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Brustkrebs: Hormontherapie

Was heißt eigentlich Hormontherapie bei Brustkrebs? Wann und wie lange ist sie nötig? Können Nebenwirkungen auftreten? Im folgenden Beitrag finden Sie Fragen und Antworten zur Hormontherapie bei Brustkrebs.

Was bedeutet überhaupt Hormontherapie bei Brustkrebs?

Die Hormontherapie ist fester Bestandteil in der Behandlung von Brustkrebs. Genau genommen handelt es sich dabei um eine Antihormontherapie. Das heißt, die weiblichen Geschlechtshormone werden entzogen bzw. ihre Wirkung unterdrückt.

Es gibt mehrere Säulen in der Krebstherapie. Dazu gehören Operation, Bestrahlung und diverse sogenannte systemische Therapien, die über Tabletten, Spritzen oder Infusionen im gesamten Körper wirken. Darunter fällt beispielsweise die Chemotherapie und speziell beim Brustkrebs außerdem die Hormontherapie.

Hormonentzug von den Anfängen bis heute

Irgendwann entdeckte man, dass manche Brusttumoren auf Hormone reagieren und durch sie in ihrem Wachstum angeregt werden. Das war die Geburtsstunde der antihormonellen Therapie, die in ihren Anfängen jedoch noch recht brachial war. Indem vielen betroffenen Frauen die Eierstöcke operativ entfernt wurden, war die Hormonzufuhr zwar zuverlässig ausgeschaltet, es gab jedoch auch kein Zurück mehr.

Die heutigen medikamentösen Verfahren hingegen wirken lediglich für die Zeit der Behandlung, so dass sich der hormonelle Zyklus danach in der Regel wieder erholt und die Fruchtbarkeit erhalten bleibt.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine der wichtigsten Nahrungsquellen des Brustkrebses zu versiegen:

  • Hemmung der Östrogenbildung (Aromatasehemmer, GnRH-Analoga)
  • Unterdrückung der Östrogenwirkung (Antiöstrogene)

Die Bildung der Hormone wird gehemmt, indem entweder ein übergeordneter Impuls ausgeschaltet (GnRH-Analoga, z.B. Goserelin) oder die Umwandlung einer Vorstufe des Östrogens in das fertige Hormon verhindert wird (Aromatasehemmer, z.B. Letrozol). Antiöstrogene wie Tamoxifen dagegen drosseln die Hormonwirkung indirekt, indem sie Rezeptoren der Zielzellen blockieren, an die sich die Hormone normalerweise heften. Sind die Bindungsstellen besetzt, müssen sie unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Nicht bei jedem Brustkrebs geeignet

Die Antihormontherapie ist ein elegantes Verfahren, das in der Regel besser verträglich ist als etwa eine Chemotherapie, da es Zellen nicht direkt angreift und daher weniger Schaden anrichtet. Allerdings kommt es nicht für jede betroffene Frau in Frage.

Um herauszufinden, wer davon profitieren könnte, sind zahlreiche Voruntersuchungen nötig. Wenn Sie nach der Diagnose also durch die diagnostische Maschinerie gezogen werden, liegt das nicht an der reinen Neugier der Ärzte; vielmehr soll damit der Tumor und seine Eigenschaften genau untersucht werden, um die für Sie beste Behandlung zu finden.

Die wichtigste Bedingung dafür, dass eine Hormontherapie gestartet werden kann, ist die Sensibilität des Tumors für Hormone. Das heißt, die Östrogene müssen für den Krebs ein wichtiger Wachstumsimpuls sein. Nur dann wird er sich durch den Entzug auch beeindrucken lassen.

Meist nach der OP

Sind diese und weitere Voraussetzungen gegeben, wird eine Hormontherapie den entsprechenden Betroffenen empfohlen. Meist schließt sie sich an die Operation an und soll verhindern, dass der Krebs anschließend erneut ausbricht. Seltener wird sie dem chirurgischen Eingriff vorgeschaltet, um den Tumor zunächst zu verkleinern und die Aussichten der Operation dadurch zu verbessern.

Auch in fortgeschritten Stadien, wenn sich bereits Absiedelungen in anderen Regionen des Körpers (Metastasen) gebildet haben und nicht mehr operiert werden kann, ist die Hormontherapie bei manchen Frauen eine Option. Dann geht es vor allem darum, den Tumor in seinem Wachstum zu bremsen und das Fortschreiten der Erkrankung hinauszuzögern.

Die Qual der Wahl

Die grundsätzliche Entscheidung für eine antihormonelle Therapie ist das eine. Danach muss geklärt werden, welche Behandlung genau eingeleitet wird. Wer welche Medikamente bekommt, hängt vor allem von der hormonellen Situation der betroffenen Frau ab, ob sie also vor der Menopause steht oder die Wechseljahre bereits hinter sich hat. Die Hormontherapie ist in beiden Fällen möglich, es werden jedoch unterschiedliche Wirkstoffe eingesetzt.

Daneben spielt auch das Stadium der Erkrankung und die individuelle Situation der Betroffenen eine Rolle. Es ist auch möglich, mehrere Substanzen zu kombinieren oder hintereinander einzusetzen. Für jede Frau wird ganz individuell ein Therapieplan erstellt.

Wichtig: ausreichende Therapiedauer

Wenn Sie an Brustkrebs erkrankt sind und die Ärzte Ihnen eine Antihormontherapie empfehlen, steht Ihnen ein längerer Weg bevor. Die Behandlung erfolgt über mehrere Jahre (in der Regel 5 bis 10) und sollte sorgfältig eingehalten werden. Denn mit Operation und Bestrahlung allein ist es oft nicht getan. Leider sind Krebszellen äußerst findig, können sich irgendwo im Körper verstecken und bei Gelegenheit wieder anfangen zu wuchern.

Um das zu verhindern und mögliche Überbleibsel vollends auszuhungern, ist es wichtig, länger durchzuhalten als der Krebs. Bleiben Sie also am Ball und wenden Sie sich bei Nebenwirkungen an Ihren Arzt. Oft lässt sich dagegen etwas unternehmen.

Brustkrebs: Wann brauche ich eine Hormontherapie?

Durch eine Hormontherapie soll verhindert werden, dass sich der Tumor in der Brust erneut bildet bzw. rasch weiterwächst. Aber nicht bei jeder Frau kommt sie in Frage. Ob Sie davon profitieren, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Den Tumor aushungern

Entscheidend ist, dass der Krebs auf eine sogenannte endokrine Behandlung, wie die Therapie mit Medikamenten, die in das Hormonsystem eingreifen, auch genannt wird, überhaupt anspricht. Manche Tumorarten bilden an ihrer Oberfläche Rezeptoren aus, an denen die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und/oder Progesteron andocken können. Dadurch wird der Krebs quasi "gefüttert" und kann mithilfe der körpereigenen Hormondrüsen wunderbar wachsen und gedeihen. Etwa zwei Drittel der bösartigen Brusttumoren reagieren auf Hormone.

Bei der Hormonbehandlung wird ihnen diese Nahrungsquelle abgeschnitten, so dass ein wichtiger Wachstumsimpuls fehlt. Meist schließt sie sich an eine Operation an, bei der der Tumor zunächst an Ort und Stelle beseitigt wird. Um mögliche Überbleibsel, die von außen nicht sichtbar sind, zu erreichen und den Tumor erst gar nicht erneut zum Zug kommen zu lassen, folgt auf die OP bei entsprechenden Vorbedingungen eine endokrine Therapie.

Was ist wann für wen richtig?

Eine Hormonbehandlung gehört neben Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie und neueren zielgerichteten Verfahren (z.B. mit Antikörpern) zu den Säulen der Brustkrebstherapie. Welche Behandlung und Kombination der verschiedenen Ansätze im Einzelfall am besten ist, hängt sowohl vom Tumor als auch von der jeweiligen Betroffenen ab.

Neben den erwähnten Rezeptoren spielt das individuelle Risikoprofil eine wichtige Rolle. Dabei zählt z.B., wie groß und aggressiv der Tumor ursprünglich war, wie er von seinem Gewebe her genau beschaffen ist und ob Lymphknoten befallen waren. Auch das Alter der betroffenen Frauen sowie der hormonelle Zustand (vor oder nach der Menopause) sind wichtig für die Therapieentscheidung.

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Risiko für Rückfälle sinkt

Wenn eine sogenannte systemische Behandlung, die im gesamten Körper wirkt, erforderlich ist, steht die Hormonbehandlung in der Regel an erster Stelle – natürlich nur bei entsprechend positiven Rezeptoren. Denn anders als bei der Chemotherapie werden gesunde Zellen dadurch nicht direkt angegriffen. Daher ist die endokrine Therapie meist besser verträglich und kann auch über Jahre fortgeführt werden.

Nach der erfolgreichen Operation gehört sie damit auch schon bei vergleichsweise niedrigem Risiko zur Standardbehandlung. Rückfälle werden dadurch deutlich seltener. Die Behandlung erfolgt in der Regel über fünf Jahre und kann darüber hinaus weiter fortgeführt werden, was jedoch immer individuell entschieden wird.

Auch in späteren Stadien wirksam

Wenn der Tumor doch wieder ausbricht (Rediziv), kann neben einer erneuten Operation auch eine weitere Hormonbehandlung erwogen werden. Auch bei fortgeschrittener Erkrankung ist eine endokrine Therapie manchmal sinnvoll, um den Tumor zu verkleinern oder sein Wachstum zu verlangsamen. Wenn der Krebs Metastasen in anderen Organen oder Regionen des Körpers ausgebildet hat, wird so lange behandelt, wie die Medikamente ihn wirksam eindämmen.

Sie sehen also, der Weg zur passenden Behandlung ist lang und die Entscheidung komplex. Es gibt aber inzwischen zahlreiche Studien, die für alle möglichen Konstellationen und Verläufe die jeweils vielversprechendste Therapie belegen. Vertrauen Sie daher auf das Wissen und die Erfahrung Ihrer Ärzte, die stets im Team versuchen werden, die für Sie beste Entscheidung zu treffen.

Schützt die Hormontherapie wirklich vor einem Rückfall des Brustkrebses?

Ja, in Studien ist das eindeutig belegt. Allerdings müssen die Voraussetzungen stimmen.

Nicht bei allen Tumoren geeignet

Und hier wird es ganz schön kompliziert. Denn nicht jeder Brustkrebs ist gleich, und nicht jeder Körper reagiert auf die Erkrankung und die Therapie wie der andere. Daher werden Sie vor der Behandlung vom Kopf auf die Füße gestellt und genau untersucht.

Die wichtigste Bedingung ist, dass der Krebs auf die Behandlung überhaupt anspricht. Manche Tumoren nämlich lässt der Entzug von Hormonen völlig kalt. Nur die Arten, die an der Oberfläche der einzelnen Zellen sogenannte Rezeptoren besitzen, an die die weiblichen Geschlechtshormone andocken können, werden auch mit einer Hormontherapie erreicht. Die Botenstoffe dienen ihnen gewissermaßen als Nahrung und fördern ihr Wachstum. Werden sie ihnen entzogen, fehlt den Krebszellen folglich eine wichtige Lebensgrundlage.

Krebszellen den Garaus machen

Bei betroffenen Frauen, die operiert und im Anschluss vielleicht auch bestrahlt wurden, schließt sich in der Regel eine Hormontherapie (endokrine Behandlung) an, wenn der Tumor dafür sensibel ist. Dadurch kann das Rückfallrisiko nochmal deutlich gesenkt werden.

Unter Umständen tummeln sich nämlich gut versteckt irgendwo noch einzelne Tumorzellen, die sowohl dem Skalpell des Chirurgen als auch der Energie der ionisierenden Strahlen entkommen sind. Sie können jederzeit wieder aktiviert werden und sich erneut ungezügelt vermehren.

Um diese Hinterbliebenen restlos auszuhungern, ist es wichtig, die Hormontherapie ausreichend lange anzusetzen. In der Regel erfolgt die Behandlung über fünf Jahre und kann darüber hinaus bei guter Verträglichkeit auch noch verlängert werden. In Studien wird derzeit getestet, ob sogar eine Zeitspanne von zehn Jahren für manche Betroffenen empfehlenswert sein könnte.

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In Zahlen: 40% relative Risikoreduktion

Feststeht jedenfalls, dass eine an die Operation anschließende endokrine Therapie die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Tumorausbruchs um etwa 40% reduziert und ein frühzeitiges Versterben am Brustkrebs um etwa 30%. Das sind allerdings relative Werte. Würde das Rückfallrisiko nach alleiniger Operation z.B. 20% betragen, läge es nach einer zusätzlichen Hormontherapie bei 12% (nach Abzug von 8, was 40% von 20 ist). Dabei spielen weder das Alter der Betroffenen noch das Ausmaß des Krebses oder bereits vorangegangene systemische (innerlich wirkende) Therapien eine Rolle.

Unabhängig von diesen Rechenspielchen steht natürlich jede einzelne Betroffene mit ihrer individuellen Erkrankung für sich. Statistiken sagen über den Einzelfall nur bedingt etwas aus. Dennoch sind sie wichtig, um die nach menschlichem Ermessen beste Behandlung zu finden und die Chancen jeder Frau so gut wie möglich zu verbessern.

Wenn die Ärzte Ihnen eine Hormontherapie nahelegen, werden sie dafür gute Gründe haben. Daher sollten Sie sich auf die Behandlung einlassen und sie über die lange Zeit hinweg durchhalten. Es lohnt sich!

Wie lange muss nach einer Brustoperation eine Hormontherapie durchgeführt werden?

Zunächst einmal muss geklärt werden, ob eine Hormontherapie überhaupt sinnvoll ist. Das hängt vor allem von der Beschaffenheit des Tumorgewebes ab.

Einige Tumoren haben sogenannte "positive" Östrogen-Rezeptoren. Das heißt, sie wachsen schneller unter Östrogeneinfluss. In diesen Fällen wird nach der Operation häufig eine Hormonbehandlung eingeleitet, z.B. mit sogenannten Anti-Östrogenen wie Tamoxifen.

Mindestens 5 Jahre

Damit soll ein erneutes Aufflammen der Erkrankung verhindert werden. Wenn einmal ein östrogensensitiver Tumor entstanden ist, kann auch nach einer Operation immer noch Brustgewebe vorhanden sein, das sich zu einem erneuten Krebsherd entwickeln kann (das sogenannte Rezidiv). Mit der Hormontherapie soll dieses Risiko minimiert werden.

Wird eine Hormontherapie begonnen, wird diese in der Regel fünf Jahre lang durchgeführt. Danach wird je nach Verträglichkeit und bestehendem Risiko für einen Rückfall geprüft, ob die Behandlung fortgeführt wird. Bei manchen Frauen können zusätzliche fünf Jahre Hormonbehandlung die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Tumor erneut bildet, weiter reduzieren und das Überleben insgesamt verlängern.

Weitere Studien müssen jedoch erst noch zeigen, ob und für wen genau eine Behandlung über die bisher empfohlenen fünf Jahre hinaus sinnvoll ist. Denn neben den positiven Effekten müssen immer auch die möglichen Nebenwirkungen bedacht werden, die mit steigender Therapiedauer ebenfalls wahrscheinlicher werden.

Auch eine erneute Behandlung ist möglich

Manchmal kann der Zeitraum der Behandlung noch nicht von vorne herein festgelegt werden, sondern wird individuell je nach Verlauf beschlossen. Das gilt etwa, wenn der Tumor nach der Behandlung erneut ausbricht. Wie die Operation kann auch die Hormontherapie in diesen Fällen wiederholt werden.

Auch bei fortgeschrittenen Brusttumoren, die bereits in andere Körperregionen gestreut, also Metastasen ausgebildet haben, kann eine Hormontherapie angebracht sein und das Wachsen des Krebes verlangsamen. Dann wird so lange behandelt, wie der Krebs auf die Medikamente anspricht und sich damit bändigen lässt.

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Dauert eine Hormontherapie bei Brustkrebs immer 5 Jahre?

In der Regel ja. Wenn die Bedingungen für eine Hormontherapie gegeben sind und sie vielversprechend ist, sollte die Behandlung ausreichend lange erfolgen, um dem Krebs erst gar nicht die Möglichkeit zu geben, wieder aufzuflammen.

Die Voraussetzungen müssen stimmen

Nicht jede Frau kommt für eine endokrine Therapie, d.h. eine Behandlung mit Medikamenten, die in den Hormonhaushalt eingreifen, in Frage. Dazu müssen bestimmte Voraussetzungen vorliegen.

Wichtig ist vor allem, dass der Tumor auf eine solche Behandlung überhaupt anspricht. Das kann man im Vorfeld testen, indem man ein Stück Gewebe unter dem Mikroskop untersucht und feststellt, ob er bestimmte Rezeptoren (Andockstellen) für Hormone ausbildet. Ausschlaggebend für jede weitere Behandlung nach der Operation sind außerdem die ursprüngliche Tumorgröße und -ausbreitung, die Art und Aggressivität des Krebses und das Alter der betroffenen Frau.

Minimum 5 Jahre

Grundsätzlich profitieren Frauen mit entsprechenden Hormonrezeptoren von einer endokrinen Therapie. Bei ihnen reduziert sich das Risiko eines Rückfalls (Rezidiv) deutlich, das heißt, der Tumor bricht weitaus seltener wieder aus als ohne nachfolgende Behandlung.

Bedingung für diesen Erfolg ist jedoch, dass die Therapie konsequent durchgehalten und über die empfohlenen (mindestens) 5 Jahre stetig fortgeführt wird. Viele Betroffene tun sich schwer damit, vor allem, wenn sie unter Nebenwirkungen leiden. Die eine oder andere Frau fühlt sich durch die dauerhafte Medikamenteneinnahme zudem immer wieder an ihre Krankheit erinnert, mit der sie doch eigentlich endlich abschließen möchte.

Länger durchhalten als der Krebs

Das ist nur zu verständlich. Sie sollten aber nicht vergessen, dass Krebs sich oft nicht so schnell geschlagen gibt und immer wieder auf eine zweite Chance lauert. Das bedeutet nicht, dass er, gerade im Falle der Brust, nicht auch heilbar wäre. Dazu muss er aber lange genug bekämpft und kleingehalten werden, um auch die letzte versteckte Tumorzelle auszuhungern.

Daher ist es wichtig, dass Ihr Atem länger ist als der des Tumors. Wenn Sie unter der Hormontherapie starke Nebenwirkungen haben, sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt darauf an. Es gibt verschiedene Wirkstoffe, die bei der endokrinen Behandlung in Frage kommen und unter Umständen auch gewechselt werden können.

Je nach Risiko eines Rezidivs und Nebenwirkungen unter der Behandlung kann nach 5 Jahren sogar erwogen werden, die endokrine Therapie für weitere 3 bis 5 Jahre fortzuführen. Wie hoch das Rückfallrisiko nach 5 Jahren Hormonbehandlung und wie aussichtsreich damit eine erneute Behandlung ist, muss allerdings in Studien noch genauer untersucht werden. Daher wird diese Entscheidung immer individuell bei jeder einzelnen Betroffenen gefällt.

Sonderfall Rezidiv und Metastasen

In manchen Fällen ist die Dauer der Hormontherapie variabler ist und richtet sich nach dem jeweiligen Verlauf der Erkrankung. Das betrifft Tumorrezidive und Metastasen, also Absiedelungen von Krebszellen in anderen Regionen des Körpers.

Wenn sich der Tumor an Ort und Stelle wieder bildet, kann eine erneute endokrine Behandlung wirksam sein. Dadurch verlängert sich zumindest die sogenannte krankheitsfreie Zeit.

Auch beim metastasierten Brustkrebs kommt die Hormonbehandlung bei manchen Frauen in Frage und kann das Fortschreiten des Tumors verlangsamen. Wie lange die Behandlung dabei erfolgt, ist weniger festgelegt als bei der Ersterkrankung. Sie wird in der Regel so lange beibehalten, bis der Tumor sich trotzdem wieder behauptet. Dann müssen die Ärzte gemeinsam mit Ihnen erneut entscheiden, wie es weitergeht.

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Ist eine Hormontherapie bei Brustkrebs besser als eine Chemotherapie?

Das kann man so nicht sagen. Beide Therapieverfahren haben ihren Stellenwert bei der Behandlung von Brustkrebs und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Was für die einzelne Betroffene das richtige ist, muss individuell entschieden werden.

Hormon- und Chemotherapie zählen zu den sogenannten systemischen Therapieverfahren bei Krebserkrankungen. Das bedeutet, sie wirken im Gegensatz zu einer Operation oder Strahlentherapie auf den gesamten Körper, indem sie als Tabletten oder Infusion eingenommen und im Blutkreislauf verteilt werden.

Systemische Behandlung verbessert die Prognose

Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Ansonsten sind es zwei völlig verschiedene Ansätze, die in jeweils unterschiedlichen Situationen und manchmal auch beide zum Einsatz kommen.

In der Regel folgt eine systemische Behandlung bei Brustkrebs als sogenannte adjuvante Therapie auf die Operation mit eventuell angeschlossener Strahlentherapie. Bei der Auswahl des geeigneten Verfahrens spielt die individuelle Risikoeinstufung eine wichtige Rolle. Sie richtet sich nach Stadium, Größe und Ausdehnung des Tumors, nach seinen biologischen Eigenschaften sowie nach dem Alter und der hormonellen Situation der Betroffenen.

Mit einer adjuvanten Behandlung soll verhindert werden, dass der Krebs erneut ausbricht. Auch die generellen Aussichten und das Gesamtüberleben sollen verbessert werden.

Nicht besser, aber verträglicher

Wenn die Voraussetzungen für eine Hormonbehandlung (endokrine Therapie) gegeben sind, wird sie der Chemotherapie tendentiell vorgezogen, da sie meist besser verträglich ist. Das liegt daran, dass gesunde Körperzellen dadurch nicht direkt geschädigt werden, was negative Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen jedoch nicht ausschließt.

Die Behandlung ist aber nur dann möglich und sinnvoll, wenn der Tumor auch darauf anspricht. Dazu muss er auf Hormone reagieren, die sein Wachstum beschleunigen. Heutzutage kann man das im Vorfeld testen und damit von vorne herein sagen, wer von der Behandlung profitieren könnte.

Stellenwert der Chemotherapie

Bei Tumoren, die sich durch Hormone nicht beeindrucken lassen, hilft auch die Hormontherapie nicht weiter. Dann kommt unter Umständen eine Chemotherapie in Frage. Sie kann aber auch unabhängig vom hormonellen Ansprechen entweder alleine oder zusätzlich zur endokrinen Behandlung erfolgen. Das hängt wiederum vom Ausmaß der Erkrankung und von den speziellen Tumoreigenschaften ab.

Auch bei jungen Frauen unter 35 Jahren kann die Chemotherapie erwogen werden. Je älter die Betroffenen dagegen sind, umso schlechter wird die Behandlung vertragen und umso geringer ist daher unterm Strich der Nutzen.

So nüchtern und pragmatisch das auch klingen mag: Es geht letztlich darum, die Behandlung zu finden, von der die einzelne Erkrankte am meisten profitiert, und zwar unter verhältnismäßig tolerablen Nebenwirkungen. Ob das mit einer Operation, Strahlen-, Chemo- oder Hormotherapie oder einer Kombination aus verschiedenen Verfahren am besten gelingt, muss im Einzelfall erwogen werden. Bei der Entscheidung ist immer auch Ihre Mithilfe und Rückmeldung an die Ärzte erforderlich.

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Welche Nebenwirkungen hat die Hormontherapie bei Brustkrebs?

Auch wenn sie generell recht gut verträglich ist, leiden viele Frauen unter den Folgen einer Hormontherapie. Sie können sich ähnlich äußern wie die Wechseljahre.

Körper auf Hormonentzug

Denn im Grunde passiert bei der Hormontherapie nichts anderes als bei der normalen körperlichen Umstellung der Frau in den Jahren vor der Menopause. Die weiblichen Geschlechtshormone werden ausgeschaltet bzw. nicht mehr gebildet, und der Körper bekommt die Folgen dieses Entzugs zu spüren.

Das ist allerdings nicht immer so. Wie manche Frauen die Wechseljahre beschwerdefrei durchlaufen, merken auch etliche Betroffene mit Brustkrebs nichts von der Hormontherapie. Ihr Körper gewöhnt sich an das Fehlen der Botenstoffe und stellt sich darauf ein.

Andere jedoch haben stärker mit Nebenwirkungen zu kämpfen. Für viele Frauen sind sie auch deshalb belastend, weil sich die Therapie über mehrere Jahre hinzieht. Während eine Chemotherapie zeitlich überschaubarer ist (wenn auch schlechter verträglich), verlangt die Hormontherapie viel Ausdauer von den Betroffenen. So können auch leichtere Beschwerden auf die Dauer zur Belastung werden.

Hitzewallungen, Schweißausbrüche und schlechte Laune

Recht häufig sind wie gesagt Symptome, die auch während der Wechseljahre auftreten können. Dazu gehören u.a.:

  • Hitzewallungen
  • Schweißausbrüche
  • Haarausfall
  • Schleimhautveränderungen mit Juckreiz
  • Zyklusstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Knochen- und Gelenkschmerzen

Vor allem Hitzewallungen kommen relativ oft vor und treffen im Schnitt etwa eine von zehn Frauen. Bei Frauen vor der Menopause kann die Regelblutung unter der Behandlung ausbleiben. Umgekehrt setzen nach den Wechseljahren manchmal wieder Blutungen ein.

Möglich sind auch immer Allergien und Unverträglichkeiten. In diesem Fall kann man das Medikament aber unter Umständen wechseln und einen anderen Wirkstoff probieren.

Kein Dauerzustand

Manche Beschwerden treten vor allem zu Beginn der Behandlung auf und bilden sich mit der Zeit zurück. Dazu gehören z.B. Kopfschmerzen und Benommenheit, Übelkeit, Wassereinlagerungen und Veränderungen im Blutbild. Daneben gibt es Spätfolgen, die sich erst im Verlauf manifestieren können, wie bestimmte Herzerkrankungen, Osteoporose (Knochenbrüchigkeit), andere Krebserkrankungen und Demenz.

Wer welche Nebenwirkungen bekommt, lässt sich im Vorfeld nicht sagen. Es hängt von individuellen Faktoren ab, vom Alter und hormonellen Ausgangsstatus sowie vom eingesetzten Wirkstoff. In der Regel legen sich die Nebenwirkungen entweder bereits nach einiger Zeit oder spätestens nach der Behandlung. Bei Frauen, die vor Beginn der Hormontherapie kurz vor den Wechseljahren waren, kann es allerdings sein, dass die Periode danach nicht mehr einsetzt.

Nebenwirkungen in den Griff bekommen

Sprechen Sie Ihren Arzt auf Nebenwirkungen unbedingt an. Die Therapie sollte daran auf keinen Fall scheitern. Denn sie ist wichtig, um dem Krebs keine Chance zu geben, sich wieder zu behaupten. Dazu müssen Sie die Medikamente ausreichend lange (mindestens fünf Jahre) einnehmen – eine lange Zeit, in der Sie möglichst gut mit der Behandlung klarkommen sollten.

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Gegen viele Beschwerden gibt es Mittel und Wege. Oft lässt sich schon mit ganz einfachen Dingen wie Sport und einer gesunden Ernährung einiges erreichen. Mit ausreichend Calcium und Vitamin D etwa können Sie Ihre Knochen stärken und für den Hormonentzug rüsten. Wenn die Gefahr für Osteoporose groß ist, werden vorbeugend Medikamente gegen den Knochenschwund gegeben.

Auch bei hartnäckigen Beschwerden können Medikamente Linderung verschaffen. Wenn Sie mit einem Präparat überhaupt nicht klarkommen, hilft manchmal zudem der Wechsel auf ein anderes. Denn es gibt unterschiedliche Wirkstoffe, die bei der Hormontherapie eingesetzt werden können. Vielleicht klappt es ja beim zweiten Versuch besser.

Macht eine Hormontherapie bei Brustkrebs unfruchtbar?

Viele Frauen mit Brustkrebs, die eine Hormontherapie erhalten, haben Angst vor Nebenwirkungen und dauerhaften Folgen der Behandlung. Das ist verständlich und zum Teil durchaus berechtigt. Dass Sie dadurch unfruchtbar werden, ist jedoch sehr unwahrscheinlich.

Den Krebs klein halten

Sinn und Zweck der Hormontherapie ist es, den Krebs in seinem Wachstum aufzuhalten bzw. ihn so sehr zu schwächen, dass er nicht auf die Idee kommt, nochmal zuzuschlagen. Meist wird die Behandlung adjuvant, d.h. nach der Operation eingeleitet, um die möglicherweise verbliebenen Tumorzellen auszuhungern. Viele Krebsarten reagieren nämlich auf Hormone und nutzen sie, um sich weiter zu teilen und zu wachsen.

Die einzelnen Medikamente, die dafür in Betracht kommen, wirken auf unterschiedliche Weise. Wer welches Mittel bekommt, hängt u.a. von der hormonellen Situation der betroffenen Frauen ab. So werden vor den Wechseljahren andere Wirkstoffe eingesetzt als danach.

Eierstöcke vorübergehend außer Betrieb

Unter den Substanzen, die bei jüngeren Frauen vor der Menopause geeignet sind, wirkt eine Gruppe in der Tat unmittelbar auf die Eierstöcke, indem sie ihre Funktion unterdrückt. Die sogenannten GnRH-Analoga sind ähnlich aufgebaut wie ein Botenstoff, der im Gehirn gebildet wird und den Geschlechtsorganen den Auftrag erteilt, Hormone auszuschütten. Werden sie eingenommen, fühlt sich dieser Botenstoff zu seiner Antreiberrolle nicht mehr bemüßigt. Die Medikamente wiederum senden ebenfalls keinerlei Signale an die Eierstöcke. So bleibt der Impuls aus, und die Östrogenproduktion kommt zum Erliegen.

Nicht jedoch die grundsätzliche Funktion der Eierstöcke. Sie begeben sich quasi nur in einen vorübergehenden Standby-Modus und können ihre Arbeit jederzeit wieder aufnehmen, wenn das Medikament abgesetzt wird und der normale hormonelle Schaltkreis in Gang kommt.

Dauerhafte Lösung

Etwas drastisch wird die Behandlung auch manchmal als "chemische Kastration" bezeichnet. Im Gegensatz zu einer operativen Entfernung oder Bestrahlung der Geschlechtsorgane ist sie aber eben nicht dauerhaft, sondern nur vorübergehend.

In manchen Fällen kann es dagegen tatsächlich sinnvoll sein, die Funktion der Eierstöcke endgültig auszuschalten. Auch das ist eine Form der Hormontherapie. Wenn eine solche Operation (Ovarektomie) oder Bestrahlung (Radiomenolyse) bei Ihnen in Frage kommt, wird der Arzt das aber genau mit Ihnen besprechen.

Kann eine Brustkrebs-Hormontherapie bei jüngerer Frauen den Beginn der Wechseljahre beschleunigen?

Leider ja. Die Wechseljahre können nach einer Hormontherapie anders verlaufen oder auch sehr viel früher einsetzen.

Der Hintergrund ist folgender: Eine Hormontherapie wird bei Brustkrebs immer dann eingesetzt, wenn die Tumorzellen empfindlich auf Östrogen reagieren, ihr Wachstum also von dem weiblichen Geschlechtshormon gefördert wird. Das ist recht häufig der Fall, und dann versucht man mit der Hormontherapie den Einfluss von Östrogen auf den Tumor zu reduzieren. Im Prinzip handelt es sich also um eine Anti-Östrogen-Therapie.

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Zyklusstörungen und Hitzeschübe

Diese therapeutisch gewünschte und für die weitere Prognose entscheidende Hemmung des Östrogens führt leider auch dazu, dass die typischen Erscheinungsmerkmale der Wechseljahre (die ja zum größten Teil auch auf einen Östrogenmangel zurückgehen) früher einsetzen können. Eine Hormonbehandlung kann mitunter sogar unmittelbar zum Einsetzen von Wechseljahres-Symptomen führen. Typische Beschwerden sind dann ein Ausbleiben des Eisprungs und der Monatszyklen oder auch Hitzewallungen (plötzliche Schweißausbrüche).

Allerdings muss das nicht so sein. Manche Frauen haben unter einer Hormontherapie bezüglich ihrer Wechseljahre keinerlei Auswirkungen oder Nachteile. Ob und in welchem Ausmaß es dazu kommt, ist individuell sehr unterschiedlich. Es hängt von der Art und Intensität der Hormontherapie, aber auch von körperlichen Voraussetzungen ab. In jedem Fall sollte der bremsende Effekt auf den Brustkrebs immer höher bewertet werden als die damit einhergehende Gefahr, Wechseljahres-Beschwerden zu entwickeln.

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand August 2019. Online unter www.leitlinienprogramm-onkologie.de (Zugriff am 04.11.2019).
  • Deutsche Krebsgesellschaft, Onko Internetportal, Brustkrebs: Basis-Infos für Patientinnen und Angehörige. Online unter www.krebsgesellschaft.de (Zugriff am 04.11.2019).

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