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Asthma: Grundlagen und Ursachen

Wird Asthma vererbt? Erhöht Rauchen das Asthma-Risiko für mein Kind? Was hat Asthma mit Allergien zu tun? Können Medikamente einen Asthma-Anfall auslösen? Im folgenden Beitrag beantworten wir Ihnen diese und weitere grundsätzliche Fragen zu Asthma.

Asthma ist eine chronische Erkrankung, bei der sich die Atemwege im Rahmen einer Entzündung und gesteigerten Empfindlichkeit verengen. Bei der Entstehung können unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen. Im Wesentlichen sind zwei Formen von Asthma zu unterscheiden: allergisches und nicht-allergisches Asthma.

Wie häufig ist Asthma?

Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland, von der etwa 5% der Erwachsenen betroffen sind. Bei Kindern und Jugendlichen ist es sogar die häufigste chronische Krankheit. Hierzulande erkrankt etwa jedes zehnte Kind daran.

Bei einem Drittel der betroffenen Kinder treten die ersten Symptome bereits im ersten Lebensjahr auf. Die Mehrheit (80-90%) entwickeln die Krankheit bis zum fünften Lebensjahr.

Bekommen mehr Männer oder mehr Frauen Asthma?

Im Erwachsenenalter erkranken eher Frauen als Männer, im Kindesalter sind es dagegen mehr Jungen als Mädchen. Warum das so ist, ist nicht eindeutig geklärt.

Mit dem Alter verändern sich auch die Asthma-Ursachen: Kinder haben vorwiegend allergisches Asthma, wohingegen Erwachsene mit zunehmendem Alter häufiger nicht-allergisches Asthma bekommen.

Was genau macht bei Asthma eigentlich die Atemwege so eng?

Man stellt sich Asthma ja meist so vor, dass die Atemwege verkrampfen und sich dadurch verengen. Das stimmt auch, ist aber trotzdem nur die halbe Wahrheit. Es kommt nämlich auch noch ein zweiter Verengungs-Faktor hinzu, und das ist Schleim. Der entsteht, wie die Verkrampfung auch, durch die chronische Entzündung der Atemwege.

Alles beginnt mit einer übergroßen Alarmbereitschaft

Wir versuchen mal, das etwas anschaulicher zu erläutern. Alles beginnt damit, dass die Schleimhaut der Atemwege übersensibel ist. Warum es dazu überhaupt kommt, ist bis heute nicht klar, aber das ist der Kern der Asthma-Erkrankung. Die Schleimhaut befindet sich in einer ständigen Alarmbereitschaft und reagiert schon auf kleinste Reize mit heftigen Abwehrattacken. Sogar auf harmlose Reize.

Wie bei jeder gereizten Schleimhaut äußert sich diese ständige Überaktivität in einer vermehrten Durchblutung und Rötung. Außerdem wird, ähnlich wie beim Schnupfen, vermehrt Schleim gebildet und ausgeworfen. Und dieser zähe Schleim verursacht Hustenreiz und Atemnot. Hinzu kommt, dass die chronische Entzündung auch zu einer Verkrampfung der Atemwegsmuskulatur führt. Das sind kleine, von uns nicht willkürlich steuerbare Muskeln, die sich rund um die Bronchien und kleineren Atemwege befinden und deren Weite regulieren. Bei einer asthmatischen Reaktion verkrampfen sie und verengen damit den Durchmesser der Bronchien.

Beides zusammen, die vermehrte Schleimbildung und die Verkrampfung der Atemwegsmuskulatur, führt zu den typischen Beschwerden bei Asthma: Husten, pfeifende Atmung und Luftnot.

Reizstoffe meiden, chronische Entzündung dauerhaft eindämmen

Daraus wird auch klar, warum die Asthma-Behandlung immer auf drei Säulen ruht:

  • Reizung der Atemwege vermeiden (bekannte Allergie-Stoffe, Rauchen etc.)
  • dauerhafte Eindämmung der übergroßen Alarmbereitschaft in den Atemwegen (tägliches Asthma-Spray mit Entzündungshemmer)
  • bei akuten Beschwerden: kurzfristige Erweiterung der Atemwege (Akut-Asthma-Spray mit Wirkstoff, der Atemwege weit stellt)

Was passiert bei einem Asthma-Anfall in den Atemwegen?

Bei einem Asthma-Anfall reagieren die Atemwege auf einen auslösenden Reiz besonders ausgeprägt.

Verkrampfung, Schwellung und zäher Schleim

Bei Asthma kommt es immer wieder zu einer Verengung (Obstruktion) der Atemwege. Dahinter stecken chronische Entzündungsprozesse, die die empfindliche Schleimhaut nachhaltig beeinträchtigen.

Kommt nun ein bestimmter Auslöser von außen hinzu, schwillt die ohnehin schon gereizte Schleimhaut in den Bronchien stark an und produziert viel zähen Schleim. Zusätzlich verkrampfen sich die Muskeln der Atemwege in den Bronchien und der Lunge.

Bei einem Asthma-Anfall passiert in den Atemwegen also folgendes:

  • Die verdickten Atemwegswände ziehen sich zusammen.
  • Die Schleimhaut schwillt an (Ödembildung).
  • Es bildet sich ein zäher Schleim.

Typische Beschwerden

Durch diese drei Faktoren kommt es zu einer akuten Verengung der Atemwege. Vor allem die Ausatmung wird dabei behindert.

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kurkuma + Weihrauch - bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen

Die resultierenden Symptome eines Asthma-Anfalls sind:

  • Engegefühl in der Brust
  • Atemnot
  • starker Husten
  • pfeifende Atmung

Ein Asthma-Anfall ist, soweit er nicht selbst sofort mit einem Spray gemildert werden kann, ein medizinischer Notfall. Sie sollten also unmittelbar ärztliche Hilfe suchen.

Warum ist beim Asthma-Anfall vor allem die Ausatmung behindert?

Bei einem asthmatischen Anfall verkrampft sich die Muskulatur der Atemwege. Zudem schwellen die Schleimhäute der Bronchien an und produzieren mehr Schleim. Die daraus resultierende Verengung der Atemwege hat die Wirkung eines Ventils: Während der Einstrom von Luft noch gelingt, kommt die Luft beim Ausatmen nicht mehr vollständig durch.

Volle Lunge ohne Sauerstoff

Aus diesem Grund bläht sich die Lunge bei einem Asthma-Anfall immer mehr auf (weil mehr Luft rein- als rausströmt), der Sauerstoff-Anteil wird aber immer dünner, weil so viel verbrauchte Luft (die sauerstoffarme Luft, die eigentlich raus soll) in der Lunge verbleibt. Daraus entstehen dann die typische Atemnot und der Husten bei einem Asthma-Anfall.

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Wonach wird der Schweregrad einer Asthma-Erkrankung beurteilt?

Asthma wird in verschiedene Schweregrade unterteilt. Die Einordnung richtet sich dabei nach dem Ausmaß der Beschwerden und den Werten der Lungenfunktion.

Asthma ist bei jedem anders

Man geht heute nicht mehr davon aus, dass Asthma eine einheitliche Erkrankung mit klarem Verlauf ist. Viel zu unterschiedlich sind die Beschwerden jedes einzelnen Betroffenen, als dass man die Erkrankung starr definieren könnte.

Entsprechend variabel ist auch der Schweregrad. Denn die Symptome können in ihrer Ausprägung stark variieren und sich immer wieder ändern. Dabei spielen Umwelteinflüsse und bestimmte allergene Stoffe, aber auch die Ernährung sowie die aktuelle Lebenslage und Stimmung eine große Rolle.

Die Therapie bestimmt den Schweregrad

Der Schweregrad ist also eine sehr variable Größe und kann sich jederzeit auch wieder ändern, zum Guten wie zum Schlechten. Wie schwer Sie anfänglich betroffen sind, lässt sich bei der Diagnosestellung noch gar nicht sagen. Denn die Einteilung richtet sich nach der jeweiligen Behandlung bzw. danach, wie gut jemand darauf anspricht.

Das Pferd wird gewissermaßen von hinten aufgezäumt: Erst wird ausgetüftelt, welche Behandlung Sie brauchen, um dauerhaft möglichst frei von Beschwerden, aber auch von Nebenwirkungen zu bleiben. Anschließend wird Ihnen rückblickend ein Schweregrad zugeordnet.

Leicht, mittel, schwer

Dabei werden heute drei Schweregrade unterschieden:

  • leicht: Hier reicht eine Behandlung nach Therapiestufe 1 oder 2, um die Symptome ausreichend unter Kontrolle zu bringen.
  • mittel: Hier gelingt die Asthmakontrolle unter der Therapiestufe 3 oder 4.
  • schwer: Hier reichen die bisherigen Maßnahmen nicht mehr aus. Therapiestufe 5 kommt zum Einsatz.

Sie sehen, es gibt unterschiedliche Therapiestufen, die genauso flexibel sind wie der Schweregrad. Wenn sich die Beschwerden ändern, kann jederzeit eine Stufe nach oben oder unten gegangen werden.

Der Schweregrad kann, muss sich dadurch aber nicht ändern. Bei einem Wechsel von Stufe 3 auf Stufe 4, in der wiederum eine ausreichende Kontrolle erreicht wird, bleibt es bei einer mittelschweren Ausprägung der Erkrankung.

Alles unter Kontrolle?

Wie gut das Asthma kontrolliert ist, entscheiden bestimmte objektive Parameter der Lungenfunktionsprüfung (Einsekundenkapazität FEV1 und Peak-Flow-Werte), aber auch Sie selbst.

Die wichtigsten Fragen zur Einordnung sind dabei:

  • Wie oft treten Beschwerden auf?
  • Wie lange halten sie an?
  • Ist der nächtliche Schlaf gestört?
  • Gibt es körperliche Einschränkungen?

Bei Bedarf Anpassung der Behandlung

Wichtig ist außerdem, wie oft Sie auf Ihr Bedarfsspray zurückgreifen müssen, das Sie bei akuten Beschwerden anwenden können. Wenn Sie tagsüber selten und nachts nie Beschwerden haben und nur bis zu zweimal in der Woche auf Ihr schnell wirksames Spray zurückgreifen müssen, ist das Asthma bei Ihnen unter Kontrolle.

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Haben Sie häufiger und auch nachts Beschwerden, brauchen Sie Ihr Spray öfter und sind Sie in Ihrer Aktivität eingeschränkt, ist die Erkrankung außer Kontrolle geraten. Das Therapiekonzept muss dann überdacht und angepasst werden. Ggf. ändert sich auch der Schweregrad.

Wichtig ist, wie es Ihnen geht

Sie sehen also, Schweregrad, Kontrolle und Therapiestufe hängen eng miteinander zusammen, müssen aber nicht übereinstimmen. Entscheidend für Sie ist vor allem, dass Sie Ihre Beschwerden möglichst gut in den Griff bekommen, egal, wie schwer Sie betroffen sind. Dazu müssen Sie sich aber aktiv an der Behandlung beteiligen und Ihrem Arzt immer wieder Rückmeldung geben, wie Sie damit momentan zurechtkommen.

Asthma-Schweregrad bei Kindern

Auch bei Kindern und Jugendlichen unterteilen Ärzte Asthma prinzipiell in mehrere Schwergrade. Allerdings nicht genau nach den gleichen Kriterien wie bei Erwachsenen.

Denn bei Kindern und Jugendlichen ist die Diagnose und Zuordnung zu einem Schweregrad nicht immer so einfach, da je nach Alter und aufgrund der häufigen Atemwegsinfekte die Beschwerden häufig nur episodenartig auftreten. Erst ab Schweregrad 2 liegt vermutlich eine chronische Entzündung mit dauerhaft überempfindlichen Atemwege vor.

Was ist Asthma vom Schweregrad 1?

Heutzutage wird die Einteilung in Schweregrad 1 bis 3 kaum mehr verwendet. Ganz einfach deshalb, weil sie wenig aussagekräftig ist. Unterschiedliche Ausprägungen von Asthma gibt es aber natürlich immer noch.

Schweregrad je nach nötiger Therapie

Und zwar leicht, mittel und schwer. Entscheidend sind dabei weiterhin die Beschwerden und die Ergebnisse der Lungenfunktionsmessung. Hinzu kommt allerdings, wie gut die Erkrankung unter einer bestimmten Behandlung kontrolliert werden kann.

In die Beurteilung fließt also die Therapie bzw. das jeweilige Ansprechen auf die Medikamente ein. Daher ist der Schweregrad immer nur rückblickend zu beurteilen und kann sich auch wieder ändern, wenn die Behandlung nicht mehr ausreicht und ausgeweitet werden muss oder umgekehrt entschärft werden kann. Beides ist jederzeit möglich.

Was es mit der Kontrolle auf sich hat

Ein leichter Schweregrad, wie er am ehesten dem früheren Grad 1 entspricht, liegt dann vor, wenn das Asthma unter der Therapiestufe 1 oder 2 gut unter Kontrolle zu bringen ist. Das heißt, entweder reicht dafür allein ein Spray bei Bedarf oder es wird ein niedrig dosiertes Kortisonspray als Dauertherapie eingesetzt.

Vielleicht fragen Sie sich, was es denn mit der Kontrolle auf sich hat. Genau hier kommen die früheren Kriterien der Schweregradeinteilung ins Spiel. Denn ob die Erkrankung als kontrolliert gilt, bemisst sich an den Parametern der Lungenfunktion wie auch an Ihrer eigenen Einschätzung. Kontrolliert heißt so viel wie:

  • normale Lungenfunktionswerte
  • maximal zweimal pro Woche Symptome tagsüber
  • keine nächtlichen Beschwerden
  • maximal zweimal pro Woche Bedarfsspray
  • keine Einschränkung der Aktivität im Alltag

Was ist Asthma vom Schweregrad 2?

Einen Schweregrad 2 bei Asthma gibt es genau genommen nicht mehr. Das heißt nicht, dass die Erkrankung nicht unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Sie wird heute aber anders eingeteilt.

Aus den Schweregraden 1 bis 4 ist schlicht ein leicht-, mittel- und schwergradiges Asthma geworden. Wenn Sie sich jetzt fragen, was das soll, ist das vollkommen berechtigt. Allerdings haben sich die Erfinder dabei durchaus etwas gedacht.

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Entscheidend ist, welche Therapie benötigt wird

Die neue Einteilung ist weniger statisch und bezieht die jeweilige Behandlung mit ein. Je nach dem, wie gut jemand auf eine bestimmte Therapie (eingeteilt wiederum in fünf Stufen) anspricht, ergibt sich daraus der Schweregrad. Er ist ebenso variabel wie die Therapie auch.

So kann es zum Beispiel sein, dass ein Betroffener nach langer Zeit irgendwann mit den Maßnahmen der Therapiestufe 2 nicht mehr auskommt und eine höhere Stufe benötigt. Das würde in diesem Fall einen Wechsel von einem einzelnen Wirkstoff auf eine Kombinationsbehandlung bedeuten. Reichen die Stufe 3 oder Therapiestufe 4 aus, um sein Asthma fortan zu kontrollieren, gilt es als mittelschwer, was am ehesten dem früheren Schweregrad 2 entspricht, möchte man unbedingt Äpfel mit Birnen vergleichen.

Ein wichtiges Kriterium: Symptomkontrolle

Die früheren Parameter zur Beurteilung des Schweregrads sind aber noch immer wichtig. Sie geben jetzt allerdings nicht mehr die Ausprägung der Erkrankung, sondern den Grad der Symptomkontrolle wieder.

Sind Sie noch dabei? Folgende Erläuterung, um Sie nicht gänzlich zu verwirren:

Wie gut Asthma kontrolliert ist, hängt zum einen von der Lungenfunktion ab und zum anderen von Ihren eigenen Angaben – genau die Kriterien, die früher den Schweregrad bestimmt haben. Kontrolliert ist die Erkrankung ganz allgemein, wenn wenig Beschwerden bestehen und die Lungenwerte soweit normal sind. Mit welcher Therapiestufe das wiederum erreicht wird, entscheidet über den Schweregrad:

Was ist Asthma vom Schweregrad 3?

Von einem Schweregrad 3 beim Asthma spricht heute eigentlich keiner mehr. Statt 1 bis 4 gibt es nach der aktuellen Einteilung ein leichtes, mittelgradiges und schweres Asthma.

Die Behandlung fließt mit ein

Das ist kein rein akademisches Geplänkel, sondern hat durchaus seinen Grund. Während die frühere Schweregradeinteilung lediglich einer ersten Einschätzung direkt nach der Diagnosestellung diente, bezieht die neue Systematik die jeweilige Behandlung mit ein. Dadurch eignet sie sich viel besser zur langfristigen Verlaufsbeobachtung.

Leichtes Asthma bedeutet dabei, dass die Erkrankung unter geringfügigen Maßnahmen (Therapiestufe 1 bis 2) kontrollierbar ist. Beim mittelgradigen Asthma werden schon mehr Medikamente oder höhere Dosierungen benötigt (Therapiestufe 3 bis 4). Beim schweren Asthma sind alle bisherigen Versuche nicht mehr ausreichend, um die Symptome zu kontrollieren. Hier greift Therapiestufe 5.

Therapie und Schweregrad je nach Asthmakontrolle

Auf die einzelnen Therapiestufen möchten wir an dieser Stelle nicht näher eingehen. Nur noch ein Wort zur Asthmakontrolle. Sie ist der entscheidende Parameter zur Einschätzung des Schweregrads wie auch für die geeignete Therapieauswahl. Hier kommen die früheren Kriterien der unterschiedlichen Schweregrade wieder ins Spiel: Wie gut Asthma kontrolliert ist, hängt zum einen von den objektiven Ergebnissen der Lungenfunktion ab und zum anderen von Ihrer persönlichen Einschätzung (Beschwerden, Bedarf an schnell wirksamen Sprays, Einschränkung im Alltag).

Was ist ein schweres Asthma?

Was genau schweres Asthma ist, ist gar nicht so leicht zu definieren. Bei der Einteilung in verschiedene Schweregrade der Erkrankung kommt es grundsätzlich darauf an, mit welchen Behandlungsmaßnamen sie sich ausreichend kontrollieren lässt.

Wenn die Therapie immer intensiver wird

Bei einem schweren Asthma reichen die Therapiestufen 1 bis 4 nicht mehr aus, um die Symptome zu lindern und akute Anfälle zu vermeiden. Das heißt, auch eine Kombinationsbehandlung aus verschiedenen Wirkstoffen in hoher Dosierung kann die Erkrankung nicht unter Kontrolle bringen.

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So kommt es etwa trotz intensiver Behandlung immer wieder zu drastischen Verschlechterungen (Exazerbationen). Auch wenn eine Atemwegsobstruktion bestehen bleibt, die Atemwege also weiterhin blockiert sind, liegt ein schweres Asthma vor.

Von einer schweren Form sprechen Experten aber auch dann, wenn sich das Asthma verschlechtert, sobald die hochdosierte Mehrfachtherapie reduziert wird. Ein drittes Kriterium ist schließlich der Einsatz von Therapiestufe 5. Hier werden neuere Medikamente verordnet, sogenannte Biologika, oder das Kortison, das bisher als Spray verabreicht wurde, wird jetzt als Tablette gegeben. Dadurch wirkt es stärker, verursacht aber auch mehr Nebenwirkungen.

Viele Experten, viele Meinungen

Das ist zumindest weitgehend der Konsens der internationalen Fachgesellschaften. Ganz einig ist man sich in unterschiedlichen Fachkreisen allerdings nicht, was eine hohe Dosierung genau ist. Hier geben die einen mehr, die anderen weniger an.

Daneben gibt es Stimmen, die bezweifeln, ob man überhaupt eine eigenständige Form des schweren Asthmas definieren sollte oder ob darunter nicht einfach sämtliche schwere Verläufe der einzelnen Asthmaformen zu verstehen sind. Denn Asthma ist bei weitem keine einheitliche Erkrankung. Sie hat jeweils unterschiedliche Ursachen und Auslöser, verläuft bei jedem individuell anders und kann in ihrer Intensität stetig wechseln.

Das Konzept der WHO

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht wiederum einen eigenen Vorschlag dafür, was ein schweres Asthma sein soll. Sie unterscheidet drei Untergruppen:

  • ein schweres Asthma, das deswegen schwer ist, weil es nicht behandelt wird
  • ein Asthma, das schwer zu behandeln ist, sei es durch mangelnde Mitarbeit der Betroffenen, anhaltende äußere Einflussfaktoren oder aufgrund von erschwerenden Begleiterkrankungen
  • ein sogenanntes therapierefraktäres Asthma, das sich trotz maximaler Behandlung nicht in den Griff bekommen lässt

Wirklich schwer oder nur schlecht behandelt

Kurzum, Asthma kann schwer sein, weil die Erkrankung wirklich so ausgeprägt und die Atemwege so stark betroffen sind, dass selbst mit intensivster Behandlung keine ausreichende Besserung erzielt werden kann. Oder aber, die Behandlung erfolgt schlicht nicht adäquat, obwohl das Asthma eigentlich gut zu kontrollieren wäre.

Das kann zum einen daran liegen, dass eine Therapiestufe irgendwann nicht mehr ausreicht, was jederzeit geschehen kann (wie übrigens auch umgekehrt die Behandlung manchmal eine Stufe reduziert werden kann). Dann muss der Arzt zusammen mit Ihnen einen neuen Behandlungsplan erstellen.

Oder aber die Einnahme der Medikamente bzw. Sprays erfolgt nicht korrekt. Und hier sind Sie gefragt.

Es liegt auch in Ihrer Hand

Die Therapie beim Asthma ist außer bei sehr leichten Formen in der Regel eine Langzeitbehandlung. Das erfordert im wahrsten Sinne des Wortes einen langen Atem von Ihnen.

Sie müssen die Sprays regelmäßig und mit der richtigen Technik einnehmen, damit die Wirkstoffe auch da ankommen, wo sie hin sollen. Das ist auch dann wichtig, wenn Sie gerade gar keine Beschwerden haben – gerade dann! Denn es ist genau das Ziel der Asthmabehandlung, dass Sie mit den entsprechenden Maßnahmen beschwerdefrei sind.

Damit das dauerhaft so bleibt, ist die stetige Therapie unumgänglich. Denn Asthma ist eine chronische Erkrankung, die fortbesteht und unbehandelt schwere Verläufe nehmen kann.

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Wird Asthma vererbt?

In den meisten Fällen liegt der Entwicklung von Asthma eine Allergie zugrunde. Auch Luftschadstoffe können an der Entstehung von Asthma beteiligt sein. Daneben spielen aber auch die Gene eine Rolle.

Je mehr Verwandte betroffen, umso höher das Risiko

Konkret: Das Erkrankungsrisiko liegt etwa dreimal höher, wenn ein Elternteil Asthmatiker ist. Leiden beide Eltern an Asthma, steigt das Risiko für das Kind sogar auf das Siebenfache. Auch wenn Geschwister oder (mehrere) weiter entfernte Verwandte sich mit Asthma plagen, steht der Sprössling unter erhöhtem Risiko, selbst Asthma zu bekommen.

Verringert Stillen das Asthma-Risiko?

Es ist nach wie vor umstritten, ob Stillen vor einer späteren Asthmaerkrankung schützt oder nicht. Wie so oft, gibt es Studien, die das eine und solche, die das Gegenteil belegen sollen. Fest steht, dass die Ernährung bei der Entstehung von Asthma eine wichtige Rolle spielt.

Und das fängt bereits in der Schwangerschaft an. Je nachdem, wie sich die Mutter ernährt, hat das auch Auswirkungen auf das Ungeborene. Das gilt im übrigen nicht nur für Asthma, sondern auch für zahlreiche andere potentielle Erkrankungen. Noch im Bauch der Mutter wird der Grundstein für die Startbedingungen und die spätere Entwicklung des Embryos gelegt.

Empfehlung: 4-5 Monate stillen

Für das Neugeborene gilt die Muttermilch grundsätzlich als die beste Form der Ernährung. Sie enthält alles, was das Kind zum Wachsen und Gedeihen braucht. Daher wird für die ersten 4 bis 5 Monate empfohlen, Kinder ausschließlich zu stillen. Das ist jedoch eine allgemeine Empfehlung, die nicht speziell auf die Vermeidung von Asthma zielt.

Rund um Schwangerschaft, Stillzeit und Ernährung gibt es einige recht interessante Studien. So wurde beispielsweise untersucht, ob sich der Allergengehalt in der Ernährung von Schwangeren oder Stillenden auf das spätere Asthmarisiko auswirkt. Bislang konnte jedoch kein Zusammenhang gefunden werden.

Außerdem wurden sogenannte hypoallergene Säuglingsnahrungen, auch Hydrolysatnahrungen (HA-Nahrungen) untersucht, deren Antigengehalt reduziert ist. Auch hier zeigte sich kein nennenswerter Effekt in Bezug auf eine spätere Asthmaerkrankung.

Nahrungsergänzung für die Mutter, Beikost fürs Kind

Auch Nahrungszusätze in Schwangerschaft und Stillzeit können nach neueren Studien zur Allergieprävention und zum Teil auch explizit zur Vermeidung von Asthma beitragen. Dazu zählen etwa Pro- bzw. Präbiotika (zugeführte lebende Mikroorganismen bzw. Substanzen, die das körpereigene Darmmilieu positiv beeinflussen) und ungesättigte Fettsäuren wie Omega 3. Auch die Zufuhr von Vitamin D und Vitamin E während der Schwangerschaft scheint sich günstig auf das Risiko von Atemwegserkrankungen auszuwirken.

Was die Beikost anbelangt, hat sich eine verzögerte Einführung erst nach dem vierten Monat zur Allergieprävention nicht bewährt. Entwarnung gibt es hingegen bei allergenreichen Nahrungsmitteln wie Milch, Eiern und Fisch für den Säugling. Erlaubt ist alles, was schmeckt.

Bei der Beikost darf deswegen ausprobiert, experimentiert und gerne auch selbst gekocht werden. Das schärft die Geschmackssinne und macht das Kind auch in Zukunft offener für unbekannte Lebensmittel. Stillen sollten Sie noch eine Zeit lang parallel zur Beikost. Wie lange, entscheiden Sie und Ihr Kind.

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Stimmt es, dass Rauchen in der Schwangerschaft das Asthma-Risiko der Kinder erhöht?

Schwanger sein und rauchen passt generell nicht zusammen und kann dem Kind in vielerlei Hinsicht schaden. Das Asthmarisiko des Kindes steigt dadurch enorm. Kommt hinzu, dass in der Familie bereits Asthma vorkommt, steigt das Risiko sogar um das 20fache.

Klarer Beleg für die Schädlichkeit von Zigaretten

Dass Rauchen in der Schwangerschaft schädlich ist und das Ungeborene massiv gefährdet, haben viele Studien nachgewiesen. Dennoch rauchen zu Beginn der Schwangerschaft in Deutschland noch rund 30% der Frauen. Und nur die Hälfte davon schafft es, in den nächsten Monaten dem Nikotin abzuschwören. Eine neue Studie belegt nun, wie wichtig der frühestmögliche Ausstieg ist.

Die Gefahren, die Rauchen in der Schwangerschaft für das Ungeborene heraufbeschwören, reichen von Fehlbildungen und Wachstumsstörungen über Zellschäden, Allergien und Entzugserscheinungen bis hin zu Verhaltensproblemen und späteren Krebserkrankungen. Auch Passivrauchen, also der Aufenthalt in verräucherten Räumen (zum Beispiel, wenn der Partner raucht), erhöht all diese Risiken.

Um 50% höhere Gefahr für Asthma

Eine US-amerikanische Studie bestätigt, wie wichtig es ist, die Finger möglichst früh von der der Zigarette zu lassen. Untersucht wurden 2.500 Frauen und deren Kinder im Alter zwischen 8 und 17 Jahren. Die Kinder der Frauen, die während ihrer Schwangerschaft geraucht hatten, waren um 50% häufiger von Asthma betroffen. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Mütter nur während des ersten Drittels oder auch noch während des letzten Drittels der Schwangerschaft geraucht hatten. Am ausgeprägtesten war die Gefahr für kindliches Asthma aber, wenn die Mutter während der gesamten Schwangerschaft weiter geraucht hatte.

Es gibt also nur eine Lösung: aufhören! Übrigens: Auch den Enkeln zuliebe. Denn selbst Kinder, deren Großmütter während der Schwangerschaft rauchten, haben ein etwa doppelt so hohes Asthmarisiko – auch wenn die Mutter nicht geraucht hat.

Stimmt es, dass Rauchen der Eltern das Asthma-Risiko der Kinder erhöht?

Ja, und nicht nur das. Passivrauchen ist für Kinder prinzipiell schädlich. Sie sollten unbedingt vermeiden, dass Ihr Kind regelmäßig von Tabakqualm umgeben ist.

Vor allem, wenn die Kinder noch klein sind, kann Zigarettenrauch ihr Immunsystem dauerhaft schädigen. Besonders Jungen bekommen dann als Erwachsene häufiger Asthma oder eine chronische Bronchitis.

Im übrigen ist das Rauchen auch für Sie selbst kein Lebensverlängerer, aber das werden Sie wahrscheinlich wissen. Aber Sie können immerhin selbst entscheiden, ob Sie sich dem Qualm aussetzen, Ihre Kinder nicht.

Kann man durch Rauchen Asthma bekommen?

Ja. Zumindest wird durch Rauchen die Wahrscheinlichkeit, Asthma zu bekommen, erhöht. Das fängt schon während der Schwangerschaft und Stillzeit an. Bei Müttern, die rauchen, entwickeln die Kinder deutlich häufiger Probleme mit den Atemwegen und der Atmung als das normalerweise der Fall ist. Und sie bekommen auch auf längere Sicht häufiger Asthma. Das wurde in mehreren Studien nachgewiesen.

Schlechtere Prognose für Raucher

Aber auch bei Kindern oder Erwachsenen, die bereits Asthma haben, ist Rauchen ein großes Problem. Sowohl Passivrauchen (asthmakrankes Kind lebt in Wohnung mit rauchenden Eltern) als auch aktives Rauchen verschlimmern die Erkrankung. Tabakrauch kann akute Asthma-Anfälle auslösen. Und was fast noch bedrohlicher ist: Der ständige Reiz der Atemwege mit Zigarettenrauch führt auch zu einer insgesamt schlechteren Prognose.

Während man normalerweise mit Asthma keine Einschränkung der Lebenserwartung befürchten muss, kann Rauchen oder ständiges Passivrauchen die Erkrankung so verschlimmern, dass eine COPD daraus wird: eine chronische Schädigung der Lungen, die nicht mehr reparabel ist. Und eine COPD ist wegen der chronischen und ausgeprägten Atemnot nicht nur extrem belastend, sondern auch lebensbedrohlich.

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Lange Rede, kurzer Sinn: Es lohnt sich unbedingt, mit dem Rauchen aufzuhören. Zumal ja neben Atemwegserkrankungen auch noch andere Dinge drohen, die man nicht haben möchte.

Stimmt es, dass Frauen mit einer frühen ersten Regelblutung häufiger Asthma bekommen?

Zumindest lässt eine Studie das vermuten. Demnach haben Frauen, die ihre erste Menstruation bereits mit zehn Jahren oder noch früher bekamen, eine deutlich geringere Lungenkapazität als Frauen, die ihre erste Regelblutung erst mit 13 Jahren hatten.

Aber auch andere Faktoren wie Rauchen, geringes Geburtsgewicht und Übergewicht können die Lungenfunktion beeinträchtigen.

Stimmt es, dass zuviel Hygiene Asthma fördern kann?

Anscheinend ja. Studien haben gezeigt, dass Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen, seltener Heuschnupfen und Asthma bekommen als Kinder aus einer „sauberen“ Umgebung. Und auch Kinder aus "gehobenen sozialen Schichten" erkranken häufiger.

Kein Beweis, aber sehr wahrscheinlich

Zwar sind alle diese Studien, die übrigens auch für das Erkrankungsrisiko von Allergien gelten, nicht beweisend, weil ein kausaler Zusammenhang nicht eindeutig nachgewiesen werden kann. Aber es spricht einiges dafür, dass die Grundannahme stimmt.

Die Rationale dahinter: Besonders für die Jüngsten ist eine Portion Dreck wichtig: Während sie Erde schaufeln und Baggermatsch verkosten, sind sie ständig mit Keimen konfrontiert. Das Immunsystem gewöhnt sich an harmlose Bakterien und reagiert nicht mehr auf sie.

Antibiotika im ersten Lebensjahr erhöhen Asthma-Risiko

Kinder, die im ersten Lebensjahr mit Antibiotika behandelt werden, bekommen später häufiger Asthma. Das ist das Ergebnis einer zusammenfassenden Analyse mehrerer großer Studie zu diesem Thema.

Die Daten von rund 12.000 Kindern flossen in diese Analyse ein. Der Zusammenhang war eindeutig: Wurden die Babys und Kleinkinder in ihrem ersten Lebensjahr wegen eines Infekts mit Antibiotika behandelt, erkrankten sie um 50% häufiger an Asthma.

Warum das so ist, darüber wird noch spekuliert. Vermutet wird einerseits, dass die Antibiotika das Immunsystem negativ beeinflussen. Aber auch eine Veränderung der sogenannten Darmflora, also der im Darm lebenden Bakterien, gilt als heißer Favorit auf Ursache des erhöhten Asthma-Risikos.

Wie dem auch sei: Die Studie liefert ein weiteres Argument, mit dem Einsatz von Antibiotika zurückhaltend zu sein – auch und gerade im Kleinkindalter.

Höheres Asthma-Risiko bei Kindern mit Übergewicht

Kinder mit Übergewicht bekommen häufiger Asthma. Das hat eine US-amerikanische Studie ergeben. Wenn Kinder während der Schulzeit zu dick sind, erhöht sich ihr Risiko, später Asthma zu bekommen, um das Zwei- bis Dreifache. Zudem sind dicke Kinder auch schwieriger zu behandeln.

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Dass Übergewicht im Kindesalter das Auftreten von Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes im Erwachsenenalter fördert, war schon zuvor bekannt. Doch nun gesellt sich auch Asthma zu diesen Folgeerkrankungen hinzu.  Aber was hat Asthma mit Übergewicht zu tun? Die US-Forscher vermuten, dass die mit Übergewicht einhergehenden Entzündungsprozesse im Körper die Ursache sind.

Und eine zweite schlechte Nachricht kommt noch hinzu: Auch die Behandlung des Asthmas ist bei dicken Kindern erschwert. In einer Vergleichsstudie mit rund 1.000 asthmakranken Kindern sprachen diejenigen von ihnen, die übergewichtig waren, deutlich schlechter auf die Kortison-Sprays an.

Asthma-Gefahr durch Babyschwimmen?

Das Umweltbundesamt empfiehlt Eltern von besonders allergiegefährdeten Kindern, in den ersten zwei Lebensjahren aufs Babyschwimmen zu verzichten. Der Grund: Ein in Schwimmbädern durch Chlor entstehender Stoff steht im Verdacht, die Entwicklung von Asthma zu begünstigen.

Es geht um Trichloramin. Dieser Stoff entsteht, wenn Chlor auf Körperausscheidungen wie Urin, Hautschuppen oder Schweiß trifft. Kurzum, diese Substanz entsteht in Schwimmbädern praktisch immer. Sie erzeugt den typischen "Chlorgeruch" (der also eigentlich ein "Trichloramin-Geruch" ist).

Vorsicht nur bei Kleinkindern aus "Allergie-Familien"

Da der Zusammenhang zwischen Trichloramin und Asthma noch nicht bewiesen ist, ist die Empfehlung des Umweltbundesamtes als Vorsichtsmaßnahme zu betrachten. Bei Kleinkindern, in deren Familie Allergien deutlich gehäuft auftreten oder zum Beispiel beide Eltern schwere Allergiker sind, ist der Verzicht auf den Schwimmbadbesuch mit den Kleinen ernsthaft zu erwägen. Für alle anderen besteht nach jetzigem Kenntnisstand kein Grund, aufs Schwimmen oder aufs Babyschwimmen zu verzichten.

Eine weitere gute Vorsichtsmaßnahme: Nach dem Schwimmen immer gründlich duschen.

Wie entsteht ein allergisches Asthma?

Eine Allergie entsteht, wenn das körpereigene Abwehrsystem auf bestimmte, eigentlich harmlose Substanzen und Umweltreize übersteigert reagiert. Während der Kontakt mit diesen sogenannten Allergenen für die meisten Zeitgenossen ohne jegliche Folgen bleibt, führen sie bei Menschen mit allergischer Veranlagung bereits in niedriger Konzentration zu überschießenden Abwehrreaktionen, die in das Krankheitsbild der Allergie münden.

Oft beginnt es nicht mit Asthma

Die Allergie-auslösenden Substanzen gelangen auf unterschiedlichen Wegen in den Körper, etwa durch Einatmung mit der Luft (Inhalationsallergene, z.B. Blütenpollen oder Hausstaub), über den Mund (z.B. Nahrungs- und Arzneimittel) oder über die Haut (z.B. bestimmte Metalle). Und sie führen in verschiedenen Körperorganen zu Krankheitserscheinungen. Dabei sind neben der Haut, den Augen oder dem Verdauungssystem häufig die Atemwege betroffen – in Form des allergischen Asthma bronchiale.

Häufig entsteht dabei das Asthma aber gar nicht als erstes Symptom. Typisch ist vielmehr, dass sich die allergische Neigung zunächst auf der Haut (z.B. Neurodermitis) in der Nase (Heuschnupfen) manifestiert und im Falle des Heuschnupfens erst mit der Zeit die Atemwege herunterwandert und dort asthmatische Beschwerden auslöst. Mediziner nennen das auch gern Etagenwechsel.

Ist Asthma immer mit einer Allergie verbunden?

Nein, allerdings in den meisten Fällen. Bei ungefähr 70-80% aller Menschen mit Asthma liegt auch eine Allergie vor. Man spricht hierbei auch von allergischem oder extrinsischem Asthma.

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Entsteht Asthma ohne Vorhandensein einer Allergie, nennt man das endogenes Asthma oder intrinsisches Asthma. Die ursächlichen Faktoren sind hier von Fall zu Fall unterschiedlich. Meist sind es unspezifische Reizstoffe, die die asthmatischen Symptome auslösen, z.B.:

  • kalte Luft
  • Stress
  • Tabakqualm
  • Abgase
  • chemische Reizstoffe

Auch Medikamente, vor allem Schmerzmittel, werden z.T. als Auslöser ermittelt.

Menschen mit nicht-allergischem Asthma haben überzufällig häufig Polypen in der Nase oder chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen.

Wie entsteht nicht-allergisches Asthma?

Beim nicht-allergischen Asthma sind es, wie der Name schon sagt, keine Allergene, die die Bronchien dauerhaft in Alarmbereitschaft halten. Auslöser sind hier stattdessen Reize wie kalte oder verunreinigte Luft, Tabakrauch, Stress oder körperliche Belastung.

Meist sind gleichzeitig auch die Nasennebenhöhlen chronisch entzündet. Über die Jahre entwickelt sich dann eine chronische Überreizung der Atemwege.

Nicht-allergisches Asthma entwickelt sich oft erst später im Leben, jenseits der 30. Lebensjahres. Typischerweise beginnt alles mit einem viralen Atemwegsinfekt.

Was ist ein Etagenwechsel?

Wenn der alljährliche Heuschnupfen plötzlich zum quälenden Reizhusten wird, dazu Druck oder Engegefühl in der Brust sowie Atembeschwerden kommen, dann hat die Allergie „die Etage gewechselt“: von der Nase runter in die tieferen Atemwege, die Bronchien.

Husten und Atembeschwerden sind dann Zeichen des beginnenden Asthmas. Auch bei Allergien gegen Tierhaare oder Hausstaubmilben kann es zum Etagenwechsel vom chronischen Schnupfen zum Asthma kommen – aber eher schleichend.

Schützt Dreck vor Allergien und Asthma?

Darüber wird seit Jahren heftig gestritten. Fest steht, dass Kinder, die in eher unhygienischer Umgebung aufwachsen, seltener Allergien und allergisches Asthma bekommen. Das gilt sowohl für Kinder in Entwicklungsländern (Asthma ist vor allem eine Erkrankung der modernen Industrienationen) als auch für Kinder, die auf Bauernhöfen groß werden.

Warum das so ist, ist aber noch nicht wirklich klar. Es gibt viele Vermutungen und Erklärungsansätze, aber noch keine Beweise. Dennoch verdichten sich die Hinweise in folgende Richtung:

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Erklärungsansätze rund um die Hygiene

  • Um so weniger Kinder sich mit Mikroorganismen wie Bakterien und Viren herumschlagen müssen, um so eher bekommen sie Allergien und Asthma. Weil das Immunsystem nicht ausreichend trainiert wird und dann auf banale Umweltstoffe überreagiert. Asthma ist demzufolge eine Folge der Über-Hygiene, in der unsere Abwehrzellen "verweichlichen".
  • In die gleiche Richtung geht ein weiterer Erklärungsansatz: Die Antibiotika sind schuld. Weil wir sie zu umfangreich einsetzen, also nicht nur dann, wenn es wirklich notwendig ist. In dem wir selbst harmlose Infekte breitflächig mit Antibiotika ausmerzen, wird der Kontakt zu Erregern unterbunden, die das Immunsystem eigentlich als Training braucht.

Ein Beispiel sind die sogenannten Magenkeime aus der Familie "Helicobacter". Seit man weiß, dass die für Magengeschwüre verantwortlich sein können, werden sie erfolgreich mit Antibiotika vertrieben. Oft auch ohne Not, also ohne dass überhaupt Beschwerden vorliegen. Helicobacter ist aber in der Regel ein völlig harmloser Mitbewohner im Magen. Der möglicherweise dem Immunsystem sogar gut tut.

Haushalts-Sprays erhöhen Asthma-Risiko

Eine europaweite Studie stützt die Hygiene-Theorie: Bei über 4.000 beobachteten Teilnehmern zeigte sich, dass der regelmäßige Einsatz von Haushaltssprays das Asthma-Risiko deutlich erhöht. In Haushalten, in denen einmal pro Woche solche Sprays zur Reinigung von Fenstern, Möbeln, Öfen oder auch einfach nur der Raumluft zum Einsatz kommen, erkranken die Bewohner demnach um 40% häufiger an Asthma. Bei einem Spray-Einsatz alle zwei Tage steigt die Risikozunahme gar auf 70%. Das betrifft natürlich vor allem die Kinder in solchen Haushalten.

Die Studie konnte nicht beantworten, ob das an den Chemikalien in den Sprays oder an der entstehenden Sauberkeit lag, aber einiges spricht für letzteres.

Nun kann man natürlich nicht seine Wohnung verdrecken lassen und komplett auf Antibiotika verzichten, um einen mittelalterlichen Zustand ohne Allergien und Asthma wiederherzustellen. Damals starben die Menschen sehr viel früher als wir heute, unter anderem weil man Infekten völlig schutzlos ausgeliefert war. Aber ein etwas bewussterer Umgang mit dem Thema Sauberkeit und Hygiene und eine gewisse Lockerheit, wenn das Kind im Dreck spielt, ist wahrscheinlich sinnvoll.

Warum schützen Bakterien vor Allergien und Asthma?

Wissenschaftler haben dafür eine recht einleuchtende Erklärung: In früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden musste das Immunsystem so liebenswerte Zeitgenossen wie Spulwürmer, Bandwürmer, Hakenwürmer, Blutegel sowie zahlreiche weitere gefährliche Krankheitserreger bekämpfen, die es heute kaum noch gibt.

Beschäftigung fürs Immunsystem

Das Immunsystem hatte also keine Zeit, sich um Banalitäten wie Katzenhaare oder Hausstaubmilben zu kümmern. Heute hat das Abwehrsystem des Körpers dagegen kaum noch zu tun. Jeder Kontakt mit Dreck und Keimen trägt somit dazu bei, dass das Immunsystem nicht aus Langeweile schwere Geschütze gegen harmlose Dinge auffährt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie Ihr Kind mit Absicht irgendwelchem Unrat aussetzen sollten. Aber es bedeutet schon, dass übertriebene Hygiene auch eher schadet. Nicht von ungefähr bekommen Kinder, die auf Bauernhöfen groß werden, deutlich seltener Allergien.

Asthma und Allergien: Direkter Zusammenhang mit dem Bruttosozialprodukt

Ungesunde Ernährung mit viel Fast Food und ein Aufwachsen in einer wirtschaftlich florierenden Region – das sind die zwei Nährböden, auf denen Allergien und Asthma entstehen. So zumindest lautet das Ergebnis einer großen, weltweiten Beobachtungsstudie zu diesen Erkrankungen. Bei denen es sich demnach um klassische Wohlstandserkrankungen handelt.

Klassische Wohlstandserkrankungen

Die sogenannte ISAAC-Studie läuft jetzt schon seit vielen Jahren. In 106 Ländern wurden seitdem über 2 Millionen Kinder und Jugendliche untersucht und deren Eltern befragt. Und das zentrale Fazit: Je höher das Bruttosozialprodukt eines Landes, desto höher ist die Häufigkeit von Allergien, Heuschnupfen und Asthma. Ein Beispiel: In England oder den USA ist die Asthma-Rate bei Kindern und Jugendlichen bis zu zehnmal höher als in Albanien.

Die englischsprachigen Länder liegen fast durchweg auf den vorderen Plätzen, was die Häufigkeit dieser Erkrankungen angeht. Experten führen das auf die Essensgewohnheiten in diesen Staaten zurück. Nirgendwo wird so viel Fast Food und fettreiche Kost verzehrt wie in diesen Staaten, angeführt von den USA. Und diese Ernährung mit vielen ungesunden sogenannten Trans-Fettsäuren gilt als Risikofaktor für die Entstehung von Allergien und Asthma. Mediterrane Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Fisch scheint dagegen eher zu schützen.

In den neuen Bundesländern deutlich weniger Allergien und Asthma

Deutschland liegt im Ländervergleich übrigens im Mittelfeld. Allerdings gibt es ein West-Ost-Gefälle. In den alten Bundesländern gibt es wesentlich mehr Kinder und Jugendliche mit Allergien und Asthma als in den neuen Bundesländern. Die gute alte Krippenkultur in der früheren DDR wirkt hier immer noch positiv nach.

Nicht wirklich überraschend, aber gleichwohl erwähnenswert: Auch das Leben in der Nähe verkehrsreicher Straßen und in einem Raucherhaushalt erhöhen das Risiko für Asthma beträchtlich. Längeres Stillen des Neugeborenen hingegen wurde abermals als Schutzfaktor ermittelt.

Was kann einen Asthma-Anfall auslösen?

Auslöser eines akuten Asthma-Anfalls sind oft unspezifische Reize, z.B.:

  • Stress
  • körperliche Anstrengung
  • Kälte
  • Tabakqualm

Solche nicht-allergischen Reize können auch bei allergischen Asthma einen Anfall auslösen. Hinzu kommen beim allergischen Asthma noch die Stoffe, gegen die eine Allergie besteht (Allergene), z.B. Pollen, Tierhaare, Hausstaub, Schimmel oder bestimmte Lebensmittel.

Auch Entzündungen der Atemwege (Bronchitis) oder der Gebrauch von Schmerzmitteln (z.B. Acetylsalicylsäure = ASS) kann bei einigen Asthmatikern zum Asthma-Anfall führen.

Können Medikamente einen Asthma-Anfall auslösen?

Ja. Jeder fünfte Asthmatiker reagiert auf bestimmte Arzneimittel mit einem Asthma-Anfall. Manche Quellen sprechen auch von einer geringeren Häufigkeit, aber Tatsache ist, dass es dieses Phänomen gibt. Besonders häufig betrifft dies Frauen im mittleren Lebensalter.

Mögliche Auslöser: ASS, Ibuprofen und ACE-Hemmer

Am ehesten passiert so etwas bei manchen Schmerzmitteln und Rheuma-Medikamenten (ASS, Ibuprofen, Diclofenac u.a.). Aber auch bei Betablockern oder ACE-Hemmern, mit denen Bluthochdruck oder Herzschwäche behandelt wird, kann es bei empfindlichen Personen zu Asthma-Anfällen kommen, ebenso bei einer Reihe von Augentropfen. Teilweise lösen solche Medikamente keinen Anfall aus, verstärken aber bereits bestehende asthmatische Beschwerden – vor allem, wenn Sie gleichzeitig einen Atemwegsinfekt haben.

Gerade für einen Lungenfacharzt, der Sie nur wegen des Asthmas betreut, ist es deshalb wichtig, dass Sie ihm auch über alle anderen Medikamente berichten, die Sie einnehmen (und sei es auch nur zeitweise). Noch wichtiger aber: Versuchen Sie selbst Ihren Blick zu schärfen, ob Ihre asthmatischen Beschwerden in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten stehen. Und wenn ja, sprechen Sie Ihren Arzt darauf an, um ggf. eine Alternative zu finden.

Stimmt es, dass Blutdrucksenker aus der Gruppe der ACE-Hemmer asthmatische Beschwerden auslösen können?

Unter der Einnahme von ACE-Hemmern kann es zu Reizungen der Atemwege kommen. Dies kann zu chronischem Husten, selten aber auch zu Asthma und entzündlichen Erkrankungen der Lunge führen.

Dem liegen vermutlich verschiedene Ursachen zugrunde. ACE-Hemmer können die entzündliche Aktivität in den Atemwegen grundsätzlich steigern. Vermutet werden immunologische Faktoren.

Treten diese Nebenwirkungen auf, sollte das Medikament nicht eingenommen und auf eine andere Wirkstoffklasse gewechselt werden.

Kann Diclofenac einen Asthma-Anfall auslösen?

Ja. Diclofenac kann bei Menschen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma allergische Reaktionen hervorrufen, die sich in Form eines Asthma-Anfalls äußern können. Ärzte sprechen hier von einem sogenannten Analgetika-Asthma.

Diclofenac (z.B. Voltaren®, Diclofenac-ratiopharm® Tabletten) ist ein häufig verwendeter Arzneistoff aus der Gruppe der Schmerzmittel. Er wird bei Entzündungen und Schmerzen eingesetzt, beispielsweise bei Rheuma oder Arthrose sowie bei leichten Verletzungen wie Zerrungen oder Prellungen.

Wenn Sie Asthma haben, sollten Sie das Präparat wegen der Gefahr einer Überreaktion allerdings möglichst meiden – zumindest die innere Einnahme in Form von Tabletten. Wenn Ihr Arzt weiß, dass Sie asthmatische Beschwerden haben, wird er für Sie ein alternatives Schmerzmittel heraussuchen.

Stimmt es, dass auch körperliche Belastung einen Asthma-Anfall auslösen kann?

Ja. Nicht nur Pollen oder andere Allergie-Stoffe können einen Asthma-Anfall auslösen. Bei einigen Menschen kann auch körperliche Anstrengung zu heftigen asthmatischen Beschwerden führen.

Typischerweise treten diese Beschwerden nicht währenddessen, sondern kurze Zeit nach der Anstrengung auf. Durch die immer noch schnelle Atmung kühlen sich die Atemwege ab und trocknen aus. Das löst dann in den chronisch empfindlichen Atemwegen die Überreaktion aus – im schlimmsten Fall einen richtigen Asthma-Anfall.

Empfehlenswert: schwimmen

Für Menschen mit dem sogenannten Anstrengungsasthma empfehlen Ärzte als Sport häufig Schwimmen. Denn in der feucht-warmen Umgebung des Schwimmbades kommt es deutlich seltener zu asthmatischen Beschwerden.

Und auch die Psyche ist wichtig: Um so mehr man einen Asthma-Anfall erwartet, um so häufiger tritt er auch auf. Denn die Angst führt zu einer noch höheren Anspannung der Atemwege. Die Angst einfach beiseite zu schieben, ist freilich leichter gesagt als getan. Im Zweifel kann hier auch eine psychotherapeutische Behandlung viel bringen, in der man lernt, die Angstgefühle erfolgreich in den Griff zu bekommen.

Was ist Anstrengungsasthma?

Wenn ein Asthmatiker bei körperlicher Belastung Atemnot bekommt, dann spricht man von Anstrengungsasthma. Vor allem Kinder und Jugendliche leiden darunter.

Häufig ist Anstrengungsasthma aber ein Zeichen dafür, dass die medikamentöse Behandlung nicht reicht. Das sollte Ihr Arzt überprüfen.

Mit Ihrem Peak-Flow-Meter können Sie schnell feststellen, ob Sie Anstrengungsasthma haben: Messen Sie den Peak-Flow-Wert vor, während und einige Minuten nach dem Sport. Fällt der Wert um mehr als 20% ab, dann haben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Anstrengungsasthma.

Warum verschlimmern sich meine Beschwerden im Herbst und Winter?

Schnelle und deutliche Temperaturwechsel können die Atemwege reizen – besonders dann, wenn Sie aus kuschelig warmen Räumen in die kalte Luft vor der Tür treten.

Auch bei Nebel leiden viele Menschen mit Asthma verstärkt unter Atemnot. Achten Sie auch auf genügend Luftfeuchtigkeit in Ihrer Wohnung, indem Sie regelmäßig lüften oder kleine Wasserschalen aufstellen. Durch Dauerheizung entsteht schnell sehr trockene Luft, die ebenfalls die Bronchien reizt.

Warum reagieren viele Asthmatiker besonders empfindlich auf Ozon?

Menschen mit Asthma – kleine wie große – leiden im Sommer bei Ozon-Alarm häufiger als sonst unter Atemnot und Asthmaanfällen.

Kinder mit Asthma bekommen sogar schon bei Werten unterhalb der Informationsschwelle deutlich schlechter Luft. Auch Pollenallergiker sind betroffen: An ozonreichen Tagen genügen schon kleinste Pollenmengen, um eine allergische Reaktion auszulösen.

Der Grund: Ozon macht Allergene (Allergie-auslösende Fremdstoffe, z.B. Pollen) aggressiver und reizt dadurch die Atemwege zusätzlich.

Ozon schädigt die Lunge

Der größte Teil des eingeatmeten Ozons marschiert geradewegs tief in die Lunge hinein. Auf seinem Weg durch die Bronchien sorgt es dafür, dass die bronchiale Muskulatur sich noch stärker zusammenzieht und die Atemwege sich weiter verengen. In den Lungenbläschen greift das Reizgas außerdem die Zellmembranen an und bildet sogenannte freie Radikale, die die Zellen schädigen. Die Folge: Die Leistungsfähigkeit der Lunge sinkt.

Verhalten bei Ozonwarnung

Wenn Sie bei erhöhten Ozonwerten verstärkt unter Atemnot leiden, sollten Sie sich nachmittags wenig im Freien aufhalten und erst recht keinen Sport draußen treiben.

Asthmakranke Kinder sollten dann auf jeden Fall drinnen spielen, da Kinder ohnehin stärker auf Ozon reagieren. Achten Sie auch auf die aktuellen Hinweise in Radio, Zeitung und Internet.

Kann ich bei sehr langen Flugreisen einen Asthma-Anfall bekommen?

Das kommt darauf an. Bei einer normalen Flughöhe von etwa 10.000 Metern lässt die Sauerstoffkonzentration der Luft nach. Der Kabineninnendruck entspricht dann ungefähr dem Sauerstoffdruck in einer Höhe von etwa 2.500 m über dem Meeresspiegel – wie hoch in den Alpen. Das erschwert die Sauerstoffaufnahme aus den Lungenbläschen ins Blut.

Gesunde Menschen atmen dann schneller und tiefer. Asthmatiker können das nicht immer so ohne weiteres, so dass bei einem Langstreckenflug der Sauerstoffgehalt des Blutes deutlich sinken kann. Klären Sie vorab mit dem Arzt, ob Sie für eine lange Flugreise zusätzliche Medikamente brauchen.

Verschlimmern Dieselabgase und Hausstaub Asthma?

Dieselabgase können genauso wie Hausstaub das Entstehen von Asthma fördern. In einer Studie entwickelten Kinder verstärkt Asthma, wenn sie zumindest einem der beiden Schadstoffe ausgesetzt waren.

Vor allem Diesel erhöht Asthma-Risiko

Umwelteinflüsse beeinflussen das Lungenwachstum von Kleinkindern. Insbesondere Autoabgase können sich negativ auf die Entwicklung der Atemwege von Kindern auswirken. Eine Studie an der Universität von Boston, USA, konnte zeigen, dass Kinder vermehrt Asthma und Infektionen der Lunge entwickeln, wenn sie insbesondere Partikel aus dem Auspuff von Dieselfahrzeugen und Hausstaub einatmen mussten. Die betroffenen Kinder produzierten viel mehr Schleim und litten zunehmend unter Atemstörungen.

Die Forscher stellten auch fest, dass gerade die Dieselabgase das Entstehen von Asthma förderten. Sie empfehlen, Kinder und Erwachsene, die Luftverschmutzungen ausgesetzt und an Asthma erkrankt sind, mit einer sogenannten antioxidativen Therapie zu behandeln, um die Wirkung der schädlichen Stoffe einzudämmen.

Asthma: Luftverschmutzung als Auslöser unterschätzt?

Die durch Autoverkehr hervorgerufene Luftverschmutzung hat viel größere Auswirkungen auf die Entstehung von Asthma, als bisher angenommen wurde. Das haben Wissenschaftler aus der Schweiz und den USA herausgefunden.

Je mehr Autoverkehr, desto mehr Asthma

In einer Modellregion in Kalifornien wurden das Risiko und die Kosten einer Asthma-Erkrankung durch von Straßenverkehr erzeugter Luftverschmutzung berechnet. Dabei zeigte sich, dass Menschen, die in Städten mit hohem Autoverkehr leben, mehr unter Asthma zu leiden haben als diejenigen, die geringerer Luftverschmutzung ausgesetzt sind.

Dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Asthma-Risiko und der Höhe der Feinstaubbelastung aus dem Straßenverkehr gibt, haben Studien schon früher bestätigt. Ein Mehr an 10 μg/m3 NO2 (= Stickstoffdioxid, gilt als Indikator für die verkehrsabhängige Luftverschmutzung) erhöhte das Asthmarisiko um 43%.

Auch die Kosten höher als angenommen

Die Kosten, die eine Asthma-Erkrankung durch Luftverschmutzung in dieser Region verursacht, haben die Wissenschaftler auf 18 Millionen Dollar (13,5 Mio. Euro) pro Jahr berechnet. Pro Asthma-Fall ermittelten sie direkte und indirekte Ausgaben um die 3.000 Euro jährlich. Bisherige Kalkulationen bezifferten die jährlichen Kosten pro Patient – abhängig von der Schwere des Asthmas – auf zwischen 250 und 1.200 Euro, durchschnittlich 540 Euro.

Fazit: Luftverschmutzung durch Straßenverkehr hat relevante gesundheitliche Folgen und begünstigt nicht nur Atemwegserkrankungen wie Asthma, sondern macht Menschen auch anderweitig krank. Es wird Zeit, insbesondere in Großstädten für bessere Luft zu sorgen – im Sinne der Bewohner und unser aller Umwelt.

Autoren: 

Quellen:

  • Deutsche Atemwegsliga e.V., online unter www.atemwegsliga.de (abgerufen am 08.07.2019).
  • Nationale Versorgungsleitlinie Asthma, online unter www.awmf.org (Zugriff am 08.07.2019).
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma. Stand 12.09.2017. Online unter www.awmf.org (Zugriff am 09.07.2019).
  • European Respiratory Journal.
  • J Allergy Clin Immunol, Volume 127, Number 2.
  • International Study of Asthma and Allergies in Childhood (ISAAC), Universität Münster (WWU).
  • The Journal of Allergy and Clinical Immunology, doi:10.1016/j.jaci.2012.03.017.
  • The American Journal of Pathology, Volume 179, Issue 6, 2730-2739.
  • Umweltbundesamt.

Kommentare: Archiv

Mein Asthma hatte eine so banale Ursache - Mundatmung. Die Wechselatmung aus dem Yoga ist bei Asthma sehr wirksam. Man schließt die Nasenlöcher abwechselnd mit Daumen und Finger einer Hand. Das Berühren der Haut mit den Fingern entspannt die Bronchien durch Akupressur. Die Geschichte reimt sich also gut zusammen.
1) Asthma kommt oft mit Mundatmung ohne eigenes Zusammendrücken der schlaffen, untätigen Lippen als "Selbstakupressur", wie bei Nasenatmung.
2) Man sollte von daher bewusst und aufmerksam kräftig durch die Nase luftholen.
Bauchatmung und Schlafen mit geschlossenem Mund ist auch wichtig.
Die Erklärung der Wechselatmung in der Yogafachwelt ist völlig anders. Akupressur ist nicht erwähnt.
 
Asthma
Donnerstag, den 26. Juli 2018 um 21:10 Uhr, Michael Noffke
Ich leide an Asthma - und ich rauche nicht mehr. Nun bin ich mal gespannt, ob ich hier eine Verbesserung sehe?
 
Asthma und Blutdrucksenker
Freitag, den 01. September 2017 um 15:25 Uhr, G.Meister
Ich nehme seit ca. einem Jahr Valsartan und seit kurzem dazu Lercanidipin-Omniapharm, gegen mein Asthma 2mal täglich Spiromax (Budesonid/Formoterolfumarat). Seit 3 Tagen habe ich Husten. Könnte das an dem Blutdrucksenker liegen?
 
Asthma Anfall
Dienstag, den 25. Juli 2017 um 08:57 Uhr, K.Gozdz
Bei mir hat heute ein Asthmaanfall eine aufregende Situation ausgelöst, das ist das erste Mal seit Jahren. Habe jetzt Sultanol und Symbicort-Turbohaler genommen und es ist vollkommen weg.
 
Asthma
Montag, den 09. November 2015 um 09:32 Uhr, Richard Friedel
Nach langjähriger Erfahrung mit dem Leiden in seinem medizinischen Verständnis meine ich, dass das Abstellen der Mundatmung mit aller Konsequenz das Wichtigste wäre. Bei mir hat es indes nicht gereicht, den Mund fast immer geschlossen zu halten. Die Nasenatmung muss ja auch echt sein und nicht als lästige Pflicht vorkommen. Das Geheimnis ist, dass sie Selbstläufer ist. Schauen Sie sich das Video bei https://www.youtube.com/watch?v=PiSq-WnMXjs an. Hier wird mit dem Finger etwa an der Oberlippe gedrückt und ein schönes gesundes Gefühl erzeugt, weil man dann über einen Trigeminusreflex tief einatmet und dabei die Blutzufuhr zum Gehirn günstig beeinflusst. Genau diese Wirkung haben wir beim Strammziehen der Oberlippe. Also habe ich gelernt, das zur Gewohnheit zu machen. Dass ich dann keine Probleme mehr mit z.B. Katzen und Atemnot habe, ist ein großer Fortschritt.
Hier die Logik:
1) Asthma hat viel mit Mundatmung zu tun.
2) Mundatmung führt zu mangelnder Bewegung der Lippen und Ausfall des Trigeminusreflex.
3) Mediziner konzentrieren ihre Bemühungen fast nur auf die Lunge.
4) Die oft empfohlene Lippenbremse bedeutet, dass man die Lippen eher entspannt, wäre für mich nicht heilend und paradox.
 
Können Medikamente einen Asthma-Anfall auslösen?
Samstag, den 19. Dezember 2015 um 13:28 Uhr, eine
Ich hatte Ibuprofen eingenommen, aber die Asthma-Anfälle haben sich verstärkt. Sobald ich einen Anfall hatte, habe ich IBU wieder eingenommen - ein furchtbarer Kreislauf.
Danke für den Hinweis!
PS: weitere Nebenwirkung - verstärkt Ängste
Habe es abgesetzt und mir geht es wieder gut - keine Atemprobleme
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