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Herzklappenfehler, Herzklappen-OP, künstliche Herzklappe

Autoren: & Dr. med. Sven Meyer

Werden Herzklappen vom Schwein als Ersatz für defekte menschliche Herzklappen verwendet? Wie unterscheiden sich biologische von mechanischen Herzklappen? Und warum ist eine gute Mund- und Zahnhygiene so wichtig nach einer Herklappen-OP? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie in folgendem Beitrag.

Basiswissen

Was ist ein Herzklappenfehler?

Das Herz hat insgesamt vier Herzklappen. Diese sind:

  • Aortenklappe
  • Mitralklappe
  • Pulmonalklappe
  • Trikuspidalklappe

Prinzipiell können alle dieser Klappen defekt sein. Aber die meisten Herzklappenfehler betreffen die Aorten- und Mitralklappe. Man unterscheidet hierbei Verengungen (Stenosen) und Insuffizienz (Klappe schließt nicht mehr richtig) der Herzklappe. Einen ausführlichen Überblick über die jeweiligen Klappenfehler finden Sie hier.

Was bedeutet Herzklappeninsuffizienz?

Eine Herzklappeninsuffizienz bezeichnet eine eingeschränkte Schließfähigkeit von Herzklappen.

Diese funktionieren wie mechanische Ventile und schließen normalerweise im Verlauf der Herzaktion zur richtigen Zeit dicht ab, damit es zu keinem umgekehrten Blutfluss kommt. Ist eine Klappe insuffizient, fließt Blut zurück in eine Herzhöhle, die dadurch vermehrt belastet wird. Die Folge ist eine Erweiterung der betroffenen Herzhöhle und die Entwicklung einer Pumpschwäche.

Ursachen

Welche entzündlich-rheumatischen Erkrankungen können die Herzklappen schädigen?

Neben dem rheumatischen Fieber können verschiedene rheumatische Erkrankungen sowie Autoimmunkrankheiten zu entzündlich bedingten Veränderungen der Herzklappen führen.

Dies sind Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew (Spondylitis ankylopoetica), Lupus erythematodes, Morbus Reiter und Takayasu-Arteriitis. Bei diesen Erkrankungen können Antikörper körpereigene Gewebe angreifen und diese schädigen.

Behandlung

In welchen Krankenhäusern kann eine Klappenoperation durchgeführt werden?

Herzklappen-Operationen können nur in bestimmten Krankenhäusern durchgeführt werden, weil hierfür spezielle Geräte und Instrumente und spezialisiertes Personal vorhanden sein muss.

Der Operationssaal unterscheidet sich zwar nicht in seiner Ausstattung wesentlich von anderen Operationssälen. Er muss aber neben den Arbeitsplätzen für die Narkose und den Herzchirurgen selber auch die Möglichkeit bieten, die Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz zu bringen. Eine Herz-Lungen-Maschine sichert während der Operation den Blutkreislauf des Körpers und den Sauerstoffaustausch; sie ist hoch komplex und muss von einem hierfür spezialisierten Kardiotechniker bedient werden.

Etwa 85 bis 100 Kliniken in Deutschland

In Deutschland besitzen 85 Krankenhäuser eine Abteilung für Herzchirurgie und können mit Ausnahme von kinderherzchirurgischen Eingriffen oder Transplantationen nahezu alle Operationen durchführen; minimalinvasive Herzklappeneingriffe mittels Herzkatheter werden an bis zu 100 Krankenhäusern durchgeführt, wenn sie eine Kooperation mit einer herzchirurgischen Klinik in der Nähe geschlossen haben. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat hierzu die besonderen Bedingungen festgelegt, unter denen solche Eingriffe durchgeführt werden dürfen.

Welche Untersuchungen sind vor einer Herzklappenoperation erforderlich?

Vor einer Operation an den Herzklappen sind umfangreiche Untersuchungen erforderlich; einerseits muss neben der genauen Diagnose der Herzklappe, an der operiert werden soll, auch geprüft werden, ob weitere Herzerkrankungen vorliegen. Andererseits muss genau untersucht werden, welche Begleiterkrankungen eine Operation beeinflussen würden.

Ultraschalluntersuchung: immer erforderlich

In der Regel wird die Diagnose einer Herzklappenerkrankung heute mit einer Ultraschalluntersuchung, also einer Echokardiographie gestellt. Meist reicht eine transthorakale Echokardiographie, also eine Ultraschalluntersuchung, bei der durch den Brustkorb die Herzklappen, die Herzkammern und der Blutfluss direkt auf dem Monitor beurteilt werden können. Unter Umständen muss diese Untersuchung auch unter Belastung durchgeführt werden, um z.B. zu prüfen, ob eine Undichtigkeit der Mitralklappe durch einen höheren Widerstand in den Blutgefäßen unter Belastung zunimmt. Nur selten muss vor einer Herzklappenoperation eine transösophageale Echokardiographie, also eine Ultraschalluntersuchung über die Speiseröhre, bei der eine Sonde wie bei einer Magenspiegelung eingeführt wird, erfolgen. Sie kann bei hinten liegenden Strukturen wie z.B. dem linken Vorhof erforderlich sein.

Weitere Untersuchungen

Immer wird ein EKG durchgeführt. Bei bestimmten Erkrankungen oder Hinweisen auf eine Durchblutungsstörung kann auch ein Belastungs-EKG nötig sein und, je nach Ausgang dieser Untersuchung, auch eine Herzkatheter-Untersuchung, um Engstellen an den Herzkranzgefäßen aufzudecken. Für die allgemeine Operationsvorbereitung ist meist auch eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs und in der Regel auch eine Lungenfunktionsprüfung erforderlich. Weil es bei ungefähr einem Viertel der Operationen auch zu Blutübertragungen kommt muss auch immer einer Blutgruppenbestimmung sowie weitere Blutuntersuchungen erfolgen.

Defekte Aortenklappe: Behandlung

Müssen erkrankte Aortenklappen immer ersetzt werden?

Eine erkrankte Aortenklappe, also die Klappe zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader muss nicht immer vollständig ersetzt werden. Es kommt auf die Art der Schädigung an.

Bei Aortenstenose meist Ersatz notwendig

Die häufigsten Erkrankungen führen zu einer Verkalkung der Aortenklappe; dann muss tatsächlich die verkalkte Klappe entfernt oder mit einem Ballon aufgedehnt werden, damit Platz für Herzklappenprothese, also eine mechanische oder biologische Herzklappe geschaffen wird. Bei Verengungen der Klappe, sogenannter Aortenklappenstenose, muss also tatsächlich meist ein Ersatz erfolgen.

Aortenklappenrekonstruktion - eine Option bei Insuffizienz

Anders sieht es dagegen aus, wenn eine reine Insuffizienz, also eine Schlussunfähigkeit der Aortenklappe vorliegt. Im Herzultraschall, der Echokardiographie, lässt sich das recht gut beurteilen. Wenn die Klappensegel zart sind und sie z.B. wegen einer Aufweitung des Anfangsteils der Hauptschlagader nicht richtig schließen, lässt sich die Klappe abdichten, indem man die Hauptschlagader in diesem Bereich rafft oder ersetzt und die Herzklappe in der ersetzten Hauptschlagader so verankert, dass sie hinterher dicht ist. Diese allerdings recht aufwendigen Operationen, benannt nach dem englischen Chirurg Sir Maghdi Yacoub oder dem kanadischen Chirurgen Tirone S. David, werden aber nicht von allen Herzchirurgen ausreichend oft durchgeführt und daher nicht in allen herzchirurgischen Kliniken in Deutschland angeboten.

Muss bei der Aortenklappenersatz-OP der Brustkorb eröffnet werden?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine erkrankte Aortenklappe zu operieren, ohne dass das ganze Brustbein eröffnet werden muss. Schon seit einigen Jahren sind sogenannte minimalinvasive Operationen an der Aortenklappe durch spezielle Instrumente möglich geworden.

Dabei wird entweder nur der obere Teil des Brustbeins eröffnet oder rechts unter dem Schlüsselbein die Hauptschlagader aufgesucht und über diese dann die erkrankte Aortenklappe ersetzt. Auch komplexe Eingriffe wie eine Rekonstruktion der Aortenklappe oder ein Ersatz des Anfangsteils der Hauptschlagader sind möglich, dauern aber in der Regel etwas länger. Weil trotzdem eine Herz-Lungen-Maschine eingesetzt werden muss, liegt der wesentliche Vorteil dieser minimal-invasiven Eingriffe darin, dass die Schmerzen nach der Operation geringer sind. Außerdem ist das kosmetische Ergebnis besser, weil die Narbe kürzer ist.

Neu: TAVI-Verfahren

Neu sind in den letzten Jahren Eingriffe entwickelt worden, bei denen nicht die ganze Aortenklappe ersetzt wird, sondern die Klappe durch einen Ballonkatheter aufgeweitet und anschließend ebenfalls über einen Herzkatheter eine zusammengefaltete biologische Herzklappe eingeführt und mit einem Ballon verankert wird (TAVI). Dieser Eingriff kann durch Kardiologen über die Leiste oder durch Herzchirurgen über einen kleinen Schnitt über der Herzspitze an der linken Brustseite durchgeführt werden. Welcher Eingriff sinnvoller ist, wird von Herzchirurgen und Kardiologen gemeinsam entschieden.

Welche Herzklappendefekte können mit einem Herzkatheter behandelt werden?

Bislang werden nur Erkrankungen an der Aorten- und der Mitralklappe mit dem Herzkatheter behandelt, wenn nur wenig fremdes Material dabei eingebracht werden muss. In der Regel beschränken sich diese minimal-invasiven Eingriffe, die in der Regel nicht vom Herzchirurgen, sondern vom Kardiologen durchgeführt werden, auf Patienten, bei denen das Risiko für eine herkömmliche Operation zu hoch ist.

Als Alternative zur normalen OP haben sich bislang nur zwei Eingriffe bewährt:

  • der TAVI, also der kathetergestützte Aortenklappenersatz mit einer biologischen Herzklappenprothese;
  • der MitraClip-Eingriff, bei dem mittels Herzkatheter die undichten Mitralklappensegel mit einem Clip gefasst und damit abgedichtet werden.

Für beide Eingriffe gibt es aufgrund der Neuartigkeit bislang aber nur vielversprechende Kurzzeitergebnisse. Ob und für welche Patienten diese Eingriffe auch für lange Zeit Besserung bringen, wird derzeit noch in Studien untersucht.

Wann ist eine herkömmliche Klappenoperation sinnvoller als ein TAVI?

Ein TAVI ist ein junges Verfahren, für das noch keine Langzeitergebnisse vorliegen. Hinter dem Akronym TAVI steht „Transcatheter aortic valve implantation“, übersetzt kathetergestützte Aortenklappen-Implantation - also das Aufweiten einer verengten Aortenklappe über einen Herzkatheter und das Einführen einer biologischen Herzklappenprothese.

Nur bei Risikopatienten

Bei allen Patienten, für die eine normale Herzoperation kein hohes Risiko darstellt, sollte wegen der noch geringen Erfahrungswerte ein Ersatz der Aortenklappe mit der Herz-Lungen-Maschine erfolgen.

Gleiches gilt für sehr junge Patienten, weil wegen des begrenzten Durchmessers der Blutgefäße und der Kanülen, die in die Leistenarterie oder die Herzspitze eingeführt werden, zur Zeit nur biologische Klappen eingesetzt werden können. Diese haben weiterhin aber eine begrenzte Lebensdauer von 8 bis 12 Jahren, sodass bei jungen Patienten eine erneute Operation nach dieser Zeit erforderlich wird. Hier sollte eher auf mechanische Herzklappen zurückgegriffen werden, obwohl das bedeutet, dass man dann lebenslang eine Blutverdünnung mit Marcumar einnehmen muss.

Auch Verkalkungen der Blutgefäße, vor allem der Leistengefäße und der Hauptschlagader können es unmöglich oder zu gefährlich machen, die dafür erforderlichen Drähte, Ballons und die Herzklappe selber bis zum Herzen vorzuschieben.

Komplikationen

Welche Komplikationen können nach einer Herzklappenoperation auftreten?

Die korrekte Funktion einer operierten Herzklappe wird in der Regel noch während der Operation, auf jeden Fall aber vor der Entlassung überprüft. Nach einer Herzklappenoperation können Komplikationen auftreten, die Ihren Krankenhausaufenthalt verlängern, z.B. eine Lungenentzündung.

Seltener sind allgemeine Komplikationen nach Operationen wie z.B. Thrombosen oder Embolien, weil Sie zum Einen sehr früh nach der Operation, meist schon am ersten Tag, mobilisiert werden. Andererseits erhalten die meisten Patienten direkt nach der Operation noch Heparin und manche auch Marcumar für einige Wochen, sodass das Risiko für Gerinnsel in den Venen des Beines im Vergleich zu anderen großen Operationen gering ist. Bei manchen Klappenoperationen, z.B. an der Aortenklappe, befindet sich der Chirurg direkt an den großen Herzkranzgefäßen, sodass manchmal während der Operation selber ein Herzinfarkt auftreten kann.

Mehr zu den Komplikationen nach einem Klappenersatz

Was ist die häufigste Komplikation nach einer Herzoperation?

Die häufigste Komplikation nach einer Herzklappenoperation ist das sogenannte Vorhofflimmern. Hierbei werden die beiden Herzvorhöfe nicht mehr koordiniert über den körpereigenen Schrittmacher, den Sinusknoten erregt. Stattdessen treten in den Herzmuskelfasern der Vorhöfe unkoordiniert und unregelmäßig elektrische Entladungen auf, die dann unregelmäßig auf die Herzkammern übergeleitet werden. Vorhofflimmern tritt bei ungefähr 40% der Patienten nach Herzklappenoperationen auf und meist bedingt durch die Manipulation an den Vorhöfen während der Operation. Meist lässt es sich durch eine Kardioversion, also einen kurzen elektrischen Impuls oder durch Medikamente wieder in den normalen Sinusrhythmus überführen. Marcumar muss man hier nur nehmen, wenn das Vorhofflimmern für einige Woche bestehen bleibt und sich erst später wieder normalisiert.

Komplikationen nach einer Herzklappenoperationen: Was ist eine Endokarditis?

Gefürchtet ist auch eine Infektion der Herzklappenprothese, eine sogenannte Endokarditis. Diese entsteht in der Regel nicht während der Operation, sondern durch Bakterien im Blut. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Bakterien im Blut auftauchen und bedeutet nicht immer, dass etwas mit der Hygiene nicht gestimmt hat. Normalerweise wird die körpereigene Abwehr aber mit solchen vereinzelt immer auftretenden Bakterien fertig. Nur wenn die Bakterien in sehr hoher Zahl auftreten oder wenn, wie z.B. nach Herzoperationen, die Abwehr des Körpers geschwächt ist, können sich Bakterien mit dem Blutstrom bis zu den operierten Klappen bewegen und sich dann dort absetzen und vermehren, weil sie z.B. in den Nahtstellen der Klappen von der Abwehr oder auch von Antibiotika nicht erreicht werden. Darum muss auch in den allermeisten Fällen eine erneute Operation mit Austausch der Klappenprothese erfolgen, wenn sie mit Bakterien besiedelt ist. Erkannt wird das am besten mit der Echokardiographie, also einer speziellen Ultraschallmethode und mit Blutuntersuchungen, bei denen das Blut auf die Bakterien untersucht wird und gleichzeitig getestet wird, welches Antibiotikum wirksam ist.

Herzklappenersatz

Welche Herzklappenprothesen gibt es?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine defekte Herzklappe zu ersetzen. Welche der folgenden Optionen zum Einsatz kommt, hängt unter anderem vom Alter, Gesundheitszustand und Grad der Erkrankung des Betroffenen ab.

Heutzutage werden fehlerhafte Herzklappen ausgetauscht durch:

Herzklappenersatz: Materialien

Was sind biologische Herzklappen?

Biologische Herzklappen bestehen aus biologischem Material, entweder menschlichen oder tierischen Ursprungs. Als "Ausgangsmaterial" werden oft Aortenklappen von Schweinen verwendet, oder auch Herzbeutel von Rindern.

Biologische Herzklappen aus tierischem Material werden häufig chemisch aufbereitet und auf einem Gerüst auf Kunststoff fixiert, das sich leichter implantieren lässt. Darüber hinaus kann man auch Klappen von verstorbenen Menschen verwenden, wenn diese Organspender sind.

Biologische Klappen altern und sind deshalb nach 8 bis 15 Jahren nicht mehr funktionstüchtig. Eine lebenslange Hemmung der Blutgerinnung mit Blutverdünnern ist bei biologischen Herzklappen allerdings im Gegensatz zu künstlichen Herzklappen nicht nötig.

Herzklappen-OP: Wann sind Homografts sinnvoll?

Homografts wurden in den 60er Jahren entwickelt, als die technischen Möglichkeiten für die Herstellung von Herzklappenprothesen noch gering waren. Sie werden aus Spenderherzen gewonnen, die z.B. für eine Herztransplantation nicht in Frage kommen oder auch von Verstorbenen, die sich vor ihrem Tod dafür bereit erklärt haben.

Homografts werden heute noch in manchen Kliniken für besonders schwere Verläufe von Entzündungen der Herzklappen, der sogenannten Endokarditis eingesetzt. Sie sind nicht in allen Krankenhäusern verfügbar; allerdings haben sie auch ihre Bedeutung weitestgehend verloren, weil moderne biologische Herzklappenprothesen ohne Gerüst praktisch die gleichen Eigenschaften haben wie Homografts.

Begriffserklärung

Der Begriff Homograft wird mitunter auch in anderem Zusammenhang verwendet und bedeutet allgemein Transplantat oder Spende von einem Individuum der gleichen Spezies (Mensch zu Mensch), ohne genetisch identisch zu sein.

Künstliche Herzklappe

Aus welchem Material bestehen künstliche (mechanische) Herzklappen?

Mechanische Herzklappenprothesen bestehen aus einem sehr beständigen, glatten High-Tech-Material von nahezu unbegrenzter Haltbarkeit. Verwendet wird beispielsweise Karbon, das praktisch nicht verschleißt.

Da der Körper das Material aber als fremd erkennt, besteht eine erhöhte Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln, weshalb eine lebenslange Blutgerinnungshemmung mit Blutverdünnern notwendig ist.

Stimmt es, dass man bei einer künstlichen Herzklappe manchmal ein Geräusch hört?

Ja, je nach Herzklappe kann mit dem Schließen der Herzklappe ein Geräusch entstehen. Dies wird meist als Klicken, vor allem im Ruhezustand wahrgenommen.

Die Wahrnehmung des Geräusches ist aber von individuellen Faktoren wie der Anatomie abhängig. Moderne Herzklappen sind geräuscharm, und die meisten Menschen haben kein Problem mit „ihrem“ Herzgeräusch. Doch manche fühlen sich auch irritiert und gestört. Nach einiger Zeit gewöhnen sich jedoch die meisten Betroffenen an das Geräusch.

Junge Betroffene und Lebensqualität

Warum erhalten jüngere Personen mit Herzklappenfehlern meist eine künstliche Herzklappe?

Künstliche Herzklappen haben gegenüber Herzklappen aus biologischem Material den Vorteil der längeren Haltbarkeit. Die Haltbarkeit biologischer Herzklappen beläuft sich durchschnittlich auf 8 bis 15 Jahre, so dass anschließend eine erneute Operation nötig ist.

Gerade bei jüngeren Menschen versucht man, das Risiko einer erneuten Operation zu reduzieren, und implantiert deshalb meist lieber eine künstliche Herzklappe. Eine biologische Klappe kommt also eher bei älteren Menschen zum Einsatz und bei Menschen, die keine Gerinnungshemmer erhalten dürfen.

Schränkt eine künstliche Herzklappe die Lebensqualität ein?

Nein, nach der Implantation einer künstlichen Herzklappe bessert sich die Lebensqualität meist deutlich und die Belastbarkeit nimmt zu. Die Lebenserwartung kann wieder der eines gesunden Menschen entsprechen.

Entscheidend dafür ist, wie groß die Schädigung des Herzens vor der Operation war. Doch selbst eine gering ausgeprägte Herzschwäche kann sich nach einem Klappenersatz wieder verbessern.

Muss der Zahnarzt informiert werden, wenn man eine neue Herzklappe erhalten hat?

Ja, der Zahnarzt muss über den Ersatz einer Herzklappe informiert werden. Denn bei zahnärztlichen Eingriffen kann es zur Verschleppung von Bakterien in den Körper kommen.

Gefürchtet ist eine Ausbreitung und Anhaftung von Bakterien an den Herzklappen mit der Folge einer Entzündung der Herzinnenhäute (Endokarditis). Bekommt der Körper so eine Entzündung nicht in den Griff, ist sogar die Zerstörung der Klappe möglich. Zudem können sich die Bakterien vom Herzen aus in andere Körperbereiche und Organe ausbreiten.

Deshalb entscheidet der Zahnarzt, ob vor einem zahnärztlichen Eingriff möglicherweise eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika notwendig ist.

Warum ist mit künstlicher Herzklappe eine gute Mund- und Zahnhygiene so wichtig?

Eine gute Mundhygiene mit Pflege von Zähnen und Zahnfleisch ist bei einem Ersatz von Herzklappen besonders wichtig. Denn Zahn- und Zahnfleischentzündung stellen bei einem Herzklappenersatz eine besondere Gefahr dar.

Bakterien des Mundraumes können sich über die Blutbahn ausbreiten und sich an die Herzklappen haften. Bei einer Entzündung der Herzinnenhäute und der Herzklappen spricht man von Endokarditis. Zahn- und Zahnfleischerkrankungen müssen so früh wie möglich behandelt werden. Wichtig sind deshalb auch regelmäßige Zahnarztbesuche und eine professionelle Zahnreinigung.

Herzklappenersatz und Zahngesundheit

Regelmäßige Zahnreinigung beim Zahnarzt: warum so wichtig mit künstlichen Herzklappen?

Regelmäßige zahnmedizinische Prophylaxemaßnahmen und eine professionelle Zahnreinigung sind für alle Menschen ab dem Kindesalter wichtig - besonders aber nach Herzklappenersatz.

Mit der Zahnreinigung soll Entzündungen der Zähne und des Zahnfleisches (Parodontitis) vorgebeugt werden. Diese Entzündungen gefährden nicht nur die Zähne, sondern auch das Herz und andere Körpersysteme, da die Bakterien aus dem Mundraum über die Blutbahn an die Herzklappen gelangen und dort Entzündungen auslösen können.

Wichtig: Wenn Sie eine künstliche Herzklappe tragen, ist vor dem Zahnarztbesuch in der Regel eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika notwendig. Denn kleinere Blutungen im Rahmen der Zahnreinigung können bereits ausreichen, dass es zur Verschleppung von Bakterien kommt.

Warum ist eine Parodontose bzw. Parodontitis nach Herzklappenersatz so gefährlich?

Werden Bakterien aus dem Mundraum über die Blutbahn ausgeschwemmt, können sich diese an die Herzklappen anhaften und zu Entzündungen (Endokarditis) führen. Deshalb sind Zahnfleischentzündungen bzw. Entzündungen des Zahnhalteapparates wie auch Entzündungen der Zähne selbst für Menschen mit einem Herzklappenersatz besonders gefährlich.

Um dieses Risiko gering zu halten, sind vorbeugende Maßnahmen nötig. Dazu zählen eine gute Mundhygiene mit Pflege der Zähne und des Zahnfleisches sowie die vorbeugende Einnahme von Antibiotika vor zahnmedizinischen Eingriffen. Sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt darüber.

Darf man mit einer künstlichen Herzklappe eine Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspin) durchführen?

Ja. Zwar ist das Magnetfeld bei der Magnetresonanztomographie (MRT) stark und es kann Metallteile im oder am Körper anziehen und ihre Lage verändern.

Bei einer künstlichen Herzklappe aus metallhaltigem Kunststoff jedoch sind weder Schäden durch Erwärmung noch durch eine Lageveränderung zu befürchten. Abklären sollte man die MRT-Fähigkeit der Klappe lediglich, wenn diese vor 1969 implantiert wurde.

Wichtig ist allerdings, vor der MRT-Untersuchung zu checken, ob die Klappe dicht und funktionstüchtig ist sowie fest sitzt. Dies kann mit einer Ultraschalluntersuchung des Herzens festgestellt werden.

Sind alle künstlichen Herzklappen MRT-tauglich?

Bei Herzklappen, die vor dem Jahr 1969 implantiert wurden, ist von einer Magnetresonanztomographie (MRT) abzuraten, denn diese sind nicht hinsichtlich ihrer Reaktionen im MRT untersucht.

Alltag mit künstlicher Herzklappe

Kann man eine künstliche Herzklappe auch reparieren?

Ist eine Herzklappe beschädigt, wird diese in der Regel nicht repariert sondern komplett ersetzt.

Dies ist meist die sicherere Variante, wenn eine Herzklappe nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren sollte und deshalb ohnehin operiert werden muss.

Reagieren Metalldetektoren am Flughafen, wenn ich eine künstliche Herzklappe trage?

Nein, da der Metallgehalt in künstlichen Herzklappen gering ist, sollten Metalldetektoren etwa am Flughafen nicht reagieren.

Keine Sorgen muss man sich auch machen, dass der Metalldetektor die Herzklappe beschädigen könnte.

Wissenswertes

Antibiotika nach Herzklappen-OP: Was ist eine Endokarditis-Prophylaxe?

Nach einer Herzklappenoperation benötigen Sie lebenslang eine sogenannte Endokarditis-Prophylaxe. Also einen Schutz vor einer Entzündung der Herzinnenwände (= Endokarditis). Das Endokard, die innere Wandschicht, kleidet auch die Herzklappen aus.

Antibiotika-Schutz bei anderen Eingriffen

Die Prophylaxe dienst also dazu, eine Entzündung der operierten Herzklappe zu verhindern. Herzklappen ernähren sich vollständig aus dem Blutstrom; Bakterien, die sich bei Eingriffen in unsauberen Körperregionen wie z.B. dem Dickdarm oder der Mundhöhle immer im Blut befinden, können sich in kleinen Spalten zwischen künstlicher Herzklappe und der Herzinnenhaut oder sogar an den Klappenprothesen selber festsetzen. Weil sie dort vom Blutstrom und der körpereigenen Abwehr unter Umständen nicht mehr erreicht werden, muss vor solchen Eingriffen immer ein Antibiotikum gegeben werden, um die Bakterien abzutöten, bevor sie sich absiedeln.

Nach Herzklappen-OP gibt es einen Endokarditis-Pass

Menschen mit einem erhöhten Risiko sind Alle, die z.B. eine Herzklappenerkrankung oder einen angeborenen Herzfehler haben oder die daran operiert wurden. Dabei ist das Risiko für eine Endokarditis umso höher, je mehr Fremdmaterial bei der Operation eingesetzt wurde.

Sie bekommen noch im Krankenhaus einen Endokarditis-Pass, den Sie immer bei sich führen müssen. Dieser beinhaltet auch Angaben zum Antibiotikum, dass Sie nach bestimmten Eingriffen einnehmen sollten. Nach einer reinen Bypass-Operation oder einem Stent, also einer Gefäßstütze in einem Herzkranzgefäße, besteht übrigens kein erhöhtes Risiko für eine Endokarditis!

Quellen:

  • Fehlerhafte und normale Funktionsweise der Herzklappen. Herausgeber: Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (DGK). www.internisten-im-netz.de.
  • Leitlinie: Herzklappenerkrankung. Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK). www.leitlinien.dgk.org.

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