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Tinnitus: Behandlung

Die Behandlung des Tinnitus richtet sich danach, was sich hinter den Beschwerden verbirgt. Eine akute Erkrankung wie z.B. eine Mittelohrentzündung wird entsprechend antibiotisch behandelt.

Liegt einem andauernden Ohrengeräusch keine spezielle Störung zugrunde, ist die Behandlung ungleich schwieriger. Zwar stehen Medikamente und verschiedene hörtherapeutische Maßnahmen zur Verfügung; die Wirkung ist aber oft unzureichend oder hält nicht lange an. Am vielversprechendsten beim Tinnitus sind eine ausführliche Aufklärung und Beratung sowie verhaltenstherapeutische Ansätze.
Alles weitere zur Behandlung eines Tinnitus erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Wie wird ein Tinnitus behandelt?

Tinnitus ist keine eigenständige Krankheit, für die es eine spezielle Behandlung gibt. Vielmehr sind Ohrengeräusche ein Anzeichen für ganz unterschiedliche Störungen oder Erkrankungen. Die Behandlung bei Tinnitus zielt daher auf die zugrundeliegende Ursache. Es gibt aber durchaus auch therapeutische Maßnahmen, um den Tinnitus selbst zu lindern.

Relativ einfach zu behandeln: akuter Tinnitus

Bei der Behandlung von Ohrengeräuschen ist es zunächst wichtig, zwischen akuten und chronischen Beschwerden zu unterscheiden. Von einem chronischen Tinnitus spricht man ab einer zeitlichen Dauer von drei Monaten. Bis dahin gilt ein Tinnitus als akut und kann – natürlich immer abhängig von der Ursache – ähnlich wie ein Hörsturz behandelt werden. Dabei kommen beispielsweise Infusionstherapien zum Einsatz, die den Blutfluss verbessern sollen. Auch Cortisonpräparate werden eingesetzt.

Ist die dahinterliegende Ursache bekannt, wird die Behandlung danach ausgerichtet. Im einfachsten Fall kann ein Pfropf aus zu viel Ohrenschmalz als Übeltäter entlarvt und entfernt werden. Eine Mittelohrentzündung kann mit Antibiotika behandelt werden. Aber auch andere Erkrankungen, die sich hinter einem Tinnitus verbergen können, wie etwa ein zu hoher Blutdruck oder auch ein zahnärztliches Problem, lassen sich beheben.

Herausforderung chronischer Tinnitus

Schwieriger wird es bei der chronischen Form. Hier hat sich das Ohrengeräusch bereits verfestigt und oft schon Folgebeschwerden nach sich gezogen. Die Behandlung ist dann ungleich schwieriger und komplexer.

Meist geht es nicht um eine vollständige Heilung, sondern um Strategien im Umgang mit dem lästigen Begleiter im Ohr. Ziel ist es, anhand bestimmter Techniken eine gewisse Gewöhnung zu erreichen und den Tinnitus damit in Schach zu halten.

Studienlage enttäuschend

Insgesamt ist die Studienlage zur Behandlung eines chronischen Tinnitus äußerst dünn und unbefriedigend. Es gibt daher in der maßgeblichen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. kaum handfeste Empfehlungen zu einer bestimmten Behandlung.

Vor allem Medikamente haben im langfristigen Verlauf keine Wirkung gezeigt. Auch eine sogenannte hyperbare Sauerstofftherapie, wie sie beim Hörsturz teilweise angewendet wird, um die Sauerstoffversorgung des Innenohrs zu verbessern, hat sich nicht bewährt.

Viele Ansätze, wenig Erfolg

Einzelne hörtherapeutische Maßnahmen verschaffen manchen Betroffenen Linderung. So reduzierte ein allgemeines Hörwahrnehmungstraining beispielsweise in einer Untersuchung die Tinnitusbelastung einiger Teilnehmer. Auch gezielte Übungen zum Richtungshören, zur Frequenzunterscheidung oder zum Überhören des Ohrgeräuschs halfen einigen Betroffenen. Pauschal können solche Maßnahmen anhand der wenigen Studien jedoch nicht empfohlen werden.

 

Auch sogenannte Rauscher oder Noiser, also bestimmte Geräte, die ein angenehmes leises Geräusch erzeugen und vom störenden Tinnitus ablenken sollen, kommen allenfalls unterstützend zum Einsatz. Elektromagnetische Stimulationsverfahren, bei denen bestimmte Hirnareale mit einer Magnetsonde von außen stimuliert werden, haben zwar kurzfristige Erfolge gezeigt, müssen aber in weiteren Studien noch genauer untersucht werden. Auch akustische Maßnahmen wie Musiktherapie können individuell wirksam sein. Aber auch hier reichen die Ergebnisse nicht für eine allgemeine Empfehlung.

Geben Sie selbst den Ton an!

Was hilft also überhaupt bei Ohrengeräuschen? Die Grundlage für die Behandlung bildet das sogenannte Tinnitus-Counseling. Gemeint ist eine ausführliche ärztliche Aufklärung über die Beschwerden und ihre Hintergründe, verbunden mit einer individuellen Beratung für den einzelnen Betroffenen.

Das mag wenig spektakulär klingen und Sie vielleicht enttäuschen. Es hat sich aber erwiesen, dass diese einfachen Maßnahmen vieles bewirken und anstoßen können und weitaus besser wirken als die oben genannten Therapien.

Lernen, mit dem Tinnitus zu leben

Neben der Basistherapie zeigt eine begleitende Verhaltenstherapie die beste Wirksamkeit. Betroffene erwerben hier in Einzelsitzungen oder auch in Gruppen zusammen mit anderen Menschen, die unter Tinnitus leiden, Strategien, wie sie ihre Aufmerksamkeit weniger auf die Ohrgeräusche richten können. Zudem lernen sie, das lästige Piepsen und Rauschen anders zu bewerten, als weniger bedrohlich wahrzunehmen und besser zu bewältigen.

Denn genau darum geht es bei der Behandlung: zu lernen, nicht immer wieder verzweifelt gegen den Tinnitus anzukämpfen. Vielmehr helfen Akzeptanz und Gelassenheit weitaus besser, sich von den Ohrengeräuschen auf Dauer nicht unterkriegen zu lassen.

Tinnitus: Welche Medikamente verschreiben Ärzte?

Keine speziellen Tinnitusmedikamente

Medikamente, die nachweislich gegen einen Tinnitus wirken, gibt es bis heute nicht. Allerdings kommen einige Arzneimittel zur Behandlung eines akuten Tinnitus infrage, welche die Symptome lindern können oder sogar dazu beitragen, dass das Ohrensausen wieder verschwindet.

Zur Behandlung von Ohrgeräuschen kommen hauptsächlich durchblutungsfördernde Medikamente, Cortison-Präparate und lokale Betäubungsmittel zum Einsatz. Die Wirkstoffe werden meist in Form von Infusionen (bei leichten Fällen auch in Tablettenform) verabreicht.

Die Gabe von Medikamenten bei Tinnitus verfolgt dabei folgende drei Behandlungsziele:

  • Verbesserung der Innenohrdurchblutung
  • Normalisierung der gestörten Signalverarbeitung im Innenohr und Hörnerv
  • Normalisierung der Nervenaktivität in den Hörzentren des Gehirns

Den Blutfluss verbessern

Liegen keine organischen Ursachen vor, wird in der Regel eine Infusionstherapie mit durchblutungsfördernden Medikamenten eingeleitet. Ziel ist es, die Durchblutung des Innenohres zu verbessern.

Zum Einsatz kommen dabei Wirkstoffe, die das Blutvolumen vergrößern und die Fließeigenschaften des Blutes im Innenohr fördern (sogenannte Plasmaexpander), wie auch Substanzen, die zur Erweiterung der Blutgefäße beitragen (sogenannte Vasodilatatoren). Die Infusionsbehandlungen werden dabei täglich über einen Zeitraum von bis zu 10 Tagen durchgeführt.

Hochdosiertes Cortison

Wenn die Ursache für das Ohrgeräusch unbekannt ist, kann des Weiteren auch eine Cortison-Therapie durchgeführt werden. Eine Behandlung mit Cortison kann zudem erfolgen, wenn eine Erkrankung des Innenohrs, ein Hörsturz, die Menière-Krankheit oder ein Lärm- oder Knalltrauma den Tinnitus ausgelöst hat.

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Wie genau Cortison bei Tinnitus wirkt, ist nicht bekannt. Man geht davon aus, dass die Präparate eine durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Wirkung besitzen. Zudem soll sich der Wirkstoff positiv auf die geschädigten Haarzellen im Innenohr auswirken und darüber hinaus der Bildung von Wasseransammlungen (Ödemen) entgegenwirken.

Injektion in die Vene

Das Cortison wird meist direkt mittels einer Injektion in die Blutbahn gespritzt oder auch per Infusion zugeführt. Dabei wird die Therapie mit einer relativ hohen Dosis (500 mg pro Tag) begonnen, die man für drei Tage aufrechterhält. Die Therapie erfolgt insgesamt 10 Tage lang, wobei die Dosis ab dem dritten Tag langsam wieder reduziert wird.

Außerdem können folgende Medikamente verwendet werden:

  • Glutamatrezeptorenblocker wie Caroverin: Glutamat ist der wichtigste Botenstoff, um Höreindrücke weiterzuleiten.
  • Lokale Betäubungsmittel wie beispielsweise Novocain oder Lidocain
  • Kalziumantagonisten zur Senkung des Blutdruckes
  • Antioxidantien wie Vitamin E Präparate: Man geht davon aus, dass die Haarzellen im Innenohr bei Tinnitus unter einem Sauerstoffmangel (oxidativem Stress) leiden.
  • Antibiotika, wenn der Tinnitus in Zusammenhang mit einer Mittelohrentzündung auftritt

Je früher die Behandlung, desto besser

Wichtig: Eine Infusionsbehandlung mit Medikamenten ist nur in den ersten zwei bis drei Monaten nach Auftreten des Tinnitus sinnvoll. Am besten ist es, wenn eine medikamentöse Therapie möglichst schnell, d.h. innerhalb von 24 Stunden, nachdem der Tinnitus zum ersten Mal aufgetreten ist, eingeleitet wird. Denn je kürzer der Tinnitus andauert, desto besser lässt er sich behandeln und verschwindet wieder.

Ein Tinnitus, der länger als drei Monate anhält, gilt als chronisch und lässt sich mit Medikamenten nicht mehr behandeln. Zur Behandlung eines chronischen Tinnitus gibt es allerdings andere Therapiemöglichkeiten. Diese zielen jedoch weniger darauf ab, die Ohrengeräusche zu beseitigen als vielmehr, sie möglichst wenig wahrzunehmen und sich von ihnen nicht beeinträchtigen zu lassen.

Welche Medikamente sind bei Tinnitus wirklich wirksam?

Einen ausreichenden wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit gibt es für keines der Medikamente, die bei Tinnitus eingesetzt werden. Trotzdem wird ein akuter Tinnitus meist medikamentös behandelt. Die einzelnen Beschwerden lassen sind dadurch oft gut mindern. Meist verschwindet das Ohrenrauschen jedoch ohne jegliche Medikamente von alleine wieder.

Durchblutungsfördernd und entzündungshemmend

Treten die Ohrgeräusche zum ersten Mal und ohne erkennbare Ursache auf, werden häufig durchblutungsfördernde Wirkstoffe (wie Haes oder Pentoxifyllin = Pentox, Trental) oder auch Ginkgo-Präparate verabreicht, da Durchblutungsstörungen im Innenohr als Ursache für Tinnitus vermutet werden. Wird das Ohrengeräusch aufgrund einer akuten Entzündung ausgelöst, werden meist Cortison-Präparate eingesetzt, die entzündungshemmend wirken.

Zudem kommen zur Behandlung eines akuten Tinnitus häufig auch Vitamin E-Präparate und Magnesium zum Einsatz, da man vermutet, dass bei einem Tinnitus die Haarzellen im Innenohr unter einem Sauerstoffmangel (oxidativem Stress) leiden. Aber auch lokale Betäubungsmittel wie Novocain werden oft zur Behandlung verwendet.

Wirkung beim akuten Tinnitus nicht erwiesen

Je nach dem, wie stark der Betroffene unter einem Tinnitus leidet, können die Medikamente auch intravenös (also mittels Infusion) verabreicht werden. Bei weniger schweren Fällen werden sie meist eingenommen.

Wichtig: Für die oft verwendeten, durchblutungsfördernden Medikamente liegen keine Wirksamkeitsnachweise vor. Das Gleiche gilt für alle anderen Arzneimittel und Wirkstoffe (wie Caroverin, Flupertin, Glutaminsäure, Carbamazepin, Gabapentin, Lidocain), die häufig zur Behandlung eines Tinnitus verwendet werden. Zudem ist eine medikamentöse Therapie bei Ohrgeräuschen langwierig und kostenintensiv und nicht zuletzt wegen der möglichen Nebenwirkungen umstritten.

Keine Tabletten beim chronischen Tinnitus

Medikamente können im akuten Stadium manchmal dazu beitragen, dass der Tinnitus wieder abklingt. In einigen Fällen kann das Ohrensausen aber wieder zurückkommen und in einen chronischen Tinnitus übergehen.

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Besteht das Ohrengeräusch bereits seit mehreren Monaten, hilft auch keine medikamentöse Therapie mehr. Zahlreiche Präparate wie Cortison, Ginkgo biloba und sogenannte Glutamat-Antagonisten, die den Höreindruck dämpfen sollen, zeigten keine spezifische Wirkung bei chronischen Ohrengeräuschen.

Allerdings ist die Studienlage hier sehr dünn und unzureichend. In vielen Studien wurden nur sehr wenige Probanden untersucht, oder die methodische Qualität ist nicht befriedigend.

Geräusch im Gehirn

Mittlerweile ist man sich aber ziemlich sicher: Ein chronischer Tinnitus entsteht nicht mehr im Ohr, sondern kommt durch eine fehlerhafte Signalverarbeitung im Gehirn zustande. Daher sind die einzigen Arzneimittel, die hier noch helfen können, Psychopharmaka (Antidepressiva), die das zentrale Nervensystem beeinflussen und so den Tinnitus mildern können. Zudem können sie auch bei Begleiterkrankungen wie Depressionen und Schlafstörungen, die sich häufig in Zusammenhang mit einem chronischen Tinnitus entwickeln, eingenommen werden.

Gibt es rezeptfreie Medikamente gegen Tinnitus?

Ja. Im Handel werden rezeptfreie Medikamente zur Behandlung von Tinnitus angeboten. Die frei verkäuflichen Präparate setzen sich im Wesentlichen aus den Wirkstoffen Ginkgo biloba und Etilefrin zusammen. Zudem können auch Naturheilmittel wie Rosenwurz und Taigawurzel gegen Tinnitus helfen. Aber Vorsicht: Frei erhältlich heißt nicht frei von Nebenwirkungen.

Ginkgo biloba

Der Ginkgobaum ist eine uralte, ursprünglich in China beheimatete Heilpflanze, die die Durchblutung und das Gedächtnis verbessern soll. Die wirksamen Inhaltsstoffe der Pflanze befinden sich hauptsächlich in den Ginkgo-Blättern. Das daraus gewonnene Extrakt soll die Fließeigenschaft des Blutes verbessern und daher zu einer besseren Blutversorgung des Ohres beitragen, sodass der Tinnitus leiser wahrgenommen wird.

Außerdem soll sich Ginkgo aufgrund seiner Wirkung gegen Bakterien und Pilze positiv auf die Ohren auswirken und dabei helfen, eine bereits bestehende Infektion zu lindern. Ob Ginkgo bei Tinnitus aber tatsächlich helfen kann, konnte bis jetzt noch nicht eindeutig wissenschaftlich bewiesen werden.

Etilefrin

Der Arzneistoff bewirkt eine Verengung der Gefäße und regt das Herz an, kräftiger zu schlagen. Er erhöht damit den Blutdruck und kommt bei Kreislaufproblemen wie Schwindel, Schwäche, Schwarzwerden vor den Augen und Schweißausbruch zum Einsatz. Etilefrin wirkt allgemein bei Beschwerden, deren Ursache ein zu niedriger Blutdruck (Hypotonie) ist.

Rosenwurz und Taigawurzel

Der Extrakt aus der "Goldenen Wurzel", wie der Rosenwurz auch genannt wird, soll sich positiv bei körperlichen und geistigen Erschöpfungszuständen (Stress) auswirken und Zellschädigungen vorbeugen. Er beeinflusst zentrale Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin, die für unsere Stimmung und Konzentration wichtig sind.

Außerdem soll Rosenwurz die sogenannten Glückshormone befeuern, während die Ausschüttung von Stresshormonen gedämpft wird. Bei einem Tinnitus kann Rosenwurz bewirken, dass er als weniger störend empfunden wird.

Auch die Taigawurzel soll eine ähnliche Wirkung besitzen und gegen Belastungen und Stress vorbeugen. Ihr werden anregende und das Immunsystem stärkende Wirkungen nachgesagt.

Diverse Pflanzenstoffe

Folgende rezeptfreie Medikamente können gegen Tinnitus eingesetzt werden. Die Wirkstoffe sind entweder in Form von Filmtabletten, Kapseln, Tropfen oder auch als Lösung in der Apotheke erhältlich.

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  • Gingiloba
  • Craton
  • Gingium
  • Binko
  • Ginkopur
  • Kaveri
  • Rökan
  • Tebonin
  • Thomasin
  • Effortil
  • Rhodiolan
  • Taigawurzel

Fragliche Wirkung

Wichtig: Auch wenn diese Medikamente gegen Ohrensausen rezeptfrei sind, sollten Betroffene sie nicht ohne vorherige Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker einnehmen.

Denn die blutverdünnende Eigenschaft von Ginkgo-Präparaten kann sich zum Beispiel negativ in Kombination mit anderen Medikamenten (Wechselwirkungen sind möglich) auswirken. Zudem kann es wie bei jedem anderen Medikament auch zu Nebenwirkungen kommen. Außerdem sind die Präparate nicht für alle Personen (z.B. Schwangere) geeignet.

Insgesamt fehlt für sämtliche Medikamente, die bei Tinnitus eingesetzt werden, ein valider wissenschaftlicher Nachweis über deren Wirksamkeit. Das gilt auch für rezeptfreie Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. Es sind noch viele qualitativ hochwertige und aussagekräftige Studien nötig, um bewerten zu können, was bei lästigen Ohrengeräuschen wirklich Linderung verschafft.

Kortison bei Tinnitus: Bringt das was?

Ja, eine Kortison-Therapie kann sich auf einen akuten Tinnitus, der noch nicht lange besteht, positiv auswirken. In den Leitlinien zur Behandlung von Tinnitus wird Kortison zur Akuttherapie sogar ausdrücklich empfohlen. Das hat folgenden Grund:

Viele gute Eigenschaften

Ärzte gehen zumindest davon aus, dass Kortison bei Tinnitus die Durchblutung fördert und zu einem verbesserten Zellstoffwechsel in den Hörsinneszellen beitragen kann. Zudem soll das Mittel über entzündungshemmende und abschwellende Eigenschaften verfügen und ein Ohrgeräusch, das beispielsweise durch eine Mittelohrentzündung entstanden ist, positiv beeinflussen.

Wie genau sich das Medikament jedoch bei Tinnitus auswirkt und welche weiteren Mechanismen noch eine Rolle spielen, ist nicht bekannt.

Hochdosiert direkt ins Ohr

Bei Ohrgeräuschen, die plötzlich und ohne erkennbare Ursache auftreten, wird das Kortison mit einer feinen Nadel direkt in das Mittelohr gespritzt. Das Medikament wird dabei in einer recht hohen Dosierung (> 500 Milligramm) verabreicht, um eine möglichst gute Wirkung zu erzielen.

Die Kortison-Therapie sollte nur für kurze Zeit erfolgen. In der Regel dauert die Behandlung fünf bis zehn Tage, wobei die hohe Anfangsdosis ab dem vierten Tag langsam wieder reduziert wird.

Mit Nebenwirkungen muss bei diesem kurzfristigen Einsatz von Kortison normalerweise nicht gerechnet werden. Dennoch treten vereinzelt Kopfschmerzen, Akne oder Schwindelgefühle auf. Betroffene nehmen mögliche Nebenwirkungen, die ohnehin nach Absetzen des Medikaments bald wieder verschwinden, jedoch meist gern in Kauf, wenn Aussicht auf Linderung der Beschwerden besteht.

Ausgang ungewiss

Jeder reagiert jedoch anders auf Substanzen, die ihm verabreicht werden. Das liegt daran, dass Medikamente neben ihrer objektiven Wirkung vom individuellen Organismus immer unterschiedlich aufgenommen und verarbeitet werden.

Bei manchen Betroffenen schlägt Kortison daher sehr gut an und kann tatsächlich helfen, einen akuten Tinnitus zu überwinden. Bei anderen wiederum zeigt das Medikament keinerlei Wirkung. Darüber hinaus ist auch der weitere Verlauf sehr variabel. Es kann etwa sein, dass der Tinnitus vorerst verschwindet, kurze Zeit nach der Kortison-Therapie aber wieder zurückkehrt.

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Außerdem muss beachtet werden, dass eine Kortison-Therapie nur sinnvoll ist, wenn der Tinnitus noch nicht lange (d.h. nicht länger als drei Monate) besteht. Ein chronischer Tinnitus wird normalerweise nicht mehr mit Kortison behandelt, da er sich in den meisten Fällen nicht durch das Medikament beeinflussen lässt. Hier kommen andere therapeutische Maßnahmen zum Tragen.

Helfen Infusionen gegen Tinnitus?

Manchmal erzielen Infusionen in der Behandlung von Tinnitus eine gute und schnelle Wirkung. Vor allem akute Beschwerden können dadurch deutlich gelindert werden. Daher geht man zumindest davon aus, dass Infusionen gegen Tinnitus helfen können. Einen soliden wissenschaftlichen Nachweis gibt es allerdings nicht.

Keine Heilung, aber Linderung

Die Wirksamkeit von durchblutungsfördernden oder entzündungshemmenden Substanzen beim Tinnitus ist nach wie vor umstritten und konnte bis jetzt noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt werden. Ob eine Infusionstherapie gegen Tinnitus daher wirklich hilft, weiß man nicht genau.

Außerdem wird ein Tinnitus bzw. die dahinterliegende Störung durch Infusionen wohl nicht direkt geheilt. Vielmehr werden nur die schlimmsten Beschwerden abgemildert. Man spricht daher auch von einer sogenannten symptomatischen Therapie, die nicht auf eine Heilung, sondern auf eine Linderung der Symptome abzielt.

Größter Erfolg beim akuten Tinnitus

Dennoch muss man festhalten: Bei manchen Patienten haben Infusionen, die gegen Ohrensausen eingesetzt wurden, eine positive Wirkung erzielt. Das gilt vor allem für die oft heftigen Beschwerden bei einem akut auftretenden Ohrengeräusch. Die Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. empfiehlt daher im Rahmen ihrer Tinnitus-Leitlinie Infusionen als erste therapeutische Maßnahme bei akutem Tinnitus.

Besteht das Ohrengeräusch also nicht länger als drei Monate, ist eine Infusionsbehandlung, wie sie beispielsweise auch bei einem Hörsturz durchgeführt wird, sinnvoll.

Bessere Durchblutung im Ohr

Zum Einsatz kommen dabei Infusionslösungen wie Pentoxifyllin, die die Flüssigkeitsmenge des Blutes erhöhen (sogenannte Plasmaexpander), und Medikamente wie Hydroxyethylstärke, die zur Erweiterung der Blutgefäße beitragen (sogenannte Vasodilatatoren). Die Infusionsbehandlungen werden dabei täglich über einen Zeitraum von bis zu 10 Tagen durchgeführt und sollen dabei helfen, die Durchblutung des Innenohrs zu verbessern.

Außerdem können je nach Ursache des Tinnitus verschiedene weitere Medikamente zum Einsatz kommen. So wird etwa Kortison bei Entzündungen im Ohr und sogenannte Kalziumantagonisten bei Bluthochdruck und Herzkrankheiten angewendet. Auch lokale Betäubungsmittel (wie Novocain) können in Form von Infusionen verabreicht werden.

Nachteile einer Infusionstherapie

Die Gabe von Medikamenten als Infusion ist relativ teuer. Zudem übernehmen immer weniger Krankenkassen die Kosten für eine Infusionstherapie bei Tinnitus aufgrund mangelnder Nachweise ihres Nutzens.

Des Weiteren müssen auch immer die Nebenwirkungen beachtet werden, die die Medikamente vielleicht auf andere Organe besitzen können. Außerdem ist eine Infusion kein Universalheilmittel, mit dem sich ein Tinnitus sicher heilen lässt. Bei einigen Betroffenen kann der Tinnitus nach der Behandlung auch wieder zurückkommen und in einen chronischen Zustand übergehen.

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Sie sollten daher mit Ihrem Arzt gemeinsam besprechen, ob eine Infusionsbehandlung in Ihrem konkreten Fall überhaupt sinnvoll ist.

Kann man Tinnitus mit Psychotherapie behandeln?

Ja, das soll man sogar! Psychotherapie ist eine sehr wichtige und effektive Behandlungsmethode bei chronischem Tinnitus. Häufig nämlich wird das Ohrgeräusch durch psychische oder körperliche Überlastung, Stress und kritische Lebensereignisse ausgelöst. Der Tinnitus ist gewissermaßen die körperliche Reaktion des Menschen auf eine belastende Lebenssituation.

Lästiger Störenfried im Ohr

Ein chronisches Ohrengeräusch, das bereits länger als drei Monate andauert, ist mit Medikamenten kaum mehr zu beeinflussen. Das liegt daran, dass sich der Tinnitus irgendwann verselbständigt und den Betroffenen vollständig vereinnahmt. Er konzentriert sich immer mehr auf den Störenfried im Ohr, wartet vielleicht schon ängstlich darauf, dass das Störgeräusch wieder in voller Lautstärke zu dröhnen anfängt.

Daraus entwickelt sich ein Teufelskreis. Denn je mehr sich der Betroffene mit seinem Tinnitus befasst und je unangenehmer er ihn erlebt, umso stärker und störender wird das Ohrengeräusch.

Den Teufelskreis durchbrechen

Aus dieser negativen Spirale kommt man meist alleine nicht mehr heraus. Eine psychotherapeutische Behandlung kann dabei helfen, das lästige Piepsen oder Pfeifen anders zu bewerten und gelassener damit umzugehen.

Hier werden beispielsweise Strategien vermittelt, wie man die Aufmerksamkeit von den Ohrengeräuschen weglenken kann. Zudem werden Betroffene darin bestärkt, sich von ihrem Begleiter im Ohr nicht mehr ihren gesamten Alltag diktieren zu lassen, wie es bei vielen nach einiger Zeit der Fall ist. Vielmehr sollen sie wieder selbst über ihr Leben bestimmen und merken, dass sie Einfluss auf den Tinnitus nehmen können.

Leben mit dem Tinnitus

Wichtig ist jedoch auch eine grundlegende Einsicht, die Menschen mit chronischen Ohrengeräuschen in der Therapie vermittelt werden soll: Es geht nicht darum, den Tinnitus gänzlich auszuschalten. Wie bei anderen chronischen Erkrankungen auch müssen sich Betroffene darauf einstellen, ihr Leben mit den Beschwerden zu meistern. Das zu akzeptieren und nicht immer wieder dagegen anzukämpfen, ist ein weiteres Ziel der psychotherapeutischen Behandlung.

Goldstandard in der Behandlung

Sie gilt heute hinsichtlich der Verbesserung der Belastung und der Lebensqualität als wirksamste Methode in der Behandlung eines chronischen Tinnitus. Zusammen mit einer Basistherapie, dem sogenannten Tinnitus-Counseling, in der Betroffene umgehend aufgeklärt und beraten werden, gehört sie zu den Standardmaßnahmen und wird in den maßgeblichen Leitlinien der Fachgesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde als Mittel der Wahl empfohlen.

Es gibt inzwischen feste Abläufe und Manuale, an denen die Einzel- oder auch Gruppentherapien ausgerichtet sind. Methodisch steht die kognitive Verhaltenstherapie im Vordergrund. Das bedeutet, den Teilnehmern werden zunächst die Hintergründe der Störung vermittelt, um anschließend ihre Sichtweise, ihre Gedanken (kognitiv) und Gefühle den Ohrengeräuschen gegenüber zu verändern.

So soll ihnen langfristig ein weniger großer Stellenwert eingeräumt werden. Mit dieser neuen Einstellung können Menschen mit Tinnitus ihr Leben wieder nach ihren eigenen Vorstellungen ausrichten (konkretes Verhalten).

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Dem Tinnitus rechtzeitig vorbeugen

Bei einem akuten Tinnitus stehen zwar zunächst Medikamente im Vordergrund, mit denen die Symptome oftmals gut abklingen. Dennoch ist es ratsam, sobald wie möglich, am besten innerhalb der ersten drei bis sechs Monate nach Auftreten der Ohrgeräusche, mit einer Psychotherapie zu beginnen, um zu verhindern, dass der Tinnitus überhaupt erst chronisch wird. Psychotherapie kann nämlich auch einem chronischen Tinnitus vorbeugen.

Mögliche Auslöser meiden

Ist die Erkrankung bereits chronisch, ist immer auch der weitere Verlauf zu berücksichtigen. Es ist bekannt, dass sich Ohrengeräusche z.B. in Stresssituationen oder unter starker Anspannung verstärken oder dadurch überhaupt erst ausgelöst werden. Betroffene sollen daher auch lernen, in Zukunft besser mit stressbedingten Situationen umzugehen. Oft können schon einfache Entspannungsübungen und bestimmte Strategien zur Stressbewältigung gute Erfolge bringen und den Tinnitus nachhaltig beeinflussen.

Des Weiteren ist eine Psychotherapie auch sinnvoll für Menschen, die an einer Erkrankung wie Schwerhörigkeit, Hörsturz oder Morbus Menière leiden, die auch oft mit einem Tinnitus einhergehen und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Langzeittherapie bei psychischen Folgeerkrankungen

Und schließlich stellt für viele Menschen mit chronischem Tinnitus das ständige Störgeräusch im Kopf selbst eine große psychische Belastung dar. Im schlimmsten Fall kann der Tinnitus vom Betroffenen als so störend empfunden werden, dass sich eine ernsthafte Folgeerkrankung, wie eine Angsterkrankung oder Depression entwickelt. In diesem Fall ist eine längerfristige Psychotherapie (Langzeittherapie) dringend zu empfehlen.

Umfassende Tinnitusbehandlung

Mittlerweile gibt es sogar Zentren, die sich auf die Behandlung eines chronischen Tinnitus spezialisiert haben. Dabei kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Oft wird die Psychotherapie mit anderen therapeutischen Ansätzen wie Hörtherapie, Rauschgeräten und Verfahren zur Neuromodulation, die die Funktion der Nervenzellen wieder normalisieren sollen, verbunden. All diese Ansätze haben sich jedoch alleine als nicht ausreichend wirksam erwiesen und sind nur ergänzend zur Psychotherapie sinnvoll, die weiterhin die Grundlage der Behandlung bildet.

Außerdem: Zur Behandlung eines Tinnitus bieten sich zusätzlich alle Techniken an, die dazu beitragen, Stress abzubauen und Körper und Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dazu gehören z.B. autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga, Meditationsübungen, Massagen, Akupunktur etc. Jeder muss hier selbst herausfinden, was ihm am besten tut.

Wie funktioniert ein Rauschgerät bei Tinnitus?

Den Tinnitus übertönen

Ein Rauschgerät, auch Masker oder Noiser genannt, erzeugt Geräusche, die vom störenden Tinnitus ablenken und ihn erträglicher machen sollen. Sie sind natürlich weitaus angenehmer als das lästige Piepsen oder Pfeifen im Ohr. Das unauffällige Gerät wird ähnlich wie ein Hörgerät getragen und kann entweder hinter dem Ohr oder im Ohr eingesetzt werden.

Rein optisch sieht ein Rauscher aus wie ein Hörgerät und fällt damit beim Tragen kaum auf. Er erzeugt ein leises Geräusch (das kann zum Beispiel ein Meeresrauschen sein), das vom Tinnitus ablenken und Stille vermeiden soll. Wichtig ist allerdings, dass das Ohrengeräusch nicht ganz davon überdeckt wird, sondern noch leise wahrnehmbar bleibt. Ziel ist es nämlich, eine Gewöhnung (Habituation) an das Störgeräusch zu erreichen.

Neue Einstellung zum Ohrgeräusch

Ähnlich wie bei einer Angsterkrankung bringt es nichts, der vermeintlichen Bedrohung aus dem Weg zu gehen. Vielmehr muss man sich damit immer wieder wohldosiert konfrontieren, um zu einer neuen Bewertung zu gelangen. Der Betroffene soll also sein Ohrengeräusch durchaus noch hören, im Lauf der Zeit jedoch eine andere Sicht darauf entwickeln.

Denn die negative Einstellung gegenüber dem Piepsen und Pfeifen ist beim chronischen Tinnitus genau das Problem. Bei einem lange bestehenden Ohrengeräusch ist die Aufmerksamkeit meist derart auf den störenden Ton fokussiert, dass Betroffene einen regelrechten Groll entwickeln, der den aussichtslosen Kampf gegen den Missetäter im Ohr immer weiter befeuert.

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Wieder selbst den Takt vorgeben

Allein die Möglichkeit, durch das Rauschgerät den Tinnitus eindämmen zu können, bewirkt bei vielen Betroffenen schon eine deutliche Entspannung und Erleichterung. Endlich kann man sich zum Beispiel wieder auf ein Buch konzentrieren oder leichter einschlafen.

Durch den Rauscher kann es also gelingen, den Tinnitus abzumildern und damit aktiv zu beeinflussen. Das ist für Betroffene oft eine ungemein wohltuende und befriedigende Erfahrung, da sie nicht mehr das Gefühl haben, dem Ohrensausen hilflos ausgeliefert zu sein. Ängste, Ohnmachtsgefühle und die damit verbundene Adrenalinausschüttung verbessern sich allmählich, so dass das seelische und körperliche Wohlbefinden wieder ins Lot kommt.

Harmloses Hintergrundrauschen

Ein Noiser erzeugt ähnlich wie der Tinnitus ein ständiges Geräusch im Ohr. Allerdings ist ein dezentes Meeresrauschen weitaus angenehmer als ein schrilles Dauerpiepsen. Da es außerdem nicht mit negativen Gefühlen aufgeladen ist, nimmt man das leise Rauschen als ziemlich neutral wahr. Das Gehirn gewöhnt sich mit der Zeit daran.

Ein Beispiel zum besseren Verständnis:

Personen, die mitten in der Stadt wohnen, gewöhnen sich mit der Zeit an den Straßenlärm und nehmen das Geräusch einer vorbeifahrenden Straßenbahn gar nicht mehr wahr – überhören es sozusagen. Denselben Effekt macht man sich bei einem Rauschgerät zunutze. Solange das Geräusch nicht als Alarmsignal eingestuft wird (wie es beim Tinnitus der Fall ist), ist es unwichtig für unser Gehirn und wird einfach ausgeblendet.

Entwarnung fürs Gehirn

Es ist daher wichtig, dass Menschen mit Tinnitus lernen, ihre negativen Gefühle und Gedanken gegenüber den Tinnitus abzulegen. Denn je weniger relevant das Störgeräusch für sie erscheint und je weniger es Beachtung findet, desto eher ist es möglich, sich an den Tinnitus zu gewöhnen.

Das heißt allerdings nicht, dass man sich in sein Schicksal fügen muss. Vielmehr soll sich das Gehirn allmählich an das Geräusch gewöhnen und es dadurch mit der Zeit automatisch als ungefährlich einstufen.

Übrigens: Die Kosten für einen Tinnitus-Rauscher werden teilweise von der Krankenkasse übernommen. Zudem liegt die Erfolgsquote der Rauschgeräte bei ungefähr 50%. Erfolge können sich bereits nach zwei Monaten bemerkbar machen. Aber auch wenn lange nichts passiert, sollte man sich nicht gleich entmutigen lassen. Denn auch noch nach einem Jahr kann die Behandlung erste Früchte tragen.

Masker und Noiser: Was ist der Unterschied?

Rein optisch unterscheiden sich die beiden Rauschgeräte (Masker und Noiser) nicht voneinander. Sie besitzen die gleiche Bauart und Größe und werden auch beide wie ein normales Hörgerät, also im Ohr oder hinter dem Ohr, getragen. Zudem erzeugen beide Geräte ein leises Rauschen (oder ein Naturgeräusch), das den Tinnitus erträglicher machen soll. Einen feinen Unterschied gibt es aber doch.

Der Unterschied besteht darin, dass der Tinnitus-Masker mit einem anderen Ziel eingesetzt wird als der Tinnitus-Noiser.

Masker: Wohltuende Auszeit vom Tinnitus

Ein Tinnitus-Masker soll den Tinnitus vollständig durch ein Gegengeräusch (wie z.B. ein Meeresrauschen) überdecken (maskieren). Dies kann eine kurzfristige Erleichterung für den Betroffenen bringen, da er das Störgeräusch nicht mehr wahrnimmt. Das allein kann für jemanden, der ansonsten von einem unangenehmen Dauerpiepsen im Ohr geplagt wird, als sehr entspannend empfunden werden. Denn der Masker sorgt zwar auch für eine dauerhafte Hintergrundbeschallung, die jedoch weitaus angenehmer ist.

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Das Ohrgeräusch bleibt

Allerdings setzt der Masker nicht am Kern des Problems beim chronischen Tinnitus an. Die "Vollmaskierung" sorgt zwar für eine kurze Auszeit, ändert aber nichts an dem eigentlichen Störgeräusch, das sich nach Absetzen des Maskers wieder Gehör verschaffen wird.

Das Problem bei einem lange bestehenden Ohrengeräusch ist nämlich vor allem die Bewertung durch den davon Gepeinigten: Je störender und bedrohlicher er den subjektiven Ton empfindet und je mehr er sich dagegen auflehnt, umso größer wird der Stellenwert, den der Dauerbegleiter im Ohr einnimmt. Irgendwann bekommt er die volle Aufmerksamkeit seines Besitzers und bestimmt immer mehr über ihn. Das ist auf Dauer sehr zermürbend und kann weitere Krankheiten wie Depressionen oder Angsterkrankungen nach sich ziehen.

Neubewertung mithilfe des Noisers

Entscheidend ist es daher, eine andere Sicht auf das Ohrengeräusch zu entwickeln und gelassener damit umzugehen. Ein Tinnitus-Noiser soll genau hierbei helfen.

Denn im Gegensatz zum Masker übertönt er das Ohrgeräusch nicht vollständig, sondern lenkt nur dezent von ihm ab. Das heißt, der Tinnitus ist noch immer wahrnehmbar, allerdings wesentlich leiser. Bei Menschen mit Tinnitus, die einen Noiser tragen, bekommt das Gehirn die Möglichkeit, sich an den Reiz zu gewöhnen. Denn wenn er als weniger störend und bedrohlich wahrgenommen wird, stellt er auch für das Gehirn keine große Gefahr mehr da.

Keine Angst vor Tinnitus!

Man nennt diesen Vorgang auch Habituation (Gewöhnung). Er ist vergleichbar mit der Therapie von Angsterkrankungen, bei denen sich Betroffene immer wieder der vermeintlichen Gefahr aussetzen müssen, um zu erleben, dass dabei eigentlich gar nichts Schlimmes passiert. Nur so gelingt eine Neubewertung.

Genauso wird ein Mensch mit Tinnitus das Störgeräusch irgendwann anders bewerten, seine negativen Gedanken und Gefühle ihm gegenüber allmählich ablegen und ihm weit weniger Aufmerksamkeit schenken. Der Betroffene lernt somit, auch mit dem Tinnitus angst- und sorgenfrei zu leben. Irgendwann nimmt er ihn vielleicht gar nicht mehr bewusst wahr, sodass das Rauschgerät eines Tages überflüssig wird.

Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT): Wie kann die Behandlung helfen?

Mit Hilfe einer sogenannten Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) können Menschen mit Tinnitus lernen, die Störgeräusche im Ohr bewusst auszublenden. Es handelt sich um eine Art "Verlern-Programm" (daher auch der Name "Re-Training"), das Betroffenen vermittelt, die inneren Töne als nicht mehr störend wahrzunehmen.

Die Mischung macht's

Die TRT an sich ist keine eigenständige Therapieform, sondern eine Kombination verschiedener Verfahren, die sich in der Therapie des chronischen Tinnitus zum Teil bewährt haben.

Die Grundlage bildet stets das Tinnitus-Counseling. Hier geht es darum, den Betroffenen bestmöglich über die Hintergründe der Ohrengeräusche aufzuklären und ihn individuell zu beraten. Denn bei Tinnitus gibt es keine Patentlösung, die für jeden gleichermaßen nützlich ist.

Daneben erfolgt meist eine Psychotherapie. Nach wie vor ist sie das einzige therapeutische Verfahren, das nachweislich wirksam ist. Die Behandlung kann ergänzt werden durch Entspannungsübungen und weitere Techniken, um mit Stress und Belastungen besser umzugehen.

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Beratung, Entspannung und psychische Unterstützung

Insgesamt setzt sich die TRT aus folgenden Therapieelementen zusammen:

  • ärztliche Untersuchung (gründliche Anamnese)
  • Counseling (Beratung und Aufklärung)
  • Stressbewältigungsstrategien (Entspannungstherapien wie osteopathische Verfahren, Muskelrelaxation nach Jacobsen, autogenes Training, Yoga)
  • psychologische Beratung, Psychotherapie
  • Geräteversorgung (Rauschgerät)

Wie man sieht, erfordert die Therapie das Zusammenarbeiten mehrerer Spezialisten (Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Psychologe/Psychotherapeut, Entspannungstrainer, Hörgeräteakustiker). Zudem versteht sich die Tinnitus-Retraining-Therapie als eine Langzeittherapie, für die mehrere Sitzungen über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren erforderlich sind.

Von der ständigen Gefahr zum harmlosen Begleiter

Mit der Zeit kann die TRT dabei helfen, sich an den Tinnitus zu gewöhnen, sodass er vom Gehirn nicht mehr als bedrohlich eingestuft wird. Erst dann wird er einen weniger großen Stellenwert einnehmen. Denn solange er als potentielle Gefahr gilt, gegen die man sich zur Wehr setzen muss, wird seine Bedeutung aufrechterhalten und bestimmt er weiterhin den Alltag der Betroffenen.

Gelingt es hingegen, das Ohrenrauschen anders zu bewerten, wird ihm das Gehirn automatisch weniger Aufmerksamkeit schenken. Denn was keine unmittelbare Bedrohung ist, wird als nebensächlich eingestuft. Zudem können durch die Kombinationstherapie Folgeerscheinungen wie Angstzustände, Schlafstörungen, Konzentrations- und Wahrnehmungsstörungen behoben werden.

Unterstützung, keine Heilung

Mit der Tinnitus-Retraining-Therapie werden in der Regel sehr gute Erfolge erzielt. Die Erfolgsaussichten liegen bei etwa 80%. Eine Heilung des Tinnitus ist zwar auch mit der TRT nicht möglich, ist aber auch nicht das Ziel. Die therapeutische Unterstützung ist vielmehr ein Wegweiser, trotz Tinnitus ein beschwerdefreies und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Kann man einen Tinnitus operieren?

Nein, einen Tinnitus kann man nicht operieren, da er an sich keine eigenständige Krankheit darstellt. Das Ohrgeräusch tritt immer als Symptom, d.h. als Anzeichen einer bestimmten Erkrankung auf. Handelt es sich dabei um eine ernsthafte Grunderkrankung wie eine chronische Mittelohrentzündung oder Otosklerose, kann ein chirurgischer Eingriff erfolgen.

Operation der Grunderkrankung

Ziel der Operation ist aber nicht primär, den Tinnitus zu beseitigen, sondern die Probleme zu beheben, die die Krankheit verursacht haben. Durch die Operation kann das Ohrensausen allerdings abgemildert werden oder bestenfalls sogar völlig verschwinden.

Bei folgenden Erkrankungen ist eine Operation denkbar:

  • Außen- oder Mittelohrentzündung (bei Komplikationen)
  • Otosklerose (Verknöcherungen im Ohr)
  • Akustikusneurinom (gutartiger Tumor des Hör- und Gleichgewichtsnervs)
  • andere Hirntumoren
  • Durchblutungsstörung im Gehirn
  • Morbus Menière (Erkrankung des Innenohrs)

Was kaputt ist, ist kaputt

Ausgehend von der Theorie, dass Ohrengeräusche durch eine Störung im Innenohr hervorgerufen werden, stellt sich die Frage, ob ein direkter Eingriff am Hörorgan Linderung verschaffen könnte. Davon ist allerdings gründlich abzuraten.

Sind die Sinneszellen im Innenohr erstmal zerstört, können sie auch durch nichts mehr repariert werden – auch nicht durch eine Operation. Ganz im Gegenteil: Eine Operation könnte sogar sehr gefährlich werden und zu einem einseitigen Gehörverlust führen.

Keine Manipulationen im Innenohr!

Das hat folgenden Grund: Im Innenohr befindet sich eine speziell zusammengesetzte, kaliumreiche Flüssigkeit (auch Endolymphe genannt), die wichtig ist, damit wir überhaupt hören. Eine Operation könnte zum Verlust dieser wichtigen Innenohrflüssigkeit führen und somit fatale Folgen haben.

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Ebenso wenig haltbar ist die Theorie, dass sich der Tinnitus entfernen lässt, indem man den Hörnerv durchtrennt. Theoretisch besteht zwar die Möglichkeit, dass der Tinnitus dadurch verschwindet; allerdings handelt es sich dabei um einen sehr gefährlichen Eingriff, der auch zu einer völligen Ertaubung führen kann. Zudem ist es nicht einmal sicher, dass das Ohrgeräusch durch diese Operation auch wirklich verschwindet.

Vor solch radikalen Eingriffen kann aus diesen Gründen nur ausdrücklich gewarnt werden.

Sauerstoff oder Strom gegen Tinnitus: Ist das seriös?

Nein, in der Regel nicht. Bis jetzt gibt es beim chronischen Tinnitus außer der Psychotherapie kein Verfahren, das nachweislich wirksam ist. Das gilt auch für die Therapie mit Strom (Elektrotherapie) und mit Sauerstoff (auch Druckkammertherapie oder hyperbare Sauerstofftherapie genannt). Beim akuten Tinnitus kann die Behandlung mit Sauerstoff in bestimmten Fällen erwogen werden.

Ohr unter Strom

Ziel der Elektrotherapie ist es, die Funktionsabläufe im Innenohr, die zum großen Teil auf elektrischen Impulsen beruhen, mittels Strom positiv zu beeinflussen. Dies kann entweder durch eine elektrische Stimulation des Ohres erfolgen oder auch durch eine sogenannte Iontophorese.

Bei der Iontophorese wird ein lokales Betäubungsmittel wie Lidocain gemeinsam mit einer elektrischen Sonde in den Gehörgang eingebracht. Die andere Elektrode wird am Körper befestigt. Anschließend wird mittels eines steuerbaren Geräts, das mit den beiden Elektroden verbunden ist, schwacher elektrischer Gleichstrom erzeugt.

Schlechte Bilanz der Elektrotherapie

Eine weitere Möglichkeit, um eine Elektrotherapie durchzuführen, besteht darin, Elektroden in einem mit Wasser gefüllten Behälter zu befestigen. Anschließend taucht der Patient den zu behandelnden Körperteil in das Wasser, wodurch nun ein geringer Strom durch den Körper fließen kann.

Von einer Elektrotherapie bei Tinnitus wird heutzutage eher abgeraten. Zum einen aufgrund des mangelnden Therapieerfolgs, zum anderen ist das Verfahren sehr aufwendig. Darüber hinaus stellte man in einigen Studien fest, dass eine Therapie, bei der elektrischer Strom durch die einzelnen Körperregionen fließt, sogar zu einer Verschlimmerung des Tinnitus führen kann.

Sauerstofftherapie: frische Luft für die Hörzellen

Was genau einen Tinnitus auslöst, ist nicht bekannt. Man nimmt allerdings an, dass die Ohrgeräusche durch einen Sauerstoffmangel im Innenohr aufgrund mangelnder Durchblutung verursacht werden. Durch die Sauerstofftherapie (HBO) ist es möglich, die Sinneszellen wieder ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen, wodurch auch der Tinnitus abgemildert werden kann.

Für die Behandlung nimmt der Betroffene in einer Druckkammer Platz, in der ein gewisser Überdruck (entspricht in etwa einem Überdruck, wie er in 18 Metern Wassertiefe herrschen würde) erzeugt wird. Anschließend setzt er eine Maske auf und atmet reinen Sauerstoff ein. Die geschädigten Sinneszellen sollen dadurch besser durchblutet werden und sich wieder erholen können.

Nutzen nicht nachgewiesen

Die Therapie mit Sauerstoff kann bei akutem Tinnitus, der z.B. durch ein Lärmtrauma entstanden ist, oder auch bei einem Hörsturz begrenzt Erfolge bringen, wenn andere Behandlungsverfahren keine positive Wirkung zeigen. Allerdings liegen für die Sauerstoff-Überdruck-Behandlung nach wie vor keine Wirksamkeitsnachweise vor, weder beim chronischen noch beim akuten Tinnitus.

Außerdem ist die Therapie relativ aufwendig und teuer und auch nicht für jeden geeignet. Zudem werden die Kosten für die Behandlung mit Sauerstoff von den Krankenkassen nur in Ausnahmefällen übernommen. Darüber hinaus geht man auch von einem hohen Placebo-Effekt aus, da die Behandlung an und für sich sehr aufwendig und eindrucksvoll ist.

Des Weiteren muss Folgendes beachtet werden: Eine Sauerstofftherapie ist, wenn überhaupt, nur in den ersten 30 Tagen nach Eintreten eines akuten Tinnitus sinnvoll und sollte täglich über einen Zeitraum von 10 Tagen erfolgen.

Kann man Tinnitus wirklich mit Laser behandeln?

Nein. Dennoch gibt es immer wieder Fachärzte, die bei Tinnitus eine Therapie mit einem Softlaser anbieten. Die Energie bei diesen Geräten ist zwar so niedrig, dass es nicht zu Gewebeschädigungen kommen kann; der Nutzen einer solchen Behandlung ist jedoch äußerst fragwürdig.

In seriösen Studien durchgefallen

Zwar existieren einige neuere Studien, welche die positive Wirkung einer Laser-Therapie gegen chronischen Tinnitus bestätigt haben wollen. Tatsache ist aber, dass es bis heute keine wissenschaftlich allgemein anerkannte Behandlungsmethode gibt, die die Ohrgeräusche nachweislich lindern kann.

Darüber hinaus wurden bereits zahlreiche andere Studien veröffentlicht, die alle zum Ergebnis kommen, dass die Lasertherapie keinerlei positive Wirkung auf die Tinnitusbehandlung hat – vom Placebo-Effekt ("Scheinbehandlung") mal abgesehen.

Ziel verfehlt

Dass die Lasertherapie zur Behandlung von Ohrgeräuschen nur wenig medizinische Anerkennung erfährt, hat verschiedene Gründe. Ziel der Laser-Therapie ist es, die Durchblutung im Innenohr durch das Licht zu stimulieren, was sich wiederum positiv auf die Regeneration der im Hörorgan ("Schnecke") gelegenen Sinneszellen auswirkt. Zudem soll der Laser den Energiestoffwechsel in den Haarsinneszellen steigern.

Allerdings gibt es ein wesentliches Problem: Die Lichtstrahlen des Lasers werden stark gebündelt und können zwar punktgenau sehr viel Energie abgeben. Da die Haut aber schlecht lichtdurchlässig ist, streut das gebündelte Licht im Gewebe bereits in der obersten Hautschicht. Das heißt, das Lichtbündel verliert auf dem Weg an Energie, und die Laserstrahlen können nur sehr gering in das Gewebe eindringen.

Das bedeutet: Je weiter das Licht des Lasers über die Ohrkanäle zum Innenohr vordringt, desto geringer wird die Energie, sodass in der Hörschnecke schließlich gar kein Licht mehr ankommt. Der Laserstrahl erreicht die Sinneszellen im Innenohr also gar nicht und kann somit auch den Tinnitus in keiner Weise beeinflussen.

Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich die Wirksamkeit der Lasertherapie daher kaum erklären und erfährt aus diesem Grund nur wenig Anerkennung.

Fragwürdiges Geschäftsmodell

Außerdem: Die Therapie ist mit hohen Behandlungskosten (etwa 200 Euro pro Sitzung) verbunden, die aufgrund des fehlenden Wirksamkeitsnachweises auch nicht von der Krankenkasse rückerstattet werden.

Als Betroffener können Sie sogar selbst eine Lasertherapie mittels Softlaser an sich durchführen. In Apotheken und im Internet werden verschiedene Softlaser-Geräte (sogenannte Tinni Tools) zur Selbstbehandlung angeboten. Die Anschaffungskosten für ein solches Gerät liegen zwischen 300-500 Euro. Dieses Geld ist an anderer Stelle mit Sicherheit sinnvoller investiert.

Tinnitus: Wann ist ein Aufenthalt in einer Klinik sinnvoll?

Ob ein Aufenthalt in einer Klinik sinnvoll ist, hängt davon ab, wie sehr der Betroffene unter dem Ohrensausen leidet. Der Leidensdruck bei Tinnitus kann dabei in vier unterschiedliche Schweregrade (Grad 1 bis 4) eingeteilt werden.

Lästig, aber auszuhalten: Kompensierter Tinnitus

Ein Ohrengeräusch kann sich auf den Alltag und die berufliche Situation eines Menschen ganz unterschiedlich auswirken. Manche empfinden den Dauerbegleiter im Ohr zwar als lästig, kommen aber damit zurecht und haben sich mit dem Störenfried arrangiert (Grad 1).

Andere nehmen den Tinnitus vor allem dann wahr, wenn es um sie herum still ist. Kommen dann noch Stress und weitere Belastungen hinzu, stört das Ohrengeräusch immer mehr (Grad 2).

Bis zu diesem Stadium ist ein Tinnitus ambulant meist gut zu behandeln. Wer nur gelegentlich unter einem leichten Ohrensausen leidet und dadurch keine wesentliche Einschränkung der Lebensqualität erfährt, muss sich also nicht in eine stationäre Therapie begeben.

Dekompensierter Tinnitus: Klinik sinnvoll

Beeinträchtigt der Tinnitus das Leben jedoch dauerhaft, geht mit weiteren Beschwerden einher oder ist Auslöser für eine psychische Erkrankung (Depressionen, Schlafstörungen oder Angststörungen), gilt er als chronisch und nicht mehr kompensiert (Grad 3 und 4). Das bedeutet, der Betroffene hat ihn nicht mehr im Griff und lässt sich immer mehr von ihm vereinnahmen. In diesem Fall sollte unbedingt eine stationäre Behandlung in Betracht gezogen werden.

In Deutschland gibt es mittlerweile einige Kliniken, die sich auf die Behandlung von Menschen mit chronischem Tinnitus spezialisiert haben. Häufig werden dabei verschiedene Therapieverfahren miteinander kombiniert.

Neben dem Erlernen von unterschiedlichen Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelentspannung, Physiotherapie, Tinnitus-Retraining-Therapie oder Counseling kommen auch Hörtherapie und eine Psychotherapie zum Einsatz. Zudem verfügen spezialisierte Kliniken und Krankenhäuser über qualifizierte Ärzte und Therapeuten, sodass jede Behandlung von einem Experten durchgeführt werden kann.

Schweregrad kann sich ändern

Ob für Sie eine stationäre Behandlung in Frage kommt, sollten Sie mit Ihrem Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder auch mit Ihrem Psychotherapeuten überlegen. Auch Ihr Hausarzt, der Sie vielleicht schon länger kennt, kann Ihnen einen Rat erteilen und Sie gegebenenfalls weitervermitteln.

Grundsätzlich kann es sein, dass man, unterstützt durch eine ambulante Therapie, zunächst gut mit dem Störgeräusch im Ohr zurechtkommt. Je nach Lebenssituation kann sich der Tinnitus aber im Verlauf auch verstärken und irgendwann zu einer deutlichen Belastung im Alltag werden. Dann ist ein Aufenthalt in einer Klinik ratsam.

Tinnitus: Muss ich meine Ernährung umstellen?

Eine gesunde Ernährung, die alle wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge enthält, ist wichtig, damit alle Körperfunktionen – und damit auch das Hören – reibungslos funktionieren. Fehlt es dem Körper hingegen an Nährstoffen wie Kohlenhydrate, Fett, Eiweiß oder Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, drohen Beschwerden.

Nahrung für die Ohren

Auch beim Hören laufen im Innenohr verschiedene Funktionen ab, die nur dann einwandfrei funktionieren können, wenn der Körper mit allen wichtigen Nahrungsbestandteilen ausreichend versorgt ist. Die feinen Sinneszellen im Ohr brauchen bestimmte Nährstoffe, um ihrer Aufgabe, den Höreindruck weiterzuleiten, nachgehen zu können. Eine gesunde Ernährung ist daher nicht nur für Menschen mit Tinnitus wichtig, sondern generell für jeden anderen Menschen auch.

Vor allem Vitamine und Mineralstoffe sind für das Hören wichtig, da der Körper sie bis auf einige wenige Ausnahmen nicht selbst herstellen kann. Eine längerfristige einseitige Ernährung (z.B. hoher Zucker- und Fettkonsum und nur wenig Gemüse oder Obst) führt dazu, dass die Hörzellen im Innenohr nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden, was wiederum eine Funktionsminderung oder sogar Absterben der Hörzellen zufolge haben kann. Aus diesen Gründen ist die Ernährung ein wichtiges Therapieelement in der Behandlung des chronischen Tinnitus.

Tipps zur ausgewogenen Ernährung

Menschen mit Ohrengeräuschen können sich generell an folgende Ernährungsempfehlungen halten:

  • zu frischen Nahrungsmitteln greifen, vor allem viel frisches Obst und Gemüse (Fertigprodukte vermeiden)
  • Vollkorn- statt Weißmehlprodukte
  • möglichst fettarmes Essen
  • auf Kaloriengehalt des Essens und Trinkens achten
  • wenig salzhaltige Lebensmittel zu sich nehmen
  • maßvoller Umgang mit Zucker
  • auf Alkohol verzichten (bzw. nur in geringen Maßen)

Diät bei Tinnitus?

Bei einigen Tinnitus-Patienten kann der Arzt auch zur Einhaltung einer speziellen Diät raten. Die sogenannte Schrothkur kann zum Beispiel als begleitende Therapiemaßnahme bei Tinnitus sinnvoll sein.

Die Schrothkur ist ein Naturheilverfahren, bei dem nur bestimmte Nahrungsmittel verzehrt werden dürfen. Sie soll der Entschlackung und Reinigung des Körpers dienen und die Selbstheilungskräfte anregen. Zudem wird die Kur durch verschiedene physikalische Anwendungen wie beispielsweise Wickel und Kneipp-Anwendungen begleitet, die zusätzlich zu einer intensiven körperlichen Erholung beitragen sollen.

Ggf. manche Lebensmittel meiden

Zur Einhaltung einer Diät kann der Arzt aber auch dann raten, wenn eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vorliegt. Bei einigen Tinnitus-Betroffenen kommt es vor, dass sich das Ohrensausen nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel wie Wein, Käse oder Nüsse verschlimmert. Hier kann es sinnvoll sein, eine gewisse Zeit auf diese Substanzen zu verzichten und den Effekt abzuwarten.

Jeder muss selbst für sich herausfinden, was ihm guttut. Es kann durchaus sinnvoll sein, hier einiges auszuprobieren.

Vorsicht vor einseitiger Ernährung

Wichtig: Eine Diät birgt immer die Gefahr, dass der Körper nicht mit allen wichtigen Nahrungsbestandteilen (Vitaminen und Mineralstoffen) versorgt wird. Sie sollte daher immer nur in Zusammenarbeit mit einem Arzt oder einem Ernährungsberater und nur für eine gewisse Zeit durchgeführt werden.

Wie Sie an den allgemeinen Empfehlungen sehen können, gelten für Menschen, die unter Tinnitus leiden, keine anderen Regeln als für andere Menschen auch. Es mag zwar wie eine Binsenweisheit klingen, aber gutes und vollwertiges Essen braucht unser Körper schlichtweg. Bei all den Aufgaben, die er von früh bis spät zu erledigen hat, sollten wir auf ihn achten und ihn auch gut versorgen.

Kann Alkohol einen Tinnitus verschlimmern?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Der Genuss von Wein, Bier oder anderen alkoholischen Getränken kann sich in unterschiedlicher Weise auf einen Tinnitus auswirken. Alkohol besitzt eine anregende Wirkung, die auch die Aufmerksamkeit auf das Ohrengeräusch steigern kann.

Fokussierung oder Ablenkung – beides möglich

Bei einigen Menschen kann bereits eine geringe Menge Alkohol bewirken, dass sie sich mehr auf den Tinnitus konzentrieren und ihn dadurch stärker und unangenehmer wahrnehmen. Eine Überempflindlichkeit gegenüber Geräuschen ist grundsätzlich ein häufiges Begleitphänomen bei Tinnitus. Alkohol kann die Sensibilität weiter steigern und Betroffene noch empfindsamer machen.

Allerdings ist es auch möglich, dass der Konsum von Alkohol zu einer Verbesserung des Tinnitus führt. Zum einen können alkoholische Getränke entspannend wirken, was wiederum einen positiven Effekt auf den Tinnitus hat.

Zum anderen kann der Genuss von Alkohol die Konzentration und Aufmerksamkeit des Betroffenen auf sein Ohrenrauschen auch mindern, sodass der Tinnitus als weniger schlimm wahrgenommen wird.

Akut tabu, ansonsten in Maßen

Wichtig: Die angenommene positive Wirkung von Alkohol bei Tinnitus soll kein Freibrief für einen unüberlegten Alkoholgenuss sein. Denn im Übermaß getrunken kann er zu zahlreichen gesundheitlichen Schäden führen.

Als Fazit ist festzuhalten: Allgemeine Ratschläge zum Umgang mit Alkohol bei Tinnitus gibt es nicht. Welche Wirkung der Genuss von Alkohol bei Tinnitus hat, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Experten raten bei akutem Tinnitus eher dazu, auf Alkohol zu verzichten oder den Alkoholkonsum zumindest einzuschränken. Ansonsten ist je nach individueller Veranlagung und Wohlbefinden gegen einen maßvollen Konsum nichts einzuwenden.

Darf ich mit Tinnitus noch Kaffee trinken?

Ja. Das Gerücht, dass Kaffee oder andere koffeinhaltige Getränke wie Schwarztee, Cola oder Energy-Drinks einen Tinnitus verschlimmern können, hält sich hartnäckig, ist aber falsch. Bis heute gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis für diese Behauptung.

Verzicht bringt nichts

Wer unter Ohrensausen leidet, muss daher nicht auf die morgendliche Tasse Kaffee verzichten. Ganz im Gegenteil. Neuere Studien konnten zeigen, dass sich ein Verzicht auf Koffein eher negativ als positiv auf das Brummen, Klopfen und Piepsen im Ohr auswirken soll.

In einer aufwendigen wissenschaftlichen Studie verabreichten Forscher der Universität Bristol 66 Probanden mit Tinnitus, die normalerweise täglich zwei Tassen Kaffee tranken, wechselweise entweder koffeinhaltigen oder entkoffeinierten Kaffee. Am Ende des 30-tägigen Untersuchungszeitraums stellte die Forschergruppe unter der Leitung von Dr. Lindsay Claire mit Erstaunen fest, dass der Koffeinverzicht die Ohrgeräusche der Teilnehmer nicht im Geringsten lindern konnte. Tendentiell verschlimmerten sich die Tinnitusbeschwerden bei Koffeinentzug sogar eher.

Schützt Koffein sogar vor Tinnitus?

Zu weiteren überraschenden Ergebnissen kam eine kanadische Forschergruppe um Jordan Glicksman von der University of Western Ontario. In einer groß angelegten Studie, in der die Daten von über 65.000 Frauen im mittleren Alter über einen Zeitraum von 18 Jahren untersucht wurden, fanden die Wissenschaftler Folgendes heraus: Je mehr Kaffee die Frauen konsumierten, desto weniger anfällig waren sie für einen Tinnitus.

Dabei muss erwähnt werden, dass zu Beginn der Studie keine der Frauen unter Ohrensausen litt. Rund 18 Jahre später waren es 5.289 Teilnehmerinnen, bei denen ein Tinnitus erstmals auftrat.

In der Studie stellten die Forscher also einen Zusammenhang zwischen dem Kaffeekonsum und dem Auftreten von Ohrgeräuschen fest. Das Kaffeetrinken konnte das Risiko für Ohrgeräusche sogar um mehr als ein Fünftel (21%) im Vergleich zu Abstinenzlern senken.

Studien nicht überbewerten

Allerdings konnten die Wissenschaftler in Ihrer Studie nicht feststellen, ob sich Koffein auch bei einem bereits bestehenden Tinnitus positiv auswirkt. Der Zusammenhang zwischen Koffein und Tinnitus konnte bisher nur für die Vorbeugung von Ohrgeräuschen nahegelegt werden. Um genauere Aussagen darüber machen zu können, sind noch weitere wissenschaftliche Studien notwendig.

Man muss außerdem dazu sagen, dass die Forscher zu den Hintergründen der Wirkung von Koffein wenig sagen konnten. Allgemeine Wirkungen von Koffein im zentralen Nervensystem sind zwar bekannt; welchen Einfluss die Substanz jedoch auf das Innenohr hat und wie sie sich genau bei Tinnitus auswirkt, ist nicht bekannt.

Die Studie basiert daher auf reinen Beobachtungen über einen langen Zeitraum hinweg. In 18 Jahren können sich auch zahlreiche weitere Einflussfaktoren auswirken, die man nicht alle genau von einem einzigen Kriterium wie dem Kaffeekonsum trennen kann. Direkte Kausalzusammenhänge sind daher immer mit Vorsicht zu genießen.

Die Dosis macht das Gift

Und schließlich sei erwähnt, dass für den behaupteten Schutz vor Tinnitus täglich große Koffeinmengen (mehr als 600 Milligramm) nötig sind. Das entspricht etwa 15 Espresso-Tassen Kaffee oder zwei Liter Cola pro Tag.

Dass der dauerhafte Konsum solch hoher Koffeinmengen (und weiterer schädlicher Inhaltsstoffe vor allem in Cola) aus einer Reihe von Gründen nicht gesund ist, dürfte jedem einsichtig sein. Daher sollte man von einer Eigentherapie mit Koffein Abstand halten.

Stattdessen gilt wie so oft: In Maßen genossen spricht nichts gegen die tägliche Ration Kaffee.

Welche Hausmittel helfen bei Tinnitus?

Es gibt viele verschiedene Hausmittel, die dabei helfen können, einen Tinnitus abzumildern. Nachfolgend einige Tipps, die zur Verbesserung der Durchblutung beitragen können und zusätzlich das allgemeine Wohlbefinden und die Konzentration steigern.

Für (akustische) Ablenkung sorgen

Absolute Stille kann dazu führen, dass sich Betroffene noch mehr auf das Ohrgeräusch konzentrieren und es stärker wahrnehmen. Vermeiden Sie Stille daher und sorgen Sie selbst dafür, sich von den inneren Tönen bewusst abzulenken, zum Beispiel durch leise Musik im Hintergrund.

Treiben Sie in Ihrer Freizeit zudem Sport, gehen Sie spazieren oder unternehmen Sie etwas mit Ihren Freunden, um sich bewusst vom Tinnitus abzulenken. Kurzum: Schenken Sie dem Tinnitus so wenig Aufmerksamkeit wie möglich.

Entspannungsübungen gegen Stress

Stress spielt eine große Rolle bei der Entstehung von Tinnitus. Sehr oft ist er der Auslöser für das Piepsen im Ohr. Experten vermuten, dass die starke Ausschüttung des Stresshormons Kortisol zu einer schlechteren Durchblutung des Innenohrs führen könnte.

Vermeiden Sie daher Stress am Arbeitsplatz und in Ihrer Freizeit. Das Erlernen von Entspannungsübungen (z.B. Atemübungen) kann nicht nur helfen, Stress für den Moment besser abzubauen, sondern auch, langfristig besser damit umzugehen. Spezielle Kurse wie Yoga, autogenes Training oder Qi Gong sind weitere gute Ansatzpunkte für eine bessere Stressbewältigung.

Auf eine gesunde Lebensweise achten

Schlafen Sie viel und treiben Sie regelmäßig Sport. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist außerdem bedeutsam, damit die Haarzellen im Innenohr mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt werden.

Zudem sollten Sie darauf achten, genügend zu trinken (2 bis 3 Liter am Tag). Tipp: Trinken Sie entspannungsfördernde Tees mit Melissenblättern, Hopfenzapfen oder Baldrianwurzel. Außerdem sollten Sie Alkohol nur in Maßen genießen und auf das Rauchen verzichten.

Ohrenstöpsel zum Lärmschutz

Wer unter einem Tinnitus leidet, sollte sein Gehör nicht noch zusätzlich mit Lärm belasten. Das heißt: Vermeiden Sie laute Musik und Lärm und tragen Sie bei einem Konzertbesuch oder anderen Anlässen, bei denen es lauter werden könnte, Ohrenstöpsel, um den Lärm abzumildern.

Regelmäßige Selbstmassage

Mit regelmäßig durchgeführten Massagen können Sie wiederum die Durchblutung der Ohren fördern. Legen Sie Zeige- und Mittelfinger hinter das Ohr und massieren Sie diesen Bereich für eine Minute lang in kleinen kreisenden Bewegungen. Die Durchblutung zum Ohr wird dadurch verstärkt.

Zur Entspannung der Nackenmuskulatur können Sie auch Ihren Nacken (z.B. mit einem Massageball oder einfach mit den Fingern) massieren.

Heilkräuter oder Heilpflanzen

Der Ginkgobaum oder auch Ginkgo biloba ist ein beliebtes Hausmittel bei Tinnitus. Die Blätter der Heilpflanze sollen blutverdünnende Inhaltsstoffe enthalten und die Fließeigenschaft des Blutes im Innenohr verbessern. Zudem soll das Ginkgo-Extrakt antibakterielle Eigenschaften (z.B. bei einer Infektion der Ohren) besitzen und allgemein zur Gesundheit der Ohren beitragen.

Weitere Heilkräuter, die helfen können, sind: Baldrian, Hopfen, Königskerze, Lavendel, Melisse, Passionsblume.

Entzündungshemmende Kräuter und Gewürze

Kurkuma, Ingwer, Löwenzahn, Oregano und Knoblauch wirken entzündungshemmend und stärken die körpereigenen Abwehrkräfte. Sie sollten daher öfters zur Zubereitung von Speisen verwendet werden, können aber auch als Extrakt eingenommen werden.

Tinnitus: Was hilft bei einer Geräuschüberempfindlichkeit?

Einige Menschen mit Tinnitus leiden zusätzlich an einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um mit einer sogenannten Hyperakusis besser umgehen zu können. Generell empfiehlt es sich, mehrere Behandlungsverfahren miteinander zu kombinieren. Dazu zählen:

Psychotherapie und Entspannungsmethoden

Die Ursachen, warum jemand überempfindlich auf Geräusche reagiert, können sehr unterschiedlich sein. Neben einem Tinnitus kommen als Auslöser für die akustische Störung auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angsterkrankungen in Frage. Auch übermäßige Sorgen, Dauerstress sowie große seelische Belastungssituationen können eine Hyperakusis begünstigen.

Daraus wird ersichtlich, wie nahe beieinander diese Erkrankungen liegen und wie eng sie miteinander verzahnt sind. Denn psychische Belastungen spielen meist auch eine große Rolle, wenn sich ein Ohrengeräusch entwickelt. Eine erhöhte Sensibilität gegenüber Geräuschen ist daher ähnlich wie ein Tinnitus oft Ausdruck einer psychischen Überforderung und ein Warnsignal unseres Körpers, das man nicht ignorieren sollte.

Besseres Stressmanagement

Mithilfe einer psychotherapeutischen Behandlung gelingt es Menschen, die viele Geräusche als unangenehm laut empfinden, besser, mit Stress umzugehen, wodurch das körperliche und psychische Wohlbefinden steigt. In einer Psychotherapie werden verschiedene Strategien zur Bewältigung von Stress vermittelt. Dadurch kann eine Hyperakusis innerhalb eines Jahres deutlich gemildert werden oder sogar vollkommen verschwinden.

Auch eine Geräuschüberempfindlichkeit, die als Begleiterscheinung eines Tinnitus auftritt, lässt sich wie dieser selbst durch Psychotherapie gut behandeln. Verschwindet der Tinnitus, geht meist auch die Hyperakusis wieder weg.

Hörtherapie und Rauschgeräte (Noiser)

Eine Hörtherapie kann dabei helfen, dass sich der Betroffene allmählich wieder an die Alltagsgeräusche gewöhnt. Hier wird die allgemeine Hörwahrnehmung trainiert. Daneben werden gezielte Übungen zum gelasseneren Umgang mit Höreindrücken durchgeführt.

Zudem kann auch ein sogenannter Noiser (Rauschgerät) eingesetzt werden, der im Ohr getragen wird und ein ständiges angenehmes Geräusch (z.B. Meeresrauschen) abgibt. Der Sinn eines solchen Gerätes ist, dass das Gehirn lernt, störende Ohrengeräusche weniger wichtig zu nehmen und ihnen immer weniger Beachtung zu schenken. Der Betroffene soll seine Angst und sein Vermeidungsverhalten gegenüber Geräuschen abbauen, indem er (genauer gesagt sein Gehirn) lernt, weniger überaktiv darauf zu reagieren. Dieser Prozess kann allerdings ein paar Monate dauern.

Aufklärung und Beratung

Außerdem ist es wichtig, dass sich Betroffene mit Hyperakusis ausreichend über ihre Erkrankung informieren und die Hintergründe der Störung verstehen. In einem sogenannten neurootologischen Counseling werden sie über mehrere Wochen hinweg ausführlich beraten und erhalten Aufschluss über das Krankheitsbild. Denn nur wenn man weiß, womit man es zu tun hat, kann man ein Problem auch angehen.

Eventuell unterstützend: Medikamente

Möglicherweise kann auch der Einsatz von Medikamenten, die den Botenstoff Serotonin im Gehirn beeinflussen, hilfreich sein. Serotonin spielt eine große Rolle für unser psychisches Wohlbefinden und die Stimmung und kommt unter anderem auch bei der Behandlung von Depressionen zum Einsatz.

Allerdings sind für die Wirkung bei einer Geräuschüberempfindlichkeit noch weitere Studien notwendig. Zudem sollte die Einnahme von Medikamenten nicht vorschnell erfolgen, da jedes Arzneimittel mit Nebenwirkungen verbunden sein kann.

Generell lässt sich sagen: Wer unter einer akustischen Überempfindlichkeit leidet, hat gute Chancen, mittels psychologischer Hilfe wieder robuster gegenüber den alltäglichen Geräuschkulissen zu werden.

Unbehandelt hingegen ist es möglich, dass sich eine Geräuschüberempfindlichkeit immer weiter verstärkt oder sich daraus sogar ein Tinnitus entwickelt. Denn ein sensibilisiertes Hörsystem, das überempfindlich auf akustische Signale reagiert, kann auch die Entstehung eines Tinnitus begünstigten.

Autoren:  & Nina Schratt-Peterz

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. S3-Leitlinie: Chronischer Tinnitus. Stand 28.02.2015. Online unter www.awmf.org (Zugriff am 16.05.2019).
  • Deutsche Tinnitus-Liga e.V. Gemeinnützige Selbsthilfeorganisation gegen Tinnitus, Hörsturz und Morbus Menière. Online unter www.tinnitus-liga.de (Zugriff am 16.05.2019).

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