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ADHS: Symptome und Behandlung

Warum lässt sich mein Kind so leicht ablenken? Handelt es sich etwa um eine Verhaltensstörung? Wie gehe ich am besten mit meinem Kind um und gibt es eine Behandlung für Kinder mit ADHS? Mehr dazu in diesem Kapitel.

Basiswissen

Was ist ADHS?

Die Abkürzung ADHS steht für den Fachterminus „Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom“. Der Begriff „Syndrom“, für den alternativ auch häufig „Störung“ gebraucht wird, deutet darauf hin, dass es sich hier um ein komplexes Geschehen mit verschiedenen Komponenten und Erscheinungsbildern handelt.

Die Aufmerksamkeitsstörung ADHS gilt heute weithin als angeborene Störung, die durch erbliche Veranlagung und andere Faktoren ermöglicht bzw. begünstigt wird, in allen Altersgruppen vorkommt und sich dort jeweils in unterschiedlicher Form manifestiert.

Die drei Hauptmerkmale des oder der ADHS sind:

Es werden diverse Mischformen unterschieden, je nachdem, welches dieser Merkmale das individuelle ADHS-Bild dominiert. Nicht jedes hyperaktive Kind zappelt ständig herum, aber alle Kinder mit ADHS fallen über lange Zeit durch ihr Verhalten aus dem Rahmen. Und das nicht nur zuhause, sondern auch in anderer Umgebung.

Hyperaktivität und Impulsivität

Was versteht man unter Hyperaktivität?

Typisches Merkmal der Hyper- bzw. Überaktivität ist eine auffällige körperliche Unruhe, die sich beispielsweise in ständigem Zappeln, Aufspringen vom Stuhl oder anderen Ausprägungen einer überschießenden Motorik äußert.

Vor allem bei Mädchen ist die hyperaktive Komponente des ADHS häufig abwesend – dann spricht man auch vom ADS – bzw. von außen nicht ohne weiteres erkennbar.

Was versteht man unter Impulsivität?

Mit der Impulsivität als einem der drei Hauptmerkmale eines ADHS ist die fehlende Kontrolle über die eigenen Gefühle gemeint, die mit Stimmungsschwankungen, leichter Erregbarkeit, Wutausbrüchen und nicht selten Aggressivität einhergeht.

Weitere Kriterien für das Krankheitsbild ADHS sind:

  • Beginn der Störung vor dem Alter von 6 Jahren
  • Auftreten des Fehlverhaltens in mindestens zwei Lebensbereichen/Umgebungen (z.B. Schule, Kindergarten, Familie, Freundeskreis)
  • Andauern der Beschwerden über mehr als sechs Monate

Allerdings ist ADHS als Krankheitsbild keineswegs unumstritten. Alle „Symptome“ können vorübergehend auch bei gesunden Kindern auftreten und das nicht nur nach besonderen Belastungen, wie z.B. Scheidung der Eltern. Insofern sollten Sie sich als sorgende Eltern weder vom medizinischen Fachvokabular noch von der krank(heits)machenden Dynamik der „Gesundheitsbranche“ zu sehr beeindrucken lassen. Schließlich ist für Sie als liebende und verantwortungsvolle Erziehungsberechtigte nur eine Frage wirklich von Belang: Wie helfe ich meinem Kind, wenn es Hilfe benötigt?

Mehr zur Definition von ADHS

Gibt es verschiedene Formen von ADHS?

Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) wird in drei Formen unterteilt, je nachdem, welche Auffälligkeit im Vordergrund steht:

  • überwiegend hyperaktiv-impulsiv („Zappelphilipp“)
  • überwiegend aufmerksamkeitsgestört („Hans-guck-in-die-Luft", „Träumer“) (häufiger bei Mädchen)
  • aufmerksamkeitsgestört und hyperaktiv: Misch-Typ

Der Träumer-Typ, bei dem sich die Hyperaktivität weniger bemerkbar macht, ist häufiger bei Mädchen zu beobachten.

Wie lautet die Leitlinien-Definition von ADHS?

Im Gegensatz zu den Kinder- und Jugendpsychiatern, die ihre Leitlinien-Definition der „Hyperkinetischen Störung“ am diagnostischen Klassifikationssystem ICD-10 ausrichten, bezieht die Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte auch das amerikanische System DSM-IV mit ein. In ihrer Leitlinie definiert sie den Krankheitsbegriff der „Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung“ folgendermaßen:

„ADHS liegt vor, wenn unaufmerksames und impulsives Verhalten mit oder ohne deutliche Hyperaktivität ausgeprägt ist, nicht dem Alter und Entwicklungsstand entspricht und zu deutlicher Beeinträchtigung in verschiedenen sozialen Bezugssystemen und im Leistungsbereich von Schule und Beruf führt. Diese Auffälligkeiten sollen länger als 6 Monate bestehen und beeinträchtigende Symptome von Hyperaktivität-Impulsivität und Unaufmerksamkeit sollen bereits vor dem Alter von 7 Jahren vorhanden gewesen sein. Die Symptome sollen nicht ausschließlich im Rahmen einer tief greifenden Entwicklungsstörung (z.B. Autismus-Spektrum) oder Psychose auftreten und nicht besser durch andere somatische oder psychiatrische Störungen erklärt werden können.“

Damit wird, anders als bei der strikten ICD-10-Auslegung, auch dem vorwiegend unaufmerksamen Subtyp (ADS) Rechnung getragen.

Kritische Stimmen: Krankheit oder Pseudo-Krankheit?

Ist das Krankheitsmodell ADHS ein Kunstprodukt?

ADHS-Kritiker meinen ja. Sie halten das propagierte ADHS-Modell für falsch und bedauern das Ausbleiben einer gesellschaftlichen Empörung angesichts des hohen Ritalin-Konsums.

Sie machen dafür Ermüdungserscheinungen in der öffentlichen, zunehmend unverständlichen Streitdiskussion verantwortlich. Zudem verweisen die Kritiker auf das Spektrum der Interessenten, die aus dem Festhalten an dem Modell Nutzen zögen. Dazu zählen Sie, die betroffenen Eltern mit dem Interesse an einem (genetisch bedingten) „Fremdverschulden“, die Kinder- und Jugendpsychiater mit dem beruflichen Publikationsinteresse an Medikamentenstudien, die Ärzte der Basisversorgung mit dem Bedarf an schnellen und beeindruckenden Behandlungsergebnissen und die kommerziell interessierte Pharmaindustrie.

Kritisches Hinterfragen berechtigt

Wie dem auch sei, fest steht: Immer wieder gab und gibt es in vielen Bereichen der Medizin umstrittene Krankheits- und Behandlungskonzepte, die häufig so lange aufrechterhalten werden, bis die gegenteilige Evidenz erdrückend ist oder sich der Zeitgeist geändert hat. Ein kritisches Hinterfragen, das ausschließlich auf das Wohl des Kindes gerichtet ist, und die sorgfältige Auswahl eines Arztes des eigenen Vertrauens sind, nicht nur bei ADHS, um so sinnvoller.

Mehr zu kritischen Ansichten

Wie interpretieren ADHS-Kritiker dieses Störungsbild?

Kritiker betrachten ADHS nicht als genetisch und neurobiologisch fixiertes Krankheitsgeschehen, sondern als gesellschaftliches Konstrukt. Sie interpretieren das Erscheinungsbild als Folge der aktuellen Lebensumstände der Kinder und der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Als solche werden angeführt:

  • veränderte Kindheit mit erhöhten Ansprüchen an „reibungsloses Funktionieren“ und Zweckmäßigkeit sowie zunehmendem Leistungsdruck
  • abnehmende gesellschaftliche Toleranz gegenüber kindlichem bzw. kindgerechtem Verhalten
  • zunehmende Bewegungsarmut, Reizüberflutung, Sinnentleerung, Strukturlosigkeit und Vernachlässigung
  • zu wenig bedürfnisorientiertes und binnendifferenziertes Schulsystem

ADHS aus der Sicht eines ADHS-Kritikers

Der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther äußerte sich auf die Frage, was ADHS sei, in einem Interview folgendermaßen:

„ADHS ist zunächst nicht mehr als die Bezeichnung für eine Sammlung von Symptomen, die man bei Kindern beobachten kann. Mediziner sind gezwungen, für bestimmte Behandlungen bestimmte Namen zu erfinden. Sie definieren Krankheiten, um die Behandlung bei den Krankenkassen abrechnen zu können, und genau das ist bei ADHS geschehen.“

Der Wissenschaftler und Buchautor hält die zunehmende Strukturlosigkeit der äußeren Welt für problematisch beim Aufbau der Strukturen im kindlichen Gehirn, insbesondere bei den Kindern, die einen größeren Strukturbedarf haben als andere. Als beispielhafte Ursachen für den Strukturverlust nennt Hüther die Hektik des modernen Alltags und die diversen Probleme, die junge Familien belasten, wie z.B. Partnerschaftskonflikte oder die schwierige Vereinbarkeit eines gesunden Familienlebens mit dem Karriereaufbau.

Gibt es unterschiedliche Auffassungen und Lehrmeinungen zu ADHS?

Ja, und nicht nur zu ADHS. Es gibt nur wenige Gebiete in der Medizin, die nicht durch einen Wettstreit der unterschiedlichen Meinungen und wissenschaftlichen Ergebnisse gekennzeichnet sind.

Und selbst dort, wo sich die Expertengemeinschaft einig zu sein scheint, ist nicht ausgeschlossen, dass sich – durch neue Erkenntnisse oder geänderte Sichtweisen – die anerkannte Lehrmeinung im Lauf der Jahre verändert, manchmal sogar dramatisch.

Auch die in ihren jeweiligen Lebenswelten anerkannten Meinungsführer haben kein Patent auf eine allgemeingültige Wahrheit. Deshalb bemühen wir – die Redaktion von Navigator Medizin – uns darum, ein möglichst breites Wissens- und Meinungsspektrum bei unseren Antworten (und Fragestellungen) zu berücksichtigen. Diese Vielfalt ist allerdings keinesfalls mit Beliebigkeit gleichzusetzen, an die inhaltliche Qualität und den Nutzwert für den Leser stellen wir sehr hohe Ansprüche. Bei einem so umstrittenen Thema wie ADHS kann sich das gelegentlich durch Antworten mit scheinbar gegenläufigen Perspektiven und Aussagen bemerkbar machen.

Ursachen

Weiß man heute, wodurch ADHS verursacht wird?

Na ja: Was für viele medizinische Diagnosen gilt, das gilt beim Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsyndrom (ADHS) ganz besonders: Die Experten gehen von einer multifaktoriellen Pathogenese aus, also von einer Vielzahl möglicher Krankheitsursachen und beteiligter Faktoren, ohne die genauen Zusammenhänge wirklich zu kennen.

Sicher scheint zu sein, dass sowohl biologische als auch psychosoziale Gründe eine Rolle spielen. In einer Zeit, in der der Mensch humanwissenschaftlich als biopsychosoziales Wesen betrachtet wird, ist das nicht weiter verwunderlich und nur bedingt aufschlussreich.

Gene spielen eine wichtige Rolle

Neueren Untersuchungen zufolge wird den neurobiologischen Faktoren heute ein größerer Einfluss zugemessen als den psychosozialen. Gemeint ist damit, dass die genetische Veranlagung maßgeblich verantwortlich gemacht wird und es sich um eine angeborene Störung handeln soll. Was allerdings nicht der Hypothese widerspricht, dass – aus kindlicher Perspektive – ungünstige psychosoziale Rahmenbedingungen, neben organischen Schadeinwirkungen, diese Veranlagung erst zum Tragen kommen lassen.

Mehr zu den Ursachen von ADHS

Gibt es eine typische ADHS-Ursache?

Nein. Eine einzige Ursache für ADHS gibt es nicht. Vielmehr gehen die gegenwärtigen Erklärungsmodelle von einem individuell geprägten und multifaktoriell bedingten Störungsbild aus.

Erbliche Veranlagung (Disposition), neurobiologische Dysfunktionen im Gehirn, psychosoziale Faktoren und Umweltbedingungen sollen dabei eine wichtige Rolle spielen. Auch schädliche Einflüsse während Schwangerschaft oder Geburt werden mit der kindlichen Verhaltensstörung in Verbindung gebracht.

Faktor Rauchen in der Schwangerschaft

So konnte zum Beispiel in einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie mit 360 Kindern in Mannheim gezeigt werden, dass Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft geraucht haben, viermal häufiger ein Zappelphilipp-Syndrom entwickeln. Allerdings ist bei solchen Untersuchungen immer die Frage, ob es wirklich am Rauchen lag. Denn Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen, machen möglicherweise auch noch andere Dinge falsch.

Aufmerksamkeitsstörung: Ist die Ernährung oder zu viel Zucker schuld?

Nein. Nahrungsmittel und von ihnen ausgelöste Unverträglichkeiten und Allergien stehen für viele Leiden als Auslöser im Verdacht, auch für ADHS. Trotz erheblicher Forschungsanstrengungen ließ sich allerdings bislang kein Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln, Nahrungsmittelzusätzen, Konservierungsstoffen (z.B. Phosphate) oder Zucker nachweisen.

Entsteht eine Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) durch einen Geburtsschaden?

Eindeutig lässt sich das (bisher) nicht beantworten. Schädigungen des Zentralnervensystems durch einen Sauerstoffmangel während der Geburt werden aber von Experten mit der ADHS-Entstehung in Zusammenhang gebracht.

Auch vorgeburtliche Schädigungen, etwa durch Alkoholmissbrauch und Tabakkonsum der Mutter, und eine Frühgeburt zählen zu den zahlreichen diskutierten Ursachen.

Ist ADHS ein medizinisches Problem?

Auch, aber nicht nur. Deshalb sollte die Diagnose auch nur Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen überlassen werden.

Während es einerseits bei der Behandlung des ADHS nicht einfach mit der Verschreibung von Medikamenten getan ist, wird andererseits die gestiegene Verabreichung von Psychopharmaka an Kinder auf eine Zunahme der Fehldiagnosen zurückgeführt. Verantwortlich für diese beunruhigende Entwicklung ist u.a. eine mangelnde Berücksichtigung der Richtlinien, die von den zuständigen Fachgesellschaften für den schwierigen und umstrittenen Umgang mit ADHS entwickelt worden sind.

Warum erkranken manche Kinder an ADHS und andere nicht?

Diese Frage ist, wie bei vielen menschlichen Phänomenen, bislang nicht genau geklärt. Wissenschaftler vermuten, dass die erbliche Veranlagung eine große Rolle für die Ausprägung von ADHS spielt.

Als Beleg für diese Annahme dient die Beobachtung, dass häufig auch Eltern, Geschwister oder andere Verwandte ebenfalls an ADHS leiden. Um einen Beweis handelt es sich dabei aber nicht, denn es könnten auch ähnliche Sozialisationsbedingungen für das gehäufte Auftreten von Bedeutung sein.

Rauchen? Alkohol? Umweltgifte?

Zahlreiche weitere Risikofaktoren werden für ADHS diskutiert, u.a.:

Weiteres zu Ursachen

Ist ADHS vererbbar?

Auch wenn die Vererbbarkeit von ADHS seit über zwei Jahrzehnten wissenschaftlich propagiert wird, mangelt es noch an Beweisen.

Zwillings- und Familienstudien zeigen zwar, dass Häufungen innerhalb einer Familie vorkommen und werden zusammen mit molekulargenetischen Untersuchungen als Begründung für den postulierten genetischen Einfluss angeführt. Ob dieser aber tatsächlich andere, äußere Faktoren (z.B. der Familienbeziehung, Erziehung und Umweltbedingungen) überwiegt, lässt sich derzeit noch nicht mit Sicherheit beantworten.

Ist ADHS eine psychische Störung?

Ja, denn wie für eine psychische Störung charakteristisch, geht es bei ADHS um Probleme des Denkens, der Gefühle, der Bewegung und des sozialen Verhaltens, die zu individuell unterschiedlich geprägten Erscheinungsbildern, aber immer zu einer psychosozialen Beeinträchtigung führen.

Ebenfalls kennzeichnend für ein seelisches Leiden ist das Ineinandergreifen der gestörten Funktionsbereiche bei ADHS. Organische Manifestationen im Bereich des Hirnstoffwechsels widersprechen dem nicht, sondern stellen das neurobiologische Korrelat der Fehlfunktionen dar.

Die Qualität der ADHS-Diagnose ist mit der anderer psychischer Störungen (z.B. Schizophrenie, Zwangsstörung) vergleichbar und weist Analogien mit Diagnosen anderer medizinischer Disziplinen auf (z.B. Bluthochdruck, Fettsucht).

Ist eine Signalstörung im Kopf schuld an ADHS?

Die Stammganglien und das Frontalhirn sind wichtige Gehirnabschnitte, wenn es um die Aufmerksamkeit, Konzentration, Wahrnehmungs- und Organisationsfähigkeit Ihres Kindes (und auch bei Ihnen selbst) geht.

Für die korrekte Signalübertragung in diesen Schaltzentren sind u.a. die Botenstoffe (Neurotransmitter) Dopamin und Noradrenalin verantwortlich. Ist deren Stoffwechsel gestört, gibt es Probleme mit der Informationsverarbeitung zwischen den verschiedenen Gehirnregionen. Und genau das vermuten Wissenschaftler auch im Zusammenhang mit ADHS.

Allerdings ist dieses neurobiologische Korrelat lediglich die Endstrecke eines krankhaften Geschehens, das vermutlich viele verschiedene Ursachen und Auslöser haben kann. Warum und wie es dazu kommt, steht also auf einem anderen Blatt. Aber es wird immerhin nachvollziehbar, warum Medikamente, die den Neurotransmitter-Stoffwechsel beeinflussen, dabei helfen können, die Symptome in den Griff zu bekommen. Und es leuchtet auch ein, dass es bei dieser Maßnahme allein nicht bleiben kann, wenn man die Ursache des kindlichen Leidens auf Dauer beheben möchte.

Wie lautet die neurobiologische Erklärung für ADHS?

Aus neurobiologischer Sicht sind Neurotransmitter-Störungen im Gehirn für das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) verantwortlich. Sie führen zu Fehlfunktionen in den Regelkreisen zwischen Großhirn (präfrontaler und parietooccipitaler Kortex), Basalganglien und Kleinhirn.

Zu den möglichen Gründen für diese Entgleisung werden meist gezählt:

  • genetische Faktoren
  • Geburts- und Schwangerschaftstraumen (Alkohol, Nikotin, andere Drogen)
  • Störungen der Entwicklung (Frühgeburtlichkeit, Gehirnerkrankungen)
  • Störungen der Koordination

Häufigkeit

Sind heute mehr Kinder wegen ADHS behandlungsbedürftig als früher?

Darüber sind sich heute viele Experten einig. Demnach sind heute nicht mehr Kinder und Erwachsene von einer ADHS-Veranlagung betroffen als früher.

Auffallend hyperaktive Kinder gab es schon immer, wofür gerne das bekannte Beispiel des „Zappelphilipps“ aus dem 1845 erschienenen Kinderbuch „Struwwelpeter“ des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann zitiert wird. Allerdings fielen diese Kinder in den vergangenen Zeiten normalerweise nicht weiter auf, da die harten, mit Strafen und körperlicher Züchtigung bewehrten Strukturen kaum Alternativen zu einem angepassten Verhalten zuließen.

Umweltfaktoren und Gesellschaft

Die genetische Disposition der Menschheit dürfte sich innerhalb von wenigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten wohl nur in sehr geringem Maße entscheidend ändern. Deshalb spielen wohl die äußeren Faktoren der gesellschaftlichen Umwelt, die sich im vergangenen Jahrhundert sehr verändert hat, die wichtigere Rolle. Hinzu kommt, dass erst durch die sprachliche Erschaffung der Diagnose ADHS die Wahrnehmung des Phänomens in breiterem Umfang möglich wurde und seither in Medien und Gesellschaft deutlich gestiegen ist.

ADHS: mehr Diagnosen und Behandlungen

ADHS tritt somit aufgrund der geänderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verstärkt und offensichtlicher zu Tage, während gleichzeitig die therapeutischen Grenzen zugunsten einer postulierten Behandlungsbedürftigkeit verschoben wurden. Als Ursachen für diese Entwicklung werden u.a. vermutet:

  • fortschreitende Vernetzung der Gesellschaft und damit einhergehende Reizüberflutung durch ein Überangebot an Informationen, Kommunikation und medialen Reizen wie Fernsehen, Computer und Mobiltelefon
  • deutlich erhöhte Anforderungen an das Individuum durch die zunehmende Komplexität im privaten und beruflichen Leben
  • zunehmende Strukturlosigkeit in Familie, Schule und Gesellschaft
  • daraus resultierend insgesamt eine größere Herausforderung für ADHS-Betroffene, ihr Leben zu gestalten

Verschiedene Untersuchungen lassen darauf schließen, dass zwar die Zahl der Diagnosen und die Verschreibungshäufigkeit des ADHS-Medikaments Ritalin, weniger aber das Vorkommen dieser Störung an sich in den letzten Jahren stark zugenommen hat. In den USA ist die Aufmerksamkeitsdefizitstörung (Attention Deficit Disorder / ADD) mittlerweile zur am häufigsten diagnostizierten „Kinderkrankheit“ und Ritalin zur „Pille für das Kind“ geworden. Und natürlich gibt es auch dabei Menschen, die daran verdienen.

Mehr zur Häufigkeit

Ist wirklich jedes 10. Kind an ADHS erkrankt?

In den einschlägigen Informationsquellen, ob gedruckt oder online, ist gerne von 5-15% die Rede, wenn es um die heutige Verbreitung des Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) geht.

Diese Zahlen erscheinen allerdings – wie so oft im medizinischen Presse- und Medienbetrieb – recht hoch gegriffen und sind mit Vorsicht zu genießen. Zumindest, wenn daraus therapeutische Maßnahmen abgeleitet werden sollen. So findet sich hin und wieder der Zusatz, dass „nur etwa die Hälfte“ davon medizinisch behandlunsbedürftig sei. Außerdem ist mit einer hohen Rate von Fehldiagnosen zu rechnen, wie die Schwierigkeit der Diagnosestellung vermuten lässt und Untersuchungen in den USA gezeigt haben.

Kaum zu überschätzen dürfte dagegen die Zahl derjenigen Kinder sein, denen es an optimaler Zuwendung und kindgerechten Rahmenbedingungen zum Ausleben ihres mitunter lebhaften Naturells mangelt.

Kommt ADHS nur in Deutschland häufig vor?

Nein, die internationale Häufigkeit von ADHS wird (abhängig von der Quelle) mit 9,2% für Jungen und 2,9% für Mädchen angegeben. Damit zählt das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom weltweit zu den häufigsten psychiatrischen Kinderkrankheiten.

In Deutschland sollen 6% der 6-10 Jahre alten Kinder betroffen sein. In den USA erfolgen die Diagnostellung und eine medikamentöse Therapie mit der Verabreichung von Ritalin besonders häufig – und oft zu vorschnell, wie aktuelle Untersuchungen ergeben haben.

Symptome

Was sind Anzeichen einer Aufmerksamkeitsstörung?

Typische Merkmale einer Aufmerksamkeitsstörung sind:

  • eine geringe Aufmerksamkeitsspanne, so dass Tätigkeiten (Spielen, Hausaufgaben etc.) nicht zu Ende gebracht werden
  • leichte Ablenkbarkeit
  • häufiges Dazwischenreden

Im Prinzip also lauter Dinge, die wir Erwachsenen auch oft machen...

Wie beschreiben Eltern häufig ihr ADHS-krankes Kind?

Eine typische Beschreibung besorgter Eltern eines hyperaktiven Kindes lautet in etwa so:

„Unser Kind kann nicht stillsitzen und zappelt andauernd herum. Es scheint oft abwesend zu sein und nicht zuzuhören, stattdessen redet es oft dazwischen. Ständig will es bestimmen, hat Schwierigkeiten, sich einzufügen, auch beim Spielen, und geht häufig mit anderen Kindern recht brutal um.“

In welchem Alter treten die ersten ADHS-Symptome üblicherweise auf?

Zur Definition von ADHS gemäß der wissenschaftlichen Leitlinien gehört das Auftreten der Symptome vor dem 6. Lebensjahr. Erste Anzeichen können möglicherweise schon beim Baby beobachtet werden.

Stärker zum Tragen kommen sie meist erst im Kindergartenalter, wenn die verschiedenen Wohlverhaltensweisen wie Stillsitzen, Konzentrieren, Unterordnen etc. in der Gruppe und zuhause zunehmend eingefordert werden.

Symptome je nach Altersgruppe

Welche Symptome können im Säuglingsalter auf ADHS hinweisen?

Das ADHS-Beschwerdebild hängt vom Alter und der individuellen Ausprägung ab, ist also höchst unterschiedlich und wenig beweiskräftig. Regulationsstörungen, die durch ADHS bedingt sind, können sich im Säuglingsalter durch folgende, für das Kind unangenehme und für die Eltern anstrengende Erscheinungen äußern:

  • unerklärliche, lang andauernde Schreiphasen
  • körperliche Unruhe
  • Ess- und Schlafprobleme
  • Ablehnung von Körperkontakt
  • Misslaunigkeit

Nicht jedes auffällige Kind bekommt ADHS

Die Leitlinien-Autoren der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V. gehen davon aus, dass bei derartigen Symptomen im frühen Lebensalter später in etwa 30% der Fälle eine ADHS diagnostiziert werden kann. Das gilt aber nur, wenn diese Auffälligkeiten über einen längeren Zeitraum bestehen und nicht durch andere Erkrankungen bzw. Befindlichkeitsstörungen verursacht bzw. erklärbar sind.

Umgekehrt verhalten sich Babys, bei deren ADHS die unaufmerksame statt der hyperaktiven Komponente dominiert („Träumer“-Typ, häufig bei Mädchen), oft ausgesprochen friedlich und „pflegeleicht“. Weder das Vorhandensein noch das Fehlen der genannten „Symptome“ kann die Diagnose ADHS bestätigen oder ausschließen.

Welche Symptome können im Kleinkind- und Kindergartenalter auf ADHS hinweisen?

Die Antwort zitiert aus der von Kinder- und Jugendärzten erstellten ADHS-Leitlinie:

  • planloser und rastlose Aktivität
  • schnelle, häufige und kaum vorhersehbare Handlungswechsel
  • geringe Ausdauer beim Spielen
  • ausgeprägte Trotzreaktionen
  • mangelnde Akzeptanz von Regeln
  • unberechenbares Sozialverhalten
  • Teilleistungsschwächen, zum Beispiel beim Hören, Sehen oder in der Fein- und Grobmotorik
  • erhöhte Unfallgefahr
  • auffallend früher Spracherwerb (manchmal aber auch verzögerte Sprachentwicklung)
  • keine beständigen Freundschaften
  • Kind und Eltern isoliert
Welche Symptome können im Grundschulalter auf eine Aufmerksamkeitsstörung hinweisen?

Die Antwort zitiert aus der von Kinder- und Jugendärzten erstellten ADHS-Leitlinie:

  • mangelnde Regelakzeptanz des Kindes in Familie, Spielgruppe und Klassengemeinschaft
  • Stören im Unterricht, wenig Ausdauer, starke Ablenkbarkeit, emotionale Instabilität, geringe Frustrationstoleranz, Wutanfälle, aggressives Verhalten, schlechte Schrift, chaotisches Ordnungsverhalten
  • andauerndes Reden, Produzieren von Geräuschen, überhastetes Sprechen (Poltern)
  • unpassende Mimik, Gestik und Körpersprache
  • Ungeschicklichkeit, häufige Unfälle
  • Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechenschwäche, Lern-Leistungsprobleme mit Klassenwiederholungen, Umschulungen
  • keine dauerhaften sozialen Bindungen, Außenseitertum
  • niedriges Selbstbewusstsein
Welche Symptome können bei Jugendlichen auf ADHS hinweisen?

Wenn die Kinder älter werden, wandelt sich auch die Ausprägung des ADHS-Beschwerdebildes. Hinweisende Symptome gemäß der von Kinder- und Jugendärzten erstellten ADHS-Leitlinie sind:

  • Unaufmerksamkeit
  • Null-Bock-Mentalität, Leistungsverweigerung, oppositionell-aggressives Verhalten, stark vermindertes Selbstwertgefühl, Ängste, Depressionen
  • Präferenz für soziale Randgruppen, erhöhte Risikobereitschaft, häufiger Verkehrsunfälle
  • Neigung zu Straffälligkeit (Delinquenz), Alkohol, Drogen
  • vermehrt Frühschwangerschaften

Zumindest die erstgenannten Symptome können freilich auch bei jeder ausgeprägteren Pubertät auftreten - also Vorsicht vor zu schnellen Schlussfolgerungen.

Mein Kind zeigt Symptome einer Aufmerksamkeitsstörung. Ist es krank?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit nein, denn alle Zeichen eines Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) können vorübergehend auch bei gesunden Kindern auftreten.

Häufig werden besondere Belastungen, wie z.B. die Scheidung der Eltern, dafür verantwortlich gemacht. Die meisten Eltern werden aber auch ohne derlei Extremsituationen die Erfahrung teilen, dass ihre Kinder gelegentlich bis häufig wenig aufmerksam, körperlich unruhig und leicht erregbar bis wutschnaubend reizbar sind. Krank sind sie deshalb noch lange nicht.

In den allermeisten Fällen reicht es:

  • Kindern zu ermöglichen, sich als Kind auszuleben, ohne sie zu vernachlässigen,
  • den eigenen Erziehungsstil inklusive Werten und Zielen in alle Richtungen zu überdenken,
  • Konsequenz, Ruhe und Gelassenheit an den Tag zu legen,
  • als Vorbild für die eigenen Kinder zu agieren und
  • die Anstrengungen der Erziehung (die leider oft rech hoch, aber vollkommen unbezahlt sind) mit humorvoller Liebe statt klagender Verzweiflung zu (er-) tragen.

Bevor wir also unsere Kinder und uns als Eltern mit Selbstvorwürfen und Krankheitsdiagnosen fertigmachen, sollten wir lieber überlegen: Wie können wir die Rahmenbedingungen für familiäres, schulisches und sonstwie kindliches Leben verbessern? Wie können wir uns besonders störenden Auswüchsen zumindest entziehen?

Es ist davon auszugehen, dass die zu beobachtenden biopsychosozialen Störungen bei Kindern und Erwachsenen zum allergrößten Teil nicht in den Veranlagungen unseres Nachwuchses begründet liegen, sondern in den Rahmenbedingungen seines Aufwachsens.

Mehr zu den Symptomen bei ADHS

Was sind häufig positive Eigenschaften von Kindern mit ADHS?

Ob mit oder ohne ADHS, aber eben auch gerade dann gilt: Beachten Sie neben den Problemen und Schwächen, die Ihnen bei Ihrem Kind auffallen mögen, vor allem auch seine positiven, liebens- und lobenswerten Eigenschaften!

Das klingt zwar banal und selbstverständlich, findet aber im Familien- und Schulalltag häufig viel zu wenig statt. Dabei weisen gerade die in mancher Hinsicht so anstrengenden „ADHS-Kinder“ oft besonders wertvolle Merkmale auf, wie z.B.

  • Ideenreichtum und Kreativität
  • künstlerische Qualitäten
  • Begeisterungsfähigkeit
  • Hilfsbereitschaft
  • Gerechtigkeitssinn
Wie äußert sich ADHS bei Mädchen?

Laut Expertenmeinung wird ADHS bei Mädchen häufiger übersehen. Im Gegensatz zu den zahlenmäßig stärker betroffenen Jungen ist die typische ADHS-Kernsymptomatik bei Mädchen eher geringer ausgeprägt.

Vor allem Hyperaktivität und Impulsivität fallen bei ihnen in der Regel weniger auf. Dafür haben sie häufiger intellektuelle Beeinträchtigungen und emotionale Auffälligkeiten (z.B. depressive Verstimmung).

Nach den Kriterien des amerikanischen Klassifikationssystems DSM-IV beträgt einer Studie zufolge das Geschlechterverhältnis von Jungen zu Mädchen beim überwiegend aufmerksamkeitsgestörten Subtyp 2:1 und beim hyperaktiv-impulsiven Subtyp 5:1.

Mein Kind ist hyperaktiv – hat es ADHS?

„Hyperaktives“ Verhalten ist häufig und normal bei Kindern. Erst wenn es dauerhaft und situationsübergreifend (z.B. in der Schule und zuhause) zur Belastung für das Kind und seine Umgebung wird, sollte an eine echte hyperkinetische Störung gedacht werden.

Eine Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) ist dabei nicht mit Hyperaktivität gleichzusetzen, sondern wird im Sinne eines Krankheitsbegriffs als eine mögliche Ursache für das abnorme Verhalten angesehen.

Sind alle Kinder mit ADHS auch hyperaktiv?

Nein, die motorische Hyperaktivität stellt nur ein fakultatives (nicht zwingendes) Symptom von ADHS dar.

Deshalb findet sich auch häufig die Abkürzung ADS, wodurch zum Ausdruck kommt, dass es sich um eine Aufmerksamkeitsstörung mit oder ohne Hyperaktivität handelt:

  • Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom = ADHS
  • Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom = ADS

Kann eine Aufmerksamkeitsstörung auch im Erwachsenenalter noch bestehen bleiben?

Ja. Auch im Erwachsenenalter bildet sich bei der Mehrzahl der ADHS-Betroffenen die Störung nicht automatisch zurück. Das Beschwerdebild verlagert sich aber altersentsprechend.

Hinweisende Symptome gemäß der von Kinder- und Jugendärzten erstellten ADHS-Leitlinie sind:

  • innere Unruhe, Schusseligkeit, Vergesslichkeit
  • Mühe, Aufgaben zu planen und zu Ende zu bringen
  • Neigung, Wichtiges bis zum letzten Moment aufzuschieben
  • Unbeständigkeit von beruflichen und sozialen Bindungen
  • Ängste, Depression, Jähzorn
  • Neigung zu Straffälligkeit (Delinquenz), Alkohol, Drogen
  • erhöhte Risikobereitschaft, häufiger Unfälle
  • Ess-Störungen

Diagnose und Untersuchungen

Warum ist die Diagnose ADHS so schwierig?

Eine Aufmerksamkeitsstörung vom Typ ADHS ist ein komplexes Störungsbild, für das es keinen „beweisenden“ Befund gibt. Da es sich nicht spezifisch diagnostizieren lässt, stellt es für die Ärzte und Therapeuten eine echte Herausforderung dar, der nicht alle gewachsen sind.

Statt auf objektiven Kriterien wie z.B. Messwerten oder Organdefekten beruht die Diagnose zu einem großen Teil auf Angaben und Wahrnehmungen von Bezugspersonen des Kindes. Diese Einschätzungen sind aber subjektiv, umwelt- und situationsabhängig und können erheblich voneinander abweichen.

Nicht jedes auffälliges Verhalten ist ADHS

Wenn Ihr Kind zuhause oder in der Schule ein auffälliges Verhalten mit typischen ADHS-„Symptomen“ zeigt, bedeutet das noch lange nicht, dass dem auch tatsächlich ein krankhaftes Geschehen im Sinne von ADHS zugrundeliegt. Denn zum einen können nahezu alle dieser „typischen“ Auffälligkeiten bisweilen auch bei gesunden Kindern vorübergehend beobachtet werden. Zum anderen würde sich Ihr Kind unter anderen Umständen, z.B. in einer anderen Schule, möglicherweise unauffällig verhalten.

Wird also der familiäre, kulturelle und schulische Kontext bei der Diagnostik nicht angemessen berücksichtigt, ist die Gefahr einer Fehldiagnose im Verzug. Die Bundesärztekammer geht davon aus, dass die Zahl der zur Abklärung eines ADHS-Verdachts untersuchten Kinder bei weitem die der tatsächlich Erkrankten übertrifft. Statt der überwiegend kolportierten 5-15% geht sie davon aus, dass „nur“ etwa 3-5% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland von ADHS betroffen sind – das sind dann immer noch 300.000 bis 500.000.

Welche diagnostischen Maßnahmen gehören zur Abklärung einer ADHS?

Folgende Maßnahmen können die Diagnosestellung einer ADHS unterstützen:

  • Anamnese (Befragung der Eltern, auch nach der Vorgeschichte)
  • Sozialanamnese
  • Familienanamnse
  • Eigenanamnese
  • Fremdanamnese
  • Ganzkörperuntersuchung
  • neurologische Untersuchung
  • Beurteilung des psychischen und geistigen Entwicklungsstandes
  • Beurteilung des Hör- und Sehvermögens
  • Laboruntersuchungen (Blutwerte)
  • Verhaltensbeobachtung
  • SDQ-Fragebogen (Strength- and Difficulties-Questionnaire)
  • FBB-HKS-Fragebogen (Fremdbeurteilungsbogen Hyperkinetische Störung)
  • VBV-Fragebogen (Verhaltensbeurteilungsbogen für Vorschulkinder)
  • psychologische Untersuchung
  • Entwicklungs-, Intelligenztests, Aufmerksamkeitstests
  • Elektroenzephalogramm (EEG), bildgebende Verfahren

Untersuchungsmethoden

Gibt es einen beweiskräftigen Test für ADHS?

Nein, bisher gibt es weder einen Test noch ein anderes Untersuchungsverfahren, dass alleine beweisend für ADHS wäre.

Es gibt zwar eine ganze Reihe verschiedener Tests zur Beurteilung der bei ADHS eingeschränkten Fähigkeiten wie z.B. des Aufmerksamkeits- und des Konzentrationsvermögens. Ein schlechtes oder gutes Abschneiden in einem derartigen Test ist allerdings immer nur als ein Indiz zu bewerten.

Selbst das Ergebnis einer ganzen Testreihe ist aufgrund der Komplexität des Syndroms für sich genommen nie ausreichend zur Stellung der Diagnose ADHS. Diese kann nur auf der Grundlage eines umfangreichen, mehrdimensionalen Untersuchungsgeschehens mit Informationen aus unterschiedlichen Quellen erfolgen.

Verdacht auf ADHS: Wie lange dauert eine testpsychologische Untersuchung?

Die testpsychologische Untersuchung zur Abklärung eines ADHS-Verdachts sollte mindenstens ein bis zwei Stunden dauern, damit der Arzt bzw. Therapeut das Verhalten des Kindes in der Testsituation gründlich beobachten kann.

Ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) zur Stellung der Diagnose ADHS erforderlich?

Nein, stattdessen wird üblicherweise ein EEG (Elektroenzephalogramm) durchgeführt, insbesondere zum Ausschluss einer Epilepsie im Falle einer medikamentösen Behandlung der ADHS.

Ein Magnetresonanztomogramm (MRT) kann je nach individueller Situation zum Ausschluss anderer hirnorganischer Erkrankungen sinnvoll und dann auch unter Kostengesichtspunkten gerechtfertigt sein.

ADHS: Welche Ziele sind mit der Diagnosestellung verbunden?

Die wesentlichen Ziele des Arztes bei der diagnostischen Abklärung sind:

  • Sichern der Diagnose
  • differenzialdiagnostische Abgrenzung
  • Erfassen der qualitativen und quantitativen Ausprägung der individuellen Symptomatik
  • Erkennen individueller Umgebungsbedingungen (negative mit Verschlimmerungspotenzial, positive mit Ressourcenpotenzial zur Hilfe und Besserung)

Verdacht auf ADHS: Was kann noch alles dahinterstecken?

Folgende Differentialdiagnosen (andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen) müssen bei Verdacht auf eine Aufmerksamkeitsstörung vom Typ ADHS bedacht werden:

  • Schädigung durch Alkohol in der Schwangerschaft (Alkoholembryopathie)
  • Epilepsie in der Schwangerschaft
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Intelligenzminderung
  • Neurofibromatose Typ I
  • Psychosen im Kindes- und Jugendalter
  • Zwangsstörungen bei Kindern und Jugendlichen

Mehr zu Untersuchungen bei ADHS

Welche fünf Bereiche umfasst die "multimodale sozialpädiatrische Diagnostik" zur Feststellung einer ADHS?

Mediziner lieben Fremdwörter und unverständliche Begriffe. Zur multimodalen sozialpädiatrischen Diagnostik gehören die folgenden Bereiche:

  • Entwicklungsstand / Intelligenz
  • körperlicher / neurologischer Befund
  • psychischer Befund
  • Psychosozialer Hintergrund
  • Abklärung der Ursachen (Ätiologie)
Welche kindlichen Entwicklungsdimensionen müssen bei der Diagnostik von ADHS berücksichtigt werden?

Zur Diagnosestellung bei ADHS ist immer eine mehrdimensionale Abklärung auf fachlich qualifiziertem Niveau erforderlich, wird die

  • biologische,
  • psychische und
  • soziale

Entwicklungsdimension Ihres Kindes berücksichtigt.

Behandlung

Kann man ADHS behandeln? Und wenn ja, wie?

Man kann nicht nur, man muss einem Kind mit ADHS helfen. Allerdings geht es da weniger um Medikamente (die oft viel zu schnell verschrieben werden), als vielmehr um eine liebevolle Beschäftigung mit dem Kind, kombiniert mit professioneller Hilfe.

Ritalin kann nicht heilen, manchmal aber helfen

Eine kausale, ursachengerichtete Behandlung der ADHS ist zwar nicht möglich. Dafür sind zu viele, und vor allem zu viele unklare Faktoren an der Entstehung beteiligt. Auch die medikamentöse Therapie kann ADHS-Kinder nicht heilen. Sie kann in Einzelfällen allerdings die Symptome soweit günstig beeinflussen, dass andere Behandlungsmaßnahmen größere Chancen haben. Dass also der Teufelskreis aus unangepasstem Verhalten und daraus resultierendem Stress unterbrochen wird, der Alltag leichter gemeistert und die Familiensituation entlastet wird. Eine Verhaltenstherapie und eine Schulung der Eltern haben dann gerade in schweren Fällen bessere Chancen, auf fruchtbaren Boden zu fallen.

Mehrere Ansätze gleichzeitig bieten die besten Chancen

Insgesamt wird ein sogenanntes multimodales Behandlungsprogramm empfohlen. Hinter dieser akademischen Bezeichnung steckt nichts anderes als die Idee, bei der Behandlung mehrere Wege gleichzeitig zu beschreiten. Dazu gehören folgende therapeutische Möglichkeiten:

  • psycho-edukative Maßnahmen:
    • Gespräch mit den Eltern und Bezugspersonen (Erziehern, Lehrern) über das Krankheitsbild
    • Elterntraining
  • Verhaltenstherapie
    • Anwendung positiver Verstärkung und negativer Konsequenzen
    • Selbstinstruktionstraining und Selbstmanagement-Interventionen
  • Behandlung von Entwicklungsstörungen und anderen assoziierten Störungen
  • Selbsthilfegruppen
  • medikamentöse Therapie

Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, Maßnahmen jenseits medizinischer Behandlungskategorien zu ergreifen. So kann man statt medikamentöser Einwirkung auf das Kind auch seiner Unruhe Raum bieten und Möglichkeiten der Beschäftigung bieten, die die Impulskontrolle fördern und ein Absetzen der Ritalin-Einnahme ermöglichen.

Mehr zu Ritalin bei ADHS

ADHS: Wann sollte eine Behandlung mit Ritalin begonnen werden?

Deutsche und europäische Behandlungsleitlinien empfehlen den Einsatz von Methylphenidat (Ritalin) und anderen Medikamenten nur im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie oder einer multimodalen Behandlung und nicht als alleinige Maßnahme.

Nur in schweren Fällen mit sehr starker ADHS-Symptomatik wird geraten, eine medikamentöse Therapie bereits nach ausführlicher Beratung der Eltern einzuleiten. Bei Kindern mit weniger stark ausgeprägtem Beschwerdebild sollten erst verhaltenstherapeutische Interventionen erfolgen, bevor an eine Pharmakotherapie gedacht wird.

Dient Ritalin bei ADHS nur dem Ruhigstellen von Kindern?

Ein vorschnelles, auf das Unterbinden von störendem kindlichem Verhalten gerichtetes Verabreichen von Ritalin (Wirkstoff: Methylphenidat) würde diesem häufig geäußerten Vorurteil Recht geben. Es ist nicht auszuschließen, dass solcher Missbrauch auch tatsächlich stattfindet.

In den Händen von verantwortungsvollen Ärzten und Eltern aber kann sich der Medikationsversuch mit Methylphenidat und anderen Psychostimulanzien als segensreiche Hilfe erweisen. Dies macht gerade auch die Behandlung von vorwiegend aufmerksamkeitsgestörten, motorisch ruhigen bzw. „braven“ Mädchen deutlich, bei der es von vornherein nicht darum gehen kann, ein störendes Verhalten zu beseitigen, sondern nur darum, die Informationsverarbeitung zu verbessern.

Was ist über die langfristigen Folgen des Ritalin-Gebrauchs bekannt?

Bislang wenig. Von Befürwortern des Einsatzes von Methylphenidat (Ritalin) wird auf die langjährige Anwendung seit über einem halben Jahrhundert (1959) verwiesen. Wissenschaftlich aufgearbeitet wurde diese Fragestellung bisher aber nicht wirklich.

Angesichts des mittlerweile hohen und weiter ansteigenden Verbrauchs des Psychopharmakons erscheint das fehlende Interesse an weiteren Untersuchungen seitens Industrie und Wissenschaft erstaunlich bis bedenklich.

Ist die Behandlung von ADHS mit Medikamenten eine Notlösung?

Das kann man so sehen. Vor allem dann, wenn die vergleichsweise unkomplizierte Gabe eines Medikaments der relativ (zeit-) aufwändigen Hilfe auf anderem Wege vorgezogen wird.

Auch der kritische Einwand, die Pillen helfen den Kindern (nur) zu funktionieren, ist nicht ganz unberechtigt.

Andererseits brauchen Kinder, die an einem ADHS-Beschwerdebild leiden, tatsächlich Hilfe. Und Medikamente wie Ritalin zählen bei schwerer Ausprägung und fachlich anspruchsvoller Diagnosestellung zum verfügbaren Arsenal der kurz- bis mittelfristigen Hilfsmittel.

Für die Erwartungshaltungen und Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft können die Psychopharmaka nichts. Etwas ändern daran können sie allerdings auch nicht. Der amerikanische Kinderarzt und Buchautor Lawrence H. Diller schreibt dazu: „Europa sollte ganz genau hinsehen, was bei uns geschieht, und die USA als warnendes Beispiel nehmen. (…) Es fällt uns so viel leichter, bei einem Kind eine Störung festzustellen und ihm Tabletten zu geben, als auf seine Bedürfnisse einzugehen.”

Bewegung statt Pillen: Hilft Schwimmen hyperaktiven Kindern?

Hyperaktive Kinder mit Medikamenten "ruhigzustellen" mag kurzfristig helfen. Die Ursachen werden mit Mitteln wie Ritalin aber ganz sicher nicht behoben. Eine interessante Alternative haben jetzt Prof. Gerd Hölter und Dr. Wolfgang Beudels von der Universität Dortmund vorgestellt: eine Bewegungstherapie im Schwimmbad.

Was zunächst etwas eigenartig klingt, macht bei näherer Betrachtung durchaus Sinn. Denn im Wasser kann man sich einerseits austoben. Andererseits hemmt und verlangsamt Wasser die Bewegungen. Es wirkt wie eine natürliche Bremse. Und das tut den Kindern mit dem "Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom" (ADHS) offenbar gut, wie die Dortmunder Wissenschaftler in Modellversuchen festgestellt haben. Bei warmem Wasser kommt hinzu, dass es entspannt. So kommen bei der gezielten Bewegungstherapie im Schwimmbad gleich zwei positive Effekte zusammen.

Und so funktioniert die Bewegungstherapie

In den Modellversuchen sollten die ADHS-Kinder aber nicht nur einfach schwimmen. Sie mussten in einer Gruppentherapie auch bestimmte Aufgaben lösen. Dadurch wurden sie angeleitet, nicht einfach jedem Impuls spontan zu folgen (typisch für ADHS-Kinder), sondern planerisch zu handeln. Außerdem mussten sie ganz bestimmte Regeln einhalten und bekamen bei Regelverstößen die gelbe oder rote Karte. Es ging bei der Behandlung also nicht nur um die Bewegung, sondern auch um das Erlernen sozialer Kompetenz. Und während die Kinder im Schwimmbad unterwegs waren, wurden draußen die Eltern von Kinderpsychologen befragt und beraten.

Das Dortmunder Team berichtet über insgesamt sehr gute Erfolge. Leider gibt es dazu bisher aber noch keine standardisierten Angebote in jeder Stadt. Dennoch empfehlen wir Ihnen, diesen Ansatz mit dem betreuenden Arzt oder der Ärztin zu besprechen.

Welche Therapiemaßnahmen sind nicht hilfreich bei ADHS?

Gemäß der wissenschaftlichen Leitlinie „Hyperkinetische Störungen“ der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie ist der Nutzwert der folgenden Therapiemaßnahmen nicht vorhanden oder nicht erwiesen:

  • phosphatarme Diät
  • Anwendung homöopathischer Arzneimittel zur Behandlung der hyperkinetischen Kernsymptomatik
  • nondirektive oder tiefenpsychologische Therapie zur alleinigen Behandlung der hyperkinetischen Kernsymptomatik
  • Mototherapie, Krankengymnastik, Psychomotorik und Ergotherapie zur alleinigen Behandlung der hyperkinetischen Kernsymptomatik
  • Entspannungsverfahren (einschl. autogenem Training) zur Behandlung der hyperkinetischen Kernsymptomatik

Für die Einnahme mehrfach ungesättigter Fettsäuren wie auch für das Neurofeedback-Verfahren wurden in kleineren Studien teilweise positive Effekte ermittelt. Bevor diese Maßnahmen allgemein empfohlen werden können, sind allerdings noch weitere Studien notwendig.

Alltag und Selbsthilfe

Wie können Eltern ihrem Kind mit ADHS im Alltag helfen?

In erster Linie können Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes stärken, indem Sie verständnisvoll und liebevoll mit ihm umgehen. Dazu zählt auch ein gefühlvoller und bestärkender Körperkontakt.

Liebe und Vertrauen sind Teil der Therapie

Nehmen Sie Ihr Kind öfter in die Arme. Aber keinesfalls mit einer Geisteshaltung und Worten wie: „Das kannst Du eben nicht, weil Du krank bist“! Das Gegenteil muss die Devise sein: Motivieren Sie Ihr Kind dazu, das aus sich herauszuholen, wozu es in der Lage ist. Dies gelingt, wenn Sie bei jedem Misserfolg betonen, dass Sie die Bemühungen Ihres Kindes genau erkannt haben und wertschätzen, diese aber noch nicht ausreichen.

Die für die allermeisten Eltern (unabhängig davon, ob ADHS eine Rolle spielt oder nicht) äußerst schwere, aber umso lohnendere Aufgabe lautet: Fordern Sie von Ihrem Kind freundlich und wohlwollend konsequent das Notwendige ein und nehmen Sie dabei den (durchaus natürlichen) Missmut Ihres Kindes an, ohne ihm zu widersprechen oder sich rechtzufertigen! Damit ist auf Dauer allen geholfen.

Mehr zu Selbsthilfe und Alltag mit ADHS

Wie kann ich die Konzentration bei meinem hyperaktiven Kind steigern?

Wenn Ihr Kind einen überschießenden Bewegungsdrang zeigt und sich nur schlecht konzentrieren kann, benötigt es Ihre volle Unterstützung und intensive Hilfe. Sei es, um möglicherweise angebrachte therapeutische Maßnahmen wirkungsvoll zu ergänzen, oder um sie gar nicht erst notwendig werden zu lassen.

Einige Tipps, was Sie selbst beitragen können:

  • Ihr eigenes Verhalten dem Kind gegenüber ist enorm wichtig. Verhalten Sie sich liebevoll und konsequent.
  • Sorgen Sie für einen möglichst geregelten und durch Rituale strukturierten Tagesablauf.
  • Sorgen Sie für geregelte Schlafenszeiten und geeignete, Ruhe und Sicherheit vermittelnde Rahmenbedingungen zum Ein- und Durchschlafen. Rituale (z.B. Vorlesen, Gute-Nacht-Lied) sind auch hier sehr hilfreich. Achten Sie auf die Bedürfnisse Ihres Kindes (z.B. Tür geöffnet lassen, Licht an im Flur, gelegentliches Ausweichen ins Elternbett).
  • Erstellen Sie Pläne für Handlungsabläufe (möglichst nicht mehr als drei Dinge nacheinander, z.B. Schreibtisch aufräumen, Schulranzen packen, Haustier füttern).
  • Klare Regeln und Absprachen helfen Ihrem Kind auch sehr beim Lernen. Die Mühe, sie gemeinsam zu vereinbaren und einzuhalten (z.B. mit Belohnungssystem/Punkteplan), lohnt sich!
  • Verzichten Sie auf gewaltsam erzwungenes Stillsitzen.
  • Verschaffen Sie dem Bewegungsdrang Ihres Kindes ein Ventil, anstatt ihn unterdrücken zu wollen.
  • Sportliche Freizeitbetätigung sollte Bestandteil des Nachmittags sein.
  • Sorgen Sie für ungezwungene Ruhephasen und unterstützen Sie Ihr Kind dabei, zur Ruhe zu kommen (z.B. durch ruhige Musik, Entspannungstechniken).
  • Achten Sie auf kurze Lerneinheiten und nutzen Sie Möglichkeiten, Lernen mit Bewegung zu verknüpfen (z.B. Sitzball als Schreibtischstuhl, Laufdiktate).
Können Kinder mit ADHS einen „normalen“ Kindergarten oder eine „normale“ Schule besuchen?

Normalerweise ja. Im Rahmen der derzeit laufenden Bemühungen um Integration der betroffenen Kinder kommt es ohnehin zum Abschmelzen separater Betreuungsangebote. Suchen Sie gemeinsam mit den Betreuern im Kindergarten oder in der Schule – und bei ausgeprägten Teilleistungsstörungen auch unter Hinzuziehung von Arzt und Therapeuten – nach sinnvollen Lösungen für eventuell auftretende Probleme. Möglicherweise fällt Ihrem Kind die Eingliederung in einen Kindergarten mit kleinen Gruppen bzw. in einer Schule mit kleinen Klassen leichter.

Prognose

Verschwindet eine Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) mit dem Alter?

Den Fachleuten zufolge gibt es ADHS in allen Altersgruppen. Früher wurde vermutet, dass sich die Verhaltensauffälligkeiten im Laufe der Pubertät auswachsen.

Aber nur bei etwa einem Drittel der betroffenen Kinder verschwinden die ADHS-Symptome mit den Jahren. Für die anderen besteht die Gefahr lebenslanger Folgeschäden, wenn die Störung unberücksichtigt bleibt.

Was sich mit zunehmendem Alter allerdings verändert, ist das Erscheinungsbild: An die Stelle der vorpubertären, vor allem die Jungen betreffenden überschießenden Motorik treten vielfach Schusseligkeit, Unorganisiertheit und Vergesslichkeit. Unabhängig davon, ob es sich nun bei ADHS um eine „echte“ Krankheit handelt oder nicht, besteht deshalb (Be-) Handlungsbedarf, wenn sich für Ihr Kind und seine Umgebung Belastungen aus dem „abnormen“ Verhalten ergeben.

Mit welchen (Spät-) Folgen ist bei ADHS zu rechnen?

Wird einem Kind mit ADHS nicht geholfen, drohen ihm gravierende soziale Probleme und Folgeschäden, die mitunter zu einer lebenslangen Beeinträchtigung führen können.

Dazu zählen:

  • Schulische und berufliche Minderqualifikation, die nicht den geistigen Fähigkeiten entspricht.
  • Unvermögen zum Aufbau und Erhalt sozialer Beziehungen.
  • Drohendes Abrutschen in die Jugendkriminalität.
  • Deutlich erhöhtes Unfallrisiko, hoher Anteil an selbstverschuldeten Schädelhirnverletzungen.
  • Erhöhtes Risiko für die Entwicklung diverser Erkrankungen wie Fibromyalgiesyndrom, Herzinfarkt, Depression, Angststörungen, Substanzmissbrauch oder Suchterkrankungen (Nikotin, Alkohol, Opiate).

Besteht für Kinder mit ADHS ein erhöhtes Unfallrisiko?

Ja, das Unfallrisiko ist für Menschen mit ADHS statistisch sechsfach erhöht.

Unter den Patienten mit Schädelhirnverletzungen ist die Gruppe der ADHS-Betroffenen vor allem durch schwere, selbstverschuldete Unfälle überdurchschnittlich stark vertreten.

Wissenswertes

Schadet meinem Kind der Kontakt zu einem ADHS-Kind? Kann das abfärben?

Nein. In dieser Richtung müssen Sie nichts befürchten. Eher ist das Gegenteil der Fall, wenn Ihr Kind von Ihnen gelernt hat, sich nicht gleich ausgrenzend und ablehnend gegenüber Anderen zu verhalten, die etwas aus der Reihe tanzen. Dann besteht für das an ADHS leidende Kind die Chance, auf eine offene und verständnisvolle Umgebung zu treffen, die ihm die Eingliederung erleichtert.

Gleiches gilt auch für die Eltern. Leider neigen gerade besorgte Eltern in solchen Fällen oft zu einem Ausgrenzungsverhalten ("Spiele lieber nicht so viel mit Torben"), das den Integrationsprozess für das betroffene Kind erschwert. Kinder dagegen sind meist viel eher dazu in der Lage, mit ihren "andersartigen" Altersgenossen angemessen umzugehen. Dadurch kann das Ausmaß an psychischen Folgeschäden bei den ADHS-Kindern verringert werden.

Wenn ein sehr aggressives Verhalten eines ADHS-Kindes zu befürchten ist, sollte sich in Absprache mit den Beteiligten ein Erwachsener in der Nähe der spielenden Kinder aufhalten, um notfalls eingreifen zu können.Nein. In dieser Richtung müssen Sie nichts befürchten. Eher ist das Gegenteil der Fall, wenn Ihr Kind von Ihnen gelernt hat, sich nicht gleich ausgrenzend und ablehnend gegenüber Anderen zu verhalten, die etwas aus der Reihe tanzen. Dann besteht für das an ADHS leidende Kind die Chance, auf eine offene und verständnisvolle Umgebung zu treffen, die ihm die Eingliederung erleichtert.

Gleiches gilt auch für die Eltern. Leider neigen gerade besorgte Eltern in solchen Fällen oft zu einem Ausgrenzungsverhalten ("Spiele lieber nicht so viel mit Torben"), das den Integrationsprozess für das betroffene Kind erschwert. Kinder dagegen sind meist viel eher dazu in der Lage, mit ihren "andersartigen" Altersgenossen angemessen umzugehen. Dadurch kann das Ausmaß an psychischen Folgeschäden bei den ADHS-Kindern verringert werden.

Wenn ein sehr aggressives Verhalten eines ADHS-Kindes zu befürchten ist, sollte sich in Absprache mit den Beteiligten ein Erwachsener in der Nähe der spielenden Kinder aufhalten, um notfalls eingreifen zu können.

Weshalb gibt es die Diagnose ADHS noch nicht lange?

Als möglicherweise erste Beschreibung des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) in der Fachliteratur gilt der Beitrag des englischen Kinderarztes George F. Still in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ aus dem Jahr 1902.

Still beschrieb, freilich noch ohne Verwendung der modernen ADHS-Begrifflichkeit, Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsproblemen, allgemeiner motorischer Unruhe und mangelnder Impulskontrolle. Statt schlechter Erziehung oder ungünstigen Umweltbedingungen hielt er eine angeborene Konstitution als hauptverantwortlich für das Phänomen.

Auf den engeren Zusammenhang dieser drei Verhaltensdimensionen ist man erst in jüngster Zeit (wieder) durch systematische Untersuchungen von Kindern und Jugendlichen gestoßen. Die Feststellung der Behandlungsbedürftigkeit ab einem gewissen Ausmaß von psychosozialer Beeinträchtigung hat zur Namensgebung und diagnostischen Zuordnung von ADHS geführt.

Gibt es verschiedene Bezeichnungen für ADHS?

Ja. Wie bei etlichen anderen (psychiatrischen) Syndromen auch, gibt es eine Reihe von Fachbegriffen, die letzten Endes das Störungsbild eines Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) oder damit überlappende Zustände meinen.

Manche von ihnen sind mittlerweile veraltet, andere eher im internationalen Sprachgebrauch der Experten verortet. Zur langen Liste der Synonyme zählen u.a.:

  • ADS / Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder -störung
  • Hyperaktivitäts-Aufmerksamkeitsstörungen
  • Hyperaktives, Hyperkinetisches oder Hypermotorisches Syndrom
  • MCD / Minimale Cerebrale Dysfunktion (veraltet)
  • PSO / Psychoorganisches Syndrom (veraltet)
  • ADHD / Attention-Deficit Hyperactivity Disorder (international gebräuchlich)
  • ADD / Attention Deficit Disorder (international gebräuchlich, veraltet)
Was ist das „Zappelphilipp-Syndrom“?

Die Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS oder ADS) wird umgangssprachlich auch als „Zappelphilipp-Syndrom“ bezeichnet, nach der bekannten Figur aus dem 1845 erschienenen Kinderbuch „Struwwelpeter“ des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann.

Wer ist alles an der Betreuung von ADHS-Kindern beteiligt?

Folgende Bezugspersonen, Fachkräfte und Institutionen gehören zu dem Netzwerk, das Ihnen und Ihrem Kind durch miteinander abgestimmtes Kommunizieren und Handeln die bestmögliche Unterstützung und Betreuung zur Überwindung der ADHS-Problematik bieten sollte:

  • ärztlicher Betreuer mit spezieller Qualifikation
  • ggf. weitere Spezialisten/Therapeuten in Praxis und Klinik
  • Elternverband
  • Frühförderung
  • Kindergarten
  • Schule
  • Förderschule
  • Schulpsychologischer Dienst
  • Tagesstätte
  • Hort
  • Jugendamt
  • Gesundheitsamt
  • Sozialamt
  • Versorgungsamt

Quellen:

  • Leitlinie „ADHS bei Kindern und Jugendlichen (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung)“ der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V.
  • Bundesärztekammer
  • Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V., aktualisierte Fassung vom Januar 2007 / 2009 (Medikamente)
  • Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V.

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Kommentare: Archiv

Habe Fibromyalgie und ADHS! Darf Morphin und Ritalin zusammen verschrieben werden?
08. März 2020 um 00:33 Uhr, Nerdel
Wäre über eine Antwort sehr dankbar. Die Frage davor war: Wenn ich 100er Fentanyl bekomme, die aber ums Verrecken nicht kleben! Welche Dosis wäre vergleichbar mit Hydromorphon? Danke!

ADHS
07. November 2018 um 00:37 Uhr, Didi
Alleine schon "Ruhigstellen". Wie inkompetent geschrieben, sorry!

Ritalin folgen
25. Oktober 2018 um 03:25 Uhr, Oliver Stockmeier
Ich kann bestätigen, was ich auf einigen Seiten gelesen habe. Mit einer geringeren Knochendichte, die sich bei mir entwickelt hat, bin ich nun 18 Jahre und warte seit mittlerweile 8 Wochen auf die Heilung eines Bruchs am Bein, was eigentlich nur 3-4 Wochen dauern sollte. Ein Kindheitsfreund, der unter starkem Asperger litt und folglich große Mengen an Ritalin bekam, erkrankte kürzlich an Knochenkrebs. Es sind kleinere Studien aus den USA bekannt, in denen 12 Kindern Ritalin gegeben, aber bei diesen bereits nach kurzer Zeit ein 3-fach erhöhtes Krebsrisiko festgestellt wurde! Das Zeug ist teuflisch. Ebenso wie die Pharmaindustrie, die hinter all dem steckt! Warum, glauben Sie, wurden - bis auf diesen „winzigen“, kaum bekannten Test - keine Studien oder Forschungen zu den Langzeitfolgen dieses Medikaments gemacht? Komisch! Scheint genug Geld damit machbar zu sein, um diese offiziellen Testergebnisse „wegzukaufen“. Schließlich nehmen es über 10.000.000 Kinder voller Potenzial auf dieser welt.

ADHS Störung?
02. Mai 2018 um 21:49 Uhr, Florian
Also, ich habe ADS (ohne dieses H) und kann nur sagen, dass es für mich jedenfalls keine Störung ist. Wenn überhaupt, max. eine Mutation bzw. eine wenig angepasste Variante von der Norm.

Ritalin gegen ADHS
6. September 2017 um 21:06 Uhr, E.M.
Mein Sohn bekam 8 Jahre lang nacheinander Ritalin, Concerta, Stratera mit der Folge, dass er suchtkrank wurde, seine Aggressionen zunahmen und beim Versuch, auf Zappelin umzusteigen, Depressionen auslösten, die mich fast das Leben kosteten. Er verlor seine fröhliche unbekümmerte Art, aber sein impulsives Verhalten wurde schlimmer statt besser. Kann nur warnen, wirklich auf die Wahrnehmungen des Kindes und von Eltern und Freunden zu achten und zu reagieren, bevor es zu spät ist. Eine parallele Psychotherapie zu seinen eigentlichen Problemen erhielt er nicht. Hilfe für mich war eine Familienaufstellung, die die Ursachen seines Verhaltens aufzeigte und meine Einstellung dazu änderte. Die erste Stelle, die mir nicht die Schuld an seinem Verhalten gab. Die Ursache konnte ich nicht beheben, trotz allen Kampfes. Sein Vater verweigerte den regelmäßigen Kontakt und mein Sohn sagte mit 16: ich hatte keine Chance als Mutter. Er gab mir in seiner Wahrnehmung die Schuld daran, obwoh ich alles nur erdenkliche dafür tat, diesen Fakt zu ändern.

Ritalin
01. Oktober 2016 um 10:19 Uhr, Tom
Hyperaktive Kinder dürfen nicht mit Medikamenten behandelt werden. Sie brauchen eine individuelle Erziehung und keinen Gehirnhemmer. Ritalin macht die Kinder selbstlos.

Zwecks die Gene können es nicht sein AW3.
11. November 2015 um 14:10 Uhr, Dr. med. Simon S.
Hallo, schönen Nachmittag... wollte zwecks deiner Aussage , dass es die Gene nicht sein können, fragen bzw. ob du vor einiger Zeit (ca. 6-7 Monate) den Nachweis der Doppelblindstudie gesehen hast, zwischen zwei Schwestern --> die Anteile bei je 30% liegen, dass die andere Person ebenfalls ADHS hatte. Es ist noch nicht sehr weit mit der Forschung, da hast du sicherlich recht, eine Genkomponente muss vorliegen, wir wissen leider nicht, wo bzw. wie (zb. Chorea Huntington, Ch4 autosomal-dominant), das wissen wir nicht, außer den psychoanalytischen Ausschluss. Was mit den Pharma-Giganten so ist, hast du eigentlich genau schon gesagt... Bei ADHS liegt das Problem bei der Firma, die Ritalin erzeugt. Auch andere könnten hier mehr haben im ADHS Sektor, da die Medikamente leider den Patienten nicht erspart bleiben können.... Die Firma Ratiopharm hat 892 Generika, jedoch Methylphenidat nicht... Dex-Amphetamin hat sich als gleich wirksam wie Methylphenidat gezeigt, jedoch wenn ich die Therapie beginne mit einen von den 2 Medikamenten, dann würde ich bei einen Umstieg immer Einbußen haben. Weiter; Bupropion offlabel-Therapie ist auch eine Sache, statistisch 5% haben Erfolg, jedoch sind das die, die von Ritalin und Adderall keinen Efekt haben. Ich glaube, Elontril in DL Zypan auch, naja die Show mit den selektiven 2:1 NA:DA ist aufgeflogen da es ja nur eine Frage der Zeit war, wir haben hier ein Cathinon Amphetamin, seit 2015 ist Wellbutrin (Name in A) unter den Stimulanzien gelistet Lg und alles Gute....

Fakten zur AD(H)S
11. November 2015 um 13:18 Uhr, Dr. med. Simon S.
Guten Tag allerseits, da ich täglich mit ADHS als FA zu tun habe, möchte ich einige Fakten zu ADHS feststellen. Um die Frage des Threads zu beantworten: JA, aber nicht durch mehr Erkrankungen, es hat sich diagnostisch sehr viel getan. Man weiß, dass es sich bei ADHS um eine hirnorganische Stoffwechselerkrankung handelt, mit neuronaler Heterogenie, in der zueinanderstehende Neurotransmitter Konstellationen (fehlt primär DNA), spezifische sekundäre Umverteilungen sind auch vorhanden, die auf das exzitatorische System Einfluss nehmen. In meinen 10 Jahren konnte ich die immer besseren und genaueren Methoden auch meiner Kollegen sehen. Leider kann man heutzutage durch bildgebende Verfahren die Störungen nicht sehen. Da ich mir im klaren sein muss, wenn ich einen Patienten habe, wo ADHS im Raum steht, muss ich eine Diagnose treffen. (Hier passieren die meisten Fehler) Ich muss genau so gut DANEBEN mit meiner Therapie liegen können, wenn ich ADHS ausschließen MUSS, so mit gleich hoher Wahrscheinlichkeit, wenn ich die Diagnose stelle. Ich muss Testverfahren machen, diese unterstützen mich nur, ich erkenne es erst wirklich, wenn ich schon begonnen habe mit einer Therapie. Einige werden mich jetzt nicht verstehen, das Problem ist, wenn ein Verdacht auf ADHS besteht und meine Diagnosen eher am 0 Punkt sind und ich unsicher bin, kann ich nichts machen, ich muss sogar eine Therapie auf ADHS machen, egal, was später rauskommt, da ich nicht sagen kann, bei Unsicherheit nein. Das führt dazu, dass ich ja niemals erfahren werde, was der Patient hat - und den Patienten geht es mit der Zeit immer schlechter: Egal was meine Untersuchungen vorher mir für eine Sicherheit geben. oder die Patienten in den Jahren, ist man schnell darauf gekommen, wenn ich es nicht mit Sicherheit ausschließen kann, ist alles andere wie der Versuch einer ADHS-Therapie die schlechteste Option. Im Grunde genommen ist hier Vertrauen wichtig, ich will nicht schlecht reden, aber es gibt auch DIE, die kommen voreingestellt hin und unterstellen Patienten eventuellen Missbrauch, bevor sie beginnen. Und ich bin ehrlich, ich sage es jedem Kollegen, dass er so niemals niemanden hilft. Ich halte Distanz zu solchen Leuten. OK, mir ist es auch einmal passiert, naja , soll ich wegen 30 Tabletten, wo es mich getroffen hat , das Leben von anderen Menschen zerstören? Ich sage mir, so habe ich ein immer gutes Verhältnis zu meinen Patienten... es ist keine Schande, 1 mal daneben zu liegen, aber es ist nicht nur moralisch verwerflich, bei Unsicherheit nein zu sagen, es ist auch genaugenommen strafbar, wenn ich so handle. lg

Adhs Störung
02. Januar 2015 um 18:52 Uhr, Johanna
Adhs ist eine Psychische Störung, was oft nach der Geburt und nach dem 3. Lebensjahr sichtbar wird. Oft leiden Kinder an Adhs darunter, und deshalb können sie sich in der Schule nicht richtig konzentrieren und lenken sich von etwas anderem ab. Adhs Kinder lenken zum Beispiel auch die Mitschüler oder Mitmenschen in deren Umfangskreis ab. Manche Adhs Leute oder Kinder werden hyperaktiv und drehen wie in Null Komma nichts durch. Für Adhs gibt es auch Medizin wie Tabletten, um die Psychische Störung leicht zu vermeiden und zu verhindern.

ADHS Neurologische Erkrankung (Stoffwechselstörung) mit Auswirkungen auf die Psyche
21. November 2014 um 06:43 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
Ich würde es so definieren: ADHS ist eine neurologische Stoffwechselstörung-/Erkrankung mit massiven Auswirkungen auf die Psyche. So wie Diabetes auch eine Stoffwechselstörung ist, die auch Auswirkungen auf Figur und sportliche Leistungen hat... in etwa Der eine hat's an der Bachspeicheldrüse der andere im Kopf und der Dritte an der Schilddrüse...

nein, nur vermehrt in den Medien und Pädagogen besser sensibilisiert
21. November 2014 um 06:37 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
ich denke aber auch, dass früher die Leute nicht so sehr dafür sensibilisiert wurden - meine Mutter ist auch ein eindeutig klassischer Fall von ADS - dem Hans guck in die Luft Typus - inzwischen sieht sie es auch ein bisschen ein. Bei mir und meinem Bruder, wir gingen in den 1990er Jahre in Kindergarten und in die Schule, und obwohl da schon der erste Hype anfing, hat man es bei uns beiden ewig lange übersehen, weil lustigerweise das Mädchen 100 prozent ADHS war oder immer noch ist und bei meinem Bruder hat man das erst in der Oberstufe entdeckt, weil er der ADS Typus ist und einfach nur faul oder cool etc wirkte und für die Jungen eher der ADHS und Mädchen der ADS Typus typisch ist .... ). Aber unsere Eltern waren auch störrisch und haben sich nicht zu schnell ein krankes Kind einreden lassen, wobei auf der anderen Seite, bei mir hat kein Lehrer meinen Eltern empfohlen, mal mit mir zu einem Psychologen oder so zu gehen, und da mein Bruder im großen ja viel pflegeleichter war, waren sie der Meinung, wenn ich das nicht brauche, dann unser Philipp erst recht nicht.

ach und...
.21. November 2014 um 06:27 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
Ich kann mir aber auch sehr gut vorstellen, dass viele ADHSler und ADSler auch viel von den anderen SchülerInnen gemobbt, gehänselt und ausgelacht werden, eben weil sie so anders sind. Ging mir ab der 5. Klasse so, ich war auf 5 verschiedenen Schulen insgesamt und auf jeder Realschule war es grausam - erst als ich dann endlich auf dem Gymnasium war, wurde es wieder angenehm - ob das am ADHS lag oder am niedereren NIveau der Realschüler oder eine Kombination aus beidem und das schwierige pubertäre Alter... das kann ich nicht beurteilen. Ich habe ja nur die Oberstufenzeit auf dem Gymnasium verbracht. Und jeden Tag eine neue Idee, was ich studieren könnte von Luft und Raumfahrttechnik über Religionspädagogik bis hin zu Psychologie und Landschaftsarchitektur und Kunst war einfach alles dabei.... auch beruflich sehe ich mich heute so ziemlich überall von (Biochemiestudentin) Bayer bis hin zum Umweltbundesamt, Gesundheitsamt. Oder ich habe eine eigene Firma, die die innovativsten Produkte aus der synthetischen Biologie mit Hightech-Mikroorganismen herstellt, wie Sprit und Pharmaka für's ewige Leben.... ja, bin eben eine Träumerin

ADHS Grundschule - eigene Erfahrungen
21. November 2014 um 06:19 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
- Oft hört das Kind nicht richtig zu - ist im Lernpensum viel weiter hinten - hat Schwierigkeiten, alleine eine Aufgabe im stillen zu lösen - wenn es dem Lehrer so vorkommt, als würde man bei dem Kind mit einer Wand reden und nichts Gesagtes kommt an - vergleichsweise hässlichewe Schrift - verweigern von Vorlesen, weil Buchstaben wackeln, ich konnte oft nicht einen geraden Satz von der Tafel so abschreiben, wie er auch drauf steht - ständig Hausaufgaben nicht vollständig gemacht auch wenn Mutti mit ins Hausaufgabenheft schaut, weil Hausis erst gar nicht alle vollständig abgeschrieben werden - verwechselt Buchstaben - beim Diktat hat man öfter den Wunsch, dem Kind einfach nur noch den Duden auf den Kopf zu hauen - mathematisch allerdings gewandeter, kreativ, nutzt oft ungewohnte Rechenlösewege an - verschusselt sich dann aber in Klassenarbeiten mit Aufgabe übersehen, null vergessen, Komma nicht gesetzt... - oft scheint es 100x intelligenter zu sein als seine Noten - Freundinnen hatte ich zum Glück immer und viele in der Grundschule. Schwierig wurde es erst ab der 5., als ich als einzige von meinen Freundinnen es nicht aufs Gymnasium geschafft habe wegen den blöden Diktaten und weil die Frau W. das letzte Diktat, in dem ich es dann doch geschafft habe, eine 1-2 zu schreiben, nicht in die Empfehlung für die weiterführende Schule mit eingebracht hat... ab der 5. klasse ging es dann für mich steil bergab ... erst mal

ADHS im Erwachsenenalter - Mitte 20
21. November 2014 um 06:07 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
Und heute ? Ich kann immer noch nicht zuhören, quatsche dazwischen oder fange einfach so an zu quasseln, egal ob jemand zuhört oder nicht. B Bummelstudentin: mache seit 6 Jahren an einem lächerlichen Bachelor rum – ok, es ist Biochemie, aber trotzdem, und ein Ende ist vor 365 Tagen gewiss nicht in Sicht Vergesse alles, in meiner Wohnung sieht es aus wie Dresden 45. Habe schon, nachdem ich das Nest verlassen habe, zwar direkt nach dem Abitur in drei verschiedenen Städten gelebt, davon in 6 verschiedenen WGs, alleine mein Zimmer war immer ein Chaos Ich brauche bis heute noch ständig einen Kommilitonen, der mir immer sagt, wann was zu tun ist und mir halb den Arsch hinterher trägt, die Passwörter für mich mitnotiert und mich an die Fristen erinnert. Ich bin total unstrukturiert, unorganisiert, und so sehr ich mich auch bemühe und so sehr ich es auch möchte, ich bekomme keine Ordnung in Wohnung oder Leben oder Kopf. Meist scheitert es einfach damit, dass ich nicht weiß, wo anfangen oder aufhören soll. Dann denke ich, was soll’s, mach‘ste später" und jetzt erst mal.... Und immer auf letzte Sekunde wird dann eine Hausarbeit abgegeben oder zu Lernen angefangen und dazu muss ich echt in Bibliothek, weil da sind alle nur zum Lernen da und groß was anderes bleibt mir da nicht übrig zwischen selber lernen und den anderen dabei Zuzusehen, wie diese lernen. Irgendwann habe ich dann auch Amphetamin bzw. Speed entdeckt - da ich aber nix auf Rezept bekomme, hält meine Ordnung im Kopf, in der Wohnung und im Leben nur so lange, wie mein Geldbeutel die Drogen bezahlen kann und sie verfügbar sind und natürlich wie gut oder schlecht sie sind. Sogar meinen Führerschein habe ich dadurch verloren - aber was soll ich tun ?!? Methylphenidat bekomme ich im Leben nicht mehr verschrieben, weil mein Amphetamin-Missbrauch amtlich ist, außerdem habe ich die auch von meinem Bruder probiert, 20 mg gar nix, 30 mg kotzen, 40 mg kotzen und Kopf- und Bauchweh - dann war‘s mir zu blöde. Also wenn die Drogenküchen gut und die Dealer erschwingliche Preise haben, komme ich dank Amphetamin und Methamphetamin ganz gut klar. Zwischendurch wich ich damals noch hin und wieder (1-3x auf RC's wie Ethylphenidat, 4-Flurmethamphetamin und MDPV aus) oder besorgte mir Reactine duo und Aspirin complex und dazu noch Etilefrin und L-Tyrosin in der Hoffnung, dass das was bringt, aber mehr als Hände frieren im Winter nicht, und bei zu viel Etilefrin am Abend kann man nicht mehr einschlafen, hat es nicht gebracht...außer evtl. noch mehr Chaos in der Wohnung

ADHS in der Adoleszenz und heute als Erwachsene
21. November 2014 um 05:55 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
In der Adoleszenz.... schlechte Noten in der Schule, absolutes Null-Bock-Verhalten, meine Klassenkammeraden mussten mich ständig mitziehen. Hätte ich nicht die eine Freundin oder den anderen Kumpel gehabt, die mich immer wieder dran erinnert hätten, was wir als Hausaufgaben aufhaben, wann wir welche Klassenarbeit schreiben und welches Thema dran kommt, hätte ich nicht mal den unqualifizierten Hauptschulabschluss... War extrem frustriert, verzweifelt, weil ich eigentlich wusste, dass ich viel schlauer bin als meine Noten, aber immer im entscheidenden Moment konnte ich nicht aufpassen, und auch wenn ich noch so sehr die Französisch-Vokabeln für den Vokabeltest lernen und perfekt beherrschen wollte, sind mir tausend Dinge noch eingefallen, die ich davor oder zwischendurch machen könnte, von Fußballer auf dem Fußballfeld vom Fenster aus beobachten, Blume gießen, Fenster putzen, weiß der Teufel was, und wenn nur einer Freundin kurz eine sms schreiben.... es war zum die Zähne am Beton ausbeißen ich hatte zwischendurch Anorexie ich war diejenige, die das Rauchen und den Alkohol, später dann auch das Kiffen in die Klasse gebracht hatte hatte 100000 Hobbies, aber habe alle nur so nebenbei gemacht aus fast nichts ist wirklich was geworden ich bin sehr riskant mit den Inliner und dem Fahrrad gefahren, später, als ich meine Führerschein hatte, war ich total geschwindigkeitssüchtig, mit 70 km/h in eine steile Kurve bergab, kaum war die Autobahn freigegeben, Vollgas mit 215 km/h, mehr gab mein Smart forfour nicht her, losgedüst... ein roter Klassenbucheintrag nach dem nächsten, Nachsitzen , Strafarbeiten, einfach so unter der Woche nicht nach Hause kommen, in die Disco gehen, ohne Mutti was zu sagen, mit 17 Reise nach Amsterdam mit volljähriger Freundin buchen....

Kindergartenalter
21. November 2014 um 05:44 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
Alle ADHS'ler, mich eingeschlossen, sind mindestens 1x vom Kindergarten abgehauen oder ausversehen zu früh nach Hause gelaufen (in den 1990er noch möglich), als sie alleine nach Hause durften, weil sie dachten, der Kindi ist schon aus. Oft erkennt man das Gebastelte eines ADHSlers von weitem: es ist das hässlichste, weil es keine Lust hat, genau so einen dummen Drachen aus Papier zu basteln, still sitzen zu bleiben und der Geduldsfaden sehr schnell reißt und sich schnell gelangweilt wird. Kann beim Geschichten vorlesen nicht still halten muss z.B. anfangen, andere zu ärgern und stört Möchte kein Mittagsschlaf halten und stört ggf die anderen Meist braucht es beim Schuhe und Jacke anziehen extrem lange - obwohl das Kind doch schon Klettverschlussschuhe mit nur einem Klett hat... Vom Malen bis hinter die Ohren die Finger und das ganze Gesicht voll, auf dem T-Shirt neben Dreckflecken auch noch das halbe Mittagsessen. Muss ständig Strafe-Puzzles machen, weil irgendeine Dummheit gemacht (in den 1990ern...) Unruhestifter , stiftet andere dazu an, irgendeinen Blödsinn zu machen sehr phantasievoll ideenreich kreativ, oft überdurchschnittlich im Vergleich zu den anderen, wobei ich sogar schon früher zu den "Vorschulkindern" durfte, weil ich unbedingt wollte, und fand es da spannend, schon mit 5 bei den 6jährigen zu sitzen und die ersten Buchstaben zu lernen um für die 1. Klasse fit zu sein. Trotz ADHS war ich in der 1. -4. Klasse die einzige, die schon englisch konnte. Englischunterricht gab es in den 1990ern erst ab der 5. und Abitur in der 13. Klasse.

So hatte man mich beschrieben
21. November 2014 um 05:36 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
Sie ist wild im Umgang mit anderen Kindern, ihre Cousine hat Angst vor ihr, weil mein Kind meine Nichte zu fest drückt. Kann nicht still sitzen bleiben, alles muss man ihr 10x sagen, erzählt manchmal absoluten Blödsinn, ständig verliert es alles oder macht es kaputt, ständig stößt und verletzt sie sich. Schaut nie richtig auf den Weg, rennt ohne nach links oder rechts zu gucken einfach über die Straße Wenn sie etwas nicht bekommt, was sie will, dann schreit sie wie am Spieß und kann den halben Tag lang bockig sein.

ADHS im Säuglingsalter
21. November 2014 um 05:31 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
Ich habe sehr viel gestrampelt, schnell man hat mir kurz nach meiner Geburt das Zungenbändchen abgeschnitten, weil man dachte, es wäre zu kurz und ich könnte nicht saugen, dabei wollte ich nichts trinken!? Nie lange am Stück geschlafen, immer nur häppchenweise, und war auch ab und an ein Schreihals - mein kleiner Bruder, der auch ADHS hat, war als Baby wie eine Puppe.

ADHS bei Mädchen
21. November 2014 um 05:27 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
Gerade weil man ADHS viel eher einem Jungen zuordnet, geht es bei Mädchen unter. Sie können auch sehr hyperaktiv und impulsiv sein, sie können auch extreme Wutausbrüche kriegen und so wütend werden dass man denkt, sie platzen gleich. Sie wirken wild, spielen oft auch wilder, sind Meisterinnen im Kaputtmachen, haben ein total unordentliches Zimmer, neigen (zumindest war es bei mir so) eher dazu, Jungssachen zu machen wie Baumhaus bauen, auf Bäume klettern, sich im Matsch wühlen... Im Kindergarten habe ich auch manchmal andere Kinder "geschlagen" - das ist jetzt übertrieben, war grob zu anderen und habe dann auch öfters was weggenommen, weil warten – nö, war ganz ungeduldig. Habe ohne Punkt und Komma gequasselt, nie zugehört, immer dort, wo die anderen nicht waren.... "Wenn an den Mädchen ein schwuler Junge verloren gegangen ist ,hat es höchstwahrscheinlich ADHS...". Ich musste immer total hübsche Mädchensachen anhaben, auffällig knallige Spitzensöckchen, Glitzerstrumpfhose, einen Rock, der sich dreht, Lackschuhe - und bin damit ab in den Matsch!"

Bereits in den ersten Monaten
21. November 2014 um 05:21 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
Bei mir waren schon im ersten Monat die ersten Anzeichen erkennbar - ich habe so extrem viel und wild gezappelt - das haben selbst all meine vier Uromas noch nie zuvor gesehen. Man musste mich ständig beschäftigen, konnte keine Minute alleine sein, ohne dass man mich missachtet hat. Habe nur häppchenweise geschlafen, da mal eine Stunde, da mal drei Stunden, auch nachts nie durchgeschlafen, extreme Schwierigkeiten, mich abends zur Ruhe zu bringen, auch noch im Alter von 4 Jahren nie länger als 5-6 h durchgeschlafen. Ich konnte noch kaum reden, wollte aber immer nur raus, Dreirad fahren, Kettkar fahren, Fernsehen mochte ich gar nicht, konnte mich nie alleine beschäftigen, ausmalen und basteln habe ich gehasst. Mein Puppenwagen wurde zur Schubkarre und zum Werkzeugwagen, bin lieber auf Bäume geklettert als mit Puppen zu spielen. Wenn es ging, war ich den ganzen Tag nur draußen, bin nur ganz schnell zum Essen rein. Bin ständig hingefallen, kam ständig mit zerschlagenen Knien, blauen Flecke und sonstigen Schrammen nach Hause, tollpatschig ungeschickt ....

Zappelphillippe vs HaNS GUCK IN DIE LUFT TYPEN
21. November 2014 um 05:15 Uhr, Zappel-Phillip
Die Zappelphillippe sind eher die, die sehr schnell sind, zu Wutausbrüchen, Chaos und ständigem Dazwischengequatsche neigen. Ständige innere Unruhe, müssen ständig etwas tun, brauchen viel Action und Leute um sich herum, können Langeweile überhaupt nicht ausstehen, lieben riskante Aktivitäten und Adrenalinkicks. Während die „Hans guck in die Luft Typen“ eher total verpeilt und verplant sind, auch alles ständig vergessen, aber die scheinen viel mehr in einer eigenen Welt zu schweben, mit offenen Augen zu träumen, eher das Gegenteil vom Zappelphillip. Auch gedanklich genauso zerstreut, aber eher ruhig, können auch mal ausversehen 2h aus dem Fenster schauen und einen Bauarbeiter beobachten, über ihn philosophieren, dann kommt eine Oma mit dem Hund vorbei usw... bis ihm z.B. einfällt: oops - die Vokabeln wollte ich ja lernen, und nach 2 min schaut man sich zwar die Vokabeln an, ist aber gedanklich beim Schwimmen etc....

Was sind Anzeichen einer Aufmerksamkeitsstörung
21. November 2014 um 05:08 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
- Schwierigkeiten den anderen lange zuzuhören - ständig (ausversehen) dazwischen reden - vergessen - verschieben - verpeilen - Chaos im Zimmer, Chaos in den Schulheften, Chaos im Kopf - sprunghaftes Reden mit Gedankensprüngen - wenn man denkt, der gegenüber "sieht durch einen durch", man das Gefühl hat, immer wieder gegen eine wand zu reden - magelnde Impulskontrolle - alles muss immer jetzt gleich sofort ganz schnell - Hochsensibilität: man hört alles, sieht alles, fühlt alles - Überforderung: weiß nicht, wo anfangen, wo aufhören - 1000 Ideen: alles auf einmal anfangen wollen, nichts zu ende bringen - extrem kurzer Geduldsfaden - Wutausbrüche - verträumt, Tagträume, baut sich täglich tausend Luftschlösser.....

Ist das Krankheitsmodell ADHS ein Kunstprodukt??
21. November 2014 um 05:01 Uhr, Zappel-Phillips große Schwester
Definitiv NICHT! Ich bin selber eine Betroffene, habe einen sehr langen Leidensweg hinter mir - obwohl ich ADHS seit frühester Kindheit in der wohl ausgeprägtesten Form hatte, wie man es nur haben kann und alle Anzeichen dafür mehr als nur "eindeutig" waren, haben es die Lehrer übersehen, und meinten nur, "Irgendetwas stimmt bei ihrer Tochter nicht", Meine Eltern nahmen die Lehrer nicht für voll und erklärten sich alles mit "Bockphasen", Pubertät, sie ist halt zu verwöhnt, .... 2 Studienabbrüche auf Grund zweier schwerster Depressionen kamen noch dazwischen, irgendwann das Auftreten komorbiditärer Krankheiten wie: Bipolare Störung und Amphetamin-Sucht - jetzt, weil über 18 und stimulanzabhängig und dazu noch bipolar, kann man mein ADHS nicht behandeln - Stimulanzien kann man mir nicht geben,da das angeblich Manien auslöst und ich davon schon süchtig war/bin und eine Psychotherapie zahlt Kasse nicht, weil angeblich Diagnose nicht unter 18 schon mal gestellt wurde. Und ich bin im wahrsten Sinne des Wortes Zappelphilipps große Schwester, mein Bruder hat auch ADHS, wohl weil er ein Junge ist, ist man eher darauf gekommen. Es grüßt die Dramaqueen, die 24/7 mal mehr, und mal weniger im Chaos versinkt.... P.S.: Spätestens wenn ihr meine 3 kleinen Cousins - auch noch Drillinge - kennen lernt, wisst ihr: Wenn die kein ADHS haben, dann wirklich keiner und meine Mutter ist das absolute Sinnbild für einen ADS'ler oder auch Hans guck in die Luft... ich kenne sonst keinen zweiten Menschen auf dieser Welt, der ausversehen den Autoschlüsssel ins Gefrierfach legt, um ihn später stundenlang zu suchen, nie die Filme kapiert, weil Kopf zwischendruch in den Wolken oder einfach mal null zuhört und einen komplett übersieht....
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