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Blinddarmentzündung: Behandlung und Prognose

Wird bei einer Blinddarmentzündung immer operiert? Zu welchen Komplikationen kann es kommen? Alle Fragen zur Behandlung und Prognose beantworten wir im folgenden Beitrag.

Behandlung im Überblick

Wie wird eine Blinddarmentzündung behandelt?

In der Regel mit einer Operation. Auf eine nicht-operative Behandlung (konservative Therapie) wird heute bis auf wenige Ausnahmen verzichtet, um die gefürchteten Komplikationen zu vermeiden.

Allerdings wird, wenn ein Verdacht auf Blinddarmentzündung besteht, das klinische Untersuchungsbild aber auf einen subakuten, also etwas verzögerten Verlauf hindeutet, meist noch abgewartet. Das bedeutet Bettruhe, engmaschige Kontrollen und mit Blick auf die bevorstehende Operation Nahrungskarenz (Ess-Verbot). Diese Beobachtungszeit verbringen die Betroffenen im Krankenhaus.

Ausnahme: Morbus Crohn

Eine Erkrankung an Morbus Crohn zählt zu den wenigen Umständen, bei denen eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) nach Möglichkeit nicht operativ behandelt wird. Der Grund ist die verstärkte Gefahr der Fistelbildung nach der Blinddarm-OP. Also das Entstehen von Verbindungen zwischen verschiedenen Darmabschnitten inklusive des Blinddarms, zu der Menschen mit Morbus Crohn neigen.

Wenn bei einem akuten Schub des Morbus Crohn eine sogenannte Begleit-Appendizitis auftritt, wird zunächst medikamentös behandelt. Eine Operation erfolgt dann erst, wenn sie, bei weiterer Verschlimmerung, zwingend geboten erscheint.

Blinddarmentzündung: Ist eine Operation immer notwendig?

Liegt tatsächlich eine Blinddarmentzündung vor, ist die operative Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes aus Sicherheitsgründen in der Regel zu empfehlen. In der Praxis besteht das Problem allerdings eher darin, festzustellen, ob der Blinddarm wirklich entzündet ist. „Negative“ Appendektomien, also die Entfernung gesunder Wurmfortsätze, gibt es wohl an jeder Klinik. Liegt die Rate aber über 20% – und damit deutlich über dem vermuteten Durchschnittswert von 15% – ist von einer „Überdiagnostik“ auszugehen, die nicht selten mit einem auffallend hohen Anteil an jungen Frauen im Patientengut einhergeht.

In Thüringen wird der Blinddarm am häufigsten entfernt

Experten zufolge kommt es im internationalen Vergleich, beispielsweise gegenüber England, in Deutschland traditionell (zu) oft zur Blinddarmentfernung (Appendektomie). Die Operation ist aber seit den 1970er-Jahren um die Hälfte zurückgegangen (angeblich von 300.000 auf 150.000). Mit weiter fallender Tendenz: Wurde zur Jahrtausendwende (im Jahr 2000) im bundesweiten Durchschnitt noch rund 570 von 100.000 Jungen und Mädchen unter 15 Jahren der Blinddarmfortsatz entfernt, waren es im Jahr 2008 nur noch 245 und damit weniger als die Hälfte.

Erstaunlich sind allerdings die bundesländerspezifischen Unterschiede. So stehen am unteren Ende der Skala in Bremen 136 Fälle (pro 100.000 Kinder und Jugendliche) einer Krankenhausbehandlung aufgrund von Blinddarmbeschwerden dem Spitzenreiter Thüringen mit 359 Fällen (pro 100.000) gegenüber.

Junge Frauen kommen am häufigsten unters Messer

Am häufigsten wird der (entzündete) Wurmfortsatz übrigens jungen Frauen entfernt. Die Zahl der Operationen (Appendektomien) ist bei ihnen im zweiten Lebensjahrzehnt mit Abstand am höchsten und erreicht das Maximum beim Alter von etwa 20 Jahren. Das männliche Geschlecht weist dagegen eine wesentlich flachere Verteilungskurve auf, deren Gipfel sich etwa in der Mitte des dritten Lebensjahrzehnts, also zwischen 20 und 30 Jahren, befindet.

Kann die Naturheilkunde gegen eine Blinddarmentzündung helfen?

Nein. Gegen eine Blinddarmentzündung können normalerweise weder Sie selbst noch naturheilkundliche Behandlungsversuche Ihrem Kind helfen. Wir raten bei Verdacht auf Blinddarmentzündung dringend von irgendwelchen Experimenten dieser Art ab.

Im Anfangsstadium, wenn noch kein Eiter entstanden ist, kann sich die Entzündung durch Auflegen von Eisbeuteln und Nahrungsentzug in manchen Fällen zurückbilden. Zur Vermeidung lebensbedrohlicher Komplikationen stellt die operative Entfernung des Wurmfortsatzes aber letztlich die einzig sichere Maßnahme dar.

Operation

Wie wird eine Blinddarmoperation durchgeführt?

Es kommen zwei Operationsmethoden zur Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes (Appendektomie) in Betracht:

  • klassische Operation mit Bauchschnitt und freiem Zugang zur Bauchhöhle (Laparotomie)
  • operative Bauchspiegelung (Laparoskopie) mit drei kleinen Baucheinschnitten zur Einführung des Optik-Systems und der Instrumente

In beiden Fällen wird – jeweils in Vollnarkose – der entzündete Wurmfortsatz freigelegt, abgetrennt und der Stumpf vernäht. Mittlerweile kommt die schonendere "minimal invasive" Vorgehensweise vermehrt zum Einsatz. Bei Notoperationen ist aber immer noch der offene Eingriff die Methode der Wahl.

Ist die Darmwand des Wurmfortsatzes bereits aufgeplatzt (perforierte Appendizitis), wird die Bauchhöhle gespült und durch Einlegen einer Drainage (z.B. Schlauch) für einen ausreichenden Sekretabfluss gesorgt. Zum Schutz vor einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) wird zudem eine Behandlung mit Antibiotika begonnen, die noch 5-7 Tage nach der Operation fortzuführen ist.

Welche Komplikationen können bei einer Blinddarmoperation auftreten?

Die Entfernung des Wurmfortsatzes (Appendektomie) weist als häufig durchgeführte Routineoperation eine geringe Komplikationsrate auf. Normalerweise ist mit einem Krankenhausaufenthalt von nur wenigen Tagen zu rechnen, an den sich eine rasche und vollständige Erholung anschließt.

Deutlich riskanter als die Operation selbst ist das Aufschieben derselben. Denn ein entzündeter Wurmfortsatz kann innerhalb von nicht einmal 24 Stunden nach Einsetzen der Symptome platzen. Während dies noch vor einem halben Jahrhundert häufig tödlich endete, hält heute der Einsatz von Antibiotika die meisten Patienten auch in dieser Hochrisikosituation am Leben.

Die Komplikationsgefahr ist dann, wie auch bei entzündungsbedingten Schäden im Appendix-Bereich, höher als bei einer frühzeitigen Entfernung des intakten Wurmfortsatzes. So können etwa Darmschlingen bei der Narbenbildung miteinander verkleben oder durch Narbenstränge eingeengt werden. Oft kommt es dann schon bald nach der Operation zu erneuten Beschwerden und der Notwendigkeit weiterer Eingriffe, die eine langwierige Genesung bedingen.

Das Operations- und Narkoserisiko ist in der Regel gering und hängt maßgeblich von der Schwere der Blinddarmentzündung und etwaigen Begleiterkrankungen Ihres Kindes ab. Zu den Komplikationen, die nach Blinddarmoperationen bisher beobachtet wurden, zählen:

  • Verwachsungen und Narbenbildungen, eventuell mit resultierendem Darmverschluss (Ileus)
  • mechanische Beschädigung von Bauchorganen und anderen Strukturen
  • Blutungen und Nachblutungen
  • Bauchfellentzündung (Peritonitis)
  • Abszessbildung
  • Wundheilungsstörungen
  • Stumpfinsuffizienz (Durchlässigkeit der Darmwand)
  • überschießende Narbenbildung
  • Narbenbrüche im Bauchbereich
  • Sensibilitätsstörungen (meist nur vorübergehend)
  • chronische Schmerzen
  • allergische Reaktionen
  • Folgeoperation, Wiedereröffnung der Wunde

Dabei muss nochmals betont werden, dass bei einer sich selbst überlassenen Blinddarmentzündung das Gefahrenpotenzial für einzelne dieser Komplikationen wie auch insgesamt viel höher ist als bei einer Operation, die in den meisten Fällen problemlos verläuft und Ihr Kind vermutlich vor Schlimmerem bewahrt.

Wird manchmal auch versehentlich der gesunde Blinddarm entfernt?

Ja und nein. Nein, weil bei der bekannten und häufig durchgeführten „Blinddarmentfernung“ nicht der ganze Blinddarm, sondern nur sein Wurmfortsatz (Appendix veriformis) entfernt wird, was man medizinisch als Appendektomie bezeichnet.
Ja, da sich eine Blinddarm-Operation in 15% der Fälle im Nachhinein als "Fehlalarm" erweist.

Warum passiert das so oft? Da man die potenziell lebensgefährliche Blinddarmentzündung von außen nicht mit 100%iger Sicherheit diagnostizieren kann, wird der nicht lebensnotwendige Blinddarm-Anhang oft auch auf „blinden Verdacht“ hin entfernt, selbst auf die Gefahr hin, dass er sich dann als gesund erweist.

Gibt es auch eine vorbeugende Blinddarmoperation?

Ja, die gibt es, sie ist allerdings umstritten. Zum einen wird bei manchen Bauchoperationen, z.B. aus gynäkologischem Anlass, der Wurmfortsatz des Blinddarms gelegentlich mitentfernt. Die Überlegung dahinter: Das Darmanhängsel als rudimentäres lymphatisches Organ („Darm-Mandel“) scheint für entzündliche Veränderungen besonders empfänglich zu sein. Demzufolge wird das Operationsrisiko unter kontrollierten Bedingungen als niedriger erachtet als jenes einer möglichen Blinddarmentzündung im späteren Leben.

Abgesehen von diesen „Begleitappendektomien“ gibt es auch noch den Wunsch mancher Fernreisender, sich ihres Blinddarms vor längeren Aufenthalten in medizinisch unterversorgten Gebieten prophylaktisch zu entledigen. Sofern es nicht zuvor schon Probleme mit dem Blinddarm gab, erscheint dies allerdings gegenüber anderen gesundheitsstärkenden Maßnahmen als weniger sinnvoll.

Schnellkurs rund um die Blinddarm-OP

Sind nach der Operation Antibiotika nötig?

Bei einer unkomplizierten Blinddarmentzündung ist normalerweise keine antibiotische Behandlung erforderlich. Etwas anders sieht es bei einer Blinddarmentzündung mit Durchbruch in die Bauchhöhle (perforierende Appendizitis) aus. In diesem potenziell lebensbedrohlichen Fall werden zum Schutz vor einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) Antibiotika über 5-7 Tage verordnet.

Wann kann ich wieder etwas essen?

Im Gegensatz zur früheren Vorgehensweise mit mehrtägigem Nahrungsaufbau nach der Operation wird heute die Wunschkost empfohlen, sobald der Betroffene vollständig erwacht ist.

Nicht selten kommt es allerdings zu einem mehrtägigen Darmverschluss (Ileus), der das Legen einer Magensonde erfordert. Erst wenn diese Situation überstanden ist, können Sie wieder normal essen.

Wie lange muss sich mein Kind nach der Blinddarm-OP schonen?

Kinder überstehen eine Blinddarmoperation meistens ganz gut und erholen sich rasch. Wenn keine Komplikationen aufgetreten sind und sich die Nahrungszufuhr wieder normalisiert, dürfen die kleinen Patienten nach wenigen Tagen (halbe bis ganze Woche) wieder nach Hause. Dort sollten sie sich vor der Rückkehr in Kindergarten oder Schule noch einige Tage schonen und in Ruhe wieder zu Kräften kommen. Sport ist erst nach 4-6 Wochen wieder erlaubt, wenn die Bauchwunde vollständig verheilt ist.

Worauf sollten Sie nach einer Blinddarmoperation bei Ihrem Kind achten?

Ob Ihr Kind klassisch mit Bauchschnitt oder mit Schlüssellochtechnik (minimal invasiv) operiert wurde – zuhause sollten Sie immer mal wieder einen Blick auf die OP-Wunde(n) werfen und Ihren Arzt kontaktieren, falls die folgenden Anzeichen einer Wundinfektion zu beobachten sind:

  • rötliche Haut oder Wärme an der Nahtstelle
  • Eitern der Wunde
  • Fieber

Wie unterstütze ich nach einer Blinddarmoperation den Genesungsprozess?

Folgendes können Sie tun, um den Genesungsprozess Ihres Kindes nach einer Blinddarmoperation zu unterstützen:

  • Ihr Kind soll sich ausruhen und bleibt nach Absprache mit dem Arzt noch einige Zeit zuhause.
  • Sorgen Sie für genügend Schlaf.
  • Wunschkost ist erlaubt, sofern der Arzt nicht gegenteiliger Meinung ist.
  • Lieber kleinere als größere Portionen essen.
  • Das Maß an Bewegung sollte allmählich erhöht werden. Sport aber erst nach 4-6 Wochen wieder.
  • Halten Sie die Operationsnaht sauber (und Ihre Hände ebenfalls).
  • Falls ein Verband gewechselt wird, sind vorher und nachher die Hände zu waschen.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind die verschriebenen Medikamente einnimmt. Das gilt insbesondere für Antibiotika, um eine Resistenzentwicklung der Keime zu vermeiden. Wenden Sie sich bei Nebenwirkungen bzw. Problemen an Ihren Arzt.


Prognose

Wie ist die Prognose bei einer Blinddarmentzündung?

Die Prognose einer Blinddarmentzündung hängt neben anderen Faktoren, wie etwaigen Begleiterkrankungen Ihres Kindes und auftretenden Komplikationen, vor allem vom Schweregrad und der Fortgeschrittenheit des Geschehens ab.

Eine weniger schwere Blinddarmentzündung oder „Blinddarmreizung" heilt nicht selten von selbst (spontan). Das ist aber keinesfalls immer so und kann auch nicht sicher vorhergesagt werden.

Bei einem Durchbruch (Perforation) des Wurmfortsatzes hingegen besteht grundsätzlich Lebensgefahr. Deshalb ist es wichtig, die Symptome rasch zu erkennen und für eine rechtzeitige Operation zu sorgen. Dann ist die Prognose sehr gut und eine vollständige Gesundung der Normalfall.

Geringe Sterblichkeit

Die Sterblichkeit (Mortalität) bei einer Blinddarmentzündung ist heute insgesamt betrachtet sehr gering und liegt unter 0,1%. Weniger als einer von 1.000 Betroffenen stirbt also daran, wobei vor allem ältere und schwer kranke Menschen gefährdet sind.

Kommt es allerdings zu einer Bauchfellentzündung infolge eines Durchbruchs (perforierte Appendizitis), steigt das Sterberisiko, vor allem für ältere Menschen, auf beträchtliche 6-15% an. Deshalb ist das frühzeitige Einschalten ärztlicher Hilfe wichtig, wenn erste Verdachtshinweise auf eine Blinddarmentzündung wahrgenommen werden.

Komplikationen

In welchem Alter ist das Risiko für einen Blinddarmdurchbruch besonders hoch?

Wenn sich der Blinddarm bzw. sein Wurmfortsatz entzündet hat, ist die Gefahr eines Durchbruchs (perforierende Appendizitis) bei kleinen Kindern zwischen 1 und 3 Jahren mit über 40% am höchsten.

Mit zunehmendem Alter sinkt das Risiko und erreicht bei den 14- bis 19-Jährigen einen Wert unter 10%. Anschließend steigt die Perforationsrate wieder und liegt jenseits eines Lebensalters von 60 Jahren bei über 30%, betrifft also etwa jeden dritten Appendizitis-Patienten. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegt diese Rate in unserem Kulturkreis nur bei 10-15%, da eben die meisten Blinddarmentzündungen bei Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen vorkommen.

Welche Komplikationen können bei einer Blinddarmentzündung auftreten?

Das Gefährliche an einer Blinddarmentzündung sind die möglichen Komplikationen, die sich bei einer Ausdehnung der eitrigen Entzündung auf umgebendes Gewebe, benachbarte Organe oder weiter in die Bauchhöhle hinein entwickeln können:

  • Durchbruch des Wurmfortsatzes (Perforation, umgangssprachlich Blinddarmdurchbruch) im weit fortgeschrittenen Stadium einer Blinddarmentzündung (gangränose Appendizitis), Folgen: Bauchfellentzündung (Peritonitis) oder Abszessbildung
  • selten: reaktive Darmlähmung des gesamten Darms (Darmparalyse) oder Darmverschluss (Ileus)
  • Fistelbildung bei Menschen mit Morbus Crohn 

Ist die spätere Fruchtbarkeit durch eine Blinddarmentzündung im Kindesalter gefährdet?

Nein, im Gegensatz zu älteren Frauen besteht bei einer Blinddarmentzündung im Kindesalter normalerweise keine Gefahr, dass es zu einer eingeschränkten Fruchtbarkeit (Fertilität) als Folgekomplikation kommt.

Quellen:

  • Kinderärzte im Netz
  • Gorter, R.R. et al., Diagnosis and management of acute appendicitis. EAES consensus development conference 2015. Surg Endosc 30, 4668 (2016).
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