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Depression: Ursachen

Wie ensteht eine Depression? Ist man selber daran schuld? Warum kann man das nicht einfach abschütteln? Diese und weitere Fragen zu den Ursachen einer Depression beantworten wir im folgenden Beitrag.

Warum werden manche Menschen depressiv und andere nicht?

Nur ein Teil der Menschen erkrankt unter vergleichbaren Umständen an Depressionen. Warum das so ist, konnte bisher nicht geklärt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen, darunter Studien mit Zwillingen, legen den Schluss nahe, dass das Erbgut eine gewisse Rolle für die Empfindlichkeit gegenüber seelischen Belastungen spielt.

Die kritische Schwelle ist individuell unterschiedlich

Ein vergleichbares Phänomen kennt man von der Alkoholabhängigkeit, die sich je nach erblicher Veranlagung relativ frühzeitig bei hohem Alkoholkonsum einstellen kann – oder auch nicht. Zur wissenschaftlichen Beschreibung und Erklärung der Vorgänge wurde das sogenannte Vulnerabilitäts-Stress-Modell entwickelt, das biologische, psychologische und Umweltfaktoren miteinander verbindet.

Die Kernaussage: Keiner dieser Faktoren bewirkt die Entstehung einer Depression im Alleingang, sondern erst im gemeinsamen Zusammenwirken und bei Überschreiten eines kritischen Grenzwerts.

Ein anderes Beispiel aus dem körperlichen Bereich ist die offenbar ebenfalls genetisch determinierte Insulinresistenz, die darüber entscheidet, ob sich bei Menschen mit vergleichbarem Risikoprofil eine Diabetes-Erkrankung entwickelt oder nicht.

Die gute, bislang allerdings relativ wenig beachtete Nachricht lautet: Ein (erneuter) Ausbruch dieser Erkrankung ist kein unabwendbares Schicksal, sondern kann durch gezielte Maßnahmen vermieden werden.

Ist man an seiner Depression selbst schuld?

Nein. Eine Depression ist kein Zeichen von persönlicher Schwäche, Schuld und Versagen. Dass sie von den Betroffenen selbst sehr leidvoll als ein solches empfunden wird, gehört zum typischen Krankheitsbild dieser psychischen Störung. Eine Depression ist also eine Krankheit, an der man genauso „schuld ist“ wie beispielsweise am Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Wie bei diesen somatischen (körperlichen) Erkrankungen können auch für eine Depression viele verschiedene Faktoren eine krankmachende Rolle spielen, zu denen man selbst in der Regel nicht freiwillig beiträgt. Allerdings gibt es damit auch für die Depression Risikofaktoren im eigenen Verhalten und in der Umgebung, die es zu erkennen und – nach überstandener Krankheitsepisode – zu vermeiden gilt.

Ist die Depression eine Neurotransmitter-Störung?

Neurotransmitter, die Botenstoffe im Gehirn, haben in den Medien Hochkonjunktur. Für die Forschung und deren medikamentöse Folgeprodukte sind sie ein zentraler Ansatz, um unter anderem in das Depressionsgeschehen „einzudringen“ und es zu beeinflussen. Bislang noch ungeklärt ist allerdings die Frage, ob die Störungen im Neurotransmitter-Haushalt Ursache, Folge oder Begleiterscheinung einer depressiven Erkrankung sind.

Dass Antidepressiva, die ja vor allem auf den Neurotransmitter-Haushalt Einfluss nehmen, längst nicht immer zuverlässig wirken, ist ein klares Indiz, dass die Botenstoffe allein auch nicht alles regeln können.

Eine singuläre Ursache gibt es nicht

Grundsätzlich gilt: Seelische Störungen lassen sich meist nicht auf eine einfache Ursache als Auslöser reduzieren. Das mag unbequem erscheinen, hat aber auch eine positive Kehrseite: Wo es verschiedene Krankheitsfaktoren gibt, bieten sich auch verschiedene Ansätze für eine erfolgreiche Behandlung an.

Werden Depressionen vererbt?

Es gibt zwar kein "Depressions-Gen" im eigentlichen Sinne. Mehrere Studien legen aber nahe, dass die Neigung, eine Depression zu entwickeln, auch genetische Ursachen haben kann.

Das bedeutet: Wenn bei einem der engeren Familienmitglieder (Eltern, Geschwister) schon einmal Depressionen aufgetreten sind, besteht eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit, selber anfällig dafür zu sein. Allerdings ist dieser Zusammenhang eher vage und sollte Ihnen keine allzu großen Sorgen bereiten. Die Entstehung einer Depression beruht auf vielen Faktoren und die "angeborene" Veranlagung dazu ist, wenn sie denn überhaupt vorliegt, nur einer von vielen Mosaiksteinen, der allein kein Krankheitsrisiko darstellt.

Wird der eineiige Zwilling auch depressiv?

Ein ganz interessanter Fakt: Für einen eineiigen Zwilling bedeutet ein depressiver Bruder oder Schwester ein Erkrankungsrisiko von ca. 40%. In der Allgemeinbevölkerung liegt das Risiko bei 5-8%. Obwohl also der eineiige Zwilling genetisch identisch ist und auch sonst in der Regel unter sehr ähnlichen Bedingungen aufwächst, erkrankt nicht mal jeder Zweite auch an einer Depression – es muss demnach wohl noch mehr zusammenkommen als nur Gene und familiäre Einflüsse.

Bei familiärer Häufung von Depressionen, die es durchaus gibt, müssen auch nicht zwingend die Gene schuld sein. Wenn zum Beispiel ein Elternteil depressiv ist, kann die Ursache bei einer späteren Erkrankung des Kindes auch in Ängsten, Beunruhigung und Schuldgefühlen liegen, die Kinder häufig als Reaktion auf die schlechte Stimmung von Vater oder Mutter entwickeln. 

Welche Faktoren spielen für die Auslösung einer Depression eine Rolle?

Eine Depression zieht man sich nicht zu wie einen Beinbruch. Vielmehr müssen verschiedene Umstände zusammenkommen. Dazu zählen:

  • biologische bzw. genetische Faktoren (vererbbare Empfindlichkeit gegenüber psychischen Belastungen)
  • psychische Faktoren (v.a. Persönlichkeitszüge wie z.B. mangelndes Selbstwertgefühl oder eine niedrige Frustrationsschwelle)
  • soziale Faktoren (äußere Lebensbedingungen wie z.B. Arbeits- und Wohnsituation, Bildung, zwischenmenschliche Beziehungen, finanzielle Verhältnisse)

Es handelt sich also einerseits um Faktoren, die man selbst nicht beeinflussen kann, aber kennen sollte. Und andererseits um Faktoren, die man sehr wohl selbst beeinflussen und teils mit fremder Hilfe, vor allem aber durch eigenes Zutun – nach Abklingen der akuten Symptomatik – „bearbeiten“ kann.

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Wie häufig sind Depressionen?

Auch wenn man den in der Gesundheitsbranche vielfach publizierten „Horrorzahlen“ zu verschiedenen Erkrankungen nicht immer Glauben schenken möchte, steht fest: Depressionen sind sehr häufig und viel häufiger als es die scheinbar „normale“ Alltagsrealität zunächst vermuten lässt. Nahezu jedem sind aber aus dem privaten oder beruflichen Umfeld Menschen mit Depressionsproblemen bekannt.

Experten vermuten, dass in Deutschland gegenwärtig 5% der Bevölkerung an einer behandlungsbedürftigen Depression leiden – das wären dann etwa 4 Millionen Menschen. Noch wesentlich mehr Menschen, etwa drei bis vier Mal so viele (15 bis 20%), erkranken nach diesen Schätzungen irgendwann im Laufe ihres Lebens an einer Depression. Bei erwachsenen Frauen ist der Anteil der insgesamt Betroffenen mit 25% mehr als doppelt so hoch wie bei den Männern.

Die Punktprävalenz – das ist die Anzahl der zu einem bestimmten Zeitpunkt als krank angetroffenen Personen –  liegt für sämtliche depressive Störungen einschließlich der leichteren Formen bei über 10%, für schwere bei 2-7%. Die Lebenszeitprävalenz – das Risiko, mindestens einmal im Leben daran zu erkranken –  wird für die als Major Depression (früher endogene Depression) bezeichneten depressiven Zustände auf 7-18% geschätzt.

Leiden Frauen häufiger an Depression als Männer?

„Depressionen sind doch Frauensache“ ist ein immer noch häufiges Vorurteil unter Männern, trotz prominenter Gegenbeispiele wie dem Politiker Willy Brandt, den Fußballern Sebastian Deisler und Robert Enke sowie dem Sänger Robbie Williams.

Es scheint sich aber tatsächlich nur um ein Vorurteil zu handeln. Denn immer mehr Indizien sprechen dafür, dass die Erkrankung Männer durchaus ähnlich häufig betrifft wie Frauen und anderslautende epidemiologische Untersuchungen durch ein überproportionales Nichterkennen bei den männlichen Betroffenen verzerrte Ergebnisse lieferten. Das liegt wohl zum einen an der Zurückhaltung depressiver Männer beim Gang zum Arzt. Und zum anderen an ihrer Neigung zum Überspielen bzw. „Maskieren“ der Schwermut durch aggressions- und suchtgeprägte Krankheitsbilder.

In welchem Alter ist das Risiko, an einer Depression zu erkranken, besonders hoch?

Entgegen landläufiger Annahme stellt ein höheres Lebensalter weder einen besonderen Risikofaktor noch einen Schutz gegen erstmalige depressive Erkrankungen dar. Und auch im Kindes- und Jugendalter sind depressive Störungen keineswegs selten. Im Gegenteil: Bei Jugendlichen gilt die Selbsttötung (Suizid) inzwischen als die zweithäufigste Todesursache.

Man ist also in keinem Lebensabschnitt gegen Depressionen gefeit. Am häufigsten brechen depressive Zustände sogar in den "besten Jahren" aus, nämlich zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.

Wie viele über 65jährige leiden an Depressionen?

Etwa 13% der älteren Menschen leiden an einer krankheitswertigen depressiven Störung. Wenn man die unterschiedlichen Ausprägungsformen der Depression berücksichtigt, ergibt sich eine Häufigkeit von 10 bis 25% bei den über 65-jährigen.

Während in der Allgemeinbevölkerung gegenwärtig etwa 2-7% der Menschen von einer Depression betroffen sind (Punktprävalenz), ist dies bei 5-10% der über 65-jährigen, die in Privathaushalten leben, der Fall. In Alten- und Pflegeheimen schnellt der Anteil auf 25-45% in die Höhe. Frauen sind hier doppelt so häufig betroffen im Vergleich zu den Männern.

Können auch Kinder an einer Depression erkranken?

Nicht nur Erwachsene leiden an Depressionen. Experten vermuten, dass auch etwa 2% der Kinder unter 12 Jahren und 5% der Jugendlichen unter 20 Jahren an depressiven Störungen erkranken.

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Wie kann ich mich vor einer Depression schützen?

Auch eine (erblich bedingte) Veranlagung zur Depression bedeutet nicht, dass diese auch tatsächlich entstehen muss. Zu den wissenschaftlich ermittelten Schutzfaktoren zählen:

  • ein gutes soziales Umfeld;
  • Freunde, Partnerschaft und Familie;
  • ein Arbeitsplatz oder andere Lebensaufgaben, die weder über- noch unterfordern;
  • sowie die erlernbare Fähigkeit, Konflikte und Belastungssituationen konstruktiv zu lösen.

Vollwertkost gegen schlechte Stimmung

Ein weiterer interessanter Tipp: Eine britische Studie hat einen Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und Depressionen festgestellt. Demnach verringert sich das Risiko depressiv zu werden um 26%, wenn man viel Gemüse, Obst und Fisch zu sich nimmt. Fett, Zucker und Frittiertes wirken dagegen eher negativ aufs Gemüt.

Wem die bisherigen 96 Argumente gegen Fast Food nicht genügen, der hat nun ein 97stes. Das Wohlbefinden der Vollwertesser steigt vermutlich durch die höhere Aufnahme von Antioxidantien, Folat und Omega-3-Fettsäuren.

Depression im Anflug: Tipps zur Selbsthilfe

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