Navigator-Medizin.de
   X   

[Krankheiten von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Medikamente von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Diagnostik & Laborwerte von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Therapieverfahren von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Gesundheitsthemen von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Symptome von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   
Suche

Diabetes mellitus Typ 2: Ursachen, Behandlung, Alltag

Was ist Diabetes Typ 2 für eine Erkrankung? Wie kommt es dazu? Muss ich Medikamente einnehmen oder sogar Insulin spritzen? Was muss ich auf Reisen beachten? Und warum ist eine Fußpflege so wichtig? Im folgenden Beitrag finden Sie zahlreiche Fragen und Antworten zum Diabetes mellitus Typ 2 – von den Ursachen über die Behandlung bis hin zu Alltagsfragen.

Was ist Diabetes?

Bei Diabetes mellitus handelt es sich um eine Stoffwechselkrankheit. Damit sind Krankheitsbilder gemeint, die durch Störungen der chemischen Auf-, Ab- oder Umbauvorgängen im Körper hervorgerufen werden.

Überlastete Bauchspeicheldrüse

Beim Diabetes betrifft es den Zuckerstoffwechsel. Deshalb wird die Krankheit auch Zuckerkrankheit genannt. Ursache ist ein Insulinmangel oder ein vermindertes Reagieren des Körpers auf Insulin. Diese sogenannte Insulinresistenz veranlasst die Bauchspeicheldrüse, immer mehr Insulin zu produzieren, um ihrer Aufgabe noch gerecht werden zu können. Mit der Zeit ist die Bauchspeicheldrüse so "überarbeitet", dass sie erschöpft die Insulinherstellung aufgibt.

Insulin benötigt der Körper, um den Zuckerspiegel das Blutes zu regulieren. Funktioniert das nicht mehr richtig, gelangt Traubenzucker (Glukose) aus dem Blut nicht mehr oder nicht ausreichend in das Innere der Körperzellen.

Zuviel Zucker in Blut und Urin

Die Folge: Im Blut sammelt sich der Zucker an und führt zu einer hohen Konzentration. Hat diese Konzentration einen gewissen Schwellenwert überschritten, wird die überschüssige Glukose mit dem Urin entsorgt. Da dabei große Mengen an Flüssigkeit und Mineralien ausgeschieden werden, kommt es schnell zu einem lebensgefährlichen Austrocknen des Körpers. Darüber hinaus kommt es zu zahlreichen weiteren Folgekomplikationen.

Der Typ-2-Diabetes heißt auch Alters- oder Erwachsenendiabetes. Der Name ist entstanden, weil dieser Typ vor allem ältere Menschen betrifft. Er ist der häufigere der beiden Diabetes-Arten, ca. 90% aller Diabetiker leiden darunter. Da die Behandlung zumindest am Anfang ohne Insulingabe erfolgen kann, nennt man den Typ-2-Diabetes auch insulinunabhängigen Diabetes.

Sonderform MODY-Diabetes

Der MODY-Diabetes ist eine seltene Sonderform des Typ-2-Diabetes. Er beginnt meist schon in jungem Erwachsenenalter und betrifft im Gegensatz zum "normalen" Typ-2-Diabetes vor allem schlanke Menschen. MODY steht für "Maturity Onset Diabetes of the Young".

Der MODY-Diabetes verläuft meist relativ milde. Die Blutzuckerveränderungen sind längst nicht so ausgeprägt wie beim klassischen Diabetes. In der Regel ist er mit einer gering dosierten Insulinbehandlung recht problemlos zu behandeln.

Ursachen und Risiko

Wodurch wird das Risiko für einen Diabetes Typ 2 erhöht?

Einen großen Anteil am Diabetes-Risiko hat eine "ungesunde Lebensweise". Man hat also selbst einen relevanten Einfluss darauf, ob man Diabetes bekommt oder nicht.

Risikofaktoren für die Entwicklung eines Diabetes Typ 2 sind:

  • unausgewogene Ernährung (zu viele reine Kalorien und Fett, zu wenig Ballaststoffe)
  • Übergewicht
  • Bewegungsarmut
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Rauchen
  • Typ-2-Diabetes in der Familie

Ist Diabetes Typ 2 vererbbar? 

Auch genetische Ursachen spielen bei der Entstehung eines Typ-2-Diabetes eine wichtige Rolle. Es gibt zwar nicht das "Diabetes-Gen", aber die Veranlagung für Diabetes ist genetisch angelegt und der Typ-2-Diabetes tritt familiär gehäuft auf. Allerdings müssen immer auch noch andere Faktoren (z.B. ungünstiger Lebenswandel) hinzukommen, damit es zur Erkrankung kommt.

Nicht allein die Gene entscheiden

Die Bedeutung der Vererbung beim Typ-2-Diabetes wurde vor allem durch Zwillingsstudien erhärtet. Erkrankt ein eineiiger Zwilling an Diabetes Typ 2, bekommt der andere Zwilling mit einer Wahrscheinlichkeit von 50-90% ebenfalls einen Diabetes. Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass eineiige Zwillinge häufig auch in Bezug Lebenswandel (Essverhalten, Bewegung etc.) große Ähnlichkeiten aufweisen.

Ein konkretes Beispiel: Wenn beide Elternteile an an Diabetes Typ 2 erkrankt sind, liegt das eigene Diabetes-Risiko statistisch bei über 50%. Bei gesunder Lebensweise, ausgewogener Ernährung und Normalgewicht ist das Risiko auch bei zwei erkrankten Elternteilen jedoch wiederum deutlich geringer.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Leider wird der Diabetes bei vielen Patienten viel zu spät erkannt. Meist wird er bei der Untersuchung einer ganz anderen Krankheit eher zufällig festgestellt.

Jedenfalls ist das bei jedem dritten Diabetiker der Fall. Das führt dazu, dass sich oft über Jahre hinweg schon Folgeschäden etabliert haben, die kaum noch zu heilen sind. Daher ist die Früherkennung beim Diabetes so wichtig. Je früher ein Diabetes entdeckt und je besser er behandelt wird, desto weniger gravierend sind diese Folgeschäden.

Welche Untersuchungen sind bei Verdacht auf Diabetes notwendig?

Die entscheidende Bedeutung bei der Diagnose Diabetes spielt die Bestimmung des Blutzuckers und die Glukosekonzentration im Urin.

Bei einem Diabetiker ist der Blutzucker (medizinisch: Hyperglykämie) sowie die Glukosekonzetration im Urin (medizinisch: Glukoserie) erhöht. Gemessen werden die Werte in nüchternem Zustand. Bei Gesunden sind in 100 ml (1 dl) Blut zwischen 70 und 100 ml Zucker enthalten. Nach dem Essen sollte der Wert nicht über 140 mg/dl liegen. Bei besonders kohlehydratreicher Nahrung kann er aber kurzfristig auch schon mal auf bis zu 220 mg/dl steigen.

In der Regel wird der Nüchtern-Blutzucker mindestens zweimal bestimmt. Liegt er beide Male unter 80 mg/dl, ist ein Diabetes unwahrscheinlich. Werte zwischen 100 und 120 mg/dl gelten als Grenzbereich. Werte über 120 mg/dl sind starke Indizien für das Vorliegen einer Zuckerkrankheit.

In Zweifelsfällen wird der Arzt seine Diagnose durch ein Blutzucker-Tagesprofil zu erhärten suchen. Dabei wird der Blutzucker vor und eine Stunde nach den Mahlzeiten kontrolliert. Sind die Ergebnisse immer noch nicht eindeutig, wird der Arzt noch einen Glukosetoleranztest durchführen.

Zucker im Harn

Bis 150 mg/l Zucker im Harn werden als normal angesehen. In der Regel zeigt ein Teststreifen darauf auch keine Reaktion an.

Liegen die Werte höher und wird Zucker im Harn auch in geringen Mengen nachgewiesen, dann sollte grundsätzlich eine Untersuchung durch den Arzt erfolgen. Zucker im Urin deutet zwar auf Diabetes hin, kann auch andere Ursachen haben.

Nach welchen Kriterien finde ich einen guten Arzt?

Es empfiehlt sich in jedem Fall, dass Sie mit Ihrem Diabetes von einem Arzt betreut werden, der Erfahrung mit der Erkrankung hat. Das kann ein Facharzt für Diabetes, ein sogenannter Diabetologe sein. Aber auch die meisten Hausärzte und Internisten ohne diese Zusatzbezeichnung haben viel Erfahrung mit der Erkrankung.

Wenn Sie sich unsicher sind, fragen Sie am besten bei einer der lokalen Selbsthilfeorganisationen nach, die es fast in jeder Stadt gibt. Wichtig ist, dass Ihr behandelnder Arzt, wenn es sich nicht ohnehin um eine Schwerpunktpraxis für Diabetes oder ein sogenanntes Diabetes-Zentrum handelt, mit Diabetes-Schwestern und Ernährungsberaterinnen oder -beratern zusammenarbeitet. Er sollte auch in Kontakt mit einem Diabetes-Spezialisten stehen, der bei komplizierteren Fragen konsultiert werden kann.

Löchern Sie Ihren Arzt!

Mit der Diagnose Diabetes oder auch schon mit der Feststellung mehrfach erhöhter Blutzuckerwerte stellen sich die Betroffenen meist viele Fragen. Was heißt das? Wie kann man den Krankheitsverlauf beeinflussen? Was sollte man hinsichtlich Ernährung und Lebensstil beachten?

Tipp: Schreiben Sie sich alle Fragen, die sich im Laufe der Wochen ergeben, explizit auf und nehmen Sie die Liste mit zu Ihrem nächsten Termin! Die meisten Ärzte schätzen Patienten, die aktiv an ihrer Gesundung mitwirken wollen und beantworten gern konkrete Nachfragen. Viele Mediziner bieten außerdem selbst Schulungen an oder können zumindest Tipps geben, wo solche Veranstaltungen stattfinden.

Besprechen Sie Veränderungen mit Ihrem Arzt

Diabetiker sollten ihrem Arzt bzw. ihrer Ärztin immer mitteilen, wenn es relevante Veränderungen in ihrem Lebensstil gibt. Dazu gehören z.B. auch geänderte Arbeitszeiten, neue Essgewohnheiten, vermehrte Stresssituationen, veränderte Sportvorlieben, andere Erkrankungen etc. Denn solche Veränderungen können eine Anpassung der Tabletten oder der Insulin-Gaben notwendig machen.

Der behandelnde Mediziner wird bei Bedarf die Medikation entsprechend abändern, sodass diese wieder optimal zu Ihrem Leben passt und Sie sich bestmöglich fühlen können.

Was kann ich tun, wenn ich mich bei meinem behandelnden Arzt nicht gut betreut fühle?

Wenn Sie mit Ihrem Arzt unzufrieden sind oder unsicher sind, ob Sie richtig behandelt werden, zögern Sie nicht, sich eine zweite Meinung einzuholen. Das würden Sie bei einem Handwerker oder Finanzberater ja auch tun, und hier geht es um Ihre Gesundheit.

Fragen Sie andere Menschen mit Diabetes in Ihrem Bekanntenkreis oder erkundigen Sie sich bei einer der lokalen Selbsthilfeorganisationen, die es fast in jeder Stadt gibt.

Ein strenger Arzt muss kein schlechter Arzt sein

Wichtig ist, dass Ihr Arzt Erfahrung mit der Erkrankung hat. Aber auch, dass er sich ausreichend Zeit für Ihre Fragen zum Alltag nimmt. Er sollte in jedem Fall auch mit Diabetes-Schwestern und Ernährungsberaterinnen oder -beratern zusammenarbeiten und, wenn er nicht selbst Diabetologe ist, in Kontakt mit einem Diabetes-Spezialisten stehen, der bei komplizierteren Fragen konsultiert werden kann.

Bedenken Sie aber auch, dass gerade im Zusammenhang mit der Ernährung Ihr Arzt verpflichtet ist, Sie immer wieder zu einem bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit der Erkrankung zu führen. Das kann lästig sein, weil er Ihnen ja z.B. einzelne Leckereien auch mal verbietet. Damit ist er aber kein schlechter Arzt.


Behandlung: Überblick

Die Behandlung zielt darauf ab, durch die Verbesserung der Stoffwechsellage sowohl akute Beeinträchtigungen wie auch Spätschäden zu vermeiden. Sie ruht generell auf drei Säulen:

Was und in welcher Kombination am besten ist, kann nur im Einzelfall zusammen mit dem behandelnden Arzt bestimmt werden. Eines steht aber fest: Um die Behandlung erfolgreich zu gestalten, braucht es die aktive Mitarbeit der Betroffenen.

Heilung bei Diabetes wirklich unmöglich?

Die allgemeine Lehrmeinung lautet, Diabetes ist eine chronische Erkrankung und geht nicht wieder weg. Aber stimmt das wirklich und ohne Ausnahme? Im renommierten British Medical Journal haben schottische Ärzte unlängst ihre Zweifel daran formuliert (McCombie). Nach ihren Studiendaten können zum Beispiel stark übergewichtige Menschen ihren Diabetes wieder loswerden, wenn sie etwa 15 kg abnehmen.

Gerade in der frühen Krankheitsphase hat man nach Ansicht der Wissenschaftler aus Glasgow noch gute Chancen, wieder einen normalen Stoffwechsel zu erreichen. Voraussetzung: eine optimale Ernährung. Die Formula-Diät zum Beispiel scheint in diesem Zusammenhang gute Ergebnisse zu liefern, wie der Diabetes-Arzt Dr. Matthias Riedel aus in der Zeitschrift "Hausarzt" vor kurzem schrieb. Allerdings muss eine solche Diät auch durch eine langfristige Ernährungsumstellung ergänzt werden. 

Ungeachtet dessen sollten Sie die Behandlungsempfehlung sehr ernst nehmen. Denn fest steht: Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker verkürzt das Leben.  

Individuelle Therapieplanung

Bevor mit der Behandlung begonnen wird, ist es sinnvoll, im Vorfeld bestimmte Therapieziele festzulegen. So wie jeder Mensch anders ist, kann auch der Diabetes mellitus individuell völlig unterschiedlich in Erscheinung treten. Hinzu kommen Faktoren wie das Alter, die Lebenssituation und Begleiterkrankungen. All das spielt eine Rolle, wenn es darum geht, die für jeden einzelnen Diabetiker passende Therapie zu finden.

Weil es Ärzte gerne geordnet und übersichtlich mögen, gibt es einen Algorithmus, der sie durch die Behandlung des Typ-2-Diabetes navigiert. Das ist aber keine reine Spielerei; dahinter stecken vielmehr zahlreiche Untersuchungen und Daten, die dieses Vorgehen nach dem heutigen Wissensstand rechtfertigen. Wie also sieht das Therapieschema aus?

Nochmal die Schulbank drücken

Die Behandlung der Stoffwechselerkrankung beginnt nicht, wie Sie vielleicht denken, mit Medikamenten. Bevor Sie irgendwelche Tabletten schlucken, sind erst einmal Sie selbst gefragt, Ihren Blutzuckerspiegel mit anderen Mitteln in den Griff zu bekommen.

Am Anfang jeder Behandlung steht daher die sogenannte Basistherapie. Sie umfasst zum einen eine ausführliche Schulung. Wie schon erwähnt, ist Diabetes keine simple Erkrankung. Bis es dahin kommt, dass Ihr Blutzucker erhöht ist, spielen sich in Ihrem Körper zahlreiche Prozesse ab, die wiederum miteinander wechselwirken und sich gegenseitig bedingen. Es ist wichtig, dass Sie ein Verständnis von der Erkrankung haben und ungefähr wissen, was dabei passiert und welche Gefahren drohen.

Um Sie darüber zu informieren, gibt es strukturierte Schulungsprogramme, an denen Sie und ggf. auch Ihre Angehörigen teilnehmen sollten.

Manchmal geht es ganz ohne Medikamente

Weitere Pfeiler der Basistherapie sind eine Ernährungsberatung, Empfehlungen zu körperlicher Aktivität und Bewegung, Maßnahmen zur Raucherentwöhnung und Stressbewältigung sowie ggf. die Vermittlung von eigenständigen Blutzuckermessungen.

Wie Ihnen wahrscheinlich nicht unbekannt ist, hängt der Typ-2-Diabetes meist eng mit der Ernährung und der gesamten Lebensweise zusammen. Es mag wie eine Binsenweisheit klingen, aber Veränderungen in diesen Bereichen sind tatsächlich enorm wirksam und reichen oft schon alleine aus, um den Zucker zu kontrollieren.

Es kann übrigens, ganz nebenbei, ein sehr gutes Gefühl sein, wenn man merkt, dass man die Behandlung aus eigener Kraft ganz ohne Tabletten meistert. Wenn Sie das, was Sie in der Schulung gelernt haben und was der Arzt Ihnen geraten hat, umsetzen, nach einigen Wochen zur Kontrolle in die Praxis kommen und Ihr Blutzucker dann wieder im Lot ist, haben Sie wahrlich viel erreicht.

Wenn Ernährung und Bewegung nicht ausreichen

Manchmal reicht der gute Wille allein aber nicht aus, um den Zucker ausreichend zu senken. Wenn er bei der Kontrolluntersuchung nach 3 bis 6 Monaten noch immer zu hoch ist, wird der Arzt Ihnen ein Medikament verschreiben – allerdings wohlgemerkt zusätzlich zu den genannten Basismaßnahmen. Sie bleiben stets die Grundlage der Behandlung, unabhängig von den Tabletten, die Sie daneben einnehmen.

Die weitere Behandlung erfolgt in mehreren Stufen. Zunächst wird Ihr Arzt es mit einem einzelnen Medikament versuchen. In der Regel bekommen Sie Metformin, ein Wirkstoff, der die Bildung von Glukose (Fruchtzucker) in der Leber hemmt und die Muskelzellen anregt, mehr davon aufzunehmen. Metformin ist gerade auch bei übergewichtigen Menschen sinnvoll, da es die Gewichtsreduktion unterstützt und die Blutfette, die oft ebenfalls aus dem Ruder geraten sind, positiv beeinflusst.

Sollten Sie Metformin nicht vertragen oder es aus irgendwelchen anderen Gründen für Sie nicht in Frage kommen, stehen zahlreiche alternative Medikamente zur Auswahl.

  • Acarbose: Hemmt die Verdauung der Kohlenhydrate und verhindert so einen zu starken Anstieg des Blutzuckerspiegels nach den Essen.
  • Biguanide: Vermindern die Aufnahme der Glukose aus dem Darm und senken auch die Neubildung von Glukose. Die Aufnahmefähigkeit von Zucker durch die Zellen wird gesteigert. Einnahme erfordert genaue Überwachung durch den Arzt.
  • Sulfonylharnstoffe/Glinide: Bewirken eine vermehrte Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse. Achtung: Wirkung von Sulfonylharnstoff wird durch eine Reihe nicht verschreibungspflichtiger Medikamente beeinflusst. Deshalb vor Einnahme anderer Arzneimittel Arzt konsultieren.

Stetige Intensivierung der Behandlung

Wenn Sie sich nach weiteren 3 bis 6 Monaten wieder bei Ihrem Arzt vorstellen und die Zuckerwerte trotz konsequenter Tabletteneinnahme und aller Basismaßnahmen, die Sie weiterhin sorgsam umsetzen, noch immer nicht im Zielbereich liegen, wird die Behandlung weiter intensiviert. Jetzt bekommen Sie zwei oder drei unterschiedliche Medikamente, in der Regel Metformin in Kombination mit einem anderen sogenannten oralen Antidiabetikum.

Reicht auch das nicht aus, steht an letzter Stelle der Behandlung das Hormon Insulin selbst. Es muss im Gegensatz zu allen Medikamenten, die Sie bis dahin bekommen haben, gespritzt werden und erfordert daher ganz besonders Ihre Mitarbeit und Sorgfalt.

Verwandte Beiträge

Ob Sie die anderen Medikamente weiterhin zusätzlich einnehmen oder nur Insulin spritzen und nach welchem Schema sich die Behandlung richtet, entscheidet letztlich Ihr Arzt. Das hängt u.a. davon ab, wie Ihre Blutzuckerwerte im Tagesverlauf aussehen. Außerdem spielen persönliche Faktoren und Ihre eigenen Bedürfnisse eine Rolle.

Wichtig ist, dass Sie hinter der Behandlung stehen und sich darauf einlassen. Um Ihnen den Umgang mit den Spritzen zu erleichtern, helfen Schulungen, die eigens dafür konzipiert sind.

Nicht in Stein gemeißelt

So vielschichtig die Stoffwechselerkrankung Diabetes ist und so unterschiedlich Sie im Einzelnen verläuft, so wenig festgelegt ist auch die Therapie. Die verschiedenen Bausteine sind durchaus flexibel. So kann Insulin grundsätzlich auch schon früher unterstützend zum Einsatz kommen und oft nach einer Weile auch wieder abgesetzt werden. Sie müssen also, einmal damit angefangen, nicht unbedingt Ihr Leben lang spritzen.

An dieser Stelle kommen wir wieder zum Beginn und der Grundlage der Behandlung zurück: Ernährung, körperliche Aktivität und all die anderen oben genannten Bausteine der Basistherapie. Wenn Sie konsequent dranbleiben, können Sie die Erkrankung auf jeder Stufe der Behandlung positiv beeinflussen und dafür sorgen, dass Sie die Spritzen und Tabletten irgendwann vielleicht sogar nicht mehr brauchen.

Wie sieht die Stufentherapie beim Typ-2-Diabetes aus? 

Die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 richtet sich nach einem bestimmten Schema. Grundlage der Therapie sind stets Basismaßnahmen, bei denen vor allem Sie selbst gefragt sind. Die weitere Behandlung erfolgt stufenweise und wird bei Bedarf Schritt für Schritt gesteigert.

Stufe 1 bis 4

Es hat sich bewährt, bei der Diabetestherapie nach einem festen Algorithmus vorzugehen. Das unterstützt nicht nur den Arzt bei der Therapieentscheidung, sondern hilft auch, schrittweise herauszufinden, welche Behandlung für Sie persönlich die beste ist. Die einzelnen Therapiestufen sind dabei allerdings nicht in Stein gemeißelt. So vielgestaltig die komplexe Stoffwechselerkrankung ist, so flexibel ist auch die Behandlung.

Um Ihnen einen Überblick zu verschaffen, stellen wir Ihnen die Stufentherapie im folgenden systematisch vor. Die Behandlung des Typ-2-Diabetes sieht insgesamt 4 Therapiestufen vor:

  • 1. Stufe: Basistherapie
  • 2. Stufe: Basistherapie + einzelnes Antidiabetikum
  • 3. Stufe: Basistherapie + Kombination aus zwei oder drei Antidiabetika
  • 4. Stufe: Basistherapie + Insulintherapie

Stufe 1: Schulung, Ernährung und Bewegung

Die Basis der Behandlung bilden Maßnahmen, von denen Sie sicher schon einmal gehört haben: Ernährung und Bewegung. Da der Diabetes seinen Ausgang oft im jeweiligen Lebensstil nimmt, können Sie hier mit recht einfachen Mitteln und ohne jede Tablette tatsächlich sehr viel erreichen.

Wie Sie das am besten anstellen, erfahren Sie in Schulungen. Hier werden Ihnen die Grundlagen der Erkrankung vermittelt; Sie bekommen eine ausführliche Ernährungsberatung, Tipps, wie Sie sich fit halten können und wie Sie vom Rauchen loskommen, sollten Sie diesem Laster verfallen sein. Auch der richtige Umgang mit Stress ist wichtig und gehört genauso zu den Basismaßnahmen.

Im ersten Schritt der Behandlung geht es außerdem darum, andere Erkrankungen, die oft mit einem Typ-2-Diabetes einhergehen, mit zu berücksichtigen. Dazu gehörten vor allem Fettstoffwechselstörungen und ein Bluthochdruck. So erhalten Sie in Stufe 1 idealerweise ein Komplettpaket, das individuell auf Sie zugeschnitten ist und Sie durch die gesamte Therapie begleitet.

Ihre Mitarbeit bleibt stets gefragt

Bei manchen Menschen lassen sich die Zuckerwerte trotz aller Motivation und Bereitschaft allein mit einer Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung nicht ausreichend senken. Das heißt allerdings nicht, dass Sie jetzt wieder in alte Gewohnheiten verfallen können, da Ihre Anstrengungen ja ohnehin nichts gebracht haben. Die Basismaßnahmen stehen nicht nur am Anfang, sondern sind auf jeder Therapiestufe Grundlage der Behandlung.

Wenn bei der Kontrolluntersuchung nach 3 bis 6 Monaten jedoch ein gewisser Zielwert im Blut nicht erreicht ist, greift Stufe 2: die Behandlung mit einem einzelnen sogenannten oralen Antidiabetikum.

Stufe 2: in der Regel Metformin

Im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes steht bei der Behandlung vom Typ 2 nämlich nicht Insulin an erster Stelle, sondern zunächst verschiedene Medikamente (sogenannte orale Antidiabetika), die den Blutzucker auf unterschiedlichen Wegen senken.

Die erste Wahl ist dabei Metformin. Es sorgt dafür, dass die Leber weniger Glukose (Fruchtzucker) herstellt und bewirkt vermutlich auch, dass die restliche Glukose im Blut "aufgeräumt" wird, indem die Muskelzellen sie vermehrt aufnehmen. Außerdem unterstützt Metformin die Gewichtsreduktion und wirkt sich positiv auf die Blutfette aus.

Wenn der Wirkstoff nicht vertragen wird oder individuelle Faktoren gegen die Verordnung sprechen, gibt es zahlreiche Alternativen. Sie steigern entweder die Freisetzung des Hormons Insulin, sensibilisieren die Zielzellen oder hemmen die Kohlenhydratverdauung.

Stufe 3: aus eins wird zwei oder drei

Reicht ein einzelnes Medikament nicht aus und zeigt Ihr Blut nach weiteren 3 bis 6 Monaten noch immer erhöhte Zuckerwerte, kommen in Stufe 3 der Behandlung zwei oder drei Antidiabetika zum Einsatz. In der Regel wird Metformin mit einem weiteren Medikament verschrieben, es sind aber auch andere Kombinationen möglich. Abhängig ist die Entscheidung auch von Ihrer persönlichen Situation und möglichen weiteren Erkrankungen.

Stufe 4: Spritzen

Danach wiederholt sich das Prozedere erneut: Sie halten sich weiterhin an die Basismaßnahmen, nehmen zusätzlich Ihre Medikamente ein und rücken nach spätestens einem halben Jahr wieder bei Ihrem behandelnden Arzt an. Zeigt sich der Diabetes nach wie vor hartnäckig, ist es in Stufe 4 Zeit für eine Insulintherapie.

Dabei gibt es wiederum mehrere Varianten. Entweder bekommen Sie Insulin alleine oder zusammen mit den bisherigen Medikamenten. Außerdem gibt es verschiedene Insuline und unterschiedliche Behandlungsschemata. Welches für Sie am besten geeignet ist, entscheidet letztlich Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Im Gegensatz zu den oralen Antidiabetika, die als Tabletten zur Verfügung stehen, müssen Sie Insulin spritzen. Das schreckt viele Betroffene erst einmal ab. Die Technik ist aber im Grunde simpel und schnell erlernt. Nach einer ersten Überwindung klappt es oft gut. Auch hier werden Sie zunächst gründlich geschult.

Diabetes Typ 2: Was bedeutet Basistherapie?

Wie der Name schon sagt, bildet die Basistherapie die Grundlage der Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2. Sie steht nicht nur am Anfang der Therapie, sondern zieht sich durch alle Phasen der Behandlung.

Dabei werden insgesamt vier Therapiestufen unterschieden. Während die erste allein Basismaßnahmen umfasst, kommen ab Stufe 2 Medikamente hinzu. Die Basistherapie läuft aber parallel immer weiter.

Was man selbst ändern kann

Was aber ist damit genau gemeint? Bei der Entstehung der Stoffwechselerkrankung Diabetes spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Neben einer genetischen Veranlagung sind vor allem eine ungesunde, unausgewogene Ernährung und Bewegungsmangel mitverantwortlich. Unsere heutige Lebensweise, die Arbeitsbedingungen und Essgewohnheiten kommen der Gesundheit leider häufig nicht gerade entgegen. Genau hier setzt die Basistherapie daher an.

Folgende Maßnahmen gehören dazu:

  • Schulung
  • Ernährungsberatung
  • mehr körperliche Aktivität und Bewegung
  • Rauchverzicht
  • Stressbewältigung

Wissen, womit Sie es zu tun haben

Zunächst einmal ist es wichtig, dass Sie über die Erkrankung informiert sind und die Tragweite ermessen können. Diabetes vom Typ 2 gehört zu den Krankheiten, die oft primär keine größeren Beschwerden hervorrufen. Umso größer ist die Gefahr, dass man sie nicht allzu ernst nimmt und auch die Behandlung eher locker handhabt.

Genau das ist aber fatal, da die Folgeschäden, die ein erhöhter Blutzucker dauerhaft mit sich bringt, erheblich sind. Sie dafür zu sensibilisieren, ist ein wichtiges Ziel der Schulungen, für die es strukturierte Programme gibt.

Rund um die Ernährung

Was das Essverhalten anbelangt, soll Ihnen ganz allgemein eine gesunde, ausgewogene, möglichst frische Ernährung vermittelt werden. Wichtig für Diabetiker ist es außerdem zu wissen, welche Nahrungsmittel den Blutzucker vor allem in die Höhe treiben. Zucker ist nicht generell verboten, sollte aber in größeren Mengen und in bestimmten Formen (Haushaltszucker, Fruchtzucker) vermieden werden. Bei den Fetten ist zwischen "guten" und "schlechten" zu unterscheiden.

Eine Ernährungsberatung erfolgt allerdings stets individuell und muss an Ihre bisherigen Essgewohnheiten, an Ihre Lebenssituation und Ihre individuellen Präferenzen anknüpfen.

Bewegung: nicht nur gegen Diabetes gut

Stichwort Bewegung: Körperliche Aktivität bringt den Organismus in Schwung und sorgt dafür, dass die Zellen mehr Glukose (Fruchtzucker) aufnehmen und damit aus dem Blut schaffen.

Aber Bewegung ist nicht nur für den Blutzucker gut, sondern auch für das Herz-Kreislauf-System. Es ist ganz besonders von den Langzeitwirkungen eines Diabetes betroffen. Daher sollten Sie gut auf Ihr Herz und die Gefäße aufpassen, vor allem, wenn Sie vielleicht schon entsprechende Vorerkrankungen haben oder bestimmte Risikofaktoren (z.B. Bluthochdruck) mitbringen.

Die kleinen Dinge

Bei der körperlichen Aktivität geht es erst einmal gar nicht um ein Hochleistungsprogramm. Schon kleine Veränderungen im Alltag können vieles bewirken: die Treppe nehmen statt des Fahrstuhls; mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder eine Haltestelle früher aussteigen und laufen; am Wochenende einen Morgenspaziergang zum Bäcker einplanen. All das ist schon ein guter Anfang.

Je nach Alter, bisherigem Fitnesszustand und Ihren persönlichen Vorlieben kann darüber hinaus ein strukturiertes Bewegungsprogramm für Sie gefunden werden, das aus Ausdauer- und/oder Krafttraining besteht, aber unterstützend auch Yoga, Tai Chi oder Tanzen umfassen kann. Gerade für ältere Menschen kann es hilfreich sein, Koordination, Beweglichkeit und Reaktionsfähigkeit gezielt zu trainieren.

Es gibt hier zahlreiche Möglichkeiten, die auch Spaß machen und zum Teil obendrein gesellig sind. Bei den vielfältigen Angeboten heutzutage müsste eigentlich für jeden etwas Passendes dabei sein. Lassen Sie sich doch einfach mal beraten.

Rauchen und Stress

Rauchen und Diabetes ist keine gute Kombination. Beides setzt den Gefäßen zu und erhöht das Risiko für Folgeschäden noch weiter. Auch wenn es schwerfällt, tun Sie sich und Ihrem Körper einen enormen Gefallen, wenn Sie mit dem Qualmen aufhören. Wenn Sie motiviert sind, es aber bisher alleine einfach nicht geschafft haben, werden Sie gezielt beraten und unterstützt. Nehmen Sie auch dieses Angebot unbedingt wahr.

Bleibt zuletzt noch der tägliche Wahnsinn. Stress gehört heute für viele Menschen zum Alltag. Sie stehen unter Dauerstrom, machen zehn Dinge gleichzeitig und vergessen dabei vor allem eines: sich selbst. Der richtige Umgang mit den Anforderungen und Herausforderungen, vor die sich viele Menschen gestellt sehen, ist nicht leicht, kann aber erlernt werden und lässt sich oft weitaus "selbstfreundlicher" gestalten. Und wer sich ab und zu einmal Zeit für sich nimmt, wird womöglich erstaunt feststellen, dass andere Dinge dadurch trotzdem nicht zu kurz kommen, ganz im Gegenteil.

Medikamente beim Diabetes Typ 2

Zunächst einmal: Medikamente müssen beim Typ-2-Diabetes nicht unbedingt eingenommen werden. Wenn es doch nötig wird, steht eine ganze Reihe verschiedener Substanzen zur Auswahl.

Manchmal geht es sogar ohne

Bevor der Arzt Ihnen Tabletten verschreibt, wird er versuchen, Sie zu motivieren, Ihren Blutzucker anderweitig unter Kontrolle zu bringen. Oft gelingt das nämlich schon, wenn Sie ein paar Dinge in Ihrem Alltag ändern. Wie Sie vielleicht schon ahnen, betrifft das Ihre Ernährung und die Fitness.

Aber die sogenannte Basistherapie, die am Anfang jeder Diabetesbehandlung steht, umfasst noch mehr. Ausführliche Schulungen helfen Ihnen, die Erkrankung und ihre Tragweite zu verstehen und damit umzugehen. Sie erhalten viele praktische Tipps für den Alltag und werden ggf. dabei unterstützt, mit dem Rauchen aufzuhören.

...aber leider nicht immer

Aber nicht immer reichen diese Maßnahmen alleine aus. Diabetes hat viel mit dem Essverhalten und dem Lebensstil zu tun, aber eben nicht nur. Gerade beim Typ-2-Diabetes spielt auch die genetische Veranlagung eine große Rolle.

So ist die Erkrankung zwar durch eine Änderung der Essgewohnheiten und durch mehr Bewegung grundsätzlich immer positiv zu beeinflussen; manchmal reicht das allein aber nicht aus, um den Blutzucker ausreichend zu senken. Dann ist es Zeit für Medikamente. Denn ein hoher Blutzuckerspiegel schadet auf Dauer den Gefäßen und sämtlichen Organen.

Das Ziel: den Blutzuckerspiegel drosseln

Es gibt verschiedene Wirkstoffe, die jeweils an unterschiedlichen Stellen des Zuckerstoffwechsels eingreifen. Ziel ist es letztlich immer, dafür zu sorgen, dass weniger Glukose (Fruchtzucker) im Blut zirkuliert.

Dafür zuständig ist vor allem das Hormon Insulin aus der Bauchspeicheldrüse, das beim Diabetes mellitus Typ 2 allerdings weniger gut wirken kann, weil es mit dem Ansturm an Glukose überfordert ist. Daher versucht man, das Hormon medikamentös zu unterstützen. Ein anderer Weg besteht darin zu verhindern, dass noch mehr Zucker gebildet oder vom Körper aufgenommen wird.

So stehen insgesamt folgende Mechanismen zur Verfügung:

  • Steigerung der Ausschüttung von Insulin: Sulfonlharnstoffe, Glinide, DPP-4-Inhibitoren, GLP-1-Rezeptoragonisten
  • Sensibilisierung der Zielzellen für Insulin: Glitazone
  • Hemmung der Neubildung von Glukose: Biguanide
  • Hemmung der Aufnahme von Kohlenhydraten im Darm: Glukosidasehemmer
  • Hemmung der Aufnahme von Glukose in der Niere: SGLT2-Inhibitoren

Medikamente im Überblick

Viele der einzelnen Medikamente, die beim Diabetes mellitus Typ 2 zum Einsatz kommen, werden auch orale Antidiabetika genannt, also Mittel gegen den Diabetes zum Schlucken. Im Gegensatz zum Insulin liegen sie nämlich zum großen Teil in Form von Tabletten vor. Eine Ausnahme sind die sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten, die unter die Haut gespritzt werden müssen.

Im folgenden möchten wir Ihnen die Substanzen bzw. Wirkstoffgruppen kurz vorstellen:

  • Metformin aus der Gruppe der Biguanide ist in der Regel das Mittel der ersten Wahl. Es wird eingesetzt, wenn sich nach 3 bis 6 Monaten Basistherapie kein ausreichender Erfolg abzeichnet. Der Wirkstoff hemmt vor allem die Leber bei der Glukoseherstellung, hat aber vermutlich noch andere Effekte. Vor allem bei Menschen mit Übergewicht ist es förderlich, da es die Gewichtsreduktion unterstützt.
  • Sulfonylharnstoffe wie Glibenclamid, Glimepirid oder Gliclazid steigern die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse, wo das Hormon in kleinen Bläschen gespeichert und bei Bedarf freigesetzt wird. Die Gefahr bei diesen Wirkstoffen liegt darin, dass sie zu viel des Guten bewirken, was zu schweren Unterzuckerungen führen kann. Außerdem führen sie zu einer Gewichtszunahme, was auch nicht gerade erwünscht ist. Da sie auch Herz- und Gefäßprobleme hervorrufen können, werden sie nicht mehr vorrangig zur Behandlung empfohlen, vor allem nicht bei älteren Menschen.
  • Repaglinid, ein Vertreter der Glinide, sorgt ebenfalls für eine gesteigerte Ausschüttung von Insulin. Es hat eine kurze Wirkdauer und fängt daher hauptsächlich den Blutzuckeranstieg direkt nach dem Essen ab. Da Glinide keinen nennenswerten Vorteil gegenüber anderen Antidiabetika haben, werden Sie nur in Ausnahmesituationen eingesetzt.
  • Hinter den komplizierten Begriffen DPP-4-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten verbergen sich Substanzen, die im Grunde das Gleiche bewirken wie Sulfonylharnstoffe und Glinide: mehr Insulin. Allerdings über einen etwas anderen Mechanismus. Die sogenannten Gliptine (Sitagliptin, Saxagliptin, Alogliptin) haben recht wenig Nebenwirkungen und können daher bei Unverträglichkeiten alternativ zu Metformin oder Sulfonylharnstoffen sinnvoll sein. Meist werden sie aber, wie der GLP-1-Rezeptoragonist Liraglutid auch, in Kombination eingesetzt.
  • SGLT2-Inhibitoren (Gliflozine) sind eine recht neue Substanzeklasse in der Diabetestherapie. Sie bewirken dreierlei: Sie senken den Blutzucker und den Blutdruck und führen außerdem zu einem Gewichtsverlust. Allerdings sind sie auf eine funktionierende Niere angewiesen, um wirken zu können. Vorgesehen sind sie entweder in Kombination mit anderen Antidiabetika oder auch als alleinige Therapie. Auch wenn die Effekte der Gliflozine aktuell noch eifrig erforscht werden, scheint sich doch bereits abzuzeichnen, dass sie wirksam und gleichzeitig gut verträglich sind.
  • Glukosidasehemmer spielen heutzutage nur eine untergeordnete Rolle in der Behandlung des Typ-2-Diabetes. Sie wirken recht schwach, führen aber oft zu unangenehmen Magen-Darm-Beschwerden. Ergänzend zu anderen Medikamenten können sie aber im Einzelfall in der Frühphase der Erkrankung zum Einsatz kommen.
  • Auch die Glitazone werden nur in Ausnahmefällen eingesetzt, da ihr Nebenwirkungspektrum breit, die Wirkung hingegen oft unzureichend ist. So wurden einige Substanzen bereits vom Markt genommen, andere werden sehr selten einmal verwendet, beispielsweise, wenn bisherige Antidiabetika nicht vertragen wurden.

Schwere Entscheidung

Welches Medikament bei dieser verwirrenden Vielfalt für Sie das richtige ist, entscheidet Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen. Neben Metformin, das meist als erstes ausprobiert wird, sind die anderen Substanzen im Grunde recht gleichwertig bzw. haben alle ihre Vor- und Nachteile, die im Einzelfall abgewogen werden müssen. Welches ausgewählt wird oder welche Kombination ggf. in Frage kommt, hängt auch von individuellen Faktoren und Begleiterkrankungen ab. Oft muss man einfach ausprobieren, was der Betroffene am besten verträgt.

Übrigens: Insulin kommt beim Typ-2-Diabetes in der Regel erst dann zum Zug, wenn die Tabletten allein inklusive Basismaßnahmen nicht ausreichen. Auch wenn der Stoffwechsel aus dem Ruder läuft, kann Insulin sinnvoll sein, oft aber nur vorübergehend.

Muss auch beim Typ-2-Diabetes Insulin gespritzt werden?

Zu Beginn der Erkrankung genügt meist eine Ernährungsumstellung, eine angepasste Lebensweise (mehr Bewegung) und die Einnahme von Tabletten. Im weiteren Verlauf kann aber auch eine Insulinbehandlung notwendig werden.

Häufig beginnt man dann mit der Gabe eines sogenannten Verzögerungsinsulins vor dem Schlafengehen, zusätzlich zu den tagsüber eingenommenen Tabletten. Oder es wird tagsüber zusätzlich zu den Tabletten ein langwirksames Insulin gespritzt.

Individuell angepasste Insulintherapie oft die beste Wahl

Alternativ kommen auch die "Konventionelle Insulintherapie" (CT) oder die "Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT)" in Betracht. Die ICT wird bei Menschen mit Typ-2-Diabetes immer häufiger eingesetzt. Anders als bei der CT wird hier das Insulinspritzen an den individuellen Tagesablauf angepasst. Damit ermöglicht die ICT eine wesentlich größere Flexibilität für den Diabetiker: Mahlzeiten und Aktivitäten können spontan geplant oder verschoben werden. Meist werden mit dieser Behandlungsform bessere Blutzuckereinstellungen erreicht als mit der CT.

Wozu dienen Diabetiker-Schulungen?

Die Diabetiker-Schulungen haben vor allem den Zweck, den richtigen Umgang mit der Erkrankung zu lernen. So werden hier neben vielen allgemeinen Informationen wertvolle Tipps zur Ernährung und zum Alltagsleben gegeben.

Wenn Sie Insulin spritzen müssen, wird in den Schulungen der Umgang mit Insulinspritzen erklärt und gezeigt. Und natürlich noch vieles andere mehr.

Es mag nerven, aber es lohnt sich unbedingt

Uns ist völlig klar, dass kaum einer so richtig Lust auf diese Kurse hat. Die Termine halten einen von irgendetwas anderem ab und dann sitzt man auch noch in einer Gruppe "Kranker" und muss sich damit auseinandersetzen, dass man selbst betroffen ist. Aber das ist Blödsinn.

Tatsache ist: Wer solche Kurse mitmacht, lebt länger. Das klingt brutal, aber so ist es. Mehrere Untersuchungen haben zweifelsfrei nachgewiesen, dass Menschen mit Diabetes, die sich aktiv mit ihrer Stoffwechselerkrankung auseinandersetzen und das Steuerrad selbst in die Hand nehmen, eine deutlich bessere Prognose und Lebenserwartung haben. Und zwar eine, die denjenigen ohne Diabetes entspricht.

Die richtigen Adressen

Wo anerkannte Diabetiker-Schulungen angeboten werden, kann man über örtliche Diabetes-Selbsthilfegruppen erfragen. Aber auch der Hausarzt, Diabetes-Fachpraxen oder Klinik-Schwerpunktabteilungen in Ihrer Nähe sind gute Ansprechpartner.

Wofür ist eine Diabetes-Schwester verantwortlich?

Die Diabetes-Schwester wird vor allem aktiv, wenn bei Ihnen ein Diabetes neu festgestellt wurde oder Sie von Tabletten auf Insulin umsteigen. Sie erklärt Ihnen die wichtigsten Fragen im Umgang mit Ihrem Diabetes.

Im Einzelnen:

  • Erlernen des Insulinspritzens
  • Erlernen der Blutzuckerkontrolle
  • Ratschläge für den Alltag (Essen, Sport, Reisen, Arbeit etc.)
  • Beantwortung aller Ihrer weiteren Fragen zum täglichen Lebensablauf

Warum empfiehlt sich das Führen eines Diabetiker-Tagebuchs?

In einem Diabetiker-Tagebuch werden Insulin- und Tablettendosis, Gewicht und die täglichen Aktivitäten (Sport, Ernährung etc.) eingetragen. Das Führen eines solchen Tagebuchs ist absolut empfehlenswert.

Auch wenn es zunächst vielleicht umständlich und aufwändig erscheinen mag: Gerade im Falle von Komplikationen wie z.B. Unterzuckerungen oder schwankenden Blutzuckerspiegeln hilft das Tagebuch, die Ursachen für die Komplikationen zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Zudem hilft es einem selber, die Lebensweise und Blutzuckerkontrolle bewusst zu steuern.

Lebensstil und Sport

Heilung durch Lebensstiländerung?

Das wäre möglich. In einer Studie waren britische Forscher mit einem strikten Programm zur Gewichtsreduktion bei Diabetikern ziemlich erfolgreich.

Weniger Gewicht, bessere Insulinwirkung

Beim Typ-2-Diabetes sind die Zellen der Bauchspeicheldrüse, die für die Insulinbildung verantwortlich sind, oft durchaus noch intakt. Sie sind nur überfordert und verzweifeln an den abgestumpften Zielstrukturen, die nicht mehr ausreichend auf ihre Botenstoffe reagieren.

Um ihnen Erleichterung zu verschaffen, hilft es, wenn man ein paar Kilo weniger auf die Waage bringt. Insulin kommt dann wieder besser zur Geltung. Das ist schon lange bekannt. Aber kann der Effekt tatsächlich so groß sein, dass Diabetiker, die zuvor Medikamente einnehmen mussten, zukünftig darauf verzichten könnten? Bei dem englischen Experiment ist das geglückt.

Normale Werte nach einem Jahr

Die ehrgeizigen Forscher setzen ihre übergewichtigen Probanden für 3-5 Monate auf eine strikte Diät. Dazu kooperierten sie mit knapp 50 Hausarztpraxen, die die Betroffenen (mehr als 300 Personen) unterstützten und in ein intensives Programm einbanden.

Was kam dabei heraus? Ein Jahr nach Beginn der Maßnahmen waren die Teilnehmer im Schnitt um 10 kg leichter, während es in der Kontrollgruppe, die nicht an dem Programm beteiligt war, nur 1 kg war.

Das Erstaunlichste aber war: Fast die Hälfte der Probanden in der Interventionsgruppe erreichte eine sogenannte klinische Remission, was bedeutet, dass sie anhand der Laborwerte gesund waren. Der HbA1c lag, wie es sich gehört, unter 6,5%, und das ohne jegliche Medikamente! Die Kontrollgruppe erreichte das nur in 4%.

Zumindest ein Anstoß

Natürlich heißt das nicht, dass das bei jedem funktioniert und dass man sich nur genug anstrengen muss, um wieder ganz gesund zu werden. Diabetes ist eine sehr komplexe Stoffwechselerkrankung, die nicht nur vom Essen abhängt. Eine große Rolle spielen die täglichen Mahlzeiten dennoch, gerade bei übergewichtigen Menschen. Das zeigt die Studie eindrücklich.

Allerdings wurden die Probanden hart rangenommen. Die Diät bestand aus einer flüssigen Mahlzeiten-Ersatztherapie mit weniger als 900 kcal am Tag. Das ist durchaus ambitioniert und bestimmt nicht jedermanns Sache. Entscheidend beim Abnehmen ist ja auch immer die langfristige Umsetzung. Und da eine solche Flüssignahrung keine Dauerlösung sein kann, bleibt der Übergang zur "normalen" Ernährung danach kritisch.

Aber dennoch: Vielleicht kann eine solche Radikalkur und die entsprechenden Effekte, die sie schnell zu Tage fördert, den einen oder anderen doch so stark motivieren, dass er sein Gewicht dauerhaft halten kann – und vielleicht sogar fortan auf Tabletten verzichten darf.

Mit aktivem Lebensstil und weniger Gewicht ein Jahr länger beschwerdefrei

Dass Sie mit Diabetes auf Ihr Gewicht achten und Ihre Aktivität steigern sollten, ist Ihnen vermutlich nicht neu. Vielleicht könnte diese Studie Ihre Motivation weiter steigern.

5000 Teilnehmer, 10 Jahre Intensivprogramm

Die Wissenschaftler interessierten sich dabei für die Qualität an Lebenszeit, die Betroffene durch einen entsprechenden Lebensstil gewinnen. Es ging also darum zu untersuchen, wie lange die Teilnehmer an der Studie ohne Einschränkungen und Beschwerden lebten.

Dazu wurden zwei Gruppen gebildet, von denen die eine ein intensives Programm zur Gewichtsreduktion erhielt, während die andere lediglich eine allgemeine Diabetesschulung durchlief. Insgesamt nahmen mehr als 5000 Personen daran teil und wurden über 10 Jahre beobachtet. Jedes Jahr wurden sie befragt, wie sie im Alltag zurechtkämen und ob ihnen bestimmte Tätigkeiten schwerfielen.

Nicht länger, aber länger besser leben

Es zeigte sich: Die besonders umhegte Gruppe war seltener beeinträchtigt und bekam, wenn überhaupt, erst später Beschwerden. Für einen 60-jährigen Studienteilnehmer bedeutete das fast ein Jahr mehr Lebensqualität ohne körperliche Einschränkungen. Die Lebenserwartung insgesamt veränderte sich durch das Intensivprogramm allerdings nicht.

Es zeigt sich mal wieder, dass sich eine langfristige Umstellung manch liebgewonnener Lebensgewohnheiten bezahlt macht. Je früher Sie damit beginnen, umso mehr haben Sie davon.

Warum ist körperliche Bewegung bei Diabetes so wichtig?

Körperliche Aktivität dient nicht nur der Gewichtsabnahme, die beim Typ-2-Diabetes so wichtig ist. Durch Bewegung werden die Zellen auch empfindlicher für Insulin, d.h. Insulin kann seine Wirkung besser entfalten. Der Effekt: Von der im Blut herumschwimmenden Glukose wird mehr in die Zellen aufgenommen, der Zuckerspiegel im Blut sinkt also. Diese erhöhte Insulinempfindlichkeit der Körperzellen wirkt sich vor allem bei Typ-2-Diabetes günstig aus.

Aber natürlich ist körperliche Aktivität auch generell – wie für Nicht-Diabetiker auch – absolut empfehlenswert. Wichtig zu wissen: Es kommt dabei mehr auf die Regelmäßigkeit als auf die Intensität an. Sehr zu empfehlen ist regelmäßige moderate Bewegung (z.B. einmal täglich Spazierengehen oder Fahrradfahren).

Welche Sportarten sind am günstigsten bei Diabetes?

Besonders empfehlenswert für Menschen mit Diabetes sind Ausdauersportarten wie Wandern, Radfahren, Joggen, Schwimmen oder Nordic Walking. Diese sportlichen Aktivitäten wirken sich günstig auf das Herz-Kreislauf-System und die Lungenfunktion aus.

Vorsicht geboten ist bei Sportarten, die im Falle einer Unterzuckerung gefährlich werden können, so z.B. Tauchen, Motorradfahren oder auch Bergsteigen.

Kurz und intensiv funktioniert auch

Meist werden bei Diabetes zwar Ausdauersportarten empfohlen. Doch es geht auch anders: mit sehr kurzen, intensiven Übungseinheiten. In einer Studie absolvierten die Probanden ein sogenanntes Intervalltraining auf dem Hometrainer. Nach kurzen Sprints über 30 Sekunden folgte jeweils eine vierminütige Verschnaufpause. Die gesamte Übungseinheit dauerte nicht länger als 20 Minuten, mit insgesamt nur 3 Minuten maximaler Belastung.

Das Ergebnis: Das kurze Training aus Sprints und Pausen reduzierte den Blutzuckeranstieg. Auch die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin nahm zu. Die Wissenschaftler vermuten, dass das kurze intensive Training die Muskeln dazu bringt, deutlich mehr Zucker aufzunehmen als sonst.

Wer also seinen Blutzucker positiv beeinflussen möchte, kann das statt mit Ausdauersport auch mit kurzen Intensiveinheiten tun. Was aber wichtig ist: Für das Herz-Kreislauf-System und in Bezug auf das Gewicht gilt das nicht. Hier ist immer noch Ausdauersport das beste Mittel.

Kann Yoga den Blutzucker senken?

Ob von Yoga auch Menschen mit Diabetes profitieren könnten, haben sich indische Forscher gefragt. In Altenpflegeheimen untersuchten sie ältere Frauen, die alle dieselben Mahlzeiten erhielten.

Sie wiesen die Probandinnen zwei unterschiedlichen Gruppen zu, wobei die eine ihren gewohnten Lebensstil beibehielt. In der anderen Gruppe ging es in den nächsten 12 Wochen sportlich zu. Dreimal pro Woche bekamen die Teilnehmer ein Training und wurden von einem Yogalehrer in Atemübungen und verschiedenen Körperhaltungen angeleitet.

Schon nach sechs Wochen zeigten sich erste Erfolge. Der Blutzuckerspiegel sank ebenso wie die Fettwerte, während sie in der Kontrollgruppe unverändert blieben. Am Ende der Untersuchung war der Blutzucker um knapp 10 mg/dl geringer als zuvor, das "schlechte" LDL-Cholesterin war um ca. 3% reduziert und das "gute" HDL um etwa 7,5% angestiegen. 

Wie verhalte ich mich am besten bei großen körperlichen Anstrengungen?

Das kommt darauf an, ob Sie Ihren Diabetes mit Insulin behandeln oder nicht. Bei einer Insulin-Behandlung gilt für größere körperliche Belastungen (z.B. Bergtouren, lange Radfahrten, stundenlange körperliche Arbeit) folgende Faustregel:

  • Insulindosis halbieren
  • stündlich zusätzlich 1-2 Obstwerte (10-20 g Kohlenhydrate) zu sich nehmen (z.B. Obst, Fruchtsäfte oder Riegel)
  • zwischendurch mehrmals den Blutzucker messen

Wichtig: Häufig kommt es erst nach der körperlichen Anstrengung, vor allem in der Nacht, zu einem starken Blutzuckerabfall. Deshalb sollten Sie unbedingt vor dem Schlafengehen noch einmal Ihren Blutzucker messen. Bei erhöhten und selbst bei normalen Werten ist dann eine kleine Zusatzmahlzeit notwendig, um einen zu starken Blutzuckerabfall in der Nacht zu vermeiden.

Bei einem Typ-2-Diabetes, der nur mit Tabletten und Ernährung behandelt wird, sind diese Vorsichtsmaßnahmen nicht notwendig, weil keine derartige Unterzuckerungsgefahr besteht.

Woher weiß ich, wie mein Blutzuckerspiegel auf Sport oder körperliche Anstrengung reagiert?

Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Klar ist, dass der Blutzucker bei und vor allem nach stärkeren körperlichen Belastungen absinkt, weil die Muskeln ihre Zuckerspeicher wieder auffüllen. Zusammen mit Insulin kann das zu einem überschießenden Blutzuckerabfall (Hypoglykämie) führen. Wie ausgeprägt der Blutzucker auf körperliche Aktivität reagiert, ist aber individuell verschieden.

Wenn Sie Insulin spritzen: Finden Sie heraus, wie Ihr Körper und Ihr Blutzucker auf Sport und körperliche Belastung reagieren. Messen Sie lieber einmal öfter als einmal zu wenig Ihren Blutzucker. Führen Sie am besten ein kleines Tagebuch, in dem Sie die Blutzuckerverläufe nach dem Sport dokumentieren. Besprechen Sie das Thema auch – gerade wenn es Ihnen noch an Erfahrung fehlt – mit Ihrem Arzt.


Pflanzliche Wirkstoffe

Wie wirkt Resveratrol bei Diabetes mellitus?

Resveratrol ist vor allem als Bestandteil im Rotwein bekannt. Neben Weintrauben enthalten aber auch andere Früchte, Beeren und Erdnüsse den Stoff, dem entzündungs- und sogar krebshemmende Wirkungen nachgesagt werden. Untersuchungen zur Wirkung des Resveratrols bei Diabetes existieren bislang nur für den Typ II.

Der Diabetes mellitus Typ II ist definert durch ein vermindertes Ansprechen der Körperzellen auf Insulin und geht mit einer Funktionseinschränkung der Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse einher.

Resveratrol wirkt auf mehrfache Weise antidiabetisch

In einer kleinen Studie konnte gezeigt werden, dass Resveratrol sowohl den Nüchternblutzucker als auch das Nüchterninsulin signifikant senkte. Gleichzeitig wurde der Langzeitblutzucker gesenkt und die Insulinsensitivität der Zellen erhöht.

Neben den für Diabetes mellitus typischen Faktoren verbesserten sich auch die Cholesterinwerte (LDL, HDL und Gesamtcholesterin), und der systolische Blutdruck konnte gesenkt werden. Zudem wurde die Ansammlung und Speicherung von Fetten (Triglyceriden) in der Leber gehemmt, die Verbrennung der Fettsäuren (β-Oxidation) angeregt und entzündliche Prozesse verringert. Die Insulinresistenz verbesserte sich bereits bei einer Dosis von 10 mg Resveratrol pro Tag.

Resveratrol und Blutzucker

Resveratrol senkt direkt die Blutzuckerkonzentration. Ursache ist vermutlich eine durch Resveratrol induzierte Erhöhung der Expression des sogenannten GLUT-4-Transporters, der die insulinabhängige Glucoseaufnahme in die Zellen steuert.

Zudem aktiviert Resveratrol das Enyzm AMP-abhängige Kinase (AMPK), wodurch die Energiebereitstellung in der Zelle durch Erhöhung des ATP-Spiegels verbessert wird. Die AMP-Kinase erhöht gleichzeitig die Insulinsensitivität des GLUT-4-Transporters, so dass weniger Insulin für die Glucoseaufnahme in die Zelle benötigt und dadurch die Bauchspeicheldrüse entlastet wird.

Resveratrol und Insulin

Resveratrol schützt die Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse vor oxidativen Schäden, indem es Enzyme aktiviert, die freie Radikale abfangen. Auch konnte unter Resveratrol eine Reduktion der Insulinausschüttung beobachtet werden. Da die Betazellen so weniger schnell erschöpfen, kann ihre Überlebenszeit verlängert werden.

Welchen Effekt hat die Curry-Pflanze Kurkuma bei Diabetes?

Die ingwerähnliche Kurkuma-Pflanze ist im südostasiatischen Raum seit Jahrhunderten für ihre diversen Heilwirkungen bekannt und geschätzt. Sie wird manchmal auch Gelbwurz oder indischer Safran genannt. Mittlerweile entdeckt auch die westliche Medizin die positiven Effekte, die vor allem der gelbe Farbstoff Curcumin offenbar bereithält. Die antientzündlichen und antioxidativen Eigenschaften von Kurkuma könnten dabei auch in der Behandlung des Diabetes und seiner potentiellen Spätfolgen von Bedeutung sein. Dies betrifft sowohl den insulinpflichtigen als auch den nicht-insulinpflichtigen Diabetes.

Günstige Wirkung auf den Blutzucker

Erste Untersuchungen belegen beispielsweise, dass Curcumin imstande ist, Hyperglykämien und Hyperlipidämien zu reduzieren – also zu hohe Zuckerspiegel und zu hohen Fettgehalt im Blut. Offenbar erhöht Curcumin die Glukose-Aufnahme in die Zelle – und das laut einiger wissenschaftlicher Publikationen um ein Vielfaches stärker als beispielsweise das bewährte Metformin.

Auch die Glukosebildung in der Leber kann demnach ähnlich gut gemindert werden, wie es bei einigen bekannten Diabetes-Medikamenten der Fall ist. Ebenso wurde in einzelnen experimentellen Studien ein äußerst positiver Effekt auf die Insulinresiststenz festgestellt. Die Insulinresiststenz, also die Unfähigkeit der Körperzellen, ausreichend auf Insulin zu reagieren und Glukose aus dem Blut aufzunehmen, gilt als eine der Hauptursachen des Altersdiabetes. Sogar destruktive, sogenannte nekrotische Prozesse an den Pankreaszellen konnten laut einiger Forschungsberichte durch den Kurkuma-Extrakt gebremst werden.

Auch Gefäße profitieren

Außerdem könnte Curcumin in der Vorbeugung und Behandlung diabetischer Langzeitschäden gute Dienste tun – so beispielsweise bei der gefürchteten Nephropathie, Retinopathie und Mikroangiopathie. Hier setzt die Diabetes-Forschung speziell auf den in vielen Untersuchungen bereits belegten Gefäßschutz. Der Wirkstoff senkt dabei nicht nur zu hohen Blutdruck, sondern wirkt explizit auch kleinsten Entzündungen in den Gefäßwänden entgegen, was gerade bei Diabetikern sehr wichtig ist.

Und auch bei der häufigen und oft sehr unangenehmen diabetischen Neuropathie konnten in experimentellen Studien Veränderungen gemessen werden: So zeigte sich bei Tieren eine Milderung der Nervenschmerzen sowie eine Besserung der typischen polyneuropathischen Gefühlsstörungen, insbesondere bei der Empfindung von Wärme und Kälte.

Eine Option für die Zukunft?!

Bei all den erstaunlichen Wirkungen, die Curcumin höchstwahrscheinlich auf den diabetischen Stoffwechsel hat, ist bis zur Entwicklung von praxistauglichen Therapieoptionen wohl leider noch Geduld gefragt. Die oben gelisteten Beobachtungen sind in der Tat sehr vielversprechend, stecken aber noch tief in den Kinderschuhen.

Wer keine letzten wissenschaftlichen Absegnungen braucht, kann hochwertige Curryextrakte oder geeignete Nahrungsergänzungsmittel mit Curcumin probieren. Letztere haben den Vorteil, dass sie meist eine deutlich bessere Bioverfügbarkeit als reguläre Gewürzpulver haben. Jegliche Ernährungsumstellung sollte gerade bei Diabetikern aber unbedingt mit dem Diätplan vereinbar sein und mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Eignet sich Zimt zur Blutzuckersenkung? 

Eine mögliche blutzuckersenkende Wirkung von Zimt wird schon seit längerem diskutiert. Mittlerweile gibt es auch erste, kleinere Studien, die dieser Frage systematisch nachgegangen sind. Die Ergebnisse sind allerdings uneindeutig.

Demnach vermag Zimt in größerer Dosierung (1-6 Gramm täglich) kurzfristig tatsächlich den Blutzucker zu senken. Der HbA1c-Wert wurde aber nicht verändert, d.h. im sogenannten Blutzuckergedächtnis (HbA1c zeigt an, wie der Blutzucker in den letzten Wochen eingestellt war) war der positive Effekt nicht sichtbar.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt sogar vor den freiverkäuflichen Zimtpräparaten, da die Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist und vor allem auch verlässliche Daten zu möglichen Nebenwirkungen fehlen. Außerdem enthalten einige Präparate relativ hohe Mengen an Cumarin, das in höheren Konzentrationen gesundheitsschädlich sein kann.

Fazit: Nach den Kriterien der modernen Medizin konnte Zimt seine Wirkung bei Diabetes noch nicht nachweisen, ist aber weiterhin in Diskussion.

Süßholzwurzel: Heilmittel gegen Diabetes?

Die Süßholzwurzel (Glycyrrhiza) ist eine Pflanze, die schon in der Antike als Heilmittel genutzt wurde. Heute dient sie vor allem als Rohstoff für Lakritze. Ihre gesundheitsfördernde Wirkung wird erst langsam wieder ausgegraben. Jetzt wurde festgestellt, dass bestimmte Inhaltsstoffe der Süßholzwurzel den Blutzucker senken und damit Wirkstoffe gegen Diabetes liefern können.

Bisher war bekannt, dass die Süßholzwurzel Substanzen enthält, die gegen Erkrankungen der Atemwege helfen und den Magen beruhigen. Nun haben Wissenschaftler in der essbaren Wurzel der Pflanze eine Gruppe von Naturstoffen identifiziert, die antidiabetische Wirkungen entfalten: die Amorfrutine. Diese Stoffe senken den Blutzucker, inem sie direkt in der Zelle Vorgänge aktivieren, die den Fett- und Zuckerstoffwechsel verbessern. Dadurch wird die Konzentration von Fettsäuren und Glukose gesenkt. Das führt zu einem verringerten Glukosespiegel und verhindert so eine mögliche Insulinresistenz, die die Hauptursache für Altersdiabetes ist.

Nur mit Lakritze den Blutzucker senken funktioniert nicht

Wissenschaftler mahnen aber, dass Süßholztee oder Lakritze nicht ausreichen, um diese Wirkung zu erzielen. Dazu sei die notwendige Konzentration der Amorfrutine viel zu gering. Derzeit werden spezielle Verfahren getestet, mit denen sich Amorfrutin-Extrakte industriell erzeugen lassen. Dann werden diesen Wirkstoffen aber große Möglichkeiten eingeräumt. Denn möglicherweise lassen sie sich auch zur Vorbeugung gegen Diabetes verwenden.

Zwei andere Wirkungen haben die Amorfrutine bereits gezeigt. Sie können einer Fettleber vorbeugen. Und sie wirken entzündungshemmend.

Alltag mit Diabetes

Augen auf beim Schuhkauf

Wenn Sie Diabetes haben, sollten Sie ganz besonders auf Ihre Füße achten. Nervenschäden und Durchblutungsstörungen können leicht dazu führen, dass kleinste Verletzungen oder Druckstellen zu längerfristigen Problemen werden.

Vorbeugen kann man unter anderem durch gut sitzende Schuhe. Achten Sie beim Schuhkauf bitte auf folgende Punkte:

  • Die Schuhe sollten geschlossen sein. Bei Sandalen und Co zieht man sich häufiger Verletzungen zu.
  • Das Obermaterial der Schuhe sollte idealerweise aus weichem Leder bestehen.
  • Die Außensohle sollte aus festem Material bestehen.
  • Die Innenflächen des Schuhs sollten weich sein und keine scheuernden Innennähte enthalten.
  • Achten Sie vor allem auf ausreichend Platz im Vorfußbereich.
  • Der Fuß sollte auch seitlich keinesfalls eingeengt werden.
  • Keine allzu hohen Absätze, damit der Vorfußbereich nicht zu stark belastet wird.

Zu guter letzt: Gehen Sie lieber spätnachmittags oder abends Schuh-Shoppen. Dann ist der Fuß natürlicherweise etwas größer als zu Beginn des Tages. Damit vermeiden Sie zu kleines Schuhwerk.

Gerüstet für akute Erkrankungen

Erkältung, Durchfall, Fieber… Wenn Diabetiker akut erkranken, kann der Blutzuckerspiegel leicht ansteigen. Um eine gefährliche Komplikation, wie z.B. die sogenannte Ketoazidose, zu vermeiden, sollte man für den Krankheitsfall immer folgendes im Haus haben:

  • Blutzuckerstreifen (Der Blutzucker sollte dabei etwa alle 4 Stunden überprüft werden.)
  • Diabetes-Medikamente (Wenn Sie Medikamente nehmen, sollten Sie diese auch weiterhin nehmen. Falls Sie kein Essen bei sich behalten können, muss die Dosierung aber etwas angepasst werden.)
  • Zuckerfreie und zuckerhaltige Getränke (Ausreichend Flüssigkeit ist sehr wichtig. Getränk dabei unbedingt dem Blutzuckerwert anpassen!)
  • Medikamente gegen Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Durchfall

Im Zweifelsfall oder sich verschlimmerndem Allgemeinzustand sollten Sie natürlich Ihren Arzt kontaktieren. Mit dem „Notfall-Set“ ausgerüstet können viele alltägliche Krankheitsfälle aber auch bei Diabetikern in Ruhe im Bett auskuriert werden.

Warum ist mit Diabetes die Zahnpflege besonders wichtig?

Wenn der Blutzucker zu hoch ist, haben es Bakterien sehr viel leichter, sich im Mund- und Rachenraum breit zu machen und die Zähne zu schädigen. Deshalb ist es mit Diabetes noch wichtiger als sowieso schon, die Zähne sorgsam zu pflegen. Folgende Vorbeugemaßnahmen legen wir Ihnen ans Herz:

  • auf eine gute Einstellung der Blutzuckerwerte achten
  • die Zähne nach jeder Mahlzeit putzen, und zwar gründlich
  • wenn mal keine Möglichkeit zum Zähneputzen besteht, nach dem Essen einen zuckerfreien Kaugummi kauen
  • regelmäßig (täglich!) Zahnseide benutzen, und zwar vor dem Putzen (in den Zahnzwischenräumen fühlen sich Bakterien besonders wohl, vor allem, wenn dort Speisereste hängengeblieben sind)
  • regelmäßig zum Zahnarzt gehen (auch wenn Sie das wie wir alle hassen)

Zahnfleischbluten – bei Diabetes besonders relevant

Wenn Sie Typ-2-Diabetes haben, sollten Sie eventuelles Zahnfleischbluten besonders ernst nehmen! Diabetes erhöht das Risiko einer sogenannten Periodontitis. Diese Zahnwurzelhautentzündung kann wiederum Auswirkungen auf die Insulinresistenz (also das Ansprechen der Zellen auf das Hormon Insulin) haben.

Ein Grund mehr also, in solch einem Fall den Zahnarzt aufzusuchen und das Problem sprichwörtlich an der Wurzel zu packen.

Reisen mit Diabetes: Woran sollte man denken?

Auch mit einem Diabetes kann man ohne weiteres verreisen. Man muss nur etwas genauer vorher planen und ein paar Dinge mehr bei sich haben.

An folgende Dinge sollten Sie denken:

  • Vorrat an Diabetes-Tabletten
  • Zettel, auf denen Ihre Diabetes-Wirkstoffe vermerkt sind, falls Sie sie nachkaufen müssen
  • Blutzuckermessgerät (an Ersatzbatterien denken)
  • Traubenzucker (für den Fall einer Unterzuckerung)
  • Diabetiker-Ausweis (auch in englischer Sprache)
  • bei Insulinbehandlung: Insulinvorrat (muss in eine spezielle Kühltsche), Insulin-Spritzen bzw. Insulin-Pens
  • Kanülen und Alkoholpuffer
  • Glukagon-Spritze (als Notfall-Set gegen schwere Unterzuckerungen)
  • Urin-Mess-Streifen für Blutzucker und Keton
  • Bei Flugreisen: Bescheinigung Ihres Arztes, dass die mitgeführten Medikamente für Sie selbst sind (damit es bei Zoll- und Röntgenkontrollen keine Probleme gibt)

Worauf sollte ich beim Essen auf Reisen besonders achten?

Im Prinzip gelten auf Reisen die gleichen Ernährungsregeln wie zu Hause. Allerdings werden Sie vielleicht häufiger Essen gehen oder "fremde" Lebensmittel essen, von denen Sie nicht so genau wissen, was Sie enthalten. Versuchen Sie deshalb vor allem, auf versteckte Kohlenhydrate zu achten. Diese sind z.B. häufig in Salatsaucen, Brot oder im Parniermehl bei Fisch- und Fleischgerichten enthalten. Scheuen Sie sich nicht, im Restaurant auch offen danach zu fragen.

Wie ändert sich die Tablettendosis bei Fernreisen?

Bei einer Fernreise in den Osten (z.B. von den USA nach Deutschland) verkürzt sich der Tag, der Bedarf an blutzuckersenkenden Medikamenten wird also geringer. Empfohlen wird, die zweite Tagesdosis um ein Viertel bis die Hälfte zu verringern. Bei Fernreisen in den Westen (z.B. von Deutschland in die USA) wird der Tag dagegen länger, damit erhöht sich auch der Bedarf an blutzuckersenkenden Tabletten. Empfohlen wird, die zweite Tagesdosis um ein Viertel bis die Hälfte der üblichen Dosis zu erhöhen. Nach Ankunft sollten Sie dann alle weiteren Tabletten wie gewohnt einnehmen und sich nach der Ortszeit richten.

Wenn es sich um Ihre erste Fernreise seit Bestehen des Diabetes handelt, sollten Sie darüber auf jeden Fall auch noch einmal mit Ihrem Arzt sprechen.

Was ist beim Autofahrten zu beachten?

Da bei Auto- oder Motorradfahrten eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) besonders gefährlich werden kann, sollten Sie grundsätzlich vor der Fahrt einmal kurz ihren Blutzucker messen. Das gilt natürlich insbesondere dann, wenn Sie Insulin spritzen, weil dabei die Gefahr einer Unterzuckerung am höchsten ist.

Liegt der Blutzuckerwert unter 90 mg/dl, sollten Sie rasch ein paar Einheiten Kohlenhydrate zu sich nehmen und mit dem Losfahren warten, bis der Zuckerspiegel gestiegen ist. Bei längeren Fahrten sollten Sie außerdem alle zwei Stunden anhalten und Ihren Blutzucker messen. Das ist nicht nur wichtig als Selbstschutz, es gebietet auch die Sorgfaltspflicht gegenüber Anderen.

Ein Tipp: Bewahren Sie im Auto immer einen kleinen Vorrat an Traubenzucker, Keksen und Obst als "Notfall-Set" auf. Auch Süßgetränke wie Limonaden sind in diesem Fall als "Nothelfer" sinnvoll.

Muss ich mich mit Diabetes gegen Grippe impfen lassen?

Sie müssen nicht, aber Sie sollten, zumindest wenn es nach den "offiziellen" Empfehlungen geht. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Grippeschutzimpfung nicht nur älteren Personen ab 60 Jahren, sondern auch Menschen mit einer sogenannten Grunderkrankung, wozu auch die Zuckerkrankheit (Diabetes) gehört.

Warum impfen? Weil eine Grippe (nicht zu verwechseln mit einem grippalen Infekt) im Einzelfall richtig gefährlich werden kann und weil bei Diabetes das Infektionsrisiko potentiell erhöht ist.

Muss man seinen Arbeitgeber über die Diabetes-Erkrankung informieren?

Eine Pflicht dazu besteht nicht. Allerdings empfiehlt es sich, mit seinem Arbeitgeber und auch Kollegen offen darüber zu sprechen.

Die notwendigen Arbeitspausen, um z.B. Insulin zu spritzen, müssen dann nicht heimlich mit schlechtem Gewissen vorgenommen werden, und bei möglichen kurzzeitigen Beeinträchtigungen durch z.B. Unterzuckerungen bringen die Kollegen Verständnis mit oder können in ernsteren Fällen sogar helfen.

Wenn der Arbeitgeber beim Bewerbungsgespräch explizit nach Erkrankungen fragt, sollte offen und ehrlich geantwortet werden. Diabetes ist nichts, wofür man sich schämen muss.


Lebenserwartung mit Diabetes

Im folgenden Abschnitt wollen wir Ihnen keine Angst machen. Aber wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Diabetes-Erkrankung ernst zu nehmen. Wer das tut, hat gute Chancen auf eine normale Lebenserwartung. Wer das nicht tut, gefährdet sich stärker als den meisten offenbar bewusst ist.

„Das bisschen Zucker“? Tödlich!

Vielleicht ist das eines der größten Probleme an der Diabetes-Erkrankung: Von vielen Patienten wird sie in ihrer Gefährlichkeit nicht so richtig ernst genommen. Das wird deutlich am Vergleich mit einer Krebserkrankung: Eine Krebs-Diagnose elektrisiert die Betroffenen. Sie sind bereit, fast alles zu tun, um die Krankheit zu besiegen. Die Gefahr, die von „Das bisschen Zucker“ ausgeht, wird dagegen weithin unterschätzt.

Zu Unrecht – die Deutsche Diabetes Gesellschaft hat in ihrem „Gesundheitsbericht Diabetes 2017“ Studiendaten zur Lebenserwartung zusammengefasst: 

  • Mann, 50 Jahre, mit Diabetes: Lebenserwartung im Schnitt um 5,8 Jahre reduziert gegenüber einem gleichaltrigen Mann ohne Diabetes;
  • Frau, 50 Jahre, mit Diabetes: Lebenserwartung im Schnitt um 6,5 Jahre reduziert;
  • Mann, 60 Jahre, mit Diabetes: Lebenserwartung im Schnitt um 4,5 Jahre reduziert;
  • Frau, 60 Jahre, mit Diabetes: Lebenserwartung im Schnitt um 4,5 Jahre reduziert.

Gute Blutzuckereinstellung: Lebenserwartung normal!

Aber Vorsicht bei der Interpretation: Diese Zahlen schließen eben auch die zahlreichen Betroffenen mit ein, denen es nicht gelingt, ihren Diabetes in den Griff zu bekommen. Die gute Nachricht dazu kommt aus Schweden. Wenn es Ihnen gelingt, mit gesunder Lebensführung und konsequenter medikamentöser Behandlung Ihren Blutzuckerwert (HbA1c), Blutdruck und die Blutfettwerte im Zielbereich zu halten, ist Ihre Lebenserwartung praktisch normal. Zu diesem Ergebnis kommt eine große Studie aus Göteborg (Aidin Rawshani). Eine andere Studie aus Dänemark hat ein im Schnitt um acht Jahre längeres Leben ermittelt, wenn man seinen Diabetes konsequent behandelt (Gæde). 

Spätfolgen beim Diabetes

Warum ist die frühe Blutzuckereinstellung so wichtig?

Viele Folgeerkrankungen beim Diabetes entwickeln sich erst nach vielen Jahren. Ob sie eintreten, hängt jedoch entscheidend von einer frühzeitigen Behandlung ab.

Was wir nicht direkt am eigenen Leib erfahren, kümmert uns oft nicht weiter. Theoretisch wissen wir, dass uns ein ungesunder Lebensstil, schweres Essen und wenig Bewegung auf Dauer nicht guttun. Und doch hapert es oft an der notwendigen Konsequenz und Ausdauer. Noch ist ja alles gut, wir fühlen uns fit wie ein Turnschuh.

Der Schein trügt

Leider bleibt das aber nicht auf Dauer so. Neben den natürlichen Altersprozessen können uns Krankheiten frühzeitig beeinträchtigen und uns auf schmerzliche Weise spüren lassen, wie es ist, wenn eben nicht mehr alles reibungslos funktioniert. Dazu gehört auch der Diabetes mellitus.

Das Tückische bei dieser umfassenden Stoffwechselerkrankung ist, dass Betroffene anfangs oft gar nichts davon bemerken. Meist ist es eine Routinebefund, der irgendwann in der Hausarztpraxis auffällt. Wenn der Arzt eine Therapie einleitet, wundert sich der eine oder andere vielleicht sogar und nimmt es etwas lockerer mit der Blutzuckereinstellung. Langfristig kann das aber fatale Folgen haben.

Folgeerkrankungen können gefährlich werden

Dass der Diabetes trotz seiner schleichenden, kaum merklichen Entwicklung keineswegs harmlos ist, zeigen die zahlreichen, zum Teil gravierenden Folgen, die er im Lauf der Jahre mit sich bringen kann. Von Kopf bis Fuß kann der gesamte Körper betroffen sein: Gehirn und Augen, Herz, Nieren und das Nervensystem, aber auch der Verdauungstrakt und die Muskeln – der Diabetes beeinträchtigt sie alle.

Das kann unangenehm sein, wenn man etwa an Sodbrennen, Verstopfung oder Wadenkrämpfe denkt. Und es kann akut lebensbedrohlich werden wie beim Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Studie: Schon das erste Jahr ist entscheidend

Ob es zu solchen schwerwiegenden Komplikationen kommt, hängt ganz entscheidend davon ab, wie gut Sie eingestellt sind. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine adäquate Blutzuckerkontrolle von Beginn an wichtig ist, um das Risiko für Folgeschäden zu minimieren. Gerade im ersten Jahr werden die Weichen für später gestellt.

Eine Studie aus den USA mit über 34000 Probanden mit Typ-2-Diabetes, die über einen Zeitraum von 13 Jahren verlief, konnte belegen, dass HbA1c-Werte von ≥ 6,5% bereits im ersten Jahr nach der Diagnose ein erhöhtes Risiko für spätere Folgeerkrankungen bergen. Betroffene, die schon früh Werte über 7% hatten, starben zudem früher als besser eingestellte Diabetiker. Eklatant stieg die Sterblichkeit bei einem HbA1cjenseits von 8%.

Nehmen Sie Ihre Erkrankung daher von Anfang an ernst, halten Sie Ihren Therapieplan ein und messen Sie regelmäßig Ihren Blutzucker. Wenn Sie dann noch auf einen gesunden Lebensstil achten, haben Sie gute Chancen, noch lange fit zu bleiben.

Welche Spätkomplikationen können beim Diabetes mellitus auftreten?

Zu den Spätkomplikationen beim Diabetes gehören Durchblutungsstörungen im Bereich des Herzens, des Gehirns und der Füße. Daneben können die Nieren, Augen und das Nervensystem betroffen sein.

Der erhöhte Blutzucker und andere schädliche Faktoren setzen den Gefäßen nämlich auch Dauer zu. Dabei unterscheidet man zwischen großen und kleineren Gefäßen. Die Spätkomplikationen beim Diabetes unterteilen sich entsprechend in:

  • Mikroangiopathien (Veränderungen an den kleinen Gefäßen von Nieren, Augen und Nerven)
  • Makroangiopathien (Veränderungen an den großen Gefäßen von Herz, Gehirn und Extremitäten)

Von Kopf (Schlaganfall) bis Fuß (pAVK)

Was heißt das aber nun konkret, und wie relevant ist das für Sie? Unter diesen sperrigen Begriffen können sich viele vermutlich noch nicht so viel vorstellen. Tatsächlich machen sich die Schäden an den Gefäßen irgendwann aber ganz konkret bemerkbar.

Spätfolgen des Diabetes sind u.a.:

  • Schlafanfall
  • Herzinfarkt
  • Herzrhythmusstörungen
  • Durchblutungsstörungen der Beine (pAVK)
  • Augenerkrankungen (Grauer Star, Grüner Star, Netzhautschäden)
  • Nierenschäden
  • Blasenstörung
  • Völlegefühl, Sodbrennen
  • Blähungen, Verstopfung, Durchfall
  • Nervenschäden
  • Muskelschmerzen und -schwäche, Wadenkrämpfe
  • bei Männern Erektionsstörungen, Impotenz

Risiko bei Diabetikern deutlich erhöht

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 1999 besteht folgendes Risiko für Folgeerkrankungen des Diabetes:

  • Herzinfarkt: 2-3faches Risiko im Vergleich zu Nicht-Diabetikern
  • Schlaganfall: 2-3faches Risiko
  • Augenerkrankungen mit Erblinden: 10-25faches Risiko
  • Nierenversagen: 15-20faches Risiko
  • Beinamputation: 25faches Risko

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass ein frühzeitig und gut behandelter Diabetes die o.g. Risiken deutlich minimiert. Achten Sie daher gut auf Ihren Blutzucker und nehmen Sie die regelmäßigen Kontrollen ernst. Es wird sich langfristig auszahlen.

Alarmsignale bei Diabetes

Auf folgende Alarmsignale sollten Sie achten und bei Auftreten sofort den Arzt aufsuchen, damit er die Ursache klärt:

  • Übelkeit, Durchfall, Erbrechen
  • Wasserlassen brennt
  • erhöhte Temperatur
  • allgemeine Schwäche
  • Atemnot
  • Schmerzen im Unterleib
  • häufige Infektionen
  • Zittern, Schweißausbruch, Kribbeln der Haut, Herzklopfen, innere Unruhe, Benommenheit, Schwindel, Verwirrtheit

Höheres Krebsrisiko bei zu hohem Blutzucker

Die bislang größte Metaanalyse zu diesem Thema (Ohkuma) kommt zu folgendem Ergebnis: Diabetes ist mit einem signifikant höheren Risiko für Krebserkrankungen verknüpft. In die Auswertung gingen Daten von über 19 Mio. Patienten ein. Für Frauen nahm das relative Krebsrisiko durch Diabetes mit 27% etwas stärker zu als für Männer mit 19%.

Die Autoren der Studie vermuten, dass jahrelange erhöhte Blutzucker-Spiegel die Entstehung von bösartigen Tumoren fördern. Der karzinogene Effekt könnte über DNA Schäden durch den erhöhten Blutzucker zu erklären sein. Dass Frauen dabei noch gefährdeter sind, könnte daran liegen, dass die Blutzucker-Einstellung bei Frauen im Schnitt schlechter gelingt als bei Männern (Kautzky-Willer).

Fazit: Wer seinen Blutzucker bei Diabetes mit der Behandlung gut in den Griff bekommt, ist deutlich weniger gefährdet.

Höheres Demenz-Risiko bei Diabetes

In einigen Studien ist ein Zusammenhang zwischen Diabetes Typ II und einer Demenz belegt. So zeigte eine Zusammenfassung von 17 Studien ein um 53% erhöhtes Alzheimer-Risiko (Zhang).

Eine mögliche Erklärung: Die sogenannte Amyloidose ist ein pathologisches Merkmal sowohl bei Alzheimer als auch Diabetes – was bedeuten könnte, dass ähnliche Mechanismen der Entwicklung beider Erkrankungen zugrunde liegen könnten. Ursächlich beteiligt ist auch bei diesem Prozess die Ernährung. Maßnahmen gegen falsche Ernährung und Bewegungsmangel müssten deshalb den Autoren (Zhang) zufolge auf der Agenda ganz oben stehen. 

Weitere Komplikationen und Folgeerkrankungen bei Diabetes

Bekommt man mit Diabetes häufiger einen Schlaganfall?

Ja, zumindest statistisch. So richtig überrascht das auch nicht, denn schließlich entstehen die meisten Schlaganfälle auf dem Boden einer Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), und mit Diabetes ist die Gefahr für eine Arteriosklerose höher. Allerdings gibt es noch mehr Risikofaktoren, als da sind:

  • Bluthochdruck (10% weniger des oberen Blutdruckwertes senken Schlaganfall-Gefahr um 40%)
  • zu hohe Blutfettwerte (Cholesterin und Triglyceride)
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Alkohol
  • zu wenig Bewegung
  • Stress

Beim Diabetes kommt es also nicht nur darauf an, den Blutzucker so gut wie irgend möglich zu kontrollieren und im gesunden Bereich zu halten. Man sollte auch einen möglicherweise parallel bestehenden Bluthochdruck oder zu hohen Cholesterinwert unbedingt ernst nehmen und behandeln. Eine gesunde Lebensweise minimiert die Schlaganfall-Gefahr weiter.

Bluthochdruck und Diabetes: Zusammen besonders gefährlich für das Herz

Häufig leiden Betroffene sowohl unter Diabetes als auch unter Bluthochdruck. Dabei überschneiden sich die beiden Krankheiten nicht nur, sondern verstärken sich auch noch gegenseitig. Das kann u.a. für das Herz gefährlich werden. Diabetiker haben ein vier- bis sechsfach höheres Risiko für einen Herzinfarkt. Mit Bluthochdruck erhöht sich das Risiko zusätzlich um den Faktor 4. 

Neben einer effektiven Behandlung und guten Einstellung von Blutzucker und Blutdruck gibt es ein paar einfache Möglichkeiten, wie sich dieses Risiko weiter senken lässt:

  • regelmäßige Bewegung: Täglich 20 Minuten senken den Blutdruck um 5 mmHg.
  • Reduzierung des Gewichts: Pro ein Kilogramm weniger sinkt der Blutdruck um 1,5 mmHg.
  • weniger Alkohol: Wer täglich nicht mehr als 1 Glas Bier oder Wein trinkt, senkt seinen Blutdruck um 5 mmHg.
  • weniger Salz: Der Verzicht auf zusätzliches Salzen reduziert den Blutdruck um 5 mmHg.

Was ist eine diabetische Nephropathie?

Die diabetische Nephropathie ist eine Schädigung der Nieren, die bei lange bestehendem und schlecht eingestelltem Diabetes auftreten kann. Fünf Jahre nach der Diagnosestellung "Diabetes" haben schon 10% der Betroffenen erste Zeichen einer Nierenschädigung. Nach 20 Jahren sind es etwa 40%. Die regelmäßige Untersuchung der Nieren ist daher bei Diabetes besonders wichtig und sollte erstmals direkt nach Bekanntwerden der Zuckererkrankung erfolgen. Auch wenn diese erste Untersuchung keinen Befund ergibt, sollte die Nierenfunktion auch danach einmal jährlich nachkontrolliert werden.

Warum sollte man sich mit Diabetes regelmäßig augenärztlich untersuchen lassen?

Insbesondere bei schlecht eingestelltem Diabetes mellitus kann es über die Zeit zu Augenveränderungen kommen, die im Extremfall bis zur Erblindung führen können.

Die wichtigsten Komplikationen sind die diabetische Retinopathie (krankhafte Neubildung von Gefäßen im Bereich der Netzhaut, die platzen können) und die diabetische Makulapathie (Wassereinlagerungen oder Einblutungen im gelben Fleck, dem Bereich der Netzhaut, wo die meisten Sehzellen zusammenliegen). Beide Komplikationen treten oft schleichend über Jahre auf, ohne dass man etwas davon bemerkt. Deshalb ist die regelmäßige Kontrolle beim Augenarzt so wichtig.

Sind Verletzungen beim Diabetiker gefährlicher als beim Nicht-Diabetiker?

Bei gut eingestelltem Blutzucker bedeuten Verletzungen für Diabetiker keine erhöhte Gefahr im Vergleich zum Nicht-Diabetiker. Die Verletzung selbst und die Umstände führen allerdings nicht selten zu einer vorübergehenden Verschlechterung der Blutzuckereinstellung, die ggf. mit einer Dosisanpassung des Insulins oder der Tabletten ausgeglichen wird.

Ist der Diabetes hingegen schlecht eingestellt und der Blutzucker immer mal wieder zu hoch, besteht generell eine höhere Infektionsgefahr, die im Falle von Verletzungen besonders zu beachten ist. Viele Ärzte verschreiben in diesem Fall vorsorglich Antibiotika.

Kann Diabetes zu einer Blasenschwäche führen?

Ja, am ehesten führt Diabetes zu einer sogenannten Überlaufinkontinenz (Inkontinenz = Blasenschwäche). Das kann vorkommen, wenn bei einer diabetischen Neuropathie die Nerven, die die Blasenentleerung steuern, geschädigt werden. In der Folge kann sich die Blase nicht mehr vollständig entleeren. Die Gefahr dabei ist vor allem, dass es durch den in der Blase verbleibenden Restharn zu Harnwegsinfektionen kommen kann, die auf die Nieren übergehen können.

Kann ein Diabetes auch zu Erektionsstörungen führen?

Ja. Allerdings passiert dies eher bei schlecht eingestelltem Diabetes. Die Gründe, warum ein zu hoher Blutzucker auf Dauer zu Erektionsstörungen führt, sind vielfältig. Mögliche Ursachen der Potenzprobleme sind:

  • Durchblutungsstörungen aufgrund der Diabetes-Erkrankung
  • Nervenschädigungen durch den Diabetes (diabetische Neuropathie)
  • hormonelle Ursachen (bei Diabetikern kommt es relativ häufig zu einem leichten Testosteron-Mangel)
  • Nebenwirkungen der Medikamente (vor allem, wenn auch zusätzlich Bluthochdruck besteht)

Warum sollte man mit Diabetes regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge gehen?

Menschen mit Diabetes haben ein dreifach erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Die Ursachen dafür sind nicht endgültig geklärt.

Bevor Sie aber nun nicht mehr schlafen können: Das absolute Risiko für Darmkrebs ist immer noch gering. Es ist nur höher als bei Menschen ohne Diabetes. Und viel wichtiger: Es gibt eine sehr effektive Vorbeugung: nämlich die regelmäßige Teilnahme an den Darmkrebs-Vorsorgeterminen. Da Darmkrebs, wenn er frühzeitig entdeckt wird, meist heilbar ist, lohnt sich dieser unbequeme Gang unbedingt!

Haben Menschen mit Diabetes häufiger Depressionen?

Diabetes macht nicht nur den Blutgefäßen, dem Herzen und den Nieren zu schaffen, sondern schlägt sich auch auf die Psyche nieder. Menschen mit Diabetes haben doppelt so häufig unter Depressionen zu leiden wie Nicht-Diabetiker. Das könnte an der psychischen Belastung durch die Diabetes-Erkrankung liegen. Die Depression wiederum kann auch die Zuckererkrankung negativ beeinflussen – ein Teufelskreis.

Leider werden Depressionen bei Diabetikern jedoch häufig nicht erkannt oder schlicht übersehen. Wichtig ist daher Offenheit: Teilen Sie Ihrem Arzt mit, wenn es Ihnen nicht gut geht! Nur so kann er Ihnen helfen.

Was Sie vermeiden sollten:

Rauchen und Stress


Quellen:

  • Aidin Rawshani et al; Risk Factors, Mortality, and Cardiovascular Outcomes in Patients with Type 2 Diabetes; N Engl J Med 2018; 379:633-644; DOI: 10.1056/NEJMoa1800256.
  • Gæde P et al. Years of life gained by multifactorial intervention in patients with type 2 diabetes mellitus and microalbuminuria: 21 years follow-up on the Steno-2 randomised trial. Diabetologia 2016;59:2298-307.
  • Gregg EW et al. Impact of Intensive Lifestyle Intervention on Disability-Free Expectancy: The Look AHEAD Study. Diabetes Care 2018; 41: 1040-1048. doi: 10.2337/dc17-2110.
  • Kautzky-Willer, A. et al. Sex-specific differences in metabolic control, cardiovascular risk, and interventions in patients with type 2 diabetes mellitus. Gend Med 7, 571–583 (2010).
  • Laiteerapong N et al. The Legacy Effect in Type 2 Diabetes: Impact of Early Glycemic Control on Future Complications (the Diabetes & Aging Study). Diabetes Care 2018; doi:10.2337/dc17-1144.
  • McCombie L et al. Beating type 2 diabetes into remission. BMJ 2017;358:j4030.
  • Mondal S1, Kundu B2, Saha S3. Yoga as a Therapeutic Intervention for the Management of Type 2 Diabetes Mellitus. Int J Yoga. 2018 May-Aug;11(2):129-138. doi: 10.4103/ijoy.IJOY_74_16.
  • Ohkuma, T., Peters, S. A. E. & Woodward, M. Sex differences in the association between diabetes and cancer: a systematic review and meta-analysis of 121 cohorts including 20 million individuals and one million events. Diabetologia 61, 2140–2154 (2018).
  • Zhang J et al. An updated meta-analysis of cohort studies: Diabetes and risk of Alzheimer's disease. Diabetes Res Clin Pract. 2017 Feb;124:41-47.
  • 77. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), 2011
  • Nature Medicine; doi: 10.1038/nm.2513
  • BDI, BMC Endocrine Disorders 2009, Band 9: 3
  • Deutsche Diabetes-Hilfe
  • Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, Berlin
  • STROKEAHA. 10.1161/STROKEAHA.111.641381
  • Diabetologe 2009; 5: 611-619 DOI 10.1007/s11428-009-0444
  • Uniklinikum Schleswig-Holstein, dgk, DDZ Düsseldorf
  • 46. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft
  • British Journal of Cancer (2011; doi: 10.1038/bjc.2011)
  • BDI Bundesverband Deutscher Internisten
  • Diabetes UK Annual Professional Conference 2011, Deutsche Diabetes Gesellschaft
  • Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • The Research Partnership Ltd
  • „Gesundheitsbericht Diabetes 2017“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft: https://www.diabetesde.org/system/files/documents/gesundheitsbericht_2017.pdf.

Kommentare: Archiv

Sport bei Typ 2
Freitag, den 19. Juli 2019 um 13:05 Uhr, alp
Eine halbe Stunde strammes Gärtnern nach dem Vollkornfrühstück und der Blutzucker ist unter 80 mg, ja, das ist kein Unterzucker, fühlt sich für einen Diabetiker aber schon fast so an.

Unterzuckerung nach Sport
Mittwoch, den 14. November 2018 um 18:28 Uhr, Schloomph
Ich nehme Tabletten gegen Diabetes II. Habe jetzt zweimal nach dem Kraftsport erleben müssen, dass ich unterzuckere. Dies, obwohl ich kein Insulin spritze.
Thema: Löchern Sie ihren Arzt
Sonntag, den 11. März 2018 um 07:56 Uhr, Volker
Wenn ich mal beim Arzt bin und alles fragen will, geht es so schnell, dass ich nach 2 Minuten wieder draußen bin. Ich habe deswegen schon mal den Arzt gewechselt. Wie oft? Heute ist leider alles vom Geld abhängig. Ich hatte z.B. im Januar starken Husten, aber einen Termin beim Lungenarzt erst für Mai bekommen. Im März ging ich daher selber in eine Klinik. Am Eingang zusammengebrochen und aufgehört zu atmen.
Ergebnis: Doppelte Lungenentzündung, Influenza A, 8 Tage Koma plus Luftröhrenschnitt.
Ich weiß, dass dieses Thema nicht ganz passt. Nur sollten die schlauen Ratgeber die Wirklichkeit nicht außer Acht lassen.
Bitte keine Antworten wie: Geh' zu einem anderen Arzt o.ä.
Bei 1100 Euro Rente kann man nicht in andere Städte fahren, wenn es im Ort nur einen Lungenarzt gibt. Des Weiteren habe ich eine Sinal Kanal Stenose und 50 Meter schmerzfreie Gehstrecke. Seit 6 Jahren! Der Neurochirurg sagt: Durchblutungsstörung, der Gefäßchirurg sagt: Spinal Kanal Stenose. Beim MRT habe ich schon eine Flatrate. Bilder dürfen ja nicht älter als 6 Monate sein. Es ist so, wie ich Anfangs beschrieben habe: Geldmacherei!
Sorry, aber das sind meine Erlebnisse seit 6 Jahren.
Diabetes
Montag, den 12. Oktober 2015 um 19:36 Uhr, Patrick
Ich arbeite bei Opel als Testfahrer in 3 Schichten, habe nun ein Attest, dass ich keine Schicht mehr arbeiten darf wegen Diabetes und schlechtem Stoffwechsel. Aber mein Chef bei Opel kennt das Attest nicht an und auch der Betriebsarzt nicht, sondern man macht sich lustig darüber, obwohl auch andere, die in der Abteilung mit Diabetes nur Normaldienst arbeiten, aber da geht es komischerweise.
Inhaltsverzeichnis Top

Bluthochdruck

Bluthochdruck natürlich senken

Sie wollen sich und Ihrer Gesundheit etwas Gutes tun und sich vor Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall schützen? Fangen Sie bei Ihren Gefäßen an! Wie das auf ganz natürlichem Weg geht, erfahren Sie hier.

weiterlesen

 
Anzeige
Anzeige