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Blinddarmentzündung: Behandlung und Prognose

Der Regelfall der Behandlung einer Blinddarmentzündung ist die Operation. Aber es gibt auch Ausnahmen. Und mitunter leider auch Komplikationen. Alle Fragen dazu beantworten wir im folgenden Beitrag.

Wie wird eine Blinddarmentzündung behandelt?

Die operative Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes (Appendektomie) erfolgt zumeist am selben Tag wie die Diagnosestellung, um ein Fortschreiten bis zum Blinddarmdurchbruch zu verhindern.

Je nach Stadium bzw. Ausmaß des Entzündungsprozesses ist dabei auch eine chirurgische Sanierung des in Mitleidenschaft gezogenen Bauchraums erforderlich. Da dem Blinddarmanhängsel außer einer gewissen Abwehrfunktion keine besondere (lebensnotwendige) Bedeutung zugemessen wird, nimmt der Chirurg den Wurmfortsatz in den meisten Fällen auch dann heraus, wenn er bei äußerer Betrachtung gesund erscheint. Das ist bei etwa 15% aller Appendektomien der Fall.

Wenn ein Verdacht auf Blinddarmentzündung besteht, das klinische Untersuchungsbild aber auf einen subakuten, also etwas verzögerten Verlauf hindeutet, wird (im Krankenhaus) meist noch abgewartet. Das bedeutet für Ihr Kind Bettruhe, engmaschige Kontrollen und mit Blick auf die bevorstehende Operation Nahrungskarenz (Ess-Verbot).

Auf eine nicht-operative Behandlung (konservative Therapie) wird heute bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Begleitappendizitis, u.a. bei Morbus Crohn) verzichtet, um die gefürchteten Komplikationen zu vermeiden.

Blinddarmentzündung: Ist eine Operation immer notwendig?

Liegt tatsächlich eine Blinddarmentzündung vor, ist die operative Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes aus Sicherheitsgründen in der Regel zu empfehlen, um lebensgefährliche Komplikationen ausschließen zu können.

In der Praxis besteht das Problem allerdings eher darin, festzustellen, ob der Blinddarm wirklich entzündet ist. „Negative“ Appendektomien, also die Entfernung gesunder Wurmfortsätze, gibt es wohl an jeder Klinik. Liegt die Rate aber über 20% – und damit deutlich über dem vermuteten Durchschnittswert von 15% – ist von einer „Überdiagnostik“ auszugehen, die nicht selten mit einem auffallend hohen Anteil an jungen Frauen im Patientengut einhergeht.

In Thüringen wird der Blinddarm am häufigsten entfernt

Experten zufolge kommt es im internationalen Vergleich, beispielsweise gegenüber England, in Deutschland traditionell (zu) oft zur Blinddarmentfernung (Appendektomie). Die Operation ist aber seit den 1970er-Jahren um die Hälfte zurückgegangen (angeblich von 300.000 auf 150.000). Mit weiter fallender Tendenz: Wurde zur Jahrtausendwende (im Jahr 2000) im bundesweiten Durchschnitt noch rund 570 von 100.000 Jungen und Mädchen unter 15 Jahren der Blinddarmfortsatz entfernt, waren es im Jahr 2008 nur noch 245 und damit weniger als die Hälfte.

Erstaunlich sind allerdings die bundesländerspezifischen Unterschiede. So stehen am unteren Ende der Skala in Bremen 136 Fälle (pro 100.000 Kinder und Jugendliche) einer Krankenhausbehandlung aufgrund von Blinddarmbeschwerden dem Spitzenreiter Thüringen mit 359 Fällen (pro 100.000) gegenüber.

Kann eine Blinddarmentzündung von selbst heilen?

Ja, eine weniger schwere Blinddarmentzündung oder „Blinddarmreizung" heilt nicht selten von selbst (spontan). Das ist aber keinesfalls immer so und kann auch nicht sicher vorhergesagt werden.

 

Da grundsätzlich mit der Gefahr einer (potentiell lebensbedrohlichen) Eröffnung der entzündeten Darmwand in die Bauchhöhle gerechnet werden muss ("Durchbruch"), ist bei verdächtigen Symptomen eine rasche ärztliche Abklärung dringend geboten.

Kann die Naturheilkunde gegen eine Blinddarmentzündung helfen?

Nein. Gegen eine Blinddarmentzündung können normalerweise weder Sie selbst noch naturheilkundliche Behandlungsversuche Ihrem Kind helfen. Wir raten bei Verdacht auf Blinddarmentzündung dringend von irgendwelchen Experimenten dieser Art ab.

Im Anfangsstadium, wenn noch kein Eiter entstanden ist, kann sich die Entzündung durch Auflegen von Eisbeuteln und Nahrungsentzug in manchen Fällen zurückbilden. Zur Vermeidung lebensbedrohlicher Komplikationen stellt die operative Entfernung des Wurmfortsatzes aber letztlich die einzig sichere Maßnahme dar.

Wird bei Verdacht auf Blinddarmentzündung im Krankenhaus sofort operiert?

Das hängt von der individuellen Situation ab. Häufig wird erstmal ein Darmeinlauf gemacht. Bei fast jedem zweiten Kind verschwinden die Beschwerden nach ein paar Stunden und es kann möglicherweise (zunächst) auf eine OP verzichtet werden.

In welchem Alter und bei wem wird der „Blinddarm“ am häufigsten entfernt?

Am häufigsten wird der (entzündete) Wurmfortsatz jungen Frauen entfernt. Die Zahl der Operationen (Appendektomien) ist bei ihnen im zweiten Lebensjahrzehnt mit Abstand am höchsten und erreicht das Maximum beim Alter von etwa 20 Jahren.

Das männliche Geschlecht weist dagegen eine wesentlich flachere Verteilungskurve auf, deren Gipfel sich etwa in der Mitte des dritten Lebensjahrzehnts, also zwischen 20 und 30 Jahren, befindet.

Gibt es auch eine vorbeugende Blinddarmoperation?

Ja, die gibt es, sie ist allerdings umstritten. Zum einen wird bei manchen Bauchoperationen, z.B. aus gynäkologischem Anlass, der Wurmfortsatz des Blinddarms gelegentlich mitentfernt.

Die ärztliche Überlegung hinter dieser Maßnahme geht davon aus, dass das Darmanhängsel als rudimentäres lymphatisches Organ („Darm-Mandel“) für entzündliche Veränderungen besonders empfänglich zu sein scheint. Demzufolge wird das Operationsrisiko unter kontrollierten Bedingungen niedriger erachtet als jenes einer möglichen Blinddarmentzündung im späteren Leben.

Abgesehen von diesen „Begleitappendektomien“ gibt es auch noch den Wunsch mancher Fernreisender, sich ihres Blinddarms vor längeren Aufenthalten in medizinisch unterversorgten Gebieten prophylaktisch zu entledigen. Sofern es nicht zuvor schon Probleme mit dem Blinddarm gab, erscheint dies allerdings gegenüber anderen gesundheitsstärkenden Maßnahmen als weniger sinnvoll.

Was ist bei einer Blinddarmentzündung zu beachten, wenn Ihr Kind an Morbus Crohn leidet?

Eine Erkrankung an Morbus Crohn zählt zu den wenigen Umständen, bei denen die operative Entfernung eines entzündeten Wurmfortsatzes (Appendizitis) mit Zurückhaltung betrachtet wird.

Der Grund ist die verstärkte Fistelbildung, also das Entstehen von Verbindungen zwischen verschiedenen Darmabschnitten inklusive des Blinddarms, zu der Menschen mit Morbus Crohn neigen. Wenn bei einem akuten Schub dieser chronischen Darmerkrankung eine sogenannte Begleit-Appendizitis auftritt, wird zunächst medikamentös behandelt. Eine Operation erfolgt dann erst, wenn sie, bei weiterer Verschlimmerung, zwingend geboten erscheint.

Wie wird eine Blinddarmoperation durchgeführt?

Es kommen zwei Operationsmethoden zur Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes (Appendektomie) in Betracht:

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  • klassische Operation mit Bauchschnitt und freiem Zugang zur Bauchhöhle (Laparotomie)
  • operative Bauchspiegelung (Laparoskopie) mit drei kleinen Baucheinschnitten zur Einführung des Optik-Systems und der Instrumente

In beiden Fällen wird – jeweils in Vollnarkose – der entzündete Wurmfortsatz freigelegt, abgetrennt und der Stumpf vernäht. Mittlerweile kommt die schonendere "minimal invasive" Vorgehensweise vermehrt zum Einsatz. Bei Notoperationen ist aber immer noch der offene Eingriff die Methode der Wahl.

Kinder überstehen eine Blinddarmoperation meistens ganz gut und erholen sich rasch. Wenn keine Komplikationen aufgetreten sind und sich die Nahrungszufuhr wieder normalisiert, dürfen die kleinen Patienten nach wenigen Tagen (halbe bis ganze Woche) wieder nach Hause. Dort sollten sie sich vor der Rückkehr in Kindergarten oder Schule noch einige Tage schonen und in Ruhe wieder zu Kräften kommen. Sport ist erst nach 4-6 Wochen wieder erlaubt, wenn die Bauchwunde vollständig verheilt ist.

Ist die Darmwand des Wurmfortsatzes bereits aufgeplatzt (perforierte Appendizitis), wird die Bauchhöhle gespült und durch Einlegen einer Drainage (z.B. Schlauch) für einen ausreichenden Sekretabfluss gesorgt. Zum Schutz vor einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) wird zudem eine Behandlung mit Antibiotika begonnen, die noch 5-7 Tage nach der Operation fortzuführen ist.

Welche Komplikationen können bei einer Blinddarmoperation auftreten?

Die Entfernung des Wurmfortsatzes (Appendektomie) weist als häufig durchgeführte Routineoperation eine geringe Komplikationsrate auf. Normalerweise ist mit einem Krankenhausaufenthalt von nur wenigen Tagen zu rechnen, an den sich eine rasche und vollständige Erholung anschließt.

Deutlich riskanter als die Operation selbst ist das Aufschieben derselben. Denn ein entzündeter Wurmfortsatz kann innerhalb von nicht einmal 24 Stunden nach Einsetzen der Symptome platzen. Während dies noch vor einem halben Jahrhundert häufig tödlich endete, hält heute der Einsatz von Antibiotika die meisten Patienten auch in dieser Hochrisikosituation am Leben.

Die Komplikationsgefahr ist dann, wie auch bei entzündungsbedingten Schäden im Appendix-Bereich, höher als bei einer frühzeitigen Entfernung des intakten Wurmfortsatzes. So können etwa Darmschlingen bei der Narbenbildung miteinander verkleben oder durch Narbenstränge eingeengt werden. Oft kommt es dann schon bald nach der Operation zu erneuten Beschwerden und der Notwendigkeit weiterer Eingriffe, die eine langwierige Genesung bedingen.

Das Operations- und Narkoserisiko ist in der Regel gering und hängt maßgeblich von der Schwere der Blinddarmentzündung und etwaigen Begleiterkrankungen Ihres Kindes ab. Zu den Komplikationen, die nach Blinddarmoperationen bisher beobachtet wurden, zählen:

  • Verwachsungen und Narbenbildungen, eventuell mit resultierendem Darmverschluss (Ileus)
  • mechanische Beschädigung von Bauchorganen und anderen Strukturen
  • Blutungen und Nachblutungen
  • Bauchfellentzündung (Peritonitis)
  • Abszessbildung
  • Wundheilungsstörungen
  • Stumpfinsuffizienz (Durchlässigkeit der Darmwand)
  • überschießende Narbenbildung
  • Narbenbrüche im Bauchbereich
  • Sensibilitätsstörungen (meist nur vorübergehend)
  • chronische Schmerzen
  • allergische Reaktionen
  • Folgeoperation, Wiedereröffnung der Wunde

Dabei muss nochmals betont werden, dass bei einer sich selbst überlassenen Blinddarmentzündung das Gefahrenpotenzial für einzelne dieser Komplikationen wie auch insgesamt viel höher ist als bei einer Operation, die in den meisten Fällen problemlos verläuft und Ihr Kind vermutlich vor Schlimmerem bewahrt.

Wie erfolgt heute bei einem Kind die Versorgung nach einer Blinddarmoperation?

Bei einer unkomplizierten Blinddarmentzündung ist normalerweise keine antibiotische Behandlung erforderlich. Im Gegensatz zur früheren Vorgehensweise nach der Operation (postoperativ) mit mehrtägigem Nahrungsaufbau wird heute die Wunschkost empfohlen, sobald Ihr Kind vollständig erwacht ist.

Etwas anders sieht es bei einer Blinddarmentzündung mit Durchbruch in die Bauchhöhle (perforierende Appendizitis) aus. In diesem, potenziell lebensbedrohlichen Fall werden Antibiotika (in Kombination) über sieben Tage verordnet. Nicht selten kommt es zu einem mehrtägigen Darmverschluss (Ileus), der oft das Legen einer Magensonde erfordert. Erst wenn diese Situation überstanden ist, wird die Wunschkost angeboten. Am 8. Tag werden die Antibiotika abgesetzt und Ihr Kind kann nach Hause.

Alle Angaben sind natürlich abhängig von der individuellen Situation und deshalb ohne Gewähr (aber mit Orientierungswert).

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Worauf sollten Sie nach einer Blinddarmoperation achten?

Ob Ihr Kind klassisch mit Bauchschnitt oder mit Schlüssellochtechnik (minimal invasiv) operiert wurde – zuhause sollten Sie immer mal wieder einen Blick auf die OP-Wunde(n) werfen und Ihren Arzt kontaktieren, falls die folgenden Anzeichen einer Wundinfektion zu beobachten sind:

  • rötliche Haut oder Wärme an der Nahtstelle
  • Eitern der Wunde
  • Fieber

Wie unterstütze ich nach einer Blinddarmoperation den Genesungsprozess?

Folgendes können Sie tun, um den Genesungsprozess Ihres Kindes nach einer Blinddarmoperation zu unterstützen:

  • Ihr Kind soll sich ausruhen und bleibt nach Absprache mit dem Arzt noch einige Zeit zuhause.
  • Sorgen Sie für genügend Schlaf.
  • Wunschkost ist erlaubt, sofern der Arzt nicht gegenteiliger Meinung ist.
  • Lieber kleinere als größere Portionen essen.
  • Das Maß an Bewegung sollte allmählich erhöht werden. Sport aber erst nach 4-6 Wochen wieder.
  • Halten Sie die Operationsnaht sauber (und Ihre Hände ebenfalls).
  • Falls ein Verband gewechselt wird, sind vorher und nachher die Hände zu waschen.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind die verschriebenen Medikamente einnimmt. Das gilt insbesondere für Antibiotika, um eine Resistenzentwicklung der Keime zu vermeiden. Wenden Sie sich bei Nebenwirkungen bzw. Problemen an Ihren Arzt.

Wie häufig kommt es zu Komplikationen nach einer Blinddarmoperation?

Selbst wenn die Entfernung des Blinddarmfortsatzes zu den vergleichsweise ungefährlichen Routineoperationen zählt, sind Komplikationen auch hier nie auszuschließen. Zu den relevantesten gehören:

  • Wundinfekte, Wundabszess: 5-20%; besonders häufig nach Blinddarmdurchbruch (perforierende Appendizitis)
  • erneute Bauchoperation (Relaparotomie) wegen Darmverschluss (Ileus):  1-2%, meistens im 1. Jahr nach der OP
  • Todesfälle: 0,1-0,25%

Für die Häufigkeit einer Stumpfinsuffizienz (Durchlässigkeit, inkompletter Wiederverschluss des Darms bzw. nachträgliches Aufgehen einer Naht nach Entfernung des Wurmfortsatzes) konnten wir keine Zahlenangabe ermitteln.

Wird manchmal auch versehentlich der gesunde Blinddarm entfernt?

Ja und nein. Nein, weil bei der bekannten und häufig durchgeführten „Blinddarmentfernung“ nicht der ganze Blinddarm, sondern nur sein Wurmfortsatz (Appendix veriformis) entfernt wird, was man medizinisch als Appendektomie bezeichnet.

Ja, da sich eine Blinddarm-Operation in 15% der Fälle im Nachhinein als "Fehlalarm" erweist. Warum passiert das so oft? Da man die potenziell lebensgefährliche Blinddarmentzündung von außen nicht mit 100%iger Sicherheit diagnostizieren kann, wird der nicht lebensnotwendige Blinddarm-Anhang oft auch auf „blinden Verdacht“ hin entfernt, selbst auf die Gefahr hin, dass er sich dann als gesund erweist. Im internationalen Vergleich ist Deutschland übrigens traditionell auf den vorderen Plätzen, wenn es um "überflüssige" Blinddarm-OPs geht.

Die Appendix entzündet sich bei etwa jedem 13. Menschen (7-8%) irgendwann einmal im Leben.

Wie ist die Prognose bei einer Blinddarmentzündung?

Die Prognose einer Blinddarmentzündung hängt neben anderen Faktoren, wie etwaigen Begleiterkrankungen Ihres Kindes und auftretenden Komplikationen, vor allem vom Schweregrad und der Fortgeschrittenheit des Geschehens ab.

Bei einem Durchbruch (Perforation) des Wurmfortsatzes besteht grundsätzlich Lebensgefahr. Deshalb ist es wichtig, die Symptome rasch zu erkennen und für eine rechtzeitige Operation zu sorgen. Dann ist die Prognose sehr gut und eine vollständige Gesundung der Normalfall.

Wie häufig sterben Menschen an einer Blinddarmentzündung?

Die Sterblichkeit (Mortalität) bei einer Blinddarmentzündung ist heute insgesamt betrachtet sehr gering und liegt unter 0,1%. Weniger als einer von 1.000 Betroffenen stirbt also daran, wobei vor allem ältere und schwer kranke Menschen gefährdet sind.

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Kommt es allerdings zu einer Bauchfellentzündung infolge eines Durchbruchs (perforierte Appendizitis), steigt das Sterberisiko, vor allem für ältere Menschen, auf beträchtliche 6-15% an. Deshalb ist das frühzeitige Einschalten ärztlicher Hilfe wichtig, wenn erste Verdachtshinweise auf eine Blinddarmentzündung wahrgenommen werden.

Was droht bei einer Blinddarmentzündung?

Die Hauptgefahr einer Blinddarmentzündung besteht darin, dass der eitrig entzündete Wurmfortsatz relativ schnell – innerhalb von 24 Stunden – platzen kann und sich sein eitriger Inhalt in die Bauchhöhle entleert.

Dann bildet sich entweder eine gedeckte eitrige Entzündung bzw. ein Abszess, meist um den Wurmfortsatz herum. Oder es kommt zu einer Bauchfellentzündung (Peritonitis), die mitunter schnell in eine Blutvergiftung (Sepsis) münden und tödlich verlaufen kann. Von solchen Komplikationen sind kleine Kinder und ältere Menschen häufiger betroffen als junge Erwachsene.

In welchem Alter ist das Risiko für einen Blinddarmdurchbruch besonders hoch?

Wenn sich der Blinddarm bzw. sein Wurmfortsatz entzündet hat, ist die Gefahr eines Durchbruchs (perforierende Appendizitis) bei kleinen Kindern zwischen 1 und 3 Jahren mit über 40% am höchsten.

Mit zunehmendem Alter sinkt das Risiko und erreicht bei den 14- bis 19-Jährigen einen Wert unter 10%. Anschließend steigt die Perforationsrate wieder und liegt jenseits eines Lebensalters von 60 Jahren bei über 30%, betrifft also etwa jeden dritten Appendizitis-Patienten. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegt diese Rate in unserem Kulturkreis nur bei 10-15%, da eben die meisten Blinddarmentzündungen bei Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen vorkommen.

Welche Komplikationen können bei einer Blinddarmentzündung auftreten?

Das Gefährliche an einer Blinddarmentzündung sind die möglichen Komplikationen, die sich bei einer Ausdehnung der eitrigen Entzündung auf umgebendes Gewebe, benachbarte Organe oder weiter in die Bauchhöhle hinein entwickeln können:

  • Durchbruch des Wurmfortsatzes (Perforation, umgangssprachlich Blinddarmdurchbruch) im weit fortgeschrittenen Stadium einer Blinddarmentzündung (gangränose Appendizitis), Folgen: Bauchfellentzündung (Peritonitis) oder Abszessbildung
  • selten: reaktive Darmlähmung des gesamten Darms (Darmparalyse) oder Darmverschluss (Ileus)
  • Fistelbildung bei Menschen mit Morbus Crohn 

Ist die spätere Fruchtbarkeit durch eine Blinddarmentzündung im Kindesalter gefährdet?

Nein, im Gegensatz zu älteren Frauen besteht bei einer Blinddarmentzündung im Kindesalter normalerweise keine Gefahr, dass es zu einer eingeschränkten Fruchtbarkeit (Fertilität) als Folgekomplikation kommt.

Quellen:

  • Kinderärzte im Netz
  • Gorter, R.R. et al., Diagnosis and management of acute appendicitis. EAES consensus development conference 2015. Surg Endosc 30, 4668 (2016).

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