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Bauchschmerzen beim Kind: mögliche Ursachen und Selbsthilfe

Was für Ursachen kann Bauchweh bei Kindern haben? Bei welchen Symptomen sollte man eher zum Arzt gehen? Fragen dazu beantworten wir im folgenden Beitrag.

Ursachen

Bauchschmerzen beim Kind: Was kann die Ursache sein? 

Bauchschmerzen kommen bei Kindern häufig vor. Abhängig vom Alter können sich ganz unterschiedliche Erkrankungen dahinter verbergen, von harmlosen Störungen wie Verstopfung  oder Blähungen über Magen-Darm-Infektionen bis hin zu gefährlichen Situationen wie Blinddarmentzündung oder Bauchfellentzündung. Die gefährlichen Ursachen sind zwar deutlich seltener, aber man muss zumindest davon wissen, um ggf. richtig zu reagieren.

Was die Ursachensuche manchmal nicht unbedingt einfacher macht: Vor allem bei jüngeren Kindern treten auch Erkrankungen anderer Organe häufig mit akuten Bauchschmerzen in Erscheinung, beispielsweise Blasenentzündung bzw. Harnwegsinfektion, Lungenentzündung, aber auch Mittelohr- oder Halsentzündung.

Mögliche Ursachen je nach Art des Auftretens

Ernste, aber zugleich seltenere Ursachen akuter Bauchschmerzen:
Bei chronischen Bauchschmerzen gibt es folgende häufigere Ursachen:

Bei chronischen Bauchschmerzen gibt es folgende häufigere Ursachen:

  • Säuglingskoliken
  • Verstopfung
  • Bauchschmerzen ohne körperlich erklärbare Ursache
  • seelische Probleme
Seltenere Ursachen chronischer Bauchschmerzen:

Die Beurteilung chronischer Bauchschmerzen ist häufig schwierig. Bei Kleinkindern überwiegen körperliche Erkrankungen, bei Schulkindern dagegen psychische Faktoren wie z.B. Probleme im sozialen Umfeld (zu Hause, in der Schule, im Freundeskreis, in sozialen Netzwerken im Internet).

Weitere Ursachen und Untersuchungsmethoden

Wie häufig sind Bauchschmerzen ohne körperliche Ursache bei Kindern?

Unklare Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen und sorgen oftmals für Ratlosigkeit bei Eltern und Kinderärzten. Bei bis zu 90% der Kinder mit Bauchschmerzen lässt sich keine ernsthafte körperliche Ursache finden, wie Auswertungen aus Kinderarztpraxen zeigen.

Das ist aber keineswegs eine beruhigende Nachricht. Denn einerseits müssen ja trotzdem die 10% der Kinder, bei denen eine Erkrankung dahintersteckt, entdeckt und entsprechend behandelt werden. Zum anderen bedeutet "unklare Ursache" nicht, dass die anderen 90% keinerlei Behandlung oder vor allem Zuwendung bedürften. Im Gegenteil – Bauchschmerzen sind ein häufiges Ausdrucksmittel für Gefühlsstörungen bzw. seelische Bedürfnisse.

Gerade bei unklaren Bauchschmerzen braucht es einen guten Arzt

Aus ärztlicher Sicht besteht nicht selten ein Dilemma zwischen der notwendigen Abklärung organischer Ursachen auf der einen und der drohenden Überdiagnostik bei funktionellen Beschwerden auf der anderen Seite. So führen unnötig ausgedehnte diagnostische Maßnahmen sowie langwierige Therapieversuche nicht nur zur Verunsicherung der betroffenen Kinder und Eltern, sondern in der Folge auch zu umfangreichen Kindergarten- oder Schulfehlzeiten und letztlich zu einer noch stärker eingeschränkten Lebensqualität.

Eine systematische Herangehensweise ist deshalb bei der ärztlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen (sowie Erwachsenen) mit chronischen Bauchschmerzen dringend erforderlich.

Bauchschmerzen beim Kind ohne erkennbare Ursache: Was tut der Arzt?

Das Wichtigste bei unklaren Bauchschmerzen ist herauszufinden, ob nicht doch eine organische Erkrankung dahintersteckt. Dazu wird der Arzt vor der körperlichen Untersuchung Sie und Ihr Kind zunächst ausführlich befragen.

Folgende Angaben zu den Bauchschmerzen sind besonders wichtig:

  • Dauer der Beschwerden
  • Zeitpunkt des Auftretens
  • möglichst genaue Beschreibung der Art der Schmerzen
  • etwaige vorausgegangene Verletzungen
  • zeitlicher Zusammenhang zwischen den Beschwerden, der Nahrungsaufnahme und dem Stuhlgang
  • Form und Farbe des Stuhls
  • diesbezüglich relevante Erkrankungen bzw. Veranlagungen bei Ihnen bzw. in der Familie (z.B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen)

Ultraschall sehr aussagekräftig, Magenspiegelung nur in Ausnahmefällen

Manchmal ist es auch sinnvoll, Blut abzunehmen oder Urinproben im Labor zu untersuchen. Die aussagekräftigste Untersuchungsmethode aber ist der Ultraschall. In der Regel ist auf diesem Wege eine Unterscheidung zwischen funktionellen Beschwerden und einer Organerkrankung mit großer Sicherheit möglich, ohne dass es invasiver diagnostischer Maßnahmen bedürfte. Mit dem Ultraschall wird der gesamte Bauchraum vom Zwerchfell bis ins kleine Becken erfasst und dabei insbesondere auch die Darmwand im Hinblick auf chronisch-entzündliche Veränderungen sorgfältig beurteilt.

Es gibt allerdings Alarmsymptome bzw. -befunde, die eine Ausdehnung der Diagnostik erforderlich machen. Besteht etwa der Verdacht auf eine strukturelle Organerkrankung (z.B. bei Sodbrennen, starken Oberbauch- oder nächtlichen Schmerzen, Erbrechen), wird eine Magenspiegelung unabhängig vom Alter als notwendig erachtet.

Was ist eine Bauchmigräne?

Kinder mit immer wiederkehrenden Bauchschmerzen, die in regelmäßigen Abständen auftreten, leiden möglicherweise an einer sogenannten Bauchmigräne. Die Bauchschmerzen treten dann häufig zusammen mit Übelkeit und Erbrechen auf. Manche Kinder sind während dieser Attacken auch besonders lichtscheu, ähnlich wie bei einer klassischen Migräne.

In manchen Fällen geht die Bauchmigräne nach dem Grundschulalter auch in eine klassische Migräne über, das muss aber nicht sein. Wenn dies der Fall ist, gibt es aber auch hierfür inzwischen gute Behandlungsmöglichkeiten.

Ruhe ist die beste Behandlung

Bei einer Bauchmigräne hilft es am besten, das betroffene Kind einer ruhigen Umgebung auszusetzen, sowie Stress und störende Reize wie lauten Lärm oder hektische Filme zu vermeiden. Legen Sie Ihr Kind am besten zum Schlafen ins Bett und sehen regelmäßig nach ihm. Wenn es keinen Appetit hat, versuchen Sie es mit leicht verträglichen Speisen wie Suppe oder einem warmen Tee. In der Regel vergehen die Attacken nach einigen Stunden wieder, sollten die Bauchschmerzen länger anhalten, suchen Sie lieber einen Arzt auf.

Was ist die häufigste Ursache bedrohlicher Bauchschmerzen im Kindesalter?

Die Wurmfortsatzentzündung (Appendizitis), umgangssprachlich auch Blinddarmentzündung genannt, ist die häufigste Ursache eines akuten Abdomens im Kindesalter.

Zu den Hauptmerkmalen dieser Alarmdiagnose, die einen eventuell lebensbedrohlichen Symptomenkomplex beschreibt, zählen heftige Bauchschmerzen.

Symptome und ihre Bedeutung

Bauchschmerzen: Wann sind sie harmlos, wann nicht?

Kinder haben oft Bauchschmerzen. Meistens sind sie harmlos und verschwinden von selbst wieder. Dann war in der Regel eine der üblichen Ursachen dafür verantwortlich, zu denen Darminfektionen, Verstopfungen, Blähungen, übermäßiges Essen oder verdorbene Lebensmittel zählen.

Andererseits können auch – gerade bei älteren Kindern – seelische Belastungen Bauchschmerzen verursachen, z.B. wenn eine Klassenarbeit bevorsteht oder ein weiterer Schultag mit drohenden Mobbing-Attacken. Dann ist liebevolle Zuwendung und stärkender Zuspruch besonders vonnöten, eventuell auch ein einfühlsames Eruieren der Hintergründe.

Die schwierige Kunst, die ernsten Ursachen von Bauchschmerzen zu erkennen

Manchmal können hinter den Schmerzen allerdings auch bedrohliche Krankheiten stecken – etwa eine akute Blinddarmentzündung oder ein Darmverschluss. Achten Sie deshalb darauf, ob es Ihrem Kind schlechter geht als normalerweise. Da es sehr viele unterschiedliche Ursachen für Bauchschmerzen gibt, kann nur eine ärztliche Untersuchung die genaue Diagnose liefern.

Sie sollten bei folgenden Anzeichen den Kinder- und Jugendarzt kontaktieren:

  • akute, schwere Bauschmerzen
  • stark angespannte Bauchdecke
  • schlechter Allgemeinzustand
  • weitere Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Durchfall, Erbrechen, Blut im Stuhl
  • Bauchschmerzen, die genau lokalisierbar sind
  • Bauchschmerzen, die schon seit längerer Zeit ohne erkennbare Ursachen bestehen

Nicht jeder Bauchschmerz kommt aus dem Bauch

Dabei ist immer zu berücksichtigen, dass sich die Schmerzwahrnehmung beim Kind erst ab dem Grundschulalter allmählich der eines Erwachsenen angleicht. Vor allem bei Kindern unter 10 Jahren versammeln sich deshalb viele verschiedene Missempfindungen hinter dem Begriff „Bauchweh“.

Zum anderen handelt es sich häufig um mehr oder weniger harmlose Ursachen, die den noch „übenden“ Verdauungsapparat des Kindes vor neue Herausforderungen stellen. In der Mehrzahl der Fälle sind die Bauchschmerzen deshalb schnell wieder verschwunden.

Warnhinweise bei kindlichen Bauchschmerzen

Wie kann ich abschätzen, ob etwas Schlimmes hinter dem Bauchweh meines Kindes steckt?

Häufig kann nur – wenn überhaupt – der Arzt die genaue Ursache feststellen, an der ein Kind mit Bauchschmerzen leidet. Für die Eltern besteht zunächst vor allem das Bedürfnis abzuschätzen, wie ernst die Bauchschmerzen tatsächlich sind. Dafür gibt es ein paar Tricks bzw. Anhaltspunkte:

  • Lokalisation: Wenn Sie Ihr Kind dazu auffordern, auf seinem Bauch zu zeigen, wo es wehtut, hat sich folgende Interpretationsregel bewährt: Je weiter die angezeigte Schmerzstelle vom Nabel entfernt ist, umso eher liegt den Schmerzen eine körperliche Ursache zugrunde. Bauchschmerzen um den Nabel herum sind häufig (aber nicht immer!) psychisch bedingt. Dafür gibt es sogar einen medizinischen Fachausdruck: funktionelle periumbilikale Bauchschmerzen.
  • Erscheinungsbild: Wenn die Bauchschmerzen plötzlich und sehr heftig auftreten, spricht das für eine ernsthafte Ursache. Wirkt Ihr Kind zudem ängstlich und sein Gesicht blass, schmerzverzerrt, mit spitzer Nase, trockenen Lippen und tief liegenden Augen, sollten Sie sofort den Arzt rufen.
  • Fieber: Bei unklaren Bauchschmerzen ist Fiebermessen angesagt. Liegt eine erhöhte Temperatur vor, ist ein körperlich bedingtes Krankheitsgeschehen wahrscheinlich (z.B. Magen-Darm-Infekt, Harnwegsinfektion, Blinddarmentzündung).
  • Hüpftest: Bitten Sie Ihr Kind, mit beiden Beinen im Stand zu hüpfen. Wenn ihm dies ohne Schmerzen möglich ist, kann eine Bauchfellreizung bzw. ein sogenannter Akuter Bauch, z.B. bei fortgeschrittener Blinddarmentzündung, mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen werden.
  • Appetit und Ablenkung: Bei ernsthaften Bauchschmerzen hat Ihr Kind weder auf seine Lieblingsspeise noch auf etwas anderes Appetit. Verschwinden die Bauchschmerzen dagegen bei einem verlockenden kulinarischen Angebot oder beim gemeinsamen Kuscheln, Spielen oder Bilderbuchanschauen, kann eine bedrohliche körperliche Ursache weitgehend ausgeschlossen werden.

Warnhinweise für eine organische Ursache bei chronischen Bauchschmerzen

Bei nur etwa 10% aller Kinder und Jugendlichen mit chronischen Bauchschmerzen findet sich tatsächlich eine körperliche Ursache für ihre Beschwerden. Es gibt aber Alarmsymptome, die eine weiterführende Diagnostik erforderlich machen:

  • anhaltende Beschwerden auf rechter Bauchseite
  • zusätzlich Probleme mit dem Schlucken
  • Zusatzsymptome wie Sodbrennen, Erbrechen, Durchfall
  • nächtliche Schmerzen
  • anhaltender Gewichtsverlust
  • verlangsamtes Körperwachstum
  • Blutspuren im Stuhl oder Erbrochenen
  • zusätzlich Gelenkentzündung
Können Bauchschmerzen auch wachstumsbedingt sein?

Ja, das kann durchaus sein. Häufiger treten Wachstumsschmerzen in den Beinen und Armen der Kinder auf, vor allem abends, aber auch Bauchschmerzen sind möglich. Der genaue Mechanismus ist nicht vollständig geklärt, aber die Vorstellung, dass hin und wieder ein unangenehmes Ziehen und Zwacken auftritt, wenn der ganze Körper wächst, erscheint bereits auf den ersten Blick plausibel. Am meisten machen sich diese Größen-Veränderungen natürlich an den Knochen bemerkbar, aber auch der Bauch der Kinder wächst selbstverständlich mit.

Schmerzattacken verschwinden, wenn die Wachstumsschübe nachlassen

Vor allem bei kleinen Kindern ist es häufig schwierig für Eltern den genauen Grund hinter den Bauchschmerzen herauszufinden. Betroffene Kinder sind unruhig und quengelig. Hinzu kommt, dass Kinder den Schmerz nur schwer lokalisieren können, meistens deuten sie bei Wachstumsschmerzen auf den Bauchnabel. Versuchen Sie es mit viel Ruhe und Zuwendung, auch eine Bauchmassage (aus Ihrer Sicht im Uhrzeigersinn) kann manchmal Wunder bewirken. Die Attacken vergehen ganz von allein wieder, wenn die Wachstumsschübe nachlassen.

Wann muss ein Kind mit Bauchschmerzen zum Arzt?

Bauchschmerzen sind bei Kindern häufig, in der Mehrzahl der Fälle aber glücklicherweise harmlos und vorübergehend. Die Ursachen sind vielfältig und können von Blähungen beim Säugling u.a. über Magenirritationen, Entzündungen, Infektionen, Vergiftungen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten bis zu seelischen Problemen reichen.

Ärztlicher Abklärungsbedarf besteht in jedem Fall bei schlechtem Allgemeinbefinden Ihres Kindes, länger als sechs Stunden anhaltenden Beschwerden, hartem und schmerzhaftem Bauch, Schleim- und Blutbeimengungen im Stuhl oder immer wiederkehrenden Bauchschmerzen.

Auch der Blinddarm kann die Ursache sein

Aufgrund ihrer Häufigkeit sollten Sie immer auch an eine Blinddarmentzündung denken, wenn bei Ihrem Kind plötzlich Bauchschmerzen auftreten und unklar ist, woher diese rühren könnten.

Wenn die Beschwerden nicht verschwinden wollen, sollten Sie baldmöglichst einen Kinderarzt aufsuchen. Als Notfall, der keinen weiteren Zeitaufschub duldet, ist die Situation zu betrachten, wenn

  • Ihr Kind Bauchschmerzen hat, die vom Oberbauch bzw. Nabelbereich in den rechten Unterbauch gewandert sind
  • sich der Bauch Ihres Kindes dauerhaft hart anfühlt
  • es Ihrem Kind mit den Bauchschmerzen immer schlechter geht

Selbsthilfe

Bauchweh: Wie helfe ich meinem Kind?

Wenn Ihr Kind Bauchschmerzen hat, geht es vor allem um zwei Dinge: Die Bauchschmerzen lindern und herausfinden, ob es sich um eine ernste Ursache handelt (meistens handelt es sich zum Glück um etwas Harmloses).

Wann lieber zum Arzt

Zunächst zur Abklärung, was dahintersteckt und ob Sie zum Arzt müssen: Versuchen Sie abzuschätzen, ob es sich um leichte oder heftige Bauchschmerzen handelt. Das ist bei Kindern allerdings nicht immer leicht zu erfragen, weil denen noch das Maß für diese Einschätzung fehlt. Ein Besuch des Kinderarztes ist in jedem Fall anzuraten, wenn:

  • die Schmerzen länger anhalten oder zunehmen
  • Ihr Kind eine gekrümmte Körperhaltung zeigt oder ein schmerzverzerrtes Gesicht hat
  • wenn sich der Bauch sehr hart anfühlt oder schon bei leichtem Druck sehr schmerzhaft ist
  • bei blasser Hautfarbe

Versuchen Sie herauszufinden, wie die Bauchschmerzen entstanden sind. Plötzlich? Oder langsam anflutend? Rufen Sie sich in Erinnerung oder bekommen Sie heraus, was Ihr Kind gegessen hat. Oft ist ein wildes Durcheinander an Süßem und Salzigem die Ursache.

Wie Sie zu Hause helfen können

Die meisten Bauchschmerzen bei Kindern sind aber zum Glück eher harmloser Natur. Trotzdem ist es natürlich wichtig, sie so gut wie möglich zu lindern. Hier können folgende Tipps helfen:

  • Nicht selten hilft schon der Gang auf die Toilette. Gerade Durchfall will manchmal einfach nur raus.
  • Bei Magen-Darm-Infekten helfen oft Kamillentee und Zwieback. Auch Salzstangen sind gut, weil der Körper das Salz braucht, das durch den Durchfall verloren geht. Außerdem sollte Ihr Kind viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
  • Die gute alte Wärmflasche oder auch das Kirschkernsäckchen sind häufig wohltuend und lindernd, weil sie entkrampfen. Aber achten Sie darauf, dass der Bauch nicht verbrüht wird.
  • Auch ein Massieren des Bauchs mit der Hand wirkt oft sehr gut. Am besten langsam im Uhrzeigersinn über die Bauchdecke streichen.

Was tun, wenn mein Kind über Bauchweh klagt, obwohl keine ernste Ursache erkennbar ist?

Grundsätzlich sollten Sie Schmerzäußerungen Ihres Kindes immer ernst nehmen, auch wenn es um Bauchweh geht und keinerlei mögliche Ursache erkennbar ist. Denn irgendetwas steckt immer dahinter, wenn auch sehr häufig keine körperlichen, sondern seelische Gründe wie Stress oder Ängste.

Deshalb sollte Ihr Kind immer das Gefühl haben, mit seinem Schmerz auf Verständnis bei Ihnen zu stoßen. Gleichwohl empfiehlt es sich, die Entfaltungsmöglichkeiten des (gefühlten) Schmerzgeschehens zu minimieren. Zum Beispiel ist es oft nicht zielführend, laufend nachzufragen, ob es noch weh tut oder schon besser geht.

Ablenkung oft erfolgreicher als Zäpfchen

Auch vom (vor)schnellen Einsatz von Zäpfchen oder Schmerztablette ist abzuraten. Bringen Sie Ihrem Kind stattdessen spielerisch bei, dass es selbst etwas gegen die Schmerzen tun kann, z.B. indem es das Bauchweh packt und in eine Schachtel sperrt oder aus dem Fenster wirft.

Setzen Sie außerdem auf Ablenkung und unternehmen Sie etwas Schönes mit Ihrem Kind, z.B. ein Buch lesen, ein Puzzle legen, einen Turm bauen oder nach draußen gehen. So bekommt die Schmerzkommunikation im Gehirn Konkurrenz und muss dem neuen Aufmerksamkeitsfokus weichen, da die gleichzeitige und gleichrangige bewusste Verarbeitung verschiedener Prozesse in unserem Denkorgan eng limitiert ist. Manchmal führt diese Ablenkungsstrategie nur vorübergehend zum Erfolg, bisweilen aber auch dauerhaft.

Anti-Bauchweh-Tee, Massagen & Co.

Welcher Bauchweh-Tee ist für Kinder geeignet?

Bauchweh-Tees aus Apotheken enthalten in der Regel Kümmel, Anis, Fenchel, Melisse oder Kamille. Solche Tees helfen vor allem bei Blähungen und Verdauungsstörungen von Kindern (und Erwachsenen). Sie sind für alle Altersstufen, vom Säugling bis zum Erwachsenen geeignet. Die verwendeten Heilpflanzen haben einerseits krampflösende, verdauungsfördernde und gärungswidrige, andererseits beruhigende und entzündungshemmende Wirkungen.

Sie können eine entsprechende Teemischung aber auch selbst zubereiten.

Rezept für eine Teemischung:

  • Kümmelfrüchte, zerstoßen: 30 g
  • Fenchelfrüchte, zerstoßen: 20 g
  • Melissenblätter: 20 g
  • Kamillenblüten: 20 g
  • Orangenschalen (unbehandelt): 10 g (zur Geschmacksverbesserung)

Kümmel und Fenchel sollten erst unmittelbar vor der Teezubereitung zerstoßen werden.

Zubereitung:

  • 1 gehäuften Teelöffel der Teemischung mit siedendem Wasser (ca. 150 ml) übergießen, bedeckt etwa 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
  • Ihrem Kind mit Bauchschmerzen mehrmals zwischen den Mahlzeiten 1 Tasse zu trinken geben.
  • Für Säuglinge: 50-100 ml im Fläschchen.

Diese Teemischung können Sie Ihrem Kind regelmäßig abends als Haustee geben. Im Allgemeinen wird der Tee aufgrund seines angenehmen Geschmacks auch von Säuglingen und Kleinkindern akzeptiert.

Wie mache ich eine Bauchmassage, wenn mein Kind Bauchschmerzen hat?

Wenn Ihr Kind Bauchschmerzen hat, bedarf es Ihrer Zuwendung. Hilfreich ist dann oft eine sanfte Bauchmassage, insbesondere bei Blähungen, Dreimonatskoliken, Verstopfung oder psychisch bedingten Bauchschmerzen. Dazu können Sie folgendermaßen vorgehen:

  • Ihr Kind legt sich möglichst entspannt auf den Rücken bei warmer Umgebungstemperatur.
  • Wärmen Sie Ihre Hände im warmen Wasser gut an. Sofern Sie nicht ohnehin ein Massage-Öl besitzen, ist auch Speiseöl (kaltgepresstes Pflanzenöl, z.B. Oliven- oder Sonnenblumenöl) geeignet, das vor der Verwendung leicht angewärmt wird. Zur Wirkungsverstärkung können Sie dem Speiseöl einige Tropfen Kümmelöl (aus der Apotheke) hinzufügen.
  • Massieren Sie den Bauch Ihres Kindes sanft mit zwei bis drei Fingern, die Sie in kreisenden Bewegungen und im Uhrzeigersinn um den Nabel herum führen. Lassen Sie die Kreise langsam größer werden, bis die Fingerspitzen die Rippen und das Schambein erreichen.
  • Wiederholen Sie den Massageablauf, erneut beginnend mit zunächst engen, dann größer werdenden Kreisen um den Nabel herum.
  • Bei Durchfall wird gegen den Uhrzeigersinn massiert.
  • Zusätzlich zum Bauch tut auch eine Massage im Bereich des unteren Rückens gut, ebenfalls in kreisenden Bewegungen.
  • Massieren Sie etwa 5 Minuten lang bzw. solange, wie es Ihr Kind als angenehm empfindet.
Kind mit chronischen Bauchschmerzen ohne organische Ursache: Welche psychotherapeutischen Methoden gibt es?

Manche Kinder leiden unter chronisch-funktionellen Bauchschmerzen, also ohne dass dafür eine körperliche Erkrankung als Ursache gefunden werden kann. In diesem Fall kann eine Verhaltenstherapie beim Kinder-Psychiater deutlich mehr bringen als Medikamente.

Die dabei angewandten Methoden nennt man in schlimmstem Mediziner-Jargon: "kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionen". Aber dass diese Bezeichnung so schrecklich möchtegern-akademisch klingt, heißt nicht, dass es nicht funktioniert. Im Gegenteil, man kann damit einen anhaltenden Behandlungserfolg erreichen.

Zu den Elementen dieses psychotherapeutischen Ansatzes zählen:

Psychoedukation

  • Beispiel: Wissensvermittlung zu Ursachen der Bauchschmerzen und zu Bewältigungsstrategien
  • Ziel: Förderung der eigenverantwortlichen Mitarbeit des betroffenen Kindes

Entspannungsverfahren

  • Beispiele: progressive Muskelrelaxation, autogenes Training
  • Ziel: Abbau von schmerzbedingter Anspannung und Aufbau eines entspannten Zustands

Kognitive Verfahren

  • Beispiele: Ablenkungstechnik, kognitive Umstrukturierung
  • Ziel: Erlernen einer positiven Sichtweise im Umgang mit dem Schmerz

Verhaltensorientierte Verfahren

  • Beispiel: Aktivitätspläne erstellen
  • Ziel: Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit im Alltag

Wissenswertes

Was sind funktionelle Bauchschmerzen?

Eine Verlegenheitsdiagnose. Wenn für chonische Bauchschmerzen keine Ursache gefunden wird, werden sie von Ärzten als funktionell bezeichnet. Das ist ein etwas merkwürdiger Begriff, soll aber wohl zum Ausdruck bringen, dass der Magen-Darm-Trakt während seiner Arbeit auf ungeklärte Weise verkrampft oder bläht oder was auch immer und dabei Schmerzen verursacht.

Die offizielle Definition funktioneller Bauchschmerzen umfasst folgende Kriterien:

  • länger als zwei Monate bestehend
  • häufiger als einmal pro Woche auftretend
  • nicht durch eindeutige Erkrankungen erklärbar

Da Kinder bis zur Entwicklung einer differenzierten Schmerzwahrnehmung meistens auf den Bauchnabel oder in dessen Nähe zeigen, wenn sie über (nicht nur bauchbedingte) Missempfindungen klagen, hat sich im medizinischen Sprachgebrauch auch die Bezeichnung „funktionelle periumbilikale Bauchschmerzen“ eingebürgert, wenn es an Entstehungshinweisen mangelt.

Inzwischen wurden allerdings verschiedene mögliche Mechanismen aufgedeckt, die das Auftreten von funktionellen Beschwerden erklären helfen und deren Kenntnis für den ärztlichen Umgang mit den betroffenen Kindern bedeutsam ist.

Welche Arten von funktionellen Bauchschmerzen gibt es bei Kindern?

Unterschieden werden unter anderem:

  • funktionelle Oberbauchbeschwerden (Dyspepsie), also eher um den Magen herum lokalisierte Beschwerden
  • Reizdarm-Syndrom (entsprechend eher im Darm lokalisiert)
  • abdominale Migräne (ein etwas diffuses Krankheitsbild, bei dem anfallsweise Bauchschmerzen in Kombination mit weiteren Beschwerden wie Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit oder Übelkeit auftreten)
Können funktionelle Bauchschmerzen mit einer Blinddarmentzündung verwechselt werden?

Ja, die Unterscheidung zwischen einer akuten Phase chronisch-funktioneller Bauchschmerzen und einer bedrohlichen Erkrankung wie der Blinddarmentzündung kann mitunter auch für den Arzt schwierig sein. Das genau ist der Grund, warum auch Bauchschmerzen ohne erkennbare Ursache immer ernst genommen werden müssen. Erstens tun sie tatsächlich weh, zweitens kann eben doch auch einmal eine ernste Erkrankung dahinterstecken.

Was sind chronisch rezidivierende Bauchschmerzen?

Wenn im Arztbrief etwas von „chronisch rezidivierenden Bauchschmerzen“ steht, ist im Prinzip gemeint, dass es über einen längeren Zeitraum immer wieder zu Bauchschmerzen kommt. Nicht durchgehend, aber immer wiederkehrend. Und vor allem: dass man nicht so recht weiß, warum.

In Lehrbüchern gibt es sogar eine recht konkrete Definition für den Begriff „chronisch rezidivierende Bauchschmerzen“: Nämlich, wenn während einer Zeitspanne von drei aufeinanderfolgenden Monaten mindestens dreimal Episoden von Bauchschmerzen auftreten, die so stark sind, dass sie ein Kind in seiner Alltagsaktivität einschränken.

Ursache bleibt oft unklar

In vielen Fällen kann auch auf Dauer keine konkrete körperliche Ursache ermittelt werden. Dafür findet sich im medizinischen Sprachgebrauch auch die Bezeichnung „funktionelle periumbilikale Bauchschmerzen“. Dabei kommt neben dem Fehlen eines organischen Korrelats auch die Beobachtung zum Ausdruck, dass die Schmerzen von den Kindern meist in der Bauchnabelgegend verortet werden (periumbilikal).

Wie Verlaufsuntersuchungen zeigen, lassen zwar über 30% solcher Bauchschmerzen innerhalb von 2–6 Wochen nach, wenn sie erst einmal diagnostiziert wurden. Allerdings werden 30–50% der „Bauchwehkinder“ auch noch im Erwachsenenalter damit konfrontiert.

Quellen:

  • Muntau A. Intensivkurs Pädiatrie. 3. Auflage. Verlag Urban & Fischer (2004).

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