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Einlagerung von Nabelschnurblut

Ist es sinnvoll, Nabelschnurblut einlagern zu lassen? Wozu kann das nützlich sein, was sind die Schattenseiten? Alle wichtigen Fragen dazu beantworten wir im folgenden Beitrag.

Basiswissen

Was genau ist Nabelschnurblut? 

Nabelschnurblut ist das Blut, das nach der Geburt des Kindes in der Nabelschnur und dem Mutterkuchenrest zurückbleibt. Nach der Abnabelung haben beide ihre Aufgabe im Rahmen der Fortpflanzung erfüllt und werden mit dem darin enthaltenen Restblut im Normalfall des deutschen Klinikalltags entsorgt.

Das Nabelschnurblut enthält sogenannte Blutstammzellen, die denen aus dem menschlichen Knochenmark ähneln. Es stellt damit die am einfachsten zugängliche Quelle von Stammzellen dar, die über die schnelle Verfügbarkeit hinaus noch einige weitere Vorteile aufweisen. Aus einer Nabelschnurblut-Spende lässt sich etwa der Inhalt einer Tasse (100 ml) an dieser potenziell wertvollen Substanz schöpfen.

Warum ist das Nabelschnurblut reich an Stammzellen?

Im letzten Schwangerschaftsdrittel kommt es beim Ungeborenen zu einer Verlagerung der Blutbildung aus Leber und Milz ins Knochenmark. Da die Wanderung der blutbildenden Vorläuferzellen über den Blutkreislauf des Kindes erfolgt, ist zum Zeitpunkt der Geburt sein gesamtes Blut und damit auch das Restblut in Nabelschnur und Plazenta außergewöhnlich reich an Stammzellen. Entdeckt wurde dieser Umstand in den 1980er Jahren.

Was sind Stammzellen? Und was macht sie medizinisch so interessant? 

Stammzellen sind Vorläuferzellen, die noch das Potenzial zur Differenzierung besitzen. Sie können sich also noch zu spezialisierten Körperzellen mit unterschiedlichen Funktionen entwickeln, beispielsweise zu Blut-, Immunabwehr-, Leber- oder Hautzellen.

Je nach Ausprägungsgrad dieser Entwicklungsfreiheit werden sie zum Beispiel als omnipotent oder multipotent bezeichnet, während die normalen Körperzellen unipotent sind und nur Zellen des gleichen Typs durch Teilung hervorbringen können. Nach ihrem Vorkommen werden adulte (erwachsene) von embryonalen Stammzellen unterschieden. Auch im Erwachsenenalter verfügen wir also noch über (adulte) Stammzellen, die allerdings nicht mehr den hohen Differenzierunsgrad ihrer embryonalen Pendants aufweisen.

Nabelschnurblut auch ethisch unbedenklich

Bei der in den Medien immer wieder präsenten „Stammzellen“-Diskussion geht es zumeist um die embryonale Version, deren Gewinnung aus Embryonen zu medizinischen bzw. wissenschaftlichen Zwecken ethisch umstritten ist. In Deutschland und Österreich ist diese Form der Stammzell-Gewinnung verboten, in anderen Ländern wie Schweiz und Großbritannien dagegen erlaubt.

Stammzellen aus Nabelschnurblut liegen in ihrer Entwicklungsfähigkeit zwischen den embryonalen und adulten Vorläuferzellen und bieten damit ein vielversprechendes, ethisch unbedenkliches und bisher nur gering erschlossenes Stammzellrerservoir.

Möglicher Nutzen

Warum ist Nabelschnurblut nützlich? 

Nabelschnurblut wird heute weltweit – und in einigen Ländern in deutlich größerem Umfang als bisher in Deutschland – zur Gewinnung von Stammzellen genutzt. Die Zellen können zur Behandlung bei mehr als 80 Erkrankungen eingesetzt werden.

Tumortherapie

Stammzelltransplantate sind aus mehreren Gründen medizinisch interessant. Zum einen können damit Menschen behandelt werden, deren eigene Stammzellen im Knochenmark durch Bestrahlung oder Chemotherapie schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden oder aufgrund tumoröser Entartung (z.B. bei Leukämie) ausgetauscht werden müssen. In diesem Bereich erfolgt die Behandlung mit Stammzellen aus verschiedenen Quellen wie Knochenmark- oder Nabelschnurblutspenden heute routinemäßig.

Welche Krankheiten können mit Stammzellen aus Nabelschnurblut behandelt werden? 

Stammzellen aus Nabelschnurblut, die von öffentlichen Blutbanken bereitgestellt werden, kommen als Fremdspenden mittlerweile bei mehr als 70 Erkrankungen zum therapeutischen Einsatz. Dazu zählen:

  • bösartige Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems (vor allem Leukämie)
  • andere Krebserkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Immundefekte
  • Hämoglobinopathien (Erkrankungen in Zusammenhang mit dem Blutfarbstoff)
  • genetische Defekte

Darüber hinaus setzt die Wissenschaft große Hoffnung auf die Möglichkeiten der undifferenzierten Vorläuferzellen für die regenerative Medizin, d.h. für den Ersatz von untergegangenem oder krankem Körpergewebe bis hin zu Organen, z.B. bei Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall, Alzheimer-Demenz oder Parkinson-Erkrankung. Es zeichnet sich allerdings ab, dass dieses Potenzial nur ausgeschöpft werden kann, wenn die Zellen aus dem Nabelschnurblut zuvor nicht zu Aufbewahrungszwecken tiefgefroren wurden.

Warum ist Nabelschnurblut besser als Stammzellenspenden von Erwachsenen?

Zwar tragen auch Kinder und erwachsene Menschen in ihrem Körper Stammzellen. Allerdings häufen sich in diesen "älteren" Stammzellen biochemische Schäden an, etwa durch Chemikalien, Sonnenstrahlen und andere Umwelteinflüsse. Weil Nabelschnurblutzellen ganz jung sind, wenn sie gewonnen und eingefroren werden, sind sie von derlei Genschäden unbelastet. Außerdem verfügen sie, anders als die zumeist schon spezialisierteren erwachsenen Stammzellen noch über das Potenzial, sich in eine Vielzahl unterschiedlicher Gewebezellen zu verwandeln.

Auch die schnelle und im Vergleich etwa zu Knochenmarkspenden weniger aufwändige Verfügbarkeit spricht für die Gewinnung von Stammzellen aus Nabelschnurblut – und gegen dessen unbedachte Entsorgung.

Soll ich das Nabelschnurblut meines Kindes einlagern lassen?  

Allen werdenden Eltern stellt sich diese Frage, aber es ist zu vermuten, dass sich nur vergleichsweise wenige intensiver mit ihr beschäftigen. Das muss man aber, um zu verstehen, worum es wirklich geht.

Wir (die Redaktion von Navigator Medizin) schließen uns jedenfalls den Empfehlungen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation für beratende Ärzte an und empfehlen Ihnen deshalb:

  • Spenden Sie das Nabelschnurblut Ihres Kindes an eine öffentliche Nabelschnurblutbank, wenn die Möglichkeit dazu besteht. Sollte Ihr Kind jemals selbst ein Transplantat benötigen, ist es in den meisten Fällen aus medizinischen Gründen besser, auf das Blut eines gesunden Fremdspenders zurückzugreifen.
  • Nabelschnurblut kann potentiell anderen Menschen mit schweren Erkrankungen helfen. Da sich gegenwärtig nur 4% der Schwangeren für eine Nabelschnurblut-Spende entscheiden, landen 96% der medizinisch nützlichen Zellen leider immer noch im Klinikmüll.
  • Wenn Sie ein leukämiekrankes Kind haben, kann es sinnvoll sein, das Nabelschnurblut des Neugeborenen für das kranke Kind zu spenden.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind sein eigenes Nabelschnurblut tatsächlich benötigen wird, ist extrem gering.
  • Wenn Sie sich dennoch für eine Einlagerung für den Eigenbedarf (Eigenspende) entscheiden, sollten Sie sich vorab genau über die in Frage kommenden kommerziellen Anbieter informieren und keinesfalls ein Kredit- oder Ratenzahlungsangebot in Anspruch nehmen (siehe folgender Text).

Ist die private Einlagerung des Nabelschnurbluts (nur für das eigene Kind) zu empfehlen?

Eine einzige Antwort, die für alle Ärzte gleichermaßen gilt, gibt es nicht, da auch unter den medizinischen Profis Befürworter und Gegner existieren. Wo in Kliniken bzw. Praxen vertragliche Beziehungen mit kommerziellen Nabelschnurblutbanken bestehen, wird man den interessierten Eltern von einer Eigenspende wohl kaum abraten.

Der Berufsverband der Frauenärzte gibt keine Empfehlung an seine Mitglieder heraus, er überlässt die Entscheidung lieber den Gynäkologen selbst. Anders der Bund deutscher Hebammen, der die private Einlagerung nicht befürwortet: Von einem "Geschäft mit der Angst der Eltern" spricht die Präsidentin des Hebammen-Verbandes, Helga Albrecht. Auch von manch anderen nationalen und internationalen medizinischen Organisation wird die kostenpflichtige Einlagerung von Nabelschnurblut für das eigene Kind abgelehnt. Vor allem wegen der geringen Wahrscheinlichkeit, dass es jemals benötigt wird.

Sichtweise der Hebammen

Wie bei den Ärzten gibt es auch unter Hebammen keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Der Bund deutscher Hebammen ist – wie oben bereits erwähnt – gegenüber der öffentlichen Spende grundsätzlich positiv eingestellt, während er die private Einlagerung von Nabelschnurblut nicht empfiehlt. Manche Hebammen lehnen die Entnahme von Nabelschnurblut – unabhängig von ihrem Zweck – auch als eine Störung der Geburtsphase ab, die u.a. die Mutter unmittelbar nach der Entbindung dabei behindere, sich voll und ganz ihrem Neugeborenen zu widmen. Viele Krankenhaus-Hebammen nehmen dagegen das Nabelschnurblut sogar selbst ab und andere freie Hebammen veranstalten Informationsabende von kommerziellen Stammzellbanken bei sich.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mein Kind sein eigenes Nabelschnurblut eines Tages brauchen wird? 

Zum heutigen Zeitpunkt und Stand der Wissenschaft muss man davon ausgehen, dass diese Wahrscheinlichkeit bei einem gesund geborenen Kind sehr gering ist. Auch wenn die Darstellung privater Anbieter der Nabelschnurbluteinlagerung Anderes vermuten lassen könnte.

Denn zum einen wurden von mehreren Millionen eingelagerten Eigenspenden bisher (2011) nur ein paar Hundert eingesetzt. Zum anderen kommen die für einen Stammzell-Einsatz relevanten Krankheiten für Nabelschnurspenden mit eigenem Blut häufig gar nicht in Betracht (z.B. bei Leukämie). Oder die erhofften Einsatzgebiete – vor allem im Bereich der regenerativen Medizin – liegen noch in ferner Zukunft. Und noch eine andere Einschätzung aus seriöser Quelle: Die American Society for Blood and Marrow Transplantation taxiert die momentane Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind sein Nabelschnurblut in den ersten 20 Lebensjahren brauchen wird, auf 0,0005-0,04%.

Als Spendermaterial für andere Menschen sehr viel öfter benötigt

Seit der ersten Transplantation von Stammzellen aus Nabelschnurblut im Jahr 1988 wurde dagegen allogenes (fremdes) Nabelschnurblut in über 9.300 Fällen eingesetzt (Stand: 2009).

Seit 1991 werden solche (Fremd-) Spenden in öffentlichen Banken eingelagert. Weltweit stehen dort mittlerweile über 200.000 Stammzelltransplantate zur Verfügung, die über zentrale Nabelschnurblut-Stammzell-Spenderregister angefordert werden können.

Die Zahl der mit allogenen Transplantaten versorgten Patienten steigt international kontinuierlich an. Im Jahr 2008 erhielten in Deutschland erstmals mehr Erwachsene als Kinder Stammzelltransplantate aus Nabelschnurblut.

Praktischer Ablauf

Wie läuft eine Nabelschnurblutspende praktisch ab? 

Wenn Sie als werdende Mutter im Krankenhaus Ihre Spendebereitschaft geäußert haben, wird es zunächst einmal bürokratisch: Sie erhalten einen Fragebogen zur Beantwortung diverser Fragen zu Ihrer Gesundheit und eine Einverständniserklärung zur Unterzeichnung.

Stammzellenspende nach der Geburt

Am Entbindungstag wird Ihnen etwas Blut abgenommen, um es auf bestimmte Verträglichkeitsmerkmale (HLA-Typisierung) und übertragbare Infektionskrankheiten zu untersuchen. Nach der Geburt muss die Nabelschnur dann sofort abgebunden werden. Anschließend punktiert die Hebamme oder der Arzt die Nabelschnurvene und fängt das in Nabelschnur bzw. Mutterkuchen enthaltene Restblut (45-190 ml) in einem speziellen Sammelbeutel auf.

Die Entnahme dauert nur wenige Minuten und ist für Sie und Ihr Neugeborenes völlig schmerzfrei und risikolos. Weder der Geburtsablauf noch das Wohlergehen von Mutter und Kind werden dabei in irgendeiner Weise gefährdet.

Auch in datenschutzrechtlicher Hinsicht besteht nach unserem Kenntnisstand keine Gefahr: Alle gewonnenen Informationen und persönlichen Daten unterliegen der Schweigepflicht und werden nur anonym im Rahmen des zentralen Datenaustausches weitergegeben.

Was passiert eigentlich mit dem gespendeten Nabelschnurblut? 

Nachdem eine ausreichende Menge an Blut aus der Nabelschnur gewonnen wurde, wird der Auffangbeutel zur Stammzellbank gebracht. Dort erfolgt eine Volumenreduktion des Nabelschnurbluts, denn nur die Stammzellen werden für eine spätere Transplantation benötigt.

Stammzellen: Tiefgefroren weltweit verfügbar

Anschließend wird das Zellkonzentrat zusammen mit einer Einfrierlösung fachgerecht bei -196 °C tiefgefroren und in Flüssigstickstoff gelagert. Bei den Blutproben wird eine Bestimmung der Blutgruppe sowie der relevanten Gewebemerkmale inklusive bestimmter Infektionsmarker (z.B. HIV und Hepatitis) vorgenommen. Über das Register der Stammzellbank stehen die aufbereiteten Stammzelltransplantate nun weltweit für Patienten mit entsprechendem Bedarf zur Verfügung.

Werden alle Nabelschnurblutspenden eingelagert?

Nein, denn nicht alle Nabelschnurblutentnahmen sind für den medizinischen Einsatz geeignet. Gründe dafür können z.B. sein:

  • erforderliches Mindestvolumen (ca. 60-65 ml) nicht erreicht
  • keine für einen Transplantationserfolg ausreichende Anzahl an Stammzellen
  • Infektion der Mutter während der Schwangerschaft (und damit auch des Nabelschnurbluts)
  • bakterielle Verunreinigung

Wie gelangen gespendete Stammzellen aus Nabelschnurblut zum Empfänger?

Nach Anforderung bei der Stammzellbank wird ein geeignetes Stammzelltransplantat in einem isolierten Transportbehälter bei -196 °C in das Transplantationszentrum gebracht. Nach vorsichtigem Auftauen und Herauswaschen der Einfrierlösung werden die Stammzellen – ähnlich wie eine normale Blutkonserve – langsam über die Vene in den Blutkreislauf des Empfängers geleitet (transfundiert). Die Stammzellen siedeln sich nun im Knochenmarkraum des Empfängers an und beginnen, sich zu vermehren und neue Blutzellen zu bilden.

Wie lange können Stammzellen aus Nabelschnurblut aufbewahrt werden?  

Wissenschaftlichen Studien zufolge sind die Stammzellen mindestens 15 Jahre haltbar, ohne an Vitalität und Vermehrungsfähigkeit zu verlieren. Das ist aber nur die gesicherte Lebensdauer, in Wirklichkeit halten sich die gefrorenen Zellen wahrscheinlich sehr viel länger.

Das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik in St. Ingbert (Saarbrücken) hält die bei -196 °C aufbewahrten Stammzellen für mehrere Jahrhunderte bis unbegrenzt lebensfähig. Zumindest theoretisch – denn bei Temperaturen unter -130 °C spielen sich im Zellinneren keinerlei Lebensprozesse mehr ab.

Eine der Gefahren für die eingelagerten Stammzellen kommt übrigens aus dem All: Die kosmische Strahlung lässt sich weder durch Gefrierzustand noch Stahltank abhalten und sorgt aufgrund permanenter Treffer auf längere Sicht wahrscheinlich doch für eine Begrenzung der Lagerdauer.

Ist eine Nabelschnurblutspende in jeder Geburtsklinik möglich? 

Leider nicht. Da die Herstellung von Transplantaten aus Nabelschnurblut dem Arzneimittelgesetz und weiteren rechtlichen Vorgaben unterliegt, dürfen nur solche Kliniken Nabelschnurblutspenden entnehmen, die in das Qualitätssicherungssystem einer öffentlichen Nabelschnurblutbank eingebunden sind und mit dieser kooperieren.

Das bedeutet für die Kliniken zusätzlichen Aufwand: geschultes Personal und geeignete, durch die Überwachungsbehörden freigegebene Entnahmeräume. Da die Refinanzierung des medizinischen Spendewesens durch Geldspenden aufrechterhalten werden muss, ist die Ausweitung des Angebots an Entnahmekliniken kein leichtes Unterfangen, auch wenn sich die (spendenfinanzierten) Nabelschnurblutbanken darum bemühen.

Risiken und Schattenseiten

Ist die Entnahme von Nabelschnurblut gefährlich für Mutter oder Kind? 

Nein. Haben Sie als Mutter zuvor den Wunsch zur Nabelschnurblut-Spende geäußert, klemmt der Arzt oder die Hebamme nach der Geburt die Nabelschnur zügig ab und entnimmt das Restblut. Weder Ihnen noch dem Kind wird dadurch ein Schaden zugefügt.

Für Sie selbst ergibt sich sogar ein kleiner Vorteil, da sich die blutentleerten Plazentareste in der Regel besser lösen.

Allerdings kommt es mitunter zu einem etwas geringeren Eisengehalt beim Säugling während der ersten Lebensmonate. Besonders bei Frühgeborenen und Mehrlingen wird daher empfohlen, die Nabelschnur möglichst spät zu durchtrennen, um einer möglichen Blutarmut vorzubeugen. Auch zum Termin geborene Einlinge weisen in den ersten Lebensmonaten höhere Eisenwerte auf, wenn ihre Nabelschnur erst später abgeklemmt wurde. Ob sich daraus auch konkrete Gesundheitsvorteile ergeben, ist allerdings nicht erwiesen.

Kann man den privaten Anbietern für Nabelschnurblut-Einlagerungen trauen? 

Na ja. Die Aussagen kommerzieller Anbieter zur (privaten) Einlagerung von Nabelschnurblut bzw. der daraus gewonnenen Stammzellen sind für sich genommen zumeist korrekt. Problematisch sind dabei aber vor allem zwei Dinge:

  • Die Aussagen sind dazu geeignet, bei werdenden Eltern den (nicht ganz korrekten) Eindruck zu erwecken, die Investition von mehreren Tausend Euro in ein Nabelschnurblut-Bankkonto sei nahezu unverzichtbar. Eine Lebens- bzw. Gesundheitsversicherung für Ihren Nachwuchs, der dringend erforderlich ist, sonst droht Unheil. Umgekehrt könnten manche Eltern deshalb von Gewissensbissen geplagt werden, wenn sie ihrem Kind ein solches „Allheilmittel“ vorenthalten.
  • Zwar stimmt es, dass Stammzellen – generell und auch solche aus Nabelschnurblut – seit Jahrzehnten erfolgreich zur Behandlung von Krebs- und Bluterkrankungen eingesetzt werden. Doch handelt es sich dabei in den allermeisten Fällen eben nicht um Eigenspenden (für das eigene Kind, sogenannte autologe Stammzelltransplantate), sondern um Fremdspenden (allogene Stammzelltransplantate).

Nabelschnurblut: Was ist von Kombispenden zu halten? 

Leider nicht viel, Seit einiger Zeit bieten kommerzielle Nabelschnurblutbanken die Möglichkeit an, privat eingelagertes Nabelschnurblut (für das eigene Kind) bei Bedarf auch als Transplantat für andere Patienten zur Verfügung zu stellen (Kombispende).

Das soll heißen, die Eltern könnten das Nabelschnurblut ihres Kindes zwar in ein (öffentliches) Stammzellregister eintragen lassen, behalten aber das Eigentumsrecht daran. Erst im Bedarfsfall stünde dann die Entscheidung der Eltern oder des inzwischen volljährigen Kindes über die Freigabe des Transplantats an.

Was zunächst wie die Lösung eines ethischen Problems klingt, schafft bei genauerem Hinsehen allerdings ein noch größeres.

Konkret würde dies nämlich bedeuten:

  • Der Eigentümer des Transplantats würde im Extremfall gezwungen, über Leben oder Tod eines anderen Menschen (des fraglichen Empfängers) zu entscheiden. Denn häufig wird erst in Ermangelung eines anderen Spenders auf Nabelschnurblut als Stammzellquelle zurückgegriffen.
  • Die Entscheidung über die Freigabe des Stammzellpräparats läge nicht mehr in ärztlicher Hand.
  • Die Stammzellregister böten Transplantate an, ohne deren Herausgabe garantieren zu können.
  • Die Einbehaltung einer solchen Kombispende könnte unter Umständen zu einer lebensbedrohlichen Verzögerung für den darauf hoffenden Patienten führen, ohne dass dies medizinisch zu rechtfertigen wäre.

Eine solche Situation wäre bzw. ist für Spenderregister natürlich untragbar. Für solche Nabelschnurblutspenden kann deshalb kein Rechtsanspruch des Spenders auf sein Stammzelltransplantat bestehen. Im (sehr unwahrscheinlichen) Bedarfsfall würde die Möglichkeit eines Zugriffs in gleicher Weise bestehen wie für alle anderen Patienten auch.

Institute und rechtliche Fragen

Wer kann Nabelschnurblut spenden und welche Formen der Spende gibt es? 

Nabelschnurblut kann pinzipiell von jeder volljährigen und gesunden Mutter nach der Geburt ihres Kindes gespendet werden. Lassen Sie sich über die Möglichkeiten von Ihrer Geburtsklinik im Vorfeld informieren.

Um sich selbst ein Bild machen und eine fundierte Entscheidung treffen zu können, sollten Sie wissen und verstehen, welche Formen der Nabelschnurblut-Spende es gibt:

Allgemeine Spende

  • Sie stellen das Nabelschnurblut Ihres Babys öffentlichen Nabelschnurblutbanken zur Verfügung, die sich um die Aufbereitung und Weiterleitung zur Behandlung lebensbedrohlich erkrankter Menschen kümmern.

Gerichtete Spende

  • Sie spenden das Nabelschnurblut ebenfalls an eine öffentliche Blutbank, jedoch gezielt zur späteren Behandlung eines Geschwisterkindes oder eines anderen Verwandten ersten Grades, bei dem eine Stammzelltransplantation notwendig ist.

Eigenspende

  • Sie lassen das Nabelschnurblut von einem kommerziellen Anbieter privat einlagern, damit es im Bedarfsfall ausschließlich bei Ihrem Kind selbst zum Einsatz kommt. Im Unterschied zu den beiden ersten Varianten müssen Sie hier mit erheblichen selbst zu tragenden Kosten rechnen (derzeit etwa ab 2.000 Euro für einen Zeitraum von 20 Jahren).

Private Nabelschnurblutbanken bieten zunehmend auch die Kombination von Allgemein- und Eigenspende an, was allerdings aufgrund drohender moralischer Konfliktsituationen im Bedarfsfall sehr problematisch erscheint.

Wann darf keine Nabelschnurblutspende durchgeführt werden?

Es gibt nur sehr wenige Fälle, in denen eine Nabelschnurblutspende trotz Gesundheit von Mutter und Kind nicht durchgeführt werden darf. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Schwangere in den Wochen vor der Geburt Blutprodukte erhalten hat, wozu auch die Anti-D-Prophylaxe bei Rhesus-Unverträglichkeit zählt.

Was bedeutet „autologe“ und „allogene“ Stammzelltransplantation?

Wenn es um die Verwendung von Nabelschnurblut geht, sind zwei Formen der Übertragung der darin enthaltenen Stammzellen zu unterscheiden: die autologe und die allogene. Bei der autologen Transplantation ist Ihr Kind sowohl Spender als auch Empfänger, es handelt sich also um eine Eigenspende. Bei der allogenen Übertragung sind der Spender und der Empfänger verschiedene Personen – es handelt es sich um eine Fremdspende und damit um einen sozialen Akt, wie man ihn vom Blut- oder Knochenmarkspenden kennt.

Beide Formen weisen für den Empfänger Vor- und Nachteile auf, wobei letztere bei der autologen Transplantation gegenwärtig zu überwiegen scheinen. Zwar wurden schon viele Eigenspenden auf Veranlassung der Eltern getätigt und bei privaten Nabelschnurblutbanken eingelagert, zur Anwendung sind bisher aber – im Unterschied zur allogenen Stammzellübertragung – bisher nur sehr wenige gekommen.

Kann man Nabelschnurblut auch direkt für erkrankte Verwandte spenden? 

Ja. Offiziell wird das "gerichtete Nabelschnurblutspende" genannt. Die gerichtete Nabelschnurblutspende steht zwischen der Spende für fremde Personen und der Eigenspende: Sie ist weder für den Spender selbst gedacht noch zur gemeinnützigen Verwendung nach Bedarf, sondern wird gezielt für ein Geschwisterkind aufbewahrt.

Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn ein Geschwisterkind an Leukämie oder einer anderen hämatologischen Erkrankung leidet. Lassen Sie sich ärztlich beraten, wenn Ihre Familiensituation eine gerichtete Spende angebracht erscheinen lässt. Wenn der behandelnde Arzt die Einlagerung bei einer öffentlichen Nabelschnurblutbank anordnet, werden die Kosten in den meisten Fällen von den Krankenkassen übernommen.

Wo gibt es in Deutschland öffentliche Nabelschnurblutbanken? 

Bisher (2011) gibt es nur 7 öffentliche Nabelschnurblutbanken in Deutschland, die mit einem (zumeist mehr oder weniger regionalen) Kreis an Geburtskliniken als Entnahmekliniken kooperieren und von Unikliniken, gemeinnützigen Einrichtungen oder Stiftungen unterhalten werden. Basierend auf (immer knapper werdenden) öffentlichen Mitteln bzw. Spendengeldern konnte das Angebot bisher allerdings noch nicht flächendeckend ausgebaut werden:

  • Dresden:
    Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige GmbH (Einlagerung am Universitätsklinikum Dresden)
  • Düsseldorf:
    José Carreras Stammzellbank am Universitätsklinikum Düsseldorf (größte öffentliche Stammzellbank in Deutschland)
  • Gauting bei München:
    Bayrische Stammzellbank gemeinnützige GmbH
  • Erlangen:
    öffentliche Nabelschnurblutbank der Universitätsklinik Erlangen (Zusammenarbeit mit der kommerziellen Nabelschnurblutbank Eticur, Spendenmöglichkeit in allen Kliniken, die auch für Eticur private Entnahmen machen)
  • Freiburg:
    öffentliche Nabelschnurblutbank der Medizinischen Universitätsklinik (Kooperation nur mit wenigen Kliniken im näheren Umkreis)
  • Hannover:
    NKR - Norddeutsches Knochenmark- und Stammzellspender-Register (derzeit keine Nabelschnurblutspenden möglich wegen unzureichender Spendenfinanzierung)
  • Mannheim:
    öffentliche Nabelschnurblutbank des Instituts für Transfusionsmedizin und Immunologie, DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg - Hessen GmbH (Kooperation bei der Lagerung mit der privaten Nabelschnurblutbank Stellacure)

Kosten

Bezahlt die Krankenkasse die Einlagerung von Nabelschnurblut? 

Von den gesetzlichen Krankenkassen erhalten Sie keine Kostenübernahme, wenn Sie das Nabelschnurblut Ihres Kindes privat einlagern wollen (Eigenspende). Eine Ausnahme bildet in den meisten Fällen die gerichtete Spende zugunsten eines erkrankten Geschwisterkindes, zumindest wenn der behandelnde Arzt dies empfiehlt bzw. anordnet.

Anders sieht es bei den privaten Krankenversicherern aus: Einige von ihnen sind bereits dazu übergegangen, die Kosten für die (private) Stammzelleinlagerung anteilig zu übernehmen, manche haben für ihre Versicherten einen Preisnachlass mit einem Anbieter ausgehandelt. Als privat versicherte Schwangere sollten Sie deshalb bei Ihrer Krankenkasse nachfragen, ob sie die Kosten ganz oder teilweise übernimmt.

Was kostet mich die Nabelschnurblutspende? 

Die Kosten einer Nabelschnurblutspende sind erheblich. Sie gliedern sich auf in Kosten für die Entnahme, den Transport, die Aufarbeitung und die Einlagerung der Stammzellen.

Ob und was Sie davon bezahlen müssen, hängt vor allem vom Verwendungszweck der Spende ab, bei privater Einlagerung auch von den Konditionen des jeweiligen Anbieters. Hier beginnt das Kostenvolumen in der Regel ab 2.000-2.500 Euro, die Sie auch selbst bezahlen müssen (als Privatversicherter aber eventuell teilweise erstattet bekommen). Im Gegensatz dazu entstehen Ihnen bei einer allgemeinen bzw. gemeinnützigen Spende sowie in den meisten Fällen bei einer "gerichteten Spende" (für erkrankte Geschwisterkinder) keine selbst zu tragenden Kosten.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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