Gesamtüberleben, will heißen: Mit der Strahlentherapie leben Sie vermutlich länger als ohne sie.

Aller guten Dinge sind drei

Der Vollständigkeit halber sei hier noch auf die dritte Säule in der Behandlung von Krebs hingewiesen. Neben Operation und Strahlentherapie besteht die Möglichkeit, den Tumor mit "innerlichen" Mitteln zu bekämpfen.

Außer der klassischen Chemotherapie gibt es inzwischen auch zielgerichtete Verfahren, die in erster Linie auf den Tumor fokussiert sind und den restlichen Körper weitgehend schonen. Allerdings müssen dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Eine Hormontherapie beispielsweise ist nur sinnvoll, wenn der Krebs auf die Hormone auch anspricht, was nicht bei allen Krebsarten der Fall ist.

Ob eine solche systemische (innerliche) Therapie sinnvoll ist, hängt daneben von zahlreichen weiteren Faktoren ab, nicht zuletzt von Ihnen selbst. Denn es darf nicht verhehlt werden, dass die Behandlung für die Betroffenen oft eine zusätzliche Belastung darstellt. Insgesamt sollte die Entscheidung der simplen Logik folgen, ob der erwartete Nutzen die möglichen Nebenwirkungen und negativen Spätfolgen übersteigt.

Es ist mehr als verständlich, dass Sie nach der eingreifenden Operation erst einmal genug haben. Neben den äußerlichen Wunden und Narben, die erst nach und nach heilen, muss jede Frau auch mental mit einer solchen Situation zurechtkommen. Gerade die Entfernung der weiblichen Brust bedeutet weit mehr als nur den Verlust irgendeines Gewebestücks.

Aber Ihren Ärzten geht es genau darum: Sie als Frau zu stärken und Sie dabei zu unterstützen, trotz der Diagnose auch in Zukunft ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

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T2 N2 M0: Ist der Brustkrebs nach der Operation geheilt?

"Bei mir wurde Brustkrebs festgestellt. Ich bin dann gleich operiert worden. Mein Arzt hat mir erklärt, dass jetzt noch weitere Therapie-Maßnahmen erforderlich sind. In meinem Arztbrief steht als Stadium T2 N2 M0. Was heißt das denn jetzt konkret für mich?"

Mit dem TNM-System kann ein Tumor klassifiziert werden. T3 heißt, dass der Tumor zwischen zwei und fünf Zentimeter groß ist. N2 bedeutet, dass 4-9 Lymphknoten mit Tumorzellen befallen sind und M0, dass keine Fernmetastasen nachweisbar sind.

Operation: Entfernung oder Erhalt der Brust

Bei der Therapie von Brustkrebs ist die Operation das Mittel der Wahl. Ziel einer jeden Operation ist die komplette Entfernung des erkrankten Gewebes. Die Frage ist nun, ob das auch unter Erhalt der Brust möglich ist, oder ob die Brust doch abgenommen werden muss, um sicherzugehen, dass kein Tumorrest mehr übriggeblieben ist.

Bei einem relativ großen Tumor wie bei Ihnen würde man eher zur Mastektomie, d.h. zur Entfernung der gesamten Brust tendieren. Noch während der Operation untersucht ein spezieller Arzt (der Facharzt für Pathologie) das entnommene Gewebe unter dem Mikroskop, um zu überprüfen, ob der Chirurg den ganzen Krebs entfernt hat. Er legt auch fest, welche Eigenschaften der Tumor hat, denn diese Eigenschaften (Rezeptoren, Gewebeart u.a.) sind wichtig für die weitere erfolgreiche Therapie des Brustkrebses. All das stellt der Pathologe fest.

Aber unabhängig von der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage kann in Absprache mit Ihnen auch brusterhaltend operiert werden. Sie sollten dann durch Ihren Arzt nur über alle Vor- und Nachteile des brusterhaltenden Vorgehens informiert sein. Dann können Sie selbst eine fundierte Entscheidung treffen.

Rekonstruktion der Brust gleich oder später

Natürlich stellt sich bei einer Entfernung der Brust immer auch die Frage, ob eine Rekonstruktion der Brust erfolgen soll. Die heutigen Operationsverfahren sind alle so gewebeschonend wie möglich. Es soll soviel wie möglich vom vorhandenen gesunden Gewebe erhalten bleiben, ohne dass die Gefahr für ein Wiederauftreten des Krebses an dieser Stelle steigt.

Es gibt verschiedene Verfahren zur Rekonstruktion der Brust, über die Sie sich vorher bei Ihrem Arzt, aber auch bei Selbsthilfegruppen informieren können. Auch über den Zeitpunkt, ob direkt nach der Operation oder später, können Sie selbst entscheiden.

Nur wenn eine Strahlentherapie stattgefunden hat, sollten Sie die Methode des Aufbaus mit körpereigenem Gewebe vorziehen. Auch wenn eine Strahlentherapie geplant ist, sollte der endgültige Wiederaufbau danach erfolgen.

Strahlentherapie: langfristig Ruhe vom Tumor

Da bei Ihnen bereits mehrere Lymphknoten in der betreffenden Achselhöhle befallen waren, mussten wahrscheinlich die Lymphknoten in der betroffenen Achselhöhle mit entfernt werden. Auf jeden Fall muss in Ihrer Situation eine Bestrahlung der Brustwand auf der betroffenen Seite und auch der umgebenden Lymphknoten durchgeführt werden. Nur dann kann man sicher sein, dass ein Wiederauftreten des Tumors an dieser Stelle deutlich unwahrscheinlicher wird. Normalerweise sollte die Bestrahlung ca. sechs Wochen nach der Operation beginnen.

In Ihrem Fall bessert die Strahlentherapie von Brustwand und umgebenden Lymphknoten auch Ihre statistische Überlebensdauer. Denn durch die Bestrahlung verringert sich das Risiko von Absiedelungen an anderen Stellen des Körpers (Metastasen) erheblich.

Innerliche Therapien je nach Art des Tumors

Neben den operativen Maßnahmen und den Bestrahlungen sind in Ihrem Fall auch systemische, d.h. innerliche Therapien nötig. Diese richten sich nach den Eigenschaften, die bei dem Tumor festgestellt wurden.

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Ein Teil der Tumoren verfügt über Östrogen- und Progesteron-Rezeptoren. Da beides Hormone sind, kommt in diesem Fall eine Anti-Hormontherapie in Frage. Ungefähr 20% der Brusttumoren verfügen über einen Rezeptor, der HER2 bzw. HER2neu heißt. Dieser Rezeptor beeinflusst das Zellwachstum. Gibt es auf einem Tumor zu viele dieser Rezeptoren, so wächst er rasant und unkontrolliert. Glücklicherweise gibt es einen Antikörper, der diesen Rezeptor blockiert und der so zur Therapie von HER2-positivem Brustkrebs eingesetzt werden kann.

Auch eine Chemotherapie kommt in Ihrem Fall in Frage. Hier gibt es verschiedene Substanzen, die eingesetzt werden können. Da diese Chemotherapien auch durchaus ernstzunehmende Nebenwirkungen haben, wird ihr Arzt in Absprache mit Ihnen und den ärztlichen Kollegen in einem Brustzentrum eine individuell auf Sie zugeschnittene Entscheidung treffen.

Chemotherapie, Hormontherapie und HER2-Therapie sind neben einigen anderen die wichtigsten Therapie-Säulen. Insgesamt werden bei der Entscheidung für eine systemische Therapie verschiedene Faktoren berücksichtigt: Tumorgröße, Lymphknotenstatus, Alter, Menopausen-Status, Rezeptor-Situation (Hormon- und HER2-Rezeptor) und Gewebetyp.

Auf der Hut: konsequente Nachsorge

Nach den vielen aufwendigen und belastenden Therapien die auf Sie zugekommen sind, gibt es auch eine sehr gute Nachricht: Der Krebs hat noch nicht in andere Regionen des Körpers gestreut, es sind also keine Metastasen nachweisbar.

Wichtig für Sie ist nach der Therapie eine konsequente Nachsorge. Denn wer einmal an Brustkrebs erkrankt ist, hat ein etwas erhöhtes Risiko, dass der Tumor sich erneut bildet. Deshalb ist es entscheidend, ihn möglichst frühzeitig zu erkennen. Je früher erkannt, desto besser die Prognose.

Brustkrebs, Stadium III: Wie steht es um mich?

"Ich habe Brustkrebs, hatte bereits eine Chemo und bin dann operiert worden. In meinem Arztbrief steht als Stadium T4 N0 M0. Jetzt sollen noch weitere Therapien folgen, aber ich blicke langsam nicht mehr durch. Was kommt denn jetzt auf mich zu, und wie sind meine Aussichten?"

Einordnung Ihres Tumors

Die Buchstaben T, N und M geben an, wie groß der Tumor ist (T), ob Lymphknoten befallen sind (N) und ob sich Absiedelungen der bösartigen Zellen in anderen Organen oder Körperregionen gebildet haben (M).

Die Angabe T4, wie in Ihrem Fall, weicht von diesem Schema etwas ab: Gemeint ist ein Tumor jeder Größe, der die angrenzende Haut oder Brustwand befallen hat. Auch das sogenannte inflammatorische Mammakarzinom ("entzündlicher" Brustkrebs) fällt in diese Kategorie. Hier hat der Krebs die Lymphbahnen der Haut befallen und eine Entzündung hervorgerufen.

Mit der Bezeichnung T4 N0 M0 ist der Tumor dem Stadium IIIB zuzuordnen. Die genaue Unterteilung und Einordnung ist wichtig, um die jeweils passende Therapie zu finden. Aber trotz der Vorgaben, die die ärztlichen Leitlinien je nach Stadium hier machen, ist jede Behandlung im Einzelfall genau abzuwägen und auch immer an die Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen.

Daher können wir an dieser Stelle nur das grundsätzliche Vorgehen erläutern. Wie genau die Behandlung in Ihrem Fall weitergeht, muss Ihr Arzt zusammen mit Kollegen aus anderen Fachbereichen und in Absprache mit Ihnen klären.

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Die Waffen der Krebstherapie

Die Operation haben Sie bereits hinter sich. Mit großer Wahrscheinlichkeit musste bei Ihnen die gesamte Brust entfernt werden. Bei kleinen Tumoren ist manchmal auch eine brusterhaltende Operation möglich; hat sich der Tumor jedoch bereits im umliegenden Gewebe ausgebreitet und die Haut befallen, führt an einer sogenannten Mastektomie kein Weg vorbei.

Allerdings gibt es die Möglichkeit, die Brust in einem weiteren Eingriff zu rekonstruieren. Sofern das bei Ihnen nicht schon geschehen ist, kann es auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Jetzt wird es tatsächlich etwas komplizierter. Insofern ist es verständlich, dass Sie inzwischen den Überblick verloren haben. Zunächst einmal ganz allgemein: Neben der Operation gehören folgende Verfahren zu den weiteren Säulen in der Krebsbehandlung:

  • die Strahlentherapie
  • die systemische (innerliche) Therapie mit Medikamenten oder Infusionen

Chemotherapie vor oder nach der Operation

Sie schildern, dass Sie vor der Operation bereits eine Chemotherapie erhalten haben. In diesem Fall spricht man auch von einer sogenannten neoadjuvanten Behandlung. Eine systemische Therapie nach der Operation wird dagegen als adjuvant bezeichnet. In der Regel entscheidet man sich für eines der beiden Verfahren.

Die neoadjuvante Chemotherapie ist bei einem lokal fortgeschrittenen Stadium IIIB Standard. Damit soll der Tumor bereits vor der Operation angegriffen werden, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen. Je besser er auf die Vorbehandlung anspricht, umso günstiger die weitere Prognose.

Neben der Chemotherapie, die in den Wachstumszyklus der Krebszellen eingreift und sie dadurch zerstört, gibt es heute auch andere Medikamente, die den Tumor gezielt angreifen. Allerdings sind sie nicht für jeden gleichermaßen geeignet. Der Krebs muss dafür bestimmte Rezeptoren aufweisen, über die ihm gewissermaßen die Nahrungszufuhr abgeschnitten werden kann.

Bestrahlung: der finale Schlag gegen den Krebs

In Ihrem Fall wird sich an die Operation vermutlich noch eine Bestrahlung anschließen, wobei die Frage nach wie vor offen und unter Fachleuten umstritten ist, ob nach einer erfolgreichen systemischen Vorbehandlung tatsächlich Operation und Bestrahlung erforderlich sind.

Einige Studien legen jedoch nahe, dass das Risiko für ein erneutes Ausbrechen des Tumors an Ort und Stelle durch eine Bestrahlung der befallenen Haut oder Brustwand und ggf. der Lymphabflusswege minimiert werden kann. Zugleich erhöht sich dadurch in vielen Fällen die Überlebensrate, wie es im Fachjargon heißt. Sprich: Wenn Sie die Bestrahlung über sich ergehen lassen, sind Ihre Aussichten voraussichtlich besser.

Erfreulich ist die Null, die jeweils hinter den Buchstaben N und M in Ihrem Arztbrief steht. Sie besagt, dass bei Ihnen weder Lymphknoten befallen sind noch der Tumor in andere Regionen des Körpers gestreut hat. Es gilt also lediglich, den Krebs vor Ort in Schach zu halten und möglichst dauerhaft von Ihnen fernzuhalten.

Wie das am besten anzupacken ist, müssen Ihre Ärzte zusammen mit Ihnen entscheiden. Womöglich sind zunächst noch weitere Untersuchungen nötig, um zu den bisherigen Therapieerfolg zu überprüfen. Erst dann lässt sich sagen, welcher Weg für Sie persönlich der beste ist.

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Bei mir hat der Brustkrebs schon gestreut: Wie geht es jetzt weiter?

"Mein Arzt hat mir gesagt, dass ich erst ziemlich spät gekommen sei. Er hat bei mir schon Fernmetastasen festgestellt. Habe ich jetzt noch eine Chance? Wie geht es jetzt bei mir weiter?"

Leider können Absiedelungen eines Brustkrebses viele Organe befallen. Häufig sind Knochen, Gehirn, Leber und Lunge betroffen. Manchmal aber auch die Haut und Weichteile, der Darm und hier insbesondere das Bauchfell. Und je nach dem, wo die Metastasen sitzen und wie groß bzw. ausgedehnt sie sind, sind auch die Symptome und die Auswirkungen unterschiedlich.

Bei Metastasen fast immer systemische Therapie

Wenn der Krebs schon gestreut hat, also Metastasen festgestellt wurden, hilft in der Regel nur noch eine sogenannte systemische Therapie, also eine innerliche Therapie, die über die Blutbahn den gesamten Körper erreicht. Nur bei ganz wenigen Frauen, die nur eine einzelne und gut überschaubare Metastasen haben, zudem in einem guten Allgemeinzustand sind und deren Ersttherapie schon lange Zeit zurückliegt, kann man überlegen, von einer systemischen Therapie abzusehen. Dann kommt eine lokale, direkte Behandlung (in diesem Fall in der Regel eine Entfernung) der Metastase in Frage. Aber das sind sicher nur ganz wenige Fälle.

Bei den allermeisten ist eine systemische Therapie sinnvoll, bei der es im Wesentlichen drei Linien gibt:

Antihormon-Therapie: erste Wahl

Die Antihormon-Therapie ist sicher die Therapie der ersten Wahl. Sie hat deutlich weniger und weniger schwerwiegende Nebenwirkungen als z.B. die Chemotherapie. Außerdem will man sich die Chemotherapie gerne "aufheben", um nicht gleich das gesamte therapeutische Pulver zu verschießen. Voraussetzung für diese Antihormon-Therapie ist allerdings, dass der Tumor Hormon-Rezeptoren hat, gleichzeitig aber einen anderen, den HER2-Rezeptor, nicht ausbildet.

Von diesem Grundsatz der Antihormon-Therapie als Methode der ersten Wahl weicht man nur ab, wenn die Metastasen lebensbedrohliche oder gefährliche Ausmaße annehmen, z.B. wenn Lungenmetastasen die Atmung behindern oder durch Lebermetastasen ein Leberversagen droht.

Chemotherapie: Abwägen zwischen Wirkung und Nebenwirkung

Bei der Chemotherapie können schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten (müssen aber nicht unbedingt!). Deshalb sollten vor der Einleitung einer Chemotherapie der Allgemeinzustand der Betroffenen, eventuelle Begleiterkrankungen, die Vortherapien und die Therapiezuverlässigkeit bekannt sein und bewertet werden.

Hat die Therapie dann begonnen, sollten die Dosierungen der eingesetzten Medikamente nach anerkannten Schemata festgesetzt werden. Da es eine Fülle von Medikamenten gibt, die einzeln oder in unterschiedlichen Kombinationen, Dosierungen und Zeitabständen und für eine jeweils unterschiedliche Zeitdauer eingesetzt werden können, müssen Sie den Einsatz dieser Medikamente mit Ihrem Arzt besprechen.

An der Tatsache, dass es dermaßen viele Möglichkeiten gibt, können Sie schon ersehen, wie wichtig es ist, dass Sie sich in einem Zentrum behandeln lassen, wo verschiedene Ärzte unterschiedlicher Fachdisziplinen versuchen, in sogenannten Tumorkonferenzen die beste Möglichkeit für Sie ganz individuell zu finden.

Ein Medikament oder mehrere gleichzeitig?

Kombinationstherapien, also Therapien mit mehreren Medikamenten, haben zwar im Vergleich mit Monotherapien, bei denen nur ein Wirkstoff verabreicht wird, die besseren Remissionsraten (d.h. sie sorgen besser dafür, dass der Krebs zunächst nicht mehr nachweisbar ist); aber Kombinationstherapien haben auf der anderen Seite den Nachteil, dass sie mehr Nebenwirkungen verursachen und das Gesamtüberleben im Vergleich zu den Monotherapien nicht wesentlich verbessern.

Auch daran sehen Sie, wie wichtig es ist, von erfahrenen Ärzten behandelt zu werden, und auch, welche Meinung Sie persönlich haben.

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Die Therapie muss sich bewähren

In regelmäßigen Abständen, meist zwischen 6 und 12 Wochen, muss dann die Verträglichkeit der eingesetzten Medikamente und das Ansprechen des Tumors auf die Therapie beurteilt werden. Je nach Lage und Art der Metastasen müssen die Parameter festgelegt und untersucht werden, die eine verlässliche Aussage über das Ansprechen der Chemotherapie erlauben.

Das können ganz unterschiedliche Parameter sein. Eine Beurteilung mittels einer körperlichen Untersuchung durch den Arzt ist eine Möglichkeit. Diese Untersuchung klärt die Frage, ob sich die bestehenden Symptome verbessert haben. Eine weitere ist die Bestimmung von Tumormarkern im Blut, die Hinweise geben kann, ob der Tumor sich zurückgebildet hat. Eine dritte Möglichkeit ist eine Röntgenuntersuchung oder ein Ultraschall mit der Frage, ob die Metastasen kleiner geworden oder gar verschwunden sind.

Die engmaschigen Untersuchungen haben zudem den Vorteil, dass bei einem Nicht-Ansprechen auf die Therapie sofort auf eine andere umgestellt werden kann.

Antikörper-Therapie: wenn der Rezeptor dazu passt

Bei Frauen mit einem positiven HER2-Rezeptor kann die Antikörper-Therapie eingesetzt werden. In den aktuellen Therapieempfehlungen wird eine Antikörper-Therapie bei HER2-positiven Frauen eindeutig empfohlen.

Es gibt unterschiedliche HER2-Antikörper. Setzt man nicht nur einen, sondern zwei dieser Antikörper zur Therapie ein, geht man von einer gegenseitigen Wirkungsverstärkung aus. Ob man zunächst nur einen Antikörper einsetzt oder gleich zu Beginn zwei davon, muss von der individuellen Situation abhängig gemacht werden.

Wichtig ist, vor jeder Therapie zu klären, ob bei der Betroffenen Erkrankungen des Herzens vorliegen, die eine Antikörper-Therapie gefährlich werden lassen.

Gezielt gegen die Metastasen

Stehen Metastasen an ganz bestimmten Stellen im Vordergrund und bestimmen in erster Linie das Geschehen oder die Beschwerden, können je nach Krankheitsbild über diese systemischen Therapien hinaus gezielte Maßnahmen getroffen werden. Je nach dem, ob die Metastasen im Knochen, im Gehirn, in der Leber, in der Lunge, in Haut- und/oder Weichteilen oder im Darm/Bauchfell auftreten und in Abhängigkeit davon, ob es sich um einzelne oder mehrere Absiedelungen handelt, stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung: Operation, Bestrahlung, erneute systemische Therapien.

Und bei angemessener Behandlung ist selbst bei Metastasen noch nicht "aller Tage Abend". Es gibt Frauen, die nach Behandlung ihrer Metastasen überleben, ohne dass der Tumor erneut ausbricht.

Autoren:  &

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand August 2019. Online unter www.leitlinienprogramm-onkologie.de (Zugriff am 04.11.2019).
  • Deutsche Krebsgesellschaft, Onko Internetportal, Brustkrebs: Basis-Infos für Patientinnen und Angehörige. Online unter www.krebsgesellschaft.de (Zugriff am 04.11.2019).

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