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Brustkrebs: Diagnostik und Befunde im Arztbrief

Welche Untersuchungen sind bei Brustkrebs nötig? Muss der ganze Körper untersucht werden? Welche Rolle spielen Hormonrezeptoren, und was bedeutet HER2? Im folgenden Beitrag finden Sie Antworten auf diese und weitere Fragen.

Wann ist eine CT, MRT oder Szintigraphie bei Brustkrebs sinnvoll?

Diese Untersuchungen gehören nicht zum Standardrepertoire der diagnostischen Sicherung eines bösartigen Tumors der Brust. Sie kommen in der Regel nur dann zum Einsatz, wenn der Krebs möglicherweise gestreut und Metastasen gebildet hat.

Oft bemerken betroffene Frauen die Verhärtung oder Schwellung in der Brust selbst. Oder dem Arzt fällt im Rahmen der Untersuchung zur Früherkennung ein ungewöhnlicher Knoten auf. Ein solcher unklarer Befund muss unbedingt weiter abgeklärt werden. Dabei gibt es jedoch klare Regeln und Kriterien. Nicht immer muss die ganze Palette an apparativer Gerätemedizin aufgefahren werden.

Mammographie und Ultraschall haben Vorrang

Zur Basisdiagnostik gehören neben einem ausführlichen Anamnesegespräch, in dem der Arzt u.a. auch nach Krebserkrankungen in Ihrer Familie fragen wird, das genaue Inspizieren und Abtasten der Brust wie auch der Achselhöhlen. Bleibt es bei dem Verdacht, dass irgendein merkwürdiges Gebilde in Ihrer Brust wächst, das da nicht hingehört, schließen sich bildgebende Verfahren an, mit denen die Brust quasi von innen beurteilt werden kann.

An erster Stelle stehen hier die Mammographie (Röntgenuntersuchung) und eine Sonographie (Ultraschall), ersteres eher ab dem 40. Lebensjahr, wohingegen der Ultraschall bei sehr jungen Frauen meist die erste Wahl ist. In der Regel schließt sich daran eine Biopsie an, bei der aus dem verdächtigen Areal eine kleine Probe entnommen und im Labor analysiert wird. Meist steht die Diagnose damit fest.

Besteht weiterhin Unklarheit, kann auch eine MRT (Magnetresonanztomographie) zum Einsatz kommen. Sie funktioniert über elektromagnetische Felder und stellt die einzelnen Gewebestrukturen sehr klar dar. In manchen Fällen ist sie auch hilfreich für das weitere therapeutische Vorgehen. Das sind aber alles Ausnahmen.

Staging bei Verdacht auf Metastasen

Die bisher genannten Untersuchungen dienen alle dazu, den Tumor an Ort und Stelle genauer zu bestimmen. Leider haben Krebserkrankungen aber die Eigenschaft, sich im ganzen Körper auszubreiten. Sollte dieser Verdacht bestehen bzw. sich bei der Biopsie ein besonders aggressiver Tumor gezeigt haben, erfolgt ein sogenanntes Staging (Stadienbestimmung), mit dem die genaue Ausbreitung des Tumors untersucht wird.

Dabei sind vor allem Lunge, Leber und das Skelett relevant, da sich die Krebszellen hier bevorzugt niederlassen. Zu den Staging-Untersuchungen gehören eine Computertomographie (CT) von Brust- und Bauchraum sowie ein Skelettszintigramm, ein nuklearmedizinisches Verfahren, das vor allem Knochenmetastasen gut sichtbar macht.

Jede Untersuchung behutsam abwägen

Diese beiden Untersuchungen werden keineswegs bei jeder Frau mit Brustkrebs durchgeführt, was auch nicht nötig ist. Jede diagnostische Maßnahme ist nur dann sinnvoll, wenn sie konkrete Erkenntnisse verspricht oder für die weitere Behandlung von Bedeutung ist. Gerade bei einem früh entdeckten Tumor ohne Anhalt für eine Metastasierung in andere Körperregionen sind sie nicht sinnvoll und würden Betroffene nur unnötig verunsichern.

Nehmen Sie es also als gutes Zeichen, wenn Sie nicht komplett vom Kopf auf die Füße gestellt werden.

MRT bei erhöhtem genetischem Risiko

Nur bei positivem Gentest

Wenn bereits Mutter oder Schwester an Brustkrebs erkrankt sind und das möglicherweise schon in jungen Jahren, kann die zusätzliche Untersuchung sinnvoll sein. Sicherheit über die individuelle Veranlagung liefert ein Gentest.

Für Brustkrebs sind u.a. verschiedene Genveränderungen verantwortlich. Dabei gibt es bestimmte Risikogene, die besonders eng mit der Erkrankung assoziiert sind. Wer sie trägt, wird früher, engmaschiger und genauer kontrolliert. Um einen sich entwickelnden Tumor möglich frühzeitig zu erkennen, kommen betroffene Frauen unter Umständen schon ab dem 25. Lebensjahr regelmäßig "in die Röhre".

Gefahr der Verunsicherung

Zur normalen Vorsorge gehört ein MRT nicht. Üblich ist neben der Untersuchung durch den Arzt lediglich eine Mammographie der Brust ab dem 50. Lebensjahr. Bei einer sehr "dichten" Brust (in der Mammographie werden die Befunde nach Dichtegrad eingestuft) kann eine zusätzliche Sonographie (Ultraschall) erwogen werden. Für ein MRT besteht auch dann meist kein Einlass.

Mit der Kernspintomographie lässt sich vor allem weiches Gewebe sehr präzise darstellen. Die Gefahr, irgendeine kleine Veränderung zu entdecken, die im Grunde völlig harmlos ist, aber zahlreiche Kontrollen nach sich zieht und die Betroffenen in Angst und Schrecken versetzt, steht in keinem Verhältnis zum Nutzen einer solchen Untersuchung.

MRT auch zur Diagnostik die Ausnahme

Selbst bei dringendem Verdacht auf eine Krebserkrankung ist eine MRT nicht die Methode der ersten Wahl. Nur, wenn anhand der Mammographie und Sonographie keine eindeutige Aussage zu treffen ist und auch eine Probeentnahme nicht zielführend war, kann sich eine kernspintomographische Untersuchung anschließen. Auch, um zu beurteilen, wie weit sich der Tumor schon im Körper ausgedehnt hat, kann sie in bestimmen Fällen hilfreich sein.

Das sind aber alles Spezialfälle, bei denen ein Brustkrebs sehr wahrscheinlich oder sogar schon diagnostiziert ist. In der Vorsorge spielt die MRT-Untersuchung so gut wie keine Rolle.

Ist MRT besser als Mammographie?

Mit der Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich bestimmte Brustkrebs-Vorstufen besser aufspüren als mit der Mammographie. Zu diesem Ergebnis kommen Radiologen der Universität Bonn.

Die Rede ist vom "intra-duktalen Mammakarzinom". Das ist eine Brustkrebs-Form, die sich aus den Milchgängen heraus entwickelt. Diese Milchgangstumoren entwickeln sich in der Regel aus einer Vorstufe heraus, die noch komplett heilbar ist: dem sogenanten DCIS (duktales Carcinoma in Situ). Wird ein solches DCIS rechtzeitig erkannt, kann ein relativ kleiner Eingriff das Problem komplett aus der Welt schaffen.

Besonders aggressive Vorstufen besser mit Magnetresonanz-Tomographie erkennbar

Bisher ging man davon aus, dass solche DCIS-Tumoren am besten mit der üblichen Mammographie erkannt werden. Kleine Kalkablagerungen, die diese Brustkrebs-Vorstufen in den Milchgängen hinterlassen, sieht man nämlich am ehesten auf Mammographie-Aufnahmen. Aber offensichtlich tun sie das gar nicht immer.

Die Bonner Wissenschaftler führten bei über 7.000 Frauen beide Untersuchungen durch. Also sowohl die Mammographie als auch eine Magnetresonanz-Tomographie (die ohne Radioaktivität auskommt). Das Ergebnis war ziemlich überraschend: Bei 167 der Frauen fand sich ein DCIS, also eine Brustkrebs-Vorstufe in den Milchgängen. Die Mammographie spürte aber nur 93 dieser Krebsherde auf, die MRT-Aufnahmen hingegen 153. Und fast noch wichtiger: Vor allem die aggressiveren Brustkrebs-Vorstufen wurden mit der MRT sehr viel sicherer entdeckt, wie Prof. Christiane Kuhl von der Universität Bonn berichtet. Denn gerade diese gefährlicheren Krebsvorstufen scheinen – dies eine neue Erkenntnis – meistens gar keine Verkalkungen zu bilden. Stattdessen neigen sie zu ausgeprägterer Blutgefäßbildung, was vor allem MRT-Aufnahmen gut darstellen können. Während die Mammographie eher eine Domäne für Kalkablagerungen ist.

Lehrbuchmeinung überholt

Die Schlussfolgerung der Bonner Radiologin: Die Lehrmeinung, dass die Magnetresonanztomographie nicht für die Entdeckung von Brustkrebsvorstufen in den Milchgängen geeignet ist, ist überholt. Im Gegenteil: Die MRT ist der Mammographie hier sogar überlegen. Auch der Vorwurf, die MRT würde zu oft fälschlicherweise Krebsalarm schlagen, erwies sich in der Bonner Studie als unberechtigt.

Was Professorin Kuhl aber auch sagt: Für eine breite Routine-Diagnostik mit der Magnetresonanztomographie fehlt es sowohl an ausreichend vielen Geräten als auch an entsprechend ausgebildeten Radiologen. Denn die Bilder sind nicht immer eindeutig. Es braucht unbedingt einen geschulten Blick.

Außerdem gibt es natürlich auch noch andere Brustkrebsformen. Und hier bleibt die Mammographie die Früherkennungsmethode der Wahl, so Kuhl.

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Mit welchen Untersuchungen wird festgestellt, ob Metastasen vorliegen?

Die Frage, ob ein Brustkrebs zum Zeitpunkt der Operation schon gestreut hat, ist von entscheidender Bedeutung für die weitere Behandlung. Liegen Metastasen vor, muss wegen der ungünstigeren Prognose nach dem Eingriff möglicherweise mit einer intensiveren Therapie begonnen werden.

Die dazu notwendigen Untersuchungen kann man sowohl vor der Operation als auch nach der Operation durchführen. Welches die bessere Wahl ist, hängt von den ganz individuellen Faktoren ab. Sie sollten das in Ruhe mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Mit folgenden Untersuchungsmaßnahmen muss man in jedem Fall rechnen:

  • Blutabnahme, Messung zahlreicher Blutwerte
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraums und speziell der Leber
  • Computertomographie von Brust- und Bauchraum
  • Knochen-Szintigraphie (um Metastasen im Knochen auszuschließen)

Zum Hintergrund: Prinzipiell kann ein Brustkrebs Tochtergeschwülste in jedem Organ bilden. Besonders häufig passiert das aber in den Knochen, der Lunge und der Leber.

Wie sinnvoll ist eine Ganzkörperuntersuchung bei Brustkrebs?

"Ich bin operiert worden, und mein Arzt hat mit mir die Möglichkeit von Untersuchungen des ganzen Körpers (Leber, Lunge, Knochen, Gehirn) besprochen. Die Entscheidung muss ich aber selber treffen. Ich bin jetzt unsicher, was zu tun ist."

Genauso unsicher wie Sie sind sich auch die Experten. Es gibt internationale Leitlinien, die keine generelle Ganzkörperuntersuchung mehr empfehlen, wenn der Brustkrebs früh entdeckt wurde. Mit der Ganzkörperuntersuchung will man ja Fernabsiedlungen im Körper (= Metastasen) entdecken. Die Wahrscheinlichkeit, Metastasen zu haben, kann aber im günstigen Fall je nach Tumoreigenschaften und -stadium fast Null sein.

Nimmt man die Stadieneinteilung der UICC zu Hilfe, so beträgt im Stadium I nach UICC (d. h. der Tumor ist kleiner als 2 cm, und es sind keine Lymphknoten befallen) die Wahrscheinlichkeit für Metastasen weniger als 0,2% und selbst im Stadium II nach UICC (d. h. es können sogar bis zu 3 Lymphknoten befallen sein) immer noch nur 1,2%.

Überdiagnostik und der "unklare Befund"

Im Gegensatz dazu steht die aufwendige Diagnostik, die möglicherweise gar nicht nötig ist. Fachleute sprechen da von "Überdiagnostik". Diese Überdiagnostik hat natürlich auch Nachteile. Unnötige Kosten für das System, wobei dieses Geld an anderer Stelle möglicherweise viel sinnvoller eingesetzt wäre.

Aber auch Nachteile für Sie als Betroffene. Neben der unnötigen Strahlenbelastung steht vor allem eines im Vordergrund: Möglicherweise wird bei den Untersuchungen irgendetwas gesehen, was der Röntgenarzt dann als "unklaren Befund" beschreibt. Da die Menschen sehr unterschiedlich sind, würde der Röntgenarzt auch beim völlig Gesunden, wenn er diesen komplett durchuntersucht, sicher den einen oder anderen unklaren Befund finden, der aber überhaupt nichts Krankhaftes darstellt.

In Ihrem Fall würde durch solch einen unklaren Befund natürlich erneut eine umfassende Diagnostik folgen, möglicherweise mit invasiven Eingriffen wie Punktionen oder Gewebeentnahmen. Aber vor allem auch hätten Sie selber eine schlimme, wahrscheinlich schlaflose Zeit bis zum endgültigen Ergebnis, das dann unauffällig wäre.

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Also: Wenn Sie Sicherheit wollen, wobei es eine hundertprozentige Sicherheit auch bei einer Ganzkörperuntersuchung nicht gibt, dann lassen Sie es machen. Sie müssen dann aber vielleicht schlaflose Nächte in Kauf nehmen, bis das Ergebnis kommt: alles in Ordnung.

Ganzkörperuntersuchung – manchmal ist sie nötig

In bestimmten Situationen ist allerdings eine komplette Untersuchung sinnvoll: bei sehr großem Tumor, oder wenn der Tumor besonders aggressiv wächst, oder wenn es klinisch den Verdacht auf Metastasen gibt. Auch bei einem hohen Metastasierungsrisiko ist eine Ganzkörperuntersuchung angemessen. Und manchmal brauchen die Ärzte sie, um sich für die richtige Therapie zu entscheiden.

Warum ist die Bestimmung der Hormonrezeptoren so wichtig?

Bei Brustkrebs unterscheidet man sogenannte hormonabhängige Tumoren von hormonunabhängigen Tumoren. Der Unterschied bezieht sich auf das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein von Hormonrezeptoren auf der Oberfläche der Krebszellen.

Die Charakterisierung einer Brustkrebserkrankung nach diesem Hormonstatus ist therapeutisch von großer Bedeutung. Diejenigen Tumoren nämlich, bei denen sich in der Zellwand viele dieser Hormonrezeptoren befinden, reagieren auch verstärkt auf hormonelle Wachstumsreize. Dann ist häufig eine Hormontherapie die Behandlung der Wahl, bei der die wachstumsfördernden weiblichen Geschlechtshormone (Progesteron und vor allem Östrogen) medikamentös eingedämmt werden.

Streng wissenschaftlich spricht man von einem hormonabhängigen Brustkrebs, wenn in der Gewebeprobe mehr als 10% der untersuchten Zellen Hormonrezeptoren tragen. Je nachdem, auf welche Hormone die Krebszelle anspricht, verwendet man dann die Bezeichnungen ER+ (für Östrogen-Rezeptoren) und PgR+ (für Progesteron-Rezeptoren).

Welche Bedeutung haben die HER2-Rezeptoren?

In manchen Tumoren werden in der mikroskopischen Untersuchung von Gewebeproben sogenannte HER2-Rezeptoren nachgewiesen. Wofür die stehen und warum die so heißen, ist etwas komplex, daher zunächst das Wichtigste: Über diese Rezeptoren werden Wachstumssignale vermittelt. Das heißt, um so mehr davon vorhanden sind, um so aggressiver ist tendentiell der Tumor.

Wenn sich also nach der Operation oder schon zuvor nach einer Biopsie sehr viele HER2-Rezeptoren nachweisen lassen, ist das eher ein ungünstiges Zeichen. Man spricht dann häufig von einem HER-Status "dreifach positiv". Insgesamt ist das bei etwa 20% aller Brustkrebstumoren der Fall. Das heißt dann nicht, dass der Brustkrebs nicht mehr behandelbar wäre. Möglicherweise ist aber ein anderes Behandlungsschema zu erwägen, mit speziellen Antikörpern (Trastuzumab) gegen diese Rezeptoren.

Und nun noch etwas zur Begriffserklärung: HER2 steht für "Human Epidermal Growth Factor Receptor 2". Das heißt etwas vereinfacht, dass dieser Rezeptor auf einen sogenannten epidermalen Wachstumsfaktor anspricht. Und dieser Wachstumsfaktor stimuliert das Zellwachstum und verhindert den programmierten Zelltod, die Apoptose. Auf deutsch: Tumorzellen, die diesen Rezeptor tragen, vermehren sich ungehemmter.

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Wozu ist ein Multigen-Test bei Brustkrebs gut?

"Bei mir sind die Ärzte nicht sicher, ob eine begleitende Chemotherapie nötig ist. Sie schlagen vor, einen Multigen-Test zu machen. Aber Chemotherapie hilft doch auf jeden Fall. Warum soll dann noch dieser Test gemacht werden?"

Es ist unbestritten und nachgewiesen, dass eine Chemotherapie beim Brustkrebs die Heilungschancen erhöht und das Rezidivrisiko vermindert. Genauso klar ist aber auch, dass einige Frauen mit Brustkrebs gar keine Chemotherapie brauchen. Sie können mit einer Operation und anderen medikamentösen Therapien geheilt werden. Die Kunst ist also herauszufinden, wer von einer Chemotherapie profitiert und wer nicht.

Chemotherapie nötig oder nicht – das ist die Frage

Denn die Chemotherapie bekämpft nicht nur den Krebs. Sie macht auch zum Teil gravierende und die Lebensqualität massiv einschränkende Nebenwirkungen. Über die akuten Nebenwirkungen wie Haarausfall könnte man vielleicht noch hinwegsehen. Die Haare wachsen schließlich irgendwann wieder nach. Auch bei den Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, so quälend sie auch immer sein mögen, kann man sich trösten. Das geht vorbei. Auch ein Ausbleiben der Periode ist sicher noch zu verkraften.

Schwieriger ist es da schon, mit Nebenwirkungen wie dem sogenannten Müdigkeitssyndrom (Fatigue-Syndrom) zurechtzukommen, bei dem man bei ausgeprägter Form nicht einmal mehr imstande ist, seinen alltäglichen Verpflichtungen nachzukommen. Auch die Nerven der Extremitäten können in Mitleidenschaft gezogen werden, eine sogenannte "Polyneuropathie" tritt ein. Noch belastender ist das "Chemo-Brain", das durch Zytostatika ausgelöst werden kann. Hier kommt es zu den gleichen Symptomen wie bei einer Alzheimer-Erkrankung oder einer Demenz.

Selbst lebensgefährliche Veränderungen können durch die Chemotherapie auftreten. Veränderungen des Blutbildes, Gerinnungsstörungen, aber auch tödliche Herzmuskelentzündungen können vorkommen. Und nicht zuletzt ist die Rate der Leukämie-Erkrankungen nach einer Chemotherapie statistisch erhöht.

Über- und Untertherapie vermeiden

Bei all diesen möglichen Nebenwirkungen ist es also sehr wichtig, Betroffene nur dann diesem Risiko auszusetzen, wenn es auch erforderlich ist. Um das zu entscheiden, wurden bisher Parameter wie Alter, Tumorgröße, Grading, Rezeptorstatus etc. herangezogen. Die daraus folgende Entscheidung war aber manchmal ungenau. Das individuelle Risiko vorauszusagen, gelang nicht.

Die Betroffenen wurden daher entweder über- oder untertherapiert, d.h. sie bekamen entweder zu viel Therapie, die sie eigentlich gar nicht gebraucht hätten, oder zu wenig.

Der Multigen-Test kann Klarheit schaffen

Mit den seit einigen Jahren zur Verfügung stehenden Multigen-Tests lässt sich eine viel genauere Voraussage über die individuelle Situation treffen als bisher. Mit den Tests können individuelle Profile von tausenden Genen einer Person hergestellt werden.

In den gängigen Multigen-Tests für Frauen mit einem Brustkrebs sind jetzt Gruppen der wichtigsten Gene zusammengestellt, die etwas über das spätere Auftreten von Metastasen, die Wahrscheinlichkeit für ein Wiederauftreten des Tumors und die individuelle Prognose aussagen. Bestimmt werden dabei tumorspezifische Gene. Je nach Aktivität wird dann in niedriges Risiko, mittleres Risiko oder hohes Risiko eingeteilt.

Darüber hinaus wünschenswert wäre zudem eine Vorhersage, ob der Tumor auf die Therapie ansprechen wird. Das leisten aber die derzeit auf dem Markt befindlichen Tests leider noch nicht. Auf jeden Fall können Multigen-Tests helfen, unnötige Chemotherapien und vor allem die dadurch ausgelösten, manchmal schweren Nebenwirkungen zu vermeiden.

Was bedeutet uPA/PAI1 bei Brustkrebs?

"In meinem Arztbrief steht etwas von einem niedrigen uPA/PAI1. Was heißt das denn? Und hat es irgendwelche Auswirkungen auf den weiteren Verlauf und meine Prognose?"

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Kurz gesagt ist der uPA/PAI1-Test ein Prognosetest, der etwas über die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs aussagt, also über die Wahrscheinlichkeit, ob ein erneuter Brustkrebs auftritt. Ist der Wert niedrig, so ist die Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Auftreten gering; ist er hoch, ist auch die Wahrscheinlichkeit hoch.

uPA ist die Abkürzung für Plasminogen-Aktivator vom Urokinase-Typ, und PAI1 die Abkürzung für Plasminogen-Aktivator-Inhibitor.

Der uPA/PAI1-Test als Prognose-Marker

Natürlich ist es nach einer durchgeführten Therapie wichtig zu wissen, ob ausreichend behandelt wurde, um ein erneutes Auftreten zu verhindern, oder ob noch mit zusätzlichen Mitteln behandelt werden sollte. In dieser Situation eine fundierte Entscheidung zu treffen, ist aus zweierlei Gründen wichtig.

Erstens geht jede Behandlung auch mit Nebenwirkungen einher, die gerade in der Krebs-Chemotherapie zum Teil erheblich sind. Zum zweiten kann man einen Krebs oft nicht zwei Mal mit denselben Medikamenten behandeln. Behandelt man also zu früh, ist das Pulver gewissermaßen verschossen. Diese Behandlung ist bei einem Rezidiv dann wirkungslos.

Deshalb sind genaue Kriterien festgelegt, wann der uPA/PAI1-Test durchgeführt werden sollte. Der Tumor sollte nicht größer sein als 5 Zentimeter und nicht kleiner als 0,1 Zentimeter. Die Differenzierung des Tumors sollte einem Grad 2 entsprechen, es sollten keine Lymphknoten befallen sein, es sollte mindestens einer der beiden Hormonrezeptoren positiv sein, und der HER2-Rezeptor sollte negativ sein.

Chemotherapie ja oder nein? uPA/PAI1-Test hilft bei der Entscheidung

Der uPA/PAI1-Test wird also herangezogen, um zu entscheiden, ob eine Chemotherapie zusätzlich durchgeführt werden sollte oder nicht. Vor dem Hintergrund der Studienlage scheint es so zu sein, dass sich uPA/PAI1 gut als Prognosefaktor für diese Entscheidung eignet. Hundert Prozent sicher ist er allerdings nicht. Die Studien, in denen uPA/PAI1 untersucht wurde, haben jeweils noch andere Einflussgrößen gehabt bzw. waren unterschiedlich angelegt. Insofern streiten sich die Gelehrten da noch.

Also müssen Sie selber zusammen mit Ihrem Arzt die Entscheidung treffen, ob Sie den uPA/PAI1-Faktor für die Abwägung einer Chemotherapie heranziehen oder nicht.

Wann wird eine Galaktographie eingesetzt?

Die Galaktographie ist eine sehr spezielle Untersuchung der Milchgänge. Zur Früherkennung von Brustkrebs wird sie nur selten herangezogen.

Im Grunde ist die Untersuchung eine erweiterte Mammographie. Bevor die Brust geröntgt wird, spritzt der Arzt mit einer feinen stumpfen Nadel Kontrastmittel über die Brustwarze in das Milchgangsystem, das sich bäumchenartig über die gesamte Brust verzweigt. Im Röntgenbild werden die flüssigkeitsgefüllten Milchgänge dann als schneeweiße Bahnen deutlich sichtbar.

In der Regel gutartig

Eine Galaktographie dient dazu, ungewöhnliche, vor allem blutige Sekrete aus der Brustwarze abzuklären. Insbesondere wenn nur eine Brust betroffen ist, muss der Befund näher untersucht werden.

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Dahinter verbirgt sich meist ein sogenanntes Papillom, ein gutartiger Tumor der Brust, der im Bereich der Milchgänge wächst und in der Regel harmlos ist. Daneben können auch Entzündungen zu einer Flüssigkeitsabsonderung aus der Brustwarze führen.

Sehr selten kann dahinter auch eine Krebserkrankung stecken. Manche bösartigen Tumoren entwickeln sind aus den Milchgängen, von denen mitunter auch blutige Sekrete nach außen dringen können. Auch invasiv wachsende Tumoren, die sich durch das Gewebe wühlen, können die Milchgänge durchdringen und entsprechende Veränderungen hervorrufen.

Klarheit bringt erst die Gewebeprobe

Während eine beidseitige milchige Absonderung meist hormonell bedingt und unbedenklich ist, ist eine einseitige blutige Sekretion stets verdächtig. In der Galaktographie können Veränderungen der Milchgänge festgestellt und ein raumfordernder Tumor ermittelt werden. Um was für eine Art von Geschwulst es sind handelt und ob das Gebilde gut- oder bösartig ist, lässt sich allerdings nur über eine anschließende Gewebeprobe bestimmen.

Ist die Thermographie zur Diagnostik von Brustkrebs geeignet?

Es erscheint sehr verlockend: den Krebs anhand seiner Wärmeabstrahlung aufzuspüren, und das ohne jegliche Strahlenbelastung und sogar, ohne die Brust dabei zu berühren. Aber Vorsicht: Zuverlässig ist das Verfahren nicht.

Den Krebs zum Leuchten bringen

Vielleicht kennen Sie das Prinzip von der Wärmedämmung an Häusern. Mittels thermographischer Messungen kann dargestellt werden, wie gut ein Haus isoliert ist und und wo Wärme nach außen dringt. Die Infrarotstrahlung, die von der Hauswand abgegeben wird und die jeweilige Temperatur angibt, wird von einer Wärmebildkamera erfasst und bildlich dargestellt. Das Haus leuchtet dann je nach Isolierungsgrad in den unterschiedlichsten Farben. So lassen sich die Schwachpunkte eruieren.

Dasselbe Prinzip macht man sich auch bei der Thermographie für diagnostische Zwecke zunutze. Bösartige Tumoren sind stark durchblutet und stoffwechselaktiv. Das macht sie im Vergleich zum umliegenden Gewebe wärmer. Ein Aufleuchten auf dem Monitor könnte daher ein Hinweis auf Krebs sein.

Wissenschaftlich nicht begründet

Allerdings ist das Verfahren sehr ungenau und unspezifisch. Auch andere, gutartige Veränderungen der Brust oder Entzündungen können die Temperatur ansteigen lassen. Im Vergleich zu den etablierten Diagnoseverfahren schneidet die Termographie entsprechend schlecht ab.

Umso fahrlässiger ist es, sie, wie es immer wieder geschieht, als risikofreie und angenehme Alternative zur herkömmlichen Mammographie zu propagieren. Mitunter wird sogar behauptet, das Wärmebild würde den Krebs schon früher als die Röntgenuntersuchung sichtbar machen. Dafür gibt es jedoch keinerlei solide Anhaltspunkte.

Die Röntgenuntersuchung der Brust gilt als Standardmethode bei der Brustkrebsvorsorge. In zahlreichen Studien hat sie sich mit Blick auf die Detektionsrate und die Vermeidung der brustkrebsbedingten Sterblichkeit bewährt. Diese Stärken machen auch die Strahlenbelastung alle zwei Jahre vertretbar.

Keine Alternative zur Mammographie

Es wäre fatal, wenn Frauen zugunsten des vermeintlichen Wunderdetektors dem Mammographie-Screening fernblieben. Attraktiv erscheint das nicht nur wegen der fehlenden Strahlenbelastung. Für viele Frauen ist die Vorstellung, ihre Brust wird eingespannt und komprimiert, nicht gerade angenehm. Die Thermographie kommt dagegen ohne jeglichen Körperkontakt aus.

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Lassen Sie sich von solchen Angeboten nicht blenden. Die Mammographie ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand das geeignetste Instrument, dem Brustkrebs möglichst frühzeitig auf die Schliche zu kommen, auch wenn sie ebenfalls keine 100%ige Sicherheit bietet und durchaus ihre Schwächen hat. Andere Verfahren können daher ergänzend sinnvoll sein.

Übrigens wird die Thermographie von den Krankenkassen auch nicht bezahlt. Sie orientieren sich in der Regel daran, was in Studien erwiesen und allgemeiner wissenschaftlicher Konsens ist.

Autoren:  &

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand August 2019. Online unter www.leitlinienprogramm-onkologie.de (Zugriff am 04.11.2019).
  • Deutsche Krebsgesellschaft, Onko Internetportal, Brustkrebs: Basis-Infos für Patientinnen und Angehörige. Online unter www.krebsgesellschaft.de (Zugriff am 04.11.2019).

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