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Gürtelrose (Herpes Zoster): Ursachen, Symptome, Behandlung

Woher kommt die Bezeichnung Gürtelrose? Wer ist von dieser Erkrankung betroffen und wann kann es gefährlich werden? Diese und viele weitere Fragen rund um das Thema Herpes Zoster beantworten wir im folgenden Beitrag.

Grundlagen und Ursachen

Was ist das Varizella-Zoster-Virus?

Das Varizella-Zoster-Virus (VZV) ist – ebenso wie das Herpes-simplex-, das Epstein-Barr- und das Zytomegalie-Virus – ein DNA-Virus aus der Familie der Herpesviren. Der auch unter der Bezeichnung HHV-3 (humanes Herpesvirus Typ 3) bekannte Erreger hat als einziges bekanntes Reservoir den Menschen.

Zuerst Windpocken, dann Gürtelrose

Das VZV ist sowohl für das Auftreten der Windpocken (Varizellen) als auch für die Gürtelrose (Herpes Zoster) verantwortlich. Die Erstansteckung mit dem Virus erfolgt meist in der Kindheit als Tröpfcheninfektion über die Luft (durch Husten, Sprechen, Niesen) oder über den direkten Kontakt mit dem hochansteckenden Bläscheninhalt. Diese Erstinfektion zeigt sich dann als Windpockenerkrankung.

Die Gürtelrose bzw. der Herpes Zoster stellt dagegen eine Sekundärinfektion des VZV dar. Damit eine Gürtelrose entstehen kann, muss also irgendwann ein Kontakt mit dem Varizella-Zoster-Virus stattgefunden haben. Der Zoster ist somit nichts anderes als eine Reaktivierung dieses im Körper verbliebenen Virus.

Was ist eine Gürtelrose?

Während die Windpocken die Erstinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus (VZV) darstellen, handelt es sich bei der Gürtelrose (Herpes Zoster) um eine Sekundärinfektion – meist als sogenannte „endogene Reaktivierung“ des bereits vor langer Zeit erworbenen Erregers.

Reaktivierung führt zur Gürtelrose

Doch was bedeutet eigentlich endogene Reaktivierung? Wie bei anderen Herpesviren auch, ist es auch beim VZV so, dass die meist in der Kindheit – im Rahmen einer Windpockenerkrankung – erworbenen Erreger lebenslang in unserem Körper verbleiben. Nach ihrem Eindringen über Haut oder Schleimhaut schlummern sie quasi jahrelang vor sich hin, ohne irgendwelche Probleme zu verursachen.

Während dieser „latenten Phase“ verharren die Viren in den Hirnnerven- und Spinalganglien (Ansammlung von Nervenzellkörpern im Bereich des Kopfes und des Rückenmarks). Und zwar so lange, bis ihnen unser (geschwächtes) Immunsystem die Chance gibt, sich erneut zu vermehren und sich dann als Herpes Zoster zu präsentieren.

Woher stammt der Name "Gürtelrose"?

Den Namen Gürtelrose verdankt der Herpes Zoster übrigens seinem meist charakteristischem Hautausschlag. Bei vielen Betroffenen zeigt sich der Zoster hierbei meist in Form einer halbseitigen, gürtelförmigen Rötung mit flüssigkeitsgefüllten, brennenden Bläschen.

Am häufigsten findet sich die Gürtelrose am Rumpf oder Brustkorb, und zwar normalerweise auch „streng“ entlang eines oder mehrerer Dermatome (Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel). Ein Dermatom ist definiert als streifen- bzw. gürtelförmiger Hautbezirk, der von den sensiblen Fasern eines Hirn- oder Rückenmarksnerven versorgt wird.

Die Lokalisation der Gürtelrose wird also durch das Versorgungsgebiet der Nerven bestimmt, in denen die Viren jahrelang unbemerkt verharrt haben.

Ursachen der Gürtelrose

Wie entsteht eine Gürtelrose?

Grundvoraussetzung für die Erkrankung an einer Gürtelrose (Herpes Zoster) ist, dass irgendwann zuvor ein Kontakt mit dem Varizella-Zoster-Virus (VZV) stattgefunden haben muss. Die meisten Menschen erwerben das Virus im Rahmen einer Windpockenerkrankung in der Kindheit.

Wie andere Herpesviren auch, verbleiben einige der VZV oft jahrelang völlig symptomlos in unserem Körper (in den Nervenzellkörpern der Hirn- und Rückenmarksnerven) bis sie infolge einer schwachen Immunabwehr wieder aktiviert werden.

Reaktivierung

Es kommt zu einer „umgekehrten“ Wanderung der Viren von den Nervenzellen zurück zur Haut und somit zur Entstehung der Gürtelrose.

Wann erkranken Menschen an Gürtelrose?

Klassischerweise tritt der Herpes zoster gerne im höheren Alter auf, wenn es naturgegeben bei den meisten Menschen auch zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit des Immunsystems kommt. Doch nicht nur das fortgeschrittene Lebensalter spielt eine Rolle. Risikofaktoren, die eine Gürtelrose auslösen können, sind:

  • höheres Alter
  • krankheitsbedingte Abwehrschwäche (z. B. durch Tumorerkrankungen, HIV)
  • Autoimmunerkrankungen
  • angeborene Immunschwäche (z. B. DiGeorge-Syndrom)
  • immunsuppressive Behandlungen (z. B. durch Medikamente, die im Rahmen einer Organtransplantation gegeben werden und das Immunsystem unterdrücken)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Traumata inklusive Nervenverletzungen
  • UV-Strahlung, Röntgenstrahlung
  • Stress
Kann Zoster auch bei jungen Menschen vorkommen?

Ja, gelegentlich tritt der Herpes Zoster auch spontan bei jungen, eigentlich gesunden Menschen auf. In solchen Fällen sollte vorsichtshalber immer untersucht werden, ob mit dem Immunsystem der Betroffenen auch alles in Ordnung ist.

Können auch Kinder eine Gürtelrose bekommen?

Ja, allerdings ist das selten. Aber auch bei Kindern kann eine Gürtelrose (Herpes Zoster) nach früherer Windpocken-Erkrankung (oder Impfung) durch Reaktivierung der Viren in Erscheinung treten.

Ist die Gürtelrose ansteckend?

Ja, aber: Durch Kontakt mit den Bläschen der Gürtelrose können die verursachenden Viren auf nicht immungeschützte Menschen übertragen werden und diese infizieren. Aber die meisten Menschen sind geschützt, denn es handelt sich um das Windpocken-Virus. Deshalb kommt es bei einer Ansteckung von ungeschützten Personen auch nicht zu einer Gürtelrose, sondern erst einmal zu Windpocken. Eine direkte Ansteckung mit Gürtelrose gibt es also nicht. Die kann nur entstehen, wenn alte Windpocken-Viren, die im Körper verblieben sind, aus ihrem Winterschlaf erwachen.

Fazit

Keine Gürtelrose ohne vorherige Windpocken. Und da die Windpocken(immunität) so weit verbreitet sind, ist die Ansteckungsgefahr bei Gürtelrose eher gering.

Geimpft oder schon Windpocken oder Gürtelrose gehabt?

Wie hoch ist das Risiko einer Gürtelrose nach überstandener Windpocken-Erkrankung?

Dieses Risiko ist recht hoch und betrifft fast die gesamte hiesige Bevölkerung, von der bis zum Alter von 40 Jahren rund 98% bereits Kontakt mit den Varizella-Zoster-Viren hatte. Bei etwa 20 bis 30% von ihnen kommt es im Laufe des Lebens zu einer Gürtelrose (Herpes Zoster).

Kann man eine Gürtelrose mehrmals bekommen?

Grundsätzlich ja. Normalerweise besteht nach einer akuten Gürtelrose ein recht guter Schutz gegen weitere Ausbrüche. Allerdings kann man in der Praxis beobachten, dass etwa 3 bis 5% der Betroffenen einen oder mehrere Rückfälle erleiden.

Kann eine Gürtelrose auch auftreten, wenn man gegen Windpocken geimpft wurde?

Ja, das ist möglich. Eine Impfung gegen Windpocken kann das Auftreten einer Gürtelrose nicht zuverlässig verhindern.

Zum Verständnis: Die Impfung gegen Windpocken erfolgt mit einem sogenannten Lebend-Impfstoff. Das sind abgeschwächte Viren, die sich anschließend im Körper des Geimpften vermehren, ohne die typischen Krankheitserscheinungen einer echten Infektion hervorzurufen. Die Viren sind allerdings da und können offenbar auch reaktiviert werden.

Wie häufig kommt so eine Reaktivierung nach Impfungen vor?

Wohl seltener als bei nichtgeimpften Menschen. Darauf lassen Studien schließen, die aufzeigen, dass geimpfte Kinder 3 bis 12-mal seltener an Herpes Zoster erkranken. Zudem scheinen die Symptome einer Gürtelrose bei bestehender Windpocken-Impfung geringer auszufallen.

Effektivität der Impfung

Da die Impfung in Deutschland erst seit 2004 für alle Kinder (11 bis 14 Monate) offiziell empfohlen wird, ist die Datenlage für ältere Menschen noch dürftig. Die Zahl der Windpockenerkrankungen ist jedenfalls bereits deutlich gesunken. Und das nicht nur in den Impfjahrgängen, sondern auch bei den (nicht nachgeimpften) Erwachsenen.

Kein Grund gegen die Windpocken-Impfung

Die Behauptung, dass man nach der Impfung gegen die Windpocken als Erwachsener Gürtelrose bekäme, trifft jedenfalls so nicht zu und ist irreführend, vor allem dann, wenn sie als Argument gegen die Windpocken-Impfung angeführt wird.

Ist die Gürtelrose ein Hinweis auf eine Immunschwäche oder andere Erkrankung?

Eine Immunschwäche kann beim Auftreten einer Gürtelrose tatsächlich vorliegen. Eine andere Erkrankung ist in der Mehrzahl der Fälle aber glücklicherweise nicht die Ursache.

Die Gürtelrose kann in jedem Alter auftreten, unabhängig von der Abwehrkraft. Gehäuft tut sie dies allerdings im vorgerückten Alter jenseits des fünften Lebensjahrzehnts, wenn auch die Abwehrkräfte anfangen nachzulassen. 

Auch Medikamente wie Kortison können Auslöser sein

Aber durch was kann die Immunabwehr plötzlich schwächer sein? Medikamente wie zum Beispiel Kortison, die über eine Dämpfung des körpereigenen Immunsystems wirken, können die Entstehung einer Gürtelrose begünstigen. Auch chronische Leiden, Stress, psychische Belastungen sowie eine angeborene oder erworbene Immunschwäche kommen in Frage. Sogar Sonnenlicht kann die ursächlichen Herpesviren reaktivieren. In den meisten Fällen bleibt die Ursache einer Gürtelrose aber letztlich unbekannt.

Nur selten ist die Gürtelrose tatsächlich die Folge einer extrem immunschwächenden Erkrankung. Dazu zählen unter anderem Aids oder die Hodgkin-Krankheit. Dann liegen normalerweise aber auch weitere Anzeichen vor, die beim Arztbesuch abgeklärt werden können.

Symptome

Was sind die Symptome der Gürtelrose?

Anders als bei einer Windpocken-Erkrankung (bei der der ganze Körper betroffen ist), treten die Hautveränderungen im Rahmen der klassischen Gürtelrose meist nur einseitig und örtlich stark begrenzt auf.

Die Lokalisation des Zoster-bedingten Hautausschlags hängt dabei vom Versorgungsgebiet der Nervenstränge ab, die das Varizella-Zoster-Virus jahrelang symptomlos beherbergt haben. Man spricht beim Herpes Zoster deshalb auch von einer segmentalen oder Dermatom-bezogenen Erkrankung.

Charakteristisches Erscheinungsbild

Klassischer Symptom- bzw. Erkrankungsverlauf eines Herpes zoster (Gürtelrose):

  • Beginn oft mit unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, leichte Temperaturerhöhung, Verdauungsbeschwerden sowie neuralgiforme (brennende, stechende) Schmerzen, gegebenenfalls auch Juckreiz.
  • Zunehmend sichtbar aufschießende, gruppiert stehende Bläschen auf geröteter Haut, die sich gürtel- bzw. bandförmig verteilen.
  • Im Verlauf Eintrübung der Bläschen bis hin zur Pustel- und Krustenbildung.
  • Abfallen der Krusten etwa nach zwei bis drei Wochen. Eine Narbenbildung kann vorkommen, tritt aber eher beim nekrotisierenden Zoster auf.
  • Begleitend zur Gürtelrose treten häufig zosterassoziierte Schmerzen auf, die sowohl einen akuten, subakuten als auch einen schweren chronischen Verlauf aufweisen können und speziell behandelt werden müssen.

Was ist eine Zosterneuralgie?

Woher kommen die typischen Zoster-Schmerzen?

Ein häufiges und vor allem auch wesentliches Problem, das im Zusammenhang mit der Gürtelrose auftritt, sind die sogenannten zosterassoziierten Schmerzen. Ursächlich für diese zum Teil sehr starken Nervenschmerzen ist unter anderem folgender Umstand:

Durch die Reaktivierung der Varizella-Zoster-Viren kommt es häufig auch zu einer Schädigung der vom Erreger betroffenen Nervenzellen. Eine fehlerhafte Schmerzverarbeitung kann dann wiederum zu Nervenschmerzen und Empfindungsstörungen führen, die auch noch Monate nach Abheilung des Hautausschlages (als postzosterische Neuralgie, PZN) fortbestehen können.

Welche Formen der Zoster-Neuralgie gibt es?

Bei den zosterassoziierten Schmerzen unterscheidet man in der Regel folgende drei Varianten:

1. Akute Zosterneuralgie

Brennender, stechender oder pochender Schmerz, der bereits vier bis fünf Tage vor Erscheinen der Hautveränderungen auftreten und bis zu vier Wochen (bis zum Abfallen der Krusten) andauern kann.

2. Subakute Zosterneuralgie

Der Schmerzcharakter ist ähnlich wie bei der akuten Zosterneuralgie, kann aber bis zu vier Monate andauern.

3. (Chronische) postzosterische Neuralgie

Schmerzen, die länger als drei Monate andauern oder nach vorübergehendem Abklingen wieder auftreten. Häufig neuropathische Schmerzen mit brennendem Charakter, die oft begleitet werden von einschießenden, elektrisierenden Schmerzattacken, von gesteigerter Schmerzempfindlichkeit und weiteren Missempfindungen.

Wie gefährlich ist eine Zoster-Neuralgie?

Die Post-Zoster-Neuralgie (PZN) stellt dabei die größte Herausforderung dar, da sie – unzureichend bzw. zu spät behandelt – zur Chronifizierung neigt und mit einem erheblichen Verlust an Lebensqualität für die Betroffenen einhergehen kann.

Frühzeitiges Erkennen kann Schlimmeres verhindern

Eine frühe und intensive antivirale Therapie in Kombination mit einer gezielten Schmerzbehandlung ist für die Prognose der postzosterischen Neuralgie das A und O.

Gibt es Risikofaktoren für die Post-Zoster-Neuralgie?

Ja, es ist bekannt, dass es bestimmte Umstände gibt, die die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer PZN erhöhen können. Zu den Risikofaktoren für die Entwicklung einer postzosterischen Neuralgie gehören:

  • Herpes Zoster im Gesicht
  • hohes Lebensalter
  • das weibliche Geschlecht
  • ein schnell auftretender und stark ausgeprägter Hautausschlag
  • Schmerzen bereits vor Beginn des Hautausschlags
  • intensive akute Schmerzen
  • HIV-Infektion und Tumorerkrankung
  • keine anfängliche antivirale Therapie

Ist eine Gürtelrose in der Schwangerschaft gefährlich?

Im Gegensatz zu den Windpocken stellt eine Gürtelrose während der Schwangerschaft kein erhöhtes Risiko für das Kind dar, obwohl es sich um das gleiche Virus handelt.

Keine Virus-Übertragung auf das ungeborene Kind

Das liegt daran, dass die Gürtelrose (medizinisch: Herpes Zoster) nur im Gefolge einer früheren Windpocken-Erkrankung auftritt. Die in Nervenzellansammlungen verbliebenen Viren werden dort reaktiviert und wandern an die Hautoberfläche, es erfolgt aber keine Virusstreuung über das mütterliche Blut. Darüber hinaus werden die von der Mutter produzierten Antikörper gegen die Varizella-Zoster-Viren (VZV) auf das Ungeborene übertragen und schützen es in den ersten 3-6 Lebensmonaten vor einer Infektion (Nestschutz).

Auch für Schwangere ist die Gürtelrose zwar oft schmerzhaft, aber bei unkompliziertem Verlauf nicht gefährlich.

Windpocken sind allerdings ein Problem

Sollte eine Schwangere dagegen zwischen der 5. und 24. Schwangerschaftswoche erstmalig an Windpocken erkranken, könnte das dagegen tatsächlich ein Problem darstellen. In so einem eher seltenen Fall kann die frische VZV-Infektion der Mutter auf das Ungeborene übertragen werden und zum sogenannten fetalen Varizellensyndrom führen, einer mit schweren Behinderungen einhergehenden Erkrankung des Neugeborenen.

Ein weiteres gesundheitliches Risiko für das Neugeborene stellt eine Windpocken-Erkrankung der Mutter fünf Tage vor bis zwei Tage nach der Geburt dar. Auch hier zeigen sich bei den Neugeborenen schwere Krankheitsverläufe mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 30%.

Komplikationen und Sonderformen

Welche Komplikationen können auftreten?

Normalerweise tritt die Gürtelrose scharf lokalisiert, bevorzugt im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule, bei älteren Menschen auch gerne im Gesicht auf. Es gibt aber auch einige Sonderformen des Herpes Zoster bzw. untypische Verläufe, die dann unter Umständen mit schweren und langwierigen Komplikationen einhergehen können:

Seltene Hirn- und Organschäden

Mögliche Komplikationen, die im Rahmen einer Gürtelrose auftreten können, sind beispielsweise:

  • eine bakterielle Superinfektion durch aufgekratzte Bläschen
  • Sehstörungen bis hin zur Erblindung (möglich beim Zoster ophthalmicus mit Augenbeteiligung
  • Hörstörungen und Gesichtslähmung bzw. Fazialisparese (möglich beim Zoster oticus mit Innenohrbeteiligung)
  • ein Zoster generalisatus (disseminatus) mit großflächigem Befall der Haut und gegebenenfalls lebensgefährlicher Ausbreitung auf innere Organe (bei ausgeprägter Immunschwäche, z.B. bei AIDS oder der Einnahme stark immunsupprimierender Medikamente)
  • eine Meningitis (Hirnhautentzündung) und/oder Enzephalitis (Gehirnentzündung) bei einer ZNS (Zentrales Nervensystem)-Beteiligung des Zosters
  • Zoster haemorrhagicus bzw. Zoster gangraenosus mit eingebluteten Bläschen bis hin zu Geschwüren und anschließender Narbenbildung
  • schmerzhafte Post-Zoster-Neuralgie (PZN) als Spätfolge

Zu Ihrer Beruhigung sei erwähnt, dass viele der genannten Komplikationen (vor allem schwerwiegende, das ZNS und innere Organe betreffende) bei immunkompetenten Personen eher selten auftreten.

Um dennoch potenzielle Komplikationen bzw. Spätfolgen so gering wie möglich zu halten, ist insbesondere die frühzeitige (möglichst innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten der ersten Hautveränderungen), antivirale Therapie äußerst wichtig.

Was ist ein Zoster ophthalmicus?

Beim Zoster ophthalmicus handelt es sich um eine Gürtelrose, die im Bereich des Versorgungsgebietes des 1. Trigeminusastes lokalisiert ist. Der Nervus trigeminus (Drillingsnerv) besteht aus drei Hauptästen mit denen er das Gesicht, die Mundhöhle und die Kaumuskeln versorgt. Der Nervus ophthalmicus (Augenast) ist der erste Hauptast und der Name lässt schon vermuten, dass es bei dieser Form zu gefährlichen Schäden am Auge kommen kann:

Zoster ophthalmicus: Beschwerden und Risiken

Woher weiß ich, dass es ein Zoster ophthalmicus ist?

Wenn Sie klassische Herpes Zoster-Bläschen im Bereich Ihrer Stirn, Ihrer Augen oder gar der Nasenspitze bemerken, dann ist besondere Vorsicht geboten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um einen Zoster ophthalmicus, der etwa 10 bis 20% der gesamten Zoster-Fälle ausmacht.

Warum ist der Zoster ophthalmicus so gefährlich?

Das Problem bei dieser Form der Gürtelrose ist, dass etwa die Hälfte der Betroffenen eine Augenbeteiligung entwickelt, die zum Teil mit schweren Komplikationen einhergehen kann.

Was kann ich tun?

Aufgrund möglicher akuter sowie später Komplikationen ist es sehr wichtig, dass Sie schnellstmöglich von einem Augenarzt untersucht werden und parallel sowohl eine äußerliche als auch eine innerliche (systemische) Therapie mit einem Virostatikum (z.B. Aciclovir) erhalten.

Hier ist Vorsicht geboten

Nehmen Sie einen Zoster ophthalmicus also nicht auf die leichte Schulter, sondern lassen Sie Ihre Augen (entsprechend der fachärztlichen Empfehlung) auch ruhig noch im Verlauf weiterhin kontrollieren. Das Komplikationsrisiko reicht bei dieser Zoster-Variante nämlich leider bis hin zur Erblindung.

Was versteht man unter einem Zoster oticus?

Beim Zoster oticus handelt es sich um eine Variante des Herpes Zoster, die das Ohr betrifft. Bei einem ausgedehnten Befund kann es zu einer Innenohrbeteiligung mit Befall der Hirnnerven VII (Nervus facialis) und/oder VIII (Nervus vestibulocochlearis) kommen, mit entsprechend schweren Nebenwirkungen:

Zoster oticus: Besonderheiten und Komplikationen

Welche Komplikationen sind beim Zoster oticus möglich?

Im Zusammenhang mit einem Zoster oticus können unter anderem folgende Beschwerden auftreten:

  • mäßige bis starke Ohrenschmerzen
  • schmerzhafte Bläschen im äußeren Gehörgang und auf der Ohrmuschel
  • begleitend fieberhafter Infekt
  • vorübergehende oder dauerhafte Gesichtslähmung (Fazialisparese)
  • Schwindel, der Tage bis Wochen andauern kann (durch Beteiligung des N. vestibulocochlearis)
  • Tinnitus mit Hörverlust, der sowohl dauerhaft bestehen bleiben als sich auch teilweise oder vollständig auflösen kann (durch Beteiligung des N. vestibulocochlearis)
  • eventuell Beteiligung weiterer Hirnnerven
Was kann ich tun, was muss ich beachten?

Neben einer zeitnahen Vorstellung beim HNO-Arzt und Neurologen ist es wichtig, dass ein Zoster oticus möglichst schnell mit einem Virostatikum (z.B. Aciclovir) behandelt wird. Die Therapie sollte dabei idealerweise innerhalb von 72 Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome begonnen werden.

Je nach Befund kann es gegebenenfalls erforderlich sein, zusätzlich lokaltherapeutische Maßnahmen (Antibiotikasalbe, Zinklotion) durchzuführen und eine adäquate Schmerztherapie in die Wege zu leiten.

Was ist ein Zoster sine herpete?

Diese Sonderform des Herpes Zoster unterscheidet sich von den anderen Varianten dadurch, dass die Betroffenen zwar alle anderen Symptome aufweisen, allerdings nicht die typischen Bläschen ausbilden. Das macht es sehr schwierig, diese Erkrankung frühzeitig zu erkennen:

Zoster sine herpete: Symptome und Besonderheiten

Wie bemerke ich einen Zoster sine herpete?

Ähnlich den anderen Zoster-Arten ist es auch beim Zoster sine herpete häufig so, dass dieser sich zunächst durch das sogenannte Prodromalstadium ankündigt. Hierbei kann es zu folgenden unspezifischen Beschwerden kommen:

  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • leichte Temperaturerhöhung
  • Juckreiz und neuralgiformen (brennende, stechende) Schmerzen

Schmerzen ohne Bläschen

Während es bei den anderen Unterformen der Gürtelrose im weiteren Verlauf zum Auftreten der charakteristischen herpetiformen Hauterscheinungen kommt, bleiben beim Zoster sine herpete lediglich die einseitig Dermatom-bezogenen, neuropathischen Schmerzen und Missempfindungen bestehen, ohne dass sich Bläschen bilden.

Sehe ich wirklich gar nichts auf der Haut?

Das ist nicht ganz korrekt. Oft tritt begleitend eine Rötung im betroffenen Hautareal auf, welche aber gerne übersehen bzw. nicht in Zusammenhang mit einer möglichen Zoster-Diagnose gebracht wird.

Welche anderen Erkrankungen kommen bei diesen Beschwerden in Frage?

Je nachdem, in welchem Dermatom (Nervenversorgungsgebiet) die Schmerzen auftreten, können folgende Differentialdiagnosen vermutet werden:

Wie kann ein Zoster sine herpete dann überhaupt festgestellt werden?

Heutzutage gilt der Nachweis von Varizella-Zoster-Virus-DNA aus Abstrichen im Bereich der Bläschen als Goldstandard. Da dies beim Zoster sine herpete (aufgrund fehlender Hauterscheinungen) jedoch schwer umzusetzen ist, gilt hier der Nachweis ansteigender Varizella-Zoster-Virus-Antikörper als genaueste Labormethode.

Behandlung

Wie behandelt man eine Gürtelrose?

Bei Menschen ohne Risikofaktoren für Komplikationen heilt die Gürtelrose in der Regel von selbst ab. Ein milder Zoster (an eher unkritischen Stellen wie Arme, Beine oder Rumpf) bei sonst gesunden Erwachsenen unter 50 Jahren, die kein Risiko für einen schweren Verlauf aufweisen, erfordert also nicht zwingend eine systemische antivirale Therapie.

Reine Symptombehandlung

Was man sich in diesem Zusammenhang immer vor Augen führen sollte: Die Gürtelrose ist im eigentlichen Sinne nicht heilbar. Die Viren verbleiben, ob mit oder ohne Therapie, weiterhin im Körper (sie ziehen sich erneut in die Nervenzellkörper zurück) und können theoretisch irgendwann wieder aktiviert werden – was jedoch eher selten passiert.

Es handelt sich bei der Zoster-Therapie also vielmehr um eine stadiengerechte, symptomatische Behandlung mit folgenden drei Hauptzielen:  

  • die akuten Beschwerden, allen voran die Schmerzen, zu lindern
  • den klinischen Verlauf abzumildern, zu begrenzen und abzukürzen
  • akuten und chronischen Komplikationen vorzubeugen

Behandlungsstrategien beim Herpes Zoster

Wie funktioniert die antivirale Therapie?

Für die antivirale Therapie kommen vier Wirkstoffe in Betracht, die in Deutschland zugelassen sind:

  • Aciclovir (Tablette und intravenös)
  • Brivudin (Tablette)
  • Famciclovir (Tablette)
  • Valaciclovir (Tablette)

Vorteil von Brivudin

Brivudin muss im Unterschied zu den anderen Medikamenten nur einmal täglich eingenommen werden, was gerade älteren Menschen zugutekommt. Allerdings müssen bei diesem Wirkstoff besondere Gegenanzeigen bzw. Wechselwirkungen berücksichtigt werden.

Wie sieht der Ablauf der antiviralen Therapie aus?

Anwendungsempfehlung zur antiviralen innerlichen Therapie der Gürtelrose:

  • Aciclovir oral 800 mg 5 x tgl. über 7 Tage
  • Valaciclovir oral 1000 mg 3 x tgl. über 7 Tage
  • Famciclovir oral 250 mg 3 x tgl. über 7 Tage
  • Brivudin oral 125 mg 1 x tgl. über 7 Tage
Gibt es Sonderformen bei der Behandlung?

Ja, bei immungeschwächten Personen oder solchen mit erhöhtem Risiko für einen komplizierten Verlauf wird eine intravenöse antivirale Systemtherapie mit Aciclovir (8 bis 10 mg pro kg Körpergewicht, 3 x tgl. über 7 bis 10 Tage) empfohlen.

Wann ist der beste Zeitpunkt, mit der Behandlung anzufangen?

Mit der antiviralen Therapie sollte so schnell wie möglich begonnen werden, also innerhalb von 48 bis 72 Stunden nach Einsetzen der Hautsymptome. Bei immungeschwächten Personen kann aber auch bei späterem Behandlungsbeginn noch ein wirksamer Effekt nachgewiesen werden.

In folgenden Fällen kann die Einleitung einer antiviralen Systemtherapie ebenfalls noch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen:

  • so lange neue Bläschen entstehen
  • bei einem Zoster ophthalmicus (Augenbefall) oder Zoster oticus (Befall des Ohres)
  • bei Betroffenen mit Zeichen für eine unkontrollierte Ausbreitung auf Haut, innere Organe und Nervensystem

Lokale Behandlung

Die lokale Behandlung hängt vom Stadium des Exanthems (Hautausschlags) ab. Es wird entweder austrocknend und antiseptisch (keimreduzierend) oder krustenlösend behandelt. Eine äußerliche antivirale Therapie wird (laut aktueller Leitlinie) beim rein hautbezogenen Herpes zoster übrigens nicht empfohlen.

Muss man eine Gürtelrose immer mit Tabletten behandeln?

Nein, nicht unbedingt. Grundsätzlich ist der Herpes Zoster selbstlimitierend. Dennoch empfiehlt sich, vor allem bei älteren oder immungeschwächten Personen, ein rasches und konsequentes Vorgehen.

Dass mit einer systemischen (innerlichen) antiviralen Therapie Komplikationen wie z. B. die chronische Zoster-Neuralgie vermieden oder zumindest in ihrem Schweregrad abgemildert werden können, ist bereits durch zahlreiche kontrollierte Studien nachgewiesen worden.

Das sagen die Experten

Entsprechend den Leitlinien von 2019 zur Diagnostik und Therapie des Zoster und der Post-Zoster-Neuralgie, haben wir nachfolgend die aktuellsten Therapie-Empfehlungen zur Gürtelrose für Sie zusammengefasst.

Es wird angeraten, u. a. folgende von einer Gürtelrose betroffene Menschengruppen (bzw. Zoster-Verläufe) mit einer antiviralen Systemtherapie zu behandeln:

  • Zoster-Betroffene, die 50 Jahre und älter sind
  • Personen, die einen Zoster im Kopf-Hals-Bereich aufweisen
  • immunsupprimierte Personen
  • Zoster-Betroffene, die unter bestimmten chronischen Hauterkrankungen (z. B. Neurodermitis, andere Ekzemerkrankungen) leiden
  • Kinder und Jugendliche, die unter einer Langzeittherapie mit topischen (äußerlich anzuwendenden) Kortison-Präparaten stehen
  • Zoster-Verläufe mit mittelschweren bis schweren Schmerzen
  • schwere Zoster-Varianten, die z. B. hämorrhagische (blutige) oder nekrotische (geschwürige, abgestorbene) Hautareale aufweisen, über mehrere Hautsegmente (Dermatome) verlaufen, durch aberrierende (untypisch verlaufende, einzelne) Bläschen auffallen oder mit Schleimhautbefall einhergehen

Tabletten oder Vene

Je nach Befund und Verlauf der Gürtelrose bzw. auch je nach Lebensalter, bestehenden Grunderkrankungen und gegebenenfalls Begleitmedikation kann es übrigens sein, dass statt einer antiviralen Tabletten-Therapie eher eine systemische Behandlung über die Vene (mit Aciclovir) in Betracht kommt.

Diese Therapieform wird in der Regel über mehrere Tage stationär im Krankenhaus durchgeführt und häufig fachübergreifend (von Dermatologen, Neurologen, gegebenenfalls Schmerztherapeuten, etc.) begleitet.

Behandlung der Schmerzen

Wie werden die Schmerzen behandelt?

Das hängt von der Art der Schmerzen ab. Typisch für den Herpes Zoster sind akute Schmerzen im Bereich der befallenen Dermatome (bestimmte Hautareale). Bei der Gürtelrose sollte man in der Regel zwei Schmerzarten unterscheiden:

  • nozizeptive Schmerzen („Wundschmerzen“) – entstehen im Rahmen der akuten Entzündungsreaktion an der Haut
  • neuropathische Schmerzen (Zosterneuralgie) – durch die Ausbreitung der Varizella-Zoster-Viren entlang der Nervenstränge mit entsprechender Begleitentzündung

Wichtig zu wissen

Neuropathische Schmerzen können sehr unterschiedlich und nicht selten auch kombiniert in Erscheinung treten. Neben bohrenden, brennenden Dauerschmerzen leiden viele Betroffene unter kurzen, einschießenden Schmerzattacken, starken Berührungsschmerzen sowie weiteren wechselnden Missempfindungen.

Welche Möglichkeiten gibt es bei nozizeptiven Schmerzen?

Die Leitlinien empfehlen (entsprechend dem WHO-Schmerzstufenschema) beim nozizeptiven Zosterschmerz folgendes Vorgehen:

  • bei geringer Schmerzintensität – z. B. Ibuprofen, Metamizol, Paracetamol)
  • bei mittlerer Schmerzintensität – Kombination von Nicht-Opioid-Analgetika mit schwach wirksamen Opioiden (z. B. Tramadol)
  • bei starker Schmerzintensität – Kombination von Nicht-Opioid-Analgetika mit stark wirksamen Opioiden (z. B. Oxycodon, Tapentadol (Palexia®))
Welche Möglichkeiten gibt es bei neuropathischen Schmerzen?

Bei neuropathischen Schmerzen wird folgende Behandlungsstrategie empfohlen:

  • ergänzende Therapie (in aufsteigender Dosierung) mit den Antiepileptika Gabapentin oder Pregabalin
  • gegebenenfalls zusätzliche Einnahme eines Antidepressivums (z. B. Amitriptylin)
  • bei lokal begrenztem Schmerz und nach Abheilung der Hauterscheinungen – ergänzender Einsatz von schmerzlindernden Lokaltherapeutika (z. B. Capsaicin- oder Lidocain-Pflaster)

Was tun, wenn die Schmerzen trotzdem nicht besser werden?

Es empfiehlt sich, im Zweifelsfall (bei persistierenden Schmerzen trotz Schmerztherapie) eine Mitbehandlung durch einen Schmerzspezialisten bzw. eine spezialisierte Fachambulanz aufzusuchen.

Jeder Mensch reagiert anders

Bei der Schmerztherapie sind sowohl personenspezifische als auch nebenwirkungsorientierte Aspekte zu berücksichtigen. Die schnelle und erfolgreiche Behandlung von neuralgischen (neuropathischen) Beschwerden ist von größter Wichtigkeit, um eine Chronifizierung zu vermeiden.

Krankenhausaufenthalt: immer notwendig?

Wann ist eine Krankenhauseinweisung bei Gürtelrose erforderlich?

Vorsicht bei einer Immunschwäche

Für den niedergelassenen Arzt sind vor allem Zoster-Erkrankungen bei immunsupprimierten Betroffenen heikel. Hier gilt die intravenöse Gabe von Aciclovir immer noch als Standardtherapie. In der Konsequenz bedeutet das häufig die stationäre Einweisung.

Und wenn ich auf keinen Fall in ein Krankenhaus möchte?

Ob die oft wünschenswerte ambulante Behandlung verantwortet werden kann, erfordert eine genaue Abwägung und Absprache mit dem Betroffenen bzw. seinen Angehörigen und muss am Ende von Ihrem Arzt entschieden werden.

Wann sollte ich auch lieber stationär behandelt werden?

Auch beim Zoster im Kopfbereich, der in jedem Lebensalter gefährlich werden kann, raten die Experten in ausgeprägten Fällen zur stationären Behandlung. Der Grund: Über die intravenöse Zufuhr von Aciclovir kann ein ausreichender Wirkspiegel der Virustatika am sichersten aufrechterhalten werden.

Mehr Experten aus verschiedenen Fachrichtungen verfügbar

Der Zoster ophthalmicus muss möglichst frühzeitig und lange genug systemisch antiviral behandelt werden. Außerdem sollte ein Augenarzt umgehend hinzugezogen werden.

Das gilt übrigens auch für den HNO-Kollegen beim Zoster oticus. Bei dieser Zoster-Variante sind oft noch zusätzliche fachspezifische Infusionbehandlungen (mit Rheologika, physiologischer Kochsalzlösung, etc.) erforderlich.

Auch hier ist eine stationäre Behandlung sinnvoll

Zu den neurologischen Komplikationen des Herpes Zoster, die eine stationäre, intravenöse Aciclovir-Therapie erfordern, zählen auch:

Vorbeugung

Kann ich mich vor Gürtelrose schützen?

Prinzipiell ja, und zwar durch eine Impfung. Die schmerzhafte Gürtelrose entsteht ja infolge einer Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (VZV) – einem Virus, welches man meist in der Kindheit im Rahmen einer Windpockenerkrankung erworben hat. Sie betrifft vorwiegend Menschen ab dem 50. Lebensjahr bzw. immungeschwächte Personen im Allgemeinen.

Das vertrackte an dieser Erkrankung ist, dass einige Betroffene selbst Monate bis Jahre nach Abheilung der Hauterscheinungen noch unter den Folgen (z. B. in Form der Post-Zoster-Neuralgie, eines Hör- oder Sehschadens) zu leiden haben. Und genau das möchte man mit einer Impfung vermeiden.

Impfung gegen Zoster

Die Impfung verfolgt das Ziel, einen erneuten Ausbruch des VZV zu unterdrücken und somit die Entwicklung einer Gürtelrose wirksam und dauerhaft zu verhindern. Das erreicht die Impfung dadurch, dass sie die körpereigene Immunantwort gegen VZV erhöht.

Werden Varizella-Zoster-Viren bei Geimpften reaktiviert, kann der Körper nun sehr rasch und effektiv Antikörper dagegen bilden. Die Gürtelrose tritt seltener bzw. gar nicht mehr auf oder verläuft deutlich milder.

Totimpfstoff empfohlen

In Deutschland stehen derzeit zwei unterschiedliche Impfstoffe gegen Herpes Zoster für Personen ab 50 Jahren zur Verfügung:

  • seit 2013 Zostavax® – ein attenuierter Lebendimpfstoff: Aufgrund eingeschränkter Wirksamkeit und begrenzter Wirkdauer von der STIKO nicht als Standardimpfung empfohlen. Nicht zur Impfung von Personen mit geschwächtem Immunsystem geeignet.
  • seit 2018 Shingrix® – ein adjuvantierter Herpes-Zoster-Subunit-Totimpfstoff: Von der STIKO als Standardimpfung für alle Personen über 60 Jahre empfohlen. Zusätzlich für Personen ab dem 50. Lebensjahr, mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung für das Auftreten eines Herpes Zoster (infolge einer Grundkrankheit oder wegen einer Immunschwäche).

Übrigens, seit März 2019 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Shingrix® bei über 60-Jährigen sowie bei über 50-Jährigen mit Immundefizienz.

Noch ein Extra-Tipp:
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Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF): Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie, 2019. Download: http://www.awmf.org, Zugriff August 2019.
  • Weinmann S. et al.: Incidence and clinical characteristics of herpes zoster among children in the varicella vaccine era, 2005-2009. J Infect Dis. 2013 Dec 1; 208(11):1859-68. doi: 10.1093/infdis/jit405. Epub 2013 Aug 6.
  • Gupta R. Et al.: Post-herpetic neuralgia. Continuing Education in Anaesthesia Critical Care & Pain, Volume 12, Issue 4, August 2012, Pages 181–185. https://doi.org/10.1093/bjaceaccp/mks017
  • https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/Zoster/Zoster.html

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