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Verhütungspflaster: Vorteile und Nachteile

Wie funktioniert ein Verhütungspflaster? Ist es für mich geeignet? Welche Risiken sind zu beachten? Im folgenden Beitrag finden Sie Fragen und Antworten zum Verhütungspflaster.

Das Verhütungspflaster (z.B. Evra) wird ähnlich wie ein reguläres Heftpflaster auf die Haut geklebt und entlässt kontinuierlich die in ihm enthaltenen Wirkstoffe Östrogen und Gestagen (genauer: Ethinylestradiol und Norelgestromin). Diese Hormonzusammensetzung findet sich auch in der in Tablettenform eingenommenen kombinierten Antibabypille, das heißt, dass das Verhütungspflaster ebenso wie die Pille primär den Eisprung verhindert und somit eine Schwangerschaft (nahezu) unmöglich macht.

Anwendung

Wie genau verwende ich das Verhütungspflaster?

Der beste und sicherste Startpunkt für das Verhüten mit dem Hormonpflaster ist der Beginn Ihrer Periode. Kleben Sie das Pflaster dann einfach innerhalb von 24 Stunden auf. Wenn Sie doch erst ein paar Tage nach Menstruationsbeginn starten, brauchen Sie – nur in diesem allerersten Zyklus – noch für eine Woche eine zusätzliche Verhütung z.B. mit Kondom.

Wenn Sie zuvor mit der Pille oder dem Vaginalring verhütet haben, vollenden Sie einfach noch den angefangenen Verhütungszyklus und applizieren Sie das Pflaster an dem Tag, an welchem Sie sonst mit dem neuen Pillenpäckchen bzw. dem neuen NuvaRing gestartet hätten.

Viele Körperstellen eigenen sich

Das Verhütungspflaster sieht aus wie ein beigefarbenes, quadratisches Heftpflaster mit abgerundeten Ecken. Gute Körperstellen zum Auftragen sind z.B. der Oberarm, der Unterleib, das Gesäß oder der Rücken. Die Brüste sind hier allerdings explizit nicht geeignet.

Wichtig ist, sich eine Stelle auszusuchen, die nicht z.B. vom Gürtel, von BH-Riemen oder Kleidungsnähten gerieben wird. Auch sollte die Hautpartie unversehrt, also nicht spröde, gerissen oder entzündet sein. Und kleben Sie das neue Pflaster bitte nicht exakt an dieselbe Stelle wie das vorangegangene.

10 Sekunden fest andrücken

Vor dem Applizieren (Kleben) des Pflasters sollte die gewählte Hautstelle sauber und trocken sein. Bitte verwenden Sie hier vorher keine Lotionen, Körperöle, Puder oder Make-up.

Öffnen Sie vorsichtig die Einzelverpackung eines Verhütungspflasters und entfernen Sie zunächst nur die eine Hälfte der zweiteiligen durchsichtigen Schutzfolie. Nach dem Verkleben dieser Seite des Pflasters ziehen Sie bitte auch den zweiten Teil der kleinen Schutzfolie ab und drücken Sie das gesamte Pflaster mit der Handfläche 10 Sekunden fest. Eventuelle Fältchen sollten vorab weggestrichen werden.

Das Verhütungspflaster bitte niemals zerschneiden oder auf der Klebeseite abwaschen.

Drei mal eine Woche Pflaster, dann eine Woche Pflasterpause

Ein Verhütungspflaster ist genau für 7 Tage geeignet. Exakt am selben Tag eine Woche später ziehen Sie das alte Pflaster einfach ab und setzen ein neues auf. Das machen Sie bitte an drei nacheinander liegenden Wochen. Danach ist eine Woche Pflasterpause, in welcher Sie die Periode haben werden – bis es genau eine Woche später wieder losgeht.

Eine Memo-Einstellung im Handy oder im Voraus dick eingekringelte Wochentage im Terminkalender können hier hilfreich sein. Bitte denken Sie unbedingt daran, immer nur ein Pflaster gleichzeitig am Körper zu tragen! Prüfen Sie am besten jeden Tag kurz nach, ob das Pflaster noch gut sitzt.

Vor- und Nachteile

Was spricht für und was gegen das Verhütungspflaster?

Einige Vorteile im Vergleich zur Pille…

Anders als die reguläre Pille wird das Pflaster eben nicht über den Speisetrakt eingenommen und verstoffwechselt, sodass typische Magen-Darm-Beschwerden meist ausbleiben. Auch die Notwendigkeit einer täglichen Einnahme entfällt, da man das Pflaster nur einmal wöchentlich wechseln muss. Anwendungsfehler sind somit seltener.

Zudem spielen veränderte Zeitzonen bei Reisen oder kurzfristig vergessene Einzelgaben keine Rolle mehr, wovon gerade beruflich und privat sehr aktive Frauen profitieren. Mehrere internationale Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen, die Erfahrung mit beiden hormonellen Verhütungsmethoden hatten, das Pflaster in den meisten Fällen favorisierten und der Pille vorzogen.

…aber auch einige Nachteile

Obwohl das Verhütungspflaster selbst für Schwimmbad und Sauna geeignet ist und auch im normalen Leben (schlafen, duschen, anziehen) sehr gut auf der Haut hält, besteht natürlich trotzdem die Gefahr, dass es sich bei starker Reibung oder durchnässter Klebefläche im Ausnahmefall doch mal von der Haut löst. Das ist vor allem ungünstig, wenn es einem nicht sofort auffällt und es zwischenzeitlich zum (dann ggf. ungeschützten) Verkehr gekommen ist.

Daneben kann es auch vorkommen, dass die Haut das Pflaster bzw. den Klebestoff nicht optimal verträgt. Auch wenn die meisten Nutzerinnen diesbezüglich keinerlei Probleme haben, kann es bei anderen zu leichten Hautirritationen wie Rötung kommen. Zusammen mit der Frauenärztin/ Frauenarzt sollte im individuellen Fall entschieden werden, ob ein Weiterführen dieser Verhütungsart sinnvoll ist oder ob aufgrund dessen lieber gewechselt werden sollte.

Zu guter Letzt: Im direkten Vergleich zur kombinierten Pille enthält zum Beispiel das Verhütungspflaster Evra einen um rund 60% größeren Anteil Östrogen, wodurch das Thromboserisiko theoretisch erhöht sein könnte. Da weltweite Studien hier allerdings keine eindeutige Datenlage zeigen, kann das individuelle Risiko nur mithilfe des aktuellen Gesundheitsstatus und der Vorgeschichte beim Arzt/ bei der Ärztin ermittelt werden.

Ist das Verhütungspflaster für mich geeignet?

Das Verhütungspflaster eignet sich vor allem für junge, aktive und gesunde Frauen, die die Sicherheit einer hormonellen Verhütung wünschen, aber nicht täglich eine Tablette schlucken wollen. Die Sicherheit ist mit einem Pearl-Index von unter 1 sehr hoch und vergleichbar mit der regulären Pille.

Wie bei jedem Verhütungsmittel hängt auch hier die Sicherheit maßgeblich von der richtigen Benutzung ab – da aber nur viermal im Monat ans Wechseln bzw. Entfernen des Pflasters gedacht werden muss, passieren Anwendungsfehler beim Verhütungspflaster meist deutlich seltener.

Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit – besonders hier

Wenn Sie rauchen und über 35 Jahre alt sind, dürfen Sie das Pflaster (ebenso wie andere hormonelle Verhütungsmittel mit Östrogenanteil) nicht anwenden. In diesem Fall wäre das Risiko für Thrombosen und andere Herzkreislauf-Erkrankungen zu groß. Auch jüngere Raucherinnen sollten ihren Konsum zumindest stark kontrollieren. Grob kann man sagen, dass das Risiko mit zunehmendem Alter plus zunehmender Zigarettenzahl ansteigt.

Körpergewicht von über 90 kg kann die Verhütungssicherheit reduzieren

Daten aus diversen Untersuchungen haben gezeigt, dass unabhängig von der Körperlänge ein Gewicht von über 90 kg die kontrazeptive Wirkung des Hormonpflasters offenbar spürbar senkt. Sicherheitshalber sollten Frauen, deren Waage diesen Wert überschreitet, zu anderen Verhütungsmitteln greifen.

Auch bestimmte Medikamente wie Johanniskraut-Präparate, Anti-Epileptika sowie einige Antibiotika können die empfängnisverhütende Wirkung beeinträchtigen.

Kein Hormonpflaster bei einigen Krankheiten sowie längerer Bettruhe

Bevor Sie mit dem Hormonpflaster starten, sollte sichergestellt sein, dass Sie nicht bereits schwanger sind. Außerdem wird der Arzt bei einigen Erkrankungen (und manchmal auch bereits bei starken familiären Risiken oder Häufungen) keine hormonellen Verhütungsmittel verschreiben. Diese sind insbesondere:

  • Schlaganfall oder Herzinfarkt – inkl. möglicher Risikofaktoren und Vorboten wie starker
  • Bluthochdruck oder Brustenge (Angina pectoris)
  • Blutgerinnsel, d.h. Thrombosen oder Embolien jeglicher Art
  • Brustkrebs sowie andere bösartige Tumore der Geschlechtsorgane
  • Lebertumoren jeder Art sowie Leberentzündung (Hepatitis) und Gelbsucht
  • schwerer Diabetes mellitus mit beginnenden Organschäden
  • Migräneartige Kopfschmerzen mit neurologischen Symptomen

Auch wer eine längere Liegezeit – z.B. infolge einer größeren Operation oder eines Unfalls – einhalten muss, darf in der Zeit keine hormonellen Mittel einnehmen. Sprechen Sie hier bitte immer mit Ihrem Arzt.

Für stillende Frauen ist das Pflaster ebenfalls nicht geeignet, da insbesondere der Östrogenanteil nicht in den kindlichen Organismus gelangen sollte. Und auch wenn eine Frau die Flasche gibt, sollte sie nach einer Entbindung trotzdem mindestens 4 Wochen warten, bevor sie mit Evra startet. In dem Falle zur eigenen Sicherheit, damit es nicht zu Blutungs- oder Gerinnungsstörungen kommt.

Risiken

Welche gesundheitlichen Risiken sollte ich beim Hormonpflaster beachten?

Obwohl das Verhütungspflaster “nur” auf der Haut getragen wird, wird die Hormonkombination über den Blutstrom aufgenommen und kann Begleiterscheinungen bewirken. Neben Hautirritationen durch den Klebestoff des Hormonpflasters berichten Nutzerinnen am häufigsten von folgenden Nebenwirkungen:

  • Brustspannen
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Unterleibsschmerzen
  • Stimmungsschwankungen

Auch kann es insbesondere in den ersten drei Monaten zu leichten Abbruch- und Schmierblutungen kommen.

Wichtig zu wissen: Oft mildern sich die Symptome nach einigen Wochen deutlich ab. Hormonelle Verhütungsmethoden – Pflaster, Pille, Vaginalring – mit den Wirkstoffen Östrogen und Gestagen können Einfluss auf verschiedene Körperfunktionen haben. Diese werden bereits seit Jahrzehnten intensiv erforscht.

Wann Sie besonders aufpassen müssen

Folgende medizinische Aspekte sollten berücksichtigt werden:

  • Blutgerinnsel:

    Das Risiko für sogenannte Thrombosen und Embolien ist bei der Verwendung der Pflaster leicht erhöht, besonders kurz nach Verhütungsstart und wenn noch weitere Faktoren wie Übergewicht, Rauchen und Alter über 35 dazukommen. Frauen, die zum Beispiel bei früheren Schwangerschaften schon zur Bildung von Blutgerinnseln geneigt haben, wird aus diesem Grund von einer hormonellen Verhütung, also auch vom Verhütungspflaster abgeraten. Auch wenn so ein Ereignis insgesamt recht selten und – wenn rechtzeitig erkannt – oft noch gut behandelbar ist, können genauso schnell auch lebensbedrohliche Situationen entstehen. Dieses Thema sollte bei entsprechender Krankheitsneigung also sehr ernst genommen werden, insbesondere, da das Hormonpflaster auch noch rund 60% mehr Östrogen als die Pille enthält.
  • Bettruhe:

    Wenn Sie eine längere Bettruhe z.B. bei schweren Erkrankungen oder Unfällen einhalten müssen, sollte die hormonelle Verhütung in enger Absprache mit Ihrem Arzt unterbrochen werden. Bei geplanten, größeren Operationen wird empfohlen, das Verhütungspflaster 4 Wochen vor und 2 Wochen nach der OP nicht zu verwenden (selbst wenn Sie nicht ständig im Bett liegen müssen).
  • Arteriosklerose:

    Auch wenn faktisch sehr selten, können hormonelle Kontrazeptiva (also Verhütungsmittel wie die Pille, das Hormonpflaster, der Vaginalring etc.) das Risiko einer ernsten Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen – dieses gilt insbesondere für Raucherinnen. Ihr Frauenarzt wird mit Ihnen zusammen abwägen, ob bei Ihnen besondere Sicherheit geboten ist.
  • Leber und Galle:

    Es gibt ein gering erhöhtes Risiko für Gallenblasen- und Lebererkrankungen. So kommen im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung beispielsweise bestimmte Lebertumoren etwas häufiger vor, welche zwar gutartig sind, die aber auch aufplatzen und zu internen Blutungen führen können.
  • Brustkrebsrisiko evtl. leicht erhöht:

    Studien deuten darauf hin, dass hormonelle Kombinationspräparate das Brustkrebsrisiko möglicherweise leicht erhöhen, insbesondere wenn sie in ganz jungen Jahren genommen wurden. Nach Beendigung der Einnahme sinkt das Risiko allerdings auch wieder. Frauen, die die Pille und Co nehmen, sollten die für alle Frauen empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen und monatlichen Selbstkontrollen also gewissenhaft wahrnehmen. Bei Bestehen einer Brustkrebserkrankung in der Vorgeschichte oder einer starken familiären Veranlagung wird in der Regel von hormonellen Kontrazeptiva abgeraten.

Bei aller gebotenen Vorsicht um die Gesundheit braucht man aber auch keine überzogenen Ängste vor Pille und Co haben – gerade wenn man nicht zu einer Risikogruppe gehört. Immerhin verhüten weltweit schon seit Jahrzehnten zig Millionen Frauen erfolgreich und meist ohne jegliche medizinische Probleme mit diesen Methoden.

Thrombose-Risiko durch die Verhütung: Pflaster gefährlicher als die Pille

Über das Thrombose-Risiko durch hormonelle Verhütungsmittel gibt es ganz unterschiedliche Informationen. Die einen sagen, das Risiko wird durch die Pille spürbar erhöht, die anderen, dass das Risiko so minimal steigt, das es kaum erwähnenswert ist. Nun zeigen dänische Wissenschaftler, dass nicht nur die Art und Konzentration der Hormone, sondern auch die Form der Anwendung eine wichtige Rolle bei der Bestimmung der Thrombose-Gefahr spielt.

Im Vergleich: "Pille", Pflaster, Pessar, Vaginalringe und Implantate

Zum Hintergrund: Es gibt ganz unterschiedliche hormonelle Verhütungsmittel: Das sind neben der bekannten Anti-Baby-Pille Hormon-Implantate, Vaginalringe, beschichtete Intrauterinpessare und Pflaster. Alle geben eine bestimmte Menge an Hormonen ab (Östrogen und Gestagen), die in Einzelfällen viel höher ist, als die in einer Pille enthaltene. Gynäkologen an der Universität Kopenhagen haben nun die Daten von 1,6 Millionen Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren im Zeitraum von 2001 bis 2010 überprüft.

Bei denjenigen, die keine Verhütungsmittel benutzten, lag das Risiko für eine Thrombose bei 2,1 Fällen pro 10.000 Frauenjahre (eine etwas eigenartig klingende, aber gängige Maßeinheit). Bei hormonellen Verhütungsmitteln ermittelten die Forscher folgende Fallzahlen (jeweils auf 10.000 Frauenjahre):

  • Hormonpflaster: 9,7
  • Vaginalringe: 7,8
  • "Pille" mit Hormonkombination: 4,5 bis 6,3 (je nach Hormonzusammensetzung)
  • Hormon-Implantate: 1,7
  • beschichtete Intrauterinpessare: 0,6

Hormonpflaster sind also im direkten Vergleich am ungünstigsten, was die Thrombose-Gefahr angeht.

Quellen:

  • BMJ 2012; 344 doi: 10.1136/bmj.e2990

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