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Reizmagen: Symptome, Therapie, Diät

Was bedeutet Reizmagen? Welche Symptome sind typisch? Wie wird ein Reizmagen behandelt, und gibt es auch wirksame pflanzliche Mittel? All diese Fragen beantworten wir Ihnen im folgenden Beitrag.

Grundlagen

Was ist ein Reizmagen?

Generell sprechen Ärzte nur dann von einem Reizmagen, wenn Beschwerden im Oberbauch (Magen und oberer Dünndarm) bestehen, für die keine organische Ursache vorliegt bzw. gefunden werden kann.

In der engeren Definition liegt ein Reizmagen vor, wenn von den folgenden Beschwerden eine oder mehrere in den letzten drei Monaten wiederholt aufgetreten sind:

  • Völlegefühl nach dem Essen
  • (zu) schnelles Sattsein-Gefühl beim Essen
  • Schmerzen oder Brennen im Oberbauch

Was ist eine funktionelle Dyspepsie?

Funktionelle Dyspepsie ist der medizinische Ausdruck für Reizmagen. Funktionell deshalb, weil dem Reizmagen keine organischen Ursachen zugrunde liegen, sondern in aller Regel gestörte funktionale Abläufe die Beschwerden verursachen.

Ursachen

Wie und warum entsteht ein Reizmagen?

Das ist noch nicht abschließend geklärt. Von Experten diskutiert werden verschiedene Auslöser:

  • Bewegungsstörung des Magens: Eine gestörte Motorik des Magens, bei der die aufgenommene Nahrung zu lange im Magen verbleibt oder auch ihn zu schnell wieder Richtung Dünndarm verlässt, würde die typischen Reizmagen-Beschwerden recht gut erklären. Wie es freilich zu einer gestörten Motorik des Magens kommen kann, ist noch nicht geklärt.
  • Störung des Nervensystems im Magenbereich: Diskutiert wird, dass die Nerven in der Magenwand überempfindlich auf Dehnungsreize reagieren und somit die Beschwerden verursachen könnten. Aber am Begriff "diskutiert" wird schon deutlich: Noch ist auch das nicht abschließend geklärt.
  • psychische Belastungen: Können definitiv die Beschwerden intensivieren, das weiß jeder mit Magenproblemen. Möglicherweise führt Stress auch zu den oben genannten funktionalen Veränderungen, die dann die Symptome auslösen.
  • hastiges, oder "schlechtes" Essen: Zu hastiges oder auch unkonzentriertes Essen (z.B. bei einer Besprechung) kann die Beschwerden verschlimmern, möglicherweise auch auslösen. Wer hastig isst, kaut zu wenig und schluckt Luft. Und schlecht vorgekaute und zu wenig eingespeichelte Nahrung belastet den Magen. Mitgeschluckte Luft ebenso, weil sie den Magen bläht. Wenn Sie an einem Reizmagen leiden, versuchen Sie auf jeden Fall, diese typischen und weit verbreiteten "Ess-Fehler" zu vermeiden. Möglicherweise genügt das schon als Therapie. Viele Betroffene berichten auch, dass bestimmte Nahrungsmittel gehäuft die Beschwerden auslösen. Wenn Sie das feststellen: Verzichten Sie nach Möglichkeit auf diese Nahrungsmittel.
  • Rauchen: Rauchen allein ist sicher nicht die Ursache des Reizmagens. Dafür haben zu viele Raucher keine Probleme mit dem Magen. Sicher ist aber, dass Rauchen den Magen reizt und die Beschwerden intensivieren kann bzw. bei einer entsprechenden Ausgangslage (empfindlicher Magen) auch auslösen kann.

Symptome und Diagnose

Was sind typische Symptome beim Reizmagen?

Bevor wir die typischen Symptome beim Reizmagen erläutern, ist wichtig zu wissen, dass sämtliche Beschwerden auch andere Ursachen haben können. Die Diagnose "Reizmagen" wird vom Arzt gestellt, wenn die folgenden Symptome ohne organischen Befund einhergehen.

Insgesamt sind die Beschwerden beim Reizmagen sehr vielfältig und individuell unterschiedlich. Meist treten sie über einen längeren Zeitraum, zwar nicht durchgehend, aber immer wiederkehrend auf.

Typische Symptome sind:

  • Schmerzen oder Brennen im Oberbauch
  • Druckgefühl oder Völlegefühl in der Magengegend
  • rasches Sättigungsgefühl beim Essen
  • saures Aufstoßen
  • Appetitlosigkeit
  • Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel (Gefühl der Unverträglichkeit)
  • Sodbrennen
  • Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten (Blähungen sind auch ein Symptom des Reizdarms, der häufig gleichzeitig mit dem Reizmagen auftritt)
  • seltener: Übelkeit und Erbrechen
  • seltener: Stiche in der Herzgegend, Kreislaufprobleme, verstärktes Schwitzen

Stress, ungesundes Essen (zu fette und schwere Speisen, zu hastiges Essen mit unbewusstem "Luftschlucken") und Rauchen verstärken häufig die Beschwerden oder rufen sie hervor.

Wichtig: Blut im Stuhl tritt bei Reizmagen so gut wie nie auf. Wenn Sie Blut im Stuhl entdecken, lassen Sie dies von einem Arzt abklären.

Welche Untersuchungen unternimmt der Arzt bei Verdacht auf Reizmagen?

Im Vordergrund steht das Gespräch. Ein guter Arzt wird Sie zunächst ausführlich befragen, wann und wie oft die Beschwerden auftreten, wie lange sie schon bestehen, ob Sie einen Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln festgestellt haben und vieles mehr.

Weitere Untersuchungen dienen weniger der Diagnose "Reizmagen" als vielmehr ihrem Ausschluss. Beim Reizmagen liegen ja keine organischen (also sichtbaren) Störungen vor. Um allerdings andere Erkrankungen auszuschließen, die mitunter ähnliche Beschwerden verursachen, können folgende diagnostischen Maßnahmen zum Einsatz kommen:

  • Blutabnahme und Blutuntersuchung
  • Magenspiegelung (ist weit weniger schlimm als die meisten denken; die begleitend gegebenen Medikamente erzeugen so viel Entspannung, dass die wenigsten unter der Gastroskopie, wie sie im Mediziner-Jargon heißt, leiden)
  • Ultraschall des Oberbauchs

Behandlung

Wie wird der Reizmagen behandelt?

Das hängt entscheidend davon ab, welche Urache für den Reizmagen angenommen wird. Wobei auch die exakte Ursache nicht immer mit Sicherheit ermittelt werden kann. Im Vordergrund der Behandlung stehen Änderungen des Ess-Verhaltens:

  • häufigere kleinere Mahlzeiten
  • langsamer essen (mehr kauen, weniger Luft schlucken)
  • Weglassen aller Nahrungsmittel und Getränke, die erfahrungsgemäß die Beschwerden auslösen oder verstärken
  • weniger rauchen, am besten ganz aufhören
  • Absetzen oder Umstellen der Tabletten, wenn diese als Auslöser vermutet werden (dies sollte aber der Arzt entscheiden!)

Führen Sie Tagebuch

Es empfiehlt sich außerdem, ein Tagebuch zum Ess-Verhalten und den Reizmagen-Beschwerden zu führen. Wenn Sie immer, wenn die Beschwerden auftreten oder besonders ausgeprägt sind, genau notieren, was Sie gegessen haben, bekommen Sie meist nach kurzer Zeit selbst einen ganz guten Eindruck, welches Ihre Reizmagen-"Feinde" sind. Sie sollten auch eintragen, wie oft sie am Tag gegessen haben, wie viele andere Genussmittel Sie zu sich genommen haben (Kaffee, Alkohol, Zigaretten) und ob Sie Stress hatten.

Wenn Sie dieses Tagebuch konsequent über zwei bis drei Wochen ausfüllen, also auch dann, wenn Sie keine Beschwerden haben, erhalten Sie auch wichtige Hinweise, was Sie an den beschwerdefreien Tagen möglicherweise "richtig" gemacht haben. Viele Reizmagen-Patienten haben mit der dauerhaften Führung eines solchen Tagebuchs ihre Beschwerden fast völlig zum Verschwinden gebracht, weil sie bewusst die Auslöser minimiert haben.

Übrigens: Hilfreich sind auch häufig Entspannungsübungen wie z.B. Yoga.

Medikamente nur kurzfristig

Helfen diese Änderungen des Lebensstils und Ess-Verhaltens nicht, kommen auch Medikamente in Betracht. Sie sollten aber nicht zu einer Dauertherapie werden.

Bei einigen Betroffenen helfen auch psychotherapeutische Maßnahmen. Wenn Ihnen der Arzt das empfehlen sollte, wehren Sie es nicht vorschnell ab. Eine sogenannte Verhaltenstherapie bedeutet nicht im geringsten, dass Sie verrückt sind, kann aber manchmal viel bringen.

Gibt es Tabletten gegen Reizmagen?

Es gibt nicht die EINE Tablette gegen den Reizmagen. Im Vordergrund der Behandlung sollten ohnehin Änderungen des Lebensstils und des Ess-Verhaltens stehen.

Medikamente können aber mitunter helfen, die Beschwerden im akuten Stadium zu lindern. In Betracht kommen:

  • Prokinetika, z.B. Resolor (erhöhen die Magenbeweglichkeit)
  • Anti-Blähungs-Mittel (wenn Luft im Magen bzw. Blähungen im Vordergrund stehen). Gibt es rezeptfrei in der Apotheke.
  • Säureblocker (nur wenn typische Beschwerden wegen zuviel Säure auftreten wie z.B. Sodbrennen)
  • Wird eine bakterielle Besiedlung des Magens als Ursache vermutet, wird vom Arzt eine spezielle Tabletten-Kombination aus Antibiotika und Säurehemmern verschrieben, die über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden muss.

Was kann ich tun, damit der Reizmagen nicht wieder auftritt?

Vorbeugen ist besser als behandeln – das gilt beim Reizmagen ganz besonders! Es gibt zwar kein Patentrezept, aber die folgenden Verhaltens-Tipps sind in jedem Fall eine gute Basis, damit Sie die Beschwerden des Reizmagens gar nicht erst bekommen:

  • gesunde Ernährung (viel Obst und Gemüse, viel Ballaststoffe, mehr Fisch, weniger Fleisch)
  • langsam essen, viel kauen
  • mehrere kleine Mahlzeiten am Tag statt eine gewaltige Hauptmahlzeit
  • Verzicht auf alles, was Ihnen Beschwerden macht. Wenn z.B. Kohl bei Ihnen zu Blähungen führt, ersetzen Sie ihn durch ein anderes Gemüse.
  • nicht zu scharf würzen
  • viel trinken (mindestens zwei Liter pro Tag, am besten Wasser oder Früchte- oder Kräutertees)
  • nicht zu viel Kaffee
  • nicht zu viel Alkohol
  • nicht rauchen (oder zumindest weniger)
  • regelmäßige Bewegung (ist ohnehin gut, aber auch gut für Magen und Verdauung)
  • (zu viel) Stress vermeiden

Helfen pflanzliche Arzneimittel beim Reizmagen?

Pflanzliche Wirkstoffe können beim Reizmagen durchaus Linderung verschaffen. Dazu gehören:

Gut gegen Blähungen

Kümmel wirkt sehr gut gegen Blähungen und kann auch, vorsorglich getrunken, die Verdauung von blähenden Nahrungsmitteln erleichtern. Da die Beschwerden beim Reizmagen oft auch von Luftbildung und Blähungen begleitet werden, ist Kümmeltee hier ein sehr gutes pflanzliches Mittel. Außerdem wirkt Kümmel appetitanregend und krampflösend.

Entweder man wendet den Kümmel als Tee an oder in dem man die ganzen oder zerriebenen Samen den Speisen beimischt. Letzteres passt zwar geschmacklich nicht immer, wirkt aber noch zuverlässiger als der Tee.

Auch Kamille ist gut gegen Blähungen. Da ein Reizmagen nicht selten von Luft im Bauch begleitet wird, teilweise sogar die Beschwerden dadurch erst ausgelöst werden, kann ein Versuch mit Kamillentee auf keinen Fall schaden. Außerdem wirkt Kamille im Magen-Darm-Bereich krampflösend. Auch das also ein Grund, es mal mit Kamillentee zu probieren.

Fenchel wirkt beruhigend bei Magen-Darm-Beschwerden und kann ebenfalls Blähungen lindern. Das gilt sowohl für das Gewürz bzw. Gemüse als auch für Fencheltee.

Auf die Zubereitung kommt es an

Beim Wermut muss man hingegen unterscheiden: Das Getränk Wermut wirkt zwar verdauungsfördernd, ist aber aufgrund seines hohen Alkoholgehaltes alles andere als ein geeignetes "Medikament" gegen Reizmagen oder Verdauungsbeschwerden. Als Heilpflanze hingegen gelten Wermut-Extrakte anerkanntermaßen gegen Verdauungsbeschwerden und Blähungen. Solche Wermut-Präparate gibt es in der Apotheke.

Man kann sich die Heilpflanze auch selbst als Tee zubereiten. Verwendet werden dafür die blühenden Wermut-Pflanzen und von diesen die zerkleinerten Zweig-Enden.

Die gute Wirksamkeit des Tausendgüldenkrauts bei funktionellen Magenbeschwerden ist nicht nur in der Naturmedizin, sondern auch in der Schulmedizin anerkannt. Ein Aufguss der zerkleinerten Pflanzenbestandteile des Tausendgüldenkrauts lindert vor allem sogenannte dyspeptische Beschwerden. Dazu gehören Völlegefühl, Luftbildung und Blähungen und auch das für den Reizmagen so typische schmerzhafte Druckgefühl im Oberbauch. Außerdem wirkt die Heilpflanze appetitanregend.

In Absprache mit Ihrem Arzt

Allerdings muss man bei der Selbstbehandlung aufpassen: Handelt es sich bei den Beschwerden nämlich um ein Magengeschwür, ist die Anwendung von Tausendgüldenkraut kontraproduktiv und sogar gefährlich. Deshalb gilt: Bei anhaltenden, unklaren Magenschmerzen am besten zuerst einen Arzt konsultieren.

Die Wurzeln und Wurzelstöcke der Angelika-Pflanze werden von Pflanzenheilkundlern vor allem bei Magen-Darm-Beschwerden empfohlen. Die Angelikawurzel soll bei Appetitlosigkeit und Völlegefühl, aber auch bei Blähungen und Magen-Darm-Krämpfen die Beschwerden lindern.

Den Inhaltsstoffen der Angelikawurzel, in erster Linie Cumarin und ätherische Öle, werden krampflösende Wirkungen zugeschrieben. Außerdem sollen sie die Sekretion von Magensaft und Galle anregen und damit zu einer verbesserten Verdauung beitragen. Dafür sind vor allem die Bitterstoffe in der Pflanze verantwortlich.

Quellen:

  • Madisch, Ahmed; Andresen, Viola; Enck, Paul; Labenz, Joachim; Frieling, Thomas; Schemann, Michael: Diagnose und Therapie der funktionellen Dyspepsie. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 222-32; DOI: 10.3238/arztebl.2018.0222, online unter www.aerzteblatt.de (zuletzt aufgerufen am 18.10.2019).
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