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Schwerhörigkeit: Symptome und Behandlung

Was sind mögliche Ursachen einer Schwerhörigkeit? Was kann man dagegen tun? Wie ist es bei Kindern? Fragen und Antworten dazu im folgenden Beitrag.

Einführung

Was bedeutet Schwerhörigkeit?

Als Schwerhörigkeit oder Hypakusis bezeichnet man eine Minderung des Hörvermögens unabhängig vom Lebensalter.

Die Hörminderung kann individuell stark variieren und von einer geringfügigen Beeinträchtigung bis hin zu einem vollständigen Hörverlust (Gehörlosigkeit) reichen. Abhängig von der zugrundeliegenden Ursache kann die Schwerhörigkeit entweder nur vorübergehend auftreten oder aber dauerhaft bleiben.

Schleichender Prozess

Nach aktuellen Untersuchungen ist etwa jede sechste Person über 18 Jahre in Deutschland hörgeschädigt. Eine beeindruckende Zahl, wenn man bedenkt, dass der Anteil Schwerhöriger mit zunehmendem Alter naturgemäß noch weiter ansteigt (ab dem 65. Lebensjahr ist jeder zweite Mann und jede dritte Frau betroffen).

In den meisten Fällen entwickelt sich die Schwerhörigkeit sehr langsam und wird deshalb von vielen Betroffenen zunächst gar nicht wahrgenommen. Die Bandbreite des Hörens wird zwar zunehmend kleiner, aber aufgrund des schleichenden Prozesses vergisst unser Gehirn mit der Zeit leider, wie groß das Hörspektrum ohne Hörminderung ursprünglich war.

Erste Hinweise von außen

So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass man erst von Familie und Freunden auf die Hörprobleme aufmerksam gemacht wird. Klassische Situationen sind beispielsweise das zunehmend lauter gestellte Radio oder Fernsehgerät, die auffällige Nichtbeteiligung an Gesprächsrunden oder das immer häufigere Nachfragen der Betroffenen.

Erschwerend kommt hinzu, dass man bei einer Hörminderung u.a. zwischen Hören und Sprachverstehen in Ruhe und bei Umgebungsgeräuschen unterscheiden muss. Viele Betroffene bezeichnen sich also unwissend weiterhin als "normalhörend", da ihre Einschränkungen nur in bestimmten Situationen auftreten und somit nicht immer auffallen.

Symptome

Was sind erste Anzeichen (Symptome) einer Schwerhörigkeit?

Je nach Grad der Ausprägung können Hörstörungen die Lebensqualität der Betroffenen stark vermindern. Deshalb sollte man bereits frühzeitig auf erste Anzeichen einer Schwerhörigkeit achten, um rechtzeitig entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Eine zunehmende Hörminderung hat nämlich nicht nur zur Folge, dass Betroffene sich oft zurückziehen bzw. sozial isolieren. Unbehandelt kann es unter Umständen sogar zu einem völligen, unumkehrbaren Hörverlust kommen.

Aufmerksam im Alltag

Ein akuter Hörverlust fällt natürlich auf, schließlich hört man plötzlich von einem auf den anderen Moment fast nichts mehr oder nur deutlich eingeschränkt. Schwieriger wird es, wenn die Hörminderung schleichend voranschreitet und sich die damit verbundenen Einschränkungen nur situationsbedingt bemerkbar machen.

Seien Sie daher aufmerksam und testen Sie sich ruhig einmal im Alltag. Mögliche Hinweise auf eine zunehmende Hörminderung sind u. a.:

  • das Überhören von Telefon oder Klingel
  • das Überhören von Haushalts- bzw. Alltagsgeräuschen (Ticken der Uhr, Brummen des Kühlschranks)
  • das Nichthören von Naturgeräuschen (Blätter- oder Windrauschen, Vogelgezwitscher)
  • zu laut gestelltes Fernsehen oder Radio
  • häufiges Nachfragen
  • Hinwendung des gesunden Ohres zur Schallquelle (bei einseitiger Schwerhörigkeit)
  • zunehmend eingeschränktes Sprachverstehen bei Gruppengesprächen oder bei Unterhaltungen mit störenden Hintergrundgeräuschen (Musik, U-Bahn, benachbarte Tischgespräche im Restaurant)

Welche Begleitsymptome können bei Schwerhörigkeit auftreten?

Eine Schwerhörigkeit ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die Betroffenen bestimmte Tonhöhen (Frequenzen) bei verschiedenen Lautstärken vermindert oder gar nicht mehr hören. Je nach Ursache der Hörminderung kann es in einigen Fällen ggf. auch zu ausgeprägten Begleiterscheinungen kommen, die unter Umständen eine Schwerhörigkeit anfangs überlagern können. Insbesondere bei krankhaften Veränderungen des Innenohrs treten nicht selten gleichzeitig typische Nebenbeschwerden auf.

Symptome, die begleitend zu einer Schwerhörigkeit auftreten können, sind:

  • Tinnitus (Ohrgeräusche mit Klingeln, Rauschen, Pfeifen, Piepsen)
  • Schwindelanfälle
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Schmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • "Schwarzwerden vor den Augen"
  • neurologische Ausfälle (Gesichtslähmung, Sehstörungen etc.)
  • u.v.m.

Fazit:

Im Zweifelsfall einmal mehr zum Arzt gehen und unklare, neu aufgetretene Beschwerden abklären lassen. Häufig ist nämlich gerade der Zeitfaktor entscheidend für die Prognose vieler HNO-Erkrankungen.

Wie erkenne ich eine Altersschwerhörigkeit?

Die Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) ist ein schleichender natürlicher Alterungsprozess, der sich meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr beidseitig bemerkbar macht. Bei dieser Form der Schallempfindungsstörung ist anfänglich vor allem das Sprachverstehen bei lauter Geräuschkulisse zunehmend eingeschränkt.

Neben Verschleißerscheinungen im Bereich des Innenohrs können übrigens auch der Hörnerv und das Hörzentrum vom Alterungsprozess betroffen sein. Insbesondere lebenslange innere und äußere Faktoren können sich zusätzlich negativ auf die Altersschwerhörigkeit auswirken.

So kann's losgehen

Nicht immer bemerken Betroffene, dass sie zunehmend schwerhörig werden. Grund ist, dass die Hörminderung in der Regel nur langsam voranschreitet und mögliche Einschränkungen im Alltag gerade am Anfang noch gut kompensiert werden können. Es kommt also durchaus vor, dass man als Betroffener erst durch Familie, Freunde oder Bekannte auf eine mögliche Schwerhörigkeit aufmerksam gemacht wird.

Typische Anzeichen einer Altersschwerhörigkeit sind u. a.:

  • beginnender Hörverlust meist zunächst in höheren Tonlagen (Hochfrequenzbereich)
  • ggf. begleitender Tinnitus in Ruhe (Ohrgeräusche mit Klingeln, Rauschen, Pfeifen, Piepsen)
  • eingeschränktes Sprachverstehen bei Gruppengesprächen oder Unterhaltungen mit störenden Hintergrundgeräuschen (sogenannter "Cocktailparty-Effekt")
  • erhöhte Lärmempfindlichkeit (Geräusche werden schneller als schmerzhaft empfunden)
  • laut gestelltes Fernsehgerät oder Radio
  • zunehmend häufiges Nachfragen
  • im Verlauf auch Hörminderung im Mittel- und Tieftonbereich

Umwelt & Lebensstil spielen entscheidende Rolle

Wie bereits erwähnt, haben (neben altersbedingten Abbauprozessen im Bereich des Innenohrs, des Gehirns und des Hörnervs) auch Umweltfaktoren und diverse Grunderkrankungen einen bedeutenden Einfluss auf das Ausmaß der Presbyakusis.

Folgende Faktoren können eine Altersschwerhörigkeit beschleunigen:

  • chronische, jahrelange Lärmbelastung
  • familiäre Veranlagung
  • Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Ernährung
  • Stoffwechsel-Erkrankungen
  • Durchblutungsstörungen
  • ototoxische (gehörschädigende) Medikamente
Was ist eine Schallleitungsschwerhörigkeit?

Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit ist nicht die Empfindung, sondern die Übertragung des Schalls gestört. Das Problem liegt also auf dem Weg zum Innenohr.

Diese Art von Schwerhörigkeit tritt häufig im Rahmen einer Mittelohrentzündung mit Paukenerguss auf. Der Paukenerguss behindert in diesem Fall ausreichende Schwingungen des (möglicherweise auch noch selbst entzündeten) Trommelfells.

Zu den weiteren häufigen Ursachen einer Schallleitungsschwerhörigkeit zählt vermehrtes Ohrenschmalz. Das lässt sich durch ein "Druckspülen" beim Ohrenarzt meist problemlos beheben.

Seltene Ursachen sind die Erkrankung Otosklerose und eine Felsenbeinfraktur (Bruch des Schädelknochens, der das Innenohr ummantelt).

Diagnostik

Schwerhörigkeit: Welche Untersuchungen sind erforderlich?

Es gibt verschiedene Arten der Schwerhörigkeit (Hypakusis), die auf sehr unterschiedlichen Störungen beruhen können. Um die jeweilige Ursache herauszufinden, sind zahlreiche HNO-ärztliche Untersuchungen erforderlich.

Eine Schwerhörigkeit entsteht, wenn zwischen dem äußeren Gehörgang und dem Gehirn eine Fehlfunktion bzw. Erkrankung vorliegt. Nur wenn sicher ist, wo das eigentliche Problem liegt und somit auch die Art der Schwerhörigkeit bekannt ist, kann auch eine sinnvolle Therapie eingeleitet werden.

Ausführliches Erstgespräch

Wenn Sie sich mit einer Schwerhörigkeit bei Ihrem HNO-Arzt vorstellen, wird dieser zunächst einmal ein ausführliches Anamnesegespräch mit Ihnen führen. Vor dem Hintergrund Ihrer aktuellen Beschwerden erfragt Ihr Arzt hierbei sowohl Ihre persönliche als auch die familiäre Krankengeschichte. Auch Fragen zu Ihrem sozialen und beruflichen Umfeld gehören mit zu einer ausführlichen Anamnese und sind nicht selten bereits zielführend.

Zu einem Erstgespräch im Rahmen der Schwerhörigkeit gehören u. a. folgende Fragen:

  • Beginn und Verlauf der Schwerhörigkeit?
  • Begleitsymptome?
  • Grunderkrankungen? Medikamenten-Einnahme?
  • familiäre Vorbelastungen?
  • berufliche Tätigkeit (mit oder ohne besondere Lärmbelastung)?
  • Kontakt zu gewerblichen (giftigen) Substanzen bzw. Chemikalien?
  • (hörschädigende) Freizeitaktivitäten? Diskobesuche?
  • Alkohol? Rauchen? Drogen?
  • psychische Belastungssituationen?
  • Explosions- bzw. akutes Lärmtrauma?

Allgemeine körperliche Untersuchung

Obwohl es sich bei der Schwerhörigkeit scheinbar vorrangig um ein HNO-ärztliches Problem handelt, kann die Hörminderung durchaus auch auf inneren, neurologischen oder anderen Erkrankungen beruhen. Deshalb gehört neben einem guten Erstgespräch auch eine allgemeine körperliche und labortechnische Untersuchungen zur sogenannten Basisdiagnostik.

Grundlegende Untersuchungen, die bei neu aufgetretener Schwerhörigkeit empfohlen werden, sind:

  • allgemeine körperliche Untersuchung
  • Messung von Blutdruck und Puls
  • Bestimmung von Körpergewicht und -größe
  • kleines Blutbild, ggf. ergänzende Laborwerte
  • Bestimmung der Entzündungsparameter (CRP bzw. BSG) im Blut
  • Abstrich zur mikrobiologischen Untersuchung

HNO-spezifische Diagnostik

Wenn Sie die allgemeinen Grunduntersuchungen hinter sich haben, geht es weiter mit der HNO-ärztlichen Inspektion sowie den speziellen Testverfahren zur Überprüfung des Hör- und Gleichgewichtssinns.

Spezifische HNO-Untersuchungen bei Schwerhörigkeit sind u. a.:

  • Ohrspiegelung bzw. -mikroskopie (Das Trommelfell wird auf Veränderungen und Defekte untersucht.)
  • Tympanometrie/Impedanzmessung (überprüft die Beweglichkeit des Trommelfells sowie die  Funktionsfähigkeit der Gehörknöchelchen)
  • Tonschwellenaudiometrie (unterscheidet das Ausmaß der Hörminderung und die Art der Störung im Innenohr und/oder im Mittelohr)
  • Sprachaudiometrie (Untersuchung des Gehörs im Hinblick auf die Wahrnehmung und Verständlichkeit von Sprache)
  • Stimmgabeltest nach Weber und Rinne (weiterer Test zur Unterscheidung zwischen Schallleitungs- und Schallempfindungsstörung)
  • otoakustische Emissionen (OAE, objektive Funktionsprüfung des Innenohrs)
  • Hirnstammaudiometrie (BERA, zur objektiven Überprüfung des Hörnervs und der Hörbahn sowie bei Schwindel unklarer Ursache)
  • orientierende Gleichgewichtsprüfungen

Nur bei unklarer Ursache

Sollte die Ursache Ihrer Beschwerden trotz der zuvor durchgeführten Untersuchungen weiterhin unklar sein, können durchaus weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich sein.

Mögliche ergänzende Gerätediagnostik bei Schwerhörigkeit:

  • Röntgen des Schädels
  • Computertomographie (CT) des Schädels
  • Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels

Einteilung und Stadien

Gibt es verschiedene Stadien der Schwerhörigkeit?

Ja, insgesamt teilt man die Schwerhörigkeit in vier Schweregrade ein. Mit einem speziellen Hörtest, dem Tonaudiogramm, lassen sich Ausmaß und Art der Hörminderung bestimmen.

Bestimmung der Hörschwelle

Das Tonaudiogramm testet das noch vorhandene Hörvermögen in verschiedenen Tonhöhen (Frequenzbereichen) bei unterschiedlichen Lautstärken und ermöglicht dadurch die Bestimmung der sogenannten Hörschwelle. Die Hörschwelle stellt die untere Grenze dar, bei der unser Gehör gerade noch Töne oder Geräusche wahrnehmen kann und ist frequenzabhängig. Die Frequenz wird im Audiogramm in Hertz (Hz) und die Lautstärke in Dezibel (dB) gemessen. Für die Bewertung eines Hörverlustes dient die Hörschwelle für Normalhörende als Grundlage.

Mit Hilfe des Tonaudiogramms lässt sich übrigens nicht nur das Ausmaß, sondern auch die Art der Hörminderung (Schallempfindungs- und/oder Schallleitungsschwerhörigkeit) feststellen.

Von geringgradig bis taub

In Deutschland orientiert sich die Einteilung der Schwerhörigkeitsgrade an der WHO-Definition (Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen). Eine Einteilung, die auch für die Hörgeräteversorgung gesetzlich Versicherter verbindlich ist.

Die vier Stadien der Schwerhörigkeit (nach WHO) sind:

  • geringgradige Schwerhörigkeit: mittlerer Hörverlust von 25 bis 40 dB (Umgangssprache wird etwa einen Meter vor dem Ohr verstanden, das Ticken einer Armbanduhr oder Blätterrauschen können akustisch nicht mehr wahrgenommen werden.)
  • mittelgradige Schwerhörigkeit: Hörverlust von 40 bis 60 dB (Lautes Sprechen wird ca. einen Meter vor dem Ohr verstanden.)
  • hochgradige Schwerhörigkeit: mittlerer Hörverlust von 60 bis 80 dB (Gesprächspartner kann bei normaler Sprechlautstärke nicht mehr gehört werden.)
  • an Gehörlosigkeit grenzende Schwerhörigkeit: Hörverlust von mehr als 80 dB (keinerlei Sprachverständnis bei maximaler Lautstärke, laute Musik wird nicht gehört)

Für den mittleren Hörverlust werden für jedes Ohr getrennt die Mittelwerte des Hörverlustes ermittelt. Dabei werden folgende Frequenzen untersucht: 500 Hz, 1.000 Hz, 2.000 Hz und 4.000 Hz.

Ursachen

Welche Ursachen kann eine Schwerhörigkeit haben?

Eine Schwerhörigkeit (Hypakusis) entsteht, wenn auf dem Weg zwischen dem äußeren Gehörgang und dem Gehirn eine Störung bzw. Erkrankung vorliegt. Die Ursachen für eine Hörminderung können deshalb sehr vielfältig sein.

Zum besseren Verständnis der Schwerhörigkeit ist es nicht verkehrt, grob zu wissen, was denn eigentlich alles zu unseren Hörorganen gehört und wie alles miteinander in Verbindung steht.

Unser Gehör

Das menschliche Ohr lässt sich in drei anatomische Bereiche einteilen:

  • Außenohr (Ohrmuschel und äußerer Gehörgang)
  • Mittelohr (Trommelfell, Paukenhöhle, Gehörknöchelchen)
  • Innenohr (Hörschnecke und Gleichgewichtsorgan)

Und so funktioniert unsere Hörwahrnehmung: Schallwellen gelangen über den äußeren Gehörgang zum Trommelfell und versetzen es in Schwingungen. Die Schwingungen werden über die Gehörknöchelchen im Mittelohr verstärkt an das Innenohr geleitet, wo sie zu elektrischen Impulsen verarbeitet werden. Die Impulse gelangen über den Hörnerv ins Hörzentrum des Gehirns, wo sie schließlich als Töne, Klänge und Sprache interpretiert werden.

Typen der Schwerhörigkeit

Hörstörungen können sowohl akut als auch chronisch auftreten. Sie können u. a. durch Infektionen, Verletzungen, diverse Grunderkrankungen oder durch bestimmte Arzneimittel ausgelöst werden. Je nach Entstehungsort innerhalb der Hörorgane unterscheidet man entsprechend verschiedene Formen der Hörminderung.

Grundsätzlich lässt sich die Schwerhörigkeit in folgende Kategorien einteilen:

  • Schallleitungsschwerhörigkeit (Ursache liegt im äußeren Gehörgang oder Mittelohrschwerhörigkeit)
  • Schallempfindungsschwerhörigkeit (Innenohrschwerhörigkeit oder Ursache liegt im Hörnerven)
  • kombinierte Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit
  • zentrale Schwerhörigkeit (Störungen der Hörverarbeitung auf Gehirnebene)

Welche Ursachen hat die akute Mittelohrschwerhörigkeit?

Bei der Mittelohrschwerhörigkeit handelt es sich um eine Schallleitungsschwerhörigkeit, deren Ursachen im äußeren Gehörgang oder im Bereich des Mittelohrs liegen können.

Der normalerweise über das Trommelfell ankommende Schall wird vom Mittelohr nicht richtig an das Innenohr weitergeleitet. Das kann zu einer akuten oder chronischen Hörminderung führen.

Plötzlich ist alles leiser

Bei einer akuten Mittelohrschwerhörigkeit ist es in den meisten Fällen so, dass man von einem Moment auf den anderen alles deutlich gedämpfter hört. Auslöser für diesen meist vorübergehenden Zustand sind in der Regel harmlose Alltagsgegebenheiten.

Ursachen einer akuten Mittelohrentzündung können sein:

  • Paukenerguss (Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr nach Erkältung oder starken Druckschwankungen im Flugzeug, häufiger bei Kindern)
  • tiefliegender Ohrenschmalz (Cerumen) im äußeren Gehörgang
  • Fremdkörper im Gehörgang
  • Wassereinlagerung im äußeren Gehörgang nach dem Baden oder Schwimmen
  • akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta, oft bei Kindern)
  • akute, eitrige Hautentzündung im Gehörgang (z. B. Furunkel)
  • Trommelfellperforation (Verletzung des Trommelfells durch Knalltrauma, Schlag auf das Ohr, Wattestäbchen)
  • ggf. Fraktur (Bruch) des Felsenbeins nach einem Unfall mit Unterbrechung der Gehörknöchelchenkette
Welche Ursachen hat die chronische Mittelohrschwerhörigkeit?

Die chronische Mittelohrschwerhörigkeit entsteht meist infolge sich langsam entwickelnder (Entzündungs-)Prozesse im Gehörgang oder im Mittelohr.

Durch diese dauerhaft bestehenden Störungen bzw. Erkrankungen kommt es zu einer chronischen Schallleitungsschwerhörigkeit, bei der Geräusche des Alltags zunehmend "wie durch Watte" wahrgenommen werden.

Oft gravierende Ursachen

Eine permanente deutliche Hörminderung einseitig oder auch beidseitig zu haben, ist nicht nur lästig, sondern kann auch gefährlich sein. So basieren beispielsweise auch chronische Schallleitungsstörungen nicht immer nur auf harmlosen Störungen.

Mögliche Ursachen einer chronischen Mittelohrschwerhörigkeit sind:

  • chronische Mittelohrentzündung
  • chronische Tubenventilationsstörung (durch dauerhafte Sekretansammlung in der Paukenhöhle, meist bei Kindern)
  • Otosklerose (Verknöcherung am Übergang zwischen dem drittem Gehörknöchelchen – dem "Steigbügel" – und dem Innenohr)
  • Stenosen (Verengungen im Gehörgang durch Narben oder Entzündungen)
  • Exostosen (übermäßiges Knochenwachstum im Gehörgang)
  • gut- oder bösartige Tumoren des äußeren Gehörgangs oder des Mittelohrs
  • angeborene bzw. früh erworbene Fehlbildungen/Störungen des äußeren oder mittleren Ohrs (Schallleitungsstörung macht sich bereits in der Kindheit bemerkbar.)

Als hätte man ständig Ohropax drin

Wer unter einer chronischen Mittelohrschwerhörigkeit leidet, beschreibt den bestehenden Höreindruck als gedämpft, leiser oder als wenn er Ohrstöpsel drin hätte. Anders als bei der akuten Schallleitungsschwerhörigkeit ist der Hörverlust bei der chronischen Form meist ein schleichender Prozess. Nicht selten bemerken Betroffene ihre Schwerhörigkeit leider erst dann, wenn Freunde oder Bekannte sie auf die Hörminderung aufmerksam machen.

Eine Tatsache, die gerade wegen der oft zugrundeliegenden entzündlichen Prozesse fatal sein kann. Denn je früher die auslösende Ursache behandelt werden kann, desto besser stehen die Chancen auf eine (vollständige) Genesung.

Hörverlust nicht verharmlosen

Hinter einer chronischen Mittelohrschwerhörigkeit verbergen sich nicht selten schwerwiegende Ursachen, die unbehandelt zu einer massiven Zerstörung von Gewebe bzw. Knochensubstanz führen können.

Deshalb gilt: Lassen Sie jede länger andauernde Hörminderung baldmöglichst von einem HNO-Arzt abklären und verlassen Sie sich nicht darauf, dass sie vielleicht wieder von allein verschwindet. Nur so können Sie sicher sein, dass hinter der Schwerhörigkeit nichts Ernsthaftes lauert.

Welche Ursachen hat die akute Innenohrschwerhörigkeit?

Die Innenohrschwerhörigkeit gehört zu den Schallempfindungsstörungen und geht typischerweise mit einem eingeschränkten Sprachverständnis einher. Die akute Form tritt häufig im Rahmen von Traumata oder infolge von Erkrankungen des Innenohres auf.

Auslöser sind sehr unterschiedlich

Wenn jemand plötzlich alles dumpfer hört bzw. Töne und Sprache nur noch stark verändert wahrnimmt, kann eine akute Schallempfindungsstörung vorliegen. Der Grund liegt meist in einer unmittelbaren Schädigung oder Funktionsstörung des Innenohrapparates.

Potentielle Ursachen für eine akute Innenohrschwerhörigkeit sind:

  • Explosions- oder Lärmtrauma (mit Absterben der tonaufnehmenden und -verstärkenden Haarzellen)
  • Hörsturz
  • Infektionserkrankungen (u.a. Masern, Mumps, Röteln, Hirnhautentzündung)
  • ototoxische (gehörschädigende) Medikamente: bestimmte Antibiotika, harntreibende Arzneimittel, Chemotherapeutika, Anti-Malariamittel etc.
  • Kontakt zu giftigen Substanzen wie Kohlenmonoxid, Blei, Quecksilber etc.
  • Verwendung von bestimmten (das Innenohr schädigenden) Ohrtropfen bei Trommelfellriss
  • Unfall mit Schädelfraktur (Querbruch des Felsenbeins mit Verletzung des Innenohrs)
  • Morbus Menière (Erkrankung des Innenohrs unbekannter Ursache mit Drehschwindel, Ohrgeräuschen und Hörverlust)
  • extremer Stress ("unechte", unbewusst vorgetäuschte Schwerhörigkeit)

Ausführliches Erstgespräch

Wie Sie sehen, können bei einer akuten Innenohrschwerhörigkeit sehr unterschiedliche Faktoren eine ursächliche Rolle spielen. Wenn es keine eindeutige Erklärung (z. B. Unfall, Knalltrauma) für Ihren plötzlichen Hörverlust gibt, muss man besonders intensiv auch auf etwas länger zurückliegende Ereignisse blicken. In diesen Zusammenhang spielen vor allem durchgemachte (Infektions-)Erkrankungen und Medikamente eine große Rolle.

Welche Ursachen hat die chronische Innenohrschwerhörigkeit?

Neben dem altersbedingten degenerativen Hörverlust ist permanente Lärmbelastung die häufigste Ursache für die chronische Innenohrschwerhörigkeit.

Die Schallempfindungsstörung bei einer Innenohrschwerhörigkeit ist dadurch charakterisiert, dass Betroffene unterschiedliche Tonhöhen (Frequenzen) nicht mehr ausreichend wahrnehmen. Dies führt zu einer zunehmenden "Fehlhörigkeit".

Lebensalter und Dauerbeschallung

Wie der Begriff "chronisch" schon erahnen lässt, lösen in der Regel dauerhaft einwirkende Faktoren bzw. körperliche (Abbau-)Prozesse diese Form der Innenohrschwerhörigkeit aus. Ganz vorne mit dabei ist die oft zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr einsetzende Presbyakusis (Altersschwerhörigkeit), dicht gefolgt von der Hörminderung durch regelmäßige Lärmbelastung (über 85 dB).

Zusammenfassung der möglichen Ursachen einer chronischen Innenohrschwerhörigkeit:

  • altersbedingter Hörverlust
  • tägliche (berufsbedingte) Lärmbelastung über 85 dB ohne Gehörschutz
  • dauernde Lärmbelastung durch zu laute Musik (Konzerte, Diskotheken, Kopfhörer)
  • chronische Stoffwechselerkrankungen (u. a. Diabetes mellitus, Funktionsstörungen der Leber, der Nieren oder der Schilddrüse)
  • Durchblutungsstörungen durch Gefäßverengungen (Atherosklerose)
  • Morbus Menière (Erkrankung des Innenohrs unbekannter Ursache mit Drehschwindel, Ohrgeräuschen und Hörverlust)
  • Akustikusneurinom (gutartiger Tumor, der den Hör- und Gleichgewichtsnerv einengt)
  • zentrale Störung im Hörzentrum (z. B. nach einem Schlaganfall)
  • angeborene bzw. früh erworbene Fehlbildungen/Störungen des Innenohrs

Behandlung

Was kann ich bei Altersschwerhörigkeit tun?

Falls Sie über 50 sind, zunehmend schlechter bzw. undeutlicher hören und bei Gruppengesprächen nicht mehr alles verstehen, könnte das ein Hinweis auf eine Altersschwerhörigkeit sein. Nehmen Sie diesen Verdacht ernst und lassen Sie sich zeitnah von einem HNO-Arzt untersuchen.

Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) ist weit verbreitet und stellt die häufigste Form der Innenohrschwerhörigkeit dar. Sie beruht auf einer Schallempfindungsstörung, die langsam, aber kontinuierlich voranschreitet und unbehandelt weitreichende Folgen für die Betroffenen haben kann.

Als erstes zum Arzt

Sollten Sie bisher lediglich die Vermutung haben, dass Ihre Hörminderung vielleicht mit einer beginnenden Altersschwerhörigkeit zusammenhängen könnte, so ist ein Termin beim HNO-Arzt erstmal Grundvoraussetzung für alle weiteren Schritte. Nur der Facharzt kann feststellen, ob es sich wirklich um eine Presbyakusis handelt, oder ob nicht doch etwas anderes hinter der Schwerhörigkeit steckt. Mittels Hörtests kann Ihr Arzt außerdem das Ausmaß bzw. die Intensität des Hörverlustes bestimmen und schließlich entsprechende Therapiemaßnahmen in die Wege leiten.

Besuch beim Hörakustiker

Sollte sich der Verdacht einer Altersschwerhörigkeit bestätigen, lässt sich der Hörverlust derzeit lediglich durch entsprechende Hörhilfen ausgleichen. Eine medikamentöse oder operative Behandlung ist bei dieser Form der Schwerhörigkeit nicht möglich.

Die Hörhilfe muss Ihnen Ihr HNO-Arzt verschreiben. Mit der entsprechenden Verordnung gehen Sie dann zu einem Hörgeräteakustiker, der zusammen mit Ihnen Ihr ganz persönliches Hörgerät aussucht und entsprechend anpasst.

Mut zur Hörhilfe

Haben Sie keine Scheu. Heutzutage sind die modernen Hörhilfen nicht nur recht unauffällig zu tragen, sondern dank der fortgeschrittenen Technologie auch von hervorragender Qualität. Die Tage der großen, fiependen, beigefarbenen Hörgeräte ist längst passé.

Leider sind aufgrund zu starker, dauernder Lärmeinwirkung (Konzerte, Diskotheken, MP3-Player) zunehmend auch viele Jugendliche von einer Hörminderung betroffen und bereits auf Hörhilfen angewiesen. Um auch diesem sehr jungen Klientel gerecht zu werden, gibt es Hörgeräte inzwischen in bunten Farben, mit außergewöhnlichem Design und sogar Smartphone-fähig.

Lassen Sie sich doch einfach mal ganz unverbindlich in einem Fachgeschäft beraten. Sie müssen sich ja nicht sofort entscheiden und können sich erstmal langsam an das Thema Hörhilfe herantasten.

In wenigen Schritten zum neuem Hörerlebnis

Nachfolgend haben wir nochmal für Sie zusammengefasst, wie Ihr Weg vom Verdacht einer Hörminderung bis hin zur Behandlung einer bestätigten Innenohrschwerhörigkeit aussehen könnte.

Vorgehensweise bei (Verdacht auf) Altersschwerhörigkeit:

  • Vorstellung bei einem HNO-Arzt
  • ausführliche HNO-ärztliche Untersuchung inkl. diverser Hörtests
  • ärztliche Verordnung einer Hörhilfe bei bestätigter Altersschwerhörigkeit
  • unverbindliche Beratung beim Hörakustiker
  • individuelle Anpassung des ausgesuchten Hörgeräts
  • ggf. Teilnahme an speziellen Hörgerät-Kursen bzw. Hörtraining
  • bessere Lebensqualität durch besseres Hören

Altersschwerhörigkeit: Muss ich wirklich ein Hörgerät tragen?

Eine Frage, die viele Betroffene beschäftigt und eindeutig mit "Ja" beantwortet werden sollte. Die Altersschwerhörigkeit ist eine langsam fortschreitende Schallempfindungsstörung, die sich unbehandelt durchaus gravierend auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirken kann.

Während man mit einer leichten (evtl. nur einseitigen) Hörminderung im Alltag sicherlich noch einigermaßen gut zurechtkommt, kann das bei der meist beidseitigen Altersschwerhörigkeit sehr schnell anders aussehen.

Wenn man nicht mehr alles versteht…

Der im Rahmen der Altersschwerhörigkeit auftretende anfängliche Hörverlust im Hochton-Bereich geht typischerweise mit einem reduzierten Sprachverständnis und häufig auch mit störenden Ohrgeräuschen (Tinnitus) einher. Gespräche in großer Runde oder im Restaurant werden zunehmend anstrengender und von den Betroffenen gemieden.

Mit der Zeit gehören schließlich häufiges Nachfragen, lautes Fernsehen und das Nichthören von Telefon oder Türklingel ebenso zum Alltag wie beispielsweise das Überhören von Geräuschen im Straßenverkehr. Letzteres kann dann sogar zu lebensgefährlichen Situationen führen.

Gutes Hören schafft Lebensqualität

Das alles muss aber nicht sein. Wenn man eine Altersschwerhörigkeit frühzeitig erkennt und mit einem guten Hörgerät versorgt, können Betroffene ihren Lebensalltag genauso problemlos bewältigen wie vor dem Hörverlust.

Mit einer gut angepassten Hörhilfe können Sie trotz des reduzierten Hörvermögens weiter Ihren Hobbys und/oder Ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen, uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und Spaß haben. Denn nichts ist schlimmer als sich aus falscher Scham zurückzuziehen statt die Hörminderung zu akzeptieren und konstruktiv anzugehen.

Mögliche Folgen einer unbehandelten, fortschreitenden Altersschwerhörigkeit sind:

  • sozialer Rückzug, Freundschaften werden abgebrochen
  • zunehmende Immobilität, da das Haus kaum noch verlassen wird
  • vorzeitiger geistiger Abbau durch fehlende Kommunikation
  • Unsicherheit im Alltag (beim Einkaufen, Friseurbesuch)
  • Gefahren werden nicht rechtzeitig erkannt (Straßenverkehr, Baustellen).
  • berufliche Einschränkungen, Stress mit Kollegen/Chef
  • Entwicklung von Depressionen, Angststörungen
  • Vereinsamung
  • insgesamt deutlich verminderte Lebensqualität

Lassen Sie sich beraten

Obwohl die Altersschwerhörigkeit an sich ja keine lebensbedrohliche Erkrankung darstellt, kann sie unbehandelt dennoch weitreichende negative Konsequenzen mit sich bringen. Und zwar vor allem dann, wenn man als Betroffener die grundlegende Problematik der Schwerhörigkeit ignoriert und Hörhilfen mit dem Begriff "Behinderung" assoziiert.

Seien sie offen für die Möglichkeiten der modernen Hörtechnologie. Informieren Sie sich ausgiebig und lassen Sie sich individuell beraten. Sie werden erstaunt sein, was es für eine breitgefächerte Palette an Hörhilfen gibt und wie individuell man sie auf seine persönlichen Bedürfnisse abstimmen kann.

Übrigens, obwohl die Hörgeräte zu den klassischen, am häufigsten verordneten Hörhilfen gehören, gibt es auch Alternativen. So können bei manchen Betroffenen beispielsweise auch Cochlea-Implantate (elektronische Innenohr-Implantate) oder einfache Hörverstärker zum Einsatz kommen.

Wie wird eine Mittelohrschwerhörigkeit behandelt?

Je nach Ursache der Mittelohrschwerhörigkeit reichen die Therapiemaßnahmen von einer einfachen Ohrspülung über Medikamente bis hin zu operativen Eingriffen und/oder einer Hörgerät-Versorgung.

Einfach und schnell

Die akute Mittelohrschwerhörigkeit beruht glücklicherweise häufig auf ungefährlichen und unkomplizierten Ursachen. Dementsprechend lässt sich diese Form der Schallleitungsstörung auch meist recht rasch und erfolgreich behandeln.

Therapieoptionen bei akuter Mittelohrschwerhörigkeit sind u.a.:

  • Ohrenschmalz, Fremdkörper: Entfernung mit der Pinzette plus Spülung
  • akute Mittelohrentzündung: abschwellende Nasentropfen, entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente, ggf. Antibiotika
  • Paukenerguss: abschwellende Nasentropfen, schmerzstillende, entzündungshemmende Medikamente, Parazentese (kleiner Schnitt im Trommelfell), ggf. Einsatz eines Paukenröhrchens
  • Trommelfellperforation: kleine Defekte heilen meist von selbst, ansonsten operativer Ersatz des Trommelfells
  • Bruch bzw. Unterbrechung der Gehörknöchelchenkette nach Unfall: Tympanoplastik (operative Rekonstruktion der geschädigten Anteile im Mittelohr)

Hier wird's komplizierter.

Anders sieht es dagegen bei der chronischen Mittelohrschwerhörigkeit aus. Hier liegen nicht selten schwerwiegendere, länger bestehende Ursachen vor, die auch eine kompliziertere und aufwändigere Behandlung erfordern..

Mögliche Therapiemaßnahmen bei chronischer Mittelohrschwerhörigkeit sind:.

  • Otosklerose: Therapie der ersten Wahl ist die Stapedotomie, bei der ein operativ eingesetzter (Titan-)Stift die Funktion des Steigbügels übernimmt (nur sinnvoll bei noch ausreichend funktionierendem Innenohr).
  • Stenosen, Exostosen: operative Entfernung bei Verlegung des Gehörgangs
  • Tumoren des Gehörgangs und Mittelohres: operative Entfernung, ggf. Radiotherapie

Ein Hörgerät "on top"

Trotz neuester operativer Behandlungsmethoden ist es (insbesondere bei einer chronischen Mittelohrschwerhörigkeit) leider nicht immer möglich, für Betroffene eine zufriedenstellende Hörleistung wieder herzustellen. Lassen Sie sich davon aber nicht demotivieren. Heutzutage gibt es verschiedene Varianten an Hörhilfen, die Ihre Hörminderung erfolgreich ausgleichen können.

Wie wird eine Innenohrschwerhörigkeit behandelt?

Meist durch die Versorgung mit einem Hörgerät. Bei einer Innenohrschwerhörigkeit bzw. Schallempfindungsstörung ist das Innenohr oft so schwer geschädigt, dass weder eine medikamentöse noch operative Therapie das Hörvermögen wiederherstellen kann.

Schritt 1: Schadensbegrenzung

Nicht, dass es zu Missverständnissen kommt. Natürlich muss man (wenn möglich) auch bei einer Innenohrschwerhörigkeit zunächst die zugrundeliegende Erkrankung behandeln. So sollten bestehende Tumoren operiert, gehörschädigende Medikamente abgesetzt, bekannte Stoffwechselerkrankungen besser eingestellt sowie Durchblutungsstörungen ausreichend therapiert werden.

Fakt ist dennoch, dass in den meisten Fällen einer Schallempfindungsschwerhörigkeit das Innenohr bereits irreparable Schäden aufweist. Vorrangiges Ziel in der Behandlung der Innenohrschwerhörigkeit sollte demnach schnellstmöglich ein akzeptables Hörvermögen sein.

Schritt 2: richtig Hören und Sprechen

Je nach Ursache, Ausmaß und bereits bestehender Dauer der Hörstörung gibt es auch unterschiedliche therapeutische Ansätze.

Mögliche Hilfsmittel in der Behandlung der Innenohrschwerhörigkeit sind:

  • Versorgung mit dem richtigen Hörgerät (z. B. Hinter-dem-Ohr-/In-Ohr-Hörgeräte) inkl. Hörtraining
  • Cochlea-Implantat bei hochgradiger Schwerhörigkeit bzw. kompletter Gehörlosigkeit und noch funktionierendem Hörnerv, Hörbahn und Hörzentrum
  • ggf. Erlernen des Lippenablesens, der Gebärdensprache, logopädische Betreuung (vor allem bei einer zentralen Störung im Hörzentrum)
  • psychotherapeutische Betreuung bei extremen Stresssituationen, Depressionen, Angstzuständen
  • bei schwerhörigen oder gehörlosen Kindern meist Frühförderung mit Hör- und Spracherziehung

Schwerhörigkeit bei Kindern

Wie kann es zu einer Schwerhörigkeit beim Kind kommen?

Vor allem durch zu viel Lärm. Etwa jedes tausendste Kind kommt mit einer angeborenen Hörstörung zur Welt. Sehr viel häufiger entsteht eine Schwerhörigkeit aber erst danach. Und zwar durch genau die Lärmquellen, die heute offenbar zum geläufigen Repertoire des Kinderlebens gehören.

Zu den häufigsten Ursachen für einen Hörverlust bei gesund geborenen Kindern zählen:

  • Mittelohrentzündungen, Nebenhöhlenentzündungen oder Polypen
  • Infektionskrankheiten wie Mumps, Masern, Röteln oder Hirnhautentzündung
  • Lärm (z.B. laute Musik oder knallende Spielzeugpistolen )

In der Summe am gefährlichsten sind ständig wiederkehrende Lärmbelastungen (z.B. durch laute Musik aus Disco-Boxen oder Kopfhörern), durch die sich ein schleichender Hörschaden entwickelt, der meist erst viel zu spät wahrgenommen wird.

Natürlich kann auch ein einziger Knall zu Hörschäden führen, aber das ist eher selten. Eine Gefahrenquelle für Kinder sind zum Beispiel handelsübliche Spielzeugpistolen, bei denen in umfangreichen Tests Schallpegel von bis zu 180 dB gemessen wurden. Die von einem solchen Knall ausgehende Schallwelle kann im schlimmsten Fall zum Reißen des Trommelfells führen.

Wie kommt es zu einer angeborenen Schwerhörigkeit?

Neben vererbten Hörstörungen gibt es angeborene Beeinträchtigungen des Gehörs, die während der Schwangerschaft ausgelöst wurden, beispielsweise durch eine Infektionskrankheit der werdenden Mutter. Aber auch während der Geburt gibt es Situationen, die eine Schwerhörigkeit des Neugeborenen nach sich ziehen können, beispielsweise bei Frühgeburten oder wenn das Kind unter der Entbindung einen Sauerstoffmangel erleidet.

Wie häufig sind Hörstörungen bei Kindern?

Mehr als 1 von 1.000 Kindern wird mit einer Hörstörung geboren. Damit gehört die Schwerhörigkeit zu den häufigsten Erkrankungen im Neugeborenenalter.

Eine frühzeitige Erkennung der Schwerhörigkeit ist sehr wichtig, da in den ersten zwei Lebensjahren die Grundlagen für die Sprachentwicklung gelegt werden. Auch die sogenannte Hörbahn reift in dieser Lebensphase. Das ist so etwas wie eine Nervenbahn, die das Innenohr mit den hörspezifischen Bereichen des Großhirns verbindet.

Um so früher entdeckt, um so besser die Chancen auf komplette Heilung

Werden angeborene Hörschäden innerhalb des ersten halben Lebensjahres entdeckt, stehen die Chancen noch gut, sie erfolgreich zu behandeln. Leider wird die Schwerhörigkeit aber oft erst im 2. oder gar 3. Lebensjahr bemerkt. Das ist der Grund, weshalb im Jahr 2009 ein Hör-Screening im Rahmen des frühkindlichen Vorsorgeprogramms eingeführt wurde und alle Säuglinge nach der Geburt einem Hörtest unterzogen werden.

Allerdings – und das ist besonders erschreckend – ist auch die Zahl der später erworbenen, also nicht angeborenen Hörschäden sehr hoch. Die Schwerhörigkeit ist demnach auch bei älteren Kindern ein Problem, und zwar in noch größeren Dimensionen: Experten gehen davon aus, dass es mittlerweile fast bei jedem 4. Jugendlichen in Deutschland zu einer Beeinträchtigung des Gehörs kommt.

Woran erkennt man eine Schwerhörigkeit bei seinem Baby?

Je aufmerksamer Sie die Entwicklung Ihres Kindes von Anfang an beobachten, desto eher wird Ihnen auch ein mangelndes Hörvermögen bei Ihrem Nachwuchs auffallen. Ein schwerhöriges Baby wendet Ihnen beispielsweise nicht den Kopf zu, wenn Sie es ansprechen. Außerdem verläuft die sprachliche Entwicklung – über die Sie in Grundzügen orientiert sein sollten – verzögert und Ihr Kind lässt eine angemessene Reaktion auf laute Geräusche vermissen.

Den einfachsten Hörtest können Sie, vor allem bei älteren Kindern, selbst durchführen, indem Sie Ihren Zögling unbemerkt von hinten in leiser Tonlage ansprechen. Im Verdachts- oder Zweifelsfall sollten Sie so rasch wie möglich den Kinder- bzw. HNO-Arzt aufsuchen. Auch für Kleinkinder gibt es mittlerweile sehr gute und schmerzfreie Hörtests. Je schneller bei einer Hörstörung geeignete (Behandlungs-) Maßnahmen eingeleitet werden, desto besser sind deren Erfolgsaussichten.

Welche Folgen drohen bei angeborener Schwerhörigkeit?

Wird eine angeborene Schwerhörigkeit nicht behandelt, drohen schwerwiegende und weitreichende Folgen für die kindliche Entwicklung. Zum einen können sich bei fehlendem oder schlechtem Hörvermögen die für das Gehör wichtigen Nervenbahnen und Hirnstrukturen nicht richtig ausbilden. Zum anderen wird das Entwicklungspotenzial für die sprachlichen, geistigen und sozialen Fähigkeiten des Kindes negativ beeinflusst.

Höhrbehinderung und Gehörlosigkeit

Ist die Schwerhörigkeit stark ausgeprägt und dauerhaft, kann das Kind trotzdem durch liebevolle Unterstützung und vielfältige Möglichkeiten die Einschränkung meistern. Tipps wie Ihnen das als Elternteil gut gelingt, lesen Sie hier

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