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Morbus Parkinson: Symptome und Behandlung

Was sind typische Anzeichen für Morbus Parkinson? Wird die Krankheit vererbt? Welche Medikamente helfen den Betroffenen und wer profitiert von einer OP bei der Parkinson-Erkrankung? Antworten auf diese und weitere Fragen lesen Sie in folgendem Beitrag.

Basiswissen

Was ist Morbus Parkinson?

Die Parkinson-Krankheit bzw. Morbus Parkinson ist eine chronische, langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Beim Morbus Parkinson kommt es zum Absterben von Nervenzellen in bestimmten Arealen des Mittelhirns und zu einem Verlust des Botenstoffs Dopamin.

Der Mangel an Dopamin führt letztlich zu den Symptomen:

  • Muskelstarre
  • verlangsamte Bewegungen
  • Muskelzittern
  • unsichere Haltung

In den meisten Fällen bleibt die Ursache des Morbus Parkinson unklar.

Gibt es verschiedene Formen der Parkinson-Krankheit?

Ja, es werden in der Medizin vier verschiedene Parkinson-Syndrome unterschieden:

  • Idiopathisches bzw. primäres Parkinson-Syndrom (IPS): Mit 75-80% der Fälle die häufigste und klassische Form, um die es sich normalerweise handelt, wenn vom Morbus Parkinson die Rede ist. Die Ursache ist hier unbekannt (idiopathisch).
  • Familiäre Formen des Parkinson-Syndroms: In etwa 2% der Fälle wird die Krankheit direkt vererbt (autosomal dominant oder rezessiv). Neben dem meist deutlich jüngeren Erkrankungsalter bestehen noch andere, für die klassische Parkinson-Krankheit untypische Erscheinungen.
  • Symptomatische bzw. sekundäre Parkinson-Syndrome: Sie beruhen auf einer anderen Grunderkrankung.
  • Atypische Parkinson-Syndrome: Die Parkinson-Symptomatik tritt im Rahmen anderer neurodegenerativer Erkrankungen auf.

Sonderformen: sekundärer Parkinson, familiäre Variante und MSA

Was ist ein sekundäres Parkinson-Syndrom?

Es gibt verschiedene Erkrankungen oder Vergiftungen, die zu ähnlichen Symptomen wie beim Parkinsonsyndrom führen. Man spricht dann von einem sekundären oder symptomatischen Parkinsonsyndrom.

Folgende Krankheiten können die für eine Parkinson-Erkrankung typischen Symptome auslösen:

  • langjährige Gefäßerkrankungen, die zu einer Verstopfung der kleinen Blutgefäße im Gehirn führen
  • Hirntumore
  • Hirnverletzungen nach schweren Unfällen
  • häufige kleine Schlaganfälle
  • Normaldruck-Hydrozephalus (im Volksmund auch als Wasserkopf bezeichnet)
  • Stoffwechselstörung des Kupfer-Haushalts (Morbus Wilson)
  • Unterfunktion der Nebenschilddrüse (Hypoparathyreoidismus)
  • Gehirnentzündung (z. B. als Folge von AIDS)

Neben den genannten Grunderkrankungen ist das sekundäre Parkinsonsyndrom auch eine mögliche Folge von Medikamenten oder Giften. Zu den potenziellen Auslösern zählen:

  • Psychopharmaka (z.B. Chlorpromazin, Haloperidol, Lithium)
  • Metoclopramid (gegen Übelkeit)
  • Flunarizin (zur Vorbeugung von Migräne-Anfällen)

Wenn Arzneimittel die Ursache des sekundären Parkinsonsyndroms sind, besteht eine gute Chance, dass sich mit Absetzen der Präparate die Beschwerden bessern.

Substanzen, die das Gehirn schädigen, sind:

  • Mangan-Staub
  • Kohlenmonoxid-Vergiftung
  • die Chemikalie 1-Methyl-4-Phenyl-1,2,5,6-Tetrahydropyridin (MPTP): Die Vergiftung trat in den 80er-Jahren bei Drogenabhängigen in den USA auf, die verunreinigtes Heroin konsumierten.
Was versteht man unter dem familiären Parkinson-Syndrom?

In manchen Familien tritt die Parkinson-Erkrankung auffällig häufig auf. Dies ließ auf eine genetische Ursache der Krankheit vermuten. Mittlerweile sind sogar mehrere Gendefekte bekannt, die vererbt werden können und bei den Betroffenen Morbus Parkinson verursachen.

Dennoch ist diese Variante der Erkrankung nur für einen geringen Prozentsatz der Krankheitsfälle verantwortlich. Nur 5-10 % des Parkinson-Syndroms sind auf eine solche familiäre Form zurückzuführen. Den Großteil macht das idiopathische Parkinson-Syndrom aus, das ohne erkennbare Ursache auftritt.

Welche Besonderheiten weisen vererbte Formen der Parkinson-Krankheit auf?

Die typischen Symptome wie die charakteristischen Bewegungsstörungen, ein verändertes Gangbild oder die abgeschwächte Mimik im Gesicht ähneln denen des idiopathischen Morbus Parkinson. Allerdings weist ein früher Erkrankungsbeginn vor dem 50. oder sogar schon vor dem 40. Lebensjahr auf eine familiäre Form hin.

Ein weiterer Faktor ist die Häufung der Krankheit in der Familie. Sind bereits mehrere Angehörige betroffen, liegt der Verdacht für einen vererbten Morbus Parkinson nahe.

Was hat die Parkinson-Krankheit mit der Multi-System-Atrophie (MSA) zu tun?

Die Multi-system-Atrophie (MSA) ist eine schwere Erkrankung des Nervensystems, deren Beschwerdebild zum Teil dem Morbus Parkinson gleicht.

Etwa doppelt so viele Männer wie Frauen erkrankten an der MSA, wobei das durchschnittliche Erkrankungsalter bei 53 Jahren liegt. Nach Auftreten der ersten Symptome schreitet die Krankheit voran und führt nach ca. 10 Jahre zum Versterben der Betroffenen. Welche Faktoren für das Auftreten der MSA verantwortlich sind, ist bisher unbekannt.

Typische Anzeichen der MSA sind niedriger Blutdruck, erschwertes Wasserlassen (Harnverhalt), Verstopfung (Obstipation) und Bewegungsstörungen.

Die MSA kann der Parkinson-Erkrankung stark ähneln, denn zum Teil treten dieselben charakteristischen Symptome des Morbus Parkinson auf, jedoch häufig ohne Zittern. Allerdings bleibt im Gegensatz zum idiopathischen Parkinson-Syndrom eine Therapie mit Levodopa meist wirkungslos.

In allen Fällen bestehen – möglicherweise neben anderen, teilweise sehr unterschiedlichen Krankheitserscheinungen – die drei Kardinalsymptome, durch die ein Parkinson-Syndrom grundsätzlich definiert ist und die auch als Parkinson-Trias bezeichnet werden.

Parkinson-Trias

  • Bewegungsarmut (Hypokinese), manchmal bis hin zu einer Bewegungslosigkeit (Akinese), bzw. Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese)
  • Muskelsteifheit (Rigor)
  • Zittern (Tremor)

Sie beruhen alle auf den degenerativen Veränderungen im sogenannten extrapyramidalmotorischen System (EPMS), das im Gehirn für die Bewegungssteuerung verantwortlich ist. Für die Leitlinien-Experten zählt auch die daher rührende mangelnde Stabilität der aufrechten Körperhaltung (posturale Instabilität) zu den definierten Parkinson-Kriterien.

Wie häufig tritt die Parkinson-Krankheit auf?

Das Parkinson-Syndrom tritt hauptsächlich im höheren Lebensalter auf, betroffen sind ca. 1% der über 60-Jährigen. In Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa 250.000 bis 400.000 Parkinson-Kranke, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 0,3-0,5%.

Männer und Frauen erkranken prinzipiell gleichermaßen, wobei eine leichte Erhöhung beim männlichen Geschlecht zu verzeichnen ist.

Krankheitsentstehung

Wie entsteht ein Morbus Parkinson?

Beim Morbus Parkinson kommt es zu einem fortschreitenden Untergang derjenigen Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Der resultierende Mangel an Dopamin führt dann zu den typischen Beschwerden (verlangsamte Bewegungen, Bewegungsarmut).

Außerdem gewinnen durch den Dopaminmangel andere Botenstoffe die Überhand, u.a. das Acetylcholin. Das entstehende Übergewicht von Acetylcholin ist für die anderen charakteristischen Parkinson-Symptome verantwortlich: dem Zittern (Tremor) und der Muskelsteifigkeit (Rigor).

Ursachen unklar

Die Dopamin-produzierenden Nervenzellen befinden sich vor allem in der sogenannten Substantia nigra, einer bestimmten Region im Mittelhirn.

Warum es zum Untergang der Zellen kommt, ist bis heute nicht geklärt. Immerhin gibt es heute einige Erkenntnisse darüber, wie man möglicherweise über die Ernährung der Veränderung der Nervenzellen entgegenwirken kann.

Der Ort des Geschehens: Substantia nigra

Was ist die Substantia nigra?

Die Substantia nigra (Schwarze Substanz) ist ein Komplex von Nervenzellen im Inneren des Gehirns, der für die Bewegungssteuerung wichtig ist. Der dunkel gefärbte Hirnbereich ist kaum fingernagelgroß und befindet sich ungefähr in Höhe der Oberkante der Ohrmuschel.

Die dort ansässigen Nervenzellen produzieren und verwenden Dopamin als Überträgerstoff. Gehen sie zugrunde und nimmt die Dopaminmenge folglich ab, kommt es u.a. zu Störungen des Neurotransmitter-Gleichgewichts und der Balance von aktivierenden und bremsenden Nervenzellen im fein ausgeklügelten System der Bewegungssteuerung.

Die Krankheit, die sich daraus entwickelt, ist als Morbus Parkinson bekannt.

Woher kommt die schwarze Farbe der Substantia nigra?

Die Substantia nigra (deutsch = schwarze Substanz) ist ein im Mittelhirn gelegener Teil des Gehirns, in dem vor allem Dopamin hergestellt wird. Der Verlust an Dopamin-produzierenden Nervenzellen beim Morbus Parkinson findet vor allem hier statt.

Die schwarze bzw. dunkle Farbe der Substantia nigra kommt daher, dass in diesen Zellen sehr viel Eisen und Melanin (der Stoff, der auch die Haut nach Sonneneinstrahlung dunkel färbt). enthalten ist.

Ursachen

Wird die Parkinson-Krankheit vererbt?

Die große Mehrheit der Parkinson-Erkrankungen ist idiopathischer Natur, das heißt, ihre Ursache ist unklar. Nur ein kleiner Teil, etwa 2%, wird direkt vererbt und in der Gruppe der familiären Parkinson-Syndrome zusammengefasst.

Der Verdacht auf diese erbliche Form wird u.a. dann geweckt, wenn mehr als höchstens ein weiteres Familienmitglied an diesem Leiden erkrankt sind, womit ein diagnostisches Kriterium des idiopathischen Parkinson-Syndroms nicht mehr erfüllt wäre.

Wenn diese spezielle Situation nicht gegeben ist, können Sie im Umkehrschluss davon ausgehen, dass Sie bzw. Ihr Angehöriger die Krankheit nicht als Erbkrankheit bekommen hat und sie auch nicht weiter vererben wird.

Auch Mutation statt Vererbung möglich

Allerdings besteht die Vermutung, dass das Risiko, einen Morbus Parkinson zu entwickeln, in der Mehrzahl der Fälle durch das Zusammenwirken verschiedener Teile der genetischen Information zumindest mitbestimmt wird. Genetisch bedeutet hier aber nicht unbedingt „vererbbar“. So sind etwa Mutationen bekannt, die erst im Laufe des Lebens auftreten und durch eine veränderte Aminosäurenabfolge bei bestimmten Genen (z.B. dem α-Synuclein-Gen) in den betreffenden Zellen charakteristische Stoffwechselstörungen auslösen können, die zum parkinsontypischen Zelluntergang in der "Schwarzen Substanz" und in anderen Strukturen führen.

Medikamente, Kopfverletzung und Hirnkrankheiten

Welche Medikamente können die Parkinson-Krankheit auslösen?

Verschiedene Medikamente können ein (sekundäres) Parkinson-Syndrom auslösen. Dazu zählen vor allem:

  • klassische Neuroleptika (Psychopharmaka, v.a. bei der Schizophrenie)
  • Antiemetika (Anti-Brech-Mittel)
  • Reserpin (Bluthochdruck-Mittel, heute kaum noch eingesetzt)
  • Kalziumantagonisten (Herzmittel, allerdings gibt es hier auch gegenteilige Studienergebnisse)
  • Cinnarizin, Flunarizin (Mittel gegen Schwindel und Migräne)
  • Lithium (Antidepressivum)
  • Valproinsäure (Mittel gegen Epilepsie)
Stimmt es, dass eine Narkose eine Parkinson-Krankheit auslösen kann?

Unter Patienten geht das Gerücht, schuld an der Parkinson-Krankheit könne eine vorherige Narkose sein. Es wird genährt durch die Beobachtung, dass ein Morbus Parkinson nicht selten unmittelbar nach einer Operation erstmals auftritt. Und dass bei bestehendem Parkinson eine Narkose die Symptomatik stark verschlechtern kann.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt

Trotzdem ist die Narkose nicht die Ursache. Sie bringt das Fass nur manchmal zum Überlaufen. Der Grund: Einige gängige Narkosemittel können den Dopamin-Gehalt im Gehirn kurzfristig stark senken. Also genau den körpereigenen Stoff, an dem es bei der Parkinson-Erkrankung fehlt. Eine Parkinson-Erkrankung wiederum kommt nicht über Nacht, sie entsteht schon Jahre, bevor sie Beschwerden verursacht. Die Dopamin-Produktion nimmt ganz langsam und schleichend ab. Erst wenn über die Hälfte der Dopamin-produzierenden Hirnzellen lahmgelegt sind, bemerkt man erste Symptome.

Das bedeutet: Wenn man mit einer herannahenden Parkinson-Erkrankung operiert wird, kann die Narkose tatsächlich der Grund dafür sein, dass der ohnehin schon bestehende Dopamin-Mangel zum ersten Mal symptomatisch wird. Die Erkrankung wäre dann aber auch ohne die Operation aufgetreten, nur vielleicht etwas später.

Da eine Vollnarkose aber immer eine erhebliche Körperbelastung darstellt und auch zur Verschlechterung einer bereits bestehenden Parkinson-Symptomatik beitragen kann, sollten Sie als Betroffener oder Angehöriger rechtzeitig vor dem Eingriff mit dem Anästhesisten und dem Behandlungsteam in Kontakt treten, damit die Parkinson-Besonderheiten berücksichtigt werden können.

Kann aufgrund einer Kopfverletzung eine Parkinson-Erkrankung entstehen?

Ja. In seltenen Fällen können schwere Kopfverletzungen Parkinson-Symptome auslösen. Nämlich dann, wenn durch die Verletzung die sogenannten Basalganglien im Gehirn geschädigt wurden und dadurch die Dopamin-Produktion beeinträchtigt ist.

Ärzte nennen das posttraumatisches Parkinson-Syndrom. Kennzeichend ist, dass die Symptome mehr oder minder unmittelbar nach der Verletzung auftreten. Anders also als beim sogenannten Boxer-Parkinson (Muhammad Ali). Hierbei entsteht infolge mehrfacher Kopfverletzungen (wie beim Boxen) Jahre später ein Parkinson-ähnliches Krankheitsbild. Diese sogenannte Boxer-Enzephalopathie wird oft vor allem durch die Entwicklung einer Demenz geprägt.

Stimmt es, dass hinter einem Parkinson-Syndrom auch eine andere Hirnerkrankung stecken kann?

Ja. Allerdings ist das selten. Das Parkinson-Syndrom kann nur Teil einer anderen Erkrankung des Gehirns sein, der sogenannten Multi-System-Atrophie (MSA). Bei der MSA sind nicht nur die Dopamin-bildenden Hirnareale, sondern auch das Kleinhirn und das autonome Nervensystem geschädigt.

Die Unterscheidung vom üblichen Parkinson-Syndrom (idiopathisches Parkinson-Syndrom, IPS) ist nicht zuletzt wichtig, weil die Behandlung der MSA mit dem Parkinson-Medikament L-Dopa oft nicht erfolgreich ist.

Weitere seltene Syndrome, die mit einer Parkinson-Symptomatik einhergehen, sind die folgenden Erkrankungen mit einfach zu merkenden Namen:

  • Progressive supranukleäre Blickparese (PSP)
  • Kortikobasale Degeneration (CBG)
  • Demenz vom Lewy-Körper-Typ (DLBD)
  • Spinocerebelläre Atrophie

Alle diese Erkrankungen werden auch als atypische Parkinson-Syndrome bezeichnet.

Symptome

Was sind die typischen Symptome des Morbus Parkinson?

Es gibt vier klassische, für den Morbus Parkinson charakteristische Symptome:

  • Verlangsamung der Bewegung (Hypokinese)
  • Bewegungsarmut, manchmal bis hin zu einer Bewegungslosigkeit (Akinese)
  • Zittern (Tremor)
  • Steifigkeit der Muskeln (Rigor)

Daneben können noch eine ganze Reihe anderer Beschwerden oder Symptome auftreten, aber diese vier sind gewissermaßen die Leitsymptome des Morbus Parkinson.

Symptome des frühen und fortgeschrittenen Morbus Parkinson

Wie äußert sich ein Morbus Parkinson in der Frühphase?

Die für den Morbus Parkinson so typischen Symptome (Bewegungsarmut, Zittern etc.) sind in der Frühphase der Erkrankung oftmals noch nicht sehr ausgeprägt, so dass die Erkrankung nicht immer gleich richtig erkannt wird.

Häufig klagen die Betroffenen in der Frühphase über Schmerzen und Verspannungen im Bewegungsapparat, so dass man eher an orthopädische Probleme oder rheumatische Erkrankungen denkt. Auch unspezifische Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Verstopfung, innere Unruhe oder Schweißausbrüche können den eigentlichen Parkinson-Beschwerden oft vorausgehen.

Mit welcher Erkrankung wird der Morbus Parkinson in der Frühphase nicht selten verwechselt?

Mit Rheuma bzw. rheumatischen Beschwerden. Das hängt damit zusammen, dass Parkinson-Patienten oft lange, bevor die typischen Symptome wie Bewegungsarmut oder Zittern einsetzen, schon über Schmerzen und Verspannungen im Bewegungsapparat klagen.

Wird den Beschwerden dann nicht auf den Grund gegangen, kann der Morbus Parkinson zu Beginn mit einer rheumatischen Erkrankung verwechselt werden. Auffällig und ein möglicher Fingerzeig ist, dass die Verspannungen in der Frühphase der Parkinson'schen Erkrankung oft einseitig sind und vor allem den Schulter-Arm-Bereich betreffen.

Was sind die typischen Beschwerden beim fortgeschrittenen Morbus Parkinson?

Zusätzlich zu der Bewegungsverlangsamung nimmt vor allem die Muskelsteifigkeit (Rigor) bei Fortschreiten der Erkrankung häufig immer mehr zu. Es fällt den Betroffenen immer schwerer, sich schnell zu bewegen bzw. eine schnelle Bewegung zu beginnen oder abzubremsen.

Das kann sich zum Beispiel dadurch äußern, dass ein plötzliches Losgehen nicht mehr möglich ist und nach dem Losgehen das Abstoppen nicht mehr gelingt.

Bei der fortgeschrittenen Parkinson'schen Erkrankung wird die Körperhaltung insgesamt immer unsicherer, die Betroffenen neigen dann dazu, hinzufallen. Auch das Zittern der Hände nimmt meist zu, es kann auch in ein Dauerzittern übergehen.

Weitere Beschwerden des fortgeschrittenen Morbus Parkinson sind:

Hat man bei der Parkinson-Erkrankung Schmerzen?

In der Regel nicht. Zumindest nicht in der Frühphase. Wie immer gibt es aber auch hier Ausnahmen. Am ehesten führen die Muskel- und Gelenkverspannungen zu Schmerzen.

Manche Menschen mit Morbus Parkinson werden wegen anhaltender Rückenschmerzen lange Zeit hausärztlich oder orthopädisch behandelt, bis dann die Diagnose Parkinson gestellt wird. Der Schmerz kann also auch ein erstes Anzeichen der Krankheit sein. Diese Schmerzen verschwinden aber in der Regel, wenn die Parkinson-Erkrankung medikamentös behandelt wird.

In fortgeschrittenen Stadien können die Unbeweglichkeit und die Steifigkeit sehr schmerzhaft sein, ebenso Muskelkrämpfe. Dennoch muss man auch bei der Parkinsonschen Erkrankung bei neu auftretenden Schmerzen immer auch an andere mögliche Ursachen denken und diese ausschließen.

Leitsymptom Zittern

Wie entsteht das Zittern beim Morbus Parkinson?

Durch den Dopaminmangel beim Morbus Parkinson gewinnt ein anderer Botenstoff im Gehirn an Übergewicht: das Acetylcholin. Der dann relativ zu hohe Acetylcholingehalt erzeugt das Zittern (und auch die Muskelsteifigkeit, den sogenannten Rigor).

Wann tritt das Zittern bei Menschen mit Morbus Parkinson vor allem auf?

Im Ruhezustand. Wenn also der Arm beispielsweise auf dem Tisch liegt oder entspannt runterhängt (nicht gebeugt ist), tritt das Zittern der Hände vor allem auf.

Deshalb spricht man auch vom typischen Ruhetremor (= Zittern im nicht bewegten Zustand).

Gibt es auch andere Erkrankungen außer Parkinson, bei der man zittert?

Ja, vor allem den sogenannten essentiellen Tremor. Das ist eine erbliche Erkrankung, bei der es ebenfalls zu unstoppbarem Zittern (Tremor = Zittern) kommt. Die Symptomatik beschränkt sich aber auf das Zittern. Bewegungsprobleme und Steifigkeit wie bei der Parkinson-Krankheit treten nicht auf.

Auch der Auslöser des Zitterns ist unterschiedlich: Bei der Parkinson-Krankheit dominiert das Zittern bei ruhiger Körperhaltung. Beim essenziellen Tremor kommt es eher bei Bewegungen oder dem Festhalten von Gegenständen zum Zittern (Haltezittern, Aktionszittern). Typisch für den essentiellen Tremor ist außerdem, dass Alkohol die Beschwerden lindern kann.

Der essenzielle Tremor beruht nicht auf einem Dopamin-Mangel. Die üblichen Parkinson-Medikamente sind deshalb nicht wirksam. Stattdessen helfen Betablocker und bestimmte Antiepileptika (Mittel gegen Epilepsie).

Die einfachste Möglichkeit, die beiden Ursachen des Zitterns zu unterscheiden, ist, L-Dopa einzunehmen. Bessert sich dann die Symptomatik, spricht vieles für Parkinson.

Handschrift, Gang und Maskengesicht

Wie kann sich der Morbus Parkinson auf die Handschrift auswirken?

Die Handschrift wird bei Menschen mit Morbus Parkinson mit der Zeit oft immer kleiner und unleserlicher. Das hängt mit den Schwierigkeiten zusammen, die zum Schreiben notwendigen Bewegungsabläufe zu koordinieren.

Manchmal wird dieses Anzeichen auch in der Diagnostik benutzt, in dem man die Betreffenden bei Verdacht auf eine Parkinson'sche Erkrankung etwas schreiben lässt.

Warum erkennt man Parkinson-Patienten oft an ihrem Gang?

Mit Fortschreiten der Erkrankung ändert sich der Gang von Menschen mit Morbus Parkinson oft in sehr typischer Weise. Die Schritte werden kleiner und der Körper wird etwas nach vorne gebeugt gehalten.

Außerdem schwingen die Arme (oder zu Beginn nur ein Arm) beim Gehen weniger mit.

Was versteht man unter dem "Maskengesicht" bei Morbus Parkinson?

Bei Menschen mit Morbus Parkinson kann es im Verlauf der Erkrankung zu einer zunehmenden "Starre" der Gesichtsmuskulatur kommen. Das äußert sich in einer verringerten Mimik, die die sonst üblichen, stimmungsabhängigen Gesichtsbewegungen beim Sprechen, Lachen u.s.w. nicht mehr zulässt.

In ausgeprägten Fällen spricht man dann auch vom sogenannten "Maskengesicht".

Was meinen Ärzte mit „Parkinson-Plus“?

Dieser etwas zynische Begriff (nicht untypisch für den Mediziner-Jargon) bedeutet, dass bei einer Parkinson-Erkrankung über die "Normalbeschwerden" hinaus spezielle zusätzliche Symptome vorliegen, die nicht zum klassischen Bild des Morbus Parkinson zählen.

Die Bezeichnung wird heute in erweiterter Form für alle atypischen Parkinson-Syndrome angewandt. Dazu zählen:

  • Multi-System-Atrophie (MSA)
  • Progressive Supranukleäre Lähmung (PSP)
  • Corticobasale Degeneration (CBD)
  • Lewy-Körperchen-Demenz

Untersuchungen

Wie erkennt der Arzt, dass ein Morbus Parkinson vorliegt?

Die Beschwerden beim Morbus Parkinson sind meistens so charakteristisch, dass häufig schon das ärztliche Gespräch und das Schildern der Symptome zur Diagnose führt.

Bevor aufwändigere Untersuchungen zur endgültigen Sicherung der Diagnose vorgenommen werden, kann ein einfacher Test oft schon sehr viel Aufschluss bringen. Gibt man das Medikament Levodopa (eine Vorstufe des Botenstoffs Dopamin, auf dessen Mangel die Parkinson-Erkrankung zurückgeht) und bessern sich dann die Beschwerden, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass es sich um einen Morbus Parkinson handelt.

Tests

Wie funktioniert der Levodopa-Test auf Morbus Parkinson?

Mit dem Levodopa-Test versucht der Arzt Hinweise zu erlangen, ob ein Morbus Parkinson vorliegt. Die Person, bei der ein Parkinson vermutet wird, erhält das Medikament Levodopa (L-Dopa). Hierbei handelt es sich um eine Vorstufe des Dopamins, das bei Parkinson-Patienten verringert ist.

Bessern sich unter Levodopa die Beschwerden, ist dies ein Hinweis auf das Vorliegen eines Morbus Parkinson.

Der Test gilt als etabliertes Diagnostik-Verfahren. Einen endgültigen Beweis liefert er zwar nicht, allerdings eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass die Verdachtsdiagnose richtig ist.

Lässt sich die Parkinson-Krankheit mit einem Blut-Test nachweisen?

Nein, das ist bis jetzt leider noch nicht möglich. Es gibt zwar vielversprechende Forschungsergebnisse, die auf einen Bluttest in nicht allzu ferner Zukunft hoffen lassen. Aber das ist noch nicht spruchreif und somit für den Augenblick ohne Belang.

Bis auf weiteres aber wird die Parkinson-Diagnose (die sich einem geschulten Arzt meist schon anhand des Erscheinungsbildes offenbart) entweder mit dem Levodopa-Test oder selten auch mit aufwändigeren apparativen Untersuchungen gesichert.

CT, Kernspin und Ultraschall

Wann ist eine Computertomographie in der Parkinson-Diagnostik sinnvoll?

Eine Computertomographie (CT) kommt in der Parkinson-Diagnostik mitunter zum Einsatz, wenn es darum geht, die Diagnose zu sichern bzw. andere Ursachen der Beschwerden (z.B. andere Gehirnerkrankungen) auszuschließen.

Bei der Computertomographie werden sogenannte Schichtbilder des menschlichen Körpers aufgenommen, im Fall der Parkinson-Diagnostik Schichtaufnahmen des Kopfes.

Wann ist eine Magnetresonanztomographie in der Parkinson-Diagnostik sinnvoll?

Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kommt in der Parkinson-Diagnostik mitunter zum Einsatz, wenn es darum geht, die Diagnose zu sichern bzw. andere Ursachen der Beschwerden (z.B. andere Gehirnerkrankungen) auszuschließen. Mit ihr können auch Hinweise auf das Vorliegen einer sogenannten Multi-System-Atrophie (MSA) gewonnen werden.

Isotop-Untersuchungen nicht als Routine geeignet

Ist ein Diagnosebeweis erforderlich, weil die Beschwerden und das Ansprechen auf das Medikament L-Dopa nicht eindeutig genug sind, kann die Verminderung der Dopamin-Produktion mit speziellen Isotop-Untersuchungen (DAT-Scan, IBZM-SPECT und MIBG-SPECT) nachgewiesen werden. Dies ist sogar vor Ausbruch der ersten Krankheitserscheinungen möglich, da diese erst ab einem Verlust von etwa 60% der Dopamin-Produktion auftreten. Weil aber der dafür verantwortliche Zelluntergang gegenwärtig noch nicht therapeutisch aufgehalten werden kann, ist diese Art der „Vorsorgeuntersuchung“ in der Praxis bisher wenig sinnvoll.

Die Magnetresonanztomographie wird auch Kernspintomographie oder kurz Kernspin genannt. Auch wenn die Untersuchung häufig beim Radiologen vorgenommen wird, handelt es sich um eine Methode ohne radioaktive Belastung.

Kann man einen Morbus Parkinson auch mit Ultraschall feststellen?

Der Ultraschall ist in der Parkinson-Diagnostik noch relativ neu und wird nur in Spezialpraxen oder Spezialkliniken angewandt. Man nennt das angewandte Verfahren transkranielle Sonographie (= Ultraschall durch die Schädeldecke).

Die Diagnose lässt sich damit nicht sichern, aber für bestimmte Fragestellungen ist die Methode gut geeignet. Sie ist außerdem trotz des gefährlich klingenden Namens völlig ungefährlich.

Behandlung

Parkinson-Behandlung: Geht es auch ohne Medikamente?

Nein. Nach derzeitiger Einschätzung der Experten gibt es bei der Parkinson-Erkrankung keine Alternative zur medikamentösen Behandlung. Mal abgesehen von operativen, neurochirurgischen Eingriffen in sehr speziellen und sehr fortgeschrittenen Fällen.

Und natürlich abgesehen von sehr sinnvollen Begleitmaßnahmen. Zu nennen sind hier vor allem einige in den letzten Jahren intensiv untersuchten pflanzlichen Naturstoffe, die Krankengymnastik natürlich oder auch die Sprechtherapie. Aber in der Basistherapie gibt es – zumindest nach schulmedizinischer Lehrmeinung – keinen gleichwertigen Ersatz für die medikamentöse Behandlung.

Wer dennoch Wert auf alternativmedizinische Ansätze legt, muss nicht unbedingt etwas falsch machen, sollte diese Methoden aber als Ergänzung der Medikamente betrachten, und nicht als Ersatz.

Medikamente: Basiswissen

Welches sind die gebräuchlichsten Medikamente gegen Morbus Parkinson?

Die Beschwerden der Parkinson-Erkrankung gehen in erster Linie auf einen Mangel an Dopamin zurück. Dementsprechend sind die gebräuchlichsten Medikamente zur Behandlung des Morbus Parkinson Präparate, die den Mangel dieses körpereigenen Hirn-Botenstoffs ausgleichen sollen.

Dabei unterscheidet man vor allem folgende drei Wirkstoff-Gruppen:

  • Levodopa (L-Dopa): Levodopa ist eine chemische Vorstufe des Dopamins und wird nach der Einnahme im Körper zu Dopamin umgewandelt.
  • Dopamin-Agonisten: Dies sind Substanzen mit Dopamin-ähnlicher Wirkung.
  • Dopamin-Abbau-Hemmer: Hier zu nennen sind v.a. sogenannte MAO-B-Hemmer und COMT-Hemmer. Beide Substanzgruppen wirken dem Abbau von Dopamin entgegen und sorgen so für eine höhere Verfügbarkeit des körpereigenen Botenstoffs.
Mit welchem "Basismedikament" beginnt häufig die Parkinson-Behandlung?

Mit Levodopa. Levodopa ist eine chemische Vorstufe von Dopamin und führt gerade in den früheren Phasen der Parkinson-Erkrankung sehr zuverlässig und auch relativ schnell zu einer Besserung der Beschwerden.

Der gute therapeutische Effekt hält meist einige Jahre an, schwächt dann aber langsam etwas ab. In fortgeschritteneren Krankheitsstadien genügt die Behandlung mit Levodopa dann häufig nicht mehr, und es müssen andere Medikamente eingenommen werden.

Mittlerweile beginnt man die Parkinson-Behandlung aber immer häufiger auch direkt mit Dopamin-Agonisten, vor allem bei jüngeren Patienten (unter 65 Jahre).

Dopamin-Agonisten

Was sind Dopamin-Agonisten?

Dopamin-Agonisten sind Medikamente gegen Morbus Parkinson, die die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Dopamin "nachahmen".

Genau wie Levodopa setzen sie also genau dort an, wo es bei der Parkinsonschen Erkrankung fehlt: nämlich am Dopamin. Der Unterschied zu Levodopa:

  • Es handelt sich bei den Dopamin-Agonisten chemisch um andere Stoffe (Levodopa ist ja eine Dopamin-Vorstufe), die allerdings Dopamin-artige Effekte erzielen.
  • Dopamin-Agonisten sind im Gegensatz zu Levodopa in der Lage, direkt mit den Dopamin-Rezeptoren der Gehirnzellen zu interagieren, also dort anzudocken.

Die Wirkstoff-Gruppe gibt es seit 1974. Damals kam mit Bromocriptin der erste Dopamin-Agonist auf den Markt. Seitdem ist die Gruppe stetig gewachsen und besteht mittlerweile aus einer Vielzahl unterschiedlicher Wirkstoffe.

Was ist der Unterschied zwischen L-Dopa und Dopamin-Agonisten?

Sowohl L-Dopa als auch die Gruppe der Dopamin-Agonisten (zu deutsch: Dopamin-Nachahmer) sind medikamentöse Wirkstoffe gegen die Parkinson-Erkrankung. Und beide gleichen den Mangel an Dopamin aus, zumindest ist das das Ziel der Behandlung. Soweit zu den Gemeinsamkeiten.

L-Dopa, auch Levodopa genannt, ist die Vorstufe des Überträgerstoffes Dopamin, der bei der Parkinson-Krankheit vermindert ist oder gar nicht mehr produziert wird. Mit L-Dopa kann also das bei der Parkinson-Erkrankung fehlende Dopamin ersetzt werden. Da von "außen" zugeführtes Dopamin nicht ins Gehirn eintreten kann, wird L-Dopa benutzt, das die "Blut-Hirn-Schranke" überwinden kann und dann im Gehirn ins "richtige" Dopamin umgebaut wird.

Die Dopamin-Agonisten sind Medikamente, die, obwohl sie chemisch anders aufgebaut sind, so ähnlich wirken wie Dopamin. Und die Dopamin-Agonisten gelangen ohne Umwandlung problemlos ins Gehirn.

Welche Wirkstoffe gegen Parkinson gehören zu den Dopamin-Agonisten?

Dopamin-Agonisten sind Arzneimittel, die die Wirkung des körpereigenen (und bei Morbus Parkinson fehlenden) Botenstoffes Dopamin nachahmen. Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Wirkstoffen.

Zu den Dopamin-Agonisten zählen u.a.:

Weitere Medikamente: Anticholinergika, NMDA-Antagonisten und Kalziumblocker

Auf welche Weise wirken Anticholinergika gegen die Parkinson-Krankheit?

Anticholinergika sind Medikamente, die den Botenstoff Acetylcholin hemmen. Damit können vor allem das Zittern und die Steifigkeit gelindert werden, beides typische Parkinson-Symptome. Zwei klassische Vertreter der Anticholinergika sind die Wirkstoffe Biperiden und Clozapin.

Um den Wirkmechanismus dieser Medikamente etwas besser zu verstehen, muss man tiefer in die Entstehung des Morbus Parkinson eintauchen. Dabei geht es vor allem um zwei Botenstoffe im Gehirn: zum einen um das Dopamin; zum anderen um Acetylcholin.

Wenig Dopamin = viel Acetylcholin

Ohne dass man so ganz genau weiß warum, kommt es bei der Parkinson-Krankheit zu einer verminderten Produktion von Dopamin im Gehirn. Dopamin ist maßgeblich an der Steuerung unserer Bewegungsabläufe beteiligt. Das erklärt die verschiedenen Bewegungsstörungen, die bei der Parkinson-Krankheit auftreten. Aber nur zum Teil: Denn daran mitbeteiligt ist auch Acetylcholin. Acetylcholin ist eine Art Gegenspieler von Dopamin. Wenn Dopamin fehlt, steigt Acetylcholin an. Und auch das verursacht die Parkinson-Symptome, vor allem das starke Zittern.

Die typischen Beschwerden beim Morbus Parkinson sind also nicht nur auf den Dopaminmangel zurückzuführen, sondern auch auf eine Zunahme von Acetylcholin. Anticholinergia wie Biperiden (Akineton®) und Clozapin wirken diesem Ungleichgewicht entgegen. Wegen ihrer zahlreichen Nebenwirkungen werden sie aber heute nur noch in Ausnahmesituationen verschrieben.

Wie wirken NMDA-Antagonisten gegen Parkinson?

NMDA-Antagonisten nennt man eine Gruppe von Medikamenten, die die Wirkung des Botenstoffes Glutamat hemmen. Dessen Konzentration ist bei Patienten mit Parkinson-Erkrankung häufig erhöht und wird durch die Einnahme der NMDA-Antagonisten gesenkt.

Amantadin und Budipin

Es gibt in Deutschland zwei Wirkstoffe, die den NMDA-Antagonisten zugeordnet werden: Amantadin und Budipin. Amantadin wirkt sowohl allein als auch in Kombination mit anderen Medikamenten. Neben der direkten Effekte auf die Parkinson-Symptome werden auch die Nebenwirkungen einer L-Dopa-Therapie reduziert.

Budipin hilft vor allem gegen das Zittern. Allerdings kann es unter der Behandlung zu Herzrhythmusstörungen kommen. Budipin darf deshalb nur bei nachweislich herzgesunden Personen eingesetzt werden.

Begriffserklärung NMDA-Antagonisten

Mediziner fühlen sich aus einem nicht ganz ersichtlichen Grund wohler, wenn sie Begriffe benutzen, die außer ihnen selbst niemand versteht. NMDA-Antagonisten heißt so viel wie "Gegenspieler des NMDA". Und NMDA steht für n-Methyl-D-Aspartat. Das ist eine künstlich hergestellte Substanz, die ähnlich wie Glutamat wirkt. Unterm Strich sind NMDA-Antagonisten also Glutamat-Hemmer.

Stimmt es, dass bestimmte Herzmedikamente (Kalziumblocker) die Parkinson-Krankheit beeinflussen können?

Ja. Offenbar können verschiedene Kalziumblocker (Kalziumantagonisten) eine Parkinson-Krankheit unterschiedlich beeinflussen. Kalziumblocker sind Medikamente gegen Bluthochdruck und andere Herzerkrankungen.

Kalziumblocker wie Flunarizin und Cinnarizin können vom Gehirn ausgehende Bewegungsstörungen, wie sie bei der Parkinson-Erkrankung vorkommen, provozieren und sind deshalb bei der Erkrankung nicht erlaubt.

Andererseits deuten Studien daraufhin, dass ein anderer Kalziumantagonist, Isradipin, das Fortschreiten einer Parkinson-Krankheit bremst. Auch Schweizer Wissenschaftler fanden heraus, dass Menschen mit Kalziumblocker-Behandlung seltener eine Parkinson-Erkrankung entwickeln.

Die Daten sind bislang allerdings nicht eindeutig, so dass Kalziumblocker nicht gezielt bei Morbus Parkinson eingesetzt werden.

Muss man zur Behandlung der Parkinson-Krankheit ins Krankenhaus?

Das hängt vom individuellen und aktuellen Krankheitszustand ab. Normalerweise ist eine ambulante Behandlung beim niedergelassenen Neurologen ausreichend, wenn die Diagnose eindeutig ist und die Tabletten gut anschlagen.

Ein Krankenhausaufenthalt kann aber erforderlich werden, wenn

  • die Parkinson-Diagnose nicht eindeutig ist, also noch andere Ursachen der Beschwerden in Betracht kommen
  • die vom Arzt verordneten Medikamente nicht wirken oder mit nicht beherrschbaren Nebenwirkungen einhergehen
  • die ambulante Einstellung der Medikation schwierig (z.B. im fortgeschrittenen Krankheitsstadium) oder eine Neueinstellung nötig ist, da die Maßnahmen in der Arztpraxis nicht mehr ausreichen
  • die Ärzte einen "gesamthaften" Therapieansatz verfolgen (Medikamenteneinstellung, Krankengymnastik, Sprechtherapie, u.a.), was zumindest zu Beginn in einer Klinik einfacher sein kann

Pumpentherapie und Operation

Parkinson-Therapie: Was bedeutet "Pumpen-Behandlung"?

Wenn die Einnahme von Tabletten nicht mehr zu einer ausreichenden Wirkung führt, kann man die Medikamente auch über eine Kanüle oder Sonde zuführen, die man dauerhaft am oder im Körper trägt. Das nennt man Pumpenbehandlung, weil eine Pumpe dafür sorgt, dass die Medikamentenzufuhr regelmäßig erfolgt.

Nur etwas für Ausnahmefälle

Eine Pumpenbehandlung bei Morbus Parkinson ist nur dann eine Option, wenn die Erkrankung schon sehr fortgeschritten ist und sich die Beschwerden auf konventionellem Weg nicht zufriedenstellend lindern lassen. Zwei Formen der Behandlung mit einer sogenannten Pumpe kommen dann in Betracht: die Apomorphin- und die Duodopa-Pumpe. Bei der Apomorphin-Pumpe wird der Wirkstoff Apomorphin (ein Dopamin-Agonist) über eine Dauerkanüle unter die Haut "gepumpt". Bei der Duodopa-Pumpe wird eine kleine Sonde durch die Bauchwand in den oberen Dünndarmbereich gesetzt und von außen durch die Pumpe der Wirkstoff L-Dopa zugeführt.

Beide Pumpen müssen dauerhaft getragen werden. Das ist nicht schön, aber auch bei weitem nicht so belastend, wie es auf den ersten Blick vielleicht erscheint. Und wenn es einem danach deutlich besser geht, weil die Medikamente wieder zuverlässig wirken, ist das allemal eine Verbesserung der Lebensqualität.

Wann kommt eine Operation zur Behandlung der Parkinson-Krankheit in Frage?

In der Regel muss bei einer Parkinson-Erkrankung nicht operiert werden. Eine mögliche Gehirnoperation, die sogenannte Tiefe Hirnstimulation (THS), wird im allgemeinen nur bei sehr fortgeschrittenem Parkinson-Syndrom durchgeführt, wenn Medikamente nicht mehr ausreichend wirken und sich die Bewegungsstörungen nicht mehr kontrollieren lassen.

Ein weiterer Grund für eine Operation kann starkes Zittern sein, das durch Medikamente nicht mehr zu stoppen ist.

Insgesamt ist diese Operation aber nicht Bestandteil der "Standardtherapie". Es fehlt vor allem noch an ausreichender Erfahrung im Langzeitverlauf, auch was Nebenwirkungen betrifft. Und der Eingriff ist auch nicht völlig ungefährlich, einzelne Todesfälle sind bereits vorgekommen.

Prognose

Ist die Parkinson-Krankheit heilbar?

Das hängt von der Ursache ab. Bei der klassischen und häufigsten Form des Morbus Parkinson mit unbekannter Ursache (primäres oder idopathisches Parkinson-Syndrom) wurde in der Fachliteratur noch kein Heilungserfolg beschrieben. Bei Therapieverfahren, die mit Heilungsversprechen angepriesen werden, ist deshalb Vorsicht, um nicht zu sagen tiefes Misstrauen angebracht.

Immerhin aber gibt es gute Chancen, die Erkrankung bzw. eine Zunahme der Beschwerden mit Medikamenten lange Zeit aufzuhalten. Und es gibt in Form von Nahrungsergänzungsmitteln einige pflanzliche Naturstoffe, die das Fortschreiten der Nervenzelldegeneration offenbar ebenfalls aufhalten können.

Sonderformen teilweise heilbar

Anders, nämlich günstiger sieht die Sachlage aus, wenn es sich um sekundäre Formen handelt, bei denen Gründe identifizierbar sind, die die Parkinson-Symptomatik ausgelöst haben. Etwa beim medikamentös bedingten Parkinsonoid, das wieder verschwindet, wenn die dafür verantwortlichen Arzneimittel (z.B. Neuroleptika oder Mittel gegen Übelkeit) abgesetzt werden.

Auch psychische Ursachen können, wenngleich sehr selten, zur Entstehung eines Parkinson-artigen Beschwerdebildes führen. Dann sind die Heilungschancen ebenfalls gut, soweit es gelingt, die auslösende psychische Ursache zu beseitigen.

Leben mit Parkinson

Mit welchen Alltagsverrichtungen bekommen Parkinson-Patienten typischerweise Probleme?

Mit fortschreitendem Verlauf der Erkrankung fallen vor allem Alltagstätigkeiten schwerer, die eine ausgeprägte Feinmotorik verlangen. So können Menschen mit Morbus Parkinson z.B. Probleme mit dem Schreiben, Zähneputzen, Schuhe zubinden, Knöpfe zuknöpfen oder dem Kämmen bekommen.

Grundsätzlich fällt es Parkinson-Patienten oft schwerer, mehrere Bewegungen gleichzeitig auszuführen bzw. aufeinander abzustimmen.

Für die Betroffenen ist das oft sehr belastend, weil sie trotz klarstem Verstand Probleme mit solchen Alltagstätigkeiten haben, die schwierig zu "verstecken" sind.

Auch wenn das leichter gesagt als getan ist: Wir empfehlen damit offen und selbstbewusst umzugehen und in Umgebung fremder Menschen Ihre Schwierigkeiten ggf. anzusprechen und sich ohne Scham helfen zu lassen.

Schlaf und Sexualität

Kann ein Morbus Parkinson auch zu Schlafproblemen führen?

Ja, oft sogar schon in der Frühphase. Die Betroffenen schlafen oft sehr unruhig, bewegen sich teilweise sehr heftig oder sprechen im Schlaf.

Stimmt es, dass die Lust auf Sex bei der Parkinson-Krankheit zunehmen kann?

Ja. Bei Menschen, die an der Parkinson-Krankheit leiden, treten nicht selten sexuelle Probleme auf. Teilweise ist dafür die Erkrankung selbst und teilweise deren medikamentöse Behandlung verantwortlich.

Letzteres trifft auf die sogenannte Hypersexualität zu. Hinter diesem gestelzten Begriff (typischer Mediziner-Jargon) steckt eine übermäßige Steigerung der sexuellen Lust (der Libido). Insbesondere Medikamente aus der Gruppe der Dopamin-Agonisten können einen solchen Effekt verursachen, der alles andere als lustig ist.

Diese unabsichtlich herbeigeführte Lustvermehrung bei eventuell gleichzeitig – nämlich krankheitsbedingt – verminderter Potenz kann die Psyche und die Partnerschaft vor erhebliche Probleme stellen. Sprechen Sie diese heikle Situation offen beim behandelnden Arzt an. Durch eine geeignete Änderung der Tabletten kann der vergleichsweise einfach für Abhilfe sorgen.

Warum ist es so wichtig, gerade im fortgeschrittenen Krankheitsstadium ausreichend zu trinken?

Eine ernste Komplikation der Parkinson-Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium ist die sogenannte akinetische Krise – eine plötzlich einsetzende vollständige Bewegungsunfähigkeit. Auslöser sind oft nicht eingenommene Medikamente. Aber auch mangelnde Flüssigkeitszufuhr kann eine akinetische Krise verursachen.

Achten Sie deshalb darauf, dass Sie bzw. Ihre Angehörigen mit Parkinson immer ausreichend trinken. Und denken Sie daran, dass sie das oft genug nicht "von allein" tun.

Krankenhausaufenthalt mit Parkinson

Worauf sollte man achten, wenn man selbst oder ein Angehöriger mit Parkinson ins Krankenhaus muss?

Auch wenn man es nicht glauben mag, ist sowohl dem Pflegepersonal als auch den Ärzten in Krankenhäusern häufig nicht bekannt, worauf es bei der Parkinson-Therapie ankommt. Insbesondere die Notwendigkeit, die Medikamente in vielen kleinen Dosen einzunehmen (sechs- bis achtmal täglich), wird nicht selten einfach ignoriert und "vereinfacht".

Dann aber kann es zu einer deutlichen Verschlechterung der Parkinson-Symptome kommen. Mit anderen Worten: Das sollten Sie nicht zulassen. Das beste Vorgehen: Die Problematik von vornherein ansprechen, und sei es nur zur Sicherheit. Hüten Sie sich davor, das Thema zu verschweigen, weil sie sich nicht trauen.

Parkinson-Erkrankung: Was muss man bei einer Operation und Narkose beachten?

Eine Vollnarkose stellt für den menschlichen Organismus grundsätzlich eine Belastung dar. Für Menschen, die an der Parkinson-Krankheit leiden, gilt das erst recht. Zudem können Sie nicht davon ausgehen, dass die bei Morbus Parkinson zu berücksichtigenden Besonderheiten dem Arzt- und Pflegepersonal komplett vertraut sind – zumindest nicht in einer nicht darauf spezialisierten Klinik.

Als Selbstbetroffener oder betreuender Angehöriger empfiehlt es sich deshalb, einige hilfreiche Hinweise zu beachten:

  • Es sollten nur unbedingt notwendige Operationen durchgeführt werden.
  • Führen Sie für Notfälle einen Parkinson-Ausweis mit einer Auflistung der aktuell eingenommenen Tabletten mit sich.
  • Wählen Sie bei einem planbaren Eingriff eine Klinik aus, in der Erfahrung im Umgang mit Parkinson-Patienten besteht. Sprechen Sie im Vorwege mit Ärzten und Pflegepersonal über Ihre Erkrankung und etwaige Besonderheiten.
  • Bestimmte Narkosemittel dürfen bei Menschen mit Parkinson nicht verwendet werden.
  • Auch bei richtiger Narkoseführung und Betreuung vor und nach der Operation kann sich die Parkinson-Symptomatik durch eine Vollnarkose verschlechtern, wenn auch meist nur vorübergehend. In einigen Fällen wird deshalb nach der Operation eine medikamentöse Neueinstellung notwendig, häufig sogar stationär in einer geeigneten Parkinson-Abteilung oder Klinik. Dadurch kann der Verschlechterung in der Regel erfolgreich entgegengewirkt werden.
  • In seltenen Fällen kommt es nach der Operation zu einem sogenannten Durchgangssyndrom, das durch Verwirrtheit und Desorientierung gekennzeichnet ist. Sofern es sich nicht nur um eine vorübergehende Erscheinung handelt, kann sogar eine stationäre Behandlung in einer geeigneten Einrichtung erforderlich werden.

Achtung mit den Parkinson-Medikamenten

  • Nehmen Sie Ihre Parkinson-Arzneimittel in ausreichender Menge in die Klinik mit. Zum einen besteht dann keine Gefahr einer abweichenden Medikation, zum anderen sind diese Medikamente in einer chirurgischen Abteilung in der Regel nicht vorrätig. Müssen sie erst bestellt werden, kann es zu einer ungewollten Medikamentenpause kommen.
  • Es sollte grundsätzlich vermieden werden, dass vor und nach der Operation bzw. Narkose eine unnötig lange Medikamentenpause entsteht oder von der bisherigen Medikation (Zusammensetzung, Einnahmezeiten und Einzeldosen der Antiparkinson-Mittel) abgewichen wird. Sonst drohen eine mitunter erhebliche Verschlechterung der Parkinson-Symptomatik und eine verzögerte Mobilisierungsfähigkeit. Im schlimmsten Fall kann die Therapieunterbrechung zu einem schweren L-Dopa-Entzugs-Syndrom (akinetische Krise) führen.
  • Häufig wird – zumeist aus Unwissenheit – versucht, den Medikamentenplan von Parkinson-Patienten zugunsten der Krankenhaus-Routine zu „vereinfachen“. Beispielsweise, indem die auf 6 bis 8 mal am Tag verteilte Einnahme mehrerer Medikamente in kleineren Dosen gestrafft wird auf täglich 3 mal 1-2 Tabletten. Eine solche Änderung der Medikation kann Ihr Beschwerdebild erheblich verschlechtern – und braucht bzw. darf nicht hingenommen werden!
  • Auch schlagartige Wechsel in der Medikamentenwirkung sind manchem Krankenhauspersonal nicht unbedingt geläufig und werden häufig falsch gedeutet. Für Nichtbetroffene ist es eben schwer nachvollziehbar, dass ein Patient, der noch vor einer Minute nahezu symptomfrei war, sich plötzlich nicht mehr bewegen können soll. Sorgen Sie deshalb durch ein rechtzeitiges Gespräch mit Arzt und Pflegepersonal für Aufklärung!
Welche Narkosemittel dürfen bei der Parkinson-Krankheit nicht angewandt werden?

Eine Operation unter Vollnarkose birgt bei Menschen mit Morbus Parkinson gewisse Risiken, vor allem, weil die Narkosemittel die Wirkung der Parkinson-Medikamente durcheinanderwirbeln können. Folgende Narkosemittel muss der Anästhesist meiden, wenn eine Parkinson-Krankheit besteht:

Dopamin-Gegenspieler (Dopamin-Antagonisten),

da sie die Dopamin-Rezeptoren blockieren und dadurch die Parkinson-Symptome verschlechtern:

Bestimmte Inhalations-Narkosemittel,

die die Herzmuskulatur gegen Katecholamine (z.B. Adrenalin) sensibilisieren:

  • Halothan
  • Zyklopropan

Spätsymptome und Begleiterkrankungen

Parkinson: Wie häufig sind Begleitsymptome wie Verstopfung oder Demenz?

Eine Parkinson-Erkrankung führt in fortgeschritteneren Stadien häufig auch zu Symptomen, die mit den eigentlichen Bewegungsstörungen nichts zu tun haben. Gleichwohl können diese Begleitsymptome die Lebensqualität mehr belasten als das Zittern oder die Steifigkeit.

Auf dem Europäischen Neurologen-Kongress 2012 wurde die Häufigkeit dieser Beschwerden beziffert (wobei wichtig anzumerken ist, dass viele dieser Symptome tatsächlich erst in einem sehr späten Stadium der Erkrankung auftreten):

  • Riechverlust: 90%
  • Blasenschwäche: 50% (vor allem bei Frauen)
  • Gefühlsarmut: 50% (vor allem bei Frauen)
  • Verstopfung: 45%
  • Depression: 30%
  • starkes Schwitzen, fettige Haut: 30%
  • Erektionsstörungen: 30%
  • Doppelbilder beim Sehen: 10%
  • Demenz: in den letzten Jahren bei fast allen Betroffenen

Depressionen, Angst und Demenz

Stimmt es, dass Menschen mit Morbus Parkinson häufig eine Depression entwickeln?

Leider ja. Verschiedene Studien haben ergeben, dass zwischen 30 und 70% aller Parkinson-Patienten im Verlauf der Erkrankung Depressionen entwickeln.

Allerdings kommt es dazu, wenn es überhaupt dazu kommt, meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung. Dennoch ist Vorbeugung ein wichtiges Thema. Viele Menschen mit Morbus Parkinson rutschen vor allem deshalb in eine depressive Verstimmung, weil sie durch ihre Beeinträchtigungen zunehmend soziale Kontakte meiden. Vor allem die Sprachstörungen sind dabei ein großes Problem, weil sie die Kommunikation mit anderen Menschen deutlich erschweren und einen sozialen Rückzug noch mehr beschleunigen können. Um so wichtiger sind frühzeitige therapeutische Maßnahmen, unter anderem logopädische Übungen (die sogenannte Sprechtherapie).

Stimmt es, dass Menschen mit Morbus Parkinson häufig Angstzustände bekommen?

Ja. Bei Patienten mit Morbus Parkinson kommt es im fortgeschrittenen Stadium ihrer Erkrankung relativ häufig zu begleitenden Angststörungen. Etwa jeder dritte bis jeder zweite Betroffene erlebt solche Angstzustände.

Das kann sich in diffusen Ängsten äußern, die entweder zeitweise oder sogar dauerhaft bestehen. Bei manchen Patienten kommt es aber auch zu eher plötzlich einsetzenden Panikattacken.

Solche Angstzustände müssen behandelt werden, zum einen, weil sie für den Betroffenen natürlich sehr belastend sind, zum anderen aber auch, weil sich die Ängste unbehandelt immer mehr verfestigen und verselbstständigen können.

Stimmt es, dass Menschen mit Morbus Parkinson häufiger eine Demenz oder einen Alzheimer bekommen?

Ja, das Risiko, eine Demenz zu entwickeln, ist bei Menschen mit der Parkinson-Erkrankung statistisch etwas erhöht. Das liegt auch an der bei beiden Erkrankungen ähnlichen Ursache, nämlich einer Degeneration von Nervenzellen. Allerdings bedeutet das nicht, dass die Mehrzahl der Parkinson-Patienten dement wird.

Man muss also bei eventuell auftretenden Gedächtnisstörungen dringend davor warnen, solche statistischen Daten überzuinterpretieren und dann immer gleich das Schlimmste zu befürchten.

Frühzeitig entgegenwirken

Tatsache ist: Bei etwa jedem fünften Patienten mit Morbus Parkinson entwickeln sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung Gedächtnisstörungen. Diese können zwar theoretisch auch in eine Demenz übergehen, aber das ist eher die Ausnahme. Wichtig ist, solche auftretenden Denkstörungen frühzeitig zu behandeln. Das hilft den Betroffenen (auch emotional) und reduziert das Risiko, dass sich das Gedächtnis weiter verschlechtert. Dazu gehört auch, dass die Grunderkrankung, also der Parkinson, gut behandelt wird. Einen Versuch wert ist hier übrigens auch eine additive Behandlung mit pflanzlichen Naturstoffen.

Was man auch nicht vergessen darf: Der Parkinson ist eine typische Erkrankung des Alters. Bei der fast normalen Lebenserwartung von Parkinson-Patienten erreichen viele Betroffene ein Alter, in dem die Demenz ohnehin immer häufiger wird.

Inkontinenz und Spielsucht

Stimmt es, dass die Parkinson-Erkrankung zu einer Blasenschwäche führen kann?

Ja. Allerdings kommt das nicht allzu häufig vor, und wenn, dann eher in sehr fortgeschrittenen Fällen der Erkrankung. Eine sogenannte motorische Dranginkontinenz ist eine solche mögliche Parkinson-Folge.

Die motorische Dranginkontinenz geht auf unwillkürliche Bewegungen des Blasenentleerungsmuskels zurück. Der Muskel zieht sich, ohne dass man dies willentlich beeinflussen kann, plötzlich zusammen und es entsteht heftiger Harndrang, man muss also sofort auf die Toilette.

Die Ursache liegt dabei meistens gar nicht im Muskel selbst, sondern in den Nerven, die ihn steuern, sozusagen seiner Befehlszentrale. Und diese Befehlszentrale kann neben anderen neurologischen Erkrankungen auch infolge eines Morbus Parkinson beeinträchtigt werden.

Kann die Parkinson-Erkrankung wirklich eine Spielsucht auslösen?

Nein, die Parkinson-Krankheit selbst nicht. Aber manche Medikamente, die den Parkinson-Patienten vom Arzt zur Behandlung verschrieben werden, können – wahrscheinlich bei entsprechender Veranlagung – eine Spiel-, Kauf- oder sogar Sexsucht auslösen oder verstärken. Bei den auslösenden Arzneimitteln handelt es sich in erster Linie um bestimmte Dopamin-Agonisten.

Was sich auf den ersten Blick vielleicht noch niedlich anhört, ist in ausgeprägten Fällen alles andere als das, es gefährdet im Extremfall den Betroffenen, seine Angehörigen und andere Mitmenschen fulminant. Sollten entsprechende Probleme auftreten, ist deshalb ärztliche Hilfe unbedingt notwendig, vor allem im Hinblick auf eine medikamentöse Umstellung.

Komplikationen

Was ist eine akinetische Krise?

Eine akinetische Krise kann im Spätstadium eines Morbus Parkinson auftreten und ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Dabei kommt es zu einer kompletten Bewegungsunfähigkeit. Mitunter wird diese Starre aber auch begleitet von einem starken Zittern (vor allem der Hände).

Die akinetische Krise kann plötzlich einsetzen oder sich innerhalb von einigen Tagen langsam aufbauen. Die Bewegungsunfähigkeit kann so weit gehen, dass die Betroffenen nicht einmal mehr kauen und schlucken können. Häufig kommt es deshalb als Begleitkomplikation auch zu akutem Flüssigkeitsverlust, weil es nicht mehr möglich ist, etwas zu trinken.

Sofort ins Krankenhaus

In jedem Fall ist eine sofortige Klinikeinweisung notwendig, denn potentiell besteht Lebensgefahr. Dort folgt in der Regel die Versorgung auf einer Intensivstation. Die Parkinson-Krise selbst wird mit Medikamenten behandelt, allen voran mit Amantadin und L-Dopa.

Ein wichtiger Hinweis für Angehörige: Ein absolutes Warnsignal ist, wenn die Betroffenen neben der Bewegungslosigkeit auch nicht mehr sprechen oder schlucken können.

Akinetische Krise im Detail

Völlige Bewegungslosigkeit aus dem Nichts: Was tun?

Wenn Ihr Partner oder Angehöriger mit Morbus Parkinson plötzlich in eine komplette Bewegungsunfähigkeit verfällt, sollten Sie unbedingt sofort einen Notarzt rufen. Denn es kann sich um eine sogenannte akinetische Krise handeln.

Bei der akinetischen Krise kommt es entweder sehr plötzlich oder binnen Tagen zu einer vollständigen Bewegungslosigkeit. Selbst kauen und schlucken ist dann manchmal nicht mehr möglich. Insgesamt ist die akinetische Krise daher ein lebensbedrohlicher Zustand. Er kommt - wenn überhaupt - nur in sehr fortgeschrittenenen Stadien der Erkrankung vor. Nicht selten ist eine unzureichende Einnahme der Parkinson-Medikamente der Auslöser.

Wie kann es zu einer akinetischen Krise kommen?

Die akinetische Krise, bei der es zu einer vollständigen Bewegungsunfähigkeit der Betroffenen kommt, tritt – wenn überhaupt – nur im sehr fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung auf. Ursache ist nicht selten, dass die Parkinson-Medikamente nicht oder zu wenig eingenommen wurden.

Aber auch Infekte und andere Erkrankungen können eine akinetische Krise auslösen. Und nicht zuletzt kann diese lebensbedrohliche Situation auch durch Flüssigkeitsmangel verursacht werden. Darum ist es so wichtig, darauf zu achten, dass die Betroffenen immer ausreichend trinken (was sie nicht unbedingt aus eigener Motivation heraus tun).

Insgesamt handelt es sich bei diesem Notfall zum Glück um ein sehr seltenes Ereignis.

Wissenswertes

Was ist ein idiopathischer Parkinson?

Aus einem nicht näher bekannten Grund ist es in der ärztlichen Heilkunst üblich, auch für einfachste Begriffe eigene und möglichst unverständliche Bezeichnungen zu benutzen. Idiopathisch bedeutet "unbekannt". Ein idiopathischer Morbus Parkinson bedeutet demzufolge, dass die Ursache nicht bekannt ist.

Bei rund 80% aller Parkinson-Fälle ist die Ursache der Erkrankung unklar, d.h. in den meisten Fällen entsteht ein Morbus Parkinson ohne erkennbare äußere oder innere Einflüsse.

Fachbegriffe: Tremor und Rigor

Was ist Tremor?

Tremor ist der Fachbegriff für Zittern. Der Begriff wird von Medizinern vor allem bei einem Zittern der Gliedmaßen benutzt. Zittern z.B. die Hände, ohne dass man sie bewegt, also im Ruhezustand, spricht man von Ruhetremor.

Zittern der Hände in Ruhe ist eines der Leitsymptome bei Morbus Parkinson. Allerdings kann Zittern auch viele andere Ursachen haben, viele davon sind harmloser Natur.

Ein "essentieller Tremor" ist wiederum die Bezeichnung für ein Zittern, für das keine Ursache gefunden werden kann, das aber gleichwohl ständig auftritt.

Was ist Rigor?

Rigor bedeutet Muskelsteifigkeit. Der Begriff wird von Medizinern vor allem im Zusammenhang mit Morbus Parkinson benutzt, bei dem Rigor eines der Leitsymptome ist.

Die Bewegungen von Menschen mit Morbus Parkinson wirken dann so, als würden sie gegen einen Widerstand ankämpfen. Ursache ist der Dopamin-Mangel im Gehirn.

Quellen:

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