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Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit): Symptome, Test, Ernährung

Woran erkennt man eine Gluten-Unverträglichkeit? Wie entsteht die Zöliakie und wie lässt sie sich behandeln? Was darf man dann nicht mehr essen? Fragen dazu beantworten wir in diesem Kapitel.

Krankheitsbeschreibung

Was ist Zöliakie?

Bei der Zöliakie handelt es sich um eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut aufgrund einer veranlagten Überempfindlichkeit gegen Nahrungsmittel, die den Eiweißstoff Gluten enthalten. Gluten kommt in vielen heimischen Getreidesorten vor.

Die Zöliakie zählt zu den häufigsten nichtinfektiösen Darmerkrankungen im Kindesalter, kann sich aber auch erst im Erwachsenenalter bemerkbar machen. Sie tritt familiär gehäuft auf und stellt insofern eine Gefahr dar, als sie unerkannt zu Entwicklungs- und Wachstumsstörungen der betroffenen Kinder führen kann.

Bei glutenfreier Ernährung sind normalerweise keinerlei sonstige Einschränkungen zu erwarten.

Was sind wichtige Merkmale der Zöliakie?

Die Zöliakie ist durch folgende Charakteristika gekennzeichnet:

  • Auftreten in jedem Lebensalter möglich, gehäuft im Säuglingsalter und in der 4. Lebensdekade
  • chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut
  • Mischform aus Allergie und Autoimmunerkrankung
  • Auslöser sind Komponenten des Getreideproteins Gluten (Klebereiweiß)
  • keine Beschwerden mehr bei glutenfreier Ernährung (bis auf Ausnahmen)
  • erbliche Veranlagung (zu 10% familiäre Häufung)

Basiswissen zur Zöliakie

Was ist der Unterschied zwischen Zöliakie und Sprue?

Die Begrifflichkeiten Zöliakie und Sprue bezeichnen beide die gleiche Krankheit, nur in verschiedenen Lebensaltern. Die Unterscheidung zwischen der Zöliakie im Kindes- und der Sprue im Erwachsenenalter, die sich auch im Beschwerdebild kaum unterscheiden, erscheint manchen Experten nicht mehr ganz zeitgemäß.

Von der einheimischen Sprue wird die tropische Sprue unterschieden, die nichts mit Gluten zu tun hat und anders behandelt wird.

Welche Formen der Zöliakie gibt es?

Die folgenden Formen der Zöliakie werden unterschieden:

  • klassische Zöliakie (Durchfall, Gewichtsverlust, Gedeihstörung)
  • atypische Zöliakie (Magen-Darm-Beschwerden können fehlen)
  • stille, asymptomatische Zöliakie (Antikörper nachweisbar, Dünndarmbiopsie mit pathologischem Befund, keine Krankheitsanzeichen)
  • potenzielle Zöliakie (Antikörper nachweisbar, Dünndarmbiopsie ohne pathologischen Befund, keine Krankheitsanzeichen)

Symptome

In welchem Alter tritt die Zöliakie auf?

Mit dem Auftreten der Zöliakie ist in jedem Lebensalter zu rechnen. Allerdings gibt es zwei Häufigkeitsgipfel: im Säuglingsalter und im 4. Lebensjahrzehnt.

Beim Baby machen sich die Beschwerden frühestens 1-6 Monate nach dem ersten Kontakt mit glutenhaltiger Nahrung bzw. Beikost bemerkbar.

Was sind typische Anzeichen der Zöliakie?

Die Krankheitserscheinungen, die im Rahmen einer Gluten-Unverträglichkeit auftreten können, beziehen sich als Magen-Darm-Beschwerden entweder auf den Ort des Entzündungsgeschehens, oder sie werden durch den sich im Laufe der Zeit einstellenden Nährstoffmangel verursacht.

Letzterer betrifft vor allem die Versorgung mit Eiweiß, Eisen und Vitaminen. Aufgrund unterschiedlicher Schweregrade von Immun- und Entzündungsreaktionen ergibt sich ein weitskaliertes Erscheinungsbild, das von kaum merklichen bis zu heftigen Symptomen reichen und im Kindesalter auch zu gravierenden Entwicklungsstörungen bis hin zu geistiger Retardierung und Kleinwuchs führen kann.

Nur bei einem Teil, aber immerhin bei mehr als der Hälfte der Zöliakie-Betroffenen kommt es zu typischen Symptomen wie:

Außerdem können auftreten:

  • Appetitlosigkeit
  • Blässe
  • Knochen- und Muskelschmerzen
  • Muskelschwäche

Folgen der Mangelernährung speziell im Säuglings- bzw. Kindesalter können sein:

  • Vitaminmangelerscheinungen
  • Blutarmut
  • Wachstumsverzögerungen, Kleinwuchs
  • geistige Fehlentwicklungen

Wissenswertes zu Symptomen der Zöliakie

Was versteht man unter „massigen“ Stühlen beim Baby?

Bei einer chronischen Darmerkrankung wie der Zöliakie kann es zu sogenannten massigen Stühlen kommen, also der volumenreichen Ausscheidung von Kot. Größenordnungsmäßig ist damit mehr als eine große Tasse voll pro Tag gemeint.

Spucken und Jammern nach Beginn der Zufütterung – ein Zeichen für Gluten-Unverträglichkeit?

Wenn Sie Ihrem Baby erstmals Beikost zufüttern, ist es völlig normal, wenn diese Umstellung vorübergehend leichte Beschwerden wie vermehrtes Spucken und Jammern verursacht.

Erst wenn die Beschwerden zunehmen und/oder über einen längeren Zeitraum anhalten, besteht Anlass, über eine eventuelle Glutenunverträglichkeit nachzudenken.

Ist die Zöliakie leicht zu erkennen?

Nicht unbedingt. Bei typischem Beschwerdebild mit aufgeblähtem Bauch, dünnen Beinchen und eingefallenem Gesäß des Babys in Verbindung mit Ernährungs- und Familienanamnese liegt der Zöliakie-Verdacht nahe.

Allerdings gibt es auch häufig weit weniger typische Verläufe mit eher unspezifischen Beschwerdebildern. Nicht selten wird eine Gluten-Unverträglichkeit als Magenverstimmung missinterpretiert.

Ursachen

Was sind die Ursachen der Zöliakie?

Im Zentrum der Ursachenforschung bei der Zöliakie steht vor allem die genetische Veranlagung, für die das familiär gehäufte Vorkommen spricht.

Auch die hohe Korrelation mit einer bestimmten Konfiguration der vererbten HLA-Proteine (Human Leukocyte Antigen) weist auf genetische Ursachen. Diese HLA-Proteine sind eine individuelle „Signatur“ der Körperzellen und als Gewebsantigene für die Unterscheidung zwischen körpereigenen und körperfremden Strukturen durch das Immunsystem von zentraler Bedeutung.

Allergie und defektes Immunsystem

Tatsächlich kommt es bei der Zöliakie durch eine Kombination von allergischen und autoaggressiven Reaktionen des Immunsystems zu einer chronisch verlaufenden Entzündung der Darmschleimhaut. Im Blut der Betroffenen sind spezifische Antikörper gegen Gluten-Bestandteile einerseits und körpereigene Strukturen andererseits nachweisbar. Allerdings wurde in Screening-Untersuchungen festgestellt, dass es nur bei einem Teil von Antikörperträgern zu einem (erkannten) Ausbruch von Symptomen kommt.

Vererbung: nur ein Faktor von vielen?

Warum jeweils nur ein Teil der Menschen mit erblicher Veranlagung und/oder spezifischen Antikörpern im Blut an Zöliakie erkrankt und der andere nicht, ist nach wie vor unklar. Deshalb werden noch zahlreiche andere Faktoren als Krankheitsauslöser diskutiert. Dazu zählen Infektionen sowie ein möglicher Enzymdefekt in der Dünndarmschleimhaut, die infolgedessen durch giftige Substanzen angegriffen und zerstört werden könnte.

Kann man dem Auftreten einer Zöliakie vorbeugen?

Der Gluten-Überempfindlichkeit als solcher kann man nicht vorbeugen. Aber es erscheint möglich, das Auftreten der Zöliakie hinauszuzögern und ihren Schweregrad abmildern.

Je länger Sie Ihr Kind stillen und je später Sie ihm getreidehaltige Nahrungsmittel (bei-) füttern, desto später kommt die gefährdete Darmschleimhaut mit dem Kleberweiweiß in Berührung, das die zerstörerische Immunreaktion auslöst. Es wird deshalb den Müttern geraten, mindestens bis zum 4. Lebensmonat keine glutenhaltige Beikost zu füttern, ganz abgesehen von der Grundsatzempfehlung, möglichst bis zum 6. Monat voll zu stillen.

Wissenswertes zur Ursache der Zöliakie

Bei wem ist das Zöliakie-Risiko erhöht?

Folgende Risikofaktoren für die Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit) sind bekannt:

  • Zöliakie tritt beim weiblichen Geschlecht doppelt so oft auf wie beim männlichen.
  • Das familiäre Risiko beträgt 10% für eine Gluten-Unverträglichkeit, wenn bereits ein Verwandter daran leidet.
  • Bei Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 1 (5-10%) oder Chromosomenveränderungen wie Turner- oder Down-Syndrom besteht ebenfalls ein erhöhtes Zöliakie-Risiko.
Warum tragen viele Menschen die Veranlagung für eine Gluten-Unverträglichkeit in sich, ohne daran zu erkranken?

Das ist letztlich immer noch unklar. Neben dem Vorhandensein bestimmter genetischer bzw. immunologischer Eigenschaften werden noch weitere auslösende Faktoren für die Zöliakie vermutet, beispielsweise Infektionen.

Für diejenigen, die es zahlenmäßig gerne genau haben möchten:

  • 95% aller Menschen mit Zöliakie weisen eine bestimmte Konstellation der immunologisch bedeutsamen Histokompatibilitäts-Antigene (HLA-DQ2, HLA-DQ 8) auf.
  • Bei 25% der gesamten Bevölkerung ist diese HLA-Konstellation ebenfalls zu beobachten, aber in 98% der Fälle entwickelt sich eine Toleranz gegenüber den Gluten-Allergenen. Warum das bei den übrigen 2% nicht der Fall ist, wird gegenwärtig erforscht.

Häufigkeit

Ist die Zöliakie eine häufige Erkrankung?

Bei uns zählt die Zöliakie zu den häufigsten nichtinfektiösen Darmerkrankungen bei Kindern. Weltweit betrachtet varriert die Häufigkeit der Gluten-Unverträglichkeit allerdings erheblich, in Japan und Schwarzafrika etwa scheint sie gar nicht vorzukommen.

Für ganz Europa wird ein Verbreitungsgrad von 1:300 bis 1:4.000 angenommen, für Mitteleuropa sogar von 1:100 bis 1:300, wobei die Zahlenangaben in der Literatur, wie so oft, teilweise recht unterschiedlich ausfallen. Bei Screening-Untersuchungen in Deutschland wurden spezifische Antikörper bei jeder 100. bis 500. Person (0,2-1%) festgestellt.

Das Vollbild der Zöliakie entwickelt sich aber insgesamt offenbar nur bei jedem 10. Betroffenen, bei Kindern etwa bei jedem Vierten. Die jährliche Neuerkrankungsrate (Inzidenz) beträgt hierzulande etwa 1:1.000 bei Kindern und 1:5.000 bei Erwachsenen.

Aufgrund fehlender, milder oder untypischer Beschwerden wird ein Großteil (80-90%) der potenziell Betroffenen nicht als solche erkannt.

Nimmt die Zöliakie in der Häufigkeit zu?

Ein Blick in die Fachliteratur führt zu einer differenzierten Antwort auf diese Frage. So ist das schwere Krankheitsbild der Zöliakie offenbar seltener geworden und verläuft häufiger untypisch, da die meisten Säuglinge heute (wieder) länger gestillt werden und erst zu einem späteren Zeitpunkt getreidehaltige Kost bekommen.

Auf der anderen Seite werden durch neue Labortests zunehmend auch milde Formen erkannt, so dass die Häufigkeit „fortschrittsbedingt“ scheinbar ansteigt.

Untersuchungen

Wonach erkundigt sich der Arzt im Patientengespräch bei Verdacht auf Zöliakie?

Wenn Verdacht auf Zöliakie besteht, wird der Arzt Ihnen wahrscheinlich folgende Fragen stellen:

  • Gibt es Zöliakie bereits in der Familie?
  • Seit wann bestehen die Symptome?
  • Wie gedeiht Ihr Kind? Erscheint Ihnen das Wachstum verzögert?
  • Hat Ihr Kind Durchfall? Wenn ja, welche Beschaffenheit? Wie oft am Tag?
  • Ist Ihr Kind appettitlos?
  • Muss Ihr Kind erbrechen?
  • Hat Ihr Kind einen geblähten Bauch?
  • Hat Ihr Kind Bauchschmerzen?
  • Ist Ihr Kind auffallend oft müde?
  • Leidet Ihr Kind unter auffallender Schwäche?
  • Ist Ihr Kind ungewöhnlich blass?
  • Ist Ihr Kind oft misslaunig?

Wie wird eine Gluten-Unverträglichkeit festgestellt?

Zur Diagnose einer Gluten-Unverträglichkeit dienen:

  • Beschwerdebild
  • Stuhlprobe zum Ausschluss anderer Krankheitsursachen
  • Antikörpernachweis im Blut
  • Dünndarmbiopsie
  • Verschwinden der Symptome bei glutenfreier Diät

Bei vielen Menschen bleibt die veranlagte Gluten-Unverträglichkeit symptomlos und wird daher meist nicht diagnostiziert. Verläuft die Zöliakie dagegen in typischer Ausprägung, kann sie bereits anhand des klinischen Bildes vermutet werden.

Gesichert wird die Diagnose durch einen Antikörpernachweis im Blut sowie durch eine Gewebeentnahme aus der Dünndarmschleimhaut. Auch der Therapieerfolg – das Verschwinden der Beschwerden durch konsequentes Meiden von Gluten – bestätigt die Diagnose.

Wissenswertes zur Diagnose der Zöliakie

Welche beiden Kriterien sichern die Diagnose Zöliakie und warum?

Wie bei vielen anderen Krankheiten gilt auch bei der Zöliakie: die sogenannten „typischen“ Befunde sind nicht einzig und allein bei dieser einen Erkrankung zu beobachten, sondern auch bei mehreren anderen.

Angesichts der Vielzahl von möglichen Krankheitsauslösern und der Begrenztheit der körperlichen Schadens- und Reaktionsmuster ist das nicht weiter verwunderlich. Deshalb kommt es für eine sichere Diagnositk oft darauf an, durch geeignete Kombinationen von Befundkriterien ein möglichst krankheitsspezifisches Untersuchungsergebnis herauszuarbeiten.

Im Fall der Zöliakie besteht diese diagnosesichernde Kombination aus folgenden beiden Kriterien:

  • Dünndarmbiopsie: Veränderung der Schleimhaut mindestens nach Typ 2 der Marsh-Kriterien
  • Eliminationsdiät: Ansprechen auf eine glutenfreie Ernährung
Wann wird eine Antikörperbestimmung wegen Gluten-Unverträglichkeit durchgeführt?

Der Nachweis bestimmter Antikörper dient einerseits der Erstdiagnose bei Verdacht auf Zöliakie und andererseits der Verlaufsuntersuchung unter glutenfreier Diät.

Außerdem kommt der Antikörpertest als Screening-Verfahren zum Einsatz, u.a. zur Identifikation weiterer Betroffener in Familien von Zöliakie-Patienten.

Behandlung

Muss eine Zöliakie behandelt werden?

Ja. Die Zöliakie ist eine schwere, grundsätzlich behandlungsbedürftige Autoimmunerkrankung. Allerdings besteht die Therapie – abgesehen von eventuellen Akutmaßnahmen bei sehr schweren Verlaufsformen und dem Ausgleichen von Mangelzuständen – praktisch ausschließlich im Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel.

Die gute Nachricht: Wenn Ihr Kind glutenhaltige Nahrungsmittel meidet, wird es in aller Regel ein ganz normales Leben in Beschwerdefreiheit führen können.

Wie wird die Zöliakie behandelt?

Die Behandlung der Zöliakie besteht im konsequenten Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel. Lassen Sie sich vom Kinderarzt zur Ernährungsumstellung ausführlich beraten und bei der Durchführung der Eliminationsdiät ärztlich begleiten.

Zu Beginn kann bei individueller Mangelsituation die zusätzliche Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen erforderlich bzw. sinnvoll sein. Wegen der bestehenden Darmirritation sollten Sie Ihr Kind zunächst mit stark blähenden Speisen wie Kohl und Hülsenfrüchten verschonen. Sofern und solange eine zusätzliche Laktoseintoleranz besteht, sollte Ihr Kind auch Milchprodukte meiden.

Das Beschaffen und Sichten von Listen mit glutenhaltigen bzw. glutenfreien Produkten, die zu einem ausgewogenen Speiseplan zusammengestellt und gezielt eingekauft werden müssen, kann einen nicht unerheblichen Aufwand erfordern. Zur Unterstützung können Sie sich an Selbsthilfegruppen wenden. Eine Anlaufstelle im Internet bietet die in Stuttgart beheimatete Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. (www.dzg-online.de).

Eine ursächliche, gegen den allergisch-autoimmunen Entzündungsprozess gerichtete Behandlung der chronischen Dünndarmentzündung ist bisher nicht möglich.

Kann die Zöliakie mit Medikamenten behandelt werden?

Nein. Die genauen Mechanismen der Schädigung der Dünndarmzotten und damit auch mögliche Behandlungsansätze sind noch nicht bekannt.

Es handelt sich am ehesten um eine Mischung aus Autoimmunerkrankung und Allergie mit genetischer Komponente.

Ernährung

In welchen Getreidesorten und -produkten ist Gluten enthalten?

Gluten ist enthalten in:

  • Weizen
  • Roggen
  • Hafer
  • Gerste
  • Dinkel
  • Grünkern
  • Einkorn
  • Emmer
  • Kamut

und in allen daraus hergestellten Produkten wie

  • Grieß
  • Graupen
  • Mehl
  • Stärke
  • Flocken (Müsli)
  • Paniermehl
  • Teigwaren

In welchen Lebensmitteln kann Gluten enthalten sein?

Nicht nur in Brot und Backwaren, sondern auch in vielen anderen Lebensmitteln kann Gluten enthalten sein. Das liegt an glutenhaltigen Zusatzstoffen, die z.B. als Emulgatoren, Stabilisatoren, Geliermittel sowie als Träger für bestimmte Aromastoffe bei der industriellen Lebensmittelproduktion zum Einsatz kommen.

Mit Gluten muss demnach u.a. gerechnet werden in

  • Brot, Brötchen, Gnocchi, Nudeln, Knödeln, Tütensuppen und Soßenpulver
  • paniertem Fleisch oder Fisch
  • Leberwurst und Wurstwaren, die außer Fleisch auch Mehl enthalten (beim Fleischer nachfragen)
  • Fertiggerichten und industriell gefertigten Produkten mit gebundenen Soßen, Kartoffelprodukten, Tiefkühlprodukten, Suppen und Desserts
  • Kuchen, Torten, Hefestückchen und Blätterteigteilchen
  • Keksen, Müsliriegeln, Eiswaffeln
  • Salzstangen, Chips und Knabbergebäck
  • Bier, Malzbier und Kaffee-Ersatz
  • Ketchup

Kommt Gluten in der Kuhmilch vor?

Nein, Gluten kommt nur in Getreide vor, allerdings auch in all den vielen getreide- bzw. mehlhaltigen Produkten.

Aufgrund seiner für die Teigherstellung günstigen Eigenschaften wird es auch als Klebereiweiß bezeichnet.

Kennzeichnung von Nahrungsmitteln

Besteht für glutenhaltige Lebensmittel eine Kennzeichnungspflicht?

Ja. Seit November 2005 müssen bei verpackten Lebensmitteln Zutaten, die häufig Allergien und Unverträglichkeiten auslösen, in allen Ländern der EU einheitlich gekennzeichnet werden (Richtlinien 2003/89/EG, 2005/26/EG und 2006/142/EG).

Demzufolge besteht eine Kennzeichnungspflicht für die Verwendung von glutenhaltigem Getreide (Weizen, Gerste, Dinkel, Roggen, Hafer, Kamut oder Hybridstämme davon). Geht aus der Zutatenliste nicht eindeutig hervor, dass glutenhaltiges Getreide enthalten ist, muss der Hersteller ggf. mit dem Zusatz „enthält Gluten“ auf den Zusatzstoff hinweisen.

Für offene Ware sowie für sehr kleine Verpackungen (z.B. Portionspackungen für Brotaufstrich) und für das Angebot in Restaurants oder Kantinen existiert allerdings keine gesetzliche Regelung zur Auflistung aller verwendeten Zutaten. Auch die Kennzeichnung von Allergenen ist nicht vorgeschrieben.

Umfangreiche Listen glutenfreier Produkte erhalten Sie bei der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (http://www.dzg-online.de). Sie können sich auch direkt an die Lebensmittelhersteller wenden, wobei das natürlich mühevoll ist.

Was bedeutet der Warnhinweis „kann Spuren von Gluten enthalten“?

Häufig können Sie auf der Verpackung eines Lebensmittels am Ende der Zutatenliste den Satz „Kann Spuren von Gluten enthalten“ lesen. Damit versuchen sich manche Hersteller abzusichern.

Zwar wurde das Produkt gemäß der Rezeptur glutenfrei hergestellt. Eine Verunreinigung mit dem Protein kann jedoch nicht immer gänzlich ausgeschlossen werden. Eine Kontamination könnte beispielsweise erfolgen, wenn die Produktionsstraße sowohl für glutenhaltige als auch glutenfreie Lebensmittel benutzt wird. Oder wenn beim Transport glutenfreie mit glutenhaltigen Rohstoffen in Berührung kommen können.

Die Gefahr, dass tatsächlich Gluten in den so gekennzeichneten Produkten enthalten ist, kann normalerweise als gering erachtet werden. Letztendlich muss das aber jeder für sich selbst entscheiden. Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft empfiehlt, für eine gesundheitsbewusste glutenfreie Ernährung die tägliche Nahrungsmittelauswahl nur mit Hilfe der Aufstellung glutenfreier Lebensmittel vorzunehmen.

Was bedeuten die Kennzeichnungen „glutenfrei“ und „sehr geringer Glutengehalt“?

Im Januar 2009 wurden mit der neuen EG-Verordnung Nr. 41/2009 zur Zusammensetzung und Kennzeichnung von Lebensmitteln, die für Menschen mit einer Gluten-Unverträglichkeit geeignet sind, europaweit verbindliche Grenzwerte für die Bezeichnungen „glutenfrei“ und „sehr geringer Glutengehalt“ festgelegt.

Die Verordnung gilt seit dem 1. Januar 2012 verbindlich, bis dahin erfolgt die Anwendung der Bestimmungen auf freiwilliger Basis. Es gelten die folgenden Grenzwerte für den Glutengehalt (mg Gluten pro kg Lebensmittel):

  • „glutenfrei“: weniger als 20 mg/kg
  • „sehr geringer Glutengehalt“: maximal 100 mg/kg
Was sagt das „Glutenfrei-Symbol“ auf einer Lebensmittelverpackung aus?

Das „Glutenfrei-Symbol“ in Form einer durchgestrichenen Ähre prangt auf vielen glutenfreien Lebensmitteln, insbesondere auf Spezialprodukten für Zöliakie-Betroffene. Die Verwendung erfolgt freiwillig, aber auf geschützter Basis.

Denn die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. (DZG) hat das Symbol beim Deutschen Patent- und Markenamt als Marke eintragen lassen, um einer unkontrollierbaren Verwendung vorzubeugen und die Einhaltung der Standards, die Wissenschaft und Medizin vorgeben, sicherzustellen. Hersteller, die das Symbol verwenden möchten, müssen mit der DZG einen Lizenzvertrag abschließen und strikte Regeln anerkennen.

Welche Lebensmittel enthalten kein Gluten?

Die folgenden Lebensmittel sind von Natur aus glutenfrei und können im unverarbeiteten Zustand bedenkenlos gegessen werden:

  • Obst und Gemüsesorten
  • Hülsenfrüchte, Soja
  • Nüsse
  • Kartoffeln, Salate
  • Milch, Naturjogurt
  • Buttermilch, Quark
  • Butter, Frischkäse natur
  • Naturkäse
  • Pflanzenöle
  • Fleisch
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Zucker
  • Honig, Konfitüre, Marmelade, Ahornsirup
  • Salz, Pfeffer, reine Gewürze u. Kräuter
  • Eier
  • Wasser

Glutenfreie Getreide:

  • Reis, Mais, Wildreis
  • Hirse, Buchweizen
  • Amaranth, Quinoa

Trotz Vorverarbeitung unbedenklich:

  • Tofu, Sojamilch
  • Mozzarella in Salzlake
  • reine Fruchtsäfte
  • Wein, Sekt

Darüber hinaus gibt es glutenfreie bzw. gliadinfreie Spezialbrote und Fertigprodukte mit dem Hinweis „glutenfrei“.

Wodurch kann ich Weizen und andere glutenhaltige Getreidesorten ersetzen?

Wenn bei Ihrem Kind eine Gluten-Unverträglichkeit festgestellt wurde, bedeutet dies, auf die üblichen heimischen Getreidesorten verzichten zu müssen.

Stattdessen können Sie beispielsweise Reis, Mais, Buchweizen, Sojabohnen und Hirse auf den Speiseplan setzen.

Wissenswertes zur Ernährung

Muss die glutenfreie Diät auch im Erwachsenenalter fortgeführt werden?

Normalerweise ja, denn bei konsequentem Glutenverzicht hat Ihr Kind beste Aussichten auf ein gesundes Leben.

Zwar mögen die Beschwerden bei Abweichungen von der Eliminationsdiät im Erwachsenenalter milder ausfallen. Allerdings stellt die dann wieder chronisch entzündete Dünndarmschleimhaut ein Reservoir für weiteres Ungemach dar. Diskutiert wird etwa die möglicherweise begünstigte Entwicklung bösartiger Lymphome.

Ist Gluten für eine gesunde Ernährung notwendig?

Nein, keineswegs. Gluten ist ein Reserve-Eiweiß, das in bestimmten Getreidesorten wie z.B. Weizen, Roggen, Hafer und Gerste vorkommt.

Es spielt für die in unserem Kulturkreis geschätzten Backeigenschaften der Getreidemehle eine zentrale Rolle, was wohl zu seiner weiten Verbreitung in unserer Lebensmittelpalette beiträgt. Für eine gesunde Ernährung ist es nicht notwendig.

Prognose

Besteht die Gluten-Unverträglichkeit lebenslang?

Im Normalfall schon, aber nicht immer. Seltene Formen der Zöliakie verschwinden im Laufe des Lebens wieder.

Ob der Versuch, dies auszutesten, wünschenswert und gerechtfertigt erscheint, muss individuell entschieden werden. Sprechen die ärztlichen Kontrollen einschließlich Labortest und Dünndarmbiopsie dann auch dafür, kann nach jahrelanger glutenfreier Kost wieder eine glutenhaltige Normalkost ausprobiert werden.

Ist die Zöliakie heilbar?

Nein, Zöliakie ist nicht heilbar. Die einzige zur Zeit wissenschaftlich anerkannte Therapie ist der lebenslange Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel.

Allerdings kommt es gelegentlich vor, dass die Unverträglichkeit spontan verschwindet.

Alltag

Wer sollte über eine bestehende Gluten-Unverträglichkeit informiert werden?

Auch Ihr Kind sollte, je nach Alter, umfassend und verständlich über die Zöliakie aufgeklärt werden. Denken Sie ferner daran, alle relevanten Kontaktpersonen – Tagesmutter, Erzieher, ggf. Lehrer, Freunde, Verwandte etc. – zu informieren.

Wissenswertes zur Zöliakie

Woher kommt der Begriff „Zöliakie“?

Der Fachbegriff Zöliakie leitet sich aus dem Altgriechischen (koilos = Bauch, koilakos = an der Verdauung leidend) ab.

Es gibt zahlreiche synonyme Krankheitsbezeichnungen, von denen die „Gluten-Unverträglichkeit“ am einfachsten ausdrückt, worum es geht. Als Erstbeschreiber gilt der Engländer Samuel Gee, der die Krankheit 1888 unter der Bezeichnung „coeliac affection“ als Verdauungsstörung vor allem bei Kleinkindern ausmachte.

Was sind die Marsh-Kriterien?

Bei der Zöliakie handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Dabei durchläuft die Dünndarmschleimhaut in einem kontinuierlichen Zerstörungsprozess mehrere Stadien der Schädigung.

Am Ende ist das im gesunden Zustand von fingerförmigen Erhebungen (Darmzotten) und dazwischenliegenden Vertiefungen (Krypten) geprägte Schleimhautrelief komplett abgeflacht. Dagegen erscheinen die Krypten vergrößert bzw. verlängert (hyperplastisch) und in der Deckschicht der Schleimhaut finden sich zahlreiche eingewanderte Abwehrzellen (intraepitheliale Lymphozyten / IELs). Diese Veränderungen sind unter dem Mikroskop erkennbar, wenn die mittels Dünndarmbiopsie entnommenen Gewebeproben histologisch untersucht werden.

Der britische Pathologe Michael N. Marsh hat die verschiedenen Stadien der Schleimhautveränderung klassifiziert. Die von ihm (und nach ihm) benannten Kategorien dienen zur Beurteilung des Schweregrades der Schleimhautläsion. Als eines von zwei Kriterien zur sicheren Diagnose einer Zöliakie muss mindestens die Kategorie Typ 2 vorliegen.

  • Typ 0: IEL < 40, Krypten normal, Zotten normal
  • Typ 1: IEL > 40, Krypten normal, Zotten normal
  • Typ 2: IEL > 40, Krypten hyperplastisch, Zotten normal
  • Typ 3a: IEL > 40, Krypten hyperplastisch, Zotten leicht verkürzt
  • Typ 3b: IEL > 40, Krypten hyperplastisch, Zotten stark verkürzt
  • Typ 3c: IEL > 40, Krypten hyperplastisch, Zotten fehlen ganz
Wie wird die Zöliakie noch genannt?

Für die Zöliakie gibt es eine ganze Reihe synonymer Bezeichnungen:

  • Gluten-Unverträglichkeit
  • Gluten-Allergie
  • glutenbedingte bzw. glutensensitive Enteropathie
  • Sprue
  • intestinaler Infantilismus
  • idiopathische infantile Steatorrhö
  • Heubner-Infantilismus
  • Gee-Herter-Heubner-Syndrom
Welche Allergene sind für die Gluten-Unverträglichkeit verantwortlich?

Bei einer Gluten-Unverträglichkeit bildet das Immunsystem spezifische Antikörper, die an dem autoimmun-allergisch vermittelten Krankheitsgeschehen beteiligt sind und im Blut nachgewiesen werden können.

Je nach Getreideart weisen die Allergene des Proteins Glutens, gegen die diese Antikörper gerichtet sind, eine unterschiedliche Struktur bzw. Zusammensetzung auf:

  • Weizen: α-/β/ω-Gliadin
  • Hafer: Avenin A, E und F
  • Roggen: Secalinin
  • Gerste: Hordein

Gliadin, Avelin, Secalinin und Hordein sind in den jeweiligen Getreidesorten vorkommende, hitzestabile und alkohollösliche Proteinfraktionen, die als Prolamine bezeichnet werden. Es handelt sich um Speicherproteine, die zu dem als Gluten bezeichneten Eiweißgemisch gehören und in Weizenmehlen für die Kleberbildung beim Antigen verantwortlich sind.

Quellen:

  • Herold G et al. Innere Medizin (2004).

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