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Wie werden Proben aus der Niere entnommen? Wer führt den Eingriff durch und muss ich dafür ins Krankenhaus? Diese und viele weitere Fragen rund um das Thema Nierenbiopsie beantworten wir im folgenden Beitrag.

Basiswissen

Was ist eine Nierenbiopsie?

Eine Nierenpunktion (auch bekannt als Nierenbiopsie) wird durchgeführt, wenn die Ursache einer Nierenerkrankung durch andere Methoden nicht eindeutig zu klären ist. Die Hauptgründe für diese Maßnahme sind das plötzliche Nierenversagen, das sogenannte nephrotische Syndrom und der Verdacht auf eine Glomerulonephritis.

Mikroskopische Untersuchung dauert wenige Tage

Bei der Biopsie werden kleine Gewebeproben aus dem Organ entnommen und anschließend mit Mikroskopen und immunhistologischen Verfahren untersucht. Das Ergebnis dieser feingeweblichen Analyse liegt meistens nach ca. drei bis fünf Tagen vor.

Standard: perkutane Nierenbiopsie

Die Proben werden in den meisten Fällen mithilfe einer Biopsienadel gewonnen, die in Bauchlage unter örtlicher Betäubung der Flanke direkt durch die Haut in die Niere vorgeschoben wird (= perkutane Nierenbiopsie). Es gibt auch Alternativen zu diesem Verfahren, die aber eher die Ausnahme sind.

Im Folgenden möchten wir Ihnen vor allem das Standardverfahren mittels Biopsienadel erläutern, da es sich hierbei um die gebräuchlichste Methode handelt.

Rund um die Nierenpunktion: Wozu ist sie gut, wer macht sie und wo erfolgt die Biopsie?

Warum ist eine Nierenbiopsie notwendig?

Die Probenentnahme erfolgt in erster Linie bei unklaren Nierenerkrankungen. Ziel ist es herauszufinden, ob eine Erkrankung vorliegt und wenn ja, um welche es sich genau handelt. Denn nur mit der richtigen Diagnose kann eine passende Behandlung erfolgen.

Sie mögen sich jetzt vielleicht fragen, ob eine Urin- und Blutuntersuchungen denn nicht zur Abklärung ausreicht. Die Antwort: Leider nicht immer. Beide Tests können zwar viele wertvolle Informationen liefern, die genaue Ursache für eine Nierenfunktionsstörung bleibt jedoch oft unklar. In solchen Fällen ist die Untersuchung des Nierengewebes wegweisend.

Nachfolgend haben wir für Sie einige Beispiele zusammengestellt, bei denen eine Nierenbiopsie erforderlich sein kann:

  • Verdacht auf Glomerulonephritis
  • nephritisches Syndrom (= eine Kombination aus Blut im Urin (Hämaturie), Bluthochdruck und Ödemen) oder nephrotisches Syndrom (= bestehend aus hoher Eiweißausscheidung zusammen mit erhöhtem Blutfettspiegel, Proteinmangel im Blut und Ödemen)
  • mehrfacher Nachweis von Eiweiß im Urin (Ausscheidung von ≥ 1 g Protein pro Tag)
  • Hämaturie ohne erkennbare Ursache oder mit Anzeichen einer schweren Nierenerkrankung (z. B. Bluthochdruck, verminderte Urinausscheidung, Nierenfunktionsstörungen)
  • blutiger und/oder eiweißhaltiger Urin bei Personen mit bekannten Systemerkrankungen (z. B. Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes) oder angeborenen Nierenkrankheiten
  • Abklärung einer akuten oder chronischen Niereninsuffizienz
  • nach der Nierentransplantation (unter anderem zur Routinekontrolle oder bei Verdacht auf eine Abstoßungsreaktion)
Nierenbiopsie: Wer führt die Probenentnahme und Untersuchung durch?

Der Eingriff erfolgt durch Ärzte verschiedener Fachrichtungen. Eine Gewebeentnahme mittels Feinnadelpunktion wird meist durch Nephrologen (= auf Nieren spezialisierte Internisten), Radiologen oder Urologen vorgenommen.

Die Gewebeprobe wird anschließend weitergeschickt und im Labor durch einen Facharzt für Pathologie untersucht.

Muss ich für eine Nierenpunktion ins Krankenhaus?

Ja. Eine Feinnadelpunktion der Niere wird in der Regel im Krankenhaus durchgeführt. Denn auch wenn der Eingriff normalerweise einfach und schnell durchzuführen ist, müssen Sie danach mehrere Stunden stationär überwacht werden. Der Grund: Die meisten Komplikationen (wie etwa Nachblutungen) treten in den ersten acht Stunden nach der Nierenbiopsie auf. Durch den Klinikaufenthalt während dieser kritischen Zeit wird sichergestellt, dass Sie für den Fall der Fälle optimal versorgt sind. So sind das Pflegepersonal und die Ärzte direkt vor Ort und können schnell zur Hilfe eilen, falls es doch einmal zu Problemen kommen sollte.

Ablauf der Untersuchung

Wie wird eine Nierenbiopsie durchgeführt?

Vor dem Eingriff

Vor der Gewebeentnahme sind meist verschiedene Untersuchungen nötig. Hierzu zählen z. B. Blut- und Urinanalysen, ein Ultraschall der Nieren und eventuell ein EKG. Ihr Arzt wird Ihnen auch sagen, ob bzw. wann Sie bestimmte Medikamente vor der Biopsie absetzen müssen. Eine Einnahmepause wird vor allem für blutverdünnende Medikamente wie etwa Marcumar®, Aspirin®, Heparin oder Plavix® empfohlen, damit das Blutungsrisiko möglichst gering ist.

In der Klinik werden Sie außerdem von einem der behandelnden Ärzte über den Ablauf und die Risiken des Eingriffs aufgeklärt. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um Fragen zur Probenentnahme zu stellen und sich ausführlich über das Verfahren informieren zu lassen.

Während der Punktion

Bevor mit einer Biopsienadel Gewebe aus der Niere entnommen werden kann, sind einige Vorbereitungen notwendig: Zunächst wird ein Desinfektionsmittel auf die Flanke aufgetragen, um einer Infektion der Einstichstelle durch Hautkeime vorzubeugen. Im Anschluss wird ein örtliches Betäubungsmittel in die Haut gespritzt. Dies sorgt dafür, dass der Eingriff möglichst schmerzfrei verläuft. Wenn Sie angespannt oder aufgeregt sind, kann Ihnen der Arzt zudem ein leichtes Beruhigungsmittel geben.

Während Sie nun auf dem Bauch liegen, erfolgt die Punktion der Niere unter Ultraschallkontrolle. Durch die wiederholte Darstellung der Nadel und des Harnorgans lässt sich erkennen, ob die Biopsienadel richtig liegt und die Probe korrekt entnommen wird.

Nun wird die Nadel mithilfe eines Führungsgerätes vorsichtig durch die Haut eingebracht und unter Sicht bis in das Nierengewebe vorgeschoben. Ist die Nadel richtig positioniert, drückt der Arzt einen Knopf am Biopsiegerät, worauf sie in die Niere vorschießt und einen kleinen Gewebezylinder von ca. 1 cm Län­ge und 0,4 mm Breite ausstanzt. Diese Organprobe wird mittels der Nadel aus dem Punktionskanal gezogen und für weitere Untersuchungen aufbewahrt.

Häufig bleibt es nicht bei einer Probeentnahme. Die Entnahme mehrerer Gewebestücke kann notwendig sein, damit ausreichend Material für die anschließenden Analysen im Labor zur Verfügung steht.

Direkt nach dem Eingriff

Die ersten Stunden nach der Biopsie verbringen Sie in der Regel im Krankenhaus. Die Dauer ist von Klinik zu Klinik unterschiedlich: Manche Einrichtungen empfehlen einen achtstündigen Aufenthalt, andere eine stationäre Überwachung von bis zu 48 Stunden.

Direkt nach der Probenentnahme wird ein Pflaster auf die kleine Einstichstelle an der Flanke geklebt. Dann ist Ruhe angesagt: Generell sollte man die nächsten Stunden auf dem Rücken liegen bleiben und nur aufstehen, wenn es unbedingt nötig ist. Je nach Klinik gibt es unterschiedliche Empfehlungen bezüglich der Dauer der Bettruhe; diese reichen von sechs bis 24 Stunden. Oft wird auch ein Sandsack auf die Einstichstelle gelegt, um kleine Blutungen zu stoppen und die Wundheilung zu unterstützen.

Vor der Entlassung werden in der Regel noch einige Kontrolluntersuchungen durchgeführt. Hierzu zählen z. B. Bluttests, Urinanalysen und ein Nierenultraschall. Ziel dieser Untersuchungen ist vor allem der Ausschluss von Blutungen.

Vor- und während der Nierenpunktion: Nüchternheit, Medikamenteneinnahme und Dauer der Biopsie

Muss ich vor einer Nierenbiopsie nüchtern sein?

Normalerweise ja. Für gewöhnlich wird geraten, etwa 12 Stunden vor der Probenentnahme auf Essen und Trinken zu verzichten. Dazu gehört übrigens auch der morgendliche Kaffee. Dies nur als allgemeiner Hinweis. Allerdings variieren die Empfehlungen von Klinik zu Klinik, weshalb Sie sich bitte in erster Linie nach den Anweisungen Ihres behandelnden Arztes richten sollten.

Kann ich am Morgen vor der Nierenbiopsie meine Medikamente einnehmen?

In der Früh vor der Probenentnahme können Sie normalerweise Ihre gewohnten Medikamente mit etwas Wasser einnehmen. Sollte Ihr Arzt etwas anderes empfehlen, halten Sie sich bitte an seine Hinweise.

Einige Arzneimittel sind allerdings schon im Voraus abzusetzen. Dazu gehören vor allem blutverdünnende Medikamente. Ihr behandelnder Arzt wird Sie darüber informieren, wie lange Sie diese pausieren müssen.

Wie lange dauert die Nierenbiopsie?

Der gesamte Eingriff dauert wenige Minuten bis zu einer Stunde. Bis Sie wieder nach Hause gehen können, ist ein Klinikaufenthalt von einigen Stunden bis zu zwei Tagen einzuplanen. Bei Komplikationen oder wenn es Ihr Gesundheitszustand erfordert, kann sich der Aufenthalt auch verlängern.

Nach der Nierenbiopsie: Körperliche Schonung und Pause von Aspirin und Co.

Wie soll ich mich in den ersten Tagen nach der Nierenbiopsie zu Hause verhalten?

In der Klinik, in der die Probe entnommen wird, werden Ihnen genauere Anweisungen hierzu gegeben. Je nach Krankenhaus und Methode der Nierenbiopsie gibt es nämlich unterschiedliche Verhaltensregeln. Eine Empfehlung lautet, sich nach der Standard-Nierenbiopsie (= perkutane Nierenbiopsie) etwa zwei Wochen lang zu schonen. In dieser Zeit sollten schweres Heben und Tragen sowie intensiver Sport vermieden werden, damit die Wunde heilen kann und keine Blutungen auftreten. Dies ist aber nur ein allgemeiner Hinweis; absoluten Vorrang haben die Informationen, die Sie von Ihrem Arzt erhalten.

Wann kann ich nach einer Nierenbiopsie wieder Blutverdünner einnehmen?

Bitte fragen Sie Ihren behandelnden Arzt, wann Sie wieder mit Aspirin® und Co. beginnen können, denn der Zeitpunkt hängt von der Art Ihres Medikaments und Ihrer individuellen Krankengeschichte ab. Eine pauschale Aussage ist daher leider nicht möglich.

Komplikationen

Welche Risiken birgt eine Nierenbiopsie?

In den meisten Fällen verläuft die Gewebeentnahme problemlos – die Rate relevanter Nebenwirkungen liegt bei niedrigen 2,7 %. Aber wie bei jedem medizinischen Eingriff sind Komplikationen nicht völlig auszuschließen. Damit Sie sich ein Bild der möglichen Nebenwirkungen machen können, haben wir hier die wichtigsten potenziellen Folgen einer Nierenbiopsie für Sie zusammengestellt:

  • Leichte Blutungen und Infektionen im Bereich des Einstichkanals und der Hautwunde sind möglich.
  • Eine vorübergehende blutige Verfärbung des Urins (vor allem kurz nach dem Eingriff) tritt bei 5 bis 9 % der Behandelten auf.
  • Leichte Blutergüsse um die Niere sind laut Untersuchungen bei den meisten Biopsien nachweisbar; sie sind aber für die Betroffenen großteils ohne Konsequenz und bilden sich häufig von selbst wieder zurück.
  • Bei etwa 1 bis 2 % der Probenentnahmen kommt es zur schweren Nierenblutung, die zu Schmerzen, Blutverlust und Blutdruckabfall führen kann. Im Extremfall führt dies zum lebensbedrohlichen Schock. Bei einem solch schweren Verlauf kann eine Bluttransfusion oder ein operativer Eingriff zur Blutstillung erforderlich sein. Übrigens wird das Risiko, tatsächlich aufgrund einer Komplikation nach der Nierenbiopsie operiert zu werden, auf 0,1 bis 0,2 % geschätzt.
  • Selten werden andere Organe oder Blutgefäße durch die Biopsie verletzt; z. B. bilden sich zwar recht häufig Gefäßfisteln (bei 15–20 von 100 Eingriffen), die sich aber fast immer von selbst wieder verschließen; auch die Bildung eines Gefäßaneurysmas ist, wenn auch nur in Ausnahmefällen, möglich (Risiko hierfür: weniger als 1 %).

Übrigens treten Komplikationen fast immer kurz nach dem Eingriff auf. In 90 % der Fälle ereignen sie sich innerhalb der ersten Stunden nach der Biopsie noch im Krankenhaus und können dort schnell erkannt und behandelt werden. Wenn Sie also die erste Zeit nach der Probenentnahme gut überstanden haben und die Klinik bereits verlassen konnten, ist das Restrisiko sehr niedrig.

Wissenswertes

Welche Alternativen gibt es zur Standard-Nierenbiopsie?

Neben der Feinnadelbiopsie über die Flanke gibt es weitere Möglichkeiten der Gewebeentnahme:

  • Laparoskopisch (Schlüsselloch-Operation): Eine Nierenbiopsie kann auch operativ durchgeführt werden. Dabei wird die Niere unter Vollnarkose über einen oder mehrere kleine Hautschnitte aufgesucht und die Probe unter direkter Sicht entnommen. Dieses Verfahren kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn ohnehin eine Operation im Bereich der Niere geplant ist oder eine hohe Blutungsneigung besteht. Auf diese Weise kann eine Blutung ggf. direkt an Ort und Stelle gestillt werden.
  • Transjuguläre Biopsie: Bei dieser Variante wird ein Katheter in eine Halsvene eingeführt und über die Blutgefäße bis zur Niere vorgeschoben. Mithilfe des Katheters kann das Biopsiegerät vor Ort gebracht und die Probe entnommen werden. Diese Möglichkeit wird vor allem bei einem erhöhten Blutungsrisiko eingesetzt, denn so kann eine Verletzung der Gewebehülle um die Niere (= Nierenkapsel) vermieden und die Blutungsgefahr auf ein Minimum reduziert werden.
  • perkutane Nadelbiopsie unter CT-Kontrolle: Zur Lagekontrolle der Nadel wird statt einem Ultraschall-Gerät ein Computertomogramm verwendet. Der Vorteil dieser Variante ist die sehr gute Sichtbarkeit der Biopsienadel. Allerdings ist das Verfahren mit einer recht hohen Strahlenbelastung verbunden, die bei der normalen Nierenbiopsie nicht auftritt.

Welche Biopsiemethode für Sie am besten geeignet ist, sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Je nach individuellem Komplikationsrisiko, z. B. durch ein erhöhtes Blutungsrisiko und anatomische Besonderheiten der Niere und persönlicher Krankengeschichte wird die Wahl auf das für Sie günstigste Verfahren fallen.

Quellen:

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Autorin unseres Artikels
 
Dr. med. Michaela Hilburger, Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie

Dr. med. Michaela Hilburger
Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie

    Studium:
  • Ludwig-Maximilians-Universität in München
    Berufliche Stationen:
  • Klinikum Landshut gemeinnützige GmbH, Abteilung Urologie, Landshut

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Medizinische Prüfung
des Artikels
Dr. med. Monika Steiner, Ärztin

Medizinisch geprüft von
Dr. med. Monika Steiner
Ärztin

    Studium:
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn
    Berufliche Stationen:
  • Leitung Medizin-Online / Chefredakteurin Springer Nature
  • Medizinische Gutachterin für ärztliche CME-Fortbildung bei esanum.de

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Michaela Hilburger, Fachärztin für Urologie

Autorin
Dr. med. Michaela Hilburger
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Dr. med. Monika Steiner
Ärztin / Gutachterin für medizinische Fortbildung

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