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Geburt: alle Fragen, alle Antworten

Autoren:

Was genau passiert bei einer Geburt? Welche Klinik, welches Entbindungsverfahren ist am besten? Welche Probleme können auftreten? In diesem Kapitel beantworten wir alle Fragen rund um die Geburt.

Art der Entbindung

Wer entscheidet, wie entbunden wird? 

In Deutschland dominiert die ärztliche Schwangerenvorsorge, die von 95% aller Schwangeren in Anspruch genommen wird. Und so wirkt die ärztliche Einstellung meist auch prägend bei der Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Geburtsmodus.

Dabei kommt dem Selbstbestimmungsrecht der "Patientin" gerade in der Geburtsmedizin eine besondere Bedeutung zu. Es ist allein Ihre Sache als Mutter zu entscheiden, auf welche Weise Ihr Kind auf die Welt kommen soll. Die Aufgabe der Geburtshelfer ist es, Sie mit ihrem besten Wissen und Gewissen dabei zu unterstützen und umfassend über alle für Sie relevanten Aspekte zu informieren.

Betreuung durch Hebamme lohnt sich

Nutzen Sie also die Zeit der Schwangerschaft dazu, sich mit der Klinik und dem Betreuungspersonal Ihres Vertrauens schon im Vorfeld der Geburt bekannt zu machen und die Berücksichtigung Ihrer persönlichen Präferenzen sicherzustellen. Und denken Sie frühzeitig, ggf. schon vor der Schwangerschaft, an die Möglichkeit zur kontinuierlichen Schwangerschaftsbetreuung durch eine Hebamme. Die wird nicht nur (zu) selten in Anspruch genommen, sie ist auch vielen werdenden Müttern gar nicht bekannt.

Hausgeburt

Hausgeburten: Wirklich höheres Risiko?

Hausgeburten – erhöhtes Risiko. Das meldet die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Sie bezieht sich dabei auf eine in England durchgeführte Studie. Doch die Meldung gibt nur die halbe Wahrheit wieder. Und das belegt erneut, dass das Thema umstritten bleibt.

In der britischen Studie wurden über 60.000 Frauen mit einer primär unkomplizierten Schwangerschaft beobachtet. Insgesamt kam es zu rund 250 schweren Komplikationen. Das entspricht einer Komplikationsrate von 0,53%. Bei Frauen, die ihr erstes Kind bekamen, war die Rate der schweren Komplikationen bei Hausgeburten etwa doppelt so hoch. Sie betrug hier 0,93%. Bei Müttern, die bereits zuvor ein Kind zur Welt gebracht hatten, gab es hingegen keinen Unterschied in der Komplikationsrate zwischen Geburtsklinik und Hausgeburt. Auch Geburtshäuser waren genauso sicher wie klassische Geburtskliniken.

Unsichere Studienlage: Welche Meinungen gibt es zum Thema Hausgeburt?

Aus anderen Studien weiß man, dass Frauen, die in den eigenen vier Wänden entbinden, seltener Infektionen bekommen, seltener Blutungen haben und weniger Schmerzmedikamente benötigen.

Allerdings: Die Studienlage zu Hausgeburten ist alles andere als eindeutig. Ein Problem bei diesen Studien ist beispielsweise, was als Hausgeburt gewertet wird. Bei vielen der Untersuchungen wird nicht unterschieden, ob die Hausgeburt geplant und “freiwillig” war oder ob sie “unfreiwillig” also ungewollt stattfand. Der Anschein liegt nahe, dass die Diskussion überwiegend ideologisch geführt wird.

Was man sicher sagen kann: Sie sollten auf jeden Fall nur bei einer unkomplizierten Schwangerschaft eine Hausgeburt in Erwägung ziehen. Und eher nicht bei der ersten Geburt.

Geburtsklinik

Wassergeburt oder hängend am Seil – Qual der Wahl?

Gesunde Schwangere sind nicht krank, auch wenn sie im Krankenhaus entbinden lassen. Die Geburtskliniken setzen diese Erkenntnis zunehmend um und üben sich in Kundenorientierung und mitunter fantasievoller Angebots- und Informationsvielfalt.

Themen gibt es reichlich und immer neue Fragen tun sich auf, die es für die Schwangere (und ihren Lebenspartner) scheinbar zu beantworten gilt. Doch die meisten dieser Fragen werden im Moment des Gebärens irrelevant, denn dann kommt es – seit Jahrmillionen – nur auf eines an: möglichst ohne jede Ablenkung im jeweils richtigen Moment zu pressen und alle Kräfte auf diesen natürlichen Überlebensprozess zu richten.

Sie haben die Wahl

Sich im Vorfeld die richtige Geburtsklinik (oder eine andere Umgebung) suchen zu können, deren Erscheinungsbild, Personal und Philosophie den eigenen Vorstellungen bestmöglich entsprechen, ist ein wichtiges und wertvolles Stück Wahlfreiheit, dass man schätzen und nutzen sollte (sofern es tatsächlich Auswahlmöglichkeiten gibt). Auch sollte man über den Ablauf der Geburt bis hin zur Nachbetreuung und dem anschließenden Umgang mit dem Neugeborenen zuhause informiert sein und sich mit dem Klinikpersonal und der Hebamme absprechen.

Viele Details, vom abgedunkelten Kreißsaal mit ätherischer Ölbeduftung bis zur individuellen Schmerzprophylaxe, die heute zeitgeistgemäß so mancher Schwangeren Kopfzerbrechen bereiten, spielen aber, wenn es darauf ankommt, keine Rolle mehr.

Die richtige Klinik finden

Welche besonderen Leistungen bietet ein „Babyfreundliches Krankenhaus“?

Mit dem Prädikat „Babyfreundliches Krankenhaus“ ausgezeichnete Kliniken verpflichten sich, besondere Service-Leistungen für Mutter und Kind zu erbringen. Auch nicht zertifizierte Geburtskliniken bieten solche sinnvollen Maßnahmen zumindest teilweise an. Deshalb lohnt es sich immer, danach zu fragen:

  • Stillberatung bereits in der Schwangerenvorsorge
  • 24-Stunden-Rooming-in
  • Familienzimmer
  • Stillhotline
  • „objektive“ Informationen zur Babyernährung
  • keine Werbung für Muttermilchersatz
  • unterstützende Betreuung für einen optimalen Stillbeginn
  • besondere Betreuung nach Kaiserschnittentbindung
  • flexible Essenszeiten mit Büffet
  • geschulte Klinikmitarbeiter
  • Stillzimmer, Stillcafé, Stillgruppen
  • Kochkurse, Baby-Bazare und Modenschauen
  • Beratungsservice auch nach der Entlassung
Checkliste: Welche Kriterien machen eine stillfreundliche Geburtsklinik aus?

An den folgenden Merkmalen können Sie sich orientieren, wenn es um die Stillfreundlichkeit einer Geburtsklinik bzw. Entbindungseinrichtung geht:

  • Schriftliche Regelungen zur Stillförderung liegen vor.
  • Schwangere werden über die Vorteile und die Praxis des Stillens informiert.
  • Auf Werbegeschenke der Säuglingsnahrungsindustrie wird verzichtet.
  • Sie werden dabei unterstützt, Ihr Baby innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt anzulegen.
  • Sie werden auf die frühen Hungerzeichen Ihres Kindes aufmerksam gemacht, und es wird Ihnen gezeigt, wie Sie Ihr aufgeregtes Kind beruhigen können.
  • Die betreuenden Hebammen und das Pflegepersonal motivieren Sie, nach Bedarf zu stillen.
  • Das Personal ist für die Stillförderung besonders geschult und wird regelmäßig fortgebildet.
  • Das Personal unterstützt Sie dabei, die Milchproduktion aufrechtzuerhalten, sofern Sie von Ihrem Kind getrennt untergebracht werden müssen.
  • Es besteht Tag und Nacht die Möglichkeit für Rooming-in.
  • Neugeborene erhalten Flüssigkeiten oder sonstige Nahrung zusätzlich zur Muttermilch nur bei dringender medizinischer Notwendigkeit.
  • Auf einen Schnuller wird nach Möglichkeit verzichtet.
  • Zum Angebot gehören Stillberatung, Stillzimmer und Stillgruppen.
  • Mehr als zwei Drittel der Mütter stillen, wenn sie die Klinik verlassen.
Wann sollte ich lieber in einer Spezialklinik (Perinatalzentrum) entbinden?

Etwa 90% aller Geburten erfolgen zeitgerecht und im Anschluss an eine normale, nicht risikobehaftete Schwangerschaft. Für die anderen Fälle stehen in Deutschland sogenannte Perinatalzentren bereit. Das sind Krankenhäuser, in denen die Geburtsstationen über alle möglichen Zusatzeinrichtungen und auf bestimmte Komplikationen geschulte Fachärzte verfügen, um auf Geburtskomplikationen optimal reagieren zu können.

Nach den Leitlinien der entsprechenden Ärztegesellschaften ist die Geburt in einem solchen Perinatalzentrum in folgenden Fällen ratsam:

  • drohende Frühgeburt vor der 32. Schwangerschaftswoche (SSW)
  • Frühgeburt zwischen 33. und 35. SSW mit zusätzlichem Risiko
  • Zwillinge vor der 34. SSW
  • Drillinge und alles darüber
  • Blutgruppenunverträglichkeit (Morbus haemolyticus fetalis)
  • zu langsamer oder zu schneller Herzschlag des Fetus
  • Mangelentwicklung des Fetus gemäß Ultraschalluntersuchung
  • Schwangerschafts-Erkrankungen wie Präeklampsie und HELPP-Syndrom
  • Fehlbildungen, die bereits vor der Geburt diagnostiziert wurden und unmittelbar nach der Geburt spezieller ärztlicher Hilfe bedürfen
  • mütterliche Infektionen mit Auswirkungen auf den Fetus wie z.B. Toxoplasmose, schwere Herpes-Infektionen, HIV
  • mütterliche Erkrankungen mit Auswirkungen auf den Fetus wie z.B.Schilddrüsenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Phenylketonurie
  • Diabetes mellitus der Mutter mit Insulinpflicht
  • Drogenabhängigkeit der Mutter

Was bringt Rooming-in? 

In einer Geburtseinrichtung, die Rooming-in anbietet, können Sie Ihr Baby ständig bei sich haben (müssen es aber nicht). Das fördert nachweislich das mütterliche Selbstvertrauen im Umgang mit dem Neugeborenen, ermöglicht das Stillen nach Bedarf und unterstützt dank des engen körperlichen Kontakts auch den innigen Beziehungsaufbau (Bonding).

Untersuchungen

Gehört das CTG bei der Geburt zum Standardprogramm?

Ja, der Einsatz eines CTGs zur elektronischen Überwachung des Geburtsverlaufs gehört heute zum Pflichtprogramm einer Klinikgeburt. Das CTG ist ein Herzton-Wehen-Schreiber, der über zwei auf dem Bauch der Schwangeren befestigte Messfühler die Wehenstärke und die kindliche Herzschlagfrequenz misst und beides auf einem Papierstreifen dokumentiert.

Bei modernen Geräten (Telemetrie-CTG) erfolgt die Signalübertragung über einen kleinen Sender, so dass die Verkabelung entfällt und die werdende Mutter über volle Bewegungsfreiheit verfügt – und diese ggf. zum Spazierengehen nutzen kann, um den Geburtsverlauf zu befördern.

Wie oft wird ein CTG zur Geburtsüberwachung wiederholt?

Üblicherweise wird das Herzton-Wehen-Muster über einen Zeitraum von 30 Minuten aufgezeichnet. Zeigt sich ein gesundes Wehenmuster, wird das CTG alle zwei Stunden wiederholt.

Bei Anzeichen von Spätdezelerationen oder einer ungenügenden Wehentätigkeit, oder bei einer Gefährdung des Kindes aus anderen Gründen, bleibt das CTG kontinuierlich während der gesamten Eröffnungsphase der Geburt angelegt.

Kindslagen

Was ist die vordere Hinterhauptlage?

Die vordere Hinterhauptlage ist die „normale“ und häufigste Geburtslage des Kindes. Dabei kommt das Baby mit dem Hinterkopf zuerst und der Nase in Richtung Darmausgang der Mutter zur Welt.

Der Vorteil: In dieser Position hat der Kopf des Kindes beim Durchtritt durch den Geburtskanal den kleinsten Durchmesser. Je nachdem, ob der Fötus mit dem Rücken nach links oder nach rechts liegt, wird noch die erste von der zweiten vorderen Hinterhauptlage unterschieden.

Was ist die Steißlage?

Steißlage oder Beckenendlage (BEL) bedeutet, dass das Kind mit dem Kopf nach oben in der Gebärmutter liegt und der Po Richtung Beckenausgang der Mutter zeigt.

Im Verlauf der Schwangerschaft drehen sich 95% der Ungeborenen dann in die übliche Schädellage, 80% von ihnen bis zur 32. Schwangerschaftswoche. Bis zur 36. Schwangerschaftswoche kann man von außen nachhelfen, dann reicht der Platz in der Gebärmutter nicht mehr zum Drehen aus. 3-5% aller Geburten (und 10-15% der Frühgeburten) erfolgen in Steißlage.

Der Geburtsverlauf mit dem Po voran ist für Kind und Mutter etwas anstrengender und er ist aus verschiedenen Gründen risikoreicher. Deshalb wird heute insbesondere Erstgebärenden häufig zum Kaiserschnitt geraten, wobei hier die Meinungen auseinander gehen. Eine Spontangeburt ist grundsätzlich möglich, erfordert aber in jedem Fall die Begleitung durch erfahrene Geburtshelfer. In einigen Geburtskliniken werden mehr als die Hälfte der Kinder in Beckenendlage spontan geboren.

Risiken und Komplikatonen bestimmter Kindslagen

Welche Risiken bestehen bei einer Geburt in Beckenendlage?

Eine Geburt, bei der sich das Kind in Beckenendlage befindet und mit dem Po voran den Geburtsweg antritt, ist aus verschiedenen Gründen riskanter als bei Schädel- bzw. Kopflage:

  • Weil erst der Nabel und danach der Kopf geboren wird, kommt es zwangsläufig zum Abdrücken der Nabelschnur und damit zur Unterdrückung der Sauerstoffzufuhr für das Kind. Wird der Kopf nicht innerhalb von 3 bis 5 Minuten geboren, drohen der Erstickungstod oder schwere Schädigungen.
  • Da der Po des Kindes einen geringeren Umfang als sein Köpfchen hat, wird der Geburtskanal nach unten nicht so gut abgedichtet. Die Nabelschnur kann am Steiß vorbeirutschen und einen Nabelschnurvorfall verursachen.
  • Arme oder Beine können sich im Geburtskanal „verhaken“ und eventuell nur unter Zug gelöst werden – beides kann zu (meist gut ausheilenden) Brüchen oder Lähmungserscheinungen führen.
  • Die weichen Bestandteile des Geburtskanals werden durch den Steiß nicht so stark gedehnt wie durch den Kopf – Wehenschwäche und Verzögerungen können die Folge sein und einen Wehentropf erforderlich machen.
  • Bei einem Missverhältnis zwischen kindlichem Kopf und mütterlichem Becken besteht die Gefahr, dass sich der nachfolgende Kopf nicht passgerecht in den Geburtskanal hineindreht. Eine Ultraschalluntersuchung direkt vor der Geburt hilft dabei, dieses Risiko einzuschätzen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Bei einer normal verlaufenen Beckenendlagenentbindung ist die Gefahr für kurzfristige oder langfristige Schäden beim Kind allerdings nicht größer als bei einer normalen Geburt.

Ist bei Beckenendlage ein Kaiserschnitt erforderlich?

Die Entbindung auf natürlichem Weg bei Beckenendlage ist heute ein sehr seltenes Ereignis im Kreißsaal geworden. In über 90% der Fälle wird stattdessen der Kaiserschnitt als Geburtsmodus gewählt. In der Mehrzahl der Kliniken kommt er gar als alleinige Option für diese als risikoreich geltende Geburt in Betracht.

Als maßgeblich mitverantwortlich für diese Entwicklung wird der „Term Breech Trial“ angesehen. Diese großangelegte Studie kanadischer Epidemiologen stellte im Jahr 2000 eindeutige Vorteile des Kaiserschnitts gegenüber der Spontangeburt bei Steißlage fest. Mittlerweile gilt die Aussagekraft der Studie unter Experten aber als hinfällig. Zwingend notwendig ist der Kaiserschnitt bei Beckenendlage aus medizinischer Sicht nämlich nicht.

Im Zweifel doch lieber Kaiserschnitt

Allerdings können in der heutigen ärztlichen Weiterbildung die besonderen geburtshilflichen Fähigkeiten, die die sichere Beherrschung einer Steißgeburt erfordert, kaum noch vermittelt werden. Folglich wird die Indikation zum Kaiserschnitt von vielen Geburtskliniken schon aus forensischen (rechtlichen) Gründen großzügig gestellt. Gleiches gilt auch für Zwillingsschwangerschaften, selbst wenn sie risikoarm vaginal zu entbinden wären.

Lässt sich Ihr Kind selbst bei Mithilfe von außen nicht dazu bewegen, noch rechtzeitig die „richtige“ Lage mit dem Hinterhaupt voran einzunehmen, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem klinischen Betreuungspersonal suchen und sich einvernehmlich auf das geeignete Vorgehen einigen. Im Zweifelsfall dürfte das wohl bedeuten, der Sicherheit für Ihre Gesundheit und die Ihres Kindes den Vorrang zu geben.

Was ist eine „äußere Wendung“ (bei einer Beckenendlage)?

Bevor Sie sich am Ende einer Schwangerschaft endgültig zwischen Steißgeburt und Kaiserschnitt entscheiden müssen, bietet die „äußere Wendung“ noch eine letzte Chance, um Ihr Kind in die gewünschte Kopflage zu bringen.

Dabei bemüht sich ein Arzt, das Kind aus Ihrem Becken nach oben zu drücken, während ein Kollege versucht, es mit sanftem Druck zu einem Purzelbaum zu bewegen. Das gelingt etwa in der Hälfte der Fälle, je nach Übung der Doktoren. Wenn es klappt und sich Ihr Baby nicht mehr aus der Kopflage zurückdreht, können Sie sich entspannt auf eine natürliche Geburt freuen.

Entgegen ihrem Ruf (gerade in der Ärzteschaft), ist die äußere Wendung nach Meinung von Geburtshilfe-Experten weder besonders schmerzhaft noch gefährlich. Komplikationen sind bei diesem Verfahren ausgesprochen selten und gut beherrschbar. Eine OP-Bereitschaft zum Notkaiserschnitt ist aber, wie bei anderen geburtsmedizinischen Eingriffen auch, erforderlich.

Was ist eine Schräg- bzw. Querlage?

Normalerweise liegt der Fetus zum Zeitpunkt der Geburt längs in der Gebärmutter, in seltenen Fällen (1%) aber auch schräg oder sogar quer. Zu diesen Lage-Anomalien kann es kommen, wenn das Kind zu viel oder zu wenig Bewegungsfreiheit in der Gebärmutter hatte.

Während eine natürliche Geburt bei Querlage nicht möglich ist, wandelt sich die instabile Schräglage durch Wehentätigkeit häufig noch in eine Längslage.

Mögliche Komplikationen bei Querlage

Typische Komplikationen, die bei Querlage auftreten, sind ein vorzeitiger Blasensprung, ein Nabelschnurvorfall und eine Uterusruptur (Zerreißen der Gebärmutter) durch Überdehnung. Außerdem kann über eine verminderte Durchblutung des Mutterkuchens (Plazenta) die Versorgung des Kindes eingeschränkt sein.

Bei intakter Fruchtblase kann – unter Bereitschaft eines OP-Teams zum Kaiserschnitt – versucht werden, das Kind in die richtige Lage zu drehen. Andernfalls wird die Schnittentbindung 2 bis 3 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin empfohlen.

Kurz vor der Geburt

Was ist, wenn ich Angst vor der Geburt habe?

Wenn Sie auch Angst (und nicht nur Freude) vor der Geburt empfinden, lautet der erste Trost: Sie sind nicht allein. Befragungen zufolge haben rund 6% der Schwangeren „große Angst“ und über die Hälfte „etwas Angst“. Eine gewisse Unsicherheit ist ganz normal, auch wenn sie nicht unbedingt an die große Glocke gehängt wird.

Anlass zu echter Angst gibt es aber eigentlich nicht, denn selbst Risikoschwangerschaften kommen heute dank intensiver medizinischer Betreuung und Versorgung meistens zu einem guten Ende.

Suchen Sie sich einen persönlichen Geburtsbegleiter, der Ihnen nahesteht und dem Sie vertrauen, sei es Ihr Partner, eine Freundin, die Schwester oder eine andere geeignete Person. Auch hilft es, sich den Geburtsort vorher in Ruhe anzuschauen und ggf. die Dienste einer Beleghebamme in Anspruch zu nehmen, um so wenig wie möglich dem Zufall zu überlassen und mit wissender Zuversicht den Geburtstermin erwarten zu können.

Bei leichten Angstzuständen reicht es manchmal aus, sich mit tiefem und konzentriertem Ein- und Ausatmen selbst zu beruhigen. Wenn nicht, sollten Sie am besten rechtzeitig vor der Entbindung professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, um das Geburtserlebnis möglichst bewusst und entspannt gestalten zu können.

Wer und was kommt mit in die Klinik:

Hilft eine Begleitung (durch den Mann) in den Kreißsaal wirklich?

Statistisch schon. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine kontinuierliche Unterstützung die Dauer der Geburt etwas verkürzen kann. Auch der Schmerzmittelbedarf sinkt offenbar, wenn die Gebärende einen verlässlichen Beistand an ihrer Seite weiß.

Angesichts der großen körperlichen und emotionalen Herausforderung, die eine Geburt darstellt, ist das nicht sehr verwunderlich. Ob allerdings der werdende Vater die Hilfe einer erfahrenen Hebamme noch sinnvoll ergänzen kann oder von dieser besser aus dem Kreißsaal geschickt wird, ist von Fall zu Fall verschieden und hängt sicher von seiner liebevollen Gelassenheit, Verfassung, Einstellung und Vorbereitung auf dieses so besondere natürliche Ereignis ab.

Außerdem ist das "Dabeisein des Vaters" auch so etwas wie eine moderne Weltanschauung: Früher undenkbar, ist es heute selbstverständlich - und fast gilt es schon als anrüchig, als Vater nicht dabei zu sein. Aber moderne Weltanschauungen müssen nicht immer richtig sein. So gibt es durchaus nachvollziehbare Argumente (nicht zuletzt emotionale und intim-erotische Gründe) gegen ein "Dabeisein".

Vorbereitung auf die Geburt: Was gehört in den Klinikkoffer?

Bereits einige Zeit vor dem errechneten Entbindungstermin heißt es Koffer packen – damit Sie sich, wenn es soweit ist, in Ruhe auf den Weg zur Geburtsklinik machen können. Zu den Dingen, die in Ihrem Klinikköfferchen nicht fehlen sollten, gehören u.a.:

Für die Mutter:

  • Morgenmantel
  • Waschutensilien
  • Einmalwaschlappen
  • Handtücher
  • Fön
  • Hausschuhe
  • Nachthemden (geknöpft)
  • Still-BHs

Für das Kind:

  • Unterhemdchen (Body)
  • Hemdchen
  • Socken
  • Strampler
  • Jacke
  • Mütze
  • Decke
  • Tragetasche/Autositz

Für die Formalien:

  • Krankenversichertenkarte
  • Mutterpass
  • Ausweis
  • Heiratsurkunde / Geburtsurkunde bei Unverheirateten

Einmalnetzhöschen, Binden, Kleidung, Windeln und Pflegeartikel für das Kind werden normalerweise von der Klinik gestellt, solange Sie dort sind. Weitere Dinge, die je nach individuellem Bedarf in Betracht kommen, sind beispielsweise bequeme Kissen, Duftlampen und Entspannungsmusik.

Fragen Sie zur Sicherheit vorher nochmal in der Klinik nach, was vorhanden und was mitzubringen ist. Auch ein Blick auf die Klinikhomepage empfiehlt sich zur Vorbereitung.

Wann soll ich in die Klinik fahren?

Kurz vor der Geburt steigt die Spannung rapide an, erst recht, wenn es die erste ist. Dann stellt sich Ihnen auch immer dringlicher die Frage, wann Sie sich auf den Weg in die Klinik machen sollen. Schließlich will man (frau) weder als „Fehlalarm“ zurückgeschickt werden, noch mit bereits geborenem Kind dort ankommen.

Folgende Ereignisse gelten als Startsignal für den ultimativen Schwangerentransport:

  • Erstgebärende: Wehen alle 5-10 Minuten
  • Zweit- und Mehrgebärende: Wehen alle 10 Minuten
  • Abgang von Fruchtwasser
  • Bei stärkerer frischer roter Blutung sofort in die Klinik fahren!

Körperliche Zeichen kurz vor der Geburt

Muss ich liegend in die Klinik gebracht werden, wenn bereits Fruchtwasser abgegangen ist?

Das hängt davon ab, ob sich das Köpfchen oder der Po Ihres Babys schon fest im Beckeneingang befindet. Wenn ja, können Sie sich aufrecht in die Klinik fahren lassen und selbst in den Kreißsaal laufen. Wenn nicht, oder wenn das Kind in Querlage liegt, wird eine Anfahrt im Liegen dringend angeraten.

Fragen Sie deshalb bei den Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaftsendphase Ihre Hebamme oder Ihren Frauenarzt, wie es um die Lage Ihres Sprösslings und seines Köpfchens bestellt ist.

Ist der Abgang von blutigem Schleim vor der Geburt gefährlich?

Nein, sofern lediglich etwas roter Schleim abgeht, besteht kein Grund zur Beunruhigung. Vielmehr ist dies ein Anzeichen für die nahe bevorstehende Geburt – wie nahe, weiß nur Ihr Baby.

Was versteht man unter „Zeichnen“?

Unter Zeichnen versteht man den Abgang des Schleimpfropfs, der in der Schwangerschaft den Muttermund schützend verschließt. In der Regel setzen dann einen oder mehrere Tage danach die Wehen ein.

Manchmal fehlt dieser Hinweis auf den bevorstehenden Geburtsbeginn aber auch oder wird von der werdenden Mutter zumindest nicht wahrgenommen.

Wie lang ist es noch bis zur Geburt, wenn der Schleimpfropf abgegangen ist?

In den meisten Fällen löst sich der Schleimpfropf etwa einen Tag vor dem Einsetzen der Geburtswehen. Es können aber auch bis zu 12 Tage sein.

Wenn Sie diesen schleimig-blutigen Ausfluss um Ihren errechneten Geburtstermin herum beobachten, aber noch keine anderen Geburtsanzeichen wie Blasensprung oder regelmäßig auftretende Kontraktionen, können Sie noch gelassen zuhause bleiben. Tritt eine stärkere Blutung auf, sollten Sie sich allerdings sofort mit Ihrer Hebamme oder der Klinik in Verbindung setzen.

Blasensprung

Muss die Geburt immer gleich eingeleitet werden, wenn ich einen Blasensprung hatte?

Nein, im Falle eines Blasensprunges ist es wichtig zu unterscheiden, wann und wo sich der Riss in der Fruchtblase gebildet hat.

Einem Blasensprung ab der 34. SSW folgt meist Geburt

Ist der Riss eher im unteren Bereich der Fruchtblase entstanden, fließt viel Fruchtwasser auf einmal ab. Das sich im Fruchtwasser befindliche Hormon Prostaglandin bewirkt bei Kontakt mit dem Muttermund eine Reifung, so dass meist die Wehen einsetzen. Für Schwangere ab der 34. SSW wird die Geburt dann nicht mehr aufgehalten. Setzen in dieser Gruppe jedoch keine Wehen ein, können ein bis zwei Tage gewartet werden, bis die Geburt eingeleitet wird.

Vor der 34. SSW kann abgewartet werden

Für Schwangere die sich noch nicht im letzten Abschnitt ihrer Schwangerschaft befinden wird hingegen versucht, diese fortzuführen. Dieses gelingt vor allem, wenn es sich um einen Riss eher im oberen Bereich der Fruchtblase handelt. Kommt es zum spontanen Verschluss des Risses und liegen keine Entzündungszeichen vor, muss die Geburt dieser Schwangeren nicht eingeleitet werden.

Fragen rund um den Blasensprung

Was ist ein vorzeitiger/ frühzeitiger Blasensprung?

Beim Blasensprung kommt es zu einem Einreißen der Eihäute mit Abgang von Fruchtwasser. Passiert dieses vor dem Einsetzen regelmäßiger Wehentätigkeit, bezeichnet man diesen als „vorzeitigen“ Blasensprung. Findet der Blasensprung vor dem Eintritt der frühen Austreibungsphase statt, handelt es sich um einen „frühzeitigen“ Blasensprung.

Was ist der richtige Zeitpunkt für einen Blasensprung?

„Rechtzeitig“ ist der Blasensprung kurz vor Geburt des Kindes, während oder kurz vor Einsetzen der regelmäßigen Kontraktionen der Gebärmutter.

Muss ich Antibiotika bekommen, wenn ich einen Blasensprung hatte?

Normalerweise nicht, der Blasensprung ist ein ganz natürlicher Abschnitt der Geburt. Kommt es jedoch zu einem vorzeitigen Blasensprung, ist manchmal eine Bakterieninfektion der Grund dafür. Die Bakterien kommen bei nahezu allen Schwangeren in der Scheide vor, bei einigen jedoch regen sie den Körper so stark an, dass die köpereigene Immunabwehr einen Blasensprung auslöst.

Antibiotika nur bei bestimmten Bakterien und schweren Infektionen

Sind bei der Mutter im Vorfeld ganz bestimmte Erreger, die beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe B, nachgewiesen worden, oder zeigen sich schwere Zeichen einer Infektion bei der Mutter oder besteht der Blasensprung schon über einen längeren Zeitpunkt, werden Antibiotika verabreicht.

Warum kann es sinnvoll sein, die Fruchtblase künstlich zu öffnen?

Ist der Geburtsverlauf verzögert, kann es sinnvoll sein, die Fruchtblase künstlich zu öffnen. Dabei wird die Eihaut im Rahmen einer vaginalen Untersuchung eingeritzt. Das hört sich im ersten Moment sehr schmerzhaft an, in der Regel empfinden betroffene Frauen die Prozedur jedoch meist „nur“ als unangenehm.

Weitere Gründe für das künstliche Eröffnen der Fruchtblase können sein, dass zusätzliche Untersuchungen zur Beurteilung des kindlichen Zustandes benötigt werden. So ist manchmal eine Abhörung der kindlichen Herztöne von außen nicht möglich. Dann muss eine kleine Elektrode gelegt werden, um das Herz des kleinen Fetus überwachen zu können. Außerdem kann die Farbe des Fruchtwassers überprüft werden, ob eine Infektion oder „grünes“ Fruchtwasser vorliegen.

Einleitung der Geburt

Warum leitet man eine Geburt manchmal künstlich ein?

Es gibt unterschiedliche Gründe dafür bei einer Schwangerschaft die Geburt gewollt herbeizuführen, das wird in der Fachsprache auch „eine Geburt einleiten“ genannt. Dies kommt beispielsweise in Fragen, wenn die Schwangere schon mehrere Tage über ihren Geburtstermin hinaus ist und die Wehen noch nicht von allein eingesetzt haben.

Aber auch die andere Richtung ist möglich, beim sogenannten vorzeitigen Blasensprung. Auch eine Schwangerschaftsvergiftung oder Zuckererkrankung der Mutter sowie kindliche Wachstumsverzögerung sind häufige Gründe für ein bewusstes Beenden der Schwangerschaft. Einfach formuliert: Die Geburt wird immer dann eingeleitet, wenn Mutter und/ oder das Kind durch ein Fortführen der Schwangerschaft ernsthafte Folgen erleiden könnten.

Die Schwangere kann auch selbst die Geburtseinleitung wünschen

Das sind jedoch nicht die einzigen Gründe, es kann auch vorkommen, dass die Schwangere selbst auf eine Geburtseinleitung drängt: Der Bauch ist belastend, der Rücken schmerzt, Wassereinlagerungen lassen die Haut spannen, Schlaf ist kaum mehr möglich. Hier ist jedoch äußerste Vorsicht geboten, wenn nicht alle Untersuchungsbefunde grünes Licht geben oder die 39 Schwangerschaftswochen noch nicht abgeschlossen sind, ist eine Geburtseinleitung nicht immer sinnvoll.

Fragen rund um die Geburtseinleitung

Welche Möglichkeiten gibt es eine Geburt einzuleiten?

Neben der ärztlichen Geburtseinleitung werden verschiede Methoden angeboten, die einen Beginn der Wehen auslösen sollen, wie Akupunktur, Homöopathie, physikalische Verfahren und andere „Geheimtipps“.

„Geheimtipps“ sind kritisch zu sehen

Auch wenn die Akupunktur zur Entspannungsförderung und Schmerzlinderung positive Ergebnisse erzielt, liegen keine Studien vor, dass sie sich auch zur Geburtseinleitung eignet. Das Gleiche gilt für die Homöopathie. Der naturheilkundliche Einsatz von Tees und Tinkturen ist zwar weit verbreitet, aber auch hier gilt: Alles was wirkt, hat auch Nebenwirkungen.

Himbeerblättertee soll helfen Wehen auszulösen – ein Zuviel verstärkt jedoch die Blutungsneigung bei Geburtsverletzungen. Auch von Brennnesseltee sollte wegen seiner stark entwässernden Eigenschaft abgeraten werden, ebenso wie von Darmeinläufen. Studien zeigten, dass sie zwar Wehen und Darmkrämpfe auslösen können, aber ohne eine Geburt zu starten oder zu beschleunigen.

Hilft viel Sex, um die Geburt herbeizuführen?

Diesen „Geheimtipp“ findet man neben viel Bewegung sehr häufig. Die in der Samenflüssigkeit des Mannes enthaltene Menge des Hormons „Prostaglandin“, das die Reifung des Gebärmutterhalses und die Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur auslösen, ist jedoch viel zu gering.

Welche Mittel helfen nun wirklich, um die Geburt einzuleiten?

Eine Möglichkeit bei bereits leicht geöffnetem Muttermund ist jedoch die sog. Eipol-Lösung. Dabei wird im Rahmen einer vaginalen Untersuchung die Eihaut der Fruchtblase, die das Baby umgibt, vorsichtig vom Muttermund gelöst. Der Körper entwickelt auf diesen Reiz Wehen.

Geburtseinleitung: Wie machen es die Ärzte?

Ist aus ärztlicher Sicht eine Geburtseinleitung erforderlich, wird die Geburt medikamentös eingeleitet. Dafür wird ein Prostaglandin-Analogon verwendet, entweder als Tablette oder als Gel, das in die Scheide gegeben wird. In Abhängigkeit der Wirkung auf Mutter und Kind wird die Prostaglandin-Gabe meist mehrmals wiederholt.

Dauer einer Geburtseinleitung

Die Dauer hängt vom Ausgangsbefund des Muttermundes sowie der Schwangerschaftsdauer und möglichen Begleiterkrankungen der Mutter ab:

Ist der Muttermund zu Beginn der Geburtseinleitung geschlossen und der Gebärmutterhals noch lang, kann der tatsächliche Geburtsbeginn tagelang auf sich warten lassen. Auch eine veränderte Stoffwechsellage der Mutter wahrscheinlich zu einem verzögerten Ansprechen auf Prostaglandine. Das bedeutet, dass übergewichtige oder zuckerkranke Schwangere mehr Zeit brauchen, bis sie geburtsbereit sind.

Wehen oft schmerzhafter bei Geburtseinleitung

Schwangere, die eingeleitet werden, empfinden die Wehentätigkeit oft schmerzhafter, als Frauen, die von alleine unter die Geburt gehen. Eine Ursache dafür könnte das Hormon Prostaglandin sein, das für die Einleitung gegeben wird. Das Prostaglandin hat eine weitere Aufgabe als zentraler Botenstoff der Schmerzentstehung. Werden nun Prostaglandine zur Geburtseinleitung verabreicht und verfügt die Schwangere (noch) nicht über genügend Rezeptoren im Bereich der Gebärmutter, führen diese Prostaglandine zu Schmerzen.

Geburtseinleitung in der Regel im Krankenhaus

Meistens wird die Schwangere zur Geburtseinleitung ins Krankenhaus aufgenommen, auch wenn der Geburtsbeginn teilweise erst Tage später stattfindet. Das liegt zum einen daran, dass die Medikamente regelmäßig gegeben werden müssen, zum anderen möchte man sicher gehen, dass im Notfall schnell gehandelt werden kann.

Gefahren einer Geburtseinleitung

Eine Geburtseinleitung soll zu einer Reifung des Gebärmutterhalses und Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur führen. In Abhängigkeit der Methode können dadurch im Einzelfall gefährliche Situationen entstehen:

Wird zur Geburtseinleitung ein Prostaglandin Analogon (z.B. Misoprostol) verwendet, kann eine erhöhte Temperatur bis hin zu Fieber mit Zittern auftreten. Auch können die Effekte an der Gebärmuttermuskulatur so stark sein, dass es zu einer Überstimulation, also zu sehr starken und langen Wehen ohne richtige Pausen kommt. Das kommt jedoch sehr selten vor.

Ablauf der Geburt

Was ist eine „normale“ Geburt?

Von einer „normalen“ oder physiologischen Geburt sprechen Mediziner, wenn ein Kind zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche mit einem Gewicht zwischen 2.500 g und 4.000 g, in Schädellage mit dem Hinterkopf voraus und der Nase in Richtung Steißbein der Mutter (vordere Hinterhauptlage) ohne geburtshilfliche Unterstützung auf die Welt kommt.

Langer und sperriger Satz, aber so ist in Medizinbüchern tatsächlich die "normale" Geburt definiert. Selbst ein Kaiserschnitt fällt demnach unter die Kategorie "unnormal" - was wiederum beweist, dass "unnormal" hier nicht automatisch das gleiche wie "schrecklich" bedeutet.

Wie lange dauert eine Geburt?

Beim ersten Kind muss man im Durchschnitt mit 12 Stunden rechnen, ab dem zweiten Kind mit 8 Stunden. Aber wie gesagt: "im Durchschnitt"! Individuell kann es auch ganz anders laufen.

Es gibt erhebliche Ausreißer – Sturzgeburten mit weniger als einer Stunde kommen bei Mehrgebärenden genauso vor wie Geburten von über 24 Stunden bei Erstgebärenden.

Rund um die Geburt

Wann ist die Geburt beendet?

Die Geburt ist erst beendet, wenn auch die Nachgeburt, bestehend aus den Eihäuten und dem Mutterkuchen (Plazenta), komplett geboren ist.

Dieser als Nachgeburts- bzw. Plazentaphase bezeichnete letzte Abschnitt einer Geburt dauert durchschnittlich 10 bis 30 Minuten, abhängig von Stärke und Dauer der Nachgeburtswehen. Die stolzen und glücklichen Eltern können in der Zwischenzeit schon mal ihr Baby in den Arm und den Kontakt zu ihm aufnehmen.

Die Geburtshelfer prüfen die Nachgeburt auf Vollständigkeit. Bleiben Teile davon in der Gebärmutter zurück, ist eine manuelle Ablösung oder Ausschabung erforderlich, um Infektionen oder Gewebewucherungen zu vermeiden. Ist die Nachgeburtsphase abgeschlossen, beginnt das Wochenbett.

Wie erfolgt die Abnabelung nach der Geburt?

Wenn Ihr Nachwuchs auf die Welt gekommen ist, muss noch die physische Verbindung zwischen (Gebär-) Mutter und Kind in Form der Nabelschnur gekappt werden. Im Tierreich geschieht dies durch spontanes, „sollbruchstellenartiges“ Zerreißen oder gezielten Biss des Muttertiers. Beim Menschen kümmern sich die anwesenden Geburtshelfer darum.

Zu beachten gilt es, dass nicht an der Nabelschnur gezogen werden sollte. Wenn alles wertvolle Blut noch in das Neugeborene hineingeflossen und kein Pulsieren der Nabelgefäße mehr feststellbar ist (meistens 5 bis 10 Minuten nach der Geburt), werden einige Zentimeter vom Kind entfernt zwei sterile Einmalklemmen gesetzt und der (schmerzunempfindliche) Nabelstrang dazwischen mit einer sterilen Schere durchtrennt. Dieser „goldene“ Schnitt wird gerne dem Papa überlassen, sofern er anwesend und dazu gewillt ist.

Der am Kind verbleibende Nabelschnurrest (mit Klemme) trocknet ein, fällt nach etwa 3 bis 10 Tagen ab und lässt als "Narbe" in der Bauchmitte den Nabel zurück.

Gehören Schmerzen zum Kinderkriegen?

Ja, Schmerzen gehören zum intensiven Erleben einer Geburt dazu und es ist anzunehmen, dass es sich dabei nicht um eine willkürliche Laune der Natur handelt.

Der Schmerzlevel, der als unerträglich empfunden wird, ist allerdings weniger vom eigenen Willen abhängig als von individuellen anatomischen Gegebenheiten wie dem Verhältnis zwischen Kopfumfang der Frucht und Weite des mütterlichen Beckens. Auch die Schmerzempfindlichkeit der Beckenregion und der Erschöpfungsgrad bei der Geburt spielen eine Rolle und schwanken stark von Frau zu Frau.

Da Schmerzfreiheit in der Regel nicht ohne Nachteile für Mutter und/oder Kind zu haben ist, kann die Entscheidung zur Schmerzbekämpfung nur in Abwägung von Für und Wider getroffen werden. Umgekehrt können Sie als Gebärende Ihre Entscheidung für einen Schmerzbehandlungsverzicht während des Geburtsverlaufs jederzeit revidieren.

Allein zu wissen, dass sich der Schmerz notfalls bekämpfen lässt, befreit viele Frauen von der Angst davor, so dass während der Geburt oftmals keine Schmerzbekämpfung mehr nötig ist.

Wer ist wichtiger für die Geburt – Arzt oder Hebamme?

Das kommt darauf an, wofür. Der Frauenarzt bzw. die Frauenärztin ist für die allermeisten werdenden Mütter der Ansprechpartner Nummer eins, wenn es um die Schwangerenbetreuung bis hin zur Geburt geht. Was aber viele nicht wissen: Die Hebamme betreut die Geburt normalerweise eigenverantwortlich und ist dem Arzt gegenüber nicht weisungsgebunden.

Eine kontinuierliche Hebammenbetreuung unter der Geburt senkt das Risiko, per Kaiserschnitt zu entbinden und steigert die Zufriedenheit der Gebärenden mit dem Geburtsverlauf. Im Gegensatz zur Hebamme sind die Ärzte und Ärztinnen bis zur Austreibungsphase auch seltener bei einem unkomplizierten Geburtsverlauf im Kreißsaal anwesend, sondern erst, wenn Besonderheiten auftreten.

Am besten für alle Beteiligten ist die von fachlicher und sozialer Kompetenz und gegenseitigem Respekt getragene Zusammenarbeit von Ärzten und Hebammen, die den werdenden Müttern ein Höchstmaß an medizinischer Sicherheit und menschlicher Zuwendung garantiert.

Dammschnitt 

Was ist der häufigste operative Eingriff während des Geburtsvorgangs? 

Auch wenn die Indikationsstellung heute strenger erfolgt als früher, ist der Dammschnitt (Episiotomie) immer noch der häufigste operative Eingriff während des Geburtsvorgangs.

Für Deutschland liegen zwar keine verlässlichen Daten vor, es ist aber anzunehmen, dass wir uns bei der Häufigkeit zwischen den Niederlanden mit 8% und Großbritannien mit etwa 90% aller Geburten befinden.

Was ist ein Dammschnitt? 

Mit dem Dammschnitt wird der Beckenausgang durch Einschneiden des Dammes erweitert und damit der Beckenboden entlastet, bevor (frühzeitige Episiotomie) oder während (rechtzeitige Episiotomie) der Kopf des Kindes geboren wird.

Ziel ist es, eine Überdehnung oder Zerreißung der Beckenboden- und Schließmuskulatur zu verhindern. Dabei wird von der Scheide aus das Dammgewebe etwas eingeschnitten. Die Schnittführung kann in drei verschiedenen Varianten erfolgen. Im Anschluss an die Geburt wird die Schnittwunde wieder zugenäht.

Warum und wann wird ein Dammschnitt durchgeführt? 

Ein vorbeugender Dammschnitt wird heute, auch von der WHO (Weltgesundheitsorganisation), nicht mehr ohne weiteres empfohlen, sondern nur noch bei eindeutiger Indikation. Dazu gehören die folgenden Situationen:

  • wenn das Dammgewebe sehr straff ist
  • bei einem drohenden Dammriss
  • bei einem schlechten CTG, wenn die kindlichen Herztöne abfallen und die Geburt rasch beendet werden sollte
  • bei ungünstiger Einstellung des Kindes
  • bei Beckenendlage
  • bei einer vaginaloperativen Geburt (mit Saugglocke oder Zange)
  • bei der Geburt von Zwillingsschwangerschaften

Dammschnitt: Durchführung und Varianten

Schützt ein Dammschnitt meinen Beckenboden?

Wie so oft in der Medizin, lautet die Antwort: „Das kommt darauf an …“. Wenn aufgrund der individuellen Situation eine schwerwiegende Verletzung des Beckenbodens beim Austritt Ihres Kindes droht, kann ein Dammschnitt Schlimmeres verhindern.

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen aber, dass ein Schnitt den Beckenboden nicht notwendigerweise weniger belastet als ein Riss und nicht selten erhebliche Folgebeschwerden wie Wundheilungsstörungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) verursacht. Als vorbeugende Maßnahme ohne klare Indikationsstellung kommt der Dammschnitt damit heute eigentlich nicht (mehr) in Betracht.

Hat der vorbeugende Dammschnitt (noch) seine Berechtigung?

In vielen Kliniken kam der vorbeugende Dammschnitt früher standardmäßig bei der vaginalen Entbindung zur Anwendung, mancherorts tut er es auch heute noch. Diese Praxis wurde aber in den letzten Jahren zunehmend kritisch hinterfragt – und wissenschaftlich widerlegt.

Nicht jede Gefährdung des Dammes führt tatsächlich zum Riss, während ein Schnitt in jedem Fall ein vorher intaktes Gewebe verletzt. Geprüfte Studien haben gezeigt, dass der Dammschnitt (Episiotomie) als undifferenzierte Präventionsmaßnahme nicht nur einen Dammriss häufig nicht verhindern kann. Blutgefäße und Nerven werden oft auch stärker in Mitleidenschaft gezogen als bei einem Riss, was dann eine schlechtere und schmerzhaftere Wundheilung bedingen kann.

Aufgrund dieser Nachteile sollte ein Dammschnitt heutzutage erst bei eindeutiger Indikation (Indikation = medizinische Erfordernis) erfolgen. Auch wenn er für die Ärzte einen Vorteil hat: Die glatten Schnittkanten können schneller und leichter wieder vernäht werden als die unregelmäßigen Wundränder, die ein Riss hinterlässt.

Wie wird der Dammschnitt durchgeführt?

Falls erforderlich, wird zunächst eine lokale Betäubung des Dammbereichs oder ein sogenannter Pudendusblock (Betäubung eines speziellen Nervs) durchgeführt. Manchmal sorgt aber auch schon eine bereits gelegte Periduralanästhesie oder die erhebliche Spannung des Dammgewebes für eine herabgesetzte Schmerzempfindlichkeit. Dann ist eine Anästhesie entbehrlich.

Der Dammschnitt sollte am Höhepunkt einer Wehe erfolgen, wenn das Gewebe durch den Kopf des Kindes schon etwas gedehnt wurde und am wenigsten Schmerzen verursacht werden. Für die Schnittführung gibt es drei verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Die Naht erfolgt nach der Wundreinigung meist direkt im Anschluss an die Geburt, um unnötigen Blutverlust zu vermeiden und die noch bestehende Schmerzunempfindlichkeit auszunutzen.

Welche Varianten der Schnittführung gibt es beim Dammschnitt?

Die Schnittführung beim Dammschnitt kann in drei Richtungen von der Scheide aus erfolgen. Die verschiedenen Varianten sind mit unterschiedlichen Heilungstendenzen und Komplikationen verknüpft.

Mediane Episiotomie

Schnittführung:

  • in der Mitte in Richtung After nach unten
  • Muskulatur und größere Gefäße werden geschont
  • kleinster Schnitt

Vorteile:

  • leichte chirurgische Versorgung
  • komplikationslose Wundheilung mit meist schönem kosmetischem Ergebnis

Nachteile:

  • kaum erweiterungsfähig
  • bei Einreißen droht Dammriss dritten Grades mit Folgeschäden (Stuhlinkontinenz etc.)

Mediolaterale Episiotomie

Schnittführung:

  • von der Mitte (ca. 6 Uhr) ausgehend jeweils schräg seitlich
  • Muskulatur und größere Gefäße werden miterfasst
  • häufigster Schnitt

Vorteile:

  • gut erweiterungsfähig, z.B. für eine vaginaloperative Geburt
  • geringeres Risiko für weiteres Einreißen

Nachteile:

  • größerer Blutverlust
  • meist schlechtere Wundheilung
  • häufiger schmerzhaft
  • Gefahr der Blutergussbildung (manchmal operationsbedürftig)

Laterale Episiotomie

Schnittführung:

  • jeweils schräg seitlich (von ca. 7-8 Uhr rechts und 4-5 Uhr links ausgehend)
  • Muskulatur und größere Gefäße werden noch umfangreicher miterfasst
  • seltenste Schnittführung (ausnahmsweise bis obsolet)

Vorteile:

  • maximale Erweiterung des Geburtsweges

Nachteile:

  • noch größere Wundfläche und mehr Blutverlust
  • schwierige chirurgische Versorgung
  • häufig Blutergüsse und starke Schmerzen
  • hohe Rate an Wundheilungsstörungen und Beschwerden

Müssen nach einem Dammschnitt Fäden gezogen werden?

Ein Dammschnitt wird meistens mit einem selbstauflösenden Faden genäht, der das Fadenziehen normalerweise überflüssig macht.

Üblicherweise ist die Wunde nach etwa sechs Wochen verheilt.

Welche Probleme kann es mit der Dammnaht geben?

Ob nun genäht wurde, weil absichtlich ein Dammschnitt erfolgte oder unabsichtlich der Damm eingerissen ist: Eine Naht ist in beiden Fällen notwendig, und die kann mitunter Folgeprobleme nach sich ziehen.

Dabei handelt es sich vor allem um eine unangenehme Wulstbildung und Schmerzen (u.a. Dyspareunie). Je nach Ausmaß ist dann eine kleine Korrekturoperation erforderlich.

Wie lange dauert die Wundheilung nach einem Dammschnitt? 

Der Wundheilungsprozess nach einem Dammschnitt dauert in der Regel etwa sechs Wochen. Danach sollten sowohl die Schwellung als auch die meistens verwendeten selbstauflösenden Fäden verschwunden sein.

Dann ist normalerweise auch der Geschlechtsverkehr wieder schmerzfrei möglich, der vorher u.a. wegen des noch bestehenden Wochenflusses ohnehin geruht haben sollte.

Dammriss 

Wie hoch ist die Gefahr für einen Dammriss? 

Der Dammriss ist die häufigste Geburtsverletzung, zu der es - je nach statistischer Grundlage - bei 0,5-7% der Geburten kommt.

Ursachen und Komplikationen eines Damrisses

Wie kommt es zu einem Dammriss?

Zu einem Dammriss kommt es, wenn sich der Kopf des Kindes durch das Becken und die Scheide nach außen schiebt und die mütterlichen Weichteile dabei überbeansprucht werden. Beim primären Dammriss war das Dammgewebe vorher intakt, beim sekundären reißt ein bereits vorgenommener Dammschnitt weiter ein.

Zu kleineren Dammrissen kann es bei jeder Entbindung kommen. Bei sehr großen und schweren Kindern ist die Gefahr ebenso erhöht wie bei der Anwendung von Zange oder Saugglocke sowie einigen anderen Situationen, die als Indikation für einen Dammschnitt gelten.

Was kann bei einem Dammriss passieren?

Abhängig vom Schweregrad des Dammrisses kann es neben akuten Folgen wie Schwellungen und Schmerzen auch zu langwierigen Beschwerden kommen. Bevor wir diese möglichen Folgen aufzählen, sei aber gesagt, dass es insgesamt sehr selten dazu kommt. Machen Sie sich also im Vorfeld der Geburt nicht allzu viele Gedanken darum.

Nun zu den theoretisch möglichen Folgen. Verläuft die Wundheilung gestört, führen Narben- oder Stufenbildungen später möglicherweise zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie). Diese Probleme können sich allerdings auch nach einem Dammschnitt einstellen.

Sehr seltene Komplikationen bei stark ausgeprägtem Dammriss

Bei einem Dammriss dritten Grades mit Beteiligung des analen Schließmuskels droht eine Stuhlinkontinenz, die vor allem den Gasabgang betrifft. Eine Schädigung des Schamnervs (Nervus pudendus) mit seinen sensiblen und motorischen Fasern führt zu Funktions- und Wahrnehmungsstörungen im Beckenbodenbereich. Ist die Darmschleimhaut in Mitleidenschaft gezogen, kann sich eine Verbindung zwischen Scheide und Darm ergeben (Fistelbildung). Sehr selten treten Infektionen der Wunde bis hin zur Abszessbildung auf, die eine Operation erforderlich machen.

Es kann Monate dauern, bis sich die durch den Dammriss geschädigten Weichteilfunktionen wieder normalisiert haben.

Worauf muss ich nach einem Dammriss achten?

Wenn Sie einen höhergradigen Dammriss erlitten haben, sollten Sie im Wochenbett auf einen weichen Stuhl und dementsprechend weiche Kost achten. Einläufe, Zäpfchen oder Untersuchungen durch den Darm sind zu vermeiden.

Ob eine medikamentöse Infektionsprophylaxe erforderlich ist, wird der Arzt abhängig von Ihrer individuellen Situation entscheiden. Entzündungshemmer unterstützen durch ihre abschwellende Wirkung die Durchblutung und damit die Wundheilung. Sie selbst können die Wundheilung ebenfalls fördern, indem Sie die Naht trocken und den Wundbereich durch kurz dauernde Sitzbäder mit anschließender guter Trocknung sauber halten.

Geburtskomplikationen 

Nehmen mit der Zahl der Schwangerschaften die Geburtsrisiken zu oder ab? 

Obwohl der Erfahrungsschatz der Frau von Geburt zu Geburt wächst, nimmt auch die Gefährlichkeit der Entbindung von Mal zu Mal zu. Denn bei jedem Schwangerschafts- und Geburtsvorgang wirken enorme Kräfte auf das beteiligte Gewebe.

Das kann dazu führen, dass sich die Gebärmutter nicht mehr richtig zusammenzieht. Durch die größere Raumfreiheit in den nicht mehr ganz so straffen Gewebestrukturen kann das Baby eventuell in Querlage geraten oder von der Nabelschnur umwickelt werden. Alles kein Grund, um sich vor einer weiteren Geburt zu fürchten. Aber um einen „Selbstläufer“ handelt es sich eben auch nicht automatisch.

Mögliche Geburtskomplikationen

Wie häufig sind Nabelschnurkomplikationen?

In der Schwangerschaft und unter der Geburt kann es zu Problemen mit der Nabelschnur kommen, beispielsweise zu Nabelschnurumschlingung, -knoten oder -vorfall. Solche Komplikationen treten bei gut jeder 100. Geburt auf (1,1%).

6,2% dieser Fälle verlaufen tödlich für das Kind.

Wie häufig ist ein Nabelschnurvorfall?

Zu einem Vorfall der Nabelschnur kommt es bei etwa 0,5% aller Geburten und damit glücklicherweise relativ selten. Die perinatale Mortalität, d.h. das Risiko für ein Kind, bei einem Nabelschnurvorfall um den Zeitpunkt der Geburt herum zu versterben, wird mit 2% beziffert.

Allerdings kommt es, wenn überhaupt, hauptsächlich außerhalb der Klinik zu diesem tragischen Ende.

Warum kommt es bei einer Spontangeburt nach voherigem Kaiserschnitt manchmal zu einer verstärkten Nachblutung?

Bei Störungen der Plazentalösung und anatomischen Veränderungen, insbesondere durch Verwachsung des Mutterkuchens mit der Gebärmutterwand, kann es bei einer Spontangeburt bereits vor dem Ausstoßen der Plazenta zu einer verstärkten Nachblutung kommen.

Zu den häufigsten Ursachen zählen Schädigungen der Gebärmutterschleimhaut nach vorausgegangenem Kaiserschnitt oder Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis).

Wie oft wird die Geburtszange eingesetzt?

Mechanische Hilfsmittel kommen bei der Entbindung im Krankenhaus immer seltener zur Anwendung. Laut den Daten des Statistischen Bundesamtes bediente man sich der alternativ zur Saugglocke eingesetzten Geburtszange nur noch bei 4.500 von 663.000 stationären Geburten, das sind 0,7%.

Angesichts der potenziellen Verletzungsgefahr beim Umgang mit diesem Instrument, das dem ärztlichen Geburtshelfer in besonderer Weise Erfahrung und Geschick abverlangt, sicher eine erfreuliche Entwicklung für Mutter und Kind.

Kann der Geburts-Stress auch das Baby betreffen? 

Ja, auch Babys können während der Geburt gestresst sein. Manche scheiden dann Darminhalt, auch Mekonium oder Kindspech genannt, ins Fruchtwasser aus.

Wenn anschließend das Mekonium in die Lunge gelangt (Mekoniumsaspiration), kann es zu schweren Atmungsproblemen des Neugeborenen kommen.

Glücklicherweise ist diese nicht harmlose Geburtskomplikation selten: Zwar findet sich bei ungefähr 10% aller Geburten ein grünliches, durch das Kindspech verfärbtes Fruchtwasser. Aber nur in etwa 7-8% der Fälle kommt es vor oder unter der Geburt zur Einatmung (Aspiration) desselben.

Fachbegriffe und Wissenswertes

Was ist eine PDA (Periduralanästhesie)? 

Die Periduralanästhesie (PDA) ist eine rückenmarksnahe Betäubung. Dabei handelt es sich um eine örtliche Betäubung, die in den Raum um die harte Rückenmarkshaut herum gespritzt wird. Dieser als Periduralraum bezeichnete Ort enthält die aus dem Rückenmark austretenden Nerven.

Mit der PDA lassen sich Beine, Unterbauch, Bauch und Brustkorb betäuben. Häufig angewandt wird diese Lokalanästhesie in der Geburtshilfe.

Synonym: Epiduralanästhesie

Kreuz und quer: Fachbegriffe zum Thema Geburt

Was ist ein Pudendusblock?

Der Schamnerv (Nervus pudendus) durchzieht den Beckenboden mit Schmerzfasern. Um den vaginalen Geburtsschmerz in der Austreibungsphase zu lindern, kann dieser Nerv lokal betäubt werden. Der Pressdrang lässt dadurch nicht nach.

Es besteht allerdings ein gewisses Risiko, beim Einspritzen des Betäubungsmittels den Kopf des Kindes mit der Kanüle zu treffen. Deshalb wird der Pudendusblock vor allem beim Dammschnitt und vaginaloperativen Entbindungen mit der Zange oder Saugglocke eingesetzt.

Meist führt dieses Verfahren zwar zu einer Schmerzlinderung, aber nicht zu völliger Schmerzfreiheit. Häufig wirkt es auch nur einseitig und teilweise gar nicht. Als ein Standardverfahren zur Schmerlinderung bei der Geburt wurde der Pudendusblock mittlerweile durch die Periduralanästhesie (PDA) weitgehend verdrängt.

Was ist ein Wehentropf?

Unter „Wehentropf“ versteht man die kontinuierliche Verabreichung des wehenstimulierenden Hormons Oxytocin per Infusion, also über eine liegende Kanüle in die Armvene hinein. Alternativ kann das Wehenmittel auch als Nasenspray verabreicht werden, allerdings mit dem Nachteil der schlechteren Dosierbarkeit.

Was bedeuten „Einschneiden“ und „Durchschneiden“ während der Geburt?

Bei einem regelhaften Geburtsverlauf in vorderer Hinterhauptslage wird in der Austreibungsphase irgendwann der kindliche Kopf während einer Wehe in der Scheide sichtbar. Diesen Moment nennt man „Einschneiden“.

Bleibt das Köpfchen auch in den Wehenpausen sichtbar, kann es hinaustreten, was als „Durchschneiden“ bezeichnet wird. Das Hinterhaupt tritt als erstes aus dem Geburtskanal aus, gefolgt von Scheitel und Vorderhaupt mit Gesicht. Dabei wird der Damm durch die extreme Dehnung maximal belastet. Dies kann einen Dammschnitt erforderlich machen.

Was ist der Dammschutz?

Der Dammschutz ist ein geburtshilflicher Handgriff, den die Hebamme oder der Arzt bei der Geburt des kindlichen Kopfes (Durchschneiden) einsetzt: Während die rechte Hand den mütterlichen Damm schützend umfasst, drückt die linke vorsichtig gegen den heraustretenden Kopf.

Dies mindert die Gefahr, dass die mütterlichen Weichteile überdehnt oder eingerissen werden, und verhindert, dass sich das Köpfchen allzu schnell nach hinten beugt und austritt. Aufgrund einer zu heftigen Druckschwankung könnte sonst das Kind zu Schaden kommen.

Was ist eine Lotusgeburt?

Bei dem eher ungewöhnlichen Ritual, das als „Lotusgeburt“ bezeichnet wird, erfolgt keine Durchtrennung der Nabelschnur nach der Geburt. Vielmehr bleibt das Baby mit der Plazenta verbunden, bis die Nabelschnur eingetrocknet ist und – in der Regel nach 3-10 Tagen – von selbst abfällt.

Auf diese Weise soll dem Kind eine Art Eingewöhnungszeit gewährt werden, in der es sich ganz allmählich vom Körper seiner Mutter löst. Das klingt durchaus plausibel. Die Befürworter dieser Methode führen auch noch zahlreiche weitere, überwiegend spirituell geprägte Argumente ins Feld. Der Schulmedizin werfen sie vor, sich nicht ausreichend mit dieser Variante zu beschäftigen.

Letzteres stimmt natürlich. Die Lotusgeburt wird unter gängigen Frauenärzten, Geburtshelfern und Kinderärzten praktisch nicht beachtet und nicht ernsthaft als Alternative in Erwägung gezogen. Allerdings gibt es dafür auch Gründe. Die Gefahr einer Keimeinschleppung und damit einer Gefährdung des Babys ist nämlich relativ hoch.

Noch ein Extra-Tipp:
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Quellen:

  • Diedrich K, Gynäkologie und Geburtshilfe. 2. Ausgabe, 2007, Verlag: Springer
  • BMJ 2011;343:d7400

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