Navigator-Medizin.de
alle Fragen, alle Antworten
   X   

Krankheiten von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Medikamente von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Diagnostik & Laborwerte von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Therapieverfahren von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Gesundheitsthemen von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   
Suche

Schilddrüsenunterfunktion: Symptome und Behandlung

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Genauso vielfältig sind die Symptome, die dabei auftreten können. Je nach dem, was dahinter steckt und ob Beschwerden bestehen, muss eine Schilddrüsenunterfunktion ggf. mit Hormontabletten behandelt werden. Mehr dazu erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Wann spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion?

Von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) spricht man, wenn im Blut eine zu geringe Menge an Schilddrüsenhormonen vorhanden ist. Genauer gesagt: der Thyroxin-Wert (fT4-Wert) im Blut ist zu niedrig. Zudem treten bei einer Schilddrüsenunterfunktion typische Beschwerden wie Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder Verstopfung auf. Zudem kann sich ein Kropf (Struma) bilden. Meist ist eine verminderte Produktion von Schilddrüsenhormonen durch die Schilddrüse die Ursache. Aber auch ein Jodmangel kann eine Schilddrüsenunterfunktion hervorrufen.

Zu wenig T3 und T4 im Blut

Thyroxin (T4) zählt zusammen mit Trijodthyronin (T3) zu den wichtigsten Hormonen, die in der Schilddrüse gebildet werden: Gemeinsam beeinflussen sie alle Stoffwechselvorgänge des Körpers. Mithilfe der beiden Hormone lassen sich die Schilddrüsenwerte bestimmen. So deuten erhöhte oder zu niedrige Werte auf Fehlfunktionen (Unter- oder Überfunktion) der Schilddrüse hin. Bei einer Unterfunktion ist zu wenig T3 und T4 im Blut. Die Schilddrüse wird daher aufgefordert, mehr TSH-Hormone zu produzieren.

TSH-Spiegel ist erhöht

Ein weiteres Anzeichen dafür, dass eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt, kann ein erhöhter TSH-Spiegel im Blut sein. TSH, ist ein Hormon, das die Schilddrüse dazu anregt, mehr T3 und T4 zu bilden. Es wird in der Hirnanhangsdrüse (= Hypophyse) gebildet. Das heißt: Sind die Spiegel von T3 und T4 zu niedrig, wird vermehrt TSH ausgeschüttet, um die optimale Konzentration von T3 und T4 aufrechtzuerhalten.

Kann die Schilddrüse nicht genügend TSH-Hormon produzieren, kommt es in der Folge zu einem Abfall von T4 und T3 - man spricht dann von einer sogenannten "manifesten Schilddrüsenunterfunktion", die mit zahlreichen unterschiedlichen Beschwerden einhergeht.

Darüber hinaus gibt es Menschen, die an einer latenten (subklinischen) Schilddrüsenunterfunktion leiden. Das heißt, dass zwar noch ausreichend Schilddrüsenhormone produziert werden, der TSH-Spiegel allerdings leicht erhöht ist.

Wichtig: Erhöhte TSH-Werte müssen nicht immer darauf hindeuten, dass eine Schilddrüsenunterfunktion mit Beschwerden droht. Leicht erhöhte TSH-Werte bilden sich sogar relativ oft zurück, manchmal auch nach längerer Zeit. Zudem unterliegen die Hormonwerte natürlichen Schwankungen und können je nach Lebenssituation variieren. Außerdem gibt es bislang keine allgemein anerkannte Grenze, ab wann ein TSH-Wert „zu hoch“ ist. Ein leicht erhöhter Wert bedeutet also noch nicht, dass man unter einer Schilddrüsenerkrankung leidet.

Normwerte der Schilddrüse beim gesunden Erwachsenen:

T3 gesamt: 0,9 - 1,8 ng/ml
  frei: 3,5 – 8,0 ng/l
T4 gesamt: 5,5 – 11,0 µg/dl
  frei: 0,8 – 1,8 ng/dl
TSH   0,3 – 4,0 mU/l

Quelle: http://www.schilddruesenunterfunktion-aktuell.de/werte-ermitteln/

Was bedeutet latenten und manifeste Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)?

Eine latente Hypothyreose ist definiert über einen erhöhten TSH-Wert bei normwertigem fT4. Bei der manifesten Schilddrüsenunterfunktion ist auch fT4 verändert, und zwar erniedrigt.

Viele verschiedene Werte

Und was bedeutet das genau? Die Diagnostik in der Endokrinologie (Lehre von den Hormonen bzw. des Hormonsystems) ist grundsätzlich ziemlich komplex. Das liegt daran, dass unser Hormonsystem aus mehreren Ebenen besteht. Die Steuerung geht vom Gehirn aus. Über ein mehrstufiges Kommunikationssystem kommt das Signal schließlich bei den Hormondrüsen (z.B. Schilddrüse) an, die daraufhin Hormone ins Blut ausschütten.

Die Hormone, die die Schilddrüse freisetzt, sind T3 und T4 bzw. fT3 und fT4 (freie Schilddrüsenhormone). Für die Diagnostik entscheidend ist vor allem das fT4. Der erste Wert, der bei Verdacht auf ein Schilddrüsenproblem bestimmt wird, ist allerdings das TSH. Dieser Botenstoff wird in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) gebildet. Wenn der T3- und T4-Spiegel im Blut sinkt bzw. der Körper mehr Schilddrüsenhormone benötigt, schüttet die kleine Drüse an der Unterseite des Gehirns TSH aus. Es stimuliert die Schilddrüse, die wiederum ihre Hormonproduktion ankurbelt.

Normwerte: Was ist eigentlich normal?

Soweit, so gut. Normalerweise ist dieses komplexe System ausgewogen und wird ständig im Gleichgewicht gehalten. Manchmal kann es sich jedoch verschieben, so dass die Werte durcheinandergeraten.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die sogenannten "Normwerte" für die Schilddrüsenfunktion festgelegte Größen sind. Darüber haben sich Ärzte und Wissenschaftler natürlich viele Gedanken gemacht und können ihre Angaben durchaus gut begründen. Dennoch sind sie nicht in Stein gemeißelt und sagen nicht unbedingt per se, ob jemand krank ist oder nicht. Normwerte können sich im Zuge von neuen Studien und Erkenntnissen auch verändern. So sind beispielsweise auch die Werte für einen "normalen" Blutdruck im Fluss.

Latent oder manifest? fT4 entscheidet

Derzeit sind sich die Experten einig, dass das TSH ab einem Wert von 4 mU/l erhöht ist, den Normbereich also überschreitet. Ab dann sprechen Ärzte von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Denn wenn die Hirnanhangsdrüse mehr Botenstoffe ausschüttet, ist das ein Anzeichen dafür, dass die Schilddrüse nicht produktiv genug ist.

Das ist aber nicht unbedingt der Fall. An dieser Stelle wird es nun spitzfindig. Es gibt nämlich Konstellationen mit einem erhöhten TSH, aber völlig normalen Schilddrüsenwerten. T3 und T4 können aber bei einem erhöhten TSH-Wert auch erniedrigt sein. Und genau hier liegt der Unterschied zwischen einer sogenannten latenten und einer manifesten Hypothyreose:

  • latente Hypothyreose: TSH erhöht, fT4 normal
  • manifeste Hypothyreose: TSH erhöht, fT4 erniedrigt

Diese verschiedenen Konstellationen sind allerdings keineswegs nur eine bloße Spielerei von Labormedizinern. Für das weitere Vorgehen und eine mögliche Behandlung ist es wichtig, genau zu wissen, in welchem Bereich die einzelnen Werte liegen.

Wodurch kann es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse kommen?

Folgende Ursachen können eine Unterfunktion der Schilddrüse auslösen:

  • Hashimoto: Durch eine chronische Entzündung (wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow), bei der das körpereigene Immunsystem das Schilddrüsengewebe angreift. Man spricht daher auch von einer Autoimmunkrankheit.
  • Operation an der Schilddrüse: Patienten, deren Schilddrüse ganz oder in Teilen entfernt wurde, können nicht mehr genügend (oder gar keine) körpereigene Schilddrüsenhormone produzieren. Sie leiden automatisch an einer Unterfunktion.
  • Radiojodtherapie: Bei einer Behandlung von fehlerhaftem Schilddrüsengewebe mit radioaktivem Jod.
  • Folge einer Schilddrüsenüberfunktion: Thyreostatika werden eingesetzt, um die Schilddrüsenfunktion zu hemmen. Eine falsche (zu hoch dosierte) Einnahme des Medikaments kann einen Schilddrüsenhormonmangel auslösen.
  • fehlende Schilddrüse: In seltenen Fällen kann eine Schilddrüsenunterfunktion auch angeboren sein, zum Beispiel wenn die Schilddrüse beim Kind gar nicht oder fehlerhaft ausgebildet ist. Zudem kann auch ein angeborener Fehler im Produktionsweg der Schilddrüsenhormone zu einem angeborenen Mangel an Schilddrüsenhormonen führen.
  • Jodmangel: Die Schilddrüse braucht Jod, um die Schilddrüsenhormone T3 und T4 bilden zu können. Anhaltender Jodmangel aber auch Jodverwertungsstörungen können daher eine Unterfunktion auslösen. Leidet die Mutter während der Schwangerschaft an einem Jodmangel, kann beim Kind nach der Geburt ebenfalls eine zumindest vorübergehende Schilddrüsenunterfunktion vorliegen.
  • Störung der Hirnanhangdrüse: Die Schilddrüse produziert zu wenig Schilddrüsenhormone, da die Wechselbeziehung zwischen Schilddrüse und Hirnanhangdrüse gestört ist.
  • Myxödemkoma: entsteht bei Personen mit einer unbekannten und somit unbehandelten Schilddrüsenunterfunktion. Es kann insbesondere durch Ereignisse wie Infektionen, plötzliche Kälteexposition (langer Kälteeinwirkung mit Auskühlung), Stressereignissen (wie Operationen) und Überanstrengung ausgelöst werden. Die Betroffenen leiden neben den Beschwerden der Schilddrüsenunterfunktion an Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma. Beim Auftreten eines Myxödemkomas muss unverzüglich mit einer Behandlung begonnen werden.

Schilddrüsenunterfunktion: Welche Symptome sind typisch?

Erste Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion können Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche sein. Viele Patienten fühlen sich kraftlos und schlapp und leiden häufig an Gedächtnis- und Orientierungsproblemen.

Da der Stoffwechsel bei einem Mangel an Schilddrüsenhormonen langsamer arbeitet, kann es zu einem verlangsamten Puls und einem gesteigerten Kälteempfinden kommen. Viele Erkrankte frieren von „innen heraus“ und klagen permanent über kalte Hände oder Füße. Zudem kann es sein, dass Patienten an Gewicht zulegen, obwohl sie nicht mehr essen als vor Beginn der Erkrankung.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann sich außerdem auf die Haut, Haare und Nägel auswirken. Ein geschwollenes Gesicht, verdickte Lippen, eine vergrößerte Zunge sowie Schwellungen um die Augenhöhlen (Lid-Ödeme), sind häufige die Folge. Zudem kann sich die Haut trocken und rau anfühlen - manchmal treten auch gelbliche Verfärbungen auf. Außerdem können die Haare spröde und glanzlos wirken, leicht brechen und ausfallen. Eine tiefe, heisere Stimme und ein geschwollener Hals (Struma, umgangssprachlich auf Kropf genannt) sind weitere mögliche Symptome.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann darüber hinaus folgende Beschwerden verursachen:

  • depressive Verstimmungen
  • verlangsamte Reflexe
  • erhöhter Cholesterinspiegel (Insbesondere das LDL-Cholesterin kann erhöht sein.)
  • Muskelschwäche, Muskelsteifigkeit und Schmerzen
  • brüchige Nägel
  • chronische Verstopfung
  • Zyklusstörungen bei Frauen
  • Einschränkung der sexuellen Lust (Impotenz bei Männern)
  • verlangsamter Herzschlag
  • Durchblutungsstörungen (wie „Ameisenlaufen“)

Wichtig: Eine Schilddrüsenunterfunktion entsteht nicht schlagartig, sondern tritt schleichend auf. Das heißt, die Beschwerden entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. Die Erkrankung bleibt oft unentdeckt, da sie vor allem zu Beginn oft keine Symptome zeigt. Fühlen Sie sich längere Zeit schlapp und ausgelaugt, sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, um die mögliche Ursache dafür zu klären.

Kann es bei einer Schilddrüsenunterfunktion zu Haarausfall kommen?

Ja, das ist möglich. Schilddrüsenhormone beeinflussen fast alle Stoffwechselvorgänge im Körper und wirken sich auch, auf Haut, Nägel und das Wachstum der Haare aus. Sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion als auch eine Schilddrüsenüberfunktion kann Haarausfall bewirken.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse mehr Schilddrüsenhormone, als im Normalfall für den Körper notwendig sind. Unser hormonelles Gleichgewicht gerät durcheinander: Die Haare wachsen schneller als sie sollten, fallen jedoch auch schneller und vermehrt wieder aus. Der Grund dafür ist, dass die Haare verfrüht in die sogenannte Telogen- oder Ruhephase eintreten und verfrüht ausgehen. Außerdem werden die Haare meist auch feiner, dünner und brüchiger.

Anzeige

Haar wird stumpfer und brüchiger

Aber auch eine Schilddrüsenunterfunktion kann mit Haarausfall einhergehen. Patienten mit Hypothyreose haben häufig sehr trockenes, stumpfes und brüchiges Haar. Oft vermindern sich auch die Haardichte und der Haardurchmesser. Zudem können bei einer Schilddrüsenunterfunktion auch andere Körperhaare, wie z. B. die Augenbrauen vom Haarausfall betroffen sein.

Die Stärke des Haarverlusts hängt allerdings nicht von der Ausprägung der Erkrankung ab. Das heißt, nicht alle Patienten, die von einer schweren Schilddrüsenstörung betroffen sind, leiden automatisch auch an starkem Haarverlust. Andererseits wiederum kann sich schon eine geringe Abweichung des Hormonspiegels negativ auf die Haare auswirken.

Warum führt eine Schilddrüsenunterfunktion zur Gewichtszunahme?

Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 regen in fast allen Körperzellen den Stoffwechsel an. Sie fördern den Energiestoffwechsel und kurbeln die Fettverbrennung an. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. Durch die fehlenden Hormone arbeitet der Stoffwechsel plötzlich langsamer und läuft sozusagen nur mehr auf „Sparflamme“.

Das hat zur Folge, dass der Grundumsatz (oder auch Energieumsatz) abnimmt. Das heißt, der Körper verbrennt in Ruhe weniger Kalorien. Wer also bei einer Stoffwechselunterfunktion gleich viel Nahrung zu sich nimmt wie vor der Erkrankung, wird sehr wahrscheinlich zunehmen.

Aufgrund des verlangsamten Stoffwechsels und dem damit verminderten Grundumsatz geht eine Schilddrüsenunterfunktion oftmals mit einer Gewichtszunahme einher – dass muss aber nicht immer der Fall sein. In welchem Ausmaß jemand zulegt, hängt natürlich auch von anderen Faktoren ab, wie beispielsweise davon, ob der Erkrankte viel oder gar keinen Sport macht sowie dem generellen Essverhalten.

Mit Bewegung und Sport gegensteuern

Eine Schilddrüsenunterfunktion muss nicht zwingend mit einer starken Gewichtszunahme einhergehen. Jeder Betroffene kann dem mit einer angepassten Kalorienzufuhr und ausreichend Bewegung entgegensteuern.

Das heißt konkret:

  • Bewegen Sie sich regelmäßig und suchen Sie eine Sportart aus die Ihnen Spaß macht. Ein Kraft- und Ausdauertraining verbrennt besonders viele Kalorien und bringt den Stoffwechsel auf natürliche Art und Weise in Schwung.
  • Essen Sie nicht weniger, sondern das Richtige.

Als Lebensmittel empfehlen sich besonders:

  • Gemüse (das wenig Stärke enthält)
  • zuckerarmes Obst
  • Fisch sowie mageres Fleisch, Eier und Milchprodukte
  • Vollkornprodukte (Nudeln, Reis oder Brot)
  • Verzichten Sie hingegen auf Light- und Weißmehlprodukte sowie Fertiglebensmittel

Wichtig: Wird eine Schilddrüsenunterfunktion durch den Arzt festgestellt, müssen meist Hormonpräparate eingenommen werden, um den Mangel an Hormonen wieder auszugleichen. Die Tabletten helfen dabei den Hormonhaushalt wieder auszugleichen, wodurch allmählich auch wieder der Stoffwechsel in Schwung gerät und auf ein Normalmaß beschleunigt wird.

Ständig müde oder gereizt und nervös: Kann das von der Schilddrüse kommen?

Ja, das ist durchaus möglich. Wer sich chronisch müde, schlapp und abgeschlagen fühlt, leidet möglicherweise unter einer Fehlfunktion der Schilddrüse. Da Schilddrüsenhormone fast alle wichtigen Körperfunktionen beeinflussen und auch wesentlichen Einfluss auf unsere psychische Verfassung haben, kann sowohl ein zu viel als auch ein zu wenig an Schilddrüsenhormonen verschiedenste Beschwerden auslösen.

Kleines Organ, große Wirkung

Man muss sich nur einmal klarmachen, was alles zu den Aufgaben der Hormone dieses kleinen Organs gehört! Sie wirken z.B. auf unser Nervensystem und steuern hier die ganze Bandbreite unserer Empfindsamkeit, von der völligen Teilnahmslosigkeit bis hin zur Überempfindlichkeit. Sie haben aber auch einen Einfluss auf die Muskulatur und können sie schwächen oder stärken. Auch auf das Herz wirken sie, indem sie etwa den Herzschlag beschleunigen.

Ganz entscheidend sind sie zudem für das Wachstum und die gesamte Entwicklung. Daher gehört eine Untersuchung der Schilddrüsenfunktion zum Neugeborenen-Screening, um eine Verzögerung der Entwicklungsprozesse zu vermeiden. Und schließlich steht der gesamte Stoffwechsel, alle Vorgänge, die ständig in unserem Körper ablaufen, unter der Schirmherrschaft der Hormone.

Schlapp und schlecht gelaunt?

Wenn man sich diese ganzen Aufgaben bewusst macht, wird klar, was eine Fehlfunktion der Schilddrüse für mannigfaltige Auswirkungen haben kann. So führt ein Mangel an Hormonen häufig dazu, dass sich Patienten ständig müde und energielos fühlen sowie an Leistungsschwäche, Appetitmangel, depressiven Verstimmungen oder Kälteempfindlichkeit leiden.

Anzeige

Des Weiteren sind Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion oft von Verstopfungen geplagt und legen besonders leicht an Gewicht zu, da ein verlangsamter Stoffwechsel mit einem geringeren Energieverbrauch einhergeht.

Der häufigste Grund für eine Unterfunktion ist ein Mangel an Vitalstoffen. Damit die Schilddrüse nämlich genügend Hormone (T3 und T4) produzieren kann, benötigt sie vor allem Jod und Selen. Ein länger anhaltender Jodmangel zum Beispiel reicht bereits aus, um die empfindliche Schilddrüse aus dem Gleichgewicht zu bringen. Fehlt es dem Körper an Jod, können nicht mehr genügend Schilddrüsenhormone hergestellt werden. Es kommt zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Vom Mangel zum Überfluss

Häufig auch geht eine Unterfunktion in eine Überfunktion über. Leidet der Körper nämlich unter einem Jodmangel, muss sich die Schilddrüse vermehrt anstrengen, um ausreichende Mengen an Schilddrüsenhormonen zu produzieren. Die Schilddrüse wächst in Folge, und es bildet sich ein Kropf (Struma).

In der Schilddrüse können sich daraufhin Knoten bilden, die unabhängig vom eigentlichen Bedarf Schilddrüsenhormone bilden. Diese sogenannten „autonomen“ Knoten (Adenome) führen dazu, dass aus einer Unterfunktion eine Überfunktion wird, indem sie ständig zu viele Hormone produzieren.

Zu viel ist auch nicht gut

Eine Überfunktion kann sich dann dadurch äußern, dass wir besonders leicht gereizt und oft nervös sind. Aufgrund des gesteigerten Stoffwechsels leiden Betroffene außerdem häufig unter einem schnellen Puls (Herzrasen) und verlieren leicht an Gewicht. Aber auch Konzentrationsschwäche und Schlafstörungen können mit einer Überfunktion einhergehen.

Auch viele andere Ursachen denkbar

Wichtig: Die Symptome alleine sind noch kein eindeutiger Beweis dafür, dass bei Ihnen auch tatsächlich eine Fehlfunktion der Schilddrüse vorliegt. Neben einer Schilddrüsenstörung sind noch viele weitere Ursachen (z. B. zu wenig Schlaf, Drogenkonsum, Depressionen etc.) möglich, die diese Beschwerden auslösen können. Eine eindeutige Diagnose kann daher immer nur der Arzt stellen.

Generell gilt: Wenn Sie sich ständig müde, gereizt und nervös fühlen - und das ohne erkennbaren Grund - sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, um die Ursache der Beschwerden aufzuklären. Mittels eines einfachen Bluttest kann der Arzt feststellen, ob Sie tatsächlich an einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse leiden. Bei einer Hypothyreose (Unterfunktion) befinden sich zu wenige Schilddrüsenhormone im Blut; bei einer Hyperthyreose (Überfunktion) hingegen zu viele.

Kann eine Unterfunktion der Schilddrüse eine Wochenbettdepression auslösen?

Nicht direkt, es können aber sehr ähnliche Symptome auftreten. Eine Fehlfunktion der Schilddrüse kann einer Wochenbettdepression zum Verwechseln ähnlich sein.

Physisch oder psychisch?

Untersuchungen haben ergeben, dass sich bei annähernd jeder zwölften Frau nach der Entbindung eine Schilddrüsenentzündung, im Fachjargon als Postpartum-Thyreoiditis bezeichnet, entwickelt. Ihre Symptome können denen einer Wochenbettdepression ähneln und als solche fehlinterpretiert werden.

Die Postpartum-Thyreoiditis entwickelt sich in der Regel im Zeitraum von etwa vier bis 24 Wochen nach der Entbindung. In diesem Zeitraum kann typischerweise auch eine Wochenbettdepression ausbrechen, was noch leichter zu einer Fehldeutung verleitet.

Übrigens: Davon abzugrenzen ist der sog. „Babyblues“, der in den ersten Tagen nach der Geburt auftreten kann. Er hängt mit der allgemeinen hormonellen Umstellung nach der Entbindung zusammen und ist nach ein paar Tagen überstanden. Vor allem hinterlässt er keine bleibenden Schäden in der Beziehung zwischen Mutter und Kind.

Anzeige

An Differentialdiagnosen denken

Ganz anders bei der richtigen Wochenbettdepression, die eine ernsthafte psychische Erkrankung und Gefährdung für Mutter und Kind darstellt. Deshalb ist es sehr wichtig, die Diagnose sorgfältig zu stellen. Sie sollte nicht übersehen, aber eben auch nicht irrtümlicherweise angenommen werden, bevor nicht andere mögliche Ursachen ausgeschlossen worden sind. Und zu diesen sogenannten Differentialdiagnosen (Diagnosen, die neben der primär vermuteten auch noch infrage kommen) gehört auch eine Erkrankung der Schilddrüse.

Auslöser ist meist die erhöhte Aktivität der Schilddrüse während der Schwangerschaft. Bei Frauen, die eine Veranlagung zur Entwicklung einer Hashimoto-Thyreoiditis oder eines Morbus Basedow haben, oder die bereits vor oder während der Schwangerschaft erhöhte Schilddrüsen-Antikörper aufweisen, kann es nach der Entbindung zu einer hormonellen Entgleisung kommen. Auch Diabetikerinnen sind häufiger davon betroffen.

Buntes Bild an Symptomen

Die Entzündung kann sich dabei zunächst in den Symptomen der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) äußern wie Nervosität, Reizbarkeit, Rastlosigkeit und Herzklopfen. Später kann die Überfunktion in eine Unterfunktion übergehen.

Es kann sich allerdings auch nur eine Über- oder eine Unterfunktion entwickeln. Letztere zeigt sich in Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche, Symptome also, die auch für eine Depression bezeichnend sind, so dass die Schilddrüsenentzündung leicht mit einer Wochenbettdepression verwechselt werden kann.

Gut zu behandeln

Bei Verdacht auf eine Postpartum-Thyreoiditis sollten die sog. TPO-Antikörper (Thyreoperoxidase-Antikörper) gemessen werden. Sind diese erhöht, wie es auch bei der autoimmunen Hashimoto-Thyreoiditis der Fall ist, ist eine Schilddrüsenentzündung wahrscheinlich. Es kann allerdings auch vorkommen, dass die TPO-Antikörper erhöht sind, ohne dass Symptome auftreten. Das ist sogar in den meisten Fällen so. Man spricht dann von einem klinisch latenten Verlauf.

Bei entsprechenden Beschwerden kann eine Unterfunktion der Schilddrüse gut mit dem Medikament Levothyroxin behandelt werden, das das fehlende Schilddrüsenhormon ersetzt. Meist normalisiert sich die Schilddrüsenfunktion bei der Postpartum-Thyreoiditis nach etwa einem Jahr von selbst wieder.

Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion behandelt?

Bei einer leichten (latenten) Schilddrüsenunterfunktion, die keine Beschwerden verursacht, ist in der Regel keine Behandlung notwendig. Menschen, die hingegen unter einer ausgeprägten (manifesten) oder angeborenen Hypothyreose leiden, müssen regelmäßig und dauerhaft Medikamente einnehmen. Das sind vor allem Hormontabletten. Nur so ist es möglich, den Mangel an Hormonen wieder auszugleichen.

Behandlung mit Schilddrüsenhormonen – und worauf man achten muss

Im Rahmen der Hormonersatztherapie werden die fehlenden Stoffwechselhormone Thyroxin (T4; Tetrajodthyronin) und Trijodthyronin (T3) durch die Einnahme künstlich hergestellter Hormone ersetzt. Zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion werden meist Tabletten mit dem Wirkstoff L-Thyroxin (Levothyroxin) eingesetzt. Levothyroxin ist mit dem von der Schilddrüse gebildeten Hormon Thyroxin identisch.

Thyroxin gilt allgemein als gut verträglich. Das heißt, bei korrekter Dosierung treten in der Regel keine Nebenwirkungen auf. Allerdings gibt es bei der Einnahme von L-Thyroxin einiges zu beachten: Wichtig ist es, die Behandlung langsam, mit einer geringen Dosierung (zwischen 25 und 50 Mikrogramm) zu beginnen, bis der Körper sich an die geringen Hormonmengen gewöhnt hat. Im Laufe der Zeit kann die Dosis (bis maximal 100 bis 200 Mikrogramm) gesteigert werden. Damit das Präparat besser in den Körper aufgenommen wird, sollte es morgens, mindestens 20 Minuten vor dem Frühstück, eingenommen werden.

Wie lange dauert es, bis Thyroxin wirkt?

Das lässt sich leider nicht genau vorhersagen. Denn die Einnahme von L-Thyroxin wirkt sich bei jedem Menschen individuell verschieden aus. Manche Patienten bemerken die Einnahme des Schilddrüsenhormons sofort an einer Linderung der Symptome, andere können selbst nach längerer Einnahmezeit kaum eine Wirkung feststellen.

Anzeige

Zudem kann es vorkommen, dass sich die Symptome kurz nach Beginn der Hormonbehandlung sogar verschlechtern. Das heißt, wer an einer Unterfunktion leidet, kann trotz Einnahme der Hormone weiterhin an Gewicht zulegen oder unter verstärkten Schweißausbrüchen leiden. Das liegt unter anderem daran, dass einige Zeit vergehen kann, bis die Medikamentendosis richtig „eingestellt“ ist.

Hormonstatus regelmäßig prüfen lassen

Während der Behandlung ist es wichtig, dass der Hormonstatus regelmäßig überprüft wird. Der Hormonspiegel kann mittels einer Blutuntersuchung festgestellt werden.

Eine solche Bestimmung der Laborwerte ist aber meist erst nach einigen Monaten richtig aussagekräftig, wenn die Dosierung richtig eingependelt ist. Denn wie bereits erwähnt, kann sich die Einnahme von L-Thyroxin unterschiedlich auf das Befinden und den Hormonspiegel auswirken. So kann es zum Beispiel passieren, dass subjektiv noch kaum eine Besserung zu spüren ist, obwohl sich die Hormonwerte bereits verbessert haben. Bis alles perfekt eingespielt ist, können Wochen bis Monate vergehen. Generell lässt sich sagen, dass eine Hormonersatztherapie immer sehr viel Zeit und Geduld erfordert.

Dosierung der Tabletten gewissenhaft beachten

Wichtig: Die Dosierung von L-Thyroxin hängt von der Schwere der Erkrankung ab und ist individuell verschieden. Die notwendige Tagesdosis lässt sich anhand des TSH-Wertes (durch die Messung der Schilddrüsenhormone im Blut) einfach ermitteln. Sie wird vom Arzt festgelegt und sollte genau eingehalten werden. Ist die Dosis hingegen nämlich zu hoch, kann es zu typischen Symptomen (wie Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Schlaflosigkeit) einer Schilddrüsenüberfunktion kommen.

Muss eine latente Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) behandelt werden?

Oftmals nicht. Ob eine latente Unterfunktion der Schilddrüse behandelt wird, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und muss im Einzelfall entschieden werden.

Latente Hypothyreose bedeutet: Der TSH-Wert ist erhöht, während der Schilddrüsenwert fT4 im Normbereich liegt. Dabei herrscht weitgehend Einigkeit, dass ein TSH > 4 mU/l die Norm übersteigt.

Bedeutung eines erhöhten TSH

Wahrscheinlich ist eine latente Schilddrüsenunterfunktion gar nicht so selten. Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 3-10% der Bevölkerung eine solche Laborkonstellation aufweisen. Sind sie deswegen alle krank und müssen behandelt werden? Nein. Wer keine Beschwerden hat, muss auch nicht unbedingt Schilddrüsenhormone einnehmen, nur weil ein Laborwert verändert ist. Oft fällt ein erhöhtes TSH auch nur zufällig in der Hausarztpraxis auf.

Schilddrüsenwerte unterliegen ständigen Schwankungen und können je nach Tageszeit variieren. Darüber hinaus wird der TSH-Wert von folgenden Einflussfaktoren bestimmt:

  • Alter
  • Körpergewicht
  • Medikamente
  • Bestimmungsmethode im Labor

Insofern muss der TSH-Wert immer im Kontext betrachtet werden. Im Alter steigt er z.B. üblicherweise an, ohne dass ältere Menschen reihenweise eine behandlungsbedürftige Unterfunktion entwickeln. Auch das Körpergewicht und mögliche Grunderkrankungen sowie Medikamente beeinflussen die hormonellen Regelkreise.

Mit oder ohne Symptome?

Wenn ein erhöhter TSH-Wert zufällig auffällt, wird der Arzt Sie zunächst einmal fragen, ob Sie Beschwerden haben. Gewichtszunahme, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, häufiges Frieren sowie Veränderungen an Haut und Haaren können Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sein, die den Betroffenen oft gar nicht gleich bewusst werden. Wenn Sie nichts von alledem merken, sollte der Blutwert nach einer Weile nochmals bestimmt werden. Oft liegt er bei einer zweiten Messung schon wieder im Normbereich.

Sollten Sie allerdings tatsächlich Beschwerden haben, oder schießt Ihr TSH-Wert doch sehr weit über das Ziel hinaus, wird der Arzt die Diagnostik ausweiten und weitere Laborwerte bestimmen. Wenn auch der freie Schilddrüsenwert fT4 verändert (und zwar im Falle der Hypothyreose erniedrigt) ist, spricht man von einer sogenannten manifesten Hypothyreose, die grundsätzlich zu behandeln ist.

Anzeige

Wann eine Behandlung angebracht ist

Eine latente Unterfunktion sollte dagegen nur dann behandelt werden, wenn

  • der TSH-Wert > 10 mU/l liegt,
  • der TSH-Wert > 6 mU/l liegt und gleichzeitig die TPO-Antikörper erhöht sind,
  • Sie es nach ausführlicher Beratung ausdrücklich wünschen.

Wenn das TSH bei Ihnen jedoch nur leicht erhöht ist und Sie keine Beschwerden haben, besteht kein Anlass für die Substitution von Schilddrüsenhormonen.

Anders sieht es aus, wenn in der weiterführenden Diagnostik erhöhte Schilddrüsenantikörper auffallen. Dann steckt hinter der latenten Unterfunktion eine autoimmun bedingte Schilddrüsenentzündung Hashimoto-Thyreoiditis, die behandelt werden muss, da sie ansonsten irgendwann in eine manifeste Hypothyreose mit einem Mangel an Schilddrüsenhormonen mündet.

Wie Sie sehen, ist die Frage nach der Behandlung einer latenten Hypothyreose nicht leicht zu beantworten. Ob Sie Hormone einnehmen sollten, wird der Arzt zusammen mit Ihnen individuell entscheiden.

Muss ich bei einer Schilddrüsenunterfunktion meine Ernährung umstellen?

Eine Schilddrüsenunterfunktion geht häufig mit einer Gewichtszunahme einher. Der Grund dafür ist, dass sich der Mangel an Hormonen ungünstig auf den Energiestoffwechsel auswirkt. Der Stoffwechsel arbeitet langsamer und wird träge, der Energieumsatz sinkt.

Wenn Sie einer Gewichtszunahme entgegenwirken wollen, sollten Sie daher auf eine gesunde und vollwertige Ernährung achten. Zudem hilft Sport dabei, den Energiebedarf zu steigern und das Gewicht zu halten. Im Prinzip gilt diese Empfehlung natürlich immer, bei einer Unterfunktion der Schilddrüse aber besonders.

Auf ausreichende Jodzufuhr achten

Da eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) unter anderem auch durch einen Jodmangel hervorgerufen werden kann, ist es wichtig, auf eine jodreiche Ernährung zu achten. Nach Absprache mit Ihrem Arzt können Sie auch auf Jodpräparate zurückgreifen, diese Empfehlung hängt aber wirklich von der jeweiligen Ursache der Hypothyreose ab.

Der Tagesbedarf eines Erwachsenen an Jod liegt bei ca. 200 Mikrogramm und kann durch eine ausgewogene und vollwertige Ernährung gedeckt werden. Günstig sind hier zum Beispiel täglich Milch und Milchprodukte, ein- bis zweimal in der Woche Seefisch oder Meeresfrüchte, reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Veganer können ihre Jodzufuhr durch den regelmäßigen Verzehr von Getreideprodukten sowie durch Algen, Brokkoli, Champignons, Grünkohl, Äpfel und jodiertes Mineralwasser sicherstellen. Außerdem rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zur Verwendung von jodiertem Speisesalz.

Mit Jod-Präparaten nicht übertreiben

Wichtig: Jod ist wichtig, zu viel sollte es aber auch nicht sein. Vor allem, wenn der Unterfunktion eine Hashimoto-Thyreoiditis (= chronische Entzündung der Schilddrüse) zugrunde liegt, kann zu viel Jod sogar die Erkrankung verstärken. Allerdings stellt sich diese Frage nur bei Jod-Präparaten. Mit normaler, gesunder Ernährung ist nichts zu befürchten. Und die ist unterm Strich sowieso das A und O.

Anzeige

Kann ich trotz Schilddrüsenunterfunkion abnehmen?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Durch die Einnahme von Hormontabletten und einem gesunden Lebensstil ist es möglich, trotz Schilddrüsenunterfunktion abzunehmen.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion verlangsamt sich der Stoffwechsel und der Energieumsatz sinkt. Die Erkrankung bewirkt also, dass wir weniger Kalorien verbrennen, dadurch an Gewicht zulegen, obwohl wir nicht mehr Nahrung aufnehmen. Solange unsere Schilddrüse zu wenige Hormone produziert, ist es schwer möglich den Körperfettanteil zu reduzieren, da schon geringe Nahrungsmengen zur Gewichtszunahme oder Stagnation führen. Eine gesunde Ernährung und Sport kann lediglich zur Vorbeugung einer Gewichtszunahme dienen.

Medikamente, Ernährung und Sport

Wurde eine Schilddrüsenunterfunktion durch den Arzt festgestellt, ist meist die Einnahme bestimmter Hormontabletten (mit dem Wirkstoff Thyroxin) erforderlich, um den Körper jene Hormone zuzuführen, die ihm fehlen. Durch die regelmäßige Einnahme dieser Medikamente wird der Stoffwechsel langsam wieder auf sein Normalmaß beschleunigt – infolge steigt auch der Energieumsatz. Wer jetzt noch versucht, sich gesund und ausgewogen zu ernähren und regelmäßig Sport treibt, ist auf dem besten Weg sein Körperfett zu reduzieren.

Wichtig: Wer abnehmen will, muss auch etwas dafür tun. Treiben Sie regelmäßig Sport (am besten Ausdauersportarten wie Joggen oder Kraftsportarten) um Ihren Grundumsatz zu erhöhen. Wer Sport treibt, verbrennt auch im Ruhezustand mehr Kalorien. Zudem ist eine gesunde und vollwertige Ernährung entscheidend für den Erfolg.

Das heißt: Essen Sie viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte. Fisch, mageres Fleisch und Milchprodukte sind im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung ebenfalls sehr wichtig. Aber Vorsicht: Milch verschlechtert die Aufnahme des Hormons Thyroxin. Daher sollte das Medikament immer mindestens eine halbe Stunde vor dem Verzehr milchhaltiger Produkte eingenommen werden.

Wird ein Jodmangel als Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert, müssen meist keine Medikamente eingenommen werden. Hier reicht es aus, wenn die Betroffenen auf eine jodreiche Ernährung und einen gesunden und aktiven Lebensstil achten. Gegebenenfalls können auch Jodid-Tabletten eingenommen werden.

Kann eine Schilddrüsenunterfunktion unfruchtbar machen?

Ja, eine Schilddrüsenunterfunktion kann zu Unfruchtbarkeit führen. Mit ihren Hormonen T3 und T4 steuert die Schilddrüse alle hormonellen Abläufe im Körper. Sie beeinflusst den gesamten Stoffwechsel und damit auch die Fruchtbarkeit der Frau.

Sowohl eine Überfunktion als auch eine Unterfunktion der Schilddrüse bringt den Hormonhaushalt aus der Balance. Zyklusstörungen (ein unregelmäßiger Zyklus, eine abgeschwächte, verlängert oder sogar teilweise völlig ausbleibend Regelblutung, Probleme beim Eisprung etc.) können die Folge sein. Die Chancen, dass eine Frau dann noch schwanger wird, stehen schlecht.

Auch bei Schwangerschaft kann es problematisch werden

Wird eine Frau trotz Schilddrüsenunterfunktion schwanger, kann es zu weiteren Komplikationen kommen: Unter anderem steigt das Risiko einer Fehlgeburt bei einer unbehandelten Überfunktion deutlich an. Eine Überfunktion (Hyperthyreose) der Schilddrüse erhöht wiederum das Risiko für Frühgeburten oder Missbildungen des Kindes.

Darüber hinaus kann auch eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse zu schweren Schwangerschaftskomplikationen führen. Bei der Erkrankung Morbus Basedow (oder Hashimoto) bilden sich Antikörper, die sich gegen die eigene Schilddrüse richten. Frauen, bei denen solche Schilddrüsen-Abwehrkörper im Blut zu finden sind, erleiden doppelt so häufig eine Fehlgeburt als andere Frauen. Außerdem können die Antikörper auf das Kind übergehen und so eine Schilddrüsenüberfunktion bei Kindern auslösen.

Anzeige

Beste Maßnahme: gewissenhafte Behandlung

Wichtig: Diese Risiken können durch eine individuell gut abgestimmte Behandlung mit Schilddrüsenhormontabletten unter Kontrolle gehalten werden. Wenn man früh genug mit der Behandlung beginnt und die Therapie konsequent durchführt, besteht keine Gefahr für das Baby. Ebenso wichtig bei Kinderwunsch ist der TSH-Wert. Bei Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch sollte mindestens ein TSH-Wert um 1 erreicht werden.

Kann aus einer Schilddrüsenunterfunktion eine Schilddrüsenüberfunktion entstehen?

Ja, das ist möglich und kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen kann eine zu hoch dosierte Therapie mit Schilddrüsenhormonen zu einer Überfunktion führen, zum anderen aber auch ein Knoten der Schilddrüse, bedingt durch zu wenig Jod.

Ein erster Grund: zu hoch dosierte Schilddrüsentherapie

Werden Schilddrüsenhormone in einer zu hohen Menge eingenommen, kann es zu einer Überfunktion (Hyperthyreose) der Schilddrüse kommen. Zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion oder eines Kropfes wird normalerweise die Einnahme von Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin) empfohlen, um den Mangel an Hormonen wieder auszugleichen. Gerade am Anfang der Behandlung kann es sein, dass durch die plötzliche und vermehrte Zufuhr von Hormonen aus einer Unterfunktion eine Überfunktion entsteht. Das hat den Grund, dass zu Beginn einer Therapie erst die richtige Dosis gefunden werden muss, um den Mangel an Hormonen auszugleichen. Das ist nicht immer einfach und erfordert meist viel Zeit und Geduld.

Außerdem kommt es häufig vor, dass eine zu hohe Anfangsdosis gewählt oder die Dosis zu schnell gesteigert wird, sodass die Schilddrüse plötzlich zu viele Hormone produziert. Nur durch eine geringe Anfangsdosis und eine schrittweise Steigerung der Dosen kann verhindert werden, dass es zu einer (kurzzeitigen) Überfunktion der Schilddrüse kommt.

Ein weiterer Grund: Jodmangel

Aber auch ein Knoten in der Schilddrüse (autonomes Adenom) kann dazu führen, dass aus einer Unterfunktion eine Überfunktion entsteht. Das hat folgenden Grund:

Ein Jodmangel (die Schilddrüse benötigt Jod, um ausreichend Hormone zu produzieren) kann zu einer Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) und knotigen Veränderungen führen, weil sich die Schilddrüse vermehrt anstrengen muss, genügend Hormone herzustellen. Dabei können Schilddrüsenknoten (autonome Knoten) entstehen, die selbstständig und ohne Kontrolle durch das Gehirn Hormone produzieren. Wird dem Körper nun von außen noch weiteres Jod zugeführt (zum Beispiel durch jodhaltige Röntgenkontrastmittel oder aber auch durch die Einnahme von Jodidtabletten), kann sich aus der Unterfunktion eine Überfunktion entwickeln.

Woran erkennt man eine Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern?

Eine Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern und Jugendlichen kann sich auf verschiedene Art und Weise äußern. Außerdem können sich die Beschwerden mit zunehmenden Alter verändern. Im Folgenden listen wir die typischen Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern je nach Altersgruppe auf.

Häufige Symptome bei Babys:

  • aufgeblähter Bauch
  • aufgedunsenes Gesicht
  • heiseres Schreien
  • Muskelschwäche
  • kalte Arme und Beine
  • trockene Haut (mit gelblichem Unterton)
  • vermehrtes Schlafbedürfnis
  • relativ wenig Durst
  • gröbere Gesichtszüge
  • vergrößerte Zunge

Im Kleinkindalter treten häufig folgende Beschwerden auf:

  • Bauchschmerzen (Verstopfung)
  • blasse, teigige Haut (Ödeme um die Augen)
  • verzögerte Sprachentwicklung
  • Infektanfälligkeit
  • Wachstumsstörungen und verspätete Zahnbildung
  • erhöhte Kälteempfindlichkeit
  • Antriebslosigkeit

Im Jugendalter können folgende Symptome hinzukommen:

  • Übergewicht
  • Haarausfall
  • brüchige Fingernägel
  • verzögerte oder ausbleibende Pubertätsentwicklung (Ausbleiben der Menstruation)
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • vergrößerte Schilddrüse (Kropf)
  • heisere Stimme

Kontrolle bei Babys sehr wichtig

Da Schilddrüsenhormone einen wichtigen Einfluss auf die geistige Entwicklung des Kindes haben (vor allem in den ersten beiden Lebensjahren), kann eine Schilddrüsenunterfunktion bei Babys und Kleinkindern schwere gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Babys, bei denen eine Unterfunktion der Schilddrüse beispielsweise nicht therapiert wird, leiden meist ein Leben lang an schweren Hirnschäden, die durch nichts mehr korrigierbar sind.

Aus diesem Grund werden Kinder heute direkt nach der Geburt einem Test (dem sogenannten Neugeborenen-Screening) unterzogen. Dabei wird den Säuglingen Blut aus der Fußsohle entnommen, welches dann auf etwaige vorhandene Stoffwechselerkrankungen untersucht wird. Wird eine Unterfunktion festgestellt, sollte sofort mit der Behandlung begonnen werden, damit sich das Kind normal entwickeln kann.

Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern behandelt?

Hierzu muss man zwischen einer leichten Schilddrüsenunterfunktion (die außer einem Kropf meist keinerlei Beschwerden verursacht) und einer ausgeprägten oder angeborenen Schilddrüsenunterfunktion unterscheiden.

Anzeige

Einnahme von Jodid-Tabletten

Ein Kropf bei Kindern und Jugendlichen ist in den meisten Fällen auf einen Jodmangel zurückzuführen. Denn die Schilddrüse braucht genügend Jod, um Schilddrüsenhormone herstellen zu können. Fehlt es an dem lebenswichtigen Stoff, versucht die Schilddrüse dies durch Größenzunahme zu kompensieren.

Ein Jodmangelkropf lässt sich meist gut mit der Einnahme von Jodid-Tabletten behandeln. Die erforderliche Jod-Dosis muss dem Alter entsprechend angepasst werden. Die zusätzliche Jodzufuhr (medizinisch: Supplementierung) erfolgt in der Regel über einen Zeitraum von sechs bis neun Monaten. In dieser Zeit sollte sich der Kropf zurückgebildet (verkleinert oder normalisiert) haben. Wenn dies nicht der Fall ist, müssen Schilddrüsenhormontabletten eingenommen werden.

Einnahme von Schilddrüsenhormonen

Bei einer schweren oder angeborenen Schilddrüsenunterfunktion ist die lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen notwendig. Genauer gesagt von Thyroxin (=T4), verabreicht als sogenanntes L-Thyroxin. Die tägliche Dosis hängt unter anderem vom Alter als auch vom Gewicht des Kindes ab.

Kinder unter sechs Jahren benötigen normalerweise 50 µg Thyroxin täglich. Generell aber muss die „Ideal-Dosis“ immer individuell an das Kind angepasst werden, bis sich dessen TSH-Werte im Blut wieder normalisiert haben. TSH ist ein Regulator-Hormon, das immer dann ansteigt, wenn zu wenig Thyroxin vorhanden ist und damit eine Neuproduktion ankurbelt.

Bei der Einnahme von Levothyroxin sollte man Folgendes beachten: Die Dosis sollte zu Beginn der Therapie möglichst gering gehalten und langsam, bis hin zu einer bestimmten Hormonkonzentration, gesteigert werden. Um die Dosierung des Medikaments optimal einstellen zu können, sind regelmäßige Kontrollen des Hormonspiegels (dabei werden die Schilddrüsenwerte monatlich durch eine Blutprobe bestimmt) wichtig. Bei gut eingestellter Medikation reicht eine jährliche Blutkontrolle aus.

Wie gefährlich ist eine Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern?

Wird eine Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern nicht – oder nicht rechtzeitig – behandelt, drohen schwere gesundheitliche Schäden. Bei Kindern und Jugendlichen sind Schilddrüsenhormone vor allem für die Gehirnentwicklung wichtig.

Werden Neugeborene mit angeborener Schilddrüsenunterfunktion zum Beispiel nicht sofort (innerhalb der ersten 14 Tage) behandelt, kann es zu schweren bleibenden Hirnschäden und sogar zu einer schweren geistigen Behinderung des Kindes (Kretinismus) kommen. Zudem verlangsamt sich durch den Hormonmangel der gesamte Stoffwechsel, wodurch neben der geistigen auch die körperliche Leistungsfähigkeit abnimmt.

Eine Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern kann angeboren sein oder auch durch einen Jodmangel entstehen. Leidet die Mutter während der Schwangerschaft zum Beispiel an einem Jodmangel, kann es beim Kind zu einer Unterfunktion der Schilddrüse kommen, da Jod für die Produktion von Schilddrüsenhormonen sehr wichtig ist.

Vorsicht bei diesen Symptomen

Zum Glück wird eine Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern in der Regel rechtzeitig erkannt. Bei Babys schon im Rahmen des Neugeborenen-Screenings, bei Kindern anhand der auftretenden Beschwerden. Gleichwohl ist es wichtig, auch als Eltern über die wichtigsten Symptome Bescheid zu wissen.

Mögliche Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern sind Entwicklungsverzögerungen, blasse Haut, verzögertes Wachstum, eine heisere Stimme oder Ödeme um die Augen. Auch trockene Haut, Sprachstörungen und eine Gewichtszunahme können Anzeichen für einen Mangel an Schilddrüsenhormonen sein.

Zur Beruhigung noch einmal: Heutzutage werden alle Kinder bei der Geburt auf eine mögliche Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen (beim sogenannten „Hypothyreose-Screening“) getestet. Wird ein Hormonmangel festgestellt, kann dieser sofort ausgeglichen werden. Bei einer rechtzeitigen Behandlung sind Folgeschäden meist ausgeschlossen.

Anzeige

Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, Hormone und Stoffwechsel: Schilddrüsenunterfunktion, online unter www.endokrinologie.net (zuletzt aufgerufen am 20.09.2019).

Inhaltsverzeichnis Top