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Harnsäure: Aufgaben, Nomalwerte, erhöhte Werte

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Was genau ist die Harnsäure? Hat sie etwas mit dem Urin zu tun? Wie kommt es zu erhöhten Blutwerten? Und was kann ich selber dagegen tun? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie in diesem Beitrag.

Basiswissen

Was ist Harnsäure?

Harnsäure hat nichts mit Urin zu tun, wie man ja vermuten könnte.

Harnsäure ist ein Abbauprodukt des Körpers, das aus der Verstoffwechselung von Zellbestandteilen aus Nahrungspurinen und vom Körper selbst produzierten Purinen entsteht. Dieses Abbauprodukt wird beim Gesunden hauptsächlich über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Ist die Ausscheidung gestört, oder fallen zu viele Purine für die Verstoffwechselung an, steigt der Harnsäurespiegel im Körper und im Blut an.

Erhöhte Harnsäurespiegel können zur Gichterkrankung führen.

Die Höhe des Harnsäurespiegels kann mit einer Blutuntersuchung beim Hausarzt leicht bestimmt werden.

Warum ist zu viel Harnsäure schädlich?

Da das Blut nur begrenzte Mengen an Harnsäure aufnehmen kann, lagert sich die überschüssige Harnsäure in Form von Kristallen in den Gelenken ab. Schmerzhafte Gichtanfälle (Gelenkentzündungen bis hin zur vollkommenen Zerstörung der Gelenke) können die Folge sein.

Eine Hyperurikämie sollte daher immer so schnell wie möglich behandelt werden. Außerdem sollten Personen, die schon einmal einen Gichtanfall hatten und erblich vorbelastet sind, ihre Harnsäurewerte in regelmäßigen Abständen vom Arzt kontrollieren lassen. Nur so ist es möglich, erhöhten Blutwerten entgegenzuwirken und weiteren Gichtanfällen, Nierensteinen und anderen Nierenerkrankungen vorzubeugen.

Normwerte

Wie viel Harnsäure ist normal?

Harnsäure ist ein Abbauprodukt von Zellbestandteilen (Purinen) und fällt im normalen Stoffwechselgeschehen an. Der Körper stellt etwa 350 mg Harnsäure täglich her, die mit dem Urin wieder ausgeschieden wird. Aber auch mit der Nahrung nehmen wir jeden Tag Harnsäure auf.

Die Harnsäurewerte im Blut hängen von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören:

  • Alter
  • Geschlecht
  • Ernährung

Ist zu viel Harnsäure im Körper messbar – in Deutschland weisen etwa 2,8% der Männer und 0,4% der Frauen im mittleren Alter einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blut auf – sprechen Mediziner von einer sogenannten Hyperurikämie.

Unterschied zwischen Männern und Frauen

Die Normalwerte für die Harnsäure im Blut unterschieden sich zwischen den Geschlechtern:

  • Bei Männern liegen sie zwischen 3,4 mg/dl und 7,0 mg/d.
  • Bei Frauen liegen die Werte zwischen 2,4 mg/dl und 5,7 mg/dl.

Allerdings steigen die Harnsäurewerte bei Frauen meist nach den Wechseljahren (auf die gleichen Normalwerte wie für Männer) an.

Kritischer Wert: 7,0 mg/dl Harnsäure

Ab einer Konzentration von 7,0 mg Harnsäure pro Deziliter im Blut kristallisiert diese aus und lagert sich in den Gelenken und in den Nieren ab. In den Gelenken können Harnsäurekristalle in Form eines akuten Gichtanfalls starke Schmerzen verursachen und nach einiger Zeit sogar zu Verformungen und Funktionsstörungen führen. An der Niere können die Ablagerungen Entzündungen auslösen und die Bildung von Nierensteinen bewirken.

Weitere Fragen

Harnsäure: Welche Werte sind für Kinder normal?

Im Lauf der Entwicklung ändern sich die Normwerte für Harnsäure im Blut. Für Kinder gelten je nach Alter folgende Referenzwerte:

  • Neugeborene
    • weiblich: 1,9 - 7,9 mg/dl
    • männlich: 1,9 - 7,9 mg/dl
  • 1-4 Jahre
    • weiblich: 1,7 - 5,1 mg/dl
    • männlich: 2,2 - 5,7 mg/dl
  • 5-11 Jahre
    • weiblich: 3,0 - 6,4 mg/dl
    • männlich: 3,0 - 6,4 mg/dl
  • 12-14 Jahre
    • weiblich: 3,2 - 6,1 mg/dl
    • männlich: 3,2 - 7,4 mg/dl
  • 15-17 Jahre
    • weiblich: 3,2 - 6,4 mg/dl
    • männlich: 4,5 - 8,1 mg/dl
Wann und wie wird Harnsäurewerte gemessen?

Menschen mit Gicht wird empfohlen, den Harnsäurewert zweimal im Jahr kontrollieren zu lassen. Aber auch, wenn Sie vermuten, dass Ihr Harnsäurespiegel zu hoch ist, oder erblich für eine Gicht vorbelastet sind (primäre Hyperurikämie), sollten Sie Ihren Harnsäurewert regelmäßig überprüfen lassen. Des Weiteren wird auch bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Fettstoffwechsel-Störungen, Bluthochdruck (Hypertonie) oder Alkoholismus die Harnsäure gemessen.

Der Harnsäurespiegel im Blut wird durch eine Blutentnahme beim Arzt bestimmt. Dazu müssen Sie nüchtern erscheinen, zudem sollten Sie einige Tage zuvor auf Alkohol und Innereien verzichten, da diese den Harnsäurewert beeinflussen können. Auch während einer Diät (Fastenkur) steigt der Harnsäurespiegel in der Regel an, weshalb ein Test zu dieser Zeit nicht durchgeführt werden sollte.

Praktisch: Messgeräte für Zuhause

Außerdem: Mittlerweile gibt es verschiedene Messgeräte, mit der man den Harnsäurewert im Blut selbst zu Hause testen kann. Es funktioniert vom Prinzip her wie ein gewöhnliches Blutzucker-Messgerät für Diabetiker. Auf einen Teststreifen wird ein Tropfen Blut gegeben. Nach ca. 10-30 Sekunden ermittelt das Gerät den Harnsäurewert.

Der einzige Haken an der Sache ist: Die Teststreifen, die für jede Messung neu benötigt werden, sind relativ teuer, und die Messergebnisse sind nicht so genau wie der Bluttest beim Arzt.

Ursachen für Harnsäureanstieg und -abfall

Wie kommt es zu hohen bzw. niedrigen Harnsäurewerten?

Manche Störungen oder auch äußere Einflüsse können den Wert der Harnsäure nach oben oder unten treiben.

Zu niedrig: Erkrankungen oder Medikamente

Hinter einem zu niedrigen Harnsäurewert (Hypourikämie) können sich Störungen im Purin-Stoffwechsel (Purinmangel) verbergen. Zudem können verschiedene Erkrankungen dazu führen, dass die Harnsäurewerte im Blut zu niedrig sind.

Diese sind u.a.:

  • Wilson-Krankheit (auch als Kupferspeicherkrankheit bekannt)
  • Krebs
  • Lebererkrankungen
  • Nierenschäden
  • Schwartz-Bartter-Syndrom (kurz SIADH, eine Erkrankung, die durch einen Überschuss an Wasser massive Schwellungen verursacht)

Des Weiteren können Medikamente, wie z.B. eine Überdosierung mit dem Arzneimittel Allopurinol (wird zur Behandlung von Gicht eingenommen), hohe Aspirin-Dosen (1500 mg oder mehr pro Tag) oder Sulfinpyrazon (gerinnungshemmendes Medikament, das zur Behandlung von Gicht und Herzerkrankungen eingesetzt wird) die Ursache für zu niedrige Harnsäurewerte sein.

Zu hoch: Genetik und Ernährung

Ursache für einen zu hohen Harnsäurewert ist meist eine erbliche Stoffwechselstörung (primäre Hyperurikämie), bei der die Harnsäure im Blut ansteigt. Aber auch andere Faktoren können dazu beitragen, dass der Harnsäurespiegel steigt. Mediziner sprechen dann von einer sekundären Hyperurikämie.

Gründe für eine sekundäre Hyerurikämie sind:

  • ein übermäßiger Alkohol- und Fleischkonsum
  • Überernährung und Übergewicht
  • bestimmte Erkrankungen wie eine Nierenfunktionsstörung (Nierenversagen, Nierensteine), eine Überfunktion der Schilddrüse ( Hyperthyreose) oder der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus)

Des Weiteren kann die Einnahme spezieller Medikamenten (z.B. Betablocker) und eine Chemo- oder Strahlentherapie die Harnsäurewerte erhöhen. Oft ist auch bei einem Herzinfarkt der Harnsäurespiegel erhöht.

Selbsthilfe

Wie bekomme ich meine Harnsäure in den Griff?

Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten können mit einer entsprechenden Ernährung (wenig Fleisch, Innereien, Fisch, Meeresfrüchte und Hülsenfrüchte sowie kein Alkohol) ihre Harnsäurewerte wieder in den Griff bekommen und damit einer Gicht vorbeugen. Des Weiteren kann auch Vitamin C, das vor allem in frischem Obst und Gemüse steckt, zusätzlich zu einer purinarmen Ernährung gegen Gicht helfen. Es soll entzündungshemmend wirken und die Bildung von Harnsäure im Körper reduzieren.

Um den Harnsäurespiegel möglichst dauerhaft zu senken, wird darüber hinaus eine Normalisierung des Körpergewichts sowie der Verzicht auf Alkohol empfohlen. Außerdem ist es wichtig, dass die Betroffenen viel trinken (täglich zwei bis drei Liter Wasser), um dem Organismus dabei zu helfen, mehr Harnsäure auszuscheiden. Reicht eine Ernährungsumstellung nicht aus, müssen zusätzlich harnsäuresenkende Medikamente eingenommen werden.

Quellen:

  • Hick C, Hick A. Kurzlehrbuch Physiologie. Urban und Fischer, 3. Auflage
  • Herold G et al., Innere Medizin (2004).

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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