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Blinddarmentzündung: Symptome, Behandlung und Prognose

Immerhin 7% aller Menschen erleben irgendwann im Laufe ihres Leben eine Blinddarmentzündung. Weshalb das so ist, ist bis heute ebenso ungeklärt wie die Funktion des Blinddarms an sich. Im folgenden Beitrag beantworten wir die häufigsten Fragen zu dieser Erkrankung.

Begriffe

Der umgangssprachlich verwendete Begriff Blinddarmentzündung ist nicht ganz korrekt, denn wirklich entzündet ist nur der Wurmfortsatz des Blinddarms. Das ist eine 8-10 cm lange Aussackung, im medizinisch-anatomischen Vokabular Appendix vermiformis genannt. Demzufolge lautet die exakte medizinische Bezeichnung Appendizitis.

Ursachen

Was sind mögliche Ursachen für eine Blinddarmentzündung?

Meistens ist die genaue Ursache der Entzündung nur durch Untersuchung des operativ entfernten Wurmfortsatzes feststellbar. Eine echte Infektion auf dem Blutweg ist selten. Eine Blinddarmentzündung entsteht vermutlich meistens durch eine Abflussbehinderung im Bereich des Wurmfortsatzes (Appendix). Ursache kann beispielsweise ein Kotstein sein, der aus verfestigtem Stuhl besteht. In der Folge kann das Blut nicht mehr richtig aus der Darmwand abfließen und die Appendix schwillt an. Die im Darminhalt reichlich vorhandenen Bakterien werden nicht weitergeschleust, sondern können sich festsetzen und, wenn sie krankheitserregend (pathogen) sind, eine eitrige Entzündung auslösen.

Zu möglichen Auslösern zählen außerdem:

  • Abknickung des Wurmfortsatzes
  • narbige Verengung oder Schleimhautschwellung
  • Fremdkörper (z.B. verschluckter Obstkern)
  • selten: Darmparasiten (Würmer) oder Tumor

Ob verschluckte Obstkerne tatsächlich zu einer Blinddarmentzündung führen können, ist umstritten. Verschiedene Experten, beispielsweise vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, bestreiten dies. In der Fachliteratur, ob gedruckt oder digital im Internet, werden die Kirsch- bzw. Obstkerne aber meist (noch) mit aufgeführt.

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen

Es kann in jedem Lebensalter zu einer Blinddarmentzündung kommen, besonders häufig ist sie aber ab dem Grundschulalter. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr, der erweiterte Häufigkeitsbereich umfasst das 2. und 3. Lebensjahrzehnt (10-30 Jahre). Leider kann man sich aber weder davor noch danach sicher sein, keine Appendizitis zu bekommen.

Spezielle Vorbeugemaßnahmen gegen eine Blinddarmentzündung gibt es nicht. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit hohem Fasergehalt wird allerdings mit einer niedrigeren Erkrankungsrate in Verbindung gebracht.

Schnellkurs: Stadien der Blinddarmentzündung

Schweregrade und Formen

Wenn sich der Wurmfortsatz entzündet, läuft das Entzündungsgeschehen in mehreren Stadien ab, die an Schwere stetig zunehmen. Unterbrechen lässt sich dieser Verlauf durch die Behandlung (in der Regel operative Entfernung des krankhaften Darmteils). Spontanheilungen kommen zwar auch vor, aber abwarten kann man das in der Regel nicht.

Katarrhalisches Stadium

Gekennzeichnet durch eine einfache Entzündung mit vermehrter Schleimproduktion und verstärkter Durchblutung (Hyperämie) der Schleimhaut.

Purulentes Stadium

Tiefere Ausbreitung der Entzündung mit Eiterbildung.

Ulzeröses Stadium

Geschwürig. Häufig ausgelöst durch einen Kotstein oder Fremdkörper (z.B. Kirschkern), der über eine Sekretanstauung zur Infektion mit nachfolgendem Schaden der Darmwand und anschließendem Geschwür führt.

Gangränöses Stadium

Gewebezerfall, gekennzeichnet durch eine schmutzigbraune Farbe und einen faulig stinkenden Geruch.

Perforiertes Stadium

Durchbruch der geschädigten Darmwand, Darminhalt (inklusive Bakterien) gelangt in die Bauchhöhle. Ggf. bilden sich eingekapselte Eiteransammlungen (Abszesse), häufig um den Wurmfortsatz herum (perithyphlitischer Abszess).

Appendizitis simplex

Einfache Blinddarmentzündung im katarrhalischen oder purulenten Stadium.

Appendizitis destructiva

„Zerstörerische Blinddarmentzündung“ (Appendizitis destructiva) im fortgeschrittenen Stadium bis hin zur Abszessbildung oder Perforation (Durchbruch in die Bauchhöhle).


Symptome

Was sind typische Symptome und Beschwerden einer Blinddarmentzündung?

Folgende Symptome können eine Blinddarmentzündung begleiten:

  • anfangs krampfartige Schmerzen im ganzen Bauch oder um den Nabel, dann die typische Schmerzlokalisation im rechten Unterbauch
  • Bauchschmerzen zunächst unregelmäßig wiederkehrend, dann zunehmend
  • Druckempfindlichkeit des Bauches, Loslassschmerz (beim Entlasten nach der Druckausübung auf der Gegenseite)
  • „Wandern“ der Schmerzen vom Oberbauch bzw. Nabelbereich in den rechten Unterbauch
  • Appetitlosigkeit
  • eventuell Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung
  • leichtes bis mäßiges Fieber (häufig nur etwas über 38 °C)
  • eventuell leichter Durchfall oder Verstopfung
  • beschleunigter Puls
  • Nachtschweiß
  • gespannter Bauch, deshalb Schonhaltung mit angezogenen Beinen
  • Kind hält sich ruhig wegen Schmerzen beim Gehen bzw. bei Erschütterung
  • im Spätstadium bei fortgeschrittener Entzündung bzw. Blinddarmdurchbruch: Schwäche, Blässe, kalter Schweiß, Erbrechen, brettharter oder vorgewölbter Bauch, hohes Fieber

Schnellkurs: weitere Symptome und Anzeichen

Nicht immer leicht zu erkennen

Der entzündete Blinddarm ist symptomatisch ein Chamäleon. Das heißt, es gibt zwar ein "typisches Beschwerdebild", dieses tritt aber längst nicht immer genau so auf. Bei nicht einmal der Hälfte der Menschen mit Blinddarmentzündung tritt die als charakteristisch betrachtete Kombination der Symptome Übelkeit, Erbrechen und quälende Schmerzen im rechten Unterbauch auf.

Da der Wurmfortsatz nicht bei allen Menschen an der gleichen Stelle liegt, sind die Beschwerden und vor allem deren Lokalisation bei einer Blinddarmentzündung nicht immer typisch. Ganz abgesehen davon, dass es in der Biologie immer auch Abweichungen vom „idealtypischen“ Bild gibt, ob gesund oder krank.

Wann es gefährlich wird

Die Blinddarmentzündung als solche ist relativ harmlos, sie kann allerdings bei einem Durchbruch der Darmwand mit Ausbreitung der Entzündung in den Bauchraum einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.

Aufgrund dieser latent vorhandenen Gefahr sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen, wenn sich Hinweise auf eine Blinddarmentzündung ergeben.

Bei Anzeichen für ein fortgeschrittenes Stadium handelt es sich um einen Notfall – rufen Sie dann den Notarzt!

Was sind Appendizitis-Zeichen?

Appendizitis-Zeichen sind Schmerzen, die typischerweise bei einer Blinddarmentzündung entstehen bzw. auslösbar sind. Allerdings ist weder ihre Präsenz noch ihre Abwesenheit im Rahmen der Untersuchung durch den Arzt 100%ig aussagekräftig, geschweige denn beweisend.

Den Diagnoseverdacht erhärten können sie aber schon und dafür reicht meist die Prüfung einiger weniger dieser zahlreich vorhandenen Zeichen aus. Zu den bekannteren und eher häufig geprüften Appendizitis-Zeichen gehören:

Was sind Warnhinweise für einen Blinddarmdurchbruch?

Ein Blinddarmdurchbruch ist eine der schwersten Komplikationen, die bei einer Blinddarmentzündung auftreten kann. Paradoxerweise ...

... kommt es bei einem Aufplatzen des massiv entzündeten Wurmfortsatzes (Blinddarmdurchbruch) zunächst aber zu einem plötzlichen Nachlassen der Schmerzen im rechten Unterbauch. Der Grund: Der geschwollene und schmerzende Darmabschnitt wird durch den Abfluss des angestauten Eiters in die Bauchhöhle entlastet.

Nach einer Weile der Entlastung steigt dann der Schmerz aber wieder an und wird schlimmer als zuvor. Denn bei einem Blinddarmdurchbruch treten auch Stuhl und Bakterien aus dem Darminneren in die Bauchhöhle aus und verursachen dort eine schwere Entzündung des Bauchfells (Peritonitis).

Das ist ein lebensgefährlicher Zustand. Zusätzlich zu den Schmerzen entsteht dann ein brettharter Bauch, Kinder werden fiebrig und teilnahmslos. Wenn Sie auch nur den Verdacht haben, sollten Sie unbedingt sofort einen Arzt rufen oder aufsuchen.


Was soll ich bei Verdacht auf Blinddarmentzündung bei meinem Kind tun?

Wenn Ihr Kind unter Bauchschmerzen leidet, die von einer Blinddarmentzündung herrühren könnten, gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Kind hinlegt.
  • Kümmern Sie sich rasch um einen Arztkontakt (je nach Situation Hausbesuch anfordern, Praxis aufsuchen, gleich ins Krankenhaus fahren oder Notarzt rufen).
  • Geben Sie dem kleinen Patienten mit Blick auf eine mögliche Operation nichts mehr zu essen oder zu trinken.
  • Die Wärmeflasche, die bei anderen Gelegenheiten hilfreich sein kann, darf hier nicht eingesetzt werden – sie würde den Entzündungsprozess eher noch verschlimmern. Stattdessen können Sie Ihrem Schützling einen Eisbeutel auflegen.
  • Für die kurze Zeit bis zur ärztlichen Untersuchung sollte auf den Gebrauch von Schmerzmitteln verzichtet werden, um die Diagnosestellung nicht zu erschweren. Denn der Schmerzbefund und seine Lokalisation sind hierfür wichtig.

 

Schnellkurs Diagnostik

Wie wird eine Blinddarmentzündung festgestellt?

Für die Blinddarmentzündung gibt es kein absolut sicheres diagnostisches Kriterium. Die Verdachtsdiagnose "Appendizitis" ergibt sich vielmehr aus der Summe verschiedener Symptome und diagnostischer Marker.

Die körperliche Untersuchung (Druckschmerzpunkte) und die subjektiv vom Betroffenen geschilderten Beschwerden stehen dabei im Vordergrund. Außerdem richtungsweisend:

  • Verlaufs-Beobachtung: Beurteilung der Bauchschmerzen und anderer körperlicher Symptome in ihrer Entwicklung
  • Laboruntersuchung des Blutes: Erhöhung der Leukozytenzahl (weiße Blutkörperchen) und des CRP-Werts (Entzündungszeichen)
  • Ultraschalluntersuchung
  • Computertomographie (Stellenwert nicht gesichert)

Sicherheit erst bei OP

Einen Diagnosebeweis für die Blinddarmentzündung gibt es nicht, solange der Chirurg nicht den entzündeten Wurmfortsatz in Händen hält oder mit dem Laparoskop sichtet. Dennoch erkennen erfahrene Ärzte die Erkrankung in 70-80% der Fälle. Für die übrigen 20-30% gilt: Lieber einmal zu oft eine Appendizitis vermuten als einmal zu wenig. Denn wenn es zu Komplikationen kommt bzw. der Entzündungsprozess immer weiter fortschreitet, kann es sehr unangenehm werden.

Röntgen und Urinuntersuchung können weiterhelfen

Um mögliche andere Ursachen der Symptome auszuschließen, kann es sein, dass weitere Untersuchungen veranlasst werden. Dazu gehört z.B. ein Röntgen des Brustkorbs. Damit möchte der Arzt eine Entzündung im rechten unteren Lungenflügel ausschließen, die ähnliche Beschwerden wie bei einer Blinddarmentzündung auslösen kann.

Manchmal wird auch der Urin auf Bakterien und weiße Blutkörperchen untersucht, um eine Blasenentzündung auszuschließen. Auch sie kann nämlich schmerzhaft sein und ein ähnliches Beschwerdebild verursachen wie eine Blinddarmentzündung.


Welche anderen Erkrankungen können hinter einer vermeintlichen Blinddarmentzündung stecken?

Zu den Erkrankungen, die sich ähnlich äußern können wie eine Blinddarmentzündung und als Differenzialdiagnose (vor allem bei Kindern) in Betracht gezogen werden sollten, zählen u.a.:

  • Bauchfellentzündung (akutes Abdomen) anderer Ursache
  • Darmverschluss (Ileus)
  • Darmverschlingung (Invagination)
  • Gallenblasenentzündung
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Rotavirus-Infektion
  • u.v.a..

Behandlung im Überblick

Wie wird eine Blinddarmentzündung behandelt?

In der Regel mit einer Operation. Auf eine nicht-operative Behandlung (konservative Therapie) wird heute bis auf wenige Ausnahmen verzichtet, um die gefürchteten Komplikationen zu vermeiden.

Allerdings wird, wenn ein Verdacht auf Blinddarmentzündung besteht, das Untersuchungsbild aber auf einen subakuten, also etwas verzögerten Verlauf hindeutet, meist noch abgewartet. Das bedeutet Bettruhe, engmaschige Kontrollen und mit Blick auf die bevorstehende Operation Nahrungskarenz (Ess-Verbot). Diese Beobachtungszeit verbringen die Betroffenen im Krankenhaus.

Schnellkurs: zwischen zu schneller OP und Naturheilkunde

Blinddarmentzündung: Ist eine Operation immer notwendig?

Liegt tatsächlich eine Blinddarmentzündung vor, ist die operative Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes aus Sicherheitsgründen in der Regel zu empfehlen. In der Praxis besteht das Problem allerdings eher darin, festzustellen, ob der Blinddarm wirklich entzündet ist.

Eine Entfernung gesunder Wurmfortsätze gibt es wohl an jeder Klinik. Liegt die Rate aber über 20% – und damit deutlich über dem vermuteten Durchschnittswert von 15% – ist von einer „Überdiagnostik“ auszugehen. Diese geht übrigens nicht selten mit einem auffallend hohen Anteil an jungen Frauen im Patientengut einher.

In Thüringen wird der Blinddarm am häufigsten entfernt

Experten zufolge kommt es im internationalen Vergleich, beispielsweise gegenüber England, in Deutschland traditionell (zu) oft zur Blinddarmentfernung (Appendektomie). Die Operation ist aber seit den 1970er-Jahren um die Hälfte zurückgegangen (angeblich von 300.000 auf 150.000). Mit weiter fallender Tendenz:

Wurde zur Jahrtausendwende (im Jahr 2000) im bundesweiten Durchschnitt noch rund 570 von 100.000 Jungen und Mädchen unter 15 Jahren der Blinddarmfortsatz entfernt, waren es im Jahr 2008 nur noch 245 und damit weniger als die Hälfte.

Erstaunlich sind allerdings die regionalen Unterschiede. So stehen am unteren Ende der Skala in Bremen 136 Fälle (pro 100.000 Kinder und Jugendliche) einer Krankenhausbehandlung aufgrund von Blinddarmbeschwerden dem Spitzenreiter Thüringen mit 359 Fällen (pro 100.000) gegenüber.

Junge Frauen kommen am häufigsten unters Messer

Am häufigsten wird der (entzündete) Wurmfortsatz übrigens jungen Frauen entfernt. Die Zahl der Operationen ist bei ihnen im zweiten Lebensjahrzehnt mit Abstand am höchsten und erreicht das Maximum beim Alter von etwa 20 Jahren.

Das männliche Geschlecht weist dagegen eine wesentlich flachere Verteilungskurve auf, deren Gipfel sich etwa in der Mitte des dritten Lebensjahrzehnts, also zwischen 20 und 30 Jahren, befindet.

Ausnahme: Morbus Crohn

Ein Morbus Crohn zählt zu den wenigen Umständen, bei denen eine Blinddarmentzündung nach Möglichkeit nicht operativ behandelt wird. Der Grund ist die verstärkte Gefahr der Fistelbildung nach der Blinddarm-OP. Also das Entstehen von Verbindungen zwischen verschiedenen Darmabschnitten inklusive des Blinddarms, zu der Menschen mit Morbus Crohn neigen.

Wenn bei einem akuten Schub des Morbus Crohn eine sogenannte Begleit-Appendizitis auftritt, wird zunächst medikamentös behandelt. Eine Operation erfolgt dann erst, wenn sie, bei weiterer Verschlimmerung, zwingend geboten erscheint.

Kann die Naturheilkunde gegen eine Blinddarmentzündung helfen?

Nein. Gegen eine Blinddarmentzündung können normalerweise weder Sie selbst noch naturheilkundliche Behandlungsversuche helfen. Wir raten bei Verdacht auf Blinddarmentzündung dringend von irgendwelchen Experimenten dieser Art ab.

Im Anfangsstadium, wenn noch kein Eiter entstanden ist, kann sich die Entzündung durch Auflegen von Eisbeuteln und Nahrungsentzug in manchen Fällen zurückbilden. Zur Vermeidung lebensbedrohlicher Komplikationen stellt die operative Entfernung des Wurmfortsatzes aber letztlich die einzig sichere Maßnahme dar.


Operation

Wie wird eine Blinddarmoperation durchgeführt?

Es kommen zwei Operationsmethoden zur Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes (Appendektomie) in Betracht:

  • klassische Operation mit Bauchschnitt und freiem Zugang zur Bauchhöhle (Laparotomie)
  • operative Bauchspiegelung (Laparoskopie) mit drei kleinen Baucheinschnitten zur Einführung des Optik-Systems und der Instrumente

In beiden Fällen wird – jeweils in Vollnarkose – der entzündete Wurmfortsatz freigelegt, abgetrennt und der Stumpf vernäht. Mittlerweile kommt die schonendere "minimal invasive" Vorgehensweise vermehrt zum Einsatz. Bei Notoperationen ist aber immer noch der offene Eingriff die Methode der Wahl.

Ist die Darmwand des Wurmfortsatzes bereits aufgeplatzt (perforierte Appendizitis), wird die Bauchhöhle gespült und durch Einlegen einer Drainage (z.B. Schlauch) für einen ausreichenden Sekretabfluss gesorgt. Zum Schutz vor einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) wird zudem eine Behandlung mit Antibiotika begonnen, die noch 5-7 Tage nach der Operation fortzuführen ist.

Schnellkurs rund um die Blinddarm-OP

Sind nach der Operation Antibiotika nötig?

Bei einer unkomplizierten Blinddarmentzündung ist normalerweise keine antibiotische Behandlung erforderlich.

Etwas anders sieht es bei einer Blinddarmentzündung mit Durchbruch in die Bauchhöhle (perforierende Appendizitis) aus. In diesem potenziell lebensbedrohlichen Fall werden zum Schutz vor einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) Antibiotika über 5-7 Tage verordnet.

Wann kann ich wieder etwas essen?

Im Gegensatz zur früheren Vorgehensweise mit mehrtägigem Nahrungsaufbau nach der Operation wird heute die Wunschkost empfohlen, sobald der Betroffene vollständig erwacht ist.

Nicht selten kommt es allerdings zu einem mehrtägigen Darmverschluss (Ileus), der das Legen einer Magensonde erfordert. Erst wenn diese Situation überstanden ist, können Sie wieder normal essen.

Wie lange muss sich mein Kind nach der Blinddarm-OP schonen?

Kinder überstehen eine Blinddarmoperation meistens ganz gut und erholen sich rasch. Wenn keine Komplikationen aufgetreten sind und sich die Nahrungszufuhr wieder normalisiert, dürfen die kleinen Patienten nach wenigen Tagen (halbe bis ganze Woche) wieder nach Hause.

Dort sollten sie sich vor der Rückkehr in Kindergarten oder Schule noch einige Tage schonen und in Ruhe wieder zu Kräften kommen. Sport ist erst nach 4-6 Wochen wieder erlaubt, wenn die Bauchwunde vollständig verheilt ist.

Worauf sollten Sie nach einer Blinddarmoperation bei Ihrem Kind achten?

Egal, ob Ihr Kind klassisch mit Bauchschnitt oder mit Schlüssellochtechnik (minimal invasiv) operiert wurde – zuhause sollten Sie immer mal wieder einen Blick auf die OP-Wunde(n) werfen und …

… Ihren Arzt kontaktieren, falls die folgenden Anzeichen einer Wundinfektion zu beobachten sind:

  • rötliche Haut oder Wärme an der Nahtstelle
  • Eitern der Wunde
  • Fieber

Wie unterstütze ich nach einer Blinddarmoperation den Genesungsprozess?

Folgendes können Sie tun, um den Genesungsprozess Ihres Kindes nach einer Blinddarmoperation zu unterstützen:

  • Ihr Kind soll sich ausruhen und bleibt nach Absprache mit dem Arzt noch einige Zeit zuhause.

  • Sorgen Sie für genügend Schlaf.
  • Wunschkost ist erlaubt, sofern der Arzt nicht gegenteiliger Meinung ist.
  • Lieber kleinere als größere Portionen essen.
  • Das Maß an Bewegung sollte allmählich erhöht werden. Sport aber erst nach 4-6 Wochen wieder.

  • Halten Sie die Operationsnaht sauber (und Ihre Hände ebenfalls).
  • Falls ein Verband gewechselt wird, sind vorher und nachher die Hände zu waschen.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind die verschriebenen Medikamente einnimmt. Das gilt insbesondere für Antibiotika, um eine Resistenzentwicklung der Keime zu vermeiden. Wenden Sie sich bei Nebenwirkungen bzw. Problemen an Ihren Arzt.

Gibt es auch eine vorbeugende Blinddarmoperation?

Ja, die gibt es, sie ist allerdings umstritten. Zum einen wird bei manchen Bauchoperationen, z.B. aus gynäkologischem Anlass, der Wurmfortsatz des Blinddarms gelegentlich mitentfernt. Die Überlegung dahinter:

Das Darmanhängsel als rudimentäres lymphatisches Organ („Darm-Mandel“) scheint für entzündliche Veränderungen besonders empfänglich zu sein. Demzufolge wird das Operationsrisiko unter kontrollierten Bedingungen als niedriger erachtet als jenes einer möglichen Blinddarmentzündung im späteren Leben.

Abgesehen von diesen „Begleitappendektomien“ gibt es auch noch den Wunsch mancher Fernreisender, sich ihres Blinddarms vor längeren Aufenthalten in medizinisch unterversorgten Gebieten prophylaktisch zu entledigen. Sofern es nicht zuvor schon Probleme mit dem Blinddarm gab, erscheint dies allerdings gegenüber anderen gesundheitsstärkenden Maßnahmen als weniger sinnvoll.


Wird manchmal auch versehentlich der gesunde Blinddarm entfernt?

Ja und nein. Nein, weil bei der bekannten und häufig durchgeführten „Blinddarmentfernung“ nicht der ganze Blinddarm, sondern nur sein Wurmfortsatz (Appendix veriformis) entfernt wird, was man medizinisch als Appendektomie bezeichnet.
Ja, da sich eine Blinddarm-Operation in 15% der Fälle im Nachhinein als "Fehlalarm" erweist.

Warum passiert das so oft? Da man die potenziell lebensgefährliche Blinddarmentzündung von außen nicht mit 100%iger Sicherheit diagnostizieren kann, wird der nicht lebensnotwendige Blinddarm-Anhang oft auch auf „blinden Verdacht“ hin entfernt, selbst auf die Gefahr hin, dass er sich dann als gesund erweist.

Schnellkurs: mögliche OP-Komplikationen

Welche Komplikationen können bei einer Blinddarmoperation auftreten?

Die Entfernung des Wurmfortsatzes (Appendektomie) weist als häufig durchgeführte Routineoperation eine geringe Komplikationsrate auf. Normalerweise ist mit einem Krankenhausaufenthalt von nur wenigen Tagen zu rechnen, an den sich eine rasche und vollständige Erholung anschließt.

Deutlich riskanter als die Operation selbst ist das Aufschieben derselben. Denn ein entzündeter Wurmfortsatz kann innerhalb von nicht einmal 24 Stunden nach Einsetzen der Symptome platzen. Während dies noch vor einem halben Jahrhundert häufig tödlich endete, hält heute der Einsatz von Antibiotika die meisten Patienten auch in dieser Hochrisikosituation am Leben.

Die Komplikationsgefahr ist bei einem Durchbruch, wie auch bei anderen entzündungsbedingten Schäden im Blinddarm-Bereich, höher als bei einer frühzeitigen Entfernung des intakten Wurmfortsatzes.

So können etwa Darmschlingen bei der Narbenbildung miteinander verkleben oder durch Narbenstränge eingeengt werden. Oft kommt es dann schon bald nach der Operation zu erneuten Beschwerden und der Notwendigkeit weiterer Eingriffe, die eine langwierige Genesung bedingen.

Das Operations- und Narkoserisiko ist in der Regel gering und hängt maßgeblich von der Schwere der Blinddarmentzündung und etwaigen Begleiterkrankungen ab. Zu den Komplikationen, die nach Blinddarmoperationen bisher beobachtet wurden, zählen:

  • Verwachsungen und Narbenbildungen, eventuell mit resultierendem Darmverschluss (Ileus)
  • mechanische Beschädigung von Bauchorganen und anderen Strukturen
  • Blutungen und Nachblutungen
  • Bauchfellentzündung (Peritonitis)
  • Abszessbildung
  • Wundheilungsstörungen
  • Stumpfinsuffizienz (Durchlässigkeit der Darmwand)
  • überschießende Narbenbildung
  • Narbenbrüche im Bauchbereich
  • Sensibilitätsstörungen (meist nur vorübergehend)
  • chronische Schmerzen
  • allergische Reaktionen
  • Folgeoperation, Wiedereröffnung der Wunde

Dabei muss nochmals betont werden, dass bei einer sich selbst überlassenen Blinddarmentzündung das Gefahrenpotenzial für einzelne dieser Komplikationen wie auch insgesamt viel höher ist als bei einer Operation, die in den meisten Fällen problemlos verläuft und Sie oder Ihr Kind vermutlich vor Schlimmerem bewahrt.


Prognose

Wie ist die Prognose bei einer Blinddarmentzündung?

Die Prognose einer Blinddarmentzündung hängt neben anderen Faktoren, wie etwaigen Begleiterkrankungen Ihres Kindes und auftretenden Komplikationen, vor allem vom Schweregrad und der Fortgeschrittenheit des Geschehens ab.

Eine weniger schwere Blinddarmentzündung oder „Blinddarmreizung" heilt nicht selten von selbst (spontan). Das ist aber keinesfalls immer so und kann auch nicht sicher vorhergesagt werden.

Bei einem Durchbruch (Perforation) des Wurmfortsatzes hingegen besteht grundsätzlich Lebensgefahr. Deshalb ist es wichtig, die Symptome rasch zu erkennen und für eine rechtzeitige Operation zu sorgen. Dann ist die Prognose sehr gut und eine vollständige Gesundung der Normalfall.

Geringe Sterblichkeit

Die Sterblichkeit (Mortalität) bei einer Blinddarmentzündung ist heute insgesamt betrachtet sehr gering und liegt unter 0,1%. Weniger als einer von 1.000 Betroffenen stirbt also daran, wobei vor allem ältere und schwer kranke Menschen gefährdet sind.

Kommt es allerdings zu einer Bauchfellentzündung infolge eines Durchbruchs (perforierte Appendizitis), steigt das Sterberisiko, vor allem für ältere Menschen, auf beträchtliche 6-15% an. Deshalb ist das frühzeitige Einschalten ärztlicher Hilfe wichtig, wenn erste Verdachtshinweise auf eine Blinddarmentzündung wahrgenommen werden.

Schnellkurs: mögliche Folgen der unbehandelten Blinddarmentzündung

In welchem Alter ist das Risiko für einen Blinddarmdurchbruch besonders hoch?

Wenn sich der Blinddarm bzw. sein Wurmfortsatz entzündet hat, ist die Gefahr eines Durchbruchs (perforierende Appendizitis) bei kleinen Kindern zwischen 1 und 3 Jahren mit über 40% am höchsten.

Mit zunehmendem Alter sinkt das Risiko und erreicht bei den 14- bis 19-Jährigen einen Wert unter 10%. Anschließend steigt die Perforationsrate wieder und liegt jenseits eines Lebensalters von 60 Jahren bei über 30%, betrifft also etwa jeden dritten Appendizitis-Patienten. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegt diese Rate in unserem Kulturkreis nur bei 10-15%, da eben die meisten Blinddarmentzündungen bei Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen vorkommen.

Welche Komplikationen können bei einer Blinddarmentzündung auftreten?

Das Gefährliche an einer Blinddarmentzündung sind die möglichen Komplikationen, die sich bei einer Ausdehnung der eitrigen Entzündung auf umgebendes Gewebe, benachbarte Organe oder weiter in die Bauchhöhle hinein entwickeln können:

  • Durchbruch des Wurmfortsatzes (Perforation, umgangssprachlich Blinddarmdurchbruch) im weit fortgeschrittenen Stadium einer Blinddarmentzündung (gangränose Appendizitis), Folgen: Bauchfellentzündung (Peritonitis) oder Abszessbildung
  • selten: reaktive Darmlähmung des gesamten Darms (Darmparalyse) oder Darmverschluss (Ileus)
  • Fistelbildung bei Menschen mit Morbus Crohn 

Ist die spätere Fruchtbarkeit durch eine Blinddarmentzündung im Kindesalter gefährdet?

Nein, im Gegensatz zu älteren Frauen besteht bei einer Blinddarmentzündung im Kindesalter normalerweise keine Gefahr, dass es zu einer eingeschränkten Fruchtbarkeit (Fertilität) als Folgekomplikation kommt.


Quellen:

  • Kinderärzte im Netz
  • Gorter, R.R. et al., Diagnosis and management of acute appendicitis. EAES consensus development conference 2015. Surg Endosc 30, 4668 (2016).

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