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Colchicin: Wirkung und Nebenwirkungen

Wie wirkt Colchicin (Colchicum-Dispert®) bei Gicht? Was ist bei der Einnahme zu beachten? Und welche Nebenwirkungen können auftreten? Mehr dazu in diesem Beitrag.

Basiswissen

Gicht: Was ist Colchicin (Colchicum-Dispert)?

Colchicin (Colchicum-Dispert®) ist ein stark entzündungshemmendes Medikament und wird zur Therapie eines akuten Gichtanfall eingesetzt.

Wirkung

Wie wirkt Colchicin (Colchicum-Dispert®) gegen Gicht?

Beim akuten Gichtanfall setzen Mediziner verschiedene Arzneistoffe ein. Hierzu gehören zum einen die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Naproxen, Kortisonpräparate und eben das Colchicin. Auf welches Mittel die Wahl fällt, hängt unter anderem davon ab, ob Begleitkrankheiten vorliegen und Nebenwirkungen auftreten.

Colchicin – Medikament und Gift

Colchicin kommt in der Natur in der Samenschale und im Knollen der Herbstzeitlosen vor und wurde im frühen 19. Jahrhundert entdeckt. In niedrigen Dosen wirkt es schmerzlindernd und  entzündungshemmend. In hohen Dosen führt es zu unangenehmen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt wie Durchfall, Bauchkrämpfen und Erbrechen und kann ab einer Menge von 20 mg sogar tödlich sein.

Prinzipiell wirkt bei der Gicht eine niedrige Dosis (1,8 mg pro Tag) ebenso gut wie die hohe und ist dabei deutlich besser verträglich. Studien haben gezeigt, dass unter einer hohen Dosis drei Viertel der Behandelten Durchfälle entwickelten, bei der niedrigen war es hingegen nur circa ein Viertel.

Eine Steigerung des Medikamentes hat somit keinen zusätzlichen Nutzen, aber mehr Nebenwirkungen. In Deutschland enthält eine Tablette 0,5 mg Colchicin und wird ein- bis dreimal täglich verordnet.

Dosisanpassung bei Nierenschwäche und im Alter

Die gewählte Menge richtet sich unter anderem nach Nierenfunktion und Schwere des Anfalls. Da bei älteren Menschen die Nierenfunktion oft reduziert ist und Nebenwirkungen gehäuft und leichter auftreten, ist der Einsatz von Colchicin hier oft limitiert.

Colchicin wird überwiegend beim akuten Gichtanfall eingesetzt, kann niedrig dosiert aber auch als Dauertherapie und Prophylaxe gegeben werden. Zudem wird es als potentes antientzündliches Mittel bei Herzbeutelentzündungen (Perikarditis) und dem sogenannten familiären Mittelmehrfieber verwendet.

Anwendung

Gicht: Wie wird Colchicin (Colchicum-Dispert) eingenommen?

Während über viele Jahrzehnte eine hohe Dosis Colchicin (Colchicum-Dispert®) bei einem Gichtanfall verschrieben wurde, geht der Trend aktuell zur niedrigen Gabe. Sie ist klinisch genauso wirksam, wird aber deutlich besser vertragen.

Kniffelig: die richtige Dosis

Mediziner unterscheiden bei der Behandlung des Gichtanfalls zwei Dosierungsschemata: das klassische Modell, bei dem über den Tag verteilt eine hohe Menge Colchicin verabreicht wird, und nun neu, in Anlehnung an den amerikanischen Standard, eine Art "low dose"-Therapie.

Colchicin hat eine sehr geringe therapeutische Breite, d.h. zwischen wirksamer und giftiger Dosis liegt nur eine kleiner Spielraum. Wie viel Arzneistoff ist nötig, um zu helfen, und ab wann schadet das Medikament mehr als es nutzt? Das richtige Maß zu finden, ist gar nicht so einfach.

Weniger ist mehr

2010 wurden Ergebnisse der sogenannten AGREE-Studie (Acute Gout Flare Receiving Colchicine Evaluation) veröffentlicht. 184 Menschen mit akutem Gichtanfall wurden dabei in drei Gruppen eingeteilt und erhielten entweder die konventionelle Hochdosistherapie, eine "neuere" Niedrigdosistherapie oder Placebo (Scheinmedikament).

Das Hochdosisregime umfasste initial die Gabe von 1,2 mg Colchicin, im Verlauf erhielten die Betroffenen alle vier bis sechs Stunden weitere 0,6 mg bis zu einer Gesamtmenge von 4,8 mg. Die Niedrigdosisgruppe hingegen erhielt initial 1,2 mg und nach einer weiteren Stunde einmalig zusätzlich 0,6 mg. Die Tagesmenge lag mit insgesamt 1,8 mg viel niedriger als die der Hochdosisgruppe.

Die Studie zeigte, dass das "low dose"-Modell genauso effektiv war wie das "high dose"-Schema, Betroffene aber viel weniger Nebenwirkungen hatten. Nur bei Menschen mit sehr hohen Harnsäurewerten im Blut sprach diese Behandlung nicht immer an.

Aktuelle Empfehlungen

In Deutschland enthält eine Tablette statt der in der Studie genutzten 0,6 mg nur 0,5 mg Colchicin. Das über viele Jahrzehnte angewandte klassische Therapieregime von Colchicin umfasst dabei:

  • Einnahme von 1 mg Colchicin (2 x 0,5 mg) innerhalb der ersten 12 Stunden nach Schmerzbeginn
  • danach Gabe von 0,5-1 mg alle 1 bis 2 Stunden, solange, bis die Schmerzen abklingen oder Durchfall auftritt
  • maximal 8 mg pro Tag beziehungsweise 12 mg pro Gichtanfall
  • zwischen der Behandlung mindestens drei Tage Pause ohne Colchicin

Die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie sind inzwischen an die des amerikanischen Standards angelehnt. Die Therapie mit der niedrigen Dosis wird als gleichwertig anerkannt.

Das aktuell empfohlene Schema in der Behandlung mit Colchicin sieht dabei wie folgt aus:

  • Erstgabe von 1 mg Colchicin (2 x 0,5 mg) innerhalb von 12 Stunden nach Schmerzbeginn
  • eine Stunde später einmalig zusätzlich 0,5 mg Colchicin, danach keine weiteren Gaben
  • Medikamente wir Naproxen oder Cortison können ergänzend gegeben werden.

Wenn Sie Colchicin einnehmen, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welches die für Sie richtige Menge ist.

Nebenwirkungen

Gicht: Welche Nebenwirkungen hat Colchicin (Colchicum-Dispert)?

Zu den möglichen Nebenwirkungen von Colchicin (Colchicum-Dispert®) gehören:

  • Beschwerden im Magen-Darm-Trakt wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfälle
  • Effekte auf das zentrale Nervensystem mit Benommenheit und Übelkeit
  • Beeinträchtigung der Nerven- und Muskelfunktionen einschließlich Muskelschwäche
  • Veränderungen im Blutbild
  • allergische Reaktionen
  • Rhabdomyolyse (Auflösung von Muskelfasern) und Erhöhung der Leberenzyme
  • Hautveränderungen
  • Schädigung der Samenzellen

Von Bauchkrämpfen bis hin zu Durchfällen

Colchicin ist ein äußerst wirksames Medikament zur Therapie von akuten Gichtanfällen, kann als natürlich vorkommendes Gift jedoch zu diversen Nebenwirkungen führen und in hoher Dosis sogar tödlich sein.

Colchicin wirkt entzündungshemmend und blockiert die Zellteilung. Bei Entzündungsreaktionen ist dies nützlich, kann aber auch zu einer Reihe von Problemen führen. Die teilungsaktive Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts ist häufig betroffen. Beschwerden in diesem Bereich reichen von Bauchkrämpfen, Erbrechen und Übelkeit bis hin zu Durchfällen. Derartige Probleme kommen bei 1-10% aller Behandelten vor. Sobald Durchfälle auftreten, muss die Behandlung reduziert beziehungsweise gestoppt werden.

Eingeschränkte Fahrtüchtigkeit und Muskelschwäche

Colchicin kann die Fahrtüchtigkeit einschränken. Es beeinträchtigt nämlich unter Umstanden Nerven und Gehirn und führt so zu Benommenheit, eventuell gekoppelt mit Übelkeit. Alkohol verstärkt diese Wirkungen übrigens noch zusätzlich.

Darüber hinaus kann der Wirkstoff die Funktion von Nerven und Muskulatur beeinträchtigen und zu Muskelschwächen führen. Diese Nebeneffekte betreffen ebenfalls 1-10 von 100 Personen.

Seltene, aber potentiell gefährliche Nebenwirkungen

Auch Veränderungen im Blutbild können unter einer Therapie mit Colchicin auftreten. Die Substanz blockiert die Zellteilung im Knochenmark. Blutarmut, Mangel an Blutplättchen oder weißen Blutzellen sind die Folge.

Weitere seltene, aber mögliche Nebenwirkungen sind Nierenschäden, Hautveränderungen und allergische Reaktionen. Muskulatur und Leber können ebenfalls stark geschädigt werden. So treten eine Rhabdomyolyse, bei der Muskelzellen absterben, und eine Erhöhung der Leberwerte zwar selten auf, können aber gefährlich sein. Besonders Medikamente wie Interferon alpha, Fibrate oder Statine (Fettsenker) verstärken diese Komplikationen.

Sehr selten (< 0,01%) kann es zu gravierenden Hautschädigungen kommen. Das sogenannte Steven-Johnson-Syndrom ist eine gefährliche Hautreaktion, bei der sich ein Teil der Haut vom Körper ablöst.

Wechselwirkungen

Mit welchen Medikamenten verträgt sich Colchicin (Colchicum-Dispert®) nicht?

Insgesamt kann eine Reihe von Arzneistoffen Wirkung und Nebenwirkung von Colchicin verstärken. Hierzu gehören unter anderem Antibiotika wie Clarithromycin, Pilzmittel wie Fluconazol, HIV-Medikamente und Cyclosporin. Eine Behandlung mit Colchicin muss immer unter engmaschiger Kontrolle und von einem Fachmann durchgeführt werden.

Wichtig: Colchicin kann bei Männern zu einer Schädigung der Samen führen, weshalb sie sechs Monate nach einer Therapie keine Kinder zeugen sollten. Auch Frauen müssen während und drei Monate nach Einnahme dieses Medikaments auf eine ausreichende Empfängnisverhütung achten. Kinder und Jugendliche dürfen generell kein Colchicin erhalten.

Quellen:

  • Karow T, Lang-Roth R. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie

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