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Mundfäule (Stomatitis aphthosa): Symptome und Behandlung

Was ist Mundfäule genau? Welche Symptome sind typisch, welche Behandlung ist ratsam? Im folgenden Beitrag beantworten wir Fragen dazu.

Definition

Was ist eine Stomatitis aphthosa (Mundfäule)?

Die Stomatitis aphthosa ist auch bekannt als Gingivostomatitis herpetica oder Mundfäule. Es handelt sich um das erste Auftreten einer Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) im Bereich der Mundhöhle. Dieses Virus ist sehr weit verbreitet: Nahezu 95% der Bevölkerung trägt es (lebenslang) in sich, ohne dass dies nach außen sichtbar würde.

Die Erkrankung betrifft vorwiegend Kleinkinder und junge Erwachsene, kann aber auch deutlich später auftreten.

Bläschen und Schmerzen im Mund

Vor allem im Kleindkindalter können diese Herpesviren allerdings auch in Gestalt der Mundfäule in Erscheinung treten. Dabei überziehen zunächst zahlreiche Bläschen die Mund- und Rachenschleimheit, wobei es zu hohem Fieber kommt. Die äußerst infektiösen Bläschen platzen und hinterlassen dabei schmerzhafte Geschwüre, die sich (zusätzlich) negativ auf den Appetit des erkrankten Kindes auswirken. Zudem entwickelt sich ein starker, säuerlicher Mundgeruch. Nach etwa einer Woche heilt die Mundschleimhaut wieder ab und es besteht keine Ansteckungsgefahr mehr.

Wissenswertes zu Herpesviren

Was sind Herpesviren?

Das Herpes-simplex-Virus ist ein sogenanntes DNA-Virus aus der Familie der Herpesviren. Es existieren insgesamt acht verschiedene menschliche Herpesviren, zu denen neben dem Herpes-simplex- u. a. auch das Epstein-Barr-, das Zytomegalie- und das Varicella-zoster-Virus gehören.

Herpesvirus bleibt treuer Begleiter

Allen Herpesviren gemeinsam ist, dass sie nach einer Erstinfektion in ein Latenzstadium übergehen. Das bedeutet, dass diese Viren nach ihrem Eindringen am Infektionsort (Haut, Schleimhaut) zunächst in den Nervenganglien (Nervenzellknoten) unseres Körpers ausharren, ohne Probleme zu verursachen.

Kommt es zu einer Reaktivierung (z. B. durch Stress oder durch ein geschwächtes Immunsystem), dann wandern die Viren von den Ganglien wieder an die Haut- und Schleimhautoberfläche, wo sie sich vermehren und die entsprechenden Symptome bzw. Krankheiten auslösen.

Befällt Herpes-simplex nur den Mund und die Lippen?

Nein, die Herpes-simplex-Viren verursachen beim Menschen an verschiedenen Körperstellen Infektionen mit bläschenartigen Haut- und Schleimhautausschlägen. Man unterscheidet zwei Typen von Herpes-simplex-Viren, die miteinander verwandt sind:

  • HSV-1 wird auch als "oraler Stamm" bezeichnet, da das häufigste Symptom bei dieser Infektion die Bläschenbildung an den Lippen ist.
  • HSV-2 wird als "genitaler Stamm" bezeichnet, da dieses Virus am häufigsten den Genitalbereich befällt.
Sieht man, ob jemand mit Herpes infiziert ist?

Nein, denn nicht jeder Mensch, der sich mit dem Herpes-simplex-Virus 1 infiziert, zeigt auch Symptome. Man geht davon aus, dass über 85% der erwachsenen Weltbevölkerung seropositiv für HSV-1 ist, dieses Virus also ohne irgendwelche Krankheitszeichen in sich trägt.

Meist erfolgt die Ansteckung mit HSV-1 noch vor dem 5. Lebensjahr, in den allermeisten Fällen jedoch unbemerkt. Kommt es doch zu Krankheitszeichen, so zeigen sich diese bei der Erstinfektion wie bereits erwähnt in Form einer Stomatitis aphthosa.

Erst Mundfäule, dann Lippenherpes

Die Reinfektionen sind den meisten von Ihnen deutlich geläufiger. Fast jeder Erwachsene hat bereits einmal oder auch schon öfter Lippenherpes bzw. einen Nasenherpes gehabt – sei es stressbedingt, im Rahmen einer Erkältung, durch zu viel Sonnenlicht oder durch Ekel provoziert.

Wie steckt man sich mit Herpes an?

Der Ansteckungsweg bei einer Erstinfektion erfolgt meist über den Speichel, teilweise auch über die Haut infizierter Personen. So kann das Virus beispielsweise durch Kuscheln mit den Eltern oder durch die gemeinsame Benutzung von Besteck, Spielzeug u. ä. sehr leicht übertragen werden.

Die Viren mögen's kuschelig

So ist es auch nicht verwunderlich, dass es gerade in Kindertagesstätten zu einer schnellen Ausbreitung des Erregers kommen kann. In den meisten Fällen erfolgt die "Durchseuchung" erfreulicherweise ohne erkennbare Beschwerden.

Ursache

Wie steckt man sich mit Mundfäule an?

Wenn man sich erstmalig mit dem Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) ansteckt, kann sich diese Infektion in Form einer Stomatitis aphthosa bemerkbar machen. Die auch unter dem Namen Mundfäule bekannte hochansteckende Viruserkrankung tritt bei Erwachsenen eher selten auf.

Von einer Stomatitis aphthosa sind überwiegend Kleinkinder, seltener Säuglinge oder junge Erwachsene betroffen. Die Schwere der Symptome und der Verlauf variieren hierbei sehr stark, die meisten Betroffenen weisen insgesamt milde bis mittelschwere Erkrankungsformen auf.

Ein ewiger Kreislauf

Man geht davon aus, dass fast jeder Mensch das Herpes-simplex-Virus 1 in sich trägt, ohne irgendwelche Krankheitszeichen aufzuweisen. Die meisten unter uns haben sich bereits im Kleinkindalter unwissend mit dem Virus infiziert. Dieser schlummert dann in unserem Körper und wird in bestimmten Situationen immer mal wieder aktiviert.

Auch Sie werden diese Erfahrung bereits gemacht haben. Etwas zu viel Sonne, zu viel Stress, eine Erkältung oder Ekelgefühl – schon ist der Lippenherpes vorprogrammiert. Diese auch als Fieberbläschen bekannte Erscheinungsform des HSV 1 ist also die sich wiederholende Reaktivierung des meist Jahrzehnte zuvor erworbenen Virus.

Es erwischt nicht jeden

Eine Mundfäule dagegen zeigt die erste Berührung mit dem Erreger an. Eine erstmalige Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus 1 bedeutet allerdings nicht zwangsläufig auch eine Stomatitis aphthosa, ganz im Gegenteil. Wie bereits erwähnt, infizieren sich die meisten Menschen bereits vor dem 5. Lebensjahr mit dem Virus, ohne dabei irgendwelche Symptome zu entwickeln.

Ob die erste Ansteckung mit dem HSV-1 unbemerkt verläuft oder sich in Form der Mundfäule zeigt, hängt u. a. auch vom Immunsystem des Einzelnen ab. Kinder oder junge Erwachsene, die unter einem geschwächten Abwehrsystem leiden (sei es im Rahmen einer Zweiterkrankung oder einer angeborenen Immunschwäche), tragen hierbei ein höheres Risiko, eine Stomatitis aphthosa zu entwickeln.

Wie es zur Ansteckung kommt

Vielleicht stellt sich Ihnen jetzt die Frage, wie es überhaupt zu einer Ansteckung kommen kann und ob man diese nicht irgendwie verhindern kann. Letzteres ist leider so gut wie unmöglich, es sei denn, Sie würden völlig isoliert von anderen Menschen aufwachsen. Bei einer in der Erwachsenenbevölkerung so hohen Durchseuchungsrate mit dem HSV-1 können Sie einer Infektion im Laufe der Jahre kaum aus dem Weg gehen.

Das müssen Sie auch nicht. In der Regel kommt unser Körper ja auch sehr gut mit den umherschwirrenden Keimen zurecht und kann sie dann auch meist ohne Schwierigkeiten bekämpfen. Kompliziert wird es lediglich bei abwehrgeschwächten Menschen, deren Organismus sich nicht optimal schützen kann.

Die Übertragung des Erregers erfolgt typischerweise durch nahestehende Personen (Eltern, Erzieher, ältere Geschwister oder Kitakinder) über Haut- oder Speichelkontakt. In der Regel haben die "Überträger" zu diesem Zeitpunkt einen aktiven Herpes simplex (z. B. in Form eines Lippenherpes). Das in hoher Anzahl in den Herpesbläschen vorhandene Virus wird dann unbemerkt über den natürlichen Körperkontakt auf die bislang nicht infizierte Person verteilt.

Rasche Entwicklung, rasche Heilung

Die Erkrankung Stomatitis aphthosa tritt meist zwei bis sieben Tage nach der Erstansteckung in Erscheinung. Man spricht hierbei auch von der sogenannten Inkubationszeit. Das ist der Zeitraum zwischen dem Eindringen des Krankheitserregers (hier: HSV-1) in den Körper und dem Auftreten der ersten Symptome bzw. dem Ausbruch der Krankheit.

Die mit Allgemeinsymptomen einhergehende Stomatitis aphthosa (andere Bezeichnung: Gingivostomatitis herpetica) betrifft vor allem die Mundhöhle, kann aber auch selten die umgebende Haut befallen. Die Mundfäule zeigt eine sehr rasche Entwicklung. Oft ist sie jedoch bereits nach zehn Tagen ausgeheilt und damit auch nicht mehr ansteckend.

Die Bezeichnung Mundfäule kommt übrigens nicht von ungefähr – der mit der Erkrankung einhergehende faulige Mundgeruch hat dieser Viruskrankheit den Namen gegeben.

Symptome

Was sind typische Beschwerden bei Mundfäule?

Die Mundfäule tritt vor allem bei Kindern im Alter von 1-3 Jahren auf. Da es sich um eine ansteckende Infektion mit Herpesviren handelt, ist der Kontakt mit anderen Kindern, insbesondere Säuglingen, zu vermeiden. Typische Beschwerden bei Mundfäule sind:

  • hohes Fieber
  • Mundgeruch
  • gerötete und geschwollene Mundschleimhaut mit Bläschen
  • Bläschen auf der Mundschleimhaut, die nach dem Aufplatzen kleine, weißlich belegte Geschwüre hinterlassen
  • Baby verweigert Nahrung wegen starker Schmerzhaftigkeit

Was sind die Symptome einer Stomatitis aphthosa (Mundfäule)?

Die auch als Gingivostomatitis herpetica bezeichnete Mundfäule tritt meist bei Kindern zwischen 10 Monaten und 5 Jahren als Erstinfektion des Herpes-simplex-Virus auf. Vereinzelt kommt sie auch im Erwachsenenalter vor. Kennzeichnend sind u. a. unzählige schmerzhafte Bläschen in der Mundhöhle.

Mundfäule – eher die Ausnahme

Das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) wird in den meisten Fällen über einen direkten Haut- oder Schleimhautkontakt bzw. über infizierten Speichel verbreitet. Der Erreger ist hochansteckend und kann vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas oder in Kindersportgruppen zu kleinen Epidemien führen.

Vom Zeitpunkt der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung können zwei bis sieben Tage vergehen, manchmal kann es auch etwas länger dauern. Wichtig hierbei zu wissen ist, dass die Stomatitis aphthosa als Folge einer erstmaligen Berührung mit dem HSV-1 eher die Ausnahme ist. Die Mehrzahl der Erstansteckungen mit dem Herpesvirus verläuft nämlich asymptomatisch, also ohne erkennbare Beschwerden.

Erste Krankheitszeichen

Meist beginnen die Symptome dieser Viruserkrankung wenige Tage nach der Ansteckung. Die Betroffenen entwickeln Fieber, sind unruhig und fühlen sich abgeschlagen. Insbesondere bei Kleinkindern ist eine Krampfneigung zu beobachten und nicht selten auch Erbrechen.

Rasch zeigt sich eine Rötung und Schwellung der Mundschleimhaut mit erhöhtem Speichelfluss und einem auffälligen Mundgeruch (Foetor ex ore). Zu diesem Zeitpunkt wird auch die Nahrungsaufnahme zunehmend schwieriger. Viele Kinder verweigern komplett das Essen und müssen teilweise sogar über die Vene oder über eine Magensonde ernährt werden.

Schmerzhafte Mundhöhle

Der weitere Krankheitsverlauf ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl von kleinen Bläschen (20 bis 50), vor allem im vorderen Mundbereich. Diese wandeln sich dann zu schmerzhaften Aphthen um. Hierbei handelt es sich um runde bis ovale, stecknadelkopf- bis linsengroße, oberflächliche Schädigungen der Schleimhaut.

Es kommt auch vor, dass sich die Aphthen weiter zu Geschwüren (Ulzerationen) entwickeln, die ineinanderfließen und von einer gelbgrauen Haut überzogen sind. Hinzu kommt eine schmerzhafte Vergrößerung der Halslymphknoten, ein geschwollenes bis blutiges Zahnfleisch und der zunehmend faulige, charakteristische Mundgeruch.

Selten an anderen Stellen

Die Gingivostomatitis herpetica beschränkt sich hinsichtlich der Lokalisation vor allem auf den Mundinnenraum. Selten kann es zu einem Befall des Naseneingangs, der Oberlippen oder sogar der Finger kommen. Insgesamt weist die unkomplizierte Variante eine gute Prognose auf mit einer Heilung innerhalb von zehn Tagen.

Seltene, jedoch gefürchtete Verlaufsformen sind dagegen die "Meningoencephalitis herpetica" und die "Aphthoid Pospischill-Feyrter". Bei der Meningoencephalitis kommt es zu einer virusbedingten gefährlichen Entzündung sowohl des Gehirns (Encephalitis) als auch der Hirnhäute (Meningitis). Diese Komplikation muss in der Regel intensivmedizinisch betreut werden und betrifft vorwiegend Neugeborene sowie Kleinkinder.

Die vor allem bei abwehrgeschwächten Kindern auftretende Variante "Aphthoid Pospischill-Feyrter" ist charakterisiert durch einen gleichzeitigen Befall von Haut, Mundschleimhaut und Genitalregion. Betroffene Kinder neigen im Bereich der befallenen Hautareale zu zusätzlichen bakteriellen Infektionen. Bei Erwachsenen sieht man diese Form eher selten.

Was könnte es außer der Mundfäule (Stomatitis aphthosa) noch sein?

Die klassische Mundfäule erkennt man typischerweise an den schmerzhaften Bläschen und Aphthen im geröteten Mundvorhof. Doch nicht immer verbirgt sich hinter einer entzündeten Mundhöhle und bläschenartigen Schleimhautveränderungen eine Stomatitis aphthosa. Verlauf, Aussehen und Lokalisation sind entscheidend. Bereits diese Parameter schränken die Auswahl ein.

Typischerweise leiden die Betroffenen schon vor Ausbruch der akuten Krankheit unter uncharakteristischen Vorzeichen bzw. Frühsymptomen, die sich im Falle der Mundfäule gerne durch Fieber, Abgeschlagenheit, Unruhe, ggf. auch durch Erbrechen, Mundgeruch und eine Krampfneigung äußern. Manch einer weist zusätzlich einen erhöhten Speichelfluss auf und verweigert bereits in dieser Phase das Essen.

Auch ans "Untypische" denken

Bei jungen Erwachsenen fehlen diese wegweisenden Hinweise häufig. Insgesamt können sich die Beschwerden bei ihnen deutlich schwächer präsentieren und beispielsweise nur einzelne Bläschen oder Geschwüre im Mund sichtbar sein. Eine Tatsache, die die Diagnose deutlich erschwert und oft weiterführende Untersuchungen erforderlich macht.

Das Problem ist nämlich nicht unbedingt, eine Stomatitis aphthosa zu übersehen, sondern im Gegenteil eine andere (schwerwiegendere) Erkrankung nicht rechtzeitig zu erkennen.

Mögliche Differentialdiagnosen

An dieser Stelle möchten wir Ihnen eine kleine Übersicht darüber geben, welche möglichen weiteren Erkrankungen differentialdiagnostisch zur Mundfäule in Erwägung gezogen werden müssen:

  • habituelle Aphthen: schmerzhafte, nicht-infektiöse, entzündliche, bis zu linsengroße, oberflächliche Schädigungen der Mundschleimhaut; keine Allgemeinsymptome; die Ursachen sind vielfältig
  • Herpangina: sehr ähnlich der Stomatitis aphthosa inkl. der Prodromi; allerdings treten die Schleimhautveränderungen vorzugsweise an Gaumenbögen, -zäpfchen und den Gaumenmandeln auf; auslösende Erreger sind meist die Coxsackie-Viren Typ A
  • Stomatitis Plaut-Vincent: ebenfalls vom Verlauf und Erscheinungsbild sehr ähnlich der Mundfäule; jedoch deutlich seltener; mit unzähligen Geschwüren, deren Beläge sich blutig abstreifen lassen; durch Bakterien verursacht; mögliche Grunderkrankungen müssen ausgeschlossen werden
  • Morbus Behçet: vorwiegend bei jungen Erwachsenen auftretende, autoimmune Entzündung der Blutgefäße (Vaskulitis); wird zu den rheumatischen Erkrankungen gezählt, wobei die Ursachen unklar sind; neben den typischen Aphthen im Mundbereich kommen noch unzählige andere Symptome hinzu (u. a. Befall der Augen, Gelenke, Haut)

Diagnostik

Wie kann man eine Stomatitis aphthosa (Mundfäule) nachweisen?

Die Diagnose wird meist anhand des klassischen Verlaufes und Erscheinungsbildes gestellt, gelegentlich werden aber auch ergänzende Laboruntersuchungen durchgeführt.

Charakteristischer Krankheitsverlauf

Die auch unter dem Namen Gingivostomatitis herpetica bekannte Mundfäule weist bei der Mehrzahl der Betroffenen einen ganz typischen Erkrankungsverlauf mit Veränderungen im Bereich der Mundhöhle und des Zahnfleisches auf. Diese Kombination führt den behandelnden Arzt meist schnell zur Diagnose der Virusinfektion.

Normalerweise kündigt sich die Stomatitis aphthosa durch sogenannte Prodromi an. Darunter versteht man uncharakteristische Vorzeichen bzw. Frühsymptome, die vor Ausbruch der akuten Krankheit in Erscheinung treten. Im Falle der Mundfäule kann sich das durch Fieber, Unruhe, Abgeschlagenheit und bei Kleinkindern auch gerne durch Erbrechen und eine Krampfneigung äußern. Nicht selten kommen Lymphknotenschwellungen, erhöhter Speichelfluss und eine Verweigerung des Essens hinzu.

Spätestens jedoch beim ersten Auftreten der schmerzhaften Bläschen und Aphthen (geschwürartige Schleimhautschädigungen) im Bereich des Mundvorhofes zeitgleich mit dem charakteristischen Mundgeruch steht die Diagnose der Infektionskrankheit fest.

Im Zweifelsfall folgen weitere Tests

Wenn es denn immer so einfach wäre! Es gibt nämlich durchaus Situationen, wo sich die Diagnosefindung nicht ganz so leicht gestaltet. Das kann sowohl bei sehr schweren Verlaufsformen der Fall sein als auch bei weniger typischen Verläufen im Erwachsenenalter. Bestehen Zweifel, macht es also durchaus Sinn, weitere Untersuchungen in die Wege zu leiten. Diese können – je nach Schwere und Ausprägung der Erkrankung – folgende Maßnahmen sein:

  • Abstrichtest
  • Blutuntersuchung
  • Gewebeprobe
  • Liquorentnahme

Die Diagnose der Stomatitis aphthosa ist in der Regel eine Blickdiagnose. Weiterführende Untersuchungen zu differentialdiagnostischen Zwecken sind eher selten und unklaren bzw. komplizierten Verläufen vorbehalten.

Was ist ein Abstrichtest bei Herpes-simplex-Infektion?

Die häufigste Untersuchungsmethode ist der Abstrichtest. Mittels eines Wattestäbchens wird der Inhalt eines Bläschens beispielsweise auf einen Glasobjektträger ausgestrichen und im Labor auf entsprechende Viren untersucht. Ein einfaches und schmerzloses Testverfahren.

Mundfäule: Was wird bei der Blutentnahme untersucht?

Eine weitere Möglichkeit ist die Virusbestimmung über eine Blutentnahme. In diesem Fall wird Ihr Blut im Labor auf entsprechende Antikörper gegen das vermutete Virus untersucht. Allerdings bleibt in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass man nicht immer zwischen dem Herpes-simplex-Virus I und II unterscheiden kann.

Herpes-Infektion: Wie wird eine Gewebeprobe entnommen?

Manche Ärzte bevorzugen zum Ausschluss anderer differentialdiagnostisch in Frage kommender Erkrankungen eher die histologische Untersuchungsmöglichkeit. Bei dieser Methode wird Ihnen Gewebe entnommen, welches anschließend im Labor mikroskopisch untersucht wird.

Zur Gewebeentnahme (Biopsie) wird häufig eine sogenannte Stanze verwendet, die meistens einen Durchmesser von zwei bis vier Millimetern aufweist. Vor Entnahme wird der entsprechende Haut- bzw. Schleimhautbereich lokal betäubt. Ein eher von Hautärzten praktiziertes rasches und aussagekräftiges Verfahren.

Herpes-Infektion des Gehirns: Was passiert bei einer Liquorpunktion?

Besteht der Verdacht einer Meningoencephalitis herpetica (virusbedingte gefährliche Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute), kann sogar eine Liquorpunktion erforderlich sein. Bei diesem Verfahren wird eine Nervenwasserprobe aus dem Rückenmarkskanal mittels einer Punktionsnadel entnommen und auf Herpes-simplex-Antikörper untersucht.

Die Liquorentnahme ist sicherlich nicht die angenehmste Untersuchung, kann im Zweifelsfall aber lebensrettend sein. Die Probe wird meist an der sitzenden, nach vorn gebeugten Person entnommen und erfolgt durch einen Einstich (Punktion) zwischen zwei Wirbeln im Bereich der Lendenwirbelsäule (lumbal).

Behandlung

Wie behandelt man Mundfäule (Stomatitis aphthosa)?

Zusammenfassend lässt sich festhalten: In der Regel ist die unkomplizierte, milde Verlaufsform der Mundfäule die häufigste Variante der Herpes-Erstinfektion. Die Erkrankung heilt meist innerhalb von zwei Wochen ohne Folgen komplett aus. Die Therapie ist vorwiegend symptomatisch, selten werden innerliche Medikamente eingesetzt:

  • Gönnen Sie sich Ruhe:

    Egal ob als Kind oder Erwachsener, schalten Sie einen Gang zurück und ermöglichen Sie so Ihrem Immunsystem, die Erreger von alleine zu bekämpfen.

  • Viel trinken ist wichtig:

    Aufgrund des geschwollenen Zahnfleisches, der großen Anzahl an Aphten (geschwürartige Schleimhautschädigungen) und der vielen Bläschen in der Mundhöhle können die Betroffenen kaum essen.

    Die Nahrungsaufnahme und teilweise auch das Trinken werden durch die schmerzhaft entzündete Mundschleimhaut zur Tortur. Insbesondere bei Kleinkindern besteht in solchen Situationen die Gefahr einer Dehydratation. Hierbei verliert der Körper mehr Flüssigkeit und/oder Elektrolyte (Salze) als ihm zugeführt wird. Der starke Flüssigkeitsmangel kann zur Austrocknung führen und vor allem bei den Kleinsten zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.

    Deshalb: Versuchen Sie, ausreichend zu trinken! Wenn das nicht gelingt, muss ggf. über eine parenterale Versorgung (Flüssigkeitszufuhr über die Vene) nachgedacht werden.

  • Scharfe und saure Speisen meiden:

    Bei der Auswahl der Nahrungsmittel empfiehlt es sich, milde, kühle, flüssige bis halbfeste Lebensmittel zu essen (z.B. zerdrückte Bananen, Brei, Kartoffelstampf, Nudeln). Dadurch vermeiden Sie eine zusätzliche Reizung der Mundhöhle. Verzichten Sie während der akuten Entzündungsphase möglichst auf scharfe, saure und heiße Nahrungsmittel. Dazu gehören u.a. Tomaten, Zitrusfrüchte, Zwiebeln, Chili, Pfeffer oder Essig.

  • Lokale antientzündliche Maßnahmen:

    Zur Desinfektion der Mundhöhle haben sich antiseptische (keimbekämpfende) Mundspüllösungen und Kamillentee bewährt. Diese können Sie bei Bedarf mehrmals täglich anwenden.

  • Schmerzlinderung:

    Bei Schmerzen bieten sich lokal wirkende Gele wie beispielsweise Dynexan® Mundgel an. Das Arzneimittel enthält das Lokalanästhetikum Lidocain und wirkt dadurch örtlich betäubend. Die Anwendung ist bereits ab dem Säuglingsalter möglich. Wenn erforderlich, können Sie ergänzend noch schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen einnehmen.

  • Virostatika:

    Normalerweise bedürfen die milden Verlaufsformen einer Stomatitis aphthosa keiner innerlichen Therapie. Bei einem mittelschweren Verlauf kann eine Tablettenbehandlung mit einem Virostatikum (hemmt die Vermehrung der Viren) wie Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir in Erwägung gezogen werden. Sollte sich Ihr Arzt für eine solche systemische Therapie entscheiden, muss diese möglichst früh begonnen werden.

Bei schweren Verlaufsformen der Stomatitis aphthosa oder bei auftretenden Komplikationen ist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus unvermeidbar. In solchen Fällen werden die antiviralen Medikamente intravenös (als Infusion über die Vene) verabreicht. Nicht selten haben die Betroffenen gleichzeitig auch eine bakterielle Infektion, die den Einsatz eines Antibiotikums erforderlich macht.

Prognose

Kann man öfter an Stomatitis aphthosa (Mundfäule) erkranken?

Bei der Stomatitis aphthosa handelt es sich um das erste und einmalige Auftreten einer Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) im Bereich der Mundhöhle. Spätere durch das Virus hervorgerufene Erkrankungen zeigen sich an anderer Stelle.

Nur einmal im Leben

Sollten Sie einmal an einer klassischen Mundfäule erkrankt sein, können Sie sicher sein, dass das nicht noch einmal passiert. Die Stomatitis aphthosa ist nämlich ein Krankheitsbild, dass nur bei einer Erstansteckung mit HSV-1 in Erscheinung tritt.

Spätere Erkrankungen des Herpes-simplex-Virus 1 sind sogenannte Reaktivierungen des oft jahrelang im Körper schlummernden Erregers. Und dieses Wiederaufblühen dürfte den meisten von uns sehr geläufig sein. Die auch unter dem Namen "Fieberbläschen" bekannte chronisch-wiederkehrende Erscheinungsform des HSV-1 tritt gerne als Lippen- und Nasenherpes auf.

Welche möglichen Komplikationen hat die Mundfäule?

In der Regel ist die Erstinfektion mit dem Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) eine mild verlaufende Erkrankung, die ohne therapeutische Maßnahmen zum Erliegen kommt. Die sonst lediglich auf die Mundhöhle beschränkte Virusinfektion kann in seltenen Fällen jedoch auch schwere Verläufe und Komplikationen aufweisen.

Vorsicht bei geschwächter Abwehr

Problematisch wird es, wenn sich abwehrgeschwächte Personen erstmalig mit dem HSV-1 infizieren. Dann nämlich besteht die Gefahr, schwere Verlaufsformen wie ein "Aphthoid Pospischill-Feyrter" oder auch Komplikationen wie eine Meningoencephalitis zu entwickeln.

Diese schweren Formen einer Stomatitis aphthosa sieht man eher bei immungeschwächten Kindern, die entweder gerade eine Masern-, Mumps-, Keuchhusten-Infektion durchgemacht haben, organtransplantiert sind, eine Chemotherapie erhalten oder aber unter einer HIV-Infektion leiden.

Zum Glück sieht man diese schweren Verlaufsformen erfreulicherweise aber nur sehr selten.

Wissenswertes zu Komplikationen

Was ist ein "Aphthoid Pospischill-Feyrter"?

Die unter dem unaussprechlichen Namen "Aphthoid Pospischill-Feyrter" geführte Sonderform der Mundfäule ist gekennzeichnet durch einen gleichzeitigen Befall von Mundschleimhaut, Haut (auch Fingerspitzen) und Genitalregion. Die betroffenen Kinder neigen dazu, im Bereich der befallenen Hautareale zusätzlich bakterielle Infektionen zu entwickeln. Bei Erwachsenen ist diese Variante eher selten zu sehen.

Was ist eine "Meningoencephalitis herpetica"?

Die gefürchtete, ebenfalls seltene Komplikation einer "Meningoencephalitis herpetica" sieht man vorwiegend bei Neugeborenen und Kleinkindern. Hierbei kommt es zu einer virusbedingten gefährlichen Entzündung sowohl der Hirnhäute (Meningitis) als auch des Gehirns (Encephalitis). Die Kinder können Krampfanfälle bis hin zum Koma erleiden und müssen intensivmedizinisch betreut werden.

Können durch Mundfäule auch andere Körperareale erkranken?

Ja, eine klassische, selbst verschuldete Verschleppung der Viren an andere Körperstellen ist keine Seltenheit. Dies geschieht meist durch Übertragung des (aufgekratzten) Bläscheninhalts über die Finger auf andere Hautareale oder sogar in die Augen. Bei einer Herpesinfektion der Augen muss unbedingt eine augenärztliche Mitbehandlung erfolgen, sonst drohen bleibende Schäden.

Bakterien auf den Bläschen – was ist eine Superinfektion?

Eine weitere (leichtere) Komplikation der Mundfäule ist die sogenannte bakterielle Superinfektion. Hierbei lagern sich auf der ohnehin schon geschädigten Haut und Schleimhaut zusätzlich Bakterien ab. Meist erfordert diese Keimbesiedlung eine innerliche Behandlung mit einem Antibiotikum.

Trinkunlust: Besteht die Gefahr der Austrocknung bei Mundfäule?

Da aufgrund der schmerzhaften Bläschen und Verletzungen in der Mundhöhle die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr eingeschränkt ist, besteht insbesondere bei Kindern auch die Gefahr einer Dehydratation. Das bedeutet, dass der Körper durch den starken Flüssigkeitsmangel so stark austrocknet, dass es für die Kleinen schnell lebensbedrohlich werden kann. Eine Flüssigkeitszufuhr über die Vene (Infusionstherapie) ist dann oft die einzige, aber sehr effektive Lösung.

Noch ein Extra-Tipp:
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Quellen:

  • Sterry W, Paus R. Venerologie, Allergologie, Phlebologie, Andrologie. Thieme Verlag. (2000)

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