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Schilddrüsenüberfunktion: Symptome und Behandlung

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Auch die Symptome sind vielfältig und können den ganzen Körper betreffen. Therapeutisch kommen Medikamente zum Einsatz, die die Bildung von Schilddrüsenhormonen hemmen (sogenannte Thyreostatika). Mehr zur Schilddrüsenüberfunktion erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Wodurch kann es zu einer Überfunktion der Schilddrüse kommen?

Eine Überfunktion der Schilddrüse bedeutet einen Überschuss an Schilddrüsen-Hormonen. Sie kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, die entweder mit der Schilddrüse selbst zusammenhängen oder aber mit einer Störung auf übergeordneter Ebene. Daneben kann die Überfunktion auch selbstverursacht sein.

Hormonhaushalt: ein fein austariertes System

Die gesamte Hormonproduktion unterliegt einem recht komplizierten Regelkreis, der genau abgestimmt sein muss, damit auch alles richtig funktioniert. Kommt dabei ein System aus dem Gleichgewicht, wirkt sich das auf den gesamten Kreislauf aus.

Insgesamt kann man drei Ebenen unterscheiden:

Da gibt es zum einen die Drüsen, wie z.B. die Schilddrüse. Sie stehen ganz am Ende des Regelkreises und produzieren letztlich die Endhormone (bei der Schilddrüse T3 und T4), um sie danach bei Bedarf in den Körper auszuschütten.

Darüber gibt es weitere Ebenen, die im Gehirn angesiedelt sind und den Drüsen gewissermaßen Befehle erteilen. Die eine Steuerungsinstanz nennt sich Hypophyse oder Hirnanhangsdrüse. Auch sie schüttet eine Substanz aus, nämlich im Fall der Schilddrüse das TSH. Wie der Name schon sagt (T = Thyroidea/Schilddrüse, S = stimulierendes, H = Hormon), wirkt sie auf die Schilddrüse ein: Sie wird durch TSH angeregt, selbst mehr Hormone (T3, T4) zu produzieren.

Und schließlich gibt es noch die oberste Steuerzentrale. Sie sitzt im sogenannten Hypothalamus. Hier wird ein weiterer Botenstoff gebildet, das TRH. Es wirkt wiederum auf die Hypophyse, die mit dem Hypothalamus über einen kleinen Stiel verbunden ist. Darüber wird die Hypophyse aufgefordert, mehr von ihrem eigenen Hormon, dem TSH, zu bilden.

Das klingt alles sehr komplex, funktioniert aber im Grunde immer nach dem gleichen, in sich logischen Prinzip.

Regelkreis aus dem Gleichgewicht

Bei einer Hyperthyreose ist dieser fein abgestimmte Regelkreis nun in irgendeiner Weise aus dem Gleichgewicht geraten. Die Folge ist eine Konstellation, wie sie nach dem oben geschilderten Prinzip eigentlich nicht gedacht ist: Das TSH aus der Hypophyse ist erniedrigt, die Schilddrüsen-Hormone T3 und T4 in der Regel erhöht. Das passt aber nicht zusammen, denn eigentlich sollte die Schilddrüse ja nur dann mehr Hormone bilden, wenn die Hypophyse ihr den Befehl dazu erteilt. Das tut sie aber gerade nicht. Was also steckt dahinter?

Schilddrüse außer Rand und Band: der heiße Knoten

Heiße Knoten (auch autonome Adenome genannt) sind Areale in der Schilddrüse, die sich dem beschriebenen Regelkreis entziehen und nicht mehr auf die übergeordneten Ebenen im Gehirn reagieren. Sie produzieren völlig selbständig und ohne jede Kontrolle Hormone.

Meistens entstehen solche Bereiche durch einen Jodmangel. Wird die Schilddrüse nämlich nicht ausreichend mit Jod versorgt, vergrößert sie sich, und es entsteht ein Kropf (Struma). Sie versucht damit, den Jodmangel auszugleichen, indem sie sich immer weiter aufbläht. In einer solchen vergrößerten Schilddrüse bilden sich dann häufig heiße Knoten, die unabhängig vom eigentlichen Bedarf Hormone produzieren.

Das autonome Schilddrüsengewebe kann dabei als einzelner Knoten („unifokal“ = einzelne Bereiche betreffend) vorliegen, was bei etwa 30% der Betroffenen der Fall ist. Bei etwa 50% liegen mehrere Knoten („multifokal“ = mehrere Areale betreffend) vor. In seltenen Fällen können sich die Knoten auch über das gesamte Schilddrüsengewebe („diffus“) verteilen.

Neben der Autoimmunerkrankung Morbus Basedow stellt die Schilddrüsenautonomie die zweithäufigste Ursache für eine Überfunktion der Schilddrüse dar. Frauen sind in der Regel (sechs Mal!) häufiger von einer solchen Schilddrüsenautonomie betroffen als Männer. Die Erkrankung setzt häufig bei Menschen ab dem 40. Lebensjahr ein.

Der Körper bekämpft sich selbst: Morbus Basedow

Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Abwehrsystem irrtümlich das eigene Schilddrüsengewebe angreift. Bei der Erkrankung werden Antikörper gebildet, die sich an den Schilddrüsenzellen (TSH-Rezeptor) festsetzen und die Drüse dadurch verstärkt zur Bildung von Schilddrüsenhormonen anregen. Es kommt zu einer Überfunktion der Schilddrüse.

Bei vielen Betroffenen entzündet sich dabei auch das Gewebe in der Augenhöhle. Das kann zum typischen Bild der sogenannten endokrinen Orbitopathie führen, bei der die Augäpfel stark hervortreten.

Schilddrüsenhormone: Vorsicht Überdosierung

Schilddrüsenhormone werden normalerweise eingenommen, um einen Hormonmangel bei einer Schilddrüsenunterfunktion auszugleichen. Werden jedoch zu viele Schilddrüsenhormone eingenommen, kann es sein, dass eine Unterfunktion in eine Überfunktion übergeht.

Dabei kann man sich gut vorstellen, wie die übergeordneten Systeme reagieren. Wird die Schilddrüse von außen immer mehr mit Hormonen „gefüttert“, wird die Hypophyse ihre TSH-Produktion tunlichst einstellen, um den Überschuss nicht noch zu verstärken. Hier funktioniert also der Regelkreis an sich noch wunderbar. Die Überfunktion ist in diesem Fall selbstverursacht und nicht auf eine Erkrankung zurückzuführen. Dementsprechend einfach ist es aber auch, sie zu beheben: indem man die Hormoneinnahme reduziert.

Überdosis Jod

Auch ein Zuviel an jodhaltigen Substanzen (z. B. durch die Einnahme jodhaltiger Medikamente oder Röntgenkontrastmittel) kann zu einer Überfunktion der Schilddrüse führen. Diese braucht das Spurenelement, um ihre Hormone zu bilden. Bekommt sie mehr von dem „Baustoff“, nutzt sie ihn auch und produziert entsprechend mehr T3 und T4. Auch diese Form der Überfunktion ist damit selbstinduziert und behebbar.

Allerdings ist eine Überfunktion allein durch zu viel Iod eher selten. Das wären schon sehr gewaltige Mengen, die man dazu einnehmen müsste. Meist ist es eine Kombination mit autonomen Schilddrüsen-Arealen (heiße Knoten), die wiederum ursprünglich durch einen Jodmangel bedingt sind, wie oben beschrieben. Werden solche selbständigen Bereiche zusätzlich mit Jod versorgt, produzieren sie umso mehr Hormone.

Entzündete Schilddrüse

Bei der sogenannten “Thyreoiditis de Quervain“ handelt es sich um eine Entzündung der Schilddrüse, die aber nur sehr selten auftritt. Durch die Entzündung kommt es zu einer Schädigung der Schilddrüsenzellen, wodurch die Schilddrüsenhormone plötzlich und im Überschuss ins Blut gelangen.

Sehr selten: Tumore

Es gibt auch Tumore der Hypophyse, sogenannte Hypophysen-Adenome. Sie sind jedoch Raritäten. Sie führen dazu, dass die Hypophyse mehr TSH bildet. Dadurch wird wiederum die Schilddrüse zur Bildung ihrer Hormone angeregt, was zur Überfunktion führt. Hier ist also nicht die Schilddrüse selbst betroffen, sondern die übergeordnete Steuerung im Gehirn. Man spricht daher auch von einer zentralen Hyperthyreose.

Welche Symptome sind typisch für eine Schilddrüsenüberfunktion?

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann viele verschiedene Beschwerden auslösen. Die Überproduktion von Schilddrüsenhormonen führt unter anderem zu einer Beschleunigung des Stoffwechsels. Das heißt, der Fett- und Kohlenhydrat-Stoffwechsel können sich verstärken, so dass man tendenziell Gewicht verliert.

Außerdem kann es aufgrund der gesteigerten Darmtätigkeit zu Durchfällen kommen, was ebenfalls zu einem Gewichtsverlust beiträgt.

Auch Herz und Nerven betroffen

Wegen der ankurbelnden Wirkung der Schilddrüse kann sich ein Überschuss von Schilddrüsenhormonen auch auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Typische Symptome sind ein erhöhter Puls, also Herzrasen oder Herzklopfen, und ein höherer Blutdruck.

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Eine Schilddrüsenüberfunktion kann zudem negative Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) haben. Betroffene leiden oft unter Unruhezuständen und Nervosität oder sind besonders leicht reizbar. Darüber hinaus kann eine unbehandelte Hyperthyreose zu Schlafproblemen, Stimmungsschwankungen (depressive Verstimmungen), Muskelschwäche, Muskelschmerzen und Angstzuständen führen.

Im schlimmsten Fall kann eine Schilddrüsenüberfunktion eine sogenannte thyreotoxische Krise mit lebensgefährlichen Zuständen (alle Symptome der Schilddrüsenüberfunktion können sich in verstärkter Form äußern) auslösen.

Weitere Symptome

Außerdem kann sich eine Schilddrüsenüberfunktion durch folgende Symptome äußern:

  • vermehrtes Schwitzen
  • Wärmeempfindlichkeit (Wärmeintoleranz)
  • erhöhte Temperatur der Haut
  • vermehrtes Durstgefühl
  • gesteigerter Appetit
  • Erbrechen
  • Haarausfall
  • Zittern
  • Augenprobleme (hervortretende Augäpfel, Lichtscheu, Sehstörungen, Doppelbilder)
  • Zyklusstörungen
  • sichtbare Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf)

Kann übermäßiges Schwitzen mit der Schilddrüse zusammenhängen?

Ja das ist möglich. Vermehrtes Schwitzen kann auf eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen (Schilddrüsenüberfunktion) zurückzuführen sein.

Körper läuft auch Hochtouren

Der Überschuss an Hormonen wirkt sich auf fast alle Stoffwechselprozesse im Körper aus. Der Fett- und Kohlenhydrat-Stoffwechsel wird gesteigert, wodurch sich der Energieumsatz erhöht. Das heißt, der Körper läuft dauerhaft auf Hochtouren und produziert automatisch mehr Wärme. Dies kann sich wiederum beim Betroffenen durch vermehrtes Schwitzen sowie durch einen erhöhten Pulsschlag (Herzschlag) und Zittern äußern, denn auch das Herz-Kreislauf-System wird durch den Überschuss an Schilddrüsenhormonen übermäßig beschleunigt.

Eine Überfunktion kann sich außerdem auch auf das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rücken) auswirken. So kann es zum Beispiel zu Angst- und Unruhezuständen, Nervosität und Hyperaktivität kommen.

Schwitzen kann, muss aber nicht von der Schilddrüse kommen

Vermehrtes Schwitzen muss aber nicht unmittelbar mit der Schilddrüse zusammenhängen. Viele weitere Ursachen und Erkrankungen können dafür verantwortlich sein wie zum Beispiel:

  • Wechseljahre bei der Frau
  • Unruhezustände, Angst vor Prüfungen etc.
  • Diabetes (Zuckerkrankheit)
  • Infektionen
  • starkes Übergewicht, Adipositas
  • viele internistische Erkrankungen, auch Tumore
  • viele neurologische Erkrankungen

Darüber hinaus könnten auch bestimmte Medikamente (z.B. Psychopharmaka) zu vermehrten Schwitzen führen. Sprechen Sie daher bei auffällig zugenommenem Schwitzen unbedingt mit Ihrem Arzt, bevor Sie falsche Rückschlüsse ziehen.

Wie lange müssen die Medikamente bei Schilddrüsenüberfunktion eingenommen werden?

Bei einer Überfunktion der Schilddrüse werden Medikamente eingesetzt, die die Schilddrüse in ihrer Funktion hemmen (sogenannte Thyreostatika). Sie sind jedoch nicht für eine Dauertherapie geeignet und werden daher immer nur eine Zeit lang eingesetzt. Wie lange, hängt von der zugrundeliegenden Erkrankung ab.

Knoten: bis die Werte wieder normal sind

Ist eine Autonomie der Schilddrüse in Form von selbständigen Knoten die Ursache für eine Überfunktion, müssen die Medikamente so lange eingenommen werden, bis sich die Schilddrüsenhormonwerte (TSH-Wert) wieder normalisiert haben und die damit verbundenen Symptome der Schilddrüsenüberfunktion abgeklungen sind. Bis sich eine vergrößerte Schilddrüse wieder zurückgebildet hat, können mehrere Tage bis Wochen vergehen.

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Allerdings können die autonomen Regionen, die weiterhin Hormone im Überfluss produzieren, durch die Medikamente nicht ausgeschaltet werden. Daher wird nur so lange medikamentös behandelt, bis sich die hormonelle Situation normalisiert hat. Danach schließt sich eine sogenannte definitive Therapie an, mit der die Knoten endgültig beseitigt werden.

Neben einer Operation kommt dabei auch eine Radiojodtherapie in Frage, bei der das erkrankte Gewebe gezielt von innen heraus bestrahlt und dadurch zerstört wird. Bei schwerer Schilddrüsenüberfunktion und entsprechend ausgeprägten Symptomen kann die Operation oder Behandlung mit Radiojod auch schon früher erfolgen, noch bevor sich die hormonelle Situation normalisiert hat. Denn eine Entgleisung des hormonellen Stoffwechsels kann lebensbedrohlich sein. Die Risiken müssen dann genau gegeneinander abgewogen werden.

Morbus Basedow: Versuch über 1 Jahr

In den meisten Fällen wird eine Schilddrüsenüberfunktion durch die Basedowsche Krankheit (Morbus Basedow) verursacht, bei der sich das körpereigene Abwehrsystem gegen das Schilddrüsengewebe richtet und es zur unkontrollierten Hormonproduktion anregt.

Eine medikamentöse Behandlung mit Thyreostatika erfolgt meist für 1 bis 1,5 Jahre. In dieser Zeit sollten sich die Hormonwerte (TSH-Wert) wieder normalisiert haben. Verbessert sich die Überfunktion (und damit die Symptome) trotz Einnahme der Schilddrüsenblocker nicht oder tritt die Erkrankung erneut auf (die Rückfallquote nach einer Therapie mit Medikamenten liegt bei etwa 50 %), hilft meist nur mehr eine Operation oder Radiojodtherapie.

Wichtig: Nach einer Schilddrüsen-Operation (und häufig auch nach einer Radiojodtherapie) kommt es innerhalb weniger Wochen zu einer langfristigen Unterfunktion der Schilddrüse, die wiederum durch Schilddrüsenhormontabletten (L-Thyroxin) und Jodid behandelt werden muss. Die Hormonersatztherapie erfolgt im Gegensatz zur schilddrüsenhemmenden Behandlung lebenslang, ist aber für die Betroffenen mit keinen gesundheitlichen Risiken verbunden.

Wann ist eine OP bei Schilddrüsenüberfunktion notwendig?

Das hängt ganz davon ab, welche Ursache die Überfunktion hat. Die meisten Formen der Hyperthyreose werden (zumindest erst einmal) medikamentös behandelt. Erst wenn diese Therapie nicht ausreichend anschlägt, kann eine Operation erwogen werden. Es gibt allerdings auch Fälle, in denen gleich zu Beginn eine Operation angezeigt ist.

Wenn der Kropf zum Problem wird

Oft liegt einer Schilddrüsenüberfunktion ein Kropf (Struma) zugrunde. Er entsteht durch einen Jodmangel, bei dem die Schilddrüse sich umso mehr anstrengen muss, um noch genügend Hormone zu produzieren. Das gelingt ihr, indem sie wächst. Dabei kann sie sich jedoch irgendwann so stark vergrößern, dass andere Strukturen eingeengt werden.

Das kann man sich gut vorstellen, wenn man bedenkt, wo die Schilddrüse ihren Sitz hat und wie wenig Platz um sie herum ist. Ebenso gut kann man sich vorstellen, was das für Probleme verursachen kann, wenn man bedenkt, daß Luft- und Speiseröhre auch noch ihren Platz im Hals brauchen. Es kann zu Schluck- und Atembeschwerden sowie zu einem Druckgefühl im Hals kommen. Wird der Kropf nicht medikamentös behandelt oder schlägt die Therapie nicht an, kann er weiter wachsen und die Beschwerden sich verschlimmern. Dann ist eine Operation in Erwägung zu ziehen.

Eine ausgeprägte Struma kann auch ein „rein“ kosmetisches Problem sein, unter dem der Betroffene jedoch womöglich extrem leidet. Auch in diesem Fall ist an eine Operation zu denken, wenn der Kropf schon lange besteht und sich medikamentös nicht mehr zurückbildet.

Knoten: Gut oder böse? Heiß oder kalt?

Daneben kann eine knotige Veränderung der Schilddrüse Ursache der Überfunktion sein. Solche Knoten können gut- oder bösartig sein. Die seltenen bösartigen Formen (Schilddrüsen-Krebs) werden immer operiert. Hier kann auch schon der Verdacht auf eine Krebserkrankung ausreichen.

Ein gutartiger Knoten erfordert hingegen nicht zwingend eine Operation. Allerdings sollte er in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Denn in einigen seltenen Fällen kann sich aus einem kalten Knoten ein bösartiger Tumor entwickeln. Heiße Knoten sind hingegen fast immer gutartig.

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Die Begriffe „kalter“ und „heißer“ Knoten gehen auf eine Untersuchung der Schilddrüse, die Szintigraphie, zurück. Dabei wird der Stoffwechsel der Schilddrüse überprüft, indem eine bestimmte Substanz in den Blutkreislauf eingebracht wird. Ein Bereich, der viel von dieser Substanz aufnimmt, wird als heißer Knoten bezeichnet. Wird die Substanz dagegen nicht oder kaum gespeichert, nennt man dieses Areal einen kalten Knoten.

In folgenden Fällen sollte bei einer knotigen Veränderung der Schilddrüse eine Operation in Erwägung gezogen werden:

  • Bei gutartigen Knoten: Wenn Beschwerden vorliegen, die auch durch die Tabletteneinnahme nicht besser werden.
  • Mehrere Knoten: Wenn mehrere Knoten vorhanden sind.
  • Kalte Knoten: Wenn kalte Knoten bereits mehrere Zentimeter groß sind und/oder sehr rasch an Größe zunehmen, oder wenn sich aus einem kalten Knoten ein bösartiger Tumor entwickelt.
  • Heiße Knoten: Heiße Knoten (autonome Adenome), die unkontrolliert Hormone produzieren, können zwar durch Medikamente therapiert werden, allerdings kann dadurch nicht die Autonomie der Knoten behoben werden, sodass die Tabletten dauerhaft eingenommen werden müssen. Daher sollte nach einer anfänglichen medikamentösen Behandlung eine Operation (oder auch eine Radiojodbehandlung) in Erwägung gezogen werden.

Morbus Basedow: Erst Tabletten, dann OP

Hinter dem sogenannten Morbus Basedow verbirgt sich eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem gestört ist und das eigene Schilddrüsengewebe angreift. Dadurch wird die Schilddrüse angeregt, mehr Hormone zu bilden. In der Folge entsteht eine Überfunktion.

Die Erkrankung wird zunächst medikamentös behandelt. Manchmal kann sie damit vollständig geheilt werden. Kommt sie jedoch nach 1-2 Jahren nicht zum Erliegen, wie es bei etwa 50% der Betroffenen der Fall ist, sollte über eine Operation (oder eine Radiojodtherapie) nachgedacht werden. Nur so kann eine Dauertherapie mit Tabletten verhindert werden.

Alternative zur Radiojodbehandlung

Eine Operation kommt auch immer dann infrage, wenn eine Radiojodtherapie nicht sinnvoll ist oder vom Patienten nicht gewünscht wird.

Übrigens: Vor einer Operation erfolgt immer erst eine medikamentöse Vorbehandlung, um die Schilddrüsenwerte zu normalisieren. Erst wenn eine sogenannte Euthyreose erreicht ist, der TSH-Spiegel und die Schilddrüsenhormone also im Normbereich liegen, ist der Chirurg am Zug.

Heilt eine Operation oder Radiojodtherapie die Überfunktion der Schilddrüse?

Das lässt sich leider nicht ganz so einfach sagen und hängt auch von der Erkrankung ab. Die Erfolgsaussichten der Radiojodtherapie und der Operation sind generell sehr gut. Manchmal müssen Betroffene danach aber lebenslang Hormontabletten einnehmen, um eine Unterfunktion der Schilddrüse zu vermeiden.

Wenn Medikamente nichts mehr ausrichten können

Eine Operation oder alternativ eine Radiojodtherapie ist bei einer ausgeprägten Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) in manchen Fällen zu erwägen. Auslöser hierfür können sogenannte autonome Areale in der Schilddrüse sein, die unkontrolliert Botenstoffe produzieren und sich mit Medikamenten nicht mehr bremsen lassen.

Auch die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow, bei der sich Antikörper gegen die Schilddrüse bilden und sie zur Hormonproduktion anregen, kann ein Grund für einen solchen Eingriff sein. Weitaus weniger häufig sind es bösartige Tumore (Schilddrüsenkrebs), die eine Operation erforderlich machen. In diesem Fall ist sie jedoch unumgänglich.

Und schließlich gibt es auch stark vergrößerte Schilddrüsen, die bereits auf die Luft- oder Speiseröhre drücken und zu Schluck- und Atembeschwerden führen. Auch hier reichen Medikamente meist nicht mehr aus, und der Griff zum Skalpell verspricht rasche Erleichterung.

Operation wie auch Radiojodtherapie zählen zu den sogenannten definitiven Verfahren. Dieser Begriff legt die Vermutung nahe, dass die zugrundeliegende Erkrankung damit definitiv geheilt ist. Aber ist das auch wirklich so?

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Der Preis: lebenslange Hormonsubstitution

Nach einer Radiojodtherapie sind viele Menschen mit einer Schilddrüsenerkrankung tatsächlich geheilt und müssen keine weiteren Medikamente (Schilddrüsenhormone) mehr einnehmen. Durch die Gabe von radioaktivem Jod können die Schilddrüsenzellen, deren Hormonstoffwechsel gesteigert ist (sogenannte heiße Knoten), zerstört werden, weshalb sich die Stoffwechsellage in der Schilddrüse wieder normalisiert. Von der Überfunktion ist der Betroffene dadurch definitiv geheilt.

Oft aber kann es auch noch Jahre nach dem Eingriff zu einer dauerhaften Schilddrüsenunterfunktion (mitsamt den damit verbundenen typischen Symptomen) kommen. Dies ist häufig nach einer Therapie des Morbus Basedow der Fall. Denn durch die Behandlung wird Schilddrüsengewebe unwiederbringlich zerstört. Daher kann es sein, dass der Rest der Schilddrüse der Hormonproduktion irgendwann nicht mehr gewachsen ist. Wer von dieser Folgewirkung betroffen ist, muss lebenslang Schilddrüsenhormontabletten (L-Thyroxin) einnehmen.

Fluch und Segen der Operation

Bei der Schilddrüsenoperation werden entweder nur bestimmte Schilddrüsenareale oder auch die gesamte Drüse entfernt. Nach dem Eingriff sinkt der Schilddrüsenhormonspiegel ab, und die Symptome der Überfunktion sind normalerweise sofort verschwunden. Auch hier gilt die Hyperthyreose als geheilt, da das verantwortliche Gewebe nicht mehr vorhanden ist.

Da die Schilddrüse nach der Operation jedoch unter Umständen ebenfalls nicht mehr genug Schilddrüsenhormone produzieren kann, schließt sich regelhaft eine lebenslange Einnahme von Jodid- und/oder Schilddrüsenhormontabletten an. Vor allem, wenn die gesamte Schilddrüse entfernt wurde, ist eine Hormonsubstitution unumgänglich.

Unser Körper braucht die lebensnotwendigen Hormone für viele Abläufe und ist auf seine tägliche Ration angewiesen. Außerdem ist die dauerhafte medikamentöse Behandlung wichtig, um ein neuerliches Wachstum der restlichen Schilddrüse und eine Schilddrüsenunterfunktion zu vermeiden.

Aber keine Sorge: Die Einnahme von Schilddrüsenhormonen ist völlig unbedenklich. Sie werden zwar künstlich hergestellt, entsprechen aber in ihrer Struktur und Funktion exakt den körpereigenen Botenstoffen. Der Körper unterscheidet daher nicht zwischen "echt" und "künstlich" und verwertet die benötigten Substanzen ohne weitere Folgeschäden und Risiken.

Kann eine Schilddrüsenüberfunktion von allein wieder verschwinden?

Nein, das ist meist nicht möglich. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann aber in der Regel so gut behandelt werden, dass die Beschwerden weitgehend verschwinden.

Eine Hyperthyreose, wie die Schilddrüsenüberfunktion medizinisch heißt, wird entweder durch sogenannte „heiße Knoten“ (Adenome) oder durch die Basedowsche Krankheit (Autoimmunkrankheit) ausgelöst.

Heiße Knoten: Schilddrüse außer Kontrolle

Heiße Knoten sind Gewebsveränderungen in der Schilddrüse, die verstärkt Jod aufnehmen und unabhängig von der Hirnanhangsdrüse Hormone bilden und ausschütten. Die autonomen Knoten führen langfristig zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Werden sie nicht entfernt, produzieren sie ständig neue Hormone.

Das kann irgendwann zu entsprechenden Symptomen wie Gewichtsabnahme, Durchfälle bis hin zu Herzrhythmusstörungen, Osteoporose und einer thyreotoxischen Krise (= lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung) führen. Daher sollten umgehend therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden.

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Medikamente keine Dauerlösung

Da die autonomen Areale sozusagen selbständig agieren, lassen sie sich durch nichts beeinflussen, auch nicht nur durch die Einnahme von Medikamenten. Sogenannte Thyreostatika (Medikamente, die die Bildung von Schilddrüsenhormenen hemmen) können den Hormonhaushalt zwar vorübergehend normalisieren, die autonomen Areale stoppen können sie jedoch nicht.

Zu beachten sind auch mögliche Nebenwirkungen der Medikamente wie allergische Reaktionen, Fieber, Muskelschmerzen und Übelkeit. In Ausnahmefällen kann es außerdem zu Störungen der Blutbildung und der Leberfunktion kommen.

Definitive Therapie

Daher kann der Arzt zur Behandlung einer Schilddrüsenautonomie zwar kurzfristig Thyreostatika verordnen, bis sich die Stoffwechsellage wieder einigermaßen normalisiert hat. Dann jedoch müssen sich Arzt und Patient gemeinsam für eine geeignete langfristige Therapieform entscheiden.

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder werden die Adenome (nach vorübergehender Tablettenbehandlung) operativ entfernt oder einer Radiojodtherapie unterzogen. Diese beiden Verfahren nennt man auch "definitive" Therapie, und zwar deshalb, weil im Gegensatz zur medikamentösen Behandlung die Erkrankung damit definitiv saniert ist.

Morbus Badedow: eine Autoimmunerkrankung

Bei der autoimmunen Form der Hyperthyreose (Basedowsche Erkrankung oder Morbus Basedow) greift das Abwehrsystem des Körpers "irrtümlich" das eigene Schilddrüsengewebe an. Dies führt unter anderem dazu, dass der Körper verstärkt Schilddrüsenhormone produziert und es zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommt.

Durch die Einnahme von Thyreostatika kann die Produktion der Hormone wiederum vermindert und ein Hormonwert im Normalbereich erreicht werden. Beim Morbus Basedow ist es im Gegensatz zur Schilddrüsen-Autonomie möglich, dass sich die Erkrankung damit nach einiger Zeit von allein wieder zurückbildet. Sollte sich nach 1 bis 1,5 Jahren der Behandlung mit Tabletten die Krankheit (und somit auch die Beschwerden) jedoch nicht verbessern, muss auch hier eine Operation oder eine Radiojodtherapie durchgeführt werden.

Das Risiko, dass die Erkrankung nach Absetzen der medikamentösen Therapie wieder ausbricht, liegt bei etwa 50 %. Übrigens: Rauchen erhöht dieses Risiko!

Kann eine Schilddrüsenüberfunktion gefährlich werden?

Ja. Eine nicht behandelte Überfunktion der Schilddrüse kann auf Dauer zu Herzrhythmusstörungen und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Eine Schilddrüsenüberfunktion ist daher immer eine ernsthafte Erkrankung, die von einem Arzt behandelt werden sollte.

Körper dauerhaft im Hochbetrieb-Modus

Bei einer Überfunktion werden in der Schilddrüse zu viele Hormone produziert. Das hat zur Folge, dass der Organismus dauerhaft mit Hormonen überschwemmt wird. Aufgrund der stoffwechselfördernden Wirkung der Hormone laufen fast alle wichtigen Funktionen im Körper (Stoffwechsel, Herz und Kreislauf, Magen und Darm, Nerven und Muskeln) dauerhaft auf Höchstleistung. Das kann auf Dauer schwerwiegende Folgen für die Betroffenen haben.

Viele Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion leiden unter einem erhöhten Ruhepuls und Herzrasen. Außerdem kann es zu einer vermehrten Schweißproduktion, Gewichtsabnahme (aufgrund des gesteigerten Energiestoffwechsels), Schlafproblemen, Durchfall oder Erbrechen kommen. Darüber hinaus kann ein Überschuss an Hormonen auch psychische Erkrankungen (depressive Verstimmungen, Angststörungen) auslösen.

Schwerwiegende Folgen auf Herzfunktion

Ein dauerhaft erhöhter Ruhepuls ist nicht nur äußerst unangenehm, sondern kann auch – vor allem für das Herz – gefährlich werden. Die ständige Überlastung des Herzens kann zu Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) und einer chronischen Herzschwäche führen. Zudem steigt das Risiko für weitere Herz- und Gefäßkrankheiten (z.B. Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall). Aus diesem Grund sollte eine Schilddrüsenüberfunktion immer behandelt werden.

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Kann eine Schilddrüsenüberfunktion zur Osteoporose führen?

Ja. Vereinfacht kann man sagen, dass das Schilddrüsenhormon Thyroxin den Energieverbrauch und Gesamtumsatz des Körpers erhöht. Das ist auch völlig okay, nur bei einem Zuviel davon wird es zum Problem.

Das Schilddrüsenhormon Thyroxin führt auf vielfältige Weise zu einem erhöhten Energiebedarf: Die Körpertemperatur steigt, das Herz schlägt schneller, die Verdauung wird angekurbelt, kurzum, alles läuft auf Hochtouren. Und auch der Kochenabbau wird gefördert, weil ja Energiereserven benötigt werden.

Wenn die Schilddrüsenhormone aus dem Ruder laufen

Normalerweise wird das durch diverse hormonelle Gegenspieler gut ausgeglichen (u.a. durch ein anderes Schilddrüsenhormon, das Calcitonin). Der Körper ist hier geradezu ein Vorbild an bedarfsorientierter Steuerung. Nur wenn die Schilddrüse nicht mehr ordnungsgemäß arbeitet, kann ein Problem entstehen. Typische Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion (medizinisch: Hyperthyreose) sind zum Beispiel eine zu hohe Herzfrequenz, Gewichtsabnahme, Haarausfall – und eben auch Knochenschwund (Osteoporose), das aber nur auf längere Sicht.

Kann aus einer Überfunktion der Schilddrüse eine Unterfunktion entstehen?

Ja, das ist möglich und kann verschiedene Ursachen haben. So kann eine Überfunktion, wenn sie z.B. mit Tabletten oder einer Radiojodtherapie behandelt wird, in ihr Gegenteil umschlagen. Aber auch ein Jodmangel kann zu einer Unterfunktion führen.

Ein erster Grund: Tabletteneinnahme und Radiojodtherapie

Eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) wird entweder durch die Einnahme bestimmter Medikamente (Thyreostatika) behandelt, die die Hormonproduktion hemmen, oder durch die Bestrahlung von Schilddrüsengewebe mit radioaktivem Jod. Beides, sowohl die Einnahme von Tabletten als auch die Radiojodtherapie, kann die Hormonproduktion durcheinanderbringen und dafür sorgen, dass aus der ursprünglichen Überfunktion eine Unterfunktion wird.

Ein weiterer Grund: Schilddrüsenoperation

Ein weiterer Grund, wieso sich aus einer Überfunktion eine Unterfunktion entwickeln kann, ist eine Schilddrüsenoperation, bei der zum Beispiel ein Kropf (Struma) entfernt wurde. Durch den operativen Eingriff kann es sein, dass nicht mehr genügend Schilddrüsengewebe übrig bleibt und somit Schilddrüsenhormone nicht mehr ausreichend produziert werden.

Und schließlich: Jodmangel

Oft aber ist auch ein Jodmangel Ursache dafür, dass aus einer Überfunktion eine Unterfunktion wird. Das hat folgenden Hintergrund:

Da die Schilddrüse das Spurenelement Jod zur Herstellung des Hormons benötigt, kann es vorkommen, dass es bei lang anhaltender unzureichender Jodzufuhr zu einem extremen Jodmangel kommt, der in Folge zu einer Unterfunktion der Schilddrüse führt, da nicht mehr genügend Hormone gebildet werden können. Indem man den Körper wieder ausreichend mit Jod versorgt (zum Beispiel durch die Einnahme von Jodidtabletten), kann der Mangel behoben werden und somit auch die damit verbundene Unterfunktion.

Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, Hormone und Stoffwechsel (DGE): Patienteninformation zur Schilddrüsenüberunktion, online unter www.endokrinologie.net (zuletzt aufgerufen am 16.09.2019).

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