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Antikörper zur Behandlung von Brustkrebs

Antikörper gehören zu einer Reihe an neueren Wirkstoffen, die zur Behandlung von Brustkrebs eingesetzt werden. Man nennt diese Verfahren auch "Targeted Therapy" (zielgerichtete Therapie), da sie sich gegen eine bestimmte Struktur oder einen Mechanismus der Krebszellen richten. Die Idee dahinter ist, den Tumor an einem spezifischen Schwachpunkt zu erwischen und möglichst präzise anzugreifen. So bleiben andere Zellen und gesundes Gewebe weitgehend verschont.

Präzisionsarbeit

Antikörper, auch Immunglobuline genannt, sind eigentlich körpereigene Substanzen, die wir vor allem für die Bekämpfung von Erregern und anderen Eindringlingen benötigen. Sie werden von den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gebildet, die hauptverantwortlich für die Immunabwehr sind.

Das geschieht jedoch nicht einfach nach dem Gießkannenprinzip, sondern in exakt geplanten und organisierten Präzisionsangriffen. Erreger wie Bakterien verraten sich nämlich durch bestimmte Merkmale an ihrer Oberfläche, sogenannte Antigene. Wenn sie der aufmerksamen Abwehr auffallen, machen sich die Leukozyten daran, exakt passende Gegenstücke in Form der Antikörper zu bilden, die sich nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip genau in die entsprechende Struktur des Antigens fügen, es "knacken" und der Vernichtung anheimgeben.

Antikörper sind Eiweißstoffe (Proteine), die sich auch im Labor herstellen und auf eine bestimmte Zielstruktur abrichten lassen. Genau das macht man sich u.a. bei der Krebstherapie zunutze. Dazu muss man natürlich wissen, was genau das Ziel ist. Das können wiederum die Pathologen beurteilen, die die Tumorzellen anhand von Gewebeproben genau unter die Lupe nehmen und auf ihre speziellen Eigenschaften hin untersuchen.

Die Leitung wird lahmgelegt

Manche Arten von Brustkrebs bilden beispielsweise bestimmte Ankerstellen (Rezeptoren) an ihrer Oberfläche aus, die einen guten Angriffspunkt bieten. Speziell zur Antikörpertherapie eignet sich ein bestimmter Rezeptor mit dem Namen HER2. Er findet sich bei etwa 20% aller Brusttumoren und ist eigentlich mit einem höheren Risiko verbunden, da die entsprechenden Krebsarten vergleichsweise aggressiv sind.

Seit Einführung der Antikörper stehen allerdings wirksame Gegenspieler zur Verfügung, die den Verlauf der Erkrankung maßgeblich beeinflussen und die Prognose verbessern können. Sobald sie ihr Schloss, den HER2-Rezeptor, erkennen, fügen sie sich geschmeidig hinein und schließen zu. In der Folge werden wichtige Signale, die die Tumorzellen zum Wachstum brauchen, nicht weitergeleitet. Die Kommunikation bricht ab, die Tumorzelle geht im besten Fall vollständig unter.

Antikörper auf dem Vormarsch

Zielgerichtete Therapien und mit ihnen die Antikörper sind eine große Errungenschaft in der Onkologie. Sie entwickeln sich stetig weiter, neue Zielstrukturen werden entdeckt und die dazu passenden Strategien gefunden.

In der Behandlung von Brustkrebs gibt es inzwischen eine ganze Reihe zielgenauer Behandlungsverfahren. Gegen HER2 sind momentan zwei Antikörper auf dem Markt. Aber auch andere Strukturen oder Botenstoffe, die den Tumor anregen, sind Zielpunkte.

So gibt es etwa einen Antikörper, der einen bestimmten Wachstumsfaktor (VEGF, Vascular Endothelial Growth Factor) blockiert und damit ausschaltet. Dadurch wird der Tumor letztlich ausgehungert, da ihm die Blutzufuhr gedrosselt wird. VEGF ist nämlich ein Signal an die Blutgefäße, sich vornehmlich um den Krebs zu kümmern und ihn mit Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Die Antikörper schieben dem einen Riegel vor.

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand August 2019. Online unter www.leitlinienprogramm-onkologie.de (Zugriff am 04.11.2019).
  • Deutsche Krebsgesellschaft, Onko Internetportal, Brustkrebs: Basis-Infos für Patientinnen und Angehörige. Online unter www.krebsgesellschaft.de (Zugriff am 04.11.2019).

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