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Wie äußert sich eine Glomerulonephritis? Wie wird sie behandelt? Was muss ich bei der Ernährung beachten? Und wie ist die Prognose? Im folgenden Beitrag finden Sie Fragen und Antworten rund um diese Nierenerkrankung.

Basiswissen

Was ist eine Glomerulonephritis?

Unter dem Oberbegriff Glomerulonephritis werden diverse Nierenerkrankungen zusammengefasst. Allen gemeinsam ist eine Entzündung der sogenannten Glomeruli (= Nierenkörperchen), die einen Funktionsverlust der Nieren nach sich ziehen kann. Doch um die Folgen einer Glomerulonephritis besser zu verstehen, müssen wir zunächst einen kurzen Blick auf die Funktion der Nieren werfen:

Unser Blut fließt durch die Glomeruli, die winzigen Filtereinheiten der Nieren. Was nach diesem Reinigungsprozess als Abfallprodukten übrig bleibt, macht unseren Urin aus. Der Harn enthält überschüssige Flüssigkeit, Mineralien und Giftstoffe, die dem Körper schaden könnten und deshalb ausgeschieden werden müssen. Wichtige Stoffe im Blut werden aber durch die Glomeruli zurückgehalten und dem Kreislauf wieder zugeführt. Dazu gehören vor allem rote Blutkörperchen und Eiweiße.

Diese komplexe und lebenswichtige Funktion der Nieren wird durch eine Glomerulonephritis in Mitleidenschaft gezogen: Die Nieren können nicht mehr alle Partikel zurückhalten, die im Körper verbleiben sollen, und schaffen es auch nicht mehr, ausreichend Flüssigkeit auszuschwemmen. Die Folge: Proteine und Blut gelangen in den Harn, Wasser sammelt sich im Körper an (Ödeme), der Blutdruck steigt und die Urinausscheidung sinkt.

Die „eine“ Ursache gibt es nicht

Die Glomerulonephritis wird durch verschiedene Faktoren hervorgerufen. Als Auslöser kommen zum Beispiel Bakterien, Viren, Autoimmunerkrankungen oder auch Medikamente infrage.

Glomerulonephritis: Verbreitung und Häufigkeit

Wer erkrankt an einer Glomerulonephritis?

Die Erkrankung der Nieren kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auftreten. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Autoimmunerkrankungen, Infektionen und genetischer Veranlagung bis zu chronischen Erkrankungen.

Dies bedeutet aber nicht, dass zum Beispiel jede Autoimmunerkrankung auch zu einer Entzündung der Glomeruli führt. Denn alle genannten Erkrankungen sind nur als mögliche Risikofaktoren, nicht aber als Vorboten oder 100%ige Auslöser einer Glomerulonephritis zu betrachten.

Ist die Glomerulonephritis eine häufige Krankheit?

Nein, die Glomerulonephritis zählt eher zu den seltenen Erkrankungen. Dennoch sollte ihr Stellenwert nicht unterschätzt werden, da sie für einen Großteil der Nierenfunktionsstörungen verantwortlich ist: 20 % aller Nierenversagen sind auf eine Glomerulonephritis zurückzuführen.

Neuerkrankungsrate nimmt zu

Und jedes Jahr sind mehr Menschen von diesem Nierenleiden betroffen: So erkranken z. B. jährlich 25 Personen pro 1 Million Einwohner an der IgA-Nephropathie, einer sehr häufigen Form der Glomerulonephritis.

Betrachtet man die Zahl der Glomerulonephritiden weltweit, so ist seit einigen Jahren ein Anstieg zu verzeichnen. Warum das so ist, ist teilweise noch unklar. Es wird jedoch vermutet, dass das Einatmen von chemischen Lösungsmitteln und Tabakrauch mitverantwortlich ist; dies könnte komplexe krankheitsfördernde Prozesse im Immunsystem auslösen und die Entstehung der Glomerulonephritis begünstigen.

Arten der Glomerulonephritis

Welche Formen der Glomerulonephritis gibt es?

Die Glomerulonephritis wird je nach Verlauf und Ursache in verschiedene Kategorien unterteilt. Damit Sie das „Medizinerlatein“ in der Klinik oder in der Arztpraxis besser verstehen, haben wir hier die wichtigsten Subgruppen für Sie zusammengefasst:

  • Akute Glomerulonephritis: Die Entzündung tritt plötzlich auf. Eine der häufigsten Formen dieser Kategorie ist die IgA-Nephropathie (= Morbus Berger). Bei etwa 1 % der betroffenen Kinder und 10 % der erkrankten Erwachsenen entwickelt sich aus der akuten Entzündung eine rasch progrediente Glomerulonephritis (= RPGN oder rasch fortschreitende Glomerulonephritis), die leider oft schwer verläuft.
  • Chronische Glomerulonephritis: Die Erkrankung beginnt langsam und meist mit wenigen Symptomen; die Krankheitszeichen nehmen aber im Laufe der Zeit zu.
  • Primäre Glomerulonephritis: Diese Art der Nierenkrankheit geht primär, also direkt von den Glomeruli aus. Eine Grunderkrankung als Auslöser liegt hier nicht vor. Der häufigste Vertreter dieser Form ist die IgA-Nephropathie.
  • Sekundäre Glomerulonephritis: Die Entzündung ist Folge einer anderen Erkrankung, die auf die Nieren übergreift (z. B. als Folge eines Lupus erythematodes oder einer Infektion mit Syphilis, HIV, Hepatits usw.). Übrigens kommt auch Kokain- und Heroinkonsum als Auslöser einer Glomerulonephritis infrage.

Es gibt noch weitere Klassifikationen der Erkrankung, bei denen unter anderem der Entstehungsmechanismus und die Art der Gewebsveränderung in der Niere eine Rolle spielen.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, warum diese Unterteilung überhaupt wichtig ist. Die Antwort hierauf: Eine Einordnung der Glomerulonephritis in diese Kategorien hilft, eine genauere Diagnose zu stellen und somit eine passende Therapie zu finden; denn je nach Ursache unterscheidet sich die Behandlungsstrategie von Fall zu Fall.

Ursachen

Was verursacht eine Glomerulonephritis?

Die Aulöser für eine Glomerulonephritis sind vielfältig. Dazu zählen:

  • Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes, Goodpasture-Syndrom und Morbus Wegener, bei denen sich körpereigene Antikörper gegen die Glomeruli richten und eine Entzündung auslösen.
  • Gefäßentzündungen (Vaskulitiden wie die Polyarteriitis nodosa)
  • Ablagerung von Immunkomplexen (z. B. bestehend aus Antikörpern und Bakterien) in den Arterien und Venen der Glomeruli
  • Infektionen durch Bakterien (Streptokokken, Staphylokokken etc.), Viren (z. B. Hepatitis B oder Hepatitis C), Pilze oder Parasiten (Malaria)
  • genetische Veranlagung (z. B. bei familiärer Häufung)
  • Drogenmissbrauch (z. B. Kokain, Heroin)
  • keine erkennbare Ursache
Welche Rolle spielt eine frühere Infektion bei der Glomerulonephritis?

Wahrscheinlich eine sehr wichtige.

Tatsächlich wird die Nierenerkrankung oft mit früheren Infektionen (z. B. mit Streptokokken oder Hepatitis C) in Verbindung gebracht.

Ein Zusammenhang mit Infektionskrankheiten wird auch bei der IgA-Nephropathie vermutet.

Was sind die häufigsten Ursachen einer Glomerulonephritis?

Autoimmunerkrankungen spielen bei uns als Auslöser der Nierenerkrankung die wichtigste Rolle. Die infektionsbedingte Glomerulonephritis hingegen ist in Europa relativ selten geworden. Die Ursache für die Nierenerkrankung lässt sich jedoch nicht immer eindeutig feststellen.

Symptome

Was sind die typischen Symptome einer Glomerulonephritis?

Welche Krankheitszeichen bei einer Glomerulonephritis auftreten und wie stark ihre Ausgeprägung ist, hängt in erster Linie von der Ursache der Erkrankung und dem Schweregrad der Nierenschädigung ab. Doch es gibt einige wegweisende Symptome, die bei der Glomerulonephritis häufig als Zeichen einer Nierenfunktionsstörung vorliegen:

  • Veränderungen des Urins (blutiger und/oder schaumiger Harn, geringere Urinmenge)
  • Wasseransammlungen im Körper (z. B. Bein- und Lungenödeme)
  • Bluthochdruck
  • Nierenfunktionsstörung

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Hautausschlag
  • Kopf-, Glieder-, Gelenk-, Muskel-, Flanken- und Bauchschmerzen
  • Beschwerden beim Wasserlassen
  • Fieber
  • Gelbsucht
  • Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • Aushusten von Blut (Hämoptyse)

Rund um die Beschwerden bei Glomerulonephritis

Symptome im Detail: Was sind die Folgen der Glomerulonephritis?

Nierenfehlfunktion führt zur Überwässerung und zum Eiweißverlust

Eine der Hauptaufgaben unserer Nieren ist es, überschüssige Flüssigkeit und Abfallprodukte aus dem Körper zu entfernen. Dies geschieht mit Hilfe der Glomeruli.

Bei einer Glomerulonephritis versagt diese Filterfunktion mehr oder weniger. Die Folge: Es wird zu wenig Wasser ausgeschieden und Stoffe und Zellen, die normalerweise im Körper verbleiben sollten, werden mit dem Harn ausgeschwemmt. Dazu gehören vor allem Eiweiße und rote Blutkörperchen. Bei einer schweren Glomerulonephritis kann dies zu einer sichtbaren Rotfärbung des Urins führen. Die Blutmenge im Urin kann aber auch so gering sein, dass sie nur durch die Analyse einer Urinprobe nachgewiesen werden kann.

Schäumender Harn: Typisch bei Protein im Urin

Ein Zeichen für den Eiweißverlust ist schaumiger Urin in der Toilettenschüssel. Treten neben dem hohen Proteingehalt im Harn weitere Symptome auf, spricht man vom nephrotischen Syndrom: Typisch sind neben der stark erhöhten Eiweißausscheidung ein ausgeprägter Proteinmangel im Körper, geschwollene Beine und erhöhte Blutfettwerte.

Ödeme in Lunge und Beinen

Kommt es bei der Glomerulonephritis darüber hinaus zu einer Überwässerung, kann es zu Atemnot (durch die Ansammlung des überschüssigen Wassers in der Lunge), zu Ödemen in den Beinen und zu Bluthochdruck kommen.

Im Extremfall kann eine Glomerulonephritis zum Nierenversagen führen: Das Gewebe und die Funktion der Filterorgane sind dann dauerhaft so geschädigt, dass eine Dialysebehandlung oder Nierentransplantation unumgänglich sind.

Akute vs. chronische Glomerulonephritis: Wie unterscheiden sich Symptome, Therapie und Co.?

Glomerulonephritis ist nicht gleich Glomerulonephritis. Nicht nur die Ursachen und Symptome sind sehr vielfältig, sondern auch der Krankheitsverlauf. Im Einzelnen unterscheidet man hier zwischen einer akuten und chronischen Form der Erkrankung.

Akute Glomerulonephritis: Ursachen, Anzeichen und Behandlung

Eine akute Entzündung der Nierenkörperchen (Glomeruli) kann u. a. eine Folge von Infektionen oder Autoimmunerkrankungen (z. B. Lupus erythematodes oder Goodpasture-Syndrom) sein.

Die akute Verlaufsform ist häufig durch Eiweiß- und Blutbeimengung im Urin gekennzeichnet; des Weiteren kann auch das Urinvolumen vermindert sein. Zu den weiteren möglichen Symptomen zählen Bluthochdruck, Ödeme, Müdigkeit, Fieber und Nierenschmerzen.

Ist die Eiweißausscheidung im Urin extrem hoch (mehrere Gramm pro Tag), können ein ausgeprägter Eiweißmangel, Beinschwellungen, erhöhte Blutfettwerte und manchmal sogar Atemnot auftreten.

Behandlung: Medikamente, Plasmapherese und Dialyse

Therapeutisch kommen je nach Auslöser der Glomerulonephritis verschiedene Strategien infrage, die von Medikamenten zur Blutdruckregulierung über Antibiotika bei akuten Infektionen bis hin zu Immunsuppressiva bei Autoimmunerkrankungen reichen.

Auch eine spezielle Blutfilterung, die sogenannte Plasmapherese, kann gegebenenfalls helfen, nierenschädigende Bestandteile des Immunsystems aus dem Blut zu entfernen. Kommt es im Extremfall tatsächlich zum Nierenversagen, sind langfristig die Dialyse oder eine Nierentransplantation mögliche Optionen.

Chronische Glomerulonephritis: Auslöser, Symptome und Therapie

Die chronische Glomerulonephritis basiert häufig auf den gleichen Ursachen wie die akute Glomerulonephritis. Manchmal ist die chronische Form auch die Folge einer nicht richtig ausgeheilten akuten Glomerulonephritis oder eines genetischen Defekts. Es gibt aber auch – wie so oft bei der Glomerulonephritis – Fälle, bei denen kein definitiver Auslöser festgestellt werden kann.

Schleichender Verlauf und geringe Symptome zu Beginn

Die chronische Glomerulonephritis beginnt typischerweise langsam und bleibt oft lange unbemerkt, da sie zunächst kaum Beschwerden verursacht. Ein erhöhter Blutdruck ist häufig das einzige Symptom.

Der Eiweiß- und Blutgehalt im Urin ist anfangs gering, gibt aber oftmals erste Hinweise auf die chronische Erkrankung.

Im weiteren Verlauf steigt der Harnstoff-, Harnsäure- und Kreatinin-Spiegel im Blut an. Mit der Zeit treten zunehmend Symptome einer fortschreitenden Niereninsuffizienz auf:

  • Müdigkeit und Unwohlsein
  • Appetitlosigkeit und Übelkeit
  • Ödeme
  • Bluthochdruck

Die therapeutischen Möglichkeiten bei chronischer Glomerulonephritis sind leider recht begrenzt. Das Hauptziel besteht darin, den Bluthochdruck medikamentös zu regulieren und die Nierenfunktion zu fördern.

Sind bei einer Glomerulonephritis beide Nieren betroffen?

Normalerweise ja, denn meistens liegt der Glomerulonephritis eine Multisystemerkrankung zugrunde. Das bedeutet, dass eine Infektion oder eine Autoimmunerkrankung verschiedene Organsysteme in Mitleidenschaft zieht und sich schließlich auf beide Nieren ausbreitet. Die Folge: eine Glomerulonephritis.

Diagnose

Wie erkennt man eine Glomerulonephritis?

Bei Verdacht auf Glomerulonephritis wird Ihr Arzt verschiedene Tests und Untersuchungen durchführen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Dazu gehören folgende Schritte:

Mehr zur Blut- und Urintestung, Ultraschalluntersuchung und Nierenbiopsie bei Glomerulonephritis

Welche Blutwerte werden bei der Glomerulonephritis untersucht?

Wenn Ihre Beschwerden auf eine Glomerulonephritis hindeuten, ist die Analyse einer Blutprobe eine der ersten orientierenden Untersuchungen.

Wichtige Laborparameter, die bei der Nierenerkrankung verändert sein können, sind:

  • Nierenwerte (Harnstoff, Kreatinin, eGFR)
  • Leberwerte
  • Eiweißgehalt
  • Anzahl der roten Blutkörperchen
  • Hämoglobin
  • Blutfette

Bei auffälligen Befunden können weitere Tests folgen. Gegebenenfalls werden folgende Blutwerte ermittelt:

  • Entzündungsparameter: Die Blutsenkungsgeschwindigkeit und/oder das C-reaktive Protein (CRP) können erhöht sein.
  • Antikörper: Zum Teil lassen sich Antikörper nachweisen, die sich gegen die Nierenkörperchen richten (z. B. Rheumafaktor, antineutrophile zytoplasmatische Antikörper (ANCA)).
  • Untersuchung auf Viren: HIV, Hepatitis C und B können eine Glomerulonephritis auslösen.
  • Drogen-Tests: Dies kann bei Verdacht auf eine Nierenschädigung durch Kokain oder Heroin hilfreich sein.
Was weist im Urin auf eine Glomerulonephritis hin?

Typische Anzeichen sind der Nachweis von Eiweiß und Blutzellen im Urin.

Deformierte rote Blutkörperchen und/oder sogenannte Erythrozytenzylinder, die nur unter dem Mikroskop sichtbar sind, können die Verdachtsdiagnose Glomerulonephritis bestärken.

Ein weiteres Untersuchungsverfahren ist die Analyse des gesamten Urins, der über 24 Stunden ausgeschieden wurde. Dieser Test dient vor allem dazu, den Eiweißgehalt des Urins zu bestimmen.

Kann man eine Glomerulonephritis im Nierenultraschall erkennen?

Nein, es gibt keine typischen Veränderungen der Niere im Ultraschall (Sonographie), die auf eine Glomerulonephritis schließen lassen.

Trotzdem ist die Ultraschalluntersuchung ein wichtiger Schritt in der Diagnostik der Nierenerkrankung. Denn durch die Sonographie lassen sich andere Ursachen ausschließen, die eine Nierenschädigung verursachen könnten. Dazu gehören zum Beispiel ein Harnstau durch einen Nierenstein oder ein zu enger Übergang von der Niere in den Harnleiter (Nierenbeckenabgangsenge).

Darüber hinaus lassen sich im Ultraschall bestimmte Veränderungen erkennen, die eine Unterscheidung zwischen einer akuten und chronischen Nierenschädigung ermöglichen. So weist z. B. eine stark verkleinerte Niere oder ein schmaler Nierenrand auf eine länger bestehende chronische Erkrankung hin.

Warum ist eine Nierenbiopsie bei Verdacht auf Glomerulonephritis notwendig?

Die Entnahme von Gewebe aus der Niere wird nicht immer, aber sehr häufig bei Verdacht auf eine Glomerulonephritis durchgeführt. Sie gehört neben der Nierensonographie und der Blut- und Urintestung zu den wichtigsten Untersuchungsverfahren und gilt als die aussagekräftigste Methode zur Abklärung der Erkrankung.

Bei einer Nierenbiopsie wird das entnommene Gewebe im Labor eingehend untersucht. Liegt tatsächlich eine Glomerulonephritis vor, lassen sich in den Glomeruli eindeutige Krankheitszeichen nachweisen.

Wenn Sie mehr über den genauen Ablauf, die Vorbereitung und die möglichen Risiken einer Nierenbiopsie erfahren möchten, finden Sie hier einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema.

Glomerulonephritis: Was sieht man bei einer Nierenbiopsie?

Bei der Biopsie werden winzige Proben aus der erkrankten Niere entnommen und im Labor untersucht.

Handelt es sich bei der Erkrankung tatsächlich um eine Glomerulonephritis, lassen sich unter dem Mikroskop und mit Hilfe spezieller Laborverfahren (z. B. Immunfluoreszenzdiagnostik) typische Veränderungen an den Glomeruli erkennen; dazu gehören Ablagerungen von Immunkomplexen und der Nachweis von Entzündungsreaktionen. Zudem gibt die Untersuchung Hinweise auf den Schweregrad der Erkrankung.

Behandlung

Ist die Glomerulonephritis heilbar?

Dies hängt unter anderem vom Auslöser der Erkrankung ab. Die Heilungschancen sind recht gut, wenn die Glomerulonephritis durch eine Infektion ausgelöst wurde. Wichtig ist aber, dass Bakterien und Co. frühzeitig bekämpft werden. Basiert die Nierenentzündung jedoch auf einer Autoimmunerkrankung, ist die Behandlung komplizierter. Hier kommt es vor allem darauf an, ob die Grundkrankheit eingedämmt werden kann. Ist dies der Fall, so klingt auch die Glomerulonephritis schnell wieder ab.

Unklarer Auslöser erschwert Behandlung

Die Therapie kann sich auch dann als schwierig erweisen, wenn der Grund für die Nierenerkrankung unbekannt bleibt. In diesem Fall zielt die Behandlung primär darauf ab, das Fortschreiten der Nierenschädigung zu verlangsamen und die Symptome zu lindern.

Spontanheilung nicht ausgeschlossen

Es ist aber auch möglich, dass sich eine Glomerulonephritis von selbst zurückbildet – und das passiert gar nicht so selten.

Wie wird die Glomerulonephritis behandelt?

Welche Behandlungsmöglichkeiten für Sie infrage kommen, hängt in erster Linie von Ihren Beschwerden und der Ursache der Nierenerkrankung ab.

Im folgenden Abschnitt haben wir für Sie einen Überblick über die gängigen Therapieoptionen zusammengestellt:

Grundlagen der Therapie: von Ernährung, Flüssigkeitszufuhr und Nikotinabstinez

Wie wichtig ist die Therapie der Grunderkrankung?

Sehr wichtig. Denn wird der Auslöser der Glomerulonephritis entsprechend behandelt, wird auch die Heilung der Nierenerkrankung gefördert. So kann z. B. durch eine immunsuppressive Therapie nicht nur der Lupus erythematodes, sondern auch die durch die Autoimmunerkrankung ausgelöste Glomerulonephritis gelindert werden.

Was bringt eine Ernährungsumstellung und Trinkmengenreduktion bei Glomerulonephritis?

Viel, denn ist die Nierenerkrankung nur schwach ausgeprägt, kann unter Umständen eine optimierte Ernährung und Flüssigkeitszufuhr als alleinige Therapie ausreichen. Ihr behandelnder Arzt wird Sie dazu individuell beraten. Ziel einer solchen Ernährungsumstellung ist es, die Nieren zu entlasten und so ihre Funktion zu unterstützen. Dies kann zum Beispiel durch eine salz-, fett-, eiweiß- und kaliumarme Ernährung erreicht werden. Vielleicht wird Ihnen auch geraten, weniger zu trinken.

Sind die Maßnahmen erfolgreich, kann der Bluthochdruck und das überschüssige Flüssigkeitsvolumen im Körper sinken.

Ein paar Tipps zum Thema Essen und Trinken bei Nierenschwäche finden Sie übrigens hier

Glomerulonephritis: Warum soll ich mit dem Rauchen aufhören?

Der Nikotinkonsum erhöht nicht nur das Risiko für Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern schadet auch den Nieren. Deshalb sollten Sie mit dem Rauchen aufhören, denn Zigaretten und Co. können eine Nierenschwäche (z. B. als Folge einer Glomerulonephritis) noch verschlimmern.

Medikamente, Dialyse, Plasmapherese und Nierentransplantat bei Glomerulonephritis

Warum muss ich Medikamente gegen Wassereinlagerungen, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte nehmen?

Weil dadurch die Folgen der Nierenschwäche, zu denen Ödeme, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und Eiweißmangel gehören, in Schach gehalten werden. Zu den typischerweise verordneten Arzneimitteln gehören Diuretika (Wassertabletten), Blutdrucksenker (z. B. ACE-Hemmer und AT1-Rezeptorblocker) und Statine.

Nieren profitieren von früher Blutdruckeinstellung

Blutdrucksenkende Medikamente werden bei Glomerulonephritis übrigens häufig schon bei leicht erhöhtem Blutdruck verordnet. Denn diese Präparate schützen auch die Nieren, indem sie den erhöhten Druck in den Glomeruli senken.

Gefährliche Folgen für Herz und Gefäße

Eine Glomerulonephritis geht häufig mit einem erhöhten Cholesterinspiegel einher. Die Folge: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erhöht. Deshalb sind Medikamente zur Senkung der Blutfette essenziell, um die Gefahr für Schlaganfall oder Herzinfarkt zu senken.

Wann kommen Immunsuppressiva wie Kortison und Co. zum Einsatz?

Medikamente zur Hemmung der Immunabwehr werden verabreicht, wenn eine Autoimmunerkrankung der Nierenerkrankung zugrunde liegt. Denn in solchen Fällen wirken Präparate wie Kortikosteroide oder Cyclophosphamid nicht nur gegen die Grundkrankheit, sondern lassen auch die Glomerulonephritis abklingen.

Wem helfen antivirale Medikamente?

Antivirale Medikamente können die Nierenentzündung lindern, wenn die Glomerulonephritis durch eine Virusinfektion (z. B. Hepatitis) verursacht wurde. Welche Wirkstoffe zur Therapie für Sie infrage kommen, hängt von der jeweiligen Viruserkrankung ab.

Wann brauche ich eine Plasmapherese, Dialyse oder Nierentransplantation?

Vor allem bei rasch fortschreitender Glomerulonephritis wird eine so genannte Plasmapherese durchgeführt. Dabei werden die krankheitsfördernden Antikörper aus dem Blutkreislauf entfernt.

In einigen Fällen verläuft die Glomerulonephritis so schwer, dass sie zum totalen Nierenversagen führt. Dann bleiben als Optionen die Dialyse und gegebenenfalls die Nierentransplantation.

Leider ist eine Organtransplantation aber kein sicherer Garant für eine Heilung; denn auch in der Spenderniere kann sich erneut eine Glomerulonephritis entwickeln, falls etwa eine autoimmune Grunderkrankung nicht ausreichend behandelbar ist und sich erneut Antikörper gegen die Glomeruli richten.

Prognose und Verlauf

Wie ist die Prognose bei Glomerulonephritis?

Die meisten Formen der Nierenerkrankung haben eine relativ gute Prognose. So heilt eine Glomerulonephritis, die durch eine Streptokokkeninfektion verursacht wurde, häufig vollständig aus. Übrigens ist der Verlauf bei Kindern besonders günstig: Nur 1 % der jungen Erkrankten entwickelt ein chronisches Nierenversagen – bei Erwachsenen sind es dagegen ganze 10 %.

Ein wichtiger Prognosefaktor ist die Krankheitsursache. Basiert die Glomerulonephritis beispielsweise auf einer beherrschbaren Grunderkrankung, ist der Verlauf günstiger als bei einer weniger gut behandelbaren Krankheit bzw. bei einem unbekannten Auslöser.

Ebenso wichtig ist es, dass die Therapie so früh wie möglich beginnt. So ist die Chance am größten, dass das Nierengewebe gut ausheilen kann und keine bleibenden Narben und Funktionsschäden zurückbleiben.

Schwerer Verlauf bei rasch progredienter Glomerulonephritis

Es gibt aber leider auch Formen der Glomerulonephritis, die lange Zeit keine Beschwerden verursachen und deshalb erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt werden. Dazu gehört die sogenannte rasch fortschreitende Glomerulonephritis. Die späte Diagnose ist einer der Gründe für den schweren Verlauf: Bei dieser Form der Glomerulonephritis werden 80 bis 90 % der Betroffenen dialysepflichtig.

Wichtige Faktoren: andere Krankheiten und Alter

Weitere Faktoren, die die Prognose beeinflussen, sind das Vorhandensein von weiteren Begleiterkrankungen und das Lebensalter der Betroffenen. So haben z. B. ältere Menschen eine schlechtere Prognose als jüngere.

Fazit

Der Krankheitsverlauf der Glomerulonephritis ist sehr vielfältig und die Prognose hängt von vielen Aspekten ab. Um trotzdem die besten Aussichten zu haben, dass die Niere nicht dauerhaft geschädigt wird, sind vor allem eine gesunde Lebensführung und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt wichtig. Diese helfen, eine Zunahme der Symptome (z. B. Veränderung der Blutwerte, Ödeme) frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls die Behandlung rechtzeitig anzupassen. Wichtig ist auch, den Blutdruck konsequent zu kontrollieren und einen erhöhten Blutdruck rechtzeitig zu senken, um die Nieren zu entlasten und ihre Filterfunktion möglichst lange zu erhalten.

Glomerulonephritis: Überlebenszeit und Komplikationen

Wie lange kann man mit Glomerulonephritis leben?

Das lässt sich leider nicht pauschal beantworten, da die Lebenserwartung von zahlreichen Faktoren abhängt. Wichtige Aspekte sind zum Beispiel, ob nur die Nieren oder auch andere Organe betroffen sind, welche Art der Glomerulonephritis vorliegt, wie stark die Nierenfunktion eingeschränkt ist und welche Erkrankung für die Nierenentzündung verantwortlich ist.

Es gibt durchaus milde Varianten der Glomerulonephritis, die sich bei einer guten medikamentösen Einstellung und gesunder Lebensführung kaum bzw. nicht auf die Lebensdauer auswirken sollten. Sprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt. Er kann Ihnen mehr Informationen zur individuellen Prognose geben.

Fakten aus der Forschung: Lebenszeit bei Nierenschwäche

Damit Sie aber zumindest ein paar Anhaltspunkte haben, haben wir für Sie einige Studien zum Thema Lebenserwartung und Niereninsuffizienz zusammengestellt:

  • In einer kanadischen Studie wurde die Lebensdauer von 1.542.957 Personen mit Nierenschwäche im Alter von 30 bis 85 Jahren anhand ihrer glomerulären Filtrationsrate (eGFR) berechnet. Die Teilnehmer wurden gemäß ihrer eGFR in vier Gruppen eingeteilt (jeweils eGFR ≥ 60, 45–59, 30–44 und 15–29 ml/min/1,73 m2). Das Ergebnis: Eine schlechte Nierenfunktion ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen mit einer geringeren Lebenserwartung verbunden. So hatten zum Beispiel Männer bzw. Frauen im Alter von 40 Jahren bei einer guten eGFR von ≥ 60 ml/min/1,73 m2 eine Lebenserwartung von ca. 31 bzw. 35 Jahren, bei einer niedrigen eGFR von 15–29 ml/min/1,73 m2 dagegen nur von 10 bzw. 9 Jahren. Die Lebenserwartung der Frauen war in allen Alters- und eGFR-Kategorien höher als die der Männer, mit Ausnahme der Gruppe mit einer eGFR von 15 – 29 ml/min/1,73 m2; hier gab es keinen Unterschied in der Lebenserwartung beider Geschlechter. Eine kleine Einschränkung der Aussagekraft dieser Studie gibt es aber: Es ist nicht bekannt, warum die Probanden eine Nierenschwäche hatten. Ob sie also an einer Glomerulonephritis oder einer anderen Erkrankung litten, ist nicht klar. Die Ergebnisse der Studie lassen sich daher nur bedingt auf Personen mit einer Glomerulonephritis übertragen.
  • In einer japanischen Forschungsarbeit wurde die Lebenserwartung von Personen mit membranöser Glomerulonephritis untersucht, und zwar abhängig davon, ob sie an einem nephrotischen Syndrom litten: 41 erkrankte Personen (21 Männer, 20 Frauen) im Alter zwischen 16 und 70 Jahren wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und über einen Zeitraum von 20 Jahren beobachtet: Gruppe I bestand aus 18 Probanden, bei denen das nephrotische Syndrom länger als zwei Jahre oder bis zum Tod anhielt. Die übrigen Teilnehmer, die diese Voraussetzung nicht erfüllten, wurden der Gruppe II zugeordnet. Das Ergebnis der Studie: 12 der 41 Testpersonen starben während des Studienzeitraums – davon acht in Gruppe I. Aber nur bei wenigen war tatsächlich die Nierenerkrankung für den Tod verantwortlich: Bei drei der acht Personen aus Gruppe I galt „Nierenversagen im Endstadium“ als offizielle Todesursache, die übrigen Betroffenen verstarben aufgrund anderweitiger Gründe. In der zweiten Gruppe, die vor dem Tod nicht an einem langfristigen nephrotischen Syndrom litt, war keiner der Todesfälle direkt auf die Glomerulonephritis zurückzuführen; die Todesursachen waren hier: Lungenentzündung, Krebs, Hirnerweichung und Diabetes mellitus.
  • Eine weitere japanische Studie untersuchte die 2-Jahres-Überlebensrate (d. h. wie viel Prozent der Erkrankten überleben die nächsten zwei Jahre) von 1.766 Personen mit rasch progredienter Glomerulonephritis (RPGN) in Abhängigkeit von ihrem Alter. Es zeigte sich, dass jüngere Betroffene eine bessere Prognose hatten als ältere. Die Teilnehmer wurden je nach Alter in die folgenden vier Gruppen eingeteilt: Kinder (0–18 Jahre), junge Erwachsene (19–39 Jahre), Menschen mittleren Alters (40–64 Jahre) und ältere Menschen (über 65 Jahre). Die Ergebnisse der Studie: Die 2-Jahres-Überlebensrate der Teilnehmer betrug bei Kindern ca. 94 %, bei jungen Erwachsenen 93 %, bei Personen mittleren Alters 83 % und bei älteren Personen 69 %. Die jüngere Gruppe (Kinder plus junge Erwachsene) hatte eine wesentlich höhere Überlebensrate als die ältere Gruppe (Personen mittleren Alters plus ältere Personen). Auch die Untergruppe der ANCA-assoziierten Glomerulonephritis, einer speziellen Form der RPGN, zeigte ähnliche altersabhängige Resultate.
Welche Komplikationen können bei einer Glomerulonephritis auftreten?

Bei Fortschreiten der Glomerulonephritis können die Nieren zunehmend an Funktion einbüßen. Mögliche Komplikationen, die sich hieraus ergeben, sind:

  • Lungenödem
  • Bluthochdruck
  • Wassereinlagerungen in der Haut (Ödeme)
  • massiver Eiweißmangel
  • Schädigung der Netzhautgefäße der Augen mit Erblindungsgefahr (hypertensive Retinopathie)
  • hypertensive Enzephalopathie (lebensbedrohlicher Anstieg des Hirndrucks, der eine sofortige Notfallbehandlung erfordert)

Im Extremfall droht ein völliges Nierenversagen und damit die dauerhafte Dialyse oder eine Nierentransplantation.

Um das Risiko eines solch drastischen Verlaufs möglichst gering zu halten, sollten Sie Ihren Blutdruck optimal einstellen lassen und die Ernährungs- und Trinkempfehlungen Ihres Arztes strikt befolgen. Verzichten Sie auch unbedingt aufs Rauchen – es schadet nämlich den Nieren.

Leben mit Glomerulonephritis

Welche Ernährung wird bei Glomerulonephritis empfohlen?

Ein gesunder Lebensstil kann den Verlauf einer Niereninsuffizienz (etwa als Folge einer Glomerulonephritis) positiv beeinflussen. Vor allem durch die Wahl der richtigen Lebensmittel und Getränke kann man viel Gutes für seine Nieren tun.

Einige Tipps zur Ernährung bei Nierenschwäche haben wir hier schon einmal für Sie zusammengestellt. Darüber hinaus wird Ihr Arzt Sie individuell beraten, welche Nahrungsmittel empfehlenswert sind und wie viel Sie täglich trinken sollten.

  • Essen Sie salzarm: Eine kochsalzarme Ernährung kann Wassereinlagerungen und Bluthochdruck reduzieren.
  • Bevorzugen Sie eine eiweißarme Kost: Auch wenn Betroffene häufig unter Eiweißmangel leiden, sollte die Eiweißzufuhr reduziert werden. Der positive Effekt: Das Fortschreiten der Nierenfunktionsstörung kann verzögert werden. Deshalb wird empfohlen, täglich nicht mehr als 0,6–0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zu sich zu nehmen.
  • Ernähren Sie sich fettarm: Beschränken Sie sich auf 30–35 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht täglich.
  • Greifen Sie möglichst zu vitaminreichen Lebensmitteln.
  • Verzichten Sie auf phosphatreiche Lebensmittel: Die empfohlene Phosphatmenge sollte 0,8–1 Gramm pro Tag nicht überschreiten. Vorsicht ist bei Milchprodukten, Wurstwaren, Eigelb, Nüssen und Haferflocken geboten. Sie sollten nur in kleinen Mengen verzehrt werden. Vor allem flüssige Milchprodukte sind sehr kalium- und phosphatreich. Daher sollte man nicht mehr als 1/8 Liter Milch, Buttermilch oder Joghurt pro Tag zu sich nehmen. Auch mit der Wahl der „richtigen“ Käsesorte können Sie Ihren Nieren etwas Gutes tun. Am besten geeignet sind Quark, Frischkäse, Camembert, Brie, Mozzarella, Harzer Käse und Limburger. Übrigens: Phosphat steckt auch in Lebensmitteln, denen man es nicht auf den ersten Blick ansieht. Denn nicht immer steht es wortwörtlich auf der Zutatenliste. Deshalb ist es wichtig, auf bestimmte E-Nummern zu achten, hinter denen sich Phosphat „versteckt“. Hierzu zählen:  E 338, E 339, E 340, E 341, E 450 a, E 450 b, E 450 c, E 540, E 543 und E 544.
  • Meiden Sie Kalium: Ob Sie auf kaliumhaltige Lebensmittel verzichten sollten, sagt Ihnen Ihr Arzt. Im Anfangsstadium einer Nierenschwäche muss die Kaliumzufuhr meist noch nicht eingeschränkt werden. Erst bei fortgeschrittener Erkrankung sollte die tägliche Menge reduziert werden und bei höchstens 1,5–2 Gramm liegen. Folgende Lebensmittel sollten dann besser gemieden werden:
    • Säfte (sowohl Obst- als auch Gemüsesäfte)
    • Nüsse
    • Trockenfrüchte (Rosinen, Feigen usw.)
    • einige Obstsorten (Bananen, Aprikosen)
    • Gemüse wie Avocado, Tomaten, Pilze, Sprossen, Spinat, Brokkoli, Fenchel, Rosenkohl, Mangold, Grünkohl, Kartoffeln, Oliven und Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen und Erbsen)

Der Alltag mit Glomerulonephritis: Sport, Alkohol, Trinkmenge und gefährliche Medikamente

Kann man mit Glomerulonephritis noch Sport treiben?

Ja, das sollten Sie sogar. Denn Bewegung kann sich positiv auf den Bluthochdruck auswirken, einer häufigen Folge der Glomerulonephritis. Doch nicht jede Sportart ist empfehlenswert. Insbesondere blutdrucksteigernde Aktivitäten wie Kraftsport sind kontraproduktiv und sollten besser vermieden werden. Gut hingegen sind Ausdauersportarten wie Radfahren und Schwimmen.

Welche und wie viel Flüssigkeit ist gut für die Nieren?

Eine pauschale Empfehlung bezüglich der Volumenzufuhr gibt es nicht, denn die optimale Trinkmenge hängt stark vom Stadium der Erkrankung ab und inwieweit die Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist.

Fragen Sie deshalb Ihren behandelnden Arzt nach der für Sie optimalen Trinkmenge. Es wird Ihnen in der Regel eine reduzierte Flüssigkeitszufuhr empfohlen. Bitte halten Sie sich daran, denn übermäßiges Trinken verbessert die Nierenfunktion nicht, sondern kann in Ihrer Situation sogar schädlich sein (Förderung von Ödemen und Bluthochdruck!).

Wie viel Alkohol darf ich bei Glomerulonephritis und Niereninsuffizienz trinken?

Es wird empfohlen, bei Nierenschwäche nicht mehr als 20 Gramm Alkohol pro Tag zu trinken. Das entspricht zum Beispiel ca.:

  • 0,5 ml Bier
  • 0,2 l Wein
  • 0,2 l Sekt
  • 6 cl Schnaps

Optimal ist es jedoch, nur gelegentlich alkoholische Getränke zu sich zu nehmen und nicht täglich zu Bier, Wein etc. zu greifen.

Viel Alkohol, früher Tod

Übrigens, es ist erwiesen, dass übermäßiger Alkoholkonsum die Lebenserwartung verkürzt: Ab 100 g Alkohol pro Woche steigt das Risiko eines vorzeitigen Todes.

Glomerulonephritis: Gibt es Medikamente, die ich besser meiden sollte?

Ja, einige Arzneimittel können die Nieren angreifen und sollten daher bei vorgeschädigten Nieren möglichst nicht angewendet werden. Dazu gehören unter anderem:

  • NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie die Schmerzmittel Diclofenac oder Ibuprofen
  • jodhaltige Kontrastmittel (kommen teilweise zum Einsatz bei Röntgenuntersuchungen)
  • einige Antibiotika (zum Beispiel Gentamycin, Amikacin, Neomycin und Streptomycin)

Da hier nicht alle potenziell schädlichen Präparate aufgeführt werden können, sollten Sie vor der Einnahme neuer Medikamente unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt sprechen. Er kann Ihnen sagen, ob ein neu verordnetes Arzneimittel bedenkenlos angewandt werden kann oder besser durch eine nierenschonendere Alternative ersetzt werden sollte.

Quellen:

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  • Al Dahouk S, Karges W. Nephrologie. Innere Medizin... in 5 Tagen. 2014:373–99. German. doi: 10.1007/978-3-642-41618-7_9. PMCID: PMC7123351.
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  • Treatment - Glomerulonephritis (2023). National Health Service. www.nhs.uk.
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  • Akute Nierenentzündung (Glomerulonephritis) (2021). Deutsche Experteninformation Medizin. https://deximed.de.
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  • Mann, J. Tipps für Nieren-Patienten (2022). Internisten im Netz. www.internisten-im-netz.de.
  • Mann, J. Allgemeine Hinweise für eine eiweißarme Ernährung bei Nierenerkrankungen ohne Dialysebehandlung (2017). Das Nierenbuch. http://prof-mann.de.
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Autorin unseres Artikels
 
Dr. med. Michaela Hilburger, Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie

Dr. med. Michaela Hilburger
Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie

    Studium:
  • Ludwig-Maximilians-Universität in München
    Berufliche Stationen:
  • Klinikum Landshut gemeinnützige GmbH, Abteilung Urologie, Landshut

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Dr. med. Monika Steiner, Ärztin / Gutachterin für medizinische Fortbildung

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Dr. med. Monika Steiner
Ärztin / Gutachterin für medizinische Fortbildung

    Studium:
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn
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  • Leitung Medizin-Online / Chefredakteurin Springer Nature
  • Medizinische Gutachterin für ärztliche CME-Fortbildung bei esanum.de

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