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Kaiserschnitt: Ablauf, Vorteile und Nachteile

Wann ist ein Kaiserschnitt besser als eine natürliche Geburt? Welche Nachteile hat der Eingriff? In diesem Kapitel beantworten wir alle Fragen rund um den Kaiserschnitt.

Basiswissen 

Was ist ein Kaiserschnitt? 

Wenn alles nach Mutter Natur läuft, sucht sich das Kind den Weg nach draußen durch die mütterliche Scheide, kräftig und schmerzvoll unterstützt von der Mama. Im Gegensatz zu dieser natürlichen, vaginalen Spontangeburt ist der Kaiserschnitt (Sectio caesarea) eine operative Entbindungsmethode.

Kaiserschnitt: in 50% der Fälle geplant

Dabei werden die mütterliche Bauchdecke, die Gebärmutter und die Fruchtblase mit dem Skalpell aufgeschnitten und das Kind direkt herausgeholt.

Während die Schnittentbindung früher in aller Regel als Notfallmaßnahme zum Einsatz kam, findet sie heute in gut der Hälfte der Fälle als geplanter Eingriff statt (primärer Kaiserschnitt). Dieser kann meist unter regionaler Betäubung (PDA) stattfinden und dauert etwa eine Stunde.

Zwar ist die Operation selbst aufgrund der Anästhesie schmerzfrei, danach ist allerdings mit länger anhaltendem Wundschmerz zu rechnen. Der Klinikaufenthalt dauert im Schnitt mit einer Woche fast doppelt so lang wie nach vaginaler Entbindung, bei komplikationsbehaftetem Verlauf auch länger.

Wann wird ein geplanter Kaiserschnitt durchgeführt?

Um nicht von dem natürlichen Geburtsbeginn überrascht zu werden, wird per geplantem Kaiserschnitt in der Regel ein bis zwei Wochen vor dem errechneten Geburtsdatum entbunden. Dann können alle Vorbereitungen für die Operation in Ruhe, tagsüber und ohne Zeitdruck vonstatten gehen.

Eine Vorverlegung des Geburtstermins um zwei Wochen ist für das Kind ohne Risiko. Man muss sich also keine Sorgen machen, dass das Kind deshalb irgendwelche Defizite haben könnte.

Häufigkeit 

Wie oft wird per Kaiserschnitt entbunden? 

Mittlerweile wird etwa jedes dritte Kind (> 30%) in Deutschland per Kaiserschnitt geboren. Jährlich finden derzeit über 200.000 Operationen statt. Vor 10 Jahren waren es noch 22%, vor 20 Jahren etwa 15%. Die Rate hat sich somit in den letzten zwei Jahrzehnten nahezu verdoppelt

Weltweites Phänomen

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in fast in allen Industrieländern wird heute öfter per Kaiserschnitt entbunden als früher.

Auch in anderen Ländern, wie z.B. USA und Brasilien (dort in den Großstädten), fallen insgesamt hohe Interventionsraten und eine besonders hohe Kaiserschnittfrequenz auf, insbesondere bei Privatpatientinnen im Vergleich zu allgemein versicherten Frauen. In einigen brasilianischen Privatkliniken erreicht die Sectio-Rate Spitzenwerte von über 80%.

Unterschiede und Einflussfaktoren

Führt eine kontinuierliche Hebammenbetreuung zu weniger Kaiserschnitten?

Deutlich niedrigere Sectio-Raten finden sich u.a. in Holland und den skandinavischen Ländern, in denen der Hebamme eine bedeutendere Rolle in der Schwangerenbetreuung zukommt.

Eine nur wenige Jahre zurückliegende Untersuchung hat gezeigt, dass eine kontinuierliche Hebammenbetreuung unter der Geburt das Risiko für die Mutter senkt, ihr Kind per Kaiserschnitt auf die Welt zu bringen. Außerdem wird die Zufriedenheit der Gebärenden mit dem Geburtsverlauf gesteigert.

Gibt es reginonale Unterschiede in Deutschland?

In deutschen Krankenhäusern wird je nach Bundesland unterschiedlich oft per Kaiserschnitt entbunden: Während im Saarland (36,8%), in Bremen (33,0%) und in Hessen (32,9%) die OP-Quote am höchsten ist, erfolgt in Sachsen bei „nur“ etwa jeder fünften Entbindung (21,7%) ein Kaiserschnitt. Eine Erklärung zu diesen offiziellen Zahlen liefert das Statistische Bundesamt leider nicht mit.

Warum wird immer öfter per Kaiserschnitt entbunden?

Die rasante Zunahme der Kaiserschnittrate hat neben medizinischen zunehmend auch organisatorische, finanzielle und juristische Gründe. Auch ein verändertes Risikoprofil der schwangeren Frauen, u.a. aufgrund des gestiegenen Durchschnittsalters bei der Geburt, spielt eine Rolle.

Außerdem finden die körperlichen Folgen einer vaginalen Entbindung heute stärkere Beachtung. Hinzu kommt, dass einerseits Strukturen zur Betreuung von Risikoschwangeren fehlen, andererseits der technisch orientierte medizinische Fortschritt bei uns (im Gegensatz etwa zu unseren holländischen Nachbarn) gegenüber dem natürlich basierten Hebammenwissen zu dominieren scheint.

Ökonomische Aspekte spielen schließlich ebenso eine Rolle wie die Ausrichtung auf Routineabläufe im Krankenhaus.

Wunschkaiserschnitt ist nicht die Regel

Auch wenn es die mediale Berichterstattung über Wunschkaiserschnitte bei prominenten Schwangeren und die deutlich gestiegene Zahl von Schnittentbindungen vermuten lassen, wünschen sich nicht immer mehr Frauen diesn Weg der Entbindung. Eine Studie der Gmünder ErsatzKasse (GEK) kam im Jahr 2005 zu dem Ergebnis, dass nur etwa 2% der untersuchten Kaiserschnittgeburten tatsächlich als Wunsch-Sectio erfolgten.

Fast 90% der Frauen, die einen Kaiserschnitt hinter sich hatten, meinten, der Eingriff sollte nur im Notfall durchgeführt werden. Nur etwa 5% der Befragten hielten eine Schnittentbindung auch ohne medizinische Gründe in jedem Fall für empfehlenswert. Und die große Mehrheit (77%) sah einen Zusammenhang zwischen den in der Boulevardpresse ausführlich dargestellten „Bequemlichkeits-Kaiserschnitten“ und der insgesamt ansteigenden Kaiserschnittzahl, ohne aber für sich selbst diese Option zu formulieren.

Möglicherweise ist aber auch die Meinung zu einem Kaiserschnitt nach der Geburt eine andere als vor der Geburt.

Entbinden Privatpatientinnen öfters per Kaiserschnitt?

Bei Privatpatientinnen wird in der Tat viel häufiger ein Kaiserschnitt durchgeführt als bei gesetzlich versicherten Schwangeren. Und das, obwohl Krankenhausleistungen für GKV- und PKV-Versicherte sowie für Selbstzahler per Gesetz gleich vergütet werden.

Allerdings findet sich unter den Privatpatienten ein höherer Anteil von Frauen mit Zusatzversicherung für Wahlleistungen wie Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer, so dass Experten hier einen (finanzierungs-)systembedingten Anreiz für die Krankenhäuser zur Generierung von Mehreinnahmen vermuten.

Gehört der Kaiserschnitt zu den häufigsten Eingriffen an deutschen Kliniken?

Nicht der Kaiserschnitt, aber natürliche Geburten gehören zu den häufigsten Leistungen der Krankenhäuser. Trotz Geburtenrückgang sind die Neugeborenen bei den sogenannten Fallpauschalen auf Platz eins – zumindest in der offiziellen Abrechnungstabelle des Statistischen Bundesamtes.

Deutsche Krankenhäuser erhalten das Geld für ihre Leistungen, die sie für gesetzlich Versicherte erbracht haben, über ein Fallpauschalensystem. Im Jahr 2008 war die am häufigsten – nämlich 535.900mal – abgerechnete Fallpauschale die Versorgung gesunder Neugeborener.

Dritter Platz: Natürliche Geburt

An dritter Stelle standen die „Entbindungen ohne komplizierende Diagnose“, also die 339.500 normal verlaufenen Geburten. Die große Differenz zwischen den beiden Fallzahlen ist nicht etwa durch enorm viele Mehrlingsgeburten bedingt, sondern durch die hohe Rate an Kaiserschnitten.

An zweiter Position der Rangliste lagen übrigens Speiseröhrenentzündungen, Magen-Darm-Entzündungen oder verschiedene Krankheiten der Verdauungsorgane, die 421.400mal abgerechnet wurden.

Kaiserschnitt ja oder nein 

Natürliche Geburt oder Kaiserschnitt – was ist besser? 

Die beste Geburt unter gesundheitlichen Gesichtspunkten ist sicher die natürliche Geburt: also ohne Dammschnitt, ohne Zange oder Saugglocke und ohne Komplikationen.

Natürliche Geburt geht vor

Auch von offizieller Stelle gibt es eine klare Aussage: Laut der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sind die vaginale Geburt und der Kaiserschnitt keine gleichwertigen Entbindungswege.

So eine Bilderbuchgeburt, möglichst nach unbelasteter Schwangerschaft und mit plötzlichem Wehenbeginn, raschem, komplikationslosen Geburtsfortschritt, kurzer Pressphase und glücklichem Ende mit Geburt eines gesunden Kindes ist möglich, sei aber selten, argumentieren die Befürworter des Kaiserschnitts mit großzügig ausgelegter Indikation.

Als zweitbeste Geburt betrachten sie die geplante Sectio (Sectio = Kaiserschnitt) in der 38. bis 39. Woche. Ihrer Meinung nach muss sich die Schwangere also „zwischen der natürlichen Ungewissheit und der planbaren Gewissheit entscheiden“, wie es ein Frauenarzt formuliert.

Entscheidend ist das Ergebnis, nicht der Zeitgeist

Die zweite und differenziertere Antwort lautet: Wenn Sie sich nach umfassender und vielseitiger Information für einen Kaiserschnitt entscheiden, ist Ihre Wahl als die für Sie bestmögliche Option zu respektieren. Selbstverständlich ist die Geburt Ihres Kindes auf diesem Weg auch als völlig „gleichwertig“ zu allen anderen Varianten zu betrachten. Denn entscheidend ist das Ergebnis – ein möglichst gesundes Kind mit einer möglichst gesunden Mutter – und nicht der Geburtsmodus.

Diskriminierungen und Schuldgefühle, wie sie Frauen nach einer Sectio in Befragungen berichten, sind ebenso fehl am Platz wie der vorschnelle Verzicht auf das natürliche Geburtserlebnis. Dessen Natürlichkeit macht sich (auch) an harten Fakten zur kindlichen und mütterlichen Gesundheit fest, und nicht (nur) an einer verklärten Vorstellung vom ursprünglichsten aller menschlichen Ereignisse.

Das sagen Frauen, die einen Kaiserschnitt erlebt haben

Was halten Frauen im Nachhinein von einem Kaiserschnitt?

Ein Großteil der Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, würde sich unter gleichen Umständen diesem Eingriff erneut unterziehen. Bemerkenswerterweise macht es bei dieser positiven Bewertung keinen Unterschied, ob die Sectio primär (geplant) oder sekundär (spontan notwendig) erfolgte.

Befragt, ob sie sich nach einem primären oder sekundären Kaiserschnitt unter den gleichen Umständen erneut diesem Eingriff unterziehen würden, antworteten über 1.300 Frauen:

„Erneut Kaiserschnitt unter gleichen Umständen?“

Ja, auf jeden Fall

  • Primärer Kaiserschnitt: 58,5%
  • Sekundärer Kaiserschnitt: 58,9%

Vermutlich ja

  • Primärer Kaiserschnitt: 29,2%
  • Sekundärer Kaiserschnitt: 28,5%

Eher nicht

  • Primärer Kaiserschnitt: 4,8%
  • Sekundärer Kaiserschnitt: 3,6%

Sicherlich nicht

  • Primärer Kaiserschnitt: 4,0%
  • Sekundärer Kaiserschnitt: 7,1%

Keine Angabe

  • Primärer Kaiserschnitt: 2,8%
  • Sekundärer Kaiserschnitt: 1,8%
Erste Geburt: Kaiserschnitt - Wie bewerten Zweitgebärende den Geburtsmodus bei der zweiten Geburt?

Im Rahmen einer Regensburger Studie an 126 Frauen ließen sich 72 erneut per Kaiserschnitt (Re-Sectio) entbinden, 54 dagegen auf natürlichem Weg (Spontangeburt nach Sectio). Die Aussagen der Frauen, wie zufrieden sie mit dem Geburtsmodus ihrer zweiten Niederkunft waren, lauteten anschließend folgendermaßen:

„Bin zufrieden mit dem Geburtsmodus“ sagten

  • 48,6% der Frauen mit Re-Sectio
  • 100% der Frauen mit Spontangeburt nach Sectio

„Bin unsicher, ob Geburtsmodus richtig war" sagten

  • 51,4% der Frauen mit Re-Sectio
  • 0% der Frauen mit Spontangeburt nach Sectio

„Habe durch die (1.) Sectio etwas versäumt“ sagten

  • 31,9% der Frauen mit Re-Sectio
  • 96,2% der Frauen mit Spontangeburt nach Sectio

„Bin stolz auf mich“ sagten

  • 6,9% der Frauen mit Re-Sectio
  • 100% der Frauen mit Spontangeburt nach Sectio
Spontangeburt oder Kaiserschnitt: Wie bewerten Frauen den Beziehungsaufbau zum Kind?

Die Mütter derselben Studie wurden auch zu ihrem Beziehungsaufbau mit dem Kind (Bonding) befragt. Frauen, die sowohl einen Kaiserschnitt auch als eine Spontangeburt erlebt hatten, kamen mit großer Mehrheit zu dem Schluss, dass das Bonding nach einer Schnittentbindung schwerer fällt. Das Ergebnis in Zahlen:

„Nach Kaiserschnitt ist Bonding schwer“ sagten

  • 12,9% der Frauen mit primärer Re-Sectio
  • 83,3% der Frauen mit Spontangeburt nach Sectio

„Mein Baby ist mir noch fremd“ sagten

  • 38,7% der Frauen mit primärer Re-Sectio
  • 12,5% der Frauen mit Spontangeburt nach Sectio
Natürliche Geburt oder Kaiserschnitt: Wie möchten Hebammen und Medizinerinnen gerne selbst entbunden werden?

Einem im Jahr 2002 veröffentlichten Umfrageergebnis zufolge wünschen sich Hebammen zu 100% eine vaginale Geburt als Entbindungsmodus für sich selbst, sofern keine geburtshilflichen Risiken vorliegen. Bei den deutchen Gynäkologinnen sind es (nur) 88-95%. Im Rahmen einer Umfrage unter Frauenärztinnen in den 1990er Jahren in London teilten dagegen 31% von ihnen mit, einen Kaiserschnitt für die eigene Entbindung zu bevorzugen.

Gibt es eine internationale Empfehlung zur Anwendung des Kaiserschnitts?

Ja, die gibt es. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die Durchführung eines Kaiserschnitts nur in solchen Fällen, in denen eine natürliche, vaginale Geburt die Gesundheit oder das Leben von Mutter oder Kind gefährden würde. Nach Schätzungen der WHO trifft das auf etwa 10-15% der Schwangerschaften (und damit jede achte) zu.

Vorteile

Wie begründen Befürworter die positive Einstellung zum Wunschkaiserschnitt? 

Im heutigen öffentlichen Meinungsbild hat der Wunschkaiserschnitt Auftrieb bekommen. Die Hintergründe dieser Entwicklung sind vielfältig und betreffen die verschiedenen Beteiligten in verschiedener Weise.

Von den (ärztlichen) Befürwortern einer großzügig gestellten Indikation zum primären (geplanten) Kaiserschnitt werden folgende Argumente häufig angeführt:

  • „Für das Kind ist der geplante Kaiserschnitt am sichersten. Die natürliche Geburt beherbergt auch Risiken für die Mutter, aber wesentlich mehr für das Kind. Beim Kaiserschnitt bestehen die Risiken eigentlich nur für die Mutter.“
  • „Die Patientenrechte werden viel stärker gewichtet. Nicht mehr der Arzt und die Hebamme allein wissen, was für die Schwangere gut ist.“
  • „Das Operationsmanagement beim Kaiserschnitt wurde einfacher, angenehmer und sicherer.“
  • „Die Spätfolgen einer traumatischen vaginalen Geburt werden mehr gewichtet.“

Was in diesem Kontext meist nicht erwähnt wird, sind einerseits die ebenfalls existierenden kindlichen Risiken bei einem Kaiserschnitt sowie die möglichen Spätfolgen der Operation für die Mutter, gerade auch im Hinblick auf eine Folgeschwangerschaft.

Wissenswertes

Ist der Wunsch-Kaiserschnitt so sicher wie eine natürliche Geburt?

Anders als heute lag noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Müttersterblichkeit nach Kaiserschnitt mit zweistelligen Prozentraten extrem hoch. Die risikoreiche Operation war die letzte Option im Bemühen, das Leben von Mutter und/oder Kind zu retten.

Mittlerweile ist die Sterberate auf weit unter 1 Promille gesunken. Beim primären (geplanten) Kaiserschnitt soll es – zumindest nach Meinung der Wunschkaiserschnitt-Befürworter – kaum noch Unterschiede zur natürlichen Geburt geben. Damit ist heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, das Risiko für Mutter und Kind, bei einem Kaiserschnitt zu sterben, kaum größer als bei einem Langstreckenflug in den Urlaub.

Technik verfeinert, Keime im Griff

Zu verdanken ist das vor allem der verbesserten Operationstechnik, der Einführung aseptischer (keimfreier) Bedingungen, den Fortschritten in der Anästhesie, dem Einsatz von Bluttransfusionen sowie von Antibiotika und Thromboseprophylaxe. Das enorm gestiegene Niveau der Hochleistungsmedizin hat die Krankheits- (Morbidität) und Sterbefälle (Mortalität) von Müttern soweit sinken lassen, dass das Risiko, bei einer Geburt sterben zu können, heute aus dem öffentlichen Bewusstsein so gut wie verschwunden ist.

Verläuft eine Sectio komplett schmerzfrei?

Die Angst vor unerträglichen Schmerzen bei der natürlichen Geburt wird immer wieder angeführt, wenn es um die Gründe für einen geplanten (Wunsch-) Kaiserschnitt geht. Dabei sollten Sie berücksichtigen, dass die Sectio keinesfalls eine schmerzfreie Geburt darstellt.

Die Operation selbst wird zwar tatsächlich dank der Narkose ohne Schmerzen erlebt. Danach stellen sich aber unter Umständen heftige operationsbedingte Schmerzen ein, die noch längere Zeit andauern können - und noch dazu zu einem Zeitpunkt auftreten, an dem Sie sich viel lieber um Ihr Baby kümmern würden.

Nachteile für die Mutter

Mit welchen Risisken muss ich rechnen?

Zwar kommt es auf den individuellen Fall an, insgesamt betrachtet weist der Kaiserschnitt aber immer noch ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko im Vergleich zur natürlichen Geburt auf.

Höhres Risiko bei ungeplantem Kaiserschnitt

Das liegt aber natürlich auch daran, dass ein großer Teil der Kaiserschnitte aufgrund einer medizinischen Notwendigkeit erfolgt, wenn also bereits Probleme bestehen, die eine Spontangeburt riskanter werden oder sogar unmöglich erscheinen lassen. Das Krankheits- oder Sterberisiko ist dann im Vergleich zu einer gesunden und komplikationsfreien Geburtssituation von vornherein erhöht und die Schnittentbindung der vergleichsweise sicherste Weg.

Mögliche Bedenken

Ist es schlimm, dass ich die Geburt nicht bei vollem Bewusstsein erlebe?

Da das Geburtserlebnis etwas ganz Besonderes und häufig auch Einmaliges ist, wollen zwar die allermeisten Mütter natürlicherweise nicht darauf verzichten. Wenn sich die Geburtssituation aber als besonders riskant oder belastend darstellt, ist es nur vernünftig und im Interesse sowohl der Mutter als auch des Kindes, die Möglichkeiten der modernen Medizin zu nutzen und der Sicherheit den Vorrang zu geben. Auch wenn das eine Entbindung durch Kaiserschnitt in Teil- oder Vollnarkose bedeutet.

Entscheidend ist vielmehr, dass Sie sich über ein gesundes Kind freuen können. Wie dieses auf die Welt kam, ist dann letzten Endes zweitrangig. Schließlich ist das Geburtserlebnis kein Selbstzweck.

Wie schlimm sind die Narben nach der OP?

Viele Frauen sorgen sich vor großen Wundnarben nach dem Eingriff. Die Narbe einer Schnittentbindung verheilt aber meist problemlos. Anfangs häufig gerötet und wulstig, verblasst sie mit der Zeit, bis nur noch ein feiner Strich im oberen Bereich des Schamdreiecks an den Eingriff erinnert („Bikinischnitt wegen des Randes des Bikinihöschens“).

Wird ein zweiter Kaiserschnitt (Re-Sectio) durchgeführt, kann die alte Narbe ausgeschnitten und an derselben Stelle erneut genäht werden.

Nachteile für das Kind

Welche Risiken und Nachteile bestehen bei einem Kaiserschnitt für das Kind? 

Zwar gehört die Sicherheit des Kindes zu den wichtigsten Gründen, weshalb sich werdende Mütter für einen Kaiserschnitt entscheiden, vor allem wenn die Entstehung und der Verlauf der Schwangerschaft von Schwierigkeiten geprägt waren. Dennoch hat natürlich auch die operative Entbindung nicht nur Vorteile für das Kind, sondern weist auch gewisse Risiken und Nachteile gegenüber der vaginalen Geburt auf.

So kommt es gelegentlich zu Verletzungen während der Operation und der "Entwicklung" (= Herausholen) des Kindes. Dann können Schürfungen, Schnitte und Brüche die Folge sein. Häufiger sind Probleme für das Baby, die sich aus dem Fehlen natürlicher Geburtsvorgänge ergeben können:

  • verzögerte Entwicklung der Darmflora
  • Anpassungsstörungen und Schläfrigkeit
  • vermehrt Stillprobleme und Bindungsstörungen zwischen Mutter und Kind.

Kaiserschnitt: Einfluss auf das Kind

Welche Auswirkungen hat der Geburtsmodus auf die kindliche Darmflora?

Bevor Ihr Kind auf die Welt kommt, ist sein Verdauungstrakt normalerweise keimfrei. Wie sich seine Darmflora anschließend entwickelt, hängt maßgeblich von der Art der Geburt ab. Bei einer natürlichen Entbindung wird Ihr Baby bei der Passage des Geburtskanals durch unwillkürliches Schlucken automatisch mit den Mikroorganismen Ihrer Darm- und Vaginalflora „beimpft“, was auch für die Entwicklung eines gut funktionierenden Immunsystems von Vorteil ist.

Kommt Ihr Kind dagegen per Kaiserschnitt auf die Welt, wird es zunächst den Luft- und Hautkeimen des OP-Personals ausgesetzt. Damit steigt einerseits die Gefahr der Besiedelung mit unerwünschten Keimen. Zudem wird ein erhöhtes Risiko für spätere Allergien vermutet.

Ist ein Kaiserschnitt für mein Kind stressfrei?

Nein. Entgegen der landläufigen Meinung ist der Kaiserschnitt für ein Kind keineswegs stressfrei. Vielmehr muss man davon ausgehen, dass es auf diesen unnatürlichen Geburtsvorgang, bei dem fast alles gleichzeitig geschieht, genetisch nicht eingestellt ist.

Im Gegensatz zum anstrengenden Weg durch den mütterlichen Geburtskanal bei einer Spontangeburt ist der Entwicklungsprozess hinein in das eigenständige Leben bei einer Schnittentbindung schlagartig abgekürzt. Licht, Kälte, Abnabelung, Anwerfen der Organfunktionen – alles sofort. Der beruhigende, ersehnte Kontakt mit der Mutter erfolgt erst später, manchmal auch viel später.

Allerdings muss man auch vor übertriebenen Sorgen warnen, die erklärte Kaiserschnitt-Gegner subtil schüren: Dass es nach Kaiserschnitt statistisch etwas häufiger zu „Anpassungsstörungen“, z.B. in Form von Lungenproblemen oder Stillproblemen kommt, kann auch damit zusammenhängen, dass ein Kaiserschnitt häufig aus medizinischer Notwendigkeit vorgenommen wird – sprich: dass schon die Ausgangssituation etwas problematischer war.

Welche Risiken sind nach einem Kaiserschnitt bei einer Folgeschwangerschaft erhöht?

Wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt die Vorteile eines Kaiserschnitts gegenüber den Nachteilen abwägen, sollten Sie auch die möglichen Spätfolgen bedenken. Ein Kaiserschnitt erhöht das Risiko für folgende Ereignisse bei einer erneuten Schwangerschaft:

  • Gebärmutter(narben)riss
  • Fehllage oder Verwachsungen des Mutterkuchens (mit erhöhtem Blutungsrisiko)
  • Totgeburt

Allerdings sind das alles nur relative Zunahmen, das absolute Risiko für diese Ereignisse ist auch nach einem Kaiserschnitt extrem gering.

Einfluss der Geburtsklinik 

Welche Vorteile hat ein Kaiserschnitt für die Klinik? 

Die Durchführung von Kaiserschnitten ist mit zeitlichem und organisatorischem Aufwand verbunden. Wenn geschickt geplant wird, kann Wochenendarbeit vermieden werden.

Auch ist zu berücksichtigen, dass immer weniger Ärzte die einschlägigen Techniken, z.B. zur Entbindung einer Beckenendlage (Steißlage), sicher beherrschen, weil diese Entbindungen nur noch selten auf natürlichem Wege durchgeführt werden. Schließlich befinden sich die Kliniken mit einer defensivmedizinischen Haltung, die relativ rasch zum Kaiserschnitt führt, rechtlich normalerweise auf der sichereren Seite.

Rechtliche Aspekte

Die Zahl der Prozesse wegen nicht erfolgter geburtsmedizinischer Interventionen und daraus resultierender kindlicher Schädigungen ist gestiegen; die durchschnittlichen Schadenssummen belaufen sich auf etwa 100.000 € pro Fall. Diese Entwicklung begünstigt ein zunehmend defensives Vorgehen in der Geburtshilfe, das auch bei kleinsten Anzeichen eines pathologischen Verlaufs einen Kaiserschnitt als die vertretbarste Option erscheinen lässt.

Mehr Angst vor Risiken

Außerdem beobachten Gynäkologen, dass Frauen heute weniger als früher bereit sind, Risiken einzugehen. Das gilt insbesondere dann, wenn es sich um ein Wunschkind handelt, das vergleichsweise spät im Lebenslauf und vielleicht mit Hilfe reproduktionsmedizinischer Verfahren (z.B. In-vitro-Fertilisation) gezeugt wurde.

Die Tatsache, dass das Sicherheitsdenken sowohl auf mütterlicher als auch ärztlicher Seite gestiegen ist, gehört gegenwärtig zu den treibenden Kräften der steigenden Kaiserschnittzahlen. Ob sich allerdings der Kaiserschnitt grundsätzlich als beste Antwort auf ein gestiegenes Sicherheitsbedürfnis eignet, ist eine andere Frage …

Zweiter Kaiserschnitt 

Gilt die Regel „einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt“ noch?

Nein. Auch wenn Sie zuvor ein Kind durch Kaiserschnitt geboren haben, bedeutet das heute nicht mehr automatisch, dass auch Ihr nächstes Baby in dieser Weise auf die Welt kommen muss – sofern Sie eine natürliche Geburt wünschen und weder Schwangerschaftskomplikationen noch andere Hinderungsgründe wie etwa Narbenschmerzen bestehen.

Mehr Optionen dank besserer OP

Dass sich die ärztliche Auffassung in diesem Punkt geändert hat, liegt vor allem an einer verbesserten OP-Technik. Heutzutage wird die Gebärmutter durch einen horizontalen Schnitt eröffnet und nicht mehr durch einen vertikalen. Dadurch ist das Risiko eines Gebärmutterrisses nicht nur während einer Folgeschwangerschaft vermindert, sondern vor allem auch unter den mechanischen Belastungen einer natürlichen Geburt.

Dennoch bleibt es erhöht. Deshalb werden Schwangere, die sich medizinisch formuliert „im Zustand nach Sectio“ befinden, grundsätzlich als Risikogruppe betrachtet.

Zweiter Kaiserschnitt: ja oder nein?

Wann darf nach einem Kaiserschnitt die folgende Geburt nicht auf natürlichem Weg erfolgen?

Nach den aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien darf bei Frauen mit einer vorherigen Geburt per Kaiserschnitt in folgenden Situationen (Kontraindikationen) nicht der Versuch einer natürlichen Geburt unternommen werden:

  • fehlende Zustimmung der Schwangeren
  • Fortbestehen des Grundes für den vorausgegangenen Kaiserschnitt (z.B. Beckendeformität
  • vorausgegangener korporaler Längsschnitt (die Geburtshelfer sollten möglichst den OP-Bericht anfordern!)
  • vorausgegangene Gebärmutteroperation mit Eröffnung der Gebärmutterhöhle (z.B. bei Myom)
  • Probleme mit der Kaiserschnittnarbe (Zustand nach Narbendehiszenz bzw. -ruptur)
  • Neu aufgetretene Risiken wie z.B. Placenta praevia oder Placenta increta/percreta
Warum entscheiden sich Frauen für einen zweiten Kaiserschnitt?

Zum Hintergrund:

Es wurde eine Befragung von 126 Frauen durchgeführt, deren erste Entbindung als Kaiserschnitt erfolgte. Beim zweiten Mal entschieden sich 72 von ihnen wieder für einen Kaiserschnitt (primäre Re-Sectio), während 54 den natürlichen Geburtsweg wählten (Spontangeburt nach Sectio).

Wurden die 72 Frauen, die bereits einen Kaiserschnitt hinter sich hatten, befragt, warum sie sich erneut für eine Schnittentbindung entschieden, lauteten die Antworten folgendermaßen:

  • „Angst vor normaler Geburt mit starken Schmerzen“ (63,8%)
  • „Normale Geburt nicht möglich, erster Versuch ja auch gescheitert“ (45,8%)
  • „Geplante Geburt gewünscht, da man sich darauf einstellen kann“ (19,4%)
  • „Angst vor einer kindlichen Gefährdung durch vaginale Geburt“ (16,6%)
  • „Ich will nicht die Schuldige sein, wenn dem Kind etwas passiert“ (9,7%)
Welche Eindrücke haben Frauen nach ihrem zweiten Kaiserschnitt?

Wenn Sie bereits einen Kaiserschnitt erlebt und nun die nächste Geburt vor sich haben, stellt sich die Frage, ob Sie sich vorab wieder für die Operation (Re-Sectio) entscheiden oder es auf natürlichem Weg versuchen sollen. Frauen dieser Studie, die sich zuvor in genau dieser Situation befunden und dann per Re-Sectio oder Spontangeburt entbunden hatten, vertraten folgende Ansichten:

Gruppe A = Re-Sectio

  • „Ich habe die Schmerzen nach der OP unterschätzt“
  • „Habe etwas versäumt, weil einem das Kind herausgeschnitten wird“
  • „Habe etwas versäumt, weil ich das Kind nicht sofort halten konnte“
  • „Beziehung zum Kind nicht so gut, weil es einem selbst noch schlecht geht“
  • „Muss mich rechtfertigen, weil ich es nicht noch einmal auf normalem Weg probieren wollte“
  • „Habe Angst vor Entlassung wegen noch mangelhafter Belastbarkeit und Schmerzen durch die Operation“
  • Partner wollte Re-Sectio aus Angst, dass Frau und Kind etwas passiert
  • Re-Sectio-Paare glauben, die Beziehung wird durch den Entbindungsweg beeinflusst, weil es für den Mann sehr belastend ist, seine Frau leiden zu sehen.

Gruppe B = Spontangeburt nach Sectio

  • „Dem Baby und mir geht es gut“
  • „Muss mich rechtfertigen, warum ich so ein hohes Risiko eingehe und das Kind gefährde“
  • „Partner wollte Spontangeburt wegen der störenden körperlichen Einschränkungen nach dem ersten Kaiserschnitt“
  • Spontangeburts-Paare glauben, dass sich die Beziehung weiter vertieft, wenn man die Geburt des Kindes gemeinsam geschafft hat.
Warum entscheiden sich Zweitgebärende nach Kaiserschnitt für eine Spontangeburt?

Frauen, die nach vorangegangenem Kaiserschnitt ihr zweites Kind auf natürlichem Weg zur Welt brachten, auf diese Frage folgende Antworten:

  • „Ich habe den Kaiserschnitt in schlechter Erinnerung“ (79,6%)
  • „Ich wollte es dieses Mal selber schaffen“ (66,6%)
  • „Mir wurde sehr viel Mut gemacht, es auf normalem Weg zu schaffen“ (51,8%)
  • „Ich wollte ganz schnell wieder nach Hause wegen des anderen Kindes“ (29,6%)
  • „Ich hatte nach dem Kaiserschnitt ein fremdes Gefühl dem Kind gegenüber“ (22,2%)
Kaiserschnitt oder Spontangeburt nach vorherigem Kaiserschnitt: Wie fühlen sich die Frauen?

Wenn Frauen nach einem Kaiserschnitt erneut diesen Geburtsmodus für die folgende Entbindung wählen, scheint ihnen dafür mehr Verständnis entgegengebracht zu werden als wenn sie sich für einen natürlichen Geburtsverlauf entscheiden.

Und das, obwohl die Folgewirkungen des operativen Eingriffs die Mütter häufig erheblich belasten.

Danach befragt, wie sie sich in dieser Hinsicht nach ihrer zweiten Geburt fühlten, antworteten Zweitgebärende in der retrospektiven Studie so:

„Muss mich wegen Geburtsmodus rechtfertigen“ sagten

  • 16,6% der Frauen mit Re-Sectio (zweiter Kaiserschnitt)
  • 44,4% der Frauen mit Spontangeburt nach Sectio

„Habe Angst vor (Klinik-) Entlassung“ sagten

  • 54,8% der Frauen mit Re-Sectio
  • 0% der Frauen mit Spontangeburt nach Sectio

Operationsformen 

Wie wird ein Kaiserschnitt üblicherweise durchgeführt? 

Zur Vorbereitung des Kaiserschnitts werden Ihre Schamhaare rasiert und Sie bekommen einen Blasenkatheter (meist bis zum nächsten Tag) gelegt. Anschließend werden Sie mit großen Tüchern abgedeckt, bis nur noch Ihr Bauch frei ist. Die Schmerzausschaltung erfolgt meistens regional durch eine sogenannte Spinal- oder eine Periduralanästhesie (PDA), so dass Sie die Geburt bei vollem Bewusstsein miterleben können.

Vollnarkose nur in Ausnahmefällen

Nur bei einem Notkaiserschnitt oder in anderen Ausnahmefällen wird die schneller durchführbare Vollnarkose angewandt. Sobald die Schmerzfreiheit sicher eingetreten ist, setzt der Chirurg einen horizontalen Schnitt an der oberen Schamgrenze und eröffnet schonend die Bauchdeckenschichten. Schließlich wird auch die Gebärmutter aufgeschnitten und das Neugeborene vorsichtig herausgehoben, abgenabelt, in warme Tücher gehüllt und der Hebamme übergeben. Der Operateur entfernt alle Teile des Mutterkuchens aus der Gebärmutter und verschließt sie sorgfältig mit mehreren Nähten wieder, ebenso die Bauchdecke, insbesondere die Bauchfaszie und die Haut.

Kurze Zeit nach dem Eingriff ist das Baby bei Ihnen

Wenige Minuten nach der erfolgreichen Geburt können Sie Ihr Baby in Empfang nehmen und liebkosen, während der Arzt die Bauchwunde vernäht und eine Drainage zum Abfluss des Wundsekrets legt. Wenn der Kaiserschnitt unter Vollnarkose erfolgte, wachen Sie anschließend in einem Nebenraum auf und können Ihr Neugeborenes dort erstmals in die Arme schließen. In beiden Fällen ist es normalerweise möglich, die Zeitspanne bis zum ersten Stillen des Kindes relativ kurz zu halten.

Unterschiedliche Arten beim Kaiserschnitt

Was ist der Bikinischnitt?

Mit dem Bikinischnitt wird heute in den meisten Fällen ein Kaiserschnitt begonnen. Als tief gelegener, an der Schamhaargrenze angesetzter und quer (horizontal, transversal) geführter Unterbauchschnitt (Pfannenstiel-Laparotomie) führt er nach der Heilung zu kosmetisch ansprechenden Resultaten. Meist bleibt die Narbe nur als dünner Strich sichtbar.

Der Name "Bikinischnitt" bezieht sich auf den Sitz der Narbe am Rande des Bikinihöschens.

Was ist ein Kaiserschnitt „nach Misgav-Ladach“?

Als Vorreiter des „sanften Kaiserschnitts“ etablierte der Arzt Dr. Michael Stark am Misgav-Ladach Hospital in Jerusalem eine moderne Operationstechnik, bei der weniger geschnitten und dafür mehr gedehnt und stumpf präpariert wird.

Für diese als Misgav-Ladach-Sectio bekannte und weit verbreitete Methode wurde eine Verkürzung der reinen Operationszeit (von der klassischen Dreiviertelstunde auf ca. 15-20 Minuten) und ein geringerer Verbrauch an Nahtmaterial nachgewiesen. Blutgefäße und Nervenbahnen werden geschont, Blutverluste, postoperative Komplikationen und Wundschmerzen sowie die stationäre Verweildauer können reduziert werden.

Die Operation beginnt mit einem querverlaufenden Bauchschnitt über der Schamhaargrenze. Die weiteren Gewebeschichten werden dann mit dem Skalpell nur vorsichtig eingeritzt und anschließend auseinandergezogen. Nach dem Herausholen des Kindes wird der Gebärmutterschnitt mit einer einreihigen Naht wieder verschlossen, sonst werden nur noch die Bauchfaszie und die Haut genäht. Der Verschluss von Bauchfell und Bauchmuskulatur bleibt dagegen der natürlichen Wundheilung überlassen.

In wissenschaftlichen Studien wurde bislang kein Nachteil dieser Technik beschrieben.

Was versteht man unter einem „sanften Kaiserschnitt“?

Die Bezeichnung „sanfter Kaiserschnitt“ weist auf moderne Operationstechniken der Schnittentbindung hin, bei denen möglichst viele Gewebestrukturen gedehnt und stumpf präpariert statt durchschnitten werden. Dies begünstigt die Verkürzung der Operationsdauer, eine schnellere und komplikationsärmere Wundheilung sowie kürzere Liegezeiten.

Die Schmerzen nach der Operation (postoperativ) können damit allerdings ebenso wenig gänzlich vermieden werden wie die Tatsache, dass – wie bei jeder Operation – vorher intaktes Gewebe verletzt wird und es zu Infektionen, Nachblutungen und Verwachsungen kommen kann. Völlig risikolos und frei von Nebenwirkungen ist also auch eine „sanfte Sectio“ nicht.

Komplikationen 

Welche Komplikationen können bei einem Kaiserschnitt auftreten? 

Der Kaiserschnitt wird mittlerweile jährlich über 200.000mal im Jahr in Deutschland durchgeführt und gilt als ein sehr sicherer Routineeingriff. Im Gegensatz zu den häufig unterschätzten körperlichen und seelischen Nachwirkungen kommen schwerwiegendere Komplikationen viel seltener vor.

Dennoch ist der Kaiserschnitt wie jeder andere größere Eingriff nicht frei von Operationsrisiken. Zu diesen zählen:

  • Wochenbettinfektionen
  • Narkoserisiken wie allergische Reaktionen oder Herz-Kreislauf-Probleme.
  • Thrombose, Embolie
  • Wundheilungsstörungen: Infektionen; Verwachsungen
  • Narbenprobleme (Bruch, Wucherung, Schrumpfung) mit Einschränkung der Bewegungsfähigkeit
  • Gebärmutter: großer Blutverlust (wegen Atonie), Gebärmutterentfernung
  • Harnblase: Verletzungen; Entzündung und Entleerungsstörungen wegen Blasenkatheter
  • Darm: Verletzungen, Lähmung, Verschluss, Fistelbildung
  • Verletzungen und Schädigungen weiterer benachbarter Organe oder Strukturen wie Harnblase, Harnleiter, Darm, Nerven oder größere Blutgefäße
  • Infektionsrisiko bei der Gabe von Bluttransfusionen (minimal; v.a. Hepatitis und HIV)

Warum kann es bei einem Kaiserschnitt zu einer Lungenembolie kommen? 

Eine Embolie ist extrem unwahrscheinlich und sollte Ihnen keine Sorgen bereiten. Es handelt sich bei dieser sehr seltenen Komplikation um eine sogenannte Fruchtwasserembolie, also den Verschluss einer Lungenarterie durch fortgespültes Fruchtwasser.

Fruchtwasserembolien können entstehen, wenn das Fruchtwasser Kontakt zu einer eröffneten mütterlichen Vene hat und so in deren Blutkreislauf gelangt.

Lungenembolien sind ein lebensbedrohlicher Notfall. "Klassischerweise" entstehen sie durch ein fortgespültes Blutgerinnsel, zum Beispiel infolge einer Thrombose.

Not-Kaiserschnitt

Wann ist ein Notkaiserschnitt erforderlich?

Ein Notkaiserschnitt ist eine Schnittentbindung, die ohne weiteren Zeitverzug durchgeführt werden muss, um einer akuten Gefährdung von Mutter und/oder Kind zu begegnen. Zu den Situationen, in denen ein Notkaiserschnitt erforderlich wird, zählen:

  • vorzeitige Plazentalösung
  • Gebärmutterriss
  • Nabelschnurvorfall
  • Nabelschnurumschlingung
  • akuter Sauerstoffmangel des Kindes (fetale Hypoxie)
  • schwangerschaftsbedingte schwere Erkrankung der Mutter (z.B. Eklampsie, HELLP-Syndrom)
  • anhaltender kindlicher Herztonabfall
Kind in Gefahr: Ab welcher Schwangerschaftswoche wird heute ein Kaiserschnitt durchgeführt?

Die medizinische Begründung (Indikation) für einen Kaiserschnitt kann entweder bei der Mutter oder beim Kind liegen. Während 1975 noch selten vor der 34. Schwangerschaftswoche (SSW) aus kindlicher Indikation per Kaiserschnitt eingegriffen wurde, geschieht dies mittlerweile bereits ab der 25. SSW.

Möglich machen das die durch Fortschritte in der Intensivtherapie extrem verbesserten Überlebenschancen von Frühgeborenen.

Quellen:

  • Leilitnienprogramm AWMF, verfügbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-084l_S3_Sectio-caesarea_2020-06_1_02.pdf
  • Die GEK-Kaiserschnittstudie, 2006
  • Dr. med. Georgine Huber, Perinatalzentrum St. Hedwig, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Regensburg.

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Kommentare: Archiv

Kaiserschnitt, gleichwertiger Entbindungsweg
Mittwoch, den 20. September 2017 um 14:25 Uhr, Sonja Rebassa
Ich betrachte den Kaiserschnitt (primäre Sectio) auf jeden Fall als gleichwertig. Da das Risiko in diesem Fall für das Kind gleich Null ist, und das Risiko für die Mutter nur geringfügig erhöht ist, ist es die sicherste Methode. Die Frauen werden nur über die Risiken des Kaiserschnitts informiert, die der natürlichen Geburt werden verschwiegen. Das ist sogar rechtens. Wenn man einerseits die Wahlfreiheit hat, aber nur einseitig informiert wird, dann handelt es sich um Manipulation. Ist das Absicht? Wenn die Risiken der natürlichen Geburt geringer wären, müsste man sie ja nicht verheimlichen? Wer will uns Frauen da eigentlich für dumm verkaufen?
 
Kaiserschnittentbindungen
Sonntag, den 26. Juli 2015 um 21:02 Uhr, Karina Holderied
Auf gar keinen Fall ist dies gleich anzusehen! Eine natürliche Entbindung ist immer besser, da die Babys bei der Geburt Schleim schlucken, der hinterher für eine gute Darmflora sorgt! Ich habe 2 Kinder, beide mussten per Kaiserschnitt geboren werden. Ich bin froh, dass es den Kaiserschnitt gibt, jedoch sollte den Eltern nahegelegt werden, eine Darmsanierung bei dem Kind zu machen! Leider wird hier viel zu wenig berichtet! Kaiserschnittkindern fehlen die guten Bakterien wie zb Bifidobakterien. Dies kann zu Nahrungsmittelintoleranzen führen!
 
Nach Sectio depressiv
Sonntag, den 23. November 2014 um 11:16 Uhr, Silvia
sek. Sectio bei vollständiger Eröffnung, Kind im Becken und leicht erhöhten Entzündungsparametern (beginnendes Amnioninfektionssyndrom wg. frühzeitigen Blasensprungs). Zuvor unmenschliche Behandlung durch Kreißsaalpersonal über viele Stunden. Ich bin einfach unendlich traurig. Die Narbe schmerzt auch Monate nach dem Rausrupfen meines Kindes, keine Ahnung, wann und ob ich mich je wieder normal werde bewegen können; ich bin schuld, wenn mein zweites oder drittes Kind in mir stirbt, weil die Plazenta sich genau an der Narbe angesiedelt hat... Mit dem Wissen von heute (mir wurde die vollständige Muttermundsöffnung verschwiegen und trotz Nachfrage nicht die Höhe der Entzündungsparameter genannt) gäbe ich niemals meine Unterschrift zum Aufschlitzen. Am liebsten ließe ich meine Foltermägde zusammenschlagen.
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