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Kinderzähne: Zahnen, Milchzähne & Zahnpflege

Im sechsten oder siebten Lebensmonat geht es los: Der erste Zahn kommt durch. Mit etwa drei Jahren ist das Milchzahngebiss vollständig. Und pünktlich zur Schulzeit beginnen dann die bleibenden Zähne zum Vorschein zu kommen. Alle Fragen zu den Kinderzähnen, vom Zahnen bis hin zur Zahnpflege, versuchen wir im folgenden Beitrag zu beantworten.

Wie viele Milchzähne gibt es? Und wann kommen die Milchzähne?

Das vollständige Milchzahngebiss besteht aus 20 Zähnen. Allerdings kommen die (zum Glück) nicht alle auf einmal, sondern zwischen erstem und letztem Milchzahn liegen meist 2 bis 2,5 Jahre.

Etwa um den 6.-7. Monat herum erscheint der erste Zahn. Schon hier sind Abweichungen bis zu vier Monaten möglich. Meistens handelt es sich dabei um einen der unteren Schneidezähne, gefolgt von seinem Pendant daneben.

Danach geht es meistens wie folgt weiter:

  • Als nächstes folgen die Schneidezähne oben.
  • Bis zum 12.-18. Monat sind alle 8 Schneidezähne vorhanden, also auch die neben den beiden mittleren Schneidezähnen.
  • Nach einer Pause von etwa vier Monaten brechen als nächste meist die vorderen 4 Backenzähne durch.
  • Dann erst folgen die davor liegenden Eckzähne.
  • Im Alter von 2,5 bis spätestens 3 Jahren kommen zu guter Letzt die hinteren Backenzähne hinzu.

Was sind typische Beschwerden beim Zahnen? 

Die ersten Zähne bei seinem Sprössling kommen zu sehen, ist für fast alle Eltern ein Quell der Freude. Leider ist das "Zahnen" für die kleinen Mädchen und Jungen aber nicht ganz beschwerdefrei. Typische Begleiterscheinungen sind:

  • kein oder nur leichtes Fieber (um 38 °C)
  • Baby fasst sich ständig in den Mund, beißt auf allem herum
  • vermehrtes Sabbern
  • eventuell gerötetes (oder bläuliches) Zahnfleisch über durchbrechendem Zahn
  • nicht selten Durchfall oder wunder Po

Sind Schmerzen an anderer Stelle, Durchfall oder hohes Fieber typisch für das Zahnen?

Nein, die genannten Symptome haben nichts mit dem Zahnen zu tun. Wenden Sie sich bei diesen und anderen Anzeichen, die für eine Erkrankung Ihres Kindes sprechen, an den Kinderarzt.

Was tun gegen die Schmerzen beim Zahnen (Zahndurchbruch)?

Wie schwer sich Kinder mit dem Zahnen beim Durchbrechen der Milchzähne tun, ist individuell sehr unterschiedlich. Wenn Ihr Baby Schmerzen hat, helfen folgende Maßnahmen:

  • Veilchenwurzeln zum Kauen (aus der Apotheke)
  • Beißringe aus Polypropylen oder Polyethylen (ohne Weichmacher), möglichst ohne Farbe und Eis
  • Tuch mit Gewürznelken füllen oder mit Nelkenöl tränken und zu einem etwa murmelgroßen Bällchen formen, auf dem das Kind herumbeißen kann. Wegen der Verschluckgefahr sicherheitshalber mit einem Gummiband an der Kleidung befestigen.
  • Schulmedizinisch: Ein Paracetamol-Zäpfchen wirkt am stärksten und sollte für den Ausnahmefall reserviert bleiben.
  • Homöopathisch: Escatitona®-Zahnungstropfen zum Einreiben des Zahnfleisches oder stündlich bis zu 5 Perlen Osanit®.

Ist eine Veilchenwurzel nicht hygienisch bedenklich?

Ein bewährtes Mittel gegen Beschwerden beim Zahndurchbruch ist die Veilchenwurzel aus der Apotheke, die dem Säugling zum Kauen gegeben wird. Sie muss ausreichend groß sein, damit keine Gefahr des Verschluckens besteht. Hygienische Bedenken brauchen Sie nicht zu haben. Wem die an sich harmlosen hauseigenen Bakterien doch nicht ganz geheuer sind, der kann die Wurzel regelmäßig kurz abwaschen oder in kochendes Wasser halten. Im Grunde reinigt sich Holz jedoch eigentlich selbst.

Wann findet der Wechsel von Milchzähnen zu bleibenden Zähnen statt?

Der Zahnwechsel von den Milchzähnen zum bleibenden Gebiss beginnt meist im Alter von 6 Jahren und zieht sich dann bis zur Pubertät hin. Die Variation zwischen den einzelnen Kindern ist recht groß, ganz feste Zeiten gibt es hier also nicht.

Was die zeitliche Reihenfolge der Zähne angeht, gibt es zwar ebenfalls viele Varianten, am häufigsten läuft es aber wie folgt ab:

  • Als erstes kommen zwei Backenzähne. Da sie in eine Lücke hineinwachsen und dafür kein Milchzahn ausfällt, werden sie oft gar nicht bemerkt. Die 6-Jahres-Molaren werden diese Zähne oft genannt.
  • Danach folgen die inneren Schneidezähne, meist zuerst die unteren, danach die oberen.
  • Dann kommen die Schneidezähne daneben, das passiert meist im Alter von 9-10 Jahren.
  • Etwa ein Jahr später folgen die Eckzähne.
  • Danach erscheinen die hinteren Backenzähne neu, oft sind die Kinder hier schon 12-14 Jahre alt.
  • Zuletzt brechen – wenn sie es denn tun – die Weisheitszähne durch. Das kann im späten Jugendalter oder auch erst im Erwachsenenalter passieren.

Das bleibende Gebiss des Menschen hat dann nach Abschluss des Zahnwachstums im besten Falle 32 Zähne (28 + 4 Weisheitszähne).

Wie sorge ich von Anfang an für gesunde Zähne bei meinem Kind?

Die meisten dieser Tipps werden Sie kennen, aber die Erfahrung zeigt, dass deren Umsetzung in der Praxis gar nicht immer so einfach ist. Welches Kind hat schon Lust auf Enthaltsamkeit bei Süßigkeiten und langes Zähneputzen. Aber genau deshalb lohnt es sich immer wieder, sich für die "Gesundheits-Erziehung" ein paar Anregungen zu holen.

15 Tipps

  • Kein Einschlafen an der Brust oder mehrmaliges nächtliches Stillen! Das ist Gift für jedes schon vorhandene Zähnchen.
  • Geben Sie Ihrem Säugling das Fläschchen nicht zur Selbstbedienung mit ins Bett oder in den Kinderwagen. Kaufen Sie lieber Nuckelflaschen aus Glas statt aus Plastik.
  • Bringen Sie Ihr Baby mit Liebe ins Bett, nicht mit dem Nuckelfläschchen. Um das Lutsch- und Saugbedürfnis außerhalb des Stillens zu befriedigen, ist ein medizinischer Nuckel völlig ausreichend – aber ohne Flasche dran!
  • Beruhigen Sie Ihr Baby, wenn es nachts nicht durchschlafen kann, ohne Nuckelflasche.
  • Beginnen Sie mit der Entwöhnung vom medizinischen Schnuller, sobald die ersten Zähnchen da sind. Mit etwa 2 Jahren sollte dieser Prozess möglichst abgeschlossen sein, um keine bleibenden Kieferverformungen zu riskieren, die später aufwändig korrigiert werden müssen.
  • Ernähren Sie Ihr Kind mit Obst statt mit Obstsäften, die weniger wertvolle Bestandteile, dafür viel Fruchtzucker und Säure enthalten. Zum Trinken sind Mineralwasser und ungesüßter Tee am besten geeignet.
  • Lassen Sie Ihr Kind aus einer Tasse trinken, sobald es allein sitzen kann. Getränk der Wahl ist Wasser – es ist gesund und macht keine klebrigen Flecken beim Kleckern.
  • Brauchen Kinder eine Trink-Lerntasse oder Schnabeltasse? Nein. Falls Sie nicht darauf verzichten wollen, empfiehlt der Zahnarzt die Begrenzung der Anwendungsdauer auf einen Monat. Spätestens mit Beginn des 2. Lebensjahres sollte Ihr Kind nur noch aus einer Tasse oder einem Becher trinken.
  • Gewöhnen Sie Ihr Baby nicht an schädliche Süßigkeiten (die Bombardierung damit erfolgt leider früh genug). Klein geschnittenes Obst oder Gemüse ist als Snack und für unterwegs geeignet. Auch am Knäckebrot lutscht der kleine Nachwuchs gern.
  • Beginnen Sie mit der Zahnpflege ab dem ersten Milchzahn Ihres Sprösslings. Bürsten Sie ihm mit einer kleinen, weichen Zahnbürste morgens und vor dem Zubettgehen die Zähne. Abends kommt eine erbsengroße Menge Kinderzahnpaste (siehe unten) auf die Bürste. Nach dem Zähneputzen gibt es nichts Süßes mehr zu trinken oder zu essen.
  • Schauen Sie Ihrem Kind immer mal wieder in den Mund und genauer auf die Zähne. Schieben Sie die Oberlippe hoch und prüfen Sie, ob die Schneidezähne sauber sind und ob Zahnbelag zu sehen ist. Letzterer muss entfernt werden.
  • Kaufen Sie zum Kochen und Salzen Speisesalz mit der Aufschrift „Jod und Fluoride“. Die Fluoridzufuhr ist für die Zahngesundheit wichtig, darf aber nicht zu einer zahnschädlichen Überversorgung führen. Verwenden Sie deshalb eine fluoridhaltige Zahnpasta nur, wenn Sie sicher sind, dass Ihr Kind diese nicht in größeren Mengen verschluckt. Beachten Sie den Fluoridgehalt bei der Zufuhr von Fluoridpräparaten ebenso wie bei der Zubereitung von Nahrung mit Mineralwasser.
  • Sorgen Sie auch bei sich selbst für eine gute Zahnreinigung mit Zahnbürste, Zahnzwischenraum-Bürstchen oder Zahnseide. Ihre eigene Zahn- und Mundgesundheit ist ein wichtiger vorbeugender Faktor, damit nicht Kariesbakterien auf Ihr Kind übertragen werden.
  • Auch das tägliche Kauen von Kaugummi, der ausschließlich Xylit als Süßstoff enthält, wirkt präventiv.
  • Nehmen Sie Ihr Kind frühzeitig mit in die Zahnarztpraxis, damit es sich an das Umfeld gewöhnt. Ab einem Alter von 2 Jahren sollten seine Zähne dann regelmäßig (z.B. halbjährlich) vom Zahnarzt Ihres Vertrauens kontrolliert werden, auch wenn Sie glauben, dass alles in Ordnung ist.

Last but not least: Freuen Sie sich über den Erfolg und vermitteln Sie das auch Ihrem Kind (z.B., in dem es seine tollen gesunden Zähne zeigen soll).

Schnuller & Co: Wie sorgt man dafür, dass Zähne und Kiefer richtig wachsen?

Falsche Sauggewohnheiten bzw. Saug-Utensilien können im Säuglingsalter leicht zu Zahn- und Kieferfehlstellungen mit langfristigen Folgen führen. Die Kurzformel zur Vermeidung einer solchen Fehlentwicklung bei den Kleinen lautet:

  • Daumen, Schnuller und Nuckelflasche ab dem 7.-10. Monat abgewöhnen.
  • Zähne putzen und auf eine zuckerarme Ernährung achten.
  • Mund zu!

Die etwas ausführlichere Maßnahmenübersicht:

  • Stillen nach Bedarf (ohne zu übertreiben) macht Schnuller und Daumen am ehesten überflüssig. Nach 4-6 Monaten zufüttern, damit die Zunge das neue Schluckmuster lernt. Nachts dann nur noch selten, besser nicht mehr anlagen wegen der Kariesgefahr durch die süße Muttermilch.
  • Schnuller immer nur für kurze Zeit geben – so viel wie nötig und so wenig wie möglich.
  • Schnuller ab 6.-7. Monat langsam abgewöhnen, auf Beikost übergehen und die Milch zunehmend, ab dem 10. Monat ausschließlich mit dem Trinkbecher geben.
  • Bei älterem Kind: Schnuller und Nuckelflasche möglichst rasch entziehen, ggf. mithilfe einer Mundvorhofplatte.
  • Bei Flaschenfütterung: Kind einmal links und einmal rechts im Arm halten, um Gesichts- und Kieferasymmetrien vorzubeugen.
  • Auf die Zahngesundheit achten: Kinder-Fluorzahnpasta (anfangs nur minimale Menge) verwenden. Zur Kariesvermeidung wenig Zucker, nur mäßig süßes Obst und keine Obstsäfte geben. Ausgefallene Zähne fehlen als Platzhalter für die zweiten Zähne und führen zu einer Verschmälerung des Kiefers.
  • Mundatmung abgewöhnen!

Zu lange Schnuller und Nuckelflasche: Welche Gefahren drohen für Zähne und Kiefer?

Daumen, Schnuller und Nuckelflasche sind allesamt Fremdkörper zwischen den Zähnen Ihres Kindes, die bei zu langem und ausführlichem Gebrauch das Gleichgewicht der Mund- und Kiefermuskeln stören können. Abgesehen von erblichen Komponenten und kariesbedingtem Milchzahnverlust ist diese Fehlentwicklung aufgrund schädlicher Sauggewohnheiten ein wesentlicher Grund für Zahn- und Kieferfehlstellungen.

Zu den möglichen Folgen zählen:

  • Offener Biss: Lücke zwischen oberen und unteren Frontzähnen
  • Kreuzbiss: Die seitlichen Zähne überkreuzen sich und stehen teils vor-, teils hintereinander
  • Kiefergelenkstörungen
  • Knirschen und Abschleifen der Zähne aufgrund der Spannungszustände
  • Vorstehen des Oberkiefers und Zurückliegen des Unterkiefers, häufig durch Daumenlutschen.

Früher Schnuller-Stopp lohnt sich

Zu langes, über 10 Monate hinaus andauerndes Saugen gefährdet außerdem die richtige Lage der Zunge, die sich etwa ab dem 6. Lebensmonat nach hinten zu verlagern beginnt und sich in Ruhelage am Gaumen befindet. In diesem Alter brechen normalerweise die ersten Zähne durch, die Beikost beginnt und das Stillen bzw. die Flaschenfütterung wird reduziert. Dadurch ändert sich das Schluckmuster: Während die Zunge zunächst noch gegen die Frontzähne stieß, drückt sie nun zunehmend beim Schlucken gegen den Gaumen.

Liegt die Zunge aufgrund falscher Sauggewohnheiten aber nicht an ihrem vorbestimmten Platz am Gaumendach, fehlt ihre formende Kraft für das Oberkieferwachstum. Zudem drückt sie die oberen Frontzähne durch fortgesetztes Anstoßen nach vorne, was in Sprachstörungen und Lispeln mündet. Gewohnheitsmäßige Zungenfehlstellungen sind später nur schwer zu beheben. Kieferorthopädische Maßnahmen haben bei einer bleibenden Fehlstellung nur kurzfristigen Erfolg, noch im Erwachsenenalter können die Frontzähne nach vorne wandern und Lücken bilden.

Wie werden die Zähne beim Kleinkind richtig gepflegt? 

Die Zahnpflege beginnt mit dem ersten Zahn etwa im Alter von 6 Monaten. Dabei hängen die Empfehlungen zum richtigen Vorgehen von der Fluroid-Versorgung Ihres Kindes ab:

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  • Solange Ihr Kind Fluoridtabletten oder -tropfen erhält, werden die Zähne nach einer Mahlzeit nur mit Wasser und einer weichen Zahnbürste gereinigt. Sobald Ihr Kind die Zahnpasta zuverlässig ausspuckt, was meistens im Alter von 3 Jahren der Fall ist, findet das Zähneputzen zweimal täglich statt, sorgfältig und mit einer erbsengroßen Menge an fluoridhaltiger Kinderzahnpasta (mindestens 1.000 ppm Fluorid).
  • Wenn Ihr Kind dagegen kein Fluorid zum Einnehmen erhält, erfolgt das Zähneputzen ab dem ersten Zähnchen einmal täglich mit einer weichen Zahnbürste und einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta (500 ppm Fluorid; höchstens erbsengroße Menge). Darüber hinaus werden die Zähne nach einer Mahlzeit nur mit Wasser gereinigt. Putzen Sie die Zähne ab dem 2. Geburtstag zweimal täglich mit der Kinderzahnpasta, um den Schutz zu erhöhen und Ihr Kind an die regelmäßige Zahnpflege zu gewöhnen.

Wie schützt man die Milchzähne vor Karies?

Dass auch Milchzähne gepflegt sein wollen, wird immer wieder gern vergessen. Auch von ansonsten sehr um die Gesundheit ihrer Kinder bemühten Eltern. Vielleicht liegt das daran, dass Zähneputzen bei Kleinkindern nicht immer eine leichte Übung ist. Doch wie es auch sei, eine gewissenhafte Zahnpflege ist wichtig, und zwar schon ab dem ersten Milchzahn.

Aus der Tasse trinken und Zähne putzen

Bleiben wir gleich beim Thema Zähneputzen: Nachdem der erste Milchzahn durchgestoßen ist, ist einmal täglich Pflicht. Noch besser ist, einmal nach jeder Mahlzeit. Und spätestens ab dem zweiten Geburtstag sollten zweimal täglich die Zähne geputzt werden. Bedenken Sie dabei, dass Ihre Kinder zwar oft schnell bereit sind, das Zähneputzen selbst zu übernehmen. Aber selten machen sie es gründlich. Deshalb sollten Sie bis zum Schulalter mindestens einmal täglich nachputzen – auch wenn das kaum ein Kind mag.

Der zweite wichtige Tipp ist das Trinken. Oder vielmehr das Trinkgefäß. Vermeiden Sie unbedingt, dass Ihr Kind zu lange aus Fläschchen mit Sauger trinkt. Denn insbesondere, wenn sich darin gesüßte Getränke finden, lädt man die Karies-Bakterien praktisch zur Party ein. Deshalb gilt: So früh wie möglich mit dem Trinken aus der Tasse beginnen. Das klappt meist ab dem ersten Geburtstag ganz gut. Und wenn es doch mal die Sauger-Flasche sein soll, dann nur mit Wasser oder ungesüßtem Tee füllen.

Ab dem ersten Milchzahn zum Zahnarzt

Und zu guter Letzt: Gehen Sie mit Ihrem Kind regelmäßig zum Zahnarzt. Und zwar auch das schon nach dem Durchbruch des ersten Milchzahns. Auch wenn Sie es selber hassen (wie die meisten von uns): Der Zahnarztbesuch ist für Ihr Kind mindestens genauso wichtig wie für Sie. Und die gute Nachricht lautet: Wenn Sie sich an all diese Tipps halten, wird Ihr Kind aller Wahrscheinlichkeit nach lange Zeit keinerlei Probleme mit den Zähnen haben – womit dann auch der Zahnarztbesuch völlig harmlos ist.

Warum muss auch das Milchzahngebiss gepflegt werden? 

Milchzähne fallen ohnehin aus, also warum sollte man sie pflegen? Ein nicht selten geäußerter (und noch häufiger gedachter) Gedanke, der aus den folgenden Gründen völlig falsch ist:

  • Die Milchzähne halten den Platz für die bleibenden Zähne im Gebiss Ihres Kindes frei und sind somit von entscheidender Bedeutung für die Kieferentwicklung. Eine gute Zahnpflege ist deshalb von Anfang an wichtig.
  • Auch ein kranker Milchzahn bereitet Ihrem Kind Schmerzen und muss vom Zahnarzt behandelt werden.
  • Bei kariösen Milchzähnen besteht die Gefahr, dass die Kariesbakterien auf die bleibenden Zähne übertragen werden.

4 Faustregeln für gesunde Kinderzähne

Die Zahngesundheit bei Kindern ist vor allem durch Karies bedroht. Als Grundlage für eine erfolgreiche Vorbeugung gelten die „vier Säulen für gesunde Zähne“:

  • gewissenhafte Zahnpflege von Anfang an
  • regelmäßige Fluoridzufuhr (Zahnpasta, Speisesalz)
  • ein zahnbewusstes Ernährungsverhalten
  • regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Zahnarzt

Ab wann kann sich ein Kind selbst die Zähne putzen?

Natürlich verläuft die Entwicklung bei Kindern unterschiedlich, der eine lernt erst später, was die andere schon längst kann. Jüngere Geschwister sind oft etwas schneller als die Erstgeborenen oder Einzelkinder.

Als Orientierungsmarke für das Erlernen des selbstständigen Zähneputzens gilt der Beginn des dritten Lebensjahres. Setzen Sie auf den Nachahmungseffekt und putzen Sie gleichzeitig mit Ihrem Kind die Zähne. Das macht (hoffentlich) doppelt so viel Spaß und die tägliche Zahnpflege morgens und abends wird so schnell zur Selbstverständlichkeit.

Auch wenn Ihr Kind dann, nach einiger Mithilfe, schon alleine die Zähne putzen kann, sollten Sie noch bis zum Schulalter regelmäßig nachhelfen, zumindest abends. Eine regelmäßige Nachkontrolle wird noch mindestens bis zum 10. Lebensjahr empfohlen. Auch wenn Ihr Kind deshalb maulen sollte, ist es mit der häuslichen Nachkontrolle immer noch besser bedient als mit unangenehmen Überraschungen beim Zahnarzt.

Ab wann dürfen Kinder Erwachsenenzahnpasta verwenden?

Wenn ab dem Schulalter, also mit etwa 6 Jahren, die ersten bleibenden Zähne durchgebrochen sind, dürfen es alle Kleinen den Großen nachmachen und ihre Zähne mindestens zweimal täglich mit einer Erwachsenenzahnpasta (1.000-1.500 ppm Fluroid) sorgfältig putzen.

Wie sollte eine Kinderzahnbürste beschaffen sein?

Der Griff einer Kinderzahnbürste sollte dick und rutschfest sein, der Bürstenkopf kurz. Der weiche bis mittelharte Borstenbesatz besteht günstigerweise aus vielen einzelnen Büscheln mit abgerundeten Borstenenden. Alle 2-3 Monate empfiehlt sich der Austausch gegen eine neue Zahnbürste.

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Übrigens: Zahnbürsten mit abstehenden Borsten müssen unter Umständen schon nach kürzerer Zeit ausgetauscht werden. Denn dann steigt der sogenannte Anpressdruck. Wird wegen der abstehenden Borsten zu viel Druck auf die Zahnreihen ausgeübt, kann das auf Dauer zu Zahnfleischrückgang und keilförmigen Defekten des Zahnhalses führen.

Vermieden wird das bei gefederten Zahnbürsten, die bei zu hohem Kraftaufwand nachgeben – oder eben durch einen geringeren Anpressdruck. Dieser sollte nicht mehr als 200 Gramm betragen. Wie man den messen kann? Ganz einfach: z.B. mit der Küchenwaage. Vielleicht ein interessanter kleiner Physikunterricht zuhause, falls Ihr Kind zu viel Kraft hat …

Wie werden die Zähne richtig geputzt? 

Beim Zähneputzen kommt es auf die richtige Technik an. Auch Kinder können sich das bewährte KAI-System gut merken:

  • K = Kauflächen: Zuerst werden die Kauflächen geputzt, mit kurzen Hin- und Herbewegungen.
  • A = Außenflächen: Dann kommen die Außenflächen dran. Die Zähne liegen aufeinander und werden in kreisenden Bewegungen gesäubert, jeweils von der Mitte aus nach links und rechts, Zahn um Zahn.
  • I = Innenflächen: Abschließend werden die Innenflächen immer von Rot (Zahnfleisch) nach Weiß (Zähne) quasi ausgewischt, wie mit dem Handfeger.

Nicht vergessen: Nach dem Zähneputzen die Zahnbürste gründlich abspülen und so aufbewahren, dass der Bürstenkopf gut trocknen kann. Der Grund: Andernfalls vermehren sich die aus dem Mund stammenden Bakterien schneller. Da eine zunehmende Besiedelung mit den Mikroorganismen auf Dauer nicht verhindert werden kann, sollte die Zahnbürste nach 2-3 Monaten ausgetauscht werden.

Zu beachten ist außerdem:

  • Nach säurehaltigen Fruchtsäften und Süßigkeiten mit Zitronensäure den Mund zunächst nur mit Wasser ausspülen. Zähnebürsten erst nach 30 Minuten!
  • Wenn Ihr Kind aufgrund einer Erkrankung oder Behinderung nicht richtig kauen kann, ist eine gute Zahnpflege besonders wichtig. Lassen Sie sich vom Zahnarzt beraten.

Warum ist Fluorid wichtig für die Zähne? Und worauf muss man dabei achten?

Fluorid schützt die Zähne gegen Karies, indem es die Widerstandsfähigkeit des Zahnschmelzes gegenüber den Säuren der Kariesbakterien erhöht. Die Fluoridkonzentration in der Nahrung oder im Leitungswasser ist bei uns meist zu gering, um einen ausreichenden Kariesschutz gewährleisten zu können. Deshalb ist sich die Fachwelt über den Bedarf an zusätzlichem Fluorid einig.

Meinungsunterschiede gibt es allerdings bei den Empfehlungen, auf welche Weise die zusätzliche Fluoridzufuhr bei Kindern erfolgen sollte.

Was Kinderärzte empfehlen und was Zahnärzte empfehlen (Meinungsverschiedenheiten inklusive)

Die kindermedizinischen Fachgesellschaften empfehlen in den ersten 3 Lebensjahren und noch vor dem Durchbruch der ersten Zähne die Tabletten- oder Tropfeneinnahme. Anschließend, wenn die Kinder mit 3 Jahren die Zahnpasta zuverlässig ausspucken, sollte auf eine fluoridhaltige Kinderzahnpasta (mindestens 1.000 ppm) umgestellt werden. Außerdem wird dann für die Kinderernährung die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz empfohlen.

Zahnärztliche Fachgesellschaften raten dagegen zu einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta (500 ppm) vom ersten Zähnchen an, also mit etwa 6 Monaten. Als zusätzliche Maßnahme empfehlen auch die Zahnärzte die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz im Haushalt, so dass die Kinder gegen Ende des 1. Lebensjahres mit der Familienkost über leicht gesalzene Speisen weiteres Fluorid aufnehmen. Mit dem Zahnwechsel wird dann auf Zahnpasten mit höherem Fluoridgehalt übergegangen.

Achtung: Zu viel Fluorid im Kleinkindalter kann später an den bleibenden Zähnen eine Zahnschmelzstörung (Fluorose) hervorrufen. Das ist zwar selten. Stimmen Sie aber zur Sicherheit dennoch die individuelle Fluoridierung Ihres Sprösslings mit dem Kinder- oder dem Zahnarzt ab (je nach Ihrem Vertrauen, siehe oben), damit es weder zu einer Unter- noch Überversorgung mit Fluorid kommt.

Was ist die beste Ernährung für die Zähne?

Zunächst einmal sind die besten Nahrungsmittel für die Zähne diejenigen, die sich nicht im Mund breit machen. Sprich: Alles, was nach dem Essen durch Zahnbürste und Spülen an Speiseresten in den Magen oder das Waschbeckem befördert wird, ist gut. Und alles, was im Mundraum verbleibt, ist schlecht. Das gilt natürlich besonders für süße Speisreste (wozu auch zuckerhaltige Getränke gehören), denn nichts lieben Karies-Bakterien mehr als zuckerreiche Speisereste, an denen man sich stundenlang gütlich tun kann.

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Abgesehen davon gibt es aber auch grundsätzliche Tipps, wie man mit seiner Ernährung für gesunde Zähne sorgen kann. Eine zahngesunde Ernährung ist ausgewogen und enthält alle Nährstoffe, die für den Aufbau und die Festigkeit der Zähne und des Zahnfleisches notwendig sind.

Das lieben Ihre Zähne und die Ihrer Kinder:

  • Kalzium: enthalten vor allem in Milch und Milchprodukten, bestimmten Gemüsesorten (Brokkoli, Fenchel, Grünkohl) und kalziumreichen Mineralwässern.
  • Vitamin D zur Kalzium-Aufnahme: vor allem enthalten in Milchprodukten, Eiern, bestimmten Fischsorten, Avocados.
  • Kauen: fördert u.a. den Speichelfluss, der die zahngefährdenden Säuren wegspült.
  • Kaufördernd ist z.B. Rohkost, knackiges Obst, Vollkornbrot.
  • Zucker einschränken: Ausgangsstoff für die Kariesbildung, egal ob Haushalts-, Frucht-, Trauben- oder Honigzucker. Massenhaft und häufig ungeahnt enthalten in vielen Lebensmitteln, u.a. Ketchup, Senf, Fruchtsäften und Fertiggerichten.
  • Zucker ausspülen: nach dem Verzehr von Süßem und stark zuckerhaltigen Nahrungsmitteln Zähne putzen oder wenigstens den Mund mit Wasser ausspülen.
  • Säuren ausspülen: nach Verzehr von säurehaltigen Lebensmitteln wie Fruchtsäften oder Süßigkeiten mit Zitronensäure zunächst nur mit Wasser den Mund ausspülen, erst nach 30 Minuten Zähne putzen!

Milchprodukte besonders wichtig

Damit die Zähne gut wachsen, brauchen sie ausreichend Nährstoffe. Dazu zählen vor allem Kalzium, Phosphor und Vitamin D. Eine "normale" gesunde Kost liefert aber genügend davon. Also eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Milch- und Vollkornprodukten. Auch Fleisch, Fisch und hin und wieder mal ein Ei tragen zur Nährstoffzufuhr bei. Am wichtigsten für die Zähne ist aber tatsächlich die Milch bzw. ihre Brüder und Schwestern (Joghurt, Käse, etc.).

Nur wenig gesüßte Getränke

Was Milchzähne nicht mögen, ist Süßes. Genau wie unsere erwachsenen Zähne fördern süße Lebensmittel die Bakterienbildung im Mund - und damit Karies.

Für Ihr Kind bedeutet das: Gehen Sie sparsam mit Süßem um. Dabei geht es nicht nur um "Naschkram". Verzichten Sie auch so weit es geht auf zuckerhaltige Getränke, also Limonaden und Cola. Auch säurehaltige Getränke sind eher ungünstig.

Ein Tipp: Mit einem maßvollen Umgang mit zuckerhaltigen Lebensmitteln erreichen Sie in der Regel mehr als mit strengen Verboten. Und: Besonders nach Verzehr von süßen Lebensmitteln um so gründlicher die Zähne putzen.

Wie kann ich meinem Kind die Angst vor dem Zahnarzt nehmen? 

Lassen Sie gar nicht erst zu, dass Angst vor dem Zahnarzt aufkommt. Reflektieren Sie Ihr eigenes Verhalten: Wenn Sie selbst Furcht vor dem Zahnarzt haben, überträgt sich das leicht auf Ihr Kind. Erst recht, wenn Sie irgendwelche Dinge in Bezug auf den Zahnarztbesuch äußern, die Ihr Kind Unangenehmes befürchten lassen können.

Wird der Besuch beim Zahnarzt dagegen völlig unaufgeregt als selbstverständliche Normalität behandelt, ist er auch für die meisten Kinder als solche akzeptabel, ja vielleicht sogar ein Erlebnis mit Spaßfaktor. Viele Zahnärztinnen und Zahnärzte stellen sich heute erfreulicherweise immer mehr auf die kleinen Patienten ein, bis hin zu fantasievoll und kindgerecht ausgestatteten Oasen der Kinderzahnheilkunde. Dort wird dem Kind auch ein spielerisches Herantasten ermöglicht und mit psychologischen Kniffen werden Ängste abgebaut oder gleich vermieden.

Das können Sie auch unterstützen, indem Sie Ihr Kind bereits vor seinem ersten Zahnarzttermin einmal in die Zahnarztpraxis mitnehmen, etwa bei einem eigenen Vorsorgetermin. Dann darf es schon mal den Zahnarztstuhl ausprobieren, im kleinen Spiegel die eigenen Zähne begutachten oder das Ausspülen mit dem Wasserbecher üben, ohne dass es „ernst“ wird.

Für Eltern, Großeltern und Tagesmütter: Kennen Sie diese 12 Tipps zum Zahnschutz bei Kindern? 

Der Bundesverband der Kinderzahnärzte hat 12 Tipps (nicht nur) für Eltern, Großeltern und Tagesmütter zusammengestellt, wie Unfälle vermieden und, wenn es doch passiert ist, verletzte oder gar ausgeschlagene Zähne gerettet werden können:

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  • Kinder für Gefahrquellen sensibilisieren: Sprechen Sie mit Ihren Kindern über mögliche gefährliche Situationen und wie sie sich verhalten könnten.
  • Für Sicherheit im Alltag sorgen: Vermeiden Sie Stolperfallen (z.B. herumliegendes Spielzeug) und sichern Sie Treppen durch aufklappbare Gitter.
  • Bewegungen für den Gesichtsschutz einüben: Zeigen Sie Ihren Kindern, wie sie sich im Falle eines Sturzes schützen können und üben Sie diese Bewegungen.
  • Unterwegs und beim Sport – etwa Schwimmen, Fahrrad, Inline-Skating – geeigneten Gesichtsschutz tragen (z.B. Helme mit Schutzgitter und integriertem Kinnbügel).
  • Rücksichtsvolles Verhalten im Alltag: Verdeutlichen Sie Ihrem Kind, dass es sich in bestimmten Situationen (z.B. Schulbus, Schulhof) ruhig verhalten soll, um Unfälle zu vermeiden (nicht schubsen, drängeln etc.). Ein Zahn ist schnell in Gefahr.

Handeln im Notfall

  • Bewahren Sie Ruhe.
  • Beruhigen Sie Ihr verletztes Kind.
  • Blutet Ihr Kind im Mund? 
    Lassen Sie es auf Mull oder ein fusselfreies Textilstück (z.B. Stofftaschentuch) beißen. Kühlen Sie die Wunde von außen (z.B. Eiswürfel im Tuch auflegen, kalter Lappen reicht aber auch). Tupfen Sie ggf. Blut ab.
  • Der Zahn ist abgebrochen: 
    Suchen Sie das abgebrochene Stück und legen Sie es in eine spezielle Zahnrettungsbox, die sie bei Ihrem Zahnarzt und in der Apotheke kaufen oder über das Internet beziehen können. Der Zahn darf nicht austrocknen. Fassen Sie nur die obere Zahnspitze an.
  • Der Zahn ist stark gelockert oder verschoben: 
    Fassen Sie den Zahn nicht an. Das Kind sollte den Mund vorsichtig schließen.
  • Der Zahn ist ausgeschlagen: 
    Suchen Sie unbedingt den Zahn und fassen Sie nur die Zahnspitze an, jedoch nicht die Zahnwurzel. Reinigen Sie niemals den Zahn, auch wenn er verschmutzt ist! Lagern Sie den Zahn so schnell wie möglich in einer speziellen Rettungsbox (z.B. SOS Zahnrettungsbox). Die Gewebe auf der Zahnwurzel dürfen nicht austrocknen, die Zahnrettungsbox ist nachweislich die beste Aufbewahrung für eine Erhaltung der Gewebe (bis zu 48 Stunden). Alternativen wie kalte fettarme H-Milch (Sterilmilch) oder isotone Kochsalzlösung (Arzt/Apotheke) sind nur für eine sehr kurze Zeit verwendbar und es ist mit schlechteren Heilungsergebnissen zu rechnen.
  • Gehen Sie mit Ihrem Kind möglichst umgehend zum Zahnarzt oder in die Zahnklinik (Notfallambulanz).

Autoren: 

Quellen:

  • Bundesverband der Kinderzahnärzte e.V. (BuKiZ)

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