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Herzklappenfehler bei Kindern

Was sind die typischen Anzeichen für einen Herzklappenfehler? Wie kann man sich vor Komplikationen schützen? Und sind Reisen und Sport erlaubt? Auf all diese Fragen finden Sie hier umfassend Antwort.

Basiswissen

Was sollte man über Herzfehler wissen?

Unser Herz ist ein Organ, das Höchstleitungen vollbringt. Ist seine Funktion eingeschränkt oder fehlerhaft, kann das ernste Auswirkungen für die Betroffenen haben. Zu den möglichen Ursachen zählen Defekte der Herzklappen. Insgesamt hat der Mensch vier verschiedene Klappen. Diese sind:

  • Aortenklappe
  • Mitralklappe
  • Trikuspidalklappe
  • Pulmonalklappe

Diese Klappen öffnen und schließen sich und wirken so bei der Pumpfunktion des Herzens mit. Problematisch wird es, wenn sich eine Klappe nicht vollständig schließt (=Klappeninsuffizienz) oder verengt (=Klappenstenose) ist. Solche Herzklappenfehler können sowohl angeboren sein als auch erst mit der Zeit auftreten. Zum Teil zeigen sich typische Beschwerden.

Damit die Erkrankung das Leben möglichst nicht einschränkt, haben wir hier für Sie einige Tipps für den Alltag und zur Vermeidung von Komplikationen zusammengetragen.  

Symptome

Was sind typische Beschwerden bei einem Herzfehler?

Einen Herzfehler bei einem Kind kann letztlich nur eine kardiologische Untersuchung feststellen. Das Beschwerdebild hängt auch von der Art des vorliegenden Herzfehlers ab. Trotzdem gibt es einige typische Anzeichen, z.B.:

  • Müdigkeit, Schwäche
  • körperlich nicht belastbares Kind
  • häufig Atemwegsinfekte
  • Atemnot, v.a. bei Belastung
  • blaue Lippen
  • verdickte Fingerendglieder (Trommelschlegelfinger) mit gewölbten Nägeln

Komplikationen

Wie kann man sein Kind mit Herzfehler vor einer Endokarditis schützen?

Bei der Endokarditis handelt es sich um eine Entzündung der Innenwand des Herzens (Endokard). Eine solche Entzündung droht vor allem bei defekten oder angegriffenen Herzklappen, weil diese auch aus Endokard bestehen und Bakterien eine besonders gute Besiedlungsmöglichkeit bieten.

Vor allem Kinder mit angeborenem Herzfehler sind somit von einer bakteriellen Endokarditis bedroht. Nach korrigierenden Operationen, die heute dank des medizinischen Fortschritts bereits im Säuglings- und Kleinkindesalter durchgeführt werden können, ist das Endokarditis-Risiko zwar nicht gänzlich beseitigt, aber in der Mehrzahl der Fälle zumindest deutlich verringert.

Auch an die Zähne denken

Da sich die typischen Endokarditis-Erreger gerne an den Zahnhälsen ansammeln und der Mund-Rachen-Raum als eine der Haupteintrittspforten gilt, ist bei allen gefährdeten Kindern eine sorgfältige Mund- und Zahnhygiene von größter Bedeutung. Zudem sind regelmäßige zahnärztliche Kontrollen zu empfehlen. Wenn bei einem medizinischen Eingriff die Gefahr besteht, dass es zu einer Bakterienausschwemmung in die Blutbahn kommt (z.B. bei aufwändigen Zahnbehandlungen oder dem Aufschneiden von Abzessen oder Furunkeln), können bei gefährdeten Kindern vorbeugend geeignete Antibiotika verabreicht werden.

Die Annahme, durch Antibiotika-Gabe bei jedem Infekt einer Endokarditis vorbeugen zu können, ist dagegen falsch. Die früher oft geübte Praxis der großzügigen Verwendung von Antibiotika bei Kindern mit Herzfehler und fieberhaftem viralem Infekt ist deshalb abzulehnen, da sie definitiv mehr schadet als nützt.

Darf ein Kind mit Herzfehler geimpft werden?

Normalerweise spricht nichts dagegen, dass auch Kinder mit angeborenem Herzfehler die üblichen Impfungen erhalten. Insbesondere der Impfschutz gegen Keuchhusten ist für sie wichtig, da diese Krankheit bei ihnen zur Lebensbedrohung werden kann. Stimmen Sie sich mit dem Kinderarzt und dem Kinderkardiologen über notwendige, sinnvolle und ggf. ungeeignete Impfmaßnahmen ab.

Wie hoch ist die Lebenserwartung eines Kindes mit Herzfehler?

Natürlich hängt das sehr von der Art des Herzfehlers und vom individuellen Ausmaß ab. Aber Kinder mit angeborenem Herzfehler und ihre Eltern können heute Dank des medizinischen Fortschritts deutlich positiver in die Zukunft schauen als in früheren Jahren. Abhängig vom Grad der Missbildung ist es den Kindern in vielen Fällen möglich, ein ganz normales Leben zu führen.

Aber es gibt leider auch Fälle, in denen das Kind früh stirbt oder mit erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen aufwächst. Da so viel von der jeweiligen Ausprägung abhängt, ist es deshalb schwierig, eine solche Frage mit statistischen Werten zu beantworten. Dass viele Kinder ein fast normales Leben führen und höchstens eine leicht eingeschränkte Lebenserwartung haben, ist für Eltern, bei denen das Kleine schlimmer betroffen ist, ohne Wert.

Alltag

Kann mein Kind trotz Herzfehler normal zur Schule gehen?

Ja. Zumindest in der Mehrzahl der Fälle. Da die die chirurgischen Korrekturen am Herzen heute in der Regel bereits im Säuglings- und Kleinkindalter stattfinden, ist es den meisten Kindern möglich, an allen Schulaktivitäten ganz normal teilzunehmen.

Nur in seltenen Fällen, in denen der Herzfehler nicht operativ korrigiert werden kann und mit stärkeren Durchblutungsstörungen einhergeht, muss mit Problemen beim Schulbesuch gerechnet werden. Krankheitsbedingte Abwesenheiten und auch eine verstärkte Ermüdbarkeit sind dann oft nicht zu vermeiden. Sprechen Sie rechtzeitig mit den Lehrern und Betreuungspersonen Ihres Kindes, um deren Verständnis und Rücksichtnahme sicherzustellen.

Sport und Urlaub mit Herzklappenfehler: Was muss ich bei meinem Kind beachten?

Darf ein herzkrankes Kind Sport treiben?

Ja, ausreichende Bewegung ist nach aktuellem Kenntnisstand für die körperliche und seelische Entwicklung herzkranker Kinder sogar von großer Bedeutung. Denn häufig wirft ein Herzfehler die betroffenen Kinder in ihrer allgemeinen Entwicklung zurück. Das reicht von körperlichen Beeinträchtigungen wie einer zu schwach ausgeprägten Muskulatur bis zu erheblichen sozialen Problemen im Umgang mit anderen Kindern. Sportliche Aktivität ist hier ein gutes Mittel, den Rückstand aufzuholen – nur übertreiben darf man nicht.

Zu große Vorsicht schadet eher

Eltern haben verständlicherweise oft die Tendenz, ihr Kind aus (übertriebener) Vorsicht oder Fürsorglichkeit zurückzuhalten. Damit verstärken Sie jedoch das Krankheitsgefühl Ihres Kindes, schwächen sein gesundes Selbstbewusstsein und provozieren möglicherweise Gegenreaktionen, vor allem bei Jugendlichen.

In der Regel können Sie Ihr Kind selbst entscheiden lassen, welchen Anstrengungen es sich aussetzen will. Natürlich sollte eine körperliche Überforderung vermieden werden. Deshalb sind Wettkampfsportarten in Einzel- oder Gruppendisziplin sowie Krafttraining (wegen des Auftretens von Blutdruckspitzen) nicht empfehlenswert.

Zur groben Orientierung gilt, dass Ihr Kind während der Sportausübung noch in der Lage sein sollte, sich gleichzeitig zu unterhalten.

Lassen Sie sich vom Arzt ausführlich darüber beraten, welcher Sport in welchem Ausmaß empfehlenswert erscheint.

Was ist bei einem Kind mit Herzfehler im Urlaub zu beachten?

Die meisten Kinder mit angeborenem Herzfehler dürfen ohne weiteres in den Urlaub fahren. Je nach Reiseziel sollten Sie für den Fall eines Infekts eine geeignete, vom Arzt verordnete Packung mit Antibiotika in Ihrer Reiseapotheke mitführen. Bei Kleinkindern und zyanotischen Kindern (bläuliche Haut und Lippen) ist außerdem der vermehrte Flüssigkeitsbedarf in warmen Ländern zu beachten.

Bei Flugreisen kann das trockene und sauerstoffärmere Klima im Flugzeug für zyanotische Kinder mit verdicktem Blut ein besonderes Risiko darstellen. Lassen Sie sich im Rahmen Ihrer Urlaubsplanung deshalb auf jeden Fall vom Kinderarzt bzw. Kardiologen beraten.

Dürfen Kinder mit Herzfehler in den Bergen Urlaub machen?

Für die Mehrzahl der Kinder mit angeborenem Herzfehler spricht nichts gegen einen Aufenthalt in den Bergen – natürlich unter der Voraussetzung einer an ihre Leistungsfähigkeit angepassten Programmplanung. Die meisten Ferienorte liegen auf einer Höhe von 1.000-1.500 m über dem Meeresspiegel. In einer solchen Höhe ist der Sauerstoffgehalt der Luft noch ausreichend hoch, sofern es sich nicht um einen Herzfehler mit starkem Sauerstoffmangel im Blut handelt (Zyanose). In diesem Fall fühlt sich Ihr Kind in mittleren Höhenlagen vermutlich eher unwohl und ein Aufenthalt am Meer oder zumindest im Flachland wäre deutlich empfehlenswerter.

Kind mit Ventrikelseptumdefekt: Ist eine Flugreise möglich und wenn ja, was ist zu beachten?

Grundsätzlich ist eine Flugreise für ein Kind mit Ventrikelseptumdefekt (VSD) problemlos möglich, ohne dass spezielle Vorsichtsmaßnahmen zu beachten wären. Eine Ausnahme ist die Situation bei VSD mit Bluthochdruck im Lungenkreislauf, die aber bei einem kleinen Loch praktisch nicht vorkommt. Lassen Sie sich ggf. vom behandelnden Kinderkardiologen beraten.

Wie beeinflussen die Jahreszeiten die körperliche Verfassung von Kindern mit Herzfehler?

Die jahreszeittypischen Einflüsse wirken sich bei Kindern mit angeborenem Herzfehler je nach Ausprägung und individueller Situation mitunter noch etwas stärker aus als bei ihren gesunden Mitmenschen. Denn sowohl Hitze als auch Kälte gehen natürlich auch mit einer Kreislaufbelastung für den Körper einher.

Bei heißer Witterung versucht der Körper, über weit gestellte Blutgefäße in der Haut und Schweißabsonderung Wärme abzugeben, um die Körpertemperatur im normalen Bereich zu halten. Das sollte zumindest bei Herzfehlern, die auch mit einer Herzschwäche einhergehen, eher vermieden werden. Bei großer Hitze ist es deshalb für Menschen mit leistungsminderndem Herzfehler ratsam, in kühlen Räumen zu bleiben und auch auf größere körperliche Aktivitäten lieber zu verzichten. Außerdem sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.

Bei Kälte kommt es dagegen zur wärmebildenden Stoffwechselaktivierung mit erhöhtem Sauerstoff- und Energieverbrauch. Außerdem wird die Durchblutung der Körperperipherie (z.B. Nase und Finger) reduziert, so dass Kinder mit „blauem“ Herzfehler bzw. Zyanose noch blauer erscheinen.

Quellen:

  • Müller M et al. Chirurgie für Studium und Praxis (2004/05). 7. Auflage. Medizinische Verlags- und Informationsdienste.

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