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Windpocken: Symptome, Behandlung, Prognose

Wie gefährlich sind Windpocken? Kann man die mehrmals bekommen? Und was haben sie mit der Gürtelrose zu tun? Alle Fragen dazu beantworten wir in diesem Kapitel.

Symptome

Was sind typische Beschwerden bei Windpocken?

Das Leitsymptom bei Windpocken ist der charakteristische Hautausschlag, auch Sternenhimmel genannt. Die Bezeichnung gehört zum "Ärzte-Latein" und wird schon im Medizinstudium gelehrt, um das typisch "bunte Bild" der Windpocken anschaulich zu machen. Denn charakteristisch ist bei dieser Infektionskrankheit das Nebeneinander neu entstehender und abheilender Hautstellen mit Flecken, Knötchen, Bläschen und Krusten.

Folgende Symptome sind typisch:

  • gerötete Flecken (etwa stecknadelkopfgroß), Bläschen und Pusteln
  • Ausschlag am gesamten Körper
  • auch Kopfhaut und Mundschleimhaut befallen
  • starker Juckreiz
  • nur mäßiges Fieber

Wie verläuft die Windpocken-Erkrankung?

Normalerweise dauern Windpocken etwa 7-10 Tage. Zumindest bei Kindern. Bei Erwachsenen, bei denen grundsätzlich mit schwereren Verläufen gerechnet werden muss, kann dieser Zeitraum verlängert sein.

Bei ansonsten gesunden (immunkompetenten) Kindern ist ein unkomplizierter Verlauf nach folgendem Muster zu erwarten:

  • Ausbruch der Erkrankung meist knapp zwei Wochen nach der Ansteckung (Inkubationszeit 8-21 Tage).
  • Grippeähnlicher Beginn mit Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen, evtl. Schnupfen, Rachenentzündung.
  • Normalerweise leichtes Fieber, kann auch fehlen oder bis 40°C steigen.
  • 1-2 Tage später juckender Hautausschlag (Varizellen-Exanthem), der etwa 1-2 Wochen anhält.
  • Meist nur geringgradiges Krankheitsgefühl, abgesehen vom möglicherweise quälenden Juckreiz.
  • Die überstandene Erkrankung hinterlässt normalerweise einen lebenslangen Immunschutz gegen ein erneutes Auftreten der Windpocken.

Erreger

Was sind Windpocken-Viren und wen befallen sie?

Windpocken, auch Varizellen genannt, werden durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht. In manchen Publikationen heißt der Erreger auch Humanes Herpes Virus 3 (HHV-3). Wen der Virus mit Vorliebe befällt und wie sehr er verbreitet ist, erfahren Sie hier:

Alles Wissenswerte zum Varizella-Zoster-Virus

Herpesviren als Dauergast

Als Mitglied der Familie der Herpesviren teilt der Varizella-Zoster-Virus deren Eigenschaft, sich nach erfolgter Infektion in Nervenzellansammlungen (Spinalganglien) zurückzuziehen und dauerhaft im Wirtsorganismus zu verweilen.

Ein Virus, zwei Erkrankungen

Bei einer Reaktivierung tritt das Virus mit dem Doppelnamen dann mit seinem zweiten Krankheitsbild in Erscheinung, der Gürtelrose (Herpes Zoster).

Dasselbe in Grün: Lippenherpes

Vielen wird auch der Lippenherpes, ausgelöst durch einen anderen Herpes Virus (Herpes-simplex-Virus-1), gut bekannt sein.

Wie häufig kommen die Windpocken vor – und bei wem?

Die extrem ansteckenden Windpocken (Ansteckungswahrscheinlichkeit: 90%) sind weltweit sehr verbreitet. Vor Einführung der Impfung erkrankten in Deutschland jährlich etwa 750.000 Kinder daran.

90% der 10-Jährigen haben die im Kindesalter harmlose Erkrankung bereits durchgemacht und sind immun dagegen. Etwa 95% aller Erwachsenen tragen Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus in sich.

Vor allem Kinder sind betroffen.

Eine saisonale Häufung wird im Winter und Frühjahr beobachtet. Am häufigsten treten die Windpocken zwischen dem 3. und 8. Lebensjahr auf, wenn die Infektion in den Gruppenmilieus Kindergarten und Schule rasch weitergetragen wird.

Erkrankungen sind aber in jedem Lebensalter möglich, wobei Säuglinge, Jugendliche und Erwachsene eher von schweren Verläufen bedroht sind


Ansteckung

Wie werden Windpocken übertragen?

Windpocken sind äußerst ansteckend. Aber wie nah muss man eigentlich einem Erkrankten kommen, um sich zu infizieren? Und können sich Kinder die Viren sogar über gemeinsame Spielsachen holen? Alles rund um die Ansteckungsgefahr mit Windpocken lesen Sie hier:

Windpocken: alles Wissenswerte zur Ansteckung

Wie erfolgt die Ansteckung?

Die Übertragung des extrem ansteckenden Varizella-Zoster-Virus, das die Windpocken hervorruft, erfolgt in der Regel durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion. Das heißt auf deutsch, man muss gar nicht unbedingt mit der infizierten Person direkt in Kontakt kommen (obwohl das natürlich auch funktioniert). Räumliche Nähe genügt.

Bläscheninhalt voller Viren

Ein Hauptansteckungsreservoir bilden die flüssigkeitsgefüllten Pocken. Nach deren Platzen können die Viruspartikel mit dem Luftstrom („mit dem Wind“) einige Meter weit „fliegen“.

Aber auch das Einatmen der Ausatmungsluft eines Viren-Trägers ist ein häufiger Übertragungsweg. Der Aufenthalt mit einer infizierten Person im gleichen Zimmer reicht deshalb in den meisten Fällen für eine Ansteckung aus.

Wie gefährlich ist es, wenn ein Nachbar erkrankt ist?

Auch die Übertragung von einer Etage eines Hauses zur anderen durch ein gekipptes Fenster ist schon beschrieben worden. Aus Virensicht sind aber Küssen oder sonstige direkte Berührungen der einfachere Weg.

Wie lange besteht Ansteckungsgefahr bei Windpocken?

Personen, die an Windpocken erkranken, sind bereits 1-2 Tage vor dem Auftreten des Ausschlags ansteckend. Das dauert dann an bis etwa 7-10 Tage nach Krankheitsbeginn bzw. bis das letzte Bläschen verkrustet ist.

Häufig noch zu lesen, vermutlich aber überholt ist die Annahme, dass sich dieser Zeitraum bis zum Abfallen der letzten Kruste erstrecken soll. In jedem Fall sollten Sie Ihr Kind wenigstens eine Woche lang nach Beginn des Hautauschlags zu Hause behalten.

Wie lange ist die Inkubationszeit bei Windpocken?

Die Zeit von der Ansteckung mit den Varizella-Viren bis zum Ausbruch der Windpocken beträgt etwa 1-3 Wochen. Das hört sich sehr unpräzise an, aber in Untersuchungen lag diese Zeitspanne tatsächlich zwischen 8 und 21 Tagen.

Wenn Ihr Kind also Kontakt zu einem anderen an Windpocken erkrankten Kind hatte und nach ein paar Tagen immer noch nichts passiert, ist das leider noch ohne Aussagekraft. Aber auch wenn Sie überlegen, wo sich Ihr Kind angesteckt haben könnte, können Sie die vergangenen Tage getrost vergessen und müssen im Kalender etwa weiter zurückblättern.

Wie wahrscheinlich ist bei Kontakt zu einem Kind mit Windpocken eine Ansteckung meines Kindes?

Bestand länger als eine Stunde räumliche Nähe mit einem infizierten Kind, müssen Sie von einer mindestens 90%-igen Ansteckungswahrscheinlichkeit ausgehen.

Es sei denn, Ihr Kind ist geimpft. Bei abwehrgeschwächten Kindern verkürzt sich die notwendige Kontaktdauer bis zur Ansteckung auf etwa 10 Minuten!

Können Windpocken durch Kleidung oder Spielzeug übertragen werden?

Das ist eher nicht zu befürchten. Die Windpocken-Viren können zwar recht erfolgreich von einem Menschen zum anderen fliegen (daher ihr Name), aber sobald sie außerhalb des Körpers irgendwo zur Ruhe kommen, ist es vorbei mit ihrer Schaffenskraft.

Hat also zum Beispiel ein mit Windpocken infiziertes Kind sein Spielzeug oder seinen Pulli mit den Viren kontaminiert, müsste man diese schon unmittelbar danach in den Mund nehmen, um sich daran anzustecken. Liegen sie erst einmal eine Weile herum, besteht diese Gefahr kaum mehr.

Wie lange besteht ein Nestschutz gegen Windpocken?

Wenn Sie als Mutter gegen die Windpocken immun sind, gelangt ein Teil der Antikörper, die Sie gegen die Varizella-Zoster-Viren gebildet haben, über den Mutterkuchen auch in den kindlichen Blutkreislauf.

Dadurch ist Ihr Baby in den ersten drei Monaten seines Lebens sicher geschützt. Danach nimmt seine Empfänglichkeit gegenüber einer Ansteckung zu und etwa ab dem 6. Lebensmonat besteht kein Nestschutz gegen die Windpocken mehr.


Der Weg der Erreger

Hier nochmal im Einzelnen, was nach dem Eindringen der Erreger über Tröpfcheninfektionen oder direkten Hautkontakt geschieht:

  • Die Viren gelangen über die Schleimhäute der oberen Atemwege in der Körper und vermehren sich dort einige Tage.
  • Nach 3-4 Tagen gelangen sie ins Blut und werden über die Gefäße im gesamten Körper verteilt (sogenannte 1. Virämie).
  • Sind die Viren in Leber und Milz angekommen, vermehren sie sich hier rasant.
  • Nach ca. 6-7 Tagen macht sich das stark angewachsene Bataillon über die Blutbahnen erneut auf den Weg (2. Virämie) und gelangt so zu Haut und Schleimhäuten, wo sie die charakteristischen Windpockenbläschen hervorruft.
  • Danach wandern die Erreger über Nervenfasern in die sogenannten Spinalganglien (Knäuel aus Nervenzellen) des Rückenmarks, wo sie lebenslang verharren.

Windpocken bei Erwachsenen

Können auch Erwachsene an Windpocken erkranken?

Ja, das kann vorkommen. Wer in der Kindheit und auch später nie Kontakt mit dem Erreger hatte, kann auch als Erwachsener die "Kinderkrankheit" Windpocken bekommen.

Gefahr durch ein erkranktes Kind

Für ungeschützte Familienmitglieder von Kindern mit Windpocken beträgt das Ansteckungsrisiko 80-90%.

Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie als gesunder Mensch für die Erkrankung tatsächlich empfänglich sind, recht klein. Man geht davon aus, dass etwa 95% aller Erwachsenen Antikörper gegen die Windpocken in sich tragen, die sie durch eine frühere Erkrankung oder durch Impfen erworben haben. Besteht darüber Unklarheit, empfiehlt sich als sicherste Maßnahme die Schutzimpfung.

Gürtelrose als Infektionsquelle möglich

Wer tatsächlich zu den 5% gehört, die das Virus in Kindertagen und auch später nie aufgeschnappt haben, bekommt auch als Erwachsener zunächst einmal Windpocken, wenn er erstmalig mit dem Erreger in Berührung kommt; und zwar sowohl nach Kontakt mit einem Kind, das sie auch gerade durchmacht, als auch mit einem Erwachsenen, der an Gürtelrose erkrankt ist. Das Virus ist dasselbe.

Erwachsene mit "Sternenhimmel"

Was man sonst eher bei Kindern kennt, zeigt sich dann auch bei den betroffenen betagteren Menschen: ein mit Rötungen, Bläschen und Krusten streuselkuchenartig übersäter Körper, der auch als "Sternenhimmel" bezeichnet wird. Während die Windpocken im Kindesalter meist glimpflich ablaufen, sind Jugendliche und Erwachsene jedoch oft schwerer betroffen.

Schutz vor der Infektion

Wie kann ich mein Kind und mich vor Windpocken schützen?

Den einzig zuverlässigen Schutz vor Windpocken bietet gegenwärtig nur die Impfung mit abgeschwächten, nicht ansteckungsfähigen Varizella-Zoster-Viren.

Windpocken-Impfung: Schutz für Jung und Alt

Soll man Kinder impfen lassen?

Auch wenn die Erkrankung bei Kindern im Normalfall harmlos verläuft, wird die frühzeitige Schutzimpfung in Deutschland seit 2004 offiziell empfohlen.

Dies erscheint mit Blick auf die zwar seltenen, aber gravierenden Komplikationen und die fehlenden spezifischen Behandlungsmöglichkeiten als gerechtfertigt. Bei Kindern wirkt die vollständige Immunisierung mit etwa 95%-iger Zuverlässigkeit.

Impfung zusammen mit Masern, Mumps und Röteln

Varizella-Impfstoffe werden seit Mitte der 1990er-Jahre eingesetzt und weiterentwickelt, seit 2006 sind auch Vierfachimpfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV) in Deutschland zugelassen und allgemein verfügbar.

Kann ich mich auch noch nach einer Ansteckung bei meinem Kind impfen lassen?

Ja, man kann sich noch bis zu 5 Tage nach Kontakt mit einem infizierten Menschen gegen Windpocken impfen lassen. Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr ist das beispielsweise für Eltern relevant.

Impfung schützt einen selbst und andere

Wenn Ihr Kind gerade die Windpocken bekommen hat und Sie keinen Immunschutz durch frühere Impfung oder Erkrankung besitzen oder sich darüber nicht im Klaren sind, sollten Sie eine rasche Immunisierung erwägen.

Zum Selbstschutz wegen der mit dem Alter steigenden Gefahr schwerer Krankheitsläufe – und um nicht als Infektionsträger wiederum Andere zu gefährden.

Impfung auch später sinnvoll

Wer nie Windpocken hatte und auch nicht dagegen geimpft ist, sollte das daher nachholen. Eine nachträgliche Impfung im Erwachsenenalter wird vor allem für Frauen mit Kinderwunsch empfohlen.

Wer sollte sich noch impfen lassen?

Aber auch Menschen vor einer Organtransplantation oder einer Behandlung, die das Immunsystem unterdrückt, sowie Personen mit starker Neurodermitis sollten sich impfen lassen. Wer im Gesundheitsdienst tätig ist oder Kinder im Vorschulalter betreut, ist ebenfalls aufgerufen, seinen Impfstatus ggf. aufzubessern.

Keine Gefahr durch doppelte Impfung

Eine versehentlich wiederholte Impfung ist unproblematisch. In der Schwangerschaft wird allerdings nicht aktiv mit Lebendimpfstoff geimpft. Hier käme, wie auch in anderen Sonderfällen, ein passiver Immunschutz mit Immunglobulin in Frage.


Diagnose

Wie erfolgt die Diagnose bei Windpocken?

In der ärztlichen Praxis genügt aufgrund des typischen Hautausschlags in der Regel die Blickdiagnose zur Feststellung von Windpocken. Den etwas selbstgefälligen Begriff Blickdiagnose benutzen Ärzte immer dann, wenn sie keine Geräte, ja nicht einmal eine körperliche Untersuchung benötigen, um zu wissen, um was es sich handelt. Also eher selten.

Bestehen Zweifel oder ein untypisches Krankheitsbild, kann die Infektion nachgewiesen werden:

  • direkt durch den Nachweis von Virus-DNA mittels PCR oder
  • indirekt durch den Nachweis von Antikörpern

Bei der Antikörper-Diagnostik geht es entweder um die sogenannten IgM-Antikörper (die bei „frischer Infektion“ zu finden sind) oder um IgG-Antikörper (mindestens vierfacher Titeranstieg bei zweimaliger Probennahme im mehrwöchigen Abstand).

Behandlung

Wie werden Windpocken behandelt?

Ist Ihr Kind ansonsten gesund und abwehrstark, verläuft eine Windpocken-Erkrankung in der Regel unproblematisch und bedarf keiner speziellen Behandlung. Grundsätzlich gilt es festzuhalten: Die beste (Be-)Handlungsmaßnahme besteht in der rechtzeitigen Schutzimpfung gegen Windpocken, um die Krankheit gar nicht erst entstehen zu lassen.

Symptomlinderung und Medikamente

Wie bei den meisten anderen Viruserkrankungen steht auch bei den Windpocken grundsätzlich eine symptomatische Therapie, also eine Linderung der Beschwerden, im Vordergrund. Unter bestimmten Umständen können aber auch Arzneimittel hilfreich sein.

  • Allgemeinmaßnahmen nach Bedarf: z.B. Bettruhe, Fiebersenkung, angepasste Kost.
  • Linderung des Juckreizes.
  • Bei eitriger Entzündung aufgekratzter Bläschen: desinfizierende Lösung, ggf. Antibiotika bzw. antibiotische Salbe, ggf. spezielle Salben zur Narbenbehandlung.
  • Bei abwehrgeschwächten Kindern mit besonders hohem Komplikationsrisiko: Verabreichung eines Virostatikums (z.B. Aciclovir), das sich direkt gegen die Viren richtet.
  • In Sonderfällen (z.B. Schwangerschaft): passive Immunisierung nach erfolgter Exposition.
Arzneimittel bei Windpocken

Welches Medikament hilft gegen Windpocken-Viren?

Die sogenannten Virostatika können gezielt gegen Herpesviren eingesetzt werden. Ein gängiges Beispiel ist der Wirkstoff Aciclovir. Allerdings nimmt die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung rasch ab, je später sie nach Ausbruch der Erkrankung gestartet wird.

Konkret bedeutet das, dass die Medikamentengabe innerhalb von 24 Stunden nach Auftreten der ersten Windpocken erfolgen sollte, um ausreichend wirksam zu sein.

Wer wird mit Aciclovir behandelt?

Dieses Vorgehen bleibt im Normalfall Kindern über 12 Jahren und mit geschwächtem Immunsystem vorbehalten.

Warum erhält nicht jeder das Medikament?

Ein routinemäßiger Einsatz erscheint, ganz abgesehen von Kostengründen, nicht sinnvoll, da insbesondere ansonsten gesunde Kinder mit den Viren gut alleine fertig werden und dann über eine lang anhaltende Immunität verfügen.

Eine vollständige Tilgung des Virenbefalls ist übrigens auch mit Virostatika nicht möglich.

Kann man Windpocken mit Antibiotika behandeln?

Gegen die Ursache der Windpocken, die Varizella-Zoster-Viren, sind Antibiotika wirkungslos. Denn Antibiotika können nur Bakterien, nicht aber Viren etwas anhaben.

Warum wurde mir trotzdem ein Antibiotikum verschrieben?

Ihre Verordnung durch den Arzt kann dennoch manchmal sinnvoll sein (zum Einnehmen oder als Salbe zum Auftragen). Dann nämlich, wenn es zu einer massiven bakteriellen Entzündung der Hautläsionen kommt, die mit einfacher Desinfektion nicht mehr zu beherrschen ist.

Denn Antibiotika können bei richtiger Auswahl die betreffenden Bakterien abtöten oder zumindest in Schach halten.

Hilft Kamille bei Windpocken?

Kamille gilt als die in Deutschland bekannteste und meist angewandte Arzneipflanze. Ihre austrocknenden, entzündungshemmenden und wundheilenden Eigenschaften machen sie auch bei Windpocken zu einem hilfreichen Naturheilmittel. Übrigens treten allergische Reaktionen bei Kamille nur sehr selten auf.

Wie soll ich Kamille anwenden?

Kamille kann etwa als Badezusatz oder als Kamillenlösung bzw. Kamillentee zum Abwaschen verwendet werden. Auch zur Nasen- und Mundspülung eignen sich Kamillen-Extrakte.


Wie helfe ich meinem Kind bei Windpocken?

Wenn Ihr Kind an Windpocken erkrankt ist, sollten Sie, je nach Bedarf und Notwendigkeit, die folgenden Maßnahmen ergreifen und Hinweise beachten:

Windpocken bei Kindern: Tipps für die Eltern

Soll ich mich an den Kinderarzt wenden?

Ja, konsultieren Sie bei den ersten Krankheitszeichen mit Ihrem Kind einen Arzt zur Sicherung der Diagnose und Einleitung etwaiger ärztlicher Maßnahmen bzw. Verschreibungen.

Wie verhindere ich, dass mein Kind die Bläschen aufkratzt?

Auch wenn die Bläschen jucken, darf nicht daran gekratzt werden wegen der Gefahr einer bakteriellen Sekundärinfektion mit nachfolgender Hauteiterung und hässlichen Narben. Deshalb:

  • Fingernägel ganz kurz schneiden und rund feilen
  • Handschuhe und Socken für Säuglinge
  • aufklärende Information zum richtigen Verhalten bei älteren Kindern
  • juckreizstillende Maßnahmen
  • Schwitzen und Wärme (Raumtemperatur, Badewasser) vermeiden.
  • Hygiene beachten (u.a. häufiges Händewaschen)

Was gilt es sonst zu beachten?

  • Bettruhe: nur bei hohem Fieber oder ernsthaftem Krankheitsgefühl notwendig.
  • Fiebersenkung: Nur in Ausnahmefällen nötig. Falls der Hautausschlag auch die unteren Gliedmaßen umfasst, sind Zäpfchen gegenüber Wadenwickeln zu bevorzugen.
  • Vollbäder und warmes Baden erst nach vollständiger Verkrustung bzw. Abfallen des Hautausschlags.
  • Windeln: häufiger wechseln wegen der nässenden Bläschen.
  • Kleidung: weiche und weite Unterwäsche sowie lockere Oberbekleidung (Baumwolle) statt enganliegender und scheuernder Kleidungsstücke.
  • Bei Genitalienbefall: (kurze) Sitzbäder mit Kamillenzusatz, Eichenrinde, Fichtennadelöl oder Kleieextrakt zur Linderung des Brennens.
  • Bei Augenbefall: Lichtschutz, um das Aufplatzen von Pocken an der Hornhaut wegen der Narbengefahr zu vermeiden; bei älteren Kindern Sonnenbrille.

Bei Schleimhautausschlag (Enanthem):

  • Nase und Mund mit desinfizierender Lösung spülen.
  • Bläschen im Mund platzen schnell und lassen kleine Geschwüre entstehen, die beim Essen schmerzen und bei Kontakt mit Säure besonders brennen. Achten Sie deshalb auf weiche, wenig säurehaltige Kost für Ihr Kind.
  • Trotz möglicherweise fehlendem Krankheitsgefühl: Halten Sie Ihr hochansteckendes Kind von ungeschützten Personen fern, insbesondere von abwehrgeschwächten Menschen oder Schwangeren. Sprechen Sie sich ggf. wegen des Kontakts mit anderen Kindern mit deren Eltern ab.
  • Bei der Verwendung von Salben ist zu beachten, dass ein relativ luftdichtes Abdecken der erkrankten Haut Folgeinfektionen durch Bakterien begünstigen kann.
  • Narbenbildung: Die Gefahr steigt aber mit frühzeitigem Aufplatzen der Bläschen. Deshalb lange Bäder vermeiden und nur Abtupfen statt Abrubbeln.
  • Achten Sie auf eventuelle Anzeichen von Komplikationen wie Hirn(haut)entzündung oder Lungenentzündung (ist aber selten).
  • Beachten Sie, dass Ihr erkranktes Kind bis zur Verkrustung aller Hautbläschen ansteckend ist und solange, in der Regel mindestens eine Woche nach Erscheinen der Windpocken, weder Kindergarten noch Schule besuchen kann. Außerdem besteht in diesem Fall Meldepflicht.

Was kann ich gegen den Juckreiz bei Windpocken tun?

Von den Windpocken kann ein starker Juckreiz ausgehen und Ihr Kind erstens quälen und zweitens dazu verleiten, die Bläschen und Pusteln aufzukratzen. Dann droht eine bakterielle Schmierinfektion, die zur Vereiterung der Hautläsionen führen und unschöne, bleibende Narben hinterlassen kann. Um das zu vermeiden, empfehlen sich folgende Maßnahmen:

  • Juckreizstillende Puder oder Lotionen (z.B. Lotio alba, Tannosynt®).
  • In schweren Fällen ein (vom Arzt verschriebenes) Antihistaminikum zum Einnehmen.
  • Abtupfen betroffener Stellen mit Essigwasser oder Abwaschen mit Kamillentee.
  • Eher kühle Raumtemperatur, um Wärme und Schwitzen zu vermeiden, die beide den Juckreiz fördern.
  • Deshalb auch höchstens lauwarme Wassertemperatur beim Waschen.
  • Kühlung verschafft Linderung und wird in der Regel als angenehm empfunden: z.B. kalte Waschungen, (kurze) Bäder, Umschläge
  • Falls Fiebersenkung erforderlich: lieber Zäpfchen statt Wickel, da durch feuchte Wärme die Pocken blühen und stärker jucken.
  • Auf geeignete Kleidung (günstig: Baumwolle) achten: weich und weit bzw. locker sitzend statt enganliegend und scheuernd.
  • Windelträger häufiger wickeln als sonst, weil das feuchtwarme Milieu in der Windel den Juckreiz verstärkt und Entzündungen fördert.

Besondere Risiken

Wie gefährlich sind Windpocken für Schwangere?

Windpocken sind nicht nur für den ungeborenen bzw. neugeborenen Kind gefährlich, sondern auch für die Schwangere selbst.

Windpocken: Gefahr für Schwangere und Nachwuchs

Wie viele Frauen sind gefährdet?

Glücklicherweise ist das nur selten der Fall, da lediglich etwa 3-4% aller Frauen im gebärfähigen Alter keine Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus aufweisen und damit empfänglich für die Erkrankung sind. Zahlenmäßig bedeutet das etwa 1-7 Fälle auf 10.000 Schwangerschaften.

Warum sind Windpocken besonders für Schwangere ein Problem?

Aufgrund der schwangerschaftsbedingten Dämpfung des Immunsystems kommt es bei werdenden Müttern im Vergleich zu Nichtschwangeren dann aber etwa zehnmal häufiger zu einem komplizierten Krankheitsverlauf mit Lungenentzündung.

Wie gefährlich ist eine Windpocken-Infektion für das Ungeborene?

Die Art der kindlichen Schädigung hängt vom Infektionszeitpunkt ab und kann von Symptomlosigkeit bis Fehl- oder Totgeburt (in 3,5% der Erkrankungsfälle) reichen.

Prinzipiell können die Windpocken-Erreger zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft über den Mutterkuchen auf das ungeborene Kind übertragen werden.

Wann ist das Ungeborene am meisten gefährdet?

Bis zur 20. Schwangerschaftswoche beträgt das Risiko einer ernsthaften Schädigung ("fetales Varizellen-Syndrom") nach Windpocken-Infektion der Mutter 1-2%, die meisten Fälle (fast 80%) treten zwischen der 9. und 20. Schwangerschaftswoche auf.

Danach werden kaum noch schädliche Einwirkungen auf das Kind beobachtet, im Gegensatz zur Ansteckung um den Geburtszeitpunkt herum (kongenitale bzw. neonatale Varizellen).

Warum ist die Windpocken-Erkrankung beim Neugeborenen besonders gefährlich?

Wenn eine (werdende) Mutter im Geburtszeitraum, etwa 4 Tage vor bis 2 Tage nach der Geburt, an Windpocken erkrankt, ist die Gefahr für das Kind besonders hoch.

Denn der Zeitraum ist zu knapp, um neben den Varizella-Viren auch schützende Antikörper von der Mutter weitergereicht zu bekommen. Deshalb sind schwere Krankheitsverläufe bei Neugeborenen-Windpocken häufig.

Ohne Therapie: Lebensgefahr

Ohne Behandlung mit Immunglobulinen und Virustatika, die möglichst noch vor Ausbruch der Bläschen erfolgen sollte, ist mit einer hohen Sterblichkeit der erkrankten Kinder (bis zu einem Drittel) zu rechnen.

Impfung vor der Schwangerschaft

Darum wird allen Frauen mit Kinderwunsch, die noch nicht gegen Windpocken geimpft sind oder früher daran erkrankt waren, eine Impfung empfohlen.


Prognose

Welche Folgen können Windpocken haben?

Ernsthafte Komplikationen sind bei Windpocken aber zum Glück selten. Bei verschiedenen Personengruppen (z.B. Abwehrgeschwächte) ist die Gefahr schwerer und komplizierter Verläufe etwas erhöht.

Komplikationen: Gürtelrose, Hirnhautentzündung und Co.

Narben

Die Sorge vor Narben ist nicht unbegründet. Es ist wichtig darauf zu achten, dass es nicht zum vorzeitigen Aufplatzen und nachfolgenden Vereiterungen der Bläschen kommt. Denn das kann zu unschönen Narben führen. Passieren kann das vor allem durch zu heftiges Kratzen.

Gürtelrose

Wichtig zu wissen ist, dass auch nach überstandener Erkrankung die verursachenden Varizella-Zoster-Viren im Körper verbleiben. Durch Reaktivierung können diese noch Jahrzehnte später als Gürtelrose (Herpes Zoster) wieder in Erscheinung treten.

Varizella-Zoster-Viren warten im Verborgenen

Die scheinbar harmlos schlummernden Viren warten in ihrem Sparmodus nur auf eine günstige Gelegenheit, um erneut zuzuschlagen. Wenn das Abwehrsystem ihres Gastgebers geschwächt ist, können sie reaktiviert werden und über die Nerven in entgegengesetzter Richtung wieder zur Haut ziehen.

Wie erkennt man die Gürtelrose?

In der Haut entfalten die Viren erneut ihre volle Stärke und zeigen sich nach außen in Form äußerst schmerzhafter Rötungen mit Bläschenbildung, die oft im Rumpfbereich, aber auch an Kopf oder Extremitäten auftreten.

Wie hoch ist das Risiko einer Gürtelrose nach überstandener Windpocken-Erkrankung?

Bei etwa 20-30% dieser Personen kommt es im Laufe des Lebens zu einer Gürtelrose. In Deutschland blühen auf diese Weise jährlich etwa 350.000-400.000 Gürtelrosen, überwiegend (zu rund zwei Drittel) bei Menschen, die älter als 50 Jahre sind.

Besonders gefährdet sind auch abwehrgeschwächte Menschen. Auch äußere Einflüsse und Stress können einen Herpes zoster auslösen.

Können auch Kinder eine Gürtelrose bekommen?

Ja, allerdings ist das selten. Aber auch bei Kindern kann eine Gürtelrose nach früherer Windpocken-Erkrankung in Erscheinung treten.

Normalerweise handelt es sich um ein ungefährliches Phänomen, das keine größeren Beschwerden verursacht. Dennoch wird eine gründliche Untersuchung des kleinen Patienten empfohlen, um etwaige immunschwächende Krankheiten im Hintergrund auszuschließen.

Was sind gefährliche Komplikationen?

Zu den bedrohlicheren (aber sehr seltenen) Komplikationen zählen:

  • Gehirnhautreizung bzw. Gehirnhautentzündung
  • Lungenentzündung (Viruspneumonie)
  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • Kleinhirnentzündung mit Bewegungsstörungen (akute zerebellare Ataxie)
  • Gehirnentzündung (Varizellen-Enzephalitis)
  • Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie)
  • bei Abwehrschwäche: schwerer bis lebensgefährlicher Verlauf mit Beteiligung der inneren Organe (Herz, Niere u.a.)
  • schwere Fehlbildungen beim Ungeborenen bei Ansteckung während der frühen Schwangerschaft
  • schwerer Krankheitsverlauf beim infizierten Neugeborenen, wenn sich seine (werdende) Mutter fünf Tage vor bis zwei Tage nach der Geburt ansteckt (bei fast einem Drittel tödlich)

Woran erkennt man eine Hirnhautentzündung?

Ein Warnsignal ist, wenn Ihr Kind mit Windpocken einen steifen Nacken, Krämpfe oder Gleichgewichtsstörungen bekommt. Auch eine zunehmende Teilnahmslosigkeit ist ein typisches Anzeichen für eine Hirnhautentzündung.

Es handelt sich dabei um eine theoretisch mögliche, aber sehr seltenere Komplikation. Auch bei verschiedenen anderen Kinderkrankheiten wie Masern oder Mumps ist das übrigens möglich.


Wissenswertes

Warum heißen die Windpocken eigentlich Windpocken?

Der Name Windpocken bezieht sich zum einen auf den Übertragungsweg der hoch ansteckenden Varizella-Zoster-Viren. Die werden nämlich nicht nur auf kurzer Distanz (Küssen, Niesen), sondern auch durch die Luft („mit dem Wind“) über größere Entfernungen (einige Meter) übertragen.

Der „Pocken“-Begriff kennzeichnet zum anderen die Art des Hautausschlags mit der charakteristischen Abfolge:

  • 1. Fleck
  • 2. Knötchen
  • 3. Bläschen-(Pustel)
  • 4. Kruste

Was sind Varizellen? 

Varizellen sind die bekannten Windpocken, die durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht werden, einem Mitglied der Familie der Herpesviren.

Es existieren noch zahlreiche weitere Begrifflichkeiten für diese klassische Kinderkrankheit, die auch Erwachsenen zu schaffen machen kann, etwa:

  • Wasserpocken
  • Spitzblattern, Spitze Blattern
  • Wilde Blattern
  • Feuchtblattern, Schafplattern, Schafblattern (v.a. österreichisch)
  • chicken pox

Die Gürtelrose dagegen ist nicht gleichbedeutend mit dem Krankheitsbild der Windpocken, wenngleich ebenfalls ausgelöst durch VZV.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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