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Stillen: alle Fragen, alle Antworten

Wie lange sollte man stillen? Welche Probleme können auftreten und wie lassen sie sich lösen? Alle Fragen und Antworten zum Stillen finden Sie in diesem Kapitel.

Überblick

Stillen ohne Wenn und Aber? 

Ob Sie Ihr Kind stillen oder nicht, bleibt letztendlich Ihre ganz persönliche Entscheidung. Sich damit bereits während der Schwangerschaft auseinanderzusetzen, kann wärmstens empfohlen werden.

Wie es dann nach der Entbindung mit dem Stillen tatsächlich aussieht, lässt sich vorher nicht zu 100% voraussagen oder endgültig entscheiden, da Geburt und Wochenbett immer individuell und vielfach unterschiedlich verlaufen.

In Deutschland hegen gut 90% der Schwangeren die Absicht, ihr Kind anschließend zu stillen. Nur ein sehr kleiner Prozentsatz (ca. 2%) der Mütter ist aus biologischen Gründen nicht dazu in der Lage, die restlichen Stillprobleme sind eher äußerer Natur und entsprechend lösbar. Außerdem ist das Abstillen jederzeit möglich, ein nachträgliches Anfangen aber eher schwierig. Das sollten Sie zumindest bedenken, bevor Sie die Entscheidung zum Nicht- oder frühzeitigen Abstillen treffen.

Prinzipiell ist auch der Milchersatz aus der Flasche eine akzeptable Alternative, mit der eine liebevolle Aufzucht des Nachwuchses gut gelingen kann. Wie auch immer: Bleiben Sie gelassen und handeln Sie selbstbewusst im Einklang mit Ihren eigenen Bedürfnissen.

Wie lange wird das Stillen empfohlen und von wem? 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), UNICEF, die Nationale Stillkommission (NSK), die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin empfehlen Müttern, ihre Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen. Auch für das zweite Lebenshalbjahr rät die NSK zum Stillen, dann mit entsprechender Beikost.

Auch über das Ende des ersten Lebensjahres hinaus können Sie so lange stillen, wie Sie es wünschen und sich dabei wohlfühlen.

Vorteile des Stillens

Warum sollte ich stillen? 

Es herrscht heute unter Experten allgemeiner Konsens, dass Muttermilch die optimale Ernährung für Neugeborene und Säuglinge darstellt. Darüber hinaus fördert das Stillen die enge Bindung zwischen Mutter und Kind und deren Gesundheit.

Folgende Vorteile bietet das Stillen:

  • Muttermilch ist die beste, praktischste und preiswerteste Nahrung für das Neugeborene.
  • Gestillte Säuglinge erkranken im ersten Lebensjahr seltener an Infektionen und neigen im späteren Alter weniger zu Übergewicht.
  • Stillen scheint auf das kindliche Allergierisiko einen positiven Einfluss zu haben.
  • Neben der Gesundheit des Säuglings fördert Stillen auch die Gesundheit der Mutter.
  • Weil Stillen Energie verbraucht, nehmen Mütter nach der Geburt leichter wieder ab.
  • Nicht nur physisch, auch psychisch ist das Stillen von Vorteil: Es steigert das Wohlbefinden von Mutter und Kind.

Was ist so besonders an der Muttermilch? 

Die Zusammensetzung der Muttermilch ist einzigartig. Mehr als 200 verschiedene Stoffe der Muttermilch sind bekannt. Obwohl Wissenschaftler immer wieder neue Substanzen in ihr entdecken, konnten sie bis heute den „Bauplan“ der Muttermilch nicht vollständig entschlüsseln.

Zu den wichtigsten bekannten biologisch aktiven Substanzen in der natürlichen Säuglingsnahrung zählen u.a.:

  • leicht verdauliche Eiweiße (leichter verdaulich als z.B. Kuhmilcheiweiß)
  • hochwertige Fettsäuren (z.B. Linolsäure und Linolensäure) und Kohlenhydrate (wie vor allem Oligosaccharide), die für eine günstige Darmflora und erhöhten Infektionsschutz sorgen
  • Omega-3-Fettsäuren (beugen u.a. der Ablagerung von Cholesterin vor)
  • Sialinsäure (wichtiger Baustein für die Entwicklung des Gehirns)
  • viele Aminosäuren (v.a. Cystin und Taurin, wichtig für die Entwicklung des Nervensystems)
  • Lactoferrin (Infektionsschutz und Unterstützer der Aufnahme des Eisens aus der Muttermilch)
  • Leukozyten und Antikörper der Mutter (Nestschutz)
  • Enzyme, Hormone, Immunglobulin A und Wachstumsfaktoren

Die Muttermilch kann also zum gegenwärtigen Zeitpunkt – und man geht davon aus, dass dies auch für die absehbare Zukunft gilt – im Labor nicht nachgeahmt werden. Sie enthält Bestandteile, die nicht künstlich hergestellt werden können, wie zum Beispiel die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und Antikörper. Dazu kommt dann noch die besondere Applikationsart mit dem direkten Körperkontakt an der mütterlichen Brust.

Alles in allem kein Wunder, dass Studien den gesundheitsfördernden Effekt des Stillens für Mutter und Kind eindeutig belegen konnten.

Vor welchen Erkrankungen schützt die Muttermilch? 

Da die Milch der Mutter auch ihre Antikörper enthält, die sie nach dem Kontakt mit diversen Infektionserregern gebildet hat, ist der gestillte Säugling gegen eine Reihe von ansteckenden Erkrankungen geschützt. Darüber hinaus reduziert das Stillen verschiedene Krankheitsrisiken der Kinder, u.a. für:

  • Asthma (Wissenschaftler haben mittlerweile nachweisen können, dass gestillte Kinder später seltener Asthma bekommen. Es gibt zwar auch Studien, die das Gegenteil behaupten, sie sind in der Fachwelt jedoch umstritten.)
  • Herzinfarkt (im Erwachsenenalter)
  • Infektionen des Magen-Darm-Trakts, der Luftwege, des Mittelohrs, der Harnwege und Hirnhäute
  • Diabetes mellitus Typ 1
  • Allergien
  • Morbus Crohn
  • bösartige Lymphknotenschwellungen (maligne Lymphome)
  • Übergewicht (Zwar legen insbesondere voll gestillte Kinder in den ersten 4-6 Lebensmonaten besonders stark zu. Im zweiten Lebenshalbjahr erreichen aber normalerweise auch sie wieder ihr „Normalgewicht“. Insgesamt neigen gestillte Säuglinge im späteren Leben dafür seltener zu Gewichtsproblemen als nichtgestillte Kinder.)
  • Kieferfehlstellungen und Kieferentwicklungsstörungen

Studie zur Muttermilch: Das Original ist besser als jede Kopie 

Muttermilch ist der beste Gesundheitsschutz für das Baby. Das belegen ganz viele Studien. Allerdings verspricht die Werbung von Herstellern von Ersatz-Muttermilch, dass diese dem Original in nichts nachstehe. Aber das stimmt nicht, wie jetzt eine Studie zeigt.

Abwehrkraft und Verdauung profitieren besonders

Vor allem die Abwehrkräfte des Babys werden durch Muttermilch einzigartig gestärkt. Stillen, so sagen die Wissenschaftler der Texas A&M University, macht die Kinder nachhaltig gesund. So wirkt die Muttermilch positiv auf die Darmflora, weil sich ganz bestimmte Mikroben im Darm ansiedeln. Und diese Mikroben sorgen für eine Stärkung des Immunsystems. Bei Säuglingen, die mit der Flasche gefüttert werden, findet eine derartige Besiedelung aber nicht statt. Und deshalb funktioniert die Abwehr gegen Krankheitserreger bei Flaschenkindern auch nicht so gut.

Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass die Darmfunktion vor allem während der Verdauung bei gestillten Babys besser ausgebildet ist als bei Flaschenkindern.

Und warum hat Flaschenmilch gegenüber der Muttermilch so viele Nachteile? Die Erklärung der Experten: Der Komplex Muttermilch lässt sich eben nicht so einfach nachbilden. Das Kopieren und Zusammenfügen von Einzelteilen reicht an das natürliche Original nicht heran. Irgendwie ja beruhigend.

Senkt Stillen das Infektionsrisiko für den Säugling? 

Ja. Säuglinge, die sechs Monate oder länger gestillt werden, erkranken im ersten Lebensjahr seltener an Infektionen. Diese nicht unbedingt neue Erkenntnis belegt auch eine aktuelle griechische Studie, in der bei den Stillkindern deutlich erniedrigte Raten an verschiedenen Infektionskrankheiten festgestellt wurden.

Für diese Schutzwirkung sind die Antikörper in der Muttermilch verantwortlich. Der Effekt macht sich zusätzlich zum Impfschutz bemerkbar, den die Impfungen im ersten Lebensjahr den Säuglingen verleihen.

Zusätzlicher Effekt zum Impfen

Zu dem Reigen der nachgewiesenermaßen seltener auftretenden Erkrankungen zählen laut der oben genannten Studie von 2010:

  • Magen-Darm-Erkrankungen (-38%)
  • akute Atemwegserkrankungen (-42%)
  • akute Mittelohrentzündungen (-63%)
  • Bindehautentzündungen (-55%)

Fördert Stillen die Gesundheit der Kinderlungen?

Neugeborene, die Muttermilch bekommen haben, haben nicht nur ein stärkeres Immunsystem, sondern weisen im Schulalter auch bessere Lungenfunktionswerte auf.

Eine Studie an 1.458 Schulkindern hat nachgewiesen, dass sich bei längerem Stillen größere Lungen entwickeln und die Durchgängigkeit der Atemwege erhöht wird. Das trifft im übrigen auch auf Mütter mit einer Asthma-Erkrankung zu. Auch bei denen hat sich das Atemzugvolumen der Kinder umso mehr vergrößert, je länger diese gestillt wurden. Gerade bei Müttern mit Asthma war lange vermutet worden, dass deren Kinder durch das Stillen häufiger an Asthma erkranken.

Mysteriöse Gesundheitshormone in der Muttermilch

Was den Zusammenhang von Stilldauer und Lugenfunktion ausmacht, wissen die Wissenschaftler bisher nicht. Dass diese Wirkung allein auf die in der Milch enthaltenen Abwehrstoffe zurückzuführen ist, glauben sie nicht. Zwar reduzieren diese die Zahl von Atemwegsinfekten in den ersten Lebensjahren und verbessern auf diesem Wege auch die Lungenfunktion. Doch das halten die Forscher nicht für den zentralen Punkt. Vielmehr vermuten sie, dass die Muttermilch hormonähnliche Substanzen enthält, die das Wachstum und die Widerstandsfähigkeit der Lunge fördern.

Hat das Stillen auch für mich als Mutter Vorteile? 

Und ob! Die beim Stillen ausgeschütteten Hormone Prolaktin und Oxytocin haben positive Wirkungen auf Körper und Psyche der Mutter. Sie machen Sie gelassener, was gerade zu Beginn der Mutterschaft wichtig ist.

Die durch Oxytocin gesteigerte Muskelkraft der Gebärmutter führt über den Druck auf die Blutgefäße zu einer schnelleren Blutstillung und schützt damit die Mutter vor einer nachgeburtlichen Blutarmut (Anämie). Außerdem wird ein Stau des Wochenflusses (Lochiometra) vermieden und damit die Infektionsgefahr gesenkt. Das bedeutet im wissenschaftlichen Vergleich: weniger Antibiotika, weniger Schmerzmittel und weniger Eisenpräparate als bei nichtstillenden Müttern. Schließlich werden auch noch die Rückbildungsprozesse im Wochenbett unterstützt.

Einige Vorteile des Stillens für die Mutter auf einen Blick:

  • praktisch und kostengünstig;
  • gute Basis für die Mutter-Kind-Beziehung;
  • geringerer Medikamentenbedarf (z.B. für die Rückbildung);
  • seltener Gewichtsprobleme bei Frauen, die gestillt haben;
  • seltener Multiple Sklerose (MS), Eierstockkrebs, Diabetes und Osteoporose bei Frauen, die gestillt haben.

Was ist der häufigste Grund für Mütter, nicht zu stillen? 

Stillen ist der von der Natur vorgesehene und in Millionen von Jahren im Laufe der Evolution optimierte Vorgang, um unseren Nachwuchs nach der Geburt zu versorgen. Die meisten Frauen, schätzungsweise an die 98%, könnten ihr Kind voll stillen und die meisten frisch entbundenden Mütter (gut 90%) möchten das auch.

Deutschland ist in den letzten Jahren zwar stillfreundlicher geworden und die Nationale Stillkommission wirbt seit längerem massiv für längere Stillzeiten. Dennoch wird hierzulande häufiger als nötig gar nicht oder zu kurz gestillt. Viele Mütter fangen früher als von Experten empfohlen damit an, Nahrung zuzufüttern und abzustillen, ohne dass dies aus zwingenden (gesundheitlichen) Gründen notwendig wäre.

Falsche Werbung und fehlende Unterstützung

Zum einen mag dies daran liegen, dass es immer mehr jungen Müttern am Vorbild und an der Unterstützung stillerfahrener älterer Frauen mangelt. Ein weiterer Faktor ist die Bewerbung von Milchersatzprodukten und die – inzwischen gesetzlich verbotene – Abgabe unentgeltlicher Proben von Säuglingsnahrung an Schwangere oder Mütter, beispielsweise über Begrüßungspakete in Krankenhäusern. Das verleitet Mütter nach Angaben der Stillkommission dazu, vorzeitig mit dem Stillen aufzuhören. Eine weitere Schwierigkeit stellt die mangelnde Unterstützung durch Arbeitgeber dar.

Der Hauptgrund für eine Mutter, ihrem Kind die Brust ganz vorzuenthalten oder die Stilldauer zu verkürzen, ist allerdings nach Auskunft der Leiterin einer bayerischen Studie nach wie vor der Einfluss des Ehe- bzw. Lebenspartners.

Häufigkeit

Wann und wie oft soll ich mein Kind stillen? 

Stillen nach Bedarf sichert am besten die Abstimmung zwischen Milchbildung und Sättigung des Kindes und ist eine gute Basis für die Entwicklung eines individuellen Mutter-Kind-Stillrhythmus'.

Lassen Sie also Ihr Kind entscheiden, wie oft Sie stillen. Auch wenn Sie das ein halbes Jahr lang kurze Nächte kostet.

Zeitplan: keine strikten Vorgaben

Die optimale Stillfrequenz ist eine individuelle Angelegenheit, feste Werte gibt es nicht. Am ersten Tag geht die Faustregel von mindestens 4 Mahlzeiten für das Neugeborene aus, an den Folgetagen ist 10- bis 12-maliges Stillen völlig normal. In den ersten vier Wochen wird eine Frequenz von 8 Mal (oder öfter) in 24 Stunden empfohlen.

Stillen Sie nach Bedarf, also immer, wenn Ihr Kind das Bedürfnis dazu hat. Wenn Ihr Säugling allerdings zu den kleinen Schlafmützen gehört, die sich nicht oft genug von sich aus melden, müssen Sie ihn sanft zum Stillen ermuntern.

Fühlen Sie sich dagegen vom großen Saugbedürfnis Ihres Kleinen überfordert, dann nehmen Sie ihr Baby nach einer ausgiebigen Mahlzeit sanft von der Brust ab und beruhigen Sie es, falls notwendig, mit Körperkontakt.

Gerade erst gestillt – und schon wieder hungrig

Es kann durchaus sein, dass bereits zwei Stunden nach dem Stillen Ihr Baby schon wieder hungrig sein kann. Bei Wachstumsschüben (in den ersten Monaten meist um die 6. und 12.Woche) auch bereits nach einer Stunde.

Da die Zeit bekanntlich fliegt, kann einem dies wie „gerade erst“ vorkommen …

Ist Ihr Nachwuchs also rasch wieder hungrig, ist das durchaus normal und nicht besorgniserregend. Hungrige Kinder sollten dann häufig und beidseitig angelegt werden.

Ist das Stillen nach Bedarf besser als nach der Uhrzeit?

Nach Bedarf oder auf Verlangen zu stillen heißt, das Baby immer dann anzulegen, wenn es Hunger signalisiert. Im Gegensatz zu dem früher bevorzugten Stillen nach der Uhr ist das Stillen nach Bedarf heute die offiziell empfohlene Methode.

Stillen nach Bedarf fördert die Milchbildung und garantiert einen ausreichenden Körperkontakt zwischen Mutter und Kind. Die Abwägung, ob dieser körperliche (physiologische) Stillvorteil für Sie wichtiger ist oder die (ohnehin eingeschränkte) Planbarkeit des Tagesablaufs, müssen Sie selbst treffen. Kommt allerdings ein Kind vermeintlich nicht zu seinem Recht, da es sich Ihrem Rhythmus (bzw. dem Ihrer erwachsenen Umgebung) anpassen muss, kann es leicht passieren, dass es seine Bedürfnisse umso deutlicher anmahnt.

Praktische Tipps für das Stillen

Muss ich das Stillen üben?  

Sie müssen nicht, aber Sie dürfen. Auch Stillen will gelernt sein, oder zumindest ein bisschen geübt, auch wenn es sich um das Natürlichste von der Welt handelt.

Nutzen Sie guten Gewissens die Beratungsangebote von Geburtskliniken (inkl. Stillzimmer) und Hebammen, nehmen Sie sich die notwendige Zeit, um die beste Position zu finden und genießen Sie die Erfahrung des Stillens. Auch unsere Tipps und Informationen sollen Ihnen dabei helfen.

Wie lege ich mein Baby richtig an? 

Wenn es um ein erfolgreiches Stillen geht, ist das richtige Anlegen des Säuglings die halbe Miete. Dafür sollten die folgenden Punkte so oder so ähnlich zutreffen:

  • Zum Anlegen Ihres Babys berühren Sie mit der Brustwarze seine Nase, Wangen und Lippen. Dann öffnet sich reflektorisch sein Mund.
  • Der Mund Ihres Babys ist weit geöffnet, seine Zungenspitze liegt unten vorne und Ihre Brustwarze oben am Gaumen.
  • Ihr Baby umfasst mit seinem Mund die ganze Brustwarze und einen Teil des Brustgewebes (Brustwarzenhof). Die Unterlippe des Säuglings ist vorgestülpt, sein Kinn berührt Ihre Brust.
  • Sie hören gedämpfte Schlucklaute (statt Saug- oder Schmatzgeräuschen) und sehen, wie sich der Kiefer Ihres Kleinen bewegt.
  • Zum Abnehmen von der Brust schieben Sie Ihrem Säugling behutsam den kleinen Finger in den Mundwinkel. Es macht leise „Plopp“ und der Saugvorgang ist beendet.

Soll ich mein Kind zum Stillen ein- oder beidseitig anlegen? 

Anfangs sollte das Kind an beiden Brüsten angelegt werden, später entsprechend den Wünschen von Mutter und Kind ein- oder beidseitig.

Wie unterstütze ich mein Baby dabei, richtig zu saugen? 

Achten Sie darauf, dass Ihr Baby nicht nur an der Brustwarze nuckelt, sondern effektiv saugt und damit auch den Milchspendereflex stimuliert. Voraussetzung dafür ist, dass Ihr Säugling einen großen Teil des Warzenhofs mit seinen Lippen umfasst.

Dies können Sie mit dem sogenannten C-Griff unterstützen:

  • Umfassen Sie Ihre Brustwarze jeweils im Abstand von etwa 3 cm mit dem Daumen oberhalb und den Fingern unterhalb.
  • Heben Sie die Brust leicht an und verengen Sie den Ring aus Daumen und Fingern unter sanftem Druck in Richtung Brustkorb etwas, so dass sich der Warzenhof zusammenschiebt und die Brustwarze nach vorne gedrückt wird.
  • Nehmen Sie Ihr Baby, wenn es den Mund öffnet, zu sich heran, so dass es die Brustwarze gut fassen kann.
  • Wichtig: Bringen Sie das Kind zur Brust und nicht die Brust zum Kind!

Welche Stillpositionen sind zu empfehlen? 

Sie können Ihr Baby im Liegen, Sitzen, Stehen oder sogar beim Gehen stillen. Die gängigsten Stillpositionen sind:

  • Wiegegriff: Sie halten Ihr Baby „Bauch an Bauch“.
  • Rückengriff: Sie halten Ihr Baby „unter den Arm geklemmt“, Po und Beinchen befinden sich unter Ihrer Achsel.
  • Seitenlage

Lassen Sie sich in der Klinik bzw. von Ihrer Hebamme die verschiedenen Möglichkeiten zeigen. Finden Sie durch Ausprobieren heraus, welche Position Ihnen und Ihrem Baby am meisten zusagt. Und wechseln Sie die Positionen gerade zu Beginn der Stillzeit immer wieder, um einem Milchstau vorzubeugen.

Trinkverhalten des Babys

Ist alles in Ordnung, wenn mein Baby sehr häufig trinken will? 

Babys verhalten sich individuell unterschiedlich, aber alle haben ein großes Saug- und Kontaktbedürfnis. Deshalb können Sie es normalerweise unbesorgt zulassen, wenn Ihr Säugling häufig trinken oder einfach an der Brust liegen will. Es sei denn, schmerzende Brustwarzen oder andere triftige Gründe erfordern ein gezieltes Vorgehen zur Begrenzung der Anlegedauer.

Clusterfeeding

Bei dem vor allem abends auftretenden sogenannten "Clusterfeeding" schlagen sich die Kleinen durch fortdauernd wiederholtes Trinken das Bäuchlein voll, bevor sie sich im Anschluss an das Gelage einem tieferen Schlaf hingeben. Und seien wir ehrlich – das würden ja viele von uns auch gerne so machen …

Säuglinge sind demzufolge abends oft unruhiger, was allerdings keinesfalls mit einem Milchmangel zu tun hat. Diese kindliche Verhalten ist nämlich nicht ungewöhnlich, sondern weltweit durchaus üblich und unabhängig davon, ob sie gestillt werden oder nicht. Das Clusterfeeding sichert Ihrem Baby neben den benötigten Kalorien übrigens auch die Milchproduktion für den nächsten Tag.

Warum wendet sich der Säugling von der Brust ab, obwohl er hungrig ist? 

Es kann passieren, dass sich der Säugling zu Beginn einer Mahlzeit von Ihrer Brust oder der Flasche abwendet, obwohl er hungrig ist. Grund dafür kann ein Erregungszustand aus irgendeinem Anlass sein, der in diesem Alter üblicherweise von unkontrollierten Bewegungen begleitet wird.

Er muss dann zunächst durch Festhalten der zappelnden Gliedmaßen oder durch Herumtragen beruhigt werden, bevor die Mahlzeit fortgesetzt werden kann. Dieses Verhalten sollte nicht als Trinkunwilligkeit oder gar Ablehnung der mütterlichen Brust missinterpretiert werden.

Entspanntes Trinken

Zwei Dinge sind besonders wichtig: erstens, dass Ihr Baby die Brust gut fassen kann und sich nicht verrenken muss, um daran zu saugen (versuchen Sie einmal selbst, mit dem Kopf in Schräglage zu trinken!). Und zweitens, dass Sie beim Stillen entspannt sind, denn sonst wird der Milchflussreflex möglicherweise durch Stress und Anspannung gehemmt.

unruhige Mutter stört beim Trinken

Die ungefähre Sehschärfe liegt zunächst nur bei 5-10%. Da die Säuglinge noch nicht zugleich trinken und fixieren, also auf einen Punkt schauen können, blicken sie beim Trinken in die Ferne, auch wenn sie (zufällig) in die Augen des Gegenüber schauen. Ist diese Person unruhig, zieht die Veränderung die Aufmerksamkeit des Säuglings nach sich, und er muss mit dem Trinken aufhören.

Möchte mein Baby überhaupt (jedesmal) gestillt werden? 

Ob eine Stillbeziehung funktioniert, hängt nicht nur von der Mutter ab, sondern auch vom Säugling. Jedes Baby hat einen eigenen, individuellen Rhythmus beim Trinken. Es will, wie Sie selbst, nicht immer, nicht immer zur gleichen Zeit und nicht immer im gleichen Umfang Nahrung zu sich nehmen.

Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase saugen aber die allermeisten Babys kräftig und erhalten damit die Milchbildung ihrer Mutter aufrecht. Der wichtigste Rat zu Beginn der Stillperiode lautet deshalb: Geben Sie sich und Ihrem Kind genügend Zeit zum Eingewöhnen. Mit Geduld und Einfühlungsvermögen werden Sie seine natürlichen „Überlebensreflexe“ zu deuten wissen und erkennen, wann Ihr Baby bereit zum Trinken ist.

Wer bestimmt die Trinkdauer beim Stillen? 

Die Trinkdauer bestimmt Ihr Säugling selbst. Anfangs können das oft 20 Minuten pro Mahlzeit sein, später verkürzt sich diese Zeitspanne dann meistens.

Wenn es Ihnen mal zu lange dauert oder Sie ungeduldig sind, versuchen Sie trotzdem unbedingt, Ihrem Baby die "Chef-Rolle" zu überlassen. Dann bekommt Ihr Säugling in der Regel genau die Menge an Muttermilch, die er in dem Augenblick benötigt.

Brauchen Stillkinder zusätzliche Flüssigkeit? 

Voll gestillte Kinder brauchen keine zusätzliche Flüssigkeit. Die Muttermilch enthält nicht nur alle notwendigen Nährstoffe, sondern auch genügend Flüssigkeit.

Der Wassergehalt der Muttermilch beträgt etwa 88%. Damit unterstützt die Muttermilch den Flüssigkeitshaushalt des Babys optimal.

Und wenn es um die Menge geht: Stillen nach Bedarf sichert am besten die Abstimmung zwischen Milchbildung und Sättigung des Kindes und ist eine gute Basis für die Entwicklung eines individuellen Mutter-Kind-Stillrhythmus'.

Empfehlungen für die Mutter

Was kann ich als stillende Mutter für meine Gesundheit und die des Kindes tun? 

Wichtig ist: ausreichend trinken! Empfohlen werden täglich mindestens 2-3 Liter Wasser oder Saftschorle. Der Standardrat zur gesunden Ernährung gilt besonders für stillende Mütter, die nicht nur sich, sondern mit ihrer Milch auch den Nachwuchs ernähren.

Aufs Rauchen sollten Sie komplett verzichten, Alkohol darf als gelegentliches Gläschen Sekt, Wein oder Bier in geringem Umfang genossen werden. Jegliche Tabletteneinnahme sollten Sie vorher mit Ihrem Arzt besprechen.

Ausruhen nicht vergessen

Neben ausreichender Flüssigkeit fördern auch Entspanntheit und Ausgeruhtsein die Milchproduktion. Schlafen Sie deshalb ausreichend (das tut Ihr Baby ja auch), und entspannen Sie sich angemessen und setzen Sie sich nicht wegen vermeintlich „dringend zu erledigender Dinge“, etwa anfallenden Hausarbeiten, unter Druck. Diese können eher warten als Ihr Kind. Sorgen Sie sich auch um Ihr eigenes Wohlbefinden und gönnen Sie sich enspannende und kraftspendende Pausen, beispielsweise mit einem Bad, Musikhören oder anderen Lieblingsbeschäftigungen.

Kann ich den Milchfluss mit Oxytocin unterstützen? 

Ja. Das körpereigene Hormon Oxytocin ist nicht nur für den Geburtsprozess wichtig und als Wehenmittel bekannt, sondern auch für den Milcheinschuss verantwortlich.

Die Milchbildung selbst erfolgt während der gesamten Stillzeit nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Dementsprechend passt sich die Milchmenge normalerweise innerhalb von zwei Tagen dem Bedarf Ihres Babys an. Ist der Milchfluss aber zu mickrig, können Sie ihn durch den Gebrauch eines Oxytocin-Nasensprays vor dem Stillen unterstützen. Damit klappt es häufig, den Saugvorgang effektiver und damit kürzer zu gestalten und die meist empfindlichen Brustwarzen zu schonen.

Muss ich mit dem Stillen aufhören, wenn ich Medikamente einnehme? 

Eine notwendige medikamentöse Behandlung der Mutter ist nicht gleichzusetzen mit der Notwendigkeit zur Stillpause oder zum Abstillen. Es gibt meistens einen Weg, ein Medikament zu finden, bei dem weiter gestillt werden kann.

Aber Vorsicht ist natürlich geboten. In jedem Fall sollte vor der Einnahme von Medikamenten ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Keine Sorge vor Impfungen

Unbedenklich sind dagegen Impfungen: Nach aktuellen Empfehlungen des in Deutschland dafür zuständigen Robert-Koch-Instituts sind Impfungen in der Stillzeit generell ohne Beschränkungen möglich.

Wie kann ich während des Stillens am besten verhüten? 

Geeignete Verhütungsmittel während der Stillphase sind Kondome oder reine Gestagenpräparate, die den Milchfluss nicht beeinträchtigen.

Weitere mechanische Barrieremethoden wie Spirale (Intrauterinpessar), Diaphragma (Scheidenpessar), Portiokappe oder Lea Contraceptivum kommen im Gegensatz zum sofort einsetzbaren Kondom erst nach der Wochenbettphase in Frage. Die sechs Wochen nach der Geburt erfolgende Kontrolluntersuchung eignet sich als Zeitpunkt dafür.

Hormonpräparate und "natürliche" Methoden

Zu den reinen Gestagenpräparaten zählen die östrogenfreie Minipille, die Dreimonatsspritze, Verhütungsstäbchen und die Hormonspirale. Östrogenhaltige Verhütungsmittel, zu denen die allermeisten Pillen gehören, sowie Vaginalring und Verhütungspflaster sind in der Stillzeit ungeeignet. Die weiblichen Geschlechtshormone könnten die Milchbildung stören oder in zu großen Mengen in die Muttermilch gelangen. Nicht stillende Mütter können dagegen beim erneuten Einsetzen der Menstruation – etwa 6-8 Wochen nach der Niederkunft – (wieder) mit der üblichen Pille beginnen.

Natürliche Verhütungsmethoden wie die Temperaturmessung sind in der Stillzeit mit ihren geänderten (Schlaf- und anderen) Rhythmen schwierig durchzuhalten und noch unsicherer als ohnehin schon.

Sollten Sie die Familienplanung mit der aktuellen Niederkunft ganz sicher abgeschlossen haben und keine weiteren Kinder wünschen, kommt auch eine Sterilisation in Frage. Dafür bietet sich ein kleiner chirugischer Eingriff direkt nach der Geburt oder im Rahmen eines ohnehin geplanten Kaiserschnitts an. Ihren behandelnden Arzt sollten Sie möglichst frühzeitig darüber informieren.

Darf während der Still-Periode eine Szintigraphie durchgeführt werden? 

Eine Szintigraphie beinhaltet die Verabreichung von radioaktiven Substanzen und sollte während der Still-Periode nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden. Hier ist gemeinsam mit dem Arzt immer ein sorgfältiges Abwägen zwischen Nutzen und Risiko (für das Kind) notwendig.

Wenn die Szintigraphie so wichtig ist, dass sie durchgeführt werden sollte, wird empfohlen, das Baby in den zwei Tagen nach der Untersuchung nicht zu stillen.

Ernährung der Mutter

Worauf ist bei der Ernährung als stillende Mutter zu achten? 

Ernähren Sie sich ausgewogen (was auch außerhalb des Stillens immer zu empfehlen ist). Dazu gehören mehrere Mahlzeiten täglich, u.a. mit Vollkornprodukten, Müsli, Früchten, Gemüse und Milchprodukten. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Proteinen, Kalzium und Eisen.

Kalorienverbrauch steigt

Der Energiebedarf ist für Stillende etwa um 300-500 Kalorien erhöht. Normalerweise hilft Ihr Körper mit, den Mehrbedarf zu decken: Während der Schwangerschaft speichert er etwa 5 kg Fett, auf die er dann während der Stillzeit zurückgreift, um eventuelle ernährungsbedingte Mängel auszugleichen.

Viel Trinken ist wichtig

Sorgen Sie für reichliche Flüssigkeitszufuhr, empfohlen werden mindestens 2 Liter Wasser am Tag. So empfiehlt es sich, zu jedem Stillen z.B. ein Glas Flüssigkeit bereitzustellen.

Mit einer gesunden Ernährung sorgen Sie dafür, dass auch Ihr Baby über die Muttermilch die "bestmögliche Qualität" bekommt.

Zwiebeln, Zitrusfrüchte & Co: Darf man das wirklich nicht essen, wenn man stillt? 

Es wird eifrig gewarnt in der einschlägigen Literatur für die Stillzeit: Blähende Lebensmittel wie z.B. Kohl, Zwiebeln, Knoblauch oder Bohnen sollen wegen möglichen Verdauungsschwierigkeiten des Babys ebenso gemieden werden wie Zitrusfrüchte, die nach mütterlichem Genuss zum wunden Po beim Säugling führen können. Womit wir beim Punkt sind:

Können, aber nicht müssen. Denn diese Warnungen sind letztlich reine Theorie. Für die Mehrzahl der Kinder ist es nämlich völlig unproblematisch, wenn ihre Mama täglich 1-2 Gläser Orangensaft trinkt, den Salat auch weiterhin mit Zitronensaft abschmeckt oder die ein oder andere Zitrusfrucht verzehrt.

Verträglichkeit testen

Wie es sich bei Ihnen und Ihrem Kind tatsächlich verhält, ob und auf welche der vermeintlich zu meidenden Nahrungsmittel Ihr Kind mit Beschwerden reagiert, können Sie letztlich nur durch Ausprobieren herausfinden. Testen Sie dabei immer nur ein „verdächtiges“ Lebensmittel pro Tag, um klare Erkenntnisse zu gewinnen.

Wirkung nach 3-6 Stunden

Etwa 3-6 Stunden nach einer Mahlzeit ist damit zu rechnen, dass Sie eventuelle Reaktionen Ihres Säuglings beobachten können, falls er auf Inhaltsstoffe bestimmter Nahrungsmittel empfindlich reagiert. Nehmen Sie verdächtige Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, am besten einzeln zu sich und beobachten Sie Ihr Baby, um rasch herauszufinden, was es verträgt und was nicht. Die Empfindlichkeit Ihres Kindes gegenüber verschiedenen Nahrungsmitteln kann sich im Laufe der Stillzeit übrigens auch verändern.

Sind stark gewürzte Speisen in der Stillzeit erlaubt? 

Das hängt von Ihrem Baby ab. Manche Säuglinge mögen es nicht, wenn ihre Milch mit Curry-, Knoblauch- oder Ingwer-Geschmack versetzt ist. Andere scheint es dagegen nicht zu stören.

Verzehren Sie also stark gewürzte Speisen vorerst nur gelegentlich und beobachten Sie die Reaktion Ihres Kindes.

Darf ich in der Stillzeit Kaffee trinken? 

Ja, aber … Wie Alkohol gelangt auch Koffein schnell ins Blut und innerhalb einer Stunde in die Muttermilch. Nach 3-5 Stunden ist deren Koffeingehalt dann zwar wieder deutlich gesunken. Ihr Baby braucht allerdings einige Tage zum Koffeinabbau.

Genießen Sie Ihren Morgen- oder Nachmittagskaffee deshalb am besten gleich nach dem Stillen. Mehr als 5 Tassen am Tag sollten es nicht sein, sonst kann es zur Ansammlung des Koffeins im Körper Ihres Säuglings kommen – mit der Folge von Übererregbarkeit, Bauchkrämpfen oder Blähungen. Die Empfindlichkeitsschwelle ist individuell unterschiedlich, manche Kinder zeigen diese Symptome auch schon bei geringeren Koffeinmengen.

Wenn Ihr Baby vom indirekten Kaffeekonsum überreizt ist, macht sich das durch weit geöffnete Augen, Lebhaftigkeit und Hellwachsein, vermindertes Schlafbedürfnis bis hin zu starker Unruhe und Nervosität bemerkbar.

Nicht zu vergessen: Koffein steckt nicht nur im Kaffee, sondern auch in schwarzem Tee, grünem Tee, Mate- und Eistee (wird dann auch Tein genannt) sowie in Cola, Limonaden, manchen Bonbons und einigen frei verkäuflichen Medikamenten.

Darf ich als stillende Mutter Alkohol trinken? 

Ein gelegentliches Glas Sekt, Wein oder Bier ist erlaubt, stärkerer Alkoholkonsum dagegen nicht.

Gelegentlich meint hier: Wenn mal alle zwei Wochen ein Fest oder ein Freundestreffen stattfindet, wird das eine Glas Wein nicht schaden. Als täglicher Begleiter wäre eine solche Alkoholmenge hingegen schon deutlich zu viel.

Gehirnschaden durch Alkohol möglich

Tatsache ist: Etwa eine halbe bis anderthalb Stunden nach dem Glas Sekt oder Wein taucht der Alkohol in der Muttermilch auf. Und die Leber von unseren Kleinen kann damit noch nicht so gut umgehen. Sprich: Der Alkohol wird nur langsam abgebaut. Als Reaktion schlägt das Herz schneller und Nervenzellen werden gereizt oder gar geschädigt. Deshalb gilt: Wenn überhaupt Alkohol, dann mit möglichst großem Abstand zum nächsten Stillen.

Milchproduktion sinkt

Die These, dass Alkohol das Stillen erleichtert (wer die wohl aufgestellt hat...), ist übrigens auch widerlegt: Das Gegenteil ist der Fall. Das Milchbildungshormon Oxytocin sinkt unter Alkoholeinfluss ab.

Nimmt der Laktosegehalt in meiner Muttermilch ab, wenn ich mich laktosefrei ernähre? 

Nein, denn die Muttermilch weist einen eigenen Laktosegehalt auf, der, wie bei den anderen Säugetierarten auch, weitgehend unabhängig von der Ernährung der Mutter ist.

Darf ich als stillende Mutter eine Diät beginnen? 

Die Stillzeit ist grundsätzlich nicht der geeignete Zeitpunkt, um mit einer gewichtsreduzierenden Diät zu beginnen. Sollten Sie dennoch mit dem Gedanken spielen, klären Sie dieses Vorhaben unbedingt mit Ihrem Arzt ab, um sicherzustellen, dass Ihr Baby weiterhin bestmöglich ernährt wird.

Eine Gewichtsabnahme sollte erst nach dem Wochenbett, also frühestens sechs Wochen nach der Geburt starten und nicht mehr als 0,5 kg pro Woche betragen. Bedenken Sie, dass Sie beim Stillen etwa 550-600 Kalorien pro Tag zusätzlich verbrennen. Übrigens: Die meisten Mütter erreichen erst 10-12 Monate nach der Entbindung wieder ihr Vorschwangerschaftsgewicht.

Was sind Milchbildungskugeln? 

Milchbildungskugeln sind ein bewährtes Hebammen-Rezept, um die Milchbildung für das Stillen zu unterstützen. Ein Rezeptvorschlag für die nahrhaften und wohlschmeckenden „Kraftbällchen“ lautet:

Zutaten:

  • 250 g Weizen
  • 150 g Gerste
  • 100 g Hafer
  • 1 Handvoll Cashew-Nüsse oder gehackte Cashew-Kerne
  • 150 g Butter
  • 150 g Rohrohrzucker

Zubereitung:

  • Die Getreidesorten entweder frisch gemahlen (im Naturkostladen) kaufen oder mit einer Getreidemühle selbst frisch mahlen und sofort verwenden.
  • Die Cashew-Nüsse hacken oder bereits gehackt kaufen und mit dem Mehl in einem Topf oder einer Pfanne unter Rühren anrösten, bis die Mischung leicht braun wird und duftet (Vorsicht: wird schnell zu dunkel!).
  • Sofort die Butter hineinschmelzen und gut verrühren.
  • Abschließend den Zucker hinzufügen und nach 15-60 Sekunden die Pfanne vom Herd nehmen.
  • Den Teig mit etwas Milch oder Wasser (2-3 EL) klebrig machen und ca. 3 cm große Kugeln formen, solange die Masse noch warm ist.
  • Die Kugeln abkühlen lassen und in einer verschließbaren Dose aufbewahren.
  • Tägliche Ration: maximal 3 der reichhaltigen Kugeln.

Alternativrezept:

500 g einer grob geschroteten Mischung aus Weizen, Gerste und Hafer mit 150 g gekochtem Vollreis vermengen, 150 g Butter kalt hinzugeben und mit einem halben Glas Wasser verrühren. Abschließend 150 g Honig hinzufügen und aus der Masse kleine Bällchen formen. Tägliche Ration: 3-5.

Dauer des Stillens

Kann ich das Stillen auch vorzeitig beenden? 

Ja. Abgesehen von äußeren Umständen, wie z.B. einer Krankheit, die Sie zum Abstillen zwingen, kann dies jederzeit auch aus Ihrem freien Willen heraus geschehen. Wenn Sie also nicht sicher sind, ob Sie wirklich stillen möchten, können Sie es zunächst einmal auf sich zukommen lassen und einen Versuch wagen.

Sollte sich dann herausstellen, dass es doch nichts für Sie ist, können Sie sofort wieder abstillen. Nutzen Sie auch den Austausch mit stillerfahrenen Freundinnen und die Informationsangebote von Klinik und Hebamme. Nicht selten erweisen sich Aversionen oder Argumente gegen das Stillen sowie der Eindruck, dass es „einfach nicht klappt“, bei besserem Verständnis als unbegründet.

Reichen ein paar Wochen Stillen aus, um mein Baby mit den Vorzügen der Muttermilch zu versorgen? 

Nein, viele der Vorteile, die mit der Muttermilch und ihrer einzigartigen Zusammensetzung in Verbindung gebracht werden, kommen erst zum Tragen, wenn das Baby sechs Monate voll gestillt wird.

Aus diesem Grund empfiehlt die Nationale Stillkommission das ausschließliche Stillen im ersten Lebenshalbjahr, ohne jegliche Beikost in fester oder flüssiger Form.

Was sind die häufigsten Gründe für vorzeitiges Abstillen? 

Die Hauptgründe für vorzeitiges Abstillen sind Milchstau und Brustentzündung. Beide entstehen als Folge einer mangelnden Milchentleerung derjenigen Drüsenbezirke, die vom Baby beim Saugen an der Brust nicht erreicht und anschließend auch nicht ausgestrichen wurden.

Still-Probleme am häufigsten als Grund genannt

Die meisten (gut 90%) werdenden Mütter in Deutschland haben die feste Absicht, ihr Kind zu stillen. Aus gutem Grund, denn es gibt keine bessere Ernährung für Neugeborene in den ersten 6-9 Monaten als die Muttermilch.

Dennoch stillen viele Mütter früher ab. Sie geben mehrheitlich die oben genannten Gründe dafür an. Manche Frauen fühlen sich auch unwohl in ihrer Rolle als Milchspenderin oder haben bei einem vorherigen Kind schlechte Erfahrungen gemacht. Berichte über Frauen, die nicht genügend Milch haben oder deren Brustwarzen nicht zum Stillen geeignet sind, verunsichern zusätzlich.

Als Ursachen für Stillschwierigkeiten bei Mutter und Kind werden außerdem häufiger genannt:

  • verzögerter Milcheinschuss
  • Rhagaden
  • Trinkschwäche des Kindes, mangelhafter Saugreflex
  • Ungeduld und Uneinsichtigkeit des Krankenhauspersonals
  • negative Einstellung des Partners
  • demotivierende Industriewerbung
  • Schmerzen beim Stillen
  • Angst um die Figur
  • Fehlbildungen der Brustwarze (Flach-oder Hohlwarzen)
  • Missbildungen des Kindes (Spaltbildungen)

Auch Partner und Arbeitsplatz spielen oft eine Rolle

Von maßgeblicher Bedeutung für die individuelle Entscheidung gegen das Stillen ist offenbar häufig auch das persönliche Umfeld, vor allem die fehlende Akzeptanz und Unterstützung durch den Partner.

Und auch die Rückkehr zum Arbeitsplatz ist oft ein Grund. Dabei müssten Arbeitgeber eigentlich dankbar sein, wenn ihre Mitarbeiterinnen stillen. Denn dann ist das Risiko für Fehlzeiten geringer, da im Vergleich zum flaschenernährten Nachwuchs gestillte Kinder im allgemeinen gesünder und ihre Mütter gelassener sind. Leider gehört aber gerade ein stillunfreundlicher Arbeitsplatz zu den häufiger genannten Gründen für frühzeitiges Abstillen.

Probleme beim Stillen

Warum ist das Stillen oft kein „Selbstläufer“? 

Prinzipiell läuft beim Stillen eigentlich alles wie von selbst. Rein körperlich spricht auch bei 98% aller Frauen nichts dagegen. Trotzdem kann es in den ersten Wochen durchaus zu Problemen bis hin zu Frustrationen kommen, weil es eben doch nicht so gut klappt.

Kopf in den Sand gilt nicht

Mit Stillproblemen haben viele Frauen und ihre Säuglinge zu kämpfen. ... Die gute Nachricht: Die meisten Stillprobleme sind lösbar. Nur bei wenigen Frauen, etwa 2-3%, klappt das Stillen überhaupt nicht.

Also heißt es: Nicht frühzeitig resignieren. Abgesehen von Naturtalenten auf beiden Seiten gilt auch für die stillwillige Mutter und den Säugling:

Übung macht den Meister und gut Ding will manchmal Weile haben. Außerdem ist das Stillumfeld häufig alles andere als ideal.

Informieren Sie sich deshalb am besten schon während der Schwangerschaft über die Grundzüge des richtigen Stillens, vermeidbare Fehler und Betreuungssangebote in der Geburtsklinik (z.B. Stillzimmer) und in der Nachsorge (z.B. Hebamme, Stillberaterin, Stillgruppe). Denn die meisten Stillprobleme sind mit gutem Willen, richtiger Fachkenntnis und ausreichender Geduld lösbar.

Probleme mit dem Stillen: Wer hilft? 

Stillende Mütter brauchen psychische und praktische Unterstützung durch den Vater, Familienangehörige oder Freunde. Den Stillvorgang selbst kann Ihnen zwar niemand abnehmen, die meisten anderen Dinge aber schon. Als frisch gebackene Mutter sind Sie in einer Hochleistungsphase. Lassen Sie sich helfen!

Lesen, Freundin fragen, sich helfen lassen

Um sich mit dem notwendigen Wissen und praktischen Tipps für das Stillen zu versorgen, stehen Ihnen diverse Informationsquellen zur Verfügung. Neben der Medienlektüre (themenspezifische Internetportale, Bücher und Zeitschriften) lohnen sich – möglichst schon während der Schwangerschaft – der Austausch mit stillerfahrenen Freundinnen, ggf. auch der Besuch einer Stillgruppe, und die professionelle Beratung durch Hebamme und Frauenärztin.

Erkundigen Sie sich bei Ihrer Geburtsklinik, ob sie als „Stillfreundliches Krankenhaus“ zertifiziert ist bzw. ein Stillzimmer und speziell geschultes Personal vorhält. Wenn es dann soweit ist und weitere Fragen oder gar Probleme auftauchen, sollten Sie sich an eine erfahrene Stillberaterin wenden.

Stillberaterin zu Rate ziehen

Still- bzw. Laktationsberaterinnen sind Hebammen, Ärzte, Kinderkrankenschwestern oder Pflegefachkräfte, die sich für die Stillberatung weiterbilden lassen und nach erfolgreicher Prüfung einen im Aus- und Weiterbildungswesen anerkannten Titel erwerben. Mit der Verleihung einer solchen Zusatzbezeichnung ist grundsätzlich auch die Verpflichtung zu regelmäßiger Fortbildung verbunden.

Ein Beispiel für solch einen Titel ist IBCLC. Das  steht für „International Board Certified Lactation Consultant“ und damit für eine besondere Fachkompetenz in der Stillberatung. Das IBCLC-Programm gilt weltweit als „Best Practice“ Modell für Qualifikationen in der Stillberatung.

Um eine persönliche Empfehlung für eine gute, erfahrene Stillberaterin zu bekommen, können Sie außer im Bekannten- und Geburtsvorbereitungskreis bei Ihrer Hebamme, dem Frauenarzt oder auch bei Ihrer Geburtsklinik nachfragen.

Selbsthilfegruppen für stillende Mütter

Auch Selbsthilfegruppen können stillenden Müttern helfen, Probleme zu vermeiden bzw. sie zu lösen. Die Adressen können Sie bei Ihren regionalen Gesundheitsämtern erfragen. Alternativ sollten das aber auch Ihre Hebamme oder Ihre Frauenärztin (bzw. Ihr Frauenarzt) wissen.

Wie beuge ich Milchstau, schmerzhaften Brustwarzen und Brustentzündung vor? 

Richtiges Anlegen und häufiges Anlegen sind die beste Vorbeugung gegen Milchstau, schmerzhafte Brustwarzen und Brustentzündung.

Um eine Brustentzündung zu verhindern, ist auch das Abtasten der Brust nach jedem Stillen ratsam, um festzustellen, ob sich an bestimmten Stellen („Knoten“) noch Milch in der Brust befindet. Ist dies der Fall, dann streichen Sie Ihre Brust zur Entleerung aus (z.B. unter der Dusche oder über dem Waschbecken).

Was kann ich tun, wenn die Brustwarzen durch das Stillen wund werden? 

Die wichtigste Maßnahme ist, bei jeder Stillmahlzeit auf ein korrektes Anlegen Ihres Säuglings zu achten. Weitere Tipps zur Entlastung Ihrer Brustwarzen lauten:

  • Legen Sie Ihr Kind häufiger und kürzer statt seltener und lange an.
  • Wechseln Sie häufig die Stillposition, auch während einer Mahlzeit.
  • Schieben Sie beim Abnehmen des Babys von der Brust Ihren kleinen Finger in seinen Mundwinkel, um den Saugvorgang zu beenden und das Vakuum zu lösen.
  • Lassen Sie Milch- und Speichelreste nach dem Stillen auf der Brustwarze antrocknen.
  • Benutzen Sie Stilleinlagen aus Wolle oder Wolle und Seide (Seidenseite auf die Haut legen, da der im Gewebe enthaltene Seidenleim die Wundheilung fördert).
  • Tauschen Sie feucht gewordene Stilleinlagen immer gleich aus.

Was kann ich bei starken Schmerzen beim Anlegen des Säuglings tun? 

Wenn Ihr Baby anfangs immer sehr stark saugt, bis es zum Milchspendereflex kommt, kann es zu „Ansaugschmerzen“ kommen. Diese können zunächst sehr heftig sein, vergehen aber wieder, sobald sich das hormonelle Gleichgewicht eingependelt hat.

Folgende Maßnahmen können Ihnen gegen die Schmerzen helfen:

  • Regen Sie bereits vor dem Stillen den Milchfluss an: z.B. durch sanftes Massieren der Brust und Auflegen eines warmen Waschlappens oder Kirschkernsäckchens.
  • Entspannen Sie sich beim Anlegen: bewusst die Schultern locker lassen, ruhig und tief in den Bauch atmen.
  • Wechseln Sie bei jedem Anlegen die Stillposition: abwechselnd Wiegengriff, Rückengriff und im Liegen.

Wenden Sie sich an Ihre Nachsorge-Hebamme, wenn die Beschwerden anhalten.

Wie bemerke ich eine Brustentzündung? 

Typische Beschwerden einer Brustentzündung im Wochenbett (Mastitis puerperalis), die meist eine Woche nach der Geburt auftritt, sind:

  • Probleme beim Stillen durch Schmerzen in der Brust
  • schmerzhafte Rötung und Erwärmung der Brust
  • Schwellung im betroffenen Brustbereich
  • Fieber
  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Kopf- und Gliederschmerzen
  • vergrößerte Lymphknoten in der Achselhöhle

Was ist eine Saugverwirrung beim Baby? 

Besonders in den ersten Wochen kann es bei Ihrem Baby zu einer Saugverwirrung kommen, wenn Fläschchen oder Schnuller der Brustwarze Konkurrenz machen.

Die Zufütterung per Flasche kann Ihren Säugling verwirren, da die Saugtechnik bei Brust und Flasche nicht die gleiche ist. Außerdem wird ein Baby schneller satt und verliert die Lust zu saugen, wenn es zusätzlich Saft, Brei oder Flaschenmilch bekommt. Auch die geringere Anstrengung, die das Flaschensaugen erfordert, trägt zur Brustfaulheit des Nachwuchses bei.

Wie kann ich einen Flüssigkeitsmangel bei meinem Baby verhindern, wenn es zu wenig Milch bekommt? 

Normalerweise benötigt Ihr Nachwuchs in den ersten Monaten nichts außer Ihrer Muttermilch. Wenn Sie aber den Eindruck haben, dass Ihr Baby an der Brust zu wenig Milch aufnimmt und zusätzliche Flüssigkeit benötigt, können Sie ihm abgekochtes Wasser oder Fencheltee einflößen, um einen Flüssigkeitsmangel zu vermeiden.

Versuchen Sie auch, herauszufinden, woran es beim Stillerfolg hapert. Die meisten Stillprobleme sind lösbar, je früher, desto leichter. Achten Sie auf Anzeichen einer Austrockung (Dehydration) und suchen Sie ggf. rasch kinderärztliche Hilfe auf.

Wie kann ich Stillproblemen nach einem Kaiserschnitt vorbeugen? 

Auch nach einem Kaiserschnitt sollte darauf geachtet werden, das Neugeborene sobald als möglich der Mutter auf die Brust zu legen. Je besser das gelingt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit eines ganz normalen Stillverlaufs.

Mit dem Klinikteam sprechen Sie am besten schon im Vorfeld darüber und versichern sich der notwendigen Unterstützung zum Stillen nach Bedarf. Setzen Sie sich aber nicht selbst unter Druck, es besteht kein Grund zu übertriebener Eile.

Lassen Sie sich helfen

Lassen Sie sich Tipps und Hilfestellung geben, wenn das Anlegen nicht gleich klappt. Das Klinikpersonal und Ihre Nachsorgehebamme können Ihnen u.a. auch zeigen, wie Sie sich mithilfe von Kissen so abstützen und die richtige Haltung beim Stillen finden, dass einerseits Ihre Operationswunde geschützt ist und nicht schmerzt, und andererseits Ihr Baby gut an die Brustwarze gelangt.

Bleiben Sie gelassen, falls sich der Milcheinschuss verzögern sollte. Das ist nach einem Kaiserschnitt häufiger der Fall, wenn das Kind in der Frühphase nach der Geburt nicht ausreichend Gelegenheit hatte, den Saugstimulus an der Brust auszuüben.

Stimmt es, dass ein Schnuller das Stillen beeinträchtigen kann? 

Ja. Lange Zeit war der Einfluss des Schnullers auf den Stillerfolg ein umstrittenes Thema. Inzwischen sind die nachteiligen Effekte, die der frühe Einsatz des Schnullers auf die Stilldauer ausübt, wissenschaftlich belegt.

Zum einen kann der verminderte Saugbedarf an der Brust bei Babys, die ihr Saugbedürfnis mit dem Schnuller bereits teilweise befriedigt haben, zu einem ungenügenden Milchverzehr führen. Zum anderen besteht offenbar vor allem in den ersten Tagen und Wochen die Gefahr, dass das Schnullern das Erlernen des richtigen Saugens behindert. Störende Folgen können dann wunde Brustwarzen bei der Mutter und Saugverwirrung beim Kind sein.

Allerdings muss man auch klar sagen: Viele Babys haben trotz Schnuller keinerlei Probleme beim Anlegen.

Muttermilch

Reicht meine Muttermilch aus? 

Beim Stillen nach Bedarf (anfangs mindestens 6- bis 8-mal pro Tag) wird ausreichend Muttermilch für ein oder mehrere Kinder gebildet („Die Nachfrage regelt das Angebot“). Diese reicht in der Regel als alleinige Nahrung im ersten Lebenshalbjahr aus.

Und was man nie vergessen sollte: Die beste Ernährung des Säuglings ist Muttermilch. Auch nachdem begonnen wurde, Beikost zu füttern, kann und sollte weiter gestillt werden.

Haben Frauen mit kleinem Busen weniger Milch? 

Nein, die Größe der Brust spielt für die Milchproduktion keine Rolle. In einem kleinen Busen ist nämlich nur das für den Größenunterschied verantwortliche Fettgewebe geringer ausgebildet, nicht aber das Drüsengewebe.

Eine gesunde Frau kann also grundsätzlich davon ausgehen, dass sie stillen kann – unabhängig von der Größe ihres Busens. Nur bei einem ein sehr kleinen Teil aller Mütter ist dies aus körperlichen oder gesundheitlichen Gründen nicht möglich.

Nachteile des Stillens

Verursacht Stillen Hängebrüste?  

Um ihr Dekolleté muss sich keine Mutter sorgen, wenn es um das Stillen geht. Eine amerikanische Studie stellte fest, dass die Straffheit der Brüste zwar mit jeder Schwangerschaft nachlässt, das Stillen diesen Effekt jedoch – entgegen eines weit verbreitenen Vorurteils – nicht verstärkt.

Als weitere Faktoren, die für die Spannkraft des Brustgewebes eine Rolle spielen, konstatierten die Forscher Alter, Body-Mass-Index (Gewicht) und Zigarettenkonsum der befragten Frauen.

Bereits während der Schwangerschaft verändert sich das Brustdrüsengewebe, damit die Milchbildung sofort nach der Geburt starten kann, wenn das Neugeborene an der Brust saugt. Damit erfolgen Wachstum und Dehnung der Brust hauptsächlich während der Schwangerschaft und nicht während der Stillzeit. Im Gegensatz zur Schwangerschaft als solcher hinterlässt das Stillen keine sichtbaren Spuren an der Brust, die auch einige Zeit nach dem Abstillen noch feststellbar wären.

Führt das Stillen zum Haarausfall? 

Nein. Zwar ist Haarausfall nach der Geburt kein seltenes Phänomen. Das hängt aber nicht mit dem Stillen zusammen, sondern mit einer ganz normalen Hormonumstellung, und ist deshalb auch kein Grund, nicht zu stillen oder frühzeitig damit aufzuhören.

Ursache ist der plötzliche Östrogenabfall nach der Entbindung. Der hohe Östrogenspiegel während der Schwangerschaft hat zuvor das Haarwachstum stimuliert und für besonders volles und schönes Haar der Schwangeren gesorgt. Nach der Geburt kommt es dann nach einer Ruhephase zum Ausfall der Haare, der zu unterschiedlichen Zeitpunkten beginnen und auch unterschiedlich lange dauern kann.

In der Regel normalisiert sich der Haarwuchs nach einigen Monaten, bis spätestens nach 12-15 Monaten der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt ist.

Wissenswertes

Schützt Stillen vor einer erneuten Schwangerschaft? 

Nein, das ist ein Ammenmärchen. Da Stillen keineswegs vor einer erneuten Schwangerschaft schützt, sollten Sie sich Gedanken über mögliche Verhütungsmaßnahmen machen und diese mit Ihrem Partner besprechen.

Wie viel Geld spare ich beim Stillen? 

Auch wenn der schnöde Mammon die wichtige Entscheidung für oder gegen das Stillen nicht beeinflussen sollte, ist es doch nicht uninteressant, was von Experten berechnet wurde:

Im Gegensatz zu einem mit industrieller Säuglingsnahrung flaschengefütterten Kind sparen Sie, wenn Sie Ihr Baby sechs Monate lang voll stillen, immerhin ca. 750 Euro.

Wird in Deutschland besonders viel gestillt? 

Das kommt darauf an. Im Vergleich mit dem als „Still-Wunderland“ bezeichneten Norwegen sicher nicht, wo 80% der sechs Monate alten Säuglinge noch voll gestillt werden.

Zwar haben 90% aller Schwangeren in Deutschland die feste Absicht, ihr Kind zu stillen. Wenn es dann aber soweit ist, stellt sich das Umfeld häufig als nicht optimal für eine erfolgreiche Stillbeziehung heraus. So fällt etwa der Anteil jener unter den etwa 900 deutschen Geburtskliniken, die sich mit dem Zertifikat „Stillfreundliches Krankenhaus“ schmücken dürfen, immer noch recht bescheiden aus.

Immer mehr Mütter stillen

Die Tendenz ist aber immerhin steigend, und das gilt auch für das Stillen allgemein. Der Anteil der deutschen Mütter, die ihre sechs Monate alten Kinder nur mit Muttermilch versorgen, hat sich im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt und beträgt heute 25%. Die Zahl der Frauen, die nach einem halben Jahr überhaupt nicht stillen, ist dagegen von 52% auf mittlerweile unter 40% gesunken.

Dennoch bleibt in vielen Kliniken, bei der Vor- und Nachsorge, bei Arbeitgebern und schließlich in den Familien selbst noch einiges zu tun, um den Vorzügen des Stillens für Mutter und Kind zur vollen Entfaltung zu verhelfen.

Was reimt sich auf Stillen? … 

… Chillen, vor allem, wenn Mutter und Kind es sich dabei richtig bequem machen. Die folgenden Tipps aus der Praxis des Stillens sollen dabei helfen:

  • Eine entspannte Atmosphäre erhöht für alle Beteiligten den Stillgenuss.
  • Vergessen Sie selber das Trinken nicht (für den eigenen Flüssigkeitsbedarf und für die Milchproduktion) und stellen Sie sich ein großes Glas Wasser oder Saft in Reichweite.
  • Der Schlüssel zum Stillerfolg ist das richtige Anlegen des Babys.
  • Probieren Sie verschiedene Stellungen und Haltungen aus, etwa die Wiegehaltung (Kind in der Armbeuge) oder den Überkreuzgriff (mit Arm und Hand der entgegengesetzten Körperseite). Finden Sie heraus, welche Stillpositionen für Sie und Ihr Baby besonders bequem sind.
  • Bringen Sie sich sitzend oder auch liegend in eine bequem Lage und stützen Sie Ihren Rücken und die Arme mit Kissen. Damit Sie sich nicht über Ihren Säugling beugen müssen, sollten Sie die Füße ggf. auf einen Schemel oder ein niedriges Tischchen stützen.
  • Wickeln Sie Ihr Kind eng ein (Pucken) oder halten Sie seine Arme behutsam fest. Das erleichtert das Stillen.
  • Halten oder legen Sie Ihr Baby so, dass es Ihnen das Gesicht zuwendet und sich aus der Rückenlage seitlich drehen kann.
  • Bringen Sie Ihr Baby immer zur Brust und nicht umgekehrt.
  • Stützen Sie Ihre Brust ggf. beim Stillen mit der freien Hand.
  • Legen Sie Ihr Baby abwechselnd zuerst an der einen, dann an der anderen Brust an. So erhält es jeweils die den ersten Durst stillende Vordermilch und die sattmachende, nährstoffreichere Hintermilch. Achten Sie darauf, dass beide Brüste genug Milch produzieren.

Wichtig: Informieren Sie sich in der Klinik, bei Ihrer Hebamme und/oder bei einer Stillberatung über Stillpositionen und alle sonstigen Fragen, die beim Stillen für Sie eine Rolle spielen könnten. Lassen Sie sich vor allem beraten und helfen, falls Probleme mit dem Stillen auftreten. Kein Meister fällt vom Himmel, auch keine Stillmeisterin.

Quellen:

  • Archives of Diseases in Childhood (2010 doi: 10.1136/adc.2009.169912)
  • American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine online: doi: 10.1164/rccm. 201108-1490OC
  • „Stillempfehlungen für die Säuglingszeit“ (Herausgeber: Nationale Stillkommission)
  • Nationale Stillkommission
  • Genome Biology 2012, 13:R32 doi:10.1186/gb-2012-13-4-r32

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